Die Vorfahren Gottes

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NisabaDieser Gastbeitrag von Prof. Dr. Uwe Hillebarnd erschien zuerst am 19. Januar 2012 – aber er ist immer noch aktuell.

Den Gott der Christen, diesen allmächtigen, allwissendenden und allgütigen Schöpfer von letztlich allem, den gibt es wirklich. Er ist real, so wie zu allen Zeiten die Götter, welche die Menschen anbeteten, real waren, jedenfalls für die Gläubigen unter den Menschen. Das predigten immer die jeweiligen Theologen, die von ihrem Gott ausgesandt wurden, um den Menschen das Heil oder Unheil zu verkünden. Sie sind von Gott dazu berufen und somit ermächtigt worden, dieses zu tun. Heutzutage müssen sie ihren Glauben erst an einer Universität studieren, an der man ansonsten nur Wissenschaft studieren kann. Und deswegen wissen sie jetzt auch, dass nur ihr Gott wahr ist, alle anderen Götter, sozusagen die Vorläufer, gab es nicht. Das sagen sie im Brustton der Überzeugung, die auf einem tiefen, weil studierten Glauben beruht. Denn wissen tun sie es natürlich nicht, nur das wissen sie nicht.
      
So ein Gott hat natürlich auch Vorfahren, denn jeder hat Vorfahren. Bereits lange vor Jesu Geburt glaubten die Menschen an Götter, hatten religiöse Vorstellungen und Riten. Alles, was man nicht oder noch nicht erklären konnte, wurde als göttlich, weil offenbar von einem Gott kommend, interpretiert. So wurden etwa Naturgewalten personifiziert. Wenn es donnerte, dann grollte der Gott des Donners. Es gab eine Göttin der Morgenröte, einen Sonnengott, einen Gott des Mondes und viele andere mehr. Dabei war die Lebens- und Leidensgeschichte von Jesus beileibe nichts Neues. Denn zwischen den alten Überlieferungen und den weitaus späteren christlichen Legenden gibt es viele Übereinstimmungen, weil die christliche Lehre und der christliche Kult häufig von älteren Religionen übernommen wurden.

Nach der Lehre des altpersischen Propheten Zarathustra schuf die Gottheit Ahura-Mazda die Erde, die Pflanzen, die Tiere und den Menschen. Den Anfang bildete dabei ein Menschenpaar, das in einem Paradies lebte. Da Ahura-Mazda aber mit seinen Geschöpfen nicht zufrieden war, schickte er eine Sintflut, um sie wieder zu vernichten. Er hatte einen Widersacher mit Namen Ahriman, der auf der Welt das Böse vertrat. Wie der Teufel in der christlichen Lehre war er ein gefallener Engel. Liest man das Alte Testament, kommt einem das bekannt vor. Nur der Name der Gottheit wurde von den Christen durch den Namen Gottvater ersetzt. Die Götter der Welt hatten für unsere Erde ersichtlich denselben Bauplan, leider kam ihnen dann die Evolution dazwischen. Am Ende aller Zeiten verhieß Zarathustra ein Weltgericht, bei dem die Toten wieder auferstehen sollten. Sofern jemand zu Lebzeiten gut wäre, hätte er vom Weltgericht nichts zu befürchten und würde ins Paradies aufgenommen werden. Andernfalls würde er in die Hölle kommen. Die Christen haben später dieses Weltgericht in das Jüngste Gericht umbenannt, alles andere haben sie so belassen.
 
Das Leben des sumerisch-babylonischen Fruchtbarkeitsgottes Tammuz verlief, lange vor Beginn unserer Zeitrechnung,  durchaus ähnlich wie das von Jesus, von dem uns die Evangelien berichten. Er wurde von einer Jungfrau geboren, die mit einem alten Ziehvater zusammen lebte, der nicht Josef hieß, und seine Geburt fand in einem Notquartier statt. Ob das etwa ein Stall war? Eltern und Kind wurden danach verfolgt und flohen, trotzdem musste der Sohn sterben. Wie bei Jesus.

Auch der babylonische Gott Marduk wurde, wiederum  lange vor Jesus, gefangen genommen, verhört, und zusammen mit einem Verbrecher hingerichtet. Oder der römische Gott Mithras, der persischen Ursprungs war. Er wurde im 3. Jahrtausend v. Chr. als Sohn eines himmlischen Vaters ebenfalls von einer irdischen Jungfrau geboren und nach seiner Geburt zunächst von Hirten verehrt, wie Jesus. Auch seine Familie musste fliehen. Nachdem er gekreuzigt worden und zu Ostern wieder auferstanden war, fuhr er in den Himmel. Wie Jesus. Die Anhänger von Mithras glaubten an eine Sintflut, die zu Beginn der Zeit alles Leben auf der Erde auslöschte. Danach kam ein Neuanfang. Sie glaubten ferner, dass die Seele des Menschen unsterblich sei, und die Toten am Ende aller Zeiten bei einem Jüngsten Gericht auferstehen würden. Die heutigen Christen glauben das auch.
 
Der Mithraskult kannte 7 Sakramente, wie später die katholische Kirche, darunter Taufe, Firmung und eine Kommunion, die auf das letzte Abendmahl von Mithras zurückgeht. In den Evangelien lesen wir gleichfalls von einem letzten Abendmahl Jesu. Und andere Götter wurden wie Jesus gekreuzigt, so Dionysos, Lykurgos und Prometheus. Da musste Jesus ja dasselbe Schicksal ereilen. Denn waren die Götter der Welt nicht gerade im Himmel, hatten sie hier unten oft auf ähnliche Weise zu leiden. Leiden durch Menschen, die sie als Gott eigentlich beherrschen sollten. Aber auf Erden ist das vermutlich nicht so einfach.

Diese Parallelen zu dem in den Evangelien beschriebenen Lebensweg von Jesus können kein Zufall mehr sein. Die »frohe Botschaft«, die in den Evangelien verkündet wird, kann getrost um einige Tausend Jahre vorverlegt werden, denn viele Ideen für diese Botschaft entnahmen die Evangelisten, wie unschwer zu erkennen ist, den Religionsmythologien längst vergangener Zeiten. Wie wir wissen, waren allerdings all diese Götter und damit ihre Lebensgeschichten pure Erfindungen der Menschen, die Kirche wird hierbei nicht widersprechen. Wenn jedoch die Evangelien den Lebensweg eines Jesus beschreiben, der in vielen Details mit den Lebenswegen dieser Götter übereinstimmt, dann muss der so beschriebene Jesus ebenfalls eine Erfindung sein. Es geht nicht darum, ob der Mensch Jesus wirklich gelebt hat, das soll hier gar nicht diskutiert werden, sondern es geht allein darum, dass sich die christliche Religion demnach aus erfundenen Erzählungen der Evangelien ableitet. Bis heute bezieht sich die christliche Kirche auf Geschichten, die, und das ist der logische Schluss aus den hier aufgezeigten Parallelen, nichts als Märchen sind. Und Märchen erzählt man kleinen Kindern, nicht Erwachsenen. Nach alledem hat die historische Wahrheit der Evangelien mit Wahrheit nicht viel zu tun. Ist dies das Fundament einer Weltreligion? Vielleicht wird ja diese Weltreligion in 2000 Jahren von dem Mithrasglauben abgelöst. Dann ist Mithras wieder der einzig wahre Gott, wie schon einmal. Und den Gott der Christen gab es natürlich nicht, der gehört zur Religionsmythologie.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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14 Antworten auf Die Vorfahren Gottes

  1. Frank Berghaus sagt:

    Alles nur zusammengestoppelter Märchenkram! Ob Christen das je kapieren werden?

    Sehr schön und vor allem humorvoll zusammengestellt vom Autor!

  2. Antonius Esser sagt:

    Herr von Guttenberg befindet sich als Plagiator in religiöser
    Gesellschaft und hat das Abkupfern nicht neu erfunden.

  3. Uwe Lehnert sagt:

    „Denn wissen tun sie es natürlich nicht, nur das wissen sie nicht.“
     
    Das scheint mir ein Schlüsselsatz in diesem süffisant-ironischen Beitrag zu sein. Man könnte diesen Satz noch ergänzen: Sie wollen es auch nicht wissen.
     
    Sollte man nun Mitleid mit der Theologenzunft haben? Das scheint mir etwas hochmütig zu sein. Sollte man sie zu überzeugen suchen mit Argumenten? Das dürfte vergebliche Mühe sein. Sollte man sie gewissermaßen links liegen lassen und nicht weiter beachten? Das wäre sträflich, weil das Unheil, das sie über die Jahrtausende angerichtet haben, endlich ein Ende haben sollte. Eigentlich ist es unfassbar, welchen Märchen die Menschen aufsitzen. Das Problem ist nur: Sie wollen die Wahrheit, man könnte auch von wissenschaftlichen und historischen Fakten sprechen, einfach nicht hören.
     
    Die über die Jahrhunderte verschleuderte geistige Energie, die diese Priester und Theologen in ihre Phantasien investierten, ist nicht mehr in Maß und Zahl zu messen. Denn der  physische, psychische und moralische Zustand unserer Gesellschaft wäre mit Sicherheit weitaus befriedigender, wenn die in der Summe ungeheuren geistigen Anstrengungen unzähliger Theologen, das angebliche Wort Gottes, wie es in der Bibel und den noch älteren Schriften niedergelegt ist, mit der Logik, der Wirklichkeit und historischen Wahrheit in Übereinstimmung zu bringen, sich auf die Bewältigung konkreter, die Menschen tatsächlich bedrängender Probleme gerichtet hätten. Welchen Ertrag das in­tellektuelle Vermögen eines Apostel Paulus, Thomas von Aquin oder etwa Martin Luther hätte erbringen können, wenn sie ihre geistigen Energien in die Lösung tatsächlich existierender Nöte und Übel und nicht künstlich geschaffener theologischer Probleme investiert hätten, kann man nur erahnen. Was würden wir vermissen, wenn es die Theologie nicht gäbe?
     
    Wer Spaß an solchen logischen und historischen Ausflügen in die Scheinwelt der Theologie hat, dem sei das Buch von Uwe Hillebrand: Warum glaubst du noch? empfohlen. (Der Autor ist zu bescheiden, um selbst darauf hinzuweisen.)

  4. Frank Berghaus sagt:

    Weitere Kommentare auf Facebook, die ich hier einstelle:

    Petra Bruns

    Derlei Ableitungen lassen sich sicher zuhauf finden. Man vergleiche z.B. Echnatons Aton-Hymnus (http://de.wikipedia.org/wiki/Aton-Hymnus) mit der Bibel oder Isis mit dem Horusknaben auf dem Schoß mit Darstellungen von Maria mit dem Jesusknaben…Aber ich ahne die christliche Argumentation: Alles ein Aufscheinen des wahren Gottes, der sich erst in Jesus offenbart.
    Aton-Hymnus – Wikipedia
    Hymnus an Aton, auch Großer Sonnengesang oder Großer Sonnenhymnus des Echnaton …

    Henry MacDougal

    Schon komisch, dass der „Allmächtige“ immer mehrere Anläufe braucht und es dann doch nicht hin kriegt. Kein Wunder, dass er den Bettel inzwischen wohl hingeschmissen hat.

  5. Frank Berghaus sagt:

    #3 Uwe Lehnert am 19. Januar 2012 um 20:21

    Ich zögere nicht, auch die Bezugsquelle von "Warum glaubst Du noch" hier zu publizieren:

    http://www.amazon.de/Warum-glaubst-noch-christlichen-Gesichtspunkt/dp/394215157X

  6. Frank Berghaus sagt:

    Weitere Kommentare auf FB reichen von "metaphysisches Gulasch" bis zu "evolutionäres Götter-Recycling" :-)

  7. Esser Antonius sagt:

    Zu # 3, Uwe Lehnert
    Tausende Kleriker,würden beim Einräumen der Tatsache, dass man phantasiert, ihren Job in Frages stellen. Gleichzeitig würden sie über Abertausende ihrer Vorgänger indirekt das Urteil fällen, am Leben vorbei gelebt zu haben. So machen sie sich lieber weiterhin etwas vor (etwas viel vor), um die Annehmlichkeiten des bürgerlichen Lebens ohne viel Arbeit genießen zu können. Man glaubt halt an das Unbeweisbare, na und? Hauptsache, man lebt gut davon. Im Tierreich würde man von Parasiten sprechen, die sich schmarotzend bei ihren Wirten eingenistet haben.

  8. Uwe Lehnert sagt:

     #7 Esser Antonius am 19. Januar 2012 um 21:03
    Das Schlimme ist ja, dass es funktioniert!!!

  9. pinetop sagt:

    In frühen Zeiten glaubte die Menschheit an einen ganzen Zoo von Göttern. Da gab es für alles einen von diesen Typen: vom Donnergott bis zum Meeresgott. Dann wurde die Menschheit fortschrittlicher (?) und wollte sich nur noch einem Gott ergeben (Bezüglich des Christentums kann man aber da seine Zweifel haben). Heute wird es für die Theologen schon schwieriger. Da müssen sich der Theologe Küng und der Physiker Lesch zusammentun und von Gott als einer unerklärlichen Kraft fabulieren. Damit wird es auch für Bildungsbürger schwierig die Gottesillusion fallen zu lassen. Ich frage mich warum so viele Menschen an einem Gott festhalten wollen, egal ob als Rauschebart auf einem Himmelsthron oder als Kraft, die den Urknall verursacht hat.   

  10. pinetop sagt:

    Der Übergang vom Polytheismus zum Monotheismus war vielleicht doch eher ein kultureller Rückschritt. Im Polytheismus können auch die Götter fremder Kulturen das Bürgerrecht erhalten. Das ist dann Multikulti im Olymp. Und jeder Mensch hat die Freiheit, seinen Lieblingsgott selbst auszusuchen. Der Eingott ist der Diktator, dem alle zu gehorchen haben. Das heißt natürlich jenen Menschen zu gehorchen, die behaupten, einen besonderen Draht nach ganz oben zu haben.

  11. Peter Riesen sagt:

    Bitte lasst mir die armen Priester in ihrem Glauben! Denn wenn niemand mehr glaubt, müssten sie arbeiten gehen oder sie fallen der Arbeitslosenkasse zum Opfer.

  12. Petalouda sagt:

    Aha …. ein babylonischer Gott, der zu Ostern aufersteht. Wann war noch gleich das erste Ostern? Mhh … zu Jesu Auferstehung. Alles klar :oD
    Und mal ganz ehrlich ehrlich, wenn die "Kreuzigung" dieser Götter auch nur annähernd die Freiheit schenken würde, wie die von Jesus (und seine Auferstehung natürlich) – wo sind denn all die Gläubigen, die ihnen nachfolgen?
    Was nützt mir ein "Gott" der irgendwann im Nirwana verschwindet und von dem die Welt nichts mehr hört?
    Genau – nix
    (netter Versuch)

  13. pinetop sagt:

    Der Kommentar von Peter Riesen veranlaßt mich einige Äußerungen über Priester zu zitieren, und zwar von der schwarzen Unterschicht in Mississippi zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

    Diese Verhältnisse fanden ihren Niederschlag im Blues. Son House (1902-1988) singt: "I wanna be a Baptist preacher, so I don´t have to work."

    Honeyboy Edwards (1915-2011) erzählt in seinen Lebenserinnerungen: "The black people long ago in the South, they would feed the preacher after serving on Sunday evenings. They made the children sit back and they feed the preacher first before the kids could eat. I remember one Sunday evening the preacher was eating at my friend´s house, eating and talking and grabbing up all that chicken. He was reaching for the last piece, saying, "This sure is some good chicken," and my friend-boy hollered out at him, "Preacher, you´re a God damn greedy son of a bitch!" Musicians and preachers are just alike: they ain´t no good!They always want to start some junk. My father never went to church, he´d go to town and buy him a paper and sit on the porch and read the paper all day."

     

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