Ehen werden im Himmel geschlossen

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Dieser Spruch, von Oscar Wilde satirisch-bissig verdreht als "Scheidungen werden im Himmel beschlossen" und wie beiläufig in die Komödie „The Importance of being E(a)rnest“ eingestreut, kennzeichnet überdeutlich, wie früher die Partnerwahl quasi regelhaft vonstatten ging. Nicht die Partner finden sich, sondern die Ehe wird von den Familien ausgemacht, arrangiert. In unserer aufgeklärten Welt, mit Ausnahme vielleicht einiger rückständiger Gebiete auf dem platten Land, gilt diese Art der Partnerfindung allerdings seit geraumer Zeit – und wohl zu recht – als ein eklatanter Verstoß gegen die Menschenrechte, einmal ganz davon abgesehen, wieviel „Glück“ eine solche Ehe wohl produzieren mag. Ein Sonderfall liegt sicherlich dann vor, wenn einer der beiden Partner unter Androhung oder Volllzug von körperlicher Gewalt in diese Ehe gezwungen oder in ihr gehalten wird. Doch nur dieser offensichtliche Ausnahmefall kann rechtlich verfolgt werden und ist seit 2010 ein eigener Straftatbestand. Betroffen sind davon nur 0.035%  aller existierenden Ehen in Deutschland. Wundert es irgendjemanden, dass nicht mehr Fälle bekannt werden?

Die Zahlen wurden geliefert durch eine Studie, die im Auftrag der Bundesfamilienministerin Christina Schröder und federführend von der Hamburger Lawaetz-Stiftung und der Frauenorganisation Terre des Femmes erstellt worden war.

Da vor allem moslemische Familien davon betroffen sind, wittern die Berufsmoslems darin gleich wieder eine Attacke auf den Islam. So empört sich Nurhan Soykan lautstark in einem Artikel auf islam.de: Das Thema Zwangsehe führt immer wieder zu hitzigen Debatten, schon die Definition ist umstritten. Die vorliegende Studie spricht nur dann von einer Zwangsheirat, wenn mindestens einer der Ehepartner durch Gewalt oder Drohungen zum Heiraten gezwungen wird. Davon zu unterscheiden sind sogenannte arrangierte Ehen, bei denen der Partner ebenfalls von Verwandten oder Dritten ausgesucht wird, die Eheleute damit aber einverstanden sind.

Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Perfidie das wirkliche Problem, das Arrangieren von Ehen, quasi in einen Nebensatz als unwichtig verschoben wird. Denn genau dies kennzeichnet die Lebenswirklichkeit moslemischer Paare. Einer Gewaltandrohung bedarf es dazu  in aller Regel nicht. Das Wort der Väter hat in einer typisch moslemischen Familie Gesetzeskraft. Und natürlich erklären sich die betroffenen Kinder einverstanden. Gewaltandrohung ist ja auch nur dann nötig, wenn sie aufmucken sollten. Das Geschrei der moslemischen Interessengruppen geht also vollumfänglich am wahren Problem vorbei. Das wird nicht einmal diskutiert, so selbstverständlich ist in diese rückständige Kultur eingebügert.

Meine eigenen Beobachtungen zu diesem Thema stammen (wie sollte es wohl anders sein) aus meinem Gastland Tunesien. Auf dem Land ist die arrangierte Ehe nach wie vor der Regelfall. Mit dem Zerfall traditioneller Familienstrukturen in Ballungsgebieten, also ganz ähnlich der Entwicklung in der Vergangenheit in Europa, gibt es aber zwei bemerkenswerte Tendenzen. Zum einen suchen und finden sich die jungen Leute immer häufiger freiwillig zum Ehebund zusammen und zum anderen scheitern in zunehmendem Maße Zwangsverbindunngen der genannten Art. Die Scheidungsrate nimmt von Jahr zu Jahr zu – und die Trennung wird in den meisten Fällen von Frauen verlangt, die sich endlich ihres Paschas entledigen wollen. Diese Entwicklung wird wohl kaum aufzuhalten sein.

Ich gehe einmal davon aus, dass meine tunesischen Beobachtungen auch auf die Türkei zutreffen mit denselben Unterschieden zwischen Anatolien und den Großstädten wie Ankara oder Istambul. Bei den Türkischstämmigen in Deutschland scheint aber die nachgeholte „Cousine aus Anatolien“ wohl eher kein Klischee, sondern ein sehr häufig anzutreffender Fall zu sein.

Ich erspare mir an dieser Stelle jede weitere Bemerkunng dazu, welche Schlüsse aus diesem Umstand für die Integrationsfähigkeit dieser neudeutschen Bevölkerung daraus gezogen werden müssen.

 

 

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4 Antworten auf Ehen werden im Himmel geschlossen

  1. Argutus sagt:

    Jede arrangierte Ehe ist eine Zwangsehe, selbst wenn die Brautleute keinen Protest einlegen und die Ehe glücklich werden sollte. Sie hatten ja keine andere Wahl.

  2. Saejerlaenner sagt:

    Diese Praxis Zwangsverheiraten ist bei den hiesigen Türken gang und gebe; ich kenne mindestens drei solche Fälle, obwohl ich insgesamt gar nicht so viele Türken kenne. Und jeder, den ich kenne, der einige Türken kennt, kann ähnliches berichten. 0,035% sind immerhin drei bis vier bekannt gewordene Fälle auf 1000 Personen, die Dunkelziffer dürfte höher sein – und das sind nur diejenigen Fälle, wo tatsächlich brutale Gewalt angewendet wurde.  In der Regel sind die Methoden subtiler (Ausgehverbot, Hobbyverbot, Bücher wegnehmen, familieninternes Mobbing, Liebesentzug etc.); so wird natürlich auch ein beträchtlicher Druck ausgeübt.

  3. Frederik sagt:

    Ein sehr interessanter Artikel. Hier nochmal die Studie vom BMFSFJ, die viel zu spät kommt:  http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Zwangsverheiratung-in-Deutschland-Anzahl-und-Analyse-von-Beratungsf_C3_A4llen,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

    In 60% der dokumentierten Fälle gaben die Opfer ihre Religionszugehörigkeitn an. In 83% der Fälle mit Angabe war es der Islam. Im wissenschaftlichen Beirat der Studie gab es eine "kontroverse Diskussion über die Erhebung des Merkmals Religion". "Von den bundesweit befragten 1.445 Beratungs- und Schutzein-richtungen wurden 830 Einrichtungen erreicht" (S. 19) Warum antworten die restlichen Beratungseinrichtungen bitte nicht auf eine Studie des BMFSFJ?!

  4. Frank Berghaus sagt:

    #3 Frederik am 13. November 2011 um 11:28

    Deshalb schäumen die Islamverbände ja so!

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