Evangelische Nachhilfe


Die Kirchenaustrittswelle entwickelt sich zum Tsunami. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Laut einer Analyse des Sinus Instituts (Heidelberg) beträgt das Schwundpotential ca. 5.5 Mio. Christen, von dem vor allem die Evangelischen betroffen sind: Den Kirchen droht eine massive Austrittswelle. Ganz im biblischen Sinne sollen nun gegen den Schwund Menschen gefischt werden. Was das bedeutet, erklärt Rainer Buchheim in No heaven – only sky:

Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, die von Beruf Fischer waren, Simon, der auch Petrus genannt wird, und Andreas. Sie warfen gerade ihr Netz aus. Jesus sagte zu ihnen: „Geht mit mir! Ich mache euch zu Menschenfischern.“ Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
(Mt 4; 18-20)

Oh wäre doch Petrus nicht von gar so schnellem Entschlusse gewesen! Schließlich äußerte Jesus seine Gleichnisse und Metaphern nicht ohne tieferen Sinn. Und dieser könnte hier darin bestanden haben anzudeuten, worum es ihm wirklich ging.
Wäre der gute Simon Petrus nur ein wenig kritischer gewesen, so hätte er möglicherweise seinem verehrten Meister die Frage gestellt:
„Oh Herr, weißt du denn nicht, was ein Fischer tut? Zunächst knüpft er ein Netz, so fein, dass das Fischlein es frühestens erkennt, wenn es zu spät ist; aber auch so fest, dass es für das gefangene Fischlein kein Entrinnen gibt, mag es auch noch so heftig zappeln.
Sodann hievt er das volle Netz in sein Boot, entzieht also den Fischlein ihr natürliches Element, so dass die Körper verschmachten und ihre Seele aufgeben. Dann bringt er sie an Land um sie zu verkaufen.
Nun, oh Herr, mit Fischen mag das angehen, denn sie sind unsere Nahrung. Aber mit Menschen?“
Wäre Petrus ein Weiser gewesen anstatt ein Mitläufer, wer weiß…

Nun dürfte sich die Evangelische Kirche die Menschenfischerei wohl anders beurteilen als von Rainer Buchheim karikiert. Sie will allen Ernstes den Abtrünnigen, den Zweifelnden oder den Entwöhnten Kurse zum Glauben anbieten, Nachhilfestunden im Christsein so zu sagen. Dazu startet sie eine aufwändige Kampagne Kurse zum Glauben (siehe die Plakate, die uns wohl bald bundesweit beglücken werden), in der Prominente und weniger Prominente Aussagen dazu machen, wie schön es doch ist, (wieder) Christ zu sein. Und daher fragt die Aktion:

Woran glauben Sie?

Die einen glauben an Gott, die anderen an die Wissenschaft, manche glauben an sich selbst und manche an gar nichts. Und wie ist das bei Ihnen? Woran glauben Sie? Geht es Ihnen wie vielen, die christlich getauft sind, aber den Bezug zu Kirche und Glauben verloren haben? Gehören Sie zu denjenigen, die zwar regelmäßig in die Kirche gehen, aber trotzdem den Wunsch nach einer intensiveren Beschäftigung mit dem Glauben verspüren? Oder sind Sie vor Jahren aus der Kirche ausgetreten, möchten nun aber mit Ihrer gewonnenen Lebenserfahrung nochmals über die Bedeutung des Glaubens nachdenken?

Den christlichen Glauben neu entdecken

Die Evangelische Kirche lädt Sie ein, Ihren Glauben wieder neu zu entdecken. Oder zumindest, sich nochmals mit der Bibel, mit der Geschichte von Jesus Christus und mit der Frage zu beschäftigen, woran Sie eigentlich glauben. Dazu bieten viele Gemeinden und Bildungseinrichtungen Kurse zum Glauben an, die sich speziell an Erwachsene richten.

Wer glaubt weiß mehr

Viele, die schon einen solchen Kurs mitgemacht haben, sind froh über die Impulse, die sie dadurch für ihr Leben gewonnen haben. Deshalb möchten wir Sie ermuntern und herzlich einladen, einen Kurs zum Glauben in Ihrer Nähe zu besuchen. Vielleicht gelangen auch Sie dabei zu der Erkenntnis: Der Glaube ist ein starkes Fundament, um unsere Welt und unser Dasein besser verstehen zu können.

Viele tote Fische? Über den Erfolg der Kampagne wurde bisher noch nichts bekannt.

 

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