Ein Selbst-Test - per Rundmail verbreitet am 4.7.2020


RipotaDenkmäler werden gestürzt, S-Bahn-Stationen umbenannt, Kinderbücher verboten und die deutsche Sprache bereinigt, alles wegen der Vorwürfe des Rassismus. Und wie rassistisch bist du? Beantworte die folgenden Fragen, am Ende erfährst du, wieviel Rassismus in dir steckt.

Wem sollte ein Denkmal errichtet werden?
(a) Fred Astaire
(b) Bismarck
(c) Flipper

Welche Reis-Sorte bevorzugst du?
(a) Onkel Ben
(b) Wildreis
(c) Ich ess lieber Kartoffeln

Welche Kinderbücher hast du gelesen?
(a) Zehn kleine N-Wörterchen
(b) Tim und Struppi
(c) Meckis neue Abenteuer

Wie beginnst du ein Gespräch mit einer fremden Person?
(a) Wo kommst du her?
(b) Wo haben sich deine Eltern getroffen?
(c) Willst du mir eine Geschichte erzählen?

Welches Kompliment würdest du einem sympathischen Gegenüber machen?
(a) Du siehst gut aus heute.
(b) Gute Wahl!
(c) Passt scho.

Wie bezeichnet man korrekt Menschen mit dunkler Hautfarbe?
(a) Schwarze
(b) Farbige
(c) Menschen von Farbe

Welche Karten- oder Brettspiele magst du?
(a) Schwarzer Peter
(b) Monopoly
(c) Mensch ärgere dich nicht

Dein Lieblingsfilm?
(a) Vom Winde verweht
(b) Von der Sonne gebräunt
(c) Vom Leben gezeichnet

Sollen muslimische Frauen ohne Kopftuch unterrichten?
(a) Ja, wenn's das Gesetz vorschreibt.
(b) Schon, wenn keiner was dagegen hat.
(c) Keinesfalls, wenn sie nicht wollen.

Dürfen Säuglinge genitalverstümmelt werden?
(a) Wenn die Betroffenen damit einverstanden sind.
(b) Wenn's sein muss.
(c) Wenn's die Religion vorschreibt.

Welches der folgenden Produkte kann unbedenklich verwendet werden?
(a) Heftpflaster
(b) Nivea-Creme
(c) Dosensuppe

Welche Speisen magst du?
(a) Mohrenkopf
(b) Zigeunerschnitzel
(c) gegrillte Grillen

Auswertung:
Für jedes (a) gibt es 2 Punkte, für (b) einen, für (c) 0 Punkte. Je höher die Summe, desto rassistischer bist du. Hier eine grobe Charakterisierung:

0 bis 6 Punkte: Entweder du hast einen abartigen Geschmack, oder du kennst die ganzen rassistischen Schlüsselwörter und verbalen Verbotszonen, bist also selbst ein Mensch von Farbe. So oder so, genieße trotzdem das Leben!
7 bis 12 Punkte: Du kennst immer noch nicht alle verbalen Verbotszonen oder hast wirklich Meckis neue Abenteuer gelesen. Sei doch nicht so naiv!
13 bis 18 Punkte: Gutes Mittelmaß heißt nie was Gutes. Streng dich an, sonst bist DU in zehn Jahren eine Minderheit!
18 bis 24 Punkte: Hab's schon immer gewusst: Du bist ein alter weißer Mann, rücksichtslos, egoistisch und unberührt von Medienströmungen. Das wird noch ein schlimmes Ende nehmen! Für dich oder für die anderen, wer weiß.
über 24 Punkte: Lern erst mal zählen!

 

 




Die Betonung des Andersseins


Trabajando_pieza_de_metal_72dpiKulturgeschichtliche
Variationen von
„Rassismus“

In der Folge des gewaltsamen Todes von George Floyd in den USA am 25. Mai 2020, der in den Medien weltweit diskutiert und debattiert wurde und dem die Wikipedia einen Artikel gewidmet hat, wurde u.a. auch der „Rassismus“-Begriff vielfältig thematisiert. Im Verlauf der Berichterstattungen und Debatten wurden Themen und Sachverhalte miteinander vermengt, die mit dem eigentlichen Ereignis, der, wie ich es nenne, Ermordung des George Floyd im Rahmen einer in den USA nicht ungewöhnlichen polizeilichen Überreaktion miserabel ausgebildeter und entsprechend in der Situation überforderter Polizisten, nichts zu tun hatten.

So wurden Statuen gestürzt, was in der Geschichte der Menschheit eine lange Tradition hat, Statuen, die für mein Empfinden allzu häufig ohnehin nur der Verklärung, manchmal gar der Verkitschung dienen;
der Philosoph Immanuel Kant wurde wegen seiner frühen Schriften kritisiert, was aus der Perspektive und mit dem Wissen des 21. Jahrhunderts wohlfeil erscheint, Schriften, in denen er sich — seiner Zeit entsprechend — über menschliche „Rassen“ geäußert hatte, Äußerungen, die später revidiert worden sind, obwohl Charles Darwin mit seinen Beiträgen zur Evolutionstheorie und Gregor Mendel mit der Vererbungslehre noch nicht auf der Bühne erschienen waren.

In Debattenbeiträgen wurde vereinzelt festgestellt, dass es gar keine menschlichen Rassen gibt — was den „Rassismus“-Begriff, der im Laufe der Jahrzehnte zu so abenteuerlichen Wortschöpfungen wie „Altersrassismus“ geführt hat, unsinnig macht. Dennoch wird er immer noch und immer wieder verwendet statt von „Diskriminierung“ zu sprechen.

Der Begriff „Rassismus“ wird in manchen Zusammenhängen mglw. verwendet, weil er effekthaschender, aufsehenerregender ist als das Wort „Diskriminierung“. Obendrein gibt es bei der Diskriminierung (Ausgrenzung; „trennen, absondern, abgrenzen, unterscheiden“) zwei Möglichkeiten, die negative, die mit Herabsetzung oder Herabwürdigung verbunden sein kann, sowie die positive mit Aufwertung, Erhöhung oder sogar Überhöhung gegenüber anderen. Insbesondere die Möglichkeit der positiven Diskriminierung mag manchen aus ideologischen Gründen ein Dorn im Auge sein, da sie für die Einordnung von Menschen in eine (institutionalisierte und positiv besetzte) Opferrolle ungeeignet ist und keine (negativ besetzte) Täterrolle aufzeigbar macht. Hinzu kommt die Möglichkeit der Selbstdiskriminierung, Selbstausgrenzung, die den „Rassismus“-Begriff vollends ad absurdum führt.

In einem Beitrag des britischen Guardian vom 25. Juni 2020 wurde immerhin festgehalten, dass Atheisten und Humanisten in acht Ländern Diskriminierung widerfährt und sie dort wegen ihrer Weltanschauung, und nicht etwa „rassistisch“ verfolgt und unterdrückt werden.

Es wurde vorgeschlagen, den Begriff „Rasse“ im Artikel 3 (3) der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, dem Grundgesetz, durch ein anderes Wort zu ersetzen. Kosmetik, durch die weder Ursachen noch Folgen irgendeiner Diskriminierung aus der Welt geschafft würden. Man könnte dieses Ansinnen auch Selbstbetrug nennen. Dass in dem Satz 3 aus Artikel 3 GG nicht nur von Benachteiligung, sondern auch von Bevorzugung die Rede ist, wurde in diesen Diskussionen geflissentlich übersehen.

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

In manchen Debattenbeiträgen wurde versucht, die Religionszugehörigkeit von Menschen als ein unveränderliches Merkmal ähnlich Herkunft oder Abstammung hinzustellen. Dabei wurden mehrfach klischeehafte Bilder verwendet, und es konnte der Eindruck entstehen, dass vermittelt werden solle, Angehörige einer bestimmten Religion seien gegenüber anderen exponiert und bedürften einer besonderen Beachtung, ihnen müssten eine höhere Wertigkeit und damit verbunden mehr Rechte als anderen zuerkannt werden, wie dies in manchen „heiligen“ Büchern vorformuliert ist, in denen Angehörige bestimmter Religionen als „auserwähltes Volk“ irgendeines Gottes oder als „die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand“ ([3:110]) bezeichnet werden. In Fällen von Selbsterhöhung oder Selbstüberhöhung spricht man dann von Chauvinismus, oder auch von Arroganz, Anmaßung, Überheblichkeit und Hochmut.
Doch die Aufwertung der einen ist die Abwertung anderer, und umgekehrt, was gesellschaftliche Spannungen erzeugt sowie Ressentiments und Gegenreaktionen heraufbeschwört.

In einem kurzen Meinungsaustausch mit einer WerteInitiative via Facebook am 3. Juni 2020 hatte ich u.a. angemerkt, dass das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung m.E. eine Straftat ist, und zwar auch dann, wenn dies im Rahmen der Religionsausübung geschieht, was damit beantwortet wurde, dass es sich in einem solchen Fall „natürlich NICHT um eine Straftat“ handle. Auf meine weitere Nachfrage, was es denn dann sei, habe ich (bislang) keine Antwort erhalten. Ob das Verweigern einer Antwort Ausdruck von Selbstgerechtigkeit, von der Unfähigkeit zur Selbstreflexion oder von etwas anderem ist, sei dahingestellt. Herkunft, religiöses Bekenntnis oder Weltanschauung sind zwar kein Fehlverhalten, Kindern aus religiösen Gründen eine irreversible Körperverletzung zuzufügen ist es nach meinem Verständnis jedoch sehr wohl (vgl. Kritik und Angst — Wider die Selbstgerechtigkeit).
Siehe auch den Beitrag The Unanswered Question / Umkehrschluss auf dieser Website:

Wenn es […] was-auch-immer-feindlich wäre, Menschenrechtsverletzungen und Despotismus sowie anderes Unrecht zu kritisieren: Was bedeutete dies dann im Umkehrschluss ?

Jemandem mit einem Hinweis auf dessen Religion das sanktionsfreie Begehen von Straftaten zu ermöglichen und zu erlauben, verstößt in Deutschland jedoch mglw. gegen den Artikel 3 Satz 3 GG.

Menschen mit dunkler oder einer anderen Hautfarbe, als sie bei Europäern weit verbreitet ist, werden in Medienberichten etc. oft als „People of Color“ bezeichnet, ein Begriff, der auf Anderssein und damit auf Abgrezung gegenüber „Weißen“ und auf Ausgrenzung (Diskriminierung) zielt und allen Bestrebungen, „Rassismus“ zu überwinden, zuwider läuft. Abgesehen davon sind auch „Weiße“ nicht weiß, sondern haben meist wohl eine schweinchenrosa Hautfarbe. Weiß sind die Wände in meiner Wohnung.

In dem Buch Identitätslinke Läuterungsagenda zeigen insbesondere die Herausgeberin Sandra Kostner sowie die beiden Autorinnen Maria-Sibylla Lotter und Elham Manea auf, wie vermeintliche Antirassisten den „Rassismus“ und die Segregation der Gesellschaft dadurch fördern, dass sie u.a. darauf hingewirkt haben, dass Menschen z.B. allein wegen ihrer Herkunft bei der Stellenvergabe in manchen Berufen bevorzugt werden (müssen), ohne dass ihre sonstige Qualifikation berücksichtigt würde, was von der Mehrheitsgesellschaft als Ungerechtigkeit empfunden und entsprechend beantwortet wird, und dass vermeintliche Antirassisten dabei selber wie „Rassisten“ argumentieren und agieren.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 29. Juni 2020 unter der Überschrift „Es wird schmerzhaft“ sagt Saraya Gomis unter anderem:

Rassismus als Struktur ermöglicht, dass Ungleichheit legitimiert und damit „normalisiert“ wird.

Genau dies, „Rassismus“ als Struktur ermöglichen und Ungleichheit legitimieren ist es, was Sandra Kostner et al. in dem Buch Identitätslinke Läuterungsagenda beschreiben.

Ein Artikel in der SZ vom 26. Juni 2020 beklagt unter der Überschrift „Rassismus ist da, er ist alltäglich“ unter anderem:

„In Freising haben etwa 20 Prozent der Menschen Migrationshintergrund, aber ich kenne keine einzige Lehrkraft, die farbig oder andersgläubig ist.“
[…]
„Die Mehrheit der Kinder mit Migrationsgeschichte bleibt der Weg zum Abitur aus diversen Gründen verwehrt“

Welche „diversen Gründe“ es sind, wird in dem Artikel nicht thematisiert, Gründe werden nicht benannt.

In Brief an die Heuchler geht Stéphane Charbonnier (CHARB) argumentativ teils in eine ähnliche Richtung wie Sandra Kostner et al. Das Buch von CHARB, der sich ausdrücklich gegen „Rassismus“ und Intoleranz ausspricht, habe ich seit Erscheinen der deutschsprachigen Ausgabe im Juli 2015 vielen Leuten empfohlen, darunter auch solchen, die von sich selbst sagen, dass sie Antirassisten und Kämpfer gegen Intoleranz seien. Etliche dieser vermeintlichen Antirassisten und Kämpfer gegen die Intoleranz reden deshalb nicht mehr mit mir — nur, weil ich ihnen das Buch von CHARB empfohlen habe. Seltsam.

In einem Text, den Leonid Luks am 4. Juni 2020 auf der Website Die Kolumnisten veröffentlicht hat, schreibt er:

Zum Wesen des totalitären Denkens gehört die Diskursverweigerung mit Andersdenkenden.

Einige der in diesem Beitrag von mir angerissenen oder thematisierten Aspekte sind manch einem möglicherweise ein zu heißes Eisen — auch wenn ich längst nicht alle Aspekte zum Thema „Rassismus“ respektive Diskriminierung aufgegriffen habe.

Den „Rassismus“ damit zu kontern, dass man die Opfer des „Rassismus“ heraushebt, ihnen eine gesellschaftliche Sonderstellung zuschreibt, konterkariert die Bemühungen gegen „Rassismus“. Mit der Betonung des Andersseins wird der „Rassismus“ nicht bekämpft, sondern aktiv gefördert.

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Beitragsbilder (von oben nach unten):

  • Trabajando_una_pieza_de_metal_al_rojo_sobre_un_yunque.jpg, Wikimedia.org, Author: kurtsik
  • Sturz_des_Idstedter_Löwen.jpg, Wikimedia.org, Flugblatt – unbekannt; Scan – James Steakley
  • Screenshot von der Website des britischen Guardian, eigenes Werk
  • Cover des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland, arabischsprachige Ausgabe
  • Screenshot aus einem Beitrag der Facebook-Seite von „Gesicht zeigen – für ein weltoffenes Deutschland“, eigenes Werk
  • Akan_MHNT.ETH.2010.25.009.jpg, Wikimedia.org, Photographer: Roger Culos
  • Screenshot aus einem Beitrag der Facebook-Seite von „Werteinitiative“, eigenes Werk
  • Buchcover zu „Identitätslinke Läuterungsagenda“
  • Buchcover zu „Brief an die Heuchler“
  • Bildliche Darstellung eines Zitats von Leonid Luks, Die Kolumnisten, eigenes Werk

  • Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    Die geistliche Insolvenz der Kirchen bricht sich Bahn


    Kirchenruine_Virgilienberg_14042007_01Austrittszahlen sind Beleg für vollständiges Versagen.

     

    Die Fakten sind dramatisch: Mit den immer weiter steigenden Austrittszahlen verlieren die beiden christlichen Konfessionen ihre gesellschaftliche Mehrheit im Land. Doch es wäre zu kurz gedacht, würde man lediglich die Missbrauchsskandale für die Entwicklung verantwortlich machen; immerhin stehen die Protestanten den Katholiken beim Verlassen ihrer Kirche in nichts nach. Und auch die Kirchensteuerbelastung alleine kann kein Grund dafür sein, dass sich immer mehr Christen ihrer angestammten Vertrautheit lossagen.

     

    Offenbar liefern Bistümer und Landeskirchen nicht mehr das, was die Menschen von einer geistlichen Heimat des 21. Jahrhunderts erwarten. Mit den krampfhaften Versuchen, ein „modernes“ Angebot an möglichst alle Generationen zu richten, verzettelt sich die Kirche selbst und entfernt sich von ihrem Kernauftrag der Verkündigung. Darüber hinaus ist die stark zurückgehende Ansprache der Gemeindeglieder durch die Seelsorger vor Ort sicherlich mitursächlich dafür, dass die Verbindung zwischen Gläubigem und Kirche immer häufiger reißt.

     

    Die Menschen erhoffen eine persönliche Ansprache für ihre existenziellen Fragen. Bei immer weniger Pfarrern kann dieser Anspruch nicht erfüllt werden; eine Abwärtsspirale, aus der die Kirche den Absprung wohl kaum zu schaffen vermag. Die Entfremdung von der Lebenswirklichkeit vieler Christen im Beharren auf Zölibat, sexualethischen Vorgaben und der Ausgrenzung der Frau mag aus dogmatischen Erwägungen unumgänglich zu sein; für die Praxis des Kirchenalltags ist sie ein verheerendes Signal der Rückwärtsgewandtheit.

     

    Dass die Gemeinden trotz ihrer Situation freiwilliges Engagement aus ihren Reihen zurückhalten und das Priestertum aller Gläubigen ad absurdum führen, ist eine Katastrophe im Überlebenskampf der Konfessionen und sollte die Kirchen zum Selbsteingeständnis vollständigen Versagens führen. Nicht zuletzt scheint der christliche Glaube in komplexer werdenden Zeiten gerade nicht dazu imstande zu sein, den Menschen jenen Halt zu geben, der auch in größter Not trägt.

     

    Mit seinen teils einfachen Antworten auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt, den bloßen Vertröstungen auf das Jenseits und dem fehlenden Zugang zu den tatsächlichen Problemen des Daseins schafft er es nicht, kritischer werdende Gläubige in ihrem Umfeld abzuholen und sie mit sinnstiftender Nahrung zu versorgen, die über die sonntägliche Predigt hinausgeht. Nachdem die Kirchen wenig Veränderungsbereitschaft zeigen, wird sie sich wohl oder übel eingestehen müssen, dass sie den Anschluss verpasst hat.

     

    Für Politik und Bevölkerung heißt es nun, die neuen Wahrheiten zur Kenntnis zu nehmen: Auch wenn ein Verlassen der eigenen Konfession keinem Verlust an Gottesglaube gleichzusetzen ist, ist es der religionsfreie Mensch, der zukünftig mehr Platz im öffentlichen Diskurs erhalten muss. Ob in Ausschüssen und Gremien, in Parteien und Organisationen, im Sozialstaat und in der Wohlfahrt – für Humanisten braucht es mehr Akzeptanz, Verantwortung und Vertrauen. Die Aussicht auf ein tatsächlich säkulares Deutschland steigt.

     

    Dennis Riehle

    Martin-Schleyer-Str. 27

    78465 Konstanz

     

    Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de

    Web: https://www.dennis-riehle.de




    Über 42 Prozent der Ischgler haben Corona-Antikörper


    IschglDiese Meldung zog heute am 25.6.2020 durch die Medien!

    In diesem Tiroler Ort war ja der Start der Corona-Pandemie in Österreich. Die 42 Prozent sind gemäß einer Studie der Medizinischen Universität Innsbruck der höchste bisher weltweit publizierte Wert!

    Dort war man ja sehr sorglos mit den Erkrankungen umgegangen, die ersten Erkrankungen traten schon im Februar auf, es erfolgten keine Reaktionen, offiziell wurde der erste Krankheitsfall erst am 7. März gemeldet, das Land Tirol veranlasst am 10. März Lokalschließungen, am 12. März gibt es in Österreich den ersten Todesfall, allerdings war das ein Wiener, der sich in Italien angesteckt hat, am 13. März werden von der österreichischen Regierung Ischgl und das Paznauntal zum Risikogebiet erklärt und unter Quarantäne gestellt.

    Die Studie stellt dazu fest, dass 85 Prozent der Infizierten symptomlos geblieben sind, das Anstecken hat aber bestens funktioniert, ab 16. März wird in Europa bekannt, dass Skitouristen, die im Paznauntal auf Urlaub waren, den Virus in ihren Heimatländern effektvoll unter die Leute bringen. Erst am 19. März wird die Quarantäne über ganz Tirol verhängt. Von der österreichischen Regierung wurden diverse Einschränkungen vom 10. bis 13. März verfügt.

    Wenn nun die Antikörper tatsächlich die Wirkungen wie eine Impfung haben – bekannt bei anderen Krankheiten – die Masern bekommt man auch kein zweites Mal, dann hat Ischgl wohl das vollzogen, das in anderen Ländern anfangs auch als Ziel genommen wurde, nämlich Corona-Viren durch Masseninfektionen wirkungslos zu machen, also eine Art Herdenimmunität herzustellen, was in solchen Ländern klarerweise zur Steigerung der Todesfälle führte und dann doch als Irrweg gesehen wurde. In Ischgl wird wohl das Ski- und Après-Ski-Gewerbe längere Zeit nicht nur gegen Corona, sondern auch gegen Gäste immun bleiben…

     

    Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




    Das Kopftuch und Edeka


    EdekaAnmerkung: EDEKA ist in der BRD ist ein genossenschaftlich organisierter kooperativer Unternehmensverbund im deutschen Einzelhandel

    Aussendung von Hartmut Krauss vom 20.6.2020:

    Islamisierung unter dem Deckungsschutz der "Antidiskriminierung"

    Wie weit die Islamisierung bereits mit Hilfe der hinterhältig instrumentalisierten "Antidiskriminierung" in die angeblich demokratisch und rechtsstaatlich funktionierende deutsche Gesellschaftsordnung eingedrungen ist, zeigt dieses aktuelle Beispiel: Die Zurückweisung einer islamischen Kopftuchträgerin durch einen Arbeitgeber wird als "rassistische Diskriminierung" stigmatisiert. Daraufhin knickt der Arbeitgeber (Edeka) ein, entschuldigt sich bei der abgewiesenen Schülerin, die ihren Sommerferienjob nur mit Kopftuch ausüben wollte, und beteuert sein "Eintreten für Vielfalt."
    Diese absolut unwürdige Unterwerfung unter die reaktionären Bestrebungen und Ansprüche der grund- und menschenrechtswidrigen islamischen Weltanschauungsgemeinschaft (der "Rechtgläubigen") hätte eigentlich einen Edeka-Boykott oder zumindest Protestaktionen verdient.

    Anmerkung atheisten-info: Im Artikel 3 des deutschen  Grundgesetzes heißt es: "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden."
    Was wäre dann, wenn eine Firma einfach jede Art von Kopfbedeckung während der Arbeit untersagt? Dann darf z.B. ein Rechtsextremist keinen Stahlhelm tragen, ein Tiroler keinen Tirolerhut und eine Muslimin kein Kopftuch, alle würden gemäß Grundgesetz gleich behandelt! Oder noch einfacher: Das Tragen von politischen, weltanschaulichen und religiösen Kennzeichen untersagen, wieder würden alle gleichbehandelt, kein Christ dürfte sich ein Kreuz um den Hals hängen, kein Kommunist Hammer&Sichel anstecken, kein Muslim Kopftuch oder Fez tragen!

     

    Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

     




    Österreich sehr gut auf Corona eingerichtet


    CoronaOECDDas ist einem Bericht der EIU (Economist Intelligence Unit) vom 19.6.2020 zu entnehmen, hier der Screenshot der von der APA online gestellten OECD-Tabelle:

    Österreich und Deutschland liegen mit jeweils 3,56 von 4 möglichen Punkten vorne, vergleichen wir das einmal mit den Zahlen der angeführten Ländern herunter gerechnet bei den Infizierten und Toten  auf Fälle pro Million Einwohner:

    Die Vorzüge und Nachteile im Vergleich zur obigen Tabelle sind nicht so recht wahrzunehmen! Siehe z.B. die punktegleichen Länder Dänemark und Island, Dänemark hat pro Mio. Einwohner weit weniger Infizierte, Island ein etwas weniger Tote, in Proportionen: Island hat 2,4x so viele Infizierte, Dänemark 3,8x so viele Tote pro Mio. EW.

    Aber werfen wir auch noch einen Blick auf die Sterberaten:

    Auch hier ist kein signifikanter Unterschied im Vergleich zu den Punkten auf der Tabelle zu sehen, Frankreich ist mit der höchsten Sterberate "gut", die Schweiz mit einem Drittel Frankreichs nur "mäßig"…

    In der "Wiener Zeitung" hieß es wohl darum erklärend dazu: "Ausschlaggebend für das Abschneiden der Länder waren die Zahl der Testungen, die durch Corona bedingten Todesfälle, sowie die Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung bei Nicht-Covid-19-Fällen". Aha, dazu gibt's in Sachen eins und drei keine offiziellen Zahlen und darum auch keine Grafiken…

     




    Christlicher Humanismus?


    BeneAus gegebenem Anlass – da die Diskussion nicht abreißen will – stelle ich diesen Artikel vom 1. Januar 2012 noch einmal ein. Manche Passage würde ich zwar heute etwas differenzierter formulieren, doch im Kernpunkt sehe ich keinen Anlass zu grossen Veränderungen.

    Vorangestellt sei ein kurzes Exzerpt aus Wikipedia, in dem eine wohl gültige Definition des Humanismus als Weltanschauung gegeben wird:

    Humanismus ist eineWeltanschauung, die auf die abendländische Philosophie der Antike zurückgreift und sich an den Interessen, denWerten und der Würde des einzelnen Menschen orientiert. Toleranz, Gewaltfreiheit und Gewissensfreiheit gelten als wichtige humanistische Prinzipien menschlichen Zusammenlebens. Die eigentlichen Fragen des Humanismus sind aber: „Was ist der Mensch? Was ist sein wahres Wesen? Wie kann der Mensch dem Menschen ein Mensch sein?“ Humanismus bezeichnet die Gesamtheit der Ideen von Menschlichkeit und des Strebens danach, das menschliche Dasein zu verbessern. Der Begriff leitet sich ab von den lateinischen Begriffen humanus (menschlich) und humanitas (Menschlichkeit). Der Humanismus beruht auf folgenden Grundüberzeugungen:

    1. Das Glück und Wohlergehen des einzelnen Menschen und der Gesellschaft bilden den höchsten Wert, an dem sich jedes Handeln orientieren soll.
    2. DieWürde des Menschen, seine Persönlichkeit und sein Leben müssen respektiert werden.
    3. Der Mensch hat die Fähigkeit, sich zu bilden und weiterzuentwickeln.
    4. Die schöpferischen Kräfte des Menschen sollen sich entfalten können.
    5. Die menschliche Gesellschaft soll in einer fortschreitenden Höherentwicklung die Würde undFreiheit des einzelnen Menschen gewährleisten.

    Die Humanität ist die praktische Umsetzung der Ideen des Humanismus. Dazu gehören die Güte, die Freundlichkeit und das Mitgefühl für die Schwächen der Menschen, seiner selbst inne und mächtig zu werden und sich im Mitmenschen selbst wiederzufinden.

    Diese Definition ist durchaus tauglich, wenn es darum geht, den Idealzustand menschlichen und zwischenmenschlichen Verhaltens gewisser Maßen statisch zu skizzieren. Diese Definition ist untauglich, da sie es versäumt, Aussagen darüber zu machen, woher diese Verhaltensweisen kommen (generiert oder oktroyiert) und in welche Richtung sie sich entwickeln sollten. „Fortschreitende Höherentwicklung“ ist zu schwammig, um in irgendeiner Weise dienlich zu sein.

    Eine solch unvollkommene und geradezu schwammige Beschreibung des Wesens des Humanismus birgt die Gefahr, dass sich praktische jede beliebige andersgeartete Weltanschauung seiner bedienen kann. So wird dieser schöne, doch richtig „menschlich“ klingende Begriff recht bald Opfer von Religionen und Ideologien. Schon der antike Ausgangspunkt bei Platon war nicht sonderlich pragmatisch angelegt. In der politeia lehnt Platon Privateigentum ab (später in den nomoi leicht revidiert), was fast Anklänge an urkommunistische Vorstellungen erlaubt. Doch mit einem wesentlichen Grundrecht, dem auf freie Selbstbestimmung, hapert es bei Platon. Die Demokratie verdammt er als „Vorstufe zur Tyrannei“. Dies wird Jahrhunderte später vom großen „Aufklärer“ der andalusisch-islamischen Welt, Ibn Rushd (Averroës), aufgegriffen in seiner Interpretation der politeia. Damit desavouiert selbst der Vater der duplex veritas auch einen islamischen Humanismus, falls so etwas angesichts des „ewigen“ Koran überhaupt möglich ist, in den Bereich der Schimären.

    Mit diesen beiden Beispielen möchte ich nur kurz andeuten, was folgerichtig in dem Augenblick offensichtlich mit Notwendigkeit passieren muss, wenn sich Ideologien oder Religionen des Begriffs bemächtigen. Jeder kann sich anhand des längeren Wikipedia-Eintrags selber ein Bild davon machen.

    Im Zentrum des Humanismus steht eindeutig der Mensch in seinem Umfeld mit allen seinen zwischenmenschlichen Beziehungen. Das impliziert stringent seine Selbstbestimmung in allen das Leben betreffenden Fragen, die nur dort ihre Begrenzung findet, wo Rechte des Mitmenschen berührt sein könnten. Jedes Aufpropfen einer Fremdbestimmung des Menschen durch Ideologien oder Religionen zerstört bereits im Ansatz das Wesen des Humanismus. Der Mensch verliert dergestalt die Mitte, er wird an die Seite geschoben, um anderen Prinzipien den Vorrang einzuräumen.

    Den Humanismus wie wir ihn heute verstehen gibt es erst seit der Aufklärung, also ab dem Augenblick, als man sich den Menschen als Individuum mit einklagbaren Rechten vorzustellen begann. Die Bill of Rights, die amerikanische Verfassung und die diversen Menschenrechtserklärungen sind die Eckpunkte, an denen sich unsere heutige Auffassung festmachen lässt. Betrachten wir also die Okkupanten des Humanismus, so müssen diese sich daran messen lassen, inwieweit sie den drei beispielhaft genannten Erklärungen zustimmen oder nicht. Weder die Organisation islamischer Staaten (OIC) noch der Vatikan erkennen die Menschenrechte an. Ihr Vorbehalt ist praktisch identisch formuliert, dass sie nämlich nicht menschliches Recht über das durch ihre Schamanen interpretiertes fiktives Recht eines Gottes stellen wollen. Fremdbestimmung pur – keine Spur einer Anerkennung des Humanismus. Bezeichnend ist auch, dass bei der UN-Abstimmung von 1948 die damaligen kommunistischen Staaten mit Nein gestimmt haben. Ihr Gott: eine ebenso menschenverachtende Ideologie wie sie von den Religionen Islam und Christentum repräsentiert werden. Wäre das nationalsozialistische Deutschland Mitglied der UN gewesen, kann man wohl von einer ebensolchen Ablehnung ausgehen.

    Bevor ich mich der im Titel genannten contradictio in adiecto zuwende sei mir ein kurzer Blick auf die „moderne“ islamische Philosophie erlaubt, zumal ich darauf bereits in meinem Aufsatz  الديمقراطية والا الاسلام (http://www.wissenbloggt.de/?p=375) eingegangen bin.

    Der tunesisch-französische Autor Abdelwahab Meddeb hält den islamischen Humanismus, der mit bedeutenden Ärzten, Gelehrten und Philosophen auf eine lange Tradition zurückblicken kann, durch den «Islamismus» für bedroht:

    „Die Keime des Islamismus […] sind bereits im koranischen Text vorhanden. Die Dinge wären sehr viel einfacher, wenn es nicht diese islamistische Lektüre des Korans gäbe. Die Islamisten wollen aus ihrer Lesart die einzig richtige machen, dabei ist es ja gerade die Eigenart von Texten, unendlich viele Interpretationen zu ermöglichen […] Das enorme Problem des Islam besteht gerade darin, dass der Islamismus versucht, seine Botschaft in alle Richtungen zu verbreiten. Der offizielle Islam, der eine Art letzter Metamorphose des traditionellen Islam ist, wird heute zunehmend von islamistischem Gedankengut durchsetzt und vergiftet.“

    Auch dieser Ansatz führt in die Irre, und zwar aus zwei einleuchtenden Gründen. Auch Meddeb bezweifelt nicht die Stellung eines Gottes als oberster Legislator und des weiteren folgt er der auch in Europa stark verbreiteten Meinung, es gäbe einen Unterschied zwischen Islam und Islamismus (oder auch: politischer Islam). Das sind problematische Ansätze. Solange wir keinen fest etablierten Euro-Islam im Sinne eines Bassam Tibi konstatieren können oder ausreichende Anhängerschaften eines liberalen Islam im Sinne einer Seyran Ates, bleibt jedes philosophische Bemühen eines Herrn Meddeb Makulatur. Die Schmähung des Humanismus durch Einverleibung in eine menschenfeindliche Religion kann dabei mit höchstem Wohlwollen nur als „window dressing“ unter Ausnutzung eines offenbar beliebten, aber missverstandenen Begriffs interpretiert werden.

    Dass auch die Christen nicht faul bei der Okkupation religionsfremder Begriffe sind beweist einmal mehr Herr Ratzinger  (nach einem Artikel des Hamburger Abendblatts): Papst Benedikt XVI. hat zum Jahresende zu einem neuen christlichen Humanismus aufgerufen. Ein solcher Humanismus müsse in der Lage sein, Kultur und soziales Engagement aus christlichem Geist hervorzubringen, sagte er am Sonnabend in einem Silvestergottesdienst im Petersdom. Das setze eine Neubelebung christlichen Lebens und einen vertieften Dialog mit der modernen Kultur voraus. Es gelte, die „Schönheit und Aktualität des Glaubens“ wiederzuentdecken, betonte Benedikt XVI vor mehreren tausend Zuhörern. Der Glaube dürfe kein „isolierter Akt“ bleiben, der nur „einige Momente“ des Lebens betreffe. Er müsse den gesamten Alltag prägen und eine „beständige Orientierung“ darstellen, die den Menschen „gerecht, wirksam, wohlwollend und gut macht“.

    Zwei Gesichtspunkte sind dabei bemerkenswert. In seiner Verblendung und seiner Machtgier kann sich Herr Ratzinger überhaupt nicht vorstellen, dass Menschen auch ohne göttliche „Orientierung“ gerecht, wohlwollend und gut sein können. Empathie als evolutionär entwickelte Eigenschaft widerspricht trotz der vorliegenden Tatsachen eindeutig seinem Universalanspruch auf „Nächstenliebe“.

    Der zweite wichtige Punkt findet sich in der Formulierung „neuer christlicher Humanismus“. Er möchte also anknüpfen an etwas, was mit der Aufklärung „verloren“ wurde, der „klassische“ christliche Humanismus. Dabei ist es so leicht – auch abgesehen von der generellen Unvereinbarkeit von Religion und Humanismus – auch diese Referenz ad absurdum zu führen. Als so genannte „christliche“ Humanisten werden immer wieder Francesco Petrarca und Erasmus von Rotterdam genannt. Man möchte dabei von christlicher Seite gern übersehen, wie sich diese beiden Herren zu den Grundüberzeugungen Herrn Ratzingers geäussert haben.

    Erasmus von Rotterdam: „Um jedoch nicht weiter auf diese endlosen Einzelheiten' einzugehen, will ich euch in aller Kürze dartun, dass die ganze christliche Religion eine gewisse Verwandtschaft mit der Torheit hat und zu der Weisheit in gar keiner Beziehung steht." (Referenz : http://hpd.de/node/2349).

    Francesco Petrarca: „Es ist üblich und alter Brauch, Erzählungen, die zum größten Teil erlogen und erdichtet sind, mit dem Mäntelchen der Religion und der Heiligkeit zu umkleiden, auf dass den menschlichen Betrug die Vorstellung von einer Gottheit decke." (Referenz: http://hpd.de/node/2410).

    Sind den Apologeten eines «christlichen» Humanismus diese Zitate nicht bekannt, oder werden sie aus Böswilligkeit nicht berücksichtigt ?

    Lug und Trug ziehen sich durch die Geschichte der Religionen, und es ist dringlich – heute offenbar mehr denn je –  an der Zeit, solchem Treiben Einhalt durch Aufklärung zu gebieten.

     

     

     

     




    Wie die Franken den Friesen den „wahren“ Glauben bringen


    Radbods SchwertWEIMAR. (fgw) Lothar Englert hat jetzt im Gmeiner-Verlag mit „Radbods Schwert“ den ersten Band einer Friesland-Trilogie, die um das Jahr 700 herum angesiedelt ist, veröffentlicht. Und schon der Klappentext läßt – ob seiner Deutlichkeit – aufhorchen.

     

    »Die Franken wollen Friesland den wahren Glauben bringen, die Botschaft ihres gekreuzigten Gottes, aber in Wahrheit wollen sie erobern – die Friesen unterwerfen«, heißt es darin.

     

    Im Prolog – überschrieben mit „Der Königsreim" – wird der Autor noch deutlicher, indem er seinen Helden, den Friesen-König Radbod, an dessen Lebensende Bilanz ziehen läßt. Deutlich bzw. deutlicher, weil Englert hier mit der ach so wundersamen Bekehrungsgeschichte der vorgeblich nächsten- und sogar feindesliebenden christlichen Religion und deren Priester aufräumt. Damit stellt er auf seine (literarische) Weise kolportierte Kirchengeschichte und -propaganda vom Kopf auf die Füße. Und unterscheidet sich damit wohltuend von der ahistorischen „vorherrschenden Meinung" hierzulande. Radbod sinniert schreibt u.a.:

     

    »Die Christenpriester pflegen die Lüge als Teil ihres Lebens, nutzen die Unwahrheit als Waffe, und sie lügen, wenn sie behaupten, die maßlose Kraft ihres Gottes habe uns bezwungen. Tatsächlich waren es unerschöpfliche Reserven der Franken an Kriegern, Pferden und Waffen.« (S. 7)

     

    Englert hat seinen Roman, wohl in Anlehnung an mittelalterliche Texte, neben dem bereits erwähnten „Königsreim" und dem daran anschließenden „Vorgesang" in 35 Kapitel, bei ihm „Verse" genannt, gegliedert; zwischen diese sind diverse „Kleine Oden" eingeschoben.

     

     

    Ein fiktionaler Roman ist keine Dokumentation

    Anzumerken ist aber unbedingt, daß aus dieser Zeit kaum schriftliche Zeugnisse, erst recht keine objektiven, vorliegen. Deshalb darf Englerts Roman auch keinesfalls als dokumentarisch angesehen werden. Es ist eben Fiktion, die der Phantasie eines begnadeten Geschichtenerzählers entsprungen ist. Allerdings vor dem Hintergrund der historisch realen „Missionierung" Frieslands, die sich aber kaum von den nachfolgenden „Christianierungen" germanischer, westslawischer oder baltischer Völkerschaften unterscheiden dürfte…

     

    Was Englert jedoch zu den Lebensverhältnissen der Friesen, egal ob Bauern oder Fürsten, schreibt, über Alltägliches und Familiäres, über Bündnisse z.B. mit Sachsen und Dänen, über Landwirtschaft und Handel oder über die Art und Weise der Kriegsführung – illustriert in diversen Schlachtszenen, das dürfte aber dennoch annähernd den damaligen Verhältnissen und Umständen nahekommen. Zumal er der Friesen keinesfalls idealisiert. Auch bei ihnen gab es Herrn und Knechte, gab es Raubzüge einschließlich der Versklavungen von Menschen überfallener Siedlungen.

     

    Auch fanden die Kriegszüge nicht – wie in frommen Legenden behauptet – bei bestem „Kaiserwetter" und in strahlenden Rüstungen statt, sondern zumeist unter primitivsten Umständen. Nebenbei wird deutlich, wie stark seinerzeit die Heere wirklich waren. Selten – nach heutigen Maßstäben – mehr als bataillonsstark; eher sogar noch geringer. Selbst die überlegenen Franken konnten selten mehr als in Regimentsstärke mobilisieren. Auch darin kann man den Rückschritt des Mittelalters gegenüber der römischen Antike erkennen. Das kaiserliche Rom konnte jederzeit mehrere Legionen – also divisionsstarke Verbände – in Marsch setzen.

     

    Doch auf die familiären Lebensumstände Radbods und die einzelnen Feldzüge, allein oder im Bündnis mit den – „unsicheren Kantonisten" – Sachsen und Dänen, soll hier nicht weiter eingegangen werden. Das alles ist sehr gut, also durchaus glaubhaft, erzählt und dazu noch spannend zu lesen.

     

    Neugierig machend sind hier, das soll jedoch unbedingt angedeutet werden, zwei Ereignisse bzw. Personen. Zum einen konnte Franken-Herrscher Pippin Radbod gefangen nehmen, ließ ihn aber nicht hinrichten, sondern später sogar ehrenvoll entlassen. Und dann ist da zum anderen Ragnög bzw. Rassara, eine geheimnisvolle, rätselhafte Händlerin aus fernen Lande an der Donau. Ihr begegnet Radbod immer wieder. Sie dürfte in den Folgebänden sicher noch bedeutsame Rolle spielen.

     

     

    Dezidierte Religions- und Kirchenkritik

    Gerade wegen der doch überaus deutlichen Religions- und Kirchenkritik in diesem Roman soll eben die im Mittelpunkt seiner Besprechung stehen. Dafür machen sich aber einige ausführliche Zitate notwendig, die eigentlich keiner weiteren Kommentierung bedürfen.

     

    Auf S. 17 heißt es über die christlichen Franken: »Sie wollten die friesischen Herzen für ihren mit Dornen gekrönten Gott gewinnen, der angeblich ein Gott der Liebe war. Natürlich war das eine Lüge, noch dazu eine plumpe. Was sie wollten, war friesisches Land. Mit ihrer offenen Brutalität erwiesen sie ihrem Gott einen schlechten Dienst, und das begriff Radbod nicht.« (S. 17) – Friesisches Land – später könnte man dafür schreiben „Land und Ressourcen" der sogenannten Neuen Welt, Afrikas, Asiens… Zurück zu Radbods Zeit: »Die Franken drängten von Süden. Sie räuberten, plünderten und versteckten sich dabei hinter einem Kreuz, an dem ein Angenagelter hing, den sie anbeteten.« (S. 28) – Und genau so gingen und gehen christlich-weiße Eroberer bis in die Gegenwart vor…

     

    Wie nun gingen die Franken seinerzeit vor? Englert kleidet das so in Worte:

     

    »Radbod hatte Meldungen über christliche Priester erhalten, sogenannte Mönche. (…) Man hatte erlebt, wie es abgelaufen war, wo man derlei zugelassen hatte. Zuerst waren diese sogenannten heiligen Männer gekommen. Dann die mit dem Schwert. (…) Auch war die Lehre unehrlich, und das war das Entscheidende, alle Lieder und Sagen über Wohltaten und Güte des Angenagelten dienten doch nur einem Zweck. Sie sollten der fränkischen Herrschaft den Boden bereiten.« (S. 57 – 58)

     

    Der mit Radbod verbündete Sachsen-König sowie Radbods Vasall Grudd bringen ihre eigenen Erfahrungen mit den Christen Radbod gegenüber so zum Ausdruck:

     

    »„Dreister Landraub." – „Sie haben ein Wort dafür, Herr, es heißt missionieren." (…) Die Franken hatten ihre Kriegsführung geändert. Sie verjagten einheimisches Volk und setzten eigene Leute auf die Höfe. (…) – „Sie lassen nur dort, wer sich zu ihrem Glauben bekennt. Und wer sich weigert, den töten sie. (…) Und wer bleiben darf, dem wird erlaubt, als Sklave zu arbeiten. Den Hof übernimmt ein Franke. (…) – „Ich glaube, Herr, die Sache mit dem Glauben ist nur ein Vorwand. Sie wollen nicht nur unser Land, sie wollen es ohne Menschen. Die bringen sie nämlich mit."« (S. 87 – 90) – Noch deutlicher wird das ab etwa 800 Jahre später im Gefolge der sogenannten Entdeckungsfahrten des Kolumbus, des Cortes, des Pizarro oder der sogenannten Pilgerväter…

     

    In seiner kurzen fränkischen Gefangenschaft und nach der Eroberung einer fränkischen Siedlung im Friesenland macht Radbod seine eigenen Erfahrungen mit den christlichen Priestern bzw. Mönchen:

     

    »Den einen erkannte er als christlichen Priester in der üblichen Kleidung, ein junger Mann noch, feist und rotwangig. Am dicken Hals das Zauberzeichen der Christen, ein silbernes Kreuz. Selbst dieser Mann war bewaffnet…« (S. 243)

     

    »…und wo Kirchen waren, fand man auch Priester. Sie mußten sich während der Kämpfe gut verborgen gehalten haben, auch während der Plünderungen, als die Menschen in der Stadt ihren Beistand besonders nötig gebraucht hätten. (…) Der Mönch kam jetzt auf die Füße und zerrte an seinem Kreuz. „Du siehst ein, Radbod, mir gebührt die Führung dieser Stadt, mir allein!" Es war einer der Augenblicke, in denen dem König wieder bewußt wurde, warum er christliche Priester haßte. Sie erhoben sich auf ungebührliche Weise über das Volk, forderten für sich stets das Beste, fehlten aber, wenn es galt zu trösten und zu dienen.« (S. 204 – 205) – Auch wenn sich die konkreten Formen geändert haben, so gilt das im Grundsatz in der „Kirchenrepublik" Deutschland noch heute…

     

    An Beispielen wird dann gezeigt, wie sich die Mönche, der Bischof dieser Stadt selbst bereichert hatten und mit welcher Anmaßung sie gegenüber den Menschen und selbst dem siegreichen König gegenüber auftreten. Wie heißt es doch schön? „Sie predigen Wasser und saufen heimlich wein!" Aber es geht diesen Kuttenträgern nicht nur um Bereicherung, sondern mehr noch um die schrankenlose Herrschaft über Mensch, Gesellschaft und Staat. Das zeigt Lothar Englert in seinem Mittelalter-Roman schonungslos auf. Sicherlich nicht zur Freude der Leitmedien…

     

    Und nun darf man mit besonderer Spannung hoffen, daß die Fortsetzungen nicht allzulang auf sich warten lassen.

     

     

    Siegfried R. Krebs

     

     

    Lothar Englert: Radbods Schwert. Historischer Roman. 408 S. Klappenbroschur. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2020. 15,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2558-5

     

     
    11.06.2020

    Von: Siegfried R. Krebs
     

     




    Was. Mut. Macht – Bemerkungen und Bemerkenswertes


    Was MutRezension von Dr. Gerfried Pongratz: Weitgespannte Gedanken, Einsichten, Erinnerungen, Reflexionen und Reflektionen

    Wolfgang Schüssel: „Was. Mut. Macht – Bemerkungen und Bemerkenswertes

    (© 2020 Ecowin Verlag bei Benevento Publishing Salzburg – München, ISBN 978-3-7110-0270-9)

    Der Autor: „Was ist dieses Buch? Kein Handorakel und keine Memoiren. Eher ein Kaleidoskop von Gedanken, Begegnungen, Aphorismen, Anekdoten…. Erfahrenes und Versäumtes. Glückliches und Schmerzendes“. Wolfgang Schüssel, von 2000 bis 2007 Bundeskanzler der Republik Österreich, über 30 Jahre im österreichischen Parlament und in mehreren Regierungen aktiv, prägte und gestaltete wie wenige vor und nach ihm die österreichische Politik und unterstützte dabei gleichzeitig auch die Vertiefung der Europäischen Union. Er hinterließ als „Reform- und Wendekanzler“, dem Vieles gelungen und Manches misslungen ist, in allen von ihm zu verantwortenden Bereichen deutliche Spuren; mit „Was.Mut.Macht“ legt er ein Lebenspanorama vor, das ihn als öffentliche Person und auch privat mit kurzen, schlaglichtartigen Texten zu verschiedensten Sachverhalten in vielen Aspekten zeigt.

     

    In seiner aktiven Zeit von Medien oftmals als „konservativer Revolutionär“ oder, negativer, als „Schweigekanzler“ charakterisiert, vermittelt das vorliegende Buch in 200 essayartigen Kapiteln offene Einblicke in die Gedankenwelt des Autors, eingebunden in Erinnerungen, Beobachtungen und Analysen zu vergangenem, aber auch aktuellem Zeitgeschehen. Er berichtet von besonderen Begegnungen mit herausragenden Zeitgenossen in Politik, Wirtschaft und Kultur, von Ereignissen, die die Welt, oder auch nur Österreich, bewegten, von politischen und privaten Erfahrungen in seinem Leben. Streiflichter auf private (christliche) Prägungen, auf seine Liebe zu Sport (Fußball), zum Bergsteigen, zur Geschichte, zu Kunst und Kultur sowie zahlreiche humorvolle, sehr ausdrucksstarke eigene Zeichnungen ergänzen die Ausführungen und steigern das Lesevergnügen.

     

    Die Erzählungen und Berichte Wolfgang Schüssels spannen einen weiten Bogen vom 21. Februar 1945, als die Mutter mit ihm hochschwanger nach einer Bombennacht in einem Wiener Luftschutzkeller drei Tage verschüttet wurde, bis zum Frühjahr 2020, als die Welt in der Corona Pandemie „den Atem anhielt“. Dazwischen liegen 75 Jahre Lebenserfahrung eines Mannes, der die Nachkriegszeit mit ihren Höhen und vielerlei Tiefen mit aktiver Anteilnahme erlebte und als Politiker in Österreich für viele Jahre gestaltete. Als roten Faden seiner politischen Karriere nennt er das ehrliche Bemühen, mit Empathie immer wieder die Mitte zu finden beim Ausgleich zwischen den Generationen, bei Verteilungs- und Nachhaltigkeitsfragen, beim Austarieren von Freiheit und Sicherheit, bei der Berücksichtigung berechtigter kleiner Anliegen unter dem Aspekt des Wohls des Ganzen. Vieles ist ihm gelungen, manche Entscheidungen und daraus resultierende Entwicklungen sind jedoch aus heutiger Sicht selbstkritisch zu hinterfragen; als Reformer („mehr privat, weniger Staat“) musste er oftmals zur Kenntnis nehmen, dass das Volk die Ankündigung von Reformen, nicht aber deren Umsetzung liebt.

     

    Als Beispiele für die Vielzahl verschiedenster im Buch behandelter Themen nachstehend eine kleine Auswahl der Kapitelüberschriften:

     

    Frühe Mentoren (1956), Der Mensch ist, wie er Fußball spielt (1958), Heiliger Unsinn des Kirchenrechts (1974), Vom Umgang mit unerwünschten Fragen (2017), Was macht einen guten Regierungschef aus?, Leidenschaft Stadtpolitik (1976), Wahlk(r)ämpfe, Drei Weltanschauungen, Nach Jerusalem (1963), Feuer in der Hofburg (1992), Zukünfte Österreichs (2018), Kraftquelle (1995), Eine gemeinsame Währung (Silvester 2001), Auferstehung? (Sarajevo 1996), Hoffnung Djindjic (Belgrad 2003), Sanktionen (2000), Der Vorhang fällt (August 1989, österreichisch-ungarische Grenze), Utopien, Russland am Abgrund (1998), Arbeitsplatz Ballhausplatz (1995 – 2007), „Nine Eleven“ (2001), Angela Merkel, die Ausnahme-Politikerin, Das zerstörte, trostlose Wien (1947), Brexit oder das Spiel mit der Demokratie (Ende 2019), Keine Nation hat das Monopol für Untaten, Verbotene Begriffe (2019), Kreativ erinnern – Gedenkjahr 2005, Alois Mock oder ein europäischer Traum geht in Erfüllung (1994), Manches Unrecht der Vergangenheit heilen (2000), Macht und Mut, Projektionsfläche (Umgang mit Anfeindungen), Auseinanderdriften (2003), Wer war Jörg Haider?, Liberale versus illiberale Demokratie, Der polnische Papst (1996), Freiheit (1968), Der Mehrwert Europas für Österreich, Die Stärke der Kleinen, Demokratie und Geopolitik, Österreichische Identität (1956), Pensionsreform und keine Sekunde Streik, Was heißt konservativ heute?, Dialog Europa – Russland….

     

    „Was.Mut.Macht“ beschreibt die Erinnerungen und mancherlei Befindlichkeiten eines hochgebildeten, auch kulturell überaus interessierten Politikers und Humanisten, der seinen Wertekanon weitgehend aus den Glaubenslehren der katholischen Kirche zu beziehen scheint. Neben der Schilderung und Bewertung politischer, gesellschaftlicher, kultureller und allgemein relevanter Ereignisse bietet das Buch humorvolle Einblicke in das Privatleben und die Persönlichkeit des Autors mit Gedanken zum Zeitgeschehen, mit Erinnerungen, Reflexionen und Reflektionen. Es vermittelt zudem auch viel Wissen zur politischen und kulturellen Geschichte von Österreich und Europa sowie allgemein zum Leben und Arbeiten eines Politikers. Auch wenn man vielleicht an der Person Wolfgang Schüssel nicht interessiert ist, seine politischen Einstellung nicht teilt und sein politisches Wirken kritisch sieht, bietet das Buch für an Zeitgeschichte Interessierte sehr lohnende Lektüre.

     

    Dr. Gerfried Pongratz 6/2020




    Vrône Lîcham


    Ich werde mir sicherlich nicht die Mühe machen, aufwändige Recherchen zu einem überflüssigen Fest zu unternehmen, von dem selbst kaum noch ein Katholik weiß, worum es wirklich geht. Die meisten lässt es eh kalt und die wenigen, die es noch begreifen und mitmachen, verhelfen einmal mehr dazu, katholischen Pomp penetrant in die Öffentlichkeit zu tragen. Die klug gewählte Jahreszeit und der geschickt ausgesuchte Wochentag für das Brimborium (neudeutsch: event) bringen allerdings stressgeplagten Arbeitnehmern unter Einschluss des „Brückentags“ einen willkommenen Kurzurlaub bei meist gutem Sommerwetter. Während sich die Beinharten mit den Monstranzen abschleppen und mit den prunkvollen Baldachinen aus 1001 Nacht, liegen sie genüsslich in den Isarauen, sitzen in den Biergärten und lassen den „lieben Gott“ einen guten Mann sein. Da es ja auch googlefaule und weniger exzellent mit katholischen Interna vertraute Humanisten geben soll, sei hier auf die Wikipedia verwiesen, die wenigstens einige der notwendigen Fakten liefert. Ein Dankeschön an Juliana von Lüttich für diesen Tag, den ich sicherlich irgendwo in einer gemütlichen Restauration mit Handkäs und Musik und einem Bempel Äppelwoi an den Ufern des Mains verbringen werde.

    Wikipedia: Das Fronleichnamsfest ist ein Hochfest im Kirchenjahr der katholischen Kirche, mit dem die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird. Die Bezeichnung Fronleichnam leitet sich vom mittelhochdeutschen vrône lîcham „des Herren Leib“, ab (vrôn „was den geistlichen oder weltlichen Herrn betrifft“ und lîcham „der Leib“). In der Liturgie heißt das Fest „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, regional wird es auch „Prangertag“ oder „Blutstag“ genannt. Im Englischen und in anderen Sprachen trägt das Hochfest den Namen „Corpus Christi“.

    Fronleichnam wird am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest begangen (am 60. Tag nach dem Ostersonntag) und fällt somit frühestens auf den 21. Mai und spätestens auf den 24. Juni. Der Donnerstag als Festtermin steht in enger Verbindung zum Gründonnerstag und der damit verbundenen Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus selbst. Wegen des stillen Charakters der Karwoche erlaubt der Gründonnerstag keine prunkvolle Entfaltung der Festlichkeit. Aus diesem Grund wurde das Fest Fronleichnam bei seiner Einführung auf den Donnerstag der zweiten Woche nach Pfingsten gelegt. In Ländern, in denen Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag ist, kann das Hochfest auch am darauffolgenden Sonntag gefeiert werden.

    Das Fest der leiblichen Gegenwart Christi im Altarssakrament wurde erstmals 1246 im Bistum Lüttich gefeiert und 1264 von Papst Urban IV. durch die Bulle Transiturus de hoc mundo zum Fest der Gesamtkirche erhoben. Unter anderem schrieb Urban IV.: „Wir haben es daher, um den wahren Glauben zu stärken und zu erhöhen, für recht und billig gehalten, zu verordnen, dass außer dem täglichen Andenken, das die Kirche diesem heiligen Sakrament bezeigt, alle Jahre auf einen gewissen Tag noch ein besonderes Fest, nämlich auf den fünften Wochentag nach der Pfingstoktav, gefeiert werde, an welchem Tag das fromme Volk sich beeifern wird, in großer Menge in unsere Kirchen zu eilen, wo von den Geistlichen und Laien voll heiliger Freude Lobgesänge erschallen.“

    Das vierte Laterankonzil hatte 1215 die Wandlung der eucharistischen Gestalten mit der Transsubstantiationslehre präzisiert und zum Dogma erhoben. Katholiken glauben, dass in der Heiligen Messe die eucharistischen Gestalten durch die Wandlung wahrhaft zum Leib und Blut Christi werden und Christus darin gegenwärtig ist und bleibt.

    Die Anregung zu dem Fest soll auf eine Vision der heiliggesprochenen Augustiner-Chorfrau Juliana von Lüttich im Jahre 1209 zurückgehen. Diese berichtete, sie habe in einer Vision den Mond gesehen, der an einer Stelle verdunkelt war. Christus habe ihr erklärt, dass der Mond das Kirchenjahr bedeute, der dunkle Fleck das Fehlen eines Festes des Altarssakraments. Aus der Einführungsbulle Transiturus hoc mundo geht aber auch hervor, dass Papst Urban IV. als primären Einführungsgrund des Festes den siegreichen Triumph über die Ketzerei favorisierte, die die Transsubstantiation geleugnet hatte.

    Für das Fest entstand ein eigenes Mess-Proprium und Stundengebet, für das Thomas von Aquin als Autor gilt, ebenso wie für die Hymnen, die den Charakter des Fests entscheidend geprägt haben: Panis angelicus, Pange lingua, Adoro te devote, Verbum supernum prodiens und die Sequenz Lauda Sion.

    Die erste Fronleichnamsprozession in Bayern fand 1273 in Benediktbeuern statt. Mit einer Sakramentsprozession wurde das Fest erstmals 1279 in Köln begangen. Ihren Höhepunkt an festlicher Gestaltung erreichte die Fronleichnamsprozession im 17. und 18. Jahrhundert. In München zog die Prozession zwischen den Stadtmauern hin, und die vier Evangelien wurden an den vier Stadttoren Schwabinger Tor, Isartor, Sendlinger Tor und Karlstor verlesen.

     




    Religion in der Corona-Krise...


    Woman hands praying for blessing from god on sunset background

    Woman hands praying for blessing from god on sunset background

    …und überhaupt

    Den obigen Titel trug ein Kurzbericht in der ORF-Sendung Religion aktuell vom 8.6.2020:

    "Religiöse Menschen bewerten die Arbeit der Bundesregierung in der Corona-Krise positiver und haben mehr Vertrauen in politische Institutionen als nichtreligiöse. Das zeigt die Auswertung einer repräsentativen Online-Corona-Studie der Universität Wien. Religiöse Menschen sind auch eher bereit, höhere Steuern zu bezahlen, um die Krise zu bewältigen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen lehnen sie jedoch ab."

    Im Uni-Bericht von Wolfgang Aschauer, Franz Höllinger und Claudia Herbst sind allerdings ein paar interessante Details zu finden, so heißt es dort z.B.: "Obwohl die Religion für viele Menschen weiterhin einen wichtigen Lebensinhalt darstellt, kann in Österreich schon seit längerer Zeit eine gewisse Enttabuisierung von Kirchenaustritten sowie ein Anstieg der Konfessionslosigkeit beobachtet werden. Bis auf den jährlichen Kirchenbesuch zu Weihnachten spielt die Religion für große Teile der christlichen Bevölkerung in Österreich lediglich eine untergeordnete Rolle."

    Es ist lustig, wie höflich das im Kirchensinne formuliert ist, zuerst wird Religion als wichtiger Lebensinhalt benannt und im nächsten Satz spielt dieser wichtige Lebensinhalt nur noch eine untergeordnete Rolle. Schön formuliert ist auch, dass "schon seit längerer Zeit eine gewisse Enttabuisierung von Kirchenaustritten" beobachtet werden kann. Meinemeinen hat man seinerzeit in den Sechzigern den Kirchenaustritt manchmal noch vorgehalten und hinter meinem Rücken hat man wohl mit dem Verdammnisfinger auf mich gezeigt, von meinen konfessionslos geborenen und so gebliebenen und inzwischen über 40 Jahre alten Söhne hatte nur einer wegen seiner Konfessionslosigkeit und nur einmal in der Berufsausbildung Schwierigkeiten, das natürlich mit einem übereifrigen katholischen Arschloch. Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit wurde in Österreich 1867 eingeführt, zu einem allgemein weitgehend anerkannten und dann auch weitgehend akzeptierten Menschenrecht wurde es erst im 21. Jahrhundert! Kirchenaustritte sind kein Teufelswerk mehr.

    Im angeführten Uni-Bericht gibt's dazu auch Illustrationen:

    Hier sieht man die rasanten Veränderungen in der Gegenwart, innerhalb der letzten vier Jahren gab's ein 21%iges Minus bei der Religionswichtigkeit! Was wohl daran liegt, dass heutzutage immer mehr Leute bei solchen Fragen keinen Bedarf zum Lügen mehr sehen, denn schließlich sind z.B. die sonntäglichen Kirchgeher von 2016 bis 2020 nicht um 21 % zurückgegangen und die Kirchenmitgliederzahl sank in diesen vier Jahren auch nur um knapp 4 %, da sind also in Sachen Religionswichtigkeit (bzw. Unwichtigkeit) noch größere Austrittswellen zu erwarten.


    Diese Graphik widerspricht der obigen, hier haben wohl mehr Leute gelogen, weil wenn für 68 % die Religion unwichtig ist, dann werden doch wohl mehr als 41 % nicht beten! Auch die 12%-Täglichbeter sind etwas viel, 2018 (neuere diesbezügliche Zahlen gibt's noch nicht) gingen sonntags etwas über zehn Prozent in die Kirche, da werden ja dann wohl nicht 15 % täglich und 26 % öfters beten…

     




    Über Rituale im Übergang und ein persönliches Dilemma


    RitualeWEIMAR. (fgw) Jetzt liegt bereits der siebente Band der 2016 von Horst Groschopp begründeten Reihe „Humanismusperspektiven“ vor: Der in Heidelberg lebende Literaturwissenschaftler Stefan Busch schreibt in diesem Band ausgehend von einem persönlichen (familiären) Dilemma über „Rituale im Übergang“.

     

     

    Allerdings ist der Untertitel doch mehr als fragwürdig, weil unzutreffend: „Über Taufen und Trauerfeiern in der konfessionsfreien Gesellschaft". Sind doch Taufen nur ein rein christlich-religiöser Akt und stehen damit nicht für eine konfessionsfreie Gesellschaft – ganz im Gegensatz zum doch wertneutralen Begriff Trauerfeier.

     

    Das angesprochene Dilemma bestand darin, daß der 12jährige Sohn des areligiösen Ehepaares Busch eines Tages verkündete, er wolle getauft (und später konfirmiert) werden. Dies war Anlaß für Stefan Busch, sich Gedanken ganz allgemein über die sogenannten Passageriten und entsprechende Rituale zu machen.

     

    In seinem Vorwort bekundet er jedoch selbst, daß seine Erkundungs-Perspektive eine „typisch westdeutsche" sei. Hinzuzufügen wäre da aber noch, daß erst recht seine Sicht auf die weiland DDR eine mehr als „typisch westdeutsche" ist.

     

    Und gleich im Vorwort wird daneben klar, daß Busch – wie wohl die meisten Bundesbürger – nach wie vor dem Irrglauben aufsitzt, daß die sogenannte Kirchensteuer (die ja nichts anderes als ein Mitgliedsbeitrag ist) der „Organisation sozialer Dienstleistungen für das Gemeinwesen diene".

     

    Busch betrachtet aber nicht alle Passageriten, sondern lediglich die zu Beginn und zum Ende des Lebens, wobei er erstere distanzlos und global als Taufe bezeichnet. Das gilt aber doch nur für die christlichen Religionen und keinesfalls für die gesamte Menschheit und ihre sehr verschiedenen Kulturkreise in Vergangenheit und Gegenwart.

     

    Angeblich würden hierzulande mehr Menschen die Taufe ihrer Kinder wünschen, als die Kirchen noch Mitglieder hätten, ist da zu lesen. Und auch die Zahl der Erwachsenen-Taufen sei im Anstieg begriffen.

     

    Busch geht leider nicht darauf ein, daß die Taufe nicht einfach bloß ein schönes Ritual ist. Weiß er, wie andere Eltern auch, denn nicht, was das rechtlich bedeutet? Ein unmündiges Baby wird durch diesen Akt unfreiwillig Mitglied einer Religionsgemeinschaft und somit später „kirchensteuerpflichtig"! Und daß es so viele „Spättaufen" gibt liegt wohl vor allem daran, was er leider nicht ausspricht, weil die Menschen anders keinen Arbeitsplatz in Sozialeinrichtungen oder einen Betreuungsplatz in kirchenbetriebenen Kindergarten bekommen können. Gerade in Gegenden, in denen das Gemeinwesen diese ohne Not in kirchliche Monopol-Hände gelegt hat.

     

    Nur ganz kurz geht Busch darauf ein: „Alle Kulturen kennen, in mehr oder weniger ausgeprägter Form, Geburtsrituale und Rituale zur Namensgebungen der Neugeborenen. (…) Alle Übergangsrituale verbinden natürliche Gegebenheiten mit kulturellen 'Erzählungen', das gilt auch für Geburtsrituale." (S. 23-24) Schleierhaft, warum er dann dieses universelle Ritual als Taufe bezeichnet.

     

     

    Säkularer Staat, wirklich?

    Interessanter, weil konkreter, ist dann jenes Kapitel, das mit der richtig guten Frage „Wir werden konfessionsfrei – aber auch säkular?" überschrieben ist. Dieses leitet über zum Kapitel mit der Frage „Zivilreligion in Deutschland – was geht?".

     

    Mehr als fragwürdig ist da aber seine Feststellung, daß in der Bundesrepublik „so gut wie keine öffentlichen Rituale mit religiöser Dimension stattfinden" würden. (S. 50) – Da kann man nur fragen, wo dieser Mann denn lebt?!? Denn real ist: Es gibt keine Parlamentseröffnung ohne Gottesdienste, keinen Staatstrauerakt, der nicht religiös zelebriert wird (selbst wenn die Betrauerten sämtlich keine Kirchenmitglieder sind), kaum eine „Einweihung" von öffentlichen Gebäuden, Straßen oder Brücken ohne pfäffischen Segen…

     

    Busch geht dann aber auf die durchaus sehr religiös geprägten Trauerfeiern für Helmut Schmidt und Rudolf Augstein ein. Und gerade der Umgang mit Augstein spricht Bände, wie sich „der Staat" um den Wunsch eines bekennenden Nicht-Christen kümmert. Er zitiert dazu aus aus einer Mitteilung des Pressereferenten der Senatskanzlei,

     

    „… da der Senat sich nicht mit der Religionszugehörigkeit seiner Ehrenbürger befasse, sei 'die Kirche der anzunehmende Ort'." (S. 62)

     

    Da bleibt einem doch glatt die Spucke weg ob solcher Mißachtung der verfassungsrechtlich gebotenen Trennung von Staat und Kirche durch den Staat selbst… Der so einfach jedem Menschen eine religiöse Identität zudiktiert.

     

     

    Wie Abschied nehmen?

    Das läßt Busch in einem weiteren Kapitel fragen „Wer wird kirchlich bestattet?" Um Wandlungen der Rituale am letzten Übergang geht es im Kapitel „Wie Abschied nehmen?" Die Ausführungen werden mit der Feststellung eröffnet, daß eben „alle Kulturen" (!) kollektive, regelgeleitete und symbolisch aufgeladene Handlungen auch bezüglich des Todes kennen. Er führt später richtigerweise aus:

     

    „Daraus folgt, daß in unserer Gesellschaft die christlichen Formen, in denen diese Rituale gefeiert werden, nur mögliche, historisch zufällige Ausformungen darstellen. Nicht die christlichen Ausprägungen der Feiern (…) von Taufe, Heirat, Konfirmation und Begräbnis sind das Primäre, sondern die Schwellenriten. Mit der Christlichkeit dieser Rituale verhält es sich sich wie mit den Feiern von Weihnachten und Ostern, die vorchristliche Rituale ablösten und überformten…" (S. 72-73)

     

    In einem Abschnitt geht Busch auf den sehr deutlichen Rückgang kirchlicher Bestattungen ein; und nennt dafür auch einige Gründe. Folgerichtig geht es im nachfolgenden Abschnitt um „gottlose Abschiede" – vielversprechend überschrieben mit „Humanistische Bestattungskultur". Er weist da auf deren Anfänge hin, also die proletarischen freidenkerischen Organisationen und deren Angebote bis zum Jahre 1933.

     

    Was er aber dann jedoch über säkulare, freidenkerische Angebote und Rituale, wie sie nach 1945 im Osten Deutschlands, in der DDR, üblich wurden, von sich gibt, das ist mehr als nur eine „typisch westdeutsche Sicht". Das ist mehr, das ist schlimmste bornierte und ignorante Verunglimpfung. Denn gänzlich anders sind die eigenen Erfahrungen und Beobachtungen des Rezensenten, der seinerzeit in seiner beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeit mit Namensfeiern, Jugendweihen, Eheschließungsfeiern und auch Trauerfeiern zu tun hatte. Warum eigentlich befragen solche Autoren seit 1990 niemals seinerzeit wirkende Akteure, sondern stets nur oberflächliche Westbeobachter oder geifernde Ost-Pfaffen???

     

    Zustimmen kann und muß der Rezensent später aber dieser Feststellung des Autors:

     

    „Die Etablierung einer humanistisch-säkularen, im Ablauf persönlicheren und weniger festgelegten rituellen Form für Trauerfeiern wäre ein entscheidender Schritt hin zu einer Zerstreuung weitverbreiteter Bedenken [das gilt aber wohl doch nur für das Gebiet der alten Bundesrepublik; SRK] gegen säkulare Formen nicht nur des Bestattens, sondern auch anderer Übergansrituale." (S. 90)

     

    Was Busch dann aber mit Bezug auf eine Jane Redlin und deren „wissenschaftliche" Auslassungen über Rituale in der DDR kolportiert, darüber kann man nur den Kopf schütteln. Allerdings nimmt Busch dann doch einiges zurück und nennt deren Schlußfolgerungen „Kurzschluß". Der wohl aus „traditioneller gläubiger oder teologischer Sicht" resultiere… Busch dazu wörtlich:

     

    „Natürlich ist es möglich, einen religiösen Standpunkt einzunehmen und weltliche Übergangsrituale als schwächelnd und Schwundstufe anzusehen. Wo eine solche Position eingenommen wird, ist man bei Grundsatzfragen, die hier nicht auszubreiten sind." (S. 93)

     

    Man könnte auch so sagen: Wer nur das Christlich-religiöse als das einzig Richtige und nur einzig Mögliche ansehen will, der verkennt willentlich das menschliche Leben!

     

     

    Freie Redner – säkulare Feiern

    Um weltliche Trauerredner geht es im Abschnitt „Freier Markt für tote Bürger". Wertend läßt Busch hier erneut den evangelischen Pastor Andreas Fincke in dessen ganzem Haß auf die DDR-Gesellschaft zu Wort kommen. Busch gereicht es aber zur Ehre, wenn er konstatiert:

     

    „Die Wertung Finckes aber als eines Mannes der (…) evangelischen Kirche ist erkennbar voreingenommen und verkürzend." (S. 101) Was wohl auch am Frust der Priester liege, weil immer mehr Menschen deren Dienste nicht mehr benötigten…

     

    Der aus Sicht des Rezensenten wertvollste Teil dieser Publikation ist der Abschnitt „Blick in die Praxis: Gespräch mit einem freien Redner". Dessen Aussagen sind sachlich-nüchtern, keineswegs polemisch-verblendet wie solche an anderer Stelle von Habermas, Redlin oder Fincke.

     

    Dieser Abschnitt ist aber zugleich auch zu kritisieren, denn hier wird nur ein allgemein-weltlicher Redner befragt. Dabei hätte Busch gerade in Baden-Württemberg dezidiert humanistische Feiersprecher (für alle Passageriten) zu Wort kommen lassen können. Der HVD-Landesverband Baden-Württembergs (Stuttgart), insbesondere auch deren Regionalverband Humanistischer Freidenkerverband Ostwürttemberg (Heidenheim) kann hier auf eine lange Tradition und ein breites Angebot verweisen. Welches überwiegend sogar von Nichtmitgliedern angefragt wird.

     

    In einem weiteren Kapitel geht Busch auf das Kreuz im Wandel der Bedeutung und Wahrnehmung eines Symbols ein. Obwohl seinen Aussagen überwiegend zu widersprechen ist, soll das aber hier unterbleiben. Weitgehend zu widersprechen ist noch dem letzten Kapitel „Bloß keine Konfession". Hier arbeitet er sich leider borniert an diversen säkularen Organisationen und erneut an der weiland DDR ab, eingeschlossen die immer wieder vorgebrachte weitverbreitete Fehlinterpretation des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803.

     

     

    Für ein nötiges Weiterdenken

    Dankens- und lobenswerterweise hat Herausgeber Horst Groschopp zu diesem Band ein Nachwort beigesteuert, überschrieben mit „Humanistische Bestattungsfeier", in welchem er auf vier Fragen verweist, bei denen er ein kollektives Weiterdenken für nötig hält. So stellt er u.a. richtig, was es mit den „sozialen" Dienstleistungen der Kirchen auf sich hat und wer diese wirklich finanziert. Groschopp hält insbesondere das Weiterdenken über humanistische Orientierungen für wichtig.

     

    Das Fazit des Herausgebers soll hier im Wortlaut wiedergegeben werden, faßt es doch alles Wichtige in Busch's empirischen Untersuchungen und auch in den Wertungen durch den Rezensenten zusammen:

     

    „Eine humanistische Bestattung ist frei von liturgischen Festlegungen, was auch bedeutet, daß der christliche Erlösungsgedanke, der in einer kirchlichen Feier bestimmte Regeln und Formeln verlangt, privatisiert und damit ein Kern des Glaubens marginalisiert wird.

     

    Das Leben selbst hat den Menschen gezeigt: Ist ein Leben beendet, dann wird die Anerkennung der Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit jeden Lebens den Hinterbliebenen bewußt. Sie haben gelernt und erfahren mit einer humanistischen Feier, auch wenn sie nicht ausdrücklich so heißt, daß auch ihr Leben ein Anfang und ein Ende hat.

     

    Wer gedanklich ohne Auferstehung auskommt, hat nur die Möglichkeit, anderen durch Taten im Gedächtnis zu bleiben. Gerade deshalb steht das gelebte Leben des Verstorbenen im Mittelpunkt des Rituals, das Reden über den Toten, die Tote." (S. 146)

     

     

    Siegfried R. Krebs

     

     

    Stefan Busch: Rituale im Übergang. Über Taufen und Trauerfeiern in der konfessionsfreien Gesellschaft. 150 S. kart. Reihe Humanismusperspektiven, Bd. 7. Alibri-Verlag. Aschaffenburg 2020. 17,00 Euro. ISBN 978-3-86569-211-5

     


     
    04.06.2020

    Von: Siegfried R. Krebs




    Ein Schmankerl für Mathe-Liebhaber und die es noch werden wollen


    NullRezension von Gerfried Pongratz: Albrecht Beutelspacher: „Null, unendlich und die wilde 13 – Die wichtigsten Zahlen und ihre Geschichten“ (© Verlag C.H. Beck, München, 2020, ISBN 978-3-406-74967-4.)

     

    „Zahlen sind ein Schlüssel zur Welt“. Wenn ein Universitätsprofessor dies feststellt, sollte es stimmen. Oder doch nicht? Laut Umfragen ist Mathematik das bei weitem unbeliebteste Fach bei Schülern und über 80% der Erwachsenen gestehen, mit mathematischen Fragen nicht, oder nur sehr schwer zurecht zu kommen. Der renommierte, vielfach ausgezeichnete Mathematiker der Universität Gießen, Albrecht Beutelspacher, will dies ändern; auf 208 Seiten führt er die Leserinnen und Leser auf kurzweilig spannende Weise durch die Welt der Zahlen. Er stellt Fragen und gibt Antworten zu den spezifischen Bedeutungen und Charakteristika von Zahlen und mathematischen Funktionen, er erzählt dazu Geschichte und Geschichten und erklärt nebenbei auch ihre kulturgeschichtliche Bedeutung und ihren alltäglichen Gebrauch.

     

    Das Inhaltsverzeichnis, beginnend bei der Zahl 1 („Es kann nur eine geben“) beschreibt in den Überschriften bereits die Rollen, die Zahlen in ihrer individuellen Bedeutung, bzw. als Beitrag zur Lösung praktischer Probleme spielen; so ist z.B. 2 „Die Zahl, die den Unterschied macht“, 3 „Die erste Ganzheit“, 4 „Die Zahl der Orientierung“, 5 „Die Zahl der Natur“ usw. Neben den jeweiligen Zahlen werden dazu passende Themen behandelt, wie z.B. Binär- und Dreieckszahlen, vollkommene und irrationale Zahlen, Pascalsches Dreieck, platonische Körper, der „Goldene Schnitt“, „das Imaginäre“ und – last not least – die Unendlichkeit, wobei auch ungelösten mathematischen Problemen Raum eingeräumt wird.

     

    Aus der Vielzahl mathematischer Beispiele einige Kostproben:

    • Das Fünfeck (Pentagramm) besitzt große geistesgeschichtliche Bedeutung, weil an ihm durch die Pythagoreer (Hippasa um 500 v.Chr.) eine irrationale Zahl entdeckt wurde.
    • Anhand der Zahl 7 wird die Bedeutung von Primzahlen als wichtigste natürliche Zahlen erklärt.
    • Für Platon war die Tatsache, dass es nur fünf reguläre Körper (Tetraeder, Würfel, Oktaeder, Ikosaeder, Dodekaeder) gibt, so bemerkenswert, dass er diese Körper mit den antiken Elementen (Feuer, Erde, Luft, Wasser, Universum) identifizierte; sie werden „platonische Körper“ genannt.
    • Die „Neunerprobe“ als Test auf die Korrektheit einer Addition oder Multiplikation (von Fibonacci beschrieben und von Adam Ries populär gemacht) wird anhand von Beispielen demonstriert.
    • Die Null als „Symbol für Nichts“ erfährt geschichtliche Würdigung und wird in ihrer Bedeutung in den Stellenwertsystemen ausführlich dargestellt. In Europa via Fibonacci im Jahr 1202 angekommen, hat sie sich im Dezimalsystem 1522 durch Adam Ries durchgesetzt, wobei die Zahl 10, an der sich die Zahlensysteme fast aller Kulturen seit Babylon orientieren, eine wichtige Grundlage bildete.
    • „Im Pascalschen Dreieck, als Anordnung von Zahlen, die sich fast von selbst ergibt, lassen sich viele Geheimnisse entdecken“, der Autor verblüfft mit spannenden Beispielen.
    • „Hochzusammengesetzte“ Zahlen wie die 12, die in der Geometrie prominent im Dodekaeder – von Platon mit dem Universum identifiziert – auftaucht, führen über den „genialsten Mathematiker aller Zeiten“ – Srinivasa Ramanujan (1887-1920) – zu der nach ihm benannten Zahl 1.729 als kleinste Zahl, die man auf zwei verschiedene Weisen als Summe von zwei dritten Potenzen schreiben kann.
    • Die im Buchtitel vorkommende „wilde 13“ wurde und wird von Triskaidekaphobikern (z.B. Arnold Schönberg) als Unglücksbringerin gefürchtet, sie verfügt als Primzahl 13=12+1 auch über besondere Eigenschaften, die schon in biblischen Berichten eine Rolle spielten und z.B. auch in der Biologie (erläutert an Zikaden, die in einem 13jährigen Rhythmus erscheinen) bei der Abwehr von Fressfeinden Bedeutung besitzen.
    • Die Zahl 14 findet sich bei Sebastian „B+A+C+H“ in vielerlei Formen, nicht zuletzt in der „Kunst der Fuge“.

     

    Die im Buch enthaltene Liste besonderer Zahlen mit rechnerischen Beispielen und dazu gehörenden anekdotischen Begebenheiten ist lang und erhellend. Dazu gehören auch die Gauß-Zahl 17 und die Fibonacci-Zahlen als Naturphänomene sowie die paradoxe Geburtstagszahl 23, die gemeinsam mit 28 auch im „Biorhythmus“ eine Rolle spielt. Die Zahl 42 „als Antwort auf alle Fragen“ bei Douglas Adams, die „beste Zahl 60“, die vor 4.000 Jahren bei der Erfindung des Stellenwertsystems in Mesopotamien wichtig war und die Dreieckszahl 153, die, wie auch 666 als Zahl des Tieres, bereits in der Bibel auftaucht, werden ebenso erläutert, wie auch die Cliffhanger-Zahl 1.001 und die Zahl 1.679 fürs „Extraterrestrische“. 65.537 als bisher bekannte größte Primzahl und 5,607.249 als letzte Zahl, die Roman Opalka am 6. August 2011 als letzte gemalt hatte, und damit zu einer Kultfigur wurde, kommen ebenso zur Sprache wie die scheinbaren Paradoxien negativer Zahlen (beginnend mit -1 „als absurde Zahl“).

     

    Ägyptische Mathematiker konnten bereits vor über 4.000 Jahren Bruchzahlen darstellen, die Entdeckung der Dezimalbrüche erfolgte allerdings erst 1585 durch den flämischen Buchhalter Simon Stevin, der damit neue mathematische Horizonte erschloss. Große Bedeutung besitzen auch die Quadratwurzel aus 2 als „irrationale Zahl per excellence“ und die dritte Wurzel aus 2 in der analytischen Geometrie mit der „Verdoppelung des Würfels“. Letzteres, auch „Delisches Problem“ genannt, gehört mit der „Quadratur des Kreises“ und der „Dreiteilung des Winkels“ zu den berühmten drei ungelösten Problemen der antiken Mathematik, wobei der Autor schlüssig und spannend erläutert, warum diese nach wie vor unlösbar sind.

     

    Weitere sehr bemerkenswerte Kapitel des Buches bilden die Ausführungen zum „Goldenen Schnitt“, zur „geheimnisvollen Transzendenten“ Kreiszahl Pi und zur von Leonhard Euler gefundenen, irrationalen, transzendenten, reellen Zahl e („Zahl des exponentiellen Wachstums“) als Basis des natürlichen Logarithmus und der (natürlichen) Exponentialfunktion. Kapitel zur „Eulerschen Identität“ i („Ist das Imaginäre vorstellbar?) und zur Unendlichkeit („Größer als alles“), die in der Mathematik nur als Frage im Plural gestellt werden kann und zu den Rechenregeln einer „transfiniten Arithmetik“ führt, bilden den Abschluss interessanter Erläuterungen, die den Lesern auch Einiges abverlangen.

     

    Mit „Null, unendlich und die wilde 13“ legt Albrecht Beutelspacher ein Buch vor, das mit Humor und grundlegendem Wissen weitgespannte Einsichten in die Welt der Zahlen, bzw. der Mathematik mit ihren wichtigsten Konstanten, bietet. Querverweise zu Natur und Technik bis hin zur Philosophie, garniert mit zahlreichen Beispielen, die allerdings von Nichtmathematikern nicht immer leicht nachzuvollziehen sind, ergänzen die Ausführungen und widerlegen das Vorurteil, Mathematik sei „trockene Wissenschaft“. Die Ankündigung am Einband und im Vorwort des Buches, dass sich die Lektüre „ganz ohne mathematische Vorkenntnisse erschließt“, ist für „Normalverbraucher“ euphemistisch übertrieben; mit solidem Grundwissen und vor allem mit der Bereitschaft, Hirnschmalz zu investieren, kann das Buch jedoch bei einschlägig Interessierten Liebe zur Mathematik wecken, bzw. bereits vorhandenes mathematisches Wissen vertiefen und damit zusammenhängende wichtige Erkenntnisse vermitteln.

    Gerfried Pongratz 6/2020




    Corona-Vergleich Italien : Österreich


    COVID-19 named by WHO for Novel coronavirus NCP concept. Doctor or lab technician holding blood sample with novel (new) coronavirus N.C.P. in Wuhan, Hubei Province, China, medical and healthcare

    COVID-19 named by WHO for Novel coronavirus NCP concept. Doctor or lab technician holding blood sample with novel (new) coronavirus N.C.P. in Wuhan, Hubei Province, China, medical and healthcare

    Die österreichische Regierung hat ja mehrfach verlauten lassen, man habe nach dem ersten Auftreten von Corona-Infektionen sofort rigorose Maßnahmen ergriffen, weil man gesehen habe, dass in Italien sich der Virus schnell ausgebreitet hatte.

    Als es nun darum die strengen Regeln langsam abzubauen und z. B. auch Grenzen wieder zu öffnen, gab es diesbezüglich italienischen Ärger, weil Österreich zu Italien grenzöffnungsmäßig noch vorsichtig blieb. Schauen wir uns einmal dazu die Vergleichszahlen an:

    Was sehen wir da? Italien hat gerechnet auf pro Million Einwohner mehr als doppelt so viele Infizierte (3.878 zu 1885) und fast das 7,5fache an Toten (557 zu 75)! Und warum? Weil Italien – wie man an den obigen Kurve der Infizierten sieht – den Anstieg der Ansteckungen weitaus später und weniger stark einbremste und weil man offenbar auch bei der Versorgung der Kranken nicht in der Lage war, dies ausreichend zu bewerkstelligen. Die Zahl der noch Kranken pro Million Einwohner liegt zudem in Italien noch bei 652 und in Österreich nur noch bei 52. Derweilen die Grenzen zu Italien nicht so durchgängig zu machen, ist somit eine vernünftige und statistisch belegbare Entscheidung…

    In einer ORF-Meldung vom 3.6. hieß es dazu: "Schon am Donnerstag öffnet Österreich die Grenzen zu den Nachbarländern wieder vollständig – nur die Beschränkungen zu Italien bleiben aufrecht. Das sorgte am Mittwoch für scharfe Kritik: Italiens Außenminister Luigi Di Maio sagte, das 'individuelle Verhalten' verletze 'den europäischen Geist' und schade 'Europa und dem gemeinsamen Markt'. "

    Aber es nutzt der österreichischen Gesundheit!

     




    UV-Licht gegen Covid-19


    UVLichtIch kann nur schwer beurteilen, was ich von dieser Meldung halten soll. Ich übernehme sie also via Erwin Peterseil: Meldung von https://de.sputniknews.com/ vom 2.6.2020:

    Russische Forscher wollen Lunge mit UV-Licht von Covid-19 befreien

    (Titel-Foto: © Sputnik / Tatjana Makejewa).

    Russische Forscher wollen eine ungewöhnliche Methode zur Bekämpfung von Covid-19 und weiterer Viren innerhalb des menschlichen Körpers entwickelt haben. Das Verfahren soll es erlauben, die Lunge mit kurzwelliger UV-Strahlung von innen zu entkeimen. Die Methode wurde in dem zur Atomenergiebehörde Rosatom gehörenden Lejpunski-Forschungsinstitut für Physik und Energie (FEI) in Obninsk entwickelt.

    "Wir nennen das Projekt ‚Leuchtendes Gas‘", teilte Institutsdirektor Andrej Gowerdowski in einem Interview mit der Branchenzeitung "Strana Rosatom" mit.
    "Bisher ist es noch niemandem gelungen, eine Desinfektion mit UV-Licht im menschlichen Körper durchzuführen. Wir haben herausgefunden, wie das möglich ist."
    "Wir wählen Moleküle und Gaskomponenten aus, die nach dem Einatmen aktiv bleiben und ultraviolettes Licht direkt in der Lunge abstrahlen", so Gowerdowski.

    Die Forscher hoffen, dass ihre Methode nicht nur gegen das Coronavirus, sondern auch gegen Tuberkulose und sogar gegen Krebs helfen wird.

    Coronavirus-Pandemie
    Das neue Coronavirus Sars-CoV-2, das erstmals Ende Dezember in China entdeckt wurde, hat sich innerhalb von wenigen Monaten über den Globus ausgebreitet und nach jüngsten Angaben der US-amerikanischen Johns Hopkins University (JHU) weltweit bereits fast 6,4 Millionen Menschen angesteckt. Fast 378.000 Infizierte starben. In Russland gab es bis Dienstagvormittag nach Angaben der Behörden fast 424.000 Infektionen und 8.863 Todesfälle.

     

    Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




    Austria: Bevölkerung lehnt geplante Ethikunterrichtsform ab!


    Ethik für alleDas hat Eytan Reif, der Initiator des Volksbegehrens "Ethik für ALLE",  per am 31.5.2020 veröffentlichten Umfrage ermitteln lassen!

    Der Plan der ÖVP-Regierung ab 2021 für alle einen verpflichtenden Ethikunterricht einzuführen, die keinen Religionsunterricht besuchen, stieß bei den 1.000 Befragten auf massive Ablehnung, das Ergebnis der vom Gallup-Institut durchgeführten Befragung sieht so aus: 70 Prozent befürworten einen verpflichtenden Ethikunterricht für alle, aber nur 16 Prozent stehen hinter dem Plan der Regierung eines Ethikunterrichts nur für jene, die sich vom Religionsunterricht abmelden oder die konfessionslos sind, einzuführen, 13 Prozent waren grundsätzlich gegen einen Ethikunterricht.

    Eytan Reif sagt dazu, das Ergebnis der Umfrage habe die kühnsten Erwartungen übertroffen, das Gesetz wäre verfassungsrechtlich bedenklich, da es ein "grobe Verletzung der Religionsfreiheit" jener darstelle, die keine religiöse Erziehung erhalten möchten. "Diese Umfrage veranschaulicht aber auch, dass das von der Regierung zur Begutachtung vorgelegte diskriminierende Modell eines Ethikunterrichtes nicht nur eine verfassungsrechtliche, sondern auch eine demokratiepolitische Zumutung darstellt", die Regierung müsse den "Gesetzesentwurf umgehend zurückziehen" und "nach einem Vierteljahrhundert der politischen Verschleppung, Blockade und Konzentration auf die Partikularinteressen der Religionsgemeinschaften, endlich einen Ethikunterricht für alle einführen. Solch ein Ethikunterricht ist in Österreich nicht nur konsensfähig, sondern auch längst überfällig."

    Soweit Eytan Reif. Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Einerseits, dass die Grünen die parlamentarische Zustimmung zum ÖVP-Antrag verweigern, andererseits ist ja ÖVP-Chef Kurz immer darauf bedacht, nicht auffällig gegen Stimmungen im Volke zu handeln, sondern eher darauf einzugehen.

    Wenn nun 70 % für einen Ethikunterricht für alle sind, dann könnte mit grüner Hilfe ein solcher Ethikunterricht beschlossen werden. Da Kanzler Kurz jetzt durch die Corona-Probleme ohnehin schon leichte Stimmungsrückschläge wahrzunehmen hat, wird er aber vielleicht selber vorsichtiger werden! Wie schnell Stimmungen umschlagen können zeigte sich aktuell am Politbarometer des Blattes "Österreich" vom 31.5., Bundespräsident van der Bellen verlor gegenüber der Vorwoche 24 Plus-Prozente und ist jetzt nimmer 40, sondern nur noch 16 % über der Nullerlinie. Was war der Auslöser? Dass er nach Ende der Corona-Ausgehzeitschranke in einem Gastgarten angetroffen wurde. Leute, die sich über diese Beschränkungen ärgern, sie aber einhalten, sehen es offenbar nicht ein, dass ein van der Bellen dagegen verstoßen kann.

    Also Herr Kurz:
    Verstoßen Sie nicht gegen eine 70prozentige Volksmeinung!

     




    Monster al dente zum Piratendankfest


    Wie in jeder Weltreligion ist es auch bei uns Brauch, das Jahr nach seinen Feiertagen einzuteilen.

    Natürlich nicht so strittig, wie es beim Kirchenjahr der Fall ist. 

    Für uns ist das Jahr ein Kreis der, egal wenn man beginnt ihn zu beschreiten, immer gleich lang und auch sonst immer gleich bleibt. 

    Deshalb kann jeder das Pastafarijahr legen, wie er möchte. Ein klarer Vorteil für unsere Religion.

    Allerdings haben wir auch einen klaren Nachteil. Wir haben für unsere Feiertage nicht so schöne Musik wie andere. Noch, denn das soll sich jetzt ändern. 

    Auf facebook haben wir bereits dazu aufgerufen, Pastafarilieder zu komponieren, möglichst im Format 24bit/ 44,1-wav aufzunehmen und uns für eine geplante CD "Wir singen dem Monster ein Lied" gemafrei zur Verfügung zu stellen. Die soll, wenn ihr mitmacht und Lieder schickt, zum Kirchentag in Hamburg vorgestellt werden. Natürlich mit Nudelmesse und, wenn alles klappt, mit anschließender Party mit Liveband.

    Die ersten drei Lieder sind schon im Kasten.  Einmal die "Acht Am Liebsten Wäre Mirs" als Sprechgesang, "Pastat, Pastat" als feierliches Orgelwerk und
    "Jubelt, Jubelt" als a Capella. Genau so bunt wie wir angefangen haben, soll es weiter gehen. Von Rock bis Klassisch, von Big Band bis Liedermacher, alles ist möglich und Vielfalt nur gut.

    Texte stellen wir gern zu Verfügung, auch nach eurer thematischen Vorgabe. Im Moment ist gerade für eine Band ein Kinderlied in Arbeit. Auch das ist möglich, obwohl natürlich das Hauptaugenmerk auf den Feiertagen liegt. Aber unter unserem Dauerfeiertag, dem Freitag, lässt sich ja allerhand unterbringen. ;)

    Bereits zugesagt hat auch ein ausgebildeter Komponist. Der hat allerdings nicht die Möglichkeit, sein Werk einzuspielen. Wenn sich eine Band also das Komponieren sparen möchte, wir führen euch gern zusammen. Vorgenommen hat er sich "Ein bissfest Burg ist unser Gott". Ich bin schon sehr gespannt, wie das verarbeitet wird. Ist nicht so leicht. Einerseits soll die alte Kirchenmeldodie noch erkennbar sein, anderseits aber auch für Piraten singbar gemacht werden.

    Auch wenn es uns in erster Linie um Aufnahmen für die CD geht, wissen wir doch, nicht jeder der gern singt und spielt, hat auch Aufnahmemöglichkeiten, die eine gute CD Qualität gewährleisten.

    Lasst euch nicht davon abhalten, trotzdem etwas zu machen. Es geht ja nicht in erster Linie um die CD, sondern darum zu zeigen, wie Pastafari ihre Feste besingen und so Deutschland kulturell bereichern. Nehmt euch auf, ladet eure Videos auf youtube oder sonst wo hin, schickt uns die Links, wir helfen, sie hier zu verbreiten.

    Wer mitmachen möchte, Fragen oder gar schon was im Kasten hat, der Kontakt läuft wie immer auf facebook über Bruder Spaghettus oder per Mail über spaghettus{et}freenet(punkt)de.

    Wenn es um musikalische Fragen oder Aufnahmetechnik geht, könnt ich euch auch gleich an Bruder Senza Salsa wenden, der das Mastering der CD übernommen hat. 

    Hier eine Übersicht über die Feiertage:

    Passtahfest (Ostern)

    Piratendankfest (Pfingsten)

    Ramendan (Ramadan) 

    Halloween 

    Talk like a pirate day (19.September)

    Pastat 

    Lichterfest, Feiertage, Weinachten

    Jeder Freitag

    Wem das alles nichts ist, der kann auch gern was für Zwischen den Jahren machen. 

    Wir sind schon sehr gespannt, was ihr uns schickt und freuen uns drauf.

    Geld für die Pressung haben wir schon zusammen. Mit finanziellem Erfolg rechnen wir nicht, aber mit kulturellem:).

    Sollte es doch einen geringen geben, kommt der dem KdFSM Deutschland e.V. zu Gute. 

    Ansonsten bleiben natürlich, vielleicht nicht unwichtig noch zu erwähnen, alle Rechte für eure Songs bei euch. 

    Möge das Projekt gelingen.

    Quelle: http://fsm-uckermark.blogspot.com/

     

    Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

     

    Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

     




    "Islam in der Krise" von Michael Blume


    978-3-8436-0956-2blumeEine neue Rezension von Dr. Gerfried Pongratz (9/2017) befasst sich mit dem aktuellen Thema Islam. Der Verlag schreibt:

    Der Islam scheint selbstbewusst zu expandieren. Doch das Gegenteil ist der Fall. Der Religionswissenschaftler Michael Blume erklärt das Szenario als Symptom einer weltweiten tiefen Krise des Islams. Er zeigt: Es ist nicht einmal mehr klar, wie viele Muslime es tatsächlich noch gibt. Der Rezensent Pongratz findet freundliche Worte für das Buch:

    Islam in der Krise – Eine Weltreligion zwischen Radikalisierung und stillem Rückzug

    Bücher über den Islam haben Konjunktur, Amazon z.B. weist 34 Neuerscheinungen für die ersten zehn Monate des Jahres 2017 aus. Über die Qualität mancher dieser Werke kann man geteilter Meinung sein, die Qualität des vorliegenden Buches wird aber aller Voraussicht nach weitgehend unbestritten bleiben; es besticht durch ein breites, tiefgründiges, differenziertes Bild auf den Islam – beginnend bei geschichtlichen Ereignissen bis hin zu seinen heutigen Erscheinungsformen in den Mutterländern, wie auch im Westen. Der mit einer Muslimin verheiratete (evangelisch-christliche) Religions- und Politikwissenschaftler Michael Blume kritisiert sehr offen – ohne diffamierende Untertöne – die Fehlentwicklungen im Islam und analysiert, bzw. beschreibt die sich daraus ergebenden Notwendigkeiten: „Nein, der Islam ist noch nicht tot, doch er gleicht einem Schwerkranken, der vor Verzweiflung und Schmerz um sich schlägt. Und erst, wenn wir – Nichtmuslime und Muslime gleichermaßen – dies realistisch wahrnehmen und verstehen, besteht die Chance auf eine bessere, gemeinsame Zukunft“ (Buchumschlag).

    Der Islam befindet sich aus vielerlei Ursachen in einer weltweit tiefen Krise. Beginnend beim Verbot des Buchdrucks 1485 im Osmanischen Reich durch Sultan Bayezid II, dessen Nachwirkungen bis heute zu spüren sind, reicht die Palette zahlreicher Fehlentwicklungen bis zum starren Festhalten an wortwörtlichen Auslegungen der „heiligen“ Schriften und zum – auch politisch begründeten – religiösen Fundamentalismus der meisten Ölstaaten und zahlreicher Islam-Gelehrter. Sie verbieten Religionsfreiheit und unterdrücken Gedankenfreiheit, was bei manchen Muslimen zu Radikalisierung und Gewalt führt und andere, vor allem höher gebildete, veranlasst, sich innerlich (Glaubensabtrünnige sind Ausgrenzungen und großen Gefahren ausgesetzt) vom Islam zu verabschieden.

    Aktuelle Forschungen belegen, dass es unter Muslimen (Männer und Frauen) massive Säkularisierungsprozesse gibt, befeuert durch die Gewalt, die im Namen des Islam ausgeübt wird. Nur noch ein kleiner Teil – etwa 30% – der Muslime in Deutschland betet regelmäßig und nur etwa 20% gehören einem religiösen Verband an. Die Anzahl von Muslimen in den staatlichen Darstellungen in Deutschland ist statistisch verzerrt, da alle Menschen, die von muslimischen Eltern abstammen und auch alle, die sich noch irgendwie als Muslime bezeichnen, als solche erfasst werden (als z.B. Christ zählt man dagegen nur, wenn man getauft ist und einer Kirche angehört). Laut Blume beschweren sich immer mehr ehemalige Muslime, dass sie als Muslime geführt und religiösen Verbänden zugerechnet werden, obwohl sie mit jenen nichts zu tun haben wollen und er schlägt vor, dass Muslime einen monatlichen Betrag für ihre Religionszugehörigkeit entrichten und nur dann als Muslime gezählt werden sollten.

    Der Autor fordert für den Islam eine Phase der Selbstkritik: Einen kritischen Blick auf die eigene Geschichte, einen kritischen Blick auf die vorherrschende Bildungskrise und vor allem auch auf den grassierenden Verschwörungsglauben. Letzterer gehört zu den größten Problemen des Islam; ein beachtlicher Teil der gläubigen Muslime glaubt nicht mehr (nur) an eine gute Gottheit, sondern an Verschwörungsmythen verschiedenster Art. Nicht nur religiöse Fundamentalisten sprechen von Illuminaten etc., glauben an die „Weltverschwörung der Juden“ sowie die „Verschwörung des Westens gegen den Islam“ und sind damit nicht mehr in der Lage, sich auf einen Dialog, auf Demokratie, oder auf Wissenschaften einzulassen.

    Die Bildungsmisere in muslimischen Ländern ist eklatant; das Verbot des Drucks von arabischen Buchstaben im 15. Jahrhundert war eine Katastrophe und bildet den entscheidenden Faktor für den Bildungsrückstand in der muslimischen Bevölkerung. Im Westen führte der Buchdruck – auch über die Bibelübersetzung durch Luther – zu einer Bildungsexplosion mit einer Vereinheitlichung der Sprachen, in der islamischen Welt passierte durch das Verbot das Gegenteil; das Arabische driftete weit auseinander und in den muslimischen Gesellschaften wurde – und wird auch heute noch – sehr viel weniger gelesen, als in nichtmuslimischen. Als Ausfluss dieser Misere kann es z.B. auch dazu kommen, dass, wie gerade in der Türkei geschehen, die Evolutionstheorie aus den Lehrplänen der weiterführenden Schulen gestrichen wird.

    Das Buch gliedert sich in 6 große Abschnitte – daraus einige Kernaussagen:

    1. „Das Phänomen des stillen Rückzugs“ mit gleichzeitiger Lähmung der islamischen Institutionen durch das Fehlen von Religionsfreiheit führt dazu, dass viele – nicht nur religiöse – Institutionen und Bewegungen der islamischen Welt größtenteils erstarrten und die Chancen freiheitlicher Demokratien zur Entfaltung eigener Dynamiken nicht nutzen können.
    2. „Das falsche Verbot von 1485“ – aufgehoben erst 1727 – führte zur Versteinerung des Islam; der tunesische Ulama-Gelehrte Abdelfattah Mourou drückte es 2016 in einer Moschee in New Jersey wie folgt aus: “30% der Muslime können weder lesen noch schreiben! Wir können nicht auf eine einzige Universität stolz sein, die Köpfe hervorbringen würde, die die Welt voranbringen. Wir sind eine Gesellschaft, die nicht liest und schreibt!“ (S. 46). Auch aus diesem Grund driften viele Moscheegemeinden in der westlichen Welt in sprachliche und geistige Abschottung; sie tragen dann nicht zu einer Parallel-, sondern leider häufig sogar zu einer Gegengesellschaft bei (S. 66).
    3. „Der Fluch des Öls“ begründet, dass in der islamischen Welt so selten Demokratien gelingen. „Rentierstaaten“ beziehen den größten Teil ihres Einkommens aus weitgehend arbeitsfreiem Einkommen wie Zölle, Tribute und Rohstoffverkäufen. Diese Staaten, wie z.B. Saudi-Arabien, sind nicht daran interessiert, das Bildungs- und Wirtschaftssystem zu modernisieren und sich gebildete, ökonomisch unabhängige Bürgerinnen und Bürger heranzuziehen. „Solange die restliche (nicht nur westliche) Welt Tag für Tag Millionen Fässer Öl importiert und damit Renteneinnahmen in Milliardenhöhe generiert, wird es in den ölproduzierenden Regionen keinen echten Frieden und schon gar keine Demokratien geben“ (S. 83). Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi drückte es wie folgt aus: „Ich wünschte, es gäbe im Nahen Osten kein Öl und dafür mehr Wasser. Die Menschen wären dann viel glücklicher“ (S. 90).
    4. „Verschwörungsglauben – Die dunkle Seite der Religiosität“:
      Der syrisch-deutsche Politikwissenschaftler Bassam Tibi bezeichnet den weitverbreiteten Glauben an eine – vor allem westliche – Superverschwörung gegen den Islam als „Trauma der arabischen Politik“ und als eine der wichtigsten Ursachen der Krise des Islam. Das Problem liege vor allem im derzeitigen Selbstbild von Arabern und Muslimen als subjektiv machtlos (S. 95). In den Schulbüchern findet sich nichts von innerislamischen Versäumnissen und Reformbedarf, den Kindern wird ein Geschichtsbild voll Trauer um vergangene Größe und Hass auf heutige, westliche und vor allem jüdische „Verschwörer“ vermittelt – ohne lernen zu können, was sie selbst zur Mehrung des Wissens und zur Verbesserung ihrer Gesellschaften beitragen könnten (S. 105).
    5. „Geburtendschihad oder Geburtenknick – Religiöse Demografie und die Traditionalismusfalle“:
      Allgemein gesehen, bekommen religiöse Menschen (Muslime, Christen, Juden etc.) mehr Kinder als weniger fromme, oder nicht mehr religiöse. Die „Prognose“ von Sarrazin (ähnlich bei Houellebecq) „Deutschland schafft sich ab“ ist jedoch falsch, in den islamischen Nationen gehen die Geburtenraten entsprechend zunehmender Alphabetisierung und Bildung stark zurück (S. 131). Es bestätigt sich demografisch, dass ohne Freiheit zur Herausbildung lebensförderlich angepasster Religionsgemeinschaften und familiärer Vielfalt ein Geburtenknick tief unter die Bestandserhaltungsgrenze droht. Und genau dieser vollzieht sich gerade in der islamischen Welt (S. 139). Wenn eine Überwindung der Krise des Islam gelingen soll, dann sicher nur mithilfe bildungs- und aufstiegsorientierter Frauen und einer besseren Vereinbarkeit von Bildung und Glauben, von Beruf und Familie (S. 146).
    6. „Was Muslime und Nichtmuslime tun können, um die Krise des Islam zu überwinden“ (Zitate S. 147 – 1154):
      Freiheit, die nicht entschieden ausgefüllt wird, stirbt. Dies gilt in besonderer Weise – und nicht nur im Islam – für Religionsfreiheit. Die schnellste und wirkungsvollste Tat zur Schwächung von Diktaturen und Terrorgruppen besteht in der Reduzierung des Öl- und Gasverbrauches. Die Förderung von Bildung ist jedem von uns möglich, eine ausreichende Berücksichtigung der islamischen Geschichte auch in den europäischen Bildungs- und Lehrplänen ist wichtig. Das gemeinsame Merkmal aller Extremisten ist ein Verschwörungsglaube, der Dialog, Bildung, Demokratie und Frieden untergräbt. Dagegen gilt es, eine viel stärkere, wissenschaftlich orientierte Erkennungs-, Beratungs- und Präventionsarbeit sowie eine frühzeitige, effektive Strafverfolgung zu forcieren. Ein Appell des Autors an die muslimische Leserschaft des Buches: „Setzen Sie ein Zeichen! Machen Sie von der Ihnen geschenkten Freiheit mutig Gebrauch, indem Sie sich entschieden für eine friedvolle Bildungsreform des Islam engagieren und im eigenen Umfeld damit beginnen.“

    Empfehlenswerte Lektüre für Leserinnen und Leser, die die Krise des Islam und die Konflikte zwischen den Kulturen besser verstehen und an einer friedvollen Lösung mitarbeiten möchten. Manche hinterfragbare Aussagen des Autors spiegeln seine persönliche Affinität zu Religiosität, bzw. zu Religionen als Sinnvermittler und Problemlöser wider, insgesamt aber bestechen die Ausführungen durch Sachlichkeit, Klarheit und umfassendes Wissen – ergänzt durch ein ausführliches Glossar und umfangreiche Literaturhinweise.

     

    Gerfried Pongratz

    Michael Blume: Islam in der Krise – Eine Weltreligion zwischen Radikalisierung und stillem Rückzug Patmos Verlag, 2017, ISBN 978-3-8436-0956-2, 192 Seiten.

    Weitere Rezensionen von Gerfried Pongratz




    Reduzierte Verkürzung


    Dorf_Stroch_Collage_tl_7x7_72Wofür sich Wissenschaft
    nicht eignet

    Im Verlauf der derzeitigen Pandemie wurden und werden wir täglich auf dem Laufenden gehalten über das Geschehen rund um den Globus, über Infektions- und Sterberaten, aber auch über so manche Verschwörungstheorien, die im Zusammenhang mit der Pandemie blühen und gedeihen. Auf die Details dazu möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen; man kann sich darüber ständig in den Medien informieren. Mir geht es, wie die Beitragsüberschrift bereits andeutet, um die logischen Verkürzungen, mit denen insbesondere Verschwörungstheoretiker und -praktiker gern operieren — und vermutlich auch operieren müssen.

    Vor neun Monaten flog ein Storch übers Dorf. Gestern ist wieder ein Storch übers Dorf geflogen, und jetzt hat eine Frau dort ein Kind bekommen. Damit ist die Sache völlig klar, wir brauchen keine weiteren Beweise.

    Bei diesem Beispiel handelt es sich zwar nicht um eine Verschwörungstheorie, sondern um einen märchenhaften Text, wie er kleinen Kindern bisweilen erzählt wird, denen man eine Erklärung für die Ursachen einer Schwangerschaft noch nicht anvertrauen oder zumuten möchte. Doch der Text enthält ein Element, das man bei Verschwörungstheorien regelmäßig vorfindet: Die logische Verkürzung, hier textlich aufs Notwendigste reduziert: Storch flog übers Dorf, Frau bekommt ein Kind, alles klar, keine weiteren Beweise nötig (oder erwünscht).

    Einher geht die logische Verkürzung häufig mit dem Verwechseln oder Gleichsetzen von Koinzidenz und Kausalität, also dem zufälligen gleichzeitigen Eintreten zweier oder mehrerer Ereignisse einerseits (Koinzidenz) und dem Ursache-Wirkung-Prinzip (Kausalität) andererseits. Im Beispiel des Storches, der übers Dorf flog und der Frau, die ein Kind bekommt, treten zwei Ereignisse zufällig zeitgleich oder zeitnah ein, das eine ist jedoch nicht Ursache des anderen.

    Bei Verschwörungstheorien kommt, soweit ich es beobachtet habe, ein weiteres unerlässliches Element hinzu:
    Für Verschwörungstheoretiker hat Wissenschaft einen Nachteil. Sie (die Wissenschaft) lässt keine Sündenbockprojektionen zu, denn Naturgesetze sind wie sie sind — und das ist ganz schlimm!

    Verschwörungstheorien benötigen Sündenböcke.
    Wissenschaft taugt nicht als Sündenbock — Naturgesetze sind wie sie sind.
    Verschwörungstheoretiker mögen keine Wissenschaft.

    Zwar können Wissenschaften, z.B. die Psychologie, erklären, was eine Sündenbockprojektion ist und wie sie funktioniert, die Psychologie lässt sich deshalb jedoch nicht zum Sündenbock stempeln. Allenfalls der Wissenschaftler, in diesem Fall der Psychologe, kann zum Sündenbock auserkoren werden.

    William Holman Hunt: The Scapegoat, 1854.

    Nun könnte man einwenden, dass aber doch z.B. rund um den Klimawandel Verschwörungstheorien in beide Richtungen kursieren. Im Zusammenhang damit wurde mir kürzlich in einer Diskussion geschrieben:

    Dass der westliche Mensch den Rest der Welt ausbeutet und Ursache des Klimawandels ist, wäre dann also auch eine Verschwörungstheorie erster Güte, oder?!

    Dass „der westliche Mensch“ Ursache des Klimawandels ist, mag eine Verschwörungstheorie sein oder auch nicht, jedoch ist „der westliche Mensch“ keine Wissenschaft.

    An anderer Stelle hieß es im Zusammenhang mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie (Zitat unverändert übernommen):

    das es aus einem chinesischen Labor stammt….kann man denken, muss man aber nicht

    Das kann man denken, ja. Doch damit, dass man denkt (respective glaubt), dass es aus einem chinesischen Labor stammt, wäre weder etwas bewiesen noch das Gegenteil davon. Man hätte aber für sich einen möglichen Sündenbock parat — allerdings nicht die Wissenschaft, sondern das chinesische Labor bzw. die dort beschäftigten Wissenschaftler.

    Fazit:
    Ohne mindestens einen Sündenbock scheinen Verschwörungstheorien nicht auszukommen und nicht zu funktionieren. Die Wissenschaft eignet sich als Sündenbock jedoch in keinem Fall, sondern es müssen wohl Menschen, manchmal auch andere Lebewesen, in seltenen Fällen sogar tote Gegenstände dafür herhalten.

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    Beitragsbild oben:
    Collage aus
    Asian_Openbill_8279.jpg (Author: Alnus)
    Bralitz_von_Westen.jpg (Author: Eva K. / Eva K.)
    beide: commons.wikimedia.org

    Beitragsbild mitte:
    Ausschnitt aus Dollarnote_siegel_hq.jpg (Benutzer: Verwüstung)
    commons.wikimedia.org

    Beitragsbild unten:
    Der Sündenbock, Gemälde von William Holman Hunt, 1854
    commons.wikimedia.org


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    Kirchen sind nicht systemrelevant


    KirchenruineDas hat laut einer Meldung von kath.net vom 22.5.2020 die Coronakrise gezeigt,
    es heißt dort konkret:

    Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass die Kirche nicht "systemrelevant" sei. Dies meint der bekannte evangelischen Theologieprofessor Ulrich Körtner in der der evangelischen Zeitschrift "zeitzeichen", wie idea berichtet. Im Ausnahmezustand hätten Gesellschaft und Politik entdeckt, wie wichtig nicht nur Ärzte und Pflegekräfte, sondern auch Polizisten, Soldaten und Verkäuferinnen seien. Ihnen habe man öffentlich applaudiert. "Von Pfarrern und Pfarrerinnen war nicht die Rede. Vom Shutdown gab es für die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften keine Ausnahmen". Kirchen, Synagogen und Moscheen seien geschlossen, öffentliche Gottesdienste und das Freitagsgebet untersagt worden, "während Baumärkte und Gartencenter geöffnet blieben oder gleich nach Ostern wieder aufsperren durften".
    Besonders bemerkenswert für Körtner ist, dass die deutsche Bundeskanzlerin und Pastorentochter Angela Merkel in einer ihrer seltenen Fernsehansprachen im März die Kirchen nicht einmal "in einem Halbsatz" erwähnt hat. Laut Körtner ist die Corona-Pandemie "Lehrstück und Trigger für die Säkularisierung und Privatisierung von Religion in westlichen Gesellschaften, die sich in der Privatisierung des Sterbens und der Trauer in Zeiten von Corona verstärkt". Der Verlust an Systemrelevanz für Theologie und Kirche schaffe aber neue Freiräume und sei nicht bloß zu beklagen. "Schließlich geht das Reich Gottes nicht in bestehenden Gesellschaftssystemen und ihrer Optimierung auf, sondern es transzendiert und durchbricht diese."

    Soweit der Bericht.
    Ja, der Umgang mit dem Corona-Virus war überwiegend gottlos! In den USA wurde zwar an einem nationalen Praying Day gegen Corona gebetet, genutzt hat es klarerweise gar nichts, die Pfarrer und Pfarrerinnen in unseren Breiten haben sowas wohl gar nicht ausprobiert! Obwohl in der Bibel steht, dass kein Sperling vom Himmel fällt, ohne dass Gott dies will (Mt. 10,29), darf ein Virus ohne Gotteskontrolle durch die Welt reisen! Das kann doch nicht sein! Da müssen die Kirchen ja irrelevant werden! Also belanglos und unbedeutend! In früheren Zeiten als z.B. noch keine Behandlung und vor allem keine Impfungen gegen die Masern gab, da musste man Gott vertrauen und zu ihm um Hilfe beten. Wurde das Kind wieder gesund, dann hatte Gott geholfen, starb das Kind, ja dann hatte Gott dieses Kind wahrscheinlich so sehr geliebt, dass er es gleich im Himmel haben wollte!

    Aber lassen wir die religiösen Sagen und Märchen, in Corona-Zeiten zeigt sich eben auch die Bedeutungslosigkeit transzendenter Vorstellungen! WIR müssen mit den irdischen Problemen fertig werden, Gott hat damit gar nichts zu tun, weil den gibt's ja gar nicht! Im Säkularismus werden Religionen eben darum immer irrelevanter…

     

    Entnommen bei www.atheisten-info.at (Erwin Peterseil).




    Sind Konversionstherapien wirklich passé? – Eklat um Haltung von „Terre des Femmes“


    Terre des FemmesKonversionstherapien sind nach einem eindeutigen Beschluss des Bundestages in Deutschland fortan verboten. Damit wird der Versuch, jungen Menschen in ihrer sexuellen Orientierung zu beeinflussen und mit therapeutischen Interventionen „umzupolen“, strafbar – was nicht wenige Verbände, Politiker und Interessenvertreter seit langem gefordert hatten. Denn zahlreiche Studien beweisen, dass die Schäden, die an der Psyche der Betroffenen angerichtet werden, verheerend sein können. Oftmals ergeht es ihnen nach dieser angeblichen „Behandlung“ deutlich schlechter als zuvor. Sie nehmen die Konversionstherapien nicht selten als ein Trauma wahr, denn der Eingriff in die Persönlichkeit des Einzelnen ist nicht nur umstritten, sondern kann aus medizinischer Sicht dramatische Konsequenzen haben. Hierauf haben Abgeordnete und Lobbyisten im Zuge der Gesetzgebung des Parlaments mehrfach und eindringlich hingewiesen.

     

    Geschlechtsidentität: „Aus den Augen, aus dem Sinn…“

     

    Doch nicht alle Organisationen im Land, die sich mit der Thematik befassen, respektieren offenbar die neue Gesetzeslage. So wird aktuell der Vorwurf gegen den Verein „Terre des Femmes“ laut, der nach unterschiedlichen Medienberichten (z.B. https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/reaktion-auf-maennerwelten-video-kritik-an-transfeindlichkeit-von-terre-des-femmes/25846954.html) in einem Brief zwar mit dem Gesetz zum „Schutz vor Konversionsbehandlungen“ bei transsexuellen Kindern und Jugendlichen übereinstimmt. Zumindest Teile des Vereins, darunter offenbar auch die Vorsitzende der Frauenrechtsorganisation, fordern allerdings, dass der Begriff der „Geschlechtsidentität“ aus dem Gesetz gestrichen wird. Die besagten Mitglieder befürchten anscheinend, dass Pädagogen und Psychologen, die Kinder und Jugendliche „verändern“ wollten, mit dem Gesetz kriminalisiert werden. Der Organisation fehlt der „naturwissenschaftliche Beleg“ dafür, dass „Menschen in einem falschen Körper geboren werden“ könnten.

     

    Die Formulierung lässt aufhorchen, erinnert sie doch sehr an die Argumentation rechtskonservativer Christen, unter denen die Konversionstherapie seit langem als gängige Methode galt, um homo- und transsexuelle Menschen in ihrer Identität und Orientierung „umzuwandeln“. Dass aus den „Behandlungen“ nicht selten suizidale Absichten der Klienten resultierten, wird dabei gerne unter den Tisch fallen gelassen. Stattdessen hatten viele dieser Therapien den Anschein einer Geisteraustreibung, die dem Exorzismus nahe kam. Als Psychologischer Berater habe ich mich stets dafür ausgesprochen, denjenigen Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – im Zwiespalt mit ihrer Sexualität stehen, eine Unterstützung zugutekommen zu lassen. Denn ich halte es keinesfalls für verwerflich, ihnen psychotherapeutische und seelsorgerliche Begleitung an die Hand zu geben, wenn sie dies wünschen. Nicht aber wegen ihrer Homo- oder Transsexualität, sondern weil ihnen Hilfe zusteht, ihre Orientierung bewusst anzunehmen und ein gesundes Selbstwertgefühl in ihrem ausgewählten Geschlecht zu entwickeln.

     

    Grundrecht auf freie Entfaltung

     

    Völlig unbestritten muss festgehalten werden, dass jede Form der Geschlechtsidentität und sexueller Neigung im Sinne unserer grundgesetzlichen Freiheitsrechte einen Platz inmitten der Gesellschaft hat. Wer dies verneint, steht nicht auf dem Boden unserer Verfassung und sollte sein Weltbild überdenken. Hinterfragen wir nämlich die Gründe dafür, weshalb nicht wenige homo- und transsexuelle Menschen eine Veränderung ihrer Persönlichkeit wünschen, so sind es zumeist die von außen auf die Betroffenen einwirkende soziale Isolation, Mobbing und Ausgrenzung, die häufig in verkrusteten Strukturen anzutreffen sind und vielen Menschen Schmerz und Leid zufügen. Gerade in evangelikalen Freikirchen und strengreligiösen Gruppierungen der katholischen Kirche ist bis heute die Auffassung zu finden, wonach jede Abweichung von Heterosexualität Sünde sei. Entsprechend waren die Versuche groß, Menschen mit einer anderslautenden Orientierung zurück auf den rechten Weg zu führen.

     

    In meiner eigenen Beratungspraxis musste ich die Folgen von Konversionstherapien erleben – und ich bin schockiert, mit welch grausamem Unverständnis von Vielfalt selbsternannte Heiler vorgegangen sind, um jüngere und ältere Menschen „auf Linie“ zu bringen. Die große Hilflosigkeit von queeren Bürgern wird von manch einem Scharlatan perfide ausgenutzt, um an ihnen die kruden Gedanken einer Manipulation ausprobieren zu können. Homo- und transsexuelle Menschen sind nachweislich nicht krank – und dürfen deshalb nicht zum Versuchskaninchen für diejenigen werden, deren Weltsicht die Realität des Geschlechterpluralismus verneint. Es braucht Beratung, die junge Menschen in ihrem Sein bestätigt. Der Anspruch von einigen Erwachsenen, die danach trachten, Kinder und Jugendliche entsprechend altbackener Traditionen und Normen „formen“ zu wollen, ist höchst fragwürdig – und beschneidet deren Persönlichkeitsrechte fundamental.   

     

    Bärendienst für Diskriminierung

     

    Die Frage, warum gerade junge Menschen, die homosexuell empfinden oder sich transsexuell wahrnehmen, einen häufigen Drang nach Neuorientierung verspüren, lässt sich mithilfe der Aussagen des Briefes der „Terre des Femmes“-Damen bestens beantworten: Solange Kinder und Jugendliche in einer Gesellschaft aufwachsen, die Vielgeschlechtlichkeit nicht akzeptiert, umso häufiger wird der Wunsch nach der angeblichen „Normalität“ als Heterosexueller aufkommen. Wenn sich junge Menschen auf der Suche nach dem eigenen Erleben befinden, werden sie in Deutschland leider noch immer viel zu häufig mit dem klassischen Nebeneinander von Mann und Frau sozialisiert. Mit der Leugnung der sozialen Vielgeschlechtlichkeit als Faktum einer aufgeklärten Nation leisten die Gegner der Geschlechtsidentität Diskriminierung einen Bärendienst. Zu meinem Verständnis von Feminismus gehört es jedenfalls nicht, jungen Menschen die Möglichkeit auf offene Entfaltung zu nehmen, sondern die Verdienste der Bewegung als Ansporn zu sehen, ein zukunftsfähiges Rollenbild zu fördern, das größtmögliche Flexibilität erlaubt und Rückhalt gibt, wenn Mann- und Frausein schwierig wird.

      

    „Terre des Femmes“ scheint nun einen handfesten Skandal an der Backe zu haben, auch wenn betont wird, dass die mitunterzeichnenden Frauen ihre Unterschrift als Privatperson gesetzt haben und ihre Position im Verein offenkundig nicht Mehrheitsmeinung sei. Trotzdem werden aus der „queeren“ Szene mittlerweile Sanktionen gegen die betroffenen Mitstreiter von „Terre des Femmes“ gefordert. Offiziell will man sich mit der heiklen Fragestellung wohl aber erst im September bei der nächsten Mitgliederversammlung dem Votum der Basis stellen. Die Auswirkungen auf den Ruf der anerkannten Frauenrechtsorganisation könnten verheerend sein, argumentiert der Kreis von führenden Mitarbeitern des Vereins doch mit zwielichtigen Studien, die selbst in Fachkreisen mittlerweile verworfen wurden und zu gegenteiligen Aussagen gelangt sind. Man fürchtet die Zementierung von Rollenklischees, die aber wohl eher zu erwarten sind, wenn wir uns nicht der Lebenswirklichkeit von homo- und transsexuellen Menschen stellen. Sie haben ein Anrecht darauf, sich frei zu entfalten. Und damit ist in erster Linie gemeint, das eigene Ich anzuerkennen…

     

    Dennis Riehle

    Martin-Schleyer-Str. 27

    78465 Konstanz

     

    Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de

    Web: https://www.dennis-riehle.de




    Die Kuh des Nostradamus


    NostradamusVon Dr. Andreas E. Kilian, Gastautor.

    Der französische Apotheker Michel de Nostredame ist durch seine Prophezeiungen weltberühmt geworden. Eine ganze Esoterik-Szene beschäftigt sich noch heute mit seinen mystischen Weltuntergangs-Fantasien. Doch was will der sozial engagierte Pestarzt und naturwissenschaftlich denkende Forscher seinen Lesern wirklich mitteilen? Die Begleitbriefe zu seinem Buch Les Propheties verraten mehr, als seine vierzeiligen Verse.

     

    Viele Menschen haben bereits versucht, die Prophezeiungen des Nostradamus zu entschlüsseln. Nicht nur, weil sie etwas über die Zukunft der Menschheit zu erfahren hofften, sondern auch, weil der Autor in dem Begleitschreiben an seinen Sohn Cesar in seinem Buch ausdrücklich darauf hinweist, dass der „Schlüssel“ zur Dechiffrierung im Text versteckt sei [Albi 1555]. Die Parole zur Vererbung des Geheimnisses um die Prophezeiungen soll im „Estomach“ des Buchautoren verborgen sein. Esoteriker übersetzen dies mit „Magen“ (stomachus). Mit dem „e“ davor steht das Wort jedoch für die lateinische Abkürzung für „esto machinosus“, zu deutsch „es wird sein kunstvoll zusammengefügt!“. Der Autor betreibt also Wortspiele in der Wissenschaftssprache seiner Zeit, um ein bestimmtes Publikum zu erreichen. Nur wo versteckt sich das erste Wortspiel und wie ist es zu dechiffrieren?

     

    Nomen est Omen

    Michel „de Nostredame“ wurde 1503 in Saint Rémy de Provence geboren und seine Vorfahren hießen noch Gassonet mit Familiennamen. Der selbstgewählte Name soll sich von der Kirche ableiten, in der seine jüdischen Vorfahren konvertieren mussten. Aber etwas macht misstrauisch. Im Französischen heißt die Kathedrale zu Ehren der Jungfrau „Notre Dame“ und nicht „Nostredame“. Zudem erkennt der Altsprachler in der lateinisierten Fassung die Worte De Nos Tradamus bzw. De Nostra Damus, übersetzt „wir können über uns tradieren“ bzw. „von unserer Dame“, wobei allerdings mit dieser Dame die Schachfigur gemeint ist. Da der Arzt und Apotheker des Lateinischen mächtig war, kann dieser Schreibfehler kein Zufall sein. Der Name des Sohnes „Caesar de Nostradamus“ lässt sich also auch als „Herrscher über die Schachfigur“ interpretieren. Wer ist diese Schachfigur?

     

    Die erste Ausgabe 1555

    Die Widmung im Brief an den Sohn bietet sich zur Untersuchung an [Albi 1555]. Zur Dechiffrierung wird jede siebte Silbe gemäß einer Josephus-Permutation herausgenommen.

     

    Originaltext:    Ad Cesarem Nostradamum filium

    Silbenfolge:     Ad1 Ces2 ar3 em4 Nos5 tra6 da7 mum8 fi9 li10 um11 

    Transposition: da7 ar3 um11 fi9 mum8 li10 ces2 tra6 ad1 em4 nos5

    Schriftlatein:   da arum fimum, lices, tradam nos

    Übersetzung: Gebe der Altäre/Arons Dünger. Du bist erwünscht. Ich könnte uns tradieren.

     

    Interpretation: Das lateinische Wort Arum hat zwei Bedeutungen. Wird es mit Aaron übersetzt, so geht es um einen Nachfahren der Aaroniten. Jener Gruppe von jüdischen Hohepriestern, die sich über ihre männlichen Vorfahren von Aaron, dem Bruder des Moses, herleitet. Wird das Wort Arum als Kurzform von ararum mit Altäre übersetzt, so ist der Dünger aller Altäre der Aberglauben. Sein Sohn Cesar ist „erwünscht“. Die Frage ist nur, von wem. Wird er als Nachfolger eines Aaroniten gesehen oder als Prophet bei den Kunden seiner Wahrsagungen? Tradere bedeutet sowohl anvertrauen als auch  tradieren. Aber was soll hier tradiert werden bzw. wer wird wem anvertraut?

     

    Esto machinosus

    In den französisch geschriebenen Begleitbriefen sind seit jeher die integrierten lateinischen Satzelemente auffällig. Sie sind in der Originalausgabe von 1555 [Albi 1555] deutlich in einer anderen Schriftart vom Text abgesetzt sowie mit einem Ouroboros-Zeichen versehen: einer Schlange, die sich selbst vom Schwanz her auffrisst. Diese Schlangen sind jedoch in der Ausgabe von 1568 durch ein &-Zeichen ersetzt worden [Lyon 1568], als ob der Autor auf die Bedeutung „et“ an Stelle des „(+)“ hinweisen wollte. Weiterhin sind in der Ausgabe von 1555 einige Vokale mit Accent Aigu wiedergegeben und die folgenden Konsonanten weggelassen. Es scheint, als ob der Autor nicht die ganzen Silben benötigt hätte. Neben diesen kunstvoll erzeugten Satzgefügen hat der Autor einen weiteren Hinweis verwoben. Die berühmte Zahl 3797 gibt nicht das Ende aller Zeiten an, sondern ist die Regieanweisung, dass die jeweils dritten, siebten und neunten Silben gemäß einer Permutation in eine neue Reihenfolge gebracht werden sollen.

     

    Soli numine divino afflari praesagiunt (+) spiritu prophetico particularia.

    S:        Sol1i2 nu3min4e5 di6vi7no8 a9fflar10i11 praes12ag13i14unt15 (+)16 spi17rit18u19 proph20e21tic22o23 part24ic25ul26a27ri28a29.

    T:         nu3dia9 praes12unt15 rit18e21 part24a27 sol1e5 fflar10 i14 u19 co23 ri28 min4i11 spi17ic25 i2  ag13ti22 vi7 proph20 no8 a29 (+)16 ul26

    SL:      nudi aprae sunt, rite parta sole, fla riu, corimini, spici activi proph, novae tul

    Ü:        Sie sind nackte Wildschweine. Pflege das Erworbene auf rechte Weise! Flüstere den Angeklagten! Ihr werdet ins Licht gezehrt. Siehe aktive Prophezeiungen! Ich habe Noah/Neues hinzugefügt.

    I:          Es geht nicht nur um die Familie der Nostradamus. Es geht um eine Gruppe, die verraten wird und mit Anklagen zu rechnen hat.

     

    Nolite sanctum dare canibus, nec mittatis margaritas ante porcos ne conculcét pedibus (+)  conversi dirumpant vos.

    S:        No1li2te3 sanc4 tum5 da6 re7 can8i9bus10, nec11 mitt12a13tis14 marg15a16rit17as18 ant19 e20 porc21os22 ne23 con24cul25cét26 ped27i28bus29 (+)30 con31ver32si33 di34rump35ant36 vos37.

    T:         re7 tis14 porc21i28 rump35 tum5 at13 cos22 (+)30 no1 bus10 ant19 bus29 li2 mitt12 con24 di34 i9 ne23 ant36 marg15 ped27 dacul25 sanc4 cét26  nec11 si33 e20 rit17 a16 as18 ver32 can8 con31 vos37 te3

    SL:      retis porci rump, tum at COS et no bus ant busli, mitt condi, ineant marg peda, cul sanc cet nec si erit a as ver can, con voste

    Ü:        Zerreiße das Netz des Schweines, danach jedoch den Consul, aber nicht die Kuh vor den Kälbern. Schick den Entscheider weg, sie gehen an den Rand zu den Hirtenstäben/Senatoren, setze das Ungeheuer in der Küche fest! Wenn er unbedingt dabei sein will, singe von der Münze des Neubeginns! Versuche dazu zu gehören.

    I:          Nicht der Entscheider ist das Ziel, sondern diejenige, auf die der Entscheider hört.

     

    Abscondisti haec à sapientibus, (+)  prudentibus, id est potentibus (+)  regibus, (+) enucleasti ea exiguis (+)  tenuibus,

    S:        Abs1cond2is3ti4 haec5 à6 sa7pi8ent9i10bus11, (+)12 prud13ent14i15bus16, id17 est18 pot19ent20i21bus22 (+)23  reg24ib25us26, (+)27 e28nuc29le30as31ti32 e33a34 ex35i36gu37is38 (+)39  te40nu41ib42us43,

    T:         ent9 est18 (+)27 i36 cond2 (+)12 bus22  ti32 ib42 i10 i21 e33 abs1 ent14 us26 (+)39 pi8 reg24 is38 bus11 e28 us43 id17

    ex35 prud13 as31 sa7 a34 bus16 nu41 ib25 i15 ti4 te40 gu37 is3 à6 (+)23 pot19 ent20 haec5 nuc29le30

    SL:      ente steti, condet bus tibi, i e absentus et pi regis bu, seu sides prud assa a bus, nu ibet, it, eguis á et potent haec nuclee

    Ü:        Ich habe das Dasein gestanden, die Kuh wird dir (deines) erhalten. Gehe teilnahmslos heraus und beherrsche die Kuh des Frommen, oder du wirst sinken zum klugen Kindermädchen der Kuh! Nicke, wenn sie gehen will, (und) gehe! Ich habe dessen bedurft und sie trinken von diesem Inhalt.

    I:          Der Sohn soll sich nicht aufdrängen, sondern durch Distanziertheit Seriosität vorspielen.

     

    Quia non est nostrú noscere tépora, nec momenta, (+)  c.

    S:        Qui1a2 non3 est4 nost56 no7sce8re910po11ra12, nec13 mom14ent15a16, (+)17  c.18

    T:         re9 c.18 te10 a2 nec13 6 qui1 ent15 ra12 po11 mom14 (+)17 nost5 non3 est4 a16 no7 sce8

    SL:      re cete annec, ru quient, rap omo, met, nost non est a nosce

    Ü:        Knüpfe an die Sache Ungeheuer! Stürme vor, wenn sie so weit sind! Ergreife den Menschen! Ernte! Erkenne, was nicht unser ist!

    I:          Eine psychologische Schulung im Verkauf. Doch was ist „unser“?

     

    (car qui) Propheta dicitur hodie, olim vocabatur videns:

    S:        (2 Silben +) Pro3phet4a5 dic6it7ur8 hod9i10e11, ol12im13 voc14a15bat16ur17 vid18ens19

    T:         Pro3 dic6 ho9 ol12a15 vid18 a5 i10voc14ens19 ur8at16 it7 ur17 im13 phet4e11

    SL:      Pro dico, olla vita invocens urat, itur impete

    Ü:        Ich sage voraus, dass das Leben des Angeflehten verbrenne. Wenn er geht, greife an!

    I:          Wenn der um Hilfe gebetene Mann der Kundin gestorben ist, hat der Sohn bessere Chancen.

     

    quia omnia sunt nuda (+)  aperta (+) c.

    S:        qui1a2 om3ni4a5 sunt6 nu7da8 (+)9  a10per11ta12 (+)13 c.14

    T:         nu7 c.14 da8 a2per11 sunt6 ni4 om3a5 a10qui1 (+)9 ta12 (+)13

    SL:      nuce da, aper sunt, ni omaa (omina?) quiet taet

    Ü:        Gebe eine Nuss/Inhalt. Sie sind wie ein Eber. Dass nicht das Omen hässlich wird.

    I:          Die Trüffelschweine folgen dem Futter, solange sich die Prophezeiungen für sie lohnen.

     

    Possum non errare, falli, decipi: non inclinabitur in seculum seculi:

    S:        Poss1um2 non3 err4a5re6, fall7i8, de9cip10i11: non12 in13clin14ab15it16ur17 in18 sec19ul20um21 sec22ul23i24:

    T:         non3 re6 de9 non12 ab15 in18 um21 i24 err4 i8 in13 ur17 sec22 um2 cip10 it16 ul23 fall7 sec19 aul20clin14 poss1 i11

    SL:      non rede, non abi, num ieri, inur secum, cipi tul fall, sec aula, clin possi

    Ü:        Weiche nicht zurück! Gehe nicht fort! Wenn du rausgeschmissen wirst, präge (dich) anderes ein! Vergiss, dass du eine Grenze gesetzt hast! Zerschneide den Hofstaat! Beuge, wenn es geht.

    I:          Es geht um wichtigere Dinge als die persönliche Ehre.

     

    Visitabo i virga ferrea iniquitates eorú, (+)  i verberi bus percutiá eos.

    S:        Vis1it2ab3o4 i5 vir6ga7 fer8re9a10 in11i12qui13ta14tes15 e16o1718, (+)19  i20 verb21er22i23 bus24 per25cu26ti27á28 e29os30.

    T:         Ga7 ta14 verb21á28 i5 qui13 er22 os30 re9 18 ti27 fer8 (+)19 vis1 i12 per25 a10 bus24 in11 e29 o17 vir6 ab3 it2 o4 e16 cu26 tes15 i20 i23

    SL:      Gata verba, in qui eros rerum ti feret, visi per a bus in eo, vira bito, e cutes ii

    Ü:        Ein Eimer Worte, durch welche der Herr der Dinge dich tragen wird. Ich gehe in eine Vision mit Hilfe der Kuh. Ich gehe durch die Gifte aus den Häuten derselben.

    I:          Eine treffende Bezeichnung für Prophezeiungen. Dafür zahlt der Herr und die Kuh verrät mit dem Hass, der aus ihren Poren quillt, was sie hören möchte.

     

    Conteram ergo

    S:        Cont1er2am3 er4go5,

    T:         er2go5 Cont1 am3 er4,

    Ü:        folglich infiziere,…

     

    (dira le Seigneur) (+)1 cóf2ring3am4,

    S:        (5 Silben +) (+)1 cóf2ring3am4,   (dira le Seigneur dient nur zum Einzählen)

    T:         cóf2ring3am4 (+)1

    SL:      confringam et

    Ü:        ich werde zerstören und …

     

    (+)  non miserebor:

    S:        (+)1 non2 mis3e4reb5or6

    T:         mis3 or6 non2 reb5 (+)1

    SL:      misso re, non rebit

    Ü:        (Wenn ich) die Sache eingeleitet habe, kehre nicht um!

    I:          Für die Interessen der eigenen Gruppe müssen Prioritäten gesetzt und konsequent verfolgt werden.

     

    in soluta oratione, sed quádo submovéda erit ignorátia,

    S:        in1 sol2u3ta4 o5ra6ti7on8e9, sed10 quá11do12 sub13mo14véd15a16 er17it18 ig19no20rát21i22a23,

    T:         ti7 mo14 rát21 o5 sub13 i22 on8 er17 u3 véd15 sol2 a16 ra6 no20 do12 sed10 e9 quá11 ig19 ta4 it18 a23 in1

    SL:      timoráto subi, oneru vend, solara nodo, sed equa icta it a in

    Ü:        Gehe gottesfürchtig heran! Verkaufe die Last! Ich verknüpfe die Tröstenden, aber die Stute geht treffend dazwischen.

    I:          Der Autor spannt sein eigenes Netzwerk mit der Kundin, doch sie haben eine Gegenspielerin.

     

    Die zweite Fassung 1568

    In der ersten Ausgabe der Les Propheties, die am 4. März 1555 bei Macé Bonhomme in Lyon erschien, wurden 353 Vierzeiler sowie ein Schreiben an seinen ältesten Sohn Cesar publiziert. In der Fassung, die erst nach dem Tod des Autoren im Jahr 1568 bei Benoist Rigaud in Lyon erschien, wurden 588 weitere Prophezeiungen sowie ein persönliches Schreiben an König Heinrich II. von Frankreich aus dem Jahr 1558 veröffentlicht. Als ob es nicht merkwürdig genug wäre, dass Heinrich II. zum Zeitpunkt der Publikation bereits neun Jahre tot war, so finden sich in diesem Schreiben auch Satzteile, die wiederum in einer anderen Schriftart abgesetzt sind.

     

    O:        Bellis rubuit navalibus Sancta Sanctorum.

    S:        be1 llis2 ru3 bu4 it5 na6 va7 li8 bus9 Sanct10 a11 Sanct12 o13 rum14

    T:         va7 rum14 li8 llis2 a11 na6 bu4 ru3 it5 Sanc10 be1 bus9 Sanc12 to13

    SL:      varum lilis ana bu ruit sanct bibus sancto

    Ü:        Gebändert mit Lilien rennt die alte Kuh vor, mit dem Frommen und dem heiligen Vieh.

    I:          Spätestens mit den Lilien ist die „Kuh“ identifiziert.

     

    Der Autor hat Katharina de Medici, Gemahlin von Heinrich II. und Königin von Frankreich, in den Jahren 1555 bis zu seinem Tod 1566 den Aberglauben „Schicksal“ nahe gelegt und sie rennt nun – laut Autor – mit ihren Kindern und dem Kirchenvolk den Weissagungen hinterher. In der letzten – vom Autor freigegebenen – Ausgabe des Buches Les Propheties wird die Gruppe, für die er sich eingesetzt hat, über den Erfolg seiner Lobby-Arbeit informiert. Für wen setzte er sich bei der Königin ein?

     

    Mehr als ein Manual – die Anusim

    Im Jahr 1492 wurde die spanische Provinz Granada von den Muslimen zurückerobert und das Alhambra-Edikt erlassen. Wer nicht zum christlichen Glauben konvertierte, wurde des Landes verwiesen oder umgebracht. Hunderttausende Juden wurden vertrieben und suchten eine neue Heimat. 1497 folgte Portugal mit der Ausweisung aller Nicht-Christen. Einige fanden Aufnahme in Frankreich.

    Im Jahr 1517 schlug der Wittenberger Theologe Martin Luther seine 95 Thesen an die Domtür. Er löste nicht nur den Protestantismus aus, sondern predigte auch den Hass auf Juden in Europa. Diesem verfielen die französischen Reformer. Frankreich stand im Jahr 1555 kurz vor den Hugenottenkriegen und die Juden saßen zwischen allen Stühlen. Von den Protestanten wurden sie brutal verfolgt. Von der katholischen Inquisition wurde Juden und Konvertiten vorgeworfen, mit den Protestanten zu paktierten. Michel de Nostredame entkam selber nur knapp mehreren Anschlägen, als Hugenotten katholische Kirchen während der Messen überfielen [Dupèbe 1983].

    Im Juli 1555 erließ Papst Paul IV. die Bulle Cum nimis absurdum, in der er das Leben der Juden im Kirchenstaat neu regelte. Viele Juden waren zu Wohlstand gelangt und Christen aller Konfessionen neideten es ihnen, dass sie Christen als Angestellte beschäftigten sowie in den besseren Stadtvierteln wohnen konnten. Der Papst verbot den Juden daher, sich als Herren ansprechen zu lassen und wies ihnen Ghettos zu. Um diesen drastischen Maßnahmen zu entgehen, flohen viele aus dem Kirchenstaat, u.a. zunächst nach Frankreich, was die Lage der dort ansässigen Juden noch verschlimmerte.

    Auch Michel de Nostredame hatte bereits den Tod vor Augen, als er seinem sechsjährigen Sohn Cesar sein Erbe bereits im Jahr 1555 in Form eines Buches übergab. Wäre sein Erbe nur privater Natur gewesen, so hätte ein Testament und die Zettelsammlung mit Weissagungen ausgereicht. Doch diese Prophezeiungen mussten aus zwei Gründen als Buch mit Begleitbriefen publiziert werden. Erstens mussten alle in den Code Eingeweihten erfahren, wer offizieller männlicher Nachfolger von Michel de Nostradamus wurde und welche politische Richtung in Frankreich zu verfolgen sei. Zweitens musste das Buch veröffentlicht werden, um über den in allen Religionsgruppen akzeptierten Aberglauben „Schicksal“ ein überparteiliches Propaganda-Instrument zu haben, auf welches Katharina de Medici zurückgreifen konnte. Hat sie es getan oder blieb es beim Wunschdenken des Propheten?

     

    Kuh und Stute

    Heinrich, zweiter Sohn von König Franz I., wurde 1533 mit Katharina de Medici verheiratet als beide erst 14 Jahre alt waren. Es war eine arrangierte Vernunftehe, da sich die royale Familie von der nahen Verwandten des Papstes Clemens VII. gute Beziehungen zum Kirchenstaat versprach. Nach dem plötzlichen Tod von Papst Clemens im Jahr 1534 war die Ehe allerdings für die Dynastie wertlos. Heinrich amüsierte sich ab 1538 mit seiner 19 Jahre älteren Diane de Poitiers. Als Erzieherin macht die „Stute“ einen Mann aus ihm. Dass er mit der „Kuh“ Katharina zehn Kinder hatte, hinderte den jungen Ehemann nicht daran, mit Diana weitere zwei Kinder in die Welt zu setzen.

    Nachdem Heinrich im Jahr 1547 den Thron bestieg war die Ehe mit Katharina in Gefahr. Im Falle einer Scheidung von Katharina und einer Heirat seiner Geliebten Diana wäre deren nächster Sohn ebenfalls zur Thronfolge berechtigt gewesen. Katharina hatte also allen Grund hilfreiche Allianzen zu schmieden, die ihre Position am Hof festigten. Sie wollte ihre Kinder auf dem Thron sehen und nutzte die Prophezeiungen wahrscheinlich auch für ihre Öffentlichkeitsarbeit. So schrieb Nostradamus für sie extra einen Sechszeiler, in dem er sie namentlich als vom „Schicksal“ vorhergesehene Königin Frankreichs prophezeit. Weiterhin veröffentlichte er neun Jahre nach dem Tode ihres Mannes einen Brief an jenen [Lyon 1568], um dessen legitime Dynastie nachträglich noch einmal als „gottgewollt“ und vom Schicksal auserkoren darzustellen. Da Nostradamus und seine Glaubensbrüder von den Protestanten mehr zu befürchten hatten, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie bei der streng katholischen Katharina de Medici im Gegenzug für diese Propaganda um Schutz vor Hugenotten und Inquisition baten.

    Die Macht der „Stute“ endete mit dem tödlichen Turnierunfall Heinrichs im Jahr 1559. Als Königinwitwe und Mutter-Regentin herrschte Katharina de Medici jedoch mit ihren Söhnen Franz II., Karl IX. sowie Heinrich III. bis zu ihrem Tod. Sie führte ihre „Frommen und das heilige Vieh“ bis 1589 an, indem sie die Adelshäuser Frankreichs geschickt gegeneinander ausspielte. Hugenottenkriege und Bartholomäusnacht fielen in die Regierungszeit ihrer Familie.

     

    Esoterischer Spinner?

    Vielleicht hat Michel de Nostradamus seine Zeit als wandernder Pestarzt genutzt, um die konvertierten Juden und jüdischen Gemeinden zu besuchen und als religiöse Gruppe zusammen zu halten. Ob er sich bei der Königin nur für seine Familie, für Konvertiten oder alle Juden in Frankreich einsetzte, ist den Dechiffrierungen nicht zu entnehmen. Eine Allianz mit der Lilie wäre jedoch für alle Juden in Frankreich eine win-win-Situation gewesen.

    Historisch überliefert sind jedoch nur zwei Audienzen von Nostradamus. Die erste fand 1555 statt, da die Königin aufgrund bereits publizierter Almanache auf den Propheten aufmerksam geworden war. König Heinrich II. zeigte bei diesem Treffen allerdings nur wenig Interesse an der Wahrsagerei, während Katharina de Medici im Laufe der nächsten Jahre Horoskope für ihre Kinder anfertigen und sich zusenden lies. Beim zweiten Treffen im Jahr 1564 stellte Katharina ihm ihren Sohn, König Karl IX., vor und soll Nostradamus zu ihrem Leibarzt ernannt haben. Von seinem Sohn Caesar sind keine Audienzen im Königshaus bekannt. Alles in Allem also etwas wenig Kontakt, um im persönlichen Beratungen auf die Politik Frankreichs Einfluss nehmen zu können.

    Es liegt daher die Vermutung nahe, dass Michel de Nostradamus wohl eher bei seiner eigenen Glaubensgemeinschaft Eindruck schinden wollte, als dass er wirklich eine so intelligente und strategisch operierende Frau – wie Katharina de Medici wohl war – unter seine Kontrolle bekommen hätte. Seine chiffrierten Regieanweisungen im Brief an seinen Sohn basieren wahrscheinlich auf den Erfahrungen der ersten Audienz und sind wohl mehr Ratschläge als Zeitzeugnisse einer realen Verschwörung.

    Nichts desto Trotz zeigen seine Bemühungen die Absicht sich eine Gelegenheit zu verschaffen, um sich für seine Glaubensbrüder einzusetzen. Dass er mit seinem Pseudonym „de nos tradamus“ anbietet, über seinen Familienzweig tradieren zu können, legt die Vermutung nahe, dass führende jüdische Hohepriester den Verfolgungen zum Opfer gefallen waren und fähige Nachfolger gewählt werden sollten. Ob er mit diesen Ambitionen für sich oder seinen Sohn Erfolg hatte, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Dennoch ist seine intelligente Art der Diplomatie sowie sein soziales Engagement für eine verfolgte Minderheit – gerade in Zeiten, in denen sich andere Glaubensrichtungen die Köpfe einschlugen – als innovativ zu würdigen.

     

     

    Literatur

     

    Dupèbe, Jean: Nostradamus – Lettres Inédites, Geneve 1983.

     

    Nostradamus, Michel de: Les Propheties de M.Michel de Nostradamus. Macé Bonhomme, Lyon 1555. Bibliothek von Albi.

     

    Nostradamus, Michel de: Les Propheties de M.Michel de Nostradamus. Benoist Rigoud, Lyon 1568. Bibliothek von Lyon.

     

    Anmerkung: Das im Text verwendete (+) steht für "unendlich", das ist Zeichensatz nicht verfügbar ist.

     




    Erster Schawwal - Ende der Tortur


    islam-1299211_1280Nach gregorianischem Kalender am 24. Mai 2020 stellt sich die islamische Welt wieder vom Kopf auf die Füße: Der Ramadan kommt mit einem Fest namens Aïd el fitr – in deutschsprachigen Gegenden auch Zuckerfest genannt – zu seinem Ende. Dann liegen dreißig entbehrungsreiche Tage hinter den Moslems, soweit sie der Pflicht zum Ramadan nachgekommen sind, was mitnichten durchgängig der Fall ist. Nach Befragungen durch fowid nehmen in Deutschland allenfalls 50% der Moslems die Mühsal der täglichen Tortur auf sich. Das wird auch von islam.de bestätigt. Wer übrigens glaubt, dass das in so genannten „islamischen“ Ländern (mit Ausnahme der Hardliner-Staaten) völlig anders aussähe, täuscht sich über die wachsende Zahl der von mir gern als Kulturmoslems bezeichneten weniger an Religion Interessierten (Bild: OpenClipart-Vectors, pixabay).

    Eines der Sprachrohre des organisierten Islams in Deutschland ist islam.de, eine Website, die darum bemüht ist, die „schönen“ und „edlen“ Seiten des Islams darzustellen. Hauptsprecher der Moslems ist Ex-FDP-Mitglied Aiman Mazyek. Durchaus lesenswert – wenn auch völlig aus der Zeit gefallen und weltfremd – ist seine Einführung in das Wesen des Ramadan http://islam.de/16161.php: „Wie einen guten Freund begrüßen Muslime den Fastenmonat Ramadan. Es ist ein Freund, der zum Innehalten anregt, zum Studium des Korans, zur Betrachtung unserer spirituellen Quellen, unserer religiösen Heimat. Es ist eine Zeit der körperlichen Entbehrung und der geistigen Erneuerung, der inneren Einkehr und der Gemeinschaft. Im Ramadan sind die Moscheen voller als gewöhnlich. Im Ramadan rücken Familien und Freunde enger zusammen, ist die Gemeinschaft der Gläubigen spürbarer als sonst. Das Fasten im Ramadan ist die dritte der fünf Säulen des Islams. Es ist ein vierwöchiger Gottesdienst, währenddessen der Mensch über die Beziehung zu seinem Schöpfer nachdenken kann und soll“.

    Im Ramadan wird zudem an die Mildtätigkeit der Gläubigen appelliert. Der Zaket, eine weitere Säule des Islam, ist eine am 27. Ramadan festgelegte Summe, die jeder Moslem an Bedürftige entrichtet. Entweder man gibt dieses Geld oder auch eine Sachspende in Form von Nahrungsmitteln an einen Imam, der es an die bedürftigen Empfänger weiterleitet, oder man spendet direkt an eine karitative Einrichtung. Nicht selten werden Wohlhabende zu Banketten geladen, zu denen leicht 250 oder mehr Besucher zusammenkommen, die jeweils ein Iftar (das tägliche Essen zum  Fastenbrechen) zu bewusst sehr überhöhten Preisen einnehmen, damit eine stattliche Summe für die entsprechende Einrichtung zusammenkommt. Das sind – wenn man vom religiösen Hintergrund einmal absieht – sehr schöne Veranstaltungen, an denen sich zum Beispiel hier in Tunesien jeweils auch die ausländische Community lebhaft beteiligt. Auch meine Frau und ich haben mehrfach an so etwas teilgenommen.

    Das ideale Bild des „Fastenmonats“ geht auf Mohammed selbst zurück, der angeblich während dieser Zeit seine ersten Begegnungen mit einem „Engel“ namens Gabriel hatte. Von diesem erfuhr er die Worte eines Gottes, den Moslems Allâh nennen. Gebündelt fanden diese Worte sich schließlich im Koran wieder. Erste schriftliche Aufzeichnungen der Visionen des schreibunkundigen Propheten finden sich etwa 40 Jahre nach dessen Tod. Wie viel während dieser Periode mündlicher Überlieferung von den Adepten verändert, umgestellt oder neu hinzugedichtet worden ist, entzieht sich natürlich der detaillierten Kenntnis. Viele der im Koran beobachtbaren Inkonsistenzen lassen sich aber wohl nur durch diesen Transmissionsweg erklären. Entsprechende wissenschaftliche Bemühungen um Klärung werden allerdings von nicht wenigen Moslems argwöhnisch beäugt, selbst wenn die Ergebnisse von der Universität Al Azhar in Kairo stammen, einem Forschungsort, der gemeinhin so etwas wie den Vatikan des Islam darstellt.

    Die genaue Anwendung der Regeln verlangt von gesunden Moslems ab der Pubertät rund 14 bis 15 Stunden täglich (in Deutschland leicht auch 18-19 im Hochsommer) und trotz Temperaturen von über 40° im Schatten die totale Enthaltsamkeit: Essen, Trinken, Rauchen sind verboten – und natürlich auch Sex.

    Weiterhin sind Meditationen und die vorgeschriebenen Gebete, im Ramadan sechs statt der üblichen fünf, einzuhalten. Zudem soll sich der Moslem dazu auch noch aller „unreinen“ oder feindseligen Einstellungen enthalten – soweit sich das überprüfen lässt. Theoretisch ist eine solche genaue Befolgung, wie auch Mazyek andeutet, nur in einer Gesellschaft möglich, die während dieser Zeit Ferien nimmt, oder die sich darauf beschränkt, eine Herde Schafe und Ziegen und allenfalls einige Kamele zu hüten. In der modernen Arbeitswelt, die der muslimische Gott Allâh entweder nicht voraussehen konnte oder wollte, ist dies praktisch unmöglich. Wie sieht also die Praxis aus?

    Von den in Deutschland lebenden Moslems praktiziert nach Angaben von islam.de überhaupt nur in etwa die Hälfte den Ramadan, und auch wohl mehrheitlich (soweit sie im Arbeitsleben stehen) befolgen diese nur den Essens-, Trinkens- und Rauchensteil der Regeln (hier „le jeûne“ genannt), was natürlich bereits für sich allein genommen ungemein schwer fällt.

    Für die geforderte Meditation dürfte am Arbeitsplatz genauso wenig Zeit verbleiben wie für die ordnungsgemäße Verrichtung der Gebete. Man stelle sich zum Beispiel einen Fließbandarbeiter vor, der seinen Arbeitsplatz verlässt, um neben dem Band den Gebetsteppich auszurollen! Oder einen Schullehrer, der den Unterricht unterbricht, um sein Gebet zu verrichten. Das würde die (ohnehin angeschlagene) Akzeptanz von Moslems in der westlichen, ergebnisorientierten Gesellschaft sicherlich nicht befördern. Also wird es unterlassen. Das ist auch hier in Tunesien so. Man mache sich da bitte keine falschen Vorstellungen. Von etlichen weiß ich, dass sie sich zwar am Arbeitsplatz selbst zurückhalten (um dem sozialen Druck zu entgehen), doch sobald sie das Firmengelände verlassen haben, wird die erste Zigarette angesteckt und zu Hause zumindest Wasser getrunken, weil es sonst nur schwer auszuhalten ist.

    Wegen dieser Unmöglichkeiten verkommt der Grundgedanke des Ramadans zur Enttäuschung nicht weniger strenggläubiger Moslems zur bloßen Einhaltung der äußeren Regelstruktur, der eigentliche Inhalt höhlt sich zunehmend aus. Das sehen auch die moslemischen Verbände so, aber mehr als (fordernde) Appelle an die nicht-moslemischen Kollegen, doch bitte Rücksicht auf die Moslems zu nehmen, fällt ihnen dazu nicht ein. Die Mehrheit soll sich nach ihren Vorstellungen der Minderheit anpassen. Das gehört zu einer ganzen Serie stetiger Forderungen von moslemischer Verbandsseite: die Aufnahmegesellschaft soll sich bewegen – man selbst hat dies nicht nötig, weil man sich im Besitz der alleinigen Wahrheit glaubt. Dieses offensichtliche Integrationsproblem wird von vielen Moslems einfach dahingehend gelöst, dass sie entweder den Regeln des Ramadan nicht mehr folgen, oder die Exerzitien am Abend nach der Arbeit nachholen.

    Eine adaptive Lösung der schwierigen Regel, die die Flüssigkeitsaufnahme verbietet, was nicht selten vor allem bei Älteren zu Dehydrationsbeschwerden bis hin zu echten gesundheitlichen Schäden oder gar zum Tod führt, lieferte bereits vor langer Zeit der Gründungspräsident des modernen Tunesiens, Habib Bourguiba, als er im Fernsehen die Frage, ob er den Ramadan befolge, schlicht mit „Nein, ich arbeite“ beantwortete. Ostentativ leerte er ein Glas Wasser nach seiner Antwort. Von den „Rechtgläubigen“ in der islamischen Gesellschaft wird er seither als Apostat bezeichnet. Der Koran verlangt für Menschen wie ihn die Todesstrafe. Die wird aber derzeit nur in den sehr extremen islamischen Ländern wie Saudi-Arabien oder Iran exekutiert.

    Die Reduzierung des Ramadan auf die nur äußere Einhaltung der Fastenregeln unter Auslassung der meditativen Anforderungen gibt einen Hinweis darauf, in welche Richtung sich ein sogenannter moderater Islam entwickeln könnte, nicht etwa durch Selbstreform, dazu erscheint er derzeit unfähig, sondern durch den Druck moderater Moslems, die angesichts der doppelten Anforderungen zwischen Religion und Arbeitswelt praktische Lösungen suchen. So wird auch die Flüssigkeitsaufnahme tagsüber nicht auf ewig das Tabu bleiben können, das es heute vielfach noch ist. So bedienen sich zum Beispiel die 60 Arbeiterinnen, die im Unternehmen meiner Frau arbeiten, nach anfänglichem scheuen Zögern inzwischen wie selbstverständlich an den aufgestellten Automaten, die in der nur schwach klimatisierten Halle gekühltes Wasser anbieten.

    Romdhane MubarakDie Adaptation an modernere Erkenntnisse und Notwendigkeiten, von Christen und Juden kulturell längst umgesetzt, wird auch den Islam nicht ausklammern, wenn er sich dauerhaft in den europäischen Kulturen etablieren will. Einen Anfang zu den erforderlichen Veränderungen hat in Deutschland der inzwischen emeritierte Göttinger Professor Bassam Tibi gemacht, dessen Vorschläge für einen „Euro-Islam“, ausgerichtet an dem von ihm eingeführten Begriff der „Leitkultur“, vieles von dem, was am Islam stört wie etwa die Shari‘ah oder die Rolle der Frauen, als entweder zweitrangig einstufen, oder dessen völlige Abschaffung einfordern. Inzwischen gibt es auch im Netz, oft von Frauen betrieben, säkular-moslemische Seiten, auf denen Angleichungen der strengen Systematik an das moderne Leben gefordert werden. Unter „säkular-moslemisch“ wird generell ein Islam verstanden, der sich den Anforderungen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stellt und die Trennung zwischen Religion und Staat fordert. Man kann solche Bestrebungen nur voll unterstützen, denn genauso wenig, wie es gelingen wird, zum Beispiel den Katholizismus völlig abzuschaffen, wird es möglich sein, etwa den Islam zu verbieten. Also muss er gemeinschaftsverträglicher werden, wie dies ja in Teilen zumindest selbst mit den Kirchen gelungen ist – nicht von heute auf morgen, aber immerhin in überschaubarer Zukunft. In Deutschland wurde gerade ein vielversprechender Ansatz zu einem solchen säkularen Islam mit der Gründung der Ibn Rushd-Goethe-Moschee in Berlin gebildet. Die Protagonisten streben dabei als Integrationsbeitrag einen regen Austausch mit der Gesellschaft an – und zwar nicht nur mit der religiösen, sondern auch mit den humanistischen Teilen. Das ist sehr begrüßenswert und wird von vielen Humanisten unterstützt. 

    Wenn auch nicht gerade in Saudi-Arabien, so doch in den Randländern des Islam wie zum Beispiel in Tunesien, beginnt der innere Widerstand gegen die als unangemessen empfundene Tortur auf weniger intellektuelle Weise. Man beginnt zu erkennen, in welchem Umfang die Volkswirtschaft durch die strikte Einhaltung der Ramadan-Regeln beeinträchtigt wird. Ein vernünftiges, durchgehendes Arbeiten ist häufig gar nicht möglich, wenn man nur noch in miesepetrige und unleidliche Gesichter blickt. Die Auswirkungen von Nährstoffmangel auf das Wohlbefinden und die Denkfähigkeit sind in den fortschrittlicheren Ländern längst wissenschaftlich detailliert erforscht und gut bekannt. Selbst einfacher veranlagte Hijab-Trägerinnen trauen sich inzwischen trotz des enormen sozialen Drucks, bei anstrengenden Arbeiten in der Hitze, die Wasserflasche in Griffweite zu haben. In manchen Belegschaften finden sich die strikten Befolger bereits in der Minderheit. Dies gilt nota bene in Tunesien, mit Einschränkungen auch in Algerien. In Marokko hindert der §222 des Strafgesetzbuches eine Aufweichung der religiösen Vorschriften. Öffentliches Ramadanbrechen untertags wird mit 6 Monaten Gefängnis bestraft. Immerhin existieren bereits an den König gerichtete Initiativen, dieses Gesetz aufzuheben oder abzumildern.

    Ein gesondertes Problem stellt die ständige Übermüdung dar, was sich in einer stark erhöhten Unfallrate auf den Straßen zeigt. Zum Verständnis dieses Phänomens muss man sich den Ablauf einer typischen Nacht im Ramadan vor Augen führen. Abends um ca. 19 oder 20 Uhr ist Iftar, das Ramadanbrechen. Da wird dann wegen des tagsüber erlittenen Mangels gegessen was das Zeug hält (man spricht selbst hier in Tunesien respektlos von „la grande bouffe“ wie der gleichnamige Film: Das große Fressen). Anschließend geht es auf die Straße, um sich mit Freunden und Bekannten in den proppenvollen Cafés zu treffen, was bis ungefähr Mitternacht dauert. Dann ab nach Hause und noch ein paar Süßigkeiten hineingestopft. Spätestens kurz nach 3 Uhr bimmelt der Wecker (in Kairo und anderen großen Städten geht eigens ein Ausrufer um, der die Leute weckt), denn spätestens gegen 4 Uhr ist es wieder vorbei mit der Nahrungsaufnahme. Dass dieser Schlafmangel nicht gerade dazu beiträgt, die Sicherheit im Verkehr zu erhöhen, liegt auf der Hand. Ich war selbst Zeuge der bizarrsten Unfälle, die unter normalen Bedingungen einfach nicht passieren. Der Grund immer wieder derselbe: am Steuer sanft entschlafen!

    Das selbst auferlegte Leiden dokumentiert sich am besten in der Reaktion der Betroffenen selbst: Spätestens eine Woche vor Ablauf des „heiligen“ Monats beklagt sich die Mehrheit und zählt nur noch die Tage, bis endlich der 1. Schawwal erreicht ist. Dann beginnt das Leben erneut. Die islamische Welt steht wieder auf den Füßen.

    Nachtrag: In der besonderen Situation Tunesiens sei mir eine Randbemerkung erlaubt. Nach der Revolution wurden alle einsitzenden Extremisten (soweit es nicht Schwerstkriminelle waren) aus den Gefängnissen entlassen. Sie bilden das harte Rückgrat extremistischer Parteien wie Ennahdha des Sheikhs Rachid al-Ghannouchi. An derem extremem Rand wiederum befinden sich die eingefleischten Salafisten, die bereits Kinos in Brand gesteckt haben, Frauen ohne Kopftuch gern mal an den Haaren ziehen, oder Sommer-leicht bekleidete Mädchen auffordern, sich züchtig zu bekleiden. Da etliche Cafés in den größeren Städten den Nichtbefolgern weiterhin Getränke und Essen anbieten, befürchtet die Polizei nun Anschläge auf solche Orte und hat die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend erhöht. Ich kann nur hoffen, dass diese Maßnahmen von Erfolg gekrönt sein werden, da ich keinen höhnischen Artikel zu einem evtl. Fall in bestimmten Publikationen lesen möchte. Im Jahr 2020 entfällt das natürlich weitgehend wegen Corona.

    Auf den diesjährigen Stand gebracht am 22. Mai 2020.

     

     




    Männertagsgedanken


    Wie weise unser Fliegendes Spaghettimonster die Welt geordnet hat, zeigt sich an diesem Feiertag, den Es für uns schuf. Da hat es  zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. 

    Erstens zeigt es so, wie wichtig Ihm Gleichberechtigung ist. Nicht nur uns Frauen gebührt ein Tag der besonderen Ehre, sondern auch den Männern. Die ziehen, mit frischem Grün am feinen Outfit, in Gruppen durch die Landschaft und haben ihre Verpflegung direkt am Mann. Ein Verhalten, das schon zur Tradition geworden ist. Wenn diese Tradtition sich immer mehr dahin ändert, dass nicht nur Männer, sondern ganze Familien an diesem Tag unterwegs sind, zeigt das nur, wie sehr Sein Wunsch nach Gleichberechtigung von den Menschen akzeptiert wird. 

    Weiterhin hat Es es mit diesem Tag auf´s Vortrefflichste verstanden, Theorie und Praxis zusammen zu führen. Ist doch dieser Tag für uns Pastafari ein willkommener Anlass,  mal wieder eine größere Wartung am Biervulkan vorzunehmen und die Stripperfabrik auf Vordermann zu bringen.

    Ich bin sicher, euch fällt noch mehr ein, warum  dieser Feiertag gewürdigt werden muss. 

    Regelrecht entsetzt war ich hingegen, als ich gerade aus der Presse erfahren musste, wie eine verirrte Truppe Abergläubiger versucht, diesen Tag zu nutzen, um ihre, zwar lustigen, aber doch so an den Haaren herbeigezogenen Lehren unter das Volk zu bringen. 

    Christen, so nennen sie sich, tun so, als wäre heute ihr Feiertag. Deshalb haben sie sich eine irre Geschichte ausgedacht und behaupten, ihr Namensgeber, der Göttersohn Jesus Christus, ist zurückgekehrt zu seinem Vater in den Himmel. Genau 39 Tage nach dem Passtahfest. Das fällt immer auf den Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond,  also frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April. Nach dem Neuen Testament der Christen (das alte hatte ihr Gott wohl geändert, weil sein Sohn nicht ganz so wollte wie der Vater) hat Jesus da den Tod überwunden. Muss ihn viel Überwindung gekostet haben, wieder ins Vaterhaus zurück zu kehren. Über einen Monat hat er mit sich gerungen. Auch das zeigt klar das gestörte Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Dann, an einem Donnerstag, zwischen dem 30. April und 3 Juni, soll er sich ins Hotel "Papa" aufgemacht haben. Wohl auch, weil er inzwischen von dem geänderten Testament erfahren hatte und nun die Angst da war, völlig enterbt zu werden.

    So richtig toll muss der Empfang dann auch nicht gewesen sein. Noch ganze 40 Tage, nachdem er wieder bei Papi eingezogen war, hat es ihn sehr zu seinen alten Kumpels, altmodisch Jünger genannt, gezogen. Immer wieder hat er sich mal bei ihnen blicken lassen. Hat wohl mehr Spaß gemacht, mit denen um die Häuser zu ziehen als Harfe spielen zu lernen. Dann hat er aber doch klein bei gegeben. Zur Belohnung soll er im Himmel auf den Platz zur Rechten Gottes erhoben worden sein, nahm dann also, wie in der Antike üblich, den Platz des Thronfolgers bzw. Ehrengastes ein. Ich vermute ja eher, der Alte wollte so seinen Sprößling ein bisschen unter Kontrolle halten und vom schädlichen Einfluss der Peers, vor allem der lockeren Maria Magdalena, fernhalten. Jahwe wollte ja die schwer erkämpfte Position als Sologott nicht wieder durch ne Unmasse von Enkeln abgeben.

    Klar, die Christens behaupten da etwas anderes: "Ihn, der sich selbst erniedrigt hat und gehorsam geworden ist bis zum Tode am Kreuz, hat Gott über alle erhöht und ihm einen Namen gegeben, der größer ist als alle Namen Das läuft also eher darauf, dass Papa Sohni für seinen Gehorsam belohnt hat. Recht verworren sind auch die Vorstellungen, wie der Sohnemann wieder zurück ins Elternhaus geholt wurde.

    Bis heute wird debattiert über das Verhältnis von Auferstehung und Himmelfahrt Christi. Sicher gibt es wichtigere Themen, aber man kann ja mal. Die Traditionalisten sind nicht der Meinung, dass die Auferstehung Jesu Christi am Passtahsonntag erfolgte. Er soll nach seinem Kreuzestod am Garfreitag  in ein Jenseits hinabgestiegen sein, das Reich der Toten. Die Höllenfahrt Jesu soll nicht all zu lange gedauert haben, denn am dritten Tage soll er bereits wieder zu den Lebenden auferstanden sein. Als Himmelfahrt zählt der Aufstieg in ein in der Höhe befindliches Jenseits 40 Tage nach der Auferstehung, ohne zu sterben. 

    Damit es aber nach wie vor spannend bleibt, verkünden die modernen Theologen die Gemeinsamkeit von Auferstehung und Himmelfahrt. 

    Lirum larum Löffelstiel … wie herum auch immer … es wird als Sieg angesehen, dass olle Jehova seinen Sohn erfolgreich von den Peers getrennt hat, als Triumph über alle Jugendgruppen dieser Welt. Ein krasses Beispiel, wie Aberglauben eine ganz normale, wenn auch gestörte, Vater – Sohn – Beziehung ins esotherische abgleiten lässt.

    Was können wir glücklich sein, hier im Besitz der unverfälschten, reinen Wahrheit zu sein und so über diesen Unsinn herzlich lachen zu können.

    RAmen

    Eure Elli S.

     

    Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

     

    Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

    Zuerst erschienen bei http://fsm-uckermark.blogspot.de/2012/05/das-wort-zum-freitag_17.html

     




    Karlsruhe überwindet Religionshörigkeit


    Sterben

    Es war bereits Ende Februar, als in Karlsruhe ein Urteil gesprochen wurde, das durch die aufziehenden Corona-Wolken in der öffentlichen Wahrnehmung wenig Anklang fand – und dessen Auswirkungen gesellschaftsethisch kaum diskutiert wurden. Dabei war es das erste Mal in der deutschen Geschichte, dass das oberste Verfassungsgericht der Bundesrepublik so einschneidend Recht sprach, woraufhin selbst Beobachter über die Klarheit der Worte von Präsident Voßkuhle überrascht waren. Die geschäftsmäßige Praktik der Sterbehilfe ist seit 26.02.2020 nicht länger verboten, denn § 217 StGB ist verfassungswidrig – und damit nichtig.

     

    Ein Sieg des Humanismus

     

    Dass sich die Karlsruher Richter für eine Stärkung der Freiheit des Einzelnen in seinem Selbstbestimmungsrecht aussprechen würden, damit hatte man nach der Verhandlung bereits gerechnet. Der ausdrückliche Kontrapunkt gegen die christlich normierten Fundamente der Bundesrepublik, nach denen Selbsttötung nicht nur verpönt ist, sondern von vielen Kirchenvertretern als sündhaft und indiskutabel aus ihrer Realität gestrichen werden, war eine starke Aussage des Gerichts, das sich in anderen Fragen nicht selten auf die Einlassungen der religiösen Weltanschauungsgemeinschaften verlassen hat.

     

    Diesmal war es aber der Humanismus, der siegte. Denn er ist es, der keine Dogmen in den Mittelpunkt stellt, sondern dem Menschen das vollumfängliche Recht zubilligt, über Leben und Sterben völlig frei zu entscheiden. Das ist ein Rückschlag für die christliche Einflussnahme auf das Thema, die darauf abzielte, Betroffenen nicht nur mithilfe eines schlechten Gewissens einzureden, dass alleinig Gott das Recht besitzt, über den Tod zu befinden. Die eindeutige Botschaft des Senats war entsprechend unmissverständlich:

     

    Die christliche Freiheit ist Hohn!

     

    Jeder Einzelne hat vollständige Verfügungsgewalt über das eigene Dasein und ist mündig genug, über die Qualität des Lebens zu urteilen und aus freien Stücken zu dem Entschluss zu kommen, der irdischen Existenz einen Schlussstrich zu setzen. Durchaus gehörte etwas Mut dazu, das Urteil in einer solchen Deutlichkeit auszuformulieren, zumal das Bundesverfassungsgericht in der Vergangenheit immer wieder der Argumentation der christlichen Lehre verfiel, die den Erdenbewohner lediglich als Bittsteller und Marionette eines unsichtbaren Geistes sieht, für den die „Freiheit eines Christenmenschen“ wie Hohn klingen muss.

     

    Mit dem Richterspruch kommt dem Individuum eine größtmögliche Autonomie zu – und jenen, die freidenkerische Nächstenliebe praktizieren möchten, wenn sie einem Sterbewilligen bei seinem Ableben unterstützen wollen, muss nicht mehr vor dem Strafgesetz bangen. Es ist ein eindeutiger Hinweis, den das Bundesverfassungsgericht in Richtung der deutschen Legislative ausgesprochen hat: Die Einmischung des Staates als Moralapostel und lange Hand der religiösen Wertepolizei wird zumindest in der Frage nach dem Ende des Lebens unmissverständlich zurückgewiesen.

     

    Palliativmedizin bleibt weiterhin erste Wahl

     

    Der Politik ist nun aufgetragen, verfassungskonform festzuhalten, wie es gelingen kann, einen Selbsttötungs-Tourismus im eigenen Land zu verhindern. Besonderes Augenmerk muss der Gesetzgeber also auf die Vernunft der Bevölkerung richten. Denn wer glaubt, Sterbewillige könnten sich nach dem Urteil aus Karlsruhe zu leichtfertig für den Tod aussprechen, der verkennt, dass die allermeisten Betroffenen von großer Rationalität und Weitsicht geleitet sind.  Der Entschluss der Verfassungsrichter hat nichts damit zu tun, von einem Dammbruch zu sprechen oder den Untergang des Abendlandes aufziehen zu sehen.

     

    Wer diese Panik schürt, der versucht einzig und allein, christliche Verbohrtheit hoffähig zu halten. Wie schon in der Vergangenheit wird es auch künftig darum gehen, Menschen zum Weiterleben zu ermutigen, mit Palliativmedizin und Schmerztherapie das Leiden zu lindern. Doch die Aussicht darauf, im Fall des bewussten Votums zur Beendigung des Lebens nicht alleine gelassen zu sein, sondern Hilfe in Anspruch nehmen zu können, ohne einen Mitmenschen dadurch in rechtliche Bredouille zu bringen, ist eine große Erleichterung für die, die mit dem Freiheitsrecht zu sterben sorgsam umgehen werden.

     

    Dennis Riehle

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    78465 Konstanz

     

    Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de

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