® Homoheilung durch Umerziehung?

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 »Queer » das Magazin für schwule und lesbische Lebensart berichtet darüber, wie in einem mehrheitlich islamischen Land (60% Moslems) die Seuche der Homosexualität ausgerottet werden soll:

In Malaysia sind 66 Schüler im Alter zwischen 13 und 17 Jahren wegen "weiblicher Verhaltensweisen" zwangsweise in ein Lager eingewiesen worden – damit soll Homosexualität verhindert werden.

Die muslimischen Jugendlichen aus dem Bundesstaat Terengganu wurden von ihren Lehrern als "zu feminin" an staatliche Behörden gemeldet. Sie müssen nun ein mehrtägiges Programm absolvieren, in dem insbesondere die Fächer Religion und Sport im Vordergrund stehen, melden internationale Nachrichtenagenturen.

Ein Sprecher des Bildungsministeriums erklärte, so werde ihnen ein "richtiger Start ins Leben" ermöglicht. Er sagte, dass die Jungen ansonsten schwul und transsexuell werden könnten. Die Regierung macht Eltern für homosexuelles Verhalten verantwortlich. So würden Jungen homosexuell, wenn sie in jungen Jahren weibliche Kleidung getragen hätten.

Das Straflager ist jedoch selbst in der konservativen Regierung in Kuala Lumpur nicht unumstritten. So erklärte Frauenministerin Shahrizat Abdul Jalil, dass die Lager die Jugendlichen traumatisieren würden. Außerdem würde die zwangsweise Einweisung in diese Lager gegen Jugendschutzrichtlinien verstoßen. Immerhin hätten die Schüler nicht gegen Gesetze verstoßen.

Nicht geschlechtskonformes Verhalten wurde bereits wiederholt von der malaiischen Regierung kritisiert. So erklärte eine staatliche Religionsbehörde 2008, dass es Frauen verboten sei, sich wie Männer zu kleiden oder einen "männlichen Lebensstil" zu führen

In Malaysia stehen selbst auf einvernehmliche homosexuelle Handlungen bis zu 20 Jahren Haft oder Auspeitschung. Muslimische Schwule können in islamischen Sondergerichten zusätzlich belangt werden. 60 Prozent der Malaysier sind Muslime, ein Austritt aus der Religionsgemeinschaft ist verboten. Trotz der schlechten Rahmenbedingungen hat sich in der Hauptstadt Kuala Lumpur eine schwule Szene entwickelt, die vom liberalen Nachbarland Thailand beeinflusst wird. Es kommt aber immer wieder zu Razzien in der Szene.

Diesem Bericht ist wohl kaum etwas hinzuzufügen. Man kann von Glück sprechen, dass in Malaysia nur Gefängnisstrafen ausgesprochen werden und nicht – wie im Iran – gleich der Baukran droht. 

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2 Antworten auf ® Homoheilung durch Umerziehung?

  1. Argutus sagt:

    #33 Dr. Frank Berghaus am 24. April 2011 um 12:05

    Frauen stehen wohl bei dieser Frage immer etwas ausserhalb.

    Wohl aus dem gleichen Grund, warum auch homosexuelles Verhalten bei Tieren dabei kein Thema ist. In typischen homophoben Kulturen wie beispielsweise der islamischen gelten eben beide als viel zu unwichtige Lebewesen. Die Sexualität von Frauen ist da nur relevant, wenn sie irgendwie mit Männern im Zusammenhang steht.

  2. pinetop sagt:

    In kriegerischen Gesellschaften werden Homosexuelle als verweichlicht und damit als unbrauchbar dargestellt. Aber gerade für diese Gesellschaften, deren Männer oft in Kasernen zusammenleben müssen, wäre Homosexualität doch eigentlich ein wünschenswerter Sachverhalt. Auch unter den Piraten der frühen Neuzeit, die in Filmen als ganze Kerle geschildert werden, war Homosexualität weit verbreitet.

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