Und Gott schuf die Angst. Ein Psychogramm der arabischen Seele


Und Gott schufRezension von Dr. Andreas E. Kilian.

Der Hamburger Facharzt für psychotherapeutische Medizin Dr. Burkhard Hofmann beschäftigt sich in seinem Buch „Und Gott schuf die Angst – Ein Psychogramm der arabischen Seele“ mit den psychischen Problemen von Muslimen in den Golfstaaten. Die Fälle zeigen das Zusammenspiel von Religion, Kultur, Kindererziehung und schweren psychischen Störungen auf.

 

Dr. Burkhard Hofmann therapierte bereits seit zwei Jahrzehnten in Hamburg Muslime, als er gebeten wurde auch saisonal in den Golfstaaten zu arbeiten. In seinem Buch berichtet Hofmann primär von Einzelfällen sowie den familiären Hintergründen für die Störungen. Im Gesamtkontext ergibt sich hieraus sekundär ein Bild, welches die Verstrickungen zwischen Religion, Kultur, gesellschaftlichen Erwartungen, Großfamilien und ihren Rollenbildern sowie den resultierenden schweren psychischen Störungen detailliert offenlegt.

 

Was in anderen Gesellschaften eine Selbstverständlichkeit ist, gilt im Islam nämlich als Sünde und Missachtung von Eltern und Tradition: die psychische und intellektuelle Loslösung des Individuums von der Familie im Rahmen der Individuation. Während im Westen die Autonomie des Individuums als Ideal im kulturellen Curriculum angestrebt wird, ist diese Separation und Individualisierung aus der islamischen Großfamilie heraus nicht nur unerwünscht, sondern sogar verboten. Das Sich-Entfernen aus dem Clan ist daher nicht nur mit extremen Schuldgefühlen verbunden, sondern wird zu einem lebensgefährlichen Akt, der sich in existentiellen Ängsten niederschlägt.

 

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Familie, ein Widerspruch gegen das Familienoberhaupt, ein Gespräch über das Problem als solches sind nicht nur aus Tradition unmöglich. Sie gelten aufgrund der vorgeschriebenen islamischen Ethik schlichtweg als Blasphemie. Wo Kinder in ihrer frühen Entwicklung ehrliche Liebe und Zuwendung brauchen, bekommen Muslime kulturell vorgeschriebene Mechanismen aus religiösen Vater- und Mutterrollen. Die entstehenden Selbstwertstörungen müssen ein Leben lang kompensiert werden. Die narzisstische Kränkung oder ihre Überkompensation wird zum Grundbaustein ihrer islamischen Existenz.

In der muslimischen Realität bekommen Kinder das Lächeln einer verschleierten Mutter – eben nicht – zu sehen. Väter halten sich aus der Kleinkinderziehung fast vollständig heraus. Der erste Kontakt mit dem Vater findet statt, wenn es zur Moschee geht. Ein wahrhaft prägendes Ereignis, bei dem das Kind lernt, dass es die elterliche Anerkennung nur gegen die Zurschaustellung von Religiosität bekommt.

Im schlimmsten Fall wird die Elternliebe auf Gott übertragen. Eine allerhöchste Instanz aus Eltern-Gott-Ich entsteht, die nie mehr in Frage gestellt werden darf und ein therapeutisch unauflösliches Ganzes bildet. Der Versuch, aus Gebet und Gottesnähe die lebensnotwendigen väterlichen Gefühle bekommen zu können, muss scheitern und führt zwangsläufig zu Hass und Aggressivität. Doch das Infragestellen dieses perfiden Systems ist im Islam weder individuell noch kulturell erlaubt oder gar vorgesehen.

Um ihre Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren, flüchten viele Muslime daher zuerst in das Überlegenheitsgefühl gegenüber allen anderen Kulturen und Religionen. Gegenüber ihrer eigenen Gesellschaft finden Kompensationsversuche im „besten Fall“ durch Kaufrausch, Medikamente, Drogen und Alkohol statt. Wo Selbstmord allerdings religiös verboten ist und religiös nicht sein kann, was nicht sein darf, bleibt im „schlimmsten Fall“ nur noch die Flucht nach vorn, in die Realitätsverweigerung und den religiösen Fanatismus.

 

Voraussetzung für ein friedliches Miteinander und eine Demokratie ist die Unterordnung jeder Religion unter die gemeinsamen Interessen aller Gruppen und Religionen. Hier warnt Hofmann allerdings vor zu euphorischen Erwartungen. Laut Koran und Hadihten sind Islam, Rechtssystem und Staat nicht voneinander zu trennen und in vielen Fällen sind Muslime auch psychologisch nicht in der Lage, eine Perspektive der dritten Person einzunehmen. Aufgrund seiner psychologischen Studien in den Golfstaaten kommt der Autor zu dem Ergebnis, dass Islam und europäische Kultur nicht kompatibel sind. Wo und wann immer Muslime die Mehrheit in einer Gesellschaft ausmachen, sind sie per heiligen Schriften verpflichtet den Islam als Staatsreligion durchzusetzen. Ein sogenannter „Dialog“, wie er von deutschen Religionswissenschaftlern und christlichen Politikern vorgeschlagen wird, wird in der arabischen Welt lediglich als „Einladung“ (S. 282) zur Konvertierung verstanden, da es gegenüber der göttlichen Lehre des Propheten keine Diskussion und somit auch keinen Dialog mit Ungläubigen auf Augenhöhe geben kann.

 

Kritisch an der Studie von Hofmann ist zunächst die geringe Anzahl der Patienten zu sehen. Zwar besteht Psychologie immer aus Einzelfällen, die kaum statistisch in Einklang gebracht werden können, und für das Buch musste eine Auswahl getroffen werden. Dies gibt der Autor zwar zu, trotzdem schließt er – vielleicht aufgrund seiner nicht publizierten Erfahrungen in der Region – aus den Einzelfällen auf die Verfassung einer ganzen Religion, einer Nation oder gar auf „die Araber“.

 

Auch mag sich der kulturelle Hintergrund der Patienten auf die arabischen Golfstaaten begrenzen. Muslime mit persischen, türkischen oder syrischen Hintergrund können sich deutlich von diesem Klientel unterscheiden. Zudem behandelte Hofmann nur Patienten, die sich eine Psychoanalyse in Hamburg oder am Golf leisten konnten. Die breite Masse der arabischen Bevölkerung  repräsentiert dies wohl kaum.

 

Trotz der statistisch nicht repräsentativen Fokussierung ist dieser Erlebnisbericht aus drei Gründen dennoch interessant und das Buch daher empfehlenswert. Erstens dürfen sich auch Humanisten und Atheisten bei psychologischen Studien gerne einmal an die eigene Nase fassen. Der Text lädt zur Suche nach eigenen verdrängten Glaubens- und Verhaltensmustern ein.

Zweitens sollte man niemals versuchen etwas zu verändern, bevor man nicht verstanden hat, wieso es so ist, wie es ist. Es mag viele Wege geben eine Religion kennenzulernen. Aus der Sicht der psychisch Betroffenen ist jedoch ein erfrischend neuer Zugang. Die Schilderungen dieser Patienten lassen einen Mitleid empfinden. Sind sind Opfer und Täter in einem und in einer kulturell-religiösen Umwelt, aus der sie selber keinen Ausweg finden können.

Drittens dienen die Selbstaussagen von Muslimen als Steilvorlage gegen alle „naiven“ politischen Argumente einer „Wird-schon-gutgehen“-Integrationskultur. Es wird für die breite Mehrheit von Muslimen weder eine vollständige Integration und schon gar keine Assimilation an andere Kulturen und politische Systeme geben. Muslime können sich nicht außerhalb des Islam stellen, ohne sich in Lebensgefahr zu begeben. Selbst viele ihrer „Atheisten“ verstehen sich immer noch als muslimische Atheisten. Was sind daher Maßnahmen, wie ein deutscher Islam-Religionsunterricht oder ein deutsches Islam-Studium wert, wenn die Masse der Muslime früher oder später auf die „originale“ Einhaltung des Koran und der Hadithe drängt? Die Opfer geben hierüber Auskunft.

 

Hofmann umschreibt dieses Szenario mit: „Nicht alles ist überbrückbar, nicht jede Eigenart ist mit der des anderen so kompatibel, dass ein gedeihliches Zusammenleben eine Chance hat. Und manchmal ist das Getrenntleben nicht nur für Paare die bessere Lösung“ (S.285).

 

 

Burkhard Hofmann: Und Gott erschuf die Angst – Ein Psychogramm der arabischen Seele. DROEMER-Verlag, München 2018. 285 Seiten, 19,99 Euro.




Eine gute Handreichung für Pflege und Abschied in Würde


Die Eltern im Alter begleitenWEIMAR. (fgw) Was tun, wenn die eigenen Eltern pflegebedürftig, gar dement, werden, wenn deren Lebensende unmittelbar bevorsteht? Wie kann man ihnen und sich selbst einen Abschied in Würde gewährleisten?

 

Um diese und andere damit zusammenhängende Fragen geht es in einem Leitfaden „Die Eltern im Alter begleiten". Dieser versammelt in fünf Kapiteln Beiträge von 24 SPIEGEL-Autoren, 18 Frauen und sechs Männer.

 

Die Beiträge sind einerseits berührende Erlebnisberichte bzw. Fallbeispiele von Betroffenen, den Pflegebürftigen und ihren Angehörigen, wie auch von Pflegern bzw. Interviews mit diesen. Obwohl die praktische Pflege und das Pflegerecht im Mittelpunkt stehen, wird erfreulicherweise die Frage nach der Sterbehilfe nicht verschämt ausgeklammert.

 

Breiten Raum nehmen andererseits Informationen über die wichtigsten Dokumente zur individuellen Vorsorge ein – von der Patientenverfügung über die Vorsorge- und Betreuungsvollmacht bis hin zum Testament. Gerade dieser Teil, das Kapitel V „Dossier", erweist sich als eine gute und für jeden verständliche Handreichung, als Leitfaden für eine wirklich gute humane Pflege. Letztlich für ein gutes Leben für alle, die so oder so mit Pflege zu tun. Ein wichtiger Kapitel-Abschnitt ist daher zurecht überschrieben mit „Besser vorsorgen als nachärgern" (S. 240ff).

 

Die auf die Betroffenen und ihre Familien zukommenden Probleme emotionaler, organisatorischer, juristischer und nicht zuletzt finanzieller Art werden einfühlsam und sachkundig angesprochen. Und es werden mögliche Lösungen aufgezeigt. Lobenswert ist, daß es auch um die selten ausgesprochene Frage geht, wie man eine osteuropäische Hilfskraft legal und menschenwürdig einstellt.

 

Für freigeistige Leser sicherlich von besonderem Interesse, neben dem Dossier, dürfte das Kapitel III „Letzte Hilfe" sein. Im Abschnitt „Besuch von Dr. Tod" (S. 167ff) findet sich per Porträt eines anonymisierten Sterbehelfers ein Plädoyer dafür, ehrlicher über das Sterben „durch fremde Hand" zu reden. Ergänzt wird das durch Tipps zur Sterbebegleitung sowie eine kurze Geschichte des Bestattens.

 

Bedauerlich ist jedoch, daß die Herausgeber vom SPIEGEL zwar auf die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin oder sogar die Verbraucherzentralen verweisen, wenn es um notwendige Dokumente geht, mit keinem Wort aber die DGHS, die Deutsche Gesellschaft für humanes Sterben, erwähnen.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Markus Deggerich & Susanne Weingarten (Hrsg.): Die Eltern im Alter begleiten. 266 S. geb.m.Schutzumschl. Deutsche Verlagsanstalt. München 2019. 20,00 Euro. ISBN 978-3-421-04848-6

 

 
13.05.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 

 




Gottgesalbter Präsident Trump


JesusTrumpHandsVon der Site friendly atheisthttps://friendlyatheist.patheos.com – wurde hier schon länger nichts mehr gebracht – darum hier wieder einmal was, Hemant Mehta schrieb am 12. Mai 2020 dort das Folgende:

Viele Amerikaner, insbesondere weiße Evangelikale,
denken, Trump sei von Gott gesalbt

Wie getäuscht werden weiße Evangelikale und/oder Republikaner im Zeitalter von Donald Trump? Es gibt eine Reihe von Anzeichen, die auf die Irrationalität beider Gruppen vor 2016 hinweisen, aber Trumps Präsidentschaft und ihre unerschütterliche Unterstützung um jeden Preis haben zu neuen Ebenen der Umnachtung geführt.

Jetzt gibt es einige Zahlen, um es zu sichern. Sie stammen von den Forschern Paul A. Djupe (von der Denison University) und Ryan P. Burge (von der Eastern Illinois University), die genauso zuverlässig waren wie alle anderen, wenn es darum ging, Daten zu durchsuchen, um mehr über religiöse Trends zu erfahren.

Hier ist eine einfache Frage: Ist Trump von Gott gesalbt?

Zweifellos gibt es weiße Evangelikale, die glauben, dass alle Präsidenten von Gott gesalbt sind, aber Trump ist ein einzigartiger Fall. Tatsächlich ist der Prozentsatz der weißen Evangelikalen, die glauben, dass Gott Trump so eng umarmt, im vergangenen Jahr dramatisch gestiegen, mehr als bei allen Präsidenten im Allgemeinen und insbesondere bei den Menschen, die am häufigsten zur Kirche gehen.

Immer mehr Menschen schreiben der Präsidentschaft eine religiöse Bedeutung zu – etwas, von dem sie wissen, dass es unter Präsident Hillary Clinton niemals geschehen wäre, und etwas, das unter Präsident Joe Biden unweigerlich verschwinden würde. (Sehen die Gläubigen ernsthaft diese Heuchelei nicht?)

Djupe und Burge weisen jedoch auch darauf hin, dass dieser Trend nicht nur bei weißen Protestanten auftritt. Menschen, die häufiger in die Kirche gehen, sagen eher, dass Trump von Gott gesalbt ist, auch wenn sie keine weißen Protestanten sind.

Der Kontakt mit der Religion macht sie alle wahnhafter.

Aber vielleicht hat die größte Fassungslosigkeit mit einem Bild wie diesem zu tun, das es schon seit Jahren gibt. Es zeigt Jesus mit seinen Händen, die Trump führen:
 

Als den Teilnehmern dieses Bild zuvor gezeigt wurde, dachten sie eher, Trump sei von Gott gesalbt. Sie wurden von diesem idiotischen durchs Internet sausenden Bild beeinflusst!

Nicht in Menge. Aber bei Nicht-Evangelikalen stieg der Prozentsatz um ein paar Punkte und bei Evangelikalen um mehrere Punkte…

 




Humanismus in der Uto Pia


Thomas Morus(Von Dr. Andreas E. Kilian, Gastautor).

Im christlichen Abendland werden Juden seit fast 2000 Jahren ausgegrenzt, verfolgt und ermordet. Während lokale Widerstände gut dokumentiert sind, ist die europaweit organisierter Hilfe für die Verfolgten bis heute unbekannt. Gebildete Staatsmänner setzten im 16. Jahrhundert auf den Humanismus als Utopie. Ein Bestseller gibt Auskunft über ihre Vorgehensweise.

 

Der Bestseller

 

Im Jahr 1516 erschien ein bis dahin einzigartiger Roman über die bestmögliche Staatsverfassung, die auf der Insel Utopia realisiert sein sollte [Morus 1516]. Der fantastische Reisebericht begründete ein ganzes Genre und über den Inhalt wird bis heute kontrovers diskutiert. Die einen sehen im ihm eine Anspielung auf die edlen Wilden, die im neu entdeckten Amerika leben sollten. Die anderen vermuten eine philosophische Diskussion über die beste Staatsform, die an die Vorbilder der griechischen Antike anknüpft. Wieder andere glauben eine Satire auf das England jener Epoche sehen zu können, die zu Sozialreformen aufruft [Morus 2012]. Der Autor hüllt sich offiziell in Schweigen zu seinem Werk, doch seine Fantasie folgt festen Regeln und gibt so mehr Preis, als bisher angenommen.

 

Ironie als Marker

 

Auffällig sind seit jeher die an das Altgriechische erinnernden Namensschöpfungen in dem ansonsten lateinisch geschriebenen Text. Für einen brillant gebildeten Humanisten – wie der Autor Thomas Morus sicher einer war – sind die Übersetzungen ins Altgriechische dermaßen schlecht, dass die Leser sich fragen müssen, was der Autor wirklich damit sagen wollte.

Erzählt wird von Achoriern (Landlosen), den Alaopoliten (Leuten aus dem Staat ohne Menschen), einer Amaurotum (nebelhaften Vision) sowie von einem Ademus (König ohne Volk) und Gemeindevorstehern, die als Syphogranten (Älteste des Schweinestalls) bezeichnet werden. Der fiktive Informant dieses Reiseberichtes wird vom Autoren als Raphael Hythlodeus (Gott heilt durch den Schwätzer) betitelt. Selbst der lateinisierte Name des Autors, Morus, lässt sich als Narr deuten [Morus 2012].

Auch das Wort Utopia wird meist altgriechisch interpretiert, da das englische U-Topos ein Homophon zu den Wörtern Ou-Topos (Nicht-Land) und Eu-Topos (Schönes-Land) bilden kann. Aber obwohl der Roman bis auf einige Namen in Latein geschrieben wurde, wird die lateinische Übersetzungsmöglichkeit bis heute nicht diskutiert: Uto-Pia, zu deutsch „ich nutze die Fromme“. Wer ist diese Fromme?

 

Kryptische Einleitung

 

Bei der ersten Auflage war noch eine mystische Schrift auf dem Buchcover zu sehen und bevor der Roman beginnt gibt der Autor eine kurze Kostprobe von der Schrift und der Sprache der Utopier. Altgriechische und arabisch-persische Wortfetzen bilden einen Fantasietext, den der Autor für die phonetisch interessierten Leser in lateinische Lettern überträgt sowie in ein lateinisches Tetrastichon übersetzt. Der Gründer des Inselstaates offenbart hierin eine kryptische Botschaft und lädt mit seinem Namen Utopus (Ut-Opus, benutze das Werk!) dazu ein, nach weiteren Hinweisen zu suchen.

Zusätzlich bittet der Autor seinen Freund Petrus Aegidius in der Vorrede den Text sorgsam nach Fehlern abzusuchen und gegebenenfalls auch den Protagonisten Raphael Hythlodeus zu fragen, ob alles richtig geschrieben worden sei. Es scheint, als ob die Fehler der Schlüssel zum Werk seien.

 

Geheime Botschaften

 

Der durch diese Ermahnungen sensibilisierte Leser wird schnell fündig. In der Vorrede des Romans existiert ein Satz, der aus zwei vollkommen verschiedenen Inhalten zusammengesetzt wurde. Zuerst weist der Autor auf seinen Zögling hin, der in Latein und Altgriechisch sehr gute Fortschritte gemacht hätte. Dann fragt er nach, ob eine Brücke in der Stadt Amauroticum (Nebel) über den Fluss Anydrus (wasserlos) 500 Schritte lang oder vielleicht doch 200 Schritte kürzer sei. So, als ob dies nicht vor dem Druck des Romans hätte geklärt werden können. Der Altsprachler wird hier stutzig, denn die Namen können sowohl altgriechisch als auch lateinisch interpretiert werden. Allerdings müssten die Silben hierfür in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Wenn dies ein Logical für die Leser sein soll, in dem zwei Sprachen mit Hilfe von Mathematik ineinander übersetzt werden sollen, dann heißt die Frage: wie?

Thomas Morus verwendet einen Code, dessen mathematische Grundlagen bereits dem General und Hohepriester Flavius Josephus im judäischen Aufstand (66-70 n.u.Z.) das Leben retteten [Flavius Josephus]. Dem Flavier zu Ehren wird dieses Abzählen heute als Josephus-Permutation bezeichnet. Zur Dechiffrierung wird jede siebte Silbe herausgenommen und in der neuen Folge angeordnet, ähnlich wie Kinder beim Fangenspielen heute noch mit „Ene-Mene-Muh“ abzählen.

 

Silbenfolge:

Am1 a2 ur3 o4 tic5 umAn7 yd8 rus9

 

Transposition:

An7 tic5 o4 umrus9 ur3 yd8 Am1 a2

 

In Worten:

Anticoum rus ur id ama

 

Übersetzt:

Verbrenne das alte Land! Liebe dieses!

 

Welches landlose Volk soll dieser Einladung wohin folgen?

 

Merkwürdige Nachbarn

 

Im ersten Buch seines Romans weist der Autor auf die Sitten der Einwohner von drei Staaten hin, die in der Nähe der Insel Utopia liegen sollen. Da ist die Rede von Polyleritas (Unsinnmachern), Achoriorum (Leuten aus Nirgendwo) und Macarensium (Seeligen). Humor, der zum Dechiffrieren einlädt.

 

Silbenfolge:

Pol1 yl2 er3 it4 as5 Ach6 or7 i8 o9 rum10 Ma11 car12 ens13 i14 um15

 

Transposition:

or7  i14 ach6 um15 o9 er3 ens13 ma11 rum10 car12 yl2 i8 pol1 it4 as5

 

In Worten:

ori acu moerens marum Caryli politas

 

Übersetzt:

Entstehe Nadel der klagenden Sündenböcke zu den Gebildeten des Karl!

 

Wer sind diese Sündenböcke und wer sind Karl und die gebildeten Frauen? Und was hat dies alles mit der Frommen zu tun?

 

Geheimnisvolle Nachbarvölker

 

Die Suche im zweiten Buch des Romans zeigt eine weitere Liste mit Einwohnern der Nachbarstaaten Utopias. Neben den Utopiern werden Anemolier (Aufgeblasene), Alaopoliten (Leute aus dem Staat ohne Leute), Nephelogeten (Leute aus Wolkenkuckucksheim) und Zapoleten (die sich verkaufen) erwähnt. Auch die Silben dieser Fantasienamen lassen sich neu transpositionieren.

 

Silbenfolge:

Ut1 o2 pi3 en4 si5 um6 An7 em8 ol9 i10 o11 rum12 Al13 a14 o15 po16 li17 tas18 Neph19 e20 log21 et22 a23 rum24 Zap25 o26 let27 is28

 

Transposition:

An7 a14 log21 is28 em8 po16 rum24 en4 Al13 a23 si5 li17 let27 o11 Zap25 i10 o26 o15 pi3 et22 Neph19 tas18 e20 o2 rum12 Ut1 um6 ol9

 

In Worten:

Analogis emporum in alas ili leto capio opi et neptas eorum utu mol

 

Übersetzt:

Du ziehst groß im gleichen Handelsplatz, ich töte das Innere, ich greife ein mit der Macht und den Enkelinnen, ihrer mahle du, wie auch immer!

 

Es geht um zukünftige Händler, die sich eine neue Existenz aufbauen sollen, staatsinterne Streitigkeiten sowie um Heiratskandidatinnen. Wer ist wer?

 

Beredte Städtenamen

 

In der Vorrede heißt eine Stadt noch Amauroticum. Im zweiten Buch lautet der Name auf einmal durchgehend Amaurotum (Nebelstadt). Ist dies ein Tippfehler der Setzer oder gar Absicht des Autors? Eine zweite Stadt soll Mentirano (Lügenburg) sein. Doch der Weltreisende Hythlodeus hat noch eine weitere Stadt besucht.

 

Silbenfolge:

Ant1 ver2 pi3 ae4 Am5 a6 ur7 o8 tum9 Ment10 ir11 an12 o13

 

Transposition:

ur7 Ant1 tum9 ae4 no13 tir11 Men10 a12 pi3 over2 Am5 a6

 

In Worten:

urant tum aeno tir menapio ver ama

 

Übersetzt:

Liebe den Neuanfang (Frühling) mit dem unbezwingbaren Menapier als Rekruten (Lehrling), dann würden sie brennen

 

Der gallische Stamm der Menapier siedelte einst zwischen der Maas und der Schelde. Dort, wo heute Antwerpen, Maastricht und Brüssel liegen. Diesen Stamm sollen die Flüchtlinge in etwas ausbilden, dann würden „andere“ brennen.

 

Alte-neue Inselnamen

 

Der alte Name von Utopia soll Abraxa lauten. Dies könnte mit „regenlos“ übersetzt werden, was allerdings recht frei wäre. Werden jedoch alle im Roman erwähnten Gewürzinseln aufgelistet, die mit altgriechischem Namen genannt werden und die der Weltreisende Raphael Hythlodeus besucht haben soll, so zeigt sich bei der Dechiffrierung folgender Text.

 

Silbenfolge:

Ta1 pro2 ban3 en4 Cal5 iqu6 it7 Ab8 rax9 a10

 

Transposition:

it7 en4 pro2 Ta1 ban3 iqu6 a10 Cal5 Ab8 rax9

 

In Worten:

ite in prota banni, qua cal abras

 

Übersetzt:

Geht gleich am Anfang nach dem Bann, redet irgendwie mit den Dienstmädchen!

 

Um welchen Bann und wessen Dienstkräfte handelte es sich? Was war kurz vor der Veröffentlichung der Utopia geschehen?

 

De Magistratibus

 

Beim Auflisten der Titel von Obrigkeiten legt der Autor größten Wert darauf, dass die Leser sowohl die ehemaligen als auch die aktuellen Bezeichnungen erfahren. Neben den Ortsvorständen, Vorstehern und Fürsten fehlen jedoch zwei Titel. Der allererste und der aktuelle Herzog müssen der Liste hinzugefügt werden.

 

Silbenfolge:

Mo1 rus2 Ut3 op4 us5 Phyl6 arch7 us8 Sy9 pho10 grant11 um12 Tran13 i14 bor15 us16 Pro17 to18 phyl19 arch20 us21 Bar22 zan23 em24 Ad25 e26 mum27

 

Transposition:

arch7 i14 us21 Mo1 Sy9 Pro17 Ad25 Phyl6 us16 em26 pho10 arch20 op4 to18 Ut3 phyl19 us8 em24 bor15 um12 grant11 Tran13 zan23 us5 Bar22 um27 rus2

 

In Worten:

archius Mosi pro ad philus empo arch opto, ut philus emporum grand trans annus barum rus

 

Übersetzt:

Ich wünsche das Archiv des Moses vorweg zum Freund des Handelsvorstehers, gebrauche den großen Markt des Freundes über das Jahr im Land der Barone/Tölpel

 

Baro kann sowohl Baron als auch Tölpel bedeuten. Der Freund ist noch unbekannt, doch die aufgeforderte Gruppe der Eingeweihten ist im Besitz des Erbes von Moses.

 

Religiöse Begriffe

 

Werden alle pseudo-altgriechischen Begriffe aus dem religiösen Zusammenhang in ihre Reihenfolge laut Buch gebracht, so kann Folgendes entziffert werden.

 

Silbenfolge:

Bu1 thres2 cas3 Cy4 ne5 mer6 nos7 Tra8 pe9 mer10 nos11

 

Transposition:

nos7 cas3 nos11 pe9 Tra8 mer10 thres2 mer6 Bu1 Cy4 ne5

 

In Worten:

noscas nos petra mer tres mer bucine

 

Übersetzt:

Du erkennst uns am Stein, erwirb drei, erwirb ein Hirtenhorn

 

Wer von den Eingeweihten den Intelligenztest besteht, darf nach „Utopia“ einwandern, wird von den Auftraggebern entsprechend empfangen und in die Bruderschaft eingeführt. Es sollen also nicht alle aus dem Volk Mose kommen, sondern am Anfang nur die Besten der Besten.

 

Der Adressat

 

Bereits im Jahr 1518 erschien der Roman in einer neuen Auflage und mit einem neuen Buchtitel. Nun hieß es: „De optimo reip. Statu, deque nova insula Utopia, libellus vere aureus, nec minus salutaris quam festivus,…“, während es vorher noch „Libellus vere aureus, nec minus salutaris quam festivus, de optimo reip. statu deque nova insula Utopia.“ lautete. Die Satzteile wurden vertauscht. Ein kleiner aber entscheidender Unterschied, der die Dechiffrierung verhindern konnte, denn nur das Original von 1516 ergibt einen Sinn.

 

Li1 bell2 us3 ver4 e5 au6 re7 us8 nec9 min10 us11 sa12 lut13 a14 ris15 quam16 fes17 ti18 vus19, de20 op21 tim22 o23 re24 ip25 stat26 u27 de28 que29 nov30 a31 ins32 ul33 a34 Ut35 o36 pi37 a38

 

re7 a14 ob21 de28 ut35 ver4 sa12 de20 que29 pi37 us8 fes17 stat26 o36 nec9 fus19 a31 us3 quam16 nov30 e5 tim22 a34 lut13 ins32 us11 ul33 ti18bell2 u27 re24 o23 ip25li1 ris15 a38 au6 min10

 

rea opde ut versa deque pius fes stato nec fusa usquam noveti malut in sus ulti bellu reo ipli risa au min

 

Angeklagte, stelle (dich) entgegen! gebrauche! wende! und trete bestimmt auf gegenüber dem Frommen, auch nachdem ihr zerstreut worden seid, ihr könnt irgendwo erneuern das Übel, wenn ihr den Krieg gegen das Schwein gerächt habt, Angeklagter, gehe um ein vielfaches stärker, nachdem du verspottet wurdest, bewahre die Mahnung

 

Der Inhalt ist telegrammstilartig, was der Chiffrierung geschuldet ist. Thomas Morus ruft die in aller Welt verstreut lebenden Eingeweihten zur Besinnung auf, sich nicht an den Christen für die Vertreibung der „Schweine“ zu rächen. Er will mit Hilfe der „Pia“ anders vorgehen. Das „Wie“ ergibt sich aus dem „Who is who“.

 

Die Migranten

 

Im Januar des Jahres 1492 eroberten Ferdinand II. von Aragonien und León sowie Isabella von Kastilien die spanische Provinz Granada von den Muslimen zurück. Da die Vorfahren der Juden die Muslime einst freundlich empfangen hatten, folgte die Rache der christlichen Herrscher auf dem Fuße. Bereits im März desselben Jahres wurde das Alhambra-Edikt erlassen. Hunderttausende sephardischer Juden mussten entweder Spanien binnen drei Monaten verlassen oder konvertieren. Im Jahr 1497 folgte Portugal mit der Ausweisung aller Juden. Viele wechselten in ihrer Not zum christlichen Glauben, doch das Massaker von Lissabon zeigte noch im Jahr 1506, dass auch konvertierte Juden nirgends sicher leben konnten. Von den Christen wurden sie nur verächtlich Marranos, Schweine, genannt und die Inquisition saß den Anusim, den Gezwungenen, im Nacken. Versklavungen, Zwangstaufen, Folter und Hinrichtungen waren für sie an der Tagesordnung. Wo war der Staat, die rettende Insel, die die Flüchtigen aufnahm?

 

Carylus

 

Als sein Vater Philipp I. im Jahr 1515 starb, erbte Karl die burgundischen Niederlande. Anfang des Jahres 1516 hinterließ sein Großvater Ferdinand II. dem jungen Karl die spanischen Königreiche von Kastilien, León und Aragón sowie den Titel König Carlos I. von Spanien. Mit dem Tod seines Onkels Maximilian I. erbte Karl den Thron von Österreich und ging 1519 als Kaiser Karl V. des Heiligen Römischen Reiches in die Geschichte ein.

Thomas Morus versprach sich im Erscheinungsjahr der Utopia 1516 also politische Veränderungen von dem jungen Habsburger und sah neue Hoffnungen für die Sepharden und Konvertiten. Doch – wie im Roman von ihm erwähnt – wollte Thomas Morus nicht den König beraten, da solche Empfehlungen von allen Ministern diskutiert würden. Er wollte diejenige beraten, auf die der König freiwillig hören würde.

 

Uto Pia

 

Im Auftrag des englischen Königs Heinrich VIII. war der Autor zwischen 1510 und 1516 mehrfach als Diplomat in den Niederlanden. Hier traf er nicht nur Erasmus von Rotterdam, den Hofberater und Lehrer von Karl, sondern lernte auch die „fromme“ Margarete von Österreich kennen. Als Tante von Karl war sie von 1507 bis Januar 1515 sowohl Regentin der habsburgischen Niederlande als auch dessen Vormund. Im Erscheinungsjahr der Utopia war sie bereits von Kaiser Maximilian I. abgesetzt („gebannt“) gewesen. Wahrscheinlich, da sie ihm zu selbstständig regierte und Karl nun vorzeitig für mündig erklärt wurde. Morus setzte mit der „Frommen“ nicht nur auf die interne weibliche Opposition im Hause Habsburg. Er setzte auch auf die Humanistin, denn Margarete hatte in Mechelen ein Zentrum für Humanismus gegründet und verkehrte mit den führenden Köpfen der Aufklärung. Sie wollte neue Ideen umsetzen. Zudem war sich Thomas Morus bewusst, dass Margarete für Karl ein Mutterersatz und seine vertrauteste Beraterin war.

Der englische Diplomat irrte sich 1516 nicht in der Beziehung des jungen Königs zu seiner Tante. Als Karl seinen Thron in Spanien gesichert hatte, setzte er Margarete 1517 wieder als Statthalterin in den Niederlanden ein. Während Karls Schwestern Eleonore, Isabella und Maria in Mechelen weiterhin humanistisch erzogen wurden, zog Thomas Morus die diplomatischen Fäden im Hintergrund. Die sephardische Intelligentia wanderte unterdessen tatsächlich in ihr Utopia, die Niederlande, ein.

 

Die Nadeln der gebildeten Frauen

 

Bella gerant alii, tu felix Austria nube.“ Dienst hieß bei Habsburgern sich dem Staatswohl unterzuordnen und strategisch zu heiraten. Die „Dienstmädchen“ von 1516 werden dieser Aufgabe nachkommen und als Eleonore von Kastilien (Königin von Portugal und Frankreich), Isabella von Österreich (Königin von Dänemark, Schweden und Norwegen) sowie Maria von Ungarn (Königin von Böhmen und Ungarn) in die Geschichte eingehen. Die Nadeln für die „gebildeten“ Humanistinnen können heute nicht mehr identifiziert werden. Doch die Diplomatie hatte sich gelohnt, denn die Dienstmädchen investierten in die Bildung ihrer Länder.

Nach dem Tod der „Pia“ übernahm Maria von Ungarn von 1531 bis 1556 das Amt der Statthalterin der Niederlande. Sie war als Schwester von Karl V. maßgebend an der Vereinigung der 17 Provinzen beteiligt und kokettierte mit dem Protestantismus. Sie schuf als geschickte Vermittlerin zwischen allen Parteien die Grundlage zur Unabhängigkeit der Niederlande sowie zur Union von Utrecht, die die Religionsfreiheit garantierte.

Eine Nadel von Karl V. wurde Josel von Rosheim. Er rang dem Kaiser im Jahr 1520 die Judenordnung ab, verteidigte seine Glaubensbrüder 1539 persönlich gegen Luther und bewirkte 1541 die Abschaffung der Leibzölle für Juden sowie das Tragen der Judenabzeichen. Zwar nahm Karl V. das Vertreibungsedikt von 1492 nicht zurück und hielt an der Inquisition fest, doch gewährte er den Juden anlässlich seiner Krönung Schutz im Reich sowie ab 1544 einige liberale Rechte. Damit legten die Nadeln das Fundament für eine neue Gesellschaftsform.

 

Der Philus

 

Auf den ersten Blick könnte vermutet werden, dass aschkeniasische Juden den sephardischen Juden als Freunde zu Seite gestanden hätten. Doch Thomas Morus verwendet das Wort Philus (Freund) im Singular. Er meint also eine bestimmte Person, die er auch im Roman so bezeichnet.

Petrus Aegidius wird in der Vorrede darum gebeten, den Roman auf „Fehler“ hin zu untersuchen. Konnte der Humanist die Marker identifizieren und den Code entziffern? Tatsache ist, dass jener brillante Stadtschreiber und Lektor als Humanist seiner Zeit des Lateinischen und des Altgriechischen mächtig war. Er hat die merkwürdigen Übersetzungen des Morus daher höchstwahrscheinlich bemerkt. Kannte er aber auch den Code?

Der Lektor des Romans arbeitete als Stadtschreiber in Antwerpen und hieß mit bürgerlichem Namen Peter Gillis. Dieser Familienname ist die französische Kurzform für den heiligen Aegidius, des Schutzpatrons der Abteikirche Saint-Gilles. Die Namensgebung einer Privatperson nach einer Kirche oder einem Heiligen kann – muss aber nicht – dafür sprechen, dass deren Vorfahren wahrscheinlich in Saint-Gilles konvertierten. Die Frage, ob der Stadtschreiber von Antwerpen seine Stellung genutzt hat, um Freunde in Antwerpen anzusiedeln, ist heute nicht mehr zu klären. Beratend zur Seite gestanden hat er Thomas Morus mit Sicherheit.

 

Thomas Morus

 

Wer war Thomas Morus in Wirklichkeit? Hat die bisherige Geschichtsschreibung recht und der Autor dieses Artikels postuliert lediglich eine neue Verschwörungstheorie? Die Leser können selbst überprüfen, ob sich die im Roman verwendeten Namenssilben durch eine andere Permutation sowohl vollständig als auch in einen anderen sinnvollen Text transponieren lassen, oder ob auch weitere Texte, wie ein Telefonbuch, auf diese Weise dechiffriert werden können. Wer sich diese Mühe macht, findet heraus, dass es sich bei dieser Form der Dechiffrierung um eine echte Verschlüsselung handeln muss. Doch welche Absicht verfolgte der Staatsmann Morus mit seinem Roman und den darin enthaltenen geheimen Anweisungen?

Wollte er sich selbst als genialer Staatsmann ein Denkmal setzen, in dem er zukünftige Ereignisse richtig vorhersagte? Benutzte er als Christ die Doppeldeutigkeit, um den Juden die kommenden Aufstände in die Schuhe zu schieben, die er selbst in den Niederlanden entfachen wollte? Agierte er als Brite unter dem Tarnmantel des Utopus und des Hythlodeus, um den antijudaischen Habsburgern eine falsche Fährte zu suggerieren? Oder handelte er als Humanist, um einer verfolgten Minorität gegen ihre Verfolger zu helfen?

Utopus, der mystische Begründer des Inselstaates, gibt sich im Roman als Herzog seines Volkes aus und der Thomas Morus verwendet ein Abzähl- und Codesystem, welches bereits der hasmonäische General und Hohepriester Josippos ben Mathitjahu ha Cohen (Flavius Josephus) in seinem Kriegsbericht De Bello Judaico im ersten Jahrhundert beschrieben hat.

Werden die historisch realen Ereignisse des folgenden Jahrhunderts mit den Romaninhalten verglichen, so fällt auf, dass über den gesamten Zeitraum den chiffrierten und nicht chiffrierten Anweisungen Folge geleistet wurde. Dies spricht dafür, dass Thomas Morus höchstwahrscheinlich einer konvertierten jüdischen Familie entstammte und im Roman – als Herzog seines Volkes und gottgesandter Schwätzer – den Eingeweihten der Sepharden Hinweise gab, wie sie sich mit seiner Hilfe eine neue Zukunft in den Niederlanden aufbauen konnten.

 

Romaninhalte

 

Eine jüdische Identität von Thomas Morus würde nicht nur erklären, weshalb die Utopier im Roman weder Christen noch Juden sind, sondern einem antiken Sonnenkult huldigen. Immerhin konnte sich der Autor vor seinen Glaubensbrüdern nicht als Befürworter des Christentums darstellen oder vor den Christen als Jude zu erkennen geben. Es würde auch nahe legen, weshalb Thomas Morus als weltliches oder religiöses Oberhaupt seines Bundes dem englischen König Heinrich VIII. nicht den Suprematseid leisten konnte und seine eigene Hinrichtung akzeptierte.

Um das literarische Transportvehikel für die chiffrierte Nachricht zu tarnen, verlässt der Autor sich auf die Selbstironie der Sepharden. Sie werden sich im „Schweinestall“ als Ideal der jüdischen Gemeinde ebenso wiedergefunden haben, wie im utopischen Sozialismus derer, die Hab und Gut in Spanien und Portugal verloren haben. Er kokettiert mit ihren Hoffnungen und bittet sogar um Mithilfe, wenn er als Herzog Utopus schreibt, dass er Verbesserungsvorschläge gerne entgegen nimmt. Als dieser, der – nach eigener Aussage – selber ohne Philosophie ist, stellt er den philosophischen Staat dar, den es zu gründen gilt. Ideale verfolgte er also nicht als politischer Realist.

Auch der außergewöhnliche Aufbau des Romans lässt sich nun neu interpretieren. So gibt es eine Vorrede für die engsten Freunde, in der darüber nachgedacht wird, ob dieses Werk überhaupt für die Öffentlichkeit gedacht ist. Die Eingeweihten sollen den wahren Inhalt also nicht an die große Glocke hängen. Im ersten Buch folgen Anweisungen, wie die ersten Immigranten in Utopia vorgehen sollen. Das zweite Buch beinhaltet Verhaltenshinweisen für die nicht-eingeweihte Masse der Einwanderer.

Mit der Frage, ob die Erfahrenen unter ihnen Könige beraten oder sich aus der Politik heraushalten sollten, beginnt das erste Buch. Daraufhin werden die Ursachen für Diebstahl, Mord und Söldnerwesen diskutiert. Diese Fehler sollen offenbar vermieden werden. Am Beispiel der Achorier wird dargestellt, wie ein Königreich geteilt, ein Teil unter eine neue Herrschaft gestellt und schließlich ganz abgespalten und in die Unabhängigkeit entlassen werden kann. Diese Beschreibung nimmt das Schicksal der Niederlande vorweg. Am Beispiel der Makarenser wird das Finanzwesen des neuen Landes erörtert, in dem das Geld bei den Bürgern bleiben soll. Mit Hilfe der Utopier wird die Symbiose von Privat- und Gemeinschaftseigentum vorgeschlagen. Diese Beteiligung am Gewinn findet sich später in der ersten Aktiengesellschaft der Welt, in der Ost-Indien-Kompanie, wieder.

Ein Hinweis auf die kommende Seemacht ist zu Beginn des zweiten Buches im Alter der Insel Utopia versteckt. Es wird mit 1760 Jahren angegeben und deutet somit auf die Jahre 244 oder 243 vor unserer Zeitrechnung hin. Damals investierten die Patrizierfamilien Roms ihr Privatvermögen in den Schiffbau, um eine letzte Flotte gegen Karthago zu finanzieren. Mit Hilfe dieser Schiffe wurde 241 v.u.Z. der erste Punische Krieg entschieden und Rom zur Weltmacht.

Interessant sind auch die Gedanken zur Sklaverei. So nehmen die Utopier nicht andere Völker zu Sklaven, sondern lediglich ihre eigenen Gesetzesübertreter. Diese dürfen sich frei bewegen, tragen aber Fesseln aus Gold. Es ist ihre eigene kindliche Gier nach Edelmetall, die sie abhängig macht. Wahrer Reichtum liegt für Thomas Morus in der Gemeinde, Gold ist für ihn nur ein Mittel zum Zweck, niemals Selbstzweck. Sollte diese Aussage auf die Sepharden bezogen sein, so widerspricht sie allen Verschwörungstheorien über das sogenannte „Finanzjudentum“. Die Gierigen legen sich – laut Roman – selbst in Fesseln.

Es dürfte dem Sinn von Thomas Morus für Humor entgegen gekommen sein, dass ausgerechnet die römisch katholischen Kirche – die offensichtlich nichts von seiner wahren Identität wusste – ihn zum Heiligen ernannte.

 

Verschwörung oder Lobbyarbeit?

 

Der Roman ist ein Werbeschreiben, welches als unverdächtige literarische Phantasterei in ganz Europa verkauft werden konnte, und bezeugt einen europaweiten Kampf einer kleinen elitären Gruppe von Eingeweihten. Belegt dies eine Verschwörung? Damals wäre von einer Verschwörung oder von Hochverrat gegen den Regenten gesprochen worden, da Thomas Morus als Engländer auf die „gebannte“ Opposition im Hause Habsburg setzte und die habsburgischen Niederlande in die Unabhängigkeit führen wollte. Sein Roman beinhaltete zudem sozialen Sprengstoff.

Mit dem Wissen dieser Dechiffrierung ist die Frage nach einer Verschwörung nicht so einfach zu beantworten. Die geheimen Anweisungen beweisen das Gegenteil von dem, was Antisemiten gemeinhin als Verschwörungstheorien verbreiten. Es waren nicht „die“ Juden an dieser Verschwörung beteiligt, sondern ein kleiner Kreis Eingeweihter, die  – offiziell – keine Juden waren. Die große Mehrheit der normal-bürgerlichen Juden wird nie etwas von dieser Diplomatie erfahren haben.

Zudem hat sich diese Gruppe nicht zum Zweck der Verschwörung gegründet, sondern  existierte und kommunizierte wahrscheinlich schon seit Generationen im Geheimen. Auch waren ihre Aktionen nicht zum Schaden anderer ausgerichtet oder als Rache gegen Christen gedacht. Vielmehr wollten sie den in Granada verlorenen Status wieder erwerben und die jüdischen Glaubensbrüder vor der Willkür der christlichen Herrscher schützen. Heute würden ihre Beratungen und Gespräche als Lobbyarbeit interpretiert werden, die auf den gemeinsamen Werten des Humanismus basierte. Die „geheimen“ Interessenvertreter kämpften auf ihre Weise für Religionsfreiheit und Unabhängigkeit und gründeten mit den Niederländern zusammen einen Staat sowie ein Handelsimperium, welches das kleine Land zur Weltmacht erhob. Ob diese Vorgehensweise für die Nachfahren der Menapier positiv oder negativ zu werten ist, mögen die Niederländer selbst beurteilen.

Der Autor setzte bei dieser Aufgabe auf die „gebildeten“ Frauen, um in Zeiten des beginnenden Absolutismus den christlichen Wahnsinn einzudämmen sowie eine vertragliche Rechtsgrundlage für alle Religionsgruppen zu schaffen. Thomas Morus hinterlässt uns damit ein Erbe, welchem der Humanismus noch heute – gerade in Zeiten der fehlenden Frauen- und Flüchtlingsrechte – verpflichtetet sein sollte.

 

 

Literatur

 

Flavius Josephus: De Bello Judaico. Buch 3, Kapitel 8, 7.

 

Thomas Morus: Libellus vere aureus, nec minus salutaris quam festivus, de optimo reip. statu deque nova insula Utopia. T.M. von Aelst, Löwen, 1516.

 

Thomas Morus: Utopia. Lateinisch / Deutsch. Stuttgart, Reclam 2012.




In einer Zeit des Umbruchs


Europa1d-6x6Der gestrige 8. Mai 2020, 75. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation eines Landes, das zwölf Jahre lang von einem psychopathischen Regime zielstrebig und teils unter dem Jubel, teils begleitet von der Ahnungslosigkeit oder dem Desinteresse der Menschen ins Verderben geführt wurde, aber auch die Herausforderungen, die die derzeitige Corona-Pandemie einerseits sowie das Agieren einiger Verschwörungstheoretiker und -praktiker und Rechtspopulisten / Rechtsreaktionäre andererseits für dieses Land, für Europa und weltweit mit sich bringt — jener Rechtspopulisten, die, wie einst die Machthaber im „Dritten Reich“ und in der DDR in diffamatorischer Absicht wieder von „Lügenpresse“ reden und die damit zum Ausdruck bringen, dass sie womöglich nur das in den Medien veröffentlicht wissen wollen, was sie selber für „die Wahrheit“ halten, jener Rechtspopulisten und Rechtsreaktionäre, die den freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat nach kräften schlechtzureden versuchen in der Hoffnung, sich dereinst als Retter in der Not anbiedern zu können und die doch gleichzeitig von sich behaupten, „das Volk“ zu sein — und die Verantwortungslosigkeit mit Freiheit verwechseln — ruft mir eine längere Rede in Erinnerung, die der Abgeordnete Dr. Carlo Schmid (SPD) vor dem Parlamentarischen Rat am 8. September 1948 gehalten hat.

Ich halte diese Rede auch heute noch — oder heute wieder — für aktuell und sehr lesenswert und empfehle sie gern weiter.

Einen kurzen Abschnitt möchte ich hervorheben:

Ich für meinen Teil bin der Meinung, daß es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, daß sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft. Ja, ich möchte weiter gehen. Ich möchte sagen: Demokratie ist nur dort mehr als ein Produkt einer bloßen Zweckmäßigkeitsentscheidung, wo man den Mut hat, an sie als etwas für die Würde des Menschen Notwendiges zu glauben. Wenn man aber diesen Mut hat, dann muß man auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen.

Zur Vertiefung Ausschnitte aus der Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier am 8. Mai 2020 in Berlin: „Es gibt keine Erlösung von der Geschichte“.

Ein PDF (42 Seiten im Format 11,5 x 17,5 cm) mit dem vollständigen Text der Rede von Carlo Schmid (SPD) aus dem Jahr 1948, bereinigt von ein paar wenigen Tipfehlern, die sich seinerzeit eingeschlichen hatten, biete ich zum kostenlosen Download auf meiner Website an.

Den — urheberrechtlich offenbar nicht geschützten — Text habe ich der Website Costima entnommen.

_____
Beitragsbild:
Europa auf dem Stier, vor dem Sternenkranz der Europa-Fahne.
Eigenes Werk


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Covid-19 als Missionswerkzeug missbraucht


Covid MissionArne Stawikowski am 7.5.2020 auf https://hpd.de.

Evangelikale nutzen die Corona-Krise zur Missionierung. hpd-Autor Arne Stawikowski hat sich eine Broschüre des Missionswerks Bruderhand angeschaut, in der die Pandemie zur persönlichen Sünde umdefiniert wird.

In der Zeit des Lockdowns schickte mir eine Arbeitskollegin Fotos einer Broschüre, die sie in ihrem Briefkasten gefunden hatte – wohl wissend, dass mich das triggern würde. Unter einem Bild einer mit Mund-Nasen-Schutzmaske ausgestatteten jungen Frau prangt auf dem Titelblatt das unheilvolle Wort: Covid-19. Und darunter: Müssen wir besorgt sein? Impulse aus biblischer Perspektive. Herausgeber ist das Missionswerk Bruderhand, ein niedersächsischer evangelikaler Verein, der sich hier auf acht knappen Seiten beeindruckend mühelos in die Reihe sich anlässlich der grassierenden Pandemie blamierender religiöser Instanzen einreiht.

Es fängt recht harmlos an. Bekannte Fakten werden erläutert, die gängigen Sicherheitsmaßnahmen geschildert und die Gefahr durchaus als solche erkannt. Vier Absätze gehen immerhin überraschend gut, bevor die erste Pointe den positiven Eindruck zerstört: Gott sei, das wüssten wir aus der Bibel, in der Lage, "jeden Menschen zu beschützen". Es folgt ein Zitat des Psalms 91, schließend mit "Ob tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen".

Wenigstens, das muss man dem Autor zugute halten, hat er noch rechtzeitig vor Druck gemerkt, dass das nicht nur nicht genügt, sondern doch eher berechtigten Gotteszweifel angesichts der zahlreichen Erkrankungen und Todesfälle auch unter gläubigen Christen schüren würde. Er lenkt also notgedrungen ein und gibt zu, dass das so nicht recht zur gegenwärtigen Situation passen will. "Wozu dann überhaupt das schwülstige Zitat?", mag man sich fragen, darf aber nicht mit einer gelingenden Antwort rechnen. Denn die folgende Auflösung ist keine.

Stattdessen wird die alttestamentarische Geschichte von Schadrach, Meschach und Abed-Nego geschildert, dreier jüdischer Verwalter, die sich standhaft weigerten, Nebukadnezar anzubeten, und dafür verbrannt werden sollten. Kaum ins lodernde Feuer geworfen, geschah aber das Wunder: Sie überlebten. Gott hatte sie gerettet, um ihren trotz des drohenden Todes unerschütterlichen Glauben an ihn zu belohnen.

Das mag für Gläubige seine bestärkende Wirkung nicht verfehlen, aber mit den nüchternen Augen eines naturalistischen Menschen betrachtet fällt direkt auf, dass wir nach wie vor nicht von der Stelle gekommen sind. Die drei gläubigen Juden werden vor dem Tod bewahrt. Es ist im Grunde nur eine Wiederholung des ersten Bibelzitats. Mit dem einzigen Unterschied, dass dem Autor offenkundig die Erkenntnis, dass das schlicht nicht genügt, sondern die Problematik der sterbenden Menschen völlig verfehlt, abhanden gekommen ist. Das wäre Anlass zur Freude darüber, dass er dann schnell das Thema wechselt, wäre der neue Gegenstand nur nicht so frech.

 

Jeder kennt jemanden, der nur ein Thema hat. Das mag eine Arbeitskollegin sein, die bei jedem Gespräch irgendeinen Bezug zu einer South-Park-Folge herstellt, oder ein Nachbar, der jeden Smalltalk zum Anlass nimmt, ungeschickt, aber zielbewusst auf seinen in den väterlichen Augen doch recht gelungenen Sohn zu sprechen zu kommen. Kurzum: Das Phänomen, das Veganern zu Unrecht immer vorgeworfen wird. Gläubige Menschen mit Missionsdrang beherrschen das deutlich besser. Und dafür taugt die Broschüre als glänzendes Beispiel. Covid-19? Jaja, ganz interessant, aber guck mal hier: … Am besten stellt man sich dazu Schlemihl aus der Sesamstraße vor, der seinen Mantel lüftet und Luft verkaufen will. Viel mehr ist das religiöse Narrativ, das nun auftaucht, nämlich nicht.

Tatsächlich gelingt dem Autor das Kunststück, von einer weltweiten Pandemie auf die persönliche Sünde umzulenken. Wobei das Verb "gelingen" hier ein wenig euphemistisch benutzt wird. Dieser Brückenschlag könnte auch aus einem Film von Ed Wood stammen. Er wird nicht großartig begründet, einen Zusammenhang sucht man vergebens. Ein einziger fett gedruckter Satz dient als (Plastik-)Anker: "Doch es gibt ein 'Virus', das viel heimtückischer ist." Das genügt offensichtlich den Ansprüchen evangelikaler Christen. Und dieses besagte heimtückische Virus ist eben nach Ansicht des Autors der Broschüre die Sünde. (Im Germanistik-Studium habe ich gelernt, bei Zitaten immer möglichst deutlich zu machen, wenn sie nicht meine Meinung widerspiegeln. Aber das Bedürfnis war selten so groß…)

Aber was ist eigentlich mit diesem so großen und schwierigen Wort gemeint? Laut Bruderhand-Medien: Der "Zustand eines Menschen, der von Gott getrennt ist, und seine falsche Lebensweise. Derjenige handelt nicht nach den Geboten Gottes und hat keine persönliche Beziehung zu Jesus". Es ist also in erster Linie gar keine Bezeichnung für nach irgendeiner Definition falsche Handlungen, sondern die Trennung des Menschen von Gott. Es drängt sich die Frage auf, was denn sei, wenn jemand zwar von Gott getrennt ist, aber dennoch ähnliche oder sogar exakt dieselben Werte vertritt wie ein Christ. Das scheint keine Rolle zu spielen. Die Trennung ist das ausschlaggebende Element. Ich zum Beispiel lebe ganz und gar nicht nach biblischen Vorschriften, weder nach alt- noch nach neutestamentarischen. Mir ist bewusst, dass einige neuzeitliche, in der Regel abwegige, weil nicht inhaltsgetreue Interpretationen gerade des neuen Testaments nach humanistischen Idealen brauchbare Werte hervorbringen können. Aber das sind entweder zufällige Überschneidungen oder, und das deutlich häufiger, Früchte wohlmeinenden Rosinenpickens. Jedenfalls habe ich diese Ideale wie die allermeisten Humanisten auf andere Art erlangt. Völlig von Gott getrennt. Und allein das scheint ausschlaggebend zu sein, um gefährlicher als Covid-19 zu sein. Mein damaliger Deutschlehrer würde nun "A!" für "Ausdruck" an den Rand schreiben, aber: Was für ein hanebüchener Unfug. Was für eine Beleidigung gottfreier Menschen. Als zählte nicht, was sie tun, sondern dass sie es aus vernünftigen Gründen tun.

Nur: Die Möglichkeit der Überschneidung atheistischer und in irgendeiner egal wie absurder Weise biblisch hergeleiteter Werte scheint dem Autor gar nicht in den Sinn zu kommen. Für ihn steht fest: Eine Trennung von Gott führt zu Elend. Konkret: Seiner Ansicht nach führt eine Trennung von Gott ganz ausdrücklich zu: Entzweiungen von Menschen, zerbrechenden Familien und Kriegen. Sind das tragische Dinge? Ja, vordergründig. Allerdings weiß jeder vernünftige Mensch des 21. Jahrhunderts, dass Entzweiungen von Menschen und zerbrechende Familien das kleinere Übel sein können. Der notwendige Weg, um sich von Leid verursachenden Faktoren zu befreien. Das ist Gemeingut, Common sense, wie Thomas Paine es so schön nannte. Aber darum geht es gar nicht. Selbst diese nüchterne Erkenntnis wird überragt von der Arroganz der Broschüre, denn noch viel schlimmer als diese Dinge, die ja angeblich bereits die enorme Tragweite des Covid-19-Virus überschreiten, sei "die tragischste Konsequenz der Sünde (…), dass sie uns von Gott trennt".

Auf den gottfreien Menschen warte, und es wird ausdrücklich der Vergleich zur weltlichen Quarantäne aus guten Gründen bemüht, der ewige Verbleib "an einem schrecklichen Ort der Gottesferne". Und das ist schlichtweg frech. Die Quarantäne ist eine sinnvolle Maßnahme, um Ansteckungen zu vermeiden. Ein Übel, ohne Frage, aber eines, das notwendig ist und langfristig zu einer Besserung der Lebensbedingungen führen wird. Es zu vergleichen mit einer ewigen Trennung von Gott ist Rhetorik auf unterstem Niveau. Es ist das Ausschlachten eines gegenwärtigen Leids, des Wunsches der Menschen, dass es bald enden möge. Das Nutzbarmachen einer Situation, die ertragen werden muss, obwohl sie für viele schwer ertragbar ist. Die Realität der weltumspannenden Krankheit hat viele Menschen in eine auf Dauer kaum aushaltbare Situation gebracht und genau diese Not wird hier missbraucht. Es wird Angst geschürt: Wenn das für euch schon schlimm ist, stellt euch doch mal vor, genau diese Situation für alle Ewigkeit ertragen zu müssen! Das wird den Lesern der Broschüre mitgegeben.

Recht niedlich mutet im Gegensatz dazu die dann folgende Anleitung für eine Annäherung an Jesus an: "Sprechen Sie in einem einfachen Gebet mit Jesus Christus. (…) Sagen Sie ihm, dass Sie ihm gehören möchten und dass er von jetzt an über Ihr Leben bestimmen soll. (…) Jesus vergibt Ihnen daraufhin alle Ihre Schuld und macht Sie zu einem Kind Gottes. Sie sind damit vom Virus der Sünde befreit und Sie dürfen sich darauf freuen, einmal bei ihm im Himmel zu sein." So einfach ist das. Oder eben nicht: Dieser Ansatz blendet völlig die Inhaltsleere der biblischen Lehre aus. Dass sich gegenseitig ausschließende Interpretationen biblischer Inhalte nicht Ausnahme, sondern Tagesordnung der christlichen Geschichte sowohl synchron als auch diachron sind, ist kein Geheimnis. Joachim Kahl brachte es auf den Punkt: "Die Theologie ist eine Ansammlung von Leerformeln, die mit beliebigen Inhalten aufgefüllt werden können."

Nur wenige Verse bringen die exegetischen Taschenspielertricks an ihre Grenzen. Spannend wäre es beispielsweise, die Auslegung des Bruderhand-Vereins folgenden Jesus-Zitats zu erfahren: "Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern, dazu auch sein eigenes Leben, der kann nicht mein Jünger sein." (Lk 14,26) Wie kann mit Bezug auf eine Person, die so etwas sagt, anderen Leuten, die sich ausdrücklich von dieser Person und ihrer Lehre distanzieren, vorgeworfen werden, ausgerechnet sie wären verantwortlich für sich entzweiende Familien? Kohärent ist das nicht gerade.

Im letzten Absatz wird das Anliegen, die Covid-19-Pandemie als Werkzeug zu missbrauchen, um zu missionieren, wenigstens ganz unverhohlen zugegeben: "Vielleicht kann die Sorge um Covid-19 dazu beitragen, dass Sie von dem schlimmsten 'Virus', das es überhaupt gibt, die Sünde, befreit werden."

Ich möchte eine Alternative vorschlagen: Vielleicht können die Erfolge, die durch vernünftige, medizinische Maßnahmen und Strategien (die mühsam durch wissenschaftliches Forschen erlangt wurden und werden) im Kampf gegen die Pandemie erzielt werden, dazu beitragen, dass mehr Menschen erkennen, wie haushoch das Wissen dem Glauben überlegen ist. Und ja, das darf durchaus gegeneinander ausgespielt werden. Aber das zu erörtern, ist hier nicht der rechte Ort.

Abschließend, weil es so herrlich passt, das Bonmot von Lawrence Krauss zu genau diesem ständigen Wettstreit der Disziplinen:
You are choking. I have two choices:
1. I perform the Heimlich maneuver.
2. I pray for you.
Which do you want me to do?




The Unanswered Question


Umkehrschluss_Blindenzeichen_17_72The Unanswered Question ist nicht nur ein Musikstück des US-Amerikanischen Komponisten Charles Ives, ein Ballett von Eliot Feld, und eine Vortragsreihe von Leonard Bernstein.

Thematisiert man institutionalisierte Opferrollen und stellt in dem Zusammenhang die Frage nach einem spezifischen Umkehrschluss, so bleibt diese Frage ebenfalls unbeantwortet.

Die Frage danach, warum sie unbeantwortet bleibt, stelle ich nicht.

– – –

Frage:

Wenn es — bezogen auf die jeweilige Religion oder sonstige Ideologie, nicht auf die Menschen — islamfeindlich (anti-islamisch), judentumsfeindlich (anti-jüdisch), christentumsfeindlich (anti-christlich), was-auch-immer-feindlich wäre, Menschenrechtsverletzungen und Despotismus sowie anderes Unrecht zu kritisieren:

Was bedeutete dies dann im Umkehrschluss ?

.


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Wo Unsinn Sinn macht


Cropped shot of an unrecognizable man reading a book

Cropped shot of an unrecognizable man reading a book

(Von Dr. Andreas E. Kilian, Gastautor). Es gibt nur einen einzigen Beweis, den Gläubige immer akzeptieren sollten: Ihre eigenen heiligen Schriften! Was in diesen steht ist verpflichtend, sonst wird jede Religion sehr beliebig. Was ist aber, wenn sich in diesen Texten Nachrichten finden, die die Glaubensinhalte als Mittel zum unheiligen Zweck erklären?


 


Manche Inhalte in heiligen Schriften sind dermaßen abstrus, dass sich die Leser automatisch fragen, ob dies in ekstatischer Gottesschau oder mit humorvoller Absicht so geschrieben wurde. Folgt diese Abstrusität jedoch mathematischen Gesetzmäßigkeiten, so wird sie auch für Wissenschaftler interessant.


 


Ene mene muh und raus bist du


 


Der Historiker Flavius Josephus berichtet in seinem Buch De Bello Judaico von einer extrem außergewöhnlichen Hochbegabung, die ihm zu Ehren heute als Josephus-Permutation bezeichnet wird. Als die Römer im judäischen Aufstand im Frühjahr des Jahres 67 die Stadt Jotapata einnahmen, wollte sich der Oberbefehlshaber Josephus ergeben. Doch seine Mitstreiter ließen ihn nicht gehen. Sie wollten lieber Selbstmord begehen, als sich den Römern auszuliefern. Josephus griff zu einer List. Er ließ alle 40 Mitkämpfer im Kreis aufstellen und abzählen. Wer an der Reihe war, wurde sofort vom Nachbarn erstochen. Wer es im Kopf ausrechnen konnte, brauchte sich nur an die richtige Stelle im Kreis stellen und blieb als Letzter übrig. Josephus und sein bester Freund überlebten und dienten sich dem römischen Feldherrn Vespasian als Berater an [DBJ-B3K8,7]. Ob dieses Ereignis exakt so stattgefunden hat, sei dahingestellt, doch es wird garantiert nicht ohne Grund erwähnt.


Permutationen wurden nicht nur von der römischen Armee verwendet, wenn Truppenteile zur Strafe dezimiert wurden, indem jeder zehnte Legionär stellvertretend für die Kohorte hingerichtet wurde. Sie finden sich auch in antiken Abzählreimen von Kindern, die mit Hilfe von Städtenamen und Pilgerrundreisen – vergleichbar unserem heutigen „Ene mene muh“ – zum Fangenspielen abzählten. Wo man sie findet, verleitet der Reim intuitiv zum Abzählen und auch in der Johannes-Offenbarung finden sich in definierter Reihenfolge Städtenamen, die sich reimen [Offb 1,9-11 NA].


 


Πάτμος, Ἔφεσος, Σμύρνα


Πέργαμον, Θυάτειρα


Σάρδις, Φιλαδελφία


Λαοδίκεια, Ῥώμα


 


In lateinischen Buchstaben:


 


Pat1 mos2 E3 phe4 sus5 Smyr6 na7


Per8 ga9 mon10 Thy11 a12 tei13 ra14


Sar15 dis16 Phi17 la18 del19 phi20 a21


La22 o23 di24 ce25 ia26 Ro27 ma28


 


Es ist ein Sieben-Silben-Rythmus und die betonten letzten Silben bilden die Worte „nara, ama“. Zu deutsch „antworte!“ und „liebe!“ Welches Kind soll diesen Reim entdecken und antworten? Die Antwort findet sich, wenn jede siebte Silbe fortlaufend wie bei einer Josephus-Permutation aus dem Reim heraus genommen und in der neuen Folge angeordnet wird.


 


na7 ra14 a21 ma28 per8 dis16 di24 phe4 tei13 o23 sus5 phi17 ro27 thy11 ce25 mon10 ia26 sar15 e3 la22 del19 la18 phi20 mos2 a12 pat1 smyr6 ga9


 


So wurde es ausgesprochen und so im heutigen Schullatein geschrieben:


 


narra ama perdis diffiteo suspiro te cemonia Sarela delavimus a patescam Yrga


 


Übersetzt:


Antworte! Liebe! Du verdirbst. Ich leugne, wie sehr ich mich nach Dir sehne. Wir waschen uns rein von der „Blume“ Sarahchen (und) ich werde mich zu Dir bekennen, Yrga.


 


Da es sich um eine offizielle Amtsübergabe handelt, wird der Adressat – für alle in den Code eingeweihten Priester lesbar – genannt. Der Nachfolger heißt mit religiösem Namen Johannes und mit weltlichen Namen Yrga, lateinisch Hyrcanus. Gemeint ist also Johannes Hyrcanus III., der als hasmonäischer Hohepriester und Christkönig nach dem Aufstand in Judäa (66-70/73) auf den Thron in Jerusalem steigen soll. Er soll der Morgenstern (lat. Lucifer) werden [Offb 22,16].


 


Alpha und Omega


 


Doch der Herr der Offenbarung ist nicht nur das erste Wort im Text, das Alpha [Offb 1,8], sondern auch das Omega [Offb 21,6]. Also findet sich am Ende noch eine weitere Nachricht für den ältesten Sohn. Flavius Josephus berichtet in den Antiquitates Judaicae von einem Essenes (griech. Logion), welches nur vom höchsten Hohepriester getragen werden durfte und welches in Kriegen als Orakel befragt wurde. Es bestand aus zwölf Edelsteinen, welche die zwölf Stämme Israels symbolisierten [AJ-B3K7,5]. Dieses soll an den Sohn als Amtszeichen übergeben werden. Doch in dem Geschichtswerk ist eine andere Reihenfolge sowie Schreibweise der Edelsteine angegeben als in der Offenbarung [Offb 21,19-20 NA].


 


ἴασπις σάπφιρος χαλκηδών σμάραγδος σαρδόνυξ σάρδιον χρυσόλιθος βήρυλλος τοπάζιον χρυσόπρασος ὑάκινθος ἀμέθυστος


 


Es fehlen noch zwei Edelsteine, die nur Eingeweihte kennen können. Die religiösen Namen von Absender und Adressat sind der Schlüssel zur Permutation.


 


Io1 ann2 us3 Ias4 pis5 Sap6 phi7 ros8 Chal9 ce10 don11 Smar12 ag13 dos14 Sar15 do16 nyx17 Sar18 di19 on20 Chrys21 o22 li23 thos24 Ber25 ill26 os27 To28 pa29 si30 on31 Chrys32 op33 ras34 os35 hy36 a37 cinth38 os39 Am40 eth41 ys42 tos43 Io44 ann45 o46


 


Die Transposition gemäß Siebener-Permutation ergibt folgenden Text:


 


phi7 dos14 chrys21 to28 os35 ys42 us3 don11 di19 os27 hy36 io44 sap6 do16 ber25 ras34 ann45 chal9 on20 on31 eth41 ros8 o22 op33 io1 sar15 si30 o46 nyx17 a37 pis5  ill26 ann2 thos24 ias4 chrys32 ag13 tos43 os39 cinth38  am40 smar12 pa29 ce10 sar18 li23


 


Im heutigen Schullatein geschrieben:


 


Fidus christuos Yesus don dios hyios abdo, per ra sann calo non et rosoo pio sarcio,


nixa piis illa entusias, chrys actos oscine tam, sum Arpa cesarli


 


Übersetzt:


ich verberge zuverlässig hinter christuos Yesus das Erbe vom Sohn Gottes, ich beschwöre nicht Ra´s Fratze oder verbessere mit dem getadelten Frommen. Bemühe du die Begeisterung jener für die Märtyrer, ebenso das Treiben des Weissagevogels für Gold! Nimm an als Arpa des Caesarleins!


 


Der Autor hat zwar mit Jesus einen Sonnengott – ähnlich Ra – erschaffen, doch anbeten tut er ihn selber nicht. Auch möchte er nicht die gefallenen galiläischen Aufständischen besser machen, als sie in Wirklichkeit waren. Er teilt allen Eingeweihten also mit, dass er seinem Glauben treu geblieben ist.


Arpa ist das altgriechische Wort für Horus Pa, den Pharao und Sohn Gottes auf Erden. Nicht die Romanfigur Jesus, sondern der höchste Hohepriester ist der Sohn und Stellvertreter Gottes auf Erden. In dieser Funktion wacht der Autor nicht nur über Vespasians zweiten Sohn, den letzten Kaiser der Flavier, Domitian. Er benutzt auch die Romanfigur des christuos Yeschuos, des gesalbten Retters, als Sprachrohr, um die Aufständischen mit frommen Idolen zu beschäftigen. Damit es im römischen Senat mit der Übernahme des Postens für seinen Sohn in Jerusalem klappt, wird viel Geld in die Wahrsager Roms investiert. Das römische Volk erwartet eine Legitimation durch die Auguren.


 


Die Offenbarung des Autoren


 


Wer konnte solche theologischen Texte verfassen und wer hatte vom Kaiser das Recht erhalten, dies zu publizieren? Wer wollte wieder in Jerusalem an die Macht gelangen? Mit den vorliegenden Dechiffrierungen ist der Autor der Johannes-Offenbarung identifiziert: Josephos ben Mathitjahu ha Cohen, alias Flavius Josephus. Dieser hatte mit seiner dritten Frau Sarah drei Söhne, von denen die beiden ältesten gestorben waren. Der Jüngste hieß Hyrcanus [Vita 426] und sollte nun sein Erbe als Hohepriester antreten. Da sich der Autor jedoch von seiner dritten Frau scheiden ließ, weil ihm – offiziell – ihr Lebenswandel nicht gefiel [Vita 426], lebte der Junge in Patmos und der Vater unter permanenter Überwachung durch die Flavier in Rom. Der Vater musste also die Öffentlichkeit eines „wirren“ religiösen Buches wählen, um eine chiffrierte Botschaft an seine Amtskollegen sowie nach Patmos zu bekommen. Er wollte eine Antwort haben, ob der Sohn die Erbfolge in den Jahren 115 bis 117 antreten würde, oder er seine beiden jüngeren Söhne aus vierter Ehe – Justus und Simonides [Vita 427] – fragen sollte.


Somit werden einige Hinweise in der Offenbarung verständlich, z.B. weshalb jemand mit nur einem Ohr zuhören soll [Offb 2,7; 2,17; 2,29; 3,6; 3,13; 3,23; 13,9]. Dem Vorfahren Johannes Hyrcanus II. wurden nämlich um das Jahr 40 v.u.Z. die Ohren abgebissen, damit er als Hohepriester zurücktreten musste [DBJ-B1K13-270].


 


Lucifer und Bar Kosiba


 


Es gibt nur einen einzigen Beweis, dass es sich bei dem Helden des Neuen Testamentes, Jesus Christus, um eine erfundene Figur handelt: die Zeugenaussage des Autors der Offenbarung.


Ob Johannes Hyrcanus diesen Job als Papst bei den Flaviern angenommen hätte, werden wir nie erfahren. Zumal Kaiser Domitian als letzter Flavier bereits im Jahr 96 verstarb und Hyrcanus zu diesem Zeitpunkt mit ca. 18 Jahren noch zu jung war, um höchster Hohepriester zu werden. Dieses Amt hätte er erst mit 30 Jahren, also ca. ab dem Jahr 116 antreten können. Ebenso werden wir nie erfahren, welche Rollen der „Morgenstern“ Hyrcanus und der „Sohn des Sterns“ Simon in dem Diaspora- (115-117) und Bar Kochba-Aufstand (132-136) spielten. Mit Kaiser Hadrian begann die Diaspora und das rabbinische Judentum, aber die Hasmonäer überlebten, wie spätere Werke belegen. Doch dies ist eine andere Geschichte und ein anderer Artikel.


 


Aus Unsinn Sinn dechiffrieren


 


Das Codesystem der Hasmonäer basiert auf Namen sowie deren definierter Reihenfolge. Hierfür bedarf es keiner Textform. Es reicht, wenn die Geschichte erzählt wird, denn Namen und deren Folge sind leicht zu merken. Zudem können durch Fantasienamen benötigte Silben hinzu gefügt werden und die Namen bleiben auch bei Übersetzungen bestehen sowie in der richtigen Reihenfolge des Handlungsstranges.


Mit der Methode kann doch alles in einen Text hinein interpretiert werden? Nein! Zwar kann kein statistischer Nachweis geführt werden, da der Wortschatz von Sender und Empfänger unbekannt ist. Doch es gibt eine interne und eine externe Kontrolle, ob es sich um richtige Chiffrierungen handelt. Zur internen Kontrolle können die altgriechischen Namen mit einer anderen Zahlenfolge, z. B. jede 3. oder 5. Silbe, transponiert werden. Zur externen Kontrolle eignet sich jede andere Namensliste aus Roman oder Telefonbuch.


Interessanter ist es jedoch, den Spuren der Antike zu folgen. Humorvolle Begriffe, wie Maranata [1 Kor 16,22], Onesimus [Phlm10] oder Epaphras [Phlm 23], laden zum Dechiffrieren der Namenslisten ein. Und wofür heißt es im Prolog „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“ [Joh 1,1]?


 


 

Literatur:

 

Flavius Josephus: Antiquitates Judaicae. Übers.: Jüdische Altertümer. Marix Verlag, Wiesbaden 2011.

 

Flavius Josephus: De Bello Judaico. Übers.: Der Jüdische Krieg und kleinere Schriften. Marix Verlag, Wiesbaden 2005.

 

Flavius Josephus: Vita. Übers.: Selbstbiographie. In: Der Jüdische Krieg und kleinere Schriften. Marix Verlag, Wiesbaden 2005.

 

Nestle, Eberhardt & Aland, Kurt: Novum Testamentum Graece. 28. Auflage. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2012




Gibt es Gott? - Warum sollte es?


GottWie an anderer Stelle  gezeigt wurde, enthält der christlich-monotheistische Gottesbegriff innere logische Widersprüche, die zur Folge haben, daß es einen so beschaffenen Gott nicht geben kann. Ein in geeigneter Weise veränderter Gott, bei dem diese Widersprüche nicht mehr auftreten, könnte zwar theoretisch existieren, ist aber, wie der vorliegende Aufsatz darlegen wird, alles andere als wahrscheinlich.

Im Folgenden werden in zwangloser Reihenfolge Betrachtungen angestellt, die auf die erwähnten Widersprüche nicht Bezug nehmen, dennoch aber Gottes Plausibilität untergraben. Außerdem werden einige Argumente entkräftet, die häufig zugunsten Gottes ins Treffen geführt werden.

Zur Unwiderlegbarkeit Gottes

Wenn Theisten mit Atheisten diskutieren, hört man von ersteren immer wieder das Argument, daß man Gott nicht widerlegen kann. Wenn man die erwähnten Widersprüche – die sich ja durch entsprechende Änderungen in seinen Eigenschaften auch vermeiden lassen – außer Acht läßt, dann stimmt das auch, denn ein solcherart bereinigter Gott ist tatsächlich nicht streng widerlegbar. Es könnte ihn also auch geben.

Denen, die so argumentieren, fällt üblicherweise jedoch selbst nicht auf, wie erbärmlich schwach ihr Argument ist. Nicht widerlegbar zu sein, ist nämlich überhaupt nichts Besonderes.

Zeus und Poseidon, Rübezahl und Schneewittchen, der Osterhase und der Weihnachtsmann sowie das Spaghetti-Monster sind alle nicht streng widerlegbar, was ihre Existenz aber nicht viel plausibler macht. Unwiderlegbare Phantasie-Objekte kann sich jeder mühelos in beliebiger Anzahl ausdenken.

Aus diesem Grund gilt die Regel, daß die Beweislast bei Existenz-Behauptungen grundsätzlich bei denjenigen liegt, die diese Behauptung aufstellen, und nicht bei jenen, die keinen Grund sehen, sie für wahr zu halten. Somit kann man die Gottes-Behauptung so lange ignorieren, bis plausible Gründe vorgebracht werden, warum es Gott geben sollte.

Damit ist der Atheismus aber kein "Glaube, daß es Gott nicht gibt", wie oft fälschlich behauptet wird, sondern die standardmäßige Null-Hypothese. Bis sich an der Argumentationslage zugunsten Gottes etwas ändert, gibt es also keinen Grund, seine Existenz zu vermuten oder in irgendeinem Zusammenhang zu berücksichtigen.

Gott ist aber nicht nur nicht widerlegbar, was, wie gesagt, eine banale Eigenschaft ist, sondern er ist auch nicht widerlegungsfähig – und das ist ein gravierender Fehler der Gottes-Idee.

Die ist nämlich so beschaffen, daß kein Ereignis oder Sachverhalt denkbar wäre, aus dem man, falls es Gott wirklich nicht gibt, seine Nichtexistenz folgern könnte.

Was auch immer wir beobachten, was auch immer die Wissenschaft an neuen Erkenntnissen gewinnt – immer kann man sagen: "Das ist so, weil Gott das so geschaffen hat". Alles kann man auf diese Weise mit Gott in Einklang bringen oder wie manche Menschen sagen würden "erklären". Doch was alles "erklärt", erklärt nichts. Die Erklärungskraft Gottes für die Welt ist genau null.

Gott ist eben eine nicht-falsifizierbare Annahme. Eine solche darf in der Wissenschaft nicht gemacht werden, weshalb dort auch der so genannte "methodische Atheismus" gilt: Egal wie gläubig ein Wissenschaftler auch privat als Mensch sein mag, er dürfte dennoch niemals eine Theorie aufstellen, in der Gott vorkommt, denn die stünde damit automatisch außerhalb dessen, was man Wissenschaft nennt.

Für Philosophie und Alltag gilt dieser methodische Atheismus zwar nicht, aber auch hier ist nicht einzusehen, welchen Sinn eine solche Gottes-Annahme haben könnte. Es lassen sich aus ihr ja keinerlei brauchbaren Informationen ableiten. Sie wäre nur eine mutwillige Komplikation des Weltbildes aus irrationalen Gründen – und somit verzichtbar.

Das Ergebnis eines Denkfehlers: Der Schöpfer-Gott

Für viele naive Menschen ist der Gedanke naheliegend, ja zwingend, daß alles, was existiert und was ihnen schön oder zweckgerichtet erscheint, von irgendeinem lebenden Wesen geschaffen wurde.

Von selbst entsteht so etwas ja nicht. Man kann die Atome, aus denen eine Uhr besteht, noch so lange in einer Box schütteln, es wird nie eine Uhr daraus. Die kann es nur geben, wenn ein Uhrmacher sie mit Verstand und Geschick herstellt. Philosophisch formuliert: Alles Komplexe braucht einen noch komplexeren Urheber, der es geschaffen hat.

Für die Uhr trifft das natürlich auch zu, nur ist die eben ein sehr schlechter Vergleich für das, was wir in der Natur vorfinden: Sonne, Mond und Sterne, die Erde mit Gebirgen und Meeren, Tiere, Pflanzen und schließlich den Menschen.

Auch diese Dinge entstehen natürlich nicht aus Zufall, wohl aber durch das kombinierte Wirken des Zufalls und der Naturgesetze. Wie das im einzelnen vonstatten geht, das zu erforschen ist Aufgabe der Wissenschaft, die dabei bisher schon sehr große Erfolge erzielt hat. Vieles ist freilich auch heute noch nicht oder nicht genau geklärt, aber es besteht keinerlei Anlaß daran zu zweifeln, daß Zufall und Gesetzmäßigkeit auch die Erklärung für alles das sind, was wir erst in Zukunft verstehen werden.

Demgegenüber ist der Schluß auf einen Schöpfer-Gott, der das alles gemacht hat, nicht nur unnötig, sondern auch mit einem Denkfehler behaftet. Wäre es nämlich wahr, daß alles Komplexe eines noch komplexeren Schöpfers bedarf (so wie der Uhrmacher ja viel komplexer ist als die von ihm gefertigte Uhr), dann müßte das ja für Gott auch gelten. Wenn schon die uns vertrauten Dinge nicht von selbst entstehen können, weil sie dafür zu großartig sind, so wäre das von dem noch viel großartigeren Gott erst recht nicht anzunehmen. Welcher Über-Schöpfer hat also Gott geschaffen?

Nimmt man einen solchen an, dann müßte auch der wiederum das Geschöpf eines Über-Über-Schöpfers sein und so weiter ad infinitum. Da diese Kette nicht abreißt und es somit keinen höchsten gibt, ist auch derjenige nicht darunter, den die christliche Theologie Gott nennt.

Auf den käme man nur, wenn man diese Kette abreißen läßt und sagt: "Alles muß geschaffen worden sein und wurde auch geschaffen und zwar von Gott. Gott aber wurde nicht geschaffen, der ist eine Ausnahme von der Regel und war immer schon da." Damit aber wird zugegeben, daß die Regel nicht streng gilt und somit auch keine sicheren Schlußfolgerungen erlaubt. Statt Gott könnte ja beispielsweise auch die Welt schon immer ungeschaffen vorhanden gewesen sein. Wo man die Kette abreißen läßt, ist ja beliebig.

Die Regel, wonach alles von einem Schöpfer stammen muß, führt also zu einer unendlichen Kette von Personen, die alle nicht Gott sind. Um den postulieren zu können, muß man diese Regel im Verlauf der Argumentation wieder zurücknehmen, wodurch sie aber hinfällig wird. Als Argument für Gott ist sie somit völlig ungeeignet.

Der überflüssige Jenseits-Gott

Die Frage, ob der Mensch eine unsterbliche Seele hat, die seinen körperlichen Tod überlebt, oder nicht, wird nicht nur seit Jahrtausenden von Philosophen erörtert, sondern wohl auch von jedem Menschen im Laufe seines Lebens bisweilen nachdenklich erwogen. Es ist eine Frage, die viele beschäftigt und die kaum jemand unerheblich findet, egal welche Antwort darauf er für die richtige hält. Hinge die Antwort vom Willen des Menschen ab, so würden sicherlich die meisten zugunsten des Weiterlebens optieren. Aus diesem Grund werden Religionen, die genau das versprechen, von ihren Anhängern durchwegs als tröstlich empfunden.

Welche der beiden logisch möglichen Antworten die richtige ist, soll hier keiner Klärung nähergebracht werden. Das ist ein anderes Thema. Hier geht es allein um die Rolle, die Gott dabei spielt.

Streng genommen gibt es allerdings keinen Grund, warum er dabei überhaupt irgendeine Rolle spielen sollte, denn die Jenseits-Frage ist von der Gottes-Frage logisch völlig unabhängig. Alle vier Kombinationen sind denkbar: Gott und Jenseits, weder Gott noch Jenseits, Gott aber kein Jenseits und Jenseits aber kein Gott.

Damit ist das Thema aber noch nicht abgehakt, denn Menschen, die an Gott glauben, weil sie an ein Jenseits glauben wollen, das sie sich ohne Gott nicht vorstellen können, sind alles andere als selten. Was bringt sie zu dieser Einstellung?

Ein wichtiger Punkt ist sicherlich, daß etliche bedeutende Religionen (wie etwa die christliche) beides lehren. Wer keinen Grund sieht oder außerstande ist, da zu differenzieren, nimmt einfach die im Kombi-Pack angebotene weltanschauliche Ware aus dem religiösen Supermarkt-Regal und konsumiert sie ohne sich viele Gedanken zu machen. Bei echten Gläubigen macht das auch keinen Unterschied, denn die würden auch beides separat kaufen zusammen mit allem anderen, was auf dem für ihre Konfession bestimmten Regal steht.

Zum Problem wird das erst, wenn atheistische Argumente beginnen, Einfluß auf einen Theisten zu nehmen. Nach und nach wird ihm immer klarer, daß Gott überaus unwahrscheinlich ist und es keinen vernünftigen Grund gibt, an seiner Existenz festzuhalten. Aber die Angst, damit auch das Jenseits zu verlieren und beim Tod einfach ausgelöscht zu werden, führt zu einer Denk-Blockade.

Solche Menschen sagen dann beispielsweise am Ende einer Diskussion, wohl wissend, daß sie keine Argumente mehr haben: "Laß mir meinen Glauben an Gott, mir graut vor der Alternative". Dabei geht es in Wirklichkeit fast immer um das Jenseits und nicht um Gott, dessen Verlust man viel leichter verschmerzen könnte, weil er, mag es ihn nun geben oder nicht, ganz offensichtlich ohnedies nicht in Erscheinung tritt.

Würde den Menschen allen klar, daß der Atheismus über die Jenseits-Frage überhaupt keine Aussage macht, dann gäbe es wohl viel mehr Atheisten.

 Die "Gottlosigkeit"

Das Wort "gottlos" ist von seiner Denotation her eigentlich ein ganz neutraler Ausdruck. Es besagt soviel wie "nicht mit Gott im Zusammenhang stehend". Jede Formel aus Mathematik, Physik oder Chemie beispielsweise ist gottlos, denn Gott kommt in ihr nicht vor.

Allerdings hat dieses Wort "gottlos" auch eine Konnotation. Für viele Menschen (auch solche, die gar nicht an Gott glauben) ist es gleichbedeutend mit bösartig, unmoralisch, verwerflich oder ähnlichem. Um das zu bewerkstelligen, haben die Religionen lange und erfolgreich Propaganda und Verleumdung betrieben.

Sachlich ist diese Konnotation nämlich überhaupt nicht berechtigt. Auch wenn bezüglich mancher Details keine Einigkeit darüber besteht, was genau alles gut oder böse ist, gibt es doch im großen und ganzen einen sehr weitgehenden Konsens zwischen den meisten Menschen. Und dabei zeigt sich, daß das Wissen, ob jemand Theist oder Atheist ist, keinerlei Vorhersage darüber erlaubt, in welchem Ausmaß sein Handeln von seinen Mitmenschen als gut oder böse einzustufen wäre.

Das kann auch nicht verwundern. Die menschliche Moral ist – wenn man von zufallsbedingter statistischer Streuung absieht – primär biologisch und kulturell bedingt. Viele religiöse Verhaltens-Gebote sind deshalb gar keine zusätzlichen, sondern bloß solche, die es auch ohne diese Religion gäbe. Zusätzlich ist nur ihre religiöse Begründung.

Daß Gott im alten Testament beispielsweise das Stehlen verboten hat, kümmerte alle jene Kulturen, die davon gar nichts wußten, nicht im Mindesten. Trotzdem galt das Stehlen auch in diesen durchwegs als unmoralisch.

All die Greuel, die im Laufe der Geschichte im Namen irgendeines Gottes begangen wurden, brauchen hier gar nicht erwähnt zu werden. Auch wenn es die nie gegeben hätte, wäre die Behauptung, daß der Mensch einen Gott braucht um sich moralisch zu verhalten, eine pure Anmaßung.

Der beste Job – leider schon vergeben

Menschen und Tiere haben ein mühsames und oft unerfreuliches Dasein. Sie müssen immer wieder leiden und schließlich sogar sterben.

Für Gott trifft das nicht zu. Ihn kann weder Leid noch Tod treffen und zudem hat er noch Eigenschaften, die so großartig sind, daß wir Menschen sie uns kaum vorstellen können. Er weiß und kann so viel, daß Theologen gerne die Wörter "Allmacht" und "Allwissenheit" verwenden. Auch sein moralischer Leumund ist makellos und alle Wesen auf der Welt sind von ihm geschaffen worden und müssen ihm dafür dankbar sein.

Wahrlich, Gott zu sein ist ein höchst erstrebenswerter Umstand, der aber keinem außer diesem einen zuteil wird. Dazu kommt noch, daß Gott diese grandiose Position schon seit Ewigkeit innehat. Niemand hat ihm dazu verholfen, deshalb schuldet er auch keinem Dank dafür. Er braucht sie auch mit niemandem zu teilen. Er allein ist der absolut Höchste und unvergleichlich großartig.

Wenn man das alles bedenkt, so drängt sich allerdings die Frage auf, was Gott denn geleistet hat, um sich all das zu verdienen. Die Antwort ist klar: Er hat nichts dafür geleistet und konnte auch nichts dafür leisten, da er ja immer schon Gott war.

Andere Wesen hingegen können sich noch so sehr mühen und plagen, sie haben dennoch nicht die mindeste Chance, an Stelle des gegenwärtigen Inhabers diese Gottes-Position zu übernehmen oder auch nur eine gleichwertige Funktion neben ihm zu erhalten. Das ist für alle Ewigkeit ausgeschlossen.

Zwar deutet nichts darauf hin, daß es Gott tatsächlich gibt, aber eines ist klar: Gäbe es ihn, dann wäre das die größte nur vorstellbare Ungerechtigkeit. 

 

 

 

 

 




Göttliche Hilfe für Polen


MariaAus einer Kath.net-Meldung vom 30.4.2020: "Während der schwierigen Zeit der Corona-Epidemie wird der Präsident der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Gądecki, am 3. Mai in Jasna Góra Polen dem Allerheiligsten Herzen Jesu und der Heiligen Jungfrau Maria, Königin von Polen, anvertrauen."

Na, da kann unsereiner schon am 2.5. mittags gespannt sein, wie rasch die Gottesmutter und ihr Sohn Polen von der Corona-Pandemie erlösen werden! Momentan ist die Lage in Polen so: 13.105 Infizierte, 651 Verstorbene, 774 Genesene. Für Österreich schauen jetzt die Zahlen so aus: 15.470 Infizierte, 589 Tote und 13.092 wieder Genesene. Haben da die österreichischen Bischöfe auch was gemacht? Vielleicht heimlich und undercover die göttliche Mutter und ihren Sohn um rasche Genesungshilfe und Bremse bei den Todesfällen gebeten?

Polen hat gut viermal so viele Einwohner wie Österreich, aber deutlich weniger Infizierte. Oder ist Polen ein Spätstarter? Der erste Krankheitsfall wurde dort am 4.3. festgestellt, den ersten Todesfall gab es am 12.3., in Österreich waren das der 26. Februar und ebenfalls der 12.3. – in Polen waren es 22 Tage vom ersten Kranken bis zur Überschreitung der Tausendergrenze und 50 Tage bis zum Tag mit über 10.000 Infizierten, in Österreich waren es 21 und 35 Tage, Polen hat also eine vergleichsweise verzögerte Verbreitungsrate. Was wohl auch mit dem geringeren polnischen Bruttoinlandsprodukt (pro Kopf 30% von Österreich) zusammenhängt, es also wohl deutlich weniger Mobilität gibt.

In den ersten 30 Tagen hat in Polen die tägliche Zuwachsrate im Schnitt 120 Personen betroffen, in Österreich waren es fast 360, die zweiten 30 Tage brachten in Polen 335 Personen, in Österreich nur noch etwas über 130. Es kommt also offenbar sehr deutlich auch auf die jeweiligen lokalen Verhältnisse an, auch die Ermittlung der Erkrankten wird auf verschiedene Art ablaufen und daher darf daran gezweifelt werden, dass die offiziellen Länderzahlen jeweils direkt vergleichbar sind…

Aber das nur nebenbei, Polen wird ja jetzt bischöflich dank der eingeleiteten Gotteskomplizenschaft gerettet werden! Oder vielleicht doch nicht?

 




Die Heldenreise verrät die Satire


Jesus(Von Dr. Andreas E. Kilian, Gastautor). Die meisten Filme und Romane dieser Welt basieren auf einem gemeinsamen Story-Muster: der Heldenreise. Es ist dieser dramaturgisch festgelegter Handlungsstrang mit seinen Archetypen, der Geschichten spannend und einprägsam macht. Es gilt aber auch: wo er gefunden wird, kann davon ausgegangen werden, dass Ereignisse literarisch überarbeitet wurden, um maximale Wirkung zu erreichen. Ein solches Story-Muster findet sich auch in den Evangelien.

                         

Eine Heldenreise beinhaltet immer einen Lernprozess, an dem der Protagonist wachsen muss, bis er seine eigentliche Aufgabe bewältigen kann. Dieser Lernprozess gliedert sich laut Joseph Campbell [99] in typische Handlungsabschnitte, die zwar nicht alle in der Reise vorkommen müssen, jedoch eine definierte Reihenfolge befolgen sollten, um eine größtmögliche Spannung für den Leser aufzubauen. Neben diesem typischen Handlungsstrang zählen für James N. Frey [01] auch die archetypischen Charaktere zu einer einer solchen Erzählung, damit sie zum Mythos werden kann.

 

Die Etappen der Heldenreise

 

Die Reise beginnt Zuhause, wo eine Katastrophe den Protagonisten zum Handeln zwingt. Mit den Ratschlägen und Hilfen seiner Freunde oder Mentoren ausgerüstet versucht sich der Protagonist ein erstes Mal an der Herausforderung und scheitert. Dieses Scheitern ermöglicht den Lernprozess. Nachdem der Protagonist nun auch vom anderen Geschlecht erneut ins Rennen geworfen wird, kann er aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen seine Aufgabe erfüllen und den „Schatz“ vom Gegner in Besitz nehmen. Mit dieser positiven Erfahrung wird er zu einem neuen Menschen, zum eigentlichen Helden, der diese Erfahrung für sich und seine Freunde in einem neuen Leben etabliert. Die Reise-Etappen im Einzelnen:

Ausgangslage: Laut Campbell beginnt die Story in einer friedlichen Umwelt, in die eine Katastrophe hereinbricht. In den Evangelien beginnt die Not mit Herodes dem Großen, der von den Römern als König über die Juden eingesetzt wurde. Der Kindermörder treibt die Familie von Jesus aus ihrem Idyll zunächst ins Exil nach Ägypten [Mt 2,12-16]. Vor seinem ältesten Sohn Archelaos flieht die Familie dann nach Nazareth [Mt 2,22]. Johannes der Täufer hat noch Ärger mit dem zweiten Sohn, Herodes Antipas [Mt 3,1-6; Mt 11,1-15; Mt 14,1-12].

Ruf: Aufgrund dieser „Schreckensherrschaft“ der Herodianer erfolgt der Ruf an den Protagonisten, sich seiner Aufgabe zu stellen. Jesus erhält diesen, indem er nicht nur von Johannes dem Täufer als etwas Besonderes erkannt wird. Auch der Geist Gottes eilt als Taube auf ihn hernieder und zugleich fühlt sich Jesus durch eine „Stimme“ zum Sohn Gottes und „Retter“ der Welt erkoren [Mt 3,14-17].

Verweigerung: Doch laut Story-Muster darf der Held diese Berufung nicht sofort annehmen, sondern muss dramaturgisch zögern, sein bisheriges Leben, seine Komfortzone und all seine Sicherheiten aufzugeben. So wird Jesus nicht nur vom „Teufel“ in Versuchung geführt [Mt 4,1-11], sondern zieht sich nach der Verhaftung von dem Täufer zunächst nach Galiläa an den See Genezareth zurück [Mt 4,12].

Hilfe: In dieser Story-Etappe am See trifft er dann unerwartet auf Mitstreiter und Mentoren, die ihm helfen seine Berufung anzunehmen. Jesus begegnet seinen ersten Jüngern [Mt 4,18-22], die ihn in seiner neuen Rolle als „beauftragter Retter“ bestätigen.

Überschreiten der Schwelle: Mit diesen Mitstreitern überwindet er sein Zögern [Mt 4,23-25] und beginnt seine eigentliche Heldenreise [Mt 5]. Jesus beginnt zu predigen, vollbringt erste Taten und sammelt auf seiner Wanderung Anhänger.

Überforderung: Um die Spannung weiterhin zu erhöhen, muss Jesus nun – laut Story-Muster – mit wachsenden Problemen kämpfen [Mt 5 -9] und sich des vollen Ausmaßes seiner Aufgabe bewusst werden. Er muss an den Massen von Hilfsbedürftigen scheitern, um den ersten Lernerfolg zu erzielen. Alleine kann er nicht Herr der Situation werden. Daher beruft Jesus Apostel ein, die ihm helfen sollen, mit seiner Mission fertigt zu werden [Mt 10].

Prüfungen: Mit diesen Gefährten muss er sich nun neuen Aufgaben und Problemen widmen, die für ihn weitere Prüfungen darstellen. Jesus erlebt Städte, die sich nicht zu ihm bekennen wollen [Mt 11,20], Dispute mit Pharisäern [Mt 12,1-45], die Hinrichtung von Johannes dem Täufer [Mt 14,1-12], die Speisung der fünf- bzw. der viertausend Menschen [Mt 14,13-21; Mt 15,29-39], das Laufen über den See [Mt 14,22-36] sowie unzählige Heilungen und Dämonenaustreibungen. Wo er Fragen nicht beantworten kann, greift er auf Gleichnisse zurück, die bis heute nicht zu verstehen sind, da es sich um philosophische Taschenspielertricks handelt.

Begegnung mit der Göttin: Gemäß der Heldenreise erfolgt nach dem Scheitern und der Lösung der ersten Probleme die Konfrontation mit der gegengeschlechtlichen Macht. Ein echter Held sollte sich für die gesamte Gruppe einsetzen und daher auch dem anderen Geschlecht zeigen, dass er dessen Interessen verstehen und berücksichtigen kann. Im Matthäus-Evangelium begegnet Jesus daher der kanaanäischen Frau, die er als Jude zunächst nicht heilen will. Erst als sie sich mit Hunden gleichsetzt, ist Jesus bereit ihr zur helfen [Mt 15,21-28]. Im Markus-Evangelium muss sich eine Syrophönizierin mit Hunden vergleichen lassen [Mk 7,24-3]. Auch im Lukas-Evangelium benutzt Jesus das andere Geschlecht nur, um sich selbst zu erhöhen und darzustellen. Er hat keine Ahnung, was die Sünderin, die ihm die Füße wäscht, von ihm will. Doch er benutzt ein Gleichnis, um davon abzulenken, lobt ihre vollkommene Unterwerfung und vergibt ihr großzügig einfach alle Sünden [Lk 7,36-50]. Im Johannes-Evangelium verlangt er von einer Samaritanerin reales Trinkwasser und möchte im Gegenzug mit „Wasser des Lebens“ bezahlen. Als sich die Frau nicht auf diesen unrealistischen Quatsch einlassen will, beleidigt er sie als Flittchen, indem er ihr ihre Beziehungen vorwirft. Neben dieser indirekten Drohung weissagt er ihr, dass sie ihn noch anbeten wird [Joh 4,7-26]. Sie gibt ihm kein Wasser, sondern lässt ihn einfach stehen. Einer Ehebrecherin rettet er zwar das Leben, weil er nicht vor den Pharisäern richten will. Aber versucht er überhaupt zu verstehen, was diese Frau zum Ehebruch trieb [Joh 8,3-11]? Setzt er sich mit der Rolle der Frau wirklich auseinander?

Versuchung durch eine Frau: Hat der Protagonist diese Prüfungen für das tägliche Leben durch Frauen bestanden, so sollte er als Letztes der Versuchung durch Erotik widerstehen. Der Held darf sich erst fortpflanzen, wenn er sich durch die Bewältigung seiner großen Aufgabe als würdig erwiesen hat. Doch die Aussicht auf das Vergnügen gibt es schon vorher. Eine Frau wirft sich Jesus zu Füßen, säubert und salbt seine Füße mit kostbarstem Öl und trocknet sie anschließend mit ihren Haaren [Mt 26,6-13; Mk 14,3-9; Lk 7,36-50; Joh 12,3]. Ob es sich hierbei um echte Zuneigung, Unterwerfung oder Kalkül handelt, ist der Geschichte nicht zu entnehmen. Doch Jesus freut sich, denn durch diese Geste eines weiblichen Untertans wird er erst zum Christus („den Gesalbten“) erhoben. Nun kann seine eigentliche große Aufgabe beginnen!

Versöhnung mit den Vorfahren und Nachfahren: Die Beschäftigung mit dem anderen Geschlecht führt dazu, dass sich der Protagonist seiner genealogischen Kette bewusst wird. Kurz vor dem Höhepunkt seiner eigentlichen Aufgabe sollte er sich mit seinen Vorfahren versöhnen, an seine Nachfahren denken und zudem einsehen, dass sein größter Gegner in Wahrheit er selbst ist. Jesus erwähnt aber weder seinen leiblichen Vater noch seinen Ziehvater Joseph mit einem einzigen Wort. Selbst seine Mutter und Geschwister streitet er als Familie ab [Mt 12,46-50]. Er sieht sich in der Tradition des Propheten Elija [Mt 17,10] und als Kind Gottes [Mt 17,5]. Auch an eigene Kinder denkt er nicht. Stattdessen ernennt er Simon zum Nachfolger [Mt 16,18-19]. Allerdings erst, nachdem dieser ihn als „Messias“ bezeichnete [Mt 16,13-17]. Durch diese Symbolik wird deutlich, dass Jesus etwas Neues ohne Ahnen gründet. Der mythisch notwendige innere Kampf wird durch die drei Leidensankündigungen dargestellt, in denen Jesus sich bewusst wird, dass seine Ernennung zum König auch seinen Tod bedeuten kann [Mt 16,21; Mt 17,22-23; Mt 20,18-19].

Apotheose: Im Märchen erkennt der Heros, dass er königliches Blut in sich trägt. Im Mythos wird ihm bewusst, dass er göttliches Potenzial besitzt. Jesus lässt sich von seinen Jüngern auf einem Berg – gemäß jüdischem Ritual – zum König ausrufen [Mt 17,1-4] und verweist dabei auf seinen Vater „Gott“ [Mt 17,5]. „Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ihr König werde – bringt sie her und macht sie vor meinen Augen nieder!“ [Lk 19,27 EÜ], ist der sehnlichste Wunsch desjenigen, der sich für den „Sohn“ Gottes hält, als er kurz vor dem Höhepunkt seiner Macht steht. Jetzt muss das einfache Volk ihm nur noch folgen.

Endgültige Segnung und Höhepunkt: Im dramaturgischen Höhepunkt des Mythos sollte der Protagonist den eigentlichen Schatz – welcher die Welt, aus der er aufgebrochen ist, retten könnte – erhalten oder rauben. Psychologisch gesehen möchte Jesus die Bedrohung, der er als Kind durch die Herodianer ausgesetzt war, beseitigen. Doch Jesus will nicht nur der höchste Hohepriester im Tempel und Chef-Interpret der Thora sein. Er will auch als neuer König vom Volk in Jerusalem akzeptiert und gefeiert werden. Wenn alles nur so laufen würde, wie er es wollte, dann würde die Erde zu einem besseren, friedlicheren Ort. Die Lehre hierzu predigt er ja schon. Doch nach einem etwas bescheidenen Einmarsch in Jerusalem [Lk 19,28-40], einer missglückten Tempelreinigung [Lk 19,43-48] und einer schwachen Vollmachtfrage gegen die Priester [Lk 20,2-8] feiert er nicht nur allein mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl [Lk 22,7-23], er wird auch noch von einem Jünger verraten [Lk 22,1-6] und von seinem Nachfolger verleugnet [Lk 22,56-60].

Weigerung zur Rückkehr: Wie im Story-Muster vorgesehen, weigert sich auch Jesus nach dem dramaturgischen Höhepunkt in die Realität des Alltags zurück zu kehren. Er ist auf ganzer Linie gescheitert, will es aber noch nicht einsehen. Daher befiehlt er seinen Jüngern ihre Mäntel gegen Schwerter zu tauschen [Lk 22,36]. Ein kurzer Kampf, im dem ein Ohr abgeschlagen wird [Lk 22,49-50], und seine Verhaftung sind die logischen Folgen seiner Realitätsferne. Aber selbst als er bei den Hohepriestern, bei Herodes und bei Pilatus die Chance erhält sich zu verteidigen, schweigt er [Lk 23,8-12].

Magische Flucht: Laut Mythos müsste nun die sogenannte magische Flucht des Helden – sei es durch innere Beweggründe oder durch äußeren Zwang – stattfinden. Doch der Held Jesu wird weder gerettet noch kann er sich selber retten. Seine Flucht geht am Kreuz in die Fantasie [Mt 27,46 ;Mk 15,34; Joh 19,30]. Sein „Volk“, seine Jünger fliehen Hals über Kopf und verstecken sich, bis er begraben ist [Mt 26,56]. Dennoch erfüllt sich der nächste Punkt der Heldenreise:

Rettung von außen: Durch eine meist längst vergessene empathische Tat an einem „niederen Wesen“ hat sich der Held im Mythos einen Freund geschaffen, der nun in letzter Sekunde die Rettung als Deus ex machina bringt. Dieses „niedere Wesen“ ist in den Evangelien eine Maria aus Magdala, die Nachts über den Friedhof läuft und ein leeres Grab sieht [Joh 20,1]. Es folgt eine wilde Verwechslungskomödie, in der die Frauen die Jünger, die am Grab erscheinen, für „Engel“, „Herrn“ und „Auferstandene“ halten [Mt 28,1-10; Mk 16,1-8; Lk 24,1-12, Joh 20,1-18]. Nicht der Held, wohl aber der Mythos der „Auferstehung“ überlebt.

Rückkehr über die Schwelle: Wo im Mythos der Held die Schwelle zurück in die Alltagswelt überschreitet und sich den Zweifeln und Fragen seiner Mitbürger stellen muss, treten in den Evangelien die selbsternannten Nachfolger Jesu [Mk 16,12; Joh 21,12] als „Auferstandene“ auf und müssen sich den Fragen der übrigen Jünger stellen. Ein Held muss bei seiner Rückkehr beweisen, dass er etwas errungen hat, und die Jünger wollen die Wundmale sowie ihren Meister als „Sieger“ sehen [Mt 28,17; Mk 16,14; Lk 24,38-43; Joh 20,24-27]. Nur eine „Himmelfahrt“ rettet die Nacheiferer.

Herr der zwei Welten und Sieg über die Ausgangskatastrophe: Der Held vereint im Mythos sein neu gefundenes Innenleben, seine neue Psyche, sein neues Ich mit den Anforderungen des alltäglichen Lebens. Indem er seine Gruppe an seinen Erfahrungen und Errungenschaften aus der Heldenreise teilhaben lässt, verändert er seine alte Umwelt und schenkt allen eine neue Freiheit. Was hat der selbsternannte Hohepriester-König Jesus seinen Jüngern als „Schatz“ hinterlassen?

 

Die Archetypen und Charaktere im Mythos

 

In Romanen werden Figuren durch ihr auffälliges Verhalten, ihren Sprachstil, durch besondere Attributionen und durch einen ganz individuellen Spleen charakterisiert, damit sie Charisma annehmen und unverwechselbar werden. In den Evangelien dienen neben den Verhaltens-Archetypen insbesondere die Namen dazu, mehr über den Charakter der Romanfiguren zu verraten.

Der Held: Der Protagonist und Held heißt Jesus bzw. Jesuos. Eine Bezeichnung, die sich vom hebräischen Wort Yeschua, der Retter, ableitet. Besser kann man so eine Aufgabe und Funktion im Mythos nicht beschreiben. Es sei denn, es ist eine Satire. Messias kann der Held nicht genannt werden, denn diese Bezeichnung steht nur Israeliten zu, die von Hohepriestern zu Königsanwärtern gesalbt wurden. Der Heros ist aber Galiläer – konvertierter Ureinwohner – und wurde nur von einer Frau an den Füßen gesalbt, weshalb er sich mit dem griechischen Begriff Christos für den Mit-Öl-Gestriegelten zufrieden geben muss.

Die Weggefährten: Die Weggefährten des Helden heißen Petrus (Petro: Leithammel, Bock), Zelotes (Aufständischer), Alphäus (Deserteur), Kananäus (Aufständischer), Boanerges (Donnersohn), Iskarius (Sikarius: Messerstecher) sowie Barjona (barjonim: Aufständische). Die Vornamen Johannes, Simon und Lazarus (Eleazar) weisen auf die Rebellenführer des jüdischen Aufstandes der Jahre von 66 bis 73 hin [Flavius DBJ-B6-K9; B7K2; B7K8].

Der Mentor: Es sind Simon Petrus (Petro: alter Bock) und Andreas (Andria: junges Mädchen), die Jesus zuerst folgen [Mt 4,18], ihn als Chef bestätigen und auch zum König machen [Mt 17,1-4]. Doch als Simon Petrus zum Nachfolger ernannt wurde [Mt 16,18] verrät er seinen Herrn [Mt 26,69-75] und lässt sich von den Frauen anbeten. Der einstige Mentor hat Jesus nur benutzt, um selber Chef zu werden.

Der Verräter: Der Name Judas Iskariot erinnert an die jüdische Sekte des Judas. Die Sikarier wollten keine weltlichen Herrscher über sich anerkennen und waren für ihre Messer-Attentate gefürchtet [Flavius DBJ-B2K8]. Judas erfüllt mit diesem charakteristischen Namen die Rolle des Verräters, der den Königsanwärter zu Fall bringt.

Der Narr: Der Herr muss seinen Jüngern alles mehrmals erklären und immer neue Gleichnisse liefern [Mt 13,13], doch sie verstehen einfach nicht [Mt 15,16]. Er beleidigt sie fortwährend [Mt16,8] während sie nur ans Schlafen denken [Mt 26,40-46]. Es geht zu, wie bei Laurel und Hardy.

Der Zweifler: Didymos Judas Thomas ist der Zweifler. Didymos heißt Zwilling und der eine bekommt nicht immer mit, was der andere sagt und tut.

Die Mutter, die Geliebte: Die klassischen Rollen der Mutter und der Geliebten sind im Mythos leicht zu identifizieren. Idealer Weise wird die Mutter zur Jungfrau stilisiert, die Geliebte zur absolut treuen Untergebenen. Ihre Namen sind einprägsam. Samaria ist im Aramäischen das „Weideland“, Maria heißt übersetzt „Kuh“. Dies ist nicht zu verwechseln mit den hebräischen Namen Mariam oder Mariamne.

Der unparteiische Richter: Ob es ein römisches Geschlecht der Pontier (Brücke) gegeben hat, ist  nicht erwiesen. Der Name Pilatus (Speerträger) ist jedoch historisch überliefert und dient dazu, die Geschichte der Evangelien zeitlich zuzuordnen. Es war sein Regierungsstil aus Laissez-faire und überzogener Bestrafung, die zum Unmut in Judäa beitrug und für die er sich als Präfekt von Judäa beim Kaiser verantworten musste. In den Evangelien lässt er das Volk, wie ein Kaiser in der Arena, über das Leben von zwei Gladiatoren entscheiden und wäscht seine Hände als Unparteiischer in Unschuld. Ihm ist es egal, wer sich König der Juden nennen darf, solange er als Präfekt herrscht.

Der Böse: Was im Roman der Antagonist ist, ist im Mythos der Böse. Pharisäer, Sadduzäer und Hohepriester ringen mit dem Romanhelden daher nicht nur um die Interpretationshoheit der Gesetze und der Thora. Sie ringen auch um den Einfluss beim Volk und die Herrschaft über dieses. Die Autoren trennen scharf zwischen aufständischen, monarchistischen Christen und Kaiser- und Republik-treuen Juden, die mit dem drohenden Aufstand der Galiläer und Samaritaner nichts zu tun haben wollen. Der jüdisch-römische Historiker des 1. Jahrhunderts, Flavius Josephus, zählt daher die Christen nicht zu den jüdischen Sekten [Flavius DBJ-B2K8]. Er sieht sie als eigenständiges Volk, welches von Jesus gegründet wurde [Flavius AJ-B18K3-3].

 

Verschwörungstheorie?

 

Die Nicht-Existenz einer historischen Person kann wissenschaftlich nicht bewiesen werden. Es kann ein historisch realer Guru als Vorbild für die Autoren existiert haben. Die Geschichte, die die Autoren über ihn erzählen, ist jedoch dermaßen überarbeitet, dass die Evangelien nicht als Aussagen einfacher Zeitzeugen gelten können. Die Frage ist nur, wer schrieb diese Satire und mit welcher Absicht.

Die Original-Texte der Evangelien sind in Altgriechisch geschrieben und richten sich daher an die gebildete hellenistische Bevölkerung sowie an jüdische Hohepriester. Die unzähligen Zitate aus der Thora belegen, dass profunde Kenner der jüdischen Theologie am Werk waren. Die Wortspiele mit Namen, die auf Hebräisch, Aramäisch, Alt-Griechisch und Latein unterschiedliche Bedeutungen haben, belegen, dass hier mehrsprachige Autoren schrieben. Zudem wussten die Schreiber einerseits, was beim einfachen Publikum ankam und konnten Geschichten in Form von Mythen erzählen. Andererseits bauten sie mit den Namen und der Situationskomik Logicals für intelligente Menschen ein, die über die einfachen abergläubischen Galiläer lachen sollten. Dies spricht für Profis, die Erfahrung mit Volk und Aristokratie hatten. Zudem mussten die Verantwortlichen sehr gute Kontakte zu Kaiser und Senat haben, damit sie Texte mit solch sozialen Sprengstoff publizieren konnten.

Welche mit den Römern befreundete jüdische Priesterfamilie hätte ein Interesse daran gehabt, dass diese Interpretationen der Vorkriegszeit nach dem judäischen Aufstand publik wurden? Die politische Perspektive, wie sie in den Evangelien dargestellt wird, könnten die Hasmonäer vertreten haben. Sie wurden als Hohepriester-Könige einst von den Herodianern abgesetzt, wollten wieder an die Macht und kooperierten im judäischen Aufstand mit den Flaviern, um die Galiläer wieder zu unterwerfen. Sie mussten als Israeliten die hellenistische Bevölkerung davon überzeugen, dass nicht das Tempeljudentum, sondern die neue Sekte der Christen für die Aufstände in Judäa verantwortlich war. Es mussten zudem Freunde des Kaisers sein, die ihre Treue bereits durch die offizielle Kriegschronik sowie die Geschichte des Judentums unter Beweis gestellt hatte und daher weiterhin publizieren durften.

Was hätte ihnen diese Sektengründung genutzt? Da der Tempel in Jerusalem zerstört worden war und die Hasmonäer den pharisäischen Juden als Überläufer und Verräter galten, waren sie als Hohepriester arbeitslos. Die Christen hätten als Sekte mit ihrem Zehnten die Kriegsausfälle sowie einen eventuellen neuen Tempel bezahlen dürfen. Zudem hätten sie die aufständischen Galiläer als auch die hinzukommenden hellenistischen Bevölkerungsanteile des römischen Reiches als Religionsführer für/gegen die Flavier lenken können. Dass die römischen Herrscher die Aufgabe dieser Sekte von Möchtegern-Aufständischen verstanden, zeigen sowohl die Christenverfolgungen, die die notwendigen Märtyrer-Vorbilder schufen, als auch die ausbleibenden Verhaftungen von Päpsten im Rom. Es waren die Neo-Flavier, die das Christentum später sogar zur Staatsreligion erhoben.

 

 

Literatur

 

Flavius Josephus: De Bello Judaico. Übersetzt: Der jüdische Krieg und kleinere Schriften. Marix-Verlag, Wiesbaden 2005.

 

Flavius Josephus: Antiquitates Judaicae. Übersetzt: Jüdische Altertümer. Marix-Verlag, Wiesbaden 2011.

 

James N. Frey: THE KEY. Die Kraft des Mythos. Wie verdammt gute Romane noch besser werden. Emons, Köln 2001.

 

Joseph Campbell: Der Heros in tausend Gestalten. Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1999.

 




Recht, Gerechtigkeit und Logik


Justitia_1660_blk_19329_zoom_10x10_72

Nur ganz kurz …

Jemanden für etwas zu bestrafen oder auch nur anzufeinden, das andere in seine Worte hineininterpretiert haben ohne dass er es gesagt oder geschrieben hätte, bedeutet, ihn für etwas zu bestrafen oder anzufeinden das andere getan haben.

Feindet man jemanden für das an, was man in dessen Worte lediglich hineininterpretiert, so feindet man sich selbst an — denn es sind ja die eigenen Gedanken, nicht die des anderen.

.

.

.

_____
Beitragsbild:
Justitia (Ausschnitt; bearbeitet)
Autor: Deval Kulshrestha
commons.wikimedia.org/wiki/File:1660_blk_19329_zoom.png


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Nachösterlicher Shitstorm: Reaktionen auf einen humanistischen Leserbrief


Shitstorm (Von Dennis Riehle, Gastautor). Ich bin überrascht darüber, wie viele Menschen in unserer Region auch weiterhin den „Südkurier“ lesen, obwohl dem Heimatblatt ja manches Mal vorgeworfen wird, er zeige sich in mancher Berichterstattung etwas einseitig und teils voreingenommen – was zum Slogan der „Unabhängigen Tageszeitung in Baden-Württemberg“ nicht immer so recht passen will. Und trotz manches Vorwurfs an die Presse, sie lasse sich ab und an vor den Karren der Stadtverwaltung spannen, ist die Aufmerksamkeit trotz des allgemeinen Rückgangs an Abonnentenzahlen bei nahezu allen gedruckten Blättern für den „Südkurier“ weiterhin sehr groß. Beispielhaft zeigt sich das auch an den Leserbriefspalten, in welchen die Bevölkerung ihre Gedanken, ihre Empörung und ihre Ratschläge mitteilt. Auch ich gehöre zu den regelmäßigen Autoren von Leserzuschriften und erhalte je nach Thema im Anschluss an die Veröffentlichung zumeist eine geringe einstellige Zahl an Rückmeldungen aus der Leserschaft. Doch was ich dieses Mal erlebte, sprengte die bisherigen Dimensionen bei weitem.

 

Worum ging es? Ich hatte im Blick auf die „Corona-Krise“ eine Lesermeinung verfasst, die dezidiert darauf ausgerichtet war, das Osterfest nicht allein als christlichen Feiertag zu verstehen, sondern es auch für diejenigen nahbar zu machen, die nicht (mehr) an einen Gott glauben. Verbunden mit dem momentanen „Shutdown“ ergab sich ein Text, mithilfe dessen ich eigentlich versuchen wollte, den Diskurs zwischen Christen und Glaubensfernen zu fördern. Doch diese Absicht ging offenbar nach hinten los: In einer bislang nie dagewesenen Welle an unterschiedlichsten Zuschriften fühlte ich mich im ersten Moment einem wahren „Shitstorm“ ausgesetzt, den man ansonsten eigentlich eher aus den sozialen Medien kennt. Auch wenn ich es gewohnt bin, in meinem Briefkasten regelmäßige Beleidigungen und Verachtung für meine politisch linke, religiös konfessionsfreie Weltanschauung aufzufinden, hatte es sich dieses Mal doch gelohnt, einen Blick ins Postfach zu werfen: Rund zwei Dutzend Briefe und Mails waren eingegangen, die sich allesamt auf die Publikation im „Südkurier“ bezogen.

 

Der Leserbrief sei an dieser nochmals wiedergegeben:

 

Was machen eigentlich konfessionsfreie Menschen am „Hasenfest“? Diesmal sind es nicht nur die Religionsfernen, die keinerlei Grund zu feiern haben. Auch Christen werden in diesem Jahr aufgrund der „Corona-Krise“ zumindest im Blick auf den Gottesdienstbesuch zur Abstinenz angehalten. Wir alle erleben dieser Tage allerdings ein wirkliches Osterwunder, das uns ganz unabhängig von jedem Bekenntnis beeindruckt: Selten zuvor hat die Welt derart den Atem angehalten, wie es nun in Zeiten der Pandemie nötig wird. Und trotz dieser augenscheinlichen Lähmung des öffentlichen Lebens wird das sichtbar, was unsere Gesellschaft, unser Land und unsere gesamte Zivilisation ausmacht: Es sind humanistische Werte, für die es weder Kreuz noch Auferstehung bedarf. Es sind Solidarität, Verantwortung und Respekt, die gerade jetzt so eindrücklich gelebt werden. Wir alle spüren, dass unser Dasein nicht nur von Glücksmomenten geprägt ist. Die Tiefen des Alltags werden uns im Augenblick schmerzlich bewusst. Wozu musste also jener auf Golgatha sterben, wenn wir doch selbst um die Täler der Tränen wissen? Zuversicht und Hoffnung erwachsen aus dem Wissen, dass wir in den entscheidenden Momenten auf unsere Nächsten bauen können. Zusammenhalt und Mitmenschlichkeit sind die tragenden Säulen unseres Miteinanders, nicht Sündenvergebung und Sühnetod. Es ist die Krankenschwester am Intensivbett des Infizierten, die endlich mehr Lohn bekommen sollte. Es ist der Postbote mit all den Paketen unter dem Arm, der Überstunden schiebt. Und es ist der Restaurantbesitzer ohne jegliche Einnahmen, der flexibel auf Lieferservice umstellt. Nicht Jesus Christus braucht unsere Aufmerksamkeit, sondern die Helden des Frühlings 2020, die uns so bescheiden daran erinnern, worauf es wirklich ankommt: Zeigen wir uns dankbar über die weltliche Verbundenheit der Völker in Momenten größter Not und das irdische Einstehen füreinander in Epochen des Umbruchs, anstatt auf ein jenseitiges Zeichen zu warten. Wenn es einen liebenden Gott gäbe, würden wir nicht leiden.

 

Zweifelsohne waren unter den Zuschriften auch konstruktive Hinweise, mit denen ich mich gerne auseinandersetze. An dieser Stelle will ich aber die Gelegenheit nutzen, aus einigen – zumeist handschriftlich verfassten und nicht selten vor grammatikalischen und Rechtschreibfehlern (die ich hier gerne 1:1 wiedergeben will) strotzenden – Anwürfen zitieren, die mich zum Schmunzeln bringen, mich teils aber auch Kopf schüttelnd und verwundert zurücklassen. Auf welches Niveau sind wir in unserem Land gesunken, wenn wir nur noch  mit Beschimpfungen und vulgären Schlammschlachten Diskussionen führen können? Ich habe mir vorgenommen, auf jede sachliche Kritik einzugehen. Dummheit dagegen braucht keine Antwort meinerseits zu erwarten.

 

„Sie Kirchenhasser, sie sollte man schnellst Möglich exkommunizieren!“

 

„Wie können Sie sich nur so versündigen? Der Herr Jesus Christus hat auch Ihnen gedient! Und Sie treten sein Antlitz mit Füßen!“

 

„Das ist die typische Meinung des linken Mobs, der versucht unser Land zu entweihen.“

 

„***eiß Atheisten! Hoffentlich holt euch corona!“

 

„Ich dachte Sie waren mal gläubig. Wie kann man dann nur derart über den HERRN herziehen?“

 

Die weitere Interpretation dieser Auswahl an Sprüchen überlasse ich gerne jedem einzelnen Leser. Nur so viel: Ich vertrete auch weiterhin ein humanistisches Weltbild, indem es mir auf den einzelnen Menschen ankommt, dessen Freiheit für mich das höchste Gut darstellt – auch die Religionsfreiheit. Mir liegt es daher fern, mich über einen Glauben lustig zu machen, dem ich selbst über knapp drei Jahrzehnte anhing und ihn nicht selten mit tiefer Inbrunst gelebt habe. Doch gleichsam erwarte ich auch, dass meiner heutigen Überzeugung mit Respekt begegnet wird. Wenn unser Alltag nur noch darin besteht, eine historische Persönlichkeit – die Jesus auch nach meiner Ansicht war – so sehr zu huldigen wie manch ein Absender der bei mir eingelangten Zeilen, dann wird klar, wie sehr religiöser Fanatismus verblenden kann. Für mich steht fest: Wir sollten unsere Kraft dazu investieren, gerade auch in Zeiten der Pandemie auf uns und auf unseren Nachbarn aufzupassen. Denn im Moment rettet uns kein Heiland, sondern ausschließlich ein wirksames Medikament oder ein baldiger Impfstoff. Egal, ob wir „Corona“ nun verschwörungstheoretisch als „Prüfung“ oder eben doch als handfeste Herausforderung durch einen wissenschaftlich nachweisbaren Virus ansehen – wir lernen gerade, wie wichtig es ist, einander beizustehen. Offenbar hat uns dieser dreieinige Gott ziemlich allein zurückgelassen, wie auch seinen „Sohn“ am Kreuz. Insofern ist es zumindest legitim, mit Bestimmtheit zu hinterfragen, ob wir ihm noch vertrauen können. Meine Meinung dazu ist eindeutig – und Ihre?  

 

Dennis Riehle

Martin-Schleyer-Str. 27

78465 Konstanz




Ramadan — Zeit der Heuchelei ?


Speisewunder_soft_72dpi

_____ Religiöse Werte _____

In vielen Religionen gibt es eine Fastenzeit, die der Besinnung auf religiöse Werte dienen soll. Allerdings sind wir Menschen nicht immer ganz perfekt, und so kann es vorkommen, dass Religionen manchmal ein wenig — menschlich, allzu menschlich — zweckentfremdet werden und von Heuchelei zu reden nicht ganz abwegig erscheint. Wir Menschen neigen nunmal dazu, unser Fehlverhalten zu rationalisieren, um uns wenigstens uns selbst gegenüber den Anschein von Lauterkeit zu verleihen.

In einem Beitrag zum Ramadan des Jahres 2017 in der FAZ schreibt Aylin Güler am 2. Juni 2017 im zweiten Absatz:

Aber auch moralische Sünden, wie Beleidigungen und Lügen dürfen in dieser Zeit nicht begangen werden.

 

Ah, nicht in dieser Zeit … Aber wie schaut es außerhalb dieser Zeit aus? Ist es dann erlaubt? Wir erfahren es leider nicht.

Aylin Güler fährt fort:

Wann findet Ramadan statt?

2017 dauert der Ramadan vom 27. Mai bis zum Ramadanfest am 24. Juni. Muslime, die in Skandinavien am Polarkreis leben, wo im Sommer die Sonne praktisch nie untergeht, halten sich an die Zeiten im saudi-arabischen Mekka oder der Türkei.

 

Dass der Ramadan für Muslime in der Nähe des Polarkreises in manchen Jahren zu einem existenziellen Problem werden kann, konnte man bereits in einem Aufsatz erfahren, der im Jahr 2006 erschienen ist. Dort ist im Kapitel 3 [Die fünf (eigentlich sechs) Säulen des Islams] in Unterpunkt 4. [Das Fasten während des Ramadans — Saum] zu lesen:

Der Ramadan kann in jede Jahreszeit fallen, da der islamische Kalender nicht dem neuzeitlichen, logischen Sonnenjahr folgt, sondern dem Mondjahr. Wie sich der Ramadan für einen Moslem gestaltet, der z.B. in Island oder auf Spitzbergen im Norden von Norwegen lebt, oder der z.B. als Wissenschaftler in der Antarktis tätig ist, sollte von islamischen Gelehrten erklärt werden; denn wenn der Ramadan in die Zeit des Sommers der Nordhalbkugel fällt, ist es dort mehrere Wochen lang „Tag“. Die Sonne geht dort dann nicht unter, und ein Moslem, ob Isländer, Norweger, Same, Türke, Araber oder Deutscher  … kann dort über diesen Zeitraum bei natürlichem Licht jederzeit „einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden“. Dann aber kann das Fasten während des Ramadans z.B. in Island oder auf Spitzbergen oder anderswo im Hohen Norden oder Süden für Muslime zu einem existenziellen Problem werden.

Warum sich Muslime, die "am Polarkreis" leben, gemäß der Beschreibung von Aylin Güler (FAZ) während des Ramadans "an die Zeiten im saudi-arabischen Mekka oder der Türkei" halten, wird leider nicht näher erläutert. Warum gilt dies nicht auch für Muslime, die z.B. nördlich oder südlich des 47sten Breitengrades leben? Ihnen könnte doch viel Ungemach erspart bleiben!

 

Müssen alle Muslime fasten?

Im Koran steht zum Ramadan geschrieben:

Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten) – Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, daß Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein. [2:185]

 

Hat man im FAZ-Beitrag von Aylin Güler oben erfahren, dass sich "die 29- oder 30-tägige Fastenzeit immer um zehn bis elf Tage pro Jahr" [wegen des Jahreslaufs der Erde um die Sonne] verschiebt (siehe Screenshot 2: "Wann findet Ramadan statt?"), der Ramadan also über einen Zeitraum von mehr als einer Dekade durch das ganze Jahr wandert, so heißt es im Koran ([2:185]), dass der Koran im Ramadan — also während einer nur 29- oder 30-tägigen Periode — herabgesandt worden sei. Die medinesische Sure 2 "Die Kuh" (Al-Baqara) ist chronologisch die Nummer 91, also geraume Zeit vor Abschluss der 23-jährigen Entstehungszeit des Korans entstanden. Stimmig erscheint mir dies nicht.

Nachdenklich macht es, dass zur Teilnahme am Fasten während des Ramadans nur angehalten wird, wer "von euch in dem Monat zugegen ist" [2:185]. "Zugegen" wo? In Saudi-Arabien, in Mekka, in Medina, in oder auch außerhalb einer Moschee — oder auch woanders? Und was ist zu erwarten, falls jemand — entgegen dem Schlusssatz aus [2:185] ("Vielleicht werdet ihr dankbar sein.") — nicht dankbar ist?

Alles in allem erweckt die Geschichte rund um den Ramadan bei mir den Eindruck, dass sie unausgegoren ist.

+ + +

P.S.: Im Koran ist an 15 Stellen vom Nachdenken die Rede, recht eindringlich in der mekkanischen Sure "An-Nahl" (Die Bienen) in diesem Vers …

(Wir entsandten sie) mit den deutlichen Zeichen und mit den Büchern; und zu dir haben Wir die Ermahnung herabgesandt, auf daß du den Menschen erklärest, was ihnen herabgesandt wurde, und auf daß sie nachdenken mögen. [16:44]

… sowie in der medinesischen Sure "Muhammad" (Mohammed) in Vers 24:

Wollen sie also nicht über den Qur’an nachdenken, oder ist es (so), daß ihre Herzen verschlossen sind? [47:24]

Ich wollte es nicht unversucht lassen …

 

Den vollständigen Beitrag von Aylin Güler mit dem Titel "Wie erkläre ich’s meinem Kind? Was Muslime im Ramadan machen" finden Sie hier.

_____
Beitragsbild:
Das Speisewunder. Aus der Prophetenbiographie Siyer-i Nebi, Osmanisches Reich, 1388, illustriert Ende des 16. Jahrhunderts.


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Altruismus und Nationalismus


Jeremy_Bentham_by_Henry_William_Pickersgill_detailDulce et decorum est pro patria mori*

Evolutionäre Humanisten betonen gern, dass Empathie und Altruismus genetische Wurzeln haben, da sich vergleichbare Handlungsweisen auch bei den uns so nahestehenden Bonobos und Schimpansen, aber auch bei sehr viel weiter entfernten Spezies feststellen lassen. Doch worauf bezieht sich das nun genau? Und in welchen Fällen, in welchem Umfang werden sie tatsächlich wirksam? In welchem Zusammenhang stehen denn Eigenliebe und Nächstenliebe? „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ist die  inzwischen zum Kitsch degenerierte Christus-Formel. Das „Linke Backe – Rechte Backe“ –Syndrom ist die wohl niemals wirklich umgesetzte Forderung, da sie auch allen Erfahrungswerten widerspricht.

Ist Altruismus, den ich auf Deutsch wohl am besten mit „Selbstlosigkeit“ wiedergebe, tatsächlich genetisch inhärent, und wenn ja, wie äußert er sich im menschlichen Umgang?

Ist nicht in Wahrheit der Egoismus („Selbstsucht“) die wahre genetische Triebfeder mit den entsprechenden selektiven Vorteilen? Ist also mit anderen Worten die so genannte Gruppenselektion eine schöne Fata Morgana?

Ich setze einmal voraus, dass unter den Lesern dieser Zeilen „The Selfish Gene“ von Richard Dawkins (geschrieben vor über 30 Jahren als sein Erstlingswerk) wenigstens in groben Zügen bekannt ist. Darauf in aller Breite einzugehen würde den Ansatz dieses Artikels sprengen.

Werfen wir einen kurzen Blick zu den Schimpansen, deren Verhaltensweisen so liebevoll und akkurat von Jane Goodall beschrieben worden sind. Wie bei wohl allen Arten steht auch hier der individuelle Überlebenswille eindeutig im Vordergrund: Fressen, Überleben und sich Reproduzieren. Diese Motive sind also eindeutig egoistisch – selbstsüchtig. Dabei spielt auch die vielzitierte „Arterhaltung“ beim Individuum nicht die geringste Rolle mangels Überblick.

Doch dann lässt sich eben auch beobachten, dass Futter geteilt wird und dass den Älteren und Schwächeren in der Gruppe  geholfen wird. Wie passt das zusammen? Die Basis ist auch hier wohl eher egoistisch. Wenn ich ein Übermaß an Futter habe, gebe ich etwas ab, denn ich könnte auch einmal einen Mangel haben und möchte, dass mir dann ein anderes Gruppenmitglied aushilft. Schimpansen wissen auch, dass sie selber einmal krank oder verletzt sein können. Also helfen sie Kranken und Verletzten. Das ist logisch und naturgegeben, aber es bleibt weit hinter den idealistischen Vorstellungen eines Jeremy Bentham von Altruismus zurück (Bild: Jeremy Bentham, by Henry William Pickersgill, Wikimedia Commons).

Wir dürfen festhalten, dass es Selbstlosigkeit um der Selbstlosigkeit willen bei den verwandten Spezies nicht wirklich gibt. Sie ist und bleibt Ausfluss des Egoismus – und ist zudem immer ausschließlich auf die Kleingruppe beschränkt. Kommen Gefährdungen durch andere benachbarte Gruppen ins Spiel, ist von Altruismus nichts mehr zu spüren: da gibt es nur noch gnadenlosen Kampf, Mord ist kein Tabu mehr.

Wagen wir einen vielleicht unvermittelt anmutenden Sprung in unsere moderne Gesellschaft. Wie sieht es dort mit Altruismus und Empathie aus? Den meisten dürften schon die Begriffe unbekannt oder nichtssagend sein. Ersetzt werden sie durch die so genannte und überstrapazierte „christliche Nächstenliebe“ und (in sozialpolitischen Zusammenhängen) durch „Solidarität“. Lassen wir die religiöse Begrifflichkeit der Selbstaufopferung gegen „Gotteslohn“ einmal außen vor, so bleibt als Novum der jüngeren Geschichte (seit Bismarck) die generationenübergreifende Solidarität im Gesundheits- und Rentenwesen (neuerdings auch in der Altenpflege). Das „do ut des“-Prinzip (gib, damit gegeben wird) der Schimpansen feiert Urständ! Aber es findet sich jetzt auf einer komplett anderen Ebene wieder. Der Geber kennt den Nehmer nicht mehr – er weiß nicht mehr (zumindest emotional), für wen er etwas opfert. Altruismus ist zur abstrakten Größe verkommen, eine Position auf dem Lohnzettel, die eher als Ärgernis zur Kenntnis genommen wird.

Es besteht übrigens an dieser Stelle immer noch der Irrglaube, Ansprüche ergäben sich daraus, dass man jahrelang eingezahlt habe, so als ob es sich um ein Ansparkonto handelte. Das wird bei der Rente immer wieder ganz deutlich: „Ich habe doch vierzig Jahre lang eingezahlt!“. Das verkennt, dass Rente von der jüngeren Generation an die ältere direkt erarbeitet wird, und eben nur dieser Betrag auch verteilt werden kann (trotz aller staatlichen Zuschüsse). Andere Formen der Zusatzfinanzierung haben sich (Stichwort Riester) als zumindest unzulänglich erwiesen. Von einem direkten Scheitern mag ich nicht reden. Besser sind immer diejenigen dran (wie die Selbständigen), die vorausschauend Vorsorge getroffen haben. Aber diese Haltung ist bei Lohnempfängern (einmal abgesehen von den tatsächlichen Möglichkeiten) eher unpopulär. „Der Staat muss was tun!“

Und damit sind wir beim nächsten Knackpunkt: „Der Staat“. Was in der kleinen Gruppe (Familie, Sippe) noch überschaubar war, degeneriert nun zur „Nation“. Ich spreche bewusst von degenerieren und nicht etwa von erweitern, was ja naheliegend wäre unter normalen Umständen. Nation wird eben längst nicht mehr von allen als Solidargemeinschaft der im Staatsgebiet wohnenden Personen wahrgenommen, sondern es werden Ausgrenzungen innerhalb dieser Gruppe vorgenommen. Ausländer (vor allem Muslime) werden als Fremdkörper gesehen, die sich durch unser Sozialsystem schmarotzen. Die muss man vertreiben, ausmerzen (töten?). Zurück in die Vergangenheit! Vor 100 Jahren hat man es bedenkenlos getan. Wer den „Franzmann“ erschlug im Schützengraben vor Ypern war ein Held des Vaterlandes, wer dabei ums Leben kam ein Held, der sich für das Vaterland geopfert hat.

Sind das wirklich die Kriterien, nach denen wir heute leben wollen? Wenn Solidarität schon so weit über die Familie und Sippe hinausweist, warum dann künstliche Schranken einbauen, nur weil andere eine andere Sprache sprechen oder an andere Götter glauben? Mir erscheint das schizophren (in der üblichen, nicht medizinischen Interpretation des Wortes).

Wir Europäer hatten in den letzten 60 Jahren zumindest die Hoffnung, dass dieses unselige Erbe endgültig der Vergangenheit angehört, müssen aber zu unserem Erschrecken feststellen, dass die Vergangenheit so virulent ist wie lange nicht mehr. Es wird aber deutlich – und da hat die Evolutionsbiologie Recht, dass stets der Egoismus das einzige Motivans ist. Ein kultureller Altruismus ist uns jedenfalls – außer bei Humanisten – bisher nicht gelungen und die Evolution gibt herzlich wenig dafür her. Wir vergessen dabei unsere klassischen Wurzeln. Der Hedonismus im Sinne eines Epikur (nicht in der Verballhornung eines angeblichen Kaufrausches und der Verschwendungssucht) sollte zum Wohle aller wieder in den Vordergrund treten. Doch was erleben wir? Hass und Hetze auf die „Ausgegrenzten“, auf diejenigen, die einen anderen Teint haben – Ausgeburt einer Lügenkultur, die leider in der Geschichte nicht ohne Vorbild ist. Wir müssen uns wehren! Ein nationalstaatlicher Chauvinismus muss endgültig der Vergangenheit angehören. Er lässt sich auch kaum durch einen europäischen Hurra-Patriotismus ersetzen. Den kann und wird es nie geben. Fehlt dadurch irgendjemandem irgendetwas? Einigen offenbar. Ohne hier näher auf die Programme der Rechten einzugehen, lässt sich wohl  generell feststellen, dass das Motto ein allgemeines „Vorwärts in die Vergangenheit“ ist, eine Vergangenheit, die aufgeklärte Menschen bereits überwunden glaubten.

„Pulse of Europe“ setzt sich – wie wohl alle Humanisten – dafür ein, dass es nie wieder zu Auseinandersetzungen im gemeinsamen Haus Europa kommen wird. Unterstützen wir sie! Europa ist unsere Heimat. Die einzige, die wir derzeit haben, in all ihrer Vielfalt – lebenswert.

 

  • Süß und ehrenhaft ist es, für das Vaterland zu sterben

Dr. Frank Berghaus, Tunis




Nicht Hand, noch Fuß


Hand und FussWort zum Sonntag, den 19.4.2020

Jh 20,19-31: Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten. Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

Jetzt in der Osterzeit ist meistens der Evangelist Johannes dran, weil der hat seine Texte erst Jahrzehnte nach dem Jesus geschrieben und diese sind darum dem Status als Messias & Gottessohn viel besser angepasst. Der Johannes ist keine Quelle, sondern eine Folge der Christenlehre. Was sich ja deutlich aus dem obigen Text ergibt, der ungläubige Thomas darf den Jesus sehen und wird gläubig. Warum sich der Jesus nur hinter verschlossner Tür einigen Jüngern zeigte, lag klarerweise daran, dass sich ein toter Jesus ja niemandem zeigen konnte, aber das Auferstehungsgerücht zur Weiterexistenz der Jesussekte benötigt wurde.

Aber das nur nebenbei. Was meint der Herr Bischof Schönborn in seiner Predigt auf seiner Homepage und in der Kronenzeitung dazu? Er titelt die Predigt mit "Der Glaube will begreifen". Der Jesus ließ sich aber nur von dem engsten Kreis seiner Anhänger begreifen, dort hatte man schließlich die Sage von der Auferstehung erfunden, das große Pech für die Menschheit war es dann, dass die Christenlehre im Jahre 380 zwangsweise zur römischen Staatsreligion gemacht und die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung der Menschheit länger als 1000 Jahre durch das finstere christliche Mittelalter unterbrochen wurde, praktisch schloss sich danach die Neuzeit direkt an das Altertum an.

Aber wir sind nun in neuen Zeiten, die Religion hat weitgehend an praktischer Bedeutung verloren – wie sich auch jetzt in der Zeit des Coronavirus deutlich zeigt: die deswegen ausgefallenen Sonntagsmessen gingen z.B. in der BRD laut Meinungsumfrage nur 12 Prozent der Befragten ab!

Womit befasst sich der Schönborn heute, gehen wir gleich zu seinem Resümee: "Als der alte Apostel Johannes sein Evangelium niederschrieb, dachte er an all die späteren Generationen, die nicht mehr Augenzeugen Jesu sind. Für sie, also für uns, hat Johannes einige Zeichen aufgeschrieben, die deutlich machen, 'dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes'. Sie sollen uns helfen, das zu glauben, 'damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen'. Thomas hat also nicht Unrecht, klare Zeichen zu fordern, um glauben zu können. Genügen uns die 'Beweise', die vor 2000 Jahren geschehen sind und die sehr glaubwürdig in den Evangelien berichtet werden? Der Evangelist Johannes gibt einen wichtigen Hinweis: Jesus habe noch viele andere Zeichen gewirkt, die man gar nicht alle im einem Buch aufschreiben könnte. Ich verstehe das so: Jesus wirkt bis heute viele Zeichen, die zeigen, dass er lebt und bei uns ist. Gewiss, beweisen wird man das nicht können. Aber an ihn und seine Auferstehung zu glauben, das hat wirklich Hand und Fuß."

Hallelujah, der Herr Bischof sieht heute einmal klar! Die biblischen Sagen lassen sich nicht beweisen! Man muss an den Jesus und seine Auferstehung glauben, dann hat die christliche Religion Hand und Fuß. Und wer nicht an Jesus und seine Auferstehung glaubt, dem kann das Ganze von Herzen wurscht sein.

Graben wir dazu Umfragen zu Glaubensinhalten aus:
Schon 2012 ergab eine Umfrage zu den Glaubenssätzen, dass nur noch 30 % an die Auferstehung von Jesus Christus glaubten:

Und 2018 waren es nur noch 20 %:

Der Herr Kardinal & Erzbischof von Wien kann sich also drauf verlassen, sein Glaube an Jesus und seine Auferstehung hat in der Bevölkerung wirklich kaum noch Hand und Fuß.

Und laut Apostel Paulus ist der Christenglaube ohne Auferstehungsglaube zwecklos, er schrieb im 1. Korinther-Brief im Kapitel 15, Vers 12-14: "Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten? Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich."

Der Glaube ist vergeblich! So ist es!




Wenig Nachfrage nach Gottesdiensten


GottesdienstDas berichtete in der BRD die katholische "Tagespost" am 16.4.2020, nur zwölf Prozent der Deutschen seien der Meinung, dass Vor-Ort-Gottesdienste auch während der Corona-Krise erlaubt sein sollten, weil sie zur Grundversorgung gehörten, 70 Prozent halten es nicht für notwendig. Bei den katholischen Befragten waren 15 % für öffentliche Gottesdienste und 69 % dagegen, bei den Protestanten waren es 13 % und 71 %.

Es wurde auch nach den Parteiausrichtungen gefragt, die höchste Pro-Quote brachten die AfD-Wähler mit 19 %, CDU/CSU-Wähler und die Wähler von SPD und FDP waren zu 12 % für öffentliche Gottesdienste, bei den Grünen waren es nur 7 %.

Die 12 % Pro-Stimmen zeigen die deutsche Realität, denn es sind knapp 40 % der Leute konfessionslos, nur rund 53 % gehören den beiden großen christlichen Kirchen an, der sonntägliche Kirchbesuch liegt bei den Katholiken unter 10 %, bei den Protestanten unter 3 %. Was heißt, dass Sonntagsgottesdienste eigentlich 90 % der Bewohner egal sein können und das passt gut zu diesen 12 % Progottesdienstlern…

Der Säkularismus ist eben längst eine Lebensrealität, das zeigt auch der Corona-Virus auf!

 




Das Geheimnis des Glaubens


Christus(Von Dr. Andreas E. Kilian, Gastautor). Nach offizieller Deutung der christlichen Kirchen ist eine Person namens Jesus Christus am Karfreitag gestorben und am dritten Tag leiblich von den Toten auferstanden. Wer sich dem Neuen Testament allerdings unvoreingenommen nähert, entdeckt in den „Zeugenaussagen“ jedoch eine ganz andere Geschichte.

 

Ostern ist das höchste Fest der Christenheit und nach apostolischem Glaubensbekenntnis kann nur Christ sein, wer an die leibliche Auferstehung von Jesus Christus glaubt. Doch dies ist nicht nur nach den Gesetzen der Thermodynamik ausgeschlossen, sondern steht auch so gar nicht in den Zeugenaussagen der Evangelisten. Hier findet sich eine ganz andere Geschichte, die sogar im Widerspruch zur Kernaussage des Christentums steht.

 

Die Zeugenaussagen laut Evangelien

 

Im Matthäus-Evangelium [Mt 28,1-10] kommen zwei Frauen – eine Maria aus Magdala und eine weitere Frau – am Morgen nach dem Sabbat zum Grab, um nach ihrem Herrn zu sehen. Ein Wesen – ganz in Weiß gekleidet – sitzt auf einem Stein vor einem Grab. Die beiden Frauen haben Angst, doch der „Engel“ weiß bereits, was sie wollen. Er erklärt ihnen, dass der Gesuchte auferweckt worden sei und sie den anderen Jüngern Bescheid sagen sollen, dass er nach Galiläa vorausgegangen sei. Als sie in die Stadt eilen, steht jedoch ein „Jesus“ plötzlich vor ihnen. Sie fallen vor ihm nieder, beten ihn an und berühren seine Füße.

 

Im Markus-Evangelium [Mk 16,1-8] ist der Sabbat vorüber, als drei Frauen – eine Maria aus Magdala, eine Maria, Mutter des Jakobus, und Salome – wohlriechende Öle kaufen, um den Toten zu salben. Während sie sich noch fragen, wer ihnen hilft, den Stein vor dem Grab wegzurollen, finden sie ein leeres Grab und gehen hinein. Dort sehen sie eine Person ganz in Weiß gekleidet, die ihnen erklärt, dass der Gesuchte auferstanden und nach Galiläa voraus gegangen sei. Dies sollen sie auch den Jüngern ausrichten. Doch die drei Frauen geraten in Panik und sagen niemandem etwas.

 

Laut Lukas-Evangelium [Lk 24,1-12] gehen mehrere Frauen früh am Morgen des ersten Tages der Woche mit Salbölen zum Friedhof. Da der Verschlusstein bereits weggerollt ist, betreten sie ein leeres Grab, finden jedoch keine Leiche vor. Während sie ratlos vor dem Grab stehen, treten zwei Männer in strahlend weißen Kleidern zu ihnen. Sie blicken verängstigt nach unten, als die Männer ihnen erklären, dass der Gesuchte auferstanden sei. Sie sollen den Jüngern Bescheid sagen. Weiterhin wird im Lukas-Evangelium hervorgehoben, dass es Maria aus Magdala, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus, sowie alle anderen Frauen waren, die dies den Aposteln erklärt hätten. Doch die Apostel halten dies für leeres Geschwätz und glauben ihnen nicht. Nur Petrus geht zum Grab, beugt sich hinein, entdeckt dort Leinenbinden und staunt.

 

Gemäß dem Johannes-Evangelium [Joh 20,1-18] läuft eine Frau – eine Maria aus Magdala – sehr früh morgens am ersten Tag der Woche über den Friedhof. Sie sieht im Dunklen lediglich, dass der Verschlussstein von einem Grab bereits weggerollt ist und rennt zu den Jüngern, um ihnen dies mitzuteilen. Petrus und der Jünger, den Jesus liebte, eilen daraufhin zum Grab. Beide Jünger laufen gleichzeitig los, doch der geliebte Jünger läuft schneller als Petrus und kommt zuerst am Grab an. Doch er geht nicht in das Grab hinein. Dann kommt auch ein Simon Petrus hinter her und geht in das Grab. Und dann erst folgt auch der andere Jünger, welcher zuerst am Ort war, in das Grab.

Eine Maria steht währenddessen weinend vor dem Grab. Als sie sich in das Grab beugt, sieht sie dort zwei Männer in weißen Kleidern sitzen. Nach einer kurzen Erklärung der beiden „Engel“ dreht sie sich um und sieht vor dem Grab auf einmal jemanden stehen. Dieser Herr kennt sie beim Namen und sie nennt ihn auf hebräisch Rabbuni (hebr., mein Herr). Daraufhin entgegnet er ihr, dass sie ihn nicht anfassen soll. Den Jüngern erzählt sie anschließend, dass sie den Herrn gesehen hätte.

 

Für Christen sind diese vier Zeugenaussagen die Beweise, dass „Jesus“ von den Toten auferstanden sei. Da sich Zeugenaussagen immer widersprechen, seien gerade die logischen Ungereimtheiten der Beweis, dass es sich um echte Zeugenaussagen handeln müsse. Doch es gibt eine alternative Interpretation der Ereignisse, in der die scheinbaren Widersprüche durch eine neue, logisch plausible Schachtelung aufgehoben werden können.

 

Die alternative Interpretation

 

Joseph Atwill löste diese Denksportaufgabe in seinem Buch Ceasar´s Messiah, in dem er die Geschichten zunächst in die richtige zeitliche Reihenfolge brachte. Im Novum Testamentum Graece (NA28) – dem theologischen Standardwerk für das altgriechische Original – steht im Johannes-Evangelium „πρωῒ σκοτίας ἔτι οὔσης“ („frühmorgens der Dunkelheit noch seiend“) [Joh 20,1 NA]. Bei Matthäus heißt es „τῇ ἐπιφωσκούσῃ“ („Morgendämmerung“) [Mt 28,1 NA]. Bei Markus lautet die Textstelle „καὶ λίαν πρωῒ … ἀνατείλαντος τοῦ ἡλίου“ („Und sehr früh morgens … bei aufgehender Sonne“) [Mk 16,2 NA] und bei Lukas heißt es dann „ὄρθρου βαθέως“ („sehr frühen morgens“) [Lk 24,1 NA]. Dementsprechend heißt es dann in der lateinischen Version der Biblia Sacra Vulgata noch „tenebrae“ („dunkel“) [Joh 20,1 BSV], „lucescit in primam“ („das erste Licht hinter dem Horizont“) [Mt 28,1 BSV], „orto iam sole“ („die Sonne gerade über den Horizont getreten“ [Mk 16,2 BSV] sowie „valde diluculo“ („im hellen Tageslicht“) [Lk 24,1 BSV].

Zusätzlich geht Atwill davon aus, dass es mehr als eine Maria aus dem Dorf Magdala gibt, die mit ihren jeweiligen Freundinnen zum Friedhof eilen. Dort treffen sie nacheinander auf die Jünger, die sich unterschiedlich schnell zum Grab aufmachten.

Die chronologisch richtige Reihenfolge beginnt also mit dem ersten Abschnitt im Johannes-Evangelium. In diesem ist es noch dunkel, als eine Maria an irgendeinem leeren Grab vorbeikommt. Sie läuft

schnell weiter, um es den anderen Jüngern zu melden. Als diese erste Maria den Jüngern davon berichtet, beginnt das eigentliche Logical. Drei Jünger gehen los, aber der Lieblingsjünger – Johannes – ist schneller als erwähnter Petrus [Joh 20,3-4]. Doch auch ein Simon Petrus folgt als Dritter und ist nicht Letzter [Joh 20,6]. Folglich ist kurze Zeit später zunächst ein junger Mann in weiß gekleidet an einem Grab anzutreffen, der auf die beiden anderen Jünger wartet und es sich währenddessen auf einem umgeworfenen Grabstein vor der Kammer bequem macht [Joh 20,5].

Diesen ersten Mann treffen nun jene Maria und ihre Begleiterin, die laut Matthäus-Evangelium [Mt 28,2] noch kurz vor Sonnenaufgang am Grab erscheinen. Im ersten Licht des Tages strahlt Johannes wie ein Engel und natürlich weiß er bereits, was die Frauen suchen. Er schickt die Beiden zu den anderen Jüngern, um zu melden, dass der „Herr“ nicht im Grab sei. Die Frauen laufen los und treffen nun unterwegs auf den zweiten Jünger, Simon Petrus, der langsamer lief und dem anderen daher kurze Zeit später folgte. Diesen zweiten Läufer halten sie nun im ersten Licht für „Jesus“ und werfen sich vor ihm nieder, ohne genau hinzusehen. Dieser „Jesus“ bzw. Jünger lässt sich von den Frauen an den Füßen anfassen [Mt 28,9]. Nach diesem erotischen Intermezzo geht der zweite Jünger weiter zum Friedhof. Allerdings nicht, ohne die Frauen zu den anderen Jüngern zu schicken, die ebenfalls zum Grab kommen sollen [Mt 28,10].

Laut Johannes-Evangelium trifft der zweite Jünger an der Grabkammer ein und inspiziert sie [Joh 20,6], während der erste, Johannes, immer noch vor dem Felsgrab wartet [Joh 20,5]. Währenddessen erscheinen nun laut Markus-Evangelium drei Frauen bei Sonnenaufgang am Grab [Mk 16,2]. Der zweite Jünger, hat es sich mittlerweile im Grab bequem gemacht [Mk 16,5] und schickt diese Frauen zu dem dritten und letzten Läufer sowie zu den anderen Jüngern [Mk 16,7]. Die Frauen sind aber dermaßen erschrocken, dass sie dieser Anweisung nicht folgen und niemanden mehr sehen und mit keinem reden [Mk 16,8].

Laut Lukas-Evangelium hat der zweite Läufer das Grab wieder verlassen und steht mit dem ersten Läufer vor dem Grab [Lk 24,4], als Frauen im vollen Tageslicht mit Salbölen ankommen [Lk 24,1-3]. Die Jünger schicken die Frauen dem dritten Läufer entgegen, der immer noch nicht angekommen ist [Lk 24,9]. Die Gruppe dieser Maria aus Magdala, Johanna und Maria, Mutter des Jakobus, sowie andere Frauen berichten den anderen Jüngern und bringen nun den dritten Läufer dazu, sich endlich zum Grab aufzumachen [Lk 24,12].

Laut Johannes-Evangelium gehen andere Jünger, die mitgegangen waren, in die Stadt zurück [Joh 20,10], während eine Maria vor dem Grab steht und weint [Joh 20,11].  Als sie in das Grab blickt, sieht sie dort zwei „Engel“ in weißen Gewändern. Es sind Johannes und Simon Petrus, die sich wieder hingesetzt haben [Joh 20,12]. Als sie sich umdreht, sieht sie nun den letzten Läufer, Petrus, der gerade angekommen ist, vor dem Grab. Ihn hält sie zunächst für den Gärtner. Als er sie „Maria“ nennt, nennt sie ihn „Rabbuni“ („Herr“). Doch dieser Petrus lässt sich – im Gegensatz zu Simon Petrus – nicht von Frauen anfassen [Joh 20,17]. Maria aus Magdala läuft zu den anderen Jüngern und erzählt, sie habe den „Herrn“ gesehen [Joh 20,18].

 

Eine Verwechslungskomödie?

 

Werden die Ereignisse der Auferstehungsszenen in eine chronologisch und logisch plausible Reihenfolge gebracht, so wird eine raffinierte Verwechslungskomödie sichtbar. Alle Jünger waren bei der Verhaftung Hals über Kopf geflohen [Mt 26,36] und wohnten weder der Hinrichtung [Mt 27,55] noch der Beisetzung ihres Anführers bei [Mt 27,58-60]. Kein Jünger kennt die Grabkammer, doch als irgendeine Maria meldet, dass sie nachts im Dunkeln auf dem Friedhof ein leeres Grab gesehen habe, rennen drei Jünger los. Der Lieblingsjünger – der nicht wissen kann, welches Grab gemeint ist – ist als erster auf dem Friedhof, räumt einen Verschlusstein donnernd zur Seite [Mt 28,2] und setzt sich vor dem Grab auf diesen. Dass er nicht vor dem richtigen Grab sitzen kann, ergibt sich daraus, dass dieser „Engel“ weiß, dass der „Herr“ bereits auferstanden und fortgegangen war [Mt 28,6]. Vor dem richtigen Grab hätte der Grabstein also schon weggeräumt sein müssen. Da der „Engel“ ihn aber erst mit Getöse wegräumt [Mt 28,2], sitzt er nun definitiv vor dem falschen Grab. Alle weiteren Jünger, die jetzt kommen, gehen zu diesem „Engel“ und somit zum falschen Grab. Und für dieses falsche, leere Grab haben alle Jünger nur eine Erklärung: der Meister muss körperlich auferstanden und weggegangen sein!

Doch wohin gehen die

Frauen? Es gibt zwei Marias aus Galiläa, die bei der Beisetzung dabei waren und wissen, welches Grab das richtige ist [Mt 27,61; Mk 15,47; Lk 23,55]. Es können also nicht alle Frauen, die mit Salbölen auf dem Friedhof erscheinen, zu den Wissenden gehören.

Die erste Maria rennt laut Johannes-Evangelien nachts allein über den Friedhof und hat gar nicht die Absicht, den „Herrn“ im Dunkeln zu suchen [Joh 20,1-2]. Sie sieht nur irgendein leeres Grab und erzählt dies.

Laut Matthäus sehen die Besucherinnen zuerst den „Engel“, der sie anspricht und ihnen erklärt, dass der „Herr“ nicht mehr da sei [Mt 28,5]. Dieser „Engel“ zeigt ihnen das falsche Grab und eingeschüchtert vom Mansplaining gehen die Frauen unverrichteter Dinge weiter.

Bei Markus sind die Frauen mit der Frage beschäftigt, wer ihnen den Grabstein wegrollt [Mk 16,3]. Sie besichtigen zwischenzeitlich das vom ersten Läufer geöffnete Grab, da sie ein verschlossenes ohne Hilfe nicht betreten können. In diesem leeren Grab spricht sie der „Engel“ an [Mk 16,5] und erklärt ihre weitere Suche für sinnlos, da der „Herr“ bereits weg sei [Mk 16,6]. Diese Frauen reagieren vollkommen panisch auf den „Engel“ und fliehen ebenfalls unverrichteter Dinge vom Friedhof [Mk 16,8].

Laut Lukas kommen die Frauen aus Galiläa tagsüber auf den Friedhof, sehen sich um und betreten das falsche Grab [Lk 24,3]. Als sie ihren Fehler bemerken und zum richtigen Grab wollen [Lk 24,4], stellen sich ihnen zwei Männer in Weiß in den Weg, die ihnen wiederum erklären, dass der „Herr“ nicht mehr da sei [Lk 24,6]. Darauf hin verlassen sie den Friedhof und erklären den Jüngern, was sie gesehen haben.

Da die meisten Frauen beim Mansplaining zu Boden schauten [Lk 24,5] und niemanden erkannten, halten sie alle Männer in Weiß für „Engel“, den „Herrn“ oder gar den „Auferstandenen“. Zu dieser Verwechslung trägt auch noch bei, dass die Petrones (lat.; petro, alter Hammel) ihren Huldigungen nicht widersprechen.

 

Wortspiele?

 

Aber in den Evangelien steht doch ausdrücklich, dass „der Jesus“ den Jüngern und Frauen nach seiner „Auferstehung“ noch einmal erschienen ist? Zu der Verwechslungskomödie kommt noch ein weiteres Verwirrspiel der Autoren hinzu. Im Hebräischen lautet das entscheidende Wort „Yeschua“, zu deutsch: der Retter. Da die Hellenen aber kein „sch“ verwendeten, wird das Wort im Altgriechischen zu einem „Iesuos und im Lateinischen zu einem „Iesus“. Der Titel „Jesus“ ist also lediglich die lateinisierte Abwandlung der hellenisierten Bezeichnung für den vermeintlichen „Retter“ dieser Sektenmitglieder. Wer dieses Wortspiel nicht erkennt, muss glauben, dass die Autoren mit dem Titel „Iesus“ den Namen einer einzigen Person meinen. Der Titel kann aber auch für jeden anderen Jünger und Nachfolger gelten, wie die Szenen um Petrus und Simon Petrus als „Auferstandene“ deutlich machen. Einmal lässt sich dieser „Retter“ anfassen [Mt 28,9] und einmal eben nicht [Joh 20,17]. Einmal trifft ihn zuerst Maria aus Magdala auf dem Weg vom Friedhof zu den anderen Jüngern [Mt 28,9], dann sieht eine Maria aus Magdala ihn schon am Grab [Joh 20,14]. Die Jünger meinen ihn zuerst in Galiläa [Mt 28,16], auf dem Weg nach Emmaus [Lk 24,13], direkt am Grab neben Maria [Joh 20,14] oder in der Stadt [Joh 20,19] anzutreffen.

Obwohl sie drei Jahre mit ihrem „Herrn“ durch die Levante gewandert sind und täglich mit ihm sprachen und aßen, sind sich die Apostel nach der Kreuzigung nicht sicher, ob es wirklich ihr „Yeschua“ ist, der da vor ihnen steht [Mt 28,17; Mk 16,14; Lk 24,16, Lk 24,38]. Der Neue muss sich erst beweisen [Lk 24,39-43], bis sich keiner mehr traut etwas zu fragen [Joh 21,12] und sie „wussten“, dass er es ist. Dies ist das Geheimnis des Glaubens oder in anderen Worten: vier Jünger lassen sich als vermeintlich „Auferstandene“ feiern.

 

Die Namen des Aufstandes

 

Die Frauen sehen in dem Lieblingsjünger Johannes einen „Engel“, in Simon Petrus und Petrus den auferstandenen „Yeschua“ bzw. den „Herrn“ und von Lazarus (hebr. Eleazar) ist bekannt, dass er eine Woche vorher bereits auferstanden war [Joh 11,38-43]. Was wollen uns die Autoren mit diesen Titeln und Namen sagen?

Im Matthäus-Evangelium weissagt der „Yeschua“ kurz vor der Kreuzigung, dass der Menschensohn und Retter Judäas wieder erscheinen wird, wenn vom Tempel in Jerusalem kein Stein auf dem anderen bleibt [Mt 24,2], sich Volk gegen Volk erhebt und Hungersnöte wüten [Mt 24,7], Gräuel an heiliger Stätte stattfinden werden [Mt 24,15], der Blitz (der Legio Fulminata) von Osten nach Westen leuchtet [Mt 24,27] und sich die Geier (Legionsadler) um das Aas versammeln [Mt 24,28]. Der Yeschua will in Galiläa [Mt 28,10] innerhalb eines Geschlechtes [Mt 24,34] wieder erscheinen, und sein

Lieblingsjünger wird dies noch erleben [Joh 21,22-23] zu jener Zeit, wenn der Feigenbaum kurz vor dem Sommer austreibt [Mt 24,32].

Hiermit „prophezeien“ die Autoren der Evangelien den judäischen Aufstand der Jahre 66 bis 73 gegen Rom. Dessen Hauptakteure waren die Rebellenführer Johannes von Gischala, Simon bar Giora und Eleazar ben Simon in Jerusalem sowie Eleazar ben Jair in der Festung Masada. Die Namen der Jünger, die den König der Aufständischen [Lk 19,27] beerben wollten, waren also allen Bürgern Roms nach dem Krieg bekannt und die Evangelien erklären, wann und mit wem dieser Krieg begonnen hatte: mit dem Glauben an den Yeschua.

 

 

Literatur

 

Atwill, Joseph: Ceasar´s Messiah – The Roman Conspiracy to invent Jesus. Ulysses Press, Berkeley, CA, USA, 2005.

(auf deutsch: Das Messias Rätsel. Die Geheimsache Jesus. Allegria, Berlin 2008.)

 

Nestle, Eberhardt & Aland, Kurt: Novum Testamentum Graece. 28. Auflage. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2012.

 

Weber, Robert & Gryson, Roger: Biblia Sacra Vulgata. 5. Aufl. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2007.




Liebes Virus ...


800px-Arnold_Böcklin_-_Die_Toteninsel_III_(Alte_Nationalgalerie,_Berlin)

Du plagst uns nun schon seit einigen Monaten, und jetzt möchte ich Dir einen Vorschlag machen, der für beide Seiten von Vorteil sein wird — eine Win-Win-Situation.

Schau mal, liebes Virus, es gibt viele kleine, aber herrliche Inseln, die unbewohnt sind, mit palmengesäumten Stränden, üppigen grünen Hügeln und wunderschönen Wasserfällen und kleinen Seen und Bächen. Dort ist es das ganze Jahr über angenehm warm, und es gibt auf diesen Inseln und auch in deren näheren und weiteren Umgebung niemanden, der Dir an den Kragen will.

Hier, wo Du dich jetzt aufhältst, wollen Dir einige Leute den Garaus machen. Die suchen nach einem Stoff, der Dich zur Strecke bringen soll — und die haben auch schon erste kleine Erfolge erzielt, setzen Antikörper ein, die Dir nicht bekommen.

Auf der Insel hingegen, die ich Dir vorschlage und als Domizil empfehle, könntest Du vor Dich hin grassieren und epidemieren so lange Du willst. Du würdest damit niemandem zur Last fallen, hättest aber auch nichts zu befürchten.

Nun, liebes Virus, was hältst Du von der Idee?

+ + +

Ergänzung (16.4.2020, 12:08 Uhr):

Hatte soeben Gelegenheit, mich kurz mit dem Virus zu unterhalten. Es schien nicht abgeneigt, hat aber um ein wenig Bedenkzeit gebeten.

_____
Beitragsbild: Arnold Böcklin – Die Toteninsel III (Wikipedia.org)
commons.wikimedia.org/wiki/File:Arnold_Böcklin_-_Die_Toteninsel_III_(Alte_Nationalgalerie,_Berlin).jpg


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Jesus lebt: Die glaubwürdigste Geschichte der Welt


AuferstehungDas verbreitete am Ostersonntag das christliche Medienmagazin PRO als einen "Impuls von Egmond Prill". Und das verbreitete am Ostermontag, den 13.4.2020 mit Anmerkungen dazu von meinemeinen auch atheisten-info:

PRO: Gute Nachricht: Jesus ist auferstanden! Mit dem Ostermorgen ist ein neuer Morgen für die Menschheit angebrochen. Er verheißt Licht und Leben. Was die ersten Zeuginnen am leeren Grab erfuhren, gilt nach wie vor: Dem auferstandenen Jesus können Menschen heute noch begegnen.
Atheistische Anmerkung: Also wo sind die Leute, die heute dem Jesus noch begegnen? Machen sie wenigstens Bilder mit ihren Handys von diesem Treffen? Oder wächst das doch nur auf alten religiösen Wurzeln im Hirn?

PRO: Es ist der erste Tag der neuen Woche. Ein neuer Morgen für die Menschheit ist da. Die ganze Welt ist neu geworden. Einer ist gegen den Tod aufgestanden, hat den Tod hinter sich gelassen. Kaum zu glauben – oder? So schauen auch als die Ersten besorgte Frauen ungläubig ins leere Grab. Unbekannte stehen plötzlich da und erklären: "Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern ist auferweckt worden." (Lukas 24,5).
Atheistische Anmerkung: Der Jesus hat sich als Auferstandener laut Bibel sehr zurückhaltend verhalten, gesehen hat ihn laut der heiligen Christenschrift nur ein enger Kreis seiner Anhänger, neutrale Zeitzeugen gab's nicht und keinerlei nichtchristliche historische Überlieferungen. Die Auferstehung war eine Story seiner Jüngerinenn und Jünger zwecks Fortsetzung der jesuischen Sektenexistenz. Für die Menschheitsgeschichte ist das – wie ja hier schon oft geschrieben – erst im Jahre 380 wichtig geworden, als daraus durch das Dreikaiseredikt die römischen Staatsreligion gemacht wurde, die man den Menschen von gesetzeswegen mit Staatsgewalt auferlegte!

PRO: Frauen sind die ersten, die das leere Grab sehen und diese Botschaft hören. Mutige Frauen. Denn die Männer waren verschwunden. Die Jünger Jesu waren weg. Sie waren die engsten Freunde ihres Herrn gewesen, sie hatten große Worte gehört und manches Wunder gesehen. Sie hatten sich die Nachfolge etwas kosten lassen. Doch in den entscheidenden Stunden hatten sie Jesus verraten und verlassen, verleugnet und verkauft.
"Da verließen ihn alle und flohen. Und ein junger Mann folgte ihm nach, der war mit einem Leinengewand bekleidet auf der bloßen Haut; und sie griffen nach ihm. Er aber ließ das Gewand fahren und floh nackt." (Markus 14,50-52).

Atheistische Anmerkung: Ja, dass seine Anhänger nicht auch ans Kreuz genagelt werden wollten, ist wohl nachvollziehbar! Wenn sich einer selber zum Messias ausruft, dann war das wohl damals jüdisch gesehen eine strafbare blasphemische Handlung und römisch betrachtet, ein Widerstandsversuch gegen die römische Besatzung.

PRO: Alle voller Angst: Nur weg von Jesus! Man könnte sie auch noch schnappen. Am Ende war alles sehr schnell gegangen. Innerhalb weniger Stunden: Gefangennahme, Verurteilung, Hinrichtung. Die aufgestachelte Volksmenge durfte mitreden und schrie: "Kreuzige, kreuzige!" Der religiöse Rebell aus der Provinz wurde vor den Toren der Stadt Jerusalem nach römischer Weise ans Kreuz gehängt. Jesus von Nazareth hauchte sein Leben aus und starb. Der Tod hatte gesiegt. Aus. Ein großer Stein vor das Grab, bewaffnete Wachen daneben und Schluss. Feierabend und Feiertag.
Atheistische Anmerkung: Das klingt recht realistisch! Ein Widerstand gegen die Römer war ja auch unmöglich – das zeigte sich in den Jahren 66 bis 70 als der Aufstand der jüdischen Zeloten schließlich zur Zerstörung Jerusalems durch die Römer führte. Es soll dabei über eine Million Tote gegeben haben.

PRO: Jesus lebt: Die glaubwürdigste Geschichte der Welt – Nach dem heiligen Sabbat beginnt nach biblischer Zählung die neue Woche. Es ist früher Sonntagmorgen, jene Stunde an der Schwelle zum neuen Tag. Frauen aus dem Jesus-Kreis sind unterwegs zum Grab. Mit Duftöl und Balsam wollen sie die Grablegung beenden und so dem Toten die letzte Ehre geben. Mutige Schritte hin zu Jesus. Was würden die Soldaten machen? Und was machen wir mit dem Stein? Bange Fragen auf dem Wege.
Doch dann erfahren diese Frauen zuerst: Jesus lebt! Ausgerechnet Frauen. Sie galten damals wenig im öffentlichen Leben, waren vor Gericht nicht einmal als Zeugen zugelassen. Und im Volksmund verkörpern sie heute noch das "schwache Geschlecht". Als die Frauen zu Jesu Freunden eilen und sagen, was sie gesehen und gehört haben, begegnet ihnen kalte Ablehnung. "Geschwätz!" Die Jünger glaubten ihnen nicht. Doch Jesus ist wahrhaftig zu einem neuen Leben erweckt worden. Jesus ist das Leben und er will uns lebendig machen. Der eiskalten Welt will er Wärme geben. Die dunkle Nacht ist vorbei.

Atheistische Anmerkung: Warum ist das die glaubwürdigste Geschichte der Welt? Weil der Jesus wahrhaftig zum Leben erweckt wurde? Und wahrhaft erweckt wurde er wohl, weil die Frauen das den Jüngern doch noch einreden konnten, zusammen mit ihnen die Zeugen für die Auferstehung zu machen und die Jesussekte ohne Jesus weiterzuführen. Den nicht vorhandenen Jesus entsorgte man mittels "Christi Himmelfahrt", 40 Tage nach Ostern soll der Jesus davongeflogen sein, danach brauchte man Nachfragende nimmer mit irgendwelchen Ausreden von erwünschten Begegnungen mit dem angeblich auferstandenen Jesus abhalten.

PRO: So schreibt der Apostel Paulus: "Denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise." (Epheser 5,14-15).
Atheistische Anmerkung: Da Tipp ging wohl bei den Echtgläubigen in die falsche Richtung los, sie blieben unweise und dachten über nix nach, was heute nur noch eine geringe Rolle spielt, die Religion verliert einfach von Jahr zu Jahr mehr an Bedeutung im menschlichen Lebensalltag, 1971 hatte die östereichische katholische Kirche noch 6.548.316 Mitglieder, 2019 waren es nur noch 4.984.633, der regelmäßige Kirchbesuch geht auch ständig zurück, 2003 (ältere Zahlen liegen nicht vor) waren es etwa 870.000, 2018 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) waren es nur noch um die 525.000.

PRO: Jeder Mensch ist neu zum Leben gerufen. Mitten in der alten Welt fängt mit dem Glauben an Jesus Christus etwas Neues an. Die Kraft der Auferstehung verändert uns. Wo wir mit dieser Kraft anderen Hilfe und Liebe geben, erhält die Welt ein neues Gesicht. Mutige Frauen waren die ersten Zeugen, zuverlässige Zeugen des Ostermorgens! Die Männer brauchten Nachhilfe, bevor auch sie sahen und glaubten. Jesus lebt. Das ist die glaubwürdigste Geschichte der Welt, denn wir können auch heute dem Lebendigen im Glauben begegnen: Kinder und Erwachsene, Frauen und Männer.
Atheistische Anmerkung: Aha und das ist trotzdem die glaubwürdigste Geschichte der Welt? Obwohl sie selbst um die 90 % der erwachsenen Katholiken egal ist? Dass Frauen auch heute noch etwas gläubiger sind als Männer, hängt wohl an den alten Traditionen, dass Frauen machtärmer sind, sich weniger durchsetzen können als die Herren im Haus und darum mehr als die Männer in Richtung Gotteshilfe tendieren. Aber Gebete nützen trotzdem nur zufällig was! Dann nämlich, wenn das Erbetene zufällig eintritt oder irdisch von Mitmenschen erfüllt wird, die den erbetenen Wunsch kannten, Götter helfen nie, die können sich ja nicht einmal selber helfen, dazu müssten sie ja existieren! Aber erschaffen wurden sie von Menschen! Zu Gott zu beten ist aussichtslos, die Corona-Serie belegt das wieder einmal!
Dazu das Beispiel USA, am 15.3.2020, dem Nationalen Gebetstag gegen den Coronavirus hatte man 41 Corona-Tote, am 20.3. waren's 200, am 25.3. dann 673, am 31.3. schließlich 2.398, am 5.4. schon 8.358, bis zum 10.4. gab's 16.596 und bis heute mittags 22.106! Kein Gott hat sich darum auch nur im geringsten geschissen, nicht einmal der mit der glaubwürdigsten Geschichte!
Warum? Mangels Göttern!
Und der Trump war mit seinem Gebetstag so optimistisch gewesen: "Wir sind ein Land, welches in unserer Geschichte sich immer wieder nach Gott um Schutz und Stärke in Zeiten wie diesen umgesehen hat." Und Trump ermutigte alle Bürger, sich "in einem Akt des Glaubens dem Gebet zuzuwenden. Gemeinsam werden wir sehr einfach die Oberhand haben!"
Der Trump und seine Bürger haben immer noch die Unterhand! Haben die Coronaviren zum Virusgott um Unterstützung gebetet? Und der war dann der Glaubwürdiste?

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Corona-Infektionen pro Million Einwohner


CoronaWelches Land am meisten von den Covit-19-Corona-Infektionen betroffen ist,
zeigt sich nicht an der Zahl der Kranken, sondern man muss relativieren, hier eine Tabelle mit der Krankenzahl pro Million Einwohner:

Man sieht es deutlich: Die USA haben zurzeit mit 533.378 die meisten Krankheitsfälle, Österreich liegt mit 13.806 auf Platz 17. Wenn man diese Zahlen auf die Einwohner bezieht, dann sind die USA auf Platz 7 und Österreich ist auf Platz 9! Die USA haben knapp 38x so viele Kranke, aber die USA haben auch knapp 37x so viele Einwohner! Und Österreich steht so gerechnet zu China in einem Verhältnis von 26:1! Einwohnermäßig ist nämlich das Verhältnis 1:157! Luxemburg hat einwohnermäßig mit Abstand die meisten Kranken, man hat ja nur um die 600.000 Einwohner, aber 3.270 Kranke, in der Nähe dieses Zahlenbereichs liegen z.B. auch Pakistan und Saudi Arabien! Aber es zeigt, dass in Luxemburg offenbar schlecht gearbeitet wird, wenn dort ein Kranker auf 183 Einwohner kommt! Und im Nachbarland Belgien einer auf 407, was auch kein besonders guter Wert ist, in Österreich ist dieser Wert 1 zu 645, in Deutschland 1:660! Und in Russland 1:9.163, dort ist das im Griff! Oder weil weniger angesteckte Leute virenverteilend durchs weite Land reisen, wegen geringerer Ausbreitungsmöglichkeiten…

 




Gläubigenbeschwerde


alte-hölzerne-kirchentür-45811840Eine solche richten echte glaubensaktive Katholiken in Form einer Petition an Bundeskanzler Kurz:

"Gottesdienste / Sakramente sind Grundnahrungsmittel für Gläubige, das Zentrum der Glaubenspraxis. Das völlige Verbot von liturgischen Feiern und das beinahe vollständige Aussetzen der Sakramentenspendung -sogar am höchsten christlichen Fest Ostern!- beraubt die Gläubigen dieser Heilsmittel, verletzt zutiefst die Religionsfreiheit und ist unverhältnismäßig. Ein Live-Stream-Gottesdienst ist zwar löblich, aber stellt dennoch in etwa so wenig eine wirkliche Alternative dar, wie ein Bildschirm-Kaminfeuer wärmt oder ein Foto eines Brotes satt macht.
Für gläubige Christen ist das gemeinsame Beten in der Kirche mehr als nur ein Gemeinschaftserlebnis, auf das man gut und gerne auch ein paar Wochen verzichten könnte. Der Gottesdienst ist notwendig und unverzichtbar, um die Nähe Gottes leibhaftig und echt zu erfahren und um spirituell gesund zu bleiben. »Sine dominico non possumus«.
Der Infektionsgefahr kann auch mit seuchenhygenischen Maßnahmen wie beschränkte Teilnehmerzahl, Mundschutz, Desinfektion, Abstand zueinander, etc begegnet werden – in einer Kirche von beispielsweise 200 Plätzen kann mit etwa 30 Personen mühelos ein Abstand von 4 Metern eingehalten werden; zumal nur einen Tag nach Ostern eh generelle Lockerungen von Herrn Bundeskanzler Kurz in Aussicht gestellt werden.
Schutz der Gesundheit und Schutz der (Religions-)Freiheit müssen sich keineswegs ausschließen, sondern können und müssen in der gegenwärtigen Situation aufeinander abgestimmt werden."

Diese Petition wurde am 3.4.2020 um 16:46 Uhr online gestellt – bis am 8.4. um 13:07 wurde sie von 2.302 Personen unterzeichnet – es dürfte somit nicht besonders viele gottesdienstsüchtige Katholiken geben…

Kath.net meldete am 7.4.: "AfD-Kirchensprecher kritisiert: Gottesdienstverbot nicht hinnehmbar – Volker Münz, der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, hat am Montag das Verbot von Gottesdiensten aufgrund der Corona-Krise in Deutschland kritisiert und fordert, dass Gottesdienste wieder zugelassen werden. (..)"

Wie einer ORF-Meldung zu entnehmen ist, lautet die kirchliche Problemlösung zu kommunionsfreien digitalen Gottesdiensten jedoch so: Dass die Austeilung der Kommunion nicht möglich ist, sei für die Gläubigen gewiss besonders tragisch. Kardinal Christoph Schönborn empfiehlt deshalb die sogenannte "geistliche Kommunion", also den Empfang des Leibes Christi durch das innere Verlangen nach Jesus Christus im Gebet und die dadurch entstehende geistliche Gemeinschaft der Kirche.

Na also! Die katholische Kirchengemeinschaft existiert somit nicht nur in der Kirche bei der Sonntagsmesse, sondern auch im geistlichen Verlangen danach! Da laut kircheneigener Statistik von 2018 sowieso nur etwa zehn Prozent der Kirchenmitglieder sonntags in der Kirche sitzen, könnte man diese Lehre dafür verwenden! Bis zu 90 % der katholischen Kirchenmitglieder sitzen sonntags samt Jesusverlangen zuhause in der privateigenen Katholikengemeinschaft! Alles paletti!

 




Salafisten vs. Sufisten


Solidaritaetskundgebung fuer Aegypten und TunesienIch stelle diesen Artikel aus 2012 noch einmal ein, da er nichts an Aktualität verloren hat, aber einigen die Augen öffnen könnte, die meinen, "der" Islam sei so etwas wie ein monolithischer Block.

Eine unscheinbare Gasse irgendwo im Zentrum von Tunis, eine große hölzerne Tür, die nichts Besonderes zu versprechen scheint: wir treten ein und befinden uns in dem, was man hier ein Mausoleum nennt. Im Vorraum verkaufen zwei Frauen Devotionalien und allerlei Heilmittel, sie sind freundlich und liebenswert. Sie fragen meine Frau, wie lange sie sich denn schon ein Kind wünsche und ob ich der Ehemann sei (angesichts des erkennbaren Altersunterschieds eine berechtigte Frage). Im Mausoleum selbst, der Grabstätte einer als „heilig“ verehrten Frau, die zu Lebzeiten werdenden Müttern (oder solchen, die es werden wollten) sehr geholfen haben soll, riecht es nach Weihrauch und einigen anderen für mich unidentifizierbaren Düften. Es ist kühl und still. Hier kann man – in der Nähe der „spirituellen Mutter“ – sein Gebet verrichten und Gott seine Wünsche darlegen. Anders als im Katholizismus wird dabei nicht die „Heilige“ angebetet, sondern es geht direkt zu Gott, aber in unmittelbarer Nachbarschaft der Verstorbenen.

Als wir – herzlich verabschiedet von den beiden Frauen – wieder ins Freie treten, muss wohl ein Schmunzeln auf meinem Gesicht liegen, das von meiner Frau etwas unwillig quittiert wird. Sie wusste ja vorher, dass ich die Geschichte nicht ernst nehmen würde, wollte deshalb diese Stätte auch ursprünglich allein aufsuchen und war nur meiner von Neugier getriebenen Bitte gefolgt, doch mitgehen zu dürfen.

Von diesen Mausoleen gibt es Tausende in Tunesien. Sie bilden das Rückgrat dessen, was man Sufismus nennt. Hier wird ein volkstümlicher Islam gelebt, der weit entfernt ist von den Schriften wie Qur’an oder den Ahadith. Für den Außenstehenden ist dies alles purer Aberglauben, vergleichbar mit Stätten wie Lourdes oder Fatima. Die große Mehrheit der Moslems in Tunesien kann man wohl zu Recht dem Sufismus zurechnen. Sufismus missioniert zwar, aber diese Mission artet nicht in Jihad aus wie bei den strenggläubigen Sunniten. Für diese ist der Sufismus ein wahrer Horror, weil er sich so weit den Büchern entfernt hat – für Salafisten ist Sufismus die reinste Häresie.

Vor diesem Hintergrund – neben den vielfältigen politischen Aspekten – darf man die derzeitigen  unfriedlichen Auseinandersetzungen in Tunesien betrachten. So schreibt etwa Detlef Urban (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/einewelt/2112324/): „Extremisten bekämpfen den liberalen Volksislam“. Diese Einschätzung trifft den Kern der Dinge und auch der Rest des Artikels ist lesenswert, besonders für alle diejenigen, die nicht sehen wollen, wie viele unterschiedliche Strömungen und Schulen es in diesem angeblich so monolithischen Block „Islam“ gibt. Urban weiter:

Der Sufismus verbreitete sich in Tunesien und im Maghreb ab dem 12. Jahrhundert. Es ist der religiös-kulturelle Humus, auf dem sich ein liberaler Volksislam in Tunesien bilden konnte. Scheich Ibrahim Riahi, ein Nachkomme des hier verehrten Sidi Ibrahim, war bis zu seiner Pensionierung Geschäftsführer einer großen Geschäftsbank. Er hat wie viele Sufisten ein asketisches Aussehen, ist fromm, doch äußerst weltgewandt.

"Der Sufismus in Tunesien ist ein guter Gegenpol zum religiösen Extremismus. Ganz allgemein gibt es gegenwärtig eine Tendenz in der islamischen Welt zur Intoleranz und zum religiösen Extremismus. Der Sufismus aber ist von seinem Wesen her Nächstenliebe, wie auch Liebe zu Gott und zu den Propheten."

Die Sufi-Bruderschaften waren stets auch soziale Anlaufpunkte und Schiedsstellen, besonders im ländlichen Bereich. Sie organisierten Armenhilfe, waren ein Netzwerk, das sich aber nicht parteipolitisch organisierte. Trotzdem wurde den Bruderschaften die finanzielle Unterstützung in Zeiten der Diktatur entzogen.

Ich empfehle allen die Lektüre des gesamten Artikels (siehe den oben angegebenen Link).

PS aus der Rückschau: Dass sich bei meine Frau trotz ihrer absoluten Säkularität gleichsam automatisch durch Erziehung und Umfeld einige stereotypische Aberglaubensinhalte nicht verflüchtigt haben, berichtete ich ja bereits an anderer Stelle. Im Jahr des Besuchs bei der "Heiligen" tat sich noch nichts mit dem gewünschten Nachwuchs. Aber im Jahr 2012 besuchten wir Fatima in Portugal, was meine Frau sehr beeindruckt hat (Gläubige, die auf Knien in Richtung Madonna rutschten, der ganze Kerzenzinnober, uvam.). Kurz nach unserem Besuch dort wurde sie tatsächlich schwanger (das Ergebnis kann man gelegentlich in meiner Chronik besichtigen) und ist nicht richtig, aber irgendwie doch davon überzeugt, dass die Jungfrau geholfen habe :D Sie verdrängt dabei nur zu gerne, dass ihr neuer, junger, gerade aus den USA heimgekehrter Gynäkologe einen kleinen minimalinvasiven Eingriff bei ihr vornehm (Video habe ich), der ihrem Anliegen zum Durchbruch verhalf.




Wirtschaft und Soziales


Happy_HumanDie Humanisten sehen in der Marktwirtschaft die einzige Form vernünftigen Wirtschaftens. Die Marktwirtschaft ist die einzige Wirtschaftsordnung, die mit individueller Freiheit vereinbar ist. Gleichzeitig hat die Marktwirtschaft immer wieder deutlich gemacht, dass nur sie allgemeinen Wohlstand begründen kann.

Eine konsequente Ausrichtung an der Marktwirtschaft bedeutet nicht, den Interessen der Mächtigen der Wirtschaft zu Diensten zu sein. Vielmehr ist die Marktorientierung das Eintreten für den Wettbewerb und das Zurückdrängen von Monopolisierung und Kartellbildung. Es gilt heute mehr denn je die Aussage von Walter Eucken: „Die Wirtschaftspolitik der Wettbewerbsordnung unterscheidet sich  von einer Politik der Freien Wirtschaft mehr, als sich die Wirtschaftspolitik der Freien Wirtschaft von der Zentralverwaltungswirtschaft in den letzten Jahrzehnten unterschied“.  Ziel marktwirtschaftlicher Politik ist nicht die Pflege der oligopolistischen Marktordnung, sondern der Einsatz für eine Marktwirtschaft, die sowohl von staatlicher Willkür wie von privater Wirtschaftsmacht frei ist.   

Die Marktwirtschaft ist die Wirtschaftsordnung, die ein Maximum an Wohlstand generieren kann. Zweifelsfrei hat die Entwicklung der Wirtschaft in den letzten zweihundert Jahren auch soziale Verhältnisse hervorgebracht, die zu Recht Kritik und den Wunsch nach Verbesserung laut werden ließen. Die Notlage der Arbeiter, die Marx eindringlich und richtig schilderte, ist von ihm unrichtig erklärt worden. Der große Irrtum in der Analyse von Marx ist die Tatsache, dass er die Marktformen ignorierte. Nicht die Trennung der Menschen in Eigentümer von Produktionsmittel und arbeitsuchenden Menschen ist die Ursache, sondern dass die Arbeitgeber, denen die Maschinen gehörten, in monopolistischen Marktformen nachfragten.

Häufig wird die ungleiche Einkommensentwicklung der letzten Jahre beklagt. Es ist deshalb zu beachten, dass zwischen Leistungsentgelt und der wirtschaftlichen Aktivität eine positive Korrelation besteht. Bei einer sehr gleichmäßigen Einkommensverteilung würde das Volkseinkommen geringer sein als bei einer ungleichmäßigeren, sofern sich die Ungleichmäßigkeit in jenen Grenzen hält, die von der Leistungsmotivation gedeckt sind. Eine hohe Wachstumsrate ist nur um den Preis einer ungleichmäßigeren Einkommensverteilung zu haben, eine gleichmäßigere kostet Wachstum. Ökonomische Ungleichheit ist unter einer Bedingung zu akzeptieren: Sie muss sich zum größtmöglichen Vorteil für die am wenigsten begünstigten Gesellschaftsmitglieder auswirken. Die Förderung der sozial Benachteiligten muss absolut gesehen werden und nicht relativ.

Das Eintreten für eine marktwirtschaftliche Ordnung bedeutet keineswegs die Schleifung des Sozialstaats. Eine vitale und dynamische Wirtschaft ist Voraussetzung für soziale Wohlfahrt. Der Sozialstaat kann nicht finanziert werden, indem man die innovativen Unternehmen, Leistungswilligen und Unternehmensgründer übermäßig mit Abgaben belastet und den wirtschaftlichen Standort belastet und damit in der Konsequenz die gesamte Wirtschaftskultur lähmt. Sozialleistungen sind nur dann dauerhaft gesichert, wenn Dynamik und Wachstum die Wirtschaft stärken.

Die Wirtschaft hat einen Anspruch auf faire Rahmenbedingungen. Das heißt, dass sie von unnötigen Belastungen befreit wird. Unsinnige Steuervorschriften, wie z. B. die Hinzurechnungen bei der Gewerbesteuer,  sind zu beenden und die Steuertarife sind so zu gestalten, dass sie nicht das Wachstum behindern. Gleichzeitig muss der Wirtschaft klar werden, dass sie ein Teil der Gesamtgesellschaft ist und nicht gegen sie handeln kann. In einer älter werdenden Gesellschaft hat die Wirtschaft Maßnahmen zu ergreifen, die Verbesserungen für ältere Arbeitnehmer zur Folge haben. Die Wirtschaft muss für Arbeitsbedingungen sorgen, in welchen junge Menschen mehr Mut zur Familiengründung entwickeln können.

Ein Mindestlohn ist anzustreben. Dies ist keine Aushöhlung des marktwirtschaftlichen Prinzips. Es wird damit nur ein Zustand korrigiert, in welchem der Staat durch Aufstockungsleistungen an Geringverdiener die Unternehmen indirekt subventioniert.

Menschen, die in Not geraten sind, verdienen die Unterstützung der Gesellschaft. Es ist nur eine Minderheit, die den Sozialstaat ausnutzt, deshalb muss der Grundsatz „Fördern und Fordern“ auch zukünftig gelten.         

Im Sinne der sozialen Gerechtigkeit  ist eine Steuerprogression zu begrüßen. Sie soll den Verteilungsprozess im Rahmen der Wettbewerbsorientierung korrigieren. Um die Wettbewerbsordnung zu erhalten, ist es nötig, die Progression zu begrenzen. So notwendig die Progression unter sozialem Gesichtspunkt ist, so notwendig ist es zugleich, durch die Progression nicht die Leistungsbereitschaft zu gefährden.

Für die Humanisten sind Vollbeschäftigung und solide Staatsfinanzen grundlegende Ziele. Deshalb ist mittelfristig eine deutliche Senkung der Staatsverschuldung anzustreben. Die Schuldenbremse ist hierzu ein bedeutsamer Anfang. Dass kurzfristige mit Schulden finanzierte Konjunkturprogramme keineswegs für eine nachhaltige Verbesserung der Vollbeschäftigung sorgen, sondern vielmehr langfristig zu einer Strangulation des Staates führen, hat die Schuldenkrise in der EU überdeutlich gezeigt. Die Humanisten versprechen sich durch eine vitale Marktwirtschaft eine bessere Wirkung für die Erwerbsquote.

Die Humanisten begrüßen im Grundsatz Arbeitnehmerschutzrechte. Es ist aber im Einzelfall zu überprüfen, inwieweit diese Beschäftigung hemmenden Effekt erzielen. (in Spanien hat das Schutzrecht für junge Arbeitnehmer dafür gesorgt, dass Spanien die höchste Jugendarbeitslosigkeit in der EU hat)

Die Humanisten fordern ein klares und vereinfachtes Steuerrecht. Das gegenwärtige Steuerrecht ist wegen der Kompliziertheit nicht mehr zumutbar. Diese Kompliziertheit führt dazu, dass für gleiche Steuertatbestände von den Steuerberatern und den Finanzämtern verschiedene Lösungen ermittelt werden. Steuerberater dürfen nicht mehr Steuerrater sein. Es ist auch auf dem Gebiet des Steuerrechts Rechtssicherheit zu gewährleisten.

Es sind Vorkehrungen zu treffen, dass inflationsbedingte Einkommenserhöhungen nicht mehr zu automatisch von höheren Tarifen erfasst werden. Die sogenannte „kalte Progression“ ist eine stille und automatische Steuererhöhung. Sie ist wirksam zu begrenzen.

Voraussetzung der Marktwirtschaft ist der Wettbewerb. Es sind Maßnahmen zu ergreifen, die den Wettbewerb sicherstellen bzw. für mehr Wettbewerb sorgen. Einer „vermachteten Wirtschaftsstruktur“ (Walter Eucken) ist entgegenzuwirken. Hierzu gehört auch die Förderung von Existenzgründungen.

In der Marktwirtschaft sind Insolvenzen ein natürlicher Sachverhalt. Es ist durch ein entsprechendes Insolvenzrecht sicherzustellen, dass auch Großbanken in der Insolvenzverwaltung ihren systemnotwendigen Verpflichtungen nachkommen können.

Aufgrund der demografischen Situation ist eine längere Lebensarbeitszeit nicht zu vermeiden. Es sind deshalb Anstrengungen zu unternehmen, um Arbeitnehmer länger in der Erwerbstätigkeit zu halten. Ein späterer Renteneintritt bei einem gleichzeitigen Verdrängen der älteren Arbeitnehmer durch ihre Arbeitgeber ist nicht länger hinzunehmen.

Die Humanisten sind im Grundsatz gegen staatliche Beteiligungen an Großunternehmen. Aber im Gegensatz zur FDP ist dies kein unerschütterliches Dogma. Ein staatliches Engagement an einem Unternehmen kann im Sinne der Marktwirtschaft sein, wenn dieses Unternehmen nach einer Übernahme mit dem übernehmenden Unternehmen zu einem Monopol wird. Die Verhinderung von Monopolstrukturen ist im Interesse des marktwirtschaftlichen Systems wichtiger als die Herkunft des Eigenkapitals. Solange staatliche Unternehmen sich in Wettbewerbsmärkte einordnen und die Preisbildung auf den Märkten nicht durch staatliche Subventionen gestört ist, sind sie in der Wettbewerbsordnung erträglich. 

Das Patentrecht ist zu reformieren. Es war Absicht, mit Patentrecht die technische Entwicklung zu fördern und den Erfinder zu schützen. Die Geschichte hat gezeigt, dass das Patentrecht eine starke Tendenz zur Monopolbildung und zur Konzentration ausgelöst hat. Patentinhaber sollten verpflichtet sein, die Benutzung einer Erfindung gegen eine angemessene Lizenzgebühr jedem ernsthaften Interessenten zu gestatten. In Bezug auf lebenswichtige Medikamente in ärmeren Ländern hat sich eine internationale Debatte über den Patentschutz entwickelt. So kämpft die „Treatment Action Campaign“ (TAC) in Südafrika für mehr Wettbewerb auf dem Pharmamarkt. Sie fordert, dass die Märkte durch die Abschaffung des Patentschutzes für Anti-Aids-Medikamente für kleinere Pharmahersteller geöffnet werden. Tausende von Menschen sind in den letzten Jahren an Krankheiten wie Aids oder Malaria gestorben, weil die Oligopolgewinne die lebenswichtigen Medikamente unbezahlbar gemacht haben. Die Versorgung der Kranken würde besser aussehen, wenn auf dem Pharmamarkt ein echter Wettbewerb herrschen würde.

Tausende von unabhängigen Saatgutunternehmen sind in den letzten Jahrzehnten verschwunden. Millionen von Landwirten wird das Recht genommen, ihr eigenes Saatgut weiter zu vermehren und damit Vielfalt zu sichern. Immer weniger Oligopole entscheiden über Ernährungsgrundlagen, von denen die Menschheit abhängt. Es ist zu prüfen, ob hier eine Reform des Sortenschutzrechtes Abhilfe schaffen könnte.

 

Weitere Arbeiten zum Thema zum Thema der geplanten Partei "Die Humanisten" siehe hier.

dh_banner_0213




Übers Freitagsfasten


Cordon-bleu-2US-Bischöfe lockern Fastengebot für Fleisch

Das meldete religion.ORF am 1.4.2020 – es ist aber kein Aprilscherz!

Es heißt dort: " Einige römisch-katholische US-Diözesen haben verlautbart, ihren Gläubigen wegen der Coronavirus-Krise das Essen von Fleisch am Freitag in der Fastenzeit zu erlauben. Bischöfe reagieren damit auf die Einschränkungen bei der Lebensmittelversorgung. (…) Dazu gehört unter anderem die Schwierigkeit, Fisch zu kaufen."

Ja, das ist eine traditionelle und ungeheuer erfolgreiche Großheuchelei der katholischen Kirche! Weil der Jesus freitags gekreuzigt worden sein soll war früher freitags ein Fasttag! Und weil die Kleriker nicht jeden Freitag Hirsebrei fressen wollten, erklärte die katholische Kirche das Fleisch der Fische zum Nichtfleisch und zur Fastenspeise, fettgefressene Prälaten konnten somit freitags fette Karpfen fressen!

Der Fasttag an jedem Freitag wurde von der katholischen Kirche schon in den 1960er-Jahren abgeschafft, geblieben sind die fleischfreien Freitage nur in der Fastenzeit vom Aschermittwoch bis Ostersamstag, 2020 also die sieben Freitage vom 26.2. bis zum 11.4.

Wie viele Katholiken werden sich noch um die Fastenzeit kümmern? Vielleicht die Übergewichtigen?

Was ist von dieser katholischen Fleischheuchelei geblieben?
Hier das Menü vom Freitag, den 3.4. eines willkürlich im Net ausgesuchten Lokals: "Klare Lauchsuppe, Fischfilet gebacken mit Petersilienerdäpfel, Salat". Und ebenso zufällig erwählt eine Betriebskantine: "Backerbsensuppe, Nudel mit Wildlachs und Salat, Dessert".

Meinereiner ißt gerne Fisch, er schmeckt ihm!
ABER NIEMALS AM FREITAG!
Da gibt's Cordon bleu!