® Räumliche und zeitliche Modelle


1200px-09-Observable_Universe_(LofE09250)Zu den am schwersten vorstellbaren Eigenschaften astronomischer ebenso wie atomarer Strukturen gehört die ungeheure Größe bzw. Kleinheit dieser Objekte. Die Schwierigkeiten lassen sich jedoch verringern, wenn man Modelle mit geeignetem Maßstab betrachtet. In analoger Weise kann man auch extreme Zeiträume veranschaulichen. Im folgenden sollen einige derartige Modelle besprochen werden (Bild: Andrew Z. Colvin, Wikimedia Commons).

Der nahe Weltraum 1 : 1 Milliarde

In diesem Modell schrumpfen tausend Kilometer zu einem Millimeter. Die Erde ist eine leicht abgeplattete Kugel von etwas mehr als einem Zentimeter Durchmesser. Der Mond (mit einem Durchmesser von nur 3 mm) umkreist sie in einem Abstand von fast 40 cm. Die Sonne befindet sich in einer Entfernung von 150 Metern und hat einen Durchmesser von 1,40 m. Der sonnennächste Planet (Merkur) hat einen Bahnradius von 60 Metern, der äußerste bekannte (Pluto) einen solchen von 6 km. Jupiter, der größte Planet, weist einen Durchmesser von 14 cm auf. Der nächste Fixstern (Proxima Centauri) hat eine Entfernung von über 40 000 Kilometern. Die Lichtgeschwindigkeit (normalerweise 300 000 km/s) beträgt in unserem Modell 30 Zentimeter pro Sekunde. Der Überriese Beteigeuze im Sternbild Orion (einer der größten bekannten Sterne) hat einen Durchmesser von 550 Metern. Der weniger bekannte Stern Ras Algethi im Sternbild Herkules mißt mehr als das Doppelte.

Das Universum 1 : 1 Billion

Moon,_Earth_size_comparisonDieses Modell hat nur ein Tausendstel der Ausmaße des vorigen. Die Erde ist bloß noch ein hundertstel Millimeter groß, also mit freiem Auge praktisch nicht mehr zu sehen. Der Durchmesser der Sonne beträgt kaum anderthalb Millimeter, ihre Entfernung etwa 15 cm. Der Abstand Erde-Mond ist auf weniger als einen halben Millimeter zusammengeschrumpft. Pluto umkreist die Sonne in einer Distanz von 6 Metern. Proxima Centauri ist immer noch 43 km entfernt, Sirius 86 km. (Sirius ist ein Doppelstern. Seine Komponenten kreisen in einem gegenseitigen Abstand von 3 m um ihren gemeinsamen Schwerpunkt. Manche weite Doppelstern-Paare haben jedoch Abstände bis zu anderthalb Kilometern.) Der Durchmesser von Beteigeuze beträgt immerhin noch 55 cm. Die Lichtgeschwindigkeit ist mit etwa 1 Meter pro Stunde für das Auge bereits zu langsam (Bild: Apollo 17 Picture of the Whole Earth: NASA Telescopic Image of the Full Moon: Gregory H. Revera).

Dennoch: unsere Milchstraße hat eine Ausdehnung von etwa einer Million Kilometern. (Sie ist eine flache runde Scheibe von 16 000 km Dicke.) Die Entfernung zum vergleichbar großen Andromedanebel beträgt ca. 20 Millionen Kilometer, die entferntesten bekannten Galaxien sind über 100 Milliarden km weit weg (im Modell!).

Das Universum 1 : 1 Trillion

Gegenüber dem letzten Modell haben wir das Weltall jetzt gleich auf ein Millionstel reduziert. Der Durchmesser der Bahn des Pluto beträgt nur mehr ca. ein zehntel Millimeter. Proxima Centauri ist etwas über 4 cm entfernt und das Licht benötigt etwa ein Jahr, um die Strecke von 1 cm zurückzulegen. Die Milchstraße hat etwa einen Kilometer Durchmesser und enthält ca. 100 Milliarden praktisch punktförmiger Sterne. Der Andromedanebel ist 20 km weit weg, die Grenze des heute bekannten Universums über 100 000 km.

Das Universum 1 : 1 Quadrillion

Nochmal ein Sprung auf ein Millionstel. Das bekannte Universum hat einen Durchmesser von einigen hundert Metern, die Milchstraße nur noch von einem Millimeter. Der Abstand zum Andromedanebel beträgt 2 cm. Das Licht benötigt 100 000 Jahre für einen Millimeter.

Das Atom 100 Milliarden: 1

Im Gegensatz zur Astronomie sind maßstabgemäße Betrachtungen in der Mikrophysik nicht sehr vernünftig, weil unsere geläufige Vorstellung von den Elementarteilchen als kleine Kügelchen nur sehr bedingt sinnvoll ist. Wenn wir dieses Problem beiseite schieben und nicht die reale Wirklichkeit, sondern nur unser naives Modell auf das Hundertmilliardenfache vergrößern, so ergibt sich folgendes Bild: Atomkerne haben Durchmesser von einigen Millimetern, Elektronen sind nur etwa einen halben Millimeter groß. Im einfachsten Atom (Wasserstoff) befindet sich das eine vorhandene Elektron in einem Kernabstand von 7 Metern. Ein Wassermolekül hat bereits Ausmaße von ca. 35 m.

Modell 10 Millionen: 1

750px-Water_molecule.svgJetzt verringern wir die Vergrößerung auf ein Zehntausendstel. Das Wasserstoff-Atom ist nichteinmal 1½ mm groß, das Wassermolekül 3½ mm. Die meisten gewöhnlichen Moleküle sind nicht größer als 1 cm, Riesenmoleküle jedoch liegen zwischen 10 cm und 10 m. Die kleinsten Lebewesen (die Viren) haben dann Ausmaße von 1 bis 4 Metern. Bakterien messen 10 bis 50 Meter, manche sind jedoch bis 300 m lang. Die kleinsten gewöhnlichen Zellen sind bereits über 100 m im Durchmesser und die dünnsten Zellwände haben eine Stärke von 6 cm. Ein (echter) Millimeter wäre im Modell 10 km lang (Bild des Wassermoleküls: Sakurambo, Wikimedia Commons).

Die Geschichte des Universums im Zeitraffer 1 : 1 Milliarde

In diesem Modell schrumpft jede Jahrmilliarde zu einem einzigen Jahr. Der Beginn des Universums liegt dann über 10 Jahre zurück, die Entstehung der Erde vielleicht halb so lang (die genauen Zahlen sind umstritten). Das Leben auf der Erde dürfte schon einige Jahre bestehen. Die ältesten noch erhaltenen Gesteine (aus dem frühen Präkambrium) haben ein Alter von ca. einem Jahr. Vor etwas mehr als 7 Monaten begann mit dem Kambrium (= erster Abschnitt des Paläozoikums) ein recht plötzlicher Aufschwung der Lebewesen (innerhalb weniger Stunden oder Tage): alle Tierstämme mit Ausnahme der Wirbeltiere sind bereits vertreten. Das Paläozoikum wurde vor fast 3 Monaten vom Mesozoikum abgelöst, das die berühmten riesigen Dinosaurier hervorbrachte. Sie starben am Ende des Mesozoikums vor 25 Tagen schlagartig aus. Im darauffolgenden Känozoikum beginnt der Aufstieg der Säugetiere. Die Vorfahren des Menschen spalteten sich vor etwas weniger als einer Woche vom Stammbaum der Menschenaffen ab. Die ältesten gefundenen Frühmenschen-Knochen (Australopithecus) sind ca. einen Tag alt, der heutige Mensch (Homo sapiens) entwickelte sich während der Eiszeiten, deren letzte vor ca. einer Stunde begann und vor 6 Minuten endete. Was wir heute Geschichte nennen, begann vor 2½ Minuten mit der Einigung des Ägyptischen Reiches. Erst vor 15 Sekunden endete das Mittelalter und kein heute lebender Mensch ist wesentlich älter als höchstens 3 Sekunden.

Die Zukunft würde etwa folgendermaßen aussehen: Ein allfälliger Endknall erfolgt in einigen Jahrzehnten. Findet keiner statt, so würde das gegenwärtige Zeitalter der Sterne in etwa 100 Millionen Jahren (des Modells!) vom Zeitalter der Schwarzen Löcher abgelöst werden. Das Ende der Schwarzen Löcher aber läge so weit in der Zukunft, daß der Unterschied zwischen Modell und Wirklichkeit bedeutungslos wird. (10 hoch 100 echte Jahre sind 10 hoch 91 Modelljahre, aber so genau sind die Berechnungen gar nicht.)

Zeitlupe 1 Milliarde: 1

Dieses Modell ist im selben Maß gedehnt, in dem das vorige komprimiert war. Eine (echte) Sekunde hat jetzt eine Länge von 31 Jahren 8 Monaten und ca. 8 Tagen. Die Lichtgeschwindigkeit beträgt 30 cm/s. Die mittlere Lebensdauer einiger Elementarteilchen (d. h. das durchschnittliche Zeitintervall zwischen Bildung und Zerfall dieser Teilchen) wird jetzt anschaulich vergleichbar: das Myon hält etwa 37 Minuten, das geladene π-Meson ca. 26 Sekunden, das Λ(= Lamda)-Hyperon gar nur eine Viertelsekunde. Der erste bekannte Abschnitt in der Geschichte des Universums, das Zeitalter der Hadronen, dauerte etwa einen Tag. Die Schwingungsdauer der höchsten gerade noch hörbaren Tonfrequenzen (18 kHz) liegt bei etwa 15 Stunden. Die meisten elektromagnetischen Schwingungen sind kürzer: der Rundfunk benutzt Wellen, deren Schwingungs dauer zwischen 3 Stunden und 10 Sekunden liegt, beim Fernsehen sind es einige Sekunden.

Zeitlupe 1 Trillion: 1

Nochmals ein Schritt auf das Milliardenfache. Die Lichtgeschwindigkeit beträgt jetzt nur mehr 1 cm pro Jahr, die Lebensdauer der oben erwähnten Λ-Hyperonen fast 8 Jahre. Hingegen zerfällt das ungeladene π-Teilchen im Durchschnitt schon nach anderthalb Minuten. Fernsehwellen schwingen in Jahrzehnten bis Jahrhunderten, das sichtbare Licht jedoch zwischen 39 Minuten (rot) und 22 Minuten (violett). Oberhalb 40 Minuten liegt die (infrarote) Wärmestrahlung, unterhalb des violetten Lichts die UV-Strahlung (die z. B. die Haut bräunt). Röntgenstrahlen liegen im Schwingungsbereich von anderthalb Minuten bis hinunter zu einer zehntausendstel Sekunde. Der kurze Teil der Röntgenstrahlung heißt γ(= Gamma)-Strahlung. Manche kosmische Strahlen haben z. T. eine noch kürzere Schwingungsdauer.

 

(Dieser Artikel wurde am 21.8.11 von Argutus publiziert und am 11.12.18 von Wilfried Müller mit gemeinfreien Bildern und wb-Links versehen.)

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

Weitere Links von wissenbloggt:




Die schweren Fehler des UN-Migrationspakts


false-98375_1280Hier geht es nicht darum, Menschen in Not die Hilfe zu verweigern, im Gegenteil. Die Hilfe sollte allerdings rational, gerecht, effizient und zukunftsfähig sein. Dass diese Selbstverständlichkeiten erwähnt werden müssen, wirft ein schräges Licht auf den UN-Migrationspakt (Bild: geralt, pixabay).

Die schwersten Fehler des Paktes:

  1. Fehlallozierung: Vor allem in Afrika ist die Bevölkerung dabei, sich bis 2050 zu verdoppeln. Jedes Jahr werden es 50-60 Millionen mehr, zumeist in Ländern, wo es ohnehin zuwenig Infrastruktur und Jobs gibt. Der UN-Migrationspakt ignoriert diese katastrophenträchtige Entwicklung total. Man befasst sich eingehendst mit  Nebenwirkungen wie Migration & Drumrum, aber man geruht das Hauptproblem Übervölkerung auszublenden. Kein Pieps zu Familienplanung, Geburtenkontrolle, Verhütung ungewollter Schwangerschaften (verhüten will man bloß Menschenhandel und Diskriminierung). Da werden viele Hilfsgelder lockergemacht und in die falsche Richtung gelenkt. Für die Lösung vom Hauptproblem Übervölkerung ist dann kein Geld mehr da. Diese ignorante Haltung ist nicht bloß fahrlässig, sie ist im Grunde kriminell, weil sie für Fehlallozierung der Zukunftsinvestitionen sorgen wird. Wirkung: Es wird sehr teuer, aber das Problem wird trotzdem immer schlimmer.
     
  2. Fehleinschätzung: In der Vergangenheit nutzten viele Migrationsbewegungen Zielländern, Migranten und oft auch Herkunftsländern. Im Pakt läuft das unter "Migration als Quelle des Wohlstands", "positive Auswirkungen" und "Gesamtnutzen", und das wird der Migration pauschal zugeschrieben. Es stimmte aber nur, solange die Zielländer Arbeitsplätze hatten und die Migranten von Kultur und Ethos her dazupassten und sich womöglich selber Arbeitsplätze schufen.

    Beispiele: Russlanddeutsche und Türken in Deutschland.
    Weniger gelungene Beispiele: Migration aus den Kolonien und Osteuropa nach Frankreich.und Großbritannien.
    Gegenbeispiel: Flüchtlings-Immigranten in der EU. Da ist der Gesamtnutzen nicht eingetreten, weder gesellschaftlich (Verwerfungen in Deutschland, Krise in der EU) noch ökonomisch (zig Mrd. Kosten pro Jahr).

    Die Perspektiven für unvorbereitete Unausgebildete aus rückständigen Regionen mit rückständigen Religionen sind auf Generationen hinaus schlecht. Bis sie ausgebildet sind, ist die nächste Rezession da, der "Fachkräftemangel" löst sich in Luft auf, die Jobs werden von Robotern übernommen. Durchlässigkeit beim sozialen Aufstieg ist eh nur für wenige gegeben; die für die Zielländer existenznotwendige Exzellenz entsteht so nicht – ein negativer Gesamtnutzen entsteht. Die Zielländer zahlen drauf, und die Gesamthöhe der Zahlungen wird verborgen, weil sich sonst das Dogma vom Gesamtnutzen auflösen würde –  noch ein schwerer, vertrauensmindernder Fehler. Nur den Immigranten (und einigen Immigrations-Profiteuren) ist genutzt, wenn man die Existenz als Hartz-IV-Abhängige so nennen will. Für dieselben Leute könnte der Nutzen größer ausfallen als die Kosten, wenn sie vor Ort Aufbauhilfe kriegen, um damit ihre Heimat hochzubringen. Das sind schließlich Leute, die Hindernisse überwinden können. Wo sie die Sprache sprechen und wo ihre Vorbildung passt, können sie viel mehr Nutzen erzielen als hier. Wirkung: Je mehr das Migrationskonzept umverteilt, desto mehr negativen Gesamtmutzen schafft es.

  3. Fehlsteuerung: Vom großen, rohstoffreichen Afrika und anderen Riesenländern soll die Umsiedlung ins übervölkerte, ausgelutschte Europa gefördert werden. Diese Orientierung ist verkehrtrum. Nominell will der Pakt auch das Zuhausebleiben und die Rückführung fördern, aber er geht das nicht entschieden an.
  • Der Pakt will es nur halbherzig.
  • Die Leute wollen es gar nicht.
  • Die Zielstaaten wie Deutschland schaffen das nicht.
  • Die Herkunftsländer wollen es auch nicht, weil schon zu viele Menschen mit zuwenig Infrastruktur und Jobs da sind.

Der Zug nordwärts ist keine Problemlösung, sondern nur eine Problemverschiebung, und er ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Dem Import von Menschen müssen zusätzliche Rohstoff- und Energieimporte folgen, neue Infrastruktur muss aufgebaut werden. All das äußert sich als migrationsbedingter Problemimport. Den Aspekt der Akzeptanz in den Zielstaaten übergeht der Pakt gänzlich. Kein Pieps dazu, ob sie die "Bestandserhaltungsmigration" mit all den Folgen überhaupt wollen. Erst recht nicht dazu, ob sie gerade Menschen mit besonders niedriger Qualifikation und besonders hoher Geburtenrate aufnehmen wollen. Wirkung: Unkontrollierte Vermehrung von unkontrolliert Einwandernden (mit Familiennachzug).

Dass der Staat solches alimentiert, will die Mehrheit in Deutschland und in der EU definitiv nicht – auch nicht, wenn diese Migration legalisiert wird. Das Argument ist, die Deutschen zahlen so hohe Abgaben, dass sie sich selber kaum die Familiengründung leisten können, aber staatlich finanzierte Flüchtlings-Immigranten ziehen hunderttausendfach Famlien auf Hartz-IV-Basis auf. Schon jetzt ist die Fertilitätsrate der Ausländer doppelt so hoch wie die der Deutschen (23% der Geburten bei 12% Ausländern in 2017). Dabei kommen viele Ausländer aus Euroland, mit niedrigen Fertilitätsraten; um so höhere haben die anderen. Die Fertilitätsraten der Flüchtlings-Immigranten werden aber nicht veröffentlicht – ein weiterer schwerer, vertrauensmindernder Fehler.

Die Bevölkerung soll es nehmen, wie es kommt, sie soll es bezahlen, ohne gefragt zu werden. Der Pakt möchte über die Einheimischen hinweg verfügen, auch wenn er die Staatshoheit mehrfach herausstellt. Er stellt aber auch den Anspruch auf Umsetzung der Migrantenunterstützung heraus, und das greifen linksgrüne Politiker entschlossen auf. Damit ist die Mär von der Unverbindlichkeit obsolet. In Deutschland ist der Pakt ohnehin schon weitgehend umgesetzt, da geht es der linksgrünen Politik nur noch um die Vervollkommnung der "Willkommenskultur".

Aus der Sicht dieser Politik werden die Themen  1. Übervölkerung,  2. Gesamtnutzen<0,  3. Problemimport streng tabuisiert. Der Pakt folgt der Tabu-Linie, indem er falsche ethische Standards propagiert: Unausgesprochenermaßen ist beliebige Vermehrung ok, und den Auswirkungen hat sich alles zu fügen.

Dadurch setzt der Pakt falsche Anreize. Wenn er zukunftsfähig sein wollte, müsste er massiv darauf hinwirken, dass die Leute zuhause 1 Sache aufbauen und nicht so viele Kinder kriegen, dass 3 Sachen gebraucht werden. Wenn denn in die Zielländer migriert werden muss, sollte dort wenigstens kein laisser faire gelten. Der Spruch "in ein paar Generationen gleichen sich die Fertilitätsraten sowieso an" kann ja genauso falsch sein wie der Spruch vom positiven Gesamtnutzen. Für eine neue Bevölkerungsvermehrung in den Zielländern gibt es aber keinerlei demokratische Entscheidung. Deshalb sollte auch dort die Verknüpfung von Immigration mit der Pflicht zur Familienplanung gelten.

Und das sollte keine unverbindliche Verpflichtung sein.

 

Links zu Artikeln von wissenbloggt:




Anleitung zum Unsichtbarwerden in den sozialen Medien


Vor ein paar Tagen brachte wissenbloggt den letzten Artikel vom Wissen der Medienkonzerne über uns alle (wb-Link). Nicht jedem gefällt soviel Wissen in fremden Händen. Passend dazu kommt hier ein Artikel von Barbara Davidson in CashNetUSA zum Thema, wie man sich im Internet unsichtbar macht (1. und kürzlich gecovert 2.).

Der Begleittext spricht vom Internet der Dinge, durch das zukünftig noch mehr Daten gesammelt werden. Kaum ein Aspekt bleibt ausgespart, 200 Milliarden Geräte nehmen teil, fast 30 pro Person. Das bedeutet eine "massive Datenernte" für die Firmen. Aber gehen sie verantwortlich mit den Daten um? Das ist die Sorge, die in den letzten Jahren um sich griff – mit dem zunehmenden Bedürfnis nach Privatsphäre. Es ist nicht bloß eine Frage des Prinzips, sich der Aufzeichnung des Datenstroms zu entziehen. Immerhin wurden 2017 allein in den USA an die 17 Mrd. $ durch Cybercrime gestohlen. Niemand ist automatisch davor sicher.

Aber man kann eine Menge tun, um den "Internet-Fußabdruck" zu verkleinern und seine persönlichen Daten unter Verschluss zu halten. Man braucht kein Informatikstudium dazu. Die Autorin Barbara Davidson hat viele Quellen durchforstet, um die folgende Anleitung zusammenzustellen (readwrite.com, javelinstrategy.com, techlicious.com, support.snapchat.com, checkpoint.com, imore.com, support.apple.com, android.gadgethack.com, aicpa.org – nähere Angaben ganz unten – die Grafik ist signiert von SavingSpot Dollars and Sense nach der Creative Commons Lizenz CC BY-SA 4.0).

how-to-be-invisible-onlineMedien-Links:

  1. How to Be Invisible Online (Without Going off the Grid) (Barbara Davidson in CashNetUSA, 28.8.): Thankfully, there’s a great deal that you can do to reduce your Internet footprint and help keep your personal information under lock and key – and you don’t need a degree in computer science to do it. There are many simple ways that you can start making yourself invisible online, and this guide will walk you through some of them.
  2. How to Be Invisible on the Internet (Visual Capitalist 5.12.): … why not … look at taking more practical steps to reducing your internet footprint? Today’s infographic comes to us from CashNetUSA, and it gives a step-by-step guide – that anyone can follow – to limit the amount of personal data that gets collected on the internet.

Links von wissenbloggt:




Seuchen: Warnung & (verdächtige) Entwarnung


skeleton-1561177_1280Eine aktuelle Hitliste der unerfreulichen Bedrohungen gibt's beim Pandemie-Artikel von wb (Link Kollateralschaden). Neu dazugekommen sind Berichte zu Antibiotikaresistenz (1.) und diversen Seuchen wie Pocken (2.), Pest (3.), Geflügelpest (4.) und Masern (5.). Dazu kommen allgemeine Warnungen vor den nächsten globalen Pandemien (6.+7.). Kein Grund also, die Gesundheitsvorsorge leicht zu nehmen (Bild: TheDigitalArtist, pixabay).

Das sind eine Menge Warnungen. Entwarnungen gibt's aber auch. Ganz frisch ist eine Metaanalyse zur weltweiten Sterblichkeit von internationalen Migranten (8.). Die Migranten haben demnach einen Sterblichkeitsvorteil (mortality advantage compared with general populations), weil sie bei den häufigsten Todesursachen wie Erkrankungen von Herz und Kreislauf sowie Nerven und Atemwegen unterdurchschnittlich vertreten waren. Sie waren ja auch unterdurchschnittlich alt.

Nachdem nun der UN-Migrationspakt ins Haus steht (Mitte 12/18), zieht die Zeit eine passende Parallele. Sie stellt einen Zusammenhang Migration-Entwarnung und Migration-Pakt her (9.). Geflüchtete sind demnach kaum eine Gesundheitsgefahr für Zielländer. Schau'n mer mal.

Zuerst der Hinweis, dass sich die Allgemeinbevölkerung der Zielländer eher selten bei Migranten und Migrantinnen ansteckt, wie die Daten der Metastudie andeuten. Zwar stürben Migranten statistisch gesehen häufiger an Tuberkulose, HIV und viraler Hepatitis, doch die seien in Europa selten und fielen wenig ins Gewicht. Es gebe mithin "keinen systematischen Zusammenhang zwischen Migration und dem Import von Infektionskrankheiten." Das ist ein Zitat aus der Studie, und ein weiteres folgt sogleich:

skeleton-1940283_1280U.a. deshalb sei es "wichtig, dass die Aufnahmeländer eine bessere medizinische Versorgung gewährleisteten" (9., Bild: ractapopulous, pixabay). … Nanu?

Wenn keine Infektionskrankheiten eingeschleppt werden, dann ist doch alles in Ordnung? Wieso müsste dann die medizinische Versorgung verbessert werden? Wie geht das zusammen?

Der Bericht erwähnt, dass einige Geflüchtete aus Ländern mit schlechter Gesundheitsversorgung bei der Ankunft medizinisch behandelt werden müssen (Anmerkung wb: in anderen Quellen wird der Standpunkt vertreten, dass praktisch alle wegen Traumatisierung behandlungsbedürftig sind, und man kann ebenso vom extremen Bedarf an Zahnbehandlung lesen).

Jetzt kommt noch ein Nanu-Passus: Diese Belastung der Gesundheitssysteme dürfe nicht isoliert vom Nutzen der Zuwanderung betrachtet werden, der weitaus höher ist. In einer entwickelten Volkswirtschaft könne ein Anstieg der Migranten in der erwachsenen Bevölkerung demnach das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf um 2% erhöhen.

Der Bericht ist also eine Studie zum Nutzen der Migration? Offiziell ist er doch eine Metaanalyse zur Sterblichkeit von Migranten. Wieso schiebt der in einem Nebensatz die Behauptung vom Nutzen unter, "der weitaus höher ist"? Mit der Begründung, dass 37% der der praktizierenden Ärzte in Großbritannien ihre medizinische Qualifikation in einem anderen Land erworben haben?

skull-3378748_1280Das ist als Argument für den Nutzen der Migration gemeint, aber es deckt die Manipulation auf: In der Studie geht es um Migranten allgemein, und nicht um Geflüchtete, wie die Zeit schreibt. Das macht aus der Argumentation einen veritablen Trümmerhaufen (Bild: anaterate, pixabay).

Die größte Gruppe unter den Migranten in Großbritannien sind Polen, die zweitgrößte Inder. Also ist die Rede von Geflüchteten schlichtweg eine Irreführung. Die Immigranten aus Polen und Indien müssen herhalten, um gut Wetter für Flüchtlinge zu machen: Sie schleppen keine Krankheiten ein, sie schaffen Gesamtnutzen.

Nun ist inzwischen bekannt, dass die Legende vom Gesamtnutzen für die Immigration von unvorbereiteten Unqualifizierten aus rückständigen Regionen mit rückständigen Religionen nicht zutrifft (wb-Link UN-Migrationspakt):

  • Der ökonomische Nutzen fehlt angesichts von zig Mrd. Kosten pro Jahr ohne Aussicht auf Ausgleich des Defizits.
  • Der gesellschaftliche Nutzen fehlt wegen der Verwerfungen in Deutschland, England usw. und der Krise in der EU.

Das wirft die Frage auf, wenn beim Nutzen gefaked wird, wie steht es dann mit dem Import von Infektionskrankheiten? Menschen aus allen Winkeln der Welt bringen Krankheitskeime aus allen Winkeln der Welt. Wie kommt es, dass die vorhandene Bevölkerung sich "eher selten bei Migranten und Migrantinnen ansteckt"? Weil Polen und Inder gemeint sind und nicht Nigerianer und Eritreer?

Wenn es keinen systematischen Zusammenhang zwischen Migranten und Infektionskrankheiten gibt, und die Migranten sind meistens keine Flüchtlinge, dann ist doch wenig ausgesagt über den Zusammenhang zwischen Armutsflüchtlingen und Infektionskrankheiten?

Hier liegt der Verdacht der Augenwischerei nahe. Der UN-Migrationspakt kommt, und dazu müssen positive Berichte her – das dürfte dahinterstecken. Die 20 unabhängigen Expertinnen und Experten aus 13 Ländern, darunter Großbritannien, Deutschland und Kenia haben geliefert, die Zeit ist aufgesprungen.

Es wurde eine Metaanalyse der verfügbaren Studien gemacht, wozu z.B. einige über Russlanddeutsche gehörten, doch über die aktuelle Zuwanderung aus Nahost, Mittelost, Arabien und Afrika gab's anscheinend noch keine. Trotzdem wurde der Anspruch "internationale Migranten" draufgepappt. Das läuft auf Täuschung hinaus, und die Zeit ist dieser Täuschung gewollt oder ungewollt gefolgt.

Wer realistische Zahlen will, kann beim Robert Koch Institut nachschauen, Beispiel Tuberkulose: 32% deutsche Erkrankte, 68% ausländische (10.). Die Gesamtzahl der meldepflichtigen Infektionskrankheiten (die allerdings vielfach per Antibiotikaspritze kuriert werden können) bei Asylsuchenden in Deutschland war im vorigen Jahr 360.396 (11.).

 

Medien-Links:

  1. Vital Signs report: Containing Unusual Resistance – Early, aggressive action can prevent spread (Centers for Disease Control and Prevention CDC 3.4.): More than 23,000 Americans die each year from infections caused by germs resistant to antibiotics. While antibiotic resistance (AR) threats vary nationwide, AR has been found in every state. And unusual resistance germs, which are resistant to all or most antibiotics tested and are uncommon or carry special resistance genes, are constantly developing and spreading. (In anderen Quellen: "nightmare bacteria" across the United States.)
  2. Pocken – Seuche aus dem Baukasten (Süddeutsche Zeitung 7.7.17): Virologen haben Pferdepocken im Labor nachgebaut. Sie warnen: Auch die ausgerottete menschliche Variante des Virus ließe sich auf beunruhigend einfache Weise wiederbeleben.
  3. Plague fears grow as Malawi becomes tenth African nation put on alert for the spread of the killer disease (Dayly Mail Online 11.11.17): At least 143 people have died of the plague following an outbreak in Madagascar. Another 2,000 people have been infected since the spread in August this year. Malawi's Dr Dan Namarika warned 'porous borders' may help spread the disease.
  4. Asian Lineage Avian Influenza A (H7N9) Virus (Centers for Disease Control and Prevention CDC 20.9): Human infections with an Asian lineage avian influenza A (H7N9) virus (“Asian H7N9”) were first reported in China in March 2013. Annual epidemics of sporadic human infections with Asian H7N9 viruses in China have been reported since that time.
  5. Viruserkrankung: Zahl der Maserninfektionen weltweit um 30 Prozent gestiegen (Zeit Online 29.11., 150 Kommentare): Laut WHO waren 2017 deutlich mehr Menschen von Masern betroffen als zuvor. Als Grund sieht die Organisation Nachlässigkeit und Fehlinformationen über Impfungen.
  6. Predicting the next global pandemic (Global Risk Insight 8.11.): The nature and likelihood of the next pandemic presents many challenges to governments and health organisations, as it could be an unknown pathogen that the world is ill-equipped to contain. The risks associated with such a pandemic has secondary effects as it not only affects human health, but also causes severe disruptions in economic, political, and social areas.
  7. Bill Gates thinks a coming disease could kill 30 million people within 6 months — and says we should prepare for it as we do for war (Business Insider 27.4.): The next deadly disease that will cause a global pandemic is coming, Bill Gates said on Friday at a discussion of epidemics. We're not ready. An illness like the pandemic 1918 influenza could kill 30 million people within six months, Gates said, adding that the next disease might not even be a flu, but something we've never seen.
  8. Global patterns of mortality in international migrants: a systematic review and meta-analysis (The Lancet 5.12.): Our study showed that international migrants have a mortality advantage compared with general populations.
  9. Migrationspakt: Warum Geflüchtete kaum eine Gesundheitsgefahr für Zielländer sind (Zeit Online 6.12., 330 Kommentare): Schleppen Geflüchtete viele Infektionskrankheiten ein? Nein. Migration nützt der öffentlichen Gesundheit mehr, als zu schaden, sagt eine unabhängige Forschungskommission.
  10. Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland für 2017 (Robert Koch Institut): 1.650 (31,9%) der auf dem Meldeweg erfassten Erkrankten hatten die deutsche Staatsangehörigkeit, 3.515 Erkrankte (68,1%) waren ausländische Staatsbürger.
  11. Dem Robert Koch-Institut übermittelte meldepflichtige Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden in Deutschland Dezember 2017 (49.-52. Kalenderwoche, Robert Koch Institut, 17.1.): Anzahl der übermittelten Fälle von meldepflichtigen Infektionskrankheiten nach Übermittlungskategorie (1. bis 52. Kalenderwoche 2017) Gesamt 360.396

Links von wissenbloggt zur Durchseuchungslage:




"Speziesismus": Neue Idiotien der Sprachverhunzer


dogs5(Bilder: evastupica, glasskid50, danielsfotowelt, hettyvanderzanden, nurp, alle pixabay).

Wenn man Tiere allzusehr vermenschlicht, kommt sowas raus wie das Credo von PETA (People for the Ethical Treatment of Animals): "Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten"(1.). Diese bis aufs Experimentieren widernatürliche Einstellung hat durchaus Follower.

Solche Leute haben sogar ein Fachwort für die spezielle Diskriminierungsform aufgrund der Artzugehörigkeit kreiert, Speziesismus. Das ist die Diskriminierung von Tieren durch Menschen (umgekehrt sind noch keine Beanstandungen publiziert). Ziel ist nicht bloß, das Leid der Massentierhaltung zu beenden und Tiere in freier Wildbahn zu schützen. Auf gut genderisch geht es bis dahin, die Sprache im Sinn des Tierschutzes zu beeinflussen, so wie die PETA-Aktivisten den Tierschutz verstehen ("evolve common language").

Zu was für Idiotien man sich dabei versteigt, ist frappierend. Die Massentierhaltung wurde mit dem Holocaust verglichen (2.), Metzger wurden als Mörder zu bezeichnet. Das hat PETA den Ruf einer radikalen Tierrechtsorganisation eingebracht. Diesem Ruf versucht der Verein gerecht zu werden.

Er hat jetzt einen Anlauf zur Sprachmanipulation unternommen. Bei Twitter wurden tierfreundlich umgestaltete Sprichwörter publiziert (3.), um "den Speziesismus aus der Umgangssprache zu entfernen" (4.). Andersdenkende waren schnell mit Spott über die Sprichwortverhunzung zur Hand. Zero Hedge kommentiert: PETA is trying to stop people from being 'racist' against chickens (5.).

Eine Liste der betroffenen Sprichwörter ("Stop Using Anti-Animal Language"):

Deutsch Englisch PETA-Verhunzung
zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kill two birds with one stone feed two birds with one scone
das Versuchskaninchen sein  be the guinea pig be the test tube
auf etwas herumreiten beat a dead horse feed a fed horse
die Brötchen verdienen bring home the bacon bring home the bagels
den Stier bei den Hörnern packen take the bull by the horns take the flower by the thorns

Der Spott der Kommentatoren ließ nicht auf sich warten:

  • Wenn bacon (Speck) für die Veganer offensiv ist, sind dann bagel (Teigkringel) für die Glutenfreien offensiv?
  • Ein gefüttertes Pferd füttern? Man sollte doch keine Ausdrücke fördern, die der Fettleibigkeit Vorschub leisten.
  • Außerdem merkt ein totes Pferd ja nicht, wenn es geschlagen wird, während ein überfüttertes Pferd leidet.
  • Und was soll die Blume denken, wenn man sie bei den Dornen packt? (Ergänzung wb)

In vorauseilendem Gehorsam verhunzt wissenbloggt ein paar weitere Sprichwörter (Quelle u.a. 5.). Beim letzten Punkt von diesem Leserservice geht es um Menschen, falls die überhaupt noch eine Rolle spielen:

Deutsch Englisch wissenbloggt-verhunzt
der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach a bird in the hand is worth two in the bush a turd in the hand is worth two in the bush
der Stärkere gewinnt dog eat dog blog eat blog
eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus dog don’t eat dog blog don’t eat blog
einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul don’t look a gift horse in the mouth don’t take a gift course to the south
es regnet junge Hunde it's raining cats and dogs it's raining hats and clogs
der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt it's the last straw that breaks the camel's back it's the last straw that breaks the politician's promise
Affen machen alles nach monkey see monkey do honkey see honkey do
gebranntes Kind scheut das Feuer once bitten twice shy once written twice wrong
Morgenstund hat Gold im Mund early bird catches the worm early turd catches the worm
alles auf die Reihe kriegen to get one's ducks in a row to get one's fucks in a row
keine Rose ohne Dornen you can't catch a fish without it's bones You can't snatch a dish without it's scones
das dicke Ende kommt zuletzt it's not over until the fat lady sings it's not over until the flat shady stinks

Bittesehr, das muss sich hinter den PETA-Parolen nicht verstecken. Was haben diese Sprachverhunzer eigentlich an der Bommel, dass sie sich dauernd lächerlich machen müssen? Rechtschreibreformer, GenderInnen, MeTussis, PETA-Parolenschwinger? Könnten sie nicht mal was Vernünftiges anleiern, z.B. dass die Massentierhaltung ersetzt wird durch die ganzen beyond-Produkte? (wb-Link ganz unten)

Dann könnten die PETA-Protagonisten einen großen Teil von ihrem Credo abhaken. Experimentieren in der Computersimulation, Essen und Anziehen aus der Retorte, Unterhalten mit Robot-Pets – und die Ausbeuter sind ja nicht zuletzt die, welche die Tiere vermenschlichen und vor ihren Karren spannen.

 

Medien-Links:

  1. Peta: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.
  2. Bundesverfassungsgericht – PETA darf Tierhaltung nicht mit Holocaust vergleichen (Focus 26.3.09): Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat eine Klage der Tierschutzorganisation PETA zurückgewiesen. PETA wollte mit dem Slogan „Der Holocaust auf Ihrem Teller“ gegen Massentierhaltung protestieren.
  3. PETA auf Twitter (4.12.): Bringing Home the Bagles …
  4. PETA releases list of animal friendly idioms to avoid 'speciesism' (KelownaNow 4.12.): People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) took to Twitter today to release a list of updated idioms to remove speciesism from daily conversations. The organization turned phrases like "kill two birds with one stone," to "feed two birds with one scone," to evolve common language as social justice itself evolves.
  5. PETA Publishes Laughable List Of 'Animal Friendly' Phrases To 'Fight Speciesism' (Zero Hedge 5.12.): That's right: PETA is trying to stop people from being 'racist' against chickens.
  6. Englische Sprichwörter (Wikiquote)

Links von wissenbloggt:




Können Atheisten wissenschaftlich denken?


chimpanzee-978809_1280Diese Frage ist mit ein paar Behauptungen unterfüttert, und es ist interessant zu sehen, wo die Denkfehler stecken.

Letztlich läuft es auf die Behauptung hinaus, ein Atheist würde nie objektiv und wissenschaftlich denken (Bild: skeeze, pixabay).

Man muss nicht auf den ganzen Unfug eingehen, der in Form eines Videos daherkommt. Es reicht, die grundlegenden Irrtümer aufzuzeigen.

Bei atheisten-info.at hat Erwin Peterseil das unternommen. Unter dem Titel Der Denkfehler der Atheisten schreibt er: Da erklärt uns also einer die Welt, der sie versteht! Er fragt, ob Atheisten wissenschaftlich denken können und dann redet er die ganze Zeit haarsträubenden Blödsinn.

Können Atheisten wissenschaftlich denken?
(Der Inhalt des Kastens stammt aus dem Vordenker-Video)

  1. Das Universum ist per Urknall entstanden
  2. Evolution (und somit der Zufall) sorgten für die Entstehung von Leben
  3. Menschen sind also zufällig entstanden
  4. Die Hirnstrukturen (z.B. deine) sind zufällig (neironale Netze)
  5. Die Denkmuster sind zufällig
  6. Ein Atheist denkt also nie objektiv und wissenschaftlich

Dazu möchte der wissenbloggt-Atheist Wilfried Müller eine eigene Argumentation aufbauen, auch wenn ihm die Fähigkeit zur objektiven und wissenschaftlichen Denke abgesprochen wird. Punkt für Punkt:

  1. Das Universum ist per Urknall entstanden –ok-check-303494_1280Clker-Free-Vector-Images-150x150
    Das entspricht dem wissenschaftlichen Weltbild.
    (Es entspricht aber nicht dem Weltbild der Argumentation.)
  2. Evolution (und somit der Zufall) sorgten für die okyeno-delete-462216_1280-300x300Entstehung von Leben –
    Bei der Evolution ist der Zufall nur ein Element. Variation und Selektion haben außerdem starke deterministische Einflüsse.
  3. Menschen sind also zufällig entstandenoky1-delete-462216_1280-300x300
    Mit zunehmender Entwicklungsstufe schwindet der Anteil des direkten Zufalls, Stichworte Emergenz, Symmetriebrechung, Selbstorganisation.
  4. Die Hirnstrukturen (z.B. deine) sind zufällig (neuronale Netze)oky1-delete-462216_1280-300x300
    Hier gilt nochmal dieselbe Argumentation wie bei 3.
    Der Zufall war beteiligt, aber das meiste ist Determinismus.
  5. Die Denkmuster sind zufälligoky1-delete-462216_1280-300x300
    Und nochmal dieselbe Argumentation wie bei 3.
    Der Zufall ist beteiligt, aber das allermeiste ist Determinismus.
  6. Ein Atheist denkt also nie objektiv und wissenschaftlich okno-delete-462216_1280-300x300
    Diese Aussage ist komplett falsch, denn als Nichtexistenzbehauptung kann sie widerlegt werden: Ein atheistischer Wissenschaftler reicht dazu.

Es gibt viele atheistische Wissenschaftler, und auch andere Atheisten denken wissenschaftlich. Die Vernunftwidrigkeit der Aussage liegt aber auch darin, dass sie unausgesprochendermaßen für Atheisten eine andere Entstehungsgeschichte als für Gläubige unterstellt. Gläubige sind gottgemacht und nicht zufällig, denn der Vordenker hält seine Argumentation 1.-6. bestimmt für objektiv, wenn nicht gar für wissenschaftlich.

Zum Nicht-Zufall hat Erwin Peterseil auch noch ein paar Takte zu sagen: Wer einen Schöpfergott braucht, lebt mit einem Denkfehler, der alleine dadurch schon erkennbar sein müsste, dass dieser vermutete Gott ja auch eine Ursache haben müsste. Oder ist er vor dem Urknall, bevor es Raum, Zeit und Materie gab, zufällig entstanden? Ein Gott verlängert nur die Kausalkette, erklärt aber nichts, wenn er selber unerklärbar ist, z.B. Gott habe es immer schon gegeben oder so. Und gesehen hat so einen Gott schließlich auch noch nie jemand, man kann ihn sich bloß einbilden.

 

(Bilder ok/no: Clker-Free-Vector-Images/Mediengestalter, pixabay, Mischung von wb.)

Link zum Originalartikel bei atheisten-info.at (mit eigebettetem Vordenker-Video)

Passende Wissenschafts-Links von wissenbloggt:

Götter-Links von wissenbloggt:




Rentenprognosen: ⅓-½ der Beschäftigten droht Mini-Rente


photomanipulation-2110496_1280-4144132auto-1661009_1280-Tama66Hui rein & pfui raus – die Rente ist sicher … nicht so gut wie erhofft (Bilder: 4144132 und Tama66, pixabay).

Im September hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) einen Wochenbericht vorgelegt, nach dem die rentennahen Jahrgänge große Lücken in der
Sicherung des Lebensstandards haben. Bei mehr als der Hälfte der erwerbstätigen 55- bis 64-Jährigen ist demnach der aktuelle Konsum größer als die bisher erworbenen Rentenanwartschaften (2.).

Jetzt hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) eine Prognose vorgelegt, nach der etwas geschehen muss, sonst greifen die Mini-Renten um sich. Pressemitteilung der NGG, Hamburg, 3. Dezember 2018 (1.):

Jedem dritten Beschäftigten droht eine Mini-Rente

NGG legt Rentenprognose vor | 12,8 Millionen Arbeitnehmer unter der Grundsicherung

Deutschland droht Altersarmut – in einem größeren Ausmaß als bislang angenommen. Das befürchtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). 12,8 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden – so, wie sie heute arbeiten – nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen. Und das, wenn sie nach immerhin 45 Berufsjahren in den Ruhestand gingen. Das sind bundesweit 42 Prozent aller Beschäftigten, die in Vollzeit, Teilzeit oder ausschließlich geringfügig arbeiten.

Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ liegt im Bundesschnitt bei aktuell 785 Euro im Monat. Dabei sind insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt. Dies geht aus einer Renten-Analyse des Pestel-Instituts hervor. Die Wissenschaftler aus Hannover haben dabei für die Gewerkschaft NGG amtliche Statistiken ausgewertet.

Demnach könnte die Zahl armutsgefährdeter Rentner in Deutschland künftig noch deutlich steigen – nämlich dann, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte. Dann gäbe es mehr als 16 Millionen Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen, so das Pestel-Institut. Claudia Tiedge, stellvertretende NGG-Vorsitzende, spricht von „alarmierenden Zahlen“. Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse später auch von seiner Rente leben können, betont sie: „Am Ende steht hier das Vertrauen in die staatliche Altersvorsorge und damit der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel.“ Die Bundesregierung hat eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent lediglich bis 2025 vereinbart. „Das reicht nicht aus“, so Tiedge. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben.

Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden“, betont Tiedge. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssten viele Beschäftigte im Alter aufstocken. „Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen – und zwar bezahlt nach Tarif“, so die Gewerkschafterin.

Viele Beschäftigte hätten zwar das Glück, dass der Partner mehr verdiene und so die Haushaltskasse im Rentenalter aufbessere. Doch häufig sei das Geld selbst dann sehr knapp. Gerade wer einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen „extrem mageren Rentenbescheid“ einstellen. Frauen seien davon besonders häufig betroffen. Sogar knapp 29 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten haben nach Berechnungen des Pestel-Instituts aktuell einen Rentenanspruch von weniger als 1.000 Euro monatlich – nach 40 Arbeitsjahren.

Eine gute tarifliche Altersvorsorge könne zwar dabei helfen, dass im Alter etwas mehr übrig bliebe. „Aber Zusatzrenten sind nicht dafür da, ein immer geringeres Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen“, so Tiedge. Ihr Fazit: „Der Staat muss die gesetzliche Rente sichern. Alle Beschäftigten sind auf sie angewiesen. Und die Arbeitgeber müssen bei Löhnen, Arbeitszeiten und Zusatzvorsorge viel mehr tun, damit die Menschen ihren Lebensabend genießen können.“

  1. Pressemitteilung der NGG als PDF
  2. Studie im DIW Wochenbericht 37/2018

Weitere Medien-Links:

  • Rentennahe Jahrgänge haben große Lücke bei der Sicherung ihres Lebensstandards im Ruhestand (DIW-Pressemitteilung vom 12.09.2018): Mehr als der Hälfte der 55- bis 64-jährigen Erwerbstätigen reichen derzeitige Rentenanwartschaften nicht, um aktuellen Konsum vollständig zu decken – Private Versicherungen reduzieren diesen Anteil nur geringfügig – Potentielle Versorgungslücke beträgt durchschnittlich rund 700 Euro im Monat
  • Schuften für Sozialhilfe (junge Welt 5.12. zur NGG-Studie): Rentenprognose der Gewerkschaft NGG ergibt: Mehr als jeden dritten Beschäftigten erwartet nach 45 Arbeitsjahren eine Rente unterhalb der Grundsicherung.
  • Altersvorsorge: Älteren Arbeitnehmern droht Armut beim Renteneintritt (Zeit Online 12.9., 500 Kommentare, zum DIW-Bericht): Die Hälfte der Menschen, die bald in Ruhestand gehen, erhält einer Studie zufolge nicht genug Rente, um alle Ausgaben zu bestreiten. Besonders betroffen seien Frauen.
  • Rente – Die anderen kriegen's hin, wir nicht (Süddeutsche Zeitung 16. 5.): Die Rentenpläne der Koalition wurden jüngst von Experten als unbezahlbar verworfen. Nun soll eine Kommission neue Vorschläge erarbeiten. Leser und Leserinnen werfen der Regierung Untätigkeit vor.
  • SPD-Gegenwind für Andrea Nahles? (scharf links 13.2.): Für den aktuellen Mindestlohn müsste man schon 55 Jahre in Vollzeit arbeiten, um im Alter von 71-72 Lebensjahren eine Armutsrente in Höhe der Sozialhilfe zu erhalten (analog der geringen gesetzlichen Grundsicherung, bzw. im Hartz-IV-Strafvollzug).

Links von wissenbloggt:

 




Rezension des Buches „Die Offenbarung des Johannes“ mit einer Einleitung von Will Self von Frank Sacco


revelation-981662_1280Frank Sacco, Doktor der Medizin, hat schon mehrmals bei wissenbloggt über Schizophrenie geschrieben (Links unten).

Diesmal im Zusammenhang mit der Offenbarung des Johannes, die früher vom Fischer Verlag mit einer Einleitung von Will Self verkauft wurde (Bild: JamesNichols, pixabay).

Die religiös bedingte Schizophrenie von Frank Sacco

Rezension des Buches „Die Offenbarung des Johannes“ mit einer Einleitung von Will Self

Die Einleitung ist hier das Spannende! Self berichtet von seinem Freund Ben Trainin. Der war in Künstlerkreisen geboren und studierte gerade Geschichte. Er war hochintelligent. Er baute eine Kanzel und predigte. Die Story von der Apokalypse hatte ihn im Griff. Zwei Selbstmordversuche folgten. Er wurde „von den Furien seines Verstandes tyrannisiert“. Er erkannte wohl im Oberflächenbewusstsein, dass die Story „abergläubiger Schwachsinn“ ist, doch er glitt in Drogen ab. Mit 28 Jahren beging er Suizid.

Will Self wohnt in der Nähe einer psychiatrischen Klinik, dem Royal Free Hospital. Monate nach Bens Tod hört er einen Schizophrenen aus dem Buch der Offenbarung zitieren. Es quoll aus ihm wie aus einer Tube „gestreifter Zahncreme“.  Der Bezirk war mit „Verrückten reicht gesegnet“. Self fiel auf: „Jeder Dritte“ deklamierte den Text der Offenbarung.

So liest dann auch Selb die Bibel. Er erkennt: Der Text der Offenbarung  ist „pervers“. Er ist ein „Wust‘“ der Gewalt mit übler Kulturfeindlichkeit. Er hat einen „verderblichen Effekt‘“. Selb geht ins Internet: 2.666.896 Webseiten beschäftigen sich mit der Story.  Er trifft auf Schreie, die  „Vergebung“ möchten. Er trifft auf einen „psychotischen Alptraum“.

Anschließend ist der Bibeltext im Wortlaut zu lesen. Wir kennen ihn alle. „Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes“. Der Wortlaut der Offenbarung  kommt nach Verlautbarung der Bibelschreiber und unserer Geistlichen  aus dem Mund Gottes und dem Mund seiner Engel. Und auch Jesus lässt man  hier munter sprechen. Der Sohn Gottes, der „Augen hat wie Feuerflammen“, sagt  zu einer Hure: „…und ihre Kinder will ich zu Tode schlagen… Ich werde geben einem jeglichen unter euch nach euren Werken.“ Dieser Satz machte den kleinen  Luther so ängstlich, dass er Mönch wurde. Als Mönch bekam er ein Sacco-Syndrom. Zunächst kam eine kirchenbedingte Depression. Er versuchte, sie mit einem kirchenbedingten Masochismus zu heilen. Zuletzt ereilte ihn eine halluzinatorische Psychose – wie auch viele seiner Kollegen. Er halluzinierte u. a. den Teufel. Erst ein anderer Bibelsatz „heilte“ ihn. In ihm steht: „Sola Fide“. Nur durch einen festen Glauben komme man nicht in Jesu Hölle. Nun, so einen  Glauben hatte der antitisemitische Mönch. Mit guten Werken konnte er sich dann später sehr zurückhalten. Sie waren nicht mehr nötig. So wurde er Mittäter an den drei letzten Hexenverbrennungen in Wittenberg und an der Abschlachtung von Bauern.  Doch das nur nebenbei.

Die Apokalypse spricht von sieben verschiedenen Plagen. Und alle diese Gerichte seien gerecht, ist zu lesen. Sie bestehen vorwiegend aus Ertränken und Verbrannt werden von Sündern. In einem „feurigen Pfuhl“. Leider bedeuten diese Foltern nicht den Tod. Der Jesus der Bibel führt sie in seiner Unsterblichkeit munter ewig aus. Am selben Individuum. Er habe ja den „Schlüssel zur Hölle“ vom Herrn Papa geerbt. Und sie werden „gequält werden mit Feuer und Schwefel… und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Eine Ewigkeit ist dem Auferstandenen und so sündenfreien Jesus der Bibel da nicht einmal genug. Die Bibelscheiber machen hier aus dem einfachen Zimmermannssohn kaltlächelnd eine Hitlerfigur, die den Führer, was den Grad der Grausamkeiten betrifft, locker in den Schatten stellt. Noch heute predigen Bischof Nikolaus Schneider und sein Kollege Hans Werner Deppe das Feuer in der Hölle. Und  nicht nur die.

Die etablierte Psychiatrie leugnet die Pathogenität der Bibel und des Klerus. Man hat selbst viel zu viel Angst: Vor Gott und seinem größten Arbeitgeber, den Kirchen. Es wurden hier Stimmen laut, ich solle gefälligst eine groß angelegte Studie über das Sacco-Syndrom durchführen, um seine Existenz und damit die Pathogenität der Dogmen Apokalypse und Hölle zu beweisen. Nun, diese Studie führten die Kirchen bereits selbst durch. Die Kinder Würzburgs wurden im gesamten Jahr 2010 über Ausstellungen in allen Kirchen mit der Apokalypse in fundamentalistischer Weise konfrontiert. Sie sind heute seelisch krank wie nirgendwo in der Welt. Die Stadt hält hier einen traurigen Weltrekord. Alleine jedes 5. Würzburger Kind hat heute bereits die Angsterkrankung ADS. ADS stellt eine Flucht vor nicht Auszuhaltendem in eine Hyperaktivität und/oder Clownerie dar. Ich sagte bereits  im Jahr 2010 das vermehrte Auftreten psychischer Erkrankungen in Würzburg voraus und zeigte die Kirchen wegen Kindesmisshandlung an.  Auf der  Internetseite "Seelische Störungen durch die Lehre der Kirchen" ist zu lesen, dass nach einer "Studie der Universität Würzburg" die Stadt  "eine Hochburg der Selbstmörder" ist. Die Forscher gehen von einem Zusammenhang mit dem "konservativen, stark katholische geprägtem Milieu" der Stadt aus. Der Jesuitenpater Rupert Lay bestätigt das: "Die Hälfte der Patienten, die zu mir in Therapie kommen, sind krank durch  Erfahrungen, die sie in der Kindheit und Jugend mit der Kirche gemacht haben." Besonders pathogen sei das Dogma  der "ewigen Verdammnis". Die Diagnose lautet also: „Sacco-Syndrom“.

Wie lauten nun die gängigen Vergehen der Kirchen?

Kindesmisshandlung nach § 235 RiStBV, Androhung von Folter und diversen Verstößen gegen deutsches Recht, wie sie sich aus dem Text ergeben, u.a. § 225 StGB Misshandlung von Schutzbefohlenen, § 240 Nötigung, § 241 Bedrohung, § 1631 BGB Personensorge, Störung der Religionsruhe, § 131 StBG Gewaltdarstellung, Verstoßes gegen Art. 1 GG und gegen § 1 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes Und auch „Gotteslästerung“ nach § 166 StGB. Denn ein Gott, der die Liebe sein soll, wird sich nicht irgendwann wie ein Hitler aufführen. Sowieso sei die Androhung jenseitiger Strafen aber nur ein „Geschäft“ seiner Kirche, so Bischof Nikolaus Schneider im Der Spiegel  43/2014. Es ist das intelligenteste, aber auch schmutzigste Geschäft dieser Erde.

 

„Die Offenbarung des Johannes“ mit einer Einleitung von Will Self (Fischer Tb, antiquarisch bei booklooker) Taschenbuch 2000

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

Weitere Artikel von Frank Sacco, speziell zu Schizophrenie und Die ecclesiogene (kirchenbedingte) Schizophrenie von Frank Sacco

 




Behauptungen zum UN-Migrationspakt gekontert


handshake-36806_1280Der Pakt hat ein neues Oxymoron kreiert, die "unverbindliche Verpflichtung"  (Bild: Clker-Free-Vector-Images, pixabay). Ob man nun mit beredtem Schweigen oder mit einem stummen Schrei darüber hinweggeht – die Sache ist diskussionsbedürftig. Da geht es nicht um das Aufwärmen linker und rechter Positionen, sondern um eine klare Analyse, was drin steht und was es bedeutet.

Dieser Artikel befasst sich mit Argumenten, wie sie in den Medien so häufig vertreten werden, dass sie nicht im Einzelnen verlinkt werden müssen. Als Beispiel kann das aktuelle Positionspapier der Linken herhalten (1.).

Unverbindlich

Wie die oft betonte "Unverbindlichkeit" des Paktes zu sehen ist, wird schon im wb-Artikel Verheerende Signale diskutiert – der Schluss daraus:

Die Unverbindlichkeit ist unverbindlich.

In den Medien ist schön zu sehen, wie der Pakt schon vor der Unterzeichnung als Grundlage für weitere Forderungen herangezogen wird. Im Pakt selber steht der Anspruch der Umsetzung (40., 2.) drin. Bei Links und Grün wird dieser Anspruch aufgegriffen ("schnellstmöglich umsetzen" incl. Kündigung vom Pakt mit der Türkei, 1.). Damit ist unzweifelhaft klar, dass es nicht um eine unverbindliche Verlautbarung geht, sondern um eine Etappe in der politischen Auseinandersetzung um die Migration.

Es geht also nicht um ein Oxymoron, sondern um eine Tautologie. Die Behauptung der Unverbindlichkeit ist unverbindlich; sie stimmt mit der Realität kaum überein.

Der Pakt schafft kein Recht zur Migration

Diese Aussage wird ständig wiederholt – was dran ist? Das lässt sich durch das Lesen vom Pakt (2.) beantworten. Was auffällt ist die Beliebigkeit – jeder kann sich da was raussuchen. Einerseits wird von der Verhinderung der irregulären Migration geredet (27.), andererseits wird gefordert, "dass alle Migranten ungeachtet ihres Migrationsstatus ihre Menschenrechte durch einen sicheren Zugang zu Grundleistungen wahrnehmen können" (31.) Wer für die Gewährung zuständig ist, wird offengelassen, das kann sich also jeder zurechtlegen, bis zur linksgrünen Extremposition, dass Deutschland für die Einhaltung vom Grundgesetz weltweit zuständig ist.

Ähnlich der uneingeschränkte Anspruch, die Menschenrechte der Migranten zu schützen (23.). Dort steht auch die Verpflichtung, auf die Bedürfnisse von Migranten einzugehen, die sich "aufgrund der Bedingungen, unter denen sie unterwegs sind oder mit denen sie im Herkunfts-, Transit- oder Zielland konfrontiert sind, in prekären Situationen befinden können." Bezeichnend ist, wie das Attribut "irregulär" immer mal vorgezeigt wird, aber wo's drauf ankommt, werden Rechte für alle Migranten definiert, irreguläre inclusive.

Die Pflichten des einen sind die Rechte des anderen, und umgekehrt. Wenn im Pakt 20* drinsteht, "wir verpflichten uns", dann definiert das Rechte für diejenigen, die in den Genuss der Verpflichtungen kommen. Durch diese Verpflichtungserklärungen werden implizit weitreichende Rechte definiert, die schon im Herkunftsstaat anfangen und auch die Transit- und Zielländer betreffen. Grenzen wie in Ungern lassen sich mit dem Pakt nicht vereinbaren.

Die Behauptung, der Pakt schaffe kein Recht zur Migration, ist demzufolge nur soweit durch Fakten gestützt, als es nicht expressis verbis drinsteht. Indirekt zielt der Pakt sehr wohl auf das Recht zur Migration.

Migration ist nützlich

"Dieser Globale Pakt ist das Ergebnis einer beispiellosen Überprüfung von Fakten und Daten, die im Rahmen eines offenen, transparenten und inklusiven Prozesses gesammelt wurden" (10.). Die Pakt-Erfinder schreiben sich eine Menge Expertise bei diesem Thema zu, und sie wollen auch noch weiter forschen.

Ihr Forschungsergebnis war der Nutzen der Migration; was sie allerdings nicht explizit reingeschrieben haben, sondern verklausliert als "den Gesamtnutzen von Migration zu optimieren" (11.), und "auf der Grundlage von Beweisen und Fakten die öffentliche Wahrnehmung des positiven Beitrags einer sicheren, geordneten und regulären Migration zu gestalten" (33.)

Den Überprüfern ist anscheinend entgangen, dass es auch negativen "Gesamtnutzen" gibt. Die Migration aus den Kolonialstaaten nach Großbritannien und Frankreich war keine Erfolgsgeschichte (siehe Brexit und Kummer in den Banlieus). Dabei konnten die Einreisenden die Sprache, sie kannten die Kultur und waren deshalb schon gutteils integriert. In Deutschland war die Immigration der Türken erfolgreicher, aber die kamen zum Arbeiten, und es gab tatsächlich Arbeitsplätze für sie. Heute sieht es anders aus.

Das hat es noch nie gegeben, dass Millionen Menschen aus rückwärtsgewandten Kulturen mit menschenfeindlichen Religionen (Beispiel Islam = Unterwerfung des Menschen) ohne Vorkenntnisse in aufgeklärte Hochtechnologieländer migrierten. Darauf lässt sich die Behauptung von positiven Migrationswirkungen nicht einfach ausdehnen.

"Immigration ist nützlich" – das ist sicherlich korrekt, wo sie gesteuert erfolgt wie in richtigen Einwanderungsländern. Bei der ungesteuerten Immigration sieht es anders aus. Die nutzt nur denen, die es hierher schaffen, und ihrem Anhang zuhause, dem sie Geld schicken. Aber gibt es einen Nutzen für die Zielländer?

  • ideologisch mag das zu 100% richtig sein,
  • logisch nur zu 50%, weil es 2 Möglichkeiten gibt, und
  • faktisch ist es zu 0% richtig. Der behauptete Nutzen ist nicht eingetreten:

    • Der ökonomische Nutzen fehlt angesichts von zig Mrd. Kosten pro Jahr, einem Defizit, das wohl auch kommende Einwanderergenerationen nicht auffüllen können (sofern sie es überhaupt wollen).
    • Der gesellschaftliche Nutzen ist auch nicht eingetreten. Es gibt Verwerfungen in Deutschland und Krise in der EU.

Die UN-Überprüfer sind im Obligo, den Nutzen erstmal zu beweisen. Da reicht der Hinweis auf das Eindämmen der irregulären Migration nicht, wo doch zuförderst allen Migranten überall geholfen werden soll. Für die Zielländer stellt sich die Frage: Entwachsen von Immigranten aus rückständigen Regionen mit rückständigen Religionen in absehbarer Zeit jene Forscher, Erfinder und Techniker, die unser Land braucht, um in der internationalen Konkurrenz zu bestehen?

Wie soll das gehen, wenn die kulturelle und religiöse Bürde keine Entfaltung der Person zulässt und ihren IQ im Landesdurchschnitt auf ca. 80 beschränkt (Äthiopien 61, Eritrea 63, Nigeria 70, Bangladesch 77, Afghanistan 80, Marokko 82, Türkei 89, 3.)? Wie lange braucht es, um diese Bürde loszuwerden? Ein oder zwei Generationen? Oder noch länger? Religion ist schließlich penetrant, die hält sich generationenlang, auch wenn sie sich im Glücksfall abschwächt.

Wo einerseits die schwindende Durchlässigkeit beim sozialen Aufstieg beklagt wird, kann man doch nicht andererseits genau solch eine Verbesserung als zeitnahe Perspektive für irreguläre Einwanderer behaupten.

Offene Fragen

Wer das windelweiche gender-political-correchte Geschwurbel des Paktes liest, der kann sich angenehm berührt fühlen, weil sich kluge Menschen so nett um alles kümmern wollen. Skeptische Geister werden aber die Frage stellen, warum sind die Knackepunkte ausgeklammert?

  1. Wollen wir das überhaupt? Soll Deutschland ein Einwanderungsland sein? Die demokratische Beantwortung dieser Frage ist unsere Regierung uns immer noch schuldig. Stattdessen will sie mit der Pakt-Unterzeichnung schon wieder vollendete Tatsachen schaffen.
  2. Sollte nicht vielmehr die Hilfe vor Ort Priorität haben, zuallererst die Hilfe zur Selbsthilfe und zum (Wieder-)Aufbau des Landes? Der Pakt sagt dazu, dass niemand zu irregulärer Migration veranlasst werden soll (18.). Aber wie funktioniert das, wenn jeder als Migrant mehr Rechte beanspruchen kann als zuhause? Bezeichnend ist, dass die gravierendsten Problemursachen im Pakt nicht genannt werden. Dass die insuffiziente/kriminelle Politik/Verwaltung nur in sanfter Umschreibung erwähnt wird, mag verständlich sein, weil die Länder ja unterzeichnen sollen. Aber wie wollen die Autoren es rechtfertigen, dass der Hauptproblemfaktor Geburtenüberschuss gar nicht angesprochen wird?
  3. Und wer soll das bezahlen? Das imaginäre Ideal vom allgemeinen Nutzen der Migration herzubeten, bezahlt nun mal nicht die realen Kosten. Auch diese Frage ist völlig ausgeklammert.

Wie gesagt transportiert der Pakt ein starkes Bias in Richtung "Recht auf Migration". Darüber hinaus schimmert unausgesprochenermaßen eine "Notwendigkeit der Migration" durch. Vordergründig geht die Logik so: Weil Leute einwandern, sind wir ein Einwanderungsland. Und weil wir ein Einwanderungsland sind, sollen Leute einwandern.

Zuzeiten wurde diese Argumentation medial bis dahin ausgewalzt, dass Immigration unvermeidbar wäre und Grenzen nicht geschlossen werden könnten (vor allem bevor Ungarn und die Türkei dichtmachten). Der Pakt atmet diese Agenda, genauso wie die weitergehende Agenda der Umsiedlung, der replacement migration (siehe auch wb-Link Umsiedlung). Ohne es klar zu sagen, ist dies Motiv in die Ausführungen eingewoben. Sonst könnte die Migration nicht so wohlwollend als Selbstverständlichkeit betrachtet werden.

Die Vorstellung, übervölkerte Zielländer wie Deutschland könnten gar keine replacement migration wollen (oder wenigstens deren Bevölkerung), steht nicht zur Diskussion (1. oben). Die Tatsache, dass die Hauptprobleme Übervölkerung & Staatsversagen der Herkunftsländer damit nicht gelöst werden, auch nicht (2. oben). Ebensowenig die Tatsache, dass das sehr viel Geld kostet, ohne eine nennenswerte Verbesserung zu bringen, selbst wenn 5 Millionen von den jährlich 50 Millionen Bevölkerungszuwachs allein von Afrika emigrieren (3. oben).

Diffuse Antworten

Kritische Menschen sehen, dass im Pakt mehrfach das Gegenteil drin steht von dem, was sonst noch drinsteht:

  • Unverbindlich vs. Verpflichtungen.
  • Immigration erleichtert vs. Rückführungen auch erleichtert,
  • es soll positiv berichtet werden vs. entsprechend der Faktenlage.
  • Migration erleichtert & unterstützt vs. es kommen nicht mehr Migranten,
  • mehr Rechte für Migranten vs. die Staaten entscheiden selber über die Maßnahmen.

Wenn die einen die vielen Wohltaten für Migranten als Pullfaktor sehen, können die anderen ihnen sagen, was wollt ihr denn, da steht doch Rückführung drin.

Wenn die anderen sagen, der Pakt stoppt die irreguläre Migration, können die einen dagegenhalten, wie kommt ihr darauf, es steht doch ganz klar drin, wir müssen alle unterstützen.

Wiederum können die einen sagen, der Pakt wird viel mehr Zuwanderung bringen, und die anderen können paktkonform sagen, nur weil sie gezwungen sind, ihr Herkunftsland zu verlassen (21. h, den Zwang, das Heimatland aufzubauen, kennt der Pakt nicht).

Letztlich kann sich jeder aussuchen, was den Vertrag für ihn ausmacht, und eine Menge konträre Positionen lassen sich damit belegen. Trotzdem ist das nicht Placebopolitik, sondern Salamitaktik: Der Pakt ist ein weiterer Schritt zur grenzenlosen Migration und zum Augenschließen gegenüber den wichtigsten Problemen. Kein Pieps zu Geburtenkontrolle in den Herkunftsländern und nicht mal in den Zielländern.

Interessant dazu die Kritik am Abkommen mit der Türkei, "das der EU einen Teil der Flüchtlinge vom Leibe hält" (4.). Genau dies Abkommen wollen die Linken mit Verweis auf den Pakt abgeschafft sehen (1.). Das ist eine alte linke Forderung, für die nun der Pakt instrumentalisiert wird. Wer braucht noch mehr Belege für die Wirkung des Paktes?

 

(Die unterschiedlichen Papiere in 2. können Verwirrung anrichten, der Autor hat auch erst spät gemerkt, dass es verschiedene Versionen gibt.)

Medien-Links:

Links zu Artikeln von wissenbloggt:




® Die Zukunft gehört dem Analphabetismus


Pictogram-learning1.svgDiese Meinung vertritt ein großartiger Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von Markus Günther. Nur noch Analphabeten, schreibt er am 25.5.14 (1.), und das soll keine Frage sein, sondern eine Feststellung. (Bild: anatom5 GmbH, Wikimedia Commons).

Früher galt es als Behinderung, wenn jemand nicht lesen und schreiben konnte, jetzt wird das zum Standard. SMS und Internet täuschen über die Entwicklung hinweg, indem sie einen vorübergehenden Boom des Schriftlichen hervorbrachten. Der FAZ-Autor bemängelt, wie wenig das diskutiert wird. Kann der Mensch der Zukunft überhaupt noch lesen? Oder wird nicht bloß das Papier überflüssig, sondern das Geschriebene überhaupt? Seine Prognose ist, die Welt wird bald nur noch wenige Menschen brauchen, die lesen und schreiben können.

Die Argumente für den Analphabetismus sind so gewichtig, dass sie den allfälligen Widerspruch überwiegen. Ja, die Kulturtechniken werden noch in der Schule gelehrt, aber die digitalen Umwälzungen steuern in eine audiovisuelle Welt hinein. Demnach war die fast vollständige Alphabetisierung der Welt ein kurzlebiges Phänomen, schreibt der Autor. Umwälzungen gab es schon immer, z.B. als das Auto die Pferde verdrängte.

Derzeit ist man von Schriften geradezu umzingelt, es wurde noch nie so viel geschrieben wie heute. Die Schriftkultur ist essentiell für Leben, Arbeit, Schule. Doch die Erosion läuft, und der Autor hat beeindruckende Beispiele dafür gesammelt. Wer seine Schrift nicht eintippen will, kann sie in den Computer oder das Smartphone reinsprechen. Diktate werden schon ganz passabel aufgenommen, und die Entwicklung geht weiter. Lesen muss man die Niederschrift auch nicht mehr, man kann sie sich auf Tastendruck vorlesen lassen.

Noch hapert es hier und da, und der Geübte tippt schneller, als er erfolgreich diktiert. Aber wenn die Schüler das Diktieren lernen, kehrt sich das garantiert um. Und es betrifft Privatleben genauso wie Beruf und Ausbildung. Beispiel gefällig? Überall werden geschriebene Gebrauchsanleitungen durch Videos ersetzt, mit großem Erfolg. Das Video ist eingängiger, effizienter, plastischer. Das zieht die audiovisuelle Kommunikjation in anderen Branchen nach sich. Piktogramme, Blink- und Piepssignale greifen um sich (und die FAZ hat eine schöne Sammlung angefügt). In der Medizin sind Lehrfilme erfolgreicher als Seminare; anderswo auch, und diese Erfolge werden die Schriftkultur auch anderswo zurückdrängen, so die FAZ.

Noch ein Beispiel? Google ist die Nummer 1 unter den Suchmaschinen (2.), und wer ist die Nummer 2? Das ist Youtube, wo man sein Begehren schon reinsprechen kann und mit ausdiovisuellen Antworten belohnt wird (1.). Das Spektrum ist riesig, medizinische Fragen, Kochrezepte, Reparatur- und Arbeitsanweisungen, Vergleichstests, Mode, Archäologie, Erste Hilfe, Anleitung zum Musikmachen, die Liste der Beispiele ist lang.

Und der Autor Markus Günther macht den Erfolg nicht einmal nur an der Technologie fest, sondern an der Wechselwirkung von neuen Möglichkeiten, alten Triebkräften, Effizienzsteigerungen und Wettbewerbsdruck, das alles mischt mit. Das ist eine kapitalistische Grundeigenschaft wie die Produktivitätssteigerung, die immanente Systemlogik bekämpft Wachstums- und Handelshemmnisse – und dazu kann die Schriftsprache werden. Die Liste der Hemmnisse laut FAZ:

  • Unterschiede in politischen und Rechtssystemen,
  • Währuings- und Sprachunterschiede,
  • Unter- und Überqualifizierung der Arbeiter und Konsumenten (weil es im Politikteil steht und nicht im Kulturteil, können die kulturellen Unterschiede vernachlässigt werden).

Der Kapitalismus hat an gebildeten Menschen kein Interesse, denn er bemisst die Qualifikationen funktional und nicht kulturell. Deshalb werde die elitäre Fähigkeit der Schriftsprache nur noch für Eliten gebraucht, und die Allgemeinheit kann getrost darauf verzichten.

Die Abschaffung der Handschrift kommt ja schon gut voran, das bringt einen Produktivitätsschub. Und der audiovisuelle Markt ist Gold wert, weil er die Interaktion beschleunigt. Die Analphabetisierung beschleunigt sich auch, die USA machen es vor. Dort ist die Allgemeinheit viel weniger geschult, die macht keine mehrjährige Lehre mit Berufsschule, sondern da reicht eine kurze Einweisung, und es wird losgearbeitet. Die Zukunft sieht dann so aus, dass einer mangelhaft ausgebildeten Masse eine hochgebildete Elite gegenübersteht. (Wenn wb das einwerfen darf, finanziell steht einer immer ärmeren Masse bereits eine superreiche Elite gegenüber, wenn die ihren Reichtum auch nicht durch Fähigkeit verdient, sondern durch Abzocke).

Der FAZ-Artikel hebt noch auf die kurze Geschichte der allgemeinen Alphabetisierung ab. Erst seit den letzten 150 Jahren ist die Schriftsprache bei der Masse der Menschen angekommen. Und jetzt geht sie wieder, wie auch andere Propheten voraussagen. Wir werden wieder zu einer "oralen" Gesellschaft, die Schrift war ja nur so erfolgreich, weil sich ansonsten kein Wort speichern ließ. Nochmal anders gesagt, "die Welt ist in Programmierer und Programmierte zerfallen." Da mischt sich der Niveauverlust mit der Analphabetisierung, auf dies Thema wird weiter eingegangen, bis zu:

"Der Kanon aus Lesen, Schreiben, Rechnen ist nicht für alle Zeit in Stein gemeißelt."

Wenn weder Wirtschaft noch Schule dauerhaft auf den Alphabetismus angewiesen sind, wie steht es dann mit dem Eigeninteresse? Ein gutes Buch, niveauvolle literarische Unterhaltung, seriöser Journalismus? Hört sich schön an, so der Artikel, erodiert aber schon weg. Man schreibt keine Briefe mehr, man liest keine Bücher mehr, es fehlt die Ruhe, die Geduld, die Übung. Auch das Lesen im Internet sei mehr ein Gerücht, heißt es, denn es liest nur noch eine kleine Minderheit. Die anderen gucken sich die Schlagzeilen und die Kurzinfos an.

Die Hitliste im Netz sieht so aus: Suchen, Pornographie, Unterhaltung, Shopping und Service-Infos. Die Zeitungshäuser haben die meisten Klicks auf Bildergalerien und Kurzvideos, sogar die seriösen Nachrichtenportale. Wenn rationalisiert wird, kommen mehr Videos ins Programm rein. Texte sind nur noch Vertiefung für eine Minderheit. Unterhaltung steht ganz im Vordergrund, Werbung in allen Spielarten und grafisch aufbereitete Kurzinfos. Die Nachrichten werden zum Konsumartikel mit beliebigem Inhalt.

Dass die Menschen an der Lesekultur hängen und das geschriebene Wort brauchen und um die Lesefähigkeit kämpfen, ist laut Markus Günther vorerst nicht erkennbar. Es regieren die manipulativen Kräfte der Märkte und Monopole – soweit der FAZ-Artikel.

Tendentiell setzen die Manipulatuere aber das um, was gewollt ist und ankommt. Wenn die Masse es nicht anders will, geht die Schriftkultur eben großteils verloren.

… und warum auch nicht, meint wb, sie ist ja eigentlich kein Selbstzweck. Wenn man Fahrpläne nicht mehr lesen muss, weil einen das Smartphone leitet, und wenn das Auto beim Stoppschild automatisch stoppt, darf der Mensch buchstabenblind werden.

P.S. Die Roboter werden natürlich alle lesen können. Dabei werden sie es gar nicht müssen, weil sie eine bessere und effizientere Schnittstelle kriegen dürften, eine elektronische. Dann ist der Mensch ganz abgehängt.

Und was macht der Mensch dann? Abhängen.

 

(Dieser Artikel wurde zuerst am 25.5.14 publiziert. Am 2.12.18 wurde er leicht überarbeitet und durch Links ergänzt wie 3., wo der FAS-Artikel auch diskutiert wird, sowie durch wb-Links zum Thema.)

Medien-Links:

  1. Nur noch Analphabeten (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 25.5.14, mit Zahlsperre): Die Welt von morgen braucht keine Menschen mehr, die lesen oder schreiben können. Das Ende der Schriftkultur hat längst begonnen.
  2. Suchmaschinenverteilung in Deutschland (seo-united.de 11/17):
    Google 95%
    Bing 4%
    Yahoo 1%
  3. Zur Diskussion: „Nur noch Analphabeten“ (Pirandils Blog 28.5.14): In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vom 25. Mai 2014 vertritt der Autor Markus Günther eine steile These: Er prophezeit eine Zukunft voller Analphabeten. Ich möchte seine Gedanken hier gerne zur Diskussion stellen.
  4. Analphabetismus in Deutschland : Buchstäblich abgehängt (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 7.4.): Für Betroffene ist das Leben ein täglicher Spießrutenlauf und der Alltag oft mit Scham besetzt: Warum kommt die Bekämpfung des funktionalen Analphabetismus nicht voran?
  5. Analphabetismus : Die unsichtbaren Flüchtlingsfrauen (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 26.9.17): Viele Flüchtlingsfrauen können nicht lesen und schreiben, sie meiden die Öffentlichkeit. Aber lernen wollen sie gern.

Links von wissenbloggt zu solchen Themen:

 




Gilets Jaunes, Yellow Jackets, Gelbe Westen - Warnwestenpflicht in Europa


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Das gab es wahrscheinlich noch nie, dass der (autofahrenden) Bevölkerung ein genormtes Kleidungsstück aufgezwungen wird, das nun zum Protestsymbol mutiert. Bei wiki liest man über Warnwestenpflicht in Europa, womit natürlich keine Pflicht zum Protest gemeint ist (Bild: Conmongt, pixabay). Wiki weiter: Eine Warnweste ist eine Weste in meist gelber oder oranger Tagesleuchtfarbe mit retroreflektierenden Streifen, die zur besseren Sichtbarkeit von Personen dient. … Seit Juni 2013 ist die neue
EN ISO 20471 gültig …

Die Warnweste ist mithin ein EU-Produkt. Erstaunlich, dass die EU nicht von Missbrauch spricht, wo das gelbe Accessoire nun für ganz andere Warnungen eingesetzt wird als vorgesehen. Für die EU wär's doch kein Problem, eine entsprechende Verfügung in die Wege zu leiten (z.B. eine neue Warnwestentrageverordnung 2018/87/EG), mit der das missbräuchliche Tragen von EN ISO 20471 sanktioniert wird?

Die Missbrauchsvorwürfe kommen aber von anderer Seite. Schon in Frankreich wurde ohne viel Erfolg von der "braunen Pest" geredet ("peste brune") und die Verantwortung der Rechten Le Pen und dem Rassemblement National zugeschrieben. In Deutschland gibt es diese Anwürfe:

  • Wie braun sind die Gelben Westen?
  • Rechtsradikale ziehen gelbe Westen über. Verschiedene Gruppen versuchen französische Proteste nach Deutschland zu bringen und zu instrumentalisieren.
  • Rechte Gruppen missbrauchen "Gelbe Westen"-Bewegung für ihre Zwecke.

Außerdem gab es in Deutschland keine Benzinpreiserhöhungen. Weshalb also formt sich jetzt der Protest wie in Frankreich und auch in Belgien? Ist Gelb wirklich das neue Braun (1.)? Dem halten die Cicero-Leserkommentatoren verschiedene Argumente entgegen.

Wieso wird der Agenda nach immer alles von rechts instrumentalisiert? Erst die Opfer von Gewalttaten und nun die gelben Westen. Von Links wird doch ebenso vorgegangen, gegen Rechts, gegen Kohle, gegen Atomenergie usw. Es wird gestört, blockiert, randaliert und eingeschüchtert. Ob links oder rechts, die Leute artikulieren eben ihre Interessen.

Und da geht es nicht bloß um Energieverteuerung und Mobilitätseinschränkung, sondern auch um Migration und Wohnungsmangel. Immer klarer wird erkennbar, wieviel sozialer Protest gegen die Folgen grüner Politik dahintersteckt. Das sind weniger politische Ambitionen, die da geäußert werden, schreibt ein Forist. Die Leute wollen keine Geldnöte mehr zum Monatsende haben, sie wollen von ihrer Arbeit anständig leben können, sie wollen wieder einen öffentlichen Dienst, der ordentlich funktioniert, sie wollen ein Gesundheitswesen, das erschwinglich ist.

Der Protest wendet sich gegen die "Eliten", welche die zunehmende Armut und Ungleichheit in "die Wirtschaftsglobalisierung und den Hyperkapitalismus eingepreist" haben, und die "indifferent gegenüber dem exponierten Bevölkerungsanteil" sind. Das macht die Menschen wütend.

Die nzz redet denn auch von Wutbürgern (2.), und damit dürfte sie die Sache besser treffen. In Frankreich stimmen 94% der Bevölkerung den Gelben Westen zu (3.), und das lässt keinen Raum für die "Braun"-Behauptung – es sei denn, man wollte 94% der Bevölkerung in die braune Ecke schieben.

In Deutschland haben die Gelben Westen ja auch braun-unverdächige Fürsprecher wie Sahra Wagenknecht (4.). Es wird wohl so sein, wie ein kluger Cicero-Forist schreibt: Die Gelben Westen stehen nicht für rechts gegen links, sondern für unten gegen oben. Die Konfliktlinie hat sich um 90 Grad gedreht. Die Grundidee ist, dass die Geplünderten gegen "die da oben" stehen, in Frankreich also gegen den Präsi Macron. Sie wollen denen zeigen "wo der Frosch die Locken hat", wie ein eloquenter Forist textete.

Man muss wohl zustimmen, dass die "Braun"-Anwürfe gerade in Frankreich eine Beleidigung der ganzen Nation sind. Denn, wie ein anderer Forist richtig erkannte, wer sich eine rotgüne Brille aufsetzt, kriegt als Mischfarbe braun.

Bei den aktuellen Protesten sollte also gelten: Warnwestenpflicht in Europa.

 

Medien-Links:

  1.  
  1. Wie Rechte die Gelbe-Westen-Aktion vereinnahmen – Gelb ist das neue Braun (Cicero 30.11., 23 Kommentare): Diese Weste ist jetzt offenbar auch hierzulande der letzte Schrei. Das Must-have für Menschen, die Wut im Bauch haben. Wut, weil die Benzinpreise steigen und ihr Diesel bald nichts mehr Wert ist.
  2. Es sind die Wutbürger, die sich nun gegen Macron erheben (Neue Züricher Zeitung 18.11.): Beim Protest der französischen Wutbürger handelt es sich um ein neuartiges Phänomen. Die Mobilisation – von der Polizei offenkundig unterschätzt – erfolgte weitgehend spontan über Internet und Smartphone, in lokalen Gruppen ohne zentrale Steuerung. … Keine Partei, keine Gewerkschaft, kein Verband steht im Hintergrund, es gibt auch keine sichtbare Führung.
  3. «Gilets jaunes»: les Français appuient de plus en plus massivement le mouvement (Le Figaro 28.11.): Selon notre enquête Odoxa-Dentsu Consulting, 84 % des Français trouvent désormais la contestation justifiée.
  4. Sahra WagenknechtFraktionschefin der Linken lobt "Gelbe Westen" als Vorbild für Proteste hierzulande (Focus Online 29.11.): Die Vorsitzende der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht, begrüßt die französische Protestbewegung "Gelbe Westen" und sieht sie als Vorbild auch für Deutschland. "Ich finde es richtig, wenn Menschen sich wehren und protestieren, wenn die Politik ihr Leben verschlechtert – die Benzinpreiserhöhungen sind gerade für Pendler existenziell".

Links von wissenbloggt:

 




® Son und dóttir


iceland-2111810_1280In Island ist vieles ein bisschen anders. Die isländischen Personennamen bestehen nach wiki meistens nicht aus den Vornamen und einem Familiennamen wie in anderen westlichen Ländern. Wie bei allen nordgermanischen Personennamen wird der Name der Kinder aus den Vornamen plus einem Vatersnamen (manchmal auch einem Mutternamen) zusammengesetzt. Er spiegelt nicht die historische Abstammung von einer Familie wieder, sondern den Vornamen des Vaters (bzw. der Mutter, Bild: 12019, pixabay).

Als Beispiel für dieses traditionelle Namensgebungssystem führt der wiki-Artikel Isländische Personennamen den isländischen Entdecker Leif Eriksson an: Leif war Sohn Eriks des Roten. Hätte Erik der Rote eine Tochter Sigriður bekommen, wäre ihr Nachname Eriksdóttir gewesen. Auf isländisch steht son für Sohn und dóttir für Tochter, und die Form der Namensgebung mit son und dottir wird dort bis heute fortgeführt.

Norwegen und Schweden hatten dies System auch, sind aber zum Familiennamensystem übergegangen. Für färöische Personennamen (auf den dänischen Färöer-Inseln) wurde das Vatersnamensystem ab 1992 wieder als Alternative zum Familiennamensystem erlaubt, im übrigen Dänemark ab 2006.

Typische isländische Namensgebung

Diese Beispiele sind dem wiki-Artikel entnommen: Wenn Jón Stefánsson einen Sohn namens Fjalar hat, ist Fjalars Nachname nicht Stefánsson, sondern Jónsson (=Jóns Sohn). Bei Töchtern funktioniert die Namensgebung genauso. Jón Stefánssons Tochter Katrín bekäme den Nachnamen Jónsdóttir (=Jóns Tochter).

Diese Logik wird nicht überall benutzt. Der Nachname kann auch aus dem Mittelnamen von Vater oder Mutter gebildet werden, z.B. wenn die Eltern diesen Namen bevorzugte oder ihn für passender erachten. Hjálmar Arnar Vilhjálmssons Sohn Jón könnte demnach Jón Hjálmarsson oder auch Jón Arnarsson heißen.

Das System ist recht restriktiv und kann deshalb machmal Namensgleichheiten hervorbringen. Wenn das innerhalb eines Bekanntenkreises eintritt, hilft der Name des Großvaters väterlicherseits. Zwei Jón Þórssons können so unterschieden werden: Jón Þórsson Bjarnarsonar (=Jón, Þórs Sohn, Bjarnis Sohn) gegenüber Jón Þórsson Hallssonar (=Jón, Þórs Sohn, Hallurs Sohn). Dieses Verfahren wird allerdings nicht oft erforderlich, weil Mittelnamen so verbreitet sind, dass es meistens nicht erforderlich ist. In den Isländersagas findet sich diese Abstammungskennzeichnung allerdings wieder.

Alternative matronymische Namensgebung

Matronymisch steht für Erbschaft des Namens von der Mutter oder der Großmutter. Der wiki-Link zeigt, dass es das nicht nur in Island gibt – dort werden die Nachnamen zwar meistens aus dem Namen des Vaters abgeleitet, aber in Ausnahmefällen kann es auch der Name der Mutter sein. Folgende Gründe nennt wiki: Wenn sie nicht mehr mit dem Vater in Verbindung gebracht werden wollen, wenn Frauen die Namensgebung als politisches Symbol verwenden, oder auch aus Stilgründen.

Das Verfahre der Namensbildung wird dann bloß von Mann nach Frau übersetzt. Fjalar, Bryndís’ Sohn, heißt dann Fjalar Bryndísarson (=Bryndís’ Sohn). Es gibt bekannte Isländer mit matronymischen Namen, z.B. den Fußballer Heiðar Helguson (=Helgas Sohn Heiðar) und Guðrún Eva Mínervudóttir (=Minervas Tochter Guðrún Eva). Wiki spendiert auch ein mittelalterliches Beispiel: den Dichter Eilífr Goðrúnarson (=Goðrúnars Sohn Eilífr). Es gibt sogar die Mischung von matronymischem und patronymischem Namen, z.B. Dagur Bergþóruson Eggertsson, der ehemalige Bürgermeister von Reykjavík (=Bergþóras Sohn, Eggerts Sohn Dagur, Bergþóra ist die Mutter, Eggert der Vater).

Familiennamen & Vornamen

In Island gibt es nur wenige Familiennamen. Sie werden zumeist von Eltern ausländischer Herkunft vererbt (oder angenommen), z.B. Geir Haarde, der frühere Premierminister, der Fußballer Eiður Smári Guðjohnsen, die Schauspielerin Kristbjörg Kjeld oder der Filmregisseur Baltasar Kormákur Samper.

Bis 1925 durfte man auch einen Familiennamen nach Wahl annehmen, z.B. kam der Literaturnobelpreisgewinner Halldór Laxness auf diese Art zu seinem Nachnamen. Seit 1925 erlaubt das isländische Namensgesetz das nur noch, wenn der Familienname ererbt wird.

In Island darf man die Kinder nicht einfach Pumuckl nennen. Bis dato ungebräuchliche Namen müssen durch das isländische Benennungskomitee genehmigt werden. Dabei zählt als wichtigstes Anerkennungskriterium die Integrierbarkeit in die isländische Sprache. Zudem muss der Name in Buchstaben des isländischen Alphabets geschrieben sein, und er muss deklinierbar sein.

Auswirkungen im Alltag

Personenverzeichnisse wie z.B. Telefonbücher werden in Island nach dem ersten Buchstaben des Vornamens sortiert (wenn der Nachname mit dem Vornamen des Vaters anfängt, macht das Sinn, wb). Oft wird noch der Beruf angegeben, um Doppeldeutigkeiten zu vermeiden. Island hat nicht so eine große Bevölkerung, dass  dies Verfahren Probleme schaffen würde. In Russland ist das anders. Dort benutzt man Patronyme als Zwischennamen (wie z.B. Iwan Petrowitsch), aber die Familiennamen helfen, Verwirrung zu vermeiden.

Die formale isländische Anrede ist der Vorname. Der frühere Premierminister Halldór Ásgrímsson würde von seinem Landsleuten nicht mit Herr Ásgrímsson angesprochen werden, sondern mit Halldór oder mit Halldór Ásgrímsson. Der Nachname ist in Island weniger Teil des Namens als eine kurze Beschreibung der jüngsten Familiengeschichte.

Wenn nun der Fall der Vornamensgleichheit eintritt, behilft man sich innerhalb eines Bekanntenkreises so: Einen Jón Stefánsson und einen Jón Þorláksson würde man mit Jón Stefáns anreden, respektive mit Jón Þorláks. Das Anhängsel "son" kann weggelassen werden, damit fungiert der Name des Vaters als eine Art Spitzname.

Noch ein Beispiel: Die isländische Sängerin und Schauspielerin Björk wird formell als Björk angeredet. Björk ist also kein Künstlername wie Sting oder Bono. Björk ist einfach Björk Guðmundsdóttirs Vorname, und so würden sie alle Isländer ansprechen, egal ob formell oder informell. Auf Englisch könnte sie laut wiki formell als Miss Björk angesprochen werden (wb: ob wiki da wohl auf dem laufenden ist?)

Ganz ohne Probleme ist das System der geschlechtlichen Nachnamensgebung nicht. Wiki nennt als Beispiel die Eltern Jón Stefánsson und Bryndís Atladóttir. Deren Kinder können Fjalar Jónsson und Katrín Jónsdóttir heißen, oder auch mit matronymisch Fjalar Bryndísarson und Katrín Bryndísardóttir.

Beim Zoll tritt dann beispielsweise eine 4-köpfige Familie mit 4 Nachnamen an: Stefánsson, Atladóttir, Jónsson und Bryndísardóttir. Nicht jedem Zöllner erschließt sich das Verwandtschaftverhältnis …

 

(Dieser Artikel wurde zuerst am 29.3.12 von Argutus publiziert. Am 30.11.18 ersetzte Wilfried Müller das Bild durch ein gemeinfreies, und der Wiki-Text wurde durch eine freie Nacherzählung ersetzt. Hier nochmal der wiki-Link.)

Link zum Thema von wissenbloggt:

 




Spielen mit Primzahlen


abacus-1812836_1280Primzahlen und Pi sind der Mathematiker liebstes Kind. Es muss ungeheuer viel Spaß machen, sich damit zu beschäftigen, zumindest wenn man mathematisch infiziert ist. Für die beiden könnte man ein eigenes Pedia aufmachen, sozusagen ein Pripipedia.

Da könnten sich die Experten über diesbezügliche Rechenkünste austauschen (Bild: barescar90, pixabay).

Für Pi errechnete man 2006 erst 100.000 Nachkommastellen, 2014 waren es schon über 12 Billionen. Bei den Primzahlen ist es bald noch schlimmer. Alle Jahre wieder wird ein neuer Spitzenreiter gefunden, der noch größer, schneller, weiter ist (3. und wb-Link Primzahl. Stand Januar 2018 ist die Rekordprimzahl 277.232.917 -1, eine Zahl mit 23.249.425 Dezimalstellen).

Derzeit sind sogar die benachbarten Zahlen unter mathematischem Beschuss. Denen gilt ein kurioser Beweis, der nun in der Zeit publiziert wurde (1.). Die Behauptung lautet, alle Primzahlen p größer als 3 ergeben quadriert ein Ergebnis, das Modulo 24 immer Rest 1 ergibt: p2 mod 24 = 1. Beispiel für p=17: 172 mod 24 = 1 (289=12*24+1).

Der Beweis dafür wird in dem Zeit-Artikel nur halb geführt:

  • p-1 und p+1 müssen gerade sein, weil p immer ungerade ist (Primzahlen können nicht durch 2 teilbar sein),
  • p-1 oder p+1 müssen durch 3 teilbar sein, weil p es nicht sein kann (Primzahlen können nicht durch 3 teilbar sein),
  • entweder p-1 oder p+1 sind daher durch 2 und 3, und somit auch durch 2*3=6 teilbar,
  • p lässt sich also ausdrücken entweder als n*6+1 oder als n*6-1 mit n>0,
  • und solche Zahlen zum Quadrat sind immer mit Rest 1 durch 24 teilbar.

Warum das so ist, wird hier ergänzt:

(n*6+1)2 = n2*62 + 2*n*6 + 1 = n2*(24+12) + n*12 +1 = n2*24 + n2*12 + n*12 + 1

Man sieht, es ist durch 24 teilbar mit Rest 1, denn n2*24 ist durch 24 teilbar und ebenso (n2*12 + n*12) = 12*(n+1)*n. Entweder ist n+1 gerade oder n. In beiden Fällen steckt also der Faktor 2 drin, und 2*12 = 24. Entsprechendes gilt für (n*6-1)2. Dann wird nur der mittlere Term negativ und man kommt auf 12*(n-1)*n, was auch immer durch 24 teilbar ist.

In den Zeit-Leserkommentaren weist jemand darauf hin, dass es den Beweis für n-1 schon lange gibt (2.). Ein anderer kluger Mensch merkt an, dass die bewiesene Aussage auch für alle natürlichen Zahlen gilt, die weder durch 2 noch durch 3 teilbar sind. Das leuchtet unmittelbar ein.

Nicht gar so naheliegend ist die Aussage eines ausgepichten Mathematikers, die die Behauptung als cleveren Einsatz vom kleinen Satz von Fermat mit den chinesischen Restesatz sieht, bei dem Trick handele es sich nur um ein umständliches gruppentheoretisches Sieb von Eratosthenes. Das Ganze lasse sich auf beliebige Potenzen erweitern, so gelte auch für alle Primzahlen p:

  • p4 mod 240 = 1 mit p>5abacus-7935_1280
  • p12 mod 5040 = 1 mit p>7
  • p60 mod 3603600 = 1 mit p>13

Die Begeisterung der Fachleute hielt sich also in Grenzen ("netter Trick"). Für Laien ist es immerhin ein interessantes Problem zu stemmen. Ach ja, was mit dem schwergewichtigen Instrument auf dem Bild oben eigentlich gemeint ist, zeigt dies Bild (Hans, pixabay).

Das ist nicht ganz die aktuelle Rechenpower, aber es ist immerhin Handarbeit. Und Kopfarbeit, und das passt zum sogenannten Pi-Sport, bei dem kopflastige Menschen die Kommastellen der Kreiszahl Pi auswendig hersagen. Der Rekord liegt bei 70.000 Stellen in 10 std.

Dazu fällt einem nur noch ein Mathematikerwitz ein: Die sind zu 50% plemplem, zu 75% ballaballa und der Rest ist gaga. Das wären über 100%? Da sieht man mal, wie gaga die sind.

 

Medien-Links:

  1. Dieser Stand-up-Mathematiker bringt Ordnung in die Primzahlen (Zeit Online 27.11., 14 Kommentare): Auf den ersten Blick ist es verblüffend: Quadriert man eine Primzahl, dann ist das Ergebnis immer mit Rest 1 durch 24 teilbar. Einzige Voraussetzung: Die Zahl muss größer oder gleich 5 sein …
  2. Primzahlen, Teilbarkeit und die Zahl 24 (Werner Brefeld 2005). Hier geht es nur um die Zahl Prim2-1.
  3. Mathematik – Hobby-Mathematiker findet bislang größte Primzahl (Süddeutsche Zeitung 5.1.): Die neue entdeckte Primzahl ist mehr als 23 Millionen Ziffern lang. Sechs Tage lang benötigte ein Computer eines Hobby-Mathematikers, um sie zu finden.

Links von wissenbloggt:

 




"Zurückbleiben" oder nicht?


farewell-3258939_1280"Zurückbleiben!" – oder auch "bitte Zurückbleiben!" ist die Aufforderung bei der Münchner U- und S-Bahn, bevor sich die Türen schließen. Soll heißen, wer nicht den Einstieg in die Waggons geschafft hat, muss auf den nächsten Zug warten. So ähnlich ist es bei der Migration (Bild: geralt, pixabay).

Da gilt der Imperativ des Bitte-Zurückbleibens manchmal auch, aber das Gegenteil kann genausogut richtig sein. Die Migrationslogik geht in dieser Beziehung so:

  • Abgelehnte Asylbewerber sind im Prinzip ausreisepflichtig. Über 600.000 Menschen leben in Deutschland, deren Asylantrag rechtskräftig abgelehnt wurde, obwohl 2 von 3 abgelehnten Bewerbern vor Gericht gehen. Inzwischen sind 78% der Abgelehnten "legalisiert", d.h. sie sind nicht mehr ausreisepflichtig (1.).
  • Ausreisepflichtige Ausländer sind derzeit ca. 230.000 in Deutschland, und davon sind etwa 170.00 geduldet (2.). Die Geduldeten haben keinen legalen Aufenthaltstitel, sondern bloß eine Duldung des illegalen Aufenthalts durch den Staat. Die Ausreisepflichtigen sind aber nicht ausreisepflichtig, wenn sie Gründe angeben wie schwere Krankheit, Schwangerschaft, fehlende Papiere, der Heimatstaat will sie nicht zurück, Berufstätigkeit (1.) usw.
  • Ansonsten ergeht eine Abschiebungsanordnung, und die Ausreisepflichtigen werden abgeschoben. Das gelang im vorigen Jahr 24.000 Mal (3.). Oft misslingt es auch, wenn z.B. die Betreffenden nicht angetroffen werden (gut Integrierte, die zur Arbeit gehen, werden anscheinend leichter angetroffen als weniger Integrierte, die zum Abschiebetermin unauffindbar sind). Es misslingt auch, wenn es Flughafendemos gibt oder die Abzuschiebenden im Flugzeug Randale machen – oder durch Kirchenasyl.
  • Der Abschiebestop kann so erzwungen werden. In Holland entgeht eine armenische Familie der Abschiebung, weil sie seit einem Monat in einer Kirche ist, wo deshalb ununterbrochen Gottesdienste abgehalten werden (4.). Wenn ein Ausreisepflichtiger aus Sicht der (deutschen) Behörden vorläufig nicht abgeschoben werden kann, erhält er eine Duldung, die meist jedes halbe Jahr verlängert wird.

Unterm Strich stellt sich die Frage, ob nicht erstmal die Frage der Rückführung geklärt sein müsste, ehe weitere Flüchtlings-Immigranten ins Land gelassen werden. Es sieht aber eher so aus, dass die Politik den illegalen Aufenthalt und überhaupt alle Migration legalisieren will. Das kann man als Ziel aus dem UN-Migrationspakt herauslesen, der im Dezember unterzeichnet werden soll (wb-Links UN-Migrationspakt).

Einen putzigen Versuch, das Problem zu lösen, ist die Bamf-Aktion "Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!" (5.). Da können "förderfähige Rückkehrende innerhalb des Förderrahmens" maximal 12 Monate Sachleistungen in Form von Miete, Bau- und Renovierungsarbeiten oder Grundausstattung für Küche oder Bad unterstützt werden.

Im Prinzip könnte es eine gute Idee sein, die Menschen nicht mit Zwang abzuschieben, sondern im Guten, mit einer Abstandszahlung. Dann hätte sich die Migration für sie gelohnt – aber welches Signal sendet das an die anderen? Das Ganze nachmachen? Dann wäre der Nutzen für Deutschland perdu. Die Bamf-Kalkulation geht ja nur auf, wenn die Abzuschiebenden mit weniger Geld abgefunden werden, als hier an Kosten entstehen, und das klappt nicht, wenn zehnmal mehr nachkommen.

Die Vorstellung ist allerdings attraktiv, die Rückkehrer könnten quasi zu Botschaftern für Deutschland werden, und das für weniger Geld, als wenn sie hier als perspektivlose Underdogs mitgeschleift werden; nichtvorhandene Fachkräfte für nichtvorhandene Jobs. So könnte ein gedeihlicher Ausgang des Grenzöffnungs-Abenteuers erreicht werden.

Insgesamt muss man sich aber fragen, inwieweit die Migrationslogik von Ablehnung und Ausreisepflicht und Abschiebungsanordnung und Abschiebestop sinnvoll ist. Wozu nutzt eine Ablehnung, die letztlich gar keine ist? Der subsidiäre Schutz (für Abgelehnte) wurde 2014, kurz vor der großen Migrationswelle, von Deutschland eingeführt. Dann wurde sogar noch das Recht auf Familiennachzug für Abgelehnte eingeführt, was z.Z. aber auf 1000 Personen pro Monat gedrosselt ist.

Derlei inkonsistente Haltung (ablehnen und dann Familie nachholen usw.) ist eine deutsche Spezialität. In den anderen EU-Staaten haben Geduldete kein Klagerecht. In Deutschland wird damit gern Zeit geschunden, denn auch wenn die Klagen letztlich meist abgelehnt werden, verfestigt sich inzwischen der Aufenthaltsstatus: Durch Eheschließung, Kindergeburt oder -einschulung, durch Arbeitsverhältnisse (Schein-Arbeitsverträge tun's auch), durch Krankheiten usw. Das alles kann neue Rechtsansprüche auf den  Verbleib erzeugen. Viele Ausreisepflichtige wachsen aus der Ausreisepflicht heraus. Wenn ihre Rückführung längere Zeit nicht gelingt, bekommen sie doch noch einen legalen Aufenthaltstitel. Die Abschiebungshindernisse sorgen letztlich für selbsterzwungene Einwanderung.

Wenn das politisch nicht gewollt ist, warum gibt es dann nicht wenigstens bessere Zahlen? Warum werden Ausreisezahlen nicht differenziert nach legalen Ausreisenden, wenn das Visum abläuft, und denen, die ohne Visum einreisten? Soll es die Bürger beruhigen, wenn sie hohe Ausreisezahlen sehen? Oder niedrige Einreisezahlen, bei denen z.B. der Familiennachzug weggelassen wird? Die Bamf und Eurostat liefern immer wieder auf Täuschung gebürstete Zahlen (wb-Links Manipulation). Das ist wohl kaum die Lösung. Und das hier? (Bild: Bamf – man beachte die 7. Fahne, das ist die türkische.)Druck

Medien-Links:

  1. Zuwanderungsgesetz SPD setzt mehr Spurwechsel für abgelehnte Asylbewerber durch (Welt 2.10., 2000 Kommentare): Die Bundesregierung weitet die Möglichkeiten für Geduldete aus, durch Berufstätigkeit der Abschiebung zu entgehen. … So lebten zum Jahreswechsel laut Ausländerzentralregister rund 618.000 Menschen im Land, deren Asylantrag rechtskräftig abgelehnt wurde, meist schon vor Jahren. 78 Prozent von ihnen sind demnach schon „legalisiert“; sie sind nicht mehr ausreisepflichtig, sondern verfügen schon über eine Aufenthaltserlaubnis.
  2. Anzahl der ausreisepflichtigen Ausländer in Deutschland nach Bundesländern im Jahr 2017 (31. Dezember) (Statista): … von 228.859 ausreisepflichtigen Ausländern in Deutschland waren 166.068 geduldet.
  3. Ausreisepflichtige Migranten – Zahl der Abschiebungen 2017 deutlich gesunken (Welt 28.1., 180 Kommentare): 2017 wurden 23.966 Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückgebracht.
  4. Church holds 24/7 service for over a MONTH to stop refugee family’s deportation from Netherlands (Russia Today RT 28.11.): A Dutch church has literally become a sanctuary for an Armenian refugee family as pastors take turns holding services to keep immigration officials from legally entering the building. Services have lasted over a month so far.
  5. Aktion "Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!" (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 14.9.): Mit der Neuauflage der Aktion "Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!" bietet das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat freiwilligen Rückkehrerinnen und Rückkehrern im Rahmen des Bundesprogramms StarthilfePlus erneut eine zusätzliche Reintegrationsunterstützung im Bereich Wohnen an.
    Die Aktion läuft vom 15.09.2018 bis 31.12.2018 und richtet sich an Menschen, die sich vor, während oder nach ihrem Asylverfahren befinden.
    Personen, die in ihr Herkunftsland zurückkehren und StarthilfePlus erhalten, können vom 15.09.2018 bis 31.12.2018 zusätzlich angemessene und notwendige Sachleistungen im Bereich Wohnen beantragen. So können förderfähige Rückkehrende innerhalb des Förderrahmens der Aktion "Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!" maximal zwölf Monate durch Sachleistungen in Form von Miete, Bau- und Renovierungsarbeiten oder die Grundausstattung für Küche oder Bad unterstützt werden.
  6. Germany Doubles Payout To Migrants Who Agree To Leave The Country (Zero Hedge 29.11.): Germany initially offered €1,200 ($1,360) to refugees who wouldn't fight deportation. But under the new initiative, that sum has been increased to  €3,000 ($3,400). That's more than double the original payout. … some migrants might calculate that it would be worth it to travel to Germany solely with the intention of dropping their asylum proceedings and taking the money.

Links zu Artikeln von wissenbloggt:




Was wissen sie über uns?


library-1666701_1280Sie – das sind die Big-Data-Firmen. Viele Menschen wüssten gern, welche Daten die anhäufen, und was damit gemacht wird. Dazu hat wissenbloggt schon Artikel veröffentlicht (wb-Links Facebook).

Neu ist jetzt eine Tabelle, die aus den Nutzerbedingungen erstellt wurde, in der nach einzelnen Sparten aufgelistet ist, auf was die Provider zugreifen. Da kommen eine Menge Daten zusammen (Bild: geralt, pixabay, Ausschnitt von wb).

Die neuen Giganten, das sind Alphabet (Google), Facebook (FB), Apple, Twitter, Amazon und Microsoft (MS). Twitter gehört nicht unbedingt zur Geld-Top-Liga (wb-Links Giganten), aber bei der Daten-Top-Liga ist es dabei.

Die Daten der Tabelle wurden vom Security Baron zusammengestellt (1.), wo sie in enem bunten Schaublid dargestellt sind. Von dort übernahm sie der Visual Capitalist (2.). Von da kopierte sie wiederum Zero Hedge (3.), und schließlich landeten sie hier bei wissenbloggt – damit ist der Transparenz Genüge getan.

Nicht ganz so transparent ist das, was mit den Daten von Big Data angestellt wird, aber das ist ein anderes Thema. In der Tabelle sind die Häkchen manchmal durch Symbole ersetzt, die auf Teilbereiche der Firmen hinweisen, z.B. G+ bei Google. Die Indizes 123… sind unter der Tabelle erklärt. Immerhin kommen 42 Kategorien von Daten zusammen, und die Firmen sind im Schnitt bei der Hälfte der Daten vertreten. Erstaunlicherweise ist Microsoft mit 32 von 42 Treffen Spitzenreiter vor Facebook und Google, und mit 11 hat Twitter am wenigsten Treffer.

  Google FB   Apple Twitter Amazon MS 
Name
Geschlecht
Geburtstag
Tel.-Nr.
Email
Wohnort Zeitzone
Pers.stand
Arbeit G+
Einkommen
Ausbildung 1
Ethnie
Religion
Adresse
Gesichtserk.
Polit. Ansicht
Kreditkarte 2
Ausweis-Nr.
IP-Adresse 3
Mails M
Kontakte M 4
Anrufe 5
Kalenderdaten 31 6
Suchverlauf
Videos [ ►] 7 [ ►]
Besuchte Sites
Browser-Info
Video-Upload [ ►]
Foto-Upload 8
Status Posts G+
Likes
Dokumente 9
Kauf-Verlauf a
Spiele b
Bücher B
Musik
Fitness-Daten c
Werbe-Klicks Λ
Verstecktes d
Benutz. Devices a
Umgebungsinfo
Voice Data
Gaming Data e
Treffersumme 25 28 14 11 18 32
  Google FB Apple Twitter Amazon MS

1: "Wir zeigen Ihnen keine Werbung, die auf Rasse, Religion, Gender oder Gesundheit beruht."
2: Wenn man bei Facebook gekauft hat
3: Nur beim Anlegen vom Account
4: Incl. Follower, Freundesnachfragen, Freunde, gelöschte Freunde usw. usf.
5: nur Metadaten von Textmessages
6:  beides, wo man sich anhängt, und wo man eingeladen wird
7: Incl. live broadcasts
8: Incl. Foto-Metatdaten
9: Incl. der Dokumente in der Cloud
a: Nur Apple-Produkte und -Wartung
b:  Nur Metainformation über Spielverlauf im Spielcenter
c: Gesundheitsdaten aus HealthVault wie Herzfrequenz und Schritte/Tag
d: Was man vor dem Newsfeed versteckt hat
e: Incl. Tracking-Daten und gedrückte Tasten

 

Medien-Links:

  1. The Data Big Tech Companies Have On You (Or, At Least, What They Admit To) (Security Baron 30.9.): Have you ever asked yourself, “What does Google know about me?” The answer is uncomfortable. What Google knows about you includes everything from your clicks on ads to your birthday to the device you’re using right now and the Wi-Fi network it’s connected to. But Google pales in comparison to some of the other big companies that sell your data or collect it out there.
  2. Here’s What the Big Tech Companies Know About You (Visual Capitalist 19.11.): Today’s infographic comes to us from Security Baron, and it compares and contrasts the data that big tech companies admit to collecting in their privacy policies.
  3. Visualizing What The Big Tech Companies Know About You (Zero Hedge 25.11.):
    Facebook knows your political views, religious views, and even your ethnicity
    ○ Xbox users will have their skeletal tracking data collected through the Kinect device
    ○ Facebook also knows your income level, which it finds out through partnerships with personal data brokers
    ○ Platforms collect your documents, email, and message data – though some of this is just metadata
    ○ Facebook and Microsoft store facial recognition data, based on the pictures you upload

Links von wissenbloggt:




Politik pennt, Abzocker danken


villain-2103500_1280Das Cum-Ex-Unwesen wird mal wieder medial aufgearbeitet, diesmal anhand von "Phantom-Aktien". Im Grunde ist das nur eine Optimierung der Betrugsmethoden, und sie ist schon jahrelang Usus. Es gibt keinen besonderen Anlass, das Geschehen aufzuwärmen, außer dass die Politik nix dagegen tut – dann tun die Medien eben etwas mehr (Bild: 3959267, pixaby & wb).

Wie das medial um sich griff, ist an den chronologischen Links unten zu sehen (1.15.). Sie decken die letzten 1½ Jahre ab, wobei das Geschehen schon 1999 seinen Ursprung nahm. Die Angaben zum Schaden stiegen von 5+ Mrd. auf 50+ Mrd., und der Wirkungskreis breitete sich von Deutschland auf die EU und sogar in die USA aus. Der deutsche Anteil wurde zuletzt mit 32 Mrd. beziffert, als nächstes kam Frankreich mit 17 Mrd. (11.). In Deutschland sind das 385€ pro Einwohner.

Gegenüber der Bankenkrise sind 50+ Mrd. nur ein Bruchteil der Kosten, und bei den Immigrationskosten deckt der Betrag nur gut 1 Jahr ab. Die in den Steueroasen verschwindenden Gelder liegen nochmal um 1-2 Größenordnungen darüber (ca. 1 Billon pro Jahr). Die Bezeichnung "Coup des Jahrhunderts" (8.) ist also ein bissel überzogen.

Ganz normale Abzocke des Staates also?

Das wäre denn doch untertrieben, denn es geht hier nicht ums Ausnutzen von Gesetzeslücken wie bei den Steueroasen, sondern schlicht um Betrug. Die Kapitalertragssteuer mehrfach anzurechnen, ist illegal. Das ist jedenfalls das Fazit vom Abschlussbericht des Cum-Ex-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags (2.). Der wurde schon letztes Jahr (2017) veröffentlicht: Eine Gesetzeslücke hat insoweit nicht bestanden (als die Kapitalertragsteuer nicht rechtmäßig mehrfach anrechenbar ist). 

Und es kann die Sache wohl kaum legaler machen, wenn es die mehrfach abgerechneten Papiere gar nicht gibt ("Phantomaktien", 13.,15)? Steuerrückerstattungen auf Dividenden für Aktien einfordern, die man nie besessen hat – wer weiß, ob es dafür nicht doch eine passende Gesetzeslücke gibt?

Fest steht jedenfalls, dass die Cum-Ex-Masche schon jahrelang bekannt ist, und dass man die Abzocker trotzdem einfach machen ließ. So ein großes Vollzugsdefizit gibt es z.B. in den USA nicht. Dort wird schon länger ermittelt (15). Und in Deutschland? Da "reagiert die Politik" (15). Sie reagiert aber ganz, ganz träge.

Schließlich haben die Medien (voran Zeit, Zeit Online und das ARD-Magazin Panorama) schon vor über einem Jahr darüber berichtet, wie Banker, Berater und Anwälte den deutschen Staat über Jahrzehnte hinweg plünderten. Und wie der es sich gefallen ließ. Und wie die Bundesfinanzminister Eichel, Steinbrück und Schäuble bescheid wussten und trotzdem nichts taten (nur der NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans ging gegen solche Machenschaften vor, aber Walter-Borjans ist nicht mehr im Amt, weil seine Partei, die SPD, abgewählt wurde).

Erst eine hartnäckige Sachbearbeiterin aus dem Bundeszentralamt für Steuern weigerte sich schließlich, das Geld auszuzahlen (8.), obwohl das Bundeszentralamt als größte Engstelle bei der Verfolgung der Steuerkriminalität gilt. Das Amt hat zuwenig Personal; eigentlich würde ein Finanz-FBI gebraucht, und natürlich ein Unternehmensstrafrecht (siehe wb-Link Wirtschaftsstrafrecht). Alternativ gibt es auch die Aussage, Correctiv hätte alles aufgedeckt (10.,11.).

Das Verständnis für die verpennte Politik ist gering, zumindest bei den Leserkommentaren der Zeit (8.). Die Diskrepanz zwischen den "wahnsinnigen Ausmaßen" bei Cum-Ex und den bis vor kurzem nichtvorhandenen Aktivitäten dagegen spricht dem sonstigen Aktionismus hohn: Akribisch und nachdrücklich ruft das Finanzamt Kontodaten ab, es sperrt Konten bei geringen Anlässen, es verfolgt fehlende Rückzahlungen sofort – während es sich beim Milliarden-Steuerbetrug jahrelang Zeit lässt. Wer falsch parkt, wird unerbittlich verfolgt, bis 10€ Strafe mit Zins und Zinseszins beigetrieben sind, Schwarzfahrer werden von den Gerichtsvollziehern hemmungslos gepfändet.

Und die deutsche Politik ruht sich auf Placebo-Maßnahmen aus. Aus ihrer Sicht ist das Cum-Ex-Problem mit einer Gesetzesänderung von 2012 gelöst – man änderte das System zur Abführung der Kapitalertragsteuer und träumte davon, dass Cum-Ex nicht mehr funktioniert. Und worin bestand die "revolutionäre Systemänderung" (ein Forist bei der Zeit, 8.)? Eine Steuerbescheinigung dürfen nur noch diejenigen Banken  ausstellen, welche die Steuern einbehalten und abgeführt haben – und dafür hat der Gesetzgeber 12 Jahre gebraucht und das Problem immer noch nicht gelöst.

Bei dem Cum-Ex-Spitzenprodukt Phantomaktien ist auch wieder die Deutsche Bank dabei; in den USA sind zwei von ihren Töchtern (DBTCA und DBSI) schon drangekriegt worden: Im Juli 2018 stimmten sie einem Vergleich über 75 Millionen US-$ zu. In Deutschland ist der Finanzminister anscheinend noch nicht mit dem Nasebohren fertig, oder warum dauert es hier Jahre länger, um überhaupt solche bescheidenen Anfänge zu erreichen?

Unsere Behörden zahlen Kindergeld an erfundene Kinder und Erstattung für erfundene Verluste. Aber wenn die Täter einen Betrugsakt nach dem anderen begehen können, ohne dass sie jemals dafür bestraft werden – dann wären sie ja dumm, wenn sie nicht weitermachen würden (Leserkommentare zu 15).

In den Foren wird auch die Forderung laut, die Verantwortlichen in Haftung zu nehmen. Im Finanzminsterium mit all den Präsidenten, Vizepräsidenten, Ministerialdirektoren ebenso wie an der Spitze, den Finanzministern.

Vielleicht müsste das Volk auch für eine Qualifizierungspflicht der Politiker auf die Straße gehen und Nachhilfe bei Finanzgeschäften und Bankenaktivitäten erzwingen. Dann wären sie den EInflüsterern der Lobbys nicht mehr ausgeliefert und bräuchten keine Lobby-Anwälte mehr, um die Gesetze zu texten. Aber wenn überall Heerscharen von spezialisierten Anwälten mitwirken, wie wiederum Heerscharen von weiteren Anwälten als Lobbyisten auf den Gesetzgebungsprozess ansetzen, dann stehen am Ende die Gerichte vor einer undurchschaubaren und widersprüchlichen Rechtslage. Und nach der urteilen sie "verkehrsüblich" – eben nach dem, was die Anwaltskohorten zusammenstrickten. Wie blöd das ist, was dabei rauskommt, danach wird nicht mehr gefragt (siehe auch wb-Links Arbeit & Politik).

 

Medien-Links:

  1. Cum-Ex-Geschäfte – Der Staat muss sich konsequenter gegen Steuersünder wehren (Süddeutsche Zeitung 20.4.17): Warum nicht Insider anheuern, um die Schlupflöcher aufzuspüren? Es braucht endlich Steuer-Spezialeinheiten – anders lassen sich die dubiosen Deals kaum stoppen.
  2. Abschlussbericht des Cum-Ex-Untersuchungsausschusses (Deutscher Bundestag 20.6.17):  Der Ausschuss sieht seine Auffassung, dass Cum/Ex-Geschäfte mit Leerverkäufen rechtswidrig sind, nach dem Ergebnis der Sachverständigenanhörung vom 14. April 2016, der Auswertung des Sachverständigengutachtens von Prof. Dr. Christoph Spengel vom 28. Juli 2016, sowie durch die Zeugenvernehmung bestätigt. Das deutsche Steuerrecht bot in den Jahren 1999 bis 2012 zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit, eine einmal einbehaltene Kapitalertragsteuer in rechtmäßiger Weise mehrfach anrechnen beziehungsweise erstatten zu lassen. Eine Gesetzeslücke hat insoweit nicht bestanden. (Grundstruktur der Cum/Ex-Gestaltungen auf S. 321).
    Die dargelegte Auffassung, welche den Leerkäufer bereits mit Abschluss des Kaufvertrages als wirtschaftlichen Eigentümer der Wertpapiere ansehen will, aber gleich zeitig auch dem ursprünglichen Aktieninhaber diese Eigenschaft noch zuspricht, führt im Ergebnis zu einer Verdoppelung des wirtschaftlichen Eigentums. Da ein Leerverkäufer darüber hinaus auch mit mehreren Personen gleichzeitig Kaufverträge über die noch nicht in seinem Besitz befindlichen Aktien abschließen könnte, ist nach dieser Ansicht auch eine beliebige Vervielfältigung des wirtschaftlichen Eigentums möglich. Ein solches mehrfaches Eigentum ist aber weder mit den Grundsätzen des deutschen Rechts, noch mit dem Regelungsverständnis des wirtschaftlichen Eigentums, noch mit dem Wortlaut des § 39 AO vereinbar.
  3. Cum-Cum-Geschäfte – Bafin sorgt sich um Stabilität vieler Banken (Süddeutsche Zeitung 18.7.17, in der gedruckten Version: Cum-cum-Kummer): Viele Banken, die einst sogenannte "Cum-Cum-Geschäfte" getätigt haben, müssen sich auf eine Rückzahlung der Kapitalertragsteuer einstellen. Die Finanzaufsicht Bafin macht sich deshalb Sorgen um die Stabilität der Banken.
  4. Kollektivversagen: Cum/Cum, Cum/Ex und Hopp! (Oekonomenstimme 27.7.17): Jahrelang wurde in Deutschland mittels sogenannter Cum/Ex-Geschäften mit Leerverkäufen illegal viel Geld verdient. Diese Lücke wurde geschlossen, aber weiterhin möglich sind Cum/Cum-Geschäfte, die ebenfalls fragwürdig sind, wie dieser Beitrag zeigt.
  5. Gestohlene Milliarden (junge Welt 27.12.17): Cum-ex-Geschäfte. Schleppende Aufklärung trotz Untersuchung im Bundestag. Mutmaßlicher Lobbyist im Finanzministerium.
  6. Cum-Ex-Skandal – Banken und Börsenhändler sollen Staat um 5,3 Milliarden Euro betrogen haben (Süddeutsche Zeitung 10.1.): Erstmals liegt im größten deutschen Steuerskandal eine konkrete Zahl vor. Die Staatsanwaltschaft droht den Beschuldigten mit Haftstrafen.
  7. Employees At Dozens Of German Banks Snagged In Tax-Evasion Probe (Zero Hedge 29.6.): Both the buyer and seller could then claim certain tax credits. Before German tax authorities revised the rules, large banks regularly advised their German clients about the practice.
  8. Cum-Ex: Der Coup des Jahrhunderts (Zeit Online 18.10., 750 Kommentare): Ganz Europa wurde von Steuerräubern geplündert. Auch weil Deutschland die Partnerländer erst viel zu spät warnte, entstand ein Schaden von mindestens 55 Milliarden Euro.
  9. Banken und Superreiche plündern Steuerzahler aus … und zwar mit der Cum-Ex-Masche (atheisten-info.at 23.10.): 2016  befasste  sich  ein Untersuchungsausschuss des Bundestags mit sogenannten Cum-Ex-Geschäften. Der Schaden bislang: mindestens 55 Milliarden Euro. Nun  wurde bekannt: Der Betrug geht unvermindert  weiter – mit Hilfe ausländischer Banken.
  10. Es grünt so grün – Finanz-Betrug und Wahl-Betrug (Rationalgalerie 22.10.): Die Medien-Welt erzitterte kurz und belanglos: Mal wieder hatten die Banken in die Taschen der Steuerzahler gegriffen. Diesmal waren es 55,2 Milliarden Euro, die über die betrügerischen "Cum-Ex-Files" den Besitzer gewechselt hatten: Aus der Staatskasse in die Bank-Tresore. An der vordersten Aufdeckungs-Front hatte das Recherchezentrum CORRECTIV diese scheinbare Sensation enthüllt. … Dass es aus gerechnet die „Brost-Stiftung“, ein Etikettenverein des WAZ-Konzerns ist, der den Laden finanziert, ist kaum bekannt. Zu Lesen ist auf der CORRECTIV-Website, wer der Feind ist …
  11. CumEx Files – Häufige Fragen zu den CumEx-Files (CORRECTIV 23.10.):
    Deutschland: mindestens 31,8 Milliarden Euro
    Frankreich: mindestens 17 Milliarden
    Italien: mindestens 4,5 Milliarden
    Dänemark: mindestens 1,7 Milliarden
    Belgien: 201 Millionen
  12. Cum-Ex (Süddeutsche Zeitung Liste 25.11.): Über Jahre hinweg haben Kriminelle den deutschen Fiskus um Milliarden Euro erleichtert, mit einer höchst einfallsreichen Masche: Beim Handel von Aktien mit (Cum) und ohne (Ex) Dividende ließen sie sich eine nur einmal gezahlte Kapitalertragsteuer gleich mehrmals erstatten.
  13. Dubiose Finanzdeals – Wie Cum-Ex, nur krasser: Steuerdiebstahl mit "Phantom-Aktien" (Süddeutsche Zeitung 21.11.): Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen mehrere Mitarbeiter einer Bank in Deutschland wegen des Verdachts auf Steuervergehen. Es geht um eine neue Masche, die noch perfider als Cum-Ex ist: Ausgenutzt wurde der Handel mit "Phantom-Aktien". Das Bundesfinanzministerium versucht jetzt, die Notbremse zu ziehen.
  14. Deutsche-Bank-Links
  15. Phantomaktien: Schaden durch neuen Steuertrick noch nicht zu beziffern (Zeit Online 23.11., 270 Kommentare): Mit Phantomaktien sollen Banker und Aktienhändler Millionen an Steuergeld erschlichen haben. Das Finanzministerium muss das Ausmaß noch ermitteln. Die Politik reagiert.

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Der beste Psychotherapeut ... Frank Sacco


44719350_130655061242885_4207821353002205184_nFrank Sacco, Doktor der Medizin, hat einen krassen Ausdruck geprägt: Die Kombination des Zerstörens einer Kinderseele mit dem Schwanz und mit der Höllenangst bezeichnet er als den "doppelten Fick".

Wo niemand in so einem Fall helfen wollte, sprang Sacco ein, was ihm ein besonderes Lob einbrachte. Sein Bericht aus persönlicher Betroffenheit:

Der beste Psychotherapeut

… in Deutschland – und der soll ich sein. Nun, was wahr ist, das ist wahr. Wir leben in einer hochchristlichen Gesellschaft. Wenn das Kind zuhause etwas von seinen wöchentlichen Vergewaltigungen sage, komme es in die Hölle, so ein evangelischer Pastor zu einem Mädchen. Bischöfin Käßmann entschuldigte sich bei ihr. Den „doppelten Fick“ habe ich sie genannt, diese Kombination des  Zerstörens einer Kinderseele mit dem Schwanz und mit der Höllenangst. Weil ihre Therapie bei drei Psychiatrien abgelehnt wurde, schickte sie unser Pastor zu mir. Er kannte meine Qualitäten.

Nietzsche war schon auf dem nahezu richtigen Weg in seiner Einschätzung des unmoralischen Christentums: "Krank machen ist die eigentliche Hinterabsicht… der Kirche…  Der Priester herrscht durch die Erfindung der Sünde… Das Christentum war das bisher größte Unglück der Menschheit." Doch diese seine wichtigste Lehre verlief im Sande. Die Dogmen Sünde (Beispiel: jede Abtreibung ist Mord), Auferstehung (erst sie macht Folter im Jenseits möglich), Apokalypse (dieser angeblich geplante Terroranschlag machte die Kinder Würzburgs krank) und Hölle (dort wird nach Bischof N. Schneider mit Feuer gefoltert) werden  auch atheistisch erzogenen Kleinkindern heute flächendeckend  in den Kitas in Hypnose (Suggestion) und vor dem Eintreten eines kritischen Bewusstseins als lebenslang wirksame Brandmale ins unschuldige Gehirn geschissen. Sie müssen sich, so klein sie auch sind,  als Sünder bekennen und die Herrlichkeit des Christengottes im zu betenden  Vaterunser bescheinigen. Und das  eingedenk dessen, dass diese Gestalt mit der Sintflut der Lehrmeister Hitlers in Sachen Holocaust war und ein neues Auschwitz namens Hölle  für diejenigen  plant, die ihn nicht anhimmeln. Sola fide.

Unsere nach Meinung Freuds feige Psychiatrie duckt sich beim Thema Religion weg. Das „transzendentale Denken fehle“ angeblich. Und darum überweise man von Kirchen produzierte Neurotiker und Psychotiker zur „Therapie“ zum Dogma verpflichteten Verursacher dieser Schäden, zum Geistlichen. Und das solle auch so bleiben. Da ist es einfach, der beste Analytiker und folgerichtig  der beste Psychotherapeut zu sein, wenn man die Verbrechen der Kirchen durchschaut und es den Patienten verdeutlicht, dass sie als wehrlose Kinder einer verbrecherischen Organisation, ja einer terroristischen Vereinigung aufgesessen sind. Deren Leitung droht, da es Auferstehung nach der Staatsanwaltschaft Freiburg nicht gibt, in eigener Täterschaft mit ewiger Folter. Es ist nota bene eine Folter, deren Stattfinden jede christliche Geistlichkeit nach Joh. 20 durch Vergebung mit Leichtigkeit verhindern könnte. Doch sie denkt nicht daran. Die Hölle ist doch die bisher beste Geschäftsidee, so zu lesen in  idea spektrum, und sie soll es bleiben.  Und dass das Christentum ein Geschäft mit der Höllenangst ist, gibt Bischof N. Schneider in einem schwachen Moment selbst zu. Es ist das mieseste Geschäft dieser Erde.

Es bekämpfen mich (mit oft unfairen Mitteln) meine Kollegen aus der sprechenden Medizin, denen ich ihren größten Kunstfehler, ihr Schweigen, aufzeige und vorwerfe. Es bekämpfen mich Gläubige, die glauben zu glauben, ein Gott liebe und beschütze sie, und sie müssten ihn deshalb – selbst eingedenk seiner grauenhaften Moral – zurücklieben. Mich bekämpfen Agnostiker und unechte Atheisten, denen ich den Spaß an ihren regelmäßigen Kirchgängen verderbe. Es bekämpfen mich Erkrankte, die es als Zumutung empfinden, wenn ich ihnen eine Angst vor der Hölle zuschreibe, wo sie sich doch als modern einstufen.

Es verstehen mich Patienten, die diese Angst schon bei sich entdeckten oder sie durch meine Arbeiten erst bemerkten. Und es gibt auch so einige Denker, die in der wirklichen Nachfolge Nietzsches stehen. Der große Denker war mutiger als ich, da er seine Religionskritik vor der Einführung der Psychoanalyse vorzubringen wagte. Und er hatte keinen Frank Sacco an seiner Seite. Der hätte ihm seine  vermeintliche Sünde, ein Gottesmörder zu sein, in kurzer Zeit  in einer EAT ausgeredet.

 

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

Weitere Artikel von Frank Sacco, speziell Der doppelte Fick




Rezension zu Rovelli Die Wirklichkeit, die nicht so ist, wie sie scheint II


9783644052512Wieder geht es um Universum, Raumzeit, Quanten – dies ist der zweite Teil der Rovelli-Rezension. "Carlo Rovelli rockt die Physikwelt", lautet ein netter Kommentar dazu. Bisher waren die Grundlagen dran, jetzt kommt der Teil, wo Rovelli den Kern seiner Quantentheologie – pardon, Quantentheorie vorstellt. Weitere Aufklärung über Zeit und Raum und Wirklichkeit, wie die Physik sie heute sieht.

Die Rede ist von QED, Quantenelektrodynamik und QCD, Quantenchromodynamik. Beide erweisen sich nach Rovelli als Spezialfälle der allgemeinen Quantengravitation, bzw. seiner Auslegung davon als Schleifenquantengravitation LQG (loop quantum gravity).

Dritter Teil II

Auf das abgebildete Kleidungsstück ist Rovelli besonders stolz, deshalb wird es hier wiedergegeben. Verständnis der Formeln wird nicht erwartet, es geht nur um die schlichte Erhabenheit der drei Formeln:

tshirtrovelli(Bild: Rovelli, Abbildung 7 – Die Gleichungen der Schleifen-Quantengravitation, zusammengefasst auf einem T-Shirt)

In Worten beschreibt Rovelli den Raum als ein Spin-Netzwerk, in dem die Knoten die elementaren Körnchen des Raums darstellen und die Links ihre Beziehung zur Umgebung. Die Spin-Netzwerke verwandeln sich in jeweils andere, und aus diesen Prozessen geht die Raumzeit hervor. Die Prozesse werden von Summen über die Spinschäume ausgedrückt, wobei ein Spinschaum einen ideellen Pfad eines Spin-Netzwerks darstellt. Das Ganze ist ein mikroskopisches Wimmeln von Quanten in unvorstellbar kleiner Dimension, das Raum und Zeit erschafft.

Wir nehmen es in der Makrowelt als Ruhezustand wahr, während jeder Kubikzentimeter Raum und jede vergehende Sekunde das Ergebnis des wabernden Schaums sind. Damit ist die Beschreibung der Welt-Bestandteile bei der untersten Zeile in Rovellis Darstellung angelangt (siehe erster Artikel, zweiter Teil, durch Strich abgetrennt).

Die Welt besteht aus Teilchen, die Quanten von Quantenfeldern sind, und die Zeit entsteht aus den Prozessen dieses Feldes – die Welt besteht vollständig aus Quantenfeldern. Teilchen, Energie, Raum und Zeit sind nur Manifestationen eines einzigen Typs von Sein: den kovarianten Quantenfeldern.

Rovelli findet diese Vorstellung selber nicht ganz einfach, weil der Mensch von Natur aus ein ganz anderes Verständnis von Raum und Zeit hat. Aber die Beschreibung der Natur wird immer feiner, und nach Rovelli auch "einfacher".

Vierter Teil

Der vierte Teil befasst sich mit Konsequenzen aus diesem Weltverständnis – mit Dingen jenseits von Raum und Zeit. Zum einen ist die Rede von der Zeit "vor dem Urknall", sprich, wie die Urknalltheorie zustandekam. Wieder war Einstein beteiligt, und der Papst Pius XII vereinnahmte die Urknalltheorie als Bestätigung der biblischen Schöpfungsgeschichte. Aber wenn das der Schöpfungsakt sein sollte, wie wäre dann ein evtl. früheres Universum unterzubringen?  "Es werde wieder Licht?" Die katholische Kirche rückte von der Vereinnahmung wieder ab.

Der Urknall wurde zunächst von Spöttern so benannt, die sich über "diese Absonderlichkeit" lustig machten. Er ist aber längst wissenschaftlich etabliert. Die Schleifenquantengravitation verspricht noch mehr Aufschluss darüber. Dazu bringt Rovelli Spekulationen über andere Universen, aber er sieht die entsprechenden Theorien noch in der Erkundungsphase.

Die Theorie der Quantengravitation steckt noch in den Kinderschuhen, empirische Beweise sind noch nicht zu haben. Dasselbe gilt ja auch für die Stringtheorien. Rovelli sieht den Impetus darauf, nicht mehr von neuen Feldern und exotischen Teilchen zu träumen, von zusätzlichen Dimensionen, weiteren Symmetrien und Paralleluniversen. Mit den vorhandenen Theorien sei die Grundlage da: Allgemeine Relativitätstheorie, Quantenmechanik und Standardmodell – und das ist auch die Grundlage der Schleifenquantengravitation (LQG, genauer: Vereinbarkeit mit dem Standardmodell).

Rovelli sieht die Hintergrundstrahlung als Fenster in die LQG. In diesen "feinen Kräuselungen" des Weltraums seien die Spuren zu suchen, die zu einer Bestätigung der LQG-Schlussfolgerungen über das Wesen von Zeit und Raum führen können.

Der anschließende Abschnitt über Schwarze Löcher ergeht sich in ein wenig Spekulation, was die LQG dazu zu sagen hätte. Einmal natürlich, dass die Singularitäten verschwinden, die in der Allgemeinen Relativitätstheorie beim Übergang zu infinitesimalen Größen entstehen. Dem wirkt die LQG durch ihre Körnung entgegen; es gibt nichts unendlich Kleines mehr. Eine Konsequenz der LQG könnte sein, dass die Schwarzen Löcher letztlich instabil sein könnten. Sehr alte Schwarze Löcher könnten explodieren, und der Nachweis davon wäre ein phantastisches Signal eines quantengravitativen Phänomens.

Die LQG räumt also mit den unendlichen Werten auf und hilft damit der Allgemeinen Relativitätstheorie. Umgekehrt verschwinden bei Berücksichtigung der Gravitation in der Quantenfeldtheorie deren Divergenzen. So löst die LQG den Widerspruch zwischen Relativitätstheorie und Quantenmechanik auf. Beide Theorien lösen gegenseitig ihre Probleme.

Zur Veranschaulichung werden die grundlegenden Beschränkungen zusammengestellt:

  1. Die Spezielle Relativitätstheorie lässt sich in die Entdeckung fassen, dass es eine Maximalgeschwindigkeit c (Lichtgeschwindigkeit) gibt.
  2. Die Quantenmechanik lässt sich durch die Entdeckung beschreiben, dass es in jedem System eine maximale Information (=Wirkung, mit dem Wirkungsquantum ) gibt.
  3. Die Quantengravitation läuft darauf hinaus, dass es eine miniale Länge P gibt.

Im letzten Abschnitt geht Rovelli auf die Information ein. Der mathematische Aufbau der Quantenmechanik eignet sich gut dazu, in Begriffen der Informationstheorie ausgedrückt zu werden. Der Informationsbegriff ist für das Verständnis der Quantenrealität grundlegend, daher der Slogan "it from bit", was zu übersetzen ist mit "alles ist Information". In der Quantengravitaion werden Prozesse beschrieben, wobei ein Prozess eine Region in der Raumzeit ist. Dazu werden immer Wahrscheinlichkeiten berechnet.

Die Realität ist eingebunden in ein Beziehungsgeflecht von wechselseitigen Informationen, aus denen die Welt gewoben ist. Im Grunde ist immer nur davon die Rede. Die Welt besteht nicht aus Gegenständen, wie wir sie sehen. Sie ist ein kontinuierlicher und stets sich verändender Strom. Eine Welle im Meer hat keinen definierten Anfang und kein definiertes Ende. So ist es auch mit einem Berg.

Die Frage nach Anfang und Ende ist sinnlos, weil Welle und Berg keine Objekte an sich sind, sondern bloß unsere Weise, die Welt zu untergliedern. Mit solchen Begriffen bringen wir die uns verfügbare Information in eine Form – und das gilt für jedes Objekt und jedes lebende Wesen. Der Begriff eines physikalischen Systems wird damit zu einer Idealisierung. Deshalb spielt der Begriff der Information beim Versuch, die Welt zu verstehen, so eine große Rolle.

Nur sind wir uns solcher Ergebnisse aus der LQG längst nicht sicher. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind nicht endgültig, sondern die besten derzeit verfügbaren. Rovelli spricht von Vertrauenswürdigkeiten statt Gewissheiten, und man möge nicht auf die Verkünder von letztgültigen Antworten hereinfallen. Die Welt ist voll von selbsternannten Hütern der Wahrheit und sonstigen Märchenerzählern.

Was dem Leben wirklich Sinn gibt, ist aber der Blick nach vorne, das Weitergehen, das Ergründen des geheimnssvollen Universuns. Das stellt Rovelli als das Schönste dar, und sein schönster Traum ist, dass einer seiner Leser auf diesen Entdeckungskurs geht, um die Mysterien der Welt zu erhellen und Neues zu entdecken.

(Zusammengefasst vom wissenbloggt-Allzweck-Rezensenten Wilfried Müller)

 

Carlo Rovelli, Die Wirklichkeit, die nicht so ist, wie sie scheint, Eine Reise in die Welt der Quantengravitation, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2016, ISBN 9783498058067, Gebunden, 320 Seiten, 22,95 EUR

Erster Teil: Rezension zu Rovelli Die Wirklichkeit, die nicht so ist, wie sie scheint I

Weitere Links von wissenbloggt zum Thema:

 




Dunkel ist der Rede Sinn


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Die Alltagssprache nutzt viele Redensarten, und oft weiß der Sprecher gar nicht, was das ursprünglich bedeutet. Macht nix, aber es ist trotzdem interessant, mal ein wenig in den Ursprüngen herumzustöbern. Da kommt die eine oder andere Petitesse ans Licht (Bild: romanosky, pixabay).

Oft ist die Entstehungsgeschichte unklar, und manchmal liegt sie auf der Hand (wie bei der Bedeutung von auf der Hand liegen, die auf der Hand liegt).

In anderen Fällen ist es nicht so klar. Wo kommt der rote Faden her? Ist es der Ariadne-Faden, der Theseus aus dem Labyrinth des Minotauros heraushalf? (1.) Oder hat Goethe recht, der den  Ursprung bei der königlich britischen Flotte sah, wo in sämtliche Tauwerke ein roter Faden eingesponnen war, damit man sehen konnte, dass es der Krone gehört (2.).

Ersteres wird von wiki vertreten, letzteres ist einem Artikel der nzz entnommen. Dort breitet der Linguistikprofessor Angelo Garovi eine Auswahl von Redewendungen aus – viele haben mit Fäden oder letztlich mit Spinnen oder Weben zu tun. Z.B. keinen guten Faden an ihm lassen heißt nur Schlechtes von ihm reden. Bei den Webern prüfte der Lehrmeister das Meisterstück der Gesellen nach Strich und Faden –  und wenn es schlecht war, ließ er keinen guten Faden an dem Stoff.

Die mythologische Vorstellung vom Lebensfaden, den die Parzen (Schicksalsgöttinnen) für jeden Menschen spannen und bei seinem Tod durchschneiden, stammt dagegen aus der Antike.

Einige Redensarten befassen sich mit dem Himmel, z.B. es schreit zum Himmel, wie man bei einer schrecklichen Tat sagt. Ansonsten steht der Himmel eher für Glückseligkeit. In frühen jüdischen Texten kommt der siebte Himmel vor, laut Talmud der oberste Himmel, der Ort des Rechts und der Gerechtigkeit. In der Vorstellung der Renaissance ist der Himmel voll mit geigenspielenden Engeln, daher der Spruch der Himmel hängt voller Geigen.

Nicht jedem war der Weg in den Himmel der Liebe vergönnt, wenn er nämlich einen Korb bekam. Mittelalterliche Miniaturen bilden ab, wie die Burgfräuleins ihre Liebsten in einem Korb zum Fenster hinaufzogen, und wenn die Liebe erkaltete, sorgten sie dafür, dass der Boden des Korbs durchbrach – der Liebste fiel dann durch – Später war der kosige Brauch nicht mehr so mühsam; sie schickten dem Verschmähten dann einen Korb ins Haus.

Auch mit Krediten gab's schon in alten Zeiten Kummer. Verwendet wurde ein gespaltener Stab ("Tessel" oder "Beilen"). In beide Teile wurden zugleich (symmetrische) Kerben gehauen. Das Kerbholz war eine frühe Form der Kontoführung mit Blaupase oder Kopie. Säumige Zahler hatten viele Kerben auf dem Stab – sie hatten Schulden. Später galt das auch in übertragenen Sinn. Wer sich etwas zuschulden kommen ließ, hatte etwas auf dem Kerbholz.

Eine kleine Auswahl deutet an, was es noch alles gibt, von 08/15 bis Zeter und Mordio. Interessant sind die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede z.B. deutsch-englisch. Grün steht in beiden Sprachen für unerfahren, die Deutschen sind grün hinter den Ohren, und die Engländer haben grüne Hörner (greenhorn). Aber wenn die Deuschen sagen, das kommt mir spanisch vor , dann sagen die Engländer it sounds Greek to me.

Auswahl Redewendungen aus wiki, ergänzt von wb: (1.)

  • 08/15 ("Null-acht-fuffzehn" nach dem Standard-MG im 1. Weltkrieg)
  • Am Arsch der Welt (abgelegen)
  • Einen Fehler ausmerzen (im März wurden nicht zur Zucht brauchbare Schafe aussortiert)
  • Backfisch (unreifes Mädchen, von zu kleinen Fischen, die man zurückwarf)
  • nur Bahnhof verstehen (vom 1. Weltkrieg, Bahnhof = nach Hause)
  • Cherchez la femme (suchen Sie die Frau, die dahinter steckt)
  • Auf Draht sein (aus der Telegraphensprache)
  • Aus dem Effeff (etwas perfekt können, ff wie finissimo)
  • Den Faden verlieren (nicht mehr weiter wissen, auch nach dem Ariadne-Faden, mit dem Theseus aus dem Labytrinth fand)
  • Flitterwochen (nach mittelhochdeutsch vlittern = turteln)
  • Gretchenfrage (nach Goethes Faust, Gretchen fragt Heinrich: „Wie hast du’s mit der Religion?“)
  • Auf dem Holzweg sein (auf Holzwegen werden die gefällten Bäume abgeschleppt, sie enden plötzlich mitten im Wald)
  • In flagranti (lateinisch "in flagranti crimine" = "in flammendem Verbrechen")
  • Jacke wie Hose (macht keinen Unterschied, beides aus demselben Stoff)
  • Eher geht ein Kamel durch das Nadelöhr (Übersetzungsfehler, das Nadelöhr war eine Nachtpforte)
  • Die Katze aus dem Sack lassen (Geheimnis lüften, es beweist, dass kein Hase drin ist)
  • Einen Korb bekommen (eine Bitte nicht erfüllt bekommen, der Legende nach wurden Troubadeure von ihren Liebschaften im Korb hochgezogen, kam der Korb ohne Boden, war es aus)
  • Durch die Lappen gehen (entwischen, bei der Treibjagd wurden bunte Lappen gespannt)
  • Lunte riechen (Verdacht schöpfen, man konnte die brennende Lunte = Zündschnur riechen)
  • Muckefuck (Ersatz- oder Blümchenkaffee nach "Mocca faux" = falscher Kaffee)
  • Den Nagel auf den Kopf treffen (Schützensprache, Nagel = Scheibenmitte)
  • Ach du grüne Neune! (unangenehme Überraschung, von Pik Neun beim Kartenlegen, was Schlechtes verheißt)
  • Grün hinter den Ohren (grün = unerfahren, z.B. auch engl. greenhorn)
  • Oberwasser haben (Oberhand gewinnen, Müllersprache, Oberwasser fließt aufs Mühlrad)
  • Wie die Ölgötzen (dumm herumstehen, nach Götterstatuen)
  • Pantoffelheld, unter dem Pantoffel stehen (er hat nichts zu sagen, Hausschuhe oder Holzpantinen als Sinnbild wieblicher Bekleidung)
  • Pi mal Daumen (ungefähr, (Pi) kann nicht abgezählt werden)
  • Quadratur des Kreises (unlösbare Aufgabe)
  • In die Röhre schauen (das Nachsehen haben, Röhre = Fernglas)
  • Gib ihm Saures! (lass ihn leiden, süß und sauer stand für gut und schlecht)
  • Einen Schnitzer machen (einen Fehler begehen, vom Schnitzen, wo ein falscher Schnitt zerstörend wirkt)
  • Das kommt mir spanisch vor (seltsam, nach Karl dem V., der spanische Sitten nach Deutschland brachte, engl. sounds Greek to me)
  • Süßholz raspeln (plump schmeicheln, Süßholz ist zuckerhaltiges Gewächs)
  • Aufs Tapet bringen (etwas ansprechen, von frz. tapis = Tischdecke)
  • Kommt nicht in die Tüte (Händlersprache für Ablehnen von Waren)
  • Unter ferner liefen (hinten im Feld, von Pferdewetten, wo nur die ersten 3 zählen)
  • Auf Vordermann bringen (verbessern, Militärsprache, ausrichten wenn die Reihe schief war)
  • Würmer aus der Nase ziehen (Geheimnisse entlocken, Quacksalber zogen Hirnwürmer aus der Nase)
  • Ein X für ein U vormachen (Betrugsversuch, lat. V = U war manipulierbar zu X)
  • Zeter und Mordio schreien (Krach schlagen, germanische Anklage mit "Zêter" = zieht her und Klagegrund "mordio" = Mord)

Medien-Links:

  1. Liste deutscher Redewendungen (wiki) aus dieser Liste wurde die Sammlung oben referiert.
  2. Einen Korb bekommen: Unser Alltag ist voll von Redensarten, deren Sinn den wenigsten bewusst ist (Neue Züricher Zeitung 21.11.): Fast täglich brauchen wir – bewusst oder unbewusst, oft sogar floskelhaft – Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten, deren Sinn und Bedeutung man erahnt, aber nicht immer genau kennt.

Links von wissenbloggt zum Thema Sprache:

 




DUH da duh da day


tank-2729903_1280Es hat ganz den Anschein, als ob DUH vielfach besungen würde. Eine Auswahl von Songtext-Schnipseln legt das nahe (1.). Es geht hier aber ganz unlyrisch um die Deutsche Umwelthilfe DUH, und die diesbezüglichen Lieder sind Klagelieder. Was das mit dem Panzer zu tun hat? Nun, man wird sehen. Erstmal DUH, dann Panzer (Bild: Momentmal, pixabay).

Die DUH wurde 1975 gegründet (2.), hat 347 Mitglieder und etwa 80 Mitarbeiter (3.). Auf Betreiben der Grünen unter der letzten rot-grünen Bundesregierung wurde der Verein 2004 in die Liste qualifizierter Einrichtungen nach Unterlassungsklagegesetz eingetragen. Das befugt ihn, Verstöße gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und andere Verbraucherschutzgesetze "mit geeigneten Maßnahmen" zu verfolgen.

Das dürfte die Wende gewesen sein, die aus dem Umweltschutzverein mehr machte, einen "von Abmahnungen lebenden Interessenverein" (4.). Die DUH finanziert sich zu 38 % aus Projektzuschüssen (Hälfte aus öffentlichen Quellen, Hälfte von privaten Stiftungen). 30 % des Etats stammen aus dem "Verbraucherschutz", d.h. Abmahnungen (1.265 in 2015), und 17% aus Unternehmensspenden und zum geringen Teil auch privaten (Stand 2016, 3.).

Die Abmahn-Tätigkeit der DUH wird professionell betrieben (wb-Link scharfe Kritik). Sie führt teure Musterklagen bis in die letzte Instanz, sie kontrolliert abgemahnte Firmen über Jahre hinweg. sie verfolgt sie bei Verstößen mit versierten Rechtsanwaltskanzleien.

Inzwischen ist der Tätigkeitsbereich erweitert: "Das Ziel ist die möglichst völlige Verdrängung des Dieselmotors", schreibt der European, der sich besonders auf die DUH eingeschossen hat (5.). Demnach verwendet die DUH einseitige Argumente und argumentiert mit ideologischer Verbohrtheit. Die DUH macht Politik, durch beständige Bemühung der Gerichte landauf, landab. Sie klagt gegen Autoindustrie und Kommunen und dank ihr müssen Millionen deutsche Diesel-Fahrer Fahrverbote befürchten.

Was für Luftnummern die zugrundeliegenden Grenzwerte sind, erläutert wissenbloggt (wb-Link Diesel-Skandal) – auf dieser hanebüchenen Basis Fahrverbote zu verhängen, ist tatsächlich ein Skandal. Aber das kann die DUH nicht bremsen.

Wenn die DUH was erreichen will, ist sie nicht zimperlich. Bei ihren Messungen kam in einem Fall der 17-fache Wert vom Euro-6-Grenzwert raus, aber wurden die Versuche wissenschaftlich durchgeführt? Die betreffende Fachhochschule distanzierte sich von den Versuchen der DUH, mit der Begründung, sie wären es nicht. Ein TÜV maß die Abgaswerte als im zulässigen Bereich liegend (3.).

Bemerkenswert ist die Verstrickung der DUH mit der Politik. Der Bund förderte die DUH-"Informationskampagne Stickstoff" mit 182.672 Euro, er zahlt einen großen Teil des Etats. Der ehemalige Abteilungsleiter im deutschen Umweltbundesamt arbeitet jetzt als Sachverständiger für die DUH, die mit weiteren Ex-Beamten bestückt sei (5.).

So fördert der Bund letztlich indirekt die Fahrverbote – aber er steht nicht selber in der Schusslinie. Das Umweltministerium tritt nicht selbst auf, es lässt auftreten, es hat sozusagen eine Art private Umweltpolizei. Auch der Deutsche Städtetag steht auf seiten der DUH und agiert gegen die eigenen Mitglieder, die Städte. Alles kein Problem, denn der Sündenbock ist ausgelagert. Die DUH ist schuld, die Politik hat Ruhe.

Das empfinden viele Leute zurecht als blamabel und lächerlich. Es geht ja nicht um irgendwelche Mensch- und Umweltschäden, weil der NOx-Grenzwert keine belastbare Begründung hat und ein Produkt der Willkür ist. Er liefert bloß den Vorwand für einen ungeahnten Aktionismus. Eine Stimme aus dem Ausland (nzz, 6.):

Demnach ist das ein Trauerspiel, was Deutschland mit seiner Automobilindustrie gerade macht. Laut nzz konstruieren Ingenieure Dieselmotoren, die noch einen Bruchteil der Stickstoffoxide der Vorgängermodelle ausstossen, und dafür sorgen, dass die Umweltbelastung in den Städten weiter sinkt. Aber die Diskussion wird nicht von dieser Entwicklung dominiert. Vielmehr wird eine Stadt nach der anderen auf Klage der DUH gerichtlich aufgefordert, den Großteil der Dieselautos zu verbannen, zumindest auf einzelnen Straßen. Zur Liste gehören Berlin, Hamburg, Köln, München, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, Aachen, Bonn, Mainz und nun auch Gelsenkirchen und Essen – und jetzt hat es auch das Teilstück einer Autobahn erwischt, weil es durch Essen führt. 100.000 Personen nutzen es täglich, und viele davon werden zu Umwegen gezwungen.

Dem kann man wenig hinzufügen. Ach ja, die Panzer fehlen noch.

Auf englisch heißt Panzer tank, nach seiner Haupttätigkeit, dem Tanken. Und was tanken die Tanks? Diesel. So ein Panzer verbraucht 400 l Diesel / 100 km. Die dürften vom Fahrverbot wohl auch betroffen sein. Der DUH ist eine entsprechende Klage zuzutrauen.

 

Medien-Links:

  1. Lyrics.cat
    La da da da da, la da da da duhLa dah dah dada dah. Lah dada dah da-da dah. Dah da dada dum dah.
    La dah dah da-da dah dee. Dah da daladah duh duh duh. La dah dah da-da daaaaah.
    La da da di da da dum da duh da da dum di da ohhh
    … da duh. Da duh da duh da duh. Da da duh duh duh da …
    La! La da da duh duh da dum! La da da duh duh da dum! La da da duh duh da! La da da duh duh da! La da da duh duh!
    La dup dup duh doh. La dup …
    Duh da duh da day
  2. Deutsche Umwelthilfe (DUH): Kinder besonders gefährdet – Helfen Sie jetzt! Wir messen Dieselabgase vor Schulen und Kindergärten. Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende oder Fördermitgliedschaft – für unsere Gesundheit und die unserer Kinder!
  3. Deutsche Umwelthilfe (wiki)
  4. Diesel-Einfahrverbot: Rußmord (Frankfurter Allgemeine Zeitung 3.3.17): Und die Autoindustrie benimmt sich wie ein Kaninchen vor der Schlange. Sie erweist sich als unfähig, gegen Polemisierung der Autogegner – allen voran der sogenannten Deutschen Umwelthilfe, die ein von Abmahnungen lebender Interessenverein ist – vorzugehen.
  5. Deutsche Umwelthilfe: Staatsknete für den Stickoxid-Kreuzzug (The European 22.4.): Fahrverbote fordern, die Politik in die Zange und die Bürger in Geiselhaft nehmen – und gleichzeitig saftig Staatsknete kassieren: das ist das Geschäft von Jürgen Resch, dem Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Die Bundesregierung gibt damit millionenschwere Subventionen an eine Lobbyorganisation, die hunderttausende Jobs in der deutschen Autoindustrie gefährdet.
  6. Kommentar – Wie der deutsche Diesel-Fahrer drangsaliert wird (Neue Züricher Zeitung 20.11.): Immer mehr deutsche Städte greifen zu Fahrverboten und sperren gewisse Diesel-Autos aus. Nun will die Regierung den Gemeinden grünes Licht für die automatisierte Überwachung der Autofahrer geben. Die Verhältnismässigkeit bleibt auf der Strecke.

Links von wissenbloggt dazu:




Krieg zwischen Wissenschaft und Religion vermeidbar?


totem-pole-467528_1280werner22brigitteGottes Streitkräfte schreiten zur Verteidigung der Religion, wie zwei neue Artikel deutlich machen: Es muss was unternommen werden gegen den Reli-Exit. Dabei geht es nun nicht um den Islam, erst recht nicht um Stammesreligionen (Bild: werner22brigitte, pixabay), sondern um unsere alte Haus- und Hof-Religion Christentum.

Die britischen Professoren David N. Livingstone und John Hedley Brooke verteidigen die Religion, die vom US-amerikanischen Professor Jerry Coyne angegriffen wurde (1.). Von dort stammt das Wort vom Krieg zwischen Wissenschaft und Religion, der nicht unvermeidbar sei. In Deutschland geht es mehr um gegenseitige Animositäten. Über die berichtet der Redaktionsleiter von Christ & Welt und Träger vom Katholischen Medienpreis, Raoul Löbbert (2.,3.). Er bezieht sich auf einen Religions-/Atheismus-Index von 2012 (4.). Bei wissenbloggt gibt es einen neueren Index zu sehen (auch von WIN-Gallup, wb-Link Reli-Rating). Im einen Fall steht Deutschland auf Platz 8 der atheistischsten Länder, im anderen auf Platz 16. Großbritannien kann sich einmal nicht unter den top ten qualifizieren, ist beim anderen aber auf Platz 10.

So viele Heiden … Denen gilt es zu wehren, so die Leitlinie.

Beim deutschen Artikel heißt es, der moderne Heide wolle nicht diskutieren, es genüge ihm, die eigene Ignoranz bestätigt zu sehen. Der britische Artikel spricht vom "biologist and polemicist" Jerry Coyne, ehe er ihm die Leviten liest.

Diesen Furor zog Coyne auf sich, weil er schrieb, Wissenschaft und Religion seien genauso inkompatibel wie Rationalität mit Irrationalität inkompatibel ist. Solch eine Verallgemeinerung mögen die gegnerischen Professoren nicht leiden. Deshalb hacken sie ein wenig auf einem weiteren Professor herum, mit ihrem Fazit, bei dessen Aussagen sei der Krieg zwischen Wissenschaft und Religion als gegeben impliziert. Ihre Entgegnung hebt darauf ab, es gebe viele Wissenschaften und viele Religionen, und die seien alle ganz anders zu sehen.

Ein kleiner Einschub von wissenbloggt – viele Wissenschaften? Es gibt doch nur den einen Kanon der Wissenschaften und nicht etwa eine deutsche und eine britische Physik. Bei den Religionen haben sie allerdings recht, die gibt's nach Belieben. Allein darin zeigt sich doch der Unterschied, das eine ist klar definiert, das andere beliebig.

Die Professoren gehen so weit zu sagen, Begriffe wie "Religion" und "Atheismus" hätten keinen Gehalt (terms such as “religion” and “atheism” have no essence). Naja, die Wissenschaften lieferten schon mal die eine oder andere Antwort auf Fragen aus der Glaubensgeschichte, aber sie ließen Raum offen für religiöse Nachfragen & Hinwendung. Und wenn's darum geht, was für die Menschheit wichtiger ist, dann wären das nicht die wissenschaftlichen Fragen. Wissenschaft könne nur im Zusammenhang mit Religion oder Ideologie florieren.

Wow.

Schließlich seien Wissenschaft und Religion Komplemente (wie beim Ex-Papst, der in ihnen die beiden Flügel sah, mit denen sich die Menschheit erhebt). Geschichtlich gesehen lagen Wissenschaft und Religion schon mal über Kreuz, zumal bei der wissenschaftlichen Abkehr vom Wunderglauben, beim wissenschaftlichen Glauben an unbrechbare Naturgesetze oder beim Leugnen des Freien Willens.

Anmerkung wissenbloggt: Aus der Sicht, die hier vertreten wird (wb-Link Unfreier Wille) ist das eine putzige Umkehrung: Die Religion sieht den Willen als frei (damit der Mensch fehlen kann und Gott ihn dafür strafen kann), während viele Wissenschaftler immer noch an den unfreien Willen glauben.

Andererseits habe die Religion die Wissenschaft vielfach inspiriert (z.B. durch die Annahme des gemeinsamen Ursprungs der Menschen). Und die wissenschaftlichen Apparaturen wie das Teleskop wurden erfunden als Kompensation für den Sündenfall (Scientific methods and instruments were devised as a means for ameliorating the damage to human cognitive powers and sensory apparatus believed to have been brought about by human sinfulness). Der Artikel nimmt auch die Gestalt vom Globus als religiöse Errungenschaft in Anspruch, sie sei fundamental für die Entwicklung der Wissenschaft.

Anmerkung wissenbloggt: Nur dass die alten Griechen schon wussten, wie die Welt aussah, und dass die christliche Religion deren Erkenntnisse 1000 Jahre lang verbaggert hat – die Professoren beanspruchen Lorbeeren für die Religion, die sie nicht verdient.

Ähnlich wird argumentiert, Gottes Schöpfungsgeschichte hätte die Entdeckung der Abstammung der Arten initiiert, und heutzutage, nütze die Religion beim Dialog zwischen theologischer Anthropologie und Transhumanismus. Die neuen technischen Möglichkeiten werfen die Frage auf, was "menschlich" sei. Dazu hätten die Theologen viel zu sagen.

Einschub von wissenbloggt – die Philosophen haben noch mehr dazu zu sagen, und zwar ohne den Bias, der daher kommt, dass die Religion ihren vermeintlichen Gott über die Menschen stellt.

Auch bei der Wertediskussion ist die Religion demnach wertvoll. Wo die Begriffe "Wissenschaft" und "Religion" so viele Änderungen durchlaufen haben, stelle sich die Frage, ob Religionen in technologischen Gesellschaften überleben können?

Das haben sie schon, und aus wichtigen Gründen, so die Autoren. Religionen spenden Identität und Sinn – sie interpretieren das Universum, sie erklären es nicht. Die Religion für einen schiefgegangenen Versuch zur Welterklärung zu halten, ist demnach genauso wie das Ballett für einen schiefgegangenen Versuch zum Nachrennen nach dem Bus zu halten.

Anmerkung wissenbloggt: Interpretieren statt erklären? Tanzen statt Denken? .

Der deutsche Artikel setzt da an, wo der britische aufhört. Er verbreitet auch die Mär der populistischen Atheisten, welche die Religiösen mit ihren Erkenntnissen belästigen. Demnach arbeiten sie sich "mit glühendem Eifer am Glauben ab" – das ist auch eine Art, wie man Aufklärung bezeichnen kann.

Von all der Indoktrinierung und Mission hat der Autor Löbbert anscheinend noch nie was gehört, und von lernresistenten Bischöfen auch nicht. Aus seiner Sicht wolle der moderne Heide nicht diskutieren und nicht herausgefordert werden. Er sei außerdem träge, Wissen sei ihm egal, er interessiere sich nicht für philosophische Theorien und Beweise. Und für die Sinnstiftung der Religion auch nicht.

Anmerkung wissenbloggt: Das ist Sophistik, einfach die Vorwürfe umkehren. Und den Sinn gibt sich jeder selber, entweder direkt, oder indirekt durch die Wahl der Religion. Das scheint dem großen Theoretiker Löbbert nicht klar zu sein.

Er zitiert einen anderen Geistesriesen mit diesem Spruch: Die Erforschung des Universums habe ihm gezeigt, dass die Existenz der Materie ein Wunder ist, das sich nur übernatürlich erklären lasse.

Abschließende Bemerkung wissenbloggt: Das ist also die Zielrichtung, statt beyond god zurück zum Wunderglauben. Wer mit Philosophie und Wissenschaft argumentiert, sollte aber wissen, dass die Wissenschaft auf einer materialistischen Weltvorstellung aufbauen muss. Sie kann doch nicht auf Basis eines Wunderglaubens argumentieren und forschen, der beliebige Natur- und Menschengesetze außer Kraft setzt (außer den Theologen, die können das).

 

Medien-Link:

  1. War between science and religion is far from inevitable (The Conversation 19.11.): In his 2015 book Faith versus Fact, the biologist and polemicist Jerry Coyne launched one of his many attacks on religion in the name of science: science and religion, he wrote, are “incompatible in precisely the same way and in the same sense that rationality is incompatible with irrationality”.
  2. Religion: Atheisten nerven (Zeit Online 14.11., 500 Kommentare, Zahlsperre): Wer heutzutage sagt, dass er an Gott glaubt, wird schnell blöd angemacht. Unser Autor kennt das alltägliche Christen-Bashing und findet es niveaulos.
  3. Wenn Atheisten nerven (pro christliches Medienmagazin 15.11.): Wenn er auf einer Party davon berichte, dass er gläubig sei, ernte er meistens eine Tirade an Anfeindungen, schreibt der Journalist Raoul Löbbert in der Wochenzeitung Die Zeit. Dabei ist er sich sicher, dass es auch für hartgesottene Atheisten Momente gebe, wo sie existenziellen Trost brauchen.
  4. Global Index of Religion and Atheism (WIN-Gallup International 2012)

Götter-Links usw. von wissenbloggt:




Neue Lachnummern aus Genderland


goat-3456117_1280Deutsch kann so schön sein … Damit sind nicht die augenbetörenden Dreifach-sss gemeint, sondern z.B. sowas: (2) Den Gläubigern oder Gläubigerinnen und Schuldnern und Schuldnerinnen des Schuldners oder der Schuldnerin und dem Schuldner oder der Schuldnerin selbst ist der Beschluß besonders zuzustellen.

Ja, da staunt die Ziege (Bild: bradfordhines, pixabay, Text aus 1.). Zum Muttertag gibt's jetzt Glückwunschkarten ohne "Mutter" (Happy You Day, 2.), in Australien stellt man Umtriebe fest, "boy" oder "girl" aus den Büchern zu tilgen (3.), in England sollen schoolboys Röcke tragen (4.), und die Zeichentrickfiguren auf den Paketen mit Frühstücksflocken sollen weg (5.).

Solche Aktivitäten gehen auf Gender-Tabuisierungen zurück, und noch andere: US-College-Studenten dürfen sich ihre eigenen Noten schreiben (6.,7.), eine US-Lehrerin wurde gefeuert, weil sie keine Noten für Nichts geben wollte (8.), und an einer US-Uni wurden safe spaces für weiße Studenten eingerichtet (sie hießen “White Awake” und wurden schnell wieder umbenannt, 9.). Damit die zarten Seelen der Studenten nicht verschreckt werden, soll das Klatschen in Manchester durch Handwedeln ersetzt werden (10.), und bei den Grünen in Meckpomm müssen die Männer vor die Tür, wenn die Frauen über Frauenthemen reden (11.).

Es ist bald so schlimm wie Rauchen. Um die Liste der Gender-Idiotien zuendezubringen: Babys sollen nur noch mit Baby's Zustimmung gewickelt werden (12.), und wem die 60 Genders noch nicht reichen, der soll sich nun noch sein eigenes dazuerfinden (wb-Link 60 Geschlechter und 13.).

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(Bild: OpenClipart-Vectors & Elionas, pixabay, manipuliert von wb)

Die bedenklicheren Meldungen umfassen die Aussage, dass heute der (Gender-)Schein wichtiger ist als das Sein (neue Zählung 1.), sie verweisen auf Modest Fashion (so heißt der gendergerechte Modestil, der eine Diskriminierung Andersgekleideter darstellt, 2.) und einen Link zu einem ketzerischen schwedischen Professor, der seinem Wissen mehr traut als der Gender-Ideologie (3.). Ob das wohl auch so gekommen wäre, wenn es eine Professeuse gewesen wäre?

Ein Lichtblick kommt vom Rat für deutsche Rechtschreibung, der auf einer Tagung beschlossen hat, dass weiterhin keine einheitliche geschlechtergerechte Schreibweise eingeführt werden soll (4.). Der SZ zufolge ist (und bleibt) deutsch eine Männersprache, weil die Normalform die maskuline sei. Sie gelte als "generisch", zum Beispiel in dem Satz: "Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!"

Na klar, man weiß, dass auch Ärztinnen und Apothekerinnen mitgemeint sind, und – was der SZ entging: Beim Sie sind auch die Ers mitgemeint.

Eine Schieflage, und nicht die einzige. Das Argument kommt aber nur selten zum Tragen: Solange Metoo gegenüber dem muslimischen Machoverhalten blind ist, kann man es nicht ernstnehmen (5.).

Bei wissenbloggt wurde dieser Punkt allerdings schon mehrmals betont. Früher war die Emanzipation ernstzunehmen, aber heute? Seit sie sich Genderproblemen und MeToo widmet, ignoriert sie die krassen Frauenrechtsverletzungen in der islamischen und auch in der hinduistischen Welt (wb-Link Flammentod). Das Projekt Enamzipation wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Wer will das noch ernstnehmen?


(Wer weitere Genderkritik lesen möchte, findet sie bei (1.-4., nochmal neue Zählung.)


Medien-Links zu Gender-Lächerlichkeiten:

  1. Gendersprech § 30 Abs. 2 InsO, Original und gegenderte Version aus unbekannter Quelle:
    (2) Den Gläubigern und Schuldnern des Schuldners und dem Schuldner selbst ist der Beschluß besonders zuzustellen.
    (2) Den Gläubigern oder Gläubigerinnen und Schuldnern und Schuldnerinnen des Schuldners oder der Schuldnerin und dem Schuldner oder der Schuldnerin selbst ist der Beschluß besonders zuzustellen.
  2. Mother’s Day cards go gender-neutral (The Times 11.3.): Waitrose is selling gender-neutral Mother’s Day cards as retailers reduce their use of the M-word to make today’s celebration more “transgender inclusive”. The supermarket chain is selling a “Happy You Day” card in its Mother’s Day range in which the word “mother” does not appear.
  3. "It's Ridiculous" – Parents Furious As Australia Seeks To Ban Use Of "Boy" Or "Girl" In Books (Zero Hedge 22.5.): The research suggests educators should “minimise the extent to which gender is labelled” and avoid telling children what girls and boys should do. Parents reacted angrily to the story on social media…
  4. British School Forces Boys To Wear "Gender-Neutral" Skirts Instead Of Shorts (Zero Hedge 4.6.): A private secondary school in Oxfordshire, England is banning its male students from wearing shorts during the summer months, and is instead requesting that they wear a more "gender neutral" ensemble that includes that staple of men's athletic wear: The skirt.
  5. Zeichentrickfiguren auf Frühstücksflocken sollen weg (The European 26.7.): “Befürworter der öffentlichen Gesundheit” wollen gegen eine massive Gefahr vorgehen: Zeichentrickfiguren auf Packungen von Getreideflocken, wie zum Beispiel die der Marke Kellogg’s. Angeblich haben es Tony der Tiger, Sonny der Kuckuck Vogel, Cap’n Crunch oder Graf Chocula alle auf unsere Kinder abgesehen.
  6. Professors allow students to pick their own grade (The College Fix 9.8.): A literature class at Davidson College this fall will use “contract grading,” allowing students to pick ahead of time their grade for the class and the workload they need to complete to earn it.
  7. "Revolutionary" Professors Allow Students To Pick Their Own Grades (Zero Hedge 9.8., Sekundärartikel zu College Fix, Leserstimmen dazu): "I can't wait to read an article (and the calculations) on load bearing bridges about five years from now", und "My Doctoral Thesis: Why A Bridge Should Treat A Semi-Truck The Same As A Tricycle (Because Equality) By Octavia Cortez-The-Killer".
  8. Another Sign America Is Done: Teacher Fired For Refusing To Give 50% Grade To Students Who Didn’t Turn In Their Homework (End Of The American Dream 25.9.): "Bye Kids. Mrs. Tirado loves you and wishes you the best in life! I have been fired for refusing to give you a 50% for not handing anythong in."
  9. University announces “White Awake” safe space for white students (Campus Reform 14.9.): The University of Maryland at College Park announced Friday a new diversity support group to create a “safe space” for white students to discuss their feelings about “interactions with racial and ethnic minorities.” … After publication of this article, University of Maryland-College Park changed the name of the group to "Anti-Racism and Ally Building Group,"
  10. UK University Bans Clapping At Performances To Avoid Triggering Students With Anxiety (Zero Hedge 3.10.): In an attempt to make public performances more "inclusive" for people with "disabilities" like anxiety and other sensory issues, the University of Manchester students' union has voted to ban applause at student union events, and is asking students to use "jazz hands" instead.
  11. Frauenplenum – Männer beim Grünen-Parteitag kurzzeitig ausgeschlossen (Nordkurier 20.10.): Die MV-Grünen haben bei ihrem Landesparteitag für rund zehn Minuten alle Männer ausgeschlossen. Grund war die Einberufung des Frauenplenums, einem Parteitagsgremium. Die Satzung verlangt bei dessen Beratungen, dass alle Männer den Raum verlassen, damit die Frauen nicht beeinflusst werden können.
  12. Baby-Wickeln nur mit Baby-Zustimmung! (atheisten-info.at 23.5.): "Sexualpädagogin will Babys vor dem Wickeln um Erlaubnis fragen". Das meldete die WELT am 23.5.2018, Weiter heißt es über die Ideen von Deanne Carson wie man dem sexuellen Missbrauch von Kindern vorbeugen könnte: "(..) In ihrem Interview im australischen Fernsehen 'ABC News' sagte Carson, dass Eltern ihre Babys von Geburt an um Zustimmung bitten sollten, bevor sie deren Windeln wechseln. Eltern sollten innehalten und mit dem Kind Augenkontakt herstellen und es fragen: 'Ich werde jetzt deine Windeln wechseln, ist das okay?' Ein Video dazu bei YouTube.
  13. Clemson invites students to 'create your own gender' (Campus Reform 16.11.): Have you ever considered creating your own gender? Clemson University students explored this phenomenon by embarking on a “Create Your Own Gender Adventure” workshop on Wednesday.

Medien-Links zu anderen Gender-Nachrichten:

  1. Lost in Space (Clusterfuck Nation–Blog 15.10.): We’re now a nation consumed by make-believe, in which you can declare anything you want about yourself and insist that everyone else agree that it is so. If I identify this way, you must believe me!
  2. Nichts für Schlampen (Der Bund 9.9.): Modest Fashion ist ein neuer Begriff in der Mode. Frauen werden damit in anständig und unanständig eingeteilt – und niemand stört sich daran.
  3. "Transphobic" Swedish Professor May Lose Job After Noting Biological Differences Between Sexes (Zero Hedge 20.9.): He was asked to distance himself from two specific comments; that gay women have a "male sexual orientation" and that the sexual orientation of transsexuals is "a matter of definition."
  4. Gendergerechte Sprache – Ein amtliches Pflaster kann den Makel des Deutschen nicht zukleben (Süddeutsche Zeitung 16.11.): Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat getagt und beschlossen, dass es nichts zu beschließen gibt. Es wird weiterhin keine einheitliche geschlechtergerechte Schreibweise geben.
  5. Sexuelle Belästigung: #MeToo war erst der Anfang (Zeit Online 5.10., 310 Kommentare): Was hat sich ein Jahr nach Beginn der #MeToo-Debatte für Frauen in Deutschland verändert? – Leserkommentar: Solange Metoo gegenüber dem muslimischen Machoverhalten blind ist, kann man es nicht ernstnehmen.

Medien-Links zu Gender-Kritik:

  1. Genderwahnsinn – Verlieren Genderkritiker den Kampf gegen die Genderideologie? (Philosophia Perennis 24.4.): Die Erfolge der Genderideologie sind überwältigend. Wer hätte noch vor 20 Jahren gedacht, dass es eine Ideologie mit einer wissenschaftlich unhaltbaren Kernaussage zu mehr als 200 Lehrstühlen und Universitätsinstituten bringen könnte?
  2. Gendern – Meine Gedanken zu einem Streitthema (Robin Thiedmann bei Facebook 25.6.): Gendern löst keine tatsächlichen Probleme. Die zugrundeliegenden Theorien sind haltlose, dystopische Wunschvorstellungen, um einen ideologisch angetriebenen “Kampf der Geschlechter” zu stilisieren. Die Forschungsbereiche sehen sich als “feministische Wissenschaften” und sind Munitionsliferanten in diesem Kampf, statt objektive Prüfstellen. Die sozialkonstruktivistische These lässt sich empirisch nicht bestätigen.
  3. There’s a problem with the LGBT rights movement – it’s limiting freedom (The Conversation 17.9.): Can true freedom and humanity be acquired through the mimicking of heterosexual lives?
  4. Jordan Peterson: Mythos Tabubrecher (Zeit Online 13.8., 820 Kommentare): Ein Leserkommentar: Political Correctness ist zusammen mit ihren Kindern, Identitätspolitik, safe space, cultural appropriation, toxische Maskulinität etc. zu einem umfassenden autoritären, antiliberalen, bigotten, scheinintellektuellen sprachlichen und geistigen Zensursystem verkommen, das sich nicht mehr auf die einstmalige Basisidee, eine zivilisierte Debatte zu befördern, berufen kann.

Links von wissenbloggt:

 




Der Sündenfall von Frank Sacco


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Frank Sacco, Doktor der Medizin, schreibt über das "göttliche KZ Hölle" und seine Theorie zur Sündenfallgeschichte. Er bezieht sich auf die Ausgabe von chrismon vom 8.10. Die Kirchenzeitschrift wird von der EKD mit jährlich 4 Millionen Euro subventioniert und erreicht hauptsächlich als Beilage von Zeit, SZ usw 1,6 Millionen Leser (Bild: Sacco).

Der Sündenfall   von Frank Sacco

Er wird heute im Kirchenblatt „chrismon“ diskutiert. Herausgeber Dr. Bedford-Strohm. Er ist der Chef der Evangelischen Kirchen Deutschlands, der EKD.

Man muss ein Kind nicht täglich sexuell oder seelisch vergewaltigen, um es als Kirche grundsätzlich gesundheitlich zu schädigen. Das göttliche KZ Hölle muss gar nicht explizit erwähnt werden. Beeindruckt durch meine  diesbezüglichen Angriffe auf die Kirchen äußerte vor Jahren Bischof Zollitsch, die katholische Kirche wolle dieses KZ lieber  nicht mehr „thematisieren“. Das  ist auch nicht nötig. Das macht schon die Presse, das machen schon  die Medien. Doch ohne einen im kollektiven Unbewussten wütenden Rachegott, das weiß oder ahnt man als Kirche, kann man einpacken.

Sehr früh muss man allerdings damit anfangen. Mit „Dreijährigen“ im „Hauptgottesdienst“, also vor dem Einsetzen einer Kritikfähigkeit. Das schreibt uns Erzbischof Becker, Paderborn. Ich habe ihn wegen Kindesmisshandlung  angezeigt. Heute, am 1.10.2018, gibt es einen Artikel im chrismon, dem „Evangelischen Magazin“ über den Sündenfall. Setze man sich über ein Gebot Gottes hinweg, werde man „nicht glücklicher“. Da wird Gott strafend einschreiten. Leider straft er verbrecherisch, ja in der Tat oft schlimmer als der Diktator aus Braunau am Inn.  Hitler ist also noch zu toppen.

Der Christengott schickt auch harmlosen und lieben Schwangeren „schmerzhafte Schwangerschaften und Geburten“ als Strafe innerhalb der „Erbsünde“.  Er schickt auch „Dürren“ und „Hunger“ (statt Manna), so chrismon, wobei er sich auch nicht um qualvoll millionenfach verhungernde unschuldige Kinder in Afrika schert. Er, der selbst kein Gewissen hat, schickt  „Krankheiten“, auch qualvolle Krankheiten. Und diese  auch völlig sündenfreien Babys und Säuglingen. Und er schickt ihnen den „Tod“, mag er für die Kleinen auch noch so qualvoll sein. Und wenn er nichts persönlich schickt, so verhindert er es auch nicht – als Allmächtiger.

Dass die Welt so viele „unerträgliche Seiten“ aufweise, resultiere also „letztlich aus dem Eigensinn der Menschen“, so heute zu lesen im chrismon. Der Gott der Christen will demnach keinen „Eigensinn“. Den beansprucht er für sich. Er will uns als Marionetten. Wir sind also selbst schuld daran, einen Hitler als Gott zu haben. Es geschieht im Austausch gegen einen Apfel. Wir nehmen einen Apfel und bekommen dafür einen Hitler. Soweit die heutige Morgenlektüre.

Der eigentliche Sinn der Story: man soll die „christliche“ Religion begreifen: Selbst die allerkleinsten Sünden, hier ein Apfelklau, ziehen allergrößte göttliche Strafen nach sich. Man will Kadavergehorsam. Kadavergehorsam in Sachen Religion und Kirche. Das Resultat dieser Kirchenpolitik: Ein Sacco Syndrom verschiedenster Ausprägung: Perfektionismus und Migräne. Etliche tauchen auch endgültig ab: in eine Schizophrenie. Sie halten einen Hitler als Gott nicht aus. Wieder andere werden depressiv oder süchtig, wie Sigmund Freud es wurde.  Sich aufzuhängen bringt dagegen nicht viel: Die Hölle warte ja dann umso mehr und in umso härter Ausprägung, so das Dogma. Es ist übrigens nach §166 StGB Gotteslästerung, Kindern so einen Gottesbild  vorzusetzen.

Entstanden ist die Sündenfallgeschichte so: Frühere Herrscher waren gleichzeitig Götter. Sie machten sich zu Göttern. Und sie hatten einen Apfelbaumgarten. Ohne Maschendrahtzaun herum. Der Maschendrahtzaun ist erst eine Erfindung der Eisenzeit. Klaute jemand einen Apfel, wurde er erst im Beisein des Volkes gefoltert und dann geköpft. Denn der Gott hatte begreifliche Sorge, der Dieb würde in Zukunft Gravierenderes klauen, würde man ihn nicht köpfen. Er hatte da Angst um sein Haus und seinen Harem. Früher hatten es ja die Götter noch mit Sex. Ja sie konnten oft nicht genug davon bekommen. Ob der Christengott jemals Sex hatte, darüber schweigt er sich ja aus. Auch in den Zwiegesprächen mit seinen Päpsten. Doch statt Sex zu machen kann er zum Entsetzen unserer Kinder anderes: Gedanken lesen und diese Gedanken mit der ewigen Hölle bestrafen.

 

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

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Nach UN-Migrationspakt kommt UN-Flüchtlingspakt


horn-41940_1280Die Heimlichkeiten hören nicht auf. Wer hat mitgekriegt, dass die UN nach dem Migrationspakt noch einen Flüchtlingspakt planen? Schon vom Migrationspakt wusste kaum jemand, und der Flüchtlingspakt wurde noch besser versteckt. Allein wegen der Heimlichtuerei ist ein Alarmsignal fällig (Bild: Clker-Free-Vector-Images, pixabay).

Letzte Woche (13.11.) wurde über die Resolution zum Flüchtlingspakt (1.) in der UN abgestimmt. 176 Staaten, darunter alle EU-Staaten incl. Deutschland stimmten zu, 13 Staaten nahmen nicht teil, 3 Staaten enthielten sich, und die USA lehnten die Resolution ab. Hier liegt dasselbe Prinzip zugrunde, das auch beim Migrationspakt (2.) herrscht: Der Pakt ist "nicht verbindlich", und er wird nicht im Parlament, geschweige denn öffentlich diskutiert.

Diskussionen gibt es nur, wenn die Information aus Versehen publik wird, z.B. jetzt bei Cicero (3.). Der demokratische Souverän ist nicht gefragt, er wird vor vollendete Tatsachen gestellt. Was Wunder, wenn bei derartigen Verfahrensweisen sogar die besten Pakte anrüchig wirken. Ob der Flüchtlingspakt zur guten Kategorie gehört, ist natürlich noch die Frage.

Im Grunde hört sich die Zielsetzung ganz gut an (1., Punkt 7.): Die Ziele des Globalen Paktes als Ganzes bestehen darin,
i) den Druck auf die Aufnahmeländer zu lindern,
ii) die Eigenständigkeit der Flüchtlinge zu erhöhen,
iii) den Zugang zu Drittstaatenlösungen zu erweitern und
iv) in den Herkunftsländern Bedingungen für eine Rückkehr in Sicherheit und Würde zu fördern.

Zur Erreichung dieser vier miteinander verknüpften und interdependenten Ziele sollen der politische Wille mobilisiert, die Unterstützerbasis erweitert und Regelungen getroffen werden, die ausgewogenere, nachhaltigere und berechenbarere Beiträge seitens der Staaten und anderen relevanten Interessenträger ermöglichen.

Ein paar weitere Stellen seien herausgegriffen – unter Regelungen zur Lasten-und Verantwortungsteilung steht dann als Punkt 14.: Die Länder, die Flüchtlinge aufnehmen und unterbringen, oftmals über einen längeren Zeitraum hinweg, leisten im Rahmen ihrer eigenen begrenzten Mittel einen enormen Beitrag zum Gemeinwohl, ja zur Menschlichkeit. Daher ist es unerlässlich, dass diese Länder zur Bewältigung der Aufgabe an vorderster Front greifbare Unterstützung von der internationalen Gemeinschaft als Ganzes erhalten.

Unter Neuansiedlung steht als Punkt 90.: Die Notwendigkeit, ein positives Klima für Neuansiedlungen zu fördern und die dafür nötigen Kapazitäten zu stärken sowie den Bestand an Neuansiedlungsmöglichkeiten zu erweitern, kann nicht genug betont werden.

Unter Lösungen steht in Punkt 85.: Die Beseitigung tieferer Fluchtursachen ist das wirksamste Mittel, um Lösungen zu erreichen.

Reflektion

Was dabei auffällt, sind die Worte, in die das "hohe Flüchtlingskommissariat" sein Begehren kleidet. Es heißt "unerlässlich", es wird die "Notwendigkeit betont" – fehlt bloß noch "alternativlos". Keine Rede von einer Bitte um Hilfe oder einer Nachfrage, Lasten zu übernehmen.

Das hohe Kommissariat sieht es offenbar als sein Recht an, die Flüchtlinge zu verteilen. Lastenteilung geht bei ihm immer mit Verantwortungsteilung einher, womit eine Verantwortung für die Lastenübernahme insinuiert wird.

Der Punkt Neuansiedlungen ist besonders krass, weil er Neuansiedlungen einfach als gegeben hinnimmt. Die UN spezifizieren keine Länder namentlich, sie wollen bloß ein "positives Klima" dafür schaffen.

Die tieferen Fluchtursachen kann man übersetzen mit Ursachen aller Art für Migration. Es kommt dem Kommissariat offenbar nicht in den Sinn, dass auch die von ihm geforderte Vollversorgung samt Neuansiedlungsplatz eine erstklassige Fluchtursache für die Armen der Welt darstellt.

Im Flüchtlingspakt fehlt wieder jegliches Hinterfragen der Flucht. Es geht ja nicht wirklich um Flüchtlinge im herkömmlichen Sinn, sondern um sämtliche Migranten, auch wenn das nur im Migrationspakt (2.) exlizit ausgesprochen wird. Wie der Migrationspakt vertritt auch der Flüchtlingspakt (3.) unausgesprochenermaßen die Vorstellung von der Migration als Menschenrecht, als etwas, das gefördert, ermöglicht und geschützt werden muss. Im Grunde arbeiten die UN daran, die Grenzen weltweit zu schleifen.

Sie tun so, als müssten bloß die hohen Kommissare kommen und das alles richtig organisieren, und dann ist allen geholfen. Pustekuchen. Damit die einen was kriegen können, müssen die anderen was geben. Diese Tatsache wird hier weggeschwurbelt.

Man kann doch nicht so tun, als ginge es um reguläre Immigration, wo die Immigranten den Einwanderungsländern Nutzen bringen. Die Realität in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Belgien, Schweden … zeigt deutlich, dass es bei der unkontrollierten Immigration um eine Umverteilung an selbstausgewählte Privilegierte geht.

Was von der "Unverbindlichkeit" der Pakte zu halten ist, wird z.B. im wb-Artikel mit den verheerenden Signalen diskutiert. Was da über den Migrationspakt steht, gilt für den Flüchtlingspakt genauso.

Den UN geht es um den "politischen Willen" der "Staaten und anderen relevanten Interessenträger". Für den Willen der Betroffenen soll nur ein "positives Klima" geschaffen werden. In puncto Flüchtlingshilfe wird jeder Klacks bedacht und geregelt, in puncto demokratischer Legitimierung fehlt der leiseste Ansatz.

Demokratie ist aber, wenn die Leute gefragt werden (und die Mehrheit der Vereinten Nationen sind Demokratien), und nicht, wenn sie manipuliert werden. Wenn ein demokratischer Anspruch gelten soll, müssen die Betroffenen abstimmen dürfen. Redlicherweise darf sowas nicht hinter ihrem Rücken und über ihre Köpfe hinweg beschlossen werden, sonst machen sich die UN zum Statthalter der Diktatur. Erstaunlich, dass solche Selbstverständlichkeiten überhaupt erwähnt werden müssen.

Nachtrag 25.11. aus den Kommentaren: Wo bleibt der Pakt für das Zuause (wieder) aufbauen und weniger Kinder kriegen?

 

Medien-Links:

  1. Globaler Pakt für Flüchtlinge (UN-Generalversammlung 2018)
  2. Globaler Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration (UN-Generalversammlung 30.6.18)
  3. Globaler Flüchtlingspakt der UN – Das Dokument im Wortlaut (Cicero 17.11.): Nach dem Migrationspakt planen die Vereinten Nationen ein weiteres Abkommen. Schon der Migrationspakt hatte hitzige Debatten ausgelöst. Was steht im Flüchtlingspakt?

Links zu Artikeln von wissenbloggt:

 




® Flammentod fürs Paradies


A_Hindoo_Widow_Burning_Herself_with_the_Corpse_of_her_HusbandSati (Sanskrit, f., सती, satī, wörtl.: „die Seiende“, Frau, die den richtigen, mutigen Weg wählt) ist die rituelle Verbrennung von Frauen in einigen indischen Religionsgemeinschaften. Nach dem Tod des Mannes konnte es geschehen, dass seine Witwe bei der Verbrennung des Leichnams ebenfalls auf dem Scheiterhaufen verbrannte (Witwenfolge). Dieses geschah aus religiöser Überzeugung oder aus sozialem Druck (Bild: Frederic Shobert, 96px-PD-icon.svgWikimedia Commons).

Frauen, die Sati begingen, wurden in hohen Ehren gehalten und teilweise göttlich verehrt, ihre Familie gewann hohes Ansehen. Ursprünglich opferten sich auf diese Weise Frauen der im Kampf gefallenen Männer aus Fürstenfamilien, möglicherweise, um nicht den Feinden in die Hände zu fallen. Diese Sitte, zunächst als Selbstopfer gedacht, wurde jedoch im Laufe der Zeit in vielen Bevölkerungskreisen eingeforderte Praxis. Besonders häufig war die Witwenverbrennung bei den Kshatriya-Kasten, wie zum Beispiel den Rajputs in Nordindien, wo sie bis heute vereinzelt vorkommt. Der folgende Text referiert den Sati-Artikel von wiki in freier Nacherzählung:

Ablauf der Witwenverbrennung

Es ging schnell, wenn der Mann gestorben war. Seine Leiche wurde innerhalb von einem Tag verbrannt. In diesem kurzen Zeitraum musste sich die Witwe für die Witwenverbrennung entscheiden, um den religiösen Ansprüchen einer Sati zu entsprechen. Die religiöse Lehre verhieß dafür die schnelle Wiederaufnahme der Ehe nach dem Tod. Diese Bindung über den Tod hinaus wurde dadurch symbolisiert, dass die Frau bis zur Witwenverbrennung wie eine Ehefrau behandelt wurde, und nicht wie eine Witwe

Je nach Ausprägung der Region wurde die Entscheidung zum Sati früher mit einer aufwendigen Zeremonie vorbereitet, mit Priestern,  Musikanten, geschmückten Gewändern und Gaben. Die „eigentliche Tötungsform" war zumeist die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen, selten auch Lebendigbegraben. Wenn das Opfer nicht freiwillig war und sich gegen die Verbrennung wehrte oder flüchtete, wurde auch zur Tötung durch Waffen oder andere Gewaltmaßnahmen gegriffen.

Der Scheiterhaufen bestand aus leicht brennbaren Stoffen, in die die Leiche plaziert wurde. Die Witwe setzte sich (oder wurde gesetzt) in den im Schoß ihres toten Mannes, der älteste Sohn bzw. der nächste männliche Verwandte entzündete das Feuer.

Um die Flucht der Witwe in ihrer Todesangst zu verhindern, wurde sie ggf. mit großen Holzstücken verschüttet oder mit langen Bambusstäben niedergehalten. In Zentralindien war auch eine erweiterte Form verbreitet; dazu wurde eine hüttenartige Konstruktion auf den Scheiterhaufen gesetzt. Der Eingang wurde hinter der Witwe mit Holz verschlossen und verbarrikadiert. Die Hütte wurde mit weiterem Holz beschwert und nach dem Anzünden des Feuers zum Einsturz gebracht. In Südindiens pflegte man stattdessen Gruben auszuheben und hinter einem Vorhang zu verbergen. So sah die Witwe das Feuer nicht, ehe sie hineinsprang (oder hineingeworfen wurde). Meistens wurden Holzklötze und weiteres brennbares Material hinterhergeworfen. Man wartete, bis die Frau das Bewusstsein verlor, um die Feuerbestattung unter Gesängen und religiösen Ritualen zu Ende zu bringen.

Geschichte

Der älteste fundierte Bericht über eine Witwenverbrennung stammt aus der Antike. Es handelt sich um einen Bericht des Historikers Diodor aus dem 1. Jahrhundert vor Christus (der ursprüngliche Bericht ist jedoch vermutlich noch älter), der von einem gefallenen Heerführer aus Indien namens Keteus erzählt. Dessen zwei Ehefrauen verbrannten sich schließlich zusammen mit ihrem Ehemann auf dem Scheiterhaufen. Zur Zeit der griechisch-römischen Antike scheint die Witwenverbrennung ziemlich weit verbreitet gewesen zu sein, da auch andere Autoren sie erwähnen.

In der Zeit von 700 bis 1100 wurden Witwenverbrennungen in Nordindien und vor allem Kaschmir immer üblicher, besonders in adligen Familien. Der indische Historiker Kalhana schreibt in seinem Werk Rajatarangini von Fällen, in denen selbst unkeusche Frauen sich selbst auf dem Scheiterhaufen des Mannes umgebracht hätten. Sogar Konkubinen folgten ihnen. Das Prinzip wurde auch auf nahe weibliche Verwandte wie Mütter, Schwestern, Schwägerinnen und sogar Bedienstete ausgedehnt. Das Geschichtswerk erwähnt viele verschiedene Fälle von Satis.

Archäologisch lässt sich diese Entwicklung durch das Auftauchen von Gedenksteinen („Sati-Steine“) untermauern. Diese zeigen meist einen erhobenen rechten Arm mit Armreif, der die verheiratete Frau symbolisiert. Auch unter Brahmanen wurde es zunehmend beliebt. Die Praxis der Witwenverbrennung wurde zu einer hoch angesehenen aber optionalen Praxis im Hinduismus.

Aus dem Mittelalter sind ebenfalls einige außerindische Berichte bekannt. Diese stammen vor allem von muslimischen Autoren, nachdem Indien durch islamische Eroberer eingenommen worden war. Der berbische Reisende Ibn Battuta, der im 14. Jahrhundert Indien bereiste, berichtet in seinem berühmten Reisebericht von Witwenverbrennungen. Er erwähnt, dass Witwenverbrennungen in muslimischen Gebieten Indiens der Erlaubnis des Sultans bedurften und dass dieser Akt bei den Indern als lobenswerte Tat galt, nicht jedoch Bedingung für eine Witwe war (die allerdings, wenn sie es nicht tat, als untreue Frau galt).

Vom Ende des 16. Jahrhunderts an griff sich die Praxis im Raum von Rajasthan stark um sich und wurde unter der Volksgruppe der Rajputen immer beliebter. Abendländische Reisende berichteten von Witwenverbrennungen, die sie selbst erlebt hatten. Ende des 18. Jahrhunderts war die Praxis weit verbreitet und üblich, und zumindest in Königshäusern war sie verpflichtend geworden. Sie war zu einer kollektiven Erfahrung geworden. Fast jeder Mensch hatte von so einer Zeremonie gehört und wahrscheinlich sogar eine miterlebt. Nicht alle stimmten zu. Es gab immer Gegenstimmen, die ein Leben in Keuschheit für wichtiger als die Selbstvernichtung hielten.

Während der britischen Herrschaft ignorierten die englischen Kolonialherren die Praxis anfänglich; dann versuchten sie eine Reglementierung zu erreichen, unter großflächigem Einsatz von Statistiken und Dokumentierungen der Einzelfälle. In Bengalen wurde eine Rate von einer verbrannten Witwe auf 430 Witwen insgesamt berechnet. Demnach wurde in einem Dorf mit 5000 Einwohnern durchschnittlich alle 20 Jahre eine Witwenverbrennung durchgeführt. Es gab aber große regionale Unterschiede. 

Es dauerte bis 1829/30, bis die Abscheu der Europäer gegenüber der Witwenverbrennung zu einem Verbot führte. Die Bewegung um den Hindu-Reformer Ram Mohan Roy setzte das in der britischen Kolonie durch. Von da an konnte auch die „beobachtende Teilnahme" strafbar sein. Witwenverbrennungen wurden dadurch seltener, und wenn doch noch welche stattfanden, erfuhren sie große mediale Aufmerksamkeit. In Jodhpur (Rajasthan) soll sich noch 1953 die letzte Sati aus dem Königshaus selbst verbrannt haben.

Witwenverbrennung heute

Heute sind Witwenverbrennungen nur noch Einzelfälle. Im wiki-Artikel sind einige Fälle aufgelistet. Ein Fall von 1987 machte Schlagzeilen, als sich eine 18-jährige Witwe in Rajasthan auf dem Scheiterhaufen ihres Mannes verbrannte. Das Ereignis wurde von tausenden Zuschauern verfolgt und von den Medien in aller Welt kundgetan. Der Ort wurde zum Wallfahrtsziel; tausende Anhänger der Witwenverbrennung pilgerten dorthin. Dabei war strittig geblieben, ob die Witwe mit oder ohne Zwang auf den Scheiterhaufen gelangte. Ihr Tod führte zu heftigen öffentlichen Auseinandersetzungen und einer Verschärfung des Verbrennungsverbots.

Ausgerottet werden konnte die Praxis jedoch nicht, Einzelfälle wurden und werden immer noch bekannt. Schätzungen gehen von 40 Fällen in der Zeitrahmen 1947 bis 1999 aus, davon 28 in Rajasthan. Zudem muss von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Die letzten Beispiele in wiki sind von 2014 und 2015.

Das indische Gesetz verbietet heute jede direkte und indirekte Unterstützung zur Selbstverbrennung. Die traditionelle Verherrlichung solcher Frauen wird heute geahndet. Das Gesetz wird aber nicht immer gleichermaßen energisch umgesetzt. Der National Council for Women (NCW) empfiehlt weitere Verbesserungen des Gesetzes. Vom Tourismusministerium in Rajasthan wurde 2005 ein Buch mit dem Titel „Popular Deities of Rajasthan" veröffentlicht, das positive Aussagen über Witwenverbrennungen enthielt. Gegen die aufkommende Kritik verteidigte sich die Tourismusministerin von Rajasthan mit der Behauptung, Sati werde heute als eine Quelle der Kraft angesehen.

Satimatas – lokale Göttinnen

Ein Phänomen, das zur Erklärung der Verbreitung der Witwenverbrennung beiträgt, sind die Satimatas. Das sind lokale Göttinnen, meist Verehrungen von Frauen, die als Sati in den Tod gegangen sind. Satimatas kommen besonders häufig in der Region Rajasthan vor.

Im Verständnis des Hinduismus, und vor allem der rajputischen Volksgruppe, geht einer Sati der Status einer „pativrata“ voraus, die treue Hingabe zum lebenden Mann. Teilweise wird damit auch generell Ehe bezeichnet. Die Hauptaufgabe der Pativrata (im Sinne eines Gelübdes, „vrat“) ist dabei der Schutz des Ehemannes („pati“). In dieser Sicht ist Krankheit oder Tod des Mannes möglicherweise die Schuld der Frau, welche ihrer Aufgabe nicht gut nachgekommen ist. Diesem Schuldvorwurf kann eine Frau entgehen, indem sie als Sati sterben will. Sie wird dadurch von der Pativrata zur „sativrata“, also einer guten Frau, die das Gelübde auf sich nimmt, dem Mann in den Tod zu folgen. Es wird davon ausgegangen, dass sich nur Frauen dazu entschließen können, die ein Leben in vollster Verehrung ihres Mannes geführt haben. Somit kann sie quasi rückwirkend – für andere, aber auch für sich selbst – unter Beweis stellen, dass sie stets eine gute Frau gewesen ist. Die Zeit zwischen Entschluss und Ausführung der Verbrennung ist eine Zeit, wo der Frau eine besondere Verehrung zuteil wird. Durch die Ablehnung des Lebens werden ihr besondere Kräfte zugeschrieben, z.B. kann sie Flüche aussprechen und bestimmte Praktiken und Besitztümer verbieten lassen, womit auch eine Basis für ihre spätere Verehrung gegeben ist.

Der Tod macht aus der Sativrata in eine „satimata“, eine gute Mutter („mata“). Der Begriff der Mutterschaft macht hier das Verständnis deutlich, dass eine Satimata weiter für die Familie sorgt, während sie gleichzeitig das Schicksal ihres Mannes teilt. Eine Satimata verkörpert das Prinzip der Pativrata über den Tod hinaus, da sie selbst im Jenseits ihrem Mann dient. Dies macht sie attraktiv als Verehrungsobjekt für diejenigen, die das moralische Ideal der Patrivrata hochhalten. Vor allem aber beschützt sie in ihrer Mutterrolle die Familien der Zurückgebliebenen (auch im Sinne einer Dorfgemeinschaft). Diese Beschützerrolle entsteht aus dem Verständnis, dass die Satimata eine Verkörperung des reinen Guten ist, des „sat“. Es gilt, dass eine Satimata in den Träumen von Frauen erscheint, die eine Krise in der Familie erleben, Frauen tadelt, die sich nicht an die religiösen Regeln halten, und diejenigen beschützt, die nach einem Leben als Pativrata streben. Gleichzeitig ist es jedoch möglich, dass der Haushalt einer Patrivrata bestraft werden kann, wenn sie die religiösen Verpflichtungen gegenüber der Satimata vernachlässigt. Diese Strafen können sofort wieder abgewendet werden, sobald den Verpflichtungen nachgekommen wird.

Satimatas haben ein vielseitiges Verehrungsspektrum. Sie werden von Familien verehrt, bevor sie zu einer großen Reise aufbrechen oder von dieser zurückkommen, um Respekt gegenüber dem Einflussbereich der Beschützerin zu demonstrieren. Auch das Eintreffen einer neuen Ehefrau in der Familie führt zu einer Anrufung durch die Frau, die sich davon einen Segen für das Neue verspricht. Regelmäßige Pujas, bei denen Lieder auf die Beschützerin gesungen werden, finden nur selten und nur an bestimmten Tagen im Jahr statt.

Legitimation durch Heilige Schriften

Die Puranas (heiligen Schriften) enthalten Beispiele von Satis. Sie liefern theologische Richtlinien, wie diese zu bewerten seien, beispielsweise das Garuda Purana. In dem gilt eine Sati als „gattentreue Frau, die für das Wohl ihres Mannes besorgt ist“. Die Verbrennung gilt zudem als „seelische Reinigung der Witwe" (sogar incl. ihrer Verwandtschaft). Dabei verschmilzt die Seele der Frau mit der ihres Gatten. Als Belohnung wird zudem eine lange Zeit im Paradies in Aussicht gestellt, „so viel Jahre, wie der Mensch Körperhärchen hat“ (ca. 25.000). Und die anderen, die sich der Verbrennung widersetzen? Für die gilt: „Wenn eine Frau sich nicht verbrennen läßt, wenn ihr Gatte im Feuer bestattet wird, so wird sie niemals aus dem Frauenleibe erlöst“, und: „Die Törin, die wegen des augenblicklichen Schmerzes der Verbrennung ein solches Glück von sich weist, wird ihr Leben lang vom Feuer des Trennungsschmerzes verzehrt.“


(Nachtrag wissenbloggt 17.11.18: Der Hinduismus ist in puncto jenseitiger Versprechungen wohl der Marktführer noch vor Christentum und Islam. Er braucht sich bei der Frauenverachtung auch nicht hinter dem Islam zu verstecken. Wie es heutzutage ausschaut, besagt ein Spiegel-Bericht (3.). Wo sind eigentlich die GenderInnen und MeToo-AktivistInnen, wenn es um dieses Thema geht? Wo sie doch so geübt darin sind, den Männern einzuheizen, sollte es ein Klacks für sie sein, die Verbrennungen mit umgekehrter Logik zu veranstalten, also den Witwer zu verbrennen.)


Medien-Links:

  1. Wikipedia-Artikel Sati
  2. Sati – ein grausames indisches Ritual (Balkanforum 10.5.14, mit Video).
  3. Witwen in Indien "In Jutesäcke gepackt und in den Fluss geworfen" (Spiegel Online 17.4.16): Früher wurden sie verbrannt, heute werden sie diskriminiert: Witwen in Indien leben in erbärmlichen Verhältnissen.

(Dieser Artikel wurde zuerst am 21.12.11 von Argutus publiziert. Am 17.11.18 ersetzte Wilfried Müller das Bild durch ein gemeinfreies, und der Wiki-Text wurde durch eine freie Nacherzählung ersetzt.)

Links zum Thema von wissenbloggt: