® Flammentod fürs Paradies

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A_Hindoo_Widow_Burning_Herself_with_the_Corpse_of_her_HusbandSati (Sanskrit, f., सती, satī, wörtl.: „die Seiende“, Frau, die den richtigen, mutigen Weg wählt) ist die rituelle Verbrennung von Frauen in einigen indischen Religionsgemeinschaften. Nach dem Tod des Mannes konnte es geschehen, dass seine Witwe bei der Verbrennung des Leichnams ebenfalls auf dem Scheiterhaufen verbrannte (Witwenfolge). Dieses geschah aus religiöser Überzeugung oder aus sozialem Druck (Bild: Frederic Shobert, 96px-PD-icon.svgWikimedia Commons).

Frauen, die Sati begingen, wurden in hohen Ehren gehalten und teilweise göttlich verehrt, ihre Familie gewann hohes Ansehen. Ursprünglich opferten sich auf diese Weise Frauen der im Kampf gefallenen Männer aus Fürstenfamilien, möglicherweise, um nicht den Feinden in die Hände zu fallen. Diese Sitte, zunächst als Selbstopfer gedacht, wurde jedoch im Laufe der Zeit in vielen Bevölkerungskreisen eingeforderte Praxis. Besonders häufig war die Witwenverbrennung bei den Kshatriya-Kasten, wie zum Beispiel den Rajputs in Nordindien, wo sie bis heute vereinzelt vorkommt. Der folgende Text referiert den Sati-Artikel von wiki in freier Nacherzählung:

Ablauf der Witwenverbrennung

Es ging schnell, wenn der Mann gestorben war. Seine Leiche wurde innerhalb von einem Tag verbrannt. In diesem kurzen Zeitraum musste sich die Witwe für die Witwenverbrennung entscheiden, um den religiösen Ansprüchen einer Sati zu entsprechen. Die religiöse Lehre verhieß dafür die schnelle Wiederaufnahme der Ehe nach dem Tod. Diese Bindung über den Tod hinaus wurde dadurch symbolisiert, dass die Frau bis zur Witwenverbrennung wie eine Ehefrau behandelt wurde, und nicht wie eine Witwe

Je nach Ausprägung der Region wurde die Entscheidung zum Sati früher mit einer aufwendigen Zeremonie vorbereitet, mit Priestern,  Musikanten, geschmückten Gewändern und Gaben. Die „eigentliche Tötungsform" war zumeist die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen, selten auch Lebendigbegraben. Wenn das Opfer nicht freiwillig war und sich gegen die Verbrennung wehrte oder flüchtete, wurde auch zur Tötung durch Waffen oder andere Gewaltmaßnahmen gegriffen.

Der Scheiterhaufen bestand aus leicht brennbaren Stoffen, in die die Leiche plaziert wurde. Die Witwe setzte sich (oder wurde gesetzt) in den im Schoß ihres toten Mannes, der älteste Sohn bzw. der nächste männliche Verwandte entzündete das Feuer.

Um die Flucht der Witwe in ihrer Todesangst zu verhindern, wurde sie ggf. mit großen Holzstücken verschüttet oder mit langen Bambusstäben niedergehalten. In Zentralindien war auch eine erweiterte Form verbreitet; dazu wurde eine hüttenartige Konstruktion auf den Scheiterhaufen gesetzt. Der Eingang wurde hinter der Witwe mit Holz verschlossen und verbarrikadiert. Die Hütte wurde mit weiterem Holz beschwert und nach dem Anzünden des Feuers zum Einsturz gebracht. In Südindiens pflegte man stattdessen Gruben auszuheben und hinter einem Vorhang zu verbergen. So sah die Witwe das Feuer nicht, ehe sie hineinsprang (oder hineingeworfen wurde). Meistens wurden Holzklötze und weiteres brennbares Material hinterhergeworfen. Man wartete, bis die Frau das Bewusstsein verlor, um die Feuerbestattung unter Gesängen und religiösen Ritualen zu Ende zu bringen.

Geschichte

Der älteste fundierte Bericht über eine Witwenverbrennung stammt aus der Antike. Es handelt sich um einen Bericht des Historikers Diodor aus dem 1. Jahrhundert vor Christus (der ursprüngliche Bericht ist jedoch vermutlich noch älter), der von einem gefallenen Heerführer aus Indien namens Keteus erzählt. Dessen zwei Ehefrauen verbrannten sich schließlich zusammen mit ihrem Ehemann auf dem Scheiterhaufen. Zur Zeit der griechisch-römischen Antike scheint die Witwenverbrennung ziemlich weit verbreitet gewesen zu sein, da auch andere Autoren sie erwähnen.

In der Zeit von 700 bis 1100 wurden Witwenverbrennungen in Nordindien und vor allem Kaschmir immer üblicher, besonders in adligen Familien. Der indische Historiker Kalhana schreibt in seinem Werk Rajatarangini von Fällen, in denen selbst unkeusche Frauen sich selbst auf dem Scheiterhaufen des Mannes umgebracht hätten. Sogar Konkubinen folgten ihnen. Das Prinzip wurde auch auf nahe weibliche Verwandte wie Mütter, Schwestern, Schwägerinnen und sogar Bedienstete ausgedehnt. Das Geschichtswerk erwähnt viele verschiedene Fälle von Satis.

Archäologisch lässt sich diese Entwicklung durch das Auftauchen von Gedenksteinen („Sati-Steine“) untermauern. Diese zeigen meist einen erhobenen rechten Arm mit Armreif, der die verheiratete Frau symbolisiert. Auch unter Brahmanen wurde es zunehmend beliebt. Die Praxis der Witwenverbrennung wurde zu einer hoch angesehenen aber optionalen Praxis im Hinduismus.

Aus dem Mittelalter sind ebenfalls einige außerindische Berichte bekannt. Diese stammen vor allem von muslimischen Autoren, nachdem Indien durch islamische Eroberer eingenommen worden war. Der berbische Reisende Ibn Battuta, der im 14. Jahrhundert Indien bereiste, berichtet in seinem berühmten Reisebericht von Witwenverbrennungen. Er erwähnt, dass Witwenverbrennungen in muslimischen Gebieten Indiens der Erlaubnis des Sultans bedurften und dass dieser Akt bei den Indern als lobenswerte Tat galt, nicht jedoch Bedingung für eine Witwe war (die allerdings, wenn sie es nicht tat, als untreue Frau galt).

Vom Ende des 16. Jahrhunderts an griff sich die Praxis im Raum von Rajasthan stark um sich und wurde unter der Volksgruppe der Rajputen immer beliebter. Abendländische Reisende berichteten von Witwenverbrennungen, die sie selbst erlebt hatten. Ende des 18. Jahrhunderts war die Praxis weit verbreitet und üblich, und zumindest in Königshäusern war sie verpflichtend geworden. Sie war zu einer kollektiven Erfahrung geworden. Fast jeder Mensch hatte von so einer Zeremonie gehört und wahrscheinlich sogar eine miterlebt. Nicht alle stimmten zu. Es gab immer Gegenstimmen, die ein Leben in Keuschheit für wichtiger als die Selbstvernichtung hielten.

Während der britischen Herrschaft ignorierten die englischen Kolonialherren die Praxis anfänglich; dann versuchten sie eine Reglementierung zu erreichen, unter großflächigem Einsatz von Statistiken und Dokumentierungen der Einzelfälle. In Bengalen wurde eine Rate von einer verbrannten Witwe auf 430 Witwen insgesamt berechnet. Demnach wurde in einem Dorf mit 5000 Einwohnern durchschnittlich alle 20 Jahre eine Witwenverbrennung durchgeführt. Es gab aber große regionale Unterschiede. 

Es dauerte bis 1829/30, bis die Abscheu der Europäer gegenüber der Witwenverbrennung zu einem Verbot führte. Die Bewegung um den Hindu-Reformer Ram Mohan Roy setzte das in der britischen Kolonie durch. Von da an konnte auch die „beobachtende Teilnahme" strafbar sein. Witwenverbrennungen wurden dadurch seltener, und wenn doch noch welche stattfanden, erfuhren sie große mediale Aufmerksamkeit. In Jodhpur (Rajasthan) soll sich noch 1953 die letzte Sati aus dem Königshaus selbst verbrannt haben.

Witwenverbrennung heute

Heute sind Witwenverbrennungen nur noch Einzelfälle. Im wiki-Artikel sind einige Fälle aufgelistet. Ein Fall von 1987 machte Schlagzeilen, als sich eine 18-jährige Witwe in Rajasthan auf dem Scheiterhaufen ihres Mannes verbrannte. Das Ereignis wurde von tausenden Zuschauern verfolgt und von den Medien in aller Welt kundgetan. Der Ort wurde zum Wallfahrtsziel; tausende Anhänger der Witwenverbrennung pilgerten dorthin. Dabei war strittig geblieben, ob die Witwe mit oder ohne Zwang auf den Scheiterhaufen gelangte. Ihr Tod führte zu heftigen öffentlichen Auseinandersetzungen und einer Verschärfung des Verbrennungsverbots.

Ausgerottet werden konnte die Praxis jedoch nicht, Einzelfälle wurden und werden immer noch bekannt. Schätzungen gehen von 40 Fällen in der Zeitrahmen 1947 bis 1999 aus, davon 28 in Rajasthan. Zudem muss von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Die letzten Beispiele in wiki sind von 2014 und 2015.

Das indische Gesetz verbietet heute jede direkte und indirekte Unterstützung zur Selbstverbrennung. Die traditionelle Verherrlichung solcher Frauen wird heute geahndet. Das Gesetz wird aber nicht immer gleichermaßen energisch umgesetzt. Der National Council for Women (NCW) empfiehlt weitere Verbesserungen des Gesetzes. Vom Tourismusministerium in Rajasthan wurde 2005 ein Buch mit dem Titel „Popular Deities of Rajasthan" veröffentlicht, das positive Aussagen über Witwenverbrennungen enthielt. Gegen die aufkommende Kritik verteidigte sich die Tourismusministerin von Rajasthan mit der Behauptung, Sati werde heute als eine Quelle der Kraft angesehen.

Satimatas – lokale Göttinnen

Ein Phänomen, das zur Erklärung der Verbreitung der Witwenverbrennung beiträgt, sind die Satimatas. Das sind lokale Göttinnen, meist Verehrungen von Frauen, die als Sati in den Tod gegangen sind. Satimatas kommen besonders häufig in der Region Rajasthan vor.

Im Verständnis des Hinduismus, und vor allem der rajputischen Volksgruppe, geht einer Sati der Status einer „pativrata“ voraus, die treue Hingabe zum lebenden Mann. Teilweise wird damit auch generell Ehe bezeichnet. Die Hauptaufgabe der Pativrata (im Sinne eines Gelübdes, „vrat“) ist dabei der Schutz des Ehemannes („pati“). In dieser Sicht ist Krankheit oder Tod des Mannes möglicherweise die Schuld der Frau, welche ihrer Aufgabe nicht gut nachgekommen ist. Diesem Schuldvorwurf kann eine Frau entgehen, indem sie als Sati sterben will. Sie wird dadurch von der Pativrata zur „sativrata“, also einer guten Frau, die das Gelübde auf sich nimmt, dem Mann in den Tod zu folgen. Es wird davon ausgegangen, dass sich nur Frauen dazu entschließen können, die ein Leben in vollster Verehrung ihres Mannes geführt haben. Somit kann sie quasi rückwirkend – für andere, aber auch für sich selbst – unter Beweis stellen, dass sie stets eine gute Frau gewesen ist. Die Zeit zwischen Entschluss und Ausführung der Verbrennung ist eine Zeit, wo der Frau eine besondere Verehrung zuteil wird. Durch die Ablehnung des Lebens werden ihr besondere Kräfte zugeschrieben, z.B. kann sie Flüche aussprechen und bestimmte Praktiken und Besitztümer verbieten lassen, womit auch eine Basis für ihre spätere Verehrung gegeben ist.

Der Tod macht aus der Sativrata in eine „satimata“, eine gute Mutter („mata“). Der Begriff der Mutterschaft macht hier das Verständnis deutlich, dass eine Satimata weiter für die Familie sorgt, während sie gleichzeitig das Schicksal ihres Mannes teilt. Eine Satimata verkörpert das Prinzip der Pativrata über den Tod hinaus, da sie selbst im Jenseits ihrem Mann dient. Dies macht sie attraktiv als Verehrungsobjekt für diejenigen, die das moralische Ideal der Patrivrata hochhalten. Vor allem aber beschützt sie in ihrer Mutterrolle die Familien der Zurückgebliebenen (auch im Sinne einer Dorfgemeinschaft). Diese Beschützerrolle entsteht aus dem Verständnis, dass die Satimata eine Verkörperung des reinen Guten ist, des „sat“. Es gilt, dass eine Satimata in den Träumen von Frauen erscheint, die eine Krise in der Familie erleben, Frauen tadelt, die sich nicht an die religiösen Regeln halten, und diejenigen beschützt, die nach einem Leben als Pativrata streben. Gleichzeitig ist es jedoch möglich, dass der Haushalt einer Patrivrata bestraft werden kann, wenn sie die religiösen Verpflichtungen gegenüber der Satimata vernachlässigt. Diese Strafen können sofort wieder abgewendet werden, sobald den Verpflichtungen nachgekommen wird.

Satimatas haben ein vielseitiges Verehrungsspektrum. Sie werden von Familien verehrt, bevor sie zu einer großen Reise aufbrechen oder von dieser zurückkommen, um Respekt gegenüber dem Einflussbereich der Beschützerin zu demonstrieren. Auch das Eintreffen einer neuen Ehefrau in der Familie führt zu einer Anrufung durch die Frau, die sich davon einen Segen für das Neue verspricht. Regelmäßige Pujas, bei denen Lieder auf die Beschützerin gesungen werden, finden nur selten und nur an bestimmten Tagen im Jahr statt.

Legitimation durch Heilige Schriften

Die Puranas (heiligen Schriften) enthalten Beispiele von Satis. Sie liefern theologische Richtlinien, wie diese zu bewerten seien, beispielsweise das Garuda Purana. In dem gilt eine Sati als „gattentreue Frau, die für das Wohl ihres Mannes besorgt ist“. Die Verbrennung gilt zudem als „seelische Reinigung der Witwe" (sogar incl. ihrer Verwandtschaft). Dabei verschmilzt die Seele der Frau mit der ihres Gatten. Als Belohnung wird zudem eine lange Zeit im Paradies in Aussicht gestellt, „so viel Jahre, wie der Mensch Körperhärchen hat“ (ca. 25.000). Und die anderen, die sich der Verbrennung widersetzen? Für die gilt: „Wenn eine Frau sich nicht verbrennen läßt, wenn ihr Gatte im Feuer bestattet wird, so wird sie niemals aus dem Frauenleibe erlöst“, und: „Die Törin, die wegen des augenblicklichen Schmerzes der Verbrennung ein solches Glück von sich weist, wird ihr Leben lang vom Feuer des Trennungsschmerzes verzehrt.“


(Nachtrag wissenbloggt 17.11.18: Der Hinduismus ist in puncto jenseitiger Versprechungen wohl der Marktführer noch vor Christentum und Islam. Er braucht sich bei der Frauenverachtung auch nicht hinter dem Islam zu verstecken. Wie es heutzutage ausschaut, besagt ein Spiegel-Bericht (3.). Wo sind eigentlich die GenderInnen und MeToo-AktivistInnen, wenn es um dieses Thema geht? Wo sie doch so geübt darin sind, den Männern einzuheizen, sollte es ein Klacks für sie sein, die Verbrennungen mit umgekehrter Logik zu veranstalten, also den Witwer zu verbrennen.)


Medien-Links:

  1. Wikipedia-Artikel Sati
  2. Sati – ein grausames indisches Ritual (Balkanforum 10.5.14, mit Video).
  3. Witwen in Indien "In Jutesäcke gepackt und in den Fluss geworfen" (Spiegel Online 17.4.16): Früher wurden sie verbrannt, heute werden sie diskriminiert: Witwen in Indien leben in erbärmlichen Verhältnissen.

(Dieser Artikel wurde zuerst am 21.12.11 von Argutus publiziert. Am 17.11.18 ersetzte Wilfried Müller das Bild durch ein gemeinfreies, und der Wiki-Text wurde durch eine freie Nacherzählung ersetzt.)

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19 Antworten auf ® Flammentod fürs Paradies

  1. Argutus sagt:

    Die Törin, die wegen des augenblicklichen Schmerzes der Verbrennung ein solches Glück von sich weist

    Tatsächlich aber sind jene töricht, die diese entsetzlichen und ohne Zweifel realen Schmerzen auf sich nehmen um ein Glück zu erreichen, das nur in der Phantasie der Gläubigen existiert.

  2. Elli sagt:

    Für Männer, deren Frau gestorben ist, gilt das sicher nicht,daß sie sich ebenfalls mit ins Feuer schmeißen und damit "heilig"werden……könnten sie ja auch mal überdenken  ….
    ….es ist schon schwer interessant, daß dieses Besitzen von Frauen und dieses exklusive Recht "die beschlafe nur ich und kein anderer" so oft in der Welt zu finden ist! Nicht nur Islam&Christen usw, auch wurde der ganze Frauenharem beim chin.Kaiser ausgetauscht,wenn der Sohn des Himmels starb…
     
    Warum hat sich das unabhängig voneinander so entwickelt?Was sagen die Evolutionsbiologen/soziolgen dazu?(jetzt nicht nur wg.der GenetischenNachkommenschaft!)

  3. Abu Sheitan sagt:

    #2 Elli
    "Besiege die anderen Männchen, begatte so viele Weibchen wie Du kannst." Ein bewährtes Prinzip der Evolution, dass sich bis heute ungebrochen hält und auch in Demokratien kaum verschleiert werden kann. Berlusconi, Strauss-Kahn und andere führende Politiker genießen dafür klammheimliche Bewunderung. Dass Frauen Eigentum sind und ihrem Herrn auch im Jenseits zu dienen haben, findet man wohl in sämtlichen alten Kulturen.

  4. Argutus sagt:

    #2 Elli am 21. Dezember 2011 um 10:03

    Die Exklusivität des sexuellen Zugangs zu den eigenen Frauen (bzw. Weibchen) ist soziobiologisch plausibel und soll verhindern, daß Ressourcen für genfremde Kinder vergeudet werden.

    Hingegen ist die Tötung von Witwen biologisch unsinnig. Vom Standpunkt des verstorbenen Mannes aus gesehen ist sie sogar kontraproduktiv, denn die Frau könnte ja (unmerklich) schwanger sein und außerdem könnte sie schon geborene Kinder des Toten haben, die weiterer Zuwendung seitens ihrer Mutter bedürfen.

    Auch für die größere Verwandtschafts-Gruppe (Familie, Stamm, Volk) ist das in vielen Fällen von Nachteil.

    Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, daß die Witwenverbrennung oder -verstoßung ein evolutionsstabiles Verhalten ist. Vermutlich ist das nichts weiter als eine religiös oder sonstwie kulturell bedingte Perversion, die nur deshalb nicht zum Untergang der sie praktizierenden Populationen geführt hat, weil sie dafür zu selten praktiziert wurde.

  5. Elli sagt:

    #Abu
    offensichtlich macht auch Macht&Geld den unattraktivsten Mann attraktiv  …..Berlusconi, Strauss-Kahn wollen jetzt sicher nicht "so viele Weibchen wie Du kannst"begatten.Das hat sicher was mit Status und POTENZ  (!!!) zu tun!  "Seht her,ich bin zwar ein alter Sack,ich kann sie aber noch alle haben…."und natürlich auch dem Alter und Zerfall noch mal kurz ein Schippchen schlagen…
     
    #Argutus
    Man könnte argumentieren, daß die verbrannte Witwe dann auch nicht mehr von einem anderen gegattet werden könnte?!?"Alles meins"
    Wird/wurde das denn vorwiegend bei "hochstehenden" Männern praktiziert?

  6. Argutus sagt:

    #5 Elli am 21. Dezember 2011 um 11:24

    Man könnte argumentieren, daß die verbrannte Witwe dann auch nicht mehr von einem anderen [b]egattet werden könnte

    Natürlich kann sie das dann nicht mehr – aber dieser Umstand ist mit keinem erkennbaren biologischen Nutzen für wen auch immer verbunden.

  7. Elli sagt:

    Doch,andere können sie nicht BEgatten  …..müssen sich eine andere Frau suchen…
    Jetzt im Ernst: Wird/wurde das denn vorwiegend bei "hochstehenden" Männern praktiziert?Also nicht von "niederen" Schichten?

  8. Argutus sagt:

    #7 Elli am 21. Dezember 2011 um 11:43

    Eine Statistik ist mir nicht bekannt. Der Artikel läßt vermuten, daß die Witwenverbrennung in höheren Schichten häufiger vorkam als in niedrigen (wobei nicht klar ist, ob diese Häufigkeit relativ oder absolut zu nehmen ist).

    Die soziale Verteilung ist auch nicht so wichtig. Entscheidend ist die Gesamt-Häufigkeit. Die dürfte insgesamt so niedrig gewesen sein, daß evolutionäre Mechanismen dagegen nicht greifen konnten.

  9. Tutnix sagt:

    Evolutionäre Mechanismen hat der Zweibeiner mit seiner Kultur teilweise außer Kraft gesetzt. Geeignete Vorbilder für Sozialstrukturen wie beim Menschen finden sich viel mehr in der Vogelwelt. Egal ob Huftiere, Raubkatzen oder Primaten, bei Säugern sind die Vorbilder Berlusconi oder Strauß-Kahn, natürlich nicht mit angeschwollenem Portmonee.
    Es gab auch in unseren Breiten das "Recht der ersten Nacht" für den Guts-oder Lehnherren , Lus primae Noctis. Von daher ist die Frage nach der Häufigkeit in der Unterschicht so bedeutend für mich nicht.

  10. Abu Sheitan sagt:

    #9 Tutnix
    "Lus primae noctis"
    Lues oder Jus? (Pest oder Soße)  :-)
     

  11. Abu Sheitan sagt:

    Jacqueline Kennedy wurde es von vielen sehr übel genommen, dass sie sich auf die Beziehung zu dem kleinen, hässlichen aber schwerreichen Onassis einließ, nachdem ihr Präsidentengatte ermordet worden war. Statt in ewiger Treue und Trauer zu verharren, beschmutzte sie das Andenken an den amerikanischen Helden. Um solches für den Verstorbenen entehrende Verhalten zu vermeiden, dient Verbrennung oder wenigstens ein endgültiger Klosteraufenthalt der Witwe.
     

  12. Argutus sagt:

    #9 Tutnix am 21. Dezember 2011 um 12:44

    Es gab auch in unseren Breiten das "Recht der ersten Nacht" für den Guts-oder Lehnherren

    Jein. Als kodifiziertes Recht hat das bei uns nie existiert und seine Inanspruchnahme in mehr als wenigen Ausnahmefällen wird von den Historikern durchwegs sehr skeptisch beurteilt.

    Humoristische Nachbemerkung: Das "ius primae noctis" läßt sich auch als "Suppe der ersten Nacht" übersetzen. :-)

  13. Argutus sagt:

    #11 Abu Sheitan am 21. Dezember 2011 um 14:09

    Jacqueline Kennedy wurde es von vielen sehr übel genommen, dass sie sich auf die Beziehung zu dem kleinen, hässlichen aber schwerreichen Onassis einließ, nachdem ihr Präsidentengatte ermordet worden war. Statt in ewiger Treue und Trauer zu verharren, beschmutzte sie das Andenken an den amerikanischen Helden.

    Wenn man sich ansieht, mit wem aller sich dieser amerikanische Held zu Lebzeiten eingelassen hatte, dann bleibt nicht viel übrig, was man noch hätte beschmutzen können. :-)

  14. Firithfenion sagt:

    Das erste mal, das ich von der Witwenverbrennung hörte, war in dem Roman "In 80 Tagen um die Welt" von Jules Verne. Ich erinnere mich noch wie aufgeregt ich beim Lesen war, als Phileas Fogg die Vorbereitung einer solchen Verbrennung heimlich beobachtete und dann seinem Diener Passepartout mitteilte "Wir müssen diese unglückliche Frau retten!" was ja glücklicherweise dann auch gelang.

  15. Rechtspopulist sagt:

    Trotz Witwenverbrennungen haben es die Inder immerhin geschafft sich von irgendwas um bereits 300 Mio. nach den 2. Weltkrieg um mehr als weitere 700 Mio. bis in die Gegenwart auf deutlich über 1.000.000.000 zu vermehren. Diese Tendenz wird sich wohl noch weiter fortsetzen. Noch größeres Massenelend ist damit vorprogrammiert.
    Zu den Auswüchsen des Hinduismus gehört – von den Witwenverbrennungen einmal abgesehen – vor allem dieses lähmende Kastensystem.

  16. Rechtspopulist sagt:

    #9Tutnix am 21. Dezember 2011 um 12:44
    Es gibt ja nicht nur evolutive Prozesse sondern auch devolutive.

  17. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    Auf jede Fall fällt eine verbrannte Witwe niemandem mehr auf die Tasche, im Gegenteil, sie bringt sogar noch Geld ein wenn sie Pilgerströme anzieht. Vielleicht ist das ja der evolutionäre Vorteil.

  18. mel13 sagt:

    Ich möchte brennen!!!!

    Ich bin eine Frau und würde mich zur Leiche meines geliebten Ehemannes mit auf den Scheiterhaufen setzen und mich mit ihm verbrennen lassen. Sterben muß ich irgendwann sowieso, also warum nicht gleich zusammen mit meinem Ehemann. Gewiss, es ist ein qualvoller Tod. Doch in vielleicht einer halben Stunde ist doch alles vorbei. Ich werde es nicht überleben aber überstehen. Gemeinsam mit meinem Mann zur Asche werden. Es ist eine großartige Vorstellung. Unsere gemeinsame Verbrennung müßte nur feierlich sein mit allen Verwanden und Bekannten. So daß ich mich von allen nochmal verabschieden könnte.

  19. Wolfgang Goethe sagt:

    Wenn meine Frau sich mit mir zusammen verbrennen lassen würde, würden meine Kinder und meine Verwandten sie nicht heiligsprechen, sondern sie würden sie für bekloppt und geisteskrank erklären! Alle Gläubige wollen, egal welchen Tod sie wählen, ins Paradies; aber keiner hat je das Paradies gesehen, geschweige denn, wo das Paradies ist: Ist es im Schwarzwald? Ist es in Norwegen? Oder vielleicht im ″Botanischen Garten″ von Berlin? Wenn man mir das Paradies zeigen kann, wo man als Toter wieder lebt, dann gehe ich auch dahin. Wann begreifen die Gläubigen endlich, dass es nach dem Tod kein neues Leben gibt! Tod ist Tod!

    JWG

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