Iß Popcorn und trink Cola!

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Die fiktive Iss-Popcorn-trink-Cola-Studie erlangte ab dem 12. September 1957 große Bekanntheit und wurde erst 1962 als Erfindung eines Werbeunternehmers enttarnt.

Verbreitung in den Medien

Am oben genanntem Datum berichteten verschiedene US-amerikanische Zeitungen über den Werbefachmann James Vicary. Dieser hatte nach eigener Darstellung tausende Kinobesucher mit sogenannten subliminalen (unterschwelligen) Werbebotschaften traktiert.

Diese Botschaften („Iss Popcorn“, „Trink Cola“) seien alle fünf Sekunden für jeweils 1/3000stel Sekunde in die Kinofilme eingeblendet worden. Wegen ihrer Kürze hätten die Botschaften vom Publikum nicht bewusst wahrgenommen werden können. Der Autor der Studie „Iss Popcorn/trink Cola“ behauptete nun, dass durch diese Werbebotschaften, die direkt an das Unterbewusstsein der Kinobesucher gerichtet worden seien, der Absatz von Cola um 18 % und der Absatz von Popcorn um etwa 58 % gestiegen sei. Die Veröffentlichung brachte einen Sturm der Entrüstung hervor: Welche subliminalen Botschaften könnte man mit dieser Methode noch ins Unterbewusstsein der Menschen transportieren? Ein US-amerikanischer Bundesausschuss und der amerikanische Verband der Rundfunksender verboten daraufhin diese vermeintliche Werbemethode. Andere Länder zogen nach. Die Seriosität des Experiments wurde jedoch in Experimentalpsychologie und Betriebswirtschaftslehre früh bezweifelt.

In einem Interview, das dann 1962 in der Zeitschrift Advertising age veröffentlicht wurde, offenbarte der Autor der vermeintlichen Iss-Popcorn-trink-Cola-Studie selbst, es habe sie nie gegeben. Einziger Zweck der Zeitungsente sei es gewesen, für ein umsatzschwaches Marketing-Unternehmen neue Kunden zu gewinnen, was auch mit gutem Erfolg funktioniert habe.

Die Iss-Popcorn-trink-Cola-Studie wurde in abgewandelter Form inzwischen tatsächlich durchgeführt und mehrfach wiederholt. Entscheidende Ergebnisse darüber, dass optische unterschwellige Werbung das menschliche Handeln unmittelbar beeinflusst, gab es lange Zeit nicht. Neuere Untersuchungen legen nahe, dass unterschwellige Werbung dann wirken kann, wenn sie zu momentanen Bedürfnissen der Rezipienten passt, also zum Beispiel die Werbung für ein Getränk bei durstigen Menschen.

Strittig ist jedoch die technische Durchführung in der Praxis. Kinofilme bestehen pro Sekunde aus 24 Einzelbildern. Eine unterschwellige Botschaft kann also bei Einblendung eines einzelnen Bildes mit der Werbeaussage nicht kürzer als 1/24 Sekunde sein. Ein auf diese Weise eingeblendetes Einzelbild ist jedoch für das menschliche Auge nicht unsichtbar sondern wird als Bildstörung auch mit Einzelheiten bewußt wahrgenommen.

In den Filmen Fight Club, Natural Born Killers und Planet Terror sind subliminale Botschaften Teil der Handlung. Zudem griffen einige Fernsehserien wie Columbo und Die Simpsons das Thema in einzelnen Episoden auf.

Quellennachweis: Exzerpt des Wikipedia-Artikels Iss-Popcorn-trink-Cola-Studie.

 

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4 Antworten auf Iß Popcorn und trink Cola!

  1. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Urban legends ist bald ein eigenes Thema. Gibt nette Bücher darüber.

    In den 24 Bildern eines Filmes, die je Sekunde gesehen werden, ist logischerweise keine Zeit für diese unterschwellige Botschaft. Man kann also nicht einfach ein Bild des Filmes ersetzen. Das Rumhändeln mit einem 2. Projektor stelle ich mir in den erfahrungsgemäß eher engen Vorführerkabinen lustig vor – besonders um die Zeit um 1962, wo noch viel mit der Hand gemacht wurde. Ich war froh, wenn ich bei unseren Filmclubabenden mit den Rollen und dem Lichtabbrand klar kam. Dann noch um die unberwußten Botschaften kümmern? Und ein zweiter Mann daneben? Wo wäre da noch Platz für den Aschenbecher gewesen oder die Kaffetasse – oder Cola-Flasche?

    Ab 18 Bildern je Sekunde nimmt man das Geschehen nicht mehr als „Film“ wahr, sondern in Einzelbildern. Aber Bilder von Millisekunden Dauer zu lesen? Meinem Unterbewußtsein traue ich ja einiges zu und habe das Gefühl, gut mit ihm zusammen zu arbeiten – aber das?

  2. Argutus sagt:

    Die Geschichte muß wohl allgemein ziemlich unkritisch aufgenommen worden sein. Ich erinnere mich jedenfalls das als psychologisches Faktum in der Schule gelernt zu haben.

  3. Firithfenion sagt:

    #2 Argutus am 26. März 2012 um 07:39
    Die Geschichte muß wohl allgemein ziemlich unkritisch aufgenommen worden sein. Ich erinnere mich jedenfalls das als psychologisches Faktum in der Schule gelernt zu haben.
     
    Auch von der kommunistische Propaganda wurde es dankbar aufgenommen. In der "DDR" erhielt jeder Jugendliche als offizielles Geschenk zur Jugendweihe das Propaganda-Machwerk "Der Sozialismus – Deine Welt". Ein übler Wälzer, voll mit roter Lügenpropaganda. Im Kapitel "Imperialistische Methoden der Irreführung" wurde dieses erfundene Beispiel aufgeführt um damit die Manipulation durch "westliche Medien" zu "beweisen".:
     
    Zitat: "Ein Beispiel, welche fast unglaublichen Methoden diese Reklame-Wissenschaftler aushecken. Im Kino werden mitten in dem ablaufenden Film Bilder eingeblendet, die eine Packung Speiseeis zeigen, und zwar nur für den Bruchteil einer Sekunde. Das Aufblitzen des Speiseeisbildes ist zu kurz, als daß es ins Bewußtsein der Zuschauer dringen könnte. Dennoch wird es unbewußt festgehalten. Die Folge ist, daß in der Pause weit mehr Speiseeis als sonst verkauft wird. Ohne es zu wissen, tragen die Käufer das Bild der Speiseeispackung im Kopfe und fühlen sich dadurch zum Kauf animiert. Sie bilden sich ein, es wäre ihr eigener Entschluß, aber in Wirklichkeit sind sie manipuliert."
    ebd. S. 354

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