® Eine harmlose Schwester der Theologie

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Exegese (griech.: ἐξήγησις exēgesis = "Auslegung", "Erläuterung") ist die Auslegung bzw. Interpretation von Texten. Die zentralen Aussagen, Inhalte und Strukturmerkmale eines Textes sollen für den Leser verdeutlicht und zugänglich gemacht werden. Im Alltagssprachgebrauch wird der Ausdruck meist mit Bezug auf heilige Schriften verwendet. Der Ausdruck ist aber auch im Zusammenhang mit der Auslegung juristischer oder anderer Texte anzutreffen.

Entenhausen ist eine fiktive Stadt der Disney-Comics. Zu seinen Bewohnern gehören die Figuren um Donald Duck und Micky Maus.

Als Donaldismus bezeichnet man die Beschäftigung mit der fiktiven Familie Duck und die Erforschung von familiären, soziologischen und gruppendynamischen Prozessen in  Entenhausen.

Inhalte

Der Donaldismus beschäftigt sich wissenschaftlich mit Donald Duck, Dagobert Duck, Tick, Trick und Track sowie den anderen Bewohnern Entenhausens und deren Umfeld. Als Grundlage dienen hierbei insbesondere Geschichten des amerikanischen Zeichners Carl Barks, die von der Kunsthistorikerin Erika Fuchs ins Deutsche übersetzt wurden. Jedoch wird die recht freie Übersetzung von Erika Fuchs auch von quellenpuristischer Seite kritisiert.

Die Comic-Geschichten werden zum Anlass genommen für die Erörterung natur- und geisteswissenschaftlicher Grundsatzfragen: So gibt es Forschungsprojekte und wissenschaftliche Aufsätze zu Fragestellungen wie der "Donaldistischen Utopie" oder dem "Klima in Entenhausen". Selbst die Sexualität und die Rechtsstrukturen in der Entenmetropole werden dabei ausgeleuchtet. Den Interessierten geht es dabei um die "Erforschung der Familie Duck und des Entenhausener Universums in jeglicher nur denkbaren Hinsicht". Puristen, auch als Barksisten bezeichnet, beziehen dabei nur die Geschichten von Barks in ihre Forschung ein.

Der Donaldismus unterteilt sich in den wissenschaftlichen und den gelebten Donaldismus. Ersterer beschäftigt sich mit Entenhausen, wie es von Barks und Fuchs beschrieben wurde, und untersucht dabei die auftretenden Phänomene in Bereichen, in denen sich Entenhausen von unserer Welt unterscheidet. Allseits bekannte Fragen drehen sich dabei beispielsweise um die Zähne der Ducks oder warum nur die weiblichen Ducks Schuhe tragen. Der gelebte Donaldismus äußert sich darin, dass Donaldisten Situationen aus Entenhausen nachstellen, um das Leben in der Gumpenmetropole nachempfinden zu können. Auch dabei kommen oft unterschiedlichste und nicht selten erstaunliche Ergebnisse ans Licht.

Geschichte

Die erste wissenschaftlich donaldistische Arbeit wurde 1973 von Jon Gisle in seinem Buch "Donaldismen" veröffentlicht.

1977 wurde von Hans von Storch, der als Begründer des deutschen Donaldismus gilt, die Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus, kurz D.O.N.A.L.D., in Hamburg gegründet.

In Deutschland ist es Donaldisten gelungen, das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu unterwandern. Seitdem erscheinen dort regelmäßig und etwas unvermittelt Donald-Duck-Zitate in schöngeistigem Zusammenhang – vornehmlich als Titelzeilen und Bildunterschriften. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel rühmt sich damit, den FAZ-Feuilletonchef Patrick Bahners und den FAZ-Redakteur Andreas Platthaus als Donaldisten "enttarnt" zu haben. Dies war aber eigentlich nie ein Geheimnis, da beide bekennende D.O.N.A.L.D.-Mitglieder sind und auch auf Donaldisten-Kongressen auftreten.

Der einzig wahre Stadt- und Umgebungsplan von Entenhausen

"Der einzig wahre Stadt- und Umgebungsplan von Entenhausen" ist der Titel eines kartografischen Werkes des Kartografen Jürgen Wollina. Die Karte soll eine schlüssige Zusammenstellung der kartografischen Informationen zum fiktiven Ort Entenhausen aus den Comics von Carl Barks darstellen. Der Stadtplan wurde im April 2008 beim Kongress der D.O.N.A.L.D. erstmals vorgestellt.

Jürgen Wollina begann mit der Arbeit am Stadtplan 1994. Dabei sollte ein Stadtplan von Entenhausen entstehen, der den in den Geschichten des Disney-Zeichners Carl Barks enthaltenen Informationen entspricht, da nur diese für die Donaldisten maßgeblich sind. Zunächst wurden von Barks gezeichnete Karten von Entenhausen zusammengetragen und alle 52.000 von Barks gezeichneten Bilder katalogisiert. Dabei entstand eine Chronologie der Barks-Karten mit Planangaben, ein Bildgenaues Barks/Fuchstext-Stichwortregister und ein Index der kartografischen Informationen der Zeichnungen von Barks mit Kartenskizzen. Dabei wurden die kartografischen Informationen eines Panels in einer Skizze festgehalten. Als weitere Ergebnisse erschienen vorab Entenhausen – Deine Brücken und Die 20 Geldspeicher des Dagobert Duck. Die dabei als kleine Karten und Skizzen gesammelten Informationen wurden dann nach und nach zu einem Stadtplan kombiniert. Dabei wurde Jürgen Wollina vom Stadtplaner Christian Pfeiler unterstützt, der die Reinzeichnungen übernahm.

Der Plan wurde erstmals beim 31. Kongress der D.O.N.A.L.D. in Bielefeld 2008 präsentiert, danach folgten kleinere Korrekturen. Die Erstveröffentlichung des fertigen Plans geschah durch Die Zeit am 27. November 2008. Ende Dezember erschien der Stadtplan im Der Donaldist Sonderheft Nr. 55 und als gerollte Karte bei der D.O.N.A.L.D.. Eine überarbeitete Version erschien im August 2010 im Egmont Ehapa Verlag als Beilage zum ebenfalls von Jürgen Wollina geschriebenen Buch Reiseführer Entenhausen. Seit dem 4. Januar 2009 wird der Stadtplan in der Galerie im Alten Rathaus in Schwarzenbach an der Saale ausgestellt.

Quellennachweis: Exzerpt der Wikipedia-Artikel Exegese, Donaldimus, Entenhausen und Der einzig wahre Stadt- und Umgebungsplan von Entenhausen. Weiteres zum Stadtplan siehe hier.

 

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11 Antworten auf ® Eine harmlose Schwester der Theologie

  1. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Die Enthüllungen von Grobian Gans (auch in Wikipedia als Quelle aufgeführt) waren mir schon vor Jahren ein Vergnügen zu lesen (z.B. Gustav Gans in Wahrheit ein CIA-Agent). Dabei hat in der Tat Barks schöne Geschichten geschaffen.

    Um 1950, als die ersten Hefte erschienen, war das endlich auch hier erhältlich, was es in Amerika schon länger gab. Die Hamburger Morgenpost – jetzt bis auf die Ottifanten comiclos – startete mit den Serien Phantom, Mandra, Rip Korby und Gordon (dem Raumfahrer). Daneben hatten die von Harold Foster sorgfältig gezeichneten Geschichten von Prinz Eisenherz ihre Fans. Ein weiterer Hit später in der Morgenpost Willi Wacker, der Arbeiter, der nie arbeitete. Gut – es gibt viel Schund in diesem Genre – aber einiges ist echt unterhaltsam und nett. Jeden Sonnabend freue ich mich auf Sherman in der Lokalzeitung, den etwas begriffsstutzigen Hai in seiner Lagune.

  2. Argutus sagt:

    Etwas ganz Ähnliches gibt es (oder gab es zumindest) für die Sherlock-Holmes-Geschichten von Conan Doyle. Ganz offenbar hat die Exegese von Literatur, die einem etwas bedeutet, eine gewisse Attraktivität.

    Wichtig ist dabei nur, daß die Fiktionalität der dieser Exegese zugrundeliegenden Texte im Bewußtsein verbleibt, was bei religiösen Texten vielfach leider nicht zutrifft.

  3. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Fiktiven Gestalten und Orten nachzuspüren und sie in der Realität zu verorten ist manchmal ganz unterhaltsam. Orte der Forsyte-Sage haben immer noch einen gewissen Charme und es gibt Bücher über die literarischen Topoi von Paris, London usw. Es gibt ebenso Bücher, wo man Filmorte erforscht. Scheint für Leute interessant zu sein, Fiktion und Realität zu verbinden. Solange es bei Literatur bleibt, ist ja nichts gegen zu sagen.

    Mulmig wird mir, wenn Leute allen Ernstes die Arche Noah auf dem Ararat suchen.

  4. Argutus sagt:

    #3 ilex (E. Ahrens) am 23. Februar 2012 um 11:52

    Mulmig wird mir, wenn Leute allen Ernstes die Arche Noah auf dem Ararat suchen.

    Dort wird dann auch immer wieder ein Stück dieses Schiffes gefunden. Bisher waren aber alle diese Objekte Fälschungen.

    Zu rigoros darf man in der Ablehnung von alten Texten aber auch nicht sein, denn sonst hätte Schliemann niemals Troja gefunden.

  5. Abu Sheitan sagt:

    #3 ilex
    "Mulmig wird mir, wenn Leute allen Ernstes die Arche Noah auf dem Ararat suchen."
    Nicht nur suchen, sondern auch finden.!Bei mehreren Expeditionen wurden auf dem "heiligen Berg der Türken" bearbeitete Holzbalken gefunden, die angeblich 5000 Jahre alt sind*. In der Ebene wurden große Steine mit Loch gefunden, die als traditionelle Anker der frühen Schiffahrt identifiziert wurden. Der letzte Arche-Fund mit 99%er Wahrheitsgarantie wurde von chinesischen Christen oder christlichen Chinesen 2010 gemacht. 
    Die am Ararat  gefundene Steinstruktur in Form eines großen Schiffes wird von Wissenschaftlern hingegen als einige Millionen Jahre alte Laune der Natur gedeutet. In Wirklichkeit beweist sie allerdings, dass es überlebende intelligente Dinosaurier waren, die den KT-Impakt überlebt hatten und sich eine Arche bauten. In den darin befindlichen Ställen züchteten sie kleine Säugetiere als Reiseproviant. Nach dem Stranden der Arche konnten diese entfliehen und die Dinos mussten kläglich verhungern und starben endgültig aus. Die kleinen Säuger vermehrten sich prächtig und wurden unsere Vorfahren, die sich bis heute die uralte Erinnerung an die Sintflut bewahrt haben. Leider wird die Forschung von den türkischen Behörden verhindert, da ihre Ergebnisse mit den Lehren des Islam nicht vereinbar sind. "Amerika, Du hast es besser!" möchte man ausrufen, denn amerikanischen Forschern ist es in jahrelanger Entwicklungsarbeit gelungen, eine authentische Darstellung von Jesus in 3D zu erstellen**.   :wink:
    *Böswillige behaupten, diese seien von Einheimische vorher hochgeschleppt worden, um die "Fundorte" an die Forscher gewinnbringend verkaufen zu können.
    **Anhand des Grabtuchs von Turin, eines mittelalterlichen Kunstwerks.

  6. Abu Sheitan sagt:

    #4 Argutus
    Heinrich Schliemann, Sohn eines "liederlichen und verkommenen Pastors" (R. Augstein), gelangte durch seine vielfältigen kaufmännischen und sprachlichen Talente zu großem Reichtum. Als früher Vorläufer v. Guttenbergs erschlich er sich seinen Doktortitel und wird verdächtigt, seine spektakulären Goldfunde bei einem Athener Goldschmied in Auftrag gegeben zu haben. Bestes Beispiel ist die Jugendstil-Sauciere aus purem Gold, als Trinkgefäß des Priamos bezeichnet.  Ob der von ihm durchpflügte Hügel Hissarlik etwas mit dem historischen Troja zu tun hat, ist fraglich. Dass Ilias und Odysee tatsächlich von Homer zwischen 1200 und 800 v.u.Z. gedichtet wurde, scheint auch fraglich. Manche vermuten ihre Entstehung im 17. Jahrhundert. :wink:

  7. Argutus sagt:

    #6 Abu Sheitan am 24. Februar 2012 um 12:45

    Deine kritischen Vermutungen dürften unter den heutigen Archäologen nicht mehrheitsfähig sein. Aber wie auch immer, Tatsache ist jedenfalls, daß Schliemann mit Hilfe der antiken Texte eine Ruinenstätte in Hissarlik gefunden hat. Daß es die gibt, steht für mich außer Frage, denn ich war selbst schon dort.

  8. ilex (E. Ahrens) sagt:

    #6 Abu Sheitan am 24. Februar 2012 um 12:45 = Dass Ilias und Odysee tatsächlich von Homer zwischen 1200 und 800 v.u.Z. gedichtet wurde, scheint auch fraglich. Manche vermuten ihre Entstehung im 17. Jahrhundert. :wink:

    Nur witzig, dass man schon in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten Textkritik an diesne Epen betrieb. Manche vermuten manches, wie man immer wieder sehen kann. So wie Illig mit seinem "verlorenem Mittelalter" oder Veliskovsky, der König der Zeitverschieber.

  9. Abu Sheitan sagt:

    #7 Argutus
    "1821 verfasste der schottische Zeitungsverleger und Amateurgeologe Charles Maclaren ein Essay über Troja, das er 1824 zu einer voluminösen Dissertation erweiterte, in der er den Hügel Hisarlık (auch Hissarlik geschrieben) als Troja lokalisierte. Ein Teil dieses Hügels war damals im Besitz der englischen Großgrundbesitzer- und Diplomatenfamilie Calvert. Als Maclaren 1863 eine noch fundiertere Beschreibung der Ebene von Troja publizierte, versuchte der jüngste Sohn der Familie, Frank Calvert, den restlichen Hügel zu erwerben. Dies misslang, doch dafür machte er von 1863 bis 1865 selbst kleinere Probegrabungen. Diese beeindruckten ihn so sehr, dass auch er von der Existenz Trojas an dieser Stelle überzeugt war…
    Am 9. August 1868 kam der bis dahin noch wenig erfahrene deutsche Archäologe Heinrich Schliemann in die Ebene der Troas. Auch er war hier auf der Suche nach dem sagenhaften Troja und vermutete es zuerst entsprechend der These von LeChevalier unter dem Hügel Balli Dağ. Schliemann und seine fünf Arbeiter wurden nicht fündig, er wollte abreisen, verpasste sein Schiff und traf dabei zufällig auf Frank Calvert, in dessen Haus er übernachtete. Calvert konnte nun Schliemann mit seiner Überzeugung begeistern, dass sich unter dem Hügel von Hisarlık die Ruinen des homerischen Trojas verbergen müssen. Schliemann verschwieg später nicht, dass er den entscheidenden Hinweis auf die Lage Trojas von Calvert hatte."
    Also kann man Schliemann schlecht als Entdecker Trojas feiern. Aber der Mythos vom armen Jungen, der zum Millionär wurde und seinen Kindheitstraum verwirklichte, ist einfach zu schön. Da ich Dich als sehr glaubwürdig einschätze, gehe ich nun davon aus, dass der Ruinenhügel Hissarlik im Gegensatz zu Bielefeld existiert.(Übrigens: Kritische Vermutungen zur Wirksamkeit der Homöopathie dürften unter heutigen Homöopathen auch kaum mehrheitsfähig sein.)
    Ich erinnere mich noch an ein Interview mit Rainer Stadelmann, Leiter des DAI, der ex cathedra mit großer Autorität verkündete, am Ende des vom Roboter Upuaut erforschten Schachtes in der großen Pyramide befände sich keine Kammer, (weil nicht kann sein, was nicht sein darf). Inzwischen wurde die Kammer und ein weiterer Verschlußstein entdeckt. Ob wir noch erleben, was sich dahinter verbirgt? Pyramiden sind sehr haram.

  10. ilex (E. Ahrens) sagt:

    #9 Abu Sheitan am 24. Februar 2012 um 16:05 = … gehe ich nun davon aus, dass der Ruinenhügel Hissarlik im Gegensatz zu Bielefeld existiert

    Doch, tut er – wie ich mich durch Augenschein überzeugen konnte. Und gibt sogar eine Unterstadt, die Schliemann in einem Buch von 1884 (? – aus dem Gedächnis) vermutete, von der aber später die Sage ging, sie existiere nicht. Wäre aber unlogisch – eine Festung für nichts? Gab vor Jahren auch eine sehr informative Ausstellung, die auch in Braunschweig zu sehen war.

    Das einzige, was in Troja stört, ist das kitschige Holzpferd, das man vor den Toren der Ausgrabung errichtet hat.

  11. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Es gibt einige Schriftsteller, die ersparen ihren Lesern freundlicherweise die Exegese der Texte, um einen Plan der Gegend zu zeichnen. Herausragendes Beispiel ist Tolkien mit dem Lord of the rings, wo man den Weg der Protagonisten auf detaillierten Karten verfolgen kann. Blöde nur, wenn der erste Leser die Wege schon mit Rotstift eingetragen hat – dann ist es für den Folgeleser schlagartig weniger spannend. Auch die Kleinmädchenserie über die "Warrior Cats" (4 Clans wilder Hauskatzen) zeichnet sich durch liebevoll gezeichnete Landkarten aus. Scheint nach meiner Erfahrung vornehmlich im englischen Sprachraum so zu sein.

    Als Kind hatte ich ein Buch über eine amerikanische Familie der 1940-er Jahre, die von der Stadt auf das Land zog ("5-Morgen-Hügel"). Nicht nur der Plan von Dorf und Grundstück, auch alle Stadien ihrer Kolonisation waren zeichnerisch als Karte dargestellt. Machte die Lektüre realistischer – auch wenn es die Phantasie einengte.

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