497. Wort zum Sonntag, den 18.8.2019


ReligionskriegeLk 12,49-53: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung. Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei; der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

Solche Zeiten sind heute in den aufgeklärten Ländern vorbei, da brennen kaum noch Leute so heftig für ihren Glauben, dass sie mit allen Nichtbrennenden verfeindet sind. Schönborn hat immerhin eine Erkenntnis dazu: "Religion bringt Unfrieden! Immer mehr Menschen haben diesen Eindruck. Viele wenden sich von der Religion ab, weil sie ihr misstrauen. Ist die Geschichte der Religionen nicht immer auch eine Geschichte der Religionskriege gewesen? Und wenn es nicht Kriege waren, so doch endlose Konflikte, gegenseitige Ablehnungen, Ausgrenzungen, Aburteilungen. Mit Religion ist kein Frieden möglich, so sind viele überzeugt."
Aber er distanziert sich dann sogleich davon und meint, solche Ansichten richteten sich heute oft gegen den Islam, aber es gebe auch andere Religionen in anderen Gegenden, wo Religionen zur herrschenden gemacht werden.

Wie hat seinerzeit die römische Anordnung geheißen, mit der anno 380 das Christentum zur Staatsreligion im Imperium Romanum befördert wurde? Im Dreikaiseredikt wurden alle anderen Religionen untersagte: "Alle Völker, über die wir ein mildes und maßvolles Regiment führen, sollen sich, so ist unser Wille, zu der Religion bekehren, die der göttliche Apostel Petrus den Römern überliefert hat, wie es der von ihm kundgemachte Glaube bis zum heutigen Tage dartut und zu dem sich der Pontifex Damasus klar bekennt wie auch Bischof Petrus von Alexandrien, ein Mann von apostolischer Heiligkeit; das bedeutet, dass wir gemäß apostolischer Weisung und evangelischer Lehre eine Gottheit des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes in gleicher Majestät und heiliger Dreifaltigkeit glauben. Nur diejenigen, die diesem Gesetz folgen, sollen, so gebieten wir, katholische Christen heißen dürfen; die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerischer Lehre zu tragen. Auch dürfen ihre Versammlungsstätten nicht als Kirchen bezeichnet werden. Endlich soll sie vorab die göttliche Vergeltung, dann aber auch unsere Strafgerechtigkeit ereilen, die uns durch himmlisches Urteil übertragen worden ist."

Dieses alleinseligmachende klerikalfaschistische System herrschte bis zur Reformation, das führte dann zu den 30jährigen europäischen Religionskriegen, die proportional zur damaligen Bevölkerung gerechnet mehr Opfer forderten als der 1. und 2. Weltkrieg zusammen. Danach war die Religion nicht frei, sondern bloß in katholisch und protestantisch  zweitgeteilt – Religionsfreiheit begann sich zumindest formalgesetzlich in Europa im 19. Jahrhundert zu bilden, wirkliche Religionsfreiheit breitete sich erst im späteren 20. Jahrhundert aus, in meiner Kindheit und Jugend war in weiten Teilen die katholische Religion noch eine Art Bürgerpflicht. Auch jetzt gibt es immer noch deutliche Restspuren der einstigen katholischen Allmacht, weil sonst hätte die katholische Kirche in Österreich nicht immer noch fünf Millionen Mitglieder, von denen allerdings nur um die zehn Prozent die Religion tatsächlich durchgehend praktizieren.

Dem Bischof Schönborn ist es klar, dass tatsächlich gelebte Religion Widerspruch hervorruft, schließlich  sind die, die man in früheren Jahren in säkularen Kreisen als "Verpfaffte" zusammenfasste, eine auffällige Sondergruppe. Schönborn beschreibt das so: "Warum aber redet Jesus von Spaltungen statt Frieden? Es geht wohl darum, dass Jesus uns nicht neutral lässt. Wer sich für ihn und seinen Weg entscheidet, wird auf Widerstand stoßen, meist sogar zuerst in der eigenen Familie. Denn wer Jesus nachfolgt, wer konsequent nach dem Evangelium zu leben versucht, wird, ohne dass er es will, zum Zeichen des Widerspruchs."

Ja, konsequent nach dem Evangelium zu leben, das wird eben von sehr vielen Leuten als seltsame Narretei gesehen, auch in den Zeiten, wo es noch Bürgerpflicht war, katholisch zu sein, waren die tatsächlich wirklich echten Gläubigen eine Minderheit, die bei der durchschnittlichen Bevölkerung sozusagen unter der Hand Kopfschütteln auslösten.

Wie schließt der Herr Kardinal heute? Sein letzter Predigtabsatz lautete: "Jesus ist gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen. Es ist das Feuer des Glaubens. Nicht um blinden Fanatismus geht es, auch nicht um sture Rechthaberei, sondern um den lebendigen Glauben, um die Herzensentscheidung, mit Jesus den Weg zu gehen. Jesus verschweigt uns nicht, wie sehr er sich danach sehnt, dass dieses Feuer brennt. Wie traurig, wenn in einem Land das Feuer des Glaubens erlischt."

Das Feuer des Glaubens wurde seinerzeit zwangsweise verordnet, es brannte durch die Jahrhunderte, weil die katholische Kirche allmächtig war und nicht weil all die Menschen wirklich an die katholische Christenlehre glaubten. Das "Feuer des Glaubens" wurde von der katholischen Kirche über die Erde geworfen und es wurde getrachtet, die ganze Welt damit anzubrennen.

Wenn es in den damaligen Zeiten Religionsfreiheit gegeben hätte, so wie diese Freiheit bis 380 im römischen Reich existiert hatte, der katholische Glaube und der katholische Jesus hätten heute dieselbe Bedeutung wie der Glaube an Zeus, Jupiter, Teutates und Wotan, nämlich außer einer historischen überhaupt keine mehr. Das Feuer des Glaubens wurde künstlich aufgeheizt, heute brennt es von Jahr zu Jahr immer weniger und die Freiheit von Religion wird in absehbarer Zeit zur Selbstverständlichkeit werden. Amen. Bleiben wird wohl die Einfalt des esoterischen Aberglaubens, aber der hat zu viele verschiedene Gurus, um allmächtig zu werden…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Totaliter aliter


Der gelegentliche Blick in die Mailbox fördert zumeist nur Banales, Informatives  oder Persönliches zutage. Doch heute morgen fand ich wirklich Erstaunliches vor, das ich dem Leser nicht vorenthalten möchte. Doch dazu gleich!

Ab einem gewissen Alter kommen viele – und ich schließe mich da nicht aus – nicht umhin, sich zumindest gelegentlich Gedanken darüber zu machen, dass dieses Leben endlich ist und irgendwann (in hoffentlich ferner Zukunft) zuende gehen wird. Man kann prophylaktisch, obwohl niemand so recht daran glaubt, schon einmal die Einladungen zum 100. Geburtstag verschicken und sich dann besser fühlen. Doch selbst solch eine Verlängerung, die wohl nur die wenigsten von uns erreichen werden, ändert keinen Deut am Grundproblem: irgendwann ist einfach Schluss. Aus, basta!

Seit Epikur müssen wir uns immerhin keine Gedanken darüber machen, dass „Tod“ etwas Furchterregendes sei. In Kürze: „Solange du bist ist er nicht – und wenn er ist bist du nicht mehr. Also wovor fürchtest du dich, mein Freund?“ Damit wird allenfalls die Art des Hinübergleitens von einem Zustand in den anderen zu einem möglichen, Furcht auslösenden Problem. Es kann von Schmerzen und Ängsten begleitet sein, oder es präsentiert sich wie die Verabreichung einer Narkose, sanft und unmerklich nur ohne Wiedererwachen. Wie auch immer!

Wenn man nicht so skurrilen Gedanken wie dem Glauben an ein ewiges Leben in Paradies oder Hölle anhängt, stellt sich die Angelegenheit schon sehr viel einfacher dar. Ja, auch der Gedanke an ein ewiges Leben im Paradies ist furchterregend, wenn man genau hinschaut. Machen die Apologeten dieser Unsinnsidee sich eigentlich keinerlei Gedanken darüber, wie lang in Wirklichkeit eine Ewigkeit ist? Eine unendliche Abfolge von Tagen – und nicht ein einziger bringt uns dem Ende näher. Alle (inklusive mein Ahnherr Luther) stehen in voller Blüte,  man schreitet über die sanften Almen, muss sich um nichts Banales wie etwa Essensbeschaffung kümmern, ein Tag vergeht wie der andere ohne die geringste Herausforderung, nicht einmal ein kleiner Streit mit der (nun gleichaltrigen) Schwiegermutter ist eingeplant. Selbstmord durch Langeweile würde wohl zur liebsten Freizeitbeschäftigung werden.

Zum Glück sind aufgeweckte Menschen nicht gezwungen, einem solchen Horrorszenario auch nur eine Sekunde lang Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn das Licht einmal final abgeschaltet ist, kümmert uns nicht mehr, was denn wohl Verwandte oder Bekannte über den Verblichenen zu sagen haben – wir wissen es halt nicht, und Empfindungen wie Neugier sind sicherlich beim Toten nicht mehr vorhanden. So in etwa dachte ich mir das auch immer – bis mich heute morgen diese vetrackte Mail erreichte. Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass Absender und Empfänger identisch waren. Doch lesen Sie selbst:

 

Totaliter aliter

Als ich heute nachmittag meinen üblichen Rundgang durch die Nachbarschaft machte, bemerkte ich plötzlich, dass mir die Beine weich wurden, mein Bewusstsein begann auszusetzen und ich stürzte der Länge nach hin auf den Gehweg. Herzinfarkt, Gehirnschlag, was auch immer – das passiert halt. Ich machte mir keine Gedanken darüber. Doch halt: wieso „ich“? „Ich“ war doch nicht mehr, „ich“ lag doch dort auf dem Gehsteig und einige Leute scharten sich um mich. Sie sprachen miteinander, doch ich konnte nichts hören, einer bediente sein Telefon, wahrscheinlich orderte er eine Ambulanz. „Ich“ entfernte mich zusehendst von mir, erst langsam, dann immer schneller nach oben, bis ich die Gruppe um meine Leiche herum kaum noch wahrzunehmen vermochte. Schließlich war ich so weit weg vom Geschehen, dass ich nunmehr völlig allein immer weiter emporgetragen wurde wie ein Lichtwesen, das einem unbekannten Licht entgegen strebte.

Ich konnte nicht feststellen, dass mein ICH von irgendetwas wie einem Körper begleitet würde. Und dennoch verlangsamte sich plötzlich mein Aufwärtsstreben, so als ob es von der Schwerkraft zurückgehalten und abgebremst würde. Im Gegenteil  begann ich nunmehr zu fallen, musste hilflos mitansehen, wie ich mich der Erde wieder näherte – ganz so wie es früher in Träumen so häufig passierte. Doch kein schweißgebadetes Erwachen erlöste mich aus dem Albtraum. Ich schlug mit großer Geschwindigkeit auf – zu meinem Erstaunen war dieser Aufprall völlig schmerzfrei. Erst im Zurückfedern erkannte ich, um welchen Ort es sich bei meinem Aufschlag handelte: die Tastatur eines Laptops! Augenblicklich sah  ich die Chance, die sich durch diesen Zufall bot. Jetzt musste es nur noch gelingen, dass ich meinen erneuten Fall gezielt auf die Buchstaben richten konnte – es funktionierte zu meiner großen Freude. Wer hat schon ein solches Glück, authentisch von seiner letzten Reise berichten zu können?

Während ich dies tippe merke ich, dass meine Aufprallgeschwindigkeit auf die Tasten mit jedem Buchstaben geringer wird. Es scheint eine Kraft an mir zu zerren, die mich wohl endgültig von der Erdenschwere befreien wird und mich auf eine Weiterreise mit unbekanntem Ziel expediert. Ich muss jetzt nur aufpassen, dass ich mit dem letzten Schwung noch die Absendetaste erreiche, sonst war alles vergeblich.

Ich grüße alle, die mich kannten, und wünsch

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Da brach es ab. Keine Unterschrift, kein Absender außer meinem eigenen – wer hatte mir dies übermittelt und vor allem: was wollte er mir mitteilen?  Soll sich der Leser selber einen Reim darauf machen – ich bin zu müde dazu.

PS: Wer Schwierigkeiten mit demTitel der Mail haben sollte, der wende sich vertrauensvoll an unseren Experten für Latein, der hier allen bestens bekannt ist.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Glaube und Aberglaube in Medjugorje


MedjugorjeAm 17.8.2019 berichtete Vatican News über die aktuelle Lage in diesem Nichtwallfahrtsort:

"Bosnien-Herzegowina: Drei Millionen Pilger jährlich in Medjugorje
Die Zahl der Pilger in den bosnischen Wallfahrtsort Medjugorje steigt. Das berichtet der polnische Erzbischof Henryk Hoser, den Papst Franziskus Anfang 2017 zu seinem Sonderbeauftragten für die Pfarrei Medjugorje ernannt hatte.
Die meisten Pilger kämen im Sommer und stammten aus Italien, Polen, Kroatien aber auch Bosnien-Herzegowina selbst und anderen Balkanstaaten, so Hoser am Samstag in einem Interview des Pressedienstes SIR. Wichtig sei nicht nur die logistische Versorgung der Besucher, sondern auch die geistliche. 'Wir haben 16 Übersetzerkabinen für Gottesdienste und Katechesen', so Hoser.
Anfang August hatten bei einem Jugendtreffen in Medjugorje erstmals auch offizielle Vertreter des Papstes teilgenommen. Dabei übermittelte Kardinal Angelo De Donatis, Generalvikar des Bistums Rom, Grüße und Segenswünsche von Papst Franziskus. Auch Erzbischof Rino Fisichella, Leiter des Päpstlichen Rates für Neuevangelisierung, war zugegen. Der Rat ist unter anderem für Fragen rund um Wallfahrtsstätten zuständig.
Marienerscheinungen in den 1980er Jahren

Medjugorje ist seit 1981 Ziel zahlreicher Pilger. 1981 wurde erstmals über Marienerscheinungen berichtet. Über die Echtheit der Visionen hat der Vatikan bisher kein abschließendes Urteil gefällt. Mitte Mai erlaubte der Papst jedoch offizielle katholische Wallfahrten, solange 'keine Verwirrung oder Zweideutigkeit hinsichtlich der kirchlichen Lehre' entstehe. In dem Interview wies Hoser darauf hin, er sei nur für die Seelsorge in der Pfarrgemeinde des Ortes ernannt."

Soweit die Meldung! Sie zeigt wieder die diesbezügliche Dialektik des Vatikans. In den 1980-Jahren begann der ganze Schwindel, speziell junge Frauen sahen plötzlich die Gottesmutter Maria und hörten ihre Botschaften.  Diese Botschaften gibt's immer noch, hier die neueste vom Juli 2019: "Liebe Kinder! Mein Ruf an euch ist das Gebet. Das Gebet möge für euch Freude und der Kranz sein, der euch mit Gott verbindet. Meine lieben Kinder, die Anfechtungen werden kommen und ihr werdet nicht stark sein und die Sünde wird herrschen; aber wenn ihr mein seid, werdet ihr siegen, denn eure Zuflucht wird das Herz meines Sohnes Jesus sein. Deshalb, meine lieben Kinder, kehrt zurück zum Gebet, bis das Gebet euch zum Leben wird bei Tag und bei Nacht. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid!"

Jetzt gibt's diese Mariabotschaftsverkündigung auch auf YouTube, hier die obige:

https://youtu.be/TgQVzd8LoOU

 


Die im Clip zu sehende Frau hört diese Botschaften nun schon bald 40 Jahre lang! Und die Marienbotschaften sind immer die gleichen flachen Sprüche ohne konkreten Inhalten. Und der Vatikan glaubt immer noch nicht daran!

Was heißt, dass Medjugorje immer noch kein anerkannter Wallfahrtsort ist, aber das Pilgern nach Medjugorje ist trotzdem statthaft, weil eben sowieso so viele Leute hinfahren, die die nötige Einfalt besitzen, an die Marienerscheinungen zu glauben. Die kann der Vatikan natürlich mit einer realistischen Einschätzung der Sache nicht vergrämen, also bleibt es dabei, keine Anerkennung für die Erscheinungsmärchen, aber einen Freibrief fürs Pilgern in einen kirchenrechtlich nicht vorhandenen Wallfahrtsort, Aberglaube ist die Grundlage des Glaubens…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Die Sprache der Hetzer


In Hammamet in Tunesien gibt es eine kleine, aber durchaus aktive katholische Gemeinde mit einem schön gelegenen ruhigen Zentrum nur 2 Gehminuten vom Mittelmeer entfernt. Im Garten vor der Kirche finden meist gut besuchte Zusammenkünfte und Wohltätigkeits-Basare statt. Die Priester sind zumeist Franzosen, die wohl von der «Weltkirche» jeweils für gewisse Zeit hierher abkommandiert werden. Während der Feriensaison liegen die Texte in vielen Sprachen aus, und je nachdem aus welchen Ländern die Besucher der Messen stammen, wird die Predigt von vorher gebetenen Laien in der jeweiligen Landessprache verlesen. Ich selbst habe eine derartige Bitte des Priesters allerdings dankend abgelehnt.

Die tunesischen Gemeindemitglieder leben und arbeiten in dem islamischen Umfeld, doch eines Tages gehen auch sie den Weg, den wir alle noch vor uns haben, und sterben. Der christliche Friedhof liegt an sehr prominenter Stelle an der massigen Mauer der Medina. Er ist bestens gepflegt und lädt zum Verweilen ein. Hier befindet sich auch das Grab Bettino Craxis, dessen Witwe nach wie vor die Fondazione Bettino Craxi leitet und sehr viel Gutes für Kinder stiftet – unabhängig von deren Religionszugehörigkeit.

Ich habe noch nie gehört, dass irgendjemand in Tunesien mit Ausnahme der Salafisten  Anstand genommen hätte an den Friedhöfen anderer Glaubensrichtungen. So gibt es auch etliche jüdische Friedhöfe, ein recht grosser sogar in der Nachbargemeinde von Hammamet, der Gouvernoratsstadt Nabeul. Und natürlich gibt es im Land verstreut noch etliche mehr – chistlich und jüdisch.

Niemand hier – nicht einmal die Salafisten – käme auf die absurde Idee, unter Hinweis auf die Existenz solcher Friedhöfe nun eine schleichende Christianisierung oder Judaisierung Tunesiens herbei zu fabulieren.

Doch schauen wir uns einmal den umgekehrten Fall an. Da berichtet die WAZ am 29. Juni:

Muslimische Vereine sollen ab 2013 eigene Friedhöfe in Nordrhein-Westfalen betreiben dürfen. Kommunen sollen muslimischen Vereinen einen Friedhof genehmigen können, wenn die Religionsgemeinschaft den dauerhaften Betrieb sicherstellen kann.

Das sieht ein Gesetzentwurf der rot-grünen Landesregierung vor, der in Kürze in die Verbändeanhörung geht. Anschließend wird der Landtag beraten. Bis zum Frühjahr 2013 soll es dann in NRW ein neues Bestattungsgesetz geben.

Ministerin Barbara Steffens (Grüne) will den Muslimen eine nach dem Brauchtum ausgerichtete Bestattung aus einer Hand erleichtern und sich für eine bessere Qualität der Leichenschau einsetzen. Viele Muslime lassen sich heute in ihren Herkunftsländern bestatten. Künftig könnten sich mehr muslimische Bürger in NRW in Grabstätten in der Nähe ihrer Kinder und Enkelkinder bestatten lassen, sagte Steffens. Bisher gibt es in NRW keine Friedhöfe in muslimischer Trägerschaft.

Man möchte meinen, dass es langsam an der Zeit ist, dass Moslems auch in NRW endlich ihre eigenen Begräbnisstätten bekommen, ebenso wie die Juden (um nur diese zu nennen) ganz selbstverständlich ihre eigenen Friedhöfe betreiben. Den ca. 200.000 Juden in Deutschland stehen mittlerweile geschätzt 4-5 Millionen Moslems gegenüber (zu den Zahlen der Religionen in D siehe Religionen in Deutschland: wikipedia. Zu den jüdischen Friedhöfen vergleiche Jüdische Friedhöfe in Deutschland: hier). Es ist auch durchaus nicht so, dass die Regierung von NRW mit ihrem Erlass Neuland beschritte. Den ersten moslemischen Friedhof in Deutschland kann man (als Sehenswürdigkeit in den Stadtführer aufgenommen) seit 1866 in Berlin am Columbiadamm in Augenschein nehmen (Berlin-Sehenswuerdigkeiten). In der Zwischenzeit sind etliche hinzugekommen.

Auch der WAZ (siehe auch deren Titelbild des jüdischen Grabfelds in Kiel) war dieser Erlass keinen grossen Aufmacher wert. Zu selbstverständlich ist die Botschaft.

Doch betrachten wir, was auf rechtsgewirkten Islamhetzerseiten aus dieser Story gemacht wird. Ich wähle ganz bewusst nicht das Flaggschiff der Islamophoben, Politically Incorrect, sondern einen der vielfältigen Ableger dieser Art von Hinterhofblogs, Quotenqueen, im November 2010 von drei bei PI geschassten Redakteuren und Autoren gegründet. (Anmerkung: Unter einem Hinterhofblog verstehe ich ein lichtscheues Gebilde, das es nicht einmal wagt, die presserechtliche Verantwortung für das eigene Geschreibsel zu übernehmen, sondern sich mit anonymen Betreibern möglichst auf für die Justiz schwer zugänglichen ausländischen Servern herumtreibt).

Sie sind sich nicht zu schade, auch noch die Toten für ihre wirre Argumentation heranzuziehen, um unter ihren Lesern die Angst vor der Islamisierung Deutschlands zu schüren. Dass dabei auch noch – so  ganz nebenbei – einige Seitenhiebe auf die verhassten Sozialdemokraten und Grünen abfallen, versteht sich so zu sagen am Rande. Es gibt mit Sicherheit an den verschiedensten Ausformungen des Islam in Deutschland und den potenziellen Gefahren, die durch diese Religion für die Gesellschaft ausgehen, etliches zu kritisieren, doch wenn man auch noch den Toten ihre Ruhe nimmt, so ist das in einer geradezu unbeschreiblichen Weise schäbig und verantwortunngslos. Doch lesen Sie selbst auf quotenqueen :

Damit die dringend benötigten Fachkräfte uns auch über den Tod hinaus erhalten bleiben und nicht posthum noch dahin zurückkehren, wo mancher besser geblieben wäre, führt die neu gewählte Pleiteregierung von Hannelore Kraft jetzt neue Friedhöfe nur für Mohammedaner ein. Schließlich kann man den Rechtgläubigen nicht zumuten, neben Ungläubigen zu ruhen. Im Gespräch sind auch weitere Rücknahmen zivilisatorischer Errungenschaften im Bestattungsgesetz. Mohammedaner müssen ihren Glauben entsprechend sofort beigesetzt werden, also ohne die in der Zivilisation übliche Wartezeit. Und Särge sind auch nicht üblich, da es in der Wüste kein Holz gibt. Da ist noch einiges kultursensibles Entgegenkommen drin.

[…]

Was wird wohl passieren, wenn der muslimische Verein nach einiger zeit erklärt, dass ihm der Friedhof doch zu teuer wird?

Jeden weiteren Kommentar hierzu erachte ich von meiner Seite aus als überflüssig.

Nur ein kleiner Nachsatz: Ohne es zu merken stellen sich solche Schreiberlinge auf ein und dieselbe Stufe mit den Salafisten – nur mit umgekehrtem Vorzeichen.

Erstveröffentlichung im Juli 2012.

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Khol und die Kirche


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Der Alt-ÖVP-Politiker Andreas Khol äußerte sich in der aktuellen Ausgabe vom FALTER kritisch über die katholische Kirche, hier ein recht gelungener Ausschnitt aus dem Interview:

 

Khol fasst die viel diskutierten innerkirchlichen Probleme sehr treffend zusammen: Es steht davon nix in der Bibel! Wie auf atheisten-info ja schon seit Jahren zu lesen steht, hat der christliche Obergott Jesus die Ehelosigkeit und damit die Sexlosigkeit nur Kastraten zugemutet, der Zölibat ist daher nach der Bibel so wie er katholisch angeordnet wurde, gar nicht möglich, die Priester müssten sich anlässlich der Priesterweihe verschneiden (lassen). Dass es keine weiblichen Priester geben darf, steht auch nirgends und eine Mitsprache des Kirchenvolkes bei der Auswahl der Hierarchen ist dort auch nicht untersagt.

Aber jetzt kommt wieder der Widerspruch: Bei den Protestanten ist das alles so: Kein Zölibat, weibliche Priester und Wahl der leitenden Funktionäre! Und trotzdem verlieren in unseren Breiten die Protestanten mehr Mitglieder als die Katholiken, siehe das schöne Beispiel Deutschland, wo die beiden Kirchen in ähnlicher Größe sind. 1990 bei der Eingliederung der DDR in die alten BRD gab's nach offizieller Statistik 28.252.000 katholische und 29.422.000 protestantische Kirchenmitglieder, 2018 waren es 23.002.128 und 21.140.599, die Katholiken haben in diesen 28 Jahren somit nur gut fünf Millionen Mitglieder verloren, die Protestanten gut acht Millionen, denn die protestantische Weltoffenheit lässt die Leute leichter entweichen…

Und wenn der Khol ein protestantischer Reformer wäre, dann hätte er zwar auch keinen vatikanischen Orden, wäre aber vielleicht Oberkirchenrat geworden. Irgendwie unterhaltsam diese kirchlichen Bemühungitäten, obwohl sie letztlich zwecklos sind…

Und die Frohbotschaft des obigen Interviews  ist der Schlusssatz!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Nelly


“Neger-Nelly, Neger-Nelly!” krächzte es über den Schulhof, und das solcherart beschimpfte Mädchen warf sich schluchzend in die Arme seiner besten Freundin. Mit ihrem krausen Haar, den tiefdunklen Augen und ihrer braunen, samtenen Haut war sie wunderschön. Aber das wusste die Elfjährige noch nicht.

Zwei schlaksige Rüpel, die offenbar meinten, sich bei dem Geschrei besonders hervortun zu müssen, schnappte der Aufsicht habende Lehrer am Schlafittchen und brachte sie vor die Rektorin.
Die setzte mühsam den strengsten Blick auf, der ihr zur Verfügung stand, und ließ eine Standpauke ab, in der von Rassismus, Respekt und freundlichem Miteinander die Rede war und die mit der Frage schloss:
“Woher habt ihr solche Ausdrücke? Was lest ihr bloß für Bücher?”
“Bücher, hä?” hallte es verständnislos aus beider Mund.
“Ich will dieses Wort nicht noch einmal hören, sonst knallt’s!”
Obwohl keineswegs klar war, was da wie laut knallen sollte, maulten die Beiden in das Stundenklingeln hinein ein halbherziges “okay”, worauf sie sich trollen durften.
Um Nelly hatte sich unterdessen niemand gekümmert, jetzt war es ohnehin zu spät, denn der Unterricht musste fortgesetzt werden.
In den Augen der Schulleitung war die Einrichtung nun frei von Rassismus, denn die beiden Rabauken hielten ihr Wort: Sie stellten das Brüllen ein, näherten sich Nelly nur noch unverhofft von hinten und fauchten ihr ins Ohr:
“Schwarzes Opfer, schwarzes Opfer!”
Sollte sich Nelly beschweren? Nichts wäre zu beweisen gewesen, Aussage hätte gegen Aussage gestanden.
Nelly war eine sehr gute Sportlerin, besonders die Leichtathletik hatte es ihr angetan. Im Sprint sauste sie allen davon.
Beim Schulsportfest tauchte ein Talentsucher vom Sportgymnasium auf.
“Wer ist denn die kleine farbige Gazelle da?” fragte er.
“Das ist unsere Nelly”, antwortete stolz die Rektorin.
“Ja, ja, die Naturvölker.”
“Sie ist hier geboren”, korrigierte ihn die Rektorin, “ihre Eltern sind Deutsche.”
“Macht ja nichts. Ist gekauft!” trompetete der Kopfjäger.
“Gekauft?” Die Rektorin riss die Augen auf.
“Ja, klar – sagt man so in unserer Branche. Denken Sie nur an all die Fußballer. Na, nichts für ungut. Das Mädel hat Zukunft!”
An der Sportschule begrüßte man sie nicht unfreundlich: “Aah, unsere kleine AfroAmerikanerin!”
“Isch nischt Afro, isch nischt Amerika, isch deutsch, ihr Kanaken!” zischte Nelly zurück. Irgendwann musste sie anfangen, sich zu wehren.
“Ist ja gut. Dann eben AfroDeutsche.”
Beinahe hätte Nelly darum gebeten, wieder als Negerin bezeichnet zu werden. Eine Leistungssportlerin muss wohl hart sein, auch im Nehmen.

Wollte man alle Wörter ausmerzen, mit denen Menschen beleidigt werden können, hätten wir bald keine Sprache mehr. Obwohl – eine gewisse Sprachlosigkeit stünde uns zuweilen vielleicht ganz gut zu Gesicht, oder?

Titelfoto unter CC-Lizenz, das abgebildete Mädchen hat mit der fiktiven Person Nelly nichts zu tun. 

Quelle: http://dubiator.wordpress.com/2013/01/24/nelly/#more-1110

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Marokko: Tod für Shorts!


marokkoshortsFolgendes Bild zog dieser Tage durch durchs Net:

 Die abgebildeten Mädchen arbeiten irgendwo in Marokko als eine Art Entwicklungshelfer. In der Afrohitze kleidete man sich entsprechend leicht, man hatte offenbar ganz darauf vergessen, dass Nordafrika muslimisch ist und dort immer noch so heftige Sittlichkeitsgebote gelten wie in den katholischen Gebieten vor hundert Jahren.

Siehe hier: Foto von einem seinerzeitigen Badestrand in einem katholisch gesitteten Land

Die jungen Belgierinnen erschienen in einen TV-Beitrag in Marokko, während sie in Shorts arbeiteten. Daraufhin drohte ein 26-jähriger Lehrer ihnen mit dem Tod: Die Frauen sollte man enthaupten, damit sie es sich nicht mehr wagen, die Lehren der Islam-Religion in Frage zu stellen!

Die Frauen reisten ab, Belgien wird hinkünftig für solche Tätigkeiten niemanden mehr nach Marokko schicken.

In Marokko gab es Solidarität, marokkanische Frauen traten in Casablanca in Shorts auf, ein Khalid Chafaqui stellte davon einen 5-Minuten-Film auf Facebook, in welchem die nackten Beine der Frauen möglichst wenig zu sehen waren, mit Sekundenschiebereien gelang dann dieser Screenshot, Chafaqui will ja vermutlich auch nicht geköpft werden:

Da kann man sich als Europäer wieder einmal erleichtert darüber freuen: die katholischen Köpfer haben wir im Laufe der letzten Jahrhunderte überwunden!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Afrika - Neue Heimstatt für Jesus


„In Italien ist es warm und die Sonne scheint fast immer. Dagegen ist das graue Norddeutschland von Kälte, Regen und Stürmen gepeinigt.“ Dieses Faktum war den armen Friesen zu Beginn des achten Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung nur zu leidvoll bewusst. Dagegen konnten auch Thor und das ganze restliche Panoptikum an germanischen Göttern und Halbgöttern, die durch die Vorstellungswelt der armen Heiden geisterten, nichts ändern. Bonifatius aber versprach Abhilfe. Das Wetter werde sicherlich wie in Italien, wenn man sich nur dem richtigen Gott zuwendet.

Verwunderung griff aber um sich, als sie die „Begründung“ für diese offenbaren klimatischen Unterschiede erfuhren. „Aufklärer“ der Friesen war der aus Wessex (heute Grafschaft Devon) stammende Wynfryth, der aber seinen Kampfnamen, der ihm von Papst Gregor II. anlässlich einer Pilgerreise nach Rom verliehen worden war, bevorzugte: Bonifatius, also in etwa „derjenige, der Gutes tut“. Er wurde natürlich heilig gesprochen und gilt heute als der „Apostel der Deutschen“. Für Jospeh Ratzinger, der sich neuerdings zum Obermissionar des so arg verweltlichten Westens berufen fühlt, ist er ein glühendes Vorbild, dem nachzueifern jedes anständigen Christen Pflicht bedeutet, so am 11. März 2009 in einer Generalaudienz vor 50.000 verklärten Pilgern in Rom.

Mission damals und heute

Bonifatius’ „Begründung“ war so simpel wie haarsträubend: „In Italien wohnen eben Christen, die von Gott dafür mit angenehmem Klima belohnt werden“. Als ich dies kurz vor meinem Examen 1969 in einer Oberseminararbeit wohl wahrheitsgemäß als plumpen Trick und schlichte Lüge bezeichnete, erboste sich mein gläubiger Professor am Rand des Manuskripts mit der Bemerkung: „Kirchenfeindlichkeit geradezu Bismarckscher Prägung!“ Die Friesen hat Bonifatius nicht überzeugt: sie jagten ihn davon. Das war aber nicht der einzige Griff des guten Apostels der Deutschen in die Trickkiste. Kurz nach 723, nunmehr mit einer beträchtlichen fränkischen Streitmacht zu seiner Sicherheit gegen etwaige heidnische Feindseligkeiten im Rücken, ließ er in Geismar bei Fritzlar die dort zu Ehren Thors stehende Donareiche fällen. Als kein Blitz vom Himmel fuhr, um den Frevler zu bestrafen, konnte er frohlockend verkünden: „Seht her, Euer Gott existiert ja gar nicht, sonst würde er sich das nicht gefallen lassen“. Die Heiden waren verdutzt, ihnen standen die Münder offen, so dass sie nicht einmal auf die naheliegende Idee kamen, eine christliche Kapelle in der Nähe einzureißen, um die Reaktion des Christengottes zu prüfen.

Doch trotz all dieser Lügenmärchen ging die Christianisierung nur schleppend voran. Aber Bonifatius wollte es noch einmal wissen. So wagte er sich im gesegneten Alter von über achtzig Jahren noch einmal in die Friesenlande, die er als junger Missionar so schmählich hatte verlassen müssen. Er wollte einfach nicht begreifen, dass diese widerborstigen Leute partout nichts mit seinem vorderorientalischen Wanderprediger zu tun haben wollten. Die Quittung folgte auf dem Fuße: die Friesen hatten nunmehr die Nase voll und erschlugen den Quälgeist mitsamt seiner Mannschaft am 5. Juni 754.

Kolonialisierung brachte abrahamitische Religionen nach Afrika

Als Jahrhunderte später Sachsen und Friesen sich noch immer nicht dem römischen Kreuz beugen wollten, riss schließlich Karl dem Großen der Geduldsfaden. Mit gewaltiger Streitmacht seiner Gotteskrieger ließ er Tausende der Widerspenstigen dahinmetzeln, allein in Verden an der Aller kostete das Massaker im Namen christlicher Nächstenliebe 4 500 Menschenleben. Die lange und leidvolle Geschichte der Missionierung in Norddeutschland zeigt archetypisch die Vorgehensweise der vermeintlich friedvollen Religionen. War man in der Minderheit, versuchte man es mit Lüge und Verstellung, im Koran etwa „Taqiyya“ genannt. Hatte man die Macht, wurde der Ungläubige schlicht militärisch überrannt und zur Annahme des jeweils „rechten Glaubens“ gezwungen. Die monotheistischen Weltreligionen stehen sich hier in nichts nach, mit einer Ausnahme: Juden missionieren nicht.

Wenn also Bonifatius-Verehrer Benedikt XVI. das Übel des um sich greifenden Atheismus per Mission ausrotten will, dürfen wir gespannt sein, zu welchen Tricks und Lügen der Vatikan diesmal greifen wird. Militärische Macht kann er ja mangels Masse zum Glück nicht einsetzen. Der Islam verhält sich in diesem Punkte völlig systemkonform. In Europa und Amerika greift er zur Taqiyya. Dort wo er militärisch stärker ist wie etwa in Somalia, Sudan, Pakistan, Afghanistan oder auch im Norden Nigerias zählt nur noch nackte Gewalt mit Terror und Unterdrückung – auch gegen die eigenen Glaubensbrüder, wenn deren Ideen nur ein Quäntchen von der angeblich „reinen Lehre“ abweichen. Das Mittelalter lässt grüßen.

William Black, Dozent für Theologie und christliche Geschichte, stellt mit Verweis auf Nordafrika fest: “Das Christentum war afrikanisch seit der Zeit der Apostel.” Spätestens aber die Kolonialisierung brachte die christliche Religion nach Afrika. Vorher, heute noch teilweise, herrschten Naturreligionen vor, die sich ganz offensichtlich evolutionär entwickelt haben, da der Mensch von Beginn an auf der Suche nach Erklärungen für das Unbekannte war. Wo kommen Blitz und Donner her? Wer ist verantwortlich für Sonnenschein und fruchtbringenden Regen? Das simplifizierte Weltbild ist immer vom Prinzip her gleich: für das Gute sind die Götter verantwortlich, die man deshalb ehren muss, oder denen man sogar Opfer bringen muss, das Böse wird von Dämonen und Teufeln hervorgebracht, vor denen man Angst und Furcht haben muss. Wie passend, dass auch die abrahamitischen Religionen im Grunde vergleichbar einfältig gestrickt sind. Mission in Afrika: Ein gütiger, manchmal auch zorniger Gott, der in seiner Ohnmacht die bösen Satane und Teufel einfach nicht in den Griff bekommt, sonst gäbe es sie ja nicht mehr.

Wenden sich also – wie heute in Europa – die ehemals Gläubigen in Scharen von den Religionen ab, so kann man sie mit einer Angstkampagne möglicherweise zurückgewinnen: Die Abwendung von Gott produziert „eine Kultur des Todes“ und „Satan füllt die Lücke“, behauptet Prälat Obiore Ike aus Nigeria, wenn er deutschen Christen weismachen will, wie sie von Afrika lernen können. In Afrika scheint eine solche primitive Angstmache zu funktionieren: die Kirchen – vor allem auch die aggressiven Evangelikalen – gewinnen stetig an Mitgliedern. Gestützt auf den traditionellen Aberglauben und unter geschickter Ausnutzung lokaler Gepflogenheiten ist Afrika zum religiösesten Kontinent der Erde geworden.

In einer umfassenden Studie des Pew Forum, die von CNN publiziert wurde, wird festgestellt, dass Afrikaner zu den religiösesten Menschen dieser Welt zählen. Etwa 150 Millionen Evangelikale gibt es bereits, und nach einer Verdreifachung der Mitgliederzahlen während der letzten 30 Jahre weiß die katholische Kirche heute ähnlich viele Menschen hinter sich. Der Humanist Leo Igwe hat dazu einen bemerkenswerten Aufsatz veröffentlicht. Als Kenner der afrikanischen Szene und leidender Betroffener dieses Wahns schreibt er: „Gemäß dieser Studie glaubt mindestens die Hälfte der Christen in Afrika unterhalb der Sahara, dass Jesus noch zu ihren Lebzeiten wiederkehren wird. Einer von drei Moslems erwartet die Wiedererrichtung des Kalifats – das goldene Zeitalter des Islam – bevor sie sterben. Mindestens 30 Prozent der Menschen in Afrika geben vor, göttliche Heilungen erfahren zu haben, oder gesehen zu haben, wie der Teufel ausgetrieben wurde, oder eine direkte Offenbarung Gottes empfangen zu haben. Ein Viertel glaubt, dass Opfergaben für die Ahnen sie vor schlimmen Ereignissen schützen können. Und bemerkenswerte Prozentzahlen glauben an Zauber und Amulette. Viele konsultieren traditionelle religiöse Heiler…”

In Nigeria werden jährlich sieben Mal soviele Priester wie in Deutschland geweiht

Wenn man diesen horrenden Unsinn liest, der durch die umfassende Studie mit über 25.000 Befragten in 19 Sprachen gut untermauert ist, so zweifelt man am Verstand der Kirchen – falls man es nicht ohnehin schon tut – , dass sie sich auf einen solchen Synkretismus einlassen. Das ist ja kein Einzelfall, wie die Inkorporation von Voodoo in der Karibik, oder die simple Weihnachtstanne an der Bethlehemer Krippe zeigen. Doch was will man von Priestern erwarten, die Seelenmessen lesen und damit den Kontakt zu den Toten herstellen, oder die Heiligenbilder verehren, auch in Form von Amuletten, oder die als religiöse Heiler den Satan per Exorzismus austreiben. Das steht diesen afrikanischen Bräuchen in frappierender Weise nah und wird deshalb auch schamlos genutzt. Wäre Jesus Leichnam nicht aus seiner Gruft gestohlen worden würde er sich, ganz metaphorisch gesprochen, wohl im Grabe umdrehen, wenn er sähe, was aus „seiner“ Kirche geworden ist.

Der Glaube an solchen Hokuspokus ist zum Glück in Europa seltener geworden, auch unter den Gläubigen. Umso befremdlicher wirkt es, wenn afrikanische Theologen wie Ibiora Ike daherkommen, und die Spiritualität Afrikas geradezu als Vorbild hinstellen. Das Interview mit Ike ist auch deshalb so unerträglich, weil dieser Unsinn mit einer freundlich lächelnden Leichtigkeit vorgetragen wird: „Jesus hat in Afrika eine neue Heimstatt gefunden“. Zur Untermauerung dient ihm auch, dass allein in Nigeria jährlich 700 Priester geweiht werden, in Deutschland sind es dagegen etwa 100 pro Jahr. All das heißt doch im Klartext: Hier liegt die wahre Frömmigkeit von heute, nehmt euch ein Beispiel daran. Da solche Avancen sicherlich nicht ohne Abstimmung mit dem Vatikan erfolgen, darf man davon ausgehen, dass sich hier im Kern bereits die neue Taktik herauskristallisiert, mit der die Re-Christianisierung Europas erfolgen soll. „Völker dieses Kontinents: schaut auf Afrika und erkennt, dass hier ein großes Vorbild glühenden Glaubenseifers vor euch steht, dem nachzufolgen heilige Christenpflicht ist.“ Und im Grunde sieht der erstaunte Betrachter nichts anderes als einen neuerlichen Griff in die Trickkiste, die eines Bonifatius nicht unwürdig wäre.

Der Artikel erschien zuerst im November 2012

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




495. Wort zum Sonntag, den 11.8.2019


SchönbornErwin Peterseil nimmt sich wieder gekonnt eine Predigt des Bischof Schönborn vor:

Lk 12,35-40: Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft! Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Die Jesuswelt war eine streng geteilte Klassengesellschaft, Herren und Knechte! Die katholische Kirche hat das in ihrer ganzen Geschichte als Selbstverständlichkeit gefunden, als im 19. Jahrhundert die Arbeiterbewegung entstand und diese anfing, Rechte für die arbeitende Bevölkerung einzufordern, war die r.k. Kirche natürlich strikt dagegen, jeder hatte auf seinem Platz zu stehen und dort zu verbleiben!

Papst Pius IX. (im Amt 1846 bis 1878) erließ 1864 die Enzyklika Syllabus Errorum ("Verzeichnis der Irrtümer"), eine Liste von 80 Thesen, die von diesem als "falsch" verurteilt wurden. Darunter fallen natürlich Dinge wie Rationalismus, Liberalismus, Sozialismus, Kommunismus, Religionsfreiheit, dass Staatsrecht vor Kirchenrechte gehe usw. Sogar in den 1930er-Jahren hielt sich der Vatikan noch für befugt die Arbeiterbewegung zu verurteilen, es hieß in der Enzyklika Quadragesimo anno von Papst Pius XI. von 1931:
"Der Sozialismus, gleichviel ob als Lehre, als geschichtliche Erscheinung oder als Bewegung, auch nachdem er in den genannten Stücken der Wahrheit und Gerechtigkeit Raum gibt, bleibt mit der Lehre der katholischen Kirche immer unvereinbar.
Er müsste denn aufhören, Sozialismus zu sein: der Gegensatz zwischen sozialistischer und christlicher Gesellschaftsauffassung ist unüberbrückbar."

Herren und Knechte, das war Christenlehre!

Der Herr Bischof Schönborn kann das heute nimmer predigen, er schreibt darum einleitend: "Manchmal merkt man deutlich, dass die Zeiten sich seit Jesus sehr gewandelt haben. Das heutige Evangelium spielt in einer Welt, die heute (zumindest bei uns) der Vergangenheit angehört. (..) Alle hatten ihren genauen Platz und Rang (..)". Dass die damalige Welt für'n allwissenden Gottessohn Jesus eine Selbstverständlichkeit war, das kritisiert Schönborn natürlich nicht! Er geht davon aus, dass der Jesus den Knechten die richtigen Tipps gibt: "Eure Hüften sollen gegürtet sein, also: Bleibt in eurer Arbeitskleidung! Und: Eure Lampen sollen brennen, also: keine Pause, keine Nachtruhe, bis der Herr geruht, vom Fest heimzukehren. Das ist alles 'normal' in der Gesellschaftsordnung von früher."

Der Herr bedient dann seine wachgebliebenen Knechte, weil aus dem Herrn wird der "Menschensohn" und aus den Knechten werden die vom "Menschensohn" wegen ihres Glaubens belohnten! Der Herr Kardinal argumentiert dann so: "Die Diener sitzen bei Tisch, und der Herr bedient sie höchstpersönlich! Er kommt spät abends nach Hause von einer Hochzeit, und statt sich bedienen zu lassen, übernimmt er selbst die niedrigsten Dienste seiner Knechte. Was will Jesus damit sagen? Er hat es oft und deutlich ausgesprochen: 'Wer unter euch der Erste sein will, der mache sich zum Diener aller.' Und er hat hinzugefügt, er sei selber nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben für die Menschen."

Schönborn schließt schließlich seine Predigt heute so: "Eine große Frage bleibt mir im Hals stecken: Wenn Jesus das so klar gesagt hat, warum haben wir das so wenig umgesetzt? Immer noch gibt es alle Arten von Rangordnungen. Auch wenn unsere Welt viel demokratischer geworden ist, Herren und Knechte gibt es nach wie vor, auch wenn sie nicht mehr so genannt werden. Vielleicht ist das unvermeidlich. Immer wird es Chefs und Untergebene geben. Die 'Jesus-Revolution' besteht nicht darin, dass niemand mehr Diener zu sein braucht. Im Gegenteil: Keiner war mehr 'Chef' als Jesus, der Sohn Gottes. Entscheidend ist, wie er 'Chef' war. Er war sich nicht zu gut, sich für uns alle zum Diener zu machen."

Das ist heute wieder eine Freude für den Wiener Bischof, weil wer sich selber klein macht, der ist der GRÖSSTE! Die katholische Lehre hat als Schwerpunkt ja bekanntlich die erbarmungslose Heuchelei, wer groß sein will, der mache sich klein, wer Erster sein will, der strebe nach dem letzten Platz! Es richten sich wohl nur sehr wenige Katholiken wirklich nach dieser seltsamen Lehre von den kleinen Großen und den großen Kleinen. Und unsereiner ist sicherlich am liebsten er selber und kein zum Heiligen geschrumpfter Heuchler!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Islam trifft Moderne


Je geringer die Bildung desto größer die Gewissheit, im Besitz der Wahrheit zu sein. Das ist eine Binsenweisheit, die sich an den verschiedensten Objekten eindeutig belegen lässt. Der Intelligente fragt sich, warum denn wohl der Apfel vom Baum gefallen ist, der Tölpel freut sich, ihn nicht erst pflücken zu müssen, und frisst ihn auf. Weitergehende Gedanken sind Zeitverschwendung.

Die richtigen Fragen zu stellen hängt dabei allerdings nicht nur von der persönlichen Intelligenz eines Individuums ab, sondern vor allem auch davon, wie viele Fragen eine Gesellschaft überhaupt zulässt. Repressive Strukturen begünstigen weder das Fragenstellen noch die Kreativität. Das beginnt in den Familien mit stark patriarchalischer Ausrichtung, setzt sich in Schulen fort, in denen die Autorität des Lehrers davon lebt, dass seine Meinung sakrosankt ist, endet beim Militär in einem starren System von Befehl und Gehorsam. Wer all dies durchlaufen hat – nie angereizt, eigene Fragen zu stellen – hat schließlich auch an der Universität das Fragen verlernt. Dergleichen geschlossene Gesellschaften können es sich sparen, Geld für Forschung und Wissenschaft zu investieren. Es wird nicht viel dabei herauskommen.

Wer an dieser Stelle vorankommen will, tut sich keinen Gefallen, wenn er diese Strukturen unangetastet lässt. Nur wer die Fesseln einer solchen Gesellschaft zu sprengen in der Lage ist kann eine gewaltige Welle an Kreativität freisetzen. Vollständig wird aber auch dies nur gelingen, wenn parallel zur Sprengung dieser allgemeinen Fesseln auch und vor allem die von der Gesellschaft den Frauen auferlegten Fesseln fallen. Ohne Gleichberechtigung der Geschlechter keine wahre Freiheit.

Mit der Auferlegung fesselnder Denkverbote haben vor allem die monotheistischen Religionen den Menschen über Jahrhunderte hin Schreckliches angetan. Dabei denke ich weniger an die physische Verfolgung von Häretikern oder Apostaten (so schlimm diese Verbrechen auch sein mögen), sondern an die allgemeine Lähmung, die sich aus solchen Denkverboten notwendigerweise ergibt. Eine attraktive Betrachtung der Wissenschaftsgeschichte ohne Einfluss solcher hemmenden Faktoren kam ja (vielleicht scherzhaft, aber durchaus überzeugend) zu dem Schluss, dass die ersten Züge im 11. Jahrhundert verkehrt hätten und im 15. Jahrhundert der Flug zum Mond geglückt wäre. Die Fantasie reicht wohl nicht so weit sich vorzustellen, wo wir heute stünden.

Der Befreiungskampf begann mit einem ersten kleinen Schritt vor nunmehr knapp 500 Jahren und manifestierte sich (der Sage nach) in einem ketzerischen Pamphlet eines kleinen Mönchs an einer Kirchentür in Wittenberg. Das mag gering klingen, doch immerhin ermöglichte diese daraufhin einsetzende „Reform“ zumindest das Gefühl, anders sein zu dürfen, dem Einheitsbrei entronnen zu sein. Das Entweichen aus der Uniformität ist immer ein erster Schritt zur individuellen Befreiung und damit sehr häufig zur geistigen Entfaltung. Die Geschichte von Aufklärung, technischen Revolutionen, Industrialisierung und Entwicklung in eine Forschungsgesellschaft muss ich hier wohl nicht nachzeichnen. Sie ist bekannt. Sie hat Gewaltiges erreicht, birgt in ihrer postmodernen Version allerdings auch erhebliche Risiken, die aber hier nicht unser Thema sind.

Unglücklicherweise hat sich die Menschheit in diesen Fragen nicht symmetrisch entwickelt. Was lange Zeit zunächst durch Kolonialismus, später den Ost-West-Konflikt fast völlig verdeckt wurde, tritt nun zunehmend als „Clash of Civilisations“ in den Vordergrund und führt vor allem an den Nahtstellen zu erheblichen Verwerfungen und teilweise auch großen Ängsten. Auf diese außerhalb Europas stattfindenden Konflikte, bei denen sehr viel Blut fließt, mag ich hier nicht eingehen.

Vielleicht ist es etwas überspitzt, aber man kann cum grano salis sagen, dass auch in Deutschland, oder allgemein in Westeuropa, eine fortschrittliche, menschenrechtsorientierte Zivilisation auf archaische Kulturen trifft, die so gar nicht ins Weltbild passen wollen. Entsprechend hilflos wirken viele Reaktionen auf diese neue gesellschaftliche Herausforderung. Und nun ist es wieder ähnlich wie mit dem fallenden Apfel. Der Intelligente analysiert die Situation und entwickelt Lösungsmöglichkeiten, der Tölpel will das Problem dadurch umgehen, dass er den störenden Faktor aus dem Lande wirft, was aber ohne Missachtung unserer zivilisatorischen Errungenschaften kaum möglich ist. Da es auch müßig ist, sich darüber Gedanken zu machen, wie es zu dieser Situation gekommen ist, bleibt zunächst einmal festzuhalten: in Europa leben Moslems – für manche noch immer eine geradezu entsetzliche Vorstellung! Doch: „der“ Islam ist hier angekommen, er wird nicht wieder weichen. Das sei allen Träumern ins Gebetbuch geschrieben, die da immer noch glauben, nur eine neue Reconquista führe zur Rettung des untergehenden „jüdisch-christlichen“ Abendlandes. Wer davon träumt, ohne aktiv etwas zur Lösung der zweifellos anstehenden Probleme beizutragen, wird eines unguten Morgens aufwachen und einsehen müssen, dass sein Kampf verloren ist.

Der erste große Fehler einer falschen Betrachtungsweise liegt ja bereits darin, von dem Islam und den Moslems zu sprechen, wenn das Problem angegangen wird. Diese Pauschalierung führt dann schnell zu einigen unguten Unterstellungen. Ich will es einmal versuchen anders deutlich zu machen worum es geht. Wenn ich hier in Tunesien Leute befrage, was sie denn so vom Christentum wissen (und ich tue das seit nunmehr 14 Jahren), so kommt unter dem Strich immer wieder dasselbe heraus: Christen haben den Propheten Isa Ben Mariam zum Gott erhoben, sind also Polytheisten, und repräsentieren eine archaische Urform von Glauben, die sie möglichst bald gegen den viel weiter entwickelten Islam eintauschen sollten. Der letzte Gesandte Gottes war ja schließlich Mohammed – also muss der die Wahrheit wissen und nicht die fehlgeleiteten Christen. Auf weitergehende Fragen nach der Aufspaltung des Christentums in Hunderte von konkurrierenden Konfessionen, Sekten und Grüppchen kommt in aller Regel nur ein unwissendes Kopfschütteln.

Ganz Vergleichbares, Pauschalierendes findet sich in Europa, wenn man Christen nach dem Islam befragt. Zum Beispiel ist auch hier wenig bekannt, in welche Gruppen und Grüppchen sich all das aufgespalten hat, was gemeinhin unter „Islam“ subsummiert wird. Es ist nicht unser Thema, doch der Interessierte lese es hier in Kurzform nach: Welche Strömungen gibt es im Islam?. Der größte Fehler der so genannten christlichen Islamkritiker liegt aber in einer viel weitergehenden Unterstellung: Ein Moslem ist nur dann ein Moslem, wenn er buchstäblich nach den überkommenen Rezeptbüchern (Koran und Ahadith) lebt. Für alle diejenigen, auf die das nicht zutrifft (und das ist die übergroße Mehrheit) gilt dann eben: „Da ist der Chip drin“. Sie werden also denunziert als Schläfertruppe oder fünfte Kolonne, die im Fall der Fälle sofort bereit ist, für Ihre Religion einzuspringen und alle Ungläubigen abzumurksen. Das ist erkennbar aus Angst geborener Unsinn.

Betrachtet man „moderne“ islamische Gesellschaften (auf die Gefahr hin, eine contradictio in adiecto zu produzieren), so stellt man schnell fest, dass dem durchaus nicht so ist. Das Stichwort heißt auch dort Frauen und Bildung. Vom stark westlich geprägten Libanon einmal abgesehen, hat zweifellos Tunesien unter den arabischen Ländern den höchsten Bildungsstandard und die am besten entwickelten Freiheitsrechte für Frauen. Allein diesem Umstand ist es zuzuschreiben, dass im Gefolge der Revolution vom 14. Januar 2011 (der neue Nationalfeiertag, es wird bereits fleißig geschmückt) die Extremisten zwar einen relativen Erfolg verbuchen konnten, aber weit davon entfernt sind, die Geschicke dieses Landes in Richtung der Shari’âh zu verändern. Selbst bei ihnen setzt sich die Erkenntnis durch, dass eine moderne Wirtschaft ohne bürgerliche Freiheiten nicht zu realisieren ist. Das bringt zwar den Salafisten Zulauf (teilweise auch den Terroristen von Al-Qaida du Maghreb Arabe), doch sind das überschaubare Größen, die mit sicherheitstechnischen Mitteln weitgehend unter Kontrolle gebracht werden können.

Welche Erkenntnisse ermöglicht das für die Situation in Europa, speziell in Deutschland? Da nach unserem Selbstverständnis restriktive und undemokratische Methoden ausscheiden, kann es auch hier nur ein Motto geben: Bildung und Frauenbefreiung. Wenn man mir an dieser Stelle entgegenhält, dass auch ein Mohammed Atta „gebildet“ war, dann sei gesagt, dass Bildung nicht vor Torheiten schützt, doch die Chancen dazu im statistischen Mittel erheblich reduziert. Beide Ansätze zu diesen Problemlösungen sind kürzlich auf Wissenbloggt zu Gehör gekommen. Am besten bringen sich ohne Zweifel an dieser Stelle nicht irgendwelche gebildeten deutschen Oberlehrer ein, sondern diejenigen, die ganz nahe am Sachstand sind wie Ali Utlu mit Ali Utlus Appell oder die Damen von FreeMinds mit Waiting for your rescue. Ihnen sollte unsere vollste Sympathie, Unterstützung und Ermutigung gelten. Ich gehe davon aus, dass sich solche Initiativen in zunehmenden Umfang bilden werden. Wo immer möglich, sollten gerade Humanisten an ihrer Seite stehen. Auch eine ganz und gar nicht untypische Erfolgsgeschichte durften wir auf WB bereits lesen: Zwischen Moschee und Moderne

Einen ganz schwierigen Punkt in unserem Zusammenhang stellen dabei die islamischen Organisationen dar, die ganz offiziell vorgeben, „die“ Moslems in Deutschland zu vertreten, obwohl dies nur für einen ganz geringen Teil gilt. Sie greifen dennoch nach dem Vorbild der Staatskirchen nach politischer Macht mit Einfluss auf Medien und Gesellschaft. Die humanistische Antwort dürfte auch an dieser Stelle klar sein, obwohl das unseren christlichen Freunden überhaupt nicht schmeckt.

Ich hoffe, mit diesem Aufsatz ein wenig zur Versachlichung der Diskussion beizutragen und würde mich freuen, wenn er bei der Formulierung unseres Programms zur Integrationspolitik von DIE HUMANISTEN Berücksichtigung fände.

Der Artikel stammt vom Januar 2013.

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Affen-Theorie kalt erwischt


Tippender-AffeDas hat die Astrophysikerin Sarah Salviander, denn "auch Primaten können Evolutionstheorie nicht stützen".

Denn sie kontert dem «Infinite Monkey Theorem» (Endloser Affenlehrsatz) mit einer astronomischen Rechnung, weil (wie auch in Wikipedia nachzulesen) dieser Lehrsatz besage, dass ein Affe, der unendlich lange zufällig auf einer Schreibmaschine herumtippt, fast sicher irgendwann alle Bücher in der Nationalbibliothek Frankreichs schreiben wird oder in den englischsprachigen Ländern die Werke Shakespeares.

Darüber schrieb die Site jesus.ch am 7.8.2019 und führte aus: "Die ehemalige Atheistin, die inzwischen Christin wurde, stellt damit eine Theorie auf den Prüfstand, welche Atheisten-Papst Richard Dawkins verwendet, um die Evolutions-Theorie zu untermauern."

Und dann wird in Großbuchstaben verkündet:
EINE MILLIARDE AFFEN WÜRDE MILLARDEN VON BILLIONEN JAHREN BENÖTIGEN, UM AUCH NUR EINEN SINNVOLLEN SATZ AUF EINER TASTATUR ABZUTIPPEN. DAMIT FÄLLT DIE THEORIE, DASS DAS UNIVERSUM SPONTAN AUS DEM NICHTS ENTSTANDEN IST.

Und weiter geht’s über einen endlsoen Affentest: "Nach vier Wochen haben sie nicht nur kein einziges Wort der englischen Sprache produziert, sondern sie haben sich auch gelangweilt und angefangen, sich an den Tastaturen zu entleeren.» So lautet die Zusammenfassung eines Tests aus dem Jahr 2003 zur «Infinite Monkey Theorem. Sechs Affen hatten einen Monat Zeit, auf einer Computer-Tastatur-Texte zu schreiben. Das Endergebnis waren rund fünf Seiten, die überwiegend aus dem Buchstaben «s» bestanden. Außerdem hatten die Affen mit einem Stein auf die Tastatur geschlagen und sich auf ihr entleert. Diese Theorie, ein Favorit des atheistischen Autors Richard Dawkins, versucht zu erklären, wie ein unglaublich fein abgestimmtes Universum, wie das unsere, spontan aus dem Nichts durch einen ungeführten Prozess entstanden sein könnte. Dawkins hat sich auf die Theorie in Büchern und bei Auftritten auf der Bühne bezogen."

Was ein völliger Blödsinn ist! Richard Dawkins hat das Beispiel der Schreibmaschine schreibenden Affen zur Erklärung der "kumulativer Auslese", verwendet, er beschreibt dazu ein Computerprogramm, welches die Hamlet-Zeile "METHINKS IT IS LIKE A WEASEL" produziert, um zu zeigen, inwieweit sich die kumulative Auslese von einem hypothetischen Schreibmaschine schreibenden Affen unterscheidet. Dazu wird zunächst ein Zufallstext erzeugt. Dieser Text wird mit dem Hamlet-Text verglichen, wobei nur diejenigen Buchstaben in den nächsten Schritt übernommen werden, die mit dem Hamlet-Text bereits übereinstimmen. Die anderen Buchstaben werden erneut zufällig erstellt, der neu entstandene Text wiederum mit der Hamlet-Zeile verglichen usw. Das geschieht solange, bis der Text mit dem Hamlet-Text übereinstimmt.

Das hätte Sarah Salviander in Dawkins' Buch "Der blinde Uhrmacher" von Seite 64 bis 68 nachlesen können. Hat sie natürlich nicht, weiß daher auch nix davon, wozu Dawkins die Schreibmaschine schreibenden Affen benötigt hatte, verkündet aber: "Warum Materialisten aufhören müssen, die Affen-auf-Schreibmaschinenanalogie zu benutzen und Christen aufhören müssen, sich Sorgen zu machen".

Meinereiner hat diese Stelle mit Internethilfe und mittels Buchnachschlag in zehn Minuten gefunden, Frau Salviander hat keine Sekunde für so eine Suche verschwendet, weil Christen sind ja sowieso mittels Christenlehre gottgegeben allwissend.

Salviander will "das Bewusstsein für Wahrscheinlichkeiten schärfen" und schreibt: "Die Analogie von Affen auf Schreibmaschinen wird oft verwendet, um zu erklären, wie zufällige Prozesse bei genügend Zeit und Raum zu extrem unwahrscheinlichen Ereignissen führen können. Aber von wie viel Zeit und Raum sprechen wir im beobachtbaren Universum?" Zeit und Raum seien überraschend klein. "Die Theorie versucht natürlich zu veranschaulichen, wie ein ungeführtes Universum schließlich zwangsläufig über lange Zeiträume hinweg etwas Verständliches hervorbringen kann. Das muss es in der materialistischen Weltanschauung."

Es ist bei den Gottergebenen der Hauptpunkt ihrer Lehre, dass es unmöglich sei, dass das Universum bis zum Menschen zufällig entstanden wäre. Es geht natürlich bei der Evolution nicht um irgendwelche Zufälle, sondern um Wahrscheinlichkeiten!

Im Text auf jesus.ch heißt es dazu: "Die Astrophysikerin hat errechnet, dass wenn die Erde – wie in der Evolutionstheorie dargestellt – rund 13,8 Milliarden Jahre alt wäre, eine Milliarde Affen erforderlich wäre, die kontinuierlich während rund einer Milliarde Billionen Billionen Billionen mal die Lebensdauer des Universums lang tippen müssten, bevor wir erwarten können, dass nur die erste Zeile von Dickens' Roman 'A Tale of Two Cities' zustande kommt. Und das nur für diesen einen, ersten Satz eines Romans."

Ja, da darf einmal der Frau Astrophysikerin und/oder jesus.ch erklärt werden, dass die Erde nicht 13,8 Milliarden Jahre alt ist, so alt ist der Urknall, die Erde ist etwa 4,6 Milliarden Jahre alt. Ihre Entstehung ist eine Serie von Folgen der Schwerkraft. Zuerst einmal bedurfte es der Schwerkraft, dass sich durch Weltall fliegende Körper bildeten, dann waren es die Schwerkraft und die Fliehkraft, die die Erde in die Planetenbahn brachten, sie stürzte nicht in die Sonne und sie flog nicht davon, weil die Anziehungskraft der Sonne und die Bewegungskraft der Erde sich gegenseitig aufhoben. Dass es überall solche Dinge gibt (Sonnen umkreisende Planeten und Planeten umkreisende Monde) ergab sich aus der Unzahl der durchs All fliegenden materiellen Massen und aus der Unzahl der Zeit. Manche dieser Planeten waren geeignet für die Entstehung von Leben und darum sitzt hier meinereiner und tippt diesen Text am Computer. Wobei beim Ablauf vom Urknall zum Urschleim und die Folge der Generationen bis zur eigenen Person derartig viele Varianten möglich waren, dass jeder von uns davon ausgehen kann, dass die Existenz der konkreten eigenen Person wohl eine Wahrscheinlichkeit von minus unendlich plus eins gehabt hat!

Die Frau Salviander kommt nun zu ihrer Sicht der Welt, sie drängt die Atheisten in die Ecke, zumindest glaubt sie das zu tun, wenn sie schreibt: "Durch den Urknall sind sie gezwungen, sich in die einzige andere Form der Ewigkeit zurückzuziehen, die ihnen einfällt, nämlich das unendliche Multiversum. Wir haben entweder wilde unwissenschaftliche Spekulationen über unbekannte Mechanismen, die unendliche Universen erzeugen. Ansonsten bleibt die Möglichkeit zu akzeptieren, dass das, was die Entwicklung unseres Universums prägt, nicht unkontrolliert ist. Der Physiker und Theologe Gerald Schroeder kommentiert, dass es genau diese Diskussion war, die den verstorbenen Atheisten Antony Flew vom Atheismus weg und in den Theismus trieb. Er hatte nicht genug Glauben, um ein Materialist zu sein, und ich auch nicht".

Worauf sich nun die Frage nach dem Ersatz für die materielle Welterklärung stellt: Woher kommt dann der Gott der Theisten? Ein Gott, der alles erdacht, geplant und geschöpft hätte, müsste doch um billionenmal komplexer sein als das von ihm Erdachte, Geplante und Geschöpfte! Und wie ist das nun mit dem Christengott, dem sich die Sarah Salviander zugewandt hat: Der hätte dann ein Universum aus 100 Milliarden Galaxien geschaffen, damit er dort eine Sonne und eine mondumkreiste Erde unterbringen kann, auf der er Pflanzen und Tiere und schließlich den Menschen erschafft, fast alle Tiere und Menschen dann wegen der irdischen Sündhaftigkeit mittels Sintflut ersäuft und alles neu züchtet.

Und als das immer noch nicht so funktioniert, wie er es geplant, aber offenbar nicht richtig geschöpft hatte, er nun mit einer irdischen Jungfrau einen Sohn zeugt und diesen mittels Kreuzigung für die Sünde der Menschen opfert. Was ja auch recht grotesk ist: an wen opfert Gottvater seinen Sohn? An die Welt? An sich? An den einpersonigen, aber dreifaltigen Gott wo er die Falte "Gottvater" ist? Und was hat diese Opferung gebracht? Gab's danach keine Sünden mehr? Oder wurden nur die Sünden bis zum Kreuzestod hinweggenommen? Und die furchtbaren Verbrechen, die es in den danach folgenden Jahrhunderten gab? Und speziell auch die christkatholischen Verbrechen an der Menschheit? Da müsste der Jesus wohl bald wieder kommen und sich z.B. reuig am Scheiterhaufen verbrennen lassen! Und dann alle alle Menschen ins Paradies zurückführen. Oder so.

Da aber die Erde und das Universum mit all ihren Bestandteilen materielle Ursachen und materielle Auswirkungen haben, sollten wir danach trachten, unsere Welt für uns zu gestalten und endlich mit diesem ganzen Götterklimbim aufhören. Es rettet uns keine höheres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun, uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Clevere Vettern


Spätestens seit dem Erscheinen von „Gorillas im Nebel. Die Leidenschaft der Dian Fossey“ (siehe Kaufhinweis am Ende des Artikels) ist das Verhalten unserer nächsten Verwandten ins Blickfeld einer größeren Öffentlichkeit geraten. Die festgestellten Ähnlichkeiten in Verhalten und Gefühlsleben sind so auffällig, dass sie nicht mehr ignoriert werden können. Unsere Vettern stehen uns ganz offensichtlich näher als manchem, der die „Ebenbildlichkeit“ von Gottes „Krone der Schöpfung“ propagiert, lieb sein kann. Es scheint also an der Zeit, sich ernsthafte Gedanken über eine Neuordnung unseres Verhältnisses zu den nichtmenschlichen Primaten zu machen.

In „Menschenrechte für die Großen Menschenaffen – Das Great Ape Projekt“ von 1993, angestoßen von Jane Godall und Peter Singer (Näheres bei Wikipedia) findet sich zu Beginn die „Deklaration über die Großen Menschenaffen“, die das Ziel des Great Ape Project festlegt:

"Wir fordern, daß die Gemeinschaft der Gleichen so erweitert wird, daß sie alle Großen Menschenaffen miteinschließt: Menschen, Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans.

Die „Gemeinschaft der Gleichen“ ist die moralische Gemeinschaft, innerhalb derer wir bestimmte moralische Grundsätze oder Rechte anerkennen, die unsere Beziehungen untereinander regeln und gerichtlich einklagbar sind."

Diese Rechte und Grundsätze umfassen das Recht auf Leben, den Schutz der individuellen Freiheit und das Verbot der Folter. Innerhalb des Buches wird von den verschiedenen Verfassern erklärt, was die „Gleichheit“ von Menschen und anderen Großen Menschenaffen ausmacht. So stimmt ihr Erbgut zu fast siebenundneunzig Prozent überein; zwischen Menschen und den Großen Menschenaffen sind Bluttransfusionen möglich. Das Projekt betont jedoch, dass die genetische Verwandtschaft nicht allein ausschlaggebend ist; vielmehr sind es das durch die genetische Ähnlichkeit ermöglichte ähnliche Gefühls- und Denkvermögen sowie Verhalten und Ich-Bewusstsein der Großen Menschenaffen. Diese lassen sich schon seit Charles Darwins Forschungen ausgezeichnet beobachten, zum Beispiel in den verschiedenen Gefühlsregungen, die sich bei Menschenaffen in ähnlichen Gesichtsausdrücken wie beim Menschen zeigen. Auch eine Konversation mit ihnen über Zeichensprache ist möglich. Die Ähnlichkeit der Menschen und Großen Menschenaffen ist also nicht zu leugnen, was die moralischen Ungleichheiten in ihrer Behandlung in Frage stellt.

Doch auch an technischen Fertigkeiten, ja regelrechter Kultur, stehen uns Die Menschenaffen viel näher als bisher bekannt. So berichtet die Welt in einem höchst lesenswerten Artikel über die Arbeit und die Ergebnisse einer japanischen Forschergruppe:

Im afrikanischen Guinea ist ein sensationeller Affenstamm aufgetaucht – und das nur einen Steinwurf von menschlichen Siedlungen entfernt. So schlau war bisher kein Clan.

Diese Schimpansen lassen wirklich alle staunen, selbst erfahrenste Wissenschaftler. Japanische Zoologen haben nämlich im Urwald von Guinea in Afrika einen Affenstamm entdeckt, dessen Mitglieder eine Erfindungskraft und Intelligenz besitzen, wie sie bisher bei keinem Tier beobachtet wurde. Sie bauen sich Werkzeuge, und zwar sehr unterschiedliche, je nach Funktion. So clever sind keine ihre Artgenossen.

(Die Welt bietet in diesem Zusammenhang übrigens einen kostenlosen Intelligenztest an, den Neugierige dazu nutzen könne, etwas mehr über sich zu erfahren).

Diese Schimpansen angeln, wischen, säubern, schlagen, löffeln, loten, schöpfen, extrahieren, stampfen, hämmern. Sie tricksen Menschen aus und vertreiben Angreifer mit gezielten Steinwürfen oder grob gezimmerten technischen Hilfsmitteln. Sie basteln sich Schwämme aus zerkauten Pflanzen und falten Palmblätter zu Trinkbechern und Sitzkissen.

Insgesamt kommt Matsuzawa auf ein Repertoire von 24 verschiedenen Tätigkeiten, die sich seine Schimpansen im Laufe der Jahre mithilfe ihrer Werkzeuge angeeignet haben. Dabei stellen sich die Weibchen grundsätzlich geschickter an als die Männchen. Mit einer Ausnahme – wenn es ums Algen-Angeln in den nahe gelegenen Teichen geht. […]

Schon die Jungtiere spielen auf sehr eigene Art und sind anspruchsvoll: So geben sich die Affenkinder von Bossou nicht mit Stöcken als Spielzeug zufrieden, sondern suchen sich lebende Kuscheltiere – vorzugsweise Klippschliefer, die afrikanischen Verwandten des Murmeltiers. "Die jungen Schimpansen schleudern sie gegen Bäume, um sie zu betäuben oder zu lähmen, tragen sie mit sich herum, streicheln ihr Fell und spielen auch mit toten Klippschliefern wie mit Puppen", berichtet Matsuzawa.

Wie kam es zu dieser Kreativ-Enklave im Urwald? Warum gibt es noch Affen, die wie zu Urzeiten mit den Fingern nach Larven pulen, während ihre Artgenossen im Nachbarwald längst Essbesteck und Jagdwaffen erfunden haben? Auf diese Frage hat der Verhaltensforscher Carel van Schaik im Urwald von Sumatra eine Antwort gefunden: "An Orten, an denen die Mitglieder eines Clans mehr Zeit miteinander verbringen, beobachten wir ein größeres Repertoire an Innovationen." Die Menschenaffen lernen voneinander – und während sie lernen, fördern sie ihre Intelligenz: "Kultur macht schlau", sagt van Schaik.

Bei Matsuzawas Vorzeige-Schimpansen führt diese Kombination aus Wissbegierde und Kreativwerkstatt sogar so weit, dass die Tiere ihre menschlichen Nachbarn austricksen. Sie entschärfen die Fallen der Dorfbewohner. In weiten Teilen Afrikas ist es üblich, Drahtschlingen auszulegen, um Rohrratten oder Antilopen zu erlegen. Primatenforscher kritisieren das, da so auch Affen zu Tode kommen können.

Die smarte Gruppe in Guinea verletzt sich im Vergleich zu anderen Affen jedoch nur erstaunlich selten an den Fallen. Und die Forscher beobachteten denn auch einige ihrer Mitglieder, die ganz behutsam die Fallen unbrauchbar machten. Die Affen lockerten dazu die Drahtschlinge und die biegsamen Baumtriebe. Dabei vermieden sie es geschickt, die Schlinge selbst zu berühren.

Meister im Nachäffen

Eine entscheidende Sache, die "uns" von "denen" aber immer noch unterscheidet, glaubt der Leipziger Max-Planck-Zoologe Michael Tomasello gefunden zu haben. Er nennt es den "Ratschen-Effekt". Demnach gelingt es nur dem Menschen, kulturell auf dem aufzubauen, was die Generation vor ihm gelernt hat – wie eine Ratsche, die sich immer einen Zacken weiter drehen lässt, aber nie zurück.

Diese Evolution von Kultur gebe es nur beim Menschen, behauptet Tomasello. "Affen äffen zwar auch nach", sagt er, "aber die wahren Meister im Nachäffen sind Menschenkinder."

Und doch: Affenkinder können ihren menschlichen Cousins ziemlich nahekommen. Das hat sich bei den Schimpansen von Bossou gezeigt. So knacken Affen in Westafrika seit Jahrhunderten ihre Nüsse auf einem Amboss. Auch in Bossou macht man das so, aber hier ist die Evolution schon einen Schritt weiter gekommen: Die Schimpansen setzen sogar Steine unter den Amboss, um ihn in abschüssigem Gelände zu stabilisieren.

 

Gorillas im Nebel – Die Leidenschaft der Dian Fossey

 

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Ehe light


Vor knapp zehn Jahren wurden in Frankreich die Artikel 515-1 bis 515-7 des Code Civil geändert. Sie enthalten die rechtlichen Voraussetzungen und verweisen auf die Durchführungsverordnungen für PACS (Pacte civil de solidarité), häufig im allgemeinen Sprachgebrauch in Frankreich (und ebenso in der frankophonen Schweiz) als „Partenariat“ bezeichnet, für das es im Deutschen den unschönen Neologismus Verpartnerung gibt. Oh Weh – nicht schon wieder das Thema Homo-Ehe, wird jetzt vielleicht mancher sagen. Weit gefehlt: davon ist in diesem Artikel nicht die Rede.

Die Franzosen haben beim PACS – sei es Zufall, sei es Absicht, das ist nirgendwo erkenntlich – keine Beschränkung auf Gleichgeschlechtlichkeit eingebaut: der Punkt, für welche Geschlechterkombination denn dieser Pakt gelten solle, fehlt (siehe http://vosdroits.service-public.fr/N144.xhtml ). Das ist wieder einmal so erfrischend anders als bei entsprechenden deutschen gesetzlichen Regelungen, bei denen man manchmal den Eindruck hat, auf der nächsten Seite folge nun sicher, welche Haustierkombination denn keinesfalls bei der Verpartnerung geduldet werden dürfe. Es hat auch in Frankreich eine Weile gedauert, bis sich die Möglichkeit herumgesprochen hatte, dass auch heterosexuelle Partner in den Genuss dieser neuen Regelung kommen dürfen. Inzwischen nehmen mehr Heterosexuelle PACS für sich in Anspruch als Homosexuelle. Wieso wählen Paare, die anders als Gleichgeschlechtliche die Wahl hätten, eine Regelung, die deutlich weniger direkte Vorteile bietet als die normale Ehe? Offensichtlich ist die hergebrachte Form der Ehe für viele nicht mehr ausreichend attraktiv.

Unser Eherecht – kommen wir also zurück nach Deutschland – reflektiert noch immer das traditionell-christliche Familienbild, eine Idylle, die bereits seit langem aufgehört hat zu existieren. Seit Erfindung der derzeit gerade dominierenden Götter ist der Menschheit von interessierten Kreisen eingeredet worden, dieses fiktive Gebilde fordere das ein: Ehe ist unauflöslich, basta! Doch diese Indoktrination funktioniert nur noch bei immer weniger Menschen, und der Gesetzgeber hat, wenn auch nur zögerlich und Schritt um Schritt, das Eherecht den Lebensrealitäten angepasst. Zuletzt wurde die gesetzliche Möglichkeit zur Scheidung auf Malta eingeführt gegen den erbitterten Widerstand…, na, wer weiß es?

Zur Lebenswirklichkeit heutiger junger Paare (jeder von uns Älteren sieht das an den eigenen Kindern) gehört ein ganz typischer Ablauf. Sie lernen sich kennen und lieben und nach einiger Zeit steht die Entscheidung an, die separaten Wohnhöhlen gegen eine gemeinsame einzutauschen. Von klugen Eltern werden sie dabei unterstützt. Ein Problem gibt es mit einer solchen Regelung erst dann, wenn sich Nachwuchs ankündigt. Dann müssen Entscheidungen her, doch die Alternativen Ehe oder bloßes Zusammenleben trotz Kind sind beide nicht sonderlich anziehend. In beiden Fällen beginnen die Schwierigkeiten nämlich im Fall des möglichen Scheiterns der Beziehung: weitgehende Rechtsunsicherheit ohne Trauschein, komplizierte und langwierige Verfahren mit Trauschein.

Vor allem die Unwägbarkeiten bei einer Scheidung führen inzwischen dazu, dass eine zunehmende Zahl Kinder „unehelich“ geboren wird, obwohl die Eltern beisammen leben und sich durch ihre Entscheidung gegen den Trauschein sämtlicher steuerlicher Vorteile begeben.

Eine Ehe ohne Ewigkeitsversprechen wäre somit das Gebot der Stunde, meint Anjes Tjarks von den Hamburger Grünen (GAL).

Die Welt berichtet: Hamburgs Grüne planen eine Ehe light

 

 

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Jeder nach seiner Façon


"Jeder soll nach seiner Façon selig werden", so schrieb am 22. Juni 1740 Friedrich II, König von Preußen, und dokumentierte damit die für Preußens wirtschaftliche Entwicklung wichtige Toleranz gegenüber Einwanderern und religiösen Minderheiten, vor allem Hugenotten und Katholiken. Diese Toleranz sowie die endgültige Abschaffung der Folter 1754 sind herausragende Größen seiner Amtszeit. Die aus dem re-katholisierten Frankreich geflohenen protestantischen Hugenotten genossen dabei wohl die größten Freiheiten mit wirtschaftlichen Starthilfen, Steuerprivilegien und zunächst sogar eingeschränkter eigener Gerichtsbarkeit. Dass diese Toleranz sich nicht etwa nur auf „Christen“ reduzierte beweist ein Brief Friedrichs ebenfalls aus dem Jahre 1740:

„Alle Religionen seindt gleich und guht, wan nuhr die Leute, so sie profesieren , erliche Leute seindt, und wen Türken und Heiden kähmen und wolten das Land pöbplieren, so wollen wier sie Mosqueen und Kirchen bauen“.

Die Eingewanderten integrierten sich und assimilierten schließlich mit der einheimischen Bevölkerung. Nur ihre Namen wie z.B. de Maizière zeugen noch bis heute davon, dass sie einst aus der Fremde kamen. Insoweit kann man Brandenburg-Preußen des 18. Jahrhunderts durchaus als Musterbeispiel für gelungene Integration anführen. 

Der Zuzug nach Deutschland setzte sich im 19. und 20. Jahrhundert fort. Mit der beginnenden Industrialisierung zog es zunächst viele Polen aus den preußischen Ostgebieten (Polen existierte nicht als Staat) vor allem ins Ruhrgebiet und dämpften den Mangel an Arbeitskräften. Später zogen andere Nationalitäten nach: Italiener, Serbokroaten, Spanier, Griechen und viele andere mehr. Niemand nimmt heute ernsthaft Anstoß an Namen wie Podolski, di Lorenzo, Olic und anderen. Sie alle sind „gute Deutsche“ geworden. Deutschland ist eben nie wirklich „rasserein“ im Sinne der verquasten Blut- und Boden-Theorie der Nationalsozialisten gewesen, wahrscheinlich zu seinem Glück. Doch plötzlich soll das für Özdemir nicht mehr gelten? Was ist an Özdemir ungewöhnlicher für deutsche Lippen und Ohren als Podolski? Oder liegt es wirklich an den religiös-kulturellen Unterschieden zwischen den Immigranten und der aufnehmenden Gesellschaft?

Dabei ist die Gegenwart von Moslems in Deutschland doch durchaus nichts Neues. Bereits

im Jahr 1732 ließ der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. in Potsdam am Langen Stall einen Gebetssaal für zwanzig seiner türkischen Gardesoldaten errichten. Die älteste erhaltene deutsche Moschee steht seit 1928 in Berlin, die Wilmersdorfer Moschee, ein prächtiger Bau (http://www.eslam.de/begriffe/w/wilmersdorfer_moschee.htm). Nun gut, inzwischen sind es mehr geworden, ca. 340 als solche erkennbar, nicht gezählt die so genannten Hinterhofgebetsräume, die niemand wirklich will. Auf  knapp 12.000 Moslems in Deutschland kommt gerade mal eine einzige Moschee, dagegen auf knapp 900 Protestanten eine Kirche. Von einer Überrepräsentanz im öffentlichen Erscheinungsbild kann also wohl kaum geredet werden.

Eine aufgeheizte und feindselige Debatte

Trotz dieser Fakten wird die Debatte über islamische Einwanderung mit ungeahnt schrillen Tönen von Befürwortern und Gegnern geführt. Das geht hin bis zu völlig substanzlosen Beleidigungen. Zum beliebtesten Neologismus in diesem Streit scheint  dabei die Wortschöpfung „Hassprediger“ für Aktivisten beider Seiten zu avancieren. Islamkritiker wie Henryk M. Broder werden dabei gern in die Ecke von „faschistischen Antisemiten“ gestellt, Islambefürworter müssen sich den Vorwurf des „Verrats am Volkswillen“ anhören. Irrationale Ängste dienen auf beiden Seiten zur Emotionalisierung der jeweiligen Gefolgschaften, „schleichende Islamisierung“ hier gegen „Aussterben der deutschen Bevölkerung“ dort. Es fällt langsam schwer, sich durch den Wust an veröffentlichten Meinungen hindurchzuarbeiten, um zu den Fakten und auch den objektiven  Schwierigkeiten dieses Dialogs zwischen Immigranten und aufnehmender Gesellschaft vorzustoßen.

Was seit Jahrhunderten relativ reibungsfrei funktionierte scheint in ein großes Desaster zu münden. Deutschland ist nun seit einigen Jahren auch offiziell ein Einwanderungsland und seitdem klappt es einfach nicht mehr mit der Integration. Es scheint so zu sein, dass sich die Probleme wirklich an der andersartigen Religion Islam festmachen lassen, denn weiterhin gibt es mit Einwanderungen aus dem europäischen Raum oder aus Asien keine sonderlichen Schwierigkeiten. Schauen wir uns also genauer an, was Aufnehmende und Aufgenommene jeweils an gegenseitigen Forderungen stellen, um besser beurteilen zu können, wo sich mögliche Kompromisslinien für gegenseitiges Verstehen abzeichnen. Kann der Disput in zivilisatorisch vertretbare Bahnen gelenkt werden?

Die Voraussetzungen aus bisher unbeachteter säkular-humanistischer Sicht

Die grundgesetzlich zugesagte Garantie von Religions-, Presse-, Kunst- und  Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, für das sich alle demokratischen Menschen stark machen und für deren Erhalt und Ausbau sie sich aktiv einsetzen sollten. Diese Grundrechte werden in Deutschland in vielfältiger Weise ausgehöhlt. Das beginnt bereits mit der Anerkennung von Religionsgemeinschaften als Körperschaften „öffentlichen“ Rechts bis hin zum Einzug einer Kirchensteuer, der man sich nur durch „Austritt“ entziehen kann, weil in aller Regel andere, nämlich die Eltern, über den „Eintritt“ entschieden haben. Die Organisation der Religionsgemeinschaften nach Vereinsrecht wäre daher die erste dringliche Maßnahme, um überbordende Privilegien einiger weniger Religionen oder Konfessionen abzubauen. Die große Mehrzahl der Religionen ist nämlich nicht nach öffentlichem Recht organisiert. In solche Vereine könnte jeder wenn er denn will ab Beginn der Geschäftsfähigkeit eintreten und hätte dann natürlich seine Vereinsbeiträge zu entrichten.

Die Finanzierung der Religionsgemeinschaften aus allgemeinen Steuermitteln ist sofort zu beenden. Hierzu gehört auch die Anerkennung sogenannter Bekenntnisschulen, religionsgebundener Kindergärten, Krankenhäusern und anderer karitativer Einrichtungen, die, ohne dass die Mehrheit der Kirchensteuerzahler es überhaupt mitbekommt, bis auf wenige Prozentpunkte aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Überspitzt gesagt: Die Allgemeinheit, religionsgebunden oder nicht, bezahlt dafür, dass sich Religionen ein Mäntelchen der Barmherzigkeit umhängen können. Oder mit einem konkreten Beispiel: jeder Steuern zahlende Moslem finanziert mit seinem Obolus, dass sich z.B. die katholische Kirche repräsentativ in der Öffentlichkeit darstellen kann.

Eine Lösung auf Vereinsbasis würde solche Unsinnigkeiten verhindern. Wenn jemand Bekenntnisschulen, gleichgültig ob christlich, moslemisch oder humanistisch (wie jetzt in Bremen), einrichten will, wogegen überhaupt nichts einzuwenden ist, sofern sich solche Schulen an die allgemein verbindlichen Lehrpläne halten, so soll er sie gefälligst zu 100% selber finanzieren – als Privatschule mit Gebühren oder aus Vereinsmitteln. Es können hier natürlich nur Teilaspekte betrachtet werden, doch gilt das Gesagte sinngemäß für alle Bereiche, in denen die Religionsgemeinschaften überprivilegiert sind.

Erst wenn über einen solchen Privilegienabbau nachhaltig entschieden wird, mithin die Laizität des Staates endlich als oberstes Gebot anerkannt wird, kann sinnvoll über die Integrationsfrage von moslemischen Einwanderern neu nachgedacht werden. Warum?

Moslems fordern durchaus zu Recht und unter Bezug auf das Grundgesetz, dass sie wie alle anderen Religionsgemeinschaften behandelt werden. Da das aber bereits grundgesetzlich garantiert ist, geht ihr Vorstoß offensichtlich noch in eine ganz andere Richtung. Sie wollen dieselben grundgesetzlich nicht abgedeckten Privilegien wie die akzeptierten Religionsgemeinschaften, mit anderen Worten: sie wollen auf die Gesellschaft als Ganzes Einfluss ausüben. Hier liegt die eigentliche Crux des Problems. Während nämlich seit der Aufklärung die Kirchen, wenn auch zähneknirschend, die Vorherrschaft weltlichen Rechts vor kirchlichem Recht anerkennen mussten und sich somit in gewissem Umfang in diese Rolle gefügt haben, verfolgen Muslime, die ohne vergleichbare Aufklärung ihren Weg in der westlichen Welt suchen, unter dem Strich eine andere Gesellschaftsordnung (siehe Demokratie oder Islam ), da schon vom Prinzip her von Menschen gemachtes Recht nicht höher stehen darf als „göttliches“ Recht.

Ist denn ein auf den privaten Bereich beschränkter Islam, das heißt ein an die demokratischen Strukturen des Okzidents angepasster Islam, überhaupt denkbar? Betrachtet man die Masse der moslemischen Einwanderer in Deutschland, so scheint dies durchaus möglich. Die Mehrzahl will ganz offensichtlich ihre Religion leben, ohne weitergehende Ansprüche daraus abzuleiten. Allerdings hat diese Masse keine Stimme. Betrachtet man das Vorgeplänkel zur DIK II, merkt man schnell, dass die dort vertretenen Verbände ganz andere Ziele im Sinn haben. Sie geben vor, die Mehrzahl der Moslems in Deutschland zu vertreten, Abstimmungsergebnisse aufgrund von intelligent an Moslems gestellten Fragen darüber liegen aber nicht vor. Die Verbände sind aber die Meinungsführer. Weitsichtige Moslems wie etwa Necla Kelek (http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,686385-2,00.html) oder Bassam Tibi (http://en.wikipedia.org/wiki/Bassam_Tibi und http://www.spiegel.de/international/spiegel/0,1518,440340,00.html) haben in diesem Umfeld keine Chance. Für die Hardliner der Verbände sind Wörter wie „Euro-Islam“, also ein in die demokratischen Strukturen des Westens eingepasster Islam, Fremdwörter, und die sind bedrohlich, weil dabei die „reine Lehre“ verloren gehen könnte.

Der Innenminister tut also gut daran, neben den Verbänden zur DIK auch nicht organisierte Moslems einzuladen und ihnen eine Stimme zu geben. Auch Ex-Moslems wie z.B. Mina Ahadi können durchaus dazu beitragen, die Gefahren einer ungezügelten Ausbreitung einer über die reine Religion hinausgehenden islamischen Ideologie zu belegen und in die Diskussion einzubringen.

Fazit

Aus säkularer Sicht lässt sich mithin zeigen, dass feinsinnige Unterscheidungen zwischen Islam und Islamismus, gedacht zur Unterscheidung zwischen gemäßigten und extremen Kräften, wenig hilfreich sind, wenn es darum geht, Religionen im Allgemeinen die Begrenzung ihrer Wirkungsmöglichkeiten zu zeigen. Auf Entgegenkommen der Beteiligten darf man dabei nicht hoffen, weil diese Begrenzungen alle treffen müssen, wenn einigermaßen Aussicht auf Erfolg bestehen soll. Auch die von linker Seite vorgeschlagene Differenzierung zwischen Islam und politischem Islam (s. etwa Thomas Schmidinger: „Gottesstaat und Demokratie“) ist nicht wirklich hilfreich, da sie nur der oberflächlichen Befriedung dient, das Problem aber nicht im Kern anpackt.

Integration ist möglich, entgegen dem populistischen Geschrei auf Sites wie pi-news.net, sogar sehr gut möglich, wenn jeder die Grenzen kennt und einhält. Hier hat die Islamkonferenz eine große Aufgabe, der sie bisher nicht einmal im Ansatz gerecht wird.

Wer es wirklich ernst meint mit der Integration von Muslimen in Europa, kommt um klare Definitionen und Begrenzungen der politischen Einwirkungsmöglichkeiten von Religionen nicht herum. Schon der „Alte Fritz“ hätte es sich wohl verbeten, wenn jemand aufgrund seiner Religion versucht hätte, auf seine Staatsführung Einfluss zu nehmen. Beschränken wir uns also auf das Wesentliche, so können wir mit Friedrich II nur wiederholen:

Jeder soll nach seiner Façon selig werden

Hoffen wir, dass das in absehbarer Zukunft auch für säkulare Humanisten (Friedrich: „Heiden“) gilt!

 

 

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Da lacht der Papst


Argentina's Cardinal Jorge Bergoglio, right, gives a mass outside San Cayetano church in Buenos Aires, Friday Aug.7, 2009.  Hundreds flocked Friday to San Cayetano church, the patron of work, to pray for prosperity and employment on his day. (AP Photo/Natacha Pisarenko)

Ahí, wie christenlíche nu der babest lacht

Ei, wie fromm der Papst jetzt lacht,
wenn er zu Gays und Lesben sagt:
“Solch Tun ist wider die Natur,
Sex dürfen Eheleute nur
zu schaffen sich die Kinder an.
Ihr handelt gegen Gottes Plan!”

Wie christlich dieser Papst jetzt lacht,
wenn er zu all den Frauen sagt:
“Das Weib den Mann nur unterstütze,
zu höher’m Tun ist sie nicht nütze,
schon gar nicht für die Politik.
Dort suche nur der Mann sein Glück!”

Wie christlich-fromm der Papst jetzt lacht,
wenn er in seiner Demut sagt:
“All die, die nicht zum Herrn aufsehn,
die soll’n getrost zum Teufel gehn!”
So klar hört’s mancher Christ nicht gern
und hält sich drauf vom papa fern.

Denkt von dem Papst nicht allzu schlecht,
denn das ist Kirchen-”Menschenrecht”.
All dies wuchs nicht auf seinem Mist,
der Mist christliche Lehre ist!

(ganz frei nach Walther von der Vogelweide, umgeschrieben von Rainer Buchheim)

Quelle: http://dubiator.wordpress.com/2013/03/19/ahi-wie-christenliche-nu-der-babest-lacht/#more-1139

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Darf ein muslimischer Mann seine Frau schlagen?


IZMJa, das darf er! Denn das steht im Koran!

Und auf der Homepage des islamischen Zentrums München steht es auch!

Es heißt dort seit Jahren:
Dies ist ein mit Vorurteilen belastetes Thema, das sehr schwierig zu erklären ist  Die entsprechende Koranstelle hierzu lautet: "Und jene (Frauen), deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Wenn sie euch dann gehorchen, so sucht gegen sie keine Ausrede." (4:34). Eine erste Erklärung kann der Offenbarungsgrund für diesen Vers sein: Eine Frau kam zum Propheten Muhammad (s) und bat ihn um Erlaubnis ihren Ehemann zurückschlagen zu dürfen, weil dieser sie geschlagen hatte. Der Prophet erlaubte es ihr als Vergeltungsmaßnahme. Nach diesem Ereignis wurde der obige Koranvers herabgesandt, worauf der Prophet (s) gesagt hat: "Ich wollte das eine, aber Gott wollte das andere – was Gott will, muss das Beste sein".
Hinter  dieser Entscheidung Gottes mag eine Weisheit  stecken, die zunächst selbst der Propheten Muhammad (s) nicht erkannt hatte. Der Koranvers macht deutlich, dass im Falle einer in größeren Schwierigkeiten steckenden Ehe der Ehemann diese drei Schritten auf jeden Fall einhalten muss: Ermahnung, Trennung im Ehebett und Schlagen. Damit ist vor allem das Schlagen im Affekt verboten, was wohl in fast allen Fällen vorkommt. Zudem hat das Schlagen, wie es der Koran beschreibt,  nach den Gelehrten eher einen symbolischen Charakter. Der Prophet Muhammad (s) drückte in Bezug auf das Schlagen der Frau sehr deutlich sein Missfallen aus: "Ist es für einen von euch wirklich möglich, seine Frau zu schlagen, als wäre sie eine Magd, und dann am Abend zu ihr zu gehen?"  Er selbst hat auch nie eine Frau geschlagen.
Die muslimische Frau hat andere Möglichkeiten, in Konfliktsituationen gegen ihren Mann vorzugehen. Dazu kann sie andere Familienmitglieder einschalten.  

Auf der Site atheisten-info war über den obigen Eintrag auf der Münchner Islam-Homepage das erste Mal im Juli 2011 berichtet worden. Im März 2013 war darüber auf Seite 7 in der Metawelten313.pdf zu lesen und es dauerte nur gut acht Jahre, bis auch der ORF das entdeckte und am 4.8.2019 einen Artikel darüber in religion.ORF erscheinen ließ:

"Frauen schlagen in München: Kritik an Islam-Gemeinde
Eine muslimische Gemeinde in München hat mit Empfehlungen zum Umgang von Mann und Frau in der Ehe Proteste ausgelöst. Der Ehemann müsse im Streit drei Schritte einhalten: 'Ermahnung, Trennung im Ehebett und Schlagen'.
Im Internetauftritt des Islamischen Zentrums München (IZM) heißt es im Kapitel 'Frau und Familie im Islam' unter Berufung auf einen Koranvers, dass als letztes Mittel im Fall von Eheschwierigkeiten auch das Schlagen der Frau infrage komme. Dabei müsse der Ehemann drei Schritte einhalten: 'Ermahnung, Trennung im Ehebett und Schlagen'. (…)
Mitglieder des Münchner Stadtrats, die mit den Aussagen auf der Website konfrontiert wurden, äußerten sich dem BR gegenüber entsetzt. So sagte SPD-Stadtrat Cumali Naz, Fachsprecher für Migration: „Wenn das IZM propagiert, Gewalt sei ein legitimes Mittel zur Lösung von Ehekonflikten, widerspricht das fundamental den Werten unserer Gesellschaft.“ Sprecher anderer Parteien äußerten sich ähnlich. Der Verband Deutsche Muslimische Gemeinschaft (DMG) kündigte dem BR gegenüber an, die Website zu überarbeiten.
Die Staatsanwaltschaft München I sieht laut BR keine Anhaltspunkte, dass im Fall der zitierten Äußerungen eine Straftat vorliegt. Es liege keine Anstiftung zu Körperverletzungshandlungen vor."

Bisher war das wohl eine multikulturelle Bereicherung! Und verboten ist es ja nicht, steht ja schließlich im Koran! Und hier schon einige Jahre auch auf der Site atheisten-info.at, die Koranstelle 4:34 wurde 16x zitiert!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Reinkarnation?


Dieser Beitrag erschien zuerst bei unseren Freunden von No heaven – only sky.

Gesenkten Hauptes traten der Dichter Kisilewski und sein Hausarzt Doktor Stamm vom offenen Grabe zurück. “Er war ein guter Patient. Zu dumm, dass es so schnell mit ihm zu Ende gehen musste”, sagte Dr. Stamm. Feuchter Kies knirschte unter seinen Sohlen.
“Wieder ein wacher Leser weniger, wirklich schade”, sprach der Dichter und verkroch sich vor dem Nieselregen tiefer zwischen Mantelkragen und Ballonmütze. “Sag mir, Doktor, du Sachverständiger des Lebens”, hauchte er in den nassen Dunst, “gibt es Hoffnung? Haben wir ein Leben nach dem Tode zu erwarten?”

Doktor Stamm schien in tiefes Nachdenken zu versinken als sie sich vom Grabe entfernten. Er schritt einher als fechte ihn der dünne Regen nicht an. Als sie den Hauptweg erreichten, war sein Grübeln offenbar zu einem Schluss gekommen: “Schau, lieber Dichter, du Kenner dessen, was du die menschliche Seele nennst: Soeben mussten wir es doch erleben: Die Existenz des Individuums ist von begrenzter Dauer. Das Leben als Ganzes hingegen hat relativ langen Bestand, so langen, dass mancher gar von Ewigkeit daherredet. Bestand – nein, das trifft es nicht ganz. Bewegung – ja, Bewegung ist das bessere Wort. Denn das macht doch das eigentliche Leben aus: Alles in stetiger, chaotisch determinierter Bewegung: Fleuchen und Kreuchen, Altern und Gebären. Und du bist ein Teil davon, ein lebendiges Einzelwesen. Ist das nicht wunderbar genug?”

“Dem kann ich kaum widersprechen”, murrte Kisilewski enttäuscht, “aber das ist ein simpler Allgemeinplatz. Das ist keine Antwort auf meine Frage!” “Keiner kann dir diese Frage wirklich beantworten, wer das behauptet ist ein Scharlatan – außer du selbst. Nur von dir hängt es ab, ob du noch ein Leben zu erwarten hast.” “Schäm dich was, das Fell schon vor der Zeremonie zu versaufen!” zischte Kisilewski böse.

“Nicht doch, lieber Freund! Ich bin nüchtern wie am ersten Tag. Pass auf, ich erklär’s dir: Wenn du fest dran glaubst, dann erwartest du selbstverständlich noch ein Leben. Für einen, der fest an irgendetwas glaubt, gibt es das natürlich alles, woran er glaubt, einerlei, ob Andere seinen Glauben teilen oder nicht. Und falls du nicht dran glaubst – ja dann braucht es logischerweise sowieso keins weiter zu geben. Ob du selbst deine Frage mit ja oder nein beantwortest, ist doch ohnehin nur wichtig für das Leben, das du jetzt gerade absolvierst. In einem eventuellen nächsten – sei es als Frosch oder Storch, als Meier oder, Gott verhüte, wieder als Kisilewski – wirst du dich an dieses Leben, das du hier und heute führst, sowieso nicht mehr erinnern können. Oder erinnerst du dich vielleicht jetzt an ein früheres Leben?”
“Quatsch. Oder? Vielleicht doch – weiß ich, wovon ich manchmal träume?”
“Eben, du sagst es selbst: Du weißt es nicht. Und was wir nicht wissen können wegen unserer naturgegebenen Begrenztheit als Individuum, das sollte uns schlicht kalt lassen – einfach aus praktischen Gründen. Aber wie du möchtest, keiner kann dich daran hindern: Du, der vorzügliche Dichter Kisilewski, magst selbst entscheiden, ob du noch ein Leben haben möchtest oder lieber nicht. Solche Freiheit bietet dir dein, mit Verlaub ebenfalls begrenzter, Geist, den das Leben als Ganzes in dir kleinem Wicht hervorgebracht hat. Ist das nicht auch wunderbar?”

Unterdessen hatten sie das Friedhofstor passiert. Der Doktor öffnete seinen Wagen und hielt dem Freunde generös die Beifahrertür auf. Doch Kisilewski stieg nicht gleich ein, sondern wandte sich noch einmal zur Pforte um. “Seltsam, Friedhöfe haben immer nur einen Eingang. Ich hab noch nie gesehen, dass auf einem von ihnen irgendwo ein Hinweisschild angebracht wäre mit der Aufschrift Ausgang.” “Jaaa, das Auferstehungswunder kommt gemeinhin so selten vor, dass sich ein solcher Hinweis einfach nicht lohnt.” Dr. Stamm plumpste hinters Lenkrad und zupfte seinen Freund am Ärmel, er möge sich doch endlich bequemen einzusteigen. Der Regen hatte zugenommen.

“Übrigens”, fuhr er fort und startete den Wagen, “was dich betrifft, mein Lieber, so bin ich fest davon überzeugt, dass du schon einmal gelebt haben musst.”
“Wieso?”
“Unlängst las ich das Werk eines ziemlich bekannten russischen Schriftstellers aus dem neunzehnten Jahrhundert. Thema und Handlung wiesen eine geradezu frappierende Ähnlichkeit mit deinem letzten Krimi auf.”
Kisilewski zog die Beifahrertür zu und starrte zur Frontscheibe hinaus auf die glänzenden Pflastersteine. Sie fuhren nach Hause – ohne weitere Fragen.

 

 

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Isch geh Schulhof


Dieser Beitrag erschien zuerst bei No heaven – only sky

Supergeiles Buch, Alter, sch’wöre! Isch mach Reschension:
Der Autor Philipp Möller, Jahrgang 1980, Diplom-Pädagoge, liefert mit diesem Buch einen ungeschminkten Erlebnis- und Erfahrungsbericht über seinen zweijährigen Quereinstieg als Lehrer an Berliner Grundschulen ab. Unverkrampft und unbelastet von pädagogischer oder didaktischer (Pseudo-?)Wissenschaft kommt Möllers Text leichtfüßig daher und ist doch ein bildungspolitischer Vorschlag-Hammer. Denn hier wird anhand einer auf den ersten Blick humorig anmutenden Plauderei aus der Schule die bitterböse und mehr als erschreckende Realität infolge einer hoffnungslos verkorksten Bildungspolitik schonungslos freigelegt. Möller nimmt kein Blatt vor den Mund und schildert in jener Klarheit, die besonders einem Lehrer gut zu Gesicht steht, und, ja, auch auf heitere Weise befremdliche bis schockierende Begebenheiten aus Klassenzimmer, Treppenhaus und Pausenhof. Nein, das sind keine Anekdötchen á la Feuerzangenbowle – da tobt ein regelrechter Überlebenskampf zwischen allen Betroffenen, Schülerinnen und Schülern ebenso wie Lehrerinnen und Lehrern, inmitten dessen Tohuwabohu der Junglehrer Möller oft genug verzweifelt versucht, seinen Schützlingen wenigstens ein paar Häppchen Bildung nahezubringen. Und genau das macht ihn, seinen Bericht und seine Vorschläge besonders sympathisch: Trotz all der Widrigkeiten, Pannen und Niederlagen verfällt Möller nicht in Resignation, wird er nicht zum Zyniker sondern versucht, auch aus den peinlichsten persönlichen Schlappen neue Kraft und neue Ideen zu gewinnen. Immer schlägt er sich dabei auf die Seite der Schwächsten, der ihm anvertrauten Mädchen und Jungs, auch wenn einige von ihnen ihm noch so sehr zusetzen, denn “…sie können nicht dafür, wie sie sind, und unter anderen Lebensumständen wäre ich vielleicht genauso wie sie.” Eine wahrhaft humanistische Denkweise wie sie für Möller eben nicht nur im Buche steht und die ihn dazu veranlasst, selbst Vorschläge zu machen und aktiv für Neuerungen einzutreten, auch wenn deren Erfolg noch fragwürdig ist, denn “es kann nur besser werden.” Schule sollte endlich im 21. Jahrhundert ankommen!
Das Werk sollte Pflichtlektüre sein für alle, die mit Bildungs- und Erziehungsfragen befasst oder konfrontiert sind, also Schüler, Studenten, Lehrer und Erzieher sowieso, Bildungstheoretiker und Politiker, Hausmeister, Eltern und Großeltern – ja, eigentlich alle.
Was liest du, Zeitung oder was? Musst lesen das Buch von Herr Mülla, Alter! Obergeil, sch’wöre.

Philipp Möller:

Isch geh Schulhof

BASTEI LÜBBE

Taschenbuch

368 Seiten

ISBN 978-3-404-60696-2

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Blick über die Grenzen: Wie es Atheisten in Serbien geht


SerbienWEIMAR. (balkanstories/fgw) In den meisten Nachfolgestaaten Jugoslawiens sind Religionsgemeinschaften zu einer Stütze der nationalistischen Renaissance geworden. Sie werden von den Machthabern hofiert. Auch in Serbien. Nicht alle Menschen lassen sich das gefallen. Balkan Stories hat mit zwei Menschen gesprochen, die gegen die Symbiose von politischer und religiöser Macht aufbegehren.

 

 

 

Vladimir und Isidora. (Foto: Chr. Baumgarten)

Verwöhnt sind sie nicht, die „Ateisti Srbije", die größte Vereinigung von Atheisten, Humanisten und Freidenkern in Serbien. Ein Büro im engeren Sinn gibt es nicht. Haupt- oder auch nur nebenberufliche Mitarbeiter sind, wenn überhaupt, ein ferner Traum.

 

Vladimir und Isidora haben nur nach der Arbeit Zeit für ein Interview. Das dafür sehr gerne, sagen sie. Wir treffen uns im Mali Prag, im Stadtzentrum, einem bekannten kleinen Lokal gegenüber dem Hotel Prag. Vladimir ist Chef von „Veliki Prazak", „Urknall". Das ist die Zeitschrift der serbischen Atheisten. Das ist freiwillige Arbeit.

 

Der 52-Jährige, ein ehemaliger Opernsänger, verdient sein Geld als Informatiklehrer und tritt gelegentlich mit seiner Rockband auf. Den Rocker sieht man ihm auch an. Isidora, 35, ist ebenfalls Musikerin, Mozartfan und Klavierspielerin. Und war früher in einer Horror Punk-Band. Ausgebildet ist sie als Serbisch- und Englischlehrerin für die Volksschule. „Ich war früher sehr religiös", sagt Isidora. „Dann habe ich internationale Literatur studiert und auch die Bibel kennengelernt. Seitdem bin ich Atheistin." Eine offizielle Funktion bei den Ateisti Srbije hat sie nicht. Obwohl sie mit ihrer Energie und Eloquenz und der Konfliktfreudigkeit, die sie gar nicht versteckt, sicher eine hervorragende Präsidentin wäre. Da sind sich Vladimir und ich einig.

 

Schwer zu mobilisieren

Das liegt vielleicht auch daran, dass sie die 3.000 Mitglieder der Ateisti Srbije für schwer zu koordinieren hält. „Wir sind wie Katzen", sagt sie und lacht. „Darwins Katzen." – „Versuch mal, zehn Katzen in einen Raum zu setzen", ergänzt Vladimir.

 

3.000 Mitglieder – das ist ein Vielfaches dessen, was etwa Österreichs atheistische Vereine gemeinsam an Mitgliedern haben. Zu mobilisieren sind die freilich schwer, sagt Isidora: „Wir haben einmal im Jahr eine humanitäre Aktion, da sind dann zehn bis fünfzehn Leute da." Das liegt zum einen daran, dass viele der 3.000 Mitglieder in den vergangenen Jahren ausgewandert sind.

 

Auch wenn Serbiens Atheisten im Vergleich zum deutschsprachigen Raum deutlich mehr Anhänger in der Arbeiterschaft haben – im Durchschnitt haben auch sie mehr Akademiker als die serbische Bevölkerung. Das sind genau die, die auswandern. Ein Problem bei der Mobilisierung ist auch das Geld: Die Mitglieder leben übers Land verstreut. Viele haben nicht das Geld, um zu Aktionen in Beograd oder anderen großen Städten zu reisen. Im Schnitt verdienen Serben weniger als 400 Euro im Monat. Selbst der Mitgliedsbeitrag von umgerechnet 10 Euro im Jahr ist für die meisten schlicht nicht leistbar.

 

„Das ist für mich und meinen Mann schon schwer zu leisten", sagt Isidora. „Und wir haben auch Leute, wo vier oder fünf Leute im Haushalt leben und bei uns Mitglied sind. Das geht dann finanziell nicht mehr."

 

Orthodoxe Kirche wird von Politik hofiert

Vor allem beim Geld sieht man den Unterschied zur orthodoxen Kirche. Die wurde seit 1991 Stütze zuerst des serbischen Nationalismus und danach von allen Machthabern hofiert. Unter Präsident Aleksandar Vucic fließe das Geld ganz offen vom Staat zur Kirche, schildert Vladimir. Bei immer mehr Staatsakten tauchen Popen oder Patriarchen auf. Während umgekehrt auch die Regierungsspitze an offiziellen religiösen Feiern teilnimmt.

 

Im sozialistischen Jugoslawien wäre das undenkbar gewesen.

 

Was nicht nur den serbischen Atheisten schwer im Magen liegt: Auch der konfessionelle Religionsunterricht wurde in serbischen Volksschulen und Gymnasien erteilt. „Das ist ganz heftige Indoktrination", schildert Isidora. „Erteilt wird der Unterricht von Priestern und sie lehren nur das Dogma der orthodoxen Kirche. Was wir in den Schulbüchern gesehen haben, war furchtbar", sagt sie.

 

Homophobe Gewalt

Neben nationalistischen Darstellungen auch offene Hetze gegen Homosexuelle oder Atheisten. „Wir werden dort als unmoralisch und ohne jegliche Ethik dargestellt." Dieses Vorurteil hört man auch in westlichen Gesellschaften oft. In Schulbücher muss es freilich etwas subtiler dargestellt werden. „Immer wieder kommt es auch zu Gewalt gegen atheistische oder homosexuelle Schüler. Und es ist ganz klar, das kommt von der Schule", schildert Isidora.

 

Nicht, dass es für Homosexuelle in sozialistischen Zeiten immer einfach gewesen wäre, meint Vladimir: „Klar gab's bei uns auch homosexuelle Schülerinnen und Schüler. Die waren vielleicht nicht immer die beliebtesten in der Klasse. Aber, dass wir sie gemobbt oder gar geschlagen hätten, das ist nicht vorgekommen." Der hart errungene gesellschaftliche Fortschritt in vielen westlichen und anderen Gesellschaften der vergangenen 30 Jahre scheint in vielerlei Hinsicht nicht nur an Serbien vorbeigegangen zu sein. Wie in vielen ehemaligen sozialistischen bzw. stalinistischen Gesellschaften ist die Akzeptanz für Minderheit gesunken.

 

Besonders auffällig wird das bei der steigenden Gewaltbereitschaft gegen Schwule oder Lesben. Wie etwa kürzlich in Polen. Dass Mazedonien und Bosnien heuer ihre ersten Pride-Paraden erleben, spricht auch Bände. In all diesen Gesellschaften sind es Religionsgemeinschaften, die mal offen mal etwas subtiler gegen Schwule und Lesben hetzen.

 

Stütze des Nationalismus

Dazu kommt, dass die Religionen nach dem „Fall des Kommunismus" die Stützen des Nationalismus in diesen Gesellschaften geworden sind. Sofern sie nicht, wie im Fall Jugoslawiens, schon davor den gesellschaftlichen Wandel vorangetrieben haben.

 

Religion und Nation sind hier für die meisten Menschen synonym. Nur ein Orthodoxer kann ein echter Serbe sein. Nur ein Katholik Kroate. In Bosnien sind de facto die Hauptnationalitäten Bosnjaken, Serben und Kroaten identisch mit Muslimen, Orthodoxen und Serben. Die orthodoxe Kirche präsentiert sich gerne als Bollwerk gegen den Islam und die katholische Kirche und der serbischen Identität.

 

„Offenbar haben wir wirklich ein so schwaches Nationalbewusstsein, dass wir das brauchen", meint Isidora sarkastisch.

 

In Jugoslawien war das die meiste Zeit über nicht so wichtig. Vladimir sieht auch die vergangenen Zeiten kritisch: „Früher war Tito eine Art höheres Wesen, ein Ersatz für die Religionen."

 

Die schnelle Wende

Die autoritäre politische Tradition im Sozialismus habe auch den Religionen den Neustart erleichtert, schildert er: „Auf einmal sagen seltsame bärtige Männer in Kleidern den Menschen, was sie zu tun haben, und sie gehorchen."

 

Und noch etwas stärkte die Religionen: „Viele ehemalige Kommunisten und Atheisten sind die schlimmsten Gläubigen", sagt Isidora.

 

Das verlieh und verleiht Religionsgemeinschaften Legitimität durch Scheinkontinuität. Auch wenn der Gesinnungswandel von Teilen der früheren Nomenklatur wohl vielfach eher Anbiedern an neue Zeiten war als Erweckungserlebnis.

 

Die triste wirtschaftliche und politische Lage besorgt den Rest. „Die Hoffnung auf das Leben danach ist für viele ein Ausgleich für die Hoffnungslosigkeit", sagt die 35-Jährige. Das alles erklärt die starke gesellschaftliche Stellung der orthodoxen Kirche in Serbien und vergleichbarer Organisationen in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens. Nur: Religion ist hier, viel stärker als in den meisten westlichen Staaten, vor allem Herrschaftsverhältnis.

 

Das sieht man auch an zwei Gegenbeispielen: In Tschechien und in den Gebieten der ehemaligen DDR ist die überwiegende Mehrheit der Menschen atheistisch oder konfessionsfrei. Dort schaffte es aus verschiedenen Gründen keine Religionsgemeinschaft, sich als politisch relevante Trägerin eines Nationalgedanken zu etablieren.

 

„Serben sind eher schwach religiös"

In den Herzen der Menschen sei die religiöse Wende großteils nicht angekommen, auch wenn sie ihre Zugehörigkeit zur jeweiligen Mehrheitsreligion ostentativ herausstreichen, schildern Isidora und Vladimir.

 

„Im Allgemeinen sind die Serben eher schwach religiös. Wenige Menschen gehen in die Kirche oder praktizieren die Religion. Am ehesten ist die Religiosität der meisten Menschen esoterisch konnotiert." Das hindere sie nicht daran, sich bei passenden und unpassenden Gelegenheiten als traditionell religiös zu präsentieren. Nicht immer passiert das ganz freiwillig.

 

„Bei der jüngsten Volkszählung wurden Menschen, die nicht jüdisch oder muslimisch sind, unter Druck ausgesetzt, sich als orthodoxe Christen eintragen zu lassen. Und manchmal haben das die Befrager einfach gemacht, egal, was man gesagt hat", schildert Isidora. „Ich wurde wahrscheinlich als orthodox eingetragen."

 

Absurd hohe Zahlen

85 Prozent der Bevölkerung sind laut Volkszählung 2011 orthodox. Ein absurd hoher Wert, den nur die politische Rolle der orthoxen Kirche erklären kann. Etwa ein Prozent der Bevölkerung sind der Volkszählung gemäß atheistisch, etwa ein Prozent gehört kleineren Religionen wie dem Judentum an oder hat sich nicht deklariert.

 

Das ist kein Beweis für Isidoras Aussagen. Es macht sie freilich plausibler. Das macht den Kampf der Atheisten gegen die wenig segensreiche ideologische Vormachtstellung der orthodoxen Kirche in der serbischen Gesellschaft schwierig. Wenn schon bei einer Volkszählung der Druck so groß ist, will sich auch sonst kaum jemand als Atheist deklarieren.

 

Wenig Platz für Andersdenkende

Medien sind auch eher selten interessiert. Die meisten und die größten stehen Aleksandar Vucic und seinen Freunden nahe. Oder werden von ihnen kontrolliert. Da ist viel Platz für die orthodoxe Kirche als Trägerin des Serbentums. Und wenig für Andersdenkende. Seien es politisch Andersdenkende oder säkulare Kräfte.

 

Ab und zu komme es vor, dass Medien Vertreterinnen oder Vertreter der Atheisten zu TV-Diskussionen anfragen, schildern Vladimir und Isidora. „Aber da haben wir oft ein Problem, jemanden zu mobilisieren. Auch, weil es oft sehr kurzfristige Anfragen sind."

 

Religiöse Wende, Vormachtstellung der Religionsgemeinschaften, religiös gestützte Homophobie, priesterlich gesegnter Nationalismus – das sind Probleme, die Serbiens Atheisten mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen Nachfolgestaaten Jugoslawiens teilen. Zumal die Religionsgemeinschaften bei aller Feindschaft auch gerne über die Grenzen hinweg gegen die moderne Gesellschaft agitieren und kooperieren.

 

Kooperation ist schwierig

Die Atheisten tun sich da schwerer, sagt Vladimir. Gleichwohl er auch Mitglied der bosnischen und der kroatischen Atheisten ist. „Leider haben manche bosnische Atheisten politische Vorurteile gegenüber Serben. Zum Teil verstehe ich es ja. Bosnische Serben haben in Bosnien furchtbare Kriegsverbrechen begangen." Mit Segen der orthodoxen Kirche.

 

„Sogar für uns Atheisten ist es schwierig, diese Dinge hinter sich zu lassen." Dabei sei man hier bemüht, Nationalisten oder Homophobe aus der Vereinigung zu drängen. Das trifft mit Sicherheit auch auf die bosnischen und kroatischen Atheisten zu. Bei den Kroaten scheint es von wechselndem Erfolg gekrönt zu sein.

 

„Leider gibt es Mitglieder der dortigen Nationalisten, die die Operation Oluja feiern." Das ist die kroatische Militäroperation, in der die selbst ausgerufene serbische Republik in Slawonien zerschlagen wurde. 200.000 ethnische Serben flüchteten. Oder wurden vertrieben. Je nach Auffassung. Das zu feiern, geht auch für den antinationalistischsten aller Serben aus naheliegenden Gründen nicht. Aber irgendwann werde es gelingen, diese Vorbehalte zu überwinden, zeigen sich Vladimir und Isidora überzeugt.

 

Und so widrig die Ausgangslage auch sein mag, ein paar kleine symbolische Erfolge kann man feiern. „Immer mehr Medien nennen kirchliche Würdenträger mit ihrem bürgerlichen Namen. Das geht zum Teil auf unsere Aktivitäten zurück." Und die Unzufriedenheit mit der Kirche steige.

 

„Eigentlich sollten wir dem Patriarchen eine Ehrenmedaille verleihen", schmunzelt Vladimir. „Jedesmal, wenn der eine kontroversielle Aussage tätigt, kriegen wir zehn neue Mitglieder."

 

Entnomen bei http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/blick-ueber-die-grenzen-wie-es-atheisten-in-serbien-geht/

Christoph Baumgarten

 

 

 

 




"An keiner Stelle verurteilt die Bibel Homosexualität!"


HomoDas stellte die Bibelwissenschaftlerin Ilse Müllner fest auf und katholisch.de interviewte am 29.7.2019 Ilse Müllner darüber:

Frage: Frau Müllner, (..) lässt sich aus der Bibel eine Abwertung von Homosexualität herauslesen?
Müllner: Nein, aus der Bibel lässt sich überhaupt nicht ableiten, wie man sich heute als Christ oder als Christin mit Blick auf das Thema Homosexualität positionieren muss. Erstens, weil die Bibel nichts über Homosexualität, wie wir sie heute verstehen, aussagt. Und zweitens, weil die sexuellen Akte, die darin beschrieben werden, immer in ihrem jeweiligen kulturellen und sozio-historischen Kontext betrachtet werden müssen. Die Vorstellungen von einer homosexuellen Partnerschaft gab es damals noch nicht. Davon spricht man erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts.

Frage: Gerne werden Levitikus 18,22 und Römer 1,26-27 für eine negative Bewertung von Homosexualität herangezogen.
Müllner: Man kann diese Stellen nicht gegen Homosexualität, wie sie heute verstanden wird, heranziehen, denn es geht darin nicht um eine auf Dauer angelegte Liebesbeziehung von Menschen gleichen Geschlechts. Das muss man wissen, bevor man solche Zitate zur Argumentation heranzieht. Bei Levitikus wird abgelehnt, wenn ein Mann bei einem Mann wie bei einer Frau liegt. Damit wird Analverkehr zwischen Männern beschrieben. Doch es geht hier nicht um eine homosexuelle Beziehung. Es geht um einen Geschlechtsakt, der verurteilt wird, weil er nicht als gemeinschaftsförderlich angesehen wird. Das wird aus dem Kontext deutlich, wo unter anderem auch der Geschlechtsverkehr mit einer menstruierenden, also zu diesem Zeitpunkt nicht fruchtbaren Frau, abgelehnt wird. Aus der erzählenden Literatur wird oft auf Genesis 19 verwiesen. Hier sollen Gäste, die in die Stadt Sodom, daher der Begriff Sodomie, kommen, durch Sexualverkehr gedemütigt werden. Es geht wieder nicht um homosexuelle Beziehungen. Stattdessen sollen Männer durch eine Gruppe anderer Männer vergewaltigt werden. Es geht also um fremdenfeindliche Gewalt. Bei dieser Bibelstelle wird der Zusammenhang von Sexualität und Macht deutlich. Mit diesem Zusammenhang müssen wir uns ja gerade auch im Hinblick auf den Missbrauchsskandal auseinandersetzen.

Atheistische Anmerkungen

Es hatte daher nix mit Homosexualität und Homosexuellen zu tun, wenn in Lev 18,22 steht, "Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel."
Und wenn dann über "Gräuel" in Lev 18, 29-30 steht: "Alle nämlich, die irgendeine dieser Gräueltaten begehen, werden aus der Mitte ihres Volkes ausgemerzt. Achtet auf meine Anordnungen, befolgt keinen von den gräulichen Bräuchen, die man vor euch befolgt hat, und verunreinigt euch nicht durch sie. Ich bin der Herr, euer Gott."

In unseren Breiten wurden Männer, die mit einem Mann schliefen, wie man mit einer Frau schläft, letztmalig in der Nazizeit aus ihrem Volk ausgemerzt, weil der Hitler hielt sich noch an Gottes Wort! In Österreich war Homosexualität aus dieser Gräuelpraxis noch bis in die 1970er-Jahre strafbar gewesen, dann wurde 1971 das von der damaligen SPÖ-Regierung unter Kreisky abgeschafft. Das Delikt hatte geheißen "Unzucht wider die Natur mit demselben Geschlecht". Die katholischen Bischöfe wurden wegen der Abschaffung des Strafparagraphen von Sorgen geplagt, sie befürchteten wegen der Entkriminalisierung, dass Homosexualität "zur Mode" werden könnte. Denn die Bischöfe hatten ja in der Bibel Gottes Wort über die homosexuellen Gräuel. Und sie wussten wohl auch, dass es unter Geistlichen überproportinal viele Homos gab…

Im Römerbrief von Paulus steht in 1,27 "ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung." Nach einer Reihe von Beschimpfungen steht im Vers 32, "Wer so handelt, verdient den Tod." Und das hat laut Frau Müllner nichts mit einer biblischen Verurteilung der Homosexualität zu tun, weil von homosexueller Partnerschaft steht nichts in der Bibel. Dass das damit zusammenhängt, dass damals Homosexualität ein Ausmerzungsdelikt war, darauf kommt im 21. Jahrhundert eine Bibelwissenschaftlerin nicht. Weil heute die Homosexualität anders verstanden wird und in der Bibel das Wort "Homosexualität" nicht vorkommt, sondern nur homosexuelles Verhalten beschrieben wird? Laut göttlicher Bibelvorschrift waren Männer, die mit einem Mann schliefen, wie man mit einer Frau schläft, aus dem Volke auszumerzen, bzw. hatten Männer die mit Männern Unzucht trieben, den Tod verdient. Aber in der Bibel steht keine Stelle, die Homosexualität verurteilt!???

Geht's noch heuchlerischer, noch scheinheiliger? WC! Wohl Caum!

Vielleicht könnt sich Frau Müllner auch noch damit befassen, dass der Jesus die Sklaverei als Selbstverständlichkeit nahm. Steht wahrscheinlich auch nicht in der Bibel. Und dass Sünder und Ungläubige ins ewige Höllenfeuer kommen, dazu könnte Frau Müllner bestimmt auch was Himmlisches schreiben!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Über den "Zeugen Jehovas"-Ausstieg


ZJAusstiegIlona Pfeffer am 26.7.2019 auf https://de.sputniknews.com

"Man fühlt sich wie ein Freak" – Die Zeugen Jehovas und der schwere Weg des Ausstiegs aus der Sekte

Indoktriniert, isoliert und verängstigt – was Sektenaussteiger von ihrer Kindheit bei den Zeugen Jehovas berichten, klingt wie ein Alptraum. Um von ihren Erfahrungen zu berichten und Wege aus der Sekte aufzuzeigen, haben Aussteiger einen "Wachtturm-Opfer-Gedenktag" auf dem Berliner Alexanderplatz abgehalten.

Wer in einer Familie gläubiger Zeugen Jehovas aufwächst, dessen Leben unterscheidet sich oft dramatisch von dem der Gleichaltrigen: Keine Geburtstagsfeiern, kaum Kontakt zu Menschen außerhalb der Glaubensgemeinschaft, im medizinischen Notfall keine Bluttransfusion und später auch keine Beteiligung an Wahlen. Fasst jemand den Entschluss, der Sekte den Rücken zu kehren, steht er zunächst vor dem Nichts, denn bei den Zeugen Jehovas ist er ausgestoßen und andere Freunde oder Verwandte hat der Aussteiger oft nicht.

Um auf die oft schlimmen Implikationen des Sektenlebens hinzuweisen und Ausstiegswilligen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, gibt es vielfältiges ehrenamtliches Engagement, wie beispielsweise durch den Verein "JW Opfer Hilfe e.V."

Am 26.7. führte der Verein mit einem Informationsstand den "Internationalen Wachtturm-Opfer-Gedenktag" auf dem Alexanderplatz in Berlin durch.

Eine der Ehrenamtlichen, die sich an diesem heißen Berliner Sommertag auf dem Alexanderplatz eingefunden haben, ist Giulia Silberberger. In den Medien ist sie als Gründerin des "Goldenen Aluhuts" bekannt – einer Plattform, die sich mit Verschwörungstheorien auseinandersetzt. Was viele nicht wissen, ist, dass die junge Frau selbst bei den Zeugen Jehovas aufgewachsen ist.

Mitglieder der Sekte würden systematisch kaputtgemacht, erzählt Silberberger. Gerade Kinder würden extrem leiden, die seelischen Schäden oft für das ganze Leben zurückbleiben.
"Die Seelen von Kindern werden zerstört, sie werden mit Angst und Gewalt erzogen und der permanenten Furcht vor Harmagedon, dem Weltuntergang, den nur die Menschen überleben, die Jehova gefällig sind. Das ist eine fürchterliche Angst, mit der man aufwächst und die mir eine seelische Erkrankung und einen Behindertenstatus beschert hat. Ich möchte, dass das aufhört und dass die Leute über die Gefahren in dieser Organisation Bescheid wissen.  Dass es nicht die friedfertigen Leutchen sind, die mit dem Trolli irgendwo am Bahnhof stehen und Liebe predigen, sondern dass das eine eiskalte, faschistoide Gesellschaft ist, die ihre Mitglieder zerstört."
Zudem halte sie die Zeugen Jehovas nicht unbedingt für verfassungstreu. Aus ihrer Sicht verstoßen sie beispielsweise gegen Artikel 6 – den Schutz der Ehe und der Familie – wenn Mitglieder der Kernfamilie, selbst minderjährige Kinder, aus der Gemeinschaft ausgestoßen werden und mit ihnen nicht mehr geredet wird.  

Auch würde die Sekte ihr eigenes Rechtssystem pflegen:
"Wenn ein Verbrechen innerhalb der Gemeinschaft begangen wurde, wird es in der Regel nicht der Rechtsstaatlichkeit übergeben, sondern wird innerhalb der Versammlung nach ganz kruden Gesetzen geklärt. Es gilt beispielsweise die Zwei-Zeugen-Regel: Du musst zwei Zeugen vorbringen oder nichts ist passiert. Das sind einfach Sachen, die in eine demokratische Gesellschaft wie die unsere nicht hineinpassen."

Auch Sophie Jones ist Aussteigerin. Sie sei in die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas hineingeboren worden, erzählt die junge Frau. Wenn man es nicht anders kenne, vermisse man zunächst auch nichts. Man feiere kein Weihnachten, man feiere keinen Geburtstag. Man gehe von Kindesbeinen an mit in den Predigtdienst von Haus zu Haus. Aber je älter man werde, desto mehr werde man sich dessen bewusst, wie isoliert man sei.

"Man soll natürlich hauptsächlich Kontakt zu anderen in der Gemeinschaft haben, weil sie guter Umgang sind und alle anderen einen vom Glauben abbringen könnten. Deswegen ist es als Kind von Zeugen Jehovas sehr schwierig, normale Freunde zu finden. Wenn man älter wird, dann merkt man: Ich bin irgendwie anders, ich bin komisch, ich mache nicht die Sachen, die normale Kinder machen. Ich weiß nicht, wovon sie reden, ich gucke nicht dieselben Fernsehsendungen. Ich gehe in den Gottesdienst, ich sehe anders aus, ich benehme mich anders. Man schämt sich auch irgendwo – das ist ganz normal. Natürlich bekommt man gesagt, dass man auf seinen Glauben stolz sein soll und dass man von Gott auserwählt ist. Aber man fühlt sich eigentlich eher wie ein Freak."

Während es durchaus auch "liberale" Zeugen Jehovas gebe, sei ihre Mutter streng gläubig und habe sie entsprechend erzogen. Der Wendepunkt sei für sie mit dreizehn Jahren gekommen, als ihr Vater aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und der Kontakt zu ihm untersagt worden sei, erinnert sich Sophie Jones.
"Das habe ich nicht gut verkraftet, ich habe wirklich sehr darunter gelitten, zu ihm keinen Kontakt mehr haben zu dürfen. Man darf die Person dann ja nicht einmal mehr grüßen, egal, ob Familie oder nicht. Ich habe gemerkt, dass ich wahnsinnig unglücklich bin und habe mich gefragt: Wofür leide ich hier? Wie kann es Gott erfreuen, dass ich so darunter leide, dass ich meine eigene Familie verleugne? Das hat für mich keinen Sinn ergeben und ich habe gemerkt, dass ich in meinem Leben etwas ändern muss. Ich bin mit achtzehn ausgestiegen und habe wieder Kontakt zu meinem Vater und anderen ausgeschlossenen Freunden gesucht."

Den Ausstieg habe sie nicht plötzlich vollzogen, denn die Rückfallquote sei sehr hoch, weil die Aussteiger meist überhaupt keinen Halt in der Außenwelt hätten. Sie habe eine Liste geschrieben von den Leuten, die sie durch den Ausstieg verlieren würde, und von denen, die sie zurückgewinnen würde. Sie habe sich parallel neue Freunde gesucht, neue soziale Kontakte aufgebaut.
"Als ich merkte, ich bin so weit, bin ich zum letzten Mahl, dem Gedächtnismahl gegangen. Ich habe ein paar Leuten gesagt, dass sie mich nicht wiedersehen werden, und dann bin ich gegangen. Ich habe mir dann eine neue Handynummer zugelegt, bin umgezogen, habe einen neuen Job angefangen. Und dann hat es ganz gut geklappt."

Heute sei sie sehr froh, dass sie sich für den Ausstieg entschieden habe und ihren Vater wieder sehen könne, so Jones.
"Mir wurde mein Leben noch einmal neu geschenkt. Ich kann sein, wer ich will. Ich kann tun, was ich will. Ich kann befreundet sein, mit wem ich will. Das macht mich glücklich."

Dass Menschen wie Sophie Jones geholfen wird und dafür, dass auch in Gesellschaft, Medien und Politik die Problematik der Sektenstrukturen wahrgenommen wird – dafür engagiert sich der Verein "JW Opfer Hilfe e.V.". Wie schlimm es für Mitglieder und Aussteiger tatsächlich sei, sei Außenstehenden kaum begreiflich, sagt Stefan Barnikow von "JW Opfer Hilfe e.V.".
"Außenstehende können es oft nicht glauben, dass es so eine mittelalterliche Ächtungspraxis heute, mitten in Berlin gibt. Bei uns haben die Aussteiger jemanden, der ihnen zuhört und ihr Problem versteht."

Das missionarische Von-Tür-zu-Tür-Gehen der Zeugen Jehovas wird von vielen zwar als aufdringlich oder lästig empfunden, gesetzeswidrig sei es jedoch nicht, so Barnikow.
"Die Zeugen Jehovas haben es ja geschafft, als Körperschaft des Öffentlichen Rechtes in allen Bundesländern anerkannt zu werden. Als solches ist ihr Vorgehen rechtens, sie dürfen missionieren. Ich darf aber als Wohnungsinhaber natürlich auch sagen, dass ich das nicht möchte. Man muss auch verstehen: Die Zeugen Jehovas wollen dir nichts Böses, sie wollen dich ja erretten. Im Prinzip meinen sie es gut, es kommt aber nichts Gutes dabei rum."

Derzeit gebe es in Deutschland etwa 170.000 Zeugen Jehovas, die Zahl sei jedoch rückläufig. Barnikow sieht den gestiegenen Ausstiegswillen als ersten Etappensieg und Zeichen dafür, dass die Beratungsarbeit seines und anderer Vereine sowie die Hilfestellung, die auf Internetplattformen angeboten wird, Früchte tragen.
Überzeugte Zeugen Jehovas würden aber nicht das Gespräch suchen – auch nicht an diesem Tag auf dem Alexanderplatz. "Die Zeugen Jehovas selbst machen eher einen Bogen um uns", hält Barnikow fest.

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




fowid über Religionszugehörigkeiten 2018 in Deutschland


fowidWEIMAR. (fowid/fgw) Nach den Veröffentlichungen der Mitgliederzahlen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Bistümer lässt sich jetzt die Zahl der Religionszugehörigkeiten zum 31.12.2018 wie folgt darstellen:

 

44,1 Mio. EKD- und katholische Christen (53,2 Prozent), 4,3 Mio. konfessionsgebundene Muslime (5,1 Prozent), 3,3 Mio. andere Religionsgemeinschaften (3,9 Prozent) und 31,4 Mio. Konfessionsfreie (37,8 Prozent).

(…)

Römische Katholiken und EKD-Evangelische

Nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz gab es zum 31.12.2018 genau 23.002.128 katholische Kirchenmitglieder, die Evangelische Kirche in Deutschland berichtet 21.140.599 Kirchenmitglieder. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zum Bevölkerungsstand am 31.12.2018 hatte Deutschland 83.019.200 Einwohner. Daraus ergeben sich 27,7 Prozent römische Katholiken und 25,5 Prozent EKD-Christen.

Für beide Religionsgemeinschaften sind die Rückgänge der Mitgliederzahl entweder gleich groß wie in 2017 (EKD: minus 395.000 vs. 394.000) oder deutlich höher, wie bei den römischen Katholiken (minus 309.000 vs. 269.000 Mitglieder).

Muslime

In den Melderegistern werden nur die Mitglieder der religiösen Körperschaften des öffentlichen Rechts erfasst. Die letzte belastbare Statistik zu der Anzahl der Muslime in Deutschland stammt aus der Volkszählung 1987. Damals wurden als „Angehörige der islamischen Religionsgemeinschaft" insgesamt 1.650.952 Personen gezählt. Das waren 2,70 Prozent der 61.077.042 Einwohner. (1990, nach der deutschen Einheit, wären das 2,07 Prozent der 79.430.000 Einwohner). Aufgrund mangelnder weiterer Daten wird die Schätzung/Hochrechnungen des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) im Bericht „Wie viele Muslime leben in Deutschland" (2016) verwendet. „Ergebnis ist, dass in Deutschland am 31. Dezember 2015 zwischen 4,4 und 4,7 Millionen muslimische Männer und Frauen lebten. Demnach sind von insgesamt 82,2 Millionen Einwohnern zwischen 5,4 und 5,7 Prozent muslimische Glaubensangehörige."

Kultur-Muslime

(…) Die nicht-religiösen Muslime, die niemals religiöse Veranstaltungen besuchen, die sich aber aus Tradition, Lebensgewohnheiten u. a. m. als Muslime bezeichnen, sind entsprechend „Kultur-Muslime".

Wie hoch der Anteil dieser nicht-religiösen Kultur-Muslime ist, ergibt sich u. a. aus den Studien „Muslimisches Leben in Deutschland (MLD 2008)" des BAMF. Darin geben – mit unterschiedlichen Variationen aufgrund der Herkunftsländer – insgesamt 29 Prozent der befragten Muslime an, niemals religiöse Veranstaltungen zu besuchen, also auch niemals in die Moschee zu gehen. (S. 161)

(…)

Als Schlussfolgerung hat fowid sich entschieden, 20 Prozent der Muslime als nicht-religiöse Kultur-Muslime anzunehmen und sie entsprechend als Konfessionsfreie aus der Gesamtzahl der Muslime herauszurechnen.

(…)

Kleinere Religionsgemeinschaften / Konfessionsfreie

Für die kleineren Religionsgemeinschaften liegen von REMID – der an sich verlässlichsten Quelle zu diesem Thema -, keine neueren Zahlenangaben vor, so dass die bisherigen Angaben von 3.250.000 (= 3,9 Prozent) unverändert beibehalten wurden.

Die Anzahl der Konfessionsfreien/Menschen ohne Religionszugehörigkeit ist die Differenz zwischen der Bevölkerungszahl und der Summe der Angehörigen von Religionsgemeinschaften.

In dem Anstieg dieser Anzahl auf 31.371.000 Personen (= 37,8 Prozent) zeigen sich u. a. die rund 440.000 Kirchenaustritte aus der evangelischen und katholischen Kirche an, wie zudem der Anstieg in der Bevölkerungszahl, für die kein wesentlicher Anstieg in den Religionsgemeinschaften zu erkennen ist, sondern – am Beispiel des Rückgangs der Taufen – eher das Gegenteil.

Mehr dazu auf der Webseite der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland.

 

 

(CF, SEF, MSS)

 

 




Atheisten wissen mehr über Religion als Christen - mit Test


Atheist BibelDas meldete am 26.7.2019 PRO, das christliche Medienmagazin und berichtete dazu konkret über einen in den USA durchgeführten Wissenstest:

"Juden, Atheisten und Agnostiker wissen in den USA am meisten über Religion. Das fand eine Studie des Pew-Research-Centers heraus. 11.000 erwachsene Amerikaner mussten 32 Multiple-Choice-Fragen rund um das Thema Religion beantworten. Es ging zum Beispiel um die Bibel, das Christentum, die Weltreligionen und Religion im öffentlichen Leben. Amerikaner jüdischen Glaubens konnten durchschnittlich 18,7 Fragen richtig beantworten, Atheisten 17,9 und Agnostiker 17. Protestanten und Katholiken wussten über 14 Fragen von 32 Bescheid. Unter den Protestanten ordnete die Studie auch die Evangelikalen ein. Diese wussten durchschnittlich 15,5 Fragen richtig zu beantworten."

Das hat sich meinereiner auch schon gedacht!

Jeden Sonntag zum jeweiligen Evangelium eine atheistische Predigt schreiben? Da lernt man im Laufe der Zeit eine Menge über Bibel und Christenreligion! Und meinereiner freut sich dann immer, dass er diesen Unsinn niemals geglaubt hat, weil es keine Kleinkindergehirnwäsche, sondern Religionsfreiheit ab der Geburt gegeben hatte. Allerdings mit dem hier schon sooft geschilderten Haken, dass in meiner Kindheit und Jugend die in der Verfassung garantierte Religionsfreiheit in der realen Gesellschaft nur mit großen Einschränkungen existierte, aus der Kirche auszutreten, die Kinder nicht taufen zu lassen, das war damals in vielen Bereichen noch ein deutliches No-go! Es dauerte noch lange, bis der katholische gesellschaftliche Druck zu erlöschen begann, meinereiner musste noch zwölf lange Jahre jede Woche zwei Stunden den Religionsunterricht besuchen und dort Hände falten, Goschen halten, lügen und heucheln!

Und da darüber immer noch Zorn übrig ist und meinereiner sowieso einen großen Hang zur Geschwätzigkeit und damit zur freien Meinungsäußerung hat, gibt's diese Homepage hier!

Leider waren nicht alle 32 Fragen des obigen Testes im Net zu finden, sondern bei PEW nur eine Auswahl von 15.

Hier das 15er-Ergebnis von meinemeinem samt Vergleichstabelle!

Mit 12 richtigen Antworten auf die 15 Fragen liegt meinereiner 4,6 Punkte über dem Durchschnitt, 4 vor den evangelikalen Protestanten, 4,4 Punkte vor den übrigen Protestanten, 7,1 Punkte vor den farbigen Protestanten, 4,4 Punkte vor den Katholiken, 5,2 Punkte vor den Mormonen, 2,5 vor den Juden, 2,7 vor den Atheisten, 3 vor den Agnostikern und 6,1 vor allen anderen. Das kommt davon, wenn man sich als Atheist dauernd mit Religionen befasst! Wenn auch nicht mit allen ausführlich genug, weil sonst hätten es 15 Punkte werden müssen!

Wer sich selber testen will, hier der Link zum 15-Fragen-Test:
https://www.pewresearch.org/quiz/u-s-religious-knowledge-quiz/

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Vernichtendes $-Urteil


MorganGrößte US-Bank schockt mit Dollar-Prognose

Iwan Danilow am 26.7.2019:

Bei Finanzberatungen und Ratschlägen der Banken gibt es offenbar einen Klassenunterschied – sehr Reiche erhalten in der Regel andere Informationen als der einfache Sparer. Interessant wird es, wenn Informationen für sehr reiche Kunden einer einflussreichen US-Bank offen zugänglich sind, wie es kürzlich mit dem Bericht von JP Morgan der Fall war.

Banker der JP-Morgan-Einheit Private Banking (für Kunden, die mindestens über ein Dutzend Millionen Dollar verfügen) riskieren nichts – ihre Prognosen unterscheiden sich so stark von den Hauptthesen der US-Propaganda und der offiziellen Position der meisten westlichen Finanzstrukturen, dass selbst jene einfachen Amerikaner, die sie auf der Webseite der Bank lesen werden, ihnen kaum Glauben schenken und einen Vorteil daraus ziehen würden. Sollte sich die schockierende Prognose der Bank bewahrheiten, ist das positive PR für das Geldhaus.

Wenn man den analytischen Artikel der JP Morgan in einigen Thesen zusammenfasst, ergibt sich folgendes: Die wichtigste These ist, dass sich das Machtzentrum der Weltwirtschaft nach Asien verschiebt, was unverzüglich zu ernsthaften Veränderungen in der Weltwirtschaft im Ganzen und des internationalen Währungssystems führen wird. These zwei: Der Dollar könnte allmählich seinen Status als wichtigste globale Währung verlieren und anschließend weiter an Wert einbüßen, wobei wohlhabende Investoren mit US-Aktiva auf hohe Risiken stoßen werden.

These drei: Die Zahlungssysteme, die versuchen, den Dollar zu umgehen, sind eine große Bedrohung für den US-Dollar. Die sich im Wandel befindliche Weltwirtschaft bewegt Kontrahenten der USA zu effektiven Wegen des Kampfes gegen die Dollar-Herrschaft im internationalen Finanz- und Handelssystem.

Wären diese Thesen ohne Angaben der Autoren veröffentlicht worden, könnte man zum Schluss kommen, dass sie von einem chinesischen, russischen oder europäischen Thinktank stammen. Doch so eine pessimistische Prognose zu den Aussichten der US-Wirtschaftshegemonie wurde von einer der einflussreichsten US-Banken erstellt.

Bemerkenswert ist, dass das neue Machtzentrum in Asien laut JP Morgan sich wahrscheinlich auch auf Russland ausdehnt. Analysten skizzieren die geografischen Grenzen dieses Teils der Welt, der die Lokomotive des globalen Wirtschaftswachstums sein wird. "Neben China haben auch die Wirtschaften Südostasiens, darunter Indien, ernsthafte langfristige positive Faktoren, die mit einer jüngeren Demografie und sich verbreitendem technologischen Know-how verbunden sind. So deckt die asiatische Wirtschaftszone – von der Arabischen Halbinsel und der Türkei im Westen bis Japan und Neuseeland im Osten, und von Russland im Norden und Australien im Süden derzeit 50 Prozent des globalen BIP und zwei Drittel des globalen Wirtschaftswachstums.

Von dem berechneten Anstieg des Konsums der Mittelschicht in Höhe von 30 Bio. Dollar von 2015 bis 2030 würde vermutlich nur eine Bio. Dollar auf die heutige westliche Wirtschaft entfallen. Mit dem Wachstum dieser Region wird der Anteil der Operationen, die nicht mit US-Dollar verbunden sind, unverzüglich wachsen, was anscheinend zum Rückgang der Rolle von US-Dollar als globale Reservewährung führen wird, auch wenn der Dollar nicht durch eine (andere) dominierende internationale Währung ersetzt wird".

Wenn man die Position der JP-Morgan-Experten zynisch betrachtet, gilt die Regel: "Es spielt keine Rolle, was der Experte sagt, wichtig ist, was er macht". Während US-Banker höflich über Dollar-Risiken sprechen, die möglicherweise entstehen werden, sieht das Bild auf der praktischen Ebene viel klarer aus. Der Bericht endet mit einem entschlossenen Aufruf, den persönlichen Berater zu kontaktieren, um zu besprechen, wie der Anteil der Dollar-Aktiva durch den Erwerb der anderen Währungen und Gold gesenkt werden kann. "Angesichts des ständigen und wachsenden Defizits in den USA (sowohl im Haushalts- als auch im Außenhandelsbereich) meinen wir, dass der US-Dollar verwundbar für Wertverluste im Vergleich zu einem mehr diversifizierten Korb sein kann, darunter Gold. Wenn wir die Kunden-Portfolios analysieren, sehen wir, dass viele von ihnen deutlich mehr dem Risiko einer Dollar-Abwertung ausgesetzt sind. In dieser Etappe des Wirtschaftszyklus meinen wir, dass das Währungs-Portfolio diversifizierter sein muss. In vielen Fällen wird unsere Empfehlung anscheinend darin bestehen, das Gewicht anderer Währungen der G10, asiatischer Währungen und Golds zu erhöhen".

Es entsteht der Eindruck, dass in diesem Bericht de facto zugegeben wird, dass es einen kollektiven und durch gemeinsame Interessen vereinigten Westen nicht mehr gibt. Die Auseinandersetzung zwischen Washington und Brüssel wird auch nicht nach dem Abgang der aktuellen US-Administration enden.

Banker weisen darauf hin, dass sich für den Euro als Konkurrent des Dollars auf dem globalen Finanz- und Ölmarkt sowohl Vertreter der Europäischen Zentralbank, als auch der Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich aussprechen.

Die Welt, an die wir uns in den vergangenen 30 Jahren gewöhnt haben, ist nicht mehr die gleiche. Alte Allianzen zerfallen, alte Herrscher werden schwächer, der Mittelpunkt der Wirtschaftsaktivität verschiebt sich nach Asien. In diesem Kontext könnten US-Patrioten wohl US-Bankern und sehr reichen Kunden Panikmache, Verrat und Kapitalflucht vorwerfen, doch in diesem Falle würde die wahrscheinlichste Antwort lauten:  Zum rechten Zeitpunkt fliehen ist kein Verrat, sondern eine Vorhersage.

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Zölibat in kirchlicher Diskussion


ZölibatIn einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) verteidigte am 24.7.2019 Kardinal Walter Brandmüller die Praxis des Zölibats, er versuchte dem vor 1000 Jahren als Priesterpflicht eingeführten Zölibat eine fundamentale, in den Evangelien begründete Grundlage zu geben. Der Tradition, dass schon Christus und seine Apostel ehelos gewesen seien, komme "die gleiche Verbindlichkeit wie der Heiligen Schrift zu".

Warum sich der Kardinal plötzlich vorm Unzölibat fürchtet, war der Site kath.net am 25.7. zu entnehmen, zitiert wird dazu Kurienkardinal Braz de Aviz: "Papst Franziskus habe die Bischöfe dazu angehalten, die Möglichkeit der Weihe verheirateter Männer bei der kommenden Amazonien-Synode zu diskutieren. (..) Während eines Aufenthaltes in Paraguay sprach der Kurienkardinal in einem Interview mit dem Sender ABC über den Rückgang von Priesterberufungen in Europa und anderen Gebieten, während sie in Afrika und Asien zunehmen würden. Papst Franziskus selbst habe in diesem Zusammenhang die Idee ins Spiel gebracht, verheiratete Männer, so genannte 'viri probati' für Gebiete wie die Amazonas-Region zu weihen, in welchen es zu wenige Priester gibt."

Das passt zu einem Bericht auf atheisten-info mit dem Titel "Bald verheiratete Priester… ", der eine Meldung von Vatican News vom 22.5.2019 zitierte: "Nach Ansicht des Münsteraner Kirchenrechtlers Thomas Schüller wird es in der katholischen Kirche bald verheiratete Priester geben – auch in Deutschland. Zunächst werde die Amazonas-Synode im Herbst im Vatikan wegen des Mangels an Geistlichen in Lateinamerika 'auf jeden Fall' für in Ehe und Familie erfahrene Männer ('viri probati') als Priester votieren, sagte Schüller der Bistumszeitung 'Kirche und Leben'. Dies werde 'Bischofskonferenzen und die Regionen der Weltkirche, die ebenso vom Priestermangel betroffen sind, ermutigen, einen ähnlich gelagerten Antrag zu stellen – unter großer Wertschätzung für den freiwillig gelebten Zölibat'."

Kardinal Brandmüller weist überhaupt zurück, dass es einen katholischen Priestermangel gibt, er hat zweifellos damit recht, ein Priestermangel bestehe eigentlich gar nicht, "vergleicht man die Zahl der Priester mit jener der am kirchlichen Leben teilnehmenden Katholiken."

Statt den Zölibat abzuschaffen, müsste sich die katholische Kirche lediglich noch mehr darum bemühen, aktive Gläubige zu vertreiben! Eine Methode dazu hat Kardinal Brandmüller in der Bibel gefunden, er zitiert das Verhalten der Jünger, die seinerzeit dem Jesus gefolgt sind, er schreibt dazu: "Die ersten Jünger Jesu, die er dann Apostel (Gesandte) nannte, haben also nach Ausweis der Evangelien Haus, Hof, Frau und Kinder, Vater und Mutter verlassen, um Jesus nachzufolgen. Es wäre unverständlich anzunehmen, dass die Verfasser der Evangelien hier ein Ideal gezeichnet hätten, dem ihr eigenes tatsächliches Leben widersprochen hätte. Das 'alles Verlassen' um des Evangeliums willen ist jedenfalls die Lebensform der Jesus-Jünger des ersten Jahrhunderts. Nehmen wir noch den Apostel Paulus hinzu, der die Ehelosigkeit um des Dienstes an der 'Sache Jesu' willen hochschätzt, dann ist klar, dass die Ehelosigkeit dem Dienst am Evangelium entsprach – und entspricht."

Ja, macht das! Jeder der dem Jesus wahrhaft nachfolgen will, muss Haus, Hof, Frau und Kinder, Vater und Mutter verlassen! Und zölibatär leben! Und wer dem Jesus nicht auf diese Weise folgt, der kann kein Katholik sein und wird aus der Kirche ausgeschlossen! Wählt den Brandmüller zum Papst aller Katholiken, die auf fundamentaler, in den Evangelien begründeten Grundlage dem Jesus nachfolgen wollen!

Auch Atheisten diskutieren gerne mit, das ist ja schließlich eine echte Gaudi!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).