Ist politische Korrektheit der richtige Weg?

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[Redaktion: Dieser Artikel erschien zuerst im Feuerbringer-Magazin].
Wenn ich das Konzept der “politischen Korrektheit” kritisiere und auf seine marxistischen Ursprünge zurückführe, werde ich oftmals schief angeschaut. Offenbar denken viele Menschen an etwas anderes als ich, wenn sie “politisch korrekt” hören; ebenso denken sie an “politisch inkorrekt” als das Gegenteil, was sie wiederum mit dem berüchtigten Anti-Islam-Blog mit demselben Namen assoziieren. Darum geht es aber nicht. Politische Korrektheit ist eine Form der präskriptiven Sprachverwendung, eine Art und Weise, wie man sprechen, was man sagen oder nicht sagen darf.
Das Problem mit der politischen Korrektheit, insofern man ihren Vertretern ihre guten Absichten glaubt, besteht darin, dass man versucht, über den Sprachgebrauch die Meinungen der Menschen zu beeinflussen.
Beispielsweise darf man schon lange nicht mehr “Nigger” oder “Neger” sagen, ohne sich unmöglich zu machen. Einerseits ist das verständlich, denn insbesondere “Nigger” wurde als herabwertender Begriff für Schwarze gebraucht. Allerdings hat man feststellen müssen, dass viele Leute noch immer Rassisten waren, auch wenn sie das Objekt ihrer Ablehnung nun anders nannten. Dann ist man dazu übergegangen, dass man auch “Schwarzer” nicht mehr sagen durfte und stattdessen “Afro-Amerikaner”, was allerdings keinen Sinn ergibt für alle Schwarzen, die nicht in den USA leben. Wie nennt man zum Beispiel einen schwarzen Afrikaner? “Afro-Afrikaner”?
Nun ist es eben nicht zielführend, den Menschen zu verbieten, ihren Menschenhass zu äußern. Wenn jemand Schwarze für minderwertig hält, so hält er sie auch dann für minderwertig, wenn er sie “Afro-Amerikaner” nennt. Das Problem ist nicht die Sprache, mit der Menschen ihren irrationalen Hass äußern, das Problem ist vielmehr ihr irrationaler Hass, oder überhaupt ihre Irrationalität.
Früher wurden Brillenträger (wie ich) zum Beispiel “Brillenschlange” genannt und als abnorm und somit schlechter als andere angesehen. Linkshänder wurden im Nachkriegsdeutschland ebenso gemobbt, worunter meine Mutter beispielsweise zu leiden hatte. Diese Haltungen zeugen von einem primitiven, tribalistischen Denken. Sie gehen von Menschen aus, die keine Identität und kein Selbstbewusstsein haben, sondern die sich durch ihr Kollektiv definieren. So funktionieren Menschen, die nicht konzeptuell denken, sondern die sich auf ihre spontanen Sinneseindrücke verlassen und auf die unhinterfragbaren Regeln der Gruppe, in die sie hineingeboren wurden. Ayn Rand nannte sie den “Missing Link” zwischen Mensch und Tier.
Ich bin also kein Anhänger der Idee, man dürfe Menschen aufgrund von Eigenschaften beurteilen, für die sie (im Gegensatz zu ihren freien Entscheidungen) nicht verantwortlich sind. Aber Sprachregelungen sind nicht der richtige Weg, etwas an den Meinungen der Menschen zu verändern.
Die marxistischen Urheber der politischen Korrektheit wussten das genau. Ihnen ging es nicht darum, das Ansehen von Minderheiten zu stärken. Ihnen ging es darum, den Sonderstatus von Minderheiten durch gesonderte Sprachregelungen extra zu betonen, damit sich die Minderheiten als Opfer der freien Gesellschaft fühlten. Die freie Gesellschaft wird bekanntlich von Marxisten zu Gunsten der Herrschaft von ihnen selbst abgelehnt, wobei sie die Rolle der Sozialingenieure spielen würden, welche die Menschen nach ihrem Bild formen möchten.
Ich sage nicht, dass dies die Meinung vieler Vertreter der politischen Korrektheit heute und hier ist. Aber dies war der ursprüngliche Zweck der Idee. Und dieser Zweck ist im Konzept der politischen Korrektheit inhärent angelegt.
Wir sollten also gegen Menschenhass und gegen Irrationalität argumentativ ankämpfen. Aber Dummheit kann man nicht verbieten und indem man den Dummen untersagt, ihre Gedanken klar zu äußern, werden sie bestenfalls verwirrt, aber nicht rationaler oder weniger von Menschenhass erfüllt als zuvor.
 

 

 

 

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33 Antworten auf Ist politische Korrektheit der richtige Weg?

  1. Indianerjones sagt:

    Der Mensch an sich ist das Problem, er ist noch nicht entwickelt, er ist immer noch nur ein Zellhaufen, der sich strenggenommen noch nicht viel einzubilden hatt, dazu ist er viel zu fehlerhaft…….[..]:nerd:

  2. Indianerjones sagt:

    #1
    Dazu kommt noch Glauben und Religion, im Grunde genommen wenig hilfreich für eine weitere Evolution der Menscheit, aber wohl irgentwie anerkannt ohne wirkliches Wissen darüber, denn die Welt verändert sich und auch der technische Fortschritt ist immer begleitend.:nerd:

  3. Indianerjones sagt:

    #2
    Wenn aber was Einen spirituell bewegt und er einen Schub aus sich heraus einen Schub bekommt, dann ist nichts gegen ein gewisses Glaubensbekenntnis einzuwenden, allerdings eine organisierte Religionsbewegung in Sachen Glauben, ist dabei so gut, wie gar nicht dienlich.:nerd:

  4. Indianerjones sagt:

    * Ein Schub war doppelt, ich werde doch nicht einen Anschub von oben bekommen haben ?……Bevor ich darüber groß überlege, trinke ich mal lieber was, ein guter Roter tut wohl dazu sein Bestes….Gut Nacht…..:viking:

  5. Argutus sagt:

    Die marxistischen Urheber der politischen Korrektheit wussten das genau. Ihnen ging es nicht darum, das Ansehen von Minderheiten zu stärken. Ihnen ging es darum, den Sonderstatus von Minderheiten durch gesonderte Sprachregelungen extra zu betonen, damit sich die Minderheiten als Opfer der freien Gesellschaft fühlten. Die freie Gesellschaft wird bekanntlich von Marxisten zu Gunsten der Herrschaft von ihnen selbst abgelehnt, wobei sie die Rolle der Sozialingenieure spielen würden, welche die Menschen nach ihrem Bild formen möchten.

    Gute Analyse. Ein zweiter Punkt kommt noch dazu: Der politische Gegner soll in seiner Argumentation (und im Wahlkampf) behindert werden, indem man jene Sprache pönalisiert, die er dazu benötigt.

    Aus Gründen, die spätere Historiker noch werden erforschen müssen, waren die Linken mit ihrer selektiven Sprachzerstörung extrem erfolgreich. Wenn heute sich jemand scheut "Neger" oder "Zigeuner" zu sagen und statt dessen zu irgendwelchen meist ziemlich lächerlichen linken Euphemismen greift, muß er selbst gar kein Linker sein. Dieser Wahn ist schon längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

    Als sprach- und verantwortungsbewußter Mensch sollte man da aber gezielt gegensteuern. Ich beispielsweise verwende systematisch eine politisch unkorrekte Sprache als Protest gegen die political correctness. Allerdings fällt mir das nicht schwer, weil ich schon so alt bin, daß meine sprachliche Sozialisierung lange vor der Erfindung dieses Unfugs erfolgt ist.

  6. ilex (E. Ahrens) sagt:

    #5 Argutus am 19. Januar 2012 um 09:28  = Als sprach- und verantwortungsbewußter Mensch sollte man da aber gezielt gegensteuern. Ich beispielsweise verwende systematisch eine politisch unkorrekte Sprache als Protest gegen die political correctness. Allerdings fällt mir das nicht schwer, weil ich schon so alt bin, daß meine sprachliche Sozialisierung lange vor der Erfindung dieses Unfugs erfolgt ist.

    Genau. Die Gnade der frühen Geburt. Sehe ich ebenso.  :-)

    Dessen ungeachtet stellte schon Konfuzius wegweisende Überlegungen über das richtige Benennen von Dingen an und das falsche Handeln, das aus falschen Benennungen resultiert. Wenn denn ein gewisses Milieu die Deutungshoheit der Sprache an sich gerissen hat, ist es schlimm genug. Dem aus Angst zu folgen, macht diese Leute nur noch abgehobener und frecher.

  7. pinetop sagt:

    Meistens ignoriere ich die politische Korrektheit. Aber eben nur meistens. Es gibt Situationen in welchen man sich anpassen muss. Z. B. ein Kundengespräch oder ein Vorstellungsgespräch. Manchmal habe ich auch keine Lust auf eine Auseinandersetzung. Ich empfinde es als äußerst befreiend, wenn ich mich darüber hinwegsetzen kann. Wenn Broder virtuos gegen PC verstößt und den Gutmenschen peinliche Ratlosigkeit verbleibt, kann ich dies als lustvoll empfinden.

  8. Frank Berghaus sagt:

    Jonathan Nehrke merkt dazu auf Facebook an:

    Jonathan Nehrke Sehr gut!
    Find's total klasse, ich werde ständig durch diese Artikel zum Nachdenken angeregt und merke immer wieder, dass es noch einiges gibt, womit man seinen eigenen Horizont erweitern könnte…

    Dieser einfache Schluß, dass ein Regeln der Sprache ja nichts am Problem an sich ändert bzw. es sogar verstärken könnte, kam mir nie, an sowas hab ich einfach nicht gedacht.

    Toller Artikel!

  9. Frank Berghaus sagt:

    @Jonathan Nehrke

    Dieser einfache Schluß, dass ein Regeln der Sprache ja nichts am Problem an sich ändert bzw. es sogar verstärken könnte, kam mir nie, an sowas hab ich einfach nicht gedacht.

    Sehr schön und knapp auf den Punkt gebracht!

  10. Frank Berghaus sagt:

    Noch ein guter Kommentar zum Thema (aus Facebook):

    Iseman Namesi

    Daniel Barenboim hat sich zu politischer Korrektheit geäußert. Von der Berliner Zeitung wurde er wie folgt zitiert:

    "Wir haben keine Welt der festen Standards von Urteil und Geschmack mehr. Die politische Korrektheit ist einer der größten Feinde der Humanität. Sie lehrt uns nicht einfach nur, unsere Misslieben zu verbergen, sondern sie weicht unsere Urteilskraft auf, untergräbt unsere Verantwortung und fördert die Gleichgültigkeit. Politische Korrektheit hindert uns daran, einen Standpunkt einzunehmen und ihn auch öffentlich zu verteidigen. Auf diese Weise entsteht der Mensch, der letztlich bereit ist, allen Ideologien zu folgen: dem religiösen Fundamentalismus ebenso wie bestimmten Aufführungspraktiken der Barockmusik".

    Hier der ganze Artikel in der Berliner Zeitung.

  11. Frank Berghaus sagt:

    #11 blasphemica am 19. Januar 2012 um 15:08

    Danke, Deiner funktioniert :-)

    ARE: Jetzt funktioniert auch dein Link wieder. Ich habe ihn repariert.

  12. foundnoreligion sagt:

    Die politische Korrektheit selbst kann man mit dieser Anekdote am besten ausdrücken.  Jemand sitzt wegen Meineids vor Gericht. Der Richter spricht zu ihm: "Mein Herr, sie haben das Gericht angelogen", worauf der Angeklagte entgegnet: "Lügen ist so ein schlimmes Wort, sagen wir, ich habe die Wahrheit verschönert." Die politische Korrektheit ist nichts anderes als die Diktatur des Euphemismus.

  13. pinetop sagt:

    Ich hatte in Erinnerung, dass auch Ernst Topitsch hierzu einen Kommentar gab. Gem. wikipedia beklagte er die Hegemonie der political correctness als schleichende Korrumpierung des liberalen Klimas, als neue, sanfte Form des Totalitarismus.

  14. Merlot sagt:

    #5 Argutus am 19. Januar 2012 um 09:28
    Aus Gründen, die spätere Historiker noch werden erforschen müssen, waren die Linken mit ihrer selektiven Sprachzerstörung extrem erfolgreich.
     
    Das braucht man nicht extra zu erforschen, das liegt doch auf der Hand: Linke sind einfach intelligenter.

  15. Alchymist sagt:

    Zwei Anmerkungen hätte ich dazu:
    Wer sind denn diese obskuren „marxistischen Urheber der politischen Korrektheit“? Wenn du so genau weißt wer die erfunden hat, könntest du uns doch ein paar Namen nennen?
    Soweit ich weiss kommt das PC-Konzept aus den USA, wo die Zahl der Marxisten, nun ja, nicht überwältigend hoch ist…

    Zum Anderen bin auch ich kein Freund von Euphemismen, wie sie im PC-Sprech gerne benutzt werden. Auf der anderen Seite finde ich auch das Gegenteil, d.h. die bewusste Abwertung einer Gruppe von Menschen durch einen entsprechend negativen Begriff, verachtenswert.

    Mal ein Beispiel: ich finde, einen Behinderten sollte man so nennen (dürfen). Die PC-Bezeichnung als „anders Begabter“ ist ebenso abzulehnen wie abwertende Begriffe (Krüppel, Idiot, Schwachsinniger…).

    Setzen wir uns doch nicht gegen einen bestimmten Sprachgebrauch ein, sondern für einen sorgfältigen und respektvollen aka humanistischen Sprachgebrauch.

    Und die Seitenhiebe auf die „bösen Marxisten“ müssen nicht sein, man kann ja Ross und Reiter nennen, wenn man sie kennt.

  16. Argutus sagt:

    #16 Alchymist am 22. Januar 2012 um 09:10

    ich finde, einen Behinderten sollte man so nennen (dürfen). Die PC-Bezeichnung als “anders Begabter” ist ebenso abzulehnen wie abwertende Begriffe (Krüppel, Idiot, Schwachsinniger…).

    Das Wort "Krüppel" bedeutet "Gekrümmter" und ist somit ein Spezialfall eines körperlich Behinderten. Das griechische Wort "Idiot" kennzeichnet die soziale Kommunikations-Unfähigkeit und "Schwachsinniger" ist eine sehr sachliche Beschreibung des damit Gemeinten.

    Was ist an diesen Ausdrücken "abwertend"? Natürlich ist es nicht wünschenswert ein Krüppel, ein Idiot oder ein Schwachsinniger zu sein, aber es wird um nichts wünschenswerter, wenn man die historisch gewachsene Bezeichnung durch irgendein modernes Synonym ersetzt.

    Sobald jeder weiß, was damit gemeint ist, hat das neue Wort exakt dieselben Konnotationen wir früher das alte, so daß man wiederum ein neues braucht etc. Man nennt das in der Linguistik die "Euphemismus-Tretmühle". So etwas ist kindisch und abzulehnen.

    Setzen wir uns doch nicht gegen einen bestimmten Sprachgebrauch ein, sondern für einen sorgfältigen und respektvollen aka humanistischen Sprachgebrauch.

    Es wäre ein Mißbrauch des Humanismus in seinem Namen Sprachverschandelung zu betreiben. Was Krüppel von Humanisten erwarten sollten, ist ein respektvoller Umgang mit ihnen als Menschen und nicht die Verhängung eines terminologischen Maulkorbs betreffend das Wort, das die deutsche Sprache für sie hat.

  17. SharpChronisch sagt:

    Ich bevorzuge ja für mich 1fach bebeint und 4fach bereift.
    Sharp

  18. Alchymist sagt:

    @Argutus: wenn du mein Beispiel so nicht verstande hast, machen wir es mal drastisch: du bist ein faschistisches Judenschwein. Ein Knecht des Großkapitals, der Illuminaten und der zionistischen Weltverschwörung. Das muss doch mal gesagt werden dürfen, Euphemismen bringen uns nicht weiter ;-)
    Ist das ein respektvoller Umgang? Natürlich nicht und normalerweise würde ich weder so argumentieren noch jemanden ernst nehmen, der das tut. Ein respektvoller Umgang zeigt sich auch in der Sprache. Ich fordere keine „Sprachverschandelung im Namen des Humanismus“. Ich wünsche mir auch in der rhetorischen Auseinandersetzung „humanistischen“ Respekt. Dazu gehört manchmal auch die Rücksichtnahme darauf, dass es nicht sinnvoll ist, bestimmte Begriffe, die aus verschiedenen Gründen „vorbelastet“ sind zu verwenden. Das ist keine PC. Dass ich die ablehne ist hoffentlich deutlich geworden.

  19. Argutus sagt:

    #19 Alchymist am 22. Januar 2012 um 11:22

    wenn du mein Beispiel so nicht verstande hast, machen wir es mal drastisch: du bist ein faschistisches Judenschwein. Ein Knecht des Großkapitals, der Illuminaten und der zionistischen Weltverschwörung. Das muss doch mal gesagt werden dürfen, Euphemismen bringen uns nicht weiter

    Ja, das darf auch mal gesagt werden, wenn ich für mich auch das Recht in Anspruch nehme, mich dieser Einschätzung nicht anzuschließen.

    Linguistisch gesehen machst du aber den Fehler nicht zwischen denominativen Bezeichnungen (wie beispielsweise Krüppel) und unsachlichen Metaphern (Judenschwein) zu unterscheiden. Damit kollabiert dein Argument.

  20. Argutus sagt:

    #19 Alchymist am 22. Januar 2012 um 11:22

    Nachtrag.

    die Rücksichtnahme darauf, dass es nicht sinnvoll ist, bestimmte Begriffe, die aus verschiedenen Gründen “vorbelastet” sind zu verwenden.

    Diese Begriffe (oder genauer: die sie bezeichnende Wörter) sind nicht einfach so "vorbelastet", sondern sie wurden von bestimmen politischen Gruppen gezielt zu Unwörtern erklärt um den politischen Gegner entweder  argumentativ zu behindern oder (wenn es Synonyme gibt) zu zwingen, ihr Spiel mitzuspielen.

    Ich bin zu beidem nicht bereit und benütze deshalb systematisch wenn immer es möglich ist jene Wörter, die die Vertreter der political correctness mir verbieten wollen.

  21. Alchymist sagt:

    Ich mach noch einmal einen Versuch:
    Es geht nicht um Verbote. Und es geht auch nicht darum, dasss eine bestimmte von dir postulierte Macht Wörter zu Unwörtern erklären würde. Sprache lässt sich nicht steuern oder beherrschen, auch wenn das immer wieder versucht wurde und wird.
    Worum es geht ist, dass es Wörter gibt, die eine negative Konnotation entwickelt haben. Und es gibt Bezeichnungen für Menschen oder Menschengruppen, die von den so bezeichneten als nicht adäquat empfunden werden.
    Im Sinne eines konstruktiven Diskurses kann man versuchen auf diese Begriffe zu verzichten.

    Ich sprach von Respekt. Wenn mir ein Lappe sagt, dass er lieber als Same bezeichnet werden möchte, wo ist das Problem? Ich kann diesen Wunsch respektieren oder sagen „fuck off“.

    Ich weiss, dass ich dich nicht überzeugen werde. Aber ich denke, dass jeder der möchte, mein Argument zumindest verstanden hat. Er muss meine Ansicht ja nicht teilen…

  22. Argutus sagt:

    #22 Alchymist am 22. Januar 2012 um 17:30

    dass es Wörter gibt, die eine negative Konnotation entwickelt haben.

    Ja, die gibt es. Beispielsweise das Wort "Weib".

    Aber jene Wörter, um die es hier geht, gehören nicht zu ihnen. Die negative Konnotation von Wörtern wie Neger, Eskimo, Zugeuner, Krüppel etc. hat sich nicht entwickelt, sondern die wurde mutwillig verordnet.

    Solche Enwicklungen brauchen nämlich sehr lange Zeit. Alle jene Wörter, die in meiner Kindheit und Jugend die für die jeweilige Bezeichnung einzig existierenden waren und an denen damals niemand (auch nicht die damit Gemeinten) etwas auszusetzen fand, die sogar von Kommunisten völlig selbstverständlich verwendet wurden, bis sie eines Tages plötzlich bei den Linken in Ungnade fielen – alle diese Wörter gehören nicht dazu.

  23. SharpChronisch sagt:

    Ihr macht hier beide eine Grundsatzdiskussion ohne Wenn und aber auf. Das kann ich daran merken, daß ich sowohl Argutus wie auch Alchymist recht geben kann.
    Die Wahrheit liegt also wohl in der Situations- wie auch Fallbezogenheit.
    Seid doch ned so fundamentalistisch.
    Sharp

  24. Frank Berghaus sagt:

    #22 Alchymist am 22. Januar 2012 um 17:30

    Man sollte auch gelegentlich über den Tellerrand hinausschauen. Dann könnte man nämlich feststellen, dass diejenigen, die angeblich diskriminiert werden, häufig gar nichts davon wissen.

    Als Beispiel dienen mir immer die hier in Tunis in grosser Zahl lebenden Angestellten der Afrikanischen Entwicklungsbank (BAD), eine Institution, die jedes afrikanische Land mit seinen eigenen Teams beschickt. Viele der höheren Chargen wohnen mit ihren Familien in unserer Gegend, so dass man automatisch mit ihnen in Kontakt kommt. Wenn ich denen mit irgendwelchen Wortverrenkungen der geschilderten Art komme, grinsen sei breit und antworten mir sinngemäss immer gleich, einer sehr passend: "Oh yes, I'm a happy negro".

    Gar nicht davon zu reden,  wie Martin Luther King in seiner zentralen Ansprache zur Gleichstellung der "Afroamerikaner" in den USA genau 27 mal das Wort "negro" verwendete.

    Hübsch auch Roberto Blanco zum CSU-Vorsitzenden: "wir Schwarze müssen zusammenhalten". Mir selbst hat er bestätigt (als wir vor einiger Zeit am Tegernsee in einem Restaurant am selben Tisch sassen), dass er dieses ganze Bezeichnungsgetue für ausgemachten Blödsinn halte.

    Doch wenn man den Betroffenen nur lange genug einredet, dass sie nun aber bitteschön erheblich beleidigt zu sein haben, dann hat man vielleicht irgendwann Erfolg damit. Ausserhalb der deutschen Linken scheint das aber selten zu sein.

  25. Firithfenion sagt:

    Ursprünglich fing das mal so an, das man ein paar blöde Wörter durch bessere ersetzen wollte, aber dann artete die Sache immer mehr aus so das wir uns jetzt mit MitbürgerInnen und ähnlichen Wortschöpfungen herum ärgern müssen. Dazu kommt noch, das die Neubenennungsvorschläge für Minderheiten in den seltensten Fällen von diesen Personen selber kommen, sondern von Leuten die meinen sich ungefragterweise zu Fürsprechern dieser Minderheiten aufspielen zu müssen.
     
    #22 Alchymist am 22. Januar 2012 um 17:30
    Ich sprach von Respekt. Wenn mir ein Lappe sagt, dass er lieber als Same bezeichnet werden möchte, wo ist das Problem?
     
    Und wie viele Lappen/Samen haben das bisher tatsächlich von dir verlangt? Ich glaube die meisten Lappen interessiert es genausosehr wie sie hier genannt werden wie es mich interessiert wie wir Deutschen in Kisuaheli oder Urdu genannt werden.

  26. Argutus sagt:

    #25 Frank Berghaus am 22. Januar 2012 um 18:05

    Doch wenn man den Betroffenen nur lange genug einredet, dass sie nun aber bitteschön erheblich beleidigt zu sein haben, dann hat man vielleicht irgendwann Erfolg damit.

    Naja, wenn ihnen nicht vorher der Kragen platzt. Erst kürzlich las ich in irgendeiner Zeitung (die Details habe ich leider nicht mehr im Gedächtnis) von Zigeunern, die es satt hatten immer als "Roma" oder "Sinti" oder gar "Roma und Sinti" bezeichnet zu werden. Sie wollten einfach wieder Zigeuner sein wie seit Jahrhunderten.

  27. Alchymist sagt:

    Kann es sein, dass ihr Sachen kritisiert, die ich gar nicht gesagt habe?
    Schaut euch mal ein kleines Video an:
    The Power of Words… ich möchte anfügen: die Macht der richtigen Worte…

    http://www.youtube.com/watch_popup?v=Hzgzim5m7oU&vq=medium

    …nicht jedes nette Wort ist PC…

  28. Alchymist sagt:

    Noch eine Anmerkung zu Argustus, er schrieb:
    „Solche Enwicklungen brauchen nämlich sehr lange Zeit.“

    Dem erlaube ich mir zu widersprechen. Neue Wörter entstehen und verschwinden im Takt von wenigen Jahren. Ebenso schnell können sich Nuancen ihrer Bedeutung ändern. Und darüberhinaus werden in verschiedenen Subkulturen unterschiedliche Wertungen und/oder Inhalte in gewisse Begriffe gelegt.

    Sprache dient außer zum Predigen vorzugsweise zur Kommunikation. Wenn ich verstanden werden will, muss ich meine Sprache der Zielgruppe anpassen.

    Wenn ich den „schwarzen Peter“ von nebenan mit „hey Nigger“ oder „alter Kaffer“ anrede, gewinne ich keine Sympathie…

  29. Argutus sagt:

    #29 Alchymist am 23. Januar 2012 um 17:30

    Neue Wörter entstehen und verschwinden im Takt von wenigen Jahren.

    Ja, Neologismen (so nennt man in der Linguistik neue Wörter) können schnell entstehen und die meisten von ihnen verschwinden auch sehr bald wieder.

    Aber es ging nicht um Neologismen sondern darum, daß Wörter, die schon lange zum Bestand einer Sprache gehören, eine negative Konnotation entwickeln. Das kommt zwar vor, dauert aber normalerweise mindestens einige Generationen, meist mehrere Jahrhunderte.

    Wenn ich den “schwarzen Peter” von nebenan mit “hey Nigger” oder “alter Kaffer” anrede, gewinne ich keine Sympathie

    Gewiß, aber diese Ausdrucksweise galt auch schon vor Erfindung der political correctness als ausgesprochen unhöflich.

  30. Saejerlaenner sagt:

    #23 Argutus am 22. Januar 2012 um 17:43
     
    Ja, die gibt es. Beispielsweise das Wort "Weib".
     
    Wobei keine Socke etwas anstößiges daran findet, wenn der Begriff "weiblich" verwendet wird. Außerdem ist es meiner Erfahrung nach so, daß es von der Situation abhängt, ob "Weib" als Beleidigung aufzufassen ist oder nicht. Der Vergleich hinkt zwar, aber es ist in etwa so, wie wenn jemand in England als "tosspot" tituliert wird.

  31. Argutus sagt:

    #31 Saejerlaenner am 23. Januar 2012 um 18:01

    Wobei keine Socke etwas anstößiges daran findet, wenn der Begriff "weiblich" verwendet wird.

    Das liegt daran, daß das Adjektiv die Verschiebung nicht mitgemacht hat.

  32. Saejerlaenner sagt:

    Ein Lob sei hier an dieser Stelle ausgesprochen an alle Adjektive, die nicht mitmachen. Wenn ich ein Adjektiv wäre, isch schwör, ich würde auch nicht mitmachen.

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