Was humanistisch ist


Was humanistisch ist, ist weltlich, ergreifbar, und faktenbezogener Humanismus ist die Antwort auf der langen Suche nach einer Begründung der Moral und des menschlichen Handelns.

Es ist eine Antwort auf die von den Menschen gestellten Fragen, von dem Menschen, dem denkenden Tier dieses Planeten.

Er ist grundlegend existenziell und gleichzeitig diesseitig. Säkularer Humanismus ist die praktische Umsetzung all der Werte der grenzüberschreitenden humanistischen Aufklärung.

Er ist evolutionär und zugleich revolutionär. Humanismus ist also der Ausgang des Menschen aus seinem selbstverursachten und selbstverschuldeten Nicht-Denken.

Er ist zugleich ein gerechtes Nein zu der aus seit Jahrhunderten bestehenden Irrationalität und dem (Aber)Glauben. Säkularer Humanismus ist den alten Hirten der Religionen und der massenpopulistischen Politik ein neues Gespenst, das  diesmal nicht nur über dem europäischen Kontinent, sondern über den gesamten Globus fliegt und die von den Irrationalitäten besessenen Menschen nicht nur erschreckt, sondern ihnen durch das wahre Erschrecken ihre Augen öffnet und aus dem tausendjährigen religiösen, inhumanen und wie Pest seelenfressenden Wahnschlaf aufweckt.

Säkularer Humanismus ist dem postmodernen Menschen der Schlüssel zu seinen Freiheiten. Der Schlüssel zur Bekämpfung all der neuartigen, aber auch seit unweiten Ewigkeiten schon vorhandenen Gesellschaft-zerstörenden und menschenrechtsverletzenden Gedanken der an ihrem Profitdenkenden, der Unfreien.

Der säkulare Humanismus ist das Gegenmittel jeglicher islamischen Fatwa. Er ist das Anti-Blasphemie-Gesetz an sich.

Der Inbegriff der Umwertung aller scheinheiligen Werte in einem Begriff wie eine Salbe gegen die von den Irrationalitäten, Engstirnigkeit, Dogmen, Aberglauben, Diktatoren und im Allgemeinen den Menschenrechtsverletzungen den Menschen zugefügten Leiden.

Er ist des Menschen Selbstverwirklichung als ein Individuum in der Kollektivität seiner Mitmenschen zugrundeliegend und der kollektiven Einheit einer Gesellschaft, bestehend aus endlich vielen Individuen, dem Pluralismus verbunden und der Demokratie treubleibend.

Der Humanismus sei als ein menschliches Universum der menschlichen Subjektivität zu erfassen, erklärte Jean Paul Sartre schon einige Male.

Die Nicht-Erforderlichkeit im Sinne der Nicht-Notwendigkeit des auf unbewiesenen Annahmen basierten Glaubens in der heutigen Welt ist mit der Verflechtung der eigenen menschlichen Unmündigkeit, dem Nicht-Vorhanden-Sein eigenen Mutes zum selbstständigen Denken durch existent basierten Fakten verbunden.

Nichtsdestotrotz wird das Recht auf Glauben in keinem Wege von säkularen Humanisten bestritten. Jeder wird seinem Glauben überlassen! Die Auswirkung der Religion auf die Gesellschaft und die Machtansprüche und angenommenen Wahrheitsansprüche jeglicher Glaubensrichtungen sind aber die unbestrittenen Fakten in unserer globalen Gemeinschaft. Darauf kann man sich nicht mehr in subjektiver Weise einlassen, die religiösen Wahrheitsansprüche beinhalten objektiv keine Wahrheit, keine wirkliche Begebenheit, und deren Moral-Askese ist einem fesselnden Gurt ähnlicher als befreiende Flügel für einen Gefangenen, gespannt und gestrickt um das Hirn des denkenden Tiers, es bietet keine Lösungen, sondern es verleugnet gerade das, was besteht. Religionen wirken als Barriere zuerst gegen menschliches Denken.
Die Ausübung der Religionskritik und im allgemeinen der Kritik an bestehender Irrationalität sind der erste Schritt zur Erweiterung der Grenzen eines beschränkten Gebietes der menschlichen Freiheiten. Der Rand dieses Gebietes besteht aus unbewiesenen Annahmen, die nur in dem Gehirn der Menschen existieren und wofür weder explizite noch implizite Belege vorhanden sind, dass sie in der Wirklichkeit auch gelten könnten. Aus dieser Sicht zeigt der Grad der Religiosität eines Menschen gerade den Grad seiner Unwissenheit über das, was er für sich als eine wahre Aussage annimmt, ohne dass die Wahrheit solcher Annahmen überhaupt bewiesen werden kann. In diesem Sinne ist dann der Mensch unfrei gegenüber seiner eigenen möglichen Denkentfaltungen.

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Jo Eckardts Lese-Schreib-Buch für die Trauerbewältigung


Kummer SeeleWEIMAR. (fgw) Sterben, Tod, Verlust, Trauer berühren insbesondere sehr nahe Hinterbliebene auf unterschiedliche Weise. Wie man mit solchen Situationen und Emotionen umgehen könnte, dafür gibt es kein Patentrezept. Diese Bewältigung erfolgt stets höchst individuell.

Vielen hilft es, wenn sie sich ihre Gefühle und Befindlichkeiten von der Seele schreiben (können). Aber auch das erfolgt wiederum sehr individuell. Nun hat die Psychotherapeutin und Traumaberaterin Jo Eckardt ein modellhaftes Trauerbegleitbuch vorgelegt. Denn sie meint nicht nur „Schreiben heilt die Seele". Sie ist vielmehr der Ansicht, daß dieses spezielle Schreiben einer klaren Struktur und Zielrichtung bedarf. Desweiteren ist die Autorin der Meinung, daß solch wöchentliches festes Schreibritual ergänzt durch praktische Übungen den Trauernden zurück in einen Alltag führen vermag, der für sie wieder lebensfroh wird.

 

Mit ihrem Buch zum Lesen und zum Hineinschreiben will sie Hinterbliebenen Anregungen für die Bewältigung des ersten Trauerjahres geben. Und zwar in Form eines Wochenkalenders mit wiederkehrenden Fragen, Überlegungen und Wertungen. Sie selbst führt in jede Woche mit einem kurzen Text ein, in dem sie Themen der Trauer aufgreift. Beides soll helfen, sich durch gezielte Gedankenführung selbst zu helfen.

Ihren Ratgeberkalender hat Jo Eckardt zweigeteilt. So in einen Komplex „Selbstfürsorge" jeweils für die ungeraden Wochen und in einen Komplex „Trauerbewältigung" für die geraden Wochen.

Und hier setzt die Kritik an: Sind die Empfehlungen für die Selbstfürsorge durchaus lebensnah nachvollziehbar, so kranken diejenigen zur Trauerbewältigung an einem zu großen Hauch Christentum und sogar Esoterik. Letzteres ist für die doch große Zahl säkularer Menschen hierzulande durchaus eine Zumutung, die nicht hätte sein müssen.

Entnommen bei http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/jo-eckardts-lese-schreib-buch-fuer-die-trauerbewaeltigung/

Siegfried R. Krebs

 

Jo Eckardt: Den Kummer von der Seele schreiben. Mein persönliches Trauerbegleitbuch. 344 S. Pappband. Gütersloher Verlagshaus. Gütersloh 2019. 20,00 Euro. ISBN 978-3-579-07316-3


 
20.06.2019

Von: Siegfried R. Krebs




Jeremy Bentham: Utilitarismus


Die wenigsten kennen Jeremy Bentham und seine Thesen. Doch erst mal kurz seine Vita:

Geboren in einem wohlhabenden Elternhaus am 17. Februar 1748 in Spitalfields, London, verstorben am 06.Juni 1832 ebenda. Er war Jurist, Philosoph und Sozialreformer.

Bentham war der Begründer des „Utilitarismus“ also der Philosophie der Nützlichkeit und war auch der Kopf des politischen Arms, der English radicals.

Seine Radikalität ging vielen seiner berühmten Zeitgenossen viel zu weit. Sogar Goethe echauffierte sich derart über ihn mit dem Zitat: Ein höchst radikaler Narr. In seinem Alter derart radikal zu sein, ist der Gipfel der Tollheit. Man darf nicht vergessen, es war die Zeit des Biedermeier und der Friede, Freude, Eierkuchen-Heimeligkeit. Da waren die Burschen noch Burschen und die Männer noch Männer. Die Frauen hatten gefälligst gehorsam, sittsam und zart zu sein und wehe wenn eine der Ladies aufmuckte! Und die Kirche hatte ihren wohlzementierten,  angestammten Platz in der Gesellschaft.

Selbst Karl Marx, dieser Tunichtgut an seiner Familie, man muss das  einmal erwähnen, dass dieser Marx (nicht zu verwechseln mit dem Bischof Marx in Bayern), ein sehr schlechter und miserabler Ehemann und Vater war. Die Berufstätigkeit von Frauen war damals nicht so gern gesehen. Nur in den  untersten Gesellschaftsschichten waren die Frauen gezwungen, für den Lebensunterhalt ihrer Familien zu arbeiten und das meistens mit 8 bis 12 Kindern im Durchschnitt, von denen eh die meisten starben aufgrund der miserablen Lebensverhältnisse.

Gerade dieser Karl Marx schlenderte tagein und tagaus und jahrein und jahraus in den verschiedensten Caféhäusern und Kneipen der Stadt umher und kümmerte sich einen Dreck um seine Familie. Seine Frau musste arbeiten, aber das Geld reichte hinten und vorne nicht. Herrn Marx war das egal, Hauptsache er konnte sein „Kapital“ fertig schreiben. In der Zwischenzeit verhungerten mindestens 2 oder sogar noch mehr Kinder aus seiner Familie. Gerade dieser Ausbund an „treusorgender Vaterfürsorge“, sagte über Bentham: Wenn ich die Courage meines Freundes Heine hätte, würde ich Herrn Jeremias ein Genie der bürgerlichen Dummheit nennen. Fragt sich, wer ist hier der Dümmere?

In Deutschland wurde Bentham besonders heftig angefeindet, wegen seiner kompromisslosen Radikalität, die den meisten miefigen Spießbürgern entschieden zu weit ging. Im postrevolutionären Frankreich 1792, wurde ihm mit anderen Berühmtheiten aus seiner Zeit wie: George Washington, Friedrich Schiller, Johann Friedrich Pestalozzi usw. die Ehrenstaatsbürgerschaft angetragen. In seiner Heimat Merry old England wurde er erst Anfang des 19. Jahrhunderts bekannter.

Man fragt sich: Was verursachte bei seinen Zeitgenossen derart heftige Reaktionen? Was sogar einen Herrn von Goethe so ausflippen ließ, schließlich waren die beiden Herren im selben Alter.

Er hatte, für die damalige Zeit, aber auch für unsere Zeit sehr fortschrittliche, absolut moderne Thesen:

  1. Allgemeine Wahlen
  2. Frauenstimmrecht
  3. Errichtung des modernen Wohlfahrtsstaates
  4. Tierrechte
  5. Abschaffung der Todesstrafe
  6. Legalisierung der Homosexualität
  7. Pressefreiheit

Er war nicht nur ein Vordenker des Feminismus. Er trat auch für direkte Demokratie, Liberalismus und Laizismus ein. Er war ein radikaler und kompromissloser Atheist. Und das in einer Zeit, wo auch die hochgebildeten Honoratioren dem Klerus kräftig den Hintern puderten. Tja, der Mann hatte Mut und Rückgrat.

In den feinen Salons der Zeit wurde zwar hochgestochen auf Französisch über die verschiedensten philosophischen Aspekte parliert, aber Konsequenzen zog man daraus nicht. Es lebte sich doch so bequem und es verursachte den feinen Herrschaften immer wieder einen Schauder, der über den voll gepuderten Rücken lief, wenn sie radikale Ansichten diskutierten.

Bentham kritisierte auch scharf die französische Menschenrechtserklärung und war sehr enttäuscht, dass einige seiner Thesen nicht einbezogen wurden. Wenn man sich einmal anschaut, was im revolutionären Frankreich ablief, dann kann man ihm im Nachhinein nur Recht geben.

Die später berühmtesten Köpfe der großen Revolution in Frankreich waren Georges Danton, Antoine St. Just, Jean-Paul Marat. Diese Männer haben sich damals in England aufgehalten und waren fleißige Zuhörer und auch Anhänger von Bentham. Besonders Georges Danton war angetan von seinen Thesen. Aber wie die Geschichte zeigt, wurden er und seine Anhänger von Robespierre gestürzt. Selbst den radikalen Jakobinern in Paris gingen sie zu weit. Außerdem konnten sie von einem derart verklemmten Frauenhasser wie Robespierre nicht erwarten, dass dieser Gnom für den Feminismus eintrat.

Er trat auch für Wucherzinsen ein und lieferte Argumente für den legitimen Einsatz der Folter. Für diese beiden letztgenannten Punkte, wurde er scharf angegriffen.

Die Ehtik von Bentham kann man folgendermaßen definieren:

Das größte Glück der größten Zahl – greatest happiness principle.

Eine Handlung bewertet sich demnach allein nach ihren sozialen Folgen.

Eine Handlung ist moralisch richtig, wenn sie der Allgemeinheit (bzw. der größten Zahl) nützt.

Eine Handlung erweist sich als moralisch falsch, wenn sie der Allgemeinheit schadet.

In diesem Sinn ist die utilitaristische Ethik eine Konsequenzethik, d. h. innere Beweggründe spielen für die Bewertung einer Handlung keine Rolle.

Als logische Konsequenz dieser Ethik, forderte er Rechtsgleichheit und zwar für alle Gesellschaftsschichten.

Ich persönlich finde dieses Prinzip richtig und kann daran absolut nichts Verwerfliches sehen.

In der damaligen Zeit war dies natürlich ungeheuerlich. Sägte es doch an den Stützen der Gesellschaft und stellte somit die „sogenannte Gott gewollte Ordnung“ in Frage.

Bentham war auch radikaler Atheist und stellte alles in Frage was mit dem Glauben zu tun hat. Man könnte ihn wie Kant als Anthropozentriker bezeichnen.

Hier übrigens eine interessante Aussage über die Tierrechte, die er so vehement auch verteidigte: Der Tag wird vielleicht kommen, an dem der Rest der belebten Schöpfung jene Rechte erwerben wird, die ihm von der Hand der Tyrannei vorenthalten werden konnten. (Anmerkung von der Autorin: Da soll mir bloß keiner kommen und sagen, die Christen hätten auch den Tierschutz propagiert und wir hätten doch unseren Franzl von Assisi. Natürlich habt ihr den, aber dieser Mann war eine rühmliche Ausnahme. Ansonsten steht doch in der Bibel: Macht die Erde euch untertan. Wie sie das wörtlich auslegten, sieht man an den katastrophalen Ergebnissen)

Weiter in seiner Aussage: Die Franzosen haben bereits entdeckt, dass die Schwärze der Haut, kein Grund ist, ein menschliches Wesen hilflos der miesen Laune eines Peinigers auszuliefern. Vielleicht wird eines Tages erkannt werden, dass die Anzahl der Beine, die Behaarung der Haut und die Endung des Kreuzbeines ebenso wenig Gründe dafür sind, ein empfindendes Wesen diesem Schicksal zu überlassen. Was sonst sollte die Fähigkeit des Verstandes oder die Fähigkeit der Rede? Ein voll ausgewachsenes Pferd aber oder ein Hund ist unvergleichlich verständiger und mitteilsamer als ein einen Tag oder eine Woche alter Säugling. Doch selbst wenn es anders wäre, was würde das ausmachen? Die Frage ist nicht: Können sie verständig sprechen oder: Können sie verständig denken? Sondern: Können sie leiden?

Diese letzte Frage kann man sicher mit einem großen JA beantworten. Insofern waren seine Thesen in seiner Zeit ein geistiger IMPACT und zwar im positiven Sinne. Auch wenn seine Zeitgenossen sich kräftig das Maul zerrissen haben, ändert es doch nichts an seiner Aktualität.

Bentham war und ist cool, um es mal in unserem Zeitjargon auszudrücken.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 




Grundzüge einer naturalistischen Philosophie und Ethik


Die Natur ist auf der fundamentalen ontologischen Ebene aus den Elementen Teilchen, Feldern und Raumzeit aufgebaut, wobei alle strukturell verflochten sind. Des Weiteren besitzt die Natur eine im Prinzip erforschbare Gesetzes- und Kausalstruktur, wobei die Kausalität deterministischer oder statistischer Art sein kann (Bsp.e: Himmelsmechanik, radioaktiver Zerfall). Die Materieelemente (Teilchen bzw. Felder) können beliebig komplexe Strukturen tragen. Elementargebilde können Hierarchien von strukturaler und funktionaler Komplexität aufbauen. Ontologischer Monismus ist also durchaus mit strukturalem Pluralismus vereinbar, unser Universum ist kein homogener statischer Block, sondern eine heterogene, dynamische Struktur. Die Vielfalt der Welt hat sich im Laufe der kosmischen Evolution gebildet, sie ist eine Leistung der Selbstorganisation der Materie.

Schwacher und starker Naturalismus

Die These, dass das materielle Substrat aus seiner eigenen Gesetzlichkeit heraus letztendlich alle Gebilde hervorbringt, hat man mit dem Namen „schwacher Naturalismus" (David Armstrong 1983) belegt. Dieser innerweltliche Naturalismus behauptet die keineswegs besonders gewagte Aussage, dass das Universum in seinem empirisch, aber auch theoretisch fassbaren Bereich ohne Rekurs auf autonome spirituelle Entitäten, besondere Lebenskraft oder teleologische und transzendente Wirk-Faktoren erkannt werden kann. Der schwache Naturalismus schließt einen transzendenten Seinsbereich nicht aus, sondern behauptet nur, dass für das Verständnis des Kosmos auch in den höheren Entwicklungsstufen (Leben, Bewusstsein, Erkennen) supernaturale Faktoren nicht gebraucht werden (ontologische Sparsamkeit). D. Armstrong hat darüber hinaus auch einen „starken Naturalismus" verteidigt, wonach ein Transzendenzbereich ausgeschlossen wird und somit das Universum, so wie es heute von der Wissenschaft erforscht wird, alles ist, was es gibt. Er benützt dabei das Argument der Begründungslast: Derjenige, der für die Existenz eines Seins-Bereiches plädiert, trägt die argumentative Stützungslast.

Der Transzendenz-Skeptiker nimmt dabei eine abwartende Haltung ein: er wartet, bis der Verteidiger einer außerweltlichen Ontologie seine guten Gründe vorbringt. Der Skeptiker ist dabei nicht gezwungen, Gründe für die Nichtexistenz der in Frage stehenden Seinsbereiche zu bringen. Solange es dem Verteidiger einer supernaturalen Einbettung des Kosmos nicht gelingt, einsichtige Gründe für diese ontologische Erweiterung zu bringen, wird sich der Skeptiker nicht überzeugen lassen. Dies ist wichtig für die immer wieder beschworene Situation eines Argumentations-Patts: Derjenige, der behauptet, dass auf Neutronen-Sternen kleine grüne Männchen wohnen, muss dies zeigen. Nicht der Skeptiker muss beweisen, dass auf Neutronensternen kleine grüne Männchen unmöglich sind. Man kann den „schwachen Naturalismus" auch als Geschlossenheitsthese formulieren. Die Prozesse der Welt sind kausal geschlossen, sie hängen stark vernetzt voneinander ab, aber es gibt keine transmundanen Einflüsse, die das Ursachen-Netz durchbrechen. Die Kenntnis der notwendigen und hinreichenden Bedingungen innerhalb des Universums reicht hin, um Aufbau und Funktion lebendiger Systeme zu verstehen. Die kausale Geschlossenheit manifestiert sich u. a. in den Erhaltungssätzen, die überdies über tiefliegende Theoreme der Gruppentheorie mit der Struktur der Raumzeit verknüpft sind (E. Noether).

Jeder externe Eingriff in das Universum bedeutet eine Durchbrechung mindestens eines Erhaltungssatzes. Auch in der Mikrowelt gelten die klassischen Erhaltungssätze. Deshalb ist es sinnvoll, die Welt auch als epistemisch geschlossen zu betrachten. Im Sinne des stratonischen Immanenz-Prinzips wird die Welt aus sich heraus erklärt. Alle sinnvollen Probleme werden mit immanenten Mitteln gelöst. Der Naturalismus besagt auch, dass die innerweltlichen Entitäten nicht von beliebiger Sorte sein können. Abstrakte, spirituelle, platonische Agenzien wie Ideen, Gedanken, Einfälle sind danach durchaus reale Strukturen, die in der Welt wirken, aber sie bleiben immer Muster einer neuronalen Aktivität in dem Gehirn eines lebendigen Organismus. Wird eine Idee nicht von einem Gehirn gedacht, existiert sie nicht. Ontologisch abkoppeln lassen sich Ideen nicht. Dies ist keineswegs ein extremer philosophischer Standpunkt: Aristoteles hat gegen Platon verteidigt, dass gedankliche Strukturen nur in den Dingen vorkommen. Auch in seiner Psychologie denkt Aristoteles durchaus in Einklang mit dem modernen Naturalismus. So heißt es in De anima II, 413 a: „… dass nun die Seele nicht abtrennbar ist vom Körper … das ist offensichtlich". Nach Aristoteles gibt die Seele als Struktur dem organischen Material temporär eine bestimmte Form, die mentalen Funktionen sind aber an die stabile Existenz des organischen Trägersubstrates gebunden.

Algorithmisierbarkeit des Seelischen

Moderne Psychologen haben in Einklang mit Aristoteles' naturalistischer Psychologie darauf hingewiesen, dass die Seele nur dann verstehbar, erforschbar ist, wenn sie gesetzesartigen Regularitäten sowie der Naturkausalität unterworfen ist. D. Dörner hat klar gezeigt, dass eine wissenschaftliche Psychologie voraussetzt, dass Seelisches algorithmisierbar sei. Ohne diese Annahme könnte man für psychologische Phänomene gar kein kausales Modell mit Erklärungsanspruch erstellen. Wenn Seelisches aus der Naturkausalität herausfiele – wie Kant noch annahm – würde sich das Wechselwirkungsproblem nicht verstehen lassen, jene Offensichtlichkeit, dass Vorstellungen und Phantasien körperliche Effekte hervorrufen können. Wenn Seelisches nicht eine Struktur organischer Materie wäre, ließe sich Bewusstsein auch niemals in einem anderen Träger-Medium realisieren. Die Idee einer künstlichen Intelligenz, wobei mentale Funktionen auf mechanischen, elektronischen oder anderen nicht-organischen Trägerbasen aktiviert werden, wäre von vornherein ausgeschlossen. Es erscheint aber als eine arrogante Voreingenommenheit gegenüber allen informationsverarbeitenden Maschinen zu behaupten, dass eine solche Rekonstruktion unmöglich sei. Deshalb wäre es voreilig, die algorithmische Kompressibilität (Naturgesetzlichkeit) des Mentalen a priori auszugrenzen. Methodisch gesehen ist es immer sinnvoller, die Erkennbarkeit eines Bereiches anzunehmen als dessen Analyse-Resistenz dogmatisch zu behaupten. Weiterführend ist es hingegen zu versuchen, ob man zentrale Züge des menschlichen Seelenvermögens – wie die Autonomie – auf Maschinen eines bestimmten Komplexitätsniveaus rekonstruieren kann. D. Dörner hat dies vor kurzem in eindrucksvoller Weise durchgeführt, indem er die Seele als ein Steuerungssystem rekonstruiert hat, das ein organisches System zur Selbstbestimmung befähigt. Autonomie tritt danach als stammesgeschichtliche Errungenschaft auf, weil es den Individuen bestimmte Überlebensvorteile verschafft.

Zuweilen wird der Naturalismus als pragmatische Vorgabe gesehen, die es erlaubt, ungestört Wissenschaft zu betreiben. Ich plädiere dafür, den Naturalismus als philosophische Hypothese über die Welt anzusehen: Sie ist nicht direkt falsifizierbar, ist aber indirekt fallibel, weil kritisierbar. Nach Popper reicht die Kritisierbarkeit aus, um eine Hypothese als wissenschaftlich zu qualifizieren. Popper anders als Wittgenstein hielt an der Existenz genuiner philosophischer Probleme und Hypothesen über die Welt fest. Eine Widerlegung des Naturalismus erfolgt damit nicht durch Beobachtung oder Experimente, sondern durch Bezug auf die heute bewährten Theorien der Wissenschaft.

Naturalismus vs. Theismus

Der schwache Naturalismus ist nichts anderes als die sparsamste philosophische Hypothese über die Beschaffenheit der Welt. Auch der starke Naturalismus ist natürlich kritisierbar. Vor allem im Bereich der Kosmologie: Der Theologe W. L. Craig hat vor kurzem versucht zu zeigen, dass das Standard-Urknall-Modell der Kosmologie nicht ohne Rekurs auf einen transzendenten Schöpfungsvorgang verstanden werden kann. Adolf Grünbaum hat diesen Argumentationsgang heftig kritisiert und auch Quentin Smith hat die theistische Deutung der Anfangssingularität als non sequitur erkannt. Jedenfalls wird um den Naturalismus auf hohem intellektuellen Niveau in der analytischen Philosophie eine intensive Diskussion geführt.

Die Wechselwirkung spiritueller Entitäten mit materiellen (chemischen, biologischen, neuronalen) Systemen ist völlig ungeklärt: Was passiert im Detail, wenn zeitlose, unräumliche, masselose Entitäten mit materiellen Systemen in der Raumzeit wechselwirken. Kausalität wird durchweg reziprok begriffen (3. Newtonsches Gesetz). Was soll man sich aber bei der drastischen kategorialen ontologischen Differenz unter Reziprozität vorstellen? Es ist ungenügend, die kausale Interaktion nur zu behaupten, man muss sie – so wie im materialen Bereich – spezifizieren. Ein Austausch von Objekten, die Träger von Energie, Impuls oder Drehimpuls sind, lässt sich nicht auf eine psycho-physische Wechselwirkung übertragen, wenn die psychologische Seite keinen materiellen Träger besitzt.

Wie ist nun aber die Situation zu beurteilen, wenn keine Wechselwirkung zwischen außerweltlichem und innerweltlichem Bereich stattfindet? Dieser Fall liegt ja gerade bei schwachem Naturalismus vor. Methodisch gesehen, also von der Verfahrensseite her, ist dann alles noch viel seltsamer. Eine transzendente spirituelle Entität, die nicht die geringsten Spuren in einem völlig ontologisch und nomologisch autonomen Universum hinterlässt, ist de facto funktionslos. Es ist nicht logisch widersprüchlich anzunehmen, dass die naturale Welt eine übernatürliche Einbettung besitzt. Wenn von dort her keine Spuren in der Welt hinterlassen werden, bleibt es bei der logischen Möglichkeit der Existenz des einbettenden Bereiches, aber es fehlen jegliche gute Gründe, dass diese Einbettung tatsächlich existiert. Kognitiv zumindest ist eine solche Annahme ad hoc; vielleicht kann man ihr eine emotive Funktion zuordnen, eine palliative Rolle, um die Härte des Naturalismus abzumildern, aber systematisch gesehen ist eine derartige Hypothese willkürlich.

Auch der schwache Naturalismus ist mit dem traditionellen Theismus unvereinbar. Allenfalls könnte man den Pantheismus, wie ihn etwa Spinoza vertreten hat, einen naturalisierten Theismus nennen. Die Identifizierung der Natur mit einem göttlichen Wesen kann als Spiritualisierung der Natur oder als Materialisierung der Transzendenz gedeutet werden. Eine Reihe von Naturwissenschaftlern standen dem Pantheismus nahe, unter ihnen auch Einstein. Seine Bewunderung für den hohen Ordnungsgrad der Natur hat ihn immer wieder zu emphatischen Äußerungen verleitet. Vermutlich haben solche Bekenntnisse eine ästhetische Wurzel, der „gestirnte Himmel" erzeugte eben nicht nur bei Kant, sondern auch bei modernen Wissenschaftlern erhabene kosmische Gefühle. Systematisch ist aber vermutlich der Analyse Schopenhauers nichts hinzuzufügen: „Gegen den Pantheismus habe ich hauptsächlich nur Dieses, dass er nichts besagt. Die Welt Gott nennen, heißt sie nicht erklären, sondern nur die Sprache mit einem überflüssigen Synonym des Wortes Welt bereichern".

Finale oder kausale Deutung der Evolution

Ähnlich steht es auch mit der Teleologie: Zwecke, Ziele, globale Intentionen in die Natur hineinzutragen, wird heute in der Naturwissenschaft als eine Überschreitung der kausal-mechanistischen Erklärungsstrategie gesehen. Innerhalb des heutigen evolutionären Naturalismus wird die scheinbare Zweckmäßigkeit der Lebewesen als Anpassung erklärt und somit kausal gedeutet. Der evolutionäre Naturalismus ist deshalb antiteleologisch und kausalistisch, was aber das Moment des Zufalls einschließt. Wenn man durchgehend mit

kausalen Prozessen in der Naturerklärung auskommt, wird man nicht ohne Not teleologische Mechanismen einbauen. Sparsamkeit in Bezug auf Entitäten, Kräfte und Mechanismen heißt Naturerkenntnis mit Minimalontologie zu betreiben. So wenig Erklärungselemente wie möglich, aber so viel wie notwendig. Der methodische Grund dieser Beschränkung liegt darin, dass die einfachere von zwei Hypothesen, die also weniger Entitäten enthält, leichter prüfbar ist. Eine Hypothese mit mehr Größen, mehr Kombinationsmöglichkeiten kann weniger leicht an der Erfahrung scheitern. Mit ausreichend vielen Konstruktionselementen kann ein Theoriengebäude fast unwiderlegbar gemacht werden, wie man an der Ptolemäischen Astronomie gesehen hat. Selbstredend ist der Naturalismus kompatibel mit der Entdeckung neuer materieller Systeme, in dem Sinne ist er klarerweise ontologisch offen. Auf der anderen Seite muss der Naturalismus kategoriale Abgrenzungen vornehmen, um überhaupt Aussagekraft zu besitzen.

Der Naturalismus hat heute evolutionären Charakter. Das evolutive Paradigma hat nach und nach alle Ebenen der Komplexität erfasst. Zuletzt sogar das Universum. Darwins Theorie war eigentlich nur der Wegbereiter für den Entwicklungsgedanken auf allen Schichten der Natur. Eine abstrakte Form davon mit verallgemeinerter Dynamik bildet die Idee der Selbstorganisation (SO).

SO ist die Anwendung des Entwicklungsgedankens auf beliebige Strukturen: So spricht man z. B. von der chemischen Evolution einer Galaxis, wenn sie selber ihren Anteil an Metallen erhöht. Die Idee der SO brachte Formen der Naturalisierung mit sich, die, als sie die höheren Leistungen des Menschen erreichte, Proteste und Abwehrreaktionen hervorrief. Sprache, Erkenntnis, Moral, ästhetisches Vermögen als neurobiologische Produkte, als spontane Organisationsleistungen des Hirns zu entschlüsseln, erschien vielen als eine Entwertung und Herabsetzung des spezifischen „Humanums". Max Scheler hat in seinem Buch: „Die Stellung des Menschen im Kosmos" dieser Abwehrhaltung Ausdruck gegeben. Er meinte noch, dass über allen neurobiologischen Funktionen der noàj als der genuine Exponent des Geistes walte. Heute wird in der Philosophie des Geistes nirgendwo mehr von einem noàj Gebrauch gemacht. Die Naturalisierung des Geistes wird bis heute von vielen als „Entzauberung" (Max Weber) empfunden, als etwas, das uns den letzten Rest von Mittelpunktsbestimmung im Universum nimmt. Bei Jean Paul war es noch ein Alptraum, bei Nietzsche eine bestürzende Erfahrung und bei Steven Weinberg eine trockene Konstatierung, dass der menschliche Geist keine Sinnkonstitution im Universum leisten kann. Auch Entrüstung hat somit eine Dämpfungskurve.

Eine wichtige Funktion bei der Naturalisierung des Geistes haben die jüngst etablierten Brückendisziplinen ausgeübt, die die Verankerung der mentalen Funktionen in der Physis verstärkten. Soziobiologie, Psychobiologie, Neurobiologie, Biolinguistik, haben den von Scheler so betonten Hiatus von Geist und Materie stark verringert. Auch Kognitionsforschung und Computer-Wissenschaft greifen in das früher rein von der Philosophie beherrschte Gebiet von Anthropologie, Epistemologie und Ethik ein. Jüngst wurde die Ästhetik von der Evolutionstheorie erfasst. Einer meiner Gießener Kollegen ist dabei, eine evolutionäre Ästhetik auszuarbeiten.

Naturalisierung der Philosophie

Der vorstehende Prozess lässt sich durchaus als Naturalisierung der Philosophie beschreiben. Diese Entwicklung ist kaum rückgängig zu machen. Eine glaubwürdige Philosophie muss sich heute im Verein mit den Einzelwissenschaften bemühen, den Menschen, die Welt und deren kognitive Wechselwirkung zu begreifen. Nicht nur die Philosophie, die Geisteswissenschaften schlechthin können sich ohne Substanzverlust nicht von den Neuro-, den Informations- und den Kognitionswissenschaften isolieren. Die Geisteswissenschaften sind nicht mehr allein die genuinen Verwalter von Vernunft, Subjektivität und Emotion. In den naturwissenschaftlich orientierten Spezialdisziplinen, wie z. B. Psychopharmakologie wird religiöses Bewusststein analysiert; Psycho-Robotik rekonstruiert die Autonomie des menschlichen Subjektes, Verhaltensgenetik die Koevolution von Natur und Kultur. Eine naturalistische Anthropologie ist dabei, Kernbegriffe der Hermeneutik und Geisteswissenschaften wie Person, Selbst, Subjekt in eine objektivierende wissenschaftliche Sprache zu übertragen. Dass dabei auch emotionales Pathos verloren geht, mag manchen stören, ist aber de facto kein kognitiver Verlust.

Es ist zu erwarten, dass bei einer objektiven Rekonstruktion des Bewusstseins manche Vorurteile der Folklore-Psychologie des Alltagsverstandes verloren gehen. Zum festen Bestand der Alltags-Psychologie gehört die Überzeugung, dass die Perspektive der ersten Person, in der wir über die eigenen psychischen Erlebnisse sprechen, von der objektiven neurophysiologischen Beschreibung nicht eingeholt werden kann, was Thomas Nagel in das berühmte Fledermaus-Gleichnis gekleidet hat. Das Argument hält jedoch nicht Stand, wie Paul Churchland gezeigt hat: Der privilegierte Zugang, den die Fledermaus und wir alle zu unseren inneren mentalen Zuständen besitzen, bedingt mitnichten, dass diese Zustände unphysikalisch sein müssen. Jeder Mensch hat auch einen privilegierten Zugang zu den Zuständen seiner Eingeweide, dennoch zweifelt er nicht, dass diese nach physiologischen Gesetzen funktionieren. Spezielle Informationskanäle zu bestimmten physiologischen Prozessen unseres Körpers bedingen keine immateriellen Zustände.

Die Freiheit des Willens

Eine ähnliche Rolle wie das Gefühl von der Besonderheit des Sprechens in der ersten Person spielt in der Naturalismus-Debatte die Freiheit des Willens. Dies ist ein Lieblingsthema der idealistischen Philosophie. Angeblich ist aus dieser evidenten Fähigkeit des Menschen antinaturalistisches Kapital zu schlagen. Schon Spinoza und Voltaire haben diese Begriffszusammenstellung als inkohärente Kombination kritisiert. Die analytische Philosophie ist fast durchweg dieser Kritik gefolgt. Schlick, Carnap, Russell beziehen den Freiheitsbegriff ausschließlich auf den Handlungsbereich und explizieren die Freiheit des Handelns als Abwesenheit von Zwang. Handlungsfreiheit lässt sich kohärent mit Naturkausalität zusammenbringen. Hobart hat darüber hinaus schon 1934 in einer vielbeachteten Arbeit gezeigt, dass für einen sinnvollen Begriff moralischer Verantwortlichkeit die Kausalstruktur der Welt sogar unabdingbar ist. Die sich uns anscheinend als unhinterfragbar aufdrängende Intuition von der Ursachlosigkeit unserer Entscheidungen ist eine der vielen Illusionen unserer Alltags-Psychologie. Die moderne Neurophilosophie hat die Überzeugung von der Infallibilität der Introspektion längst fallengelassen. Es ist viel glaubwürdiger, dass wir selber unsere internen mentalen Prozesse falsch einschätzen, als dass wir ausgerechnet in dieser fluktuierenden Welt sicheres Wissen besitzen.

Normativer Naturalismus

Die Übertragung der naturalistischen Denkweise auf den normativen Bereich hat von jeher Zweifel geweckt. Aufgrund der weithin akzeptierten Barriere zwischen dem Reich des Faktischen und der Welt der Normen und Werte schien sich hier ein unüberwindlicher Hiatus aufzutun, den der Naturalismus keineswegs überbrücken könne. Bis in die Gegenwart verteidigen u. a. die Vertreter einer theonomen Moral die Irrelevanz deskriptiven Wissens für die Welt der Normen. So der evangelische Theologe Georg Hunteman: „Biblisches Ethos kann sich nicht an der Natur orientieren". Man muss den früheren Rationalisten und Aprioristen zu Gute halten, dass lange Zeit nichts über die stammesgeschichtlichen Engramme im Gehirn bekannt war. Mit der Kenntnis spezifischer Orientierungen, Neigungen, Tendenzen unserer emotiven biologischen Basis ließ sich die Existenz absoluter extrasomatischer Werte schlecht verbinden. Daraus resultierte das Unternehmen der Bioethiker wie E. Wilson und M. Ruse, Moralphilosophie als angewandte Wissenschaft zu begreifen. Damit hat die Naturalisierungsstrategie auch die Ethik erreicht: Je besser man die materielle Basis des wertenden Systems versteht, um so eher werden die Quellen der moralischen Haltungen und Einstellungen plausibel. Wenn man erkannt hat, dass viele Werte stammesgeschichtliche Adaptionen darstellen, damit Optimierungen für den Existenzkampf bilden, dann ist eine platonische Existenzform der Werte höchst unglaubwürdig. Naturalisierung in der Ethik heißt nicht einfach, naturwüchsige Tendenzen gut zu heißen, sondern unser Gefühl von moralisch Richtig und Falsch, das als Basis für unseren ethischen Kanon dient, als Optimierung der Evolution des Gehirns zu erkennen. Man will also aus der materialen Basis des moralischen Fühlens die heute akzeptierten Verhaltensregeln gewinnen. Soweit befinden wir uns auf der Erklärungsebene.

Die Naturalisten wie E. O. Wilson sind aber auch überzeugt, dass selbst für die Rechtfertigungsebene die emotive Basis unserer Wertungen von Belang ist. Um nicht bei der Restriktion, die jede Ethik darstellt, an den moralischen Subjekten vorbeizunormieren, müssen Brückenprinzipien (H. Albert) eingesetzt werden. Ein klassisches Brückenprinzip ist aus dem Römischen Rechtssystem bekannt: „Ultra posse nemo obligatur". Die Verpflichtung des moralischen Subjektes muss auf die empirischen Möglichkeiten Rücksicht nehmen. Die empirischen Möglichkeiten sind aber gerade die schon erwähnten stammesgeschichtlichen Programmierungen. In Unkenntnis der faktischen Natur des Menschen wurden diese durch aprioristische Normierungen in unsinnige Konflikte hineinmanövriert.

Der Paradefall eines solchen Konfliktes war die über Jahrhunderte verteidigte Sexualethik, in der an die Menschen den biologischen Programmen extrem zuwiderlaufende Forderungen gestellt wurden, die auf der anderen Seite für ein glückliches Zusammenleben der Geschlechter gar nicht erforderlich war. Die normative Prinzipien-Ethik entartete in diesem Fall zu einem Zwangssystem, weil keine Brücken zur faktisch im Menschen verankerten Triebsituation vorhanden wa-ren. In Kants „Metaphysik der Sitten" findet man viele Beispiele dafür, wie idealistische Leitvorstellungen ohne Rücksicht auf empirische Gegebenheiten der biologischen Natur des Menschen zu absurden ethischen Forderungen geführt haben. Hingegen gehen moderne Vertreter einer evolutiven Ethik wie Michael Ruse dazu über, die Dispositionen des Individuums aus der Stammesgeschichte in Rechnung zu stellen, wenn es sich um die Gewichtung von Mustern des Sexualverhaltens handelt. Naturalismus in der Ethik bedeutet also – dies ist zu beto-nen – kein blindes Übernehmen von natürlichen Verhaltensmustern, sondern die Berücksichtigung der faktischen Strebungen bei der Aufstellung von Handlungsnor-men, um die Spannung zwischen Sollen und Wollen zu minimieren. Eine naturalisti-sche Ethik wird also sicher sparsam mit Restriktionen umgehen. Nur so viele Forde-rungen werden aufgestellt, dass das Wohlbefinden aller Individuen der Gemeinschaft garantiert ist. Ziel einer solchen Ethik ist, dass Menschen nicht aus Selbstzweck irgendwelche Prinzipien erfüllen müssen, sondern dass alle – soweit von den materi-alen Randbedingungen her möglich – ein aus ihrer eigenen Sicht gelungenes Leben führen können. So steht die naturalistische Ethik im Dienste der Idee eines glück-lichen Lebens, dem Zentrum eines modernen säkularen Humanismus

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Weitere Arbeiten zum Thema Initiative Humanismus siehe hier.

 




Vrône Lîcham


Ich werde mir sicherlich nicht die Mühe machen, aufwändige Recherchen zu einem überflüssigen Fest zu unternehmen, von dem selbst kaum noch ein Katholik weiß, worum es wirklich geht. Die meisten lässt es eh kalt und die wenigen, die es noch begreifen und mitmachen, verhelfen einmal mehr dazu, katholischen Pomp penetrant in die Öffentlichkeit zu tragen. Die klug gewählte Jahreszeit und der geschickt ausgesuchte Wochentag für das Brimborium (neudeutsch: event) bringen allerdings stressgeplagten Arbeitnehmern unter Einschluss des „Brückentags“ einen willkommenen Kurzurlaub bei meist gutem Sommerwetter. Während sich die Beinharten mit den Monstranzen abschleppen und mit den prunkvollen Baldachinen aus 1001 Nacht, liegen sie genüsslich in den Isarauen, sitzen in den Biergärten und lassen den „lieben Gott“ einen guten Mann sein. Da es ja auch googlefaule und weniger exzellent mit katholischen Interna vertraute Humanisten geben soll, sei hier auf die Wikipedia verwiesen, die wenigstens einige der notwendigen Fakten liefert. Ein Dankeschön an Juliana von Lüttich für diesen Tag, den ich sicherlich irgendwo in einer gemütlichen Restauration mit Handkäs und Musik und einem Bempel Äppelwoi an den Ufern des Mains verbringen werde.

Wikipedia: Das Fronleichnamsfest ist ein Hochfest im Kirchenjahr der katholischen Kirche, mit dem die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird. Die Bezeichnung Fronleichnam leitet sich vom mittelhochdeutschen vrône lîcham „des Herren Leib“, ab (vrôn „was den geistlichen oder weltlichen Herrn betrifft“ und lîcham „der Leib“). In der Liturgie heißt das Fest „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, regional wird es auch „Prangertag“ oder „Blutstag“ genannt. Im Englischen und in anderen Sprachen trägt das Hochfest den Namen „Corpus Christi“.

Fronleichnam wird am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest begangen (am 60. Tag nach dem Ostersonntag) und fällt somit frühestens auf den 21. Mai und spätestens auf den 24. Juni. Der Donnerstag als Festtermin steht in enger Verbindung zum Gründonnerstag und der damit verbundenen Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus selbst. Wegen des stillen Charakters der Karwoche erlaubt der Gründonnerstag keine prunkvolle Entfaltung der Festlichkeit. Aus diesem Grund wurde das Fest Fronleichnam bei seiner Einführung auf den Donnerstag der zweiten Woche nach Pfingsten gelegt. In Ländern, in denen Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag ist, kann das Hochfest auch am darauffolgenden Sonntag gefeiert werden.

Das Fest der leiblichen Gegenwart Christi im Altarssakrament wurde erstmals 1246 im Bistum Lüttich gefeiert und 1264 von Papst Urban IV. durch die Bulle Transiturus de hoc mundo zum Fest der Gesamtkirche erhoben. Unter anderem schrieb Urban IV.: „Wir haben es daher, um den wahren Glauben zu stärken und zu erhöhen, für recht und billig gehalten, zu verordnen, dass außer dem täglichen Andenken, das die Kirche diesem heiligen Sakrament bezeigt, alle Jahre auf einen gewissen Tag noch ein besonderes Fest, nämlich auf den fünften Wochentag nach der Pfingstoktav, gefeiert werde, an welchem Tag das fromme Volk sich beeifern wird, in großer Menge in unsere Kirchen zu eilen, wo von den Geistlichen und Laien voll heiliger Freude Lobgesänge erschallen.“

Das vierte Laterankonzil hatte 1215 die Wandlung der eucharistischen Gestalten mit der Transsubstantiationslehre präzisiert und zum Dogma erhoben. Katholiken glauben, dass in der Heiligen Messe die eucharistischen Gestalten durch die Wandlung wahrhaft zum Leib und Blut Christi werden und Christus darin gegenwärtig ist und bleibt.

Die Anregung zu dem Fest soll auf eine Vision der heiliggesprochenen Augustiner-Chorfrau Juliana von Lüttich im Jahre 1209 zurückgehen. Diese berichtete, sie habe in einer Vision den Mond gesehen, der an einer Stelle verdunkelt war. Christus habe ihr erklärt, dass der Mond das Kirchenjahr bedeute, der dunkle Fleck das Fehlen eines Festes des Altarssakraments. Aus der Einführungsbulle Transiturus hoc mundo geht aber auch hervor, dass Papst Urban IV. als primären Einführungsgrund des Festes den siegreichen Triumph über die Ketzerei favorisierte, die die Transsubstantiation geleugnet hatte.

Für das Fest entstand ein eigenes Mess-Proprium und Stundengebet, für das Thomas von Aquin als Autor gilt, ebenso wie für die Hymnen, die den Charakter des Fests entscheidend geprägt haben: Panis angelicus, Pange lingua, Adoro te devote, Verbum supernum prodiens und die Sequenz Lauda Sion.

Die erste Fronleichnamsprozession in Bayern fand 1273 in Benediktbeuern statt. Mit einer Sakramentsprozession wurde das Fest erstmals 1279 in Köln begangen. Ihren Höhepunkt an festlicher Gestaltung erreichte die Fronleichnamsprozession im 17. und 18. Jahrhundert. In München zog die Prozession zwischen den Stadtmauern hin, und die vier Evangelien wurden an den vier Stadttoren Schwabinger Tor, Isartor, Sendlinger Tor und Karlstor verlesen.

 




Kommt jetzt die "Wiederverchristlichung"?


BonifatiusGemäß einer Aussendung vom 18.6.2019 von kathpress.at, der Katholischen Presseagentur in Österreich (gemäß Impressum fungiert als Herausgeber Kardinal Christoph Schönborn in seiner österreichweiten Zuständigkeit als Medienbischof) will das "Bonifatiuswerk" auf die "entchristlichte Gesellschaft" reagieren.

Denn "Das Bonifatiuswerk ist ein deutsches Hilfswerk und will verstärkt Initiativen fördern, 'um kirchenfernen Menschen andere und neue Zugänge zur Kirche zu ermöglichen'."

Wikipedia kennt dieses Werk auch und definiert es kurz so: "Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V. ist ein katholisches Hilfswerk für die Unterstützung der Seelsorge in den Diasporaregionen in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum. Den Auftrag dafür hat das Spendenhilfswerk von der Deutschen Bischofskonferenz. Das Bonifatiuswerk setzt sich zum Ziel, den missionarischen Auftrag der katholischen Kirche dort zu unterstützen, wo Katholiken in einem mehrheitlich glaubensfremden und zunehmend ungläubigen Umfeld leben."

Wenn die österr. Agentur kathpress das auch in Österreich aussendet, dann wird wohl das katholische Problem der zunehmenden Glaubensfremde auch hier wahrgenommen worden sein. Es ist seit Jahren für unsereinen unterhaltsam wie die katholische Kirche von Missionierung und Neuevangelisierung redet und manchmal sogar was plant, aber bisher auf diesem Gebiet noch nie was auf die Füße stellen konnte. Aber schauen wir uns einmal den Text der Aussendung an und meinereiner fügt dazu seine beliebten Kommentare ein!

Kathpress: Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken will mit der stärkeren Förderung missionarischer Projekte auf eine nach seiner Ansicht "entchristlichte Gesellschaft" reagieren. Es gehe nicht nur darum, katholische Christen überall dort zu unterstützen, wo sie in einer Minderheitensituation ihren Glauben leben, sagte der Präsident der Hilfswerks, Heinz Paus, am Dienstag vor Journalisten in Fulda. Das Werk wolle verstärkt Initiativen fördern, "um kirchenfernen Menschen andere und neue Zugänge zur Kirche zu ermöglichen".
Atheistischer Kommentar: Die europäische Religionsschrumpfung ist eine evolutionäre Entwicklung. Sie beruht ganz sicher nicht auf atheistischer Propaganda oder gar auf antikirchlichen Repressionen, sondern hat Wurzeln: das Elend alter religiöser Zeiten ist weitgehend verschwunden, der Satz von Karl Marx, dass das religiöse Elend Ausdruck des wirklichen Elendes und der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, der Geist geistloser Zustände, somit das Opium des Volkes sei, hat in den entwickelten von der Arbeiterbewegung gegen kirchlichen Widerstand zu Sozialstaaten ausgebauten Ländern keine wirkliche Bedeutung mehr. Elend ist eine Randerscheinung, der Sozialstaat garantiert soziale Rechte und schafft damit die Herzlosigkeit ab, die zunehmende Bildung die in hochreligiösen Zeiten üblichen geistlosen Zustände und damit die Religion als Opium des Volkers ab. Und ohne dieses religiöse Opium funktioniert das Religionssystem eben nur noch sehr eingeschränkt, weil der emotionale Zwang fehlt, wer z.B. krankenversichert ist, braucht vermeintliche Gotteshilfen maximal in extremen Ausnahmefällen und findet sie dort auch nicht. Kirchenferne ist daher weitgehend eine Selbstverständlichkeit und kein Mangelzustand!

Kathpress: Man wolle nicht hinnehmen, dass "in Teilen unserer entchristlichten Gesellschaft der persönliche Glaube nur noch eine Randerscheinung" sei, so Paus. Man habe es mit dem Phänomen einer "Glaubensdiaspora" nicht nur in Ostdeutschland, sondern auch in anderen Teilen der Bundesrepublik zu tun. Es gehe deshalb darum, auch "missionarische und evangelisierende Projekte in ganz Deutschland zu fördern", sagte Georg Austen, Hauptgeschäftsführer des Hilfswerkes.
Atheistischer Kommentar: Der persönliche Glaube ist eben deswegen eine Randerscheinung, weil im Alltag der Bedarf dafür nimmer vorhanden ist. In Ostdeutschland, also in der seinerzeitigen DDR, mag viel nicht funktioniert haben, der durchorganisierte Sozialstaat hat funktioniert, das Recht auf Gesundheitsdienste, Bildung, Arbeitsplatz, das hat jeder gehabt, da hat man keinerlei Götter für irgendwas gebraucht. Und wenn man jahrelang auf seinen Trabant warten musste, hat auch kein Gott für Beschleunigung gesorgt. Darum ist dieses Gebiet vorbildlich und zeitlich vorausgeschritten religionsfrei, für missionarische und evangelisierende Projekte besteht nahezu keine Nachfrage, das ist nur noch ein Nebenschauplatz für kleine Gruppen von Leuten mit psychischen Problemen.

Kathpress: Geplant sei deswegen, einen "Förderungstopf" im Umfang von mehreren hunderttausend Euro aufzulegen, mit dem "innovative Maßnahmen" in ganz Deutschland unterstützt werden sollen. Nicht immer könne dabei vielleicht zu Beginn ausgelotet werden, ob ein Modellprojekt erfolgreich sei. Es sei durchaus "auch etwas Risikobewusstsein" gefragt, hieß es.
Atheistischer Kommentar: Ja, das Risiko hunderttausende Euro für Missionierungen auszugeben, ist bestimmt recht hoch. Da wäre es wohl am ehesten noch sinnvoll, Leuten für den Kirchbesuch eine gute Gage zu bezahlen und sie dort nicht mit dem Leib und Blut Christi, sondern mit Schweinsbraten und guten Getränken zu füttern. Aber das wird man wohl erst im nächsten Jahrhundert versuchen…

Kathpress: Das Bonifatiuswerk hat im vergangenen Jahr 1.254 Projekte für katholische Minderheiten in Deutschland, Skandinavien und dem Baltikum mit 15,4 Millionen Euro gefördert. Das geht aus dem Jahresbericht 2018 hervor, den das in Paderborn ansässige Hilfswerk vorstellte. Die Ein- und Ausgabensituation sei 2018 im Vergleich zum Vorjahr "stabil" geblieben. 2017 waren 776 Projekte im Umfang von 14,5 Millionen Euro gefördert worden.'
Atheistischer Kommentar: Somit gab es im Schnitt für jedes der 2018 geförderten 1254 Projekte 12.280 Euro, 2017 waren es im Schnitt 18.686 Euro gewesen. dazu müsste es ja auch Berichte über die Erfolge geben! Wie viele Kirchenferne wurden kirchennäher? Und um wie viele Promille sank die Entchristlichung ab? Laut deutsch-katholischer Kirchenstatistik für das Jahr 2017 (für 2018 gibt's noch keine) ist der Besuche der Sonntagsmesse von 2016 auf 2017 von 10,2 auf 9,8 % zurückgegangen, das ist die übliche Rate, das Bonifatiuswerk führt offenbar selber gar keine Wirkungsstatistik…

Kathpress: Der Fuldaer Bischof Michael Gerber sagte, Bonifatius sei als Namensgeber des 1849 gegründeten Hilfswerks "ein sehr guter Patron auch nach 170 Jahren". Der aus England stammende Benediktinermönch, der im Jahr 719 den Missionsauftrag für Germanien bekommen hatte, sei vor der Herausforderung gestanden, den Glauben "in einer völlig anderen Kultur zu verkünden". Heute sei die Gesellschaft von einer "sehr starken Pluralität" geprägt, in der gerade Jugendliche wegen der intensiven Beschäftigung mit dem Smartphone "gleichzeitig in mehreren Welten leben", so Gerber. Es sei deshalb eine Herausforderung für die Kirche, sich "in neue Kulturräume zu wagen".
Atheistischer Kommentar: Ja, heute geht das nimmer wie zur Zeit vom Bonifatius, heute muss man nimmer katholisch werden oder katholisch sein. Aber immerhin! Das Smartphone behindert den Glauben! Und die jungen Leute leben in mehreren Interessenswelten statt wie in den alten Zeiten in der gegen jedwede Konkurrenz abgesicherten katholischen Zwangswelt. Und die kann man ja nimmer auferstehen lassen! Was soll da die Bonifatiushilfe heute bringen?

Kathpress: Das Bonifatiuswerk förderte 2018 in den Diasporagebieten Deutschlands, Nordeuropas und in den baltischen Staaten Estland und Lettland allein 74 Bauprojekte mit 3,3 Millionen Euro. Insgesamt 1.067 Projekte der Kinder- und Jugendhilfe wurden mit 1,8 Millionen Euro und 74 Projekte der Glaubenshilfe mit 816.000 Euro unterstützt. In missionarische Initiativen zur Verbreitung der christlichen Botschaft sowie in die religiöse Bildungsarbeit flossen über zwei Millionen Euro.
Atheistischer Kommentar: Als Schlusswort die Statistik über von kirchennahen Leuten an das Bonifatiuswerk gespendeten Summen und die Art ihrer Verteilung! 74 Bauprojekte erhielten im Schnitt knapp 44.600, 74 Glaubenshilfeprojekte bekamen durchschnittlich ca. 11.000 Euro und dann gab's noch zwei Mio. Euro für die Mission. Und? Was hat das gebracht? Wie viele kirchennahe Katholiken wurden damit erzeugt? Um wie viele Leute mehr sitzen durch die Bauprojekte in kirchlichen Räumlichkeiten? Keine Zahlen zu irgendwas zu finden!

Da gab's wohl auch keine Missionserfolge! Die angestrebte "Wiederverchristlichung" gibt's nicht und wird's nicht geben!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Catherine Nixey: „HEILIGER ZORN“


Heiliger Zorn

Rezension von Gerfried Pongratz:

In England mehrfach zum „Book of the Year“ gekürt und mit dem Jerwood Award ausgezeichnet, von The New York Times zu den bemerkenswertesten Büchern des Jahres 2018 gezählt („Nixey bringt Licht in die traurige Geschichte von intellektueller Monokultur und religiöser Intoleranz“) und auch von deutschen Presseorganen hochgelobt, bietet das Erstlingswerk der britischen Historikerin und Journalistin Catherine Nixey tiefgründiges, umfangreiches Wissen zu einem düsteren Abschnitt der europäischen Kultur- und Geistesgeschichte.

 

Gnadenlos und leidenschaftlich“, mit packenden, bildhaften Formulierungen und beeindruckend umfangreich in ihrer Quellensicht, beschreibt die Autorin „das Wüten des Christentums“ in den ersten Jahrhunderten nach seinem Entstehen. Gemäß der Forderung des Heiligen und Kirchenvaters Augustinus von Hippo: „Dass aller Aberglaube der Heiden vernichtet werden soll, ist das, was Gott will, was Gott befiehlt, was Gott verkündet!“.

 

Die Christen haben die Antike zerstört“. Schon kurz nach Beginn der Regentschaft des ersten christlichen Kaisers (Konstantin) in Rom im Jahr 312 begann ihre Tyrannei, ab dem 4. und 5. Jahrhundert erreichte sie traurige Höhepunkte mit der Zerstörung einer unfaßbaren Anzahl von „heidnischen“ Tempeln und Kunstwerken, mit Bibliothekenvernichtungen und Bücherverbrennungen, mit Zwangstaufen, Vertreibungen, Hinrichtungen: „Gerade einmal ein Hundertstel der lateinischen Literatur überlebte die Jahrhunderte, 99 Prozent sind für immer verschwunden“ (S. 21).

 

Nixey, Tochter einer ehemaligen katholischen Nonne und eines ehemaligen Mönchs, bezeichnet ihr Buch als „Art historischer Reisebericht“, der das römische Reich durchquert und an bestimmten Orten zu besonders bedeutsamen Zeiten „Zwischenstopps“ einlegt. Mit „heiligem Zorn“ beschreibt sie die Zerstörung der antiken römischen Welt durch die Christen und das Leid derer, die das Christentum unterjochte. „Und ja, es ist eine erzählende historische Darstellung: Ich habe versucht nachzuspüren (S. 25). „Es ist ein Buch über die vielen Tragödien, die sich hinter dem „Triumph“ des Christentums verbergen“ (S. 28).

 

Das Christentum, die neue Religion, bot den Menschen nicht nur im Hier und Jetzt Trost und Gemeinschaft, es gab ihrer Existenz Sinn und versprach zudem auch ewige Seligkeit nach dem Tod. Diese Kombination und auch die Tatsache, dass viele Lehren Jesu voll Güte sind und Sinn ergeben, war für zahllose Menschen Grund genug, sich der jungen Religion anzuschließen, wobei die Kleriker ihren Gemeinden klarmachten, dass die Religion der anderen zu bekämpfen, zu den ehrenvollsten Tätigkeiten zählt. Die Bibel selbst verlangte es ja: „Ihr sollt ihre Altäre niederreißen, ihre Steinmale zerschlagen, ihre Kultpfähle verbrennen, die Bilder ihrer Götter umhauen, ihre Namen tilgen“ (5. Buch Mose).

 

Lange Zeit konnten die Römer nicht verstehen, warum die Christen ihren neuen Gott nicht einfach zusätzlich zu den alten römischen Göttern anbeten konnten; sie wurden eines Schlechteren belehrt: „Keine 50 Jahre nach Konstantin wurden alle, die es noch wagten, den alten Göttern zu opfern, zum Tode verurteilt“ (S. 132). „Als die Christen damit fertig waren, die „Heiden“ zu verfolgen, war ein komplettes religiöses System getilgt und aus der Welt geschafft worden“ (S. 157). Heute als große Heilige Verehrte, wie z.B. der Kirchenvater Hieronymus, beteiligten sich direkt und indirekt an Missetaten, bzw. bejubelten sie; Johannes Chrysostomos: „Die Schriften der Griechen sind allesamt untergegangen und ausgelöscht“ (S. 240).

 

„Eine neue Ära war angebrochen“. Wer einen anderen Gott anbetete, war im Unrecht. „Und wer im Unrecht war, wurde gepackt, gefesselt und – falls nötig – auch geschlagen. Hauptsache, man konnte ihn aufhalten“ (S. 89). In 10 Kapiteln beschreibt das Buch die Stationen, Maßnahmen und Folgen christlicher Feldzüge gegen antikes Wissen, gegen antike Kultur und Kunst, gegen „heidnische“ Philosophen und Wissenschaftler. Gemäß der Worte des Apostel Paulus „Die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott“ (S. 218) wurden die meisten Werke antiker Philosophen der Vernichtung preisgegeben (was allerdings bei gebildeten Christen nicht immer ohne Widerspruch blieb).

 

Nixey zitiert zahlreiche Schriften und Aussagen antiker Autoren (Damaskios, Kelsos, Demokrit, Lukian, Lukrez, Porphyros, Lukian, Plinius d.J. etc.); in Kapiteln wie „Krieg gegen die Tempel“, „Die Ruchlosen“, „Vom Bösen gereinigt“, „Barmherzige Barbarei“ schildert sie die christliche Zerstörungswut gegen alles „Heidnische“ und beschreibt die Greueltaten christlicher Fanatiker – z.B. auch gegen jüdische Gemeinden und Einzelpersonen (Ermordung der Mathematikerin Hypatia). „Wenn es um die Ehre Gottes geht, gibt es keine Grausamkeit“ (Hieronymus, Brief 109.32) und „Wo Schrecken herrscht, da ist Rettung …. Oh, barmherzige Barbarei“ (Augustinus).

 

Nixey relativiert auch die zahlreichen Legenden zum christlichen Märtyrertum in der römischen Antike: „Der Mythos entspringt der Erzählung, dass die ersten Christen sich wehrhaft der Verfolgung entgegengestellt haben, bis Kaiser Konstantin bekehrt war, das Christentum seinen Siegeszug begann und ab dann als Staatsreligion das Narrativ der Nächstenliebe verbreiten konnte“.

 

Fanatisierte Menschen zerstörten eine Hochkultur und begingen in der Frühphase des Christentums im Namen ihrer Religion schreckliche Verbrechen: „Die bunte, vielfältige, streitbare klassische Welt wurde buchstäblich ausgelöscht“ (S. 241) könnte als Kernaussage des Buches, belegt mit 681 Quellenzitaten und einem sehr umfangreichen Literaturverzeichnis, dienen. Der Umfang des Werkes sowie die Tiefe der Ausführungen beeindrucken, erfordern aber auch Durchhaltevermögen. Obwohl spannend geschrieben, ermüden in manchen Kapiteln die überaus detaillierten Darstellungen (allzu)vieler Einzelheiten und der insgesamt sprunghafte Aufbau des Buches. Es bietet eine Mischung aus populärwissenschaftlicher und wissenschaftlicher Literatur; für erstere etwas zu detailreich und inhomogen, für letztere zu wenig stringent (und in der Quellensichtung vielleicht auch zu selektiv). Wie bei Karlheinz Deschners „Kriminalgeschichte des Christentums“ erfordert es nicht nur am Thema interessierte, sondern auch geduldige, konzentrationsstarke Leserinnen und Leser, denen es unter diesen Voraussetzungen eindringlich empfohlen werden kann.

Catherine Nixey: „HEILIGER ZORN“

© Deutsche Verlagsanstalt, München, 2019, ISBN 978-3-421-04775-5, 397 Seiten

 

 

Gerfried Pongratz 6/2019




Warum darf ich keinen Kanadier besitzen?


Der Hintergrund zu folgendem Text: Laura Schlessinger ist eine US-Radio-Moderatorin, die Leuten, die in ihrer Show anrufen, Ratschläge erteilt. Kürzlich sagte sie, als achtsame Christin, daß Homosexualität unter keinen Umständen befürwortet werden kann, da diese nach Leviticus 18:22 ein Gräuel wäre. Der folgende Text ist ein offener Brief eines US-Bürgers an Dr. Laura, der im Internet verbreitet wurde.

Das Original findet sich hier : Why can’t I have a Canadian ?

Liebe Dr. Laura!

Vielen Dank, daß Sie sich so aufopfernd bemühen, den Menschen die Gesetze Gottes näher zu bringen. Ich habe einiges durch Ihre Sendung gelernt und versuche das Wissen mit so vielen anderen wie nur möglich zu teilen. Wenn etwa jemand versucht seinen homosexuellen Lebenswandel zu verteidigen, erinnere ich ihn einfach an das Buch Mose 3, Leviticus 18:22, wo klargestellt wird, daß es sich dabei um ein Gräuel handelt. Ende der Debatte.

Ich benötige allerdings ein paar Ratschläge von Ihnen im Hinblick auf einige der speziellen Gesetze und wie sie zu befolgen sind,

a.) Wenn ich am Altar einen Stier als Brandopfer darbiete, weiß ich, daß dies für den Herrn einen lieblichen Geruch erzeugt (Lev. 1:9). Das Problem sind meine Nachbarn. Sie behaupten, der Geruch sei nicht lieblich für sie. Soll ich sie niederstrecken?

b.) Ich würde gerne meine Tochter in die Sklaverei verkaufen, wie es in Exodus 21:7 erlaubt wird. Was wäre Ihrer Meinung nach heutzutage ein angemessener Preis für sie?

c.) Ich weiß, daß ich mit keiner Frau in Kontakt treten darf, wenn sie sich im Zustand ihrer menstrualen Unreinheit befindet (Lev. 15:19-24). Das Problem ist, wie kann ich das wissen? Ich hab versucht zu fragen, aber die meisten Frauen reagieren darauf pikiert.

d.) Lev. 25:44 stellt fest, daß ich Sklaven besitzen darf, sowohl männliche als auch weibliche, wenn ich sie von benachbarten Nationen erwerbe. Einer meiner Freunde meint, daß würde auf Mexikaner zutreffen, aber nicht auf Kanadier. Können Sie das klären? Warum darf ich keine Kanadier besitzen?

e.) Ich habe einen Nachbarn, der stets am Samstag arbeitet. Exodus 35:2 stellt deutlich fest, daß er getötet werden muß. Allerdings: bin ich moralisch verpflichtet ihn eigenhändig zu töten?

f.) Ein Freund von mir meint, obwohl das Essen von Schalentieren, wie Muscheln oder Hummer, ein Gräuel darstellt (Lev. 11:10), sei es ein geringeres Gräuel als Homosexualität. Ich stimme dem nicht zu. Könnten Sie das klarstellen?

g.) In Lev. 21:20 wird dargelegt, daß ich mich dem Altar Gottes nicht nähern darf, wenn meine Augen von einer Krankheit befallen sind. Ich muß zugeben, daß ich Lesebrillen trage. Muß meine Sehkraft perfekt sein oder gibt’s hier ein wenig Spielraum?

h.) Die meisten meiner männlichen Freunde lassen sich ihre Haupt- und Barthaare schneiden, inklusive der Haare ihrer Schläfen, obwohl das eindeutig durch Lev. 19:27 verboten wird. Wie sollen sie sterben?

i.) Ich weiß aus Lev. 11:16-8, daß das Berühren der Haut eines toten Schweines mich unrein macht. Darf ich aber dennoch Fußball spielen, wenn ich dabei Handschuhe anziehe?

j.) Mein Onkel hat einen Bauernhof. Er verstößt gegen Lev. 19:19 weil er zwei verschiedene Saaten auf ein und demselben Feld anpflanzt. Darüber hinaus trägt seine Frau Kleider, die aus zwei verschiedenen Stoffen gemacht sind (Baumwolle/Polyester). Er flucht und lästert außerdem recht oft. Ist es wirklich notwendig, daß wir den ganzen Aufwand betreiben, das komplette Dorf zusammenzuholen, um sie zu steinigen (Lev. 24:10-16)? Genügt es nicht, wenn wir sie in einer kleinen, familiären Zeremonie verbrennen, wie man es ja auch mit Leuten macht, die mit ihren Schwiegermüttern schlafen? (Lev. 20:14)

Ich weiß, daß Sie sich mit diesen Dingen ausführlich beschäftigt haben, daher bin ich auch zuversichtlich, daß Sie uns behilflich sein können.

Und vielen Dank nochmals dafür, daß Sie uns daran erinnern, daß Gottes Wort ewig und unabänderlich ist.

Ihr ergebener Jünger und bewundernder Fan Jake

 

 




Solidarité


(Pour les amis francophones: L’originale de cet article suit à la fin du texte en Allemand.)

Die Voraussetzungen für eine solidarische Gesellschaft sind Toleranz, Demut und  Hilfsbereitschaft.

Solidarisch sein heisst vor allem, großzügig zu sein und gut, durchtränkt von den universellen philantropischen Werten. Solidarisch sein, das bedeutet, im täglichen Leben wissentlich zu handeln, um den Verarmtesten zu helfen und der guten Sache zu dienen, und das weit abseits aller Vorurteile, seien sie nun politisch, religiös, sektenhaft, ständisch, regional, ethnisch, rassisch oder landsmännisch.

Ein solcher Schritt bedingt ein bestimmtes Reflexionsniveau, von dem aus es möglich wird, Dienste zu erbringen ohne Anspruch auf Gegenleistungen. Er bedingt auch einen ernsthaften Einsatz, Gewissenhaftigkeit, Großzügigkeit, Demut und Selbsthingabe.

Außerdem muss die Bereitschaft vorhanden sein, in einer Gruppe zu arbeiten ohne Hintergedanken und Empfindlichkeiten. Das EGO muss in so weit überwunden werden, dass man keine Schmeicheleien nötig hat, noch, dass man den anderen ausradieren möchte. Es handelt sich also darum, gemeinsam in aller Unterschiedlichkeit zu handeln, um den Notwendigkeiten zu dienen – und nicht mehr.

Es ist offensichtlich, dass jemand, der nur wenig oder überhaupt nicht mit diesen Werten vertraut ist, oder nicht mit einer bestimmten Mentalität « kontaminiert » ist, große Schwierigkeiten haben wird anzuerkennen, dass er seine Zeit, sein Geld und seine Energie einsetzen muss um « dem anderen » zu helfen. Denn um anderen zu helfen, muss er den anderen so akzeptieren wie er ist und nicht erwarten, dass er sich ändert, bevor ihm geholfen wird.  

Um anderen solidarisch zu helfen ist es nicht nötig, sie zu lieben, es genügt, sie in ihrer Unterschiedlichkeit zu akzeptieren, und diese Unterschiedlichkeit zu verteidigen, denn diese Unterschiedlichkeit macht unseren Reichtum aus, unsere Kraft und sie nährt unsere im Werden begriffene Demokratie. Es ist diese soziopolitische Dimension der Toleranz, die es auszuüben und zu verteidigen gilt.

Demut und Großzügigkeit sind daher die fundamentalen Werte der Solidarität, in der demjenigen, dem gegeben wird, der volle Respekt gebührt.

Die Geringschätzung der Hingabe sollte keinen Platz mehr haben in einer Gesellschaft nach einer Revolution, die das Bedürfnis nach Würde stillte, und in der der Lärm um die Ohrfeige in den Wahlen für die selbsternannte Elite noch immer die Köpfe lähmt und den tiefen Abgrund nicht überwindet, der Sidi Bouzid von Sidi Bou Saïd trennt. [Anmerekung: Sidi Bouzid ist dieser armselige Ort im Süden, in dem die Revolution mit einer verzweifelten Selbstverbrennung begann, Sidi Bou Saïd ist der noble Künstlerort in bevorzugter (und teurer) Lage östlich der Hauptstadt].

Nichts rechtfertigt Arroganz, Selbstgefälligkeit oder Verdrängung. Niemals ist man den anderen überlegen oder gar besser. Ein Analphabet kann einen Arzt belehren und ein Armer einen Reichen.

Die Geschichte ist überreich an Beispielen, in denen die Intoleranz die beste Sozialpolitik ausgelöscht hat, in denen die Arroganz den Zement einer solidarischen Gesellschaft hat zerbröseln lassen und damit dem Abrutschen in Extremismus, Rachsucht und Totalitarismus  freie Bahn gegeben hat.

Um solidarisch zu sein, genügt es nicht, einen bestimmten Prozentsatz des Einkommens auf ein Konto mit großem Namen und pompöser Nummer einzuzahlen. Wir müssen verstehen: Die Mentalitäten müssen sich fortentwickeln und wir müssen eine Debatte anstoßen über mutige, offene und ernsthafte Ideen.

Drer Generosität und Solidarität muss ein Nachdenken über die Toleranz, die Demut und die Großzügigkeit vorangestellt werden, damit sie fruchtbar und dauerhaft sind, um schließlich ein solides soziales Netz in all seiner reichen Diversität zu schaffen.

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La tolérance,  l’humilité et l’abnégation comme préalable à la solidarité.

Etre solidaire, c’est avant tout être généreux, bon et imprégné de valeurs philanthropiques  universelles.

Etre solidaire, c’est agir sciemment au quotidien pour aider les plus démunis, servir les causes nobles au-delà de tout préjugé qu’il soit politique, religieux, sectaire, corporatiste, régionaliste, ethnique, racial ou partisan.

Cette démarche exige un niveau de réflexion certain à partir duquel on devient capable de rendre un service aux nécessiteux de tout bord, sans aucune contrepartie. Ceci exige aussi de l’engagement, du sérieux, de l’abnégation, de l’humilité, et le don de soi.

IL faut aussi être capable de travailler en équipe, au-delà  de toute considération ou susceptibilité. Il faut dépasser son Ego et ne pas avoir besoin d’être flatté ni d’écraser les autres. Il s’agit d’agir tous ensemble dans la diversité pour servir les nécessiteux, sans plus.

Il est évident qu’une personne peu ou pas familiarisée avec  ces valeurs ou « contaminée » par une certaine mentalité aura du mal à accepter de donner de son temps, de son argent ou de son énergie pour aider « l'Autre », son semblable. Car, pour donner à l’autre, il faut déjà l’accepter tel qu’il est et surtout ne pas exiger de lui qu’il change avant de pouvoir recevoir.

Pour être solidaire des autres, on n’est pas obligé de les aimer, il suffit de les accepter dans leur différence et de défendre cette différence, car cette diversité fait notre richesse, notre force et nourrit notre démocratie naissante. C’est cette dimension sociopolitique de la tolérance qu’il faut saisir et défendre.

L’humilité et l’abnégation sont aussi des valeurs  fondamentales  pour obtenir une solidarité authentique où il faut respecter ceux à qui on donne. Le mépris et la compassion n’ont plus lieu d'être dans une société qui vit une révolution déclenchée par le besoin de dignité et où le bruit de la gifle électorale encaissée par l’élite autoproclamée retentit encore dans les esprits posant par la même des interrogations sur la profondeur du gouffre qui sépare Sidi Bouzid de Sidi Bousaid.

Rien ne justifie l’arrogance, la suffisance ou la marginalisation… On n’est jamais supérieur aux autres ou meilleur qu’eux. Un analphabète peut apprendre des choses à un docteur et un pauvre à un riche.

L’histoire regorge d’exemples où l’intolérance a fait échouer les meilleures politiques sociales, où l’arrogance a brisé le ciment d’une société solidaire donnant libre cours aux dérapages extrémistes, vindicatifs et totalitaires.

Pour être solidaire, il ne suffit pas de prélever un certain pourcentage et le virer sur un compte portant un nom et un numéro pompeux. On l’aura compris, il faut faire évoluer les mentalités et lancer un débat d’idées courageux, ouvert et honnête.

La générosité, la solidarité doivent être précédées par une réflexion sur la tolérance, l’humilité et l’abnégation pour être fructueuses et durables, afin de cimenter un tissu social solide et riche par sa diversité.

Dr. Samy ALLAGUI

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Gespräch mit Kopten


MarsaAlam_FlughafenEin ganz normaler Abend in Ägypten mit meinen koptischen Freunden Kamal, Ibrahim, Hany et al – Von Edith Bettinger

Ich: Verdammt heiß ist es heute, aber kein Wunder, der Wind kommt aus der Wüste.

Nein, es ist einfach Sommer. Der Wind kommt vom Meer.

Stimmt, aber ihr seid die ersten, die das auch so sehen. Jedenfalls sind heute ungewöhnlich viele Leute unterwegs.

Es ist Ostern, weißt du, viele Ägypter machen jetzt Urlaub.

Ach ja, daran hab ich nicht gedacht, in Österreich war Ostern ja schon vor einem Monat. Jetzt kommt aber bald wieder so ein komischer katholischer Feiertag, hab aber vergessen, welcher, ich bringe die sowieso alle durcheinander.

Wie kannst du das durcheinander bringen, du bist doch katholisch!

Bin ich nicht, ich bin getauft worden, das war‘s dann aber auch schon und seit vielen Jahren bin ich Atheistin, das wisst ihr doch!

Ja, das hast du uns schon oft gesagt, aber um ehrlich zu sein, kennen wir diese Religion nicht.

Atheismus ist keine Religion, das bedeutet einfach, dass man nicht an Gott glaubt.

??? Das geht? Wie kann man da leben? Man braucht doch Gott!

Braucht man nicht, wie ihr an mir sehen könnt, aber ich diskutiere mit Freunden nicht gerne über Glauben und Religion, hab da so meine Erfahrungen.

Ist ok, ist ohnehin privat, wir feiern jetzt jedenfalls alle die Auferstehung von Jesus Christus.

Das ist mir klar, „unser“ Christus ist bereits auferstanden, der katholische halt und nicht der orthodoxe. Lustig, oder?

Lustig ist das nicht, aber wir freuen uns jedes Jahr darüber, dass Jesus für uns auferstanden ist.

Mit uns meint ihr die Kopten? Ich sehe auch viele Muslime hier „feiern“!

Feiertage sind Feiertage, viele Gäste kommen in der Zeit und das ist gut so. Obwohl..

Obwohl was?

Anstrengend sind sie schon, das muß man ehrlicherweise zugeben. Laut und anstrengend, da sind europäische Touristen anders.

Na ja, so eine Gruppe Europäer kann aber auch bisweilen ziemlich nervig sein, ägyptische Großfamilien sind eben mehr als 2 Personen ;-)

Familie plus Freunde, das ist das Problem! Ist am Dienstag aber wieder vorbei, dann sind sie alle wieder in Kairo.

Dann herrscht wieder Flaute?

Ja, es sind wesentlich weniger Gäste aus Europa hier seit der Revolution, gut 40% weniger. Scheiß Revolution!

Sagst du das jetzt wegen der Einbußen im Tourismus oder weil es euch Kopten jetzt allgemein schlechter geht als unter Mubarak?

Beides, ihr werdet es ja in Europa nicht mitbekommen, wie der Hass auf uns geschürt wird, Kirchen angezündet und Christen getötet werden.

Doch, das erfahren wir schon, es ist nicht täglich in den Nachrichten, aber durch Internet und nicht zensuriertes Satellitenfernsehen kann man alles erfahren, wenn man es nur möchte.

Das ist gut. Wir Kopten sind ja sehr friedfertig und lassen uns nicht aufhetzen, wir wollen einfach nur in Frieden leben. Wir sind gebildeter und die reichsten Ägypter sind Kopten. Deshalb zahlen wir einfach unseren Teil und haben unsere Ruhe. Das hat schon Papst Shenouda, dieser heilige Mann, so ausgehandelt. Auch der neue Papst lässt sich nicht zu etwas Unüberlegtem hinreißen. Israel hat zum Beispiel angeboten, ägyptische Kopten aufzunehmen, aber der Papst hat das abgelehnt, weil das hier nur Unruhe stiften würde.
Hany ganz aufgeregt: Amerika wäre doch viel besser! Das ist ein großes Land, aber gerade Israel? Amerika hat das nicht angeboten, nach Israel wollen wir nicht, das wäre eine zu große Provokation.

Das ist überraschend für mich, dass ihr Israel ansprecht. Das ist ein besonders delikates Thema in Ägypten. Meiner Erfahrung nach hat der Hass auf Israel seit der Revolution noch zugenommen.

Das stimmt leider. Die Ägypter lassen sich zu leicht beeinflussen. Nach außen hin sind die Juden das Übel, aber dass Palästinenser bei uns als ungebildet und kriminell gelten, sagt keiner dazu.
Warum nimmt denn Ägypten nicht mehr Palästinenser auf? Sie sind einfach Verbrecher!

Kamal beruhigend: Es ist verständlich, dass sich Israel verteidigt, wenn es angegriffen wird. Die heiligsten Stätten der Juden und Christen befinden sich in Israel, das steht schon im Alten Testament. Die Juden haben Anrecht auf dieses Land, sie sind schon länger dort. Sie kamen ja schließlich nicht vom Mars! Zwei Staaten, Mauer dazwischen und Schluss!

Das ist aber eine sehr moderne Meinung zu Israel, das höre ich in Ägypten zum ersten Mal.

Wenn du dich auch nur mit Moslems unterhältst, kein Wunder. Ich sagte doch, wir Christen sind gebildet.

Jetzt haben wir nur über Politik geredet. Wie geht es eigentlich Yousry bzw. seiner Frau? Hat sie schon geboren?

Nein, noch nicht. Sie ist schon 4 Tage über der Zeit, aber jetzt geht es nicht wegen Ostern.

Was hat denn Ostern damit zu tun? Wenn es soweit ist, ist es soweit!

Nein, der Arzt hat gesagt das geht schon und über die Feiertage ist ohnehin kein Arzt verfügbar.

Die arme Frau! Das ist ja fahrlässig!

Es macht ihr nichts aus, es ist Gottes Wille.
Ibrahim ganz aufgeregt: auch meine Frau hat die 2 Söhne am Dienstag nach Ostern geboren. Ist das nicht großartig? Gott schenkt uns unsere Kinder immer nach dem Osterfest!

Das ist aber nicht Gott, das sind die Ärzte, die zu den Feiertagen nicht arbeiten! Meint ihr das wirklich ernst? Gottes Wille?

Ja, das ist sein Geschenk an uns, dieses ganz besondere Geburtsdatum.

Ok, da steig ich aus. Hoffe, es geht alles gut bei der Geburt!

Wird sicher, Gott schützt uns!

Muss er auch, wenn alle koptischen Frauenärzte lieber die Auferstehung feiern als ihre Glaubensschwestern zu entbinden. Lasst uns über etwas Anderes reden. Es ist immer noch verdammt heiß heute Abend….

P.S.: Yousrys Frau hat am Mittwoch nach Ostern einen Sohn geboren, er wird Peter getauft werden.

© by Edith Bettinger, Mai 2013

http://www.freidenker.at/index.php/blog/2957-gespraech-mit-kopten.html

 

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Übers König Abdullah Zentrum...


Ohne Bekenntnis…schrieb Niko Alm in seinem Buch "Ohne Bekenntnis" auf Seite 82:

KAICIID

Im Jahr 2012 wurde das »King Abdullah bin Abdulaziz International Centre for Interreligious and Intercultural Dialogue« (KAICIID) eröffnet, als »staatenübergreifende Organisation, deren Aufgabe darin besteht, Dialog als Mittel zur Konfliktvermeidung und Konfliktlösung weltweit einzusetzen sowie gegenseitiges Verständnis und Kooperation zu fördern« (https://www.kaiciid.org/de/who-we-are/über-uns).

Gegründet wurde das Zentrum von Österreich, Spanien und Saudi-Arabien. Der Heilige Stuhl wird als Beobachter geführt und darf auch seine Flagge über dem Portal am Sitz der Organisation an der Wiener Ringstraße zur Schau stellen. Finanziert wird die Organisation, die sich ihre Aufgaben selbst erteilt und völlig ohne erkennbare Wirkung nach außen abarbeitet, vom 2015 verstorbenen Namensgeber, dem saudischen König Abdullah. Außer fassungsloses Erstaunen hinterlässt diese Einrichtung keinen bleibenden Eindruck. In ihr gerinnen alle Vermutungen über die Inkompatibilitäten und den gegenseitigen Hass der Religionen aufeinander und auf den Staat in einer einzigen Institution. Das KAICIID verkörpert wie keine andere Organisation die Absurdität der bevorzugten Einbindung der Religion in die Republik. Der Staat zwingt als Mittler Islam und Christentum, die zum eigenständigen Dialog weitgehend unfähig sind, an einen Tisch und inszeniert ein fruchtloses Gespräch zwischen ideologischen Widersachern. Durch seine kooperative Verpartnerung mit organisierter Religion sieht er sich hier in der Pflicht zur Herstellung eines Konsenses, die er niemals erfüllen wird können.

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Noch ein Schmankerl aus Österreich


Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari empfiehlt sündigen Priestern im Falles eines Zölibatsbruchs eine „wehtuende Spende“.  Sogar in der aktuellen Wochenausgabe der deutschsprachigen Papstzeitschriftt „L`Osservatore Romano“ wurde das bischöfliche Referat aus Graz nun samt heikler Zölibatspassage veröffentlicht!

 

Konkret rät Kapellari Priestern, die „in eine Berufs- und Berufungskrise geraten sind oder seit langem in einem falschen Kompromiss stehen“ zu einer „fast wehtuenden, großzügigen Spende“ – etwa für hungernde Menschen. Mit dem klaren Ziel für sündiges Gottespersonal: „wieder freier atmen zu können“.

Als eine Form modernen Ablasshandels will der Grazer Diözesanbischof seinen Vorschlag aber „auf keinen Fall“ sehen. „Es ist eine von vielen Möglichkeiten, damit zu beginnen, in so einer Situation den Knoten zu lösen. Ich lege da auch keine Tarife fest und prüfe auch nicht nach, ob und wie viel ein Priester gespendet hat“. Aber: „Werden Versprechen gebrochen, gibt es einen Selbstbehalt“, erläutert Kapellari im Gespräch mit dem Standard…

Das alleine ist ja schon urkomisch, ich möchte den Lesern aber anhand von postings im dazugehörigen thread im online Standard den Tag noch weiter versüssen und zeigen, wie kreativ und sarkastisch die Poster in diesem Forum sind!

Achtung : es ist nicht alles jugendfrei ;-)

Die Quadratmoral der katholischen Amtskirche

Dieser Vorschlag erniedrigt die betroffenen Frauen zu bezahlten Konkubinen. Im Pfarrhof herrscht „Begleitservice“. Dazu passt, dass der Papst Kondome für männliche Prostituierte gestattet. Das ist keine Doppelmoral mehr, sondern Quadratmoral.

Kann es sein,

dass die Pfaffen viel zu oft mit Weihrauch als psychogene Substanz hantieren?
Anders ist diese „Schnapsidee“ nicht zu verstehen. Gilt das in Zukunft auch für das Basisvolk, anstelle von 3 Vaterunsern etc. nach der Beichte die Bankomatkarte zücken?
Echt skurril, diese Fritzen!

Regress

Hat sich der Kapellari in seiner Demenz überlegt, ob er nicht für ein paar Jahrzehnte nachzahlen müsste?

Glaubt die Kirche

… selber nicht mehr an die abschreckende Wirkung ihrer Himmel/Hölle-Konstruktion?

Gute Idee, daher

möchte ich konstruktiv mitarbeiten und folgenden Bußkatalog anbieten:
1. Sex mit erwachsener Frau (Frau ist einverstanden): 200 EUR
2. Sex mit erwachsenem Mann (Mann ist einverstanden): 150 EUR
3. Sex mit Kollegen (Kollege ist einverstanden): 100 EUR
4. Selbstbefriedigung: 50 EUR
5. Vergewaltigung (Erwachsener): Verwarnung
6. Vergewaltigung kleiner Kinder: wird vom Leiter der Glaubenskongregation vertuscht, daher straffrei, um die neue Strenge der katholischen Kirche auszudrücken, bekommt das Opfer – mit angemessenem Abstand von 30-40 Jahren – einen Schokoriegel. Für die Verwendung von bösen Kondomen wird ein Zuschlag von 30 EUR berechnet. Abtreibungen werden von der Kirche bezahlt, an Alimenten beteiligt sich die Kirche zu 60%.

Gute Idee, aber

ich würde noch zwecks der Mehreinnahmen vorschlagen, dass man mit RK – Gutscheinen, die man auch gerne zu Weihnachten verschenken kann, schon vorab die irdischen Freuden für nächste Jahr sichern kann. Oder wie wäre es mit einer RK – Bonus Card, 20% auf alles …

Braucht der Papst vielleicht schon wieder neue Prada-schlapfen?

Keine schlechte Idee!

Aber, ob die Geliebte des Pfarrers das Geld nimmt?

„… um Last von der Seele zu nehmen, lohnt es sich eben auch, Lösungsansätze auf materieller Ebene zu suchen.“

Das ist ja unglaublich, wie entlarvend diese Aussage ist!

Neues Gehaltsschema für Priester

Grundgehalt 2.000,–
Hotelspesen 500,–
Verhütungszuschuss 120,–
Konkubinats-Subvention 750,–
———————————-
Bruttogehalt 3.370,–
Schnaxl-Ablass -1.370,–
———————————-
Gehalt vor Steuern 2.000,–

Offenbar machte die Kirche im letzten Quartal zu wenig Umsatz…

…der Aufsichtsrat sucht neue Einnahmequellen :-)

Pfarrer wird zur Rede gestellt:

Sie schlafen mit der Köchin in einem Bett?
Ja, aber wir haben ein Bügelbrett dazwischen!
Und wenn das Bügelbrett umfallt?
Dann werfen wir ein Zehnerl in die Kasse!
Nur ein Zehnerl?
Ja, aber es läppert sich ganz schön zsamm!

Jener Mann spicht wirr, er möge sich einen von der Palme wedeln, auf dass er wieder klaren Gedankens werde!

Frauenbild der Kirche:

Heilige oder Huren. Heilige faßt man nicht an, für Huren bezahlt Mann.

Tarife

Ich hab da einmal eine kleine Spendenliste zusammengestellt. Als Vorschlag natürlich – bitte um Ergänzung!
1 x nackert duschen: 5 €
1 x Zipfl zupfn: 10 €
1 x dem Ministranten in den Hintern ….: 7 €
1 x mit dem Kaplan: 10 €
1 x eine Frau küssen: 1000 €
1 x SEX (pfuigack) mit einer Frau: 10.000 €

Religion von innen

das ist nur ein weiterer beweis, dass religion von innen ziemlich unlustig ist, von aussen betrachtet aber SEHR lustig

und wenn jeweils bei Selbstbefriedung zumindest eine kleine Geldstrafe gäbe, wäre ganz Griechenland gerettet.

Zahlen für sex?

So ein Konzept gibt es schon…

Ein Verein, der
– Homosexuelle und
– Frauen benachteiligt,
– Pädophile unterstützt,
– und jetzt auch noch über ein Standbein in der Zuhälterei nachdenkt!
Ich kann jedem Mitglied nur raten, darüber ganz objektiv nachzudenken.
Ein Schelm der denkt, es könnte die katholische Kirche gemeint sein.

Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!

Der Kirche muss es finanziell ganz schön dreckig gehen

wenn sie jetzt schon die eigenen Hirten schröpft.

Geld gegen Vertrauen – DAS nenn ich moralische Wertvorstellungen!

Sollte jemand …

frei atmen wollen, so biete ich mich an, eine Spende entgegenzunehmen. Bitte um Kontaktaufnahme.
Ich könnte dann auch freier atmen, sozusagen mein Selbstbehalt.

Ich finde die Idee gut, ABER man sollte sich nicht so einfach freikaufen können. Deshalb schlage ich ein 3-Säulen Modell vor:
1. eine saftige Spende
2. öffentliches Auspeitschen
3. Sitzen im Beichtstuhl und um Vergebung bitten
Die katholische Kirche und deren Vertreter müssen wieder frei von Sünde sein

Gibt es dann eine Preisliste:
– für heterosexuellen Sex
– für bisexuellen Sex
– für einen Dreier
– für Gruppensex
– für spezielle Praktiken wie SM, etc.
– kein Tarif für Frauen in der Kirche; die haben ohnehin nichts zu melden und zu lachen
– Rabatt bei Personen, die schon bezahlt worden sind
– Rabatt bei kostenpflichtigen Swingerclubbesuchen
– Rabatt bei kostenpflichtigen Online-Portalen
– Zusatztarif für Geliebte, je Dauer der Liebschaft
– Zusatztarif für Geliebte mit Kind
– Rabatt für Geliebte, die im Dienste der Kirche steht
– Zusatztarif für jene Männer, die weiter oben in der Kirchenhierarchie stehen. Je verlogener und desto mehr man verdient, desto mehr zahlt/spendet mann.

vier Zusatztarife vergaß ich noch:
– Zusatztarife für alle Pfarrer, die ein Eheseminar leiten, aber nicht wissen wie Ehe funktioniert
– Zusatztarife für alle Pfarrer, die ein Eheseminar leiten, dabei Untreue predigen, aber zugleich Zölibatsbruch begehen, also im engeren Sinne auch untreu gegenüber ihrem Glauben sind
– Spezieller Zusatztarif für all diejenigen, die Sex im Jahr 2011 noch unter Strafe stellen.
– Spezieller Zusatztarif für jene Glaubensgemeinschaften, wo Pfarrer, Bischöfe, Kardinale und Päpste KEINEN Zölibatsbruch begehen, aber wie gamsige, kastrierte Eunuchen umherlaufen. Letzteres ist wider die Natur und sollte dementsprechend streng bestraft werden.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Wenn der Jasmin auswandert – Die Geschichte meiner Flucht


JasminRezension von Gerfried Pongratz:

 

Ein 25jähriger Syrer erhält den Einberufungsbefehl zur syrischen Armee und beschließt, finanziell unterstützt von der Großfamilie, mit Hilfe von Schleppern nach Europa zu flüchten, was ihm unter dramatischen Umständen gelingt – seit 2015 lebt er in Salzburg. Mit wenigen Worten zusammengefasst bildet dies den Inhalt eines faszinierenden und berührenden Buches, das man nach den ersten Seiten nicht mehr aus der Hand legen mag.

 

Es gibt nichts Authentischeres, als wenn die Objekte, über die berichtet wird, zu Subjekten werden, die sich selbst Gehör verschaffen…“ meint im Vorwort der bekannte Nahost-Journalist Karim El-Gawhary und fügt hinzu, „…,dass die Leserinnen und Leser wahrscheinlich Schwierigkeiten haben, sich solche Szenen überhaupt vorstellen zu können. Da ist der brutale Syrien-Krieg plötzlich zum Anfassen“.

 

Mit eindrücklicher Intensität beschreibt der 1989 geborene Jad Turjman sein Leben in seiner geliebten „Stadt des Jasmin“, Damaskus. Vor dem Krieg weitgehend unbeschwert als Magistratsbeamter mit Familie, Freunden und Freundin, nach Kriegsbeginn unter Bombenhagel, Entführungs- und Ermordungsgefahr, unter ständiger Anspannung und Angst. Er beleuchtet die Veränderungen der Bewohner, die sie dazu bringen, „elastische Seelen“ und Lebensstile zu entwickeln, die ihnen trotz Angst, Leid und Elend ein zumindest einigermaßen normales Leben ermöglichen. Auch Turjmans Leben verlief unter diesen Umständen und mit diesen Einschränkungen „fast normal“, bis ihn am 5. November 2014 der Einberufungsbefehl erreicht, wobei er keine Sekunde daran denkt, für einen Potentaten zu kämpfen, den er, wie die anderen Konfliktparteien – „zutiefst korrupt und mit dem Blut Unschuldiger befleckt“ – verachtet und ablehnt. Flucht ist die einzige Möglichkeit, dem Horror – und wahrscheinlich eigenen Tod – zu entgehen: „Dieser Krieg und alle Beteiligten sind verflucht“ (S. 169).

 

Über Facebook sucht Jad Turjman Kontakte zu Schleppern, deren Tricks, falsche Versprechungen, nicht eingehaltene Zusagen, schlecht gemachte gefälschte Pässe etc. er an mehreren Stellen im Buch beschreibt. Die Geschleppten sind ihnen hilflos ausgeliefert und werden brutal ausgebeutet; um die zurückgebliebenen Familien nicht zu beunruhigen, werden ihnen die daraus resultierenden Gefahren oftmals nicht mitgeteilt, was Schlepperorganisationen erleichtert, weitere Opfer zu finden.

 

„Die Geschichte meiner Flucht“ beginnt mit dem Grenzübertritt in den Libanon, der nur mit Hilfe glücklicher Zufälle gelingt und setzt sich mit an Gefahren reichen Versuchen der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland fort: „Niemand würde mir sagen, dass man sich auf der Überfahrt mit dem Tod unterhält“ (S. 78). Wer sich auf den Weg gemacht hat, für den gibt es kein zurück, die Meeresüberquerung in wenig tauglichen, völlig überladenen Schlauchbooten wird viermal unter dramatisch lebensgefährlichen Bedingungen versucht, bis sie endlich beim fünften Mal gelingt.

 

In Athen angekommen, gibt es trotz mutiger Hilfe einer griechischen Studentin (Elena) kein Weiterkommen; ein Abflug nach Kopenhagen mit gefälschten Pässen wird dreimal versucht, der letzte Anlauf scheitert unmittelbar vor dem Besteigen des Flugzeugs. Obwohl es Winter ist, beschließt Jad gemeinsam mit vier syrischen Flüchtlingsfreunden, die Flucht zu Fuß fortzusetzen. Immer in Gefahr, entdeckt und nach Griechenland zurückgeschickt zu werden, gelingt es ihnen, mit Gewaltmärschen bei klirrender Kälte auf schneebedeckten Straßen und Eisenbahntrassen, zeitweise auch mit Autobusfahrten über Umwege, Mazedonien und Serbien zu durchqueren und in Budapest anzukommen. Außer Jad hat es nur sein Freund Kito geschafft, die anderen Begleiter wurden von der mazedonischen, bzw. serbischen und ungarischen Polizei aufgegriffen und nach Griechenland zurückgebracht.

 

Von Budapest aus gelangen Jad und Kito mit dem Zug nach Wien. Da Kito in Dortmund Verwandte besitzt, beschließen beide, nach Deutschland weiterzureisen. Kito gelingt es, Jad wird bei einer Ausweiskontrolle an der Grenze festgehalten und verbleibt in Österreich. Im Nachhinein bezeichnet er es als glückliche Fügung.

 

Jad Turjman ist ein begabter Erzähler; sein Bericht ist dramaturgisch gekonnt aufgebaut, sehr spannend, sehr empathisch Anteilnahme weckend. Der Inhalt des Buches beschränkt sich nicht auf die Geschichte der Flucht, er wird durch Reflexionen zum Krieg und Zeitgeschehen vertieft und erweitert. Dabei berichtet er auch voll Dankbarkeit von „fünf Schutzengeln“, die ihm in kritischen Situationen uneigennützig geholfen haben und beschreibt, wie wohltuend, aufmunternd und hilfreich freundliche Blicke oder Worte zufälliger Begegnungen wirken.

 

Zwischendurch in das Buch eingefügte Begebenheiten beleuchten das derzeitige Leben in Damaskus:

 

Als typisches Beispiel nennt Turjman das Schicksal einer alten Frau, die, ausgebombt, in seiner Magistratsbehörde lange vergeblich um finanzielle Unterstützung bat: Einer ihrer Söhne kämpfte bei der syrischen Armee, sein Zwillingsbruder bei den Rebellen; bei Kampfhandlungen, an denen beide beteiligt waren, kamen beide ums Leben: „Diese Geschichte beschreibt alles, was gerade in Syrien passiert“ (S. 163).

 

Als weiteres Beispiel für die katastrophalen Zustände schildert Jad Turjman seine Entführung und Folterung durch die al-Nusra-Front, ein Jahr vor seiner Flucht nach Europa. Seine Mitgefangenen wurden ermordet, er kam gegen Lösegeld frei, da er glaubhaft machen konnte, ein Regierungsgegner zu sein und dazu eine bestimmte Sure fehlerlos rezitierte. Während seiner Gefangenschaft musste er aber miterleben, wie gefangen genommene Aleviten bestialisch gefoltert und ermordet und ihre Frauen und Töchter systematisch vergewaltigt wurden, was manche in den Selbstmord trieb. Es war ein Blick in die Hölle: „Ich kann auch heute noch diese Minuten der Todesangst und diese unvorstellbaren Emotionen nicht mit Worten beschreiben“ (S. 215).

 

Sein Leben in Österreich bezeichnet Turjman als „wunderschön“; neun Monate in einem Asylheim, bis zum Erhalt des positiven Asylbescheides, empfand er allerdings als sehr belastend: „Das lange Abwarten und die Ungewissheit gehören zu den schlimmsten Dingen, die ich auf der Flucht erlebt habe“ (S. 219). Nicht arbeiten zu dürfen und wie ein Bettler von der Caritas Geld abzuholen, gehörte zu seinen schwierigsten Erfahrungen. Um nicht in Trübsal zu versinken, füllte er Tag und Nacht mit Deutschlernen und Sport.

 

Der „blumige“ Titel des Buches und pathetische Aussagen wie „Werde ich ohne Jasmin wieder lieben können?“ (S. 237) müssen als Metapher für die Liebe zu Syrien und für all das, was der Autor durch seine Flucht zurücklassen musste, verstanden werden. Sie sind leicht irreführend; der Inhalt des Buches ist überwiegend sachlich, zum Teil humorvoll, ohne Selbstmitleid, ohne Effekthascherei; er enthält auch keine politischen, bzw. gesellschaftspolitischen Empfehlungen oder Forderungen zur Asyl- und Migrationspolitik. Trotz kleiner literarischer Mängel und manchmal etwas unbeholfener Selbstreflexionen gehört „Wenn der Jasmin auswandert“ zu den Büchern, die man nicht nur wegen der spannenden und berührenden Geschichte, sondern auch als wertvolles Zeitdokument lesen sollte!

 

Im Nachwort dankt Jad Turjman dem Schicksal, in einem sicheren Land Wurzeln schlagen zu können und von der Bevölkerung viel Hilfe erhalten zu haben. Dass dieses Buch so gut gelungen ist, verdankt der Autor auch seiner – namentlich genannten – Deutschlehrerin Doris Brandl und wohl auch seiner Lektorin Maria-Christine Leitgeb.

 

Ist Europäern eigentlich bewusst, was sie allein durch die Tatsache, auf diesem Kontinent geboren worden zu sein, geradezu geschenkt bekommen haben?“ (S. 143).

Jad Turjman: „Wenn der Jasmin auswandert – Die Geschichte meiner Flucht“

© Residenz Verlag, Salzburg – Wien, 2019, ISBN 978-3-7017-3480-1, 256 Seiten

 

 

Gerfried Pongratz 6/2019




Betest du noch oder kopulierst du schon?


Vorbemerkung der Redaktion: Zu diesem „schwierigen“ Thema war es nicht leicht, eine einigermaßen passende Illustration zu finden. Was in öffentlichen Museen zu betrachten ist (Agostino Carracci (1557 – 1602), Jupiter et Junon), kann ja wohl nicht Pornographie sein, oder? In der unendlichen Fülle türkischer und arabischer Pornos (leider musste ich mir das antun) habe ich nichts gefunden, was ich hier hätte präsentieren können.

Eine der wichtigsten Entwicklungen beim heranwachsenden homo sapiens ist die Entdeckung des eigenen Körpergefühls und der damit verbundenen Sexualität. Es wundert daher nicht, dass genau an diesem so verletzlichen Punkt die Sachwalter des jeweils wahren und einzigen Glaubens ansetzen und stets darum bemüht sind, nur ja keine Freude aufkommen zu lassen.

Die Katholiban treiben es da ja bekanntlich besonders bunt und verlangen von Ihrem Bodenpersonal absolute sexuelle Enthaltsamkeit (über Wirkungen und unerwünschte Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Pfarrer oder Bischof). Nun könnte man sich ja entspannt zurücklehnen und sich denken: so what? wäre da nicht die bigotte Sexualmoral, die sie auch ihren Anhängern abverlangen.

Den wenigsten Katholiken dürfte bekannt sein, dass das Empfinden sexueller Lust beim Geschlechtsakt nicht einmal in ehelichen Beziehungen erlaubt ist.

Diese Saat hat reichlich Früchte getragen. Noch in meiner Großelterngeneration war Sex etwas „Schmutziges“ und Masturbation führte zu Knochenschwund und Verkrümmung der Wirbelsäule.

Die sexuelle Revolution hat sich aber trotz massivem Lobbying der Kirche ihren Weg gebahnt, und die meisten Frauen lassen sich von der Androhung der Höllenverdammnis nicht mehr daran hindern, ihre eigene Sexualität zu erfahren und auszuleben (Männer durften das ja ohnehin schon immer).

 Wir wollten uns nun der islamischen Sexualmoral zuwenden, denn uns „Westlern“ wird ja immer vorgeworfen, wie moralisch verdorben wir sind. O-Ton: Eure Männer bringen es nicht und eure Frauen sind Schlampen!

Aus der Fülle an Vorschriften, die ein Moslem während seines Lebens zu beachten hat, ließe sich ja  tatsächlich ein perfektes „normales“ Leben ableiten, hier die wichtigsten Punkte:

  1. es gibt nur 2 Arten von Frauen : Jungfrauen und Ehefrauen ( i.e. Mütter )
  2. es gibt keinen vor- und außerehelichen Sex
  3. es gibt keine Pornographie und Prostitution
  4. Homosexualität ist anormal und daher nicht vorhanden
  5. aus o.g. Punkten ergibt sich, dass es auch keine Geschlechtskrankheiten gibt

Dass dem natürlich nicht so ist, bedarf keiner weiteren Ausführung – es „menschelt“ auch in islamischen Ländern. Besonders gut sehen (im wahrsten Sinne des Wortes) kann man das an Hand der mittlerweile doch großen Anzahl islamischer Pornos im Internet. Da zeigt sich auch schon der erste Unterschied zu westlichen Produkten: das Adjektiv „islamisch“ ist in der Tat ein Kategoriebegriff, wird auch manchmal durch „arabisch“ oder „türkisch“ ergänzt.

Da ich viel Zeit im arabischen Raum verbracht habe und mir diese Lebenswelten vertraut sind, erschöpft sich meine Recherche auch auf Videos aus diesem Teil der islamischen Welt, man möge mir das nachsehen.

Es gibt durchaus Unterschiede zu bemerken, schon beim ersten Durchschauen: die Filmchen sind von traurig schlechter Qualität, da fast ausnahmslos „homemade“, also eine finanzstarke Pornoindustrie gibt es wirklich keine, aber Voyeure und Möchtegernpornostars sehr wohl.

Interessant ist auch, dass es kaum Unterkategorien gibt, allerdings wird auf nationale Unterscheidungen Wert gelegt, so als würden Ägypter anders kopulieren als Libanesen und Saudis.

Was auch auffällt ist, dass Frauen nur ganz selten wirklich nackt zu sehen sind – de gustibus non est disputandum. Die Verhüllung des weiblichen Körpers setzt sich im Schlafzimmer fort.

Nicht so der männliche Körper: der wird in aller Pracht ausgiebig abgefilmt, strotzend vor Selbstbewusstsein, auch wenn das Endprodukt für erfahrene Frauen dann doch eher enttäuschend ist.

Aus frauenrechtlerischer Sicht sind ja Pornos eher bedenklich, Nährboden für diese Ansicht liefern die islamischen Pornos allemal, denn „die Frau sei dir ein Acker…“ wie es im Koran steht, wird hier vorexerziert.

Interessanterweise gibt es überdurchschnittlich viele gay porns, es ist doch immer wieder schön zu sehen, wie entlarvend die Marktwirtschaft sein kann.

In Zeiten von Internet und smart phones wird früher oder später jede Lüge aufgedeckt und sei es nur die, dass es in der islamischen Welt keine sexuellen Aberrationen und Perversionen gibt (damit meine ich natürlich nicht Homosexualität) – besonders beliebt sind Videos mit sodomistischen Szenen, die über Handys verbreitet werden.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass Männer, die sich von diesen Spartenfilmchen Erregung erhoffen, wohl eher enttäuscht sein werden und dass sich Frauen erst gar nicht die Mühe machen müssen, nach arabischen feurigen Liebhabern zu googeln, jeder Rosamunde Pilcher Schinken bietet mehr Extase!

P.S.: aus medienrechtlichen Gründen Linkanfragen nur direkt bei der Autorin

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Es gibt Priester, die im Urlaub ganz viel Sex haben


PriesterSo titelte die WELT am 5.6.2019 einen Artikel über die zölibatäre Praxis!

Der Sexualtherapeut Joachim Reich antwortete im Interview mit der WELT auf die Frage, "Wie viele Priester haben denn Probleme mit der Enthaltsamkeit?" so:
"Fast alle. Ich würde sagen: 95 Prozent halten sich nicht lebenslang an den Zölibat. Zu welchem Grad und in welchen Phasen sie sexuell aktiv sind, ist aber unterschiedlich. Manche haben Phasen, in denen sie sehr viel masturbieren oder Affären haben, leben aber dann wieder lange Zeit enthaltsam. Es gibt Priester, die im Urlaub ganz viel Sex haben und den Rest des Jahres zölibatär verbringen. Andere führen konsequent ein Doppelleben. Haben eine feste Beziehung, gehen gewohnheitsmäßig ins Bordell oder behelfen sich mit Pornos."

Ja, meinereiner sagt das auch immer und begründet es so: Sex ist nicht etwas, das man machen oder bleiben lassen kann, sondern hormonell gesteuert und lässt sich deshalb nicht religiös regeln oder willentlich abschalten! Und dann schreibt meinereiner immer: Die Ehe- und damit die Sexuallosigkeit hat die christliche Hauptfigur, der Herr Jesus nur den "Verschnittenen" – also den Kastrierten – zugewiesen, das steht im heiligen Christenbuch mit dem Namen "Neues Testament"!

Darum hier wieder die Antwort des Jesus gemäß Matthäus 19,12 auf die Frage von Jüngern nach der Ehelosigkeit: "Denn es gibt Verschnittene, die von Mutterleib so geboren sind; und es gibt Verschnittene, die von Menschen verschnitten sind; und es gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben um des Reiches der Himmel willen. Wer es fassen kann, der fasse es!"

Alles völlig klar und selbst für den vollsten Vollidioten voll verständlich! Ehe- und Sexlosigkeit fassen nur entmannte Männer und darum brauchen es auch nur solche Männer zu fassen!

Aber das fiel nach der Zölibatseinführung vor 1000 Jahren in den Bereich der katholischen Heuchelei, den geistlichen Herren wurde damals im Prinzip der legale Nachwuchs verboten, um keine klerikalen Feudalstrukturen zuzulassen mit vererbbaren Pfarren, Diözesen Bistümern, Kardinalwürden und womöglich auch einer Papstdynastie!

Aber sowas gibt's ja heute nimmer, der Feudalismus ist kein bestimmendes Gesellschaftssystem mehr und darum könnte ja heute kein Bischof fordern, dass sein Erstgeborener das Bischofsamt samt Bistum erben müsste!

Die Sicht der Kirche zitiert Joachim Reich so: "Kleriker dürfen ohnehin keinen Sex haben, also müssen wir uns auch keine Gedanken über den Umgang mit Sex machen." Noch blöder geht's wirklich nimmer! Die Kirche ließ jedenfalls zu den oben von Reich angeführten 95% wissen: dies sei "nicht evidenzbasiert". Klar, man prüft nix nach, weil Sex ja ohnehin verboten ist! Dass der Pastoraltheologe Zulehner schon vor Jahren (2010!) bei einer Priesterbefragung (wo sich ja auch nicht jeder geoutet haben wird!) auf 29 %, die bei einer Freundin und auf 47 %, die bei einem Freund "daheim" seien, gestoßen ist, bringt mit 76 % etwas weniger Zölibatssünder, weil ja gelegentliche Sünder, die sich z.B. nur manchmal im Puff daheim fühlen, in der Zulehner-Zählung nicht inbegriffen sind.

Dabei hat inzwischen ja zu dieser grotesken Zölibatsvorschrift sogar der Papst einen Ausweg angedeutet, aber bisher hat es dazu keine näheren verlautbarten Konkretisierungen gegeben…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Niko Alm über die neue Kanzlerin


Niko AlmIm Newsletter 31 vom 4.6.2019 schrieb Niko Alm (der Pastafari mit dem Nudelsieb) auf http://alm.add.at/bierlein das Folgende:

Haben wir nicht ausgemacht, dass vor den nächsten Wahlen keine gravierenden Gesetze mehr beschlossen werden sollen? Keine teuren Wahlkampfgeschenke auf Kosten lebender und noch nicht lebender Generationen, aber auch keine tiefgreifenden Änderungen in der Republik, die nur mehr schwer rückabgewickelt werden können?

Krethi, Plethi aber vor allem Journalisten, die vorher schon ungefragt und meist ohne inhaltliche Begründung ihre Favoriten für die Ministerlisten und das Amt der Bundeskanzlerin gepostet hatten, fühlen sich trotzdem jetzt genötigt extensive Wünsche an die neue Regierung zu richten. Sie soll die Parteienfinanzierung umbauen, die Zeit nützen, um ein neues ORF-Gesetz zu verabschieden, den Klimawandel stoppen, das Bildungssystem reformieren etc. pp.

So dringend der ORF endlich aus seiner infrastrukturellen Fossilierung befreit und modernisiert werden muss, so wenig ist dafür jetzt die Zeit. Es wäre ein gravierender Eingriff mit potenziellen Folgen in der demokratischen Meinungsbildung, die realpolitisch ohnehin an der jetzt deutlich hervortretenden Trennung zwischen und Exekutive und Legislative scheitern wird. Gesetze werden seidank immer noch im Parlament beschlossen. Aber ob der Nationalrat überhaupt die erforderliche Bereitschaft zum Storno geplanter Freizeitaktivitäten im Sommer aufbringen wird und sich unübliche Mehrheiten beispielsweise in der Frage der Parteienfinanzierung synthetisieren lassen, werden wir sehen.

So lange wie nötig, so kurz wie möglich

Jämmerlich hingegen ist das nunmehr offenbarte Demokratieverständnis der Leitartikler und Endzeitungskommentierer. Die in Brigitte Bierlein und ihre Minister projizierte Erwartungshaltung und Übermittelung von legalistischen Wunschlisten zeigt sehr schön die Schwächen und mangelnde Eleganz der Verfassungsbestimmungen, die als Notfallmaßnahmen zur Überbrückung zu den nächsten demokratischen Wahlen gedacht sind. Eine Bundeskanzlerin geht im Regelfall aus ebendiesen hervor und wird nicht von einem Bundespräsidenten bestimmt. Die so gebildete Regierung ist keineswegs als Aufräumtrupp zu begreifen, schon gar nicht als Dauerlösung.

Dividende für Reaktionäre

Der Bundespräsident hätte naturgemäß die Chance gehabt, eine weltoffene Person an die Spitze der Regierung zu setzen. Für ihre kurze Amtszeit hat er sich aber – nachvollziehbar – für eine reaktionäre Verwalterin und gegen Symbolik entschieden. Es gibt zwar kein Lob von der falschen Seite, aber manchmal ist es auch einfach Ausdruck eines ungesund wirkenden Naheverhältnisses. Wenn Waltraud Klasnic meint, Bierlein sei "ein Gewinn für Österreich", dann fragt man sich naturgemäß, in welcher Tombola man denn mitgespielt hat.
Immerhin hat die Althöchstrichterin durch ihre Mitarbeit in der sogenannten "unabhängigen Opferschutzkommission" vulgo Klasnic-Kommission mitgewirkt, die als PR-Vehikel von der österreichischen römisch-katholischen Kirche eingerichtet wurde und neben angemessenen Entschädigungen für die Opfer kirchlicher Gewalt vor allem die saubere Aufklärung klerikaler Gewaltverbrechen und deren systematischer Begünstigung verhinderte.

Wer Bierlein und ihre Experten tatsächlich weiter im Amt sehen will, wird sie bei der nächsten Wahl auch wählen müssen. Dafür müsste die Neubundeskanzlerin aber von einer Partei auf einen wählbaren Listenplatz gestellt werden. Aber wer kommt schon auf die Idee, mit einer dann schon pensionierten Richterin anzutreten, deren Funktion naturgemäß nicht in der Ausgestaltung von Gesetzen liegt, sondern in deren Anwendung und Auslegung? Das Parlament braucht ja in erster Linie gestalterische Kraft. Die gesetzestreue und ordentliche Verwaltung des Status quo durch eine Expertenregierung bewahrt vor größerem Schaden, kann aber keine Empfehlung für die Zukunft sein.

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Der rote Balken


Dieser Beitrag erschien zuerst bei: georgkorfmacher.

Schön ist das Palais Holnstein in der Münchner Innenstadt, ein Prachtbau des Rokoko mit einem vielsagenden Wappen am Hausgiebel. Kunstkennern und Wappenkundlern zaubert der kleine rote Balken zwischen den Löwen der Wittelsbacher ein Schmunzeln ins Gesicht. Einfache Demokraten fragen sich, ob die rote Farbe, die so gar nicht ins Wappen der Bayern passt, vielleicht mit der roten Farbe des pileolus des dort wohnenden Kardinals zu tun hat, oder mit den roten Knöpfen entlang seiner Sutane, oder mit den roten Papstpantoffeln, oder überhaupt mit dem vielen Rot an allen möglichen Gewändern katholischer Kirchen-fürsten?

Auf Anfrage  würde man die historisch nicht haltbare Erklärung erhalten, dass die rote Farbe an das Blut der Märtyrer erinnern soll und an die Demut der Träger dieser Farbe. Die Erklärung der Catholica klingt zwar katholisch schön, ist aber ebenso zweifelhaft wie bezeichnend für das Prunk- und Prachtgehabe seiner Träger. Als nämlich die Christen unter dem grossen Konstantin flügge wurden, eigneten sie sich flugs einige Zeichen der Macht an, so die rote Farbe. Diese war an sich hohen Staatsbeamten, Senatoren u.ä. vorbehalten und überhaupt eine Farbe politischer Macht. Die niedlichen roten Papstpantöffelchen sind ein lächerlicher Überrest dieses Machtgehabes. Der Sonnenkönig von Frankreich forderte ostentativ die rote Farbe an seinen Absätzen exklusiv für sich. Der machtgeile Kardinal Richelieu lief nur noch rot herum. Rot ist bis heute auch eine Farbe der Macht.

Und da passt es natürlich trefflich, dass der Balken im Wappen am Haus des Kardinals auch rot prangt. Prächtig! Da fühlt man sich doch gleich zuhause. Besser geht es nun wirklich nicht! Und alle sind stolz und freuen sich, vor allem der Kardinal.

Aber welch grausame Macht des Schicksals! Der Balken in der noch so schönen Farbe rot sagt nämlich nur überdeutlich, dass dies das Haus eines Bastards war, zwar eines höchst adeligen, aber eben doch eines Bastards. Daher nennen Kenner den schönen (roten) Balken auch Bastardbalken. Zwar haben die Wittelsbacher aus dem heraldischen Balken ein putziges Bälkchen gemacht, gleichwohl ist und bleibt es ein Bastardbalken, unter dem der Kardinal täglich ein- und ausgeht.

Aber das Haus ist schön, und man darf annehmen, dass der Geist des Bastards nach neuerlicher Renovierung für lächerliche 6,5 Mio. € nicht mehr in seinen Gewölben umgeht. Dank der Denkmalbehörde, die das Haus und sein Wappen mit Steuergeldern so trefflich restauriert hat. Ob jedoch das Haus eines Bastards und einer Maitresse ein würdiger Sitz für einen Kardinal der Catholica ist, bleibt eine offene Frage.

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Gott darf nimmer in Versuchung führen


Dachshund puppy looking at a treat (out of reach) over a table

Dachshund puppy looking at a treat (out of reach) over a table

Laut Bibel hat der Jesus, die zweite Gottesfalte im dreifaltigen Christengott, seine Jünger das wichtigste Christengebet, das "Vater unser" so gelehrt: "Unser Vater, der du bist im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Gib uns heute unser tägliches Brot. Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen." Nachzulesen in Matthäus 6, 9-13!

Dass nicht "Unser Vater", sondern "Vater unser" gebetet wird, hat seine Ursache in der lateinischen Grammatik, denn in der Lateinbibel steht "pater noster", weil noster pater wäre grammatikalisch falsch. Im Vers Mt. 6,13 der Lateinbibel steht "et ne inducas nos in temptationem sed libera nos a malo" und das heißt eben "und führe uns nicht in Versuchung, sondern befreie uns vom Bösen".

Am 5. Juni 2019 war nun auf kath.net unter dem Titel, "Papst Franziskus billigt Änderung beim 'Vater Unser'" die folgende Meldung zu finden:

"Papst Franziskus hat offiziell die Änderung beim "Vater Unser" für gebilligt. Konkret geht es um die Änderung in Mt 6,13 "Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen!". Zukünftig soll im Vater Unser "lass uns nicht in Versuchung geraten" gebetet werden. Laut der Website UCatholic wurde die Änderung vom Papst am 22. Mai gebilligt.
Der Papst meint laut eigenen Angaben, dass die neue Version besser sei, weil durch die ursprüngliche Version abgeleitet werden könnte, dass Gott Menschen in Versuchung führe, eine Interpretation, die durchaus differenziert von Theologen gesehen wird.
Wie kath.net erfahren konnte, wurde in Deutschland die Änderung abgelehnt, hier soll die EKD dies verhindert haben. In englischer, französischer und italienischer Sprache soll die Änderung kommen!"

Soweit diese kurze Meldung, Gott darf nimmer versuchen, das wird wohl jetzt nur mehr eine Tätigkeit für den Teufel sein! Weil ein lieber Gott, der ständig alle Menschen göttlich liebt, der muss immer ein ganz ein Braver sein!

Aber im 1. Korinther heißt es in 10,13: "Es hat euch bisher nur menschliche Versuchung betroffen. Gott aber ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so dass ihr sie ertragen könnt." Also schafft doch Gott die Versuchung, aber mit einer Art Notausgang! Und wer diesen Ausgang nicht benutzt, der ist sündenmäßig an der von Gott geschaffenen Versuchung gescheitert! Deshalb sollten die Christen wohl darum beten, dass sie Vater Gott nicht versucht!

In der englischen Fassung heißt es inzwischen, "save us from the time of trial and deliver us from evil", also "schütze uns vor der Zeit der Prüfung und rette uns vor dem Bösen". Ja, die christlichen Götter werden umgeformt auf immer lieber und beliebiger, keine Verdammungen, keine Prüfungen, keine Versuchungen und lauter liebe Rettungen.

Da wird in der Hölle bald das letzte Feuer ausgehen! Und der Jesus wird sogar meinereinem die Füße waschen!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




SPÖ hilft ÖVP


ÖVPDas zeigen die beiden aktuellen Meinungsumfragen, die nach dem von SPÖ und FPÖ gegen die Kurz-Regierung getätigten Misstrauensbeschluss am 2.6.2019 veröffentlicht wurden.

Das Ergebnis der Umfrage der Kronenzeitung (Umfragezeitraum 29. bis 31.5.): ÖVP 38 %, SPÖ 21 %, FPÖ 19 %, Neos 10 %, Grüne 10 %.
Das Ergebnis des Blattes "Österreich" (Umfragezeitraum ebenfalls 29. bis 31.5.): ÖVP 38 %, SPÖ 23 %, FPÖ 17 %, Neos 10 %, Grüne 8 %.
Im Schnitt wären das: ÖVP 38 %, SPÖ 22 %, FPÖ 18 %, Neos 10 %, Grüne 9 %.

Das heißt: für eine Koalition ÖVP und Neos fehlen nur noch zwei Prozent, diese zwei Prozent sind wohl bis zur Wahl im September zu gewinnen!

Die SPÖ lag die letzten zwölf Monate bei den Umfragen immer zwischen 25 und 27 %, die ÖVP zwischen 33 und 34 %, jetzt ist der Unterschied nimmer bei 7 bis 8 %, sondern bei 15 bis 17 %.

Das hat die SPÖ aus eigenem Handeln so gestaltet! Der vorige SPÖ-Parteichef Christian Kern ist bei stabilen Umfragewerten von 28 % zurückgetreten, offenbar fühlte er sich jedoch trotz der nicht so schlechten Umfragewerte überfordert. Aber er fühlte sich in der Lage, seine Nachfolge zu bestimmen, Frau Rendi-Wagner war seine Wahl und ohne jede Debatte akzeptierte die Partei diese Erbfolge auf den Parteithron. Rendi-Wagner wird aktuell von zehn Prozent der Beumfragten als Bundeskanzlerin gewünscht, Norbert Hofer von der FPÖ liegt bei 14 %, Sebastian Kurz wie seine Partei bei 38 %. Kern lag bei Kanzlerumfragen vor seinem Rücktritt im Oktober 2018 bei 23 %, somit ist das aktuelle Minus der Partei gegenüber der Stand beim Ende der Kernzeit bei der Partei sechs Prozent und bei der Kanzlerfrage dreizehn Prozent.

Da sollte man doch wohl nach der unfreiwillig so erfolgreich verlaufenen Unterstützung für die weitere Karriere von Sebastian Kurz vielleicht über eine Neuaufstellung der Partei nachdenken!

Inklusive des Umstandes, dass es laut Rechnungshofbericht vom Dezember 2018 in Österreich seit zwanzig Jahren keine Reallohnerhöhungen mehr gibt! Weil früher war das ja eine der Hauptbeschäftigungen und darum eine der Hauptstimmenquellen der SPÖ. Aber als die Vranitzkys, Klimas, Gusenbauers etc. den Neoliberalismus widerstandslos gewähren ließen, ja, ihn sogar als Errungenschaft behandelten, machte man das, was schon vor mehr als zwanzig Jahren Ernest Borneman gesagt hatte, dass auf diese Weise eine Arbeiterpartei ihre Abdankung besiegelt. Und ein Sebastian Kurz, der sich zumindest um wichtige Ängste und Befürchtungen in der Bevölkerung kümmert, kann sich in Richtung Alleinherrscher bewegen. Dank der Unfähigkeit der SPÖ.

PS: In der BRD hat die SPD-Chefin Andrea Nahles am 2.6. ihren Rücktritt bekanntgegeben. Der Rücktritt erfolgt nach heftger innerparteilicher Kritik, die Nahles nach dem desaströsen Ergebnis bei der EU-Wahl einstecken musste…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Erster Schawwal - Ende der Tortur


islam-1299211_1280Nach gregorianischem Kalender am 4. Juni 2019 stellt sich die islamische Welt wieder vom Kopf auf die Füße: Der Ramadan kommt mit einem Fest namens Aïd el fitr – in deutschsprachigen Gegenden auch Zuckerfest genannt – zu seinem Ende. Dann liegen dreißig entbehrungsreiche Tage hinter den Moslems, soweit sie der Pflicht zum Ramadan nachgekommen sind, was mitnichten durchgängig der Fall ist. Nach Befragungen durch fowid nehmen in Deutschland allenfalls 50% der Moslems die Mühsal der täglichen Tortur auf sich. Das wird auch von islam.de bestätigt. Wer übrigens glaubt, dass das in so genannten „islamischen“ Ländern (mit Ausnahme der Hardliner-Staaten) völlig anders aussähe, täuscht sich über die wachsende Zahl der von mir gern als Kulturmoslems bezeichneten weniger an Religion Interessierten (Bild: OpenClipart-Vectors, pixabay).

Eines der Sprachrohre des organisierten Islams in Deutschland ist islam.de, eine Website, die darum bemüht ist, die „schönen“ und „edlen“ Seiten des Islams darzustellen. Hauptsprecher der Moslems ist Ex-FDP-Mitglied Aiman Mazyek. Durchaus lesenswert – wenn auch völlig aus der Zeit gefallen und weltfremd – ist seine Einführung in das Wesen des Ramadan http://islam.de/16161.php: „Wie einen guten Freund begrüßen Muslime den Fastenmonat Ramadan. Es ist ein Freund, der zum Innehalten anregt, zum Studium des Korans, zur Betrachtung unserer spirituellen Quellen, unserer religiösen Heimat. Es ist eine Zeit der körperlichen Entbehrung und der geistigen Erneuerung, der inneren Einkehr und der Gemeinschaft. Im Ramadan sind die Moscheen voller als gewöhnlich. Im Ramadan rücken Familien und Freunde enger zusammen, ist die Gemeinschaft der Gläubigen spürbarer als sonst. Das Fasten im Ramadan ist die dritte der fünf Säulen des Islams. Es ist ein vierwöchiger Gottesdienst, währenddessen der Mensch über die Beziehung zu seinem Schöpfer nachdenken kann und soll“.

Im Ramadan wird zudem an die Mildtätigkeit der Gläubigen appelliert. Der Zaket, eine weitere Säule des Islam, ist eine am 27. Ramadan festgelegte Summe, die jeder Moslem an Bedürftige entrichtet. Entweder man gibt dieses Geld oder auch eine Sachspende in Form von Nahrungsmitteln an einen Imam, der es an die bedürftigen Empfänger weiterleitet, oder man spendet direkt an eine karitative Einrichtung. Nicht selten werden Wohlhabende zu Banketten geladen, zu denen leicht 250 oder mehr Besucher zusammenkommen, die jeweils ein Iftar (das tägliche Essen zum  Fastenbrechen) zu bewusst sehr überhöhten Preisen einnehmen, damit eine stattliche Summe für die entsprechende Einrichtung zusammenkommt. Das sind – wenn man vom religiösen Hintergrund einmal absieht – sehr schöne Veranstaltungen, an denen sich zum Beispiel hier in Tunesien jeweils auch die ausländische Community lebhaft beteiligt. Auch meine Frau und ich haben mehrfach an so etwas teilgenommen.

Das ideale Bild des „Fastenmonats“ geht auf Mohammed selbst zurück, der angeblich während dieser Zeit seine ersten Begegnungen mit einem „Engel“ namens Gabriel hatte. Von diesem erfuhr er die Worte eines Gottes, den Moslems Allâh nennen. Gebündelt fanden diese Worte sich schließlich im Koran wieder. Erste schriftliche Aufzeichnungen der Visionen des schreibunkundigen Propheten finden sich etwa 40 Jahre nach dessen Tod. Wie viel während dieser Periode mündlicher Überlieferung von den Adepten verändert, umgestellt oder neu hinzugedichtet worden ist, entzieht sich natürlich der detaillierten Kenntnis. Viele der im Koran beobachtbaren Inkonsistenzen lassen sich aber wohl nur durch diesen Transmissionsweg erklären. Entsprechende wissenschaftliche Bemühungen um Klärung werden allerdings von nicht wenigen Moslems argwöhnisch beäugt, selbst wenn die Ergebnisse von der Universität Al Azhar in Kairo stammen, einem Forschungsort, der gemeinhin so etwas wie den Vatikan des Islam darstellt.

Die genaue Anwendung der Regeln verlangt von gesunden Moslems ab der Pubertät rund 14 bis 15 Stunden täglich (in Deutschland leicht auch 18-19 im Hochsommer) und trotz Temperaturen von über 40° im Schatten die totale Enthaltsamkeit: Essen, Trinken, Rauchen sind verboten – und natürlich auch Sex.

Weiterhin sind Meditationen und die vorgeschriebenen Gebete, im Ramadan sechs statt der üblichen fünf, einzuhalten. Zudem soll sich der Moslem dazu auch noch aller „unreinen“ oder feindseligen Einstellungen enthalten – soweit sich das überprüfen lässt. Theoretisch ist eine solche genaue Befolgung, wie auch Mazyek andeutet, nur in einer Gesellschaft möglich, die während dieser Zeit Ferien nimmt, oder die sich darauf beschränkt, eine Herde Schafe und Ziegen und allenfalls einige Kamele zu hüten. In der modernen Arbeitswelt, die der muslimische Gott Allâh entweder nicht voraussehen konnte oder wollte, ist dies praktisch unmöglich. Wie sieht also die Praxis aus?

Von den in Deutschland lebenden Moslems praktiziert nach Angaben von islam.de überhaupt nur in etwa die Hälfte den Ramadan, und auch wohl mehrheitlich (soweit sie im Arbeitsleben stehen) befolgen diese nur den Essens-, Trinkens- und Rauchensteil der Regeln (hier „le jeûne“ genannt), was natürlich bereits für sich allein genommen ungemein schwer fällt.

Für die geforderte Meditation dürfte am Arbeitsplatz genauso wenig Zeit verbleiben wie für die ordnungsgemäße Verrichtung der Gebete. Man stelle sich zum Beispiel einen Fließbandarbeiter vor, der seinen Arbeitsplatz verlässt, um neben dem Band den Gebetsteppich auszurollen! Oder einen Schullehrer, der den Unterricht unterbricht, um sein Gebet zu verrichten. Das würde die (ohnehin angeschlagene) Akzeptanz von Moslems in der westlichen, ergebnisorientierten Gesellschaft sicherlich nicht befördern. Also wird es unterlassen. Das ist auch hier in Tunesien so. Man mache sich da bitte keine falschen Vorstellungen. Von etlichen weiß ich, dass sie sich zwar am Arbeitsplatz selbst zurückhalten (um dem sozialen Druck zu entgehen), doch sobald sie das Firmengelände verlassen haben, wird die erste Zigarette angesteckt und zu Hause zumindest Wasser getrunken, weil es sonst nur schwer auszuhalten ist.

Wegen dieser Unmöglichkeiten verkommt der Grundgedanke des Ramadans zur Enttäuschung nicht weniger strenggläubiger Moslems zur bloßen Einhaltung der äußeren Regelstruktur, der eigentliche Inhalt höhlt sich zunehmend aus. Das sehen auch die moslemischen Verbände so, aber mehr als (fordernde) Appelle an die nicht-moslemischen Kollegen, doch bitte Rücksicht auf die Moslems zu nehmen, fällt ihnen dazu nicht ein. Die Mehrheit soll sich nach ihren Vorstellungen der Minderheit anpassen. Das gehört zu einer ganzen Serie stetiger Forderungen von moslemischer Verbandsseite: die Aufnahmegesellschaft soll sich bewegen – man selbst hat dies nicht nötig, weil man sich im Besitz der alleinigen Wahrheit glaubt. Dieses offensichtliche Integrationsproblem wird von vielen Moslems einfach dahingehend gelöst, dass sie entweder den Regeln des Ramadan nicht mehr folgen, oder die Exerzitien am Abend nach der Arbeit nachholen.

Eine adaptive Lösung der schwierigen Regel, die die Flüssigkeitsaufnahme verbietet, was nicht selten vor allem bei Älteren zu Dehydrationsbeschwerden bis hin zu echten gesundheitlichen Schäden oder gar zum Tod führt, lieferte bereits vor langer Zeit der Gründungspräsident des modernen Tunesiens, Habib Bourguiba, als er im Fernsehen die Frage, ob er den Ramadan befolge, schlicht mit „Nein, ich arbeite“ beantwortete. Ostentativ leerte er ein Glas Wasser nach seiner Antwort. Von den „Rechtgläubigen“ in der islamischen Gesellschaft wird er seither als Apostat bezeichnet. Der Koran verlangt für Menschen wie ihn die Todesstrafe. Die wird aber derzeit nur in den sehr extremen islamischen Ländern wie Saudi-Arabien oder Iran exekutiert.

Die Reduzierung des Ramadan auf die nur äußere Einhaltung der Fastenregeln unter Auslassung der meditativen Anforderungen gibt einen Hinweis darauf, in welche Richtung sich ein sogenannter moderater Islam entwickeln könnte, nicht etwa durch Selbstreform, dazu erscheint er derzeit unfähig, sondern durch den Druck moderater Moslems, die angesichts der doppelten Anforderungen zwischen Religion und Arbeitswelt praktische Lösungen suchen. So wird auch die Flüssigkeitsaufnahme tagsüber nicht auf ewig das Tabu bleiben können, das es heute vielfach noch ist. So bedienen sich zum Beispiel die 60 Arbeiterinnen, die im Unternehmen meiner Frau arbeiten, nach anfänglichem scheuen Zögern inzwischen wie selbstverständlich an den aufgestellten Automaten, die in der nur schwach klimatisierten Halle gekühltes Wasser anbieten.

Romdhane MubarakDie Adaptation an modernere Erkenntnisse und Notwendigkeiten, von Christen und Juden kulturell längst umgesetzt, wird auch den Islam nicht ausklammern, wenn er sich dauerhaft in den europäischen Kulturen etablieren will. Einen Anfang zu den erforderlichen Veränderungen hat in Deutschland der inzwischen emeritierte Göttinger Professor Bassam Tibi gemacht, dessen Vorschläge für einen „Euro-Islam“, ausgerichtet an dem von ihm eingeführten Begriff der „Leitkultur“, vieles von dem, was am Islam stört wie etwa die Shari‘ah oder die Rolle der Frauen, als entweder zweitrangig einstufen, oder dessen völlige Abschaffung einfordern. Inzwischen gibt es auch im Netz, oft von Frauen betrieben, säkular-moslemische Seiten, auf denen Angleichungen der strengen Systematik an das moderne Leben gefordert werden. Unter „säkular-moslemisch“ wird generell ein Islam verstanden, der sich den Anforderungen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stellt und die Trennung zwischen Religion und Staat fordert. Man kann solche Bestrebungen nur voll unterstützen, denn genauso wenig, wie es gelingen wird, zum Beispiel den Katholizismus völlig abzuschaffen, wird es möglich sein, etwa den Islam zu verbieten. Also muss er gemeinschaftsverträglicher werden, wie dies ja in Teilen zumindest selbst mit den Kirchen gelungen ist – nicht von heute auf morgen, aber immerhin in überschaubarer Zukunft. In Deutschland wurde gerade ein vielversprechender Ansatz zu einem solchen säkularen Islam mit der Gründung der Ibn Rushd-Goethe-Moschee in Berlin gebildet. Die Protagonisten streben dabei als Integrationsbeitrag einen regen Austausch mit der Gesellschaft an – und zwar nicht nur mit der religiösen, sondern auch mit den humanistischen Teilen. Das ist sehr begrüßenswert und wird von vielen Humanisten unterstützt. 

Wenn auch nicht gerade in Saudi-Arabien, so doch in den Randländern des Islam wie zum Beispiel in Tunesien, beginnt der innere Widerstand gegen die als unangemessen empfundene Tortur auf weniger intellektuelle Weise. Man beginnt zu erkennen, in welchem Umfang die Volkswirtschaft durch die strikte Einhaltung der Ramadan-Regeln beeinträchtigt wird. Ein vernünftiges, durchgehendes Arbeiten ist häufig gar nicht möglich, wenn man nur noch in miesepetrige und unleidliche Gesichter blickt. Die Auswirkungen von Nährstoffmangel auf das Wohlbefinden und die Denkfähigkeit sind in den fortschrittlicheren Ländern längst wissenschaftlich detailliert erforscht und gut bekannt. Selbst einfacher veranlagte Hijab-Trägerinnen trauen sich inzwischen trotz des enormen sozialen Drucks, bei anstrengenden Arbeiten in der Hitze, die Wasserflasche in Griffweite zu haben. In manchen Belegschaften finden sich die strikten Befolger bereits in der Minderheit. Dies gilt nota bene in Tunesien, mit Einschränkungen auch in Algerien. In Marokko hindert der §222 des Strafgesetzbuches eine Aufweichung der religiösen Vorschriften. Öffentliches Ramadanbrechen untertags wird mit 6 Monaten Gefängnis bestraft. Immerhin existieren bereits an den König gerichtete Initiativen, dieses Gesetz aufzuheben oder abzumildern.

Ein gesondertes Problem stellt die ständige Übermüdung dar, was sich in einer stark erhöhten Unfallrate auf den Straßen zeigt. Zum Verständnis dieses Phänomens muss man sich den Ablauf einer typischen Nacht im Ramadan vor Augen führen. Abends um ca. 19 oder 20 Uhr ist Iftar, das Ramadanbrechen. Da wird dann wegen des tagsüber erlittenen Mangels gegessen was das Zeug hält (man spricht selbst hier in Tunesien respektlos von „la grande bouffe“ wie der gleichnamige Film: Das große Fressen). Anschließend geht es auf die Straße, um sich mit Freunden und Bekannten in den proppenvollen Cafés zu treffen, was bis ungefähr Mitternacht dauert. Dann ab nach Hause und noch ein paar Süßigkeiten hineingestopft. Spätestens kurz nach 3 Uhr bimmelt der Wecker (in Kairo und anderen großen Städten geht eigens ein Ausrufer um, der die Leute weckt), denn spätestens gegen 4 Uhr ist es wieder vorbei mit der Nahrungsaufnahme. Dass dieser Schlafmangel nicht gerade dazu beiträgt, die Sicherheit im Verkehr zu erhöhen, liegt auf der Hand. Ich war selbst Zeuge der bizarrsten Unfälle, die unter normalen Bedingungen einfach nicht passieren. Der Grund immer wieder derselbe: am Steuer sanft entschlafen!

Das selbst auferlegte Leiden dokumentiert sich am besten in der Reaktion der Betroffenen selbst: Spätestens eine Woche vor Ablauf des „heiligen“ Monats beklagt sich die Mehrheit und zählt nur noch die Tage, bis endlich der 1. Schawwal erreicht ist. Dann beginnt das Leben erneut. Die islamische Welt steht wieder auf den Füßen.

Nachtrag: In der besonderen Situation Tunesiens sei mir eine Randbemerkung erlaubt. Nach der Revolution wurden alle einsitzenden Extremisten (soweit es nicht Schwerstkriminelle waren) aus den Gefängnissen entlassen. Sie bilden das harte Rückgrat extremistischer Parteien wie Ennahdha des Sheikhs Rachid al-Ghannouchi. An derem extremem Rand wiederum befinden sich die eingefleischten Salafisten, die bereits Kinos in Brand gesteckt haben, Frauen ohne Kopftuch gern mal an den Haaren ziehen, oder Sommer-leicht bekleidete Mädchen auffordern, sich züchtig zu bekleiden. Da etliche Cafés in den größeren Städten den Nichtbefolgern weiterhin Getränke und Essen anbieten, befürchtet die Polizei nun Anschläge auf solche Orte und hat die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend erhöht. Ich kann nur hoffen, dass diese Maßnahmen von Erfolg gekrönt sein werden, da ich keinen höhnischen Artikel zu einem evtl. Fall in bestimmten Publikationen lesen möchte.

Auf den diesjährigen Stand gebracht am 2. Juni 2019.

 

 




fowid zur Umfrage „Vertrauen in Institutionen: 1991-2018“


logoWEIMAR. (fowid/fgw) In einer Umfrage zum Vertrauen in Institutionen/Organisationen in Deutschland rangieren mittlere und kleinere Unternehmen sowie Polizei, Gerichte und Gesetze auf den obersten Plätzen mit hohem Vertrauensbonus (65 bis 84 Prozent Vertrauen). 2018 landen die Bundesregierung (29 Prozent Vertrauen) sowie die Kirche (28 Prozent Vertrauen) auf den beiden untersten Plätzen. Ein „historisches Tief“ für die Kirche.

 

Das Institut für Demoskopie (IfD) in Allensbach, fragt regelmäßig, im Auftrag der Roland Rechtsschutzversicherung, nach dem Vertrauen der Bundesbürger in Institutionen, so auch im Jahr 2018 für den Roland-Rechtsreport 2019.

Mittlere und kleinere Unternehmen sowie Polizei, Gerichte und Gesetze rangieren auf den obersten Plätzen mit hohem Vertrauensbonus (65 bis 84 Prozent Vertrauen). Die Bundesregierung (29 Prozent Vertrauen) sowie die Kirche (28 Prozent Vertrauen) auf den beiden untersten Plätzen.

(…)

Im Jahr 2017 hatte bereits eine Infratest-Umfrage einen Anteil von nur 34 Prozent genannt, die den Kirchen „sehr großes" bzw. „großes Vertrauen" entgegenbrachten – ein identischer Anteil wie in der Allensbach-Umfrage für den Roland-Report.

Das ist die gleiche Größenordnung, wie Anfang 2018, als nur ein Drittel der Befragten (36 Prozent) der Religion attestierten, dass sie für sie wichtig und wertvoll sei. Das fügt sich in die Auffassung der „Generation What" (2016) der 18-34-Jährigen, von denen in Deutschland 81 Prozent religiösen Institutionen kein Vertrauen entgegenbringen.

Mehr dazu auf der Webseite der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland.

(CF)

 
02.06.2019

Von: (CF)
 

 




Direkte Demokratie


DirektIm Folgenden handelt es sich noch nicht um einen konkreten Programmpunkt von DIE HUMANISTEN, sondern um grundsätzliche Überlegungen von unserem Schweizer Freund Andreas Zaugg, die wir bei der Formulierung von Einzelvorschlägen zu diesem Thema bedenken sollten.

Lang und Intensiv habe ich mir Gedanken über die deutsche „Demokratie“ gemacht. In meinen Augen ist Deutschland sehr weit davon entfernt eine Demokratie zu sein. Ich würde es eher selbstgewählte Unmündigkeit nennen. Sicher ist hier in der Schweiz auch nicht alles perfekt. Aber nur weil Ihr in Deutschland eure Metzger selber wählen dürft reicht das noch lange nicht, um Deutschland als Demokratie zu bezeichnen. Auch kann ich mich nicht für die Idee begeistern, die direkte Demokratie nur für belanglose Nebensächlichkeiten einzuführen. Das Volk oder die Opposition müssen die Möglichkeit haben, Regierungsentscheide per Referendum anzufechten, oder eine Initiative durchzuführen, wenn die Regierung eine Problematik ignoriert und zwar Verbindlich. Nur wie führt man in Deutschland Demokratie ein bevor man selbst Regierung ist? Auf diese Frage habe ich bis heute noch keine Antwort. Klar müssen Internationales Recht und vor allem die Menschenrechte eingehalten werden (siehe Schweizer Minarett-Abstimmung). Am deutschen Koalitionssystem kann ich auch nichts demokratisches sehen, denn damit wird Demokratie ausgehebelt, temporäre Koalitionen zu Sachfragen gehen in Ordnung, aber als festinstallierter Regierungspakt macht das keinen Sinn, denn so werden die kleinen Parteien zu „Nutten“ der Großen degradiert. Was mich aber am meisten erstaunt ist, dass viele Deutsche gar keine direkte Demokratie wollen und lieber über die Regierung fluchen als selber mitzuentscheiden. Zum Beispiel ich persönlich habe noch nie einen Politiker oder eine Partei gewählt, da es weder Parteien noch Politiker gibt, die meine Interessen vertreten, aber zu Sachfragen, die mich interessieren, gehe ich regelmäßig zum Abstimmen. Wenn ich Deutscher wäre, würde mich Politik in etwa soviel interessieren wie Sockenstricken, nämlich gar nicht. Zum Schluss möchte ich noch den wenigen danken die in meiner Arbeitsgruppe aktiv mitgewirkt haben.




Gemeinsam gegen jeden Antisemitismus!


Al Quds#KeinQudsTag in Wien

Samstag, 1. Juni 2019
Kundgebung 15:30 (Infotisch ab 15:00 Uhr)
Leopoldsbrunnen, Graben, 1010 Wien

Aufruf:
Kurz nach der Islamischen Revolution im Iran hat Ayatollah Khomeini 1979 den sogenannten "Al-Quds-Tag" eingeführt, zu welchem jedes Jahr im Iran und weltweit antiisraelische und antisemitische Proteste organisiert werden. Al-Quds bedeutet Jerusalem und unter dem Slogan der "Befreiung Jerusalems von der zionistischen Besatzung" propagieren das iranische Regime und seine Verbündeten die Vernichtung Israels.
Auch in Wien findet jährlich die von Mullahs angeführte, strikt nach Geschlechtern getrennte Demonstration statt. In der Vergangenheit wurden von den Veranstaltern zum Judenmord aufrufende Karikaturen in den sozialen Medien gepostet und antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet.
An dem zentralen Ziel des iranischen Regimes, Israel zu zerstören, hat sich seit 1979 nichts geändert: Auch der vermeintlich "moderate" iranische Präsident Rohani bezeichnet Israel als "eiternden Tumor" und "Krebsgeschwür". Auch während der Präsidentschaft Rohanis hat das Regime Wettbewerbe und Konferenzen zur Holocaust-Leugnung organisiert. Das iranische Regime deklariert offen, die Hisbollah und den palästinensischen Terror gegen Israel zu finanzieren. Es rüstet permanent auf, betreibt eine aggressive Expansionspolitik im Nahen Osten und versucht, sich an der Grenze zu Israel festzusetzen.
Unter dem islamistischen Regime leiden auch all jene Iraner und Iranerinnen, die sich der restriktiven islamischen Reglementierung ihres Lebens durch den autoritären Gottesstaat zu entziehen versuchen – egal, ob es sich um politische Aktivist_innen, Frauen, Homosexuelle, Gewerkschafter_innen, religiöse Minderheiten oder einfach nur Jugendliche handelt, die ihr Leben selbstbestimmt und frei vom Zwang der Scharia leben wollen. Unter Rohani wurden deutlich mehr Menschen hingerichtet als unter seinem Vorgänger Ahmadinedschad. Gemessen an der Bevölkerungszahl werden im Iran seit 2013 die meisten Hinrichtungen weltweit durchgeführt.
Es ist ein Skandal, dass Österreich noch immer eine wichtige Rolle spielt, wenn es um Geschäfte mit dem Regime in Teheran geht, und österreichische Politiker_innen und Firmen sich dem Regime andienen. Wir fordern dazu auf, sich unserem Bündnis anzuschließen und sich klar und unmissverständlich gegen den Al-Quds-Marsch zu positionieren!

– Für ein Verbot des antisemitischen Al-Quds-Aufmarsches!
– Solidarität mit Israel! Gegen jeden Antisemitismus!
– Solidarität mit der demokratischen und säkularen Opposition im Iran und im Exil!
– Keine Staatsbesuche bei und von Holocaustleugnern!
– Keine Geschäfte mit dem iranischen Regime!
– Für ein vollständiges Verbot der Hisbollah in Österreich und der EU!

Unterstützt von (Zwischenstand):
Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich
autonome antifa [w]
Basisgruppe Theater-, Film- und Medienwissenschaft
Bund sozialdemokratischer Freiheitskämpfer Alsergrund
Café Critique
Christen an der Seite Israels
Demokratische Partei Kurdistan-Iran
Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften
Forum gegen Antisemitismus
GRAS – Grüne und Alternative Student_innen
Informations- und Beobachtungsstelle Antisemitismus (iba)
Institutsgruppe Politikwissenschaft
Integration-Bildung-Kultur (IBK)
Israelitische Kultusgemeinde
Jüdische Österreichische HochschülerInnen
Kommunistischer Student_innenverband – Linke Liste (KSV-Lili)
monochrom
'Or Chadasch – Jüdisch-liberale Gemeinde
RAI – Recherchegruppe Antisemitismus und Islamismus in Passau und Umgebung
Republikanischen Club – Neues Österreich
Semiosisblog – Politik, Recherche, Analyse
STOP THE BOMB – Bündnis für einen demokratischen und nuklearwaffenfreien Iran
Queer Hebrews
WIZO- Women's International Zionist Organization

Einzelpersonen:
Mahsa Abdolzadeh, Grüne Bezirksrätin in Döbling
Maryam Farzam/, Bezirksrätin Favoriten (SPÖ) & Iranische Aktivistin
Heiko Heinisch, Historiker, Autor
Daniela Holzinger, Nationalratsabgeordnete, Parlamentsklub Jetzt
Sama Maani, Schriftsteller & Psychoanalytiker
Univ.-Prof. Dr. Oliver Marchart
Robert Schindel, Schriftsteller
Nina Scholz, Politikwissenschaftlerin, Autorin
Thomas von der Osten-Sacken, Wadi e.V.

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Es knirscht im Gebälk des « House of One »


House of oneUnd dabei soll es doch so etwas einmaliges werden. So steht im Konzept :

In Berlin entsteht ab 2019 etwas weltweit Einmaliges: Juden, Christen und Muslime bauen gemeinsam ein Haus, unter dessen Dach sich eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee befinden. Ein Haus des Gebets und der interdisziplinären Lehre. Ein Haus der Begegnung, für ein Kennenlernen und den Austausch von Menschen unterschiedlicher Religionen. Ein Haus auch für die, die den Religionen fernstehen.

Das liest sich so grossartig, dass es schon ans Fantastische grenzt. Ob dieser Optimismus allerdings gerechtfertigt ist, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden, da bereits lange vor Grundsteinlegung die (von Realisten) erwarteten Unstimmigkeiten zu Tage treten :

Doch machen Sie sich bitte selbst ein Bild :

https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/kirchenmoscheesynagoge-in-berlin-friedenssymbol-house-of-one-sorgt-fuer-zwist/24382064.html

 




EU-Wahl und die Folgen...


austria flagDie Wahl zum europäischen Parlament und die tags darauf erfolgte misstrauische Absetzung des Bundeskanzlers Kurz nimmt Erwin Peterseil mit gewohnt kritischem Blick unter die Lupe. Nicht nur für Ösis, auch für die Piefkes eine interessante Lektüre.

Seit 27.5.2019 liegen die Endresultate der österreichischen EU-Wahl 2019 vor, hier ein paar Statistiken dazu:

 

Man sieht: die Wahlbeteiligung war 2019 deutlich höher als 2014 und der einzige Wahlgewinner war die ÖVP! Der dafür verantwortliche Sebastian Kurz wurde am 27.5. von SPÖ und FPÖ als Kanzler einer Übergangsregierung bis zur Neuwahl im September gestürzt, was sicherlich dem Kurz sehr helfen wird, denn bei den Umfragen lag er in der Bewertung mit über 40 % Zustimmung immer ganz deutlich vor allen anderen Politikern. Er hatte den Migrationszustrom, der unter den Leuten sehr heftige Ablehnung ausgelöste hatte, gestoppt und Österreich, das jahrelang unter den einwohnermäßig gerechnet besten drei Asylstaaten gelegen war, diesbezüglich deutlich nach unten gereiht, Österreich war 2014 und 2015 auf Platz 3 gelegen, 2016 auf Platz 2, 2017 auf Platz 5 und 2018 auf Platz 10, im 1.Quartal 2019 sank die Zahl nochmals um 30 %.

Von den österreichischen Parteien hat sich aktuell in Sachen EU-Wahl nur die KPÖ in ihrem Wahlprogramm asylfreundlich geäußert, man schrieb dort gleich auf der ersten Seite unter dem Titel "Das Europa das wir wollen" u.a.: "Wir wollen uns in einem Europa ohne Binnengrenzen frei bewegen (…) und (ein Europa) das all jenen einen sicheren Platz bietet, die vor Krieg, Verfolgung, Elend und Klimakrise flüchten." Da sind erst einmal die KPÖ-Wähler geflüchtet, als einzige Partei verlor sie Stimmen – trotz der um rund 956.000 gestiegenen gültigen Stimmen – gleich mehr als die Hälfte von 2014.

Die ÖVP gewann 544.000 Stimmen dazu und überbot die letzte Umfrage noch um 5,55 %, was wohl mit dem FPÖ-Abgang von 5,8 % gegenüber dieser Umfrage zusammenhängt, diese Wählerbefragung fand noch vor den Ibiza-Berichten vom 17.5. statt! Die tramhapert dahintatschende SPÖ hat von den zusätzlichen Stimmen geringfügig weniger erwischt als am gesamten Stimmenanteil. Gegen den Kurz hätte die SPÖ wohl auch keine Chance, wenn sie ihm nicht jetzt mit dem Misstrauensantrag auch noch direkt den Krieg erklärt hätte.

Gespannt kann man auf die nächsten Wahlumfragen sein, es ist wohl zu erwarten, dass die ÖVP von FPÖ und SPÖ Stimmen kassieren wird, wenn die beiden nunmehrigen Oppositionsparteien so weiter machen wie bisher, könnte Kurz mit seiner ÖVP danach trachten in Richtung Absolute zu streben…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).