Solidarité

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(Pour les amis francophones: L’originale de cet article suit à la fin du texte en Allemand.)

Die Voraussetzungen für eine solidarische Gesellschaft sind Toleranz, Demut und  Hilfsbereitschaft.

Solidarisch sein heisst vor allem, großzügig zu sein und gut, durchtränkt von den universellen philantropischen Werten. Solidarisch sein, das bedeutet, im täglichen Leben wissentlich zu handeln, um den Verarmtesten zu helfen und der guten Sache zu dienen, und das weit abseits aller Vorurteile, seien sie nun politisch, religiös, sektenhaft, ständisch, regional, ethnisch, rassisch oder landsmännisch.

Ein solcher Schritt bedingt ein bestimmtes Reflexionsniveau, von dem aus es möglich wird, Dienste zu erbringen ohne Anspruch auf Gegenleistungen. Er bedingt auch einen ernsthaften Einsatz, Gewissenhaftigkeit, Großzügigkeit, Demut und Selbsthingabe.

Außerdem muss die Bereitschaft vorhanden sein, in einer Gruppe zu arbeiten ohne Hintergedanken und Empfindlichkeiten. Das EGO muss in so weit überwunden werden, dass man keine Schmeicheleien nötig hat, noch, dass man den anderen ausradieren möchte. Es handelt sich also darum, gemeinsam in aller Unterschiedlichkeit zu handeln, um den Notwendigkeiten zu dienen – und nicht mehr.

Es ist offensichtlich, dass jemand, der nur wenig oder überhaupt nicht mit diesen Werten vertraut ist, oder nicht mit einer bestimmten Mentalität « kontaminiert » ist, große Schwierigkeiten haben wird anzuerkennen, dass er seine Zeit, sein Geld und seine Energie einsetzen muss um « dem anderen » zu helfen. Denn um anderen zu helfen, muss er den anderen so akzeptieren wie er ist und nicht erwarten, dass er sich ändert, bevor ihm geholfen wird.  

Um anderen solidarisch zu helfen ist es nicht nötig, sie zu lieben, es genügt, sie in ihrer Unterschiedlichkeit zu akzeptieren, und diese Unterschiedlichkeit zu verteidigen, denn diese Unterschiedlichkeit macht unseren Reichtum aus, unsere Kraft und sie nährt unsere im Werden begriffene Demokratie. Es ist diese soziopolitische Dimension der Toleranz, die es auszuüben und zu verteidigen gilt.

Demut und Großzügigkeit sind daher die fundamentalen Werte der Solidarität, in der demjenigen, dem gegeben wird, der volle Respekt gebührt.

Die Geringschätzung der Hingabe sollte keinen Platz mehr haben in einer Gesellschaft nach einer Revolution, die das Bedürfnis nach Würde stillte, und in der der Lärm um die Ohrfeige in den Wahlen für die selbsternannte Elite noch immer die Köpfe lähmt und den tiefen Abgrund nicht überwindet, der Sidi Bouzid von Sidi Bou Saïd trennt. [Anmerekung: Sidi Bouzid ist dieser armselige Ort im Süden, in dem die Revolution mit einer verzweifelten Selbstverbrennung begann, Sidi Bou Saïd ist der noble Künstlerort in bevorzugter (und teurer) Lage östlich der Hauptstadt].

Nichts rechtfertigt Arroganz, Selbstgefälligkeit oder Verdrängung. Niemals ist man den anderen überlegen oder gar besser. Ein Analphabet kann einen Arzt belehren und ein Armer einen Reichen.

Die Geschichte ist überreich an Beispielen, in denen die Intoleranz die beste Sozialpolitik ausgelöscht hat, in denen die Arroganz den Zement einer solidarischen Gesellschaft hat zerbröseln lassen und damit dem Abrutschen in Extremismus, Rachsucht und Totalitarismus  freie Bahn gegeben hat.

Um solidarisch zu sein, genügt es nicht, einen bestimmten Prozentsatz des Einkommens auf ein Konto mit großem Namen und pompöser Nummer einzuzahlen. Wir müssen verstehen: Die Mentalitäten müssen sich fortentwickeln und wir müssen eine Debatte anstoßen über mutige, offene und ernsthafte Ideen.

Drer Generosität und Solidarität muss ein Nachdenken über die Toleranz, die Demut und die Großzügigkeit vorangestellt werden, damit sie fruchtbar und dauerhaft sind, um schließlich ein solides soziales Netz in all seiner reichen Diversität zu schaffen.

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La tolérance,  l’humilité et l’abnégation comme préalable à la solidarité.

Etre solidaire, c’est avant tout être généreux, bon et imprégné de valeurs philanthropiques  universelles.

Etre solidaire, c’est agir sciemment au quotidien pour aider les plus démunis, servir les causes nobles au-delà de tout préjugé qu’il soit politique, religieux, sectaire, corporatiste, régionaliste, ethnique, racial ou partisan.

Cette démarche exige un niveau de réflexion certain à partir duquel on devient capable de rendre un service aux nécessiteux de tout bord, sans aucune contrepartie. Ceci exige aussi de l’engagement, du sérieux, de l’abnégation, de l’humilité, et le don de soi.

IL faut aussi être capable de travailler en équipe, au-delà  de toute considération ou susceptibilité. Il faut dépasser son Ego et ne pas avoir besoin d’être flatté ni d’écraser les autres. Il s’agit d’agir tous ensemble dans la diversité pour servir les nécessiteux, sans plus.

Il est évident qu’une personne peu ou pas familiarisée avec  ces valeurs ou « contaminée » par une certaine mentalité aura du mal à accepter de donner de son temps, de son argent ou de son énergie pour aider « l'Autre », son semblable. Car, pour donner à l’autre, il faut déjà l’accepter tel qu’il est et surtout ne pas exiger de lui qu’il change avant de pouvoir recevoir.

Pour être solidaire des autres, on n’est pas obligé de les aimer, il suffit de les accepter dans leur différence et de défendre cette différence, car cette diversité fait notre richesse, notre force et nourrit notre démocratie naissante. C’est cette dimension sociopolitique de la tolérance qu’il faut saisir et défendre.

L’humilité et l’abnégation sont aussi des valeurs  fondamentales  pour obtenir une solidarité authentique où il faut respecter ceux à qui on donne. Le mépris et la compassion n’ont plus lieu d'être dans une société qui vit une révolution déclenchée par le besoin de dignité et où le bruit de la gifle électorale encaissée par l’élite autoproclamée retentit encore dans les esprits posant par la même des interrogations sur la profondeur du gouffre qui sépare Sidi Bouzid de Sidi Bousaid.

Rien ne justifie l’arrogance, la suffisance ou la marginalisation… On n’est jamais supérieur aux autres ou meilleur qu’eux. Un analphabète peut apprendre des choses à un docteur et un pauvre à un riche.

L’histoire regorge d’exemples où l’intolérance a fait échouer les meilleures politiques sociales, où l’arrogance a brisé le ciment d’une société solidaire donnant libre cours aux dérapages extrémistes, vindicatifs et totalitaires.

Pour être solidaire, il ne suffit pas de prélever un certain pourcentage et le virer sur un compte portant un nom et un numéro pompeux. On l’aura compris, il faut faire évoluer les mentalités et lancer un débat d’idées courageux, ouvert et honnête.

La générosité, la solidarité doivent être précédées par une réflexion sur la tolérance, l’humilité et l’abnégation pour être fructueuses et durables, afin de cimenter un tissu social solide et riche par sa diversité.

Dr. Samy ALLAGUI

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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7 Antworten auf Solidarité

  1. kantomas sagt:

    Einfach wunderbar geschrieben. Der Mann spricht mir aus der Seele. So stelle ich mir Humanismus vor.
     

  2. Frank Berghaus sagt:

    #1 kantomas am 7. Januar 2012 um 02:03

    Nicht nur mein Hausarzt, sondern mein bester Freund in Tunesien! Warum wohl? Ich habe jede menge Fotos von Aktionen, die er aus Gründen der charity startet, und was wir unter anderem mit Golfturnieren fördern. Selbst die (untergegangene) Dresdner Bank hat sich begeistert als Sponsor eingebracht. Der Mensch lestet hier vor Ort Unglaubliches.

  3. kantomas sagt:

    Gibt es noch mehr Artikel von ihm- auf Deutsch?

  4. Frank Berghaus sagt:

    #3 kantomas am 7. Januar 2012 um 02:47

    Bisher nicht, da er sich etwas scheut, auf Deutsch zu schreiben. Aber ich werde weitere Beiträge von ihm sicherlich in der Form wie bei "Solidarité" in Übersetzung und Original publizieren.

  5. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Die Artikel von Dr. Allagui auf französisch haben natürlich das Handicap der Sprache. Daher ist es eine gute Sache, sie so wie jetzt in beiden Versionen einzustellen. Das trägt sicher zur breiteren Beachtung bei, denn seine Texte sind es wert, gelesen zu werden.

  6. kantomas sagt:

    #4 Frank Berghaus 
    Danke für die Übersetzung. Ich kann es nicht wirklich beurteilen aber es scheint so, als hätte der Beitrag, durch die Übersetzung, kein bisschen an Glanz verloren.

  7. Frank Berghaus sagt:

    #6 kantomas am 7. Januar 2012 um 17:28

    Danke für die Blumen! Aber Frz. ist hier ja mein täglich Brot und unsere Familiensprache. :-)

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