Gender-Verschwörung

Dass böse Mächte sich gegen den arbeitenden Menschen verschworen haben, glauben viele. Bekanntlich wird nach deren Auffassung seit einiger Zeit eine NWO ("Neue Welt-Ordnung") installiert, in der der Profit bei einer schmalen Schicht von Finanzleuten an der amerikanischen Ostküste konzentriert wird. Diese Schicht ist wahlweise mit oder ohne Beherrschung durch "die Juden" vorstellbar. Jedenfalls sind die Bösen eben Kapitalisten und so reicht das Spektrum der Anhänger dieser Theorie von national bis relativ links.

Eine etwas eingegrenztere eher nostalgische und nationalere Vorgängerversion dieser Verschwörung ist das "perfide Albion", dass dem technischen und wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands 1860 bis 1910 feindlich gegenüber stand, mit der Vorschrift der Kennzeichnung "Made in Germany" das Eigentor der Wirtschaftsgeschichte schoss und letztlich den ersten Weltkrieg zum herbeigesehnten Anlaß nahm, das Land auf dem Kontinent nieder zu drücken und als es sich erholt hatte einen weiteren Krieg auszunutzen und bis in alle Zukunft Deutschland als Zahler für alles am Boden zu halten. Die Anhänger dieser Version werden allerdings im Laufe der Zeit immer weniger zugunsten der oben genannten eher globaleren NWO. Verwunderlich ist das nicht, denn das Verbrechen der Ermordung von 6 Millionen Juden ist die mit dieser Weltsicht indirekt verbundene dissonante Schattenseite.

Beide Theorien (und ein paar ähnliche) haben insofern etwas abgeschlossenes, als dass sich gute Arbeiter und böse Kapitalisten oder gute Deutsche und böse Siegermächte voneinander deutlich abgesetzt gegenüber stehen. Diese Fronten sind klar und die Fronten sind konservativ – es geht um Reichtum und Ressourcen. Und Indizien über diese Verschwörung der Finanzhaie kann man in der Tat jeden Tag in der Zeitung lesen oder durch Veränderung der Bedingungen am Arbeitsplatz in den letzten Jahrzehnten aus eigener Erfahrung bestätigen.

Anders kommt die "Gender-Verschwörung" daher. Vorgeblich sind es die Aktivitäten emanzipationsbewußter Frauen (und sie unterstützender Männer), die für gleiches Recht für ihre Hälfte der Bevölkerung wirken. Unter dem Schutzschirm dieser Idee der Gleichberechtigung haben sie ihren Aktionsraum. Hier wird ein ganz unmittelbares Gefühl für Gerechtigkeit angesprochen, daher stoßen Argumente dagegen auf Unverständnis. Notfalls wird an das schlechte Gewissen apelliert, dass man wegen der jahrhundertelangen Benachteiligung von Frauen zu haben hat.

So gibt es denn jetzt beispielsweise Frauen- oder Gleichstellungsbeauftragte, Quotenregelungen werden angestrebt, das generische Maskulinum der Sprache bemängelt und durch das "Binnen-I" geheilt, die Außenbehörde der USA spricht auf Formularen nicht mehr von "Vater" und "Mutter", sondern "parent 1" und "parent 2". Probleme von Menschen mit Präferenz gleichgeschlechtlicher Sexualität werden in die Aktionen einbezogen, das natürliche Geschlecht als zu vernachlässigender Zufall abgetan und jede echte oder vermeintliche Benachteiligung von anderen als heterosexuellen Männern publizistisch offensiv angeprangert. Die Rolle der Familie wird als weniger wichtig deklariert gegenüber individueller Selbstverwirklichung oder sie als Herrschaftsinstument diffamiert. Dafür werden alternative Lebensentwürfe kulturell gefördert.

Doch ist das nur die Fassade vor der eigentlichen Verschwörung. "In Wirklichkeit" sind die aktiven Frauen und ihre Unterstützer nur unwissendes Werkzeug anderer Mächte im Hintergrund. Daher auch die auffällige Untätigkeit gegenüber der Benachteiligung der etwa 700 Millionen Frauen im islamischen Bereich. Diese Frauen stehen außerhalb des Fokus von Gender und Emanzipation, da sie kultursensibel  in ihrer vorgegebenen Rolle bleiben dürfen.

Der "wahre" Zweck der Gender-Verschwörung ist die Zähmung des gefährlichsten Wesens: Der agressive "weiße" Mannn. Wozu er fähig war, weiß man ja. Nennen wir nur die Begriffe "Kolonialismus", "Imperialismus" und speziell für Deutsche "Holocaust". So muss seine Widerstandsfähigkeit von Grund auf unterminiert werden, ihm die Sicherheit einer maskulinen Rolle genommen werden, sein Gewissen gelenkt werden und seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt, seine Gewohnheiten belächelt und sein Denken kanalisiert werden.

Das beginnt mit der Feminisierung der Erziehung, seine herablassende Beurteilung entweder als Weichei oder Pascha und der Ausplünderung bei gescheiterten Beziehungen mit Kindern. Sogar der wissenschaftliche Dienst des Bundestages schreibt in einer Studie: Als „Krise der Kerle“ beschreiben Männerforscher die derzeitige Orien­tie­rungs­losigkeit vieler Männer bezüglich ihrer Geschlechts­identität: Die tra­di­tio­nel­len Rollen des Mannes als Versorger, Beschützer und Ent­schei­der haben weitgehend ausgedient, neue sind noch nicht etabliert. Man hat es also schon gemerkt.

Während bei der NWO die Profiteure der Verschwörung klar benannt sind, sind die Hintermänner der Gender-Verschwörung so geheim, dass sie verborgen hinter den für sie agierenden Frauen sich allen Blicken entzogen haben. Über ihre Rolle und ihre Motive darf gerätselt werden. Manche denken hier an eine geheime Taktik der islamischen Eroberung Europas, denn deren Männer werden nicht unter das kulturelle Verdikt gestellt.

Dass Verschwörungstheorien generell von der Halbwahrheit leben, dass manche der behaupteten Wirkungen der Verschwörung durchaus auf realen Tatsachen, Indizien und Meinungen beruhen, ist ja gerade die Voraussetzung, dass derartige Theorien überhaupt entstehen können. Kein Rauch ohne Feuer.

Erfahrungsgemäß sind allerdings soziologische Probleme komplizierter, als das monokausale Weltbild des Verschwörungstheoretikers sich das vorstellt. Verschwörungstheorien mögen manchmal den Fokus auf Gegebenheiten richten, die nicht wahr genommen werden sollen. Es kann ihr Verdienst sein, unbequeme Fragen zu stellen. Ihre Antworten gehen allerdings meist weit an den Zusammenhängen der Wirkungen vorbei und beschreiben nur ein eingeschränktes Spektrum der Interessen.


 

 

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9 Antworten auf Gender-Verschwörung

  1. pinetop sagt:

    Die schmale Schicht der Finanzleute die angeblich an der Welteroberung arbeitet. Die Welt ist zu kompliziert und schwer zu verstehen. Da ist es kein Wunder, wenn sich solche Phantasmen in den Köpfen festsetzen. Und der Marxismus, der die Welt in das zu einfache Schema der zwei Klassen presst, spielt hier auch eine verhängnisvolle Rolle. Marxismus kann den Verstand verwirren und vergiften, wie bereits Raymond Aron festgestellt hat. 
    Ich sehe (noch?) keinen Zusammenhang mit einer angeblichen Gender-Verschwörung. Obwohl ich im Grundsatz für eine Gleichberechtung der Geschlechter eintrete, sehe ich manche Übertreibungen und Entgleisungen noch von der heiteren Seite.

  2. Frank Berghaus sagt:

    #1 pinetop am 2. Dezember 2011 um 15:29

    Zumindest das, was sich im sprachlichen Bereich abspielt wie dieses unsinnige BinnInnen-I, kann man mit aller Gelassenheit zurückgelehnt betrachten.

    Sprache hat schon weniger Quatschiges abgestossen :-)

  3. Argutus sagt:

    #2 Frank Berghaus am 2. Dezember 2011 um 15:40

    Sprache hat schon weniger Quatschiges abgestossen

    Ja, es gehört schon eine beträchtliche linguistische Naivität dazu, so sperrige Neuerungen wie ein Binnen-I als bleibende Innovation zu betrachten. Sprachgeschichtlich ist das nur eine politisch motivierte Mode-Torheit.

  4. Frank Berghaus sagt:

    #3 Argutus am 2. Dezember 2011 um 15:58

    Sprachgeschichtlich ist das nur eine politisch motivierte Mode-Torheit.

    …die dann im Nachhinein dem milden Lächeln zukünftiger Berufsnachfolger von mir unterworfen sein wird.

  5. Saejerlaenner sagt:

    Ja seid ihr denn gar nicht auf dem neuesten Stand? Das BinnInnen-I ist doch längst abgelöst durch das Binn_innen-_innen. Ich empfehle hierzu auch die Lektüre der Gemeinde Glindau (oder so ähnlich) über multifunktionale Mittelstreifen, sonst kann man nämlich nicht mitreden.
    Das beginnt mit der Feminisierung der Erziehung, seine herablassende Beurteilung entweder als Weichei oder Pascha und der Ausplünderung bei gescheiterten Beziehungen mit Kindern.
    An dieser und ähnlichen Stellen immer wieder gern verlinkt sei folgendes:
    http://killerbeesagt.files.wordpress.com/2011/10/wk080211_islamgeburtenvater.jpg
      :mrgreen:

  6. Indianerjones sagt:

    Auch da zuviel versteckte Religion und dergleichen…[..]:nerd:

  7. gottmagus sagt:

    Es gibt keine Gender-Verschwörung, aber ein Blog, der sich humanistisch nennt, es aber nicht ist, kann ja wohl nichts anderes liefern, er muß ja täglich seinen Wahnsinn beweisen.
    Das angeblich männliche Kämpfen hat die Frau im hohen Maße emanzipiert, das erfolgreiche Wirken der Frau in den beiden Weltkriegen in der Industrie, hat die Frau nicht nur vom Korsett befreit, sondern ihr auch gezeigt, daß auch sie arbeiten und für ihren Lebensunterhalt sorgen kann. Daß die Frau für sich selbst sorgen können muß und kann, haben die toten Ehemänner der beiden Weltkriege ebenfalls gezeigt.
    Männer und Frauen sind biologisch verschieden, aber ihre Rolle in der Gesellschaft ist variabel, es gab in der Steinzeit mehr als genug Frauen, die als Jäger im Einsatz waren, das zeigen Jagdverletzung an Frauenskeletten. Es gab auch immer wieder Frauen, die militärisch im Einsatz waren, man nehme nur die Reiterkriegerinnen der Steppenvölker, die das Vorbild für die Amazonen waren, Frauen, die erfolgreich in den Krieg zogen, obgleich es ihnen offiziell verboten war, wie in den Kriegen des 19.Jhd. oder Frauen, die sich als gute Milizkämpfer bei der Verteidigung von Städten erwiesen.
    Die gesellschaftliche Rolle von Geschlechtern ist beliebig und variabel, das zeigen auch
    Dieser ganze Gender-Verschwörungsunsinn zeigt doch nur, daß ein paar Männer Angst haben, sie haben Angst vor Frauen, vor Konkurrenz und davor, daß sie sich eine Position oder Stellung erkämpfen müssen und nicht einfach geschenkt bekommen. Ihr seid die weichen Memmen, die meinen alles geschenkt bekommen zu müssen, weil sie keine Titten haben.
    Die Gender-Verschwörungsfanatiker sind doch die großen Propagandisten, die uns einreden wollen, daß Männer schwach, unterdrückt und hilflos sind. Daß Frauen in Erziehungsberufen die Mehrheit stellen, ist nicht schuld der Frauen oder einer erfundenen Geheimorganisation, welcher von euch Genderverschwörungstheoretiker würde als Kindergärtner, Lehrer oder als Erzieher arbeiten? Ihr haltet doch die Männer in diesen Berufen für Pussies, Homos oder unmännliche Weicheier. Ihr habt Männern diese Berufe unmöglich gemacht.
    Die größten Weicheier seid ihr Genderverschwörungsmemmen, ihr jammert lieber als die Welt zu gestalten. Ihr flüchtet euch in unsinnige Männlichkeitsbilder, die anstrebt, weil ihr einen Kult um eure eigene Schwäche macht. Ihr seid solche Schwächlinge, daß ihr andere in euren Club der Jammerlappen und Superpussies aufnehmen müßt, damit ihr euch mit ihrem Gejammer und euren wilden Fantasien hingeben könnt.
    Es gibt nichts widerlicheres und unmännlicheres  als euch Jammerlappen, ihr seid zu feige und zu schwach mal über euren Schatten zu springen und ihr seid zu schwach, feige und hodenlos um euch zu behaupten und Probleme zu lösen. Ihr versteckt euch lieber hinter der Ausrede, daß eine allmächtige Weltverschwörung euch die Kraft raubt und euch in Pussies verwandelt.
    Pussies, schaut euch mal den Löwen an, als Symbol ist er Spitze, Stärke, Macht, Würde und Männlichkeit in Reinkultur, ja auch der echte Löwe ist stark und mächtig, er ist so mächtig, daß er ohne die Weibchen kaum überleben kann, er ist kriegerisch, daß er nur kämpft, damit ihn die Weibchen die Jagd abnehmen, für die sein Muskeltempel von Körper nicht gebaut ist.
    Ihr seid die Pussies, ihr macht auch aus einen Jungen oder Mann ein Weichei oder eine Pussy, jede metrosexuelle Pussy hat mehr Männlichkeit und Eier, als ihr Weicheier und Hodenlosen mehr haben werdet.
    Ihr seid zu feig und zu schwach für den Kampf, für das Erkämpfen und Ergreifen einer Rolle, ihr seid zu jämmerlich, zu stolz, zu feig und degeneriert, um euch voller stolz noch Mann nennen zu können. Durch eure dümmlichen Tiraden werden aus Männern Pussies, werden aus Männern schwache, nutzlose Kaltduscher, die Angst haben, warm zu duschen.
    Seid doch stolz, wenn Mädchen und Frauen euch zum Kampf fordern, sie zeigen wollen, daß sie keine Pussies und Weicheier sind, sondern ebenwürdige Streiter, die wollen, daß ihr Weicheier euch als Weicheier zeigt, die trotz eurer Schwäche und hodenlosen Natur kämpfen und
    Ihr jammert, suhlt euch in eure Jämmerlichkeit und hodenlosen Natur, statt einfach Mann und Mensch zu sein. Ist eine Frau mehr Mann als ihr, dann erkennt das an und arbeitet daran männlicher zu werden, statt euch darüber zu beschweren, daß solch jämmerliche Pussies seid.
    Ihr wollt keinen Kampf, ihr wollt keine Männlichkeit, ihr wollt, daß euch Mann und Frau dafür den Pussiearsch küssen, weil ihr solche Jammerlappen seid, die nichts gebacken bekommen und nicht stolz ihren kurzen Schwanz und ihre Schwäche präsentieren und stolz brüllen, daß sie vielleicht kleine Pussies sind, aber wenigstens nicht so hodenlos sind, daran zu arbeiten und es akzeptieren zu können.
    Die Probleme von uns Männern fangen mit euch an und enden erst, wenn ihr hodenlosen Pussies endlich stolz seid, obgleich ihr so eine kleine schwanzlose Jammerlappen seid.
    Wenn ihr eure Zeit damit verschwendet, darüber jammern und Verschwörungstheorien zu spinnen, weil andere darüber motzen, weil ihr tut, was auch immer ihr tut, statt zu tun, was ihr tut, was ihr tut und im Notfall auch anerkennt, daß ihr Hilfe braucht!
    Preist den Panzer, den Penis, die Welteroberung, preist den Krieg, preist das Gemetzel und auch was immer ihr preisen wollt , aber versucht nicht eine Wissenschaft daraus zu machen anderen zu klären, daß sie das tun müssen, was ihr macht, oder daß sie anerkennen und zugeben müssen, daß sie auch gleich preisen müssen, was ihr preist, und lacht über den, der euch schimpft, weil ihr  preist, was ihr preist.
    Aber für das, werte hodenlose Pussies, seid ihr ja nicht Manns genug, ihr predigt lieber, was Mann sein soll, und wollt bestimmen, was und wer Mann sein darf. 
    Pussies, schwelgt in eurem Selbstmitleid und eurer Selbstzersetzung und laßt die Welt damit in Ruhe.
    (Keine Angst, Pussies, das andere Extrem wird auch bedient.)

  8. ilex (E. Ahrens) sagt:

    #7 gottmagus am 3. Dezember 2011 um 10:15

    Keine weiteren Probleme?

  9. Firithfenion sagt:

    #7 gottmagus am 3. Dezember 2011 um 10:15
    Es gibt keine Gender-Verschwörung, aber ein Blog, der sich humanistisch nennt, es aber nicht ist, kann ja wohl nichts anderes liefern, er muß ja täglich seinen Wahnsinn beweisen.
     
    Offenbar hast du den Artikel gar nicht richtig verstanden, denn der Autor geht keineswegs von einer Gender-Verschwörung aus, sonst hätte er keine Gänsefüsschen bei der Darstellung verwendet und sie nicht mit der NWO Verschwörungstheorie auf eine Stufe gestellt.
     
    Nein, die gegenwärtige Gender-Verblödung die wir durch Systemmedien und staatliche Schul- und (V)Erziehungssysteme erleben, ist nicht das Ergebnis einer Verschwörung sondern eher das Produkt eines absurden Zeitgeistes, ähnlich wie die uns heute als lächerlich erscheinende Mode der 80er Jahre mit ihren neonbunten Farben. Keine übermächtige Verschwörermacht zwang die Jugend der 80er Jahre Mode auszuwählen über die wir heute schmunzeln und mit der man sich heute auf der Straße lächerlich machen würde.
     
    Genau wie die gepuderten Perücken der Barockzeit, die UFO-Hysterie der 50er Jahre, die quietschbunte 80er Mode, so wird sich auch diese Genderdoktrin mit ihren absurden Neusprech-Verschriften als eine historisch gesehen kurzlebige Modeerscheinung erweisen, über diie künftige Generationen nur noch lachen oder den Kopf schütteln werden und die sehr bald ihren wohlverdienten Platz im Mülleimer der Geschichte finden wird.
     

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