® Son und dóttir

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iceland-2111810_1280In Island ist vieles ein bisschen anders. Die isländischen Personennamen bestehen nach wiki meistens nicht aus den Vornamen und einem Familiennamen wie in anderen westlichen Ländern. Wie bei allen nordgermanischen Personennamen wird der Name der Kinder aus den Vornamen plus einem Vatersnamen (manchmal auch einem Mutternamen) zusammengesetzt. Er spiegelt nicht die historische Abstammung von einer Familie wieder, sondern den Vornamen des Vaters (bzw. der Mutter, Bild: 12019, pixabay).

Als Beispiel für dieses traditionelle Namensgebungssystem führt der wiki-Artikel Isländische Personennamen den isländischen Entdecker Leif Eriksson an: Leif war Sohn Eriks des Roten. Hätte Erik der Rote eine Tochter Sigriður bekommen, wäre ihr Nachname Eriksdóttir gewesen. Auf isländisch steht son für Sohn und dóttir für Tochter, und die Form der Namensgebung mit son und dottir wird dort bis heute fortgeführt.

Norwegen und Schweden hatten dies System auch, sind aber zum Familiennamensystem übergegangen. Für färöische Personennamen (auf den dänischen Färöer-Inseln) wurde das Vatersnamensystem ab 1992 wieder als Alternative zum Familiennamensystem erlaubt, im übrigen Dänemark ab 2006.

Typische isländische Namensgebung

Diese Beispiele sind dem wiki-Artikel entnommen: Wenn Jón Stefánsson einen Sohn namens Fjalar hat, ist Fjalars Nachname nicht Stefánsson, sondern Jónsson (=Jóns Sohn). Bei Töchtern funktioniert die Namensgebung genauso. Jón Stefánssons Tochter Katrín bekäme den Nachnamen Jónsdóttir (=Jóns Tochter).

Diese Logik wird nicht überall benutzt. Der Nachname kann auch aus dem Mittelnamen von Vater oder Mutter gebildet werden, z.B. wenn die Eltern diesen Namen bevorzugte oder ihn für passender erachten. Hjálmar Arnar Vilhjálmssons Sohn Jón könnte demnach Jón Hjálmarsson oder auch Jón Arnarsson heißen.

Das System ist recht restriktiv und kann deshalb machmal Namensgleichheiten hervorbringen. Wenn das innerhalb eines Bekanntenkreises eintritt, hilft der Name des Großvaters väterlicherseits. Zwei Jón Þórssons können so unterschieden werden: Jón Þórsson Bjarnarsonar (=Jón, Þórs Sohn, Bjarnis Sohn) gegenüber Jón Þórsson Hallssonar (=Jón, Þórs Sohn, Hallurs Sohn). Dieses Verfahren wird allerdings nicht oft erforderlich, weil Mittelnamen so verbreitet sind, dass es meistens nicht erforderlich ist. In den Isländersagas findet sich diese Abstammungskennzeichnung allerdings wieder.

Alternative matronymische Namensgebung

Matronymisch steht für Erbschaft des Namens von der Mutter oder der Großmutter. Der wiki-Link zeigt, dass es das nicht nur in Island gibt – dort werden die Nachnamen zwar meistens aus dem Namen des Vaters abgeleitet, aber in Ausnahmefällen kann es auch der Name der Mutter sein. Folgende Gründe nennt wiki: Wenn sie nicht mehr mit dem Vater in Verbindung gebracht werden wollen, wenn Frauen die Namensgebung als politisches Symbol verwenden, oder auch aus Stilgründen.

Das Verfahre der Namensbildung wird dann bloß von Mann nach Frau übersetzt. Fjalar, Bryndís’ Sohn, heißt dann Fjalar Bryndísarson (=Bryndís’ Sohn). Es gibt bekannte Isländer mit matronymischen Namen, z.B. den Fußballer Heiðar Helguson (=Helgas Sohn Heiðar) und Guðrún Eva Mínervudóttir (=Minervas Tochter Guðrún Eva). Wiki spendiert auch ein mittelalterliches Beispiel: den Dichter Eilífr Goðrúnarson (=Goðrúnars Sohn Eilífr). Es gibt sogar die Mischung von matronymischem und patronymischem Namen, z.B. Dagur Bergþóruson Eggertsson, der ehemalige Bürgermeister von Reykjavík (=Bergþóras Sohn, Eggerts Sohn Dagur, Bergþóra ist die Mutter, Eggert der Vater).

Familiennamen & Vornamen

In Island gibt es nur wenige Familiennamen. Sie werden zumeist von Eltern ausländischer Herkunft vererbt (oder angenommen), z.B. Geir Haarde, der frühere Premierminister, der Fußballer Eiður Smári Guðjohnsen, die Schauspielerin Kristbjörg Kjeld oder der Filmregisseur Baltasar Kormákur Samper.

Bis 1925 durfte man auch einen Familiennamen nach Wahl annehmen, z.B. kam der Literaturnobelpreisgewinner Halldór Laxness auf diese Art zu seinem Nachnamen. Seit 1925 erlaubt das isländische Namensgesetz das nur noch, wenn der Familienname ererbt wird.

In Island darf man die Kinder nicht einfach Pumuckl nennen. Bis dato ungebräuchliche Namen müssen durch das isländische Benennungskomitee genehmigt werden. Dabei zählt als wichtigstes Anerkennungskriterium die Integrierbarkeit in die isländische Sprache. Zudem muss der Name in Buchstaben des isländischen Alphabets geschrieben sein, und er muss deklinierbar sein.

Auswirkungen im Alltag

Personenverzeichnisse wie z.B. Telefonbücher werden in Island nach dem ersten Buchstaben des Vornamens sortiert (wenn der Nachname mit dem Vornamen des Vaters anfängt, macht das Sinn, wb). Oft wird noch der Beruf angegeben, um Doppeldeutigkeiten zu vermeiden. Island hat nicht so eine große Bevölkerung, dass  dies Verfahren Probleme schaffen würde. In Russland ist das anders. Dort benutzt man Patronyme als Zwischennamen (wie z.B. Iwan Petrowitsch), aber die Familiennamen helfen, Verwirrung zu vermeiden.

Die formale isländische Anrede ist der Vorname. Der frühere Premierminister Halldór Ásgrímsson würde von seinem Landsleuten nicht mit Herr Ásgrímsson angesprochen werden, sondern mit Halldór oder mit Halldór Ásgrímsson. Der Nachname ist in Island weniger Teil des Namens als eine kurze Beschreibung der jüngsten Familiengeschichte.

Wenn nun der Fall der Vornamensgleichheit eintritt, behilft man sich innerhalb eines Bekanntenkreises so: Einen Jón Stefánsson und einen Jón Þorláksson würde man mit Jón Stefáns anreden, respektive mit Jón Þorláks. Das Anhängsel "son" kann weggelassen werden, damit fungiert der Name des Vaters als eine Art Spitzname.

Noch ein Beispiel: Die isländische Sängerin und Schauspielerin Björk wird formell als Björk angeredet. Björk ist also kein Künstlername wie Sting oder Bono. Björk ist einfach Björk Guðmundsdóttirs Vorname, und so würden sie alle Isländer ansprechen, egal ob formell oder informell. Auf Englisch könnte sie laut wiki formell als Miss Björk angesprochen werden (wb: ob wiki da wohl auf dem laufenden ist?)

Ganz ohne Probleme ist das System der geschlechtlichen Nachnamensgebung nicht. Wiki nennt als Beispiel die Eltern Jón Stefánsson und Bryndís Atladóttir. Deren Kinder können Fjalar Jónsson und Katrín Jónsdóttir heißen, oder auch mit matronymisch Fjalar Bryndísarson und Katrín Bryndísardóttir.

Beim Zoll tritt dann beispielsweise eine 4-köpfige Familie mit 4 Nachnamen an: Stefánsson, Atladóttir, Jónsson und Bryndísardóttir. Nicht jedem Zöllner erschließt sich das Verwandtschaftverhältnis …

 

(Dieser Artikel wurde zuerst am 29.3.12 von Argutus publiziert. Am 30.11.18 ersetzte Wilfried Müller das Bild durch ein gemeinfreies, und der Wiki-Text wurde durch eine freie Nacherzählung ersetzt. Hier nochmal der wiki-Link.)

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19 Antworten auf ® Son und dóttir

  1. Jaette sagt:

    Interessant, wie auch die Bedeutung der Vornamen interessant ist. Der nicht seltene Vorname Asgeir bedeutet wohl sinngemäß "Der heilige Speer" wie auch "Der Götterspeer". :wink:  

  2. Frank Berghaus sagt:

    #1 Jaette am 29. März 2012 um 16:25

    Die Asen sind eine Götterfamilie und Geir (dt. Ger, Speer) findet sich auch in deutschen Namen wie gerhard, Gerold und anderen. "Götterspeer" ist also in der tat die beste Übersetzung.

  3. Argutus sagt:

    Eindrucksvoll und ein bißchen befremdlich ist, wenn man in Island ein Telephonbuch durchblättert und seitenlang nur "Jón Jónsson" findet.

  4. Antonius Esser sagt:

    Ein sehr, sehr interessanter Artikel.
    Man lernt nicht aus.

  5. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Immer noch besser als die Römer, die ihre Töchter Julia, Agrippina, Messalina, Oktavia und ähnlich nannten, d.h. schlicht nach dem Namen der Familie d.h. eigentlich hatten sie garkeinen Namen.

    Manchmal kommt aus politischen Gründen der Muttername zum Tragen wie bei Sven Estridsson (König von Dänemark 1047 – 1074, Enkel von Sven Gabelbart), der sich nach seiner dänischen Mutter (Astrid) nannte statt seinem norwegischem Vater, seit er mit Norwegen im Clinch lag. Das ist der Sven, der dem Chronisten Adalbert von Bremen über Vinland erzählte.

  6. Argutus sagt:

    Seltsam, daß diese alte Seite heute schon 17 mal angewählt wurde und gestern sogar 94 mal.

  7. Frank Berghaus sagt:

    Der Link zu uns wurde in einem Kommentar gegeben bei http://www.gutefrage.net/frage/islaendische-nachnamen

  8. Frank Berghaus sagt:

    Es ist ohnehinn erstaunlich, dass unsere Besucherzahlen bisher nicht in dem Masse eingebrochen sind wie ich das vermutet hätte seit keine Artikel mehr erscheinen.

    Offensichtlich ist es noch immer ein gewisser Fundus an Lehrreichem, das angefordert wird :-)

  9. Argutus sagt:

    Frank Berghaus sagt: 15. Juli 2013 um 19:31

    Es ist ohnehinn erstaunlich, dass unsere Besucherzahlen bisher nicht in dem Masse eingebrochen sind wie ich das vermutet hätte seit keine Artikel mehr erscheinen.

    Ja, das hat mich auch gewundert.

    Offensichtlich ist es noch immer ein gewisser Fundus an Lehrreichem, das angefordert wird

    Davon ist ja auch reichlich vorhanden. Schade, daß das mit der Abschaltung dann alles verpufft.

    Hast du die Suche nach einem Nachfolger schon offiziell aufgegeben oder bloß keine Hoffnung mehr?

  10. Frank Berghaus sagt:

    Argutus sagt: 15. Juli 2013 um 19:41

    Die Hoffnung auf einen Nachfolger ist auf Null gesunken.

    Die "Fundus-Idee" könnte mich allerdings dazu bewegen, die Finanzierung noch eine Weile aufrecht zu erhalten :-)

    Schaun wir mal.

  11. Wolfgang Goethe sagt:

    Ich finde diese Namensgebungen sehr interessant und sie hören sich auch sehr gut an: Die Namen spiegeln das Land und ihre Kultur wider und wenn man die Namen hört und ausspricht, strahlen sie eine Sympathie aus! Für mich klingen diese Namen wie Musik in meinen Ohren. Wir haben über 10 Jahre lang – mehrmals im Jahr – in Dänemark Urlaub gemacht – uns haben die Namen immer fasziniert, weil die Namen so friedlich und freundlich klingen und die Menschen auch so rüberkamen. Der Name ″Kaustrup″, das war unser Campingplatzbesitzer, der Name steht für Urlaub in Dänemark. In Island, Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark könnte ich mir keine Namen wie: Meier, Schultze, Schmidt usw., vorstellen.

    JWG

  12. Ja, damals hatten wir noch kundige Kommentatoren hier :D

    Interessant ist, dass sich seit der altisländischen Zeit (in der ich unter anderem als Drittfach promovierte) nur sehr wenig geändert hat. Noch heute kann ein moderner Isländer ohne grosse Probleme Islenzk Fornrit lesen. Man gebe einem Deutschen einmal eine althochdeutschen Text, dann weiss man wovon ich rede. Dummheit und Unwissenheit nimmt in Deutschland zu.

  13. Reykjavik ist übrigens eine faszinierende Stadt – jeden Besuch wert. Und wenn man dorthin kommt und neben mëist ja eh nur mässigem  Englisch auch noch Isländisch redet, ist man mitten drin in der Familie.. Die Gastfreundschaft ist unvorstellbar. Davon kann man in Deutschland angesichts der Ausländerhetze, die sich leider auch hier breit macht, nur träumen.

  14. Wilfried Müller sagt:

    Der von Frank unterstellten "Ausländerhetze hier" trete ich entschieden entgegen. So eine pauschale und unbelegte Behauptung aufzustellen, widerspricht dem Bild des kundigen Kommentators diametral.

  15. Wolfgang Goethe sagt:

    1. Es gibt in Deutschland keine Ausländerhetze, es gibt Diskussionen und Kundgebungen ″Für″ und ″Gegen″ Ausländer und das ist legitim. Bei Frank Berghaus hört sich das ja so an, als würden die Deutschen jeden Tag die Ausländer mit Knüppeln durch die Straßen jagen. So ein Blödsinn.

    2. Die Dummheit und Unwissenheit in Deutschland nimmt zu, darüber kann ich nur lachen – darunter fallen aber auch Ausländer – oder ist das jetzt wieder Ausländerhetze? Diese Aussage ist nicht sehr humanistisch!

    3. Wilfried hat absolut recht, dass er die Ausländerhetze entschieden zurückweist! Für Wilfried zählen nur Zahlen und belegbare Fakten für seine Artikel, Wilfried ist ein kundiger Kommentator. Wilfried spricht Themen an, die der Wahrheit entsprechen und diskutiert werden müssen, ohne dabei was schönzureden – und das ist ″Wissen Bloggt!″

    JWG

  16. Wolfgang Goethe sagt:

    Nachtrag:

    Ich habe damals von meinem Vater althochdeutsche Schrift gelernt und auch geschrieben, weil ich diese Schrift schön fand und auch mal in der Schule im Aufsatz angewendet habe, was mir der Lehrer verboten hatte, weil er es nicht lesen konnte, das würde also heißen, dass ich von dummen unwissenden Lehrern unterrichtet wurde. Wenn alle Menschen Titelträger, Unternehmer, Politiker und Manager wären, wer sollte dann die Autos reparieren, Kellnern, Straßen reinigen, Müll entsorgen, Toiletten reinigen, u. v m, machen? Es gibt in Deutschland Millionen von Analphabeten, die sich durch diese Aussage diskriminiert fühlen würden.

    JWG

  17. Wilfried Müller sagt:

    Hetze gibt es leider von vielen Seiten, von AfD-Rechtsauslegern, von Nazis und auch von linksgrünen Extremen, ebenso von radikalen Muslimen, gegen die Modernität, gegen die Juden. Aber das hat keinen Platz bei wb, hier gehts um sachliche Argumente. Wenns ganz heftig kommt, gibts hier Schmäh an der Politik. Im Extremfall wie bei Erdogagas sogar an Menschen, das sind aber nur solche, die drauf hingearbeitet haben.

  18. Wolfgang Goethe sagt:

    Na klar gibt es diese Art von verbaler Hetze, aber solange es nicht zu Gewalttaten kommt, können die doch erzählen, was sie wollen, man muss sie ignorieren und nicht reagieren, das wollen die doch nur. Wenn die Politik über unsere Köpfe hinweg entscheidet, muss sie auch mit Gegenwehr und Kundgebungen von verschieden Gruppierungen rechnen. Öffentlichkeitsarbeit wäre aus meiner Sicht der bessere Weg. Wie siehst Du das, Wilfried?

    JWG

  19. Wilfried Müller sagt:

    Wenn die Öffentlichkeitsarbeit darin besteht, mir zu sagen, was ich denken soll, kann ich drauf verzichten. Ich möchte gern entscheidende Änderungen in der Politik sehen, damit mehr für das Volk regiert wird als für die Banken und Konzerne. Und damit solche Zukunftsprobleme wie die Roboterisierung richtig angepackt werden.

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