Rezension zum Buch: „Hat die Wissenschaft Gott begraben?“


226261000 Der Rezensent Ockham scheut sich nicht, Kritik auszusprechen, wo Kritik angebracht ist. Diesmal liefert er eine besonders umfangreiche Auseinandersetzung mit einem Buch des Mathematikers John Lennox, der eine christliche Position des "Intelligent Design" vertritt. In den Worten des Verlags: "Gott passt viel besser in die moderne Wissenschaft, als es sich manche Ideologen träumen lassen." Gegen solche Traumdeutungen positioniert sich unser Rezensent am 12. August 2018):

Das vorliegende Buch stammt aus einer Reihe von Büchern des Instituts für Glaube und Wissenschaft. Dabei dürften sich für die meisten Atheisten Glaube und Wissenschaft wie zwei sich voneinander abstoßende Pole verhalten. J. Lennox setzt sich argumentativ mit R. Dawkins als Ikone des Atheismus auseinander, des Weiteren mit S. Hawking, M. Onfray, B. Russel, oder C. Hitchens. Zu den wichtigsten Themen gehört das philosophieren über Glaube, Indizien und Beweise/Belege; die Auferstehung Jesu als Kernstück des Glaubens und der Versuch, dies mit Belegen/Beweisen zu untermauern; David Hume und eine Erwiderung auf seine Kritik an Wundern sowie den Sein-Sollen-Fehlschluss; den Altruismus, Willensfreiheit und die Erbsünde; den Gott des alten Testaments und die Frage, ob er ein Despot war. Um eine bessere Übersicht zu gewährleisten, bezieht sich kursiv gestellter Text direkt auf den Inhalt des Buches.

Wäre das Abschaffen der Religion sinnvoll?

J. Lennox meint, dass die Abschaffung der Religion von den neuen Atheisten gefordert werden würde, da ihnen Glaube als riesiges Problem erscheine (vgl. S. 21).

Hier ist einzuhaken, dass nicht die Religion an sich die Ursache für Konflikte ist, sondern es sind diejenigen, die Konflikte auslösen durch Intoleranz, Bigotterie, Extremismus, Fundamentalismus, Fanatismus, politischen Ehrgeiz, Herrschsucht und durch einen Mangel an Achtung vor dem Nächsten usw. (Quelle 1, S. 27).

Ferner ist die Abschaffungs-Idee als solche schon utopisch: Sie berücksichtigt nicht, was Religionen ihren Anhängern bieten. Dazu gehört Selbstbewusstsein und personale Identität, womit Voraussetzungen für soziale Bindungen geschaffen werden. Religionen produzieren in Abgrenzung zu anderen ein Wir-Gefühl und verpflichten ihre Anhänger auf eine verbindliche Binnenmoral. Mit Ausnahme von "Kognition und Metaphysik" sind alle anderen Aspekte von Religion mit der Lösung von biologischen Problemen des Zusammenlebens verbunden (Quelle 2, vgl. S. 226). Hinzu kommt die Kontingenzbewältigung sowie die Überwindung des Schwarzfahrer-Problems auf zwei Ebenen (Quelle 2, vgl. S. 228). Schon allein daher wäre es aus strategischen Gründen sinnvoll, sich als Atheist mit der weiteren Existenz der Religion abzufinden.

Religiosität und Kinderzahl

J. Lennox bezieht sich auf einem Artikel von John Leak, aus dem hervorgeht, dass Atheisten eine aussterbende Rasse seien und die Natur Gläubige bevorzuge (S. 30). Ferner wird der Religionswissenschaftler Michael Blume wird mit seiner Studie "Der reproduktive Vorteil von Religiosität" erwähnt, welche ergeben hätte, dass Gottesdienstbesucher im Durchschnitt 2,5 Kinder hätten, während Nicht-Besucher dazu im Vergleich im Durchschnitt 1,7 Kinder hätten – weniger als die erforderliche Zahl um sich selbst zu "ersetzen" (vgl. S. 30 f.).

Da „Aussterben“ ein Evolutionstheoretischer und „Atheismus“ ein kultureller Begriff ist, begeht J. Lennox hier einen Kategorienfehler.

Erstens vertritt Michael Blume nicht die These, dass Religiosität zu höherer Kinderzahl führt, sondern, dass Religiosität ein kooperatives und damit reproduktives Potential eröffnet, welches kulturell ausgefüllt wird (Quelle 3, ab Minute 3:45). Zweitens betont M. Blume auch, dass Atheisten in absehbarer Zeit nicht aussterben würden, weil unter den Bedingungen von Wohlstand, Bildung und existentieller Sicherheit viele Menschen ihre religiöse Identität zunehmend aufgeben. Durch Säkularisierungsprozesse können Anzahl und Bevölkerungsanteil von Nichtreligiösen sogar zeitweise wachsen (Quelle 4)!

In Folge wird es um einige zur Religiosität konkurrierende demografische Zusammenhänge gehen, welche die Kinderzahl beeinflussen:

Die hohe Religiosität in den USA, deren Gründe immer wieder diskutiert werden, ließe sich statistisch besser mit dem Gina-Koeffizient, der die Streuung der Einkommensverteilung in einem Land beschreibt, erklären, als mit dem durchschnittlichen Wohlstandsniveau (Quelle 5, vgl. S. 3). Die hohe Religiosität der USA ist wesentliche Folge des vielfältigen religiösen Angebots, der Zuwanderung religiöser Menschen und der durchschnittlich höheren Kinderzahl religiöser Amerikaner (Quelle 6, S. 102).

Religiosität floriert bei unsicheren Lebensverhältnissen, während der Säkularismus mit größerer Sicherheit und Lebensqualität einhergeht (Quelle 6, vgl. S. 103). Anders ausgedrückt stellen wohlhabende und egalitäre Gesellschaften ihre Bürger seltener vor existenzielle Lebensrisiken und bieten offenbar weniger Anlass im Glauben Halt zu suchen (Quelle 5, vgl. S. 4).

Praktisch alle traditionellen Religionen legen Wert auf die Stärkung patriarchaler Familienverhältnisse. Für Frauen geht damit die Aufgabe einher, möglichst viele Kinder zu bekommen und ihr Leben vorrangig deren Erziehung zu widmen. Für Männer besteht nach streng religiöser Auffassung die Aufgabe darin, Frau(en) und Kinder zu beschützen und materiell zu versorgen. Ehelosigkeit, Scheidung, Abtreibung oder Homosexualität, jedes Verhalten, das einer hohen Geburtenrate entgegensteht, ist in all diesen Religionen gesellschaftliche geächtet oder ganz verboten. Da insbesondere Frauen unter diesen Bedingungen kaum eine andere Möglichkeit zur Selbstverwirklichung offen steht, spezialisieren sie sich darauf, Kinder sicher und gesund aufzuziehen. Männer wiederum erwerben gesellschaftlichen Status über die Größe und den Wohlstand ihrer Familie (Quelle 5, S. 5).

Liberale Gesellschaften fördern die Gleichstellung der Geschlechter, investieren in Bildung und in die ökonomische Unabhängigkeit von Frauen. Sie tolerieren weibliche Lebensentwürfe außerhalb der Ehe und Mutterschaft und steigern so die Opportunitätskosten von Kindern. Dies sind die Kosten, die dadurch entstehen, dass bestimmte Chancen, etwa berufliche Karriere zu machen und Geld zu verdienen, nicht wahrgenommen werden können (Quelle 5, vgl. S. 6).

Je stärker sich in einem bestimmten Staat die Fertilität religiöser und nicht religiöser Menschen unterscheidet, umso mehr mangelt es diesem Staat an einer modernen Familienpolitik (Quelle 5, S. 15).

Wohlstandswachstum und höherer Bildungsstand zeigen sich offenbar zunächst in einem Rückgang der Kinderzahlen (Quelle 5, S. 17).

Wenn Kinderzahl und Religionszugehörigkeit korrelieren, ist damit zunächst noch nichts über die Kausalität ausgesagt – ob bestimmte Religionen zu mehr Kinder führen oder mehr Kinder auf bestimmte Religionen geprägt werden oder ob es eine gemeinsame Ursache für beides gibt -, dazu bedarf es zusätzlicher Befunde (Quelle 6, S. 95). Eine Korrelation zwischen 2 Variablen ist eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für kausale Abhängigkeiten. Korrelationen können deshalb nur als Koinzidenzen interpretiert werden. Sie liefern bestenfalls Hinweise, zwischen welchen Merkmalen kausale Beziehungen bestehen könnten. Diesen Hinweisen kann in weiteren, sorgfältig kontrollierten Experimenten nachgegangen werden, um die Vermutung einer kausalen Beziehung zu erhärten. Manche Autoren vertreten die Ansicht, dass der sehr umstrittene Kausalitätsbegriff empirisch überhaupt nicht nachweisbar sei (Quelle: Statistik, Für Sozialwissenschaftler, Bortz, 3. Auflage, vgl. S. 288). Da allein mit der Statistik die Kausalitätsfrage kaum zu lösen ist, ging Michael Blume dazu über, Statistische Auswertungen und Fallstudien zu kombinieren (Quelle 3, ab Min. 8:27).

Gibt es Gene für Religiosität?

Weiter heißt es im Buch, die Evolution bevorzuge Gläubige so stark, dass die Tendenz, religiös zu sein, sich mit der Zeit in unseren Genen verankert habe (S. 31).

Diese Aussage lässt sich erheblich bezweifeln! Religiosität ist ein Persönlichkeitsmerkmal – oder ein Merkmalsbündel -, das sich wie alle anderen Charakterzüge im Wechselspiel der Gene eines Individuums, seiner Entwicklung in der Kindheit oder später sowie seiner Umwelt ausprägt. Der erbliche Einfluss lässt sich mit Zwillingsstudien quantifizieren. Tatsächlich sind Religiosität, Konservatismus und Autoritarismus stark miteinander verbunden. Sie können als "Traditional Moral Values Triad" zusammengefasst werde, also eine Triade traditioneller Werte (Quelle 6, vgl. S. 107). Wer Kinder bekommt, wird tendenziell religiöser, konservativer und autoritärer – und zwar auch dann, wenn er eine höhere Bildung hat (vermutlich ein Streben nach Sicherheit, das Religion, Autoritarismus und Konservatismus eher suggeriert). Die Triade hat eine beträchtlich erbliche Komponente – jede der drei Komponenten besitzt einen genetischen Anteil von 40-60%.

Atheismus – ein Fluchtmechanismus vor Verantwortung?

Wenn Gott existiert, könne man laut J. Lennox den Atheismus als psychologischen Fluchtmechanismus betrachten, anhand dessen man vermeidet, die letzte Verantwortung für das eigene Leben übernehmen zu müssen (S. 61).

Anders herum würde allerdings auch ein Schuh daraus! Der Glaube kann zu einem Fluchtmechanismus führen: Religiöse Ethik birgt eine gewisse Gefahr, dass das moralische Handeln und die Verantwortungsübernahme im Diesseits gegenüber der Konzentration auf Übersinnliches relativiert wird. Schlimmstenfalls kommt es zu einer Flucht vor der Eigenverantwortung und einem überfordernden Alltag in spirituelle Praktiken. Je nach religiöser Richtung und Interpretation erhöht aber die Präsenz tranzendentaler Mächte oder Ordnungsstrukturen die Verantwortung gegenüber der Um- und Mitwelt (Quelle 7, vgl. S. 73 f.).

Nicht genug Beweise!

Es zeigt sich, dass J. Lennox sprachlich nicht sauber differenziert; er versäumt eine saubere Begriffsdefinition und springt ständig zwischen den Begriffen "Beweis" und "Beleg" hin und her.

Um Zweideutigkeiten zu vermeiden, versucht J. Lennox nicht das Wort "Beweis" zu verwenden, sondern vielmehr von starken oder schwachen Begründungen oder Belegen für eine bestimmte Schlussfolgerung zu sprechen (vgl. S. 66). In den sogenannten "harten" Wissenschaften werde laut J. Lennox das Wort "Beweis" weniger formal gebraucht, ähnlich wie bei Juristen, wenn sie davon sprechen, etwas "über jeden begründeten Zweifel hinaus bewiesen" zu haben. Damit würden sie meinen, dass die vorliegenden Hinweise und Belege stark genug seien, um einen vernünftigen Menschen davon zu überzeugen, dass eine bestimmte Behauptung wahr sei (vgl. S. 66).

Bezüglich der Auferstehung Christi heißt es in einem Zitat des Historikers Tom Wright auf S. 221: "Der Beweis (für die Auferstehung) und die Schlussfolgerung daraus waren in der antiken Welt ebenso unübersehbar und unausweichlich wie heute." Etwas später ist dann nur noch von Belegen zu lesen: Christen würden sagen, dass es fundierte historische Belege für die Auferstehung Christi gäbe (vgl. S. 229).

Nach John Lennox´ Ansicht seien die Neuen Atheisten nach dem eigenen Tod nicht müde, Betrand Russel´s Antwort auf die von Gott gestellte Frage, warum der Atheist nicht geglaubt habe, zu zitieren: "Nicht genug Beweise, Gott, nicht genug Beweise". Wenn man den Atheisten allerdings Beweise liefert, würden sie sich weigern, sie zu prüfen. Im zweiten Satz darauf schwenkt J. Lennox dann aber wieder auf "Belege" um: Ihm sei kein ernsthafter Versuch seitens der Neuen Atheisten bekannt, sich mit den Belegen für die Auferstehung Jesu Christi auseinanderzusetzen (vgl. S. 235).

Auf S. 240 lesen wir: "Die meisten unserer Belege stammen aus dem Neuen Testament, und es herrscht die weit verbreitete Ansicht, das Neue Testament sei historisch nicht zuverlässig." Nur eine Seite später ist dann im Gegensatz dazu von Beweisen die Rede: Die Schwierigkeiten hätten i. d. R. diejenigen, die nicht wüssten, wie überwältigend die Beweislage für die Originaltexte des Neuen Testaments tatsächlich seien (vgl. S. 241).

Bei folgender Aussage scheitert J. Lennox´ Vorhaben, nicht das Wort "Beweis" zu verwenden: Für die Jünger wäre die Art und Weise, das gewisse Etwas, wie der auferstandene Jesus das Brot brach, ein schlüssiger Beweis gewesen. Sie hätten ihn schon früher bei der Speisung der Fünftausend das Brot brechen sehen (vgl. S. 284).

Offenbart sich Gott durch Hinweise?

Im letzten Kapitel ist dann von einer anderen Art von Beweisen die Rede, die "Hinweise" von Gott. So gäbe es laut Bibel drei Wege, auf denen sich Gott den Menschen offenbare: 1. durch die Schöpfung, 2. durch das moralische Gewissen und 3. durch die schriftliche Offenbarung der Heiligen Schrift (vgl. S. 287).

Zu Punkt 1 – der Schöpfung – ist einzuwenden, dass es weder wissenschaftliche, kosmologische, noch physikalische Daten, Fakten oder Belege gibt, die für Gottes Existenz sprechen. Das hat die Theologie schlichtweg zur Kenntnis zu nehmen. Wenn es um unser Universum geht hat die wissenschaftliche Kosmologie nichts von der Theologie zu lernen (Quelle 8, vgl. S. 234).

Zu Punkt 2 – dem moralischen Gewissen – lässt sich folgendes erwidern: Die moderne wissenschaftliche Psychologie hat für das Phänomen des Gewissens und seine Irrtumsanfälligkeit ganz weltliche Erklärungen bereit: Gewissen wird definiert als eine moralische Selbstkontrolle, die sich auf verinnerlichte Normen und Werte bezieht und durch ein selbstverstärkendes Belohnungs- und Bestrafungssystem Emotionen und Verhalten zu regulieren vermag. Bereits in früher Kindheit werden die elterlichen und gesellschaftlichen Gebote und Verbote verinnerlicht und zum Gewissen (oder "Über-Ich") (Quelle 7, vgl. S. 170). Während theologische Ethiker das Gewissen als Stimme Gottes oder von Gott den Menschen ins Herz gelegtes natürliches, aus sich heraus einsichtiges Sittengesetz deuten, handelt es sich weltlich betrachtet um ein erworbenes bzw. antrainiertes selbstregulierendes Bewertungs- und Motivationssystem (Quelle 7, vgl. S. 171)! Auf das Gewissen werde ich im Teil "Altruismus, Moral und Ethik" noch zurückkommen.

Zu Punkt 3 – der schriftlichen Offenbarung – gibt es entgegenzuhalten: Erstens handelt es sich bei allen Heiligen Schriften nicht um göttliche Offenbarungen, sondern bestenfalls um Zeugnisse der Offenbarungen, verfasst von menschlichen Autoren (Quelle 7, vgl. S. 207). Die Handlungsregeln der Heiligen Schriften sind als Ausdruck menschlicher Erfahrungen in einer bestimmten Zeit oder in einer langen Kulturgeschichte zu verstehen (Quelle 7, vgl. S. 75). Die Handlungsregeln der Heiligen Schrift sollten nicht mit unverrückbaren Handlungsvorschriften verwechselt werden, viel eher als Ausdruck menschlicher Erfahrungen in einer bestimmten Zeit oder in einer langen Kulturgeschichte (Quelle 7, vgl. S. 75).

Glaube versus Wissen

Laut J. Lennox sei für R. Dawkins Glaube Überzeugung ohne Belege (vgl. S. 49). Der springende Punkt sei, dass nach dem Oxford English Dicitionary der normale Gebrauch des Wortes "Glaube" nichts über die Stärke oder Schwäche der Belege aussagen würde. Die Verwirrung entspringe einer eigenwilligen, indirekten Neudefinition von "Glaube" als spezifisch religiösem Begriff (der er nicht sei) (vgl. S. 50).

D. Fenner bringt es diesbezüglich besser auf den Punkt: Beim Glauben muss klar unterschieden werden zwischen einem "religiösen" Glauben und einem erkenntnisbezogenen "epistemischen" Glauben, der eine bloße Vorstufe von Wissen bezüglich bestimmter Erfahrungstatsachen bildet und durch Ungewissheit gekennzeichnet ist. Der religiöse Glaube bzw. die Glaubenswahrheiten sind mit einer gleich starken subjektiven Überzeugungskraft verbunden wie direkte sinnliche Erfahrungen, auch wenn diese "Gewissheit" von ganz anderer Art ist als das "Wissen" über die Wirklichkeit (Quelle 7, vgl. S. 14). Auch hier versäumt Lennox also eine saubere Terminologie.

Laut J. Lennox hätte Kant eine falsche Trennung von Glaube und Wissen eingeführt, die seither endlose Schwierigkeiten verursacht habe. Kant schrieb: "Ich musste … das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen." Viele hätten Kant hier so verstanden, dass, wenn es überzeugende Belege für Gottes Existenz gäbe, kein Raum mehr für den Glauben wäre. Diese bizarre Vorstellung sei laut J. Lennox weit verbreitet, und doch schlicht und einfach falsch. Immerhin wachse unser Glaube an Fakten und Personen, je mehr wir über sie wissen würden, und nicht umgekehrt (vgl. S. 55).

Auch J. Lennox hat Kant hier nicht richtig verstanden! Kant verwarf die herkömmliche Metaphysik, soweit diese beansprucht, über die Existenz Gottes ein Wissen vermitteln zu wollen. Die Vernunft könne laut Kant die Existenz Gottes nicht beweisen, sie kann sie allerdings auch nicht widerlegen (Quelle 9, vgl. S. 217). Kant meinte damit, dass es kein Wissen über Gott zu vermitteln gibt, es bleibt einem nur übrig, an ihn zu glauben. Deshalb ist John Lennox´Aussage, unser Glaube an Fakten und Personen würde wachsen, je mehr wir über sie „wissen“ würden, falsch.

Kommt die Wissenschaft ohne Glaube aus?

Der Atheismus sei laut J. Lennox eine "Glaubensposition", die Wissenschaft komme nicht ohne Glauben aus (vgl. S. 61).

Hier werden zwei verschiedene Dinge unsauber getrennt, da Atheismus etwas anderes als (atheistische) Naturwissenschaft ist! Wissenschaft ist im Vergleich zum Glauben nicht dogmatisch. Theorien können zwar nicht "bewiesen" werden, wohl aber nach wohldefinierten Kriterien beurteilt, bewertet und miteinander verglichen werden. Auch haben die Naturwissenschaften einen hohen Grad an Zuverlässigkeit erreicht und die Verwendung wissenschaftlicher Theorien ist rational (Quelle 10, vgl. S. 123). Sicher: Es gab immer Skeptiker, die an der Erfüllbarkeit der Forderungen des klassischen Rationalismus zweifelten.

Empirische Wissenschaft führe stets zum Münchhausen-Trilemma: entweder in einen infiniten Regress, in einen Zirkelschluss oder zu einem dogmatischen Abbruch des Verfahrens an einem selbstgewählten Punkt . Allerdings zielt das am Thema vorbei: Die Rationalität der Wissenschaft liegt nicht in der Beweisbarkeit, sondern in der Kritisierbarkeit. Das ist das Gegenteil von Dogmatismus: Empirische Wissenschaft kann also auf keinen Fall dogmatisch sein, weil sie sonst die Mindestbedingung für Rationalität (Kritisierbarkeit) nicht erfüllen würde (Quelle 10, vgl. S. 19 f.)! Man kann die Lehre ziehen, dass es kein "sicheres Wissen" (im Sinne mathematischer Beweisbarkeit) gibt. Das Ziel der Wissenschaft ist, sich durch die Elimination des Falschen der Wahrheit zu nähern (Quelle 10, vgl. S. 144 f.). Die von religiösen Systemen angestrebte Wahrheit ist hingegen eine absolute (Quelle 11, vgl. S. 218). Der Fallibilismus (= Kritisierbarkeit und Widerlegbarkeit) wird in der Religion keine Rolle spielen: Ziel ist schließlich Glaubensgewissheit (Quelle 11, vgl. S. 218). Für wissenschaftliche Theorien gibt es im Gegensatz dazu folgende notwendige Merkmale: Zirkelfreiheit, innere und äußere Widerspruchsfreiheit, Erklärungswert, Prüfbarkeit und Testerfolg. Erwünschte Eigenschaften sind Vollständigkeit, Allgemeinheit, Tiefe, Präzision, Einfachheit, Anschaulichkeit, Prognosepotential und Wiederholbarkeit der Effekte (Quelle 10, vgl. S. 105). Diese Merkmale können dazu dienen, zwischen konkurrierenden Theorien, die hinsichtlich der notwendigen Kriterien gleichwertig sind, zu vergleichen und sinnvoll zu wählen (Quelle 10, vgl. S. 145).

Dass J. Lennox noch nie vom methodischen Atheismus in der Wissenschaft gehört hat, kann ich mir nicht vorstellen – verschweigt er diesen also absichtlich? Was immer Wissenschaftler privat glauben, sie müssen alle nichtnaturalistischen Ideen bei ihrer theoretischen wie praktischen Arbeit außen vor lassen, weil ihre Daten und Erklärungen bei Annahme supranaturalistischer Entitäten oder Manipulation wertlos wären (Quelle 11, S. 224).

Einstein und die Religion

Dann folgt ein vermeintlich schwerwiegendes Zitat von Albert Einstein: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft blind (S. 63).

Um diesem Zitat kritisch zu begegnen, ist es unentbehrlich zu wissen, was A. Einstein unter "Religion" verstand. Maurice Solovine wendete einmal ein, dass "Religion" nicht die richtige Bezeichnung für die von Einstein vertretene spinozistische Weltanschauung wäre. Darauf erwiderte ihm A. Einstein: "Ich habe keinen besseren Ausdruck als den Ausdruck ´religiös´ für dieses Vertrauen in die vernünftige und der der menschlichen Vernunft wenigstens einigermaßen zugänglichen Beschaffenheit der Realität. Wo dieses Gefühl fehlt, da artet Wissenschaft in geistlose Empirie aus. Es schert mich einen Teufel, wenn Pfaffen daraus Kapital schlagen. Dagegen ist kein Kraut gewachsen" (Quelle 12, vgl. S. 32 f.).

Dann fährt J. Lennox fort: Obwohl Einstein erklärte, nicht an einen persönlichen Gott zu glauben, habe Dawkins nicht das Recht, ihn als Atheisten zu vereinnahmen. Einstein sagte laut J. Lennox ausdrücklich: "Ich bin kein Atheist, und ich glaube nicht, dass ich mich als Pantheist bezeichnen kann (S. 63)."

Der "Gottesbrief", den Einstein an den Philosophen Eric Gutkind schrieb, kennt J. Lennox anscheinend nicht – Einstein schreibt (Auszüge):

"Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger aber doch reichlich primitiver Legenden. Keine noch so feinsinnige Auslegung kann (für mich) etwas daran ändern. Diese verfeinerten Auslegungen sind naturgemäss höchst mannigfaltig und haben so gut wie nichts mit dem Urtext zu schaffen. Für mich ist die unverfälschte jüdische Religion wie alle anderen Religionen eine Incarnation des primitiven Aberglaubens. Und das jüdische Volk, zu dem ich gerne gehöre und mit dessen Mentalität ich tief verwachsen bin, hat für mich doch keine andersartige Dignität als alle anderen Völker. (…) eine begrenzte Kausalität ist überhaupt keine Kausalität mehr, wie wohl zuerst unser wunderbarer Spinoza mit aller Schärfe erkannt hat. Und die animistische Auffassung der Naturreligionen wird im Prinzip durch Monopolisierung nicht aufgehoben. Durch solche Mauern können wir nur zu einer gewissen Selbsttäuschung gelangen; aber unsere moralischen Bemühungen werden durch sie nicht gefördert. Eher das Gegenteil (Quelle 13)."

Christentum und Menschenrechte

Auf S. 96 steht, dass es das Christentum gewesen wäre, das die Freiheiten und Menschenrechte verteidigte.

Das ist – so vereinfacht – unrichtig. Obgleich etwa die im Abendland dominierende christliche Religion zweifellos Einfluss auf die Genese der Menschenrechtsidee hatte, waren auch im Christentum bis zur Akzeptanz liberaler Freiheitsrechte nachhaltige religiöse Reformprozesse nötig: Die sich heute als Anwältin der Menschenrechte profilierende Katholische Kirche bekämpfte bis 1960 individuelle Rechte wie Religions-, Meinungs- und Pressefreiheit als Anmaßungen und Aufstand des Menschen gegen Gott (Quelle 7, vgl. S. 86)!

Das Große Gebetsexperiment

Viele Gläubige würden laut J. Lennox bezüglich dieses Experiments die Skepsis teilen, nicht unbedingt Dawkins´ Schlussfolgerungen daraus. Sie seien nicht überrascht, dass der lebendige Gott, der uns in der Bibel offenbart ist, nicht dafür empfänglich ist, sich von uns auf die Probe stellen zu lassen, indem wir für einige Menschen beten und für andere nicht und versuchen, den Unterschied zu messen. Der Gott, der der Schöpfer von Himmel und Erde sei (und kein Produkt unserer Fantasie), sei an echtem Gebet interessiert. Man könne sich nur schwer vorstellen, dass die Gebete, die für ein solches Experiment "produziert" würden, echt sein sollten (vgl. S. 97).

Nun hätte man als Leser nur zu gerne gewusst, warum J. Lennox die Ergebnisse dieser Studie nicht nennt und stattdessen die Echtheit der Gebete in Frage stellt! D. Fenner schreibt zur selbigen Studie: In neueren Studien konnte die lange Zeit angenommene Wirkung von Gebeten für Kranke Menschen nicht nachgewiesen werden, sondern in einer 2006 von Herbert Benson von der Harvard Medical School durchgeführten groß angelegten Studie an Bypass-Patienten von sechs Krankenhäusern gab es sogar am meisten Komplikationen bei der Patientengruppe, die wusste, dass für sie gebetet wurde (Quelle 7, vgl. S. 118). Dies wird mit einer zusätzlichen Verunsicherung der Kranken erklärt, die sich vielleicht fragten, ob sie so krank seien, dass für sie gebetet werden müsse (Quelle 14, vgl. S. 92).

Bei der Frage, wie sinnvoll Gebete sind, sind Dankgebete weniger das Problem. Problematisch sind Bittgebete (z. B. für den Sieg der Lieblingsmannschaft oder die Befreiung aus Krankheit oder Sklaverei). Diese vertragen sich nämlich nicht mit einem Vorsehungsglauben, nach dem alles bestens geordnet sei (Quelle 8, vgl. S. 259 f.)!

Nun muss aber auch zugunsten von Gebeten eingeräumt werden, dass sie genauso wie Rituale als Mittel der subjektiven Emotionskontrolle eine nützliche Coping-Strategie darstellen: Wer sich z. B. einen allmächtigen und allgütigen Gott als Beschützer und Beistand vergegenwärtigt, kann Ängste überwinden und einer Katastrophisierung der belastenden Situation entgegenwirken (Quelle 7, vgl. S. 118). Anders ausgedrückt haben Gebete eine Placebowirkung. Auch wenn kein Gott hilft, im Gebet hilft sich der Betende selbst (Quelle 8, vgl. S. 260).

Die positiven Eigenschaften gläubiger Menschen

J. Lennox zitiert: "Im Durchschnitt sind religiöse Gläubige sozialer eingestellt als Nichtgläubige und planen langfristiger, statt impulsive Wünsche zu befriedigen. Auch für beliebig herausgegriffene Zeitpunkte lässt sich festhalten, dass Gläubige glücklicher, aktiver, geselliger, engagierter und begeisterter sind (S. 98 f.)."

Zuerst möchte ich als Erwiderung auf die vermeintlich sozialere Einstellung eingehen. Bezüglich der Hilfsbereitschaft ist das Resümee des Gute-Samatiter-Experiments, dass ohne Zeitdruck mehr als doppelt so viele Theologiestudenten Hilfe leisteten, unter mittlerem oder hohem Zeitdruck verschwanden allerdings die Unterschiede. Insgesamt griffen nur 40% der Theologiestudenten ein, die restlichen gingen tatenlos vorüber. Einige neuere Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Religion und pro-sozialem, d. h. wohlwollendem und helfendem Verhalten, wenngleich schwach oder mit bestimmten Einschränkungen z. B. auf Hilfe gegenüber bekannten Personen oder intrinsische Religiosität aus innerer Überzeugung (Quelle 7, vgl. S. 136 f.). In anderen Versuchsanordnungen (Ultimatum-Spiel & Diktator-Spiel) zur Messung von Egoismus und Altruismus ergab sich nach Untersuchungen von Jonathan Tan aus dem Jahre 2005, dass Religion im Allgemeinen keine Voraussagen auf soziale Präferenzen erlaubt! Das Milgram-Experiment gewährt Einblicke in die Widerstandskraft der persönlichen Gerechtigkeitsvorstellungen oder des moralischen Gewissens. Am frühesten brachen das Experiment stark religiöse und dezidiert atheistische Teilnehmer ab, wohingegen die durchschnittlichen Gläubigen die Anweisungen des Versuchsleiters trotz lauter Schreie des gefolterten Schülers weiterführten (Quelle 7, vgl. S. 137)! Probanden zeigten nach einem einwöchigen Training in "Liebender-Güte-Meditation" mehr prosoziales Verhalten in einer standardisierten Spielsituation (Quelle 7, vgl. S. 164 f.).

Eine Studie von Jean Decety fand 2015 genau das Gegenteil in Bezug auf soziales Verhalten heraus. Kinder aus religiösen Haushalten zeichneten sich als weniger altruistisch als gleichaltrige aus nicht religiösen Haushalten aus (Quelle 15).

Nun folgen Einwände zum Thema Glück. Auch wenn religiöse Menschen im Durchschnitt gemäß von Selbstauskünften um einige Prozente glücklicher sind als nichtreligiöse, kommen Religion und Glaube erstaunlicherweise gar nicht vor, wenn Menschen direkt danach gefragt werden, was sie glücklich macht. Explizit nach der Bedeutung der Religion für ihr Glück gefragt, gaben daraufhin nur 11% "Glaube, religiöse Überzeugungen" als Quelle ihres Glücks an (Quelle 7, vgl. S. 87). Fast alle bislang vorliegenden Empirischen Studien mit dem Beleg des größeren Glücks religiöser Menschen stammen aus den USA, wo Religion in Politik und Gesellschaft ein hohes Ansehen genießt (Quelle 7, S. 89 f). Zu beachten gilt darüber hinaus, dass empirische Umfragen zu einzelnen Variablen wie Glück, Religion, Einkommen oder Ehe lediglich Korrelationen, d. h. das gleichzeitige Auftreten dieser Umstände oder Phänomene nachweisen können. Korrelationen dürfen aber nicht kausal interpretiert werden! Man könnte einen logischen Fehlschluss begehen, wenn Ursache und Wirkung verwechselt werden. Es könnte sein, dass glückliche Menschen eher religiös sind bzw. nur diejenigen Menschen bei einer Religion bleiben, die in ihr Glück und Erfüllung finden. Auch eine dritte Variable wie "sozialer Zusammenhalt" oder "soziale Unterstützung durch die Gemeinschaft" könnte beeinflussend wirken. Neben der sozialen Einbettung ist es ein strukturierter Lebensstil religiöser Menschen, der zum Gelingen des Lebens und zu höherer Lebenszufriedenheit beitragen kann (Quelle 7, vgl. S. 90). Da es keinen einfachen, eindeutigen und linearen Zusammenhang zwischen Religion und Glück gibt, muss die Fragestellung differenziert werden (Quelle 7, vgl. S. 91 f.)!

Von den Eigenschaften, die Gläubige auszeichnen, spart J. Lennox die Intelligenz in der vorausgegangenen Aufzählung nicht ohne Grund aus! Viele Umfragen und Untersuchungen bestätigen nämlich eine negative Korrelation zwischen Intelligenz und Religiosität (Quelle 7, vgl. S. 373).

Gott und Schuldgefühle

Zu Schuldgefühlen schreibt J. Lennox: "Wilson schließt daraus, dass Dawkins´ aus dem Blauen heraus getroffene Spekulation, die Religion verursache Schuldgefühle, keine fünf Minuten standhält (vgl. S. 99)".

Das ist Falsch! Psychiater, Psychotherapeuten und Betroffene haben umfassend die negativen psychischen Folgen beschrieben, die ein Missbrauch Gottes als Instrument der Einschüchterung und Erziehung haben kann: Bei vielen Menschen wurde Gott zur Quelle übersteigerter Schuldgefühle, ständiger Gewissens- und Sündenangst und gar krankhafter Zwangsstörungen, so dass die Betroffenen keine Freude am Leben mehr hatten. Während 1975 in Westdeutschland noch 13% der über 18-Jährigen die Aussage "Gott ist ein strenger und gerechter Richter. Wer nicht nach seinen Geboten lebt, wird beim jüngsten Gericht bestraft" bejahten, waren dies 1995, also 20 Jahre später, nur noch 3% (Quelle 7, vgl. S. 161)! Gewissensängste haben ihre hauptsächliche Ursache in der elterlichen Erziehung, worauf ich im Teil "Altruismus, Moral und Ethik" noch zurückkommen werde.

Sind Christen gesünder?

Nicolas Beale und John Polkinghorne würden laut J. Lennox darauf hinweisen, dass Christen länger leben würden und gesünder seien (vgl. S. 100).

Dazu möchte ich folgende Zweifel anmelden: Bei der Frage des Zusammenhangs zwischen Religion und psychischer Gesundheit ist die Rolle der Religion als Bewältigungsressource letztlich empirisch nicht eindeutig geklärt, weil die hochkomplexen und multifaktoriellen psychischen Vorgänge nicht hinreichend erforscht sind und verschiedene Religionsstile und -praktiken sehr unterschiedliche Effekte zeitigen können (Quelle 7, vgl. S. 111). Bei physischen Krankheiten wie z. B. Krebs liegt keine hinreichende empirische Evidenz vor, dass die Religiosität der Menschen die Gefahr einer Erkrankung reduziert oder den Krankheitsverlauf verlangsamt. Da solche Wirksamkeitsnachweise nicht erbracht werden konnten, liegt jedenfalls keine direkte Wirkung religiöser Überzeugungen und Praktiken auf organische oder funktionelle Störungen und damit auf die physische Gesundheit in der Art eines Medikaments oder Psychopharmakons vor. Religiöse oder spirituelle Ressourcen regen vermutlich nicht einmal das Immunsystem zur Produktion von Abwehrkräften an, sondern schonen es eher durch das "Abpuffern" von emotionalen Belastungen. Eine "Pufferfunktion" kommt religiösen Bewältigungsformen wie Ritualen, Gebeten, Meditationen oder dem Lesen in Heiligen Schriften insofern zu, als sie nachweislich Ängstlichkeit, Depressivität und emotionale Belastungen oder Stress reduzieren (Quelle 7, vgl. S. 117 f.).

War Hitler Atheist oder Christ?

Auf S. 115 ist von den Atheisten Hitler und Stalin die Rede, die die motivierende Ideologie, die Religion abzuschaffen, gemeinsam gehabt hätten. Auch habe Hitler erzählt, er habe bereits als Schuljunge die bigotten Lügenmärchen der Kirche durchschaut. Er erwartete, das Christentum würde im Schatten des unaufhaltsamen Fortschritts verkümmern. Die antike Welt sei so schön, heiter und unbeschwert gewesen, weil sie von zwei Seuchen verschont geblieben sei: der Syphilis und dem Christentum. Für Hitler war das Christentum der schwerste Schlag, den die Menschheit jemals getroffen habe (vgl. S. 114). In welche Kategorie man Hitler auch einordnen mag, eines sei sicher: Er sei sowohl vehement antichristlich als auch antijüdisch gewesen (S. 115).

J. Lennox ist Recht zu geben, dass man schwerlich behaupten könne, Hitler sei ein gottgläubiger Mensch gewesen (Quelle 16, S. 206). Jedoch erklärt er nicht, warum das so ist. Einerseits berief sich Hitler als Legitimation pausenlos auf Gott, den Schöpfer und Allmächtigen (Quelle 17, vgl. S. 21). Ebenso sah er sich als Erfüller der Vorsehung und als Vollender des Werks Jesu Christi im gemeinsamen Kampf gegen "den jüdischen Feind" (Quelle 7, vgl. S. 132). In "Mein Kampf" schreibt er auf S. 70: "So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn." Ebenso ließ er Beamte sowie SS- und Wehrmachtsangehörige Ihren Eid "bei Gott" schwören (Quelle 7, vgl. S. 132).

Dieses Vorgehen lässt sich als ausgefeilte Strategie entlarven! Die Berufung der Nazigrößen auf Gott war von Anfang an scheinheilig. Sie bezeugt aber eines: Es ging ihnen darum, ein verbindliches Glaubenssystem für alle Bürger zu konstituieren (Quelle 16, vgl. S. 207). Es gelang Hitler, an einen nichtchristlichen Gott zu glauben, ohne den christlichen Gott je offiziell zu verwerfen (Quelle 17, vgl. S. 18).

Doch wie genau konnte es so weit kommen? Die Niederlage im ersten Weltkrieg und das entwürdigende Friedensdiktat von Versaille, die durch den Verrat der Sozialdemokratie an der Revolution von 1918 hervorgegangenen Weimarer Republik mit ihrer desperaten Politik, die Wirtschaftskrise hatten eine offene Wunde hinterlassen. Daher sehnten sich die Menschen nach einer gefestigten Gemeinschaft. Diese Sehnsucht stilisierten die Ideologen des Nationalsozialismus zu einem "Erlösungsantisemitismus" (Saul Friedländer) (Quelle 16, vgl. S. 209).

Marxismus

Auf S. 113 heisst es, dass Marx die Ansicht vertrat: "Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks." Damit liege der Atheismus im Kern der kommunistischen Agenda. Eine Seite später fragt J. Lennox: Haben Dawkins, Hitchens und Harris nie "Das Schwarzbuch des Kommunismus" in der Hand gehabt, in dem wir lesen, dass "die kommunistischen Diktaturen … das Massenverbrechen regelrecht zum Regierungssystem" machten, mit einem Blutzoll, der auf 94 Millionen Menschenleben geschätzt wird, von denen allein 85 Millionen auf China und Russland entfallen?

J. Lennox glänzt hier nicht gerade mit historischem Wissen. Marx vertrat die These "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt darauf an sie zu verändern (Quelle 16, vgl. S. 94)." Hier stellt sich die Frage, was Lenin in Folge aus dem Marxismus gemacht hat. Lenin schrieb 1913 in einem Nachruf auf Marx: "Die Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist (Quelle 18)". Dieser Gedanke ist allerdings völlig unmarxistisch. Es gibt nichts bei Marx, das als endgültiger Text angesehen werden könnte. Er hatte auch nicht die Absicht, letzte Weisheiten von sich zu geben und hätte ein derartiges Ansinnen sarkastisch von sich gewiesen (Quelle 16, S. 215). Marx war auf der Suche wie selten einer. Die Unrast, das beständige Gefühl, eine Sache noch nicht im Ganzen erfaßt zu haben, war der Hauptgrund dafür, weshalb er selten mit seinen Arbeiten zum vorgesehenen Thema fertig geworden ist (Quelle 16, S. 216). Marx´Ausspruch: "Alles, was ich weiß, ist, dass ich nicht Marxist bin" brachte seine Distanz gegenüber dogmatischen Interpretationen seiner Lehre im Kampf gegen die sog. Possibilisten (nach Verwirklichung des Möglichen strebende französische Arbeiterpartei) zum Ausdruck (Quelle 16, vgl. S. 351).

Lenin nutzt das Chaos der Oktoberrevolution 1917, putschte mit List die Bolschewiki an die Macht und rief eine Diktatur des Proletariats aus. Der Sozialismus sowjetischer Prägung wurde zum Dogma. Aus der Diktatur des Proletariats wurde bald eine Diktatur über das Proletariat und alle anderen. Lenins Nachfolger Stalin trieb die Diktatur der Unterdrückung auf die Spitze. Der Massenmord wurde mit der Theorie von Marx begründet. Für diesen Missbrauch ist Marx allerdings nicht verantwortlich zu machen (Quelle 19)!

Ersatzreligion

J. Lennox erwähnt, dass Hitler und Stalin eine utopische Vision zur Umgestaltung der Menschheit nach ihren eigenen Bild gemeinsam war, womit sie praktisch eine Ersatzreligion schufen (vgl. S. 109).

Wodurch sich diese Ersatzreligion auszeichnete, erfährt man von J. Lennox nicht. Trotz der grundsätzlichen Ablehnung von Religion etablierte sich in der Sowjetunion ein neues, quasireligiöses System mit eigenen Kulten und Ritualen, Priestern und heiligen Stätten (Quelle 20, vgl. S. 75). Die Herausbildung eines Lenin-Kultes kann als Entstehung einer Ersatzreligion interpretiert werden. Der Persönlichkeitskult um Lenin begann schon zu seinen Lebzeiten; er hatte die typischen Merkmale der Verehrung eines göttlichen Übermenschen mit einem stark zyklischen Charakter. Der Held versprach ein messianisches Ziel und einen messianischen Sieg, eine neue Gemeinschaft in Form des internationalen Zusammenschlusses aller kommunistischer Parteien. Nach Lenins Tod musste ihm die Bevölkerung auf dem Roten Patz mit einer Losung huldigen, die seine Unsterblichkeit ausdrückte: "Lenin lebt, Lenin lebt, Lenin wird leben" (Quelle 20, vgl. S. 76).

Gottesglaube und Ethik

Fjodor Dostojewski wolle laut J. Lennox mit seinem Zitat "Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt" nicht sagen, dass Atheisten nicht gut sein könnten, sondern vielmehr, dass der Atheismus keine intellektuelle Grundlage für Moral biete (vgl. S. 126 f. + S. 147).

Nun mag Dostojewski für vieles ein guter Gewährsmann sein, die hier zitierte Behauptung ist gleichwohl falsch. Es gibt genügend Instanzen, die mir sagen, was geboten, verboten, erlaubt ist. Für den Naturalisten ist eine Letztbegründung für moralische Normen tatsächlich unmöglich. Das gilt aber auch für göttliche Gebot und Verbote; denn wie kann ich erkennen, dass Gebote wirklich von Gott stammen, und was kann mich überzeugen, dass ich gerade diesen Geboten folgen sollte? Eine relative Begründung ist jedoch möglich, wenn und soweit wir uns auf einige Grundnormen einigen. Zu einer naturalistischen Moralbegründung gehören zunächst einmal Symmetrieprinzipien wie die Forderung der Verallgemeinerbarkeit, die Goldene Regel, Kants Kategorischer Imperativ, der Schleier der Unwissenheit oder das Prinzip der Fairness bei John Rawls, oder eine vernünftige Verteilung der Begründungslast (einer Begründung bedarf dabei nicht die Gleichbehandlung, sondern die Ungleichbehandlung). Brückenprinzipien ermöglichen einen Übergang von Fakten zu Normen (Sein-Können-Prinzip: Normen sollten befolgt werden können; über sein Können hinaus ist niemand verpflichtet). Während Symmetrieprinzipien häufig diskutiert werden, sind Natur und Rolle von Brückenprinzipien noch weitgehend unbekannt. Ihre Rolle hat zuerst Hans Albert betont. All diesen genannten naturalistischen Ethik-Ansätzen ist gemeinsam, dass sie auf metaphysische Begründungsinstanzen verzichten und deshalb eine Letztbegründung weder anstreben noch liefern (Quelle 21, vgl. S. 74 f.).

Willensfreiheit adé?

John Lennox zitiert C. S. Lewis: "Wenn Gott der Willensfreiheit, das heißt einer lebendigen Welt, in der seine Geschöpfe wirklich Gutes und Übles tun und in der Dinge von wirklicher Bedeutung geschehen können, den Vorzug gibt vor einer Spielwelt, die sich nur bewegt, wenn er die Fäden zieht, wenn also Gott der Meinung ist, dass für diese Willensfreiheit der Kriegszustand in unserer Welt ein angemessener Preis ist, dann können wir überzeugt sein, dass dies tatsächlich so ist (S. 180)."

Hier zeigt sich die altbekannte christliche Argumentation, dass das menschliche Leid der Preis der Willensfreiheit sei. Aber was bedeutet eigentlich Willensfreiheit? Dass ich unter den gegebenen Umständen auch anders hätte entscheiden können (Quelle 22, vgl. S. 138). Willensfreiheit wurde unterstellt, um über den daraus abgeleiteten Tatbestand der Schuld ein System von Moral und Vergeltungsrecht zu begründen. Aber eine bloße Unterstellung ist kein Beweis. Willensfreiheit ist wissenschaftlich nicht erwiesen, philosophische Argumente und immer mehr neurobiologische Erkenntnisse sprechen im Gegenteil dagegen. Schon Schopenhauer sagte: "Der Mensch kann tun was er will, aber nicht wollen, was er will", womit uns Handlungsfreiheit zugestanden wird (Quelle 22, vgl. S. 116). Mittlerweile wird nicht mehr bestritten, dass Gründe unseren Willen determinieren, welche von unseren Erbanlagen, unserer Erziehung und den aus der Umwelt auf uns einwirkenden Reizen und Umständen stammen (Quelle 22, vgl. S. 117). Es bleibt allerdings trotz aller Determiniertheit festzuhalten, dass das Gefühl, frei entscheiden zu können, dennoch besteht, auch wenn es eine Selbsttäuschung ist (Quelle 22, vgl. S. 121). Der Neurobiologe Gerhard Roth ist davon überzeugt, dass man nicht mehr von einem freien Willen sprechen kann, weil das bewusste rationale "Ich" nicht die Instanz sei, die das Handeln steuere, sondern das limbische System, also unser unbewusstes Erfahrungs- bzw. Handlungsgedächtnis (Quelle 22, vgl. S. 127).

Gehört die Theologie zu den Wissenschaften?

Laut J. Lennox biete Sam Harris´ Versuch, moralische Werte aus der Wissenschaft abzuleiten, keinen Ausweg aus dem Sein-Sollen-Problem (vgl. S. 130 f.). Dafür gäbe es zwei Hauptgründe: Der erste hätte mit der Bedeutung der Wissenschaft zu tun. Im Deutschen umfasse der Begriff Wissenschaft nicht nur die Natur-, sondern auch die Geisteswissenschaften – Geschichte, Sprachen, Literatur, Philosophie und Theologie. Harris sagt in einem Interview, er benutze das Wort science in dem weiteren Sinne von "rationalem Denken". In diesem Fall sei es kein Problem, Moral aus der Wissenschaft "abzuleiten", da die Theologie eine absolut rationale Angelegenheit sei – obwohl dies Harris natürlich nicht zugestehen und trotzdem auf seinem Standpunkt verharren könne (vgl. S. 131).

Hier soll der Eindruck vermittelt werden, die Theologie gehöre zu den Wissenschaften und sei damit rational. Auch wenn in den exegetischen und geschichtlichen Fächern durchaus wissenschaftlich gearbeitet wird, ist die Theologie als Ganzes natürlich keine Wissenschaft. Sie ist es deshalb nicht, weil es ihr nicht gelingt und auch nach eigenem Anspruch nicht gelingen kann, ihren Gegenstand "Gott" überhaupt nachzuweisen (Quelle 8, vgl. S. 41). Die Kernbestandteile der Theologie, von einigen Theologen "Axiome" genannt, sind im eigentlichen Sinn lediglich religiöse Bekenntnisse. Theologie ist demnach keine Wissenschaft, nicht in der Theorie und auch nicht nach den wesentlichen Aussagen der Dogmatiker selbst. Sie bleibt ein Relikt im Wissenschaftsbetrieb, Überbleibsel vorwissenschaftlichen Denkens aus einer Zeit religiöser Bevormundung (Quelle 8, vgl. S. 42). Im Gegensatz zum Fach Religionswissenschaft hat das Fach Theologie an öffentlichen, staatlich finanzierten Universitäten nichts zu suchen (Quelle 11, vgl. S. 216)!

Gibt es objektive Werte?

Der Philosoph John Leslie Mackie schrieb laut J. Lennox in seinem Buch "The Miracle of Theism" folgendes: "Wenn es objektive Werte gibt, machen sie die Existenz eines Gottes wahrscheinlicher, als wenn es sie nicht gäbe." Daher hätten wir eine vertretbare Argumentationskette von der Moral zur Existenz eines Gottes (vgl. S. 291).

Hier ist J. Lennox ein dummes Missgeschick passiert! J. L. Mackie bringt im Anschluss gleich mehrere Einwände gegen dasselbige Zitat und resümiert: "Die Moral bedarf keines Gottes als der letzten Quelle all ihrer Forderungen oder des Garanten letzter Sanktionen (Quelle 23, S. 188). In einem anderen Buch schreibt J. L. Mackie: "Es gibt keine objektiven Werte", womit er sittliche Werte meint (Quelle 24, vgl. S. 11).

Evolutionäre Ethik und Sozialdarwinismus

Laut J. Lennox gab es immer wieder Versuche, einen Weg von der Biologie zur Ethik zu finden. Die erste Periode sei die gewesen, die man inzwischen als traditionelle Evolutionsethik betrachten würde und die heute "Sozialdarwinismus" heissen würde (vgl. S. 133).

Das kann man so nicht stehen lassen! In der Evolutionären Ethik geht es um die stammesgeschichtlichen Wurzeln unseres Sozialverhaltens, insbesondere unsere moralischen Maßstäbe, und um ihre Folgen für moralphilosophische Fragen, also für die deskriptive und normative Ethik (Quelle 25, S. 376). Der Darwinismus wurde in dem Moment zum Steinbruch von Moral und Ideologien, als die Spenceristen und Sozialdarwinisten aus dem survival of the fittest unbedenklich ein survival of the best machten (Quelle 2, vgl. S. 22). Darum ist folgende Erkenntnis, die sozusagen als Stoppschild fungiert, besonders wichtig: Sobald Erkenntnisse aus dem Bereich des Faktischen in den des Normativen überführt werden, spricht man von normativem Biologismus, bei dem es sich um einen naturalistischen Fehlschluss handelt (Quelle 2, vgl. S. 225)! Hier verweist J. Lennox auch ganz richtig auf Hume, nach dem man das Sollen nicht vom Sein ableiten könne (vgl. S. 137).

Etwas später wird im Zusammenhang mit dem Sozialdarwinismus ein Zitat aufgeführt, das auf H. Spencer zurückgehe: Evolution sei Fortschritt, und daher könne sie in gewissem Sinn eine Ethik auf dem Verhalten gründen, das den Fortschritt voranbringe. Spencer, Haeckel, Fisher und Julian Huxley wird eine sozialdarwinistische Haltung zugeschrieben, weil sie geglaubt hätten, dass Evolution eine Richtung habe, dass sie den Fortschritt vorantreibe. In diesem Sinne seien sie Humanisten und würden den Menschen als das bisher unübertroffene Produkt der Evolution betrachten (vgl. S. 134).

Diesbezüglich ist einzuwenden, dass die Evolution kein Ziel hat. Teleologie, also Zielorientierung, ist dem evolutionsbiologischen Geschehen vollkommen wesensfremd. Als ziel- und planloser Vorgang kennt es keinen Fortschritt und kann deshalb auch keine im absoluten Sinn beste Lösung für das Lebensproblem hervorbringen (Quelle 2, vgl. S. 3). Auf S. 146 spricht J. Lennox von einem "ungesteuerten Evolutionsprozess" – dieser Widerspruch zu einem Fortschritt der Evolution ist ihm offensichtlich entgangen!

Die Gleichsetzung von Sozialdarwinismus und Humanismus ist heute nicht mehr haltbar. Manche Anhänger der Ideologie des Sozialdarwinismus verfolgten ursprünglich zwar durchaus humanistische Ziele und dachten unter Berufung auf Darwin über Sozialreformen im Sinne einer "Verbesserung" des Menschen nach. In seiner praktischen politischen Konsequenz war der Sozialdarwinismus das Gegenteil jener humanistischen Weltsicht. Das grundlegende verheerende Missverständnis lag in einer Umdeutung der Formel vom "Überleben des Tauglichsten" in ein "Recht des Stärkeren" und einer Gleichsetzung der Selektion mit "Ausmerzen" (Quelle 26, vgl. S. 26). Spencer vertrat in seiner Schrift Social Statics antihumanistische, aber auch humanistische Thesen. Haeckel war Rassentheoretiker (Quelle 27, vgl. S. 174 f.), was mit der heutigen Auffassung eines Humanismus wegen eines Verstoßes gegen die Menschenrechte nicht zu vereinbaren ist.

Damit "Humanität" (lat. "Menschlichkeit") keine Leerformel ist, bedarf es einer eindeutigen inhaltlichen Präzisierung ihrer ethischen Prinzipien (Quelle 7, vgl. S. 184). Prinzipien des Humanismus lassen sich auf Wikipedia unter der "Amsterdam-Deklaration" finden.

Altruismus, Moral und Ethik

J. Lennox meint, für die Evolutionstheorie sei der Altruismus schon immer schwer zu erklären gewesen (vgl. S. 141).

Dazu lässt sich folgendes erwidern: Darwin bereiteten altruistische Strategien noch Kopfzerbrechen. Weil er keine mit seiner Theorie wirklich kohärente Lösung für dieses Problem anbieten konnte, fiel er interessanterweise in Hinblick auf menschliche Moralentwicklung partiell hinter seine eigenen Überlegungen zurück, um ironischerweise wieder mit den überwunden geglaubten Ideen Lamarcks von der „Vererbung erworbener Eigenschaften“ zu flirten (Quelle: Evolution des Gewissens, E. Voland, R. Voland, 2014, vgl. S. 8). Altruismusformen wie Mutualismus, Biologische Märkte, Reziproker Altruismus, Indirekte Reziprozität, Handicap-Altruismus und Nepotistischer Altruismus bilden heute keine prinzipielle Herausforderung für eine darwinische Evolutionstheorie mehr (Quelle 28, S. 9 + S. 127).

Dann schreibt J. Lennox: Die Kooperation eines Organismus mit einem anderen, die seinem eigenen Überlebensinteresse dient, nennt man biologischen Altruismus – ein technischer Begriff ohne moralischen Unterton. Daher sei der biologische Altruismus nicht mit echtem moralischen Altruismus zu verwechseln (vgl. S. 142).

Der Soziobiologe E. Voland unterscheidet hier zwei moralische Systeme. Eines dieser Systeme – das biologische – wäre evolutionär sehr alt, prärational und kaum im Bewusstsein verortet, stattdessen intuitiv operierend und effizient bei der eigennützlichen Regulation altruistischer Tendenzen. Typische Szenarien dafür wären kooperative Reziprozität, Nepotismus oder auch die Moral durch teure Signale („Handicap-Prinzip“) (Quelle 28, vgl. S. 62).

Der nepotistische Altruismus ist die Inkaufnahme persönlicher Fitnessverluste (damit ist er nicht "rein selbstlos") zugunsten Verwandter. Der verantwortliche Selektionsmechanismus ist die Verwandtenselektion. Gemäß der Hamilton-Ungleichung wird unter sonst gleichen Bedingungen Altruismus umso unwahrscheinlicher, je weniger eng mögliche Kooperationspartner durch gemeinsame Abstammung miteinander verbunden sind (Quelle 2, vgl. S. 64).

"Echten moralischen Altruismus" setzt J. Lennox mit Moral gleich, die er nicht in der Evolution verankert sehen will. Für Ihn verlangt die Existenz von absoluten Werten einen Gott (vgl. S. 148)

Nun haben wir im Teil „Gibt es objektive Werte“ schon festgestellt, dass es keine objektiven – und damit auch keine absoluten – Werte gibt.

Folgender Erklärungsansatz kommt ganz ohne einen Rückgriff auf Gott aus. Das von Trivers vorgestellte Konzept des Eltern/Kind-Konflikts ist eine soziobiologische Theorie-Offerte, die einen nicht fitnessförderlichen, aber dennoch evolutionsstabilen Altruismus erklären kann (Quelle 28, vgl. S. 76). In fakultativ kooperativen Fortpflanzungsgemeinschaften, wie menschliche Familien es sind, kann eine adaptive Strategie zur Maximierung der elterlichen Fitness in einer ungleichmäßigen, differenzierenden Zuweisung von familiären Rollen in der Nachkommenschaft liegen. Diese Rollenzuweisung ist mit Altruismus-Anforderungen an die Nachkommen verbunden und löst deshalb zwangsläufig die Dynamik eines Eltern/Kind-Konfliktes mit dauerhaften, unter Umständen lebenslangen Konsequenzen für die Lebensstrategien der Beteiligten aus (Quelle 28, S. 149). Wo eine dauerhafte Rollendifferenzierung unter der Nachkommenschaft im Interesse der Eltern liegt, kann sie um so effektiver erreicht und aufrechterhalten werden, je bereitwilliger die benachteiligten Kinder die ihnen zugewiesenen Rolle akzeptieren und dies auch „freiwillig“ ohne unmittelbaren elterlichen Druck ausfüllen. So etwas gelingt nur mit einer Erziehung, die im Eltern/Kind-Konflikt Partei ergreift und den kindlichen Egoismus zu unterdrücken sucht. Genau diesem Zweck dient das Gewissen. Das Gewissen ist ein Satellit elterlicher „gen-egoistischer“ Interessen, das Impulse für altruistisches Verhalten gibt (Quelle 28, vgl. S. 158). Wenn Religionen strafende Götter kennen, instrumentalisieren sie das menschliche Gewissen für ihre Zwecke. Es gibt starke Hinweise darauf, dass Religionen das „Schwarzfahrer-Problem zweiter Ordnung“ lösen helfen, indem sie das, was Ökonomiker und evolutionäre Anthropologen als „altruistisches Strafen“ (altruistic punishment) bezeichnen, nämlich das Bestrafen von Normabweichungen auf eigene Kosten, zu einem über das Gewissen internalisierten Vorgang machen. Elterliche Autorität und göttliche Autorität fallen nicht selten semantisch und mental zusammen. Nicht nur aus psychoanalytischer sondern auch aus evolutionärer Sicht stimmt deshalb, was von Freud behauptet wurde: Das Gewissen kommt nicht von Gott, sondern Gott kommt vom Gewissen (Quelle 28, vgl. S. 206 f.).

Freilich gehört nach allgemeiner Auffassung mehr zu Moral, als bloßes altruistisches Verhalten. Es spricht vieles dafür, dass die kognitiven und motivationalen Komponenten von Moral nicht erst mit Homo sapiens in die Welt gekommen sind, sondern vormenschliche Wurzeln haben. Menschenaffen verfügen über eine "Theory of Mind" und können deshalb empathisch sein. Primaten kennen "pro-soziale" Motivationen, kennen moralische Normativitäten und sanktionieren Normübertretungen (Quelle 2, vgl. S. 223). Damit lässt sich sagen, dass Moral gerade eben nicht vom Himmel gefallen ist (Quelle 2, vgl. S. 225) und sich folglich sehr wohl in der Evolution verankern lässt!

Hemmen Schwache, Behinderte oder Kranke den Evolutions-„fortschritt“?

Weiter ist zu lesen, dass die Evolution demjenigen Handeln und Verhalten eine moralische Bedeutung beimisst, welches das Überleben der Menschheit fördert. Entsprechend würden wir erwarten, dass die Evolution eine moralische Aversion gegen alles entwickeln würde, was das Überleben unwahrscheinlicher oder schwieriger macht. Daher sei es schwer zu verstehen, wie ein geistloser Evolutionsprozess die tief sitzende, allgegenwärtige moralische Überzeugung erklären solle, dass wir die Pflicht hätten, ebendie Menschen zu unterstützen, die der Natur der Sache nach am ehesten den Evolutions-"fortschritt" hemmen oder sogar bedrohen würden – die Schwachen, Behinderten, Kranken, Alten (vgl. S. 141). 

Dazu muss ich Einspruch erheben. Zuerst einmal ist es problematisch der Evolution einen "Fortschritt" zu unterstellen, da sie kein Ziel hat (darauf bin ich zuvor schon eingegangen). Niemand geringerer als Darwin hat die gerade eben gestellte Frage wie folgt beantwortet:

"Die Hülfe, welche wir dem Hülflosen zu widmen wir uns getrieben fühlen, ist hauptsächlich das Resultat des Instincts der Sympathie, welcher ursprünglich als ein Theil der sozialen Instincte erlangt, aber später in der oben bezeichneten Art und Weise zarter gemacht und weiter verbreitet wurde. Auch könnten wir unsere Sympathie, wenn sie durch den Verstand hart bedrängt würde, nicht hemmen, ohne den edelsten Teil unserer Natur herabzusetzen. Der Chirurg kann sich abhärten, wenn er eine Operation ausführt, denn er weiß, dass er zum Besten seines Patienten handelt, aber wenn wir absichtlich den Schwachen und Hülflosen vernachlässigen sollten, so könnte es nur geschehen um den Preis einer aus einem vorliegenden überwältigenden Übel herzuleitenden großen Wohltat. Wir müssen daher die ganz zweifellos schlechte Wirkung des Lebenbleibens und der Vermehrung der Schwachen ertragen; doch scheint wenigstens ein Hindernis für die beständige Wirksamkeit dieses Moments zu existieren, in dem Umstande nämlich, dass die schwächeren und untergeordneten Glieder der Gesellschaft nicht so häufig als die Gesunden heirathen; und dies Hemmnis könnte noch ganz ausserordentlich verstärkt werden, trotzdem man es mehr hoffen als erwarten kann, wenn die an Körper und Geist Schwachen sich des Heirathens enthielten" (Quelle 29, S. 174 f.).

Bei dieser Antwort wird klar, dass die Evolution keine Aversion gegen das, was das Überleben schwieriger macht, entwickelt. Es ist vielmehr so, dass möglicherweise ein geringerer Fortpflanzungserfolg (Fitness) Merkmale wie Behinderung im Genpool mindert bzw. mindern kann!

Egoistische Gene

Dann wird R. Dawkins zitiert: "In einem Universum mit blinden physikalischen Kräften und genetischer Verdoppelung werden manche Menschen verletzt, andere haben Glück, und man wird darin weder Sinn und Verstand noch irgendeine Gerechtigkeit finden. Das Universum, das wir beobachten, hat genau die Eigenschaften, mit denen man rechnet, wenn dahinter kein Plan, keine Absicht, kein Gut oder Böse steht, nichts außer blinder, erbarmungsloser Gleichgültigkeit. … Die DNA weiß nichts und sorgt sich um nichts. Die DNA ist einfach da. Und wir tanzen nach ihrer Pfeife." Laut J. Lennox seien die Folgen für das Fehlen der Moral schwerwiegend. Dawkins wolle, dass wir uns eine Welt ohne Religion vorstellen. Dann malt J. Lennox ein Schreckgespenst, indem er den Leser auffordert, sich eine deterministische Welt voller blinder physikalischer Kräfte und genetischer Replikation vorzustellen. In solch einer Welt hätten wir keine andere Wahl, als zu sagen, dass die Selbstmordattentäter am 11. September 2001 … einfach nach der Pfeife ihrer DNA tanzten (vgl. S. 145).

Hier hat J. Lennox den Genegoismus – das "tanzen nach der Pfeife der DNA" – nicht verstanden! Gen-Egoismus kann nicht mit Ellenbogen-Egoismus gleichgesetzt werden (Quelle 2, vgl. S. 223)! Die genozentrische Sichtweise ist von allen formalen Beschreibungen der Evolution (und damit der verschiedenen Selektionsarten) die sparsamste (Quelle 30, vgl. S. 38).

William Hamiltons Theorie der Allelenkonkurrenz wurde von R. Dawkins als "egoistisches Gen" bekannt gemacht (Quelle 30, vgl. S. 36). Unter einem Allel versteht man die Art und Weise, wie ein Gen ein Merkmal ausprägt. W. Hamilton zeigte, dass wir die Familienbeziehungen besser verstehen, wenn wir sie vom Standpunkt der Gene statt von Standpunkt der Individuen betrachten. Beim Familienaltruismus unterdrücken Individuen ihren Individualegoismus zugunsten ihrer Verwandten – also zugunsten ihrer Allele. Ein Individuum hat keinen Vorteil, wenn es bei der Verteidigung seiner Nachkommen stirbt, seine Allele allerdings schon! Damit sind also beim Genozentrismus die Allele der Gegenstand der Selektion (Quelle 30, vgl. S. 96). Nicht die Gene sind egoistisch, vielmehr veranlassen sie ihre Träger, dafür zu sorgen, dass eben diese Gene an die nächste Generation weitergegeben werden. Das aber kann sowohl durch egoistisches als auch durch altruistische Verhalten des Trägers sichergestellt werden (Quelle 25, S. 377)!

Aber nun zu der Antwort auf die Frage, welche evolutionäre Logik hinter Selbstmordattentaten steckt:

Mit „parochial altruism“ sind Verhaltensweisen gemeint, die wie insbesondere Tapferkeit und Heroismus in Zwischengruppenkonflikten unter hohem persönlichem Risiko die eigene Gruppe stärken, um diese gegen eine konkurrierende Gruppe durchsetzungsfähiger zu machen (Quelle 28, vgl. S. 152). Der Ökonom Jean-Paul Azam hat die Rationalität und Nutzenkalkulation von Selbstmordattentaten untersucht. Als Grundlage diente ihm ein „dynastisches Familienmodell“, in dem die Kosten/Nutzen-Bilanzen der Generationen miteinander verbunden sind und spätere Generationen vom Altruismus früherer Generationen profitieren. Azam spricht vom Selbstmordattentat als einem Akt des Einsparens von persönlichem Verbrauch zugunsten späterer, möglicherweise in die kommende Generation verschobener Konsumption. Auch Evolutionstheoretiker arbeiten mit dynastischen Modellen und kommen zu vergleichbaren Ergebnissen. Sie behaupten, dass Altruismus selbst dann evolutionsstabil ist, wenn seine Nutznießer später leben – Verwandtschaft und Ortstreue vorausgesetzt (Quelle 28, vgl. S. 153).

Christentum und Skaverei

Auf S. 153 weist J. Lennox auf die Erörterung des Historikers Arnold Angenendt hin, dass die ersten Kirchenväter die Sklaverei verurteilten, weil niemand, der nach Gottes Bild erschaffen sei, mit Geld gekauft werden sollte. Später ist zu lesen, dass die Christen nie gezögert hätten, sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Man denke nur an die Kampagne der Abschaffung der Sklaverei (vgl. S. 172).

Bezüglich der Abschaffung der Sklaverei betreibt J. Lennox Schönfärberei. Liest man in Angenendt´s Buch nach, offenbaren sich pikante Details, die J. Lennox nicht ohne Grund unter den Tisch fallen ließ. Viele Kirchenleute waren in die Versklavung von Schwarzen involviert: Fast alle portugiesischen Kleriker waren in ihrem finanziellen Unterhalt effektiv davon abhängig (Quelle 31, vgl. S. 220). Dass Sklaverei und Gottebenbildlichkeit durchaus vereinbar waren, sagt J. Lennox natürlich nicht: Der Jesuit Antonio Vieira wusste zwar die klassischen Argumente anzuführen, nämlich die ursprüngliche Würde und Gleichheit aller Menschen sowie natürliche Freiheit aller Geborenen, dazu die unterschiedslose Gottebenbildlichkeit und Gleichheit aller Glieder Christi durch die Taufe; dennoch konnte Vieira die Sklavenschaft als christliche akzeptieren: statt der Hölle des Heidentums nun der wahre Glaube, vor allem die Gleichheit mit dem leidenden Jesus Christus, der Geißelstreiche und Wunden erduldet habe (Quelle 31, vgl. S. 221). Die einzig im Christentum eingeleitete Abschaffung der Sklaverei ist "mehr christlichen Prinzipien als christlichen Institutionen zuzusprechen". Das Verdienst für die endgültige Beseitigung des Sklavenhandels gebührt den angelsächsischen Dissenters, dann auch den Aufgeklärten und Liberalen, bei kontinuierlicher Mahnung auch der Päpste (Quelle 31, vgl. S. 226). J. Lennox ist insofern Recht zu geben, dass die für die Erlösungsreligionen typische Idee des Neuen Testaments, der Gottessohn Jesus Christus habe die Gestalt eines Sklaven angenommen, um die Menschheit freizukaufen,´erlösend´ auch für Sklaven wirkte, sogar als entscheidendes Motiv zu ihrer gänzlichen Befreiung (Quelle 31, vgl. S. 228).

Das Theodizeeproblem

J. Lennox gesteht ein, dass die Frage, warum es das Böse und warum es Leid gäbe, die schwierigste Frage sei, mit der sich Christen (aber nicht nur Christen) konfrontiert sehen würden (vgl. S. 159).

Dabei unterlässt es J. Lennox geflissentlich, auf den Fels des Atheismus – das Theodizeeproblem – zu verweisen, um kein Eigentor zu kassieren! Eine Theodizee ist der Versuch, das Böse in der Welt zu rechtfertigen, indem man zeigt, dass es mit unserer Gottesvorstellung doch vereinbar ist (Quelle 32, S. 154). Wenn Gott angeblich die Eigenschaften Allmächtigkeit, Allwissenheit und Allgüte besitzt, dann bleibt es unverständlich, warum er all dies geschehen lässt. Aufgeklärtes, durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse geprägtes Denken verdrängte Gott immer mehr aus der Rolle als Ursache und Mitgestalter des weltlichen Geschehens und damit auch des Leidens und des Elends. Sehr viel naheliegender ist daher der Gedanke, dass er nicht nur nicht der Verursacher oder teilnahmslose Beobachter des diesseitigen Geschehens ist, sondern gar nicht existiert, nur eine gedankliche Konstruktion ist, lediglich eine Projektion der Menschheit von alters her aufgrund der Sehnsucht nach Schutz vor Krankheit und Tod, moralischer Orientierung und Welt-Erklärung (Quelle 22, vgl. S. 171).

Was, wenn Gott nicht zuschaut?

Viele Atheisten würden laut J. Lennox die Idee eines Gottes, der die Menschen überwacht, verabscheuen. Sie würden das für einen Ausdruck der Tyrannei halten, und sie würden doch frei sein wollen. Allerdings sei der Gedanke, dass Gott über uns wacht, eigentlich sehr einleuchtend. Dann stellt J. Lennox die Fangfrage, ob der Leser gern in einem Land leben wollte, in dem keine Polizei über die Bevölkerung wacht (vgl. S. 167 f.)? In einer gut geführten Stadt, in der die Polizei erfolgreich gegen die Kriminalität vorgegangen ist, würde keiner behaupten, die Polizei wäre nicht mehr vonnöten. Ohne sie würde die eigentliche menschliche Natur wieder ihre kriminellen Aktivitäten aufnehmen (vgl. S. 169). Darauf folgt das denkwürdige Beispiele des durch einen Blitzeinschlag verursachten Stromausfalls in New York 1977. Es sei ein Zustand der völligen "Nichtbeobachtung" gewesen, aus dem Anarchie wurde.

J. Lennox versteht offensichtlich unter Anarchie eine Abwesenheit von Herrschaft, woraus Chaos und Sittenverfall resultiere. Hierbei hat er Anomie mit Anarchie verwechselt! Anomie bezeichnet in der Soziologie einen Zustand fehlender oder schwacher sozialer Normen, Regeln und Ordnung (Quelle 33).

Nun aber zum Beispiel des New Yorker Stromausfalls. In einem Gebiet von fünf Straßenzügen wurden nach J. Lennox im Stadtteil Crown Heights 75 Geschäfte geplündert. In dem ganzen Chaos wurden 550 Polizeibeamte verletzt und 4500 Plünderer verhaftet. Nach dem Verhaltenspsychologe Ernest Dichter verfallen die Menschen in primitives Verhalten, wenn die Bremsen der Zivilisation versagen (vgl. S. 170).

Mit diesem Beispiel hat sich J. Lennox ein Eigentor geschossen! Mann muss sich fragen, wofür ein überwachender Gott überhaupt nützlich ist, wenn trotz seiner unterstellten Anwesenheit die Situation so derart aus dem Ruder gelaufen ist. Dies führt direkt zum Theodizeeproblem. Christen könnten jetzt ihren "Freiheits-Trumpf" ausspielen: Gott habe nicht eingegriffen, weil sich die Plünderer in Freiheit dazu entschieden hätten. Nur leider ist die erste Gruppe der Plünderer alles andere als frei gewesen! Bei den Initiatoren der Plünderungen handelte es sich vor allem um männliche Kriminelle im Alter von 20 bis 30 Jahren, welche zu einem Großteil bereits aufgrund von verschiedenen Delikten (z. B. Drogenhandel oder Diebstahl) strafrechtlich in Erscheinung getreten waren und keinen Stromausfall benötigten, um sich an kriminellen Handlungen zu beteiligen (Quelle 34, vgl. S. 93 f.). Besonders Interessant ist die letzte Gruppe der Bürger, die sich normalerweise als "gesetzestreu" bezeichnen würden. Selbst dieser Gruppe kann man schwer Freiheit unterstellen, wenn man die "Vorarbeit" und die daraus resultierende Eigendynamik berücksichtigt. Aus der "Broken-Windows-Theory" des Sozialpsychologen Philip Zimbardo lässt sich folgende Erkenntnis auf Plünderungen ableiten: Nicht geahndete Plünderungen werden als ein Signal fehlender Kontrolle wahrgenommen und begünstigen weitere Plünderungen. Die Anonymität in der Gruppe und damit die einhergehende Schwierigkeit, den Einzelnen für das Verhalten zur Verantwortung zu ziehen (Verantwortungsdiffusion), kann eine Eigendynamik entwickeln, wodurch die Hemmschwelle sinkt. So lässt sich erklären, dass gesetzestreue Bürger, die unter normalen Umständen völlig angepasst an die Legalordnung leben, sich kriminellen Handlungen anschließen. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass der Staat und auch das soziale Umfeld eine gewisse Orientierung gibt und gleichzeitig Kontrolle ausübt, um Tatgelegenheit zu minimieren (Quelle 34, vgl. S. 100 f.). Aus atheistischer Sicht lässt sich daraus folgern, dass Gott als Überwacher bzw. Orientierungsgeber entbehrlich ist.

Die Erbsünde

Der Sündenfall beginne laut J. Lennox bekanntlich im Garten Eden mit dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse (vgl. S. 192). Die Erbsünde sei eine Auflehnung des menschlichen Geistes gegen seinen göttlichen Erschaffer gewesen, die die Menschheit von Anfang an infizierte. Diese Auflehnung hätte die Haltung des Geschöpfes gegenüber seinem Schöpfer verändert und uns die neuen Atheisten beschert (vgl. S. 193).

Offensichtlich ist J. Lennox nicht besonders Bibelfest! In Hesekiel 18, 20 steht im Widerspruch zur Erbsünde: "Denn nur wer sündigt, der soll sterben. Der Sohn soll nicht tragen die Schuld des Vaters, und der Vater soll nicht tragen die Schuld des Sohnes, sondern die Gerechtigkeit des Gerechten soll ihm allein zugute kommen, und die Ungerechtigkeit des Ungerechten soll auf ihm allein liegen." Sogar der Katechismus der Katholischen Kirche räumt ein: "Die Weitergabe der Erbsünde ist jedoch ein Geheimnis, das wir nicht völlig verstehen können (Quelle 35, vgl. S. 49 f.)."

Nach J. Lennox halte Richard Dawkins die Lehre von der Erlösung für "völlig verrückt". Zur Frage, warum Gott die Sünde nicht einfach vergeben könne, verweist J. Lennox auf die menschliche Schuld. Wenn es keine Strafe für Verbrechen gäbe, würde die Welt in Anarchie (Anomie müsste es heissen!) versinken, denn die Botschaft würde lauten, dass Kriminalität nicht von Bedeutung wäre (vgl. S. 197). Gott nehme unsere Sünden ernst, nicht weil er uns hasse, sondern weil er uns lieben würde. Es sei die Sünde, die den Tod des Menschen in die Welt gebracht hätte. Gott könne meine Sünde nicht einfach "loslassen", wenn er gerecht sein wolle und ich meine Bedeutung als moralisches Wesen behalten solle (vgl. S. 199). Jesus hätte als echter Mittler die Sünden anderer Menschen auf sich nehmen können, weil er sowohl Gott als auch Mensch gewesen sei. Von Anfang an hätte bereits Jesu Name von der Tatsache gezeugt, dass er der Sündenträger werden sollte (vgl. S. 203).

Was lässt sich dazu entgegnen? Der Theologe Härle beklagt, dass der Begriff "Sünde" als ein Versuch empfunden wird, Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen, sie klein zu halten und zu überwachen, um sie (besser) beherrschen zu können (Quelle 8, vgl. S. 280 f.).

Die Auferstehung und die Halluzinationstheorie

Der Dreh- und Angelpunkt des christlichen Glaubens sei die Auferstehung Jesu. Laut J. Lennox würden wir auf der Grundlage der historischen, körperlichen Auferstehung Jesu Christi von den Toten wissen, dass der Tod nicht das Ende sei und dass es ein letztes Gericht geben würde (vgl. S. 175). Den ersten Christen zufolge gäbe es ohne die Auferstehung keine christliche Botschaft. Paulus schreibt: "Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist also auch unsere Predigt inhaltslos, inhaltslos aber auch euer Glaube (S. 212)."

J. Lennox macht darauf aufmerksam, dass für das Judentum Jesus gestorben, aber nie auferstanden sei. Der Islam sage, Jesus sei nie gestorben. Das Christentum sage, Jesus sei sowohl gestorben als auch auferstanden. Für J. Lennox sei klar, dass sich diese drei Geschichtsverständnisse gegenseitig ausschließen würden, höchstens eines von ihnen könne wahr sein (vgl. S. 240).

In diesem Fall weiss J. Lennox nicht, dass der eigentliche Grund für die Inkompatibilität dieser religiösen "Wahrheiten" in der Zwischengruppenkonkurrenz begründet liegt! Diese baut auf der destruktiven Kraft moralischer Gewissheit und nicht auf den rationalen, zweifelhaften und um Ausgleich bemühten Diskurs unter Experten über das, was als Wahrheit zu deuten ist, auf (Quelle 36, vgl. S. 89).

Laut Gerd Lüdemann seien die Erscheinungen Visionen gewesen, eine Ansicht, die sich lt. J. Lennox als höchst unwahrscheinlich herausstellen müsse (vgl. S. 267). Nach Paulus´ Liste in 1. Korinther 15 hätte es ursprünglich über 500 Personen gegeben, die den auferstandenen Christus zu verschiedenen Zeiten während der vierzig Tage zwischen seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt gesehen hätten (S. 269). Die Verschiedenheit der Charaktere und Orte würden laut J. Lennox die Halluzinationstheorie widerlegen. J. Lennox versucht nun anhand von fünf Erwiderungen zu zeigen, dass die Psychiatrie der Halluzinationstheorie widerspreche.

Die Krux dabei ist nur, dass sich J. Lennox einige bzw. alle dieser Erwiderungen ausgedacht haben könnte, da keine einzige mit einer fachlich fundierten Quelle aus der Psychiatrie belegt wird!
Gerd Lüdemann klärt darüber auf, dass Paulus dies zur "historischen" Absicherung geschrieben hätte, da mehr als 500 Zeugen auf einmal nicht irren könnten (Quelle 37, vgl. S. 18). Außerdem könnte die Erscheinung vor über 500 Brüdern eine Art Gründungslegende der christlichen Gemeinde darstellen und vielleicht auf das historisch hinter Apg 2 liegende Ereignis (Pfingsten) zurückgeführt werden (Quelle 37, vgl. S. 91).

Von der aktuellen Trauerforschung wird die Halluzinationsthese sogar gestützt, da die Jünger nach dem Tod Jesu in eine extreme Stressituation geraten seien (Quelle 38, vgl. S. 106 f.).

Zur Beschaffenheit des Auferstehungskörpers schreibt J. Lennox, dass Jesus der Jüngergruppe erschienen sei. Dabei verweist er auf Joh 20, 19-23 und Lk 24, 36-49 (vgl. S. 279). Kurz darauf meint J. Lennox, es würden sich manche an dem Gedanken stören, dass der Auferstehungskörper Jesu physischer Natur sei; schließlich spreche das NT selbst vom Auferstehungskörper als „geistlichem Leib“, womit ein Bezug zu 1. Kor 15, 44 hergestellt wird (vgl. S. 280). Dass Jesus den Fisch aß hätte zweifelsfrei bewiesen, dass sein Auferstehungskörper eine physische Realität war (vgl. S. 281).

Diesbezüglich klärt Gerd Lüdemann darüber auf, dass die Körperlichkeit Jesus nachträglich hinzugewachsen und unhistorisch sei. Das ursprüngliche Sehen der Osterzeugen sei ein Sehen im Geist und nicht das Sehen eines wiederbelebten Leichnams gewesen (Quelle 37, vgl. S. 68).

Naturgesetzte und Wunder

Laut J. Lennox bemerkt der "angesehene" Philosoph Robert Spaemann, dass die Naturgesetze uns die Welt nicht erklären, sondern nur die Gesetzmäßigkeiten beschreiben würden. Die "große Täuschung" habe Dawkins fest im Griff, so dass er meine, sie würde letztgültige Erklärungen liefern und Gott überflüssig machen (vgl. S. 289).

Zuerst einmal gibt es gute Gründe dafür, warum uns Naturgesetze die Welt "nur" beschreiben und nicht erklären. Erklärungen enthalten weitere Elemente, i. d. R. Anfangsbedingungen, idealisierende, oft sogar kontrafaktische Annahmen und – ausdrücklich oder implizit – eine ceteris-paribus-Klausel, also die Annahme, dass keine weiteren Faktoren berücksichtigt werden müssen (Quelle 39, S. 210). Bei der Suche nach einer Kausalerklärung für die Naturgesetze müssten wir Zeitpunkte ins Auge fassen, die zeitlich vor allen Naturgesetzen liegen (Quelle 39, S. 222). Außerdem hindert uns der Zufall daran, eine echte Erklärung zu finden (Quelle 39, vgl. S. 226). Da Gott als "letztgültige Erklärung" den infiniten Regress abbricht, bietet er zwar ein stabiles Fundament, der Preis dafür ist allerdings die Begründung durch Rekurs auf ein Dogma. Daher entkommen die meisten Atheisten dem "Sumpf der Letztbegründung" dadurch, dass normalerweise bindende, rationale Begründungszwänge (zeitweilig) aufhoben werden (Quelle 40).

Nun folgt ein kleiner Exkurs in Wunder – des Glaubens liebstes Kind:

David Hume würde laut J. Lennox die Gleichförmigkeit der Natur leugnen. Für das Induktionsproblem führt Hume das Beispiel der aufgehenden Sonne an. Wir könnten nicht sicher sein, dass sie auch morgen aufgehen würde. Damit hätte Hume ebenjene Grundlage Vernichtet, auf der er versuche, die Möglichkeit von Wundern zu leugnen (vgl. S. 214).

Das ist falsch, so lässt sich Hume nicht entkräften! Natürlich meint Hume damit ein fiktives, aber dennoch mögliches Szenario. Nehmen wir einmal an, der Mond würde von einem Asteroiden aus seiner Umlaufbahn katapultiert. Damit könnte er nicht mehr stabilisierend auf die Erdachse einwirken, womit das Aufgehen der Sonne auch nicht mehr vorhersagbar wäre. Folglich würde die Erde unkontrolliert umhertaumeln und die Natur wäre nicht mehr gleichförmig!

Des Weiteren würde Hume einen großen Teil der modernen Naturwissenschaft unterminieren, da naturwissenschaftliche Gesetze genau das implizieren würden, was Hume leugne: die Beschreibung von Ursache und Wirkung in der Funktionsweise eines Systems. Beispielsweise würde Hume einräumen, dass es viele Fälle gäbe, in denen zwischen Rauchen und Lungenkrebs eine Verbindung bestehe, doch er würde jegliche Kausalbeziehung leugnen. Wenn das wahr wäre, würde das die wissenschaftlich erwiesene Beziehung zwischen Rauchen und Lungenkrebs entkräften (vgl. S. 217).

Der Haken an dieser Argumentation ist, dass J. Lennox offenbar den Unterschied zwischen Kausalbeziehung und Korrelation nicht kennt! Eine Korrelation liegt dann vor, wenn aus gemessenen Daten ein signifikanter Trend herauszulesen ist. Eine Kausalität liefert einen wissenschaftlich haltbaren Grund für diesen statistischen Trend (Quelle 41).

Nach J. Lennox würden Naturgesetze aus der theistischen Perspektive voraussagen, was passiert, falls Gott nicht eingreifen würde. Daher sei es unzutreffend und irreführend mit Hume zu sagen, Wunder würden die Naturgesetze "verletzen". Es sei wichtig zu verstehen, dass Christen nicht die Naturgesetze leugnen würden, wie Hume unterstellt. Wenn ein Wunder stattfindet, seien es die Naturgesetze, die uns darauf aufmerksam machen würden, dass es ein Wunder sei. Würden wir die Naturgesetze nicht kennen, würden wir niemals ein Wunder erkennen, wenn wir es sehen (vgl. S. 222 f.).

J. Lennox versucht hier auf geschickte Weise Wunder außerhalb des Gültigkeitsbereichs von Naturgesetzen zu verorten. Diese "Trennung" gibt es bei Naturalisten aber nicht, da sie Naturgesetze als ausnahmslose Regelmässigkeiten in der Natur und Wunder als Verstöße gegen die Naturgesetze definieren. Nun kommt der springende Punkt: Wenn ein Ereignis einem vermeintlichen Naturgesetz widerspricht, dann ist die Regelmäßigkeit doch nicht ausnahmslos, also kein Naturgesetz (Quelle 21, vgl. S. 72)!

Im Kapitel "Sind die Evangelien Fiktion?" heisst es, Lukas fixiere die Ereignisse mit überprüfbaren Informationen akkurat in ihrem historischen Kontext. Das zeige seinen Lesern, dass sie das, was er schreibt, als ernsthaften geschichtlichen Bericht verstehen sollten (vgl. S. 246 f.).

Das ist auch falsch! Die Evangelien sind keine historischen Protokolle, sondern wollen Glaubenszeugnisse sein (Quelle 42, vgl. S. 145)!

Dann bedient sich J. Lennox der Holzhammer-Methode: Er schreibt, den "zahmen Schöpfer", der nicht aktiv in das Universum, das er geschaffen habe, eingreifen könne oder dürfe, gäbe es nicht. Also könne es Wunder geben (vgl. S. 233). Wer´s glaubt…

J. Lennox hätte sich besser auf seine Aussage auf S. 232 beschränken sollen: "Ich bin ebenfalls der Meinung, dass Wunder von Natur aus unwahrscheinlich sind. Wir sollten für ihr Auftreten in einem konkreten Fall natürlich fundierte Belege verlangen."

Zu Wundern möchte ich Gerhard Vollmer mit einem abschließenden Gedanken zu Wort kommen lassen: Wer an Wunder glaubt, verlernt das Fragen. Denn was er nicht versteht, was nicht in sein Menschen- oder Weltbild passt, das erklärt er kurzerhand zum Wunder – und hat damit seine Ruhe. Aber wenn wir uns damit abfinden, was gäbe es dann eigentlich noch zu erforschen (Quelle 43, S. 59)?

 

Quellen:

  1. Das Gewaltpotenzial der Religionen, Ina Wunn, Beate Schneider, 2015.
  2. Soziobiologie, Eckart Voland, 2013.
  3. Youtube-Video: Blume: Selektionsvorteil Religion, https://www.youtube.com/watch?v=dSJcCdH-VlI.
  4. https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/atheisten-sterben-nicht-aus-sie-verebben-nur-demografisch/.
  5. https://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Veroeffentlichungen/Glaube_Macht_und_Kinder.pdf.
  6. Gott, Gene und Gehirn; Rüdiger Vaas, Michael Blume, 2009.
  7. Religionsethik, Dagmar Fenner, 2016.
  8. Der Dogmenwahn, Heinz-Werner Kubitza, 2015.
  9. Was können wir wissen? Grundprobleme der Erkenntnistheorie, Bruno Brülisauer, 2008.
  10. Wissenschaftstheorie im Einsatz, Gerhard Vollmer, 1993.
  11. Über die Natur der Dinge, Mario Bunge, Martin Mahner, 2004.
  12. Einstein und die Religion, Max Jammer, 1995.
  13. https://de.richarddawkins.net/articles/der-einstein-gutkind-brief-mit-transkript-und-englischer-ubersetzung.
  14. Der Gotteswahn, Richard Dawkins, 2007.
  15. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/kinder-aus-religioesen-familien-sind-weniger-grosszuegig-a-1061035.html.
  16. Ludwig Feuerbach und die Welt des Glaubens, Jens Grandt, 2006.
  17. https://www.iirf.eu/site/assets/files/92173/iirf_bulletin_2013_10.pdf.
  18. https://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1913/03/quellen.htm.
  19. https://www.youtube.com/watch?v=FhOrIIyjPqk.
  20. "Es gibt keinen Gott!", Kirchen und Kommunismus. Eine Konfliktgeschichte, Nadezhda Beljakova, Thomas Bremer, Katharina Kunter, 2016.
  21. Gretchenfragen an den Naturalisten, Gerhard Vollmer, 2013.
  22. Warum ich kein Christ sein will, Uwe Lehnert, 6. Auflage.
  23. Das Wunder des Theismus, J. L. Mackie, 1985.
  24. Ethik, Die Erfindung des moralisch Richtigen und Falschen, J. L. Mackie, 1981.
  25. Im Lichte der Evolution, Gerhard Vollmer, 2017.
  26. Handbuch Anthropologie; Der Mensch zwischen Natur, Kultur und Technik; Eike Bohlken; Christian Thies; 2009.
  27. Evolution in Natur und Kultur: Eine Einführung in die verallgemeinerte Evolutionstheorie, Gerhard Schurz, 2011.
  28. Evolution des Gewissens, E. Voland, R. Voland, 2014.
  29. Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, Charles Darwin, 1875.
  30. Evolution, Ein Lese- Lehrbuch, Hynek Burda, Sabine Begall, 2009.
  31. Toleranz und Gewalt, Arnold Angenendt, 2007.
  32. Philosophie, Kompakt und Visuell, Stephen Law, 2008.
  33. Wikipedia, Anomie.
  34. http://www.tanknotstrom.de/assets/content/images/pdfs/cd%20sima%20plnderungen088_105_cd2_11.pdf.
  35. Lexikon der biblischen Irrtümer, Walter-Jörg Langbein, 2006.
  36. Evolutionstheorie und Kreationismus – Ein Gegensatz, Otto Kraus, 2009.
  37. Was mit Jesus wirklich geschah. Die Auferstehung historisch betrachtet, Gerd Lüdemann, Alf Özen, 1995.
  38. Trauerarbeit im Urchristentum, Shin Yohida, 2013.
  39. Philosophia Nauturalis, Band 37, Heft 2, Was sind und warum gelten Naturgesetze?, Gerhard Vollmer, 2000.
  40. http://www.schmidt-salomon.de/muench.htm.
  41. https://www.nachdenkseiten.de/?p=28130.
  42. Grundlinien des Glaubens, Gerhard Kruhöffer, 3. Auflage.
  43. Wissen statt Glauben, Bernd Vowinkel, 2018.


John Lennox: Hat die Wissenschaft Gott begraben?: Eine kritische Analyse moderner Denkvoraussetzungen (Institut für Glaube und Wissenschaft) Gebundenes Buch – 3. November 2017 SCM-Shop

Rezensionen von Ockham bei wissenbloggt




Staatlicher Betrug am Steuerzahler


playmobil-442954_1280

Unsere Politik mag das Sparen einfach nicht lernen. Stattdessen sucht sie immer neue Wege, den Bürger auszupressen (Bild: 422737, pixabay). Bei den Steuern und Abgaben ist das Maß (mit 54,3% Abgabenquote) überreizt. Daher gibt es immer mehr Quasi-Steuern – windige, willkürliche Konstruktionen wie die GEZ (wb-Links), das EEG (wb-Links), diverse PPPs (wb-Links) & andere innovative Entsaftungsmethoden. Gemeinsames Prinzip bei letzteren ist, dass die Erträge direkt zu privaten Profiteuren kanalisiert werden und gar nicht erst in der Staatskasse auftauchen.


Sagt da jemand, es werden aber weniger Schulden? Nun ja, die Staatsschulden kitzeln die 2 Billionen nun von unten. Aber wer spricht von den de facto eingetretenen Risikofällen bei EFSF, ESM, Target 2 (wb-Links)? Und von der EZB-Geldschwemme, welche dem Staat zig Mrd. Schuldzins spart und den Sparer Hunderte Mrd. Guthabenzins kostet?

Zugleich werden mit Volldampf neue Abkassiermaßnahmen in die Wege geleitet, verkappte Steuern, mit denen der Bürger hinterrücks ausgenommen wird. In die Diskussion geraten speziell die CSU-Projekte Toll Collect (=LKW-Maut), die geplante PKW-Maut und die geplante Autobahnprivatisierung (wb-Links):

  1. Toll Collect ist ein Stück aus dem Tollhaus, wie u.a. zwei Zeit-Artikel belegen (1., 3.). Die Misswirtschaft besteht in einem 14-jährigen Prozess vor einem Schiedsgericht (Kosten 500 Mio., wb-Link Toll Collect), bei dem der Bund gegen Toll Collect und letztlich sich selber klagte (Teilhaber Telekom, Besitzer der Bund). Dann wurden dem Staat offenbar 300 Mio. zuviel in Rechnung gestellt. Durch die Querelen musste der Staat das System temporär selbst übernehmen, aber er will die Privatisierung neu ausschreiben. Wieso, fragt die Zeit (1.)? Nach all den schlechten Erfahrungen? Und warum lügt das Verkehrsministerium (8.)? Anfangs war das private Know-How gefragt, aber seit über 10 Jahren läuft das System quasi von allein. Da ist es völlig unnötig, die Profite zu privatisieren.
  2. Die Pkw-Maut werde auf jeden Fall in dieser Wahlperiode eingeführt, heißt es (2., 4.). Dagegen wird von Seiten Hollands und Österreichs prozessiert, es gibt noch keinen konkreten Termin. Was das bedeutet, ist trotzdem klar: eine neue Quasi-Steuer. Zugleich bedeutet es Wahlbetrug, denn im CDU/CSU-Regierungsprogramm 2017 – 2021 steht nix von PKW-Maut drin (6.).
  3. Zur Autobahn-Privatisierung wurde die nötige Grundgesetzänderung mit betrügerischen Methoden schon durchgedrückt (wb-Link Autobahn verkauft), jetzt streiten sich schon die Abzocker um die Beute (5.). In Zukunft wird also die PKW-Maut an private Betreiber gezahlt, die dem Staat seinen Teil abgeben. Oder auch nicht …

Selbstverständlich ist das nicht alles, was an staatlich gewährleisteter Abzocke läuft. Eine kleine Ergänzungsliste:

  • Diesel-Bohei – die Wirkung ist eine Vernichtung von Milliardenwerten. Alte Diesel-Autos sind unverkäuflich, obwohl sie immer noch sauberer fahren als Elektroautos,
  • Abmahner-Unwesen – legalisierte Abzocke,
  • Patenthaie – Erpressung mit Patenten,
  • Preisdiskriminierung – automatisierte Abzocke durch benutzerspezifische Preise,
  • Überreglementierung und Inkompetenz am Bau – Dämmwahn, Brandschutz-Hype,
  • Handelsverträge mit Schiedsgerichten – CETA, TTIP oder Toll Collect.
  • Infrastruktur-Vernachlässigung – kostet den Bürger Geld.
  • Öffentliche Dienstleistungen verteuert – dito.
  • Zigtausende Sozialwohnungen verkauft – treibt die Mieten.
  • Steuerflucht immer noch nicht beendet usw. usf.

Wenn diese ganzen Quasi-Steuern einkalkuliert werden, liegt der "Steuerzahler-Gedenktag" – also der Tag, bis zu dem man nur für den Staat arbeitet, – noch hinter dem halboffiziellen 18.7. (7.).

 

Medien-Links:

  1. Toll Collect: Ein Kartell gegen die Steuerzahler (Zeit Online 8.8.): Toll Collect hat dem Staat bei der Lkw-Maut jahrelang Millionen Euro zu viel in Rechnung gestellt. Die Regierung stört das nicht. Sie ließ sich hereinlegen und lernt daraus wenig.
  2. CSU-Verkehrsminister : Scheuer lässt Starttermin für Pkw-Maut offen (Frankfurter Allgemeine Zeitung 29.3.): Die Pkw-Maut ist ein Prestigeprojekt der CSU. Und sie wird kommen, lautet das dazugehörige Mantra. Doch wann?
  3. Lkw-Maut: Bund überweist Autobahnbetreibern offenbar zu viel Geld (Zeit Online 11.9.17): Einem Bericht zufolge erhalten private Autobahnbetreiber seit zwei Jahren systematisch zu viele Mittel aus der Lkw-Maut. Grund ist demnach eine Abrechnungspanne.
  4. Bericht: Pkw-Maut kommt erst Mitte 2020 (Süddeutsche Zeitung 18.4.17): dpa – Die neue Pkw-Maut wird einem Medienbericht zufolge erst Mitte 2020 eingeführt.
  5. Autobahn – Finanzinvestoren greifen nach deutscher Autobahn (Süddeutsche Zeitung 8.9.17): Dem größten deutschen Autobahnbetreiber A 1 Mobil droht wegen mangelnder Einnahmen die Pleite. Nun wollen sich etliche Hedgefonds in die Sache einschalten. Sie könnten versuchen, die Forderungen der Betreiber gegenüber dem Bund einzutreiben.
  6. Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben (CDU/CSU-Regierungsprogramm 2017 – 2021).
  7. "Steuerzahler-Gedenktag"  – Ab heute arbeiten Sie nicht mehr für die Staatskasse (T-Online 18.7.): Ab 18.7. fließen rechnerisch die Einkünfte von Bürgern und Betrieben ins eigene Portemonnaie. Das entspricht einer "Einkommensbelastungsquote" von 54,3% – der bisherige Spitzenwert.
  8. Verkehrsministerium: Hat der Bund falsche Rechnungen nicht bezahlt? (Zeit Online 9.8.): Das Verkehrsministerium wehrt sich gegen Recherchen, nach denen der Lkw-Mautbetreiber Toll Collect unberechtigte Ausgaben abrechnete. Seine Aussagen sind irreführend. Fazit wb: Der Staatssekretär lügt!

Links von wissenbloggt zu Steuern:

Links von wissenbloggt zu GEZ:

Links von wissenbloggt zum EEG:

Links von wissenbloggt zu PPP:

Links von wissenbloggt zu Toll Collect und Autobahnprivatisierung:




Rezension zu „Endstation Brexit“ von Ralf Grabuschnig


endstation brexit tectum"Die Briten haben in ihrer Geschichte auf niemanden Rücksicht genommen. Nicht auf sich selbst und ganz besonders nicht auf Europa," schreibt der Verlag und spricht von "einer unterhaltsamen Reise durch die britische Vergangenheit".

Unser Rezensent Dr. Gerfried Pongratz findet das Buch "gut gelungen" und nennt es "sehr unterhaltsame Lektüre". Gerfried Pongratz 8/2018 über Ralf Grabuschnig:

„Endstation Brexit

Ein junger Historiker – nach eigener Definition „Geschichtenerzähler“ – lädt ein, ihn auf einer unterhaltsamen Reise durch die Geschichte (Groß)Britanniens zu begleiten. Von den dunklen Anfängen bis zum Brexit, den er als vorläufigen Höhepunkt einer immer unberechenbar gebliebenen Mentalität „dieses merkwürdigen Inselvolkes“ wahrnimmt, wobei er zeigen will, dass es in dessen Geschichte bereits zahlreiche ähnliche Weggabelungen mit wechselhaften Beziehungen zu Europa gab und der Brexit somit auch keine allzugroße Überraschung darstellt.

Das erzählerische Credo des Autors – „Es gibt keinen Grund, Geschichte professorenhaft-trocken niederzuschreiben, schon gar nicht die Geschichte Englands. Sie ist doch zum Wegschmeißen komisch!“ – findet sich am vorderen Bucheinband und entsprechend humorvoll locker, zuweilen auch flapsig, mit zahlreichen Aperçus zu gegenwärtigen politischen Erscheinungen und Personen, führt er durch 2.000 Jahre Britannien bis Großbritannien (die allerdings meist keineswegs „komisch“ verliefen).

Die im Buch erzählte Geschichte beginnt mit den Kelten (ab dem 5. Jhdt. v.Chr.) und Julius Cäsars Griff 55 v.Chr. nach Britannien: „…damit beginnt die große, konfliktbeladene Geschichte zwischen der britischen Insel und dem europäischen Kontinent, die bis heute nicht enden will“. Von da an stehen – mit Unterbrechungen und Rebellionen (z.B. durch Königin Boudicca) große Teile der Insel für nahezu 500 Jahre unter römischer Herrschaft (mit auch entsprechend wirtschaftlicher, geistiger und kultureller Entwicklung). Nach dem Abzug der Römer folgt eine Einwanderungswelle von Angeln, Sachsen, Friesen, Jüten und löscht die Überreste älterer Kultur fast vollständig aus. Es entstehen mehrere miteinander konkurrierende Kleinkönigreiche, ab dem 6. Jhdt. kam es zur Christianisierung. Heftige Erschütterungen und Veränderungen mit grausamen Kämpfen brachte die Eroberung der Insel durch die Wikinger ab 793 und die Normannen im Jahr 1066 („…so vieles von dem, was wir heute als typisch englisch betrachten, geht auf die Normannen zurück“, S. 67).

Um die Beschreibung kurz zu halten: 1215 kam es mit der Magna Carta zur Entstehung des englischen Parlamentarismus, wenig später verlor man alle englischen Besitzungen auf dem europäischen Kontinent, „als erster Brexit der Geschichte“. In der Folge kam es zu wirtschaftlichen Fortschritten mit einer Verdreifachung der englischen Bevölkerung auf ca. 6 Millionen. Nach weiteren Kriegen (100jähriger und Rosenkriege) veränderte Heinrich VIII das Land abermals grundlegend durch seinen Bruch mit Rom und der Gründung der anglikanischen Kirche. Unter seiner Nach-Nachfolgerin Elisabeth I. wurde England wirtschaftlich, kulturell und im Geistesleben zu einer Weltmacht (Kolonialmacht), ihre Nachfolger der Stuart-Epoche führten das Land aber wiederum in schwierige Zeiten mit Kriegen, Bürgerkrieg und Restaurationspolitik. Die „Glorious Revolution“ 1688/89 führte mit der Durchsetzung der „Bill of Rights“ zur Gründung des modernen Regierungssystems mit dem Parlament als Träger der Staatssouveränität. 1707 trat der „Act of Union“ in Kraft, damit wurden die Königreiche England und Schottland endgültig miteinander vereint und bilden den neuen Staat Großbritannien.

Die Deutschen (Welfen) auf dem Thron („die Zeit der Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover ist eine skurrile und ereignisreiche Zeit der britischen Geschichte“, S. 130) bis hin zu Königin Viktoria, der „Großmutter Europas“, bildet ein weiteres Kapitel des Buches (aus einer illegitimen Beziehung des Hannoveraners „König Wilhelm IV“ stammt David Cameron: „Der dürfte in den späteren Geschichtsbüchern Großbritanniens fast noch eine schlechtere Figur abgeben als Georg III“, S. 135). Großbritannien wurde zur Weltmacht in nie dagewesener imperialer Größe, die aber in den beiden Weltkriegen und den daran anschließenden Konflikten (Indien, Suezkrise etc.) wiederum verloren ging. „Langsam dämmerte es den meisten in Großbritannien, dass die Zeit als Weltmacht wohl endgültig vorbei sei.“ S. 182).

1973 wurde Großbritannien Mitglied der EG, mit der Wirtschaft ging es trotzdem bergab – Streiks mit massiven Stromausfällen usw. lähmten das Land -, bis 1979 Margaret Thatcher Premierministerin wurde und radikale Reformen durchzog. In der EG erreichte sie mit „I want my money back“ den sog. „Briten-Rabatt“, der bis heute gilt, die Bevölkerung aber trotzdem nicht EU-freundlicher stimmt (obwohl David Cameron beim Amtsantritt 2005 „Stop banging on about Europe“ verkündet hatte).

„Ist der Brexit nun wirklich die epochale, alles verändernde Entwicklung, wie sie im Licht der letzten Jahrzehnte aussieht?“ (S 197). „Doch wer weiß schon, was den Briten und Europäern in Zukunft noch so bevorsteht. Eines kann man mit Sicherheit sagen: Weit voneinander werden die beiden nie sein. Ob sie nun wollen oder nicht“ (S. 199).

Die in der Einleitung des Buches verkündete Absicht des Autors, nicht Wissen zu schaffen, sondern mit einer „Serie von unterhaltsamen und lehrreichen Anekdoten, chronologisch gereiht und halbwegs schlüssig miteinender verbunden“ Geschichte zu erzählen, ist ihm sehr gut gelungen. Für manche Leserinnen und Leser könnte die Häufigkeit humoriger Nebenbemerkungen und die Flapsigkeit mancher Formulierungen eventuell etwas reduzierter sein, die jugendliche Frische dieser Form von Geschichtsvermittlung wird aber vermutlich viele, vor allem jüngere Leser ansprechen, bzw. sogar begeistern. Das Buch kann als kompakt wissensvermehrende, sehr unterhaltsame Lektüre, als, wie der Autor schreibt, eine Art von „Brexit-Beipackzettel“ uneingeschränkt empfohlen werden.

 

Gerfried Pongratz

Ralf Grabuschnig: „Endstation Brexit“, Tectum Verlag Baden-Baden 2018, ISBN 978-3-8288-4131-4, 199 Seiten

Weitere Rezensionen von Gerfried Pongratz




„Doom porn“: Hype ums Klima


Polarbaer-eisbaer-suedpol-klimawandel-synonym-Heiligtum-klimareligion-Klimaschwindel-Klimabruderschaft-Klima-Luege-Betrug-co2-Ablasshandel-ersatzreligion"Doom porn" ist das böse Schlagwort fürs Aufgeilen am Weltuntergang. Der Hype ums Klima hat sich den Titel so halb und halb verdient. Einmal ist ja eine reale Grundlage zur Besorgnis da, aber andererseits wird eine Menge Schindluder damit getrieben (Bild: qpress).

Das ist nicht hilfreich für die Bewältigung der anstehenden Probleme. Zwischen bibeltreuen Klimagläubigen und ignoranten "Klimaskeptikern" öffnet sich ein weiter Bereich für vernünftige Aktionen.

Klimakonferenzen abschaffen dürfte schon mal eine zielführende Maßnahme sein. Wieso werden diese Konferenzen unter maximaler Umweltbelastung als Meeting von tausenden von Obermolchen samt ihren Untergrottenolmen zelebriert? Das wäre doch der ultimative Einsatzort für Videokonferenzen überhaupt. Dann wär's auch nicht so schlimm, wenn sich keiner an die Abmachungen hält.

Kyoto-Vertrag und Pariser Abkommen haben ja nicht gerade den Ruf von echten Aktionsplänen gegen Klimaprobleme, sondern bloß als symbolische Projekte, mit denen Weltdiplomaten ihre Eitelkeit pflegen ("symbolic vanity project for world diplomats").

Die zeitgemäße Gestaltung von Klimakonferenzen wäre ein Einstieg in vernünftigeres Verhalten beim Thema Kimakatastrophe. Auch sonst ist der Katastrophen-Hype nicht zielführend. Dramatische Änderungen werden prognosziert wie Hitzewellen, Firenados (Feuer-Tornados), Monsterstaubstürme und Erdbeben (1.). Das Erreichen von gefährlichen Kipp-Elementen (2.) soll den Rückweg zur "Normalität" verbauen, die Erde wird zum Treibhaus (“Hothouse Earth”, 3.), was während der letzten Hitzewelle Aufsehen erregte und sogar in der wissenschaftlichen Literatur Furore machte (4.).

Natürlich rief das sofort den Deutschen Bauernverband auf den Plan, der staatliche Soforthilfen gegen die Dürre forderte, wie immer mit der Vorspiegelung, es ginge darum, bäuerliche Familienbetriebe vor dem Ruin zu retten, die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen und die vertraute Kulturlandschaft zu bewahren. In der Realität geht es vor allem darum, industriell bewirtschaftete Monokulturen der großen Agrarkonzerne zu sponsern, die umweltfeindlich Raps, Zuckerrüben, Mais und Getreide anbauen. Auch in der Viehzucht geht es um ähnliche kapitalintensive und umweltschädliche Strukturen mit Tausenden Rindern und Schweinen. Die Dürre beeinträchtigt den Profit der Agrarunternehmen, aber was ist schlimm daran, wenn die Konzerne mal keine Dividende ausschütten können? Andere Firmen müssen mit gestiegenen Ölpreisen oder abgestürztem Eurokurs zurechtkommen, wieso nicht die Agrarwirtschaft mit einem teilweisen Ernteausfall (5.)?

Zudem werden die Landwirte in die Schuldenfalle getrieben, weil ihnen ständig empfohlen wird, immer mehr zu investieren. Sie sollen größere und teuerere Ställe bauen, in denen noch mehr Vieh gehalten werden kann, das mit noch mehr Kraftfutter noch mehr Milch und Fleisch produziert. Und noch mehr Gülle, die in noch größeren und teureren Güllebehältern gelagert werden muss, die mit größeren, teureren, schwereren Maschinen ausgebracht werden muss, durch die es noch mehr Bodenverdichtung gibt. Dadurch gelangt das Regenwasser nicht mehr ins Grundwasser, und das Grundwasser kann bei Trockenheit schlechter aufsteigen. Die Regenwürmer werden geschädigt und können den Boden weniger auflockern. Um so mehr muss gedüngt und gespritzt werden, und das bringt den Landwirte noch mehr Schulden ein. Sie müssen ständig bis zum Anschlag produzieren und können keine Ernteausfälle mehr wegstecken (5.).

green-1968579_1280ElisaRivaEs ist ja nicht nur in Deutschland so, dass nicht nachhaltig gewirtschaftet wird. Das gleiche gibt es in der ganzen Welt, vor allem dort, wo die Bevölkerungsvermehrung den Lebensraum knapp macht. Schon ist die Rede von neuer Klima-Migration (6.). Der Bericht verschweigt das Hauptproblem nicht. Die Bevölkerungsvermehrung vor allem in Afrika ist nicht grün und nicht nachhaltig (Table 4.1, S. 74, Bild: ElisaRiva, pixabay). Damit wären schon mal ein paar der Hauptursachen angesprochen, zuviel Bodenbelastung, zuviel Vieh, zuviele Menschen.

Die offizielle Doktrin hält sich lieber an zuviel CO2, denn das geht nicht direkt ans Problem ran und tut keinem unmittelbar weh. So kommt es zu Auswüchsen wie CCS, also CO2 aus der Luft rausholen und in den Boden verpressen (7. und wb-Link Energiewende). Das ist wahrscheinlich die schechteste Methode, die eigentlich nur die Kohlekraftwerks-Betreiber gutheißen können, weil sie ihre Kraftwerke dadurch gegen den Zuviel- CO2-Vorwurf immunisieren können. Denn CCS hat nicht nur einen schlechten Wirkungsgrad, es ist eine Risikotechnologie. Wenn das  CO2 ausströmt und sich in Senken sammelt, ersticken Mensch und Tier. Man sieht es nicht, man riecht es nicht, aber es ist ab einer bestimmten Konzentration tödlich. Auch mit dem Auto entkommt man nicht (außer Elektro). Beispiele Kivusee in Ruanda und Nyos-See im Kamerun; dort sind Massensterben durch CO2 passiert. Das brauchen wir hier nicht.

Trotzdem glauben manche Klima-Betroffenen, dass man selbst so fragwürdige Methoden nutzen sollte, um den Klimawandel aufzuhalten. Viele Millionen Menschen müssten sonst fliehen oder sterben. Aber mit diesen Voraussagen ist das so eine Sache.

Gewiss wird die Durchschnittstemperatur der Erde weiter steigen. Aber wie sich das verteilt, und das die konkreten Auswirkungen davon sind, das weiß man nicht. Aussagen über die Zukunft sind notwendigerweise spekulativ. Man kann das mit den schönsten Simulationen abbilden, aber das ändert nichts daran, dass damit die Raterei bloß auf eine andere Ebene verlagert wird. Bei dynamischen Systemen von solcher Art ist immer ungewiss, wie sie sich am Ende verhalten. Es sind durchaus auch Verbesserungen möglich (8. und wb-Link Klimabefunde).

Dort ist beschrieben, dass der Anteil waldbedeckter Fläche auf der Erde um 7% wuchs, obwohl in den Tropen massiv abgeholzt wird. Vor allem im Norden vergrößern sich durch den Klimawandel die Wachstumszonen einiger Baumarten (8.). Auch die Sahelzone begrünt sich wieder (wb-Link Klimabefunde), und die Aufforstungsmaßnahmen von China zeigen Wirkung.

Diese positiven Effekte stehen genauso im Gegensatz zum Klima-Hype wie die Aussagen, die je nach Wetterlage lanciert werden – wenn man sie ohne ihren Kontext betrachtet. Vor einer Weile war's noch die Feuchtigkeit, also der Klimawandel bringt mehr Wasser in der Atmosphäre, und es gibt daher mehr und heftigere Niederschläge. Dann waren es die Hurricanes, und jetzt ist es die Dürre. Erheblich glaubwürdiger wäre es, wenn die Forscher sowas vorher voraussagen, und nicht erst, wenn es passiert (frappantes Beispiel für Warnung, nachdem der Fall eingetreten ist,.in 2.).

Der Schreiber dieses kann aus eigener Erfahrung sagen, dass man mit dynamischen Simulationsmodellen praktisch jedes gewünschte Ergebnis rauskriegen kann, ohne unzulässige Vorgaben zu machen, und ohne dass das Modell fehlerhaft ist. Es gibt beschränkte Bereiche, wo man valide Ergebnisse bekommt, aber die Weltmodelle haben ihre Tücken. Das sieht man auch am Beispiel von Global 2000 mit seinen Berichten "Die Grenzen des Wachstums" (1972), und "Die neuen Grenzen des Wachstums" (1992), dem "30-Jahre-Update" (2004), dem "40-Jahre-Update" (2012). Zuletzt nahm das keiner mehr ernst, weil immer was anderes rauskam (wb-Link Club of Rome).

Die Wechselwirkungen sind nun mal komplex, das Klima hat eine Menge Kopplungs- und Gegenkopplungseffekte, bei denen Tausende von Parametern wirken. Symptomatisch ist die prognoszierte Erhöhung vom Meeresspiegel um cm, m oder sogar 10-60 m, die durch die Medien geistert. Wenn's 60 m sind, gehen die Niederlande baden.

Aber man weiß halt nicht, was mit dem Klima passiert, und die Forscher können's auch erst hinterher richtig voraussagen. Trotzdem gibt es einen Rahmen von Dingen, die sinnvollerweise geschehen sollten. Dazu zählt aus dieser Sicht nicht die CO2-Reduzierung um jeden Preis. Bringt zuwenig, ist zu teuer. Das ändert nichts an der Sinnhaftigkeit von erneuerbaren Energien (natürlich ohne den Bio-Treibstoff aus Feldfrüchten). Die ganz heißen Themen sind

  • Geburtenbeschränkung durch Emanzipation, Aufklärung, Druck.
  • Ende der Massentierhaltung, Ersatz durch pflanzliche und Zellkulturen.
  • Bodenbelastung vermindern und nachhaltiger Anbau.
  • Aufbauhilfe und partnerschaftliche Wirtschaftsverträge mit der 3. Welt statt Kriegstreiberei.

Damit geht die Menschheit gegen die direkten Ursachen vor, denn viele "Klimaschäden" entstehen durch zuviel Bevölkerung, durch Übernutzung der Natur und durch weniger Redundanz (alle Ausweichsysteme wegoptimiert). Es leben zuviele Menschen an Orten, die zuvor aus guten Gründen kaum bewohnt waren. Das fängt in Südkalifornien an und hört in Äthiopien auf, und dazwischen liegen noch 1000 Fälle.

Obendrein gibt es die Informationsverbreitung übers Internet, die alles destruktive Geschehen in den Vordergrund hebt. Es gibt die Politik, die ohne Hype kaum noch was gebacken kriegt und deshalb fleißig mitkaspert. Es gibt NGO-Apparatschicks, die auf den Klimaproblemen prima surfen. Und es gibt die Befindlichkeits-Sensiblen, die political correchtness auch da hochhalten, wo sie fehl am Platze ist.

Nein, das Kinderkriegen ist nicht jederfraus Privatsache (und schon gar nicht die des virilen Manns, der seine Potenz an der Kinderzahl misst). Es geht vor allem die Kinder an. Die haben ein Recht, nicht geboren zu werden, wenn sie in Lebensumstände geraten, die ihnen nur Hunger, Not, Erniedrigung verheißen.

Der Meinungsumschwung in diesem Bereich ist wichtiger als alles CO2.

 

Medien-Links:

  1. Earth Changes Accelerate: What Is Causing These Record Heatwaves, Massive “Firenadoes”, Giant Dust Storms And Large Earthquakes? (The Economic Collapse 6.8.): In recent days some have suggested that what we are witnessing is the natural progression of “man-made climate change”, but that explanation has generally been received with a lot of skepticism. Something truly dramatic appears to be happening to the globe, and it isn’t just because the amount of carbon dioxide in the air suddenly reached some sort of magical “tipping point”. 
  2. Klimaerwärmung: Forscher warnen vor einer Heißzeit (Zeit Online 6.8., 680 Kommentare): Selbst bei Einhaltung des Pariser Klimaabkommens könnte sich die Erde von alleine weiter erwärmen. Grund dafür sind Wissenschaftlern zufolge Kippelemente im Klimasystem.
  3. Hothouse Earth: here’s what the science actually does – and doesn’t – say (The Conversation 9.8.): But since this is not actually new research, why is it getting so much coverage? I suspect that one reason is the use of the vivid “Hothouse Earth” term at a time when everyone’s talking about heatwaves.
  4. Trajectories of the Earth System in the Anthropocene (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America PNAS 19.6.): We explore the risk that self-reinforcing feedbacks could push the Earth System toward a planetary threshold that, if crossed, could prevent stabilization of the climate at intermediate temperature rises and cause continued warming on a “Hothouse Earth” pathway even as human emissions are reduced.
  5. Landwirtschaft –  Selbst schuld (Süddeutsche Zeitung Leserbriefe 8.8.) – Falsches Spiel & Schuldenfalle
  6. GROUNDSWELL – Preparing for Internal Climate Migration (© 2018 International Bank for Reconstruction and Development / The World Bank, Kumari Rigaud, Kanta, Alex de Sherbinin, Bryan Jones, Jonas Bergmann, Viviane Clement, Kayly Ober, Jacob Schewe, Susana Adamo, Brent, McCusker, Silke Heuser, and Amelia Midgley. 2018. Groundswell: Preparing for Internal Climate Migration. Washington, DC: The World Bank.): This report, which focuses on three regions—Sub-Saharan Africa, South Asia, and Latin America that together represent 55 percent of the developing world’s population—finds that climate change will push tens of millions of people to migrate within their countries by 2050. It projects that without concrete climate and development action, just over 143 million people—or around 2.8 percent of the population of these three regions—could be forced to move within their own countries to escape the slow-onset impacts of climate change. They will migrate from less viable areas with lower water availability and crop productivity and from areas affected by rising sea level and storm surges. The poorest and most climatevulnerable areas will be hardest hit. These trends, alongside the emergence of “hotspots” of climate in- and out-migration, will have major implications for climate-sensitive sectors and for the adequacy of infrastructure and social support systems. The report finds that internal climate migration will likely rise through 2050 and then accelerate unless there are significant cuts in greenhouse gas emissions and robust development action.
  7. Treibhausgase: "Wir könnten alle Emissionen aufnehmen" (Zeit Online 8.8., 120 Kommentare): Norwegen macht Europa ein verführerisches Angebot: Leere Erdgasfelder vor der Nordseeküste sollen zum CO2-Endlager werden (CCS).
  8. Klimawandel – Mehr Wald auf der Welt (Es grünt) (Süddeutsche Zeitung 9.8.): In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil waldbedeckter Fläche auf der Erde um sieben Prozent gewachsen.    Grund dafür sind Aufforstungen in Europa und Asien. Die Zunahme ist allerdings regional beschränkt: Während im Norden mehr Wald entsteht, wird in den Tropen massiv abgeholzt.
  9. Ablasshandel ist der Kuhhandel fürs gute Gewissen (qpress 3.8.15): Erst, wenn wir selbst das Handeln beginnen, entkommen wir dem Ablasshandel.

Links von wissenbloggt dazu:




Begriffsverwirrung: Diskriminierung, Islamfeindlichkeit, Rassismus


In seinem persönlich gehaltenen Beitrag geht unser Gastautor "da es mit anderen Beteiligten und in anderem Zusammenhang ganz ähnlich hätte ablaufen können."

Begriffsverwirrung: Diskriminierung, Islamfeindlichkeit, Rassismus

(Bild: London_Montage_2016.png, Wikimedia (Ausschnitt), Foto: AlexTref871)

Die Vermengung von persönlichem Verhalten mit Herkunft, Abstammung oder Religionszugehörigkeit kann man in Diskussionen und Debatten hier und da beobachten. Wenn sich z.B. ein Prominenter mit einem anderen Prominenten zum Fototermin trifft, kann dies in der Folge zu einigem Durcheinander in der Wahrnehmung, der Berichterstattung, der öffentlichen Kommentierung und der Beurteilung führen. Die Namen der Personen [1.] des aufgeführten Schauspiels, um das es hier jetzt geht, halte ich für nebensächlich, da es mit anderen Beteiligten und in anderem Zusammenhang ganz ähnlich hätte ablaufen können.

Im Mai 2018 traf sich ein aus Gelsenkirchen in Nordrhein-Westfalen stammender Berufssportler mit dem Staatspräsidenten eines Nato-Landes (der u.a. dafür bekannt ist, die Demokratie für einen Zug zu halten auf den man aufsteigt bis man am Ziel ist) zu einem Photoshooting in London. Den Berufssportler und den Staatspräsidenten verbinden allenfalls Ethnie und Religion.

Sich auf den Fototermin eingelassen zu haben mag auf politische Unerfahrenheit des Berufssportlers zurückzuführen sein, darauf, dass er die möglichen Folgen fehleingeschätzt hat. Einige Reaktionen und öffentliche Äußerungen Dritter waren darauf zurückzuführen, dass sich der Berufssportler im Nachhinein zu dem Fototermin nicht oder nur unzureichend äußern wollte.

Aufgrund von Reaktionen [2.] und Kommentierungen [3.] zu dem Fototermin konnte der Eindruck entstehen, dass dem Berufssportler seine Herkunft, seine Abstammung sowie seine Religionszugehörigkeit als persönliches Fehlverhalten angelastet wurden, und er fühlte sich dadurch „rassistisch“ angegriffen.

Herkunft, Abstammung oder Religionszugehörigkeit sind zwar kein persönliches Fehlverhalten — über Herkunft und Abstammung kann niemand für sich selbst entscheiden, — und die Religionszugehörigkeit zu ändern oder sie ganz abzulegen ist für manch einen eine folgenschwere Entscheidung, die mit Diskriminierung (Abscheiden, Ausgrenzen), Mobbing oder Schlimmerem einhergehen kann [4.].
Das Befolgen bestimmter religiöser Vorschriften kann hingegen selbstverständlich zu persönlichem Fehlverhalten führen.
 

Zum Rassimusvorwurf, den der Berufssportler erhoben hatte, nur wenige Worte:

Rassisten sortieren Menschen nach Herkunft und Abstammung, zuweilen auch nach Religionszugehörigkeit.
Die einen tun es aus Feindschaft den Menschen gegenüber und sehen in Herkunft, Abstammung oder Religionszugehörigkeit ein persönliches Fehlverhalten.
Andere tun es, um Menschen zu bevormunden oder politisch zu instrumentalisieren.

In einer Kolumne äußert sich ein bekannter Herausgeber einer weniger bekannten Wochenzeitschrift zu dem Fall des Berufssportlers, um den es hier geht [5.], und schreibt u.a.:

Nun sind Muslime keine „Rasse“, und der Islam auch nicht. Dennoch trifft der Begriff Rassismus. Denn auch der Rassismus geht mit der Zeit. Biologistische Argumente sind ein alter Hut aus vergangenen Jahrhunderten. Heute geht es um Kultur. Religionszugehörigkeit wird ethnisiert. Und Ressentiment tarnt sich als Religionskritik. Die „Islamkritik“ ist ein Lieblingssport der rechten Deutschen geworden …

Soweit hat er damit m.E. durchaus recht — auch wenn er die Tatsache ausblendet, dass jegliche (!) Islamkritik über Jahrzehnte hinweg als „Islamophobie“ diffamiert wurde und noch heute wird, auch jede Kritik an den problematischen Aspekten, die es im Islam genauso gibt wie in manch anderen Religionen und Gesellschaftssystemen und die überall sonst kritisiert werden dürfen ohne dass dies als „Phobie“ bezeichnet oder mit „Rassismus“ in Zusammenhang gebracht wird.
Also Menschenrechtsverletzungen, Rechtsungleichheit von Mann und Frau, drakonische Körperstrafen, Einschüchterung als Machtinstrument, fehlende Religionsfreiheit, Bevormundung [6.], Despotismus, Machtmissbrauch, Todesstrafe [7.] …

Dass mit der Diffamierung jeglicher Islamkritik den Rassisten von „rechts“ zugearbeitet wird, die ihre Abneigung gegenüber Menschen mit teils sachlicher, teils jedoch unsachlicher Kritik vermengen und dabei Menschen für etwas verantwortlich machen, das diese nicht getan haben (Sündenbockprojektion, [8.]), erkennt der Autor der Kolumne vermutlich nicht (siehe hierzu die Rezension «Trefflich» [9.] vom Buch «Brief an die Heuchler – und wie sie den Rassisten in die Hände spielen» von CHARB [10.]). Ob er für die o.g. problematischen Aspekte des Islams Sympathien hegt, möchte ich nicht beurteilen.

Auch übersieht er, dass manche Rassisten dazu neigen, Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Abstammung oder Religionszugehörigkeit zu bevormunden oder politisch zu instrumentalisieren — was als „positiver Rassismus“ gelten kann.
Zum positiven Rassismus zähle ich insbesondere jedoch auch, Menschen (Individuen oder eine Gruppe) allein aufgrund ihrer Herkunft, Abstammung oder Religionszugehörigkeit bestimmte Eigenschaften pauschal zuzuschreiben, die positiv gewertet werden.

Der Autor macht in seiner Kolumne einen Vorschlag, der einer gewissen Originalität nicht entbehrt:

… die Kritik einer ganzen Religion sollte man lieber den Theologen überlassen.

Das ist gerade so, als wollte man Kritik an Diktatur und Despotismus den Diktatoren und Despoten überlassen — oder als wollte man Kritik an Zensur, jener staatlichen Behinderung öffentlicher Meinungsäußerungen, denjenigen überlassen, die ab und an von „Lügenpresse“ / „Lückenpresse“ reden, einem Begriff, der bereits bei den Nationalsozialisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gebräuchlich war, aber auch z.B. in der DDR verwendet wurde und der zum Ausdruck bringt, dass man womöglich nur das in den Medien veröffentlicht wissen will, was man selber für „die Wahrheit“ hält.

Ein paar Worte zur Diskriminierung (siehe auch [11.]):

Diskriminierung ist kein Rassismus. Insbesondere fällt auch die Selbstdiskriminierung darunter, was oft übersehen wird.
Wer z.B. meint, einen Beruf nicht ausüben zu können weil während der Berufsausübung ein bestimmter Dresscode gilt, eine Anzugsordnung, die das Tragen bestimmter Kleidungsstücke oder das Zeigen religiöser oder sonstiger weltanschaulicher Symbole nicht zulässt, fühlt sich deswegen diskriminiert. Tatsächlich diskriminiert sich so jemand ausschließlich selbst — und sollte nicht erwarten, dass ein demokratischer Rechtsstaat seine Gesetze und Verordnungen an die tatsächlichen oder vermeintlichen Vorschriften irgendwelcher religiöser oder weltanschaulicher Bekenntnisse oder Vereine anpasst.
Etwas zu glauben oder sich zu etwas zu bekennen funktioniert auch ohne Symbole.

Zur Selbstdiskriminierung gehört m.E. auch, für sich eine Herausgehobenheit aufgrund von Herkunft, Abstammung oder Religionszugehörigkeit zu beanspruchen — oder eine Opferrolle zu institutionalisieren, auch ohne von Verfolgung, Unterdrückung oder Diskriminierung persönlich betroffen zu sein.
Mit dem Anspruch auf Herausgehobenheit löst man möglicherweise erst jene negativen Reaktionen aus, über die man sich anschließend beklagt.

Um den letzten Absatz nicht falsch zu interpretieren, ein paar persönliche Worte:
Meine Eltern waren Vertriebene, wurden wegen der Verbrechen der Nazi-Diktatur als junge Jugendliche aus ihrem früheren Wohnort verjagt. Sie gehörten jedoch keinem Vertriebenenverband an. Verwandte waren während der Gröfaz-Tyrannei (Hitler-Diktatur) fast zwölf Jahre lang in einem KZ der Nazis unschuldig eingesperrt. Sie haben diese Opferrollen jedoch nicht institutionalisiert.
Da ich weder vertrieben wurde noch in einem KZ eingesperrt war, habe ich keine Veranlassung, eine entsprechende Opferrolle zu beanspruchen.

 

Medien-Links:

  1. Ein Berufssportler; ein Staatspräsident; der Fototermin (alles wiki).
  2. Mesut Özil: So viel mehr als ein Rücktritt (Zeit Online 23.7.).
  3. Mesut Özil ist der Sündenbock (Neue Züricher Zeitung 6.7.).
  4. Religion und Zynismus, Tradition und Tabu (Artikel bei Das Islam-Prinzip).
  5. Özil-Debatte und #MeTwo – Mimimi Muslime? (Spiegel Online 30.6. von Jakob Augstein): In der Özil-Affäre geht es nicht nur um Rassismus. Es geht um die deutsche Islamfeindlichkeit. Der Muslim als Opfer?
  6. Bevormundet (Artikel bei Das Islam-Prinzip).
  7. Religion und Zynismus, Tradition und Tabu (Artikel bei Das Islam-Prinzip).
  8. Wertschätzung, Unschuldsvermutung und Gerücht (Artikel bei Das Islam-Prinzip).
  9. Trefflich (Rezension zu CHARB bei Das Islam-Prinzip).
  10. Brief an die Heuchler – Und wie sie den Rassisten in die Hände spielen (Buch CHARB 2015).
  11. Missverstandene Religionsfreiheit (Artikel bei Das Islam-Prinzip).
  12. Link zum Originalartikel bei Das Islam-Prinzip.

Artikel von wissenbloggt:




Johann Wolfgang Goethe als Bundeskanzler!


jwg3
Norbert Walter-Borjans war inzwischen dran, ebenso wie Sahra Wagenknecht, Mesut Özil, Goofy und Otto Normalverbraucher. Und wieder war die wissenbloggt-Headhunter-Funktion fleißig. Als neusten Kandidaten fürs Bundeskanzleramt spürte sie eine ganz unwahrscheinliche Person auf, von deren Existenz die meisten nichts ahnen: Johann Wolfgang Goethe (Bild: Johann Wolfgang Goethe).

Hier ist nun nicht auf Kulturdefizite moderner Menschen abgehoben, die noch nie was vom ollen Goethe gehört haben, und die unter "Faust" nur Bumms! verstehen.

Nein. Johann Wolfgang Goethe lebt unter uns in einer sehr großen Multikulti-Provinzstadt mit sehr großen Ambitionen – die Ambitionen von JWG sind eher bescheiden. Soll er selber in indirekter Form zu Worte kommen:

Wenn man Johann Wolfgang Goethe heißt, kann man allerhand erleben. Zumal wenn man in der Nähe von Weimar aufwächst, um dann in der Nähe von Frankfurt die Kindheit zu verbringen. In beiden Goethestädten  lastet der Schatten des alten Dichters auf jedem, der es wagt, genauso wie er zu heißen.

Johann Wolfgang Goethe mußte Hohn und Spott ertragen, und er wurde wegen seines Namens verlacht und verprügelt. Ihm wurde die Schule zur Strafanstalt, und er konnte sein Glück nur im häuslichen Bereich finden. So richtig uferte es im Goethe-Jahr 1999 aus. Da lebte JWG in Berlin, wo er dem Medienrummel schutzlos ausgesetzt war.

Der neue JWG stand sein Leben lang im Schatten des alten JWGs, bis hin zu dem Punkt, wo er an seiner Existenzberechtigung zweifeln mußte. Sich durchzukämpfen und darüber nicht den Humor zu verlieren, war keine kleine Aufgabe. Aber Johann Wolfgang Goethe kann die Dinge mit einem Augenzwinkern nehmen und den Gegebenheiten die gute Seite abgewinnen – selbst wenn sie gar keine haben.

Lebenstüchtigkeit hat er mit dem alten JWG gemeinsam, der über die große Stadt dergestalt sprach: Es lebt aber, wie ich an allem merke, in Berlin ein so verwegener Menschenschlag beisammen, daß man mit der Delikatesse nicht weit reicht, sondern daß man Haare auf den Zähnen haben und mitunter etwas grob sein muß, um sich über Wasser zu halten. Dabei hat er die moderne Berliner Parallelwelt gar nicht gekannt, und die Regierungsbänkler & anderen Insassen des Reichstags auch nicht (der Reichstag wurde erst 50 Jahre nach seinem Tod gebaut).

Was qualifiziert unseren JWG nun zum Kanzler? Der alte JWG hätte das gewuppt, keine Frage, auch wenn er sich zuweilen bizarr und metapherös ausdrückte. Und der neue JWG? Der hat auch den richtigen Wupp-Ansatz.

Nicht nur, dass er über branchenfremde Qualitäten wie Rechtschaffenheit & Redlichkeit verfügt, und über sehr viel Empathie für die Unterdrückten. JWG hat einen klaren Blick aufs Polit-Spektakel, und zwar von unten, aus der Sicht des Kleinen Manns.

Da darf er sich zurecht belogen und betrogen fühlen, wenn er die gefakedte Arbeitslosen-Statistik sieht oder die Altersarmut in Deutschland. JWG kann Erfahrungen mit dem Euro vorweisen: Die Mieten sind heute 1:1 in €, was sie früher in DM waren (jedenfalls bei ihm), während die Renten der 2:1-Umtauschregel DM:€ folgten und sich halbiert haben (nach Abzügen für Krankenkasse und Pflegeversicherung usw.).

… und der Mann wäre bereit, den Job zu übernehmen …

Können wir es uns leisten, diese Chance zu verpassen? Mit JWG als Kanzler wäre Schluss mit Daherreden und Dummschwätzen. Dann würde eine soziale Politik in die Tat umgesetzt werden. JWG verspricht: Ich würde meine Versprechen an den Menschen auch einhalten.

Wäre das nicht ein enormer Fortschritt gegenüber Wir schaffen das (= ihr bezahlt und ich merkele weiter)? Versprechen nicht nur geben, sondern auch einhalten, das wäre der erste Schritt gegen die Politikverdrossenheit. Du kannst wählen, wen du willst, es wird sich nichts ändern? Die können machen, was sie wollen?

Genau dagegen sollten wir wählen. JWG als Bundeskanzler!

 

Die wissenbloggt-Auswahl der humoristischen und ernstgemeinten Polit-Artikel:




"Bullshit-Bingo": eine Entschleierung ging in die Hose


jeans-785990_1281Der Begriff Bullshit-Bingo steht im weiteren Sinn für Pfuscherei mit Schlagworten. Wenn die Worte zum Migrations-Politjargon gehören, und wenn ihre Bedeutung einer Entschleierung unterzogen werden soll, kann das in die Hose gehen (Bild: myMuzick & Hans, pixabay, Kombination von wb).

Eigentlich sollte es ja ganz anders kommen – Auslöser war das Schlagwort "linksgrün", das ganz unterschiedliche Interpretationen erfährt, je nachdem.

Wie der geneigte Leser in den Kommentaren zum Jahrhundertprojekt Umsiedlung verfolgen kann, gibt es da keinen Konsens. Der Kommentator Frank sagt: "rechtsextremistisch", Eckhardt meint: "das Wort erklärt nichts", und der wb-Schreibknecht Wilfried hält es für ein akzeptables Kürzel von SPD, Linke+Grüne.

Dahinter steckt ein Problem. Wenn das Wort von den Rechtsextremisten benutzt wird, in dem Sinne "Alles 'Grünlinke' heißt 'nicht-AfD'", spielt man ihnen dann in die Hände, wenn man "linksgrün" oder "grünlinks" sagt? Das ist praktisch die Frage nach der Deutungshoheit. Wer bestimmt, was die Schlagworte bedeuten?

Zu dem Thema hat sich die Zeit vorgewagt mit einem Wörterbuch der Verschleierung (1.), in dem die Autoren die "gängigsten Begriffe und Formulierungen sammeln und die politischen Interessen dahinter offenlegen" möchten. Auch wenn das Projekt unter "subjektives Glossar" läuft, stößt es auf einiges Kontra in den fast 500 Leserkommentaren. Die Zustimmung steht weit hinter der Ablehnung zurück.

Ein besonders klarsichtiger Forist fasst das Grundproblem in die Argumentation, dass manche der "Kampfbegriffe" den Sachverhalt zwar verrissen, überzogen und unangemessen darstellten, dass sie aber doch auf einem realen Problem beruhten. Das Problem könne in der Realität viel kleiner sein als dargestellt. Aber wenn man so täte, als gäbe es das Problem gar nicht, sei das wiederum auch undifferenziert und führe eher zu einem Aufschaukeln der Diskussion als zu einer Lösungsfindung.

Dieses Argument kommt vielfach mit anderen Worten, auch mit der Bekräftigung, dass diese Begriffe meistens nur haften blieben, wenn sie zumindest einen Splitter Wahrheit beinhalten. Dazu kommt noch die Frage, wenn nicht diese Begriffe, welche dann? Oder ist es überhaupt nicht stubenrein, über sowas zu reden?

Generell wäre das die Kritik vom "Strohmannangriff" auf die Leute, die solche Begriffe verwenden – das sei eher ein Versuch, faktenbasierte Kritik am Asylsystem mundtot zu machen. Ebenso kritisch ist die Wertung, da werde letztlich bei jedem Begriff ein missbräuchliches Framing unterstellt, gleichzeitig aber die eigene Deutung als Fakt hingestellt.

Nun ja, die Deutungshoheit liegt bei den Gutmenschen, oder ist dieser Begriff auch tabu? Eine Auswahl der Begriffe zeigt auf, wie konträr die Einschätzungen sein können. Der erste Teil (bis Asyltourismus) basiert auf dem Zeit-Artikel, der zweite auf den Foren und anderen Quellen. Besonders manipulative "Entschleierungen" sind mit * markiert:

"Kampfbegriff" "Gutmenschen" "Schlechtmenschen"
Flüchtlingsansturm, Flüchtlingsstrom Soll Angst vor Flüchtlingen schüren und von ihren Schicksalen ablenken. Die Opfer werden zu Tätern umgedeutet, die eine Gefahr darstellen. Videos von Flüchtlingsströmen gibt's viele, von Ceuta und Calais gibt's auch Videos, die einen Ansturm zeigen.
Überfremdung Schürt die Angst. Die Angst ist real und muss von der Politik respektiert werden.
Masseneinwanderung Suggeriert, diese Einwanderung geschähe ohne Kontrolle und ohne Steuerung.* Dagegen gab es viel Einspruch, denn wo sind denn Kontrolle und Steuerung?
Grenzöffnung Der Begriff verdrehe die Tatsachen, die Grenzen waren offen und wurden nur nicht geschlossen.* Fake, offen doch nur für EU-Mitglieder.
Rechtsbruch Es gab keinen.* Doch, die Grenzöffnung hätte vom Bundestag abgesegnet werden müssen. Auch Pässe wegschmeißen und übers Alter lügen sind Rechtsbrüche.
Außengrenzen schützen So werden aus Opfern sprachlich Täter gemacht, vor denen man sich schützen müsse. Das Wort "Grenzschutz" ist nun mal etabliert.
Aufnahmezentrum,
Ankerzentrum,
Willkommenszentrum
Diese Zentren sind Lager, niemand soll aufgenommen oder willkommengeheißen werden – es sind Abschiebegefängnisse. Die Bezeichnung Lager Friedland war damals kein Problem.
Asylkritiker Verharmlost und verschleiert Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt.* Wie sonst soll jemand genannt werden, der die Handhabung unseres Asylsystems kritisiert?
Asylindustrie Verunglimpfung der Helfer, damit ließe sich eher wenig Geld verdienen. Geschäftemacherei ist real: In Hotels, Heimen und Aufnahmezentren rollt der Rubel, viele neue Jobs für Sozialberufe.
Asylbetrug Das gäbe es nicht, der Begriff stelle das Asylrecht insgesamt infrage "da generell betrogen werde."* Das gibt es, und das zu sagen muss erlaubt sein.
Integrationsverweigerer Einseitige Anpassung sei gefordert. Ist nicht so, wäre aber unser gutes Recht bei nicht Anerkannten.
Obergrenze Verbietet sich schon aus ethischen Erwägungen (besonders sophistische Argumentation).* Ist für Immigranten völlig legitim, eigentlich selbstverständlich.
Sicherer Herkunftsstaat Sicher sind nicht mal alle europäischen Herkunftsstaaten. Aber Touristen und heimaturlaubende Asylanten können überall hin.
Subsidiärer Schutz Statt echter Hilfe nur Menschlichkeit auf Zeit.* Aller Schutz ist nur auf Zeit. Und die Subsidiären sind Abgelehnte.
Asyltourismus Oxymoron, also ein Widerspruch in sich. Stimmt eh nicht, weil Touristen selber bezahlen und wieder heimfahren. 2erlei Maß:

Wenn die Leute nur zum Gucken herkommen, muss sich alles an den Etabliertenrechten ausrichten.

Wenn sie zum Dableiben kommen, haben die Etabliertenrechte zurückzustehen, sonst ist es Fremdenfeindlichkeit.

Abschiebung ist Mord!   Falscher Hype.
Seenotrettung (impliziert Einwanderung in EU) Missbrauch, wenn die Seenot absichtlich herbeigeführt wird.
no borders!   Extremposition von SPD, Linken und Grünen.
Rechtsradikale, Fremdemhasser, Nazis   Diffamierung normaler Menschen, die für Grenzkontrolle, Durchführung der Abschiebungen und Seenotrettung mit Rücktransport sind.
Fachkräfte   Hat nicht gestimmt.
Buntheit   Meist Männer, und die Frauen verschleiert.
Bereicherung   Eher Rückschritt.
menschenverachtend   Alle, die nicht für das ungerechte, inhumane no-borders-Hilfsmodell sind.
Rechtsverschiebung   Es ist eine Rückkehr zur Normalität. Die Abkehr von einem massiven Linksruck als Rechtsruck zu bezeichnen ist sprachliche Manipulation.

Auffällig bei den Kommentaren zu dieser Sprachzensur und -sophistik ist das juristische Hickhack, ob dies oder jenes legal sei. Meist geht dabei unter, dass es nicht wirklich um die Buchstaben des Gesetzes geht, sondern um das, was der Souverän will. Die Gesetze müssen sich dem allmählich anpassen. Einige Passagen stammen aus Zeiten, wo das neue Migrationsgeschehen nicht absehbar war. Die müssen upgedated werden. Allerdings führt der Weg in die Irre, den die UN mit ihrem Flüchtlingspakt (wb-Link Umsiedlung) beschreiten wollen:

  • Alle Migranten gleichstellen, unabhängig vom Migrationsgrund,
  • und eine dauerhafte Umsiedlungspolitik von Afrika nach Europa.

Interessanterweise wird von den Gutmenschen sofort unterstellt, dass Begriffe wie "Umsiedlung" aus dem Schlechtmenschen-Vokabular stammen. Dem ist nun nicht mehr so, das stammt aus einem Bericht vom EU-Parlament (wb-Link Umsiedlung) und dürfte noch Furore machen, wenn es allgemein bekannt wird.

Zwei Dinge sind nachzutragen: Die Fülle der Manipulationsmöglichkeiten, die es im Sprachraum gibt, und die z.B. von der Werbeindustrie ständig ausgeschöpft wird. Und die aktuelle Stimmungslage der deutschen Allgemeinheit. Dazu gibt es eine Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov (2.). Das Ergebnis stützt die Schlechtmenschen: 62% der deutschen Befragten sind der Meinung, dass Deutschland bei der Aufnahme von Einwanderern weit mehr in der Verantwortung steht als eigentlich angemessen, nur 13% fanden es ok.

Tja, das war wohl nix. Das Entschleierungs-Projekt brachte keine konstruktiven Ansätze, es zeigte viel Anmaßung und brachte wenig Zustimmung. Die Meinungsumfrage zeigte ein ähnlich geringes Maß an Zustimmung – das ging voll in die Hose.

 

Medien-Links:

  1. Das Wörterbuch der Verschleierung (Zeit Online 13.7., 480 Kommentare): Die Autoren sammeln in diesem subjektiven Glossar die gängigsten Begriffe und Formulierungen und versuchen, die politischen Interessen dahinter offenzulegen.
  2. Einwanderungspolitik in Europa: Besonders Briten sehen ihr Land in der Verantwortung (YouGov 7/18): In Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Schweden sind die Mehrheit der Befragten der Meinung, dass Einwanderungspolitik ihres Landes zu nachlässig ist. In Deutschland (72 Prozent) und Schweden (64 Prozent) ist diese Meinung besonders ausgeprägt.

Links von wissenbloggt:




Der schlimmste Feind des Linken ist der andere Linke


ogre-296718_1280


Eigentlich sollte es bei wissenbloggt erst einen Artikel zur neuen Sammelbewegung #aufstehen (vormals #fairland) geben, wenn Substanz gezeigt wird. Aber der aktuelle Medienhype verlangt nach Kommentierung: ein Verriss nach dem anderen, Schelte für Wagenknecht aus allen Ecken und Winkeln (Bild: Clker-Free-Vector-Images, pixabay).

Und das sind die linken Winkel, aus denen es keift und kollert (5., 6.). Die Mainstream-Medien verhalten sich eher neutral (3., 4.). Immerhin werden schon 36.000 Anmeldungen für die Sammelbewegung angesagt (4.). Anmelden kann man sich in der (weitgehend inhaltslosen) Homepage (1.). Ein bisschen Inhalt gibt's in einem NDS-Interview (2.), in einem NWZ-Artikel (7.) und in den wb-Artikeln zu Wagenknecht/#fairland/#aufstehen.

Abgesehen vom Schmäh der linken Besserwisser, was lässt sich schon über die Sammelbewegung #aufstehen sagen?

  • Einmal, dass der Bedarf gegeben ist, siehe 36.000 Anmeldungen.
  • Und dass es die Linke wieder mal schafft, sich selbst zu zerfleischen.

Irgendwie sind die anderen Linken der schlimmste Feind für die Linken. Kann man mit dieser Linken Staat machen? Sahra Wagenknecht versucht es, aber leicht wird das wohl nicht. Die Kommentatoren in den Zeit-Foren (3., 4.) bringen buntgemischte Punkte, die hier beispielhaft inhaltlich wiedergegeben werden:

  • Kaum zeigt sich eine linke Aktivität, schon distanziert sich die Prominenz aller Parteien aus dem linken Spektrum. Das war erwartbar, aber die Argumente sind lächerlich: Wagenknecht sei eine notorische Separatistin mit Egoproblemen, oder es gäbe schon eine linke Sammelbewegung, nämlich die SPD.
  • Endlich mal frischer Wind im bräsigen Politikbetrieb.
  • Das wievielte Mal muss sich die SED umbenennen und "re-branding" betreiben, um sich wieder politisch Leben einzuhauchen?
  • Es wird Zeit, wieder zu entdecken, was "Demokratie" eigentlich bedeutet.
  • Heute steht  "links" für eine satte, selbstgefällige "Linksschickeria". Die propagiert eine dogmatische Massenzuwanderungsideologie, "Postnationalismus" mit autophoben Tendenzen, proislamische Unterwürfigkeit und übersteigerte Vertretung minoriter Partikularinteressen. Diese Haltung zeigt Die Linke ebenso wie Die Grünen, die SPD und mittlerweile auch Teile der CDU.
  • 36.000 Anmeldungen: Toll für eine Website, welche Null inhaltliche Informationen bietet, außer dass man schon mal Mitglied werden soll.
  • Diesen Zusammenschluss gab es schon einmal – nannte sich SED, Sozialistische Einheitspartei Deutschlands.
  • Die AfD ist nicht mehr alternativlos.
  • Bald hat jeder Linke seine eigene Partei.
  • Es wird Zeit, dass sich die wenigen echten Linken der Republik zusammenschmeißen und endlich wieder eine sozialdemokratrische Politik etablieren.

Zum Abschluss sei auf einen Kommentar eingegangen, der bei #aufstehen die Umgehung lästiger basisdemokratischer Vorgaben wie bei der Parteigründung beklagt – ja nun, linke Basisdemokratie ist aber wirklich schrecklich.

aufstehenHier sei noch auf den bemerkenswerten Artikel bei atheisten-info.at verwiesen (8.), in dem Zitate von Wagenknecht und Lafontaine sowie Gegenzitate gebracht werden, z.B. "Im Vergleich zu dieser 'Bewegung' sind alle unsere traditionellen Parteien ein Gottesgeschenk." Kommentar atheisten-info.at: Das zeigt wohl deutlich, dass Anhänger der Gottesgeschenkparteien das Aufstehen von Sahra Wagenknecht fürchten. Weil wenn von links versucht wird, Politik zu machen, die bisher nirgendwo mehr gemacht wird und die bei vielen Menschen populär sein könnte, dann ist Feuer am Dach!

 

Medien-Links:

  1. #aufstehen (Die Site mit Beitrittsmöglichkeit, Temperaturangabe und Personality, sonst weitgehend inhaltslos).
  2. #aufstehen – die Sammlungsbewegung geht an den Start. Fragen an Sahra Wagenknecht (NachDenkSeiten 3.8.): Jeder, der sich auf unserer Webseite registriert, wird damit Teil der Bewegung. Er wird automatisch sowohl unsere vielfältigen Online-Inhalte erhalten als auch über Aktionen vor Ort informiert. Wir hoffen, dass wir sehr viele Mitstreiter gewinnen werden, denn nur dann wird unsere Bewegung ausreichend Druck entfalten können, um die Politik in diesem Land zu verändern.
  3. Sahra Wagenknecht startet ihre Sammlungsbewegung im Netz (Zeit Online 4.8., 700 Kommentare): Seit Monaten propagiert die Linken-Fraktionschefin ihre Idee einer außerparlamentarischen Bewegung. Nun ist sie online, als Website.
  4. Oskar Lafontaine: 36.000 Anmeldungen für Sammlungsbewegung #aufstehen (Zeit Online 6.8., 500 Kommentare): Ein politisches Programm hat die Sammlungsbewegung von Sahra Wagenknecht noch nicht, aber eine Website. Dort seien schon Tausende Anmeldungen eingegangen, sagt ihr Mann.
  5. DIGITAL AUFGEFÜHRTER RÜCKSCHRITT VOM BESTEHENDEN (scharf links 6.8.): Realistischer bleibt bei all dem, dass das Projekt #aufstehen schnell in der Versenkung verschwindet.
  6. Sahra Wagenknechts Kopfgeburt (scharf links 6.8.): Wenn ich aber allein an die Einlassungen von Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht zu europapolitischen Fragen denke, dann sehe ich allerdings schwarz dafür, dass 'aufstehen' zu einem Sammelbecken wird für das, was noch an 'gesellschaftlicher linke' vorhanden ist.
  7. Gastbeitrag Von Sahra Wagenknecht Und Bernd Stegemann – Aufstehen für ein gerechtes Land (Nordwest-Zeitung 7.8.): Die politisch sinnvolle Grenze verläuft nicht zwischen den Ressentiments der AfD und der allgemeinen Moral einer grenzenlosen Willkommenskultur. Eine realistische linke Politik lehnt beide Maximalforderungen gleichermaßen ab.
  8. Aufstehen! (atheisten-info.at 8.8.): So heißt die Sammelbewegung von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine, die am 4.9.2018 in Betrieb gehen soll, online ist sie schon.

Links von wissenbloggt:

 




® Finger hoch!


fidesignate-427537_1280niekverlaan1fidesignate-427537_1280niekverlaan2 Unsere Seite dient der Information ohne Belehrung, und sie verzichtet deshalb auf erhobene Finger aller Art (Bilder: niekverlaan, pixabay). Interessant ist aber die Bedeutung der Finger. Außer dem Daumen sind sie ja ziemlich ähnlich, nur die Bedeutung ist immer eine andere. Sogar von Land zu Land kann die Bedeutung wechseln. Hier kaprizieren wir uns auf den deutschen Usus (Bild: geralt, pixabay):

fiview-1782619_1280geralt

  • der erhobene Zeigefinger bedeutet Achtung, Belehrung, Drohung, er fihand-1701983_1280HNDPTESBC trägt auch den Namen Dudu-Finger. Vermutlich hat das was mit dem Tabu zu tun, dass die Menschen sich nicht mit den Augen fixieren, denn der deutende Finger ist eine Verstärkung davon. Das ist ein Fingerzeig, den man eher vermeidet, wenn's denn geht (Bild: HNDPTESBC, pixabay).
  • der erhobene Mittelfinger ist noch mehr zu vermeiden, weil er fiflip-the-bird-1606881_1280reidy68als Stinkefinger angesehen wird. Der Legende nach kommt das von der ehemaligen ärztlichen Praxis, mit dem Mittelfinger zu sondieren. Muss aber heute nicht mehr sein (das Bild von reidy68, pixabay, ist mit eingebauter Zensur).
  • der erhobene Ringfinger ist nicht so klar zugeordnet. Angeblichfihand-1006423_1280Bru-nO hat er ein wenig vom Mittelfinger geerbt, als der Mittelfinger schon stinkig war und die Ärzteschaft auswich. Kann aber auch heißen, schau her, ich bin verheiratet / nicht verheiratet (im englischsprachigen Raum nimmt man die Linke dafür. Weil die wenigsten Menschen den Ringfinger alleine hochbringen, hier das Schwurhand-Bild von Bru-nO, pixabay).
  • der kleine Finger wird selten erhoben. Im Aachener Raum soll das fihand-629479_1280LJ-ein Gruß sein, sonst ist es eher von unklarer Bedeutung. Spötter mögen sagen, der erhobene kleine Finger bedeutet vier Bier fürs Sägewerk, sofern die Hand sägetechnisch gestaltet ist (Bild: LJ-, pixabay).
  • bleibt der Daumen, den man im geschichtlichen Kontext mit Leben (Daumen hoch) oder Sterben (Daumen runter) verbindet. Was für die römischen Gladiatoren eine Frage von Sein oder Nichtsein war, hat sich jetzt zu einer Beifalls- bzw. Missfallenskundbebung abgeschwächt. Viele fihand-629482_1280LJ-Menschen gehen quasi mit erhobenem Daumen durchs Leben, die finden's in erster Näherung gut. Leute mit Daumen runter sind nicht so optimistisch eingestellt. Viele können auf Daumensignale verzichten, weil die Stellung der Mundwinkel die Anzeige übernimmt. Computertechnisch waren die Mundwinkel zuerst gefragt, durch die Emoticons :-) und :-( – und dann revolutionierte ein Programm namens Facebook das Tratschverhalten und nutzte dafür die Daumenanzeige (das nicht ganz authentische Bild ist von LJ-, pixabay).

fihand-2415036_1280PicLilyBleibt noch die Kombination der Finger. Da reicht es, die high five zu erwähnen, die ihren Weg aus dem Sport (z.B. Volleyball) in den allgemeinen Gebrauch fanden. Die fünf erhobenen Finger verlangen danach, abgeklatscht zu werden. Ohne Abklatschen ist heutzutage vieles kaum noch denkbar. Die Bedeutung ist so was wie ein Gruß und eine Stressbewältigung oder nur noch ein Manierismus (Bild: PicLily, pixabay).

Ifihand-2571553_1280SarahRichterArtm abgebildeten Fall kann es aber auch Winke-winke! heißen, oder Wegbleiben! oder eben, mir ist so zitterig. Wenn die high five nicht reichen, und es sollen high ten oder noch mehr sein, empfiehlt sich ein wenig Nachhilfe für die Natur. Im Bild von SarahRichterArt, pixabay, hat man es mit high twentyfive zu tun.

fipointing-finger-1922074_1280unclelktWen das betrifft? Immer den, der fragt. Im Bild von unclelkt, pixabay, zeigt der Zeigefinger noch mehr Action.

Versteht sich von selbst, dass die Parade der Fingerzeichen damit noch lange nicht am Ende ist. Rauf, runter, vorwärts, seitwärts. Einer, zwei, drei und mehr. Hochgehalten, seitwärtsgehalten, runtergehalten. Gerade, gekrümmt, über Kreuz und im Ring – man muss suchen, um bedeutungslose Fingerhaltungen zu finden.baby-788088_1280

Und damit sind die Fingerbewegungen noch nicht mal angesprochen. Die wechseln ihre Bedeutung besonders gern von Land zu Land. An den Kopf tippen mit dem Zeigefinger heißt schlau (Holland) oder doof (Deutschland). Mit der Hand auf und ab wedeln heißt herkommen (Südeuropa) oder wegbleiben (Deutschland). Nur in der Nase bohren heißt überall dasselbe. (Bild: ranjatm, pixabay; die Bedeutungen wurden u.a. bei wiki nachgeschaut.)

Nachtrag von berufener Seite: Im Spanischen nennt man Mittelfinger "dedo del corazón", d.h. Finger des Herzens. Und der Hinweis, dass die "Pommesgabel" fehlte, auch "Evil Hand" genannt (Bild: 3dman_eu, pixabay):fihand-1027356_12803dman_eu

(Dieser Artikel erschien zuerst am 13.10.13 und wurde am 3.8.18 überarbeitet und am 8.8.18 nochmal ergänzt.)

Links von wissenbloggt:




Was verkauft Facebook?


woman-3563720_1280fbNa klar, Facebook klaut unsere Daten, um sie dann zu verkaufen – so lautet die gängige Legende. Stimmt aber nicht so ganz, heißt es nun, und zwar begründet.

Hinweise darauf gab es schon in dem wb-google-fb-Artikel: Google und Facebook sind keine Werbekonzerne, sondern die weltweit größten Datendienstleister auf dem Gebiet personalisierter Informationen. Das taugt als Beschreibung vom Geschäft der "Datenkraken" fb, Google, Microsoft, Amazon, Apple (Bild: geralt, pixabay).

Ein weiteres Zitat aus dieser Quelle macht auf diese Tatsache aufmerksam: Wenn ein Service umsonst ist, ist man nicht dessen Kunde, sondern man ist das Produkt. Damit ist das eigentliche Thema erreicht, die Aufmerksamkeit.

Zero Hedge hat dazu einen Artikel übernommen und einige Leser-Kommentare beigesteuert (2.). Der eigentliche Artikel steht bei The Exponential View (1.). Dort hat man zusammen mit Qriously und Tremendo.us eine Infografik erarbeitet, welche die Funktionsweise von Facebook erklärt:

Facebook verkauft nicht Deine Daten, es verkauft Deine Aufmerksamkeit.

facebookgraphictremendous1 kOnkJ1K7Nh1a5DWLB0AsCgMedien-Links:

  1. Facebook's Attention Machine, Explained (The Exponential View, 27.7.): Facebook doesn't sell your data, ist sells your attention.
  2. Facebook's Attention Machine, Explained (Zero Hedge, 27.7., 41 Kommentare): Hoping to bring the machinery closer to you, we worked with Tremendo.us to illustrate the process. Understand it, share it, and educate others around you. Beipiel-Kommentare:

    • Oh, so now they're relabelling people's data with the label, attention.
    • They sell your data too. They sell your data and your attention. And they also rely on you to generate content for them, unpaid.
    • What was TV? Many analysts, pundits and the like said the same thing about TV, all during the Eighties and Nineties, lamenting the number of hours that children spent in front of TVs.
    • Facebook is an attention machine. It is a method of thought control. Has been from its very inception. It was tried on Ivy League guinea pigs and then expanded to everyone else. It is the ultimate surveillance tool. (Ivy League guinea pigs ist Slang für die "niedlichen" Studenten von Top-Unis wie Harvard, denen Zuckerberg mit seinem fb-Vorläufer neue Tratschmöglichkeiten eröffnete.)
    • Also, free cheese comes in mousetraps.

Links von wissenbloggt:

 




Die Hitze


fan-3163937_1280

Eigentlich versprachen uns die Klimapropheten keine direkte Deutschlanderwärmung. Es wurde sogar über eine Abkühlung per insuffizientem Golfstrom spekuliert, und ansonsten wurde zunehmende Action in der Atmosphäre prognosziert, mehr Regen, mehr Unwetter.

Aber jetzt herrscht Dürre in Deutschland, und heiß ist es auch noch (Bild: Alexas_Fotos, pixabay). Die Solarzellen müssen sich anstrengen, um das ganze Sonnenlicht zu verstromen. Alle Ventilatoren sind ausgebucht. Kein schneller Propeller ist arbeitslos. (Bild: stux, pixabay)ceiling-fan-571309_1280.

Viele Menschen gehen mit diesem Zustand um, indem sie in Urlaub fahren. Warum eigentlich? Der Urlaub kommt doch zu uns. Wem nun vor lauter Hitze ganz sommerlöcherig zumute wird, der hat das Wesentliche erfasst. Sommerloch heißt kein Polit-Hype heißt dolce far niente.

school-834486_1280In der Schule lernt man das süße Nichtstun als Hitzefrei kennen (Bild: stux, pixabay, Bearbeitung: wb).

Tja, was man vielen wünschen möchte, ist obendrein der Genuss ohne Transpiration. Na denn einen schönen Sommer und schön cool bleiben.

 

school-834486_1281

 

Links von wissenbloggt dazu:




Spielplan 1. Götterliga


kopfinsand Das Kotau-Bild von Zero Hedge zeigt vorbildliche Religionsausübung. Aber – hier ist das nicht erlaubt.
Es könnte ja das Spielfeld beschädigen. Wenn's um die erste Liga geht, gibt's kein Vertun; da könnte ja jeder kommen. Wohlan, die Rede ist von der 1. Götter- & Geisterliga.

Im Moment ist der Transfermarkt ziemlich leergefegt, deshalb findet man überall die gewohnten Mannschaftsaufstellungen. Viele G&G sind ohnehin Einzelkämpfer. In letzter Zeit ist auch nur der Allah punktemäßig aufgestiegen, ohne seinen dritten Platz verbessern zu können. Das aktuelle Bild der Top-Liga:

  1. Mammon
  2. Gott & Team (Jesus, hl. Geist, ½ Gottesmutter Maria)
  3. Allah
  4. Buddha
  5. Klima
  6. Kommunismus (Relegationsplatz)
  7. Zeus & Team (Abstiegsplatz)

Topscorer ist unangefochten wie immer Mammon. Der ist auf den Platz #1 abonniert und gibt ihn auch nicht ab. Das Bild zeigt seine ausgeklügelte Strategie: einfach mittendurch ins Zentrum. Den Platz kann ihm auch die ½ Maria nicht streitig machen, die nur so halb und halb ein Gott ist und sich zwischen Strafraum und Anstoßkreis bewegt.

Das Verfolgerduell zwischen Gott & Team sowie Allah spielt sich an der Grundlinie bzw. im Angriffsraum ab. Das Gewicht verschiebt sich zugunsten des letzteren – er braucht nur noch 50 Jahre für Platz zwei. Außer natürlich, einer von seinen Tempogegenstößen landet mal nicht im Abseits, oder er bekommt einen Freistoß oder gar einen Elfer.

Für Buddha sieht es nicht so gut aus. Genaugenommen ist er ja auch kein Gott, sondern nur ein Prophet. Egalement wird er an den Rand gedrängt durch die emporlodernde Anbetung des Klimas. Und das ist überall. Immerhin sind Bestrebungen im Gange, der ganzen Welt die rote Karte zu zeigen – und das bringt auch den Kommunismus in Bedrängnis.

rush-1335365_1281annca(Bild Gott, Jesus, Heiliger Geist, Jungfrau Maria so halb, Allah, Mammon, Buddha und Fußballplatz: Wikimedialimages, oscardavid19gt, TheDigitalArtist, Jo-B, werner22brigitte, geralt, bsansby und annca, alle pixabay, Bearbeitung wb).

Wenn der die Farbe Rot nicht mehr als Alleinstellungsmerkmal hat, was hat er dann noch? Kein Wunder, dass sich die Religion des K. auf dem Relegationsplatz herumdrückt. Im Plan ist er nicht mehr dargestellt. Böse Stimmen sprechen schon davon, dass es sich gar nicht um eine Religion handele, sondern bloß um eine Ideologie. Gibt's denn da einen Unterschied?

Das müsste der Zeus eigentlich wissen, der zusammen mit seinem Team immer noch gegen den Abstieg kämpft. Er hat ja die meisten Jahre auf dem Buckel und somit viel Erfahrung. Trotzdem ist seine Strategie auf dem Spielfeld genauso unsichtbar wie er selbst. Dem Kommunismus geht's genauso (alles grün) – und die Strategie vom Klima ist eben das (alles grün). 

Da braucht es keinen Videobeweis, um die Lage zu erfassen. Die Entglaubung schreitet voran. Man könnte von Theophagie oder Göttermampfen sprechen, so wie die Wolkenschieber sich den Ball abjagen. Der Ball, das ist die Wahrheit, die von allen Seiten mit Füßen getreten wird.

Wer vom Glauben zum Wissen konvertiert, der weiß: Es gibt nur eine wissenschaftliche Wahrheit und beliebig viele religiöse Wahrheiten, die sich alle widersprechen und deshalb Lügen sind. Und wenn der Mammon nicht so sehr mit der Wahrheit über Kreuz liegt, dann eben mit dem Ethos. Das wird dann um so mehr herumgestoßen. Zeit für den G&G-Schlusspfiff.

 

Mehr Humor und humoristische oder halbernste Götter-Links:

Seriöse Götter-Links von wissenbloggt:




Jahrhundertprojekt Umsiedlung: Was man an uns vorbei plant


access-933151_1280.jpgUm die Migration kümmern sich viele NGOs, aber auch viele staatliche und internationale Organisationen wie die EU-Asylagentur, das Europäische Parlament, die UN Refugee Agency und das UN Department of Economic and Social Affairs.

Letzteres erklärte Deutschland im Jahr 2000 für stark zuwanderungsbedürftig (9.). Das Schlagwort von der Replacement Migration (Bestanderhaltungsmigration) ist seither im Schwange.

Das liefert die Begründung für eine geplante Massenumsiedlung und eine damit einhergehende politische Machtergreifung (Bild: geralt, pixabay). Denn das Volk wurde nie gefragt, ob es das überhaupt will, dass Menschen aus fernen, rückständigen Regionen die Bevölkerungszahl hochhalten sollen. Warum sollten wir so viele bleiben, wenn Straßen, Krankenhäuser, Städte überfüllt sind, wenn immer mehr Land versiegelt wird und Grundstücke schier unbezahlbar werden? Warum sollten wir nicht gern weniger werden und die allfälligen Migrations-Subventionen lieber jungen Deutschen zugutekommen lassen, denen eine ausreichende Perspektive zur Familiengründung abgeht?

In der Folge gab es einen Aufschwung linksgrüner Extrempositionen in der Politik, die in offenen Grenzen resultierten, ja, in der Behauptung, Grenzen ließen sich gar nicht mehr schließen. Man müsse die Flüchtlinge samt und sonders aufnehmen. In den Worten der Migrationslobby: Ein Globaler Pakt zu sicherer, geordneter und regulärer Migration für dauerhafte unbegrenzte Migration (5.).

Was als "global compact on refugees" daherkommt (4.), ist allerdings Etikettenschwindel, Fake und Manipulation. Denn gemeint ist ein globaler Umsiedlungsmechanismus, der die Bevölkerung auf Dauer umsortieren soll ("Umsiedlungsmodell" im Bericht vom EU-Parlament 10. und "Ein ständiger und automatisierter Umsiedlungsmechanismus, ohne Schwellenwerte"). Nach dem Willen der Migrationslobby werden die Rechte der Migranten gestärkt und die Zielländer zur unbeschränkten Aufnahme verpflichtet (7.). Unausgesprochenermaßen steckt dahinter das Credo, Alle Menschen sind gleich und jeder soll überall hindürfen (3.).

Die Täuschung geht bei den "Flüchtlingen" los. Vor allem dank US-Politik gibt es sie bedauerlicherweise, aber das Etikett wird von Vorteilssuchern missbraucht. Die gezogene Konsequenz ist absurd: Denn nun wird gar nicht mehr unterschieden. Ausnahmslos allen Migranten soll bedingungslos geholfen werden, egal aus welchem Grund sie migrieren (12.).

Das soll also die neue Normalität werden. Europa und die westliche Welt müssen sich auf endlose Migrantenfluten einstellen. Das Dokument ist in Brüssel praktisch beschlossene Sache. Im Dezember soll es in Marokko endgültig verabschiedet werden.(4., 5., 6., 7., 8.).

Gemeinsam ist den Texten, dass es nur um die Versorgung und Aufnahme der Migranten aller Art geht. Migration zu vermeiden und gar nicht erst aufkommen zu lassen, ist nicht das Thema – es geht also voll am Willen der europäischen, nordamerikanischen und australischen Bevölkerungsmehrheit vorbei.

Die Einheimischen sind überhaupt nicht gefragt. Ihr Wille taucht im gesamten Textkonvolut von Replacement über Resettlement bis Flüchtlingspakt nicht auf. Es ist kein Thema, ob wir Millionen von bildungsfernen Menschen aus rückständigen Regionen aufnehmen wollen, ob wir dabei Anpassungsprobleme und Kapazitätsengpässe voraussehen; denn das unausgesprochene Dogma lautet, alle sind überall kompatibel und dürfen überall hin.

Über die Grenzen der Belastbarkeit wird nicht gesprochen (keine Deckelung), oder höchstens mal so nebenbei, und dann in obrigkeitlicher Weise (wenn ein "Schwellenwert" überschritten wird, wird woandershin umverteilt, 11.). Die Rede ist auch von einem auf der Größe der Bevölkerung und der Wirtschaft der Mitgliedstaaten basierenden "Referenzschlüssel" (10.). Den verordnet man uns genauso wie den Schwellenwert; es soll zentral gelenkt werden, gefragt werden wir nicht, nicht mal ein Vetorecht ist vorgesehen.

Bemerkenswert die dogmatische Attitüde. Gekleidet wird es in die Worte, die verletzlichen Menschen haben zunehmende Barrieren zu notwendigen Leistungen zu überwinden, und das verletzt ihre grundlegenden Menschenrechte. Staaten und NGOs sollen zusammenarbeiten, um das zu ändern (1.). Gemeint ist eigentlich, los Leute, gebt Geld, Arbeitsleistung und Besitzstände her, um beliebig vielen Migranten zu helfen. Kein Pieps dazu,

  • dass die zunehmenden Barrieren an zunehmenden Mirantenmengen liegen,
  • dass es sich um eine gewaltige Umverteilungs- und Umsiedlungsaktion handelt,
  • dass Hilfe für die Daheimbleibenden völlig außer Acht gelassen wird,
  • dass die Rechte der Einheimischen überhaupt nicht in der Agenda auftauchen,
  • dass sie noch nicht mal gefragt werden, ob sie ihre Errungenschaften mit allen Menschen der Welt teilen wollen.

So etwas wie Beschlussfassung, Abwägung, Prioritätensetzung im Einvernehmen mit dem demokratischen Souverän taucht in der Agenda nicht auf. Dieselbe Hau-Ruck-Vorgangsweise riss schon bei der Bankenkrise ein; da wurden hunderte von Mrd. "benötigt", und zack! wurden sie ohne Reflektion rausgehauen. Jetzt wird das "benötigt" noch nicht mal expressis verbis ausgesprochen, sondern implizit umgelegt auf die "verletzlichen Menschen" (von denen viele unglaublich robust sind), bei denen es "völlig unakzeptabel ist, ihnen den Zugang zu adäquater Ernährung, Gesundheitsversorgung und Rechtsberatung zu verweigern" (2.).

  • Dass sie selber oft die meiste Schuld an ihrer Lage haben, ist kein Thema.
  • Dass sie sich selber am besten helfen können, kein Thema.
  • Dass andere Formen der Hilfe 100* effizienter sind, kein Thema.
  • Dass auf diese Weise immer mehr zum Migrieren verlockt werden, kein Thema.

"Jeder hat das Recht, mit Respekt und Würde behandelt zu werden" (2.) – bloß nicht der Steuerzahler, über dessen Kopf hinweg die Umverteilung und Umsiedlung beschlossen wird. Das ausgesendete Signal ist zweifellos gut gemeint, aber es ist grundfalsch, vernunftwidrig und kontraproduktiv. Es ist nicht mal human, weil es die Zuhausebleibenden benachteiligt:

  • Die, die losziehen, sollen unabhängig von Gründen, Fähigkeiten und Einstellungen willkommen sein und ihr Glück machen.

Das Signal das gebraucht wird, ist ein ganz anderes:

  • Die, die dableiben und ihr Land aufbauen und wenig Kinder kriegen, sollen ihr Glück machen.


Medien-Links zur Immigrationslobby:

  1. New Walled Order: How barriers to basic services turn migration into a humanitarian crisis (International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies 7/18):

    • While there is room for disagreement about migration policy, there is no policy goal that can ever justify the suffering of vulnerable people, including migrants.
    • Around the world, migrants, especially irregular migrants, face increasing barriers to essential services that are critical to their survival and basic dignity. These include health care, shelter, food and legal assistance.
    • There are a range of factors that prevent this access, from the overt – such as outright exclusions– to the subtle – fear of arrest, detention and deportation, prohibitively high service costs, and language issues.
    • Limiting or preventing access to basic services disregards the basic human rights that all people have, including migrants. Migration can be managed more effectively when we do not compromise the safety and dignity of vulnerable people. States and humanitarian actors should work together to ensure access to essential services for all vulnerable migrants.
    • The Global Compact for Migration is a chance to ensure that all people migrating, regardless of their status, have access to the humanitarian assistance they need. States can adopt a range of measures to achieve this, including building “firewalls” between immigration enforcement and public services.
  2. Restrictive immigration policies creating a “new walled order”, says IFRC report (International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies 10.7.): “All people, regardless of immigration status, should have access to basic services and humanitarian assistance. There is no need to mistreat people to have proper border control.  Preventing access to adequate food, basic health care, and legal advice about their rights is completely unacceptable. Everyone has the right to be treated with dignity and respect.”
  3. Resettlement (The UN Refugee Agency): Neben Asyl, das nur einem Bruchteil von Flüchtlingen gewährt wird, bietet die dauerhafte Neuansiedlung in einem zur Aufnahme bereiten Drittland (Resettlement), eine Chance sich ein neues Leben in Frieden und Sicherheit aufzubauen.
  4. GLOBAL COMPACT FOR SAFE, ORDERLY AND REGULAR MIGRATION (UN, ZERO DRAFT 5.2.): We, the Heads of State and Government and High Representatives, meeting in Morocco on 10-11 December 2018, recalling the New York Declaration for Refugees and Migrants and determined to make an important contribution to enhanced cooperation on international migration in all its dimensions, have adopted this Global Compact for Safe, Orderly and Regular Migration.
  5. Auf dem Weg zum globalen Pakt für Flüchtlinge (UNHCR Deutschland 2018): Am 19. September 2016 verabschiedeten die 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die New Yorker Erklärung für Flüchtlinge und Migranten, um die Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf große Flucht- und Migrationsbewegungen zu verbessern. Sie bekräftigten darin ihre Verpflichtung, die Menschenrechte der Flüchtlinge und Migranten im vollen Umfang zu respektieren und sagten robuste Unterstützung für Länder zu, die von großen Fluchtbewegungen betroffen sind.
  6. Towards a global compact on refugees: a roadmap (UNCHR 17.5.17): The New York Declaration and the envisaged global compact on refugees represent a  remarkable  commitment  to  international  cooperation  to  share  responsibilities  more equitably and in a more predictable manner in the face of large movements of refugees and protracted refugee situations. UNHCR looks forward to working with Member States and other relevant stakeholders to transform these important commitments into action, for the benefit of refugees and the countries and communities that host them.
  7. Der umfassende Rahmenplan für Flüchtlingshilfemaßnahmen (CRRF) (UNHCR Deutschland 2018): Die Kernidee dieses neuen Ansatzes ist, dass Flüchtlinge von Anfang an in die Aufnahmegemeinschaften eingebunden werden. Wenn sie Zugang zu Bildung und zum Arbeitsmarkt haben, können sie Fähigkeiten einbringen, neue erwerben und so eigenständig zu der lokalen Wirtschaft beitragen. Flüchtlingen zu ermöglichen von staatlichen Leistungen zu profitieren und sie in nationale Entwicklungspläne zu integrieren, ist sowohl für Flüchtlinge selbst als auch für die Aufnahmegemeinde von entscheidender Bedeutung. Dies geht einher mit dem Ziel der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, die fordert, die Schwächsten und Verwundbarsten in den Mittelpunkt zu rücken und niemanden zurückzulassen (“leave no one behind”).
  8. Maßnahmenprogramm ‚programme of action‘ (noch kein Link) das auf bewährte Praktiken aus der ganzen Welt zurückgreift und konkrete Handlungsweisen festlegt, die von den UN-Mitgliedsstaaten und anderen Ländern zur Umsetzung der Prinzipien aus der New Yorker Erklärung ergriffen werden müssen.
  9. BESTANDSERHALTUNGSMIGRATION: EINE LÖSUNG FÜR ABNEHMENDE UND ALTERNDE BEVÖLKERUNGEN? (UN Department of Economic and Social Affairs 2001, deutsche Zusammenfassung). Diese Lösung sieht so aus: Im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungsgröße bräuchten Italien und Deutschland die höchste Anzahl von Einwanderern, um den Bestand ihrer Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter zu erhalten. Italien benötigte jährlich 6.500 Zuwanderer pro 1 Million Einwohner und Deutschland 6.000 (entsprechend 492.000 Immigranten pro Jahr). Die Vereinigten Staaten benötigten die geringste Zahl – jährlich 1.300 Zuwanderer pro 1 Million Einwohner.
  10. Bericht über den Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Europäisches Parlament 6.11.17): Nach dem von der Berichterstatterin vorgeschlagenen Umsiedlungsmodell sollen Antragsteller die Möglichkeit haben, nicht nur einzeln, sondern auch in Gruppen in Mitgliedstaaten umgesiedelt zu werden; allerdings wäre damit nicht das Recht verbunden, das Ziel frei zu wählen, und es wäre, soweit dies möglich ist, klar abgegrenzt von dem Fall von Familienangehörigen, die stets demselben Mitgliedstaat zugewiesen werden sollen. … (32)  Bei dem Korrekturmechanismus für die Zuweisung sollte ein auf der Größe der Bevölkerung und der Wirtschaft der Mitgliedstaaten basierender Referenzschlüssel als Bezugspunkt verwendet werden, damit durch den Mechanismus eine gerechte Aufteilung der Verantwortung durch die Mitgliedstaaten sichergestellt werden kann. Die Anwendung des Zuweisungsmechanismus sollte dauerhaft und automatisch erfolgen, wenn ein zuständiger Mitgliedstaat auf der Grundlage der Kriterien der Kapitel III und IV nicht ermittelt werden konnte. … Ein ständiger und automatisierter Umsiedlungsmechanismus, ohne Schwellenwerte
  11. Europäische Kommission – Pressemitteilung – Eine faire und nachhaltige gemeinsame Asylpolitik verwirklichen (European Commission 4.5.16): ... So wird automatisch festgestellt, wenn das Asylbewerberaufkommen in einzelnen Ländern gemessen an ihrer Größe und ihrem relativen Wohlstand unverhältnismäßige Ausmaße annimmt. Steigt das Asylbewerberaufkommen auf das Anderthalbfache eines auf dieser Grundlage berechneten Schwellenwerts, werden alle weiteren neuen Asylbewerber (ungeachtet ihrer Staatsangehörigkeit) nach einer Prüfung ihres Antrags auf Zulässigkeit auf die übrigen EU-Mitgliedstaaten verteilt, bis das Asylbewerberaufkommen wieder unter den betreffenden Schwellenwert sinkt.
  12. New York Declaration for Refugees and Migrants (UNHCR the UN Refugee Agency 2016): The New York Declaration reaffirms the importance of the international refugee regime and contains a wide range of commitments by Member States to strengthen and enhance mechanisms to protect people on the move. It has paved the way for the adoption of two new global compacts in 2018: a global compact on refugees and a global compact for safe, orderly and regular migration.

Links von wissenbloggt:

 




Rezension des Buches „Sigmund Freud: Leben und Sterben“ von Max Schur von Frank Sacco


41EbYoZyvBL._SX303_BO1,204,203,200_

Frank Sacco, Doktor der Medizin, hat es mit Freud, wie die Zahl seiner Freud-Artikel beweist. Jetzt kommt eine Rezension dazu, von einem Buch, das Max Schur, der Leibarzt Sigmund Freuds, über selbigen schrieb.

Schon ein Weilchen her, aber das Thema ist ein Dauerbrenner. Es geht wieder um religiös induzierte Schuldgefühle und die zugehörige Androhung ewiger Folter – immer noch Hits im Wertekatalog der Kirchen.

Rezension Max Schur: „Sigmund Freud“  von Frank Sacco

Freud schrieb, die Angst vor dem Tod, „unter deren Herrschaft wir häufiger stehen, als wir wissen, sei gewöhnlich das Ergebnis eines Schuldgefühls (Quelle Max Schur, Sigmund Freud, S. 357). Deuten kann man den Satz nur so, dass die Angst vor dem irdischen Tod den Eintritt in ein Jenseits bedeutet, in dem diese „Schuld“ bestraft wird. Eine (verständliche) Angst vor einem qualvollen Sterben äußert Freud ja nicht. Ab dem Tod fühlt man sich dem schlimmsten aller Götter ausgeliefert, dem Christengott. Die vom „Katholiken“ Freud angenommene Schuld war gar keine. Es war lediglich eine Sünde. Er selbst brachte sein zur  Ohnmacht führendes Panikgefühl 1912  in München (irrtümlich) mit infantilen Konflikten „um den  Tod seines jüngeren Bruders Julius“ in Zusammenhang. Hier theoretisierte Freud natürlich, denn als Erwachsener kann man sich an keine Schuldgefühle erinnern, denen man als Einjähriger unterlegen sein mag. Freud meinte, er habe damals seinem Brüderchen den Tod gewünscht. Für einen Einjährigen ist das keine Schuld. Es ist aber eine schwere „Sünde“. Die Hölle ist nicht für kinderfrei erklärt. Der Geistliche regiert mit diesem selbst erfundenen Begriff „Sünde“ die Welt, so Nietzsche. Und er macht sie krank. Diese Welt.

Freud weist in „Das Ich und das Es“ auf die „große Bedeutung des Schuldgefühls (eigentlich also eines Sündengefühls) für die Neurosen“ hin. Die neurotische Angst erfahre „in schweren Fällen eine Verstärkung der Angstentwicklung zwischen Ich und Über-Ich (Kastrations-, Gewissens-, Todesangst)“. Die Todesangst sei etwas, das „sich zwischen Ich und Über-Ich abspielt“.  Das Ich fühle sich durch das Über-Ich „gehasst und verfolgt, anstatt geliebt“. Unbewusst fühlte sich Freud von seinem Kindheits-Überich gehasst, hatte er ja seine beiden Kindheitsgötter umgebracht. Bewusst war sie ihm aber nicht,  seine „Sünde“ des doppelten Gottesmordes. In gut einer Stunde hätte ich Freud von seiner Panikstörung geheilt. So aber muss Freud die Kirchen  und ihre erfundenen Götter  hofieren, denn das Maß seiner „Sünden“ sah sein Unbewusstes als übervoll an. Freud sah in psychischen Erkrankungen ursächlich einen Kind – Eltern – und nicht, wie des richtig ist, einen Gläubiger – Gott – Konflikt. Die Götter hätten drei Aufgaben, so Freud:  1. Die „Schrecken der Natur zu bannen, 2. mit der „Grausamkeit des Schicksals, besonders wie es sich im Tode zeigt, zu versöhnen“ 3. „und für die Leiden und Entbehrungen zu entschädigen“…

Über die Grausamkeit der Götter, dieser überaus einträglichen Erfindung der Geistlichkeit, lässt sich Freud nicht aus. Im Gegenteil. Er zeigt sich kirchenverliebt. Doch hinter dieser Verliebtheit steckt seine Angst. Seine Gottangst. Auf die Frage, was religiösen Lehren ihre Kraft verleihe, äußert der Analytiker, sie erfüllten, wenn gleich sie Illusion seien,  die „ältesten, stärksten, dringendsten Wünsche der Menschheit“. Nicht etwa, wie ich es behaupte, sei deren Androhung ewiger Folter die Grundlage ihrer Macht, nein, die Wunscherfüllung sei das „Geheimnis ihrer Stärke“. Freud: „Durch das gütige Walten der göttlichen Vorsehung wird die Angst vor den Gefahren des Lebens beschwichtigt.“ Es bedeute eine „großartige Erleichterung der Einzelpsyche, da Konflikte der Kinderzeit ihr abgenommen  und einer von allen angenommenen Lösung zugeführt werden“. Es sei daher aussichtslos, einem  Gläubigen durch Argumente den Glauben nehmen zu wollen.  „Gelänge es aber bei einigen, so wäre es eine Grausamkeit“, meint Freud.

Doch damit irrt Freud. Er führt mit diesem Irrtum die Psychiatrie in die einhundertjährige Sackgasse. Nicht wegen des lockenden Zuckerbrotes der Religionen, dem Paradies, sondern wegen ihrer Peitsche, ihrer Androhung ewiger Folter in einer sog. Hölle müssen wir den Patienten ihren Glauben nehmen. Für unsere Sacco-Kranken ist es diese Androhung ewiger Feuerfolter, die ihr Leiden bedingt. Die streng Gläubigen dagegen gehen in ein Gefängnis anderer Art: Sie finden nur Seelenfrieden durch eine vollständig zustimmende Unterwerfung unter jedes noch so verbrecherische Kirchendogma, „Bibel-Gottes“ Holocaust Sintflut eingeschlossen.

Doch manchmal klingt bei Freud dann doch noch Kirchenkritisches an, so in Mose Teil III. Mit den Kirchen habe man sich ja „vertragen“. Doch man werde sich den „stärksten Unwillen“ des  neuen Feindes (hier meint er sicher den Nationalsozialismus) zuziehen,  wenn die Analytik „zu dem Ergebnis führt, dass die Religion auf eine Menschheitsneurose reduziert und ihre großartige Macht“ darin gründe. Er spricht hier die damalige Allianz Kirche – Hitler an, die sich sehr eindrucksvoll aus dem  Buch „Gott segne den Führer“ vom Druffel-Verlag ergibt. Es sei „nicht Feigheit, sondern Vorsicht“, nicht die „Feindschaft der Kirche“ zu erwecken. Doch nun ist der Nationalsozialismus längst vorbei.  Und immer noch nicht können die Nachfolger Freuds handfeste Kritik an ihrem  größten Arbeitgeber, den Kirchen, aufbringen und ihn wegen seiner Androhung ewiger Folter Kindern gegenüber als Verursacher der meisten psychischen Erkrankungen identifizieren. Es ist keine Feigheit, sich gegen den schlimmsten aller „Götter“ zu stellen, aber es ist Angst. Es ist die größte Angst des Menschen. Und die ist so ziemlich kollektiv. Ich schrieb ein Buch darüber.

Den Vorwurf, sich mit den Kirchen „vertragen“ zu haben, muss man Freud allerdings ebenso wie der heutigen Psychiatrie machen. Denn dieser Feind unserer Kinder outet sich bis heute als kriminelle und terroristische Vereinigung, zu der es null Toleranz geben darf. Der ehemalige Chef der EKD, Bischof Nikolaus Schneider, droht unseren Kindern schriftlich bei entsprechenden Sünden ein ewiges „Feuer Jesu“ an. An anderer Stelle (Der Spiegel, 43/2014) gibt er zu, solcherlei Angstmacherei sei ein „Geschäft“ der Kirchen. Es ist illegal, dieses Geschäft. Es ist das mieseste Geschäft dieser Erde.

 

Max Schur, „Sigmund Freud: Leben und Sterben“ (suhrkamp taschenbuch, antiquarisch bei Amazon) Taschenbuch – 3. April 1982

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

Weitere Artikel von Frank Sacco




Otto Normalverbraucher als Bundeskanzler!


man-3150610_1280Nach Norbert Walter-Borjans, Sahra Wagenknecht, Mesut Özil und Goofy wurde die Headhunter-Funktion von wissenbloggt. wieder fündig. Der neuste Kandidat fürs Bundeskanzleramt ist der, der das alles bezahlt: Otto Normalverbraucher (Bild: mohamed_hassan, pixabay).

Der "Normalverbraucher" war einst eine niedrige Kategorie der Lebensmittelkarten (im Gegensatz zu den "Schwerstarbeiter-Zusatzlebensmittelkarten"). Er ist also kein Künstlername vom "Normal-Verb-Raucher".

In Deutschland sind auch "Hinz und Kunz" als Sammelbezeichnung gebräuchlich, und in der weiblichen Form "Renate Mustermann" oder "Lieschen Müller". Auf englisch (USA oder GB) sind es "John Doe" oder "Tom, Dick and Harry". Die Franzosen haben "Pierre, Paul et Jacques", oder gleich "n'importe qui" (wurscht wer).

Hans, Thomas, Richard, Harald, Peter, Paul und wieder Hans – einen Otto haben nur wir. Der passt genau ins Beuteschema für Persönlichkeiten, die den Fachkräftemangel ganz oben beheben könnten – um so mehr sollten wir ihn schätzen. Das geht gleich los mit einem Interview, das gefaked ist und dem Kandidaten alles in den Mund legt. Der wissenbloggt-Schreibknecht Wilfried Müller (W), spricht auf Phantasiebasis mit Otto Normalverbraucher (O):

W: Hallo Otto. Wie ist die werte Befindlichkeit?

O: Schlecht.

W: Warum schlecht?

O: Soll das 'ne rhetorische Frage sein?

W: Na, dann gib halt 'ne rhetorische Antwort.

O: Dementsprechend.

W: Stimmt, das ist das gegenwärtige Alleswort.

O: Aber ich bin geteilter Meinung.

W: Das ist auch gut. Das kratzt am Verarschungsmonopol.

O: An der Pappnasenpolitik.

W: Da sind wir ja schon beim Thema. Woher, wohin, weshalb?

O: Also da soll man sich keine falschen Illusionen machen.

W: Völlig richtig und sehr staatsmännisch. So ein fundiertes Statement ist eine Wohltat bei all der Empörungsbewirtschaftung.

O: Man muss abwarten, bis einer auf Sockenschussweite dran ist, und dann …

W: Abwarten, ja? Tickack-Taktik? Interessant. Eigentlich ist das eine weibliche Politik, so scheibchenweise.

O: Putensalami-Taktik.

W: Äh ja, da hat vielleicht der Correctnesstrainer versagt …

O: Keine Umstände wegen diesen verschnepften Tussen, diesen Quotenfräuleins.

W: Äh, da sind wir aber gar zu toleranzig.

O: So ist das, wenn man die intellektuelle Problemzone umdribbelt.

W: Sehr richtig. Aber jetzt zur Kernfrage: WAS IST EIN WORT MIT 3 BUCHSTABEN, WELCHES HAT JEDOCH 7 UND TROTZDEM 8. ABER NUR 4 UND IMMER HAT DANN DOCH 5.

O: Äh? Ich war immer schlecht in Mathe.

W: Weiß ich. Mach halt mal Hokus pokus erfindibus, oder willst Du als Otto Normalversager dastehen?

O: Nun ist aber gut, Du Popovioline (Otto gebraucht ein gleichbedeutendes Wort).

W: Fragen wir mal so, was hast Du denn gewählt?

O: Erinner mich bloß nicht dadran. Wählen, igitt.

W: Ich sing Dir mal was: Wähle 333 auf dem Telefon, wähle 333 und Du hast mich schon.

O: Moment, das muss ich mir aufschreiben. Wie war nochmal die Nummer?

 

Mehr Humor und die Auswahl der humoristischen Polit-Artikel:

Auflösung:

WAS IST EIN WORT MIT 3 BUCHSTABEN, WELCHES HAT JEDOCH 7
123                                                       1234567
UND TROTZDEM 8. ABER NUR 4 UND IMMER HAT DANN DOCH 5.
        12345678      1234                  12345

 




Robotergesetze in der Diskussion


robot-3263267_1280

Schon seit gefühlt ewigen Zeiten geistern Robotergesetze durch die Science Fiction. Da geht es um die Pflichten des Roboters; zuvörderst darf er Menschheit und Menschen nicht schädigen, er muss den Menschen gehorchen, und mit letzter Priorität  muss sich selbst schützen. So dachte es sich der Biochemiker und Science-Fiction-Autor Isaac Asimov aus (Bild: annemazo, pixabay, verändert).

Seither sind mehr als 75 Jahre vergangen, und die Gesetze sind wieder in die Diskussion geraten (1., 2.). Nicht unbedingt das Original, aber ein zeitgemäßes Update. Dabei steht und fällt die Argumentation mit der Persönlichkeit des Roboters – hat er eine, oder hat er keine? (3. und wb-Links).

Um das Thema von hinten aufzudröseln, kommt erstmal der Verweis auf die heftige Action, die auf dem Gebiet herrscht. Nur ein Link als Beispiel (4.), der zeigen soll, die Granden der modernen Computerwelt sind alle am Thema dran. Wer sich die Medienberichte anschaut, findet Roboter-Artikel zuhauf, fast alles in englisch. Stichwortartig, was die werten Blechkollegen alles leisten (die Links listet ein späterer wissenbloggt-Artikel):

  • Börsengeschäfte automatisch durchführen,
  • generating sports reports,
  • Zeitungsartikel generieren,
  • drones soon to decide who to kill,
  • predict death,
  • driverless cars, trucks, delivery vehicles,
  • robot baristas,
  • burger-flipping robots,
  • AI doctors (AI = Artificial Intelligence = KI = Künstliche Intelligenz)
  • robot lawyers,
  • sex dolls.

Das ist nur ein Ausschnitt von den Themen, aber es gibt einen deutlichen Hinweis darauf, wie weitverzweigt die Aktivitäten schon sind. Man kann es nicht ignorieren. Ein Wort von Stuart Russell dazu: If a superior alien civilization sent us a text message saying, “We’ll arrive in a few decades,” would we just reply, “OK, call us when you get here — we’ll leave the lights on”? Probably not — but this is more or less what is happening with AI (5.). Diese Diskussion aus dem Independent ("AI ist hochgefährlich") stammt von 2014 und wurde auch da schon gekontert: "Technologie hat uns hierher gebracht, und nur Technologie kann uns retten. Kein Weg führt zurück" (6.).

Na denn. Der Weg ist gepflastert mit guten Absichten, und damit sind die Robotergesetze wieder im Visier. Die Initiative des Europäischen Parlaments mit den "electronic persons" ist schon in den wb-Links kritisch abgehandelt, insbesondere im Hinblick auf das fehlende Bewusstsein der Blechkameraden. Ein Eigenzitat aus dem dort verlinkten wb-Philosophie-Artikel:

Wenn man maschinelle Persönlichkeiten schützt, dann schützt man was, was man selber einstellt (im Sinne von justieren).

Damit ist die Argumentation der "electronic persons" schnellstens ad absurdum geführt. Deshalb entbehren auch die Robotergesetze der Grundlage. Ohne Bewusstsein (und Entscheidungsfreiheit usw.) keine Persönlichkkeit, ohne Persönlichkeit keine Verantwortlichkeit.

Und ohne Verantwortlichkeit muss jemand anders für die Einhaltung der Gesetze sorgen. Das ist die notwendige Konsequenz davon, dass Roboter beliebig von außen manipulierbar sind und stets irgendwelche andere Software draufgespielt kriegen können.

Die KI-Enquete vom Deutschen Bundestag (1.) kann da nix dran ändern, auch wenn über einen japanischen Roboter berichtet wird, der sich bei einer Wahl aufstellen ließ und mit 4.000 Stimmen Dritter wurde. Auch dass die Digitalisierung immer mehr Bereiche erfasst, ändert nix. Die Vision vom "neutralen Computer", die auch in den wb-Politik-Artikeln ausgemalt wird, geht nicht wirklich von unabhängigen Robotern aus. Dahinter stecken immer Menschen, die steuern, regeln, konfigurieren und programmieren. Dort sind die wesentlichen Einflüsse zu suchen, nicht bei dem Automaten, der das dann neutral exekutiert – darüber sollte man sich keiner Täuschung hingeben.

Aber welche Gesetze sollte man dem System einprogrammieren? Darüber lohnt sich eine Diskussion. Frei nach dem European: Wer entscheidet über die Prinzipien, Grundsätze, Entscheidungsverfahren der künstlichen Intelligenz, der Maschinen und der Roboter?

Ganz richtig werden die Vorgaben – für Robotergesetze wie wie für die deutsche Leitkultur – als Sammelsurium von Regeln und Erwartungen bezeichnet. Man weiß nichts genaueres über das Zustandekommen der letzteren. Deshalb sollte man sie bei ersteren besser und transparenter gestalten. Ob so eine Aufgabe bei den Bundestags-Leuten in guten Händen ist (Argumentation wb)?

Die sind immerhin stark christlich indoktriniert und bestehen aus üppigen Kontingenten von Lehrern und Juristen. Ob die wohl eine Vorstellung davon haben, wie KI-basierte Entscheidungen zustandekommen? Der vorige Bundestag hat sich gegen Sterbehilfe ausgesprochen, und der jetzige will Verantwortung und Haftungsfragen beim Einsatz von KI diskutieren? Auf Basis 1890 oder 1910?

Süffisant endet der Artikel: Irgendwann, wenn eine KI Amok läuft, werde es eventuell von Bedeutung sein, was sich die Enquete-Kommission überlegte, wer da verantwortlich sei und wie das Problem zu beheben und der Schaden zu ersetzen sei – natürlich nur, wenn am Ende überhaupt jemand übrigbleibt.

Zum Abschluss eine flapsige Bemerkung aus den Zeit-Online-Foren, die den Blechnagel auf den Kopf trifft: "Wir sollten gegen die grenzenlose Zuwanderung von Robotern was tun."

 

(Der Autor ist PC-Pionier und Computerspezialist.)

Medien-Links:

  1. Kommen jetzt die neuen Robotergesetze? (The European 30.7.): Die drei Robotergesetze kennt fast jeder. Oder hat wenigstens schon davon gehört. Leider hat ihr Schöpfer nicht gesagt, wie solche Vorgaben verbindlich zu machen sind. Inzwischen streben laut European Roboter nach politischen Ämtern und treffen für Menschen Entscheidungen. Gültige Robotergesetze gebe es aber immer noch nicht.
  2. Enquete-Kommission zur künst­lichen Intelligenz eingesetzt (Deutscher Bundestag 28.6.): Der Bundestag hat … eine Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche Potenziale“ eingesetzt (Parteistandpunkte aufgeführt).
  3. Sind Roboter Rechtspersonen? (The European 8.6.): Eine „elektronische Persönlichkeit“ für autonome Systeme ist abzulehnen. Rechtsprechung und Rechtslehre sind in der Lage, mithilfe funktionaler Gesetzesinterpretation den Großteil der bestehenden Verantwortungslücken schließen.
  4. Mark Zuckerberg, Elon Musk and the Feud Over Killer Robots (New York Times 9.6.): As the tech moguls disagree over the risks presented by something that doesn’t exist yet, all of Silicon Valley is learning about unintended consequences of A.I.
  5. Stephen Hawking: 'Transcendence looks at the implications of artificial intelligence – but are we taking AI seriously enough?' (The Independent 1.5.14): Success in creating AI would be the biggest event in human history. Unfortunately, it might also be the last, unless we learn how to avoid the risks, says a group of leading scientists.
  6. Response to Hawking: AI Helps Us Understand a World We Endangered (Linkedin 6.5.14): The physicists and computer scientists who co-authored an article in the British newspaper The Independent raised the specter of superintelligent machines. Those machines, they wrote, may spin out of control one day, evolving without human intervention to become more powerful than, and uncaring toward, their creators.

Links von wissenbloggt zu Sex & Robotern:




Goofy als Bundeskanzler!


goofy-dancingIrgendwann muss es doch mal klappen, dass ein wissenbloggt-Vorschlag angenommen wird!? Nach Norbert Walter-Borjans, Sahra Wagenknecht und Mesut Özil kommt nun ein notorischer Kandidat fürs Bundeskanzleramt dran, ein Kandidat, der Haltung zeigt: Goofy (alle Bilder: Disneyclips.com).

Goofy, das kommt von to goof, vermasseln, vermurxen, patzen, und ein Goof ist ein Dummkopf, Doofie, Tolpatsch. Goofy ist der ultimative Goof, 1932 von Art Babbitt für die Walt Disney Company als Dippy Dawg erdacht (verdrehter Hund). Sein Emporkommen wird goofy6auch Floyd Gottfredson zugeschrieben. 1939 ist dann das eigentliche Geburtsjahr, als die Figur in Goofy umbenannt wurde. Später gab's dann noch eine Metamorphose zum Supergoof – hervorragende Qualifikation demnach für das neu zu besetzende Amt.

goofyshy2

Man stelle sich vor, wie supergut ein Bundeskanzler Goofy bei gewissen amerikanischen Regierungschefs ankommen würde … Die Freude, die damit verbreitet würde … Wo doch Lachen so gesund ist … Keiner muss sich mehr dämlich vorkommen, wenn sich jemand anders für ihn aufs Glatteis begibt …

goofy_skates

Davon könnte nicht nur die deutsche Politik profitieren, sondern auch die europäische und die internationale. Die eminenten Großpolitiker bekommen kongeniale Verstärkung, die ihnen neue Wege erschließt.

Und endlich steht Goofy drauf, wo Goofy drinsteckt. Das ist Transparenz und Bürgernähe. Das ist politische Reflektion auf angemessener intellektueller Ebene.

goofn3clipgoofysoccer4Auch ist der sportliche Faktor nicht zu unterschätzen. Darin werden die Vorzüge des Kandidaten Özil mit denen der anderen vereinigt. Das sollte bei den kanzleramtlichen Überlegungen berücksichtigt werden.

Mehr Humor und die Auswahl der humoristischen Polit-Artikel:

clipgoofyslip




® Zwischen Scharia und Demokratie


coexist-1211709_1280Bei der Islamkritik wird gern das mittelalterliche Scharia-System der modernen Demokratie gegenübergestellt. Wer sich vom Christentum emanzipiert hat, der findet die rückschrittlichen Aspekte der Religion beim Islam noch stärker ausgeprägt (Bild: GDJ, pixabay).

Für Menschen, die selbstbestimmt leben wollen oder auch nur einer anderen Religion anhängen möchten, ist das unerträglich. Der islamische Freiheitsbegriff unterscheidet sich zu stark von dem der Menschenrechte, er ist ganz anders und ganz unzeitgemäß.

Er geht noch auf die Epochen zurück, wo die ganze Sippe zusammenhalten musste, um zu überleben. Persönliche Freiheit und Selbstverwirklichung sind dann ein Vergehen gegen den Gemeinschaftsgeist. Wenn jeder in der ihm zugewiesenen Rolle funktionieren muss, ansonsten droht allen der Untergang, gelten andere Prioritäten. Unter solchen Umständen ist es verständlich, wenn persönliche Freiheit beim Islam ein Schimpfwort ist.

Die Umstände sind jetzt aber anders. Wo die Moderne herrscht und materielle Freiheit gebracht hat, sind die Zeiten von Not und Elend vorbei. Damit ist in unserer Kultur die ideelle Freiheit für alle möglich geworden – selbstbestimmtes Leben gegenüber der Fremdbestimmung in früheren Kulturen. Zugleich hat das die Auflösung der alten Bindungsstrukturen mit sich gebracht. Die Sippe muss nicht mehr zusammenhalten und kann trotzdem leicht überleben. Man muss sich jetzt seine Beziehungen selber gestalten.

Viele Menschen in unserer Kultur kommen damit nicht zurecht. Auch außerhalb der Altersheime sind viele Menschen ungeliebt. Liebe ist eine Hochleistungsangelegenheit mit vielfachen Optionen geworden. Was bleibt, ist der Bindungsverlust, der die Menschen in die Arme von Esoterik oder Religion treibt.

Beim Islam steht schlicht die Familie im Vordergrund; dadurch ist für Bindungen gesorgt. Die christliche Religion inszeniert die Gläubigkeit gern als eine Art Liebesbeziehung zu ihrem vermeintlichen Gott, und für viele funktioniert das auch.

"Lieber so eine Beziehung als gar keine."

Der Humanismus kann das nicht kompensieren, weil er keine Liebesversprechungen abgeben kann. Und mit vernünftigen Argumenten braucht man nicht gegen Liebesdinge anzugehen.

Insofern hat die Religion selbst in der urtümlichen islamischen Fasson einen Vorteil gegenüber unserer kalten, modernen und demokratischen Welt. Aber nicht nur das – funktioniert sie denn, unsere Demokratie? Vom Volk gewählt, bestimmen die Parlamentarier eine Regierung, die vom Volkeswillen beseelt Gutes für uns tut? Nun ja, es hat eher den Anschein, als seien die Euro-Politiker von der Bankenlobby beseelt, um Gutes für die Banken zu tun. An den Parlamenten geht das so schnell vorbei, dass man dort mit dem Abnicken kaum hinterherkommt. Das Abnicken geht synchron durch alle Parteien durch, und falls mal welche den Kopf schütteln wollen, kriegen sie Druck.

Was ist dadran besser als an einer paternalistischen Gesellschaft voll Nepotismus und Korruption? Bei der weiß man wenigstens, wer am meisten kassiert. Das ist ehrlicher als Rettungsrabulistik und Geldschwemmenpropaganda, und am Ende kriegen das Geld doch die Banken. Wenn man sich die Beträge anschaut, um die es dabei geht, muss man sich fragen, ob diese zivilisierte Form des Ausraubens wirklich eine positive Errungenschaft ist.

Womöglich wär's besser wenn sie's mit Gewalt täten. Da würden alle sagen, he, Moment mal, das könnt ihr mit uns nicht machen. Aber wenn es heißt EFSF, ESM, OMT, PSPP, SMP, ANFA, EFSI, TLTRO, SBBS, T2, EBA, ELA, versteht man am Ende nur noch LMA.

Der Systemvergleich entartete Demokratie vs. Scharia fällt gar nicht so überzeugend aus. Mit den Bindungsproblemen zurechtzukommen, ist schon schwer genug, aber mit LMA? Wir erleben eine umfassende Machtverschiebung von demokratischen Institutionen hin zu nichtdemokratischen, gefolgt von umfassenden Kapitalverschiebungen hin zur Finanzwirtschaft. Weil das so teuer ist, dass es unsere materielle Freiheit noch auf Generationen hinaus bedroht, und weil so viele Elemente der Blindgläubigkeit hineinspielen, sollte das noch einige aufklärerische Berichte wert sein.

Dies ist beileibe kein Plädoyer für die Scharia, sondern dafür, dass Humanisten und sonstige Durchblicker ein Mindestmaß an Wissen über die aktuellen Finanzdinge kultivieren. Wer einfach nur sagt, das ist mir zu kompliziert, der hat zwar recht, aber er liegt trotzdem falsch: um viele Tausend Euros.

 

(Dieser Artikel erschien zuerst am 29.7.13 und wurde am 28.7.18 überarbeitet und ergänzt.)




Die Sultan*ine und die Özilanten


hand-1006417_1280Das Handzeichen heißt Fabia oder R4bia und ist das Erkennungszeichen der Muslimbrüderschaft (Bild: Bru-nO, pixabay). Und welcher Muslimbruder reckt gar zu gern die vier Finger zu diesem muslimischen Helau? Das ist der selbstgebackene Sultan von Erdoganistan. Pardon, es muss Sultan*ine heißen, damit alles seine political correctness hat.

Auch für den Typus der Özils soll political correctness walten. Deshalb Özilanten, weil sie wahrscheinlich nur noch als Asylanten nach Deutschland reinkommen – das hebt ganz nebenbei ab auf die Willkommens-, nein, Helau-Politik.

Grundlage ist natürlich der Größenwahn. Der hat ja nicht nur die Sultan*ine befallen, sondern auch die deutsche Politik des Wir-retten-die-Welt. Helaumäßig umschrieben: Wolle mer se reinlasse? Jaaaaaa!

Keine Konjunktur für die Sultan*ine

Der Sultan*inen-Größenwahn äußert sich auch äußerlich, wenn man's tautologisch ausdrücken darf. Die Sultan*ine hat sich einen Präsidentenpalast aus 1001 Nacht gebaut, mit 1001 Zimmern, oder waren's nur 1000? Egal drum, jetzt warten alle auf das passende Outfit. Das erdoganesische Prunk-Kostüm mit Kaffeewärmer auf dem Kopf – auf dass der Jeck als solcher sichtbar werde.

Was Deutschland die Närrinnen und Narrhalesen sind, sind übersetzt die Sultan*inen und Sulthalesen. So wird auch die erdoganesische Lieblings-Geste verständlich, das vierfingrige muslimbrüderliche Helau. Doch da muss man aufpassen.

Das ist der sanfte Dschihad, die leise Revolution. In der Türkei erfüllt sich gerade der Traum der Muslimbruderschaft. Die selbsternannte Sultan*ine räumt mit demokratischen Gepflogenheiten und wirtschaftlicher Verlässlichkeit auf. Schlecht für die Konjunktur, und für die Säkularität. Der Gottesstaat pocht an die Tür – und in Deutschland auch.

Da läuft ein unausgesprochener Deal zwischen der Sultan*ine und ihren Sendboten. Wer nach Europa gebracht wird, soll Loyalität beweisen. Wie der Islam nach erdoganesischer Façon die Türkei unterwirft, so soll er Europa infiltrieren. Die Islamverbreiter sind nicht nur Ditib-Imame mit ihren Koranschulen, sondern auch Internet-Medien der Muslimbrüder und sonstige indoktrinierte Spaßvögel (und die Saudis mischen auch mit). Unter Immigranten und der deutsch-türkischen Bevölkerung gibt es immer mehr fundamentalistisch Orientierte, die fünfmal am Tag beten und im Ramadan fasten – Halleluja!! Äh nein, Hamdulillah. Oder gleich Helau.

Dazu kommt die Heimatverbundenheit der Deutsch-Türken, wobei die Heimat für fast 2/3 Türkei heißt und für 1/3 Deutschland. Das ist selbstverständlich nicht als solches zu kritisieren, wie sich auch der Schmäh in diesen Zeilen nicht gegen Kulturmuslime oder integrierte Türkischstämmige richtet.

Es scheint bloß so zu sein, dass die Sultan*ine die Türkeiliebe als Machtfaktor sieht, als Aufforderung, sich einzumischen, als Basis zur Übernahme Europas. Es gab bereits harsche Töne bis hin zu Drohungen mit dem Jihad, falls sich Europa der fortschreitenden Islamisierung verweigere. Das ist das typische Verhalten zurückgebliebener reaktionärer Machos mit ihren Forderungen nach Unterwerfung.

Pädagogisch Geschulten ist klar, dass man so jemand nicht mit Schwäche kommen darf. Da muss man Power zeigen. Wenn man solchen Leuten nicht auf die Finger klopft und sie in die Schranken weist, werden sie immer frecher.

Deshalb päppelt die deutsche Politik die Sultan*ine auch mit Milliarden – Moment, hier ist ein Bruch in der Logik. Nix päppeln. Die Bundespolitik müsste massiv werden, um die türkischen Konflikte aus Deutschland rauszuhalten. Sie müsste die Ditib-Imame rausschmeißen, die ja immerhin Angestellte der Sultan*ine sind und deren Lied singen.

Aber die Bundespolitik müsste so allerhand … Gerade jetzt sind viele Leute erschrocken darüber, dass sich ein internationaler Mensch wie Özil mit einer Hinterwäldler-Sultan*ine wie Erdogan gemein machen kann. D.h., zumindest in diesem Fall wirkt die erdoganesische Indoktrinierung und Infiltration.

Keine Konjunktur für die Özilanten

Was steckt noch dahinter? Dazu muss man sich anschauen, welche Punkte machen einen Fußballer beliebt oder unbeliebt?

+ er ist vor allem dann gut wenn er gewinnt,
+ er ist ein internationaler Erfolgsmensch und Star,
er ist religiös und betet freiwillig,
er ist Erdogan-Fan.

Das ++ überwiegt das – –. Wenn der Fußballer allerdings nicht mehr gewinnt, geht das erste + flöten und das 2. + wird zum ± oder gar zum . Die Bilanz heißt dann nicht mehr ++– –, sondern –±– –. Das ist ganz was anderes. Das bedeutet Kritik statt Konjunktur.

Tja, dann schneidet der DFB-Sponsor Mercedes Özil eben aus seinen Werbespots heraus. Obwohl der Mann nach Mekka gepilgert ist, und da sitzen viele Mercedes-Kunden. Aber nein, er hat die deutsche Nationalhymne nicht mitgesungen. Nicht mal gebrummt. So jemand kann nicht für Mercedes werben.

Wenn er nun für die Türkei spielt, wetten, dass er dann die türkische Nationalhymne mitsingt? Und wer weiß, was die Sultan*ine ihm dann noch abküsst? Jener Augenküsser, oder war's der Hühneraugenküsser? Unappetitlich jedenfalls. Das ist nicht die deutsche Kultur, aber von der wenden sich die Özilanten ja ganz bewusst ab. Wo sie sich doch erster Linie als Türken fühlen, nein, nicht als Türken, als Erdogan-Fans.

Was für den Özilanten gilt, gilt auch für den fundamentalistisch indoktrinierten Öztürk Normalverbraucher. Gern folgt er des Diktators Wunsch, nicht 3 Kinder zu kriegen, sondern 5, und sich nicht zu integrieren und erst recht nicht zu assimilieren. Praktisch eine Umkehrung vom Rassismus: Aus einer Kultur der reaktionären Einstellungen, der rückständigen Traditionen, der antiemanzipatorischen Normen und der autoritären Denk- und Handlungsmuster heraus für sich selber Anerkennung und Respekt fordern, ohne selbiges der freiheitlichen deutschen Kultur entgegenzubringen.

Diese Denke ist obendrein eine Respektlosigkeit gegenüber den Opfern des Kurden-Killers, des Journalisten-Schänders, des Freiheits-Räubers, des Macht-Missbrauchers. All das vereinigt sich ja in der Sultan*ine von Erdoganistan. Na denn Helau (Bild: niekverlaan, pixabay, umgedreht).

thumb-422558_1280

Mehr Humor und die Auswahl der humoristischen Polit-Artikel:

Türkische Links von wissenbloggt:




Pseudowissenschaftliche Journale lächerlich gemacht


getmeoff4

Wie kommt das Klopapier von BartuLenka, pixabay, in den wissenschaftlichen Rahmen von David Mazières und Eddie Kohler (Get me off your fucking mailing list)?

Das hängt tatsächlich zusammen, und ein konzeptueller Penis gerät auch noch ins Spiel. Letzterer zuletzt, erstmal sollen Klorolle und Mailing-List ihren Auftritt auf der Bühne der Wissenschaft bekommen.

Dazu verhilft der Klorolle ein Artikel aus The Conversation (1.): Der Psychologie-Dozent Gary Lewis vom Royal-Holloway-College der University of London bekam ein Fake-Paper veröffentlicht – des Inhalts, wie sich Großbritanniens Politiker den Hintern abwischen.

Politiker der Rechten würden die linke Hand nehmen, Politiker der Linken wischen sich mit rechts hinten ab. Lächerlich? Gewiss, aber die Frage war, würde irgendein wissenschaftliches Journal das publizieren? Schließlich ist die Rede von den “predatory journals”, die sich einen seriösen Anschein geben, aber Artikel ungeprüft veröffentlichen (2.). So werden sie zu einer Plage der Wissenschaft.

Angesichts der Psychologie der unbewussten gesellschaftlichen Beeinflussung (unconscious social priming) stellte Lewis die Spekulation in den Raum, das könnte ja auch für die Gesäße der Politiker gelten. Und tatsächlich konnte er mit ein paar gefakedten Nachforschungen bei den Politikern “Boris Johnski”, “Teresa Maybe” und “Nigel F. ‘Arage” punkten. Achteinhalb Probanden reichten, und sie wischten sich alle über kreuz mit ihrer Politik ab.

Solche Kunde musste publiziert werden, und Crimson Publishers taten es (3.). Das gefakedte Manuskript wurde durch einen gefakedten peer reviewer angereichert, und gegen Zahlung von 581$ sollte es publiziert werden. Lewis drückte den Preis noch auf 99$, und dann erschien sein Artikel. Als Autor firmierte ein "Gerry Jay Louis" vom “Institute of Interdisciplinary Political and Fecal Science”.

Institut für interdisziplinäre Politische und Fäkal-Wissenschaft – wenn das jemand gelesen hätte, wäre der Artikel nicht erschienen. Lewis zitiert genüsslich den hehren Anspruch an peer review, den der Verlag herausstellt ("wichtigstes Instrument zur Qualitätssicherung, das neue Forschungsergebnisse analysiert, validiert und integriert"). Man lässt das peer review anscheinend vom Praktikanten oder vom Büroboten machen, wenn überhaupt (wb).

Bedenklich ist, dass derartig geführte Magazine auch klimaskeptische Artikel bringen und so die wissenschaftliche Klima-Debatte (oder andere) verfälschen. Damit werden sogar renommierte Wissenschaftler reingelegt (Fachwort scam = Betrug). Lewis' Fazit: Man braucht nicht unbedingt einen Doktortitel oder überhaupt irgendwelche Expertise, um einen wissenschaftlichen Artikel publiziert zu kriegen.

Einen Beweis dafür liefert ein anderer Fake-Artikel, der nur aus dem 1000-fach wiederholten Satz Get me off your fucking mailing list besteht. Die Informatiker David Mazières und Eddie Kohler waren genervt von täglich 10 Anfragen der predatory journals. Davon inspiriert, verfertigten sie ihren "wissenschaftlichen" Text, der auch beim International Journal of Advanced Computer Technology als exzellent akzeptiert wurde (aber nicht veröffentlicht, weil die Gebühr von 150$ nicht bezahlt wurde). Der Text ist wirklich zum Kreischen, weil er auch die wissenschaftlichen Publikations-Gebräuche karikiert (4.).

Und der konzeptuelle Penis? Es ist auch zum Kreischen, wie der die Genderei auf die Schippe nimmt (5.). Der Artikel ist mindestens genauso lächerlich wie der Klorollen-Artikel, das wissenschaftliche Bramabasieren ist eher noch schöner. Ein Teil davon übersetzt (6., Bild: Meditations, pixabay, und David Mazières und Eddie Kohler):getmeoff0

"Penisse mögen anatomisch existieren, aber weil unoperierte Transgender-Frauen ebenfalls anatomische Penisse haben, ist die Gegenüberstellung Penis – Männlichkeit ein inkohärentes Konstrukt. Die Forscher argumentieren, dass der konzeptuelle Penis nicht als anatomisches Organ zu verstehen sei, sondern besser als soziales Konstrukt, isomorph zur performativen toxischen Maskulinität. Mittels detailliertem poststrukturellem diskursivem Kritizismus' und anhand des Beispiels vom Klimawandel will dies Paper die vorherrschenden zerstörerischen gesellschaftlichen Sprachbilder herausfordern, dass Penisse am besten als männliche Geschlechtsorgane verstanden würden, und ihnen wieder die passendere Rolle als eine Art der maskulinen Performanz zuschreiben."

Das Geschwurbel wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die Gender-Studies, weil es sich kaum von der Rabulistik der einschlägigen Gender-Artikel unterscheidet.

Thema sind aber nun die pseudowissenschaftlichen Journale mitsamt ihrer Lächerlicheit. Dazu liefert die SZ ein paar Zahlen (7.):  5.000 deutsche und 400.000 internationale Forscher haben in den letzten Jahren ihre Studienresultate in unwissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht.

Grund genug, die Argumente von ein paar Zeit-Foristen zu referieren (2.). Der Zeit-Artikel selber schreibt von der "Welt der Pseudowissenschaft", wo Zeitschriften nur aus einer Website und einem Briefkasten bestehen und Spitzenforscher ohne deren Wissen als Herausgeber auftauchen. Es gibt zuhauf Autoren, die nichts Interessantes herausfinden, deren Arbeiten die methodischen Qualitätsstandards nicht erfüllen, die an einer unbekannten Universität in einem wissenschaftlich unbedeutenden Land stammen.

Sie alle sind auf Publikationen und Zitierungen angewiesen – und ihnen kann geholfen werden. Seit ca. 2005 kümmern sich die predatory journals um diese Autoren. Es sind Zeitschriften, die so gut wie alles publizieren – Hauptsache, der Autor zahlt ein paar Hundert Dollar "Bearbeitungsgebühr". Laut Zeit ist um diese "Wegelagerer des wissenschaftlichen Publikationssystems" herum eine ganze Industrie entstanden. Spezielle Firmen kümmern sich sogar um den impact factor, der Bedeutung signalisiert.

Die Foristen halten nicht viel von peer-reviewed publications. Ein besonders kundiger  nennt sie ein elendes Geschäft. Früher sei die Uni Verleger und Drucker gewesen und habe mit ihrem Namen für Qualität gestanden. Dann kamen Verlage wie Wiley, Elsevier und andere und wollten alles billiger und besser erledigen. Daraus wurde ein Milliardengeschäft, in dem die Wissenschaftler sowohl Hersteller wie auch Käufer wurden – sie schreiben die Artikel und zahlen dafür.

Dazu kam noch das Konzept des freien Zugangs zu wissenschaftlicher Literatur im Internet. Seit open access seien alle Dämme gebrochen. Täglich erhalten Wissenschaftler 10-20 dubiose Einladungen von ominösen Journalen und 2-3 seltsame Einladungen zu Konferenzen in China oder sonstwo. In diesem Grundrauschen gingen seriöse Benachrichtigungen weitgehend unter. Und seit die Spitzbuben auch noch den impact factor ihrer Journale manipulieren, ginge die Qualitätskontrolle völlig den Bach runter. Um diesen ganzen Zirkus zu ordnen, schlägt der Forist eine Akkreditierungsorganisation mit einer Whitelist vor, um die sich die EU bittesehr verdient machen möge.

Aber damit sind die anderen Probleme nicht gelöst, die Review-Zirkel, die Zitierkreise, die Seilschaften, die sich gegenseitig in Position bringen. Ein Forist sieht das eine oder andere Journal "gekapert" von immer denselben Leuten. Wer da nicht mitmacht oder mitmachen will oder kann, der kommt in die Journale nicht rein.

Und das Problem open access ist damit auch nicht gelöst. Ein Forist, der sich als einstiger glühender Verfechter von open access bezeichnet, verortet das Ganze nun als einen einzigen Wilden Westen. Und man will ja nicht, dass die wissenschaftliche Fachliteratur auf Wiki-Niveau absinkt, wo am Ende das stehen bleibt, was der hartnäckigste Forist durchdrückt. Und, wie ein anderer anmerkt, mit likes und dergleichen kommt man auch nicht weiter.

Naja, vielleicht hilft Lächerlichmachen. Und wenn nicht, dann hat man wenigstens gelacht.

 

Medien-Links:

  1. I got a hoax academic paper about how UK politicians wipe their bums published (The Conversation 20.7.): Building on some prominent findings in social psychology, I hypothesised that politicians on the right would wipe their bum with their left hand; and that politicians on the left would wipe with their right hand. … I wanted to see if any “journal” would publish my ass-wiping “findings”.
  2. Fachzeitschriften: Journale im Zwielicht (Zeit Online 23.3., 90 Kommentare): Forscher müssen veröffentlichen, um voranzukommen. Verlage bieten ihnen an, ungeprüft Artikel in vermeintlich seriösen Onlinemagazinen unterzubringen. Der Ruf der Wissenschaft steht damit auf dem Spiel.
  3. Testing inter-hemispheric social priming theory in a sample of professional politicians – a brief report (Original nicht mehr online, ersetzt durch Squarespace 2.7.): There ist hardly a more impertinent social issue than where one sits on the left-right political dimension. This information controls countries, generates wars, and can be considered more relevant to our well-being than cancer, climate change, and Donald J. Trump’s policy to build a wall combined. In consequence, we designed a
    study to better understand the implications of this important psychological construct.
  4. Get me off Your Fucking Mailing List (David Mazières und Eddie Kohler 2005/2014): Get me off your fucking mailing list. Get me off your fucking mailing list. Get me off your fucking mailing list. 
  5. The Conceptual Penis as a Social Construct: A Sokal-Style Hoax on Gender Studies (Skeptic 2017): The androcentric scientific and meta-scientific evidence that the penis is the male reproductive organ is considered overwhelming and largely uncontroversial. … We used this preposterous sentence to open a “paper” consisting of 3,000 words of utter nonsense posing as academic scholarship. Then a peer-reviewed academic journal in the social sciences accepted and published it.
  6. The conceptual penis as a social construct (cogent social sciences 11.5.17): Anatomical penises may exist, but as pre-operative transgendered women also have anatomical penises, the penis vis-à-vis maleness is an incoherent construct. We argue that the conceptual penis is better understood not as an anatomical organ but as a social construct isomorphic to performative toxic masculinity. Through detailed poststructuralist discursive criticism and the example of climate change, this paper will challenge the prevailing and damaging social trope that penises are best understood as the male sexual organ and reassign it a more fitting role as a type of masculine performance.
  7. Bildung – Wie unseriöse Publikationen die Wissenschaft schaden (Süddeutsche Zeitung 19.7., der Schreibfehler stammt vom Original): Das Recherchenetzwerk von NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung Magazin" berichtet, dass mehr als 5000 deutsche Forscher in den vergangenen Jahren ihre Studienresultate in unwissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht haben. Weltweit sind es demnach etwa 400.000 Forscher.

Links von wb dazu:

 




Die Hölle heute, am 21.7.2018 von Frank Sacco


bty

 

Diesen Artikel schrieb Frank Sacco, Doktor der Medizin, am 21.7. nach der Lektüre eines Welt-Artikels. In der Zeitung durfte sich eine "Exzellenz" verbreiten, ein Bischof, der exzellenten Stuss von sich gab. Hochwürden geruhen noch im Mittelalter zu leben, wo den  Apostaten das Höllenfeuer unterm Allerwertesten angezündet wurde (Bild: Sacco).

Die Hölle heute, am 21.7.2018  von Frank Sacco

Das Sacco-Syndrom entsteht durch die Angst im Kind vor ewiger Folter. Und die steckt nun mal im Kind – und nicht nur dort.  Papst Benedikt erklärt es uns: Seinen Kindheitsglauben behalte man (im Unbewussten). Auch wenn man als „Erwachsener“ einen anderen Glauben zu haben glaubt. Was man glaube, wisse man nicht. Heute, am 21. 7. 2018,  wird in der Die Welt Erzbischof Schick, Bamberg,  interviewt. Der Artikelname: "Ist Richard Wagner in der Hölle, Exzellenz?". Hier wird Kindern, die oft nur Überschriften lesen, die Existenz der Hölle so ganz nebenbei zur Glaubens-Realität gemacht.

Nun, nahezu jeder Geistliche glaubt an die Hölle. Wer nicht daran glaube, so Benedikt, der versündige sich „wider den Heiligen Geist“ – mit der entsprechenden Höllenstrafe. Denn so eine Sünde wird nicht vergeben. Weder in dieser noch in jener Welt. Geistliche vermitteln diesen Glauben an unsere und ihre  Kinder. 3 von 4 Kindern eines Geistlichen bekommen ein Sacco-Syndrom. Die Vermittlung jenseitiger Folter geschieht verbal und averbal. Bischof Zollitsch gab die Order heraus, man solle als Priester „die Hölle nicht mehr thematisieren“. Muss man auch gar nicht. Sie ist über die Jahrtausende ein Selbstgänger geworden. Doch man sollte und muss sie thematisierten. Jedes KZ (Diktion Hürlimann) gehört thematisiert. 250 Kirchenlieder thematisieren die Hölle. In ihnen ist zumindest von einem Retter (vor der Hölle) die Rede. So auch zur Weihnacht  in „Stille Nacht“. Aber jedes Kind weiß: Der pingelige Statthalter des „Jüngsten Gerichtes“ nimmt beileibe nicht alle in seinen Himmel auf. Reiche Kinder schon gar nicht. Die kommen nicht durchs Nadelöhr. Schicks Antwort auf die Höllenfrage: "Wer kann das wissen?", ob Wagner in der Hölle ist.  Wagner habe "viel Mist bebaut". Aber er wünsche Wagner, dass Gott ihm "irgendwann" verzeiht. Falls Gott ihm irgendwann verzeiht, kommt Wagner raus aus dem Feuer. Er muss dann nicht ewig brennen.  Wünschen wir dem Komponisten also viel Glück. Er stand den Nazis so nahe wie viele Geistliche um jene traurige Zeit.

Bischöfin Käßmann weicht aus bei der Frage, ob Jesus in seiner Hölle mit Feuer foltere: Sie könne sich das nicht "vorstellen". Statt unseren Kindern mit einem klaren und erlösenden "Nein" zu antworten, lässt sie unsere Kleinen im Ungewissen. Das ist üble Taktik. Man lässt es offen, ob Jesus ein Nazi ist.

Dumm sind die Kirchenleute allerding nicht. Da gibt sich die Hochintelligenz die Hand. Man jammert in höchsten Tönen über die 660.000 Kirchenaustritte 2017. Doch 54 % der Bevölkerung sind noch in den Amtskirchen. Taufen und Eintritte bleiben stabil, schreibt Die WeltJa die Zahl der Eintritte überwiege die der Austritte.  Kein Wunder. Man hat als Kirche schon die Kleinkinder über flächendeckende Kitas fest im Griff. Da kommt wöchentlich der Geistliche. „Oma, man kann da brennen“, so Vierjähriger hier aus der Gemeinde im Juni 2018. Oma war über diese Höllenlehre entsetzt. Auch die Kinder von Atheisten sind zwangsläufig im kirchlichen Kindergarten. Denn er liegt ja um die Ecke. Und Atheistenkinder werden dort ohne Elternwissen mit der Hölle und dem „Jüngsten Gericht“ vergiftet. Und mit dem Foltertod Jesu.  Den sollen  sie als „Mittäter“ verursacht haben, so Pastor Traugott Giesen.  Durch ihre Sünden. Da wundern sich Atheisten, warum ihre Kinder plötzlich die Taufe „aus freien Stücken“ wollen. Es erscheint ihnen eben als die einzige Möglichkeit, nicht in Jesu Hölle zu „brennen“. Aus Liebe zum Jesus resultiert ein später Taufwille wahrlich nicht, weiß man ihn ja als Veranstalter der sog. Apokalypse (Lukas 17). Dass die „Offenbarung des Johannes“ krank macht, wissen wir aus dem Fall ADS in Würzburg. Würzburgs Kinder bekamen psychische Erkrankungen nach Ausstellungen über diesen geplanten göttlichen Holocaust. Ich sagte das voraus. Und ich sage eine dortige Suizidwelle voraus. Die kommt noch. Warten wir 5 Jahre ab.

Doch die Bevölkerung verdrängt die Höllensache. Man spielt sie herunter, man greift mich als Kritiker dieses göttlichen KZ´s an. Nur ich hätte ein Sacco-Syndrom. Doch das sind Projektionen. In der heutigen  Die Welt preist eine Opernsängerin die Bibel: Ihr Reichtum sei „unerschöpflich“, „nicht zu vergessen die „Offenbarung des Johannes“. Doch gerade dieses „Werk“ ist grausam und endet mit dem Holocaust Apokalypse. Die Bibel sei ein Werk „über die Liebe“, ein „menschenfreundliches Kraftwerk des Trostes“. Vom „Erlöser“ ist da die Rede. Doch erlöst der Erlöser alle? Nein. Er ist der Weltmeister in Sachen  Liebesentzug. Er kann sogar Gedanken lesen und diese ewig bestrafen –  speziell wenn es da um Sex geht. 

So leiden über 50 % der Insassen einer Psychiatrie an einem Sacco-Syndrom. Tournier hält die Zahl für noch großer. Und da ist eine Heilung nahezu unmöglich, überweist doch die etablierte Psychiatrie nach eigener Angabe solche Patienten, die heute „durch alle Ritzen kommen“ (Quelle Die Zeit, 31. 3. 2010) zum verursachenden Klerus. Wenn von Religion die Rede sei, stoppe man das analytische Denken, so die Nachfolgerin Sigmund Freuds, Prof. Leuzinger-Bohleber. Und das solle „auch so bleiben“. Der mitinterviewte Pastor zu Elzt äußert, die von der Psychiatrie zum Klerus überwiesenen seien „vom Teufel besessen“. Hurra. Es gibt ihn also doch, den Teufel? Luther hatte ich ja nur halluziniert. Sein Tintenfass traf nur die Wand. Ihren größten Arbeitgeber nimmt die Psychiatrie in Schutz. Sigmund Freud spricht von „Feigheit“ (bei Schur), wenn Psychiater den Kirchen ohne wirklich zwingenden Grund kein Kontra geben. Ich dagegen spreche von Angst. Die Psychiatrie ist angstkrank. Feige ist man nicht, wenn man aus Höllenangst heraus handelt oder nicht handelt. Feige ist man, wenn man als guter Schwimmer nicht in den Teich springt, um ein hilfloses Kind zu retten. Zur Religions- und Gottkritik gehört im Einzelfall reichlich Mut.

sacoBischof Schick 001(Bild: Saccos 1. Schultag vor Exzellenz-Artikel) – Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

Weitere Artikel von Frank Sacco

Medien-Link:

Erzbischof Ludwig Schick „Wagners Musik kann Tendenzen im Menschen verstärken – wie bei Hitler“ (Die Welt 20.7., mit Zahlschranke, gedruckte Version: "Ist Richard Wagner in der Hölle, Exzellenz?").

 




TERRE DES FEMMES zur weiblichen Genitalverstümmelung in Deutschland


Berlin 24.07.2018. Wie auch in den letzten Jahren stieg 2018 die Anzahl von Mädchen und Frauen, die in Deutschland von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen sind. Nach aktuellen Hochrechnungen von TERRE DES FEMMES wird die Zahl derzeit auf knapp 65.000 Mädchen und Frauen geschätzt, die FGM erfahren haben. Darüber hinaus sind mindestens 15.500 Mädchen gefährdet einer Genitalverstümmelung unterzogen zu werden. Dies bedeutet einen Anstieg der Betroffenen um rund 12 Prozent und der gefährdeten Mädchen um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Dunkelzifferstatistik, welche die Frauenrechtsorganisation bereits seit 1998 veröffentlicht, erscheint dieses Jahr zum ersten Mal auch mit einer Aufschlüsselung der von weiblicher Genitalverstümmelung Betroffenen und Gefährdeten nach Bundesländern.

„Seit Jahren steigen die Zahlen auch in Deutschland. Dies zeigt, wie wichtig Aufklärungsarbeit auch hierzulande ist. Um weibliche Genitalverstümmelung zu beenden, sind neben Gesetzen und Strafverfolgung insbesondere auch Präventionsarbeit und der Schutz von Gefährdeten wichtig. Kein Mädchen darf an seinen Genitalien verstümmelt werden“, sagt Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES.

Der Kontakt und Austausch mit Diaspora-Communities ist fester Bestandteil der Arbeit von TERRE DES FEMMES. Durch kontinuierliches Training und das Empowerment von MultiplikatorInnen, die ihre Communities über weibliche Genitalverstümmelung aufklären und sensibilisieren, können Tabus leichter überwunden und Verhaltensänderungen angestoßen werden. Dieser Ansatz wird als erfolgversprechendste und nachhaltigste Methode auch von der Europäischen Kommission anerkannt. Daher fördert die EU ab Herbst 2018 erneut eines der so genannten „CHANGE“-Projekte von TERRE DES FEMMES und drei europäischen Partnerorganisationen.

TERRE DES FEMMES fordert neben verstärkter Aufklärungsarbeit auch einen besseren Schutz von gefährdeten Mädchen. Dafür muss das Thema weibliche Genitalverstümmelung in Aus- und Weiterbildungspläne für medizinische, pädagogische, soziale und juristische Berufe aufgenommen werden. Nur so kann rechtzeitig eine Gefährdung erkannt und kompetent reagiert werden. Auch spezialisierte Beratungsstellen müssen flächendeckend in Deutschland gesichert sein, um sowohl Gefährdete als auch Betroffene mit ihren speziellen Bedürfnissen qualifiziert zu unterstützen.

tdfstatistik20181Erläuterungen zur Tabelle und zum Schutz gefährdeter Mädchen (= pdf unten)

Links zu den TERRE-DES-FEMMES-Texten:

Weitere Links von wissenbloggt:




Umfragen: dreimal selbe Frage, dreimal andere Antwort


hand-982058_1280

Statistik ist das bessere Lügen – so sehen das viele Leute. Im Bereich zwischen Korrelation und Kausalität sind schon manche gescheitert (Bild: geralt, pixabay).

Wenn einem beim Kaffeetrinken immer das Auge wehtut – findet man da eine Korrelation oder eine Kausalität? Das klärt sich schnell, wenn man den Kaffeelöffel aus der Tasse nimmt …

So sieht also unser eleganter Einstieg in das Reich von Stichproben (!) aus, und von Populationsgrößen, Konfidenzintervallen und Normalverteilungsquantilen. Was die Statistik sonst noch zu bieten hat, kümmert uns nicht weiter, denn jetzt geht es um die Anzahl der Leute, die man befragen muss, um eine belastbare Aussage über die Allgemeinheit zu treffen.

Dies Thema wird immer mal wieder diskutiert, wenn eine Umfrage auf den Tisch kommt, die aus wenigen Befragten auf die schweigende Mehrheit schließt. Wenn man mal die absichtlichen oder fahrlässigen Fehler weglässt, die man durch Befragen von Nichtrepräsentativen produziert (z.B. die Knastbelegschaft oder den Yachtclub), dann läuft es auf statistische Überlegungen hinaus. Vom Gefühl her ist das nämlich nicht zu entscheiden.

Die Problematik wird durch 3 verschiedene Umfragen veranschaulicht, die im Sommer 2018 präsentiert wurden. Gemeinsam ist ihnen, dass die Quellen weder angegeben noch aufspürbar sind. Die Stichprobengröße kennt man, aber die Fragenstellung nur teilweise (1., 2., 3.).

Frappierend ist die Divergenz: Jede Umfrage kriegt was anderes raus. Die Zustimmung zur Seenotrettung ist demnach 3/4, 1/2 oder 1/3, je nachdem. Die Konfidenzintervalle für Konfidenzniveaus von 80%, 95% und 99% sind durch die Stichprobengröße aber ziemlich klein, so dass sich die Streubereiche nicht überschneiden, wie sie eigentlich sollten. Ja, sie berühren sich noch nicht mal im 99%-Fall:

Umfrage von-bis 80% von-bis 95% von-bis 99% Befragte
1. 72%…78% 71%…79% 69%…81% 505
2. 49%…51% 48%…52% 47%…53% 2032
3. 33%…35% 33%…35% 32%…36% 5076

Wie kann das sein? Irgendwie verlockt die kleine Tabelle zur Folgerung, je mehr Leute befragt werden, desto mehr sind gegen Seenotrettung – aber das wäre grob statistikwidrig. Wie kommt man überhaupt zu solchen Konfidenzintervallen, sprich Fehlerspannen?

Je kleiner die Fehlerspanne, desto mehr Vertrauen kann man in die Ergebnisse haben. Das kann man numerisch kontrollieren mit dem Fehlerspannenrechner (4.). Dort gibt man die Populationsgröße ein (83 Mio.), das gewünschte Konfidenzniveau (z.B. 95%) und die Stichprobengröße (z.B. 505). Das Ergebnis ist die gerundete Fehlerspanne (das Konfidenzintervall ist dann Mittelwert +-Fehlerspanne).

Die Mathematik dahinter beruht auf der Standard-Normalverteilung, von der man die Quantilen bezieht. Ein Teil der Werte ist kleiner als das Quantil, der Rest ist größer. Im Bild (Uni Freibug, Stochastik) ist in etwa das 90-%-Quantil dargestellt, der blaue Bereich enthält ca. 90% der Werte. Der weiße Bereich zeigt das, was außerhalb der 90% liegt – das sind die gesuchten Außreißer, sprich die Fehler.

unifreiburgstochastikquantilenormalverteilungDer Link (5.) liefert numerische Werte für die Quantile, z.B.  z0,95 ≈ 1,6449. Die 95%-Fehlerspanne ist 95%-Quantile mal Standardabweichung durch Wurzel Stichprobengröße: e = z0,95 σ /  √¯ n mit der Standardabweichung aus

σ2 = (x – µ)2 f(x) dx

und mit der Normalverteilung f(x), deren Mittel µ und x von -∞ bis +∞ (wiki).

Wie ist die Tabelle nun zu erklären, wo dasselbe Thema so divergente Ergebnisse hervorbringt?

  • Die schöne Mathematik wird wohl nicht schuld sein, oder treten da die ganz, ganz unwahrscheinlichen Fälle ein? Und gleich mehrmals? Oder nimmt man Normalverteilungen an, wo gar keine sind? Selbst wenn es die umgekehrte Pinkelpottverteilung wäre, ließen sich die Divergenzen wohl nicht mathematisch erklären (Bild: Inductiveload, Wikimedia Commons, und anaterate, pixabay).
  • Die Meinungsforscher betonen bei jeder Gelegenheit, wie repräsentativ sie ihre Befragten aussuchen. Aber warum antworten die dann so unterschiedlich? Kann man denen nicht mal sagen, dass sie … ähem, das nehmen wir zurück.
  • Wenn man annimmt, dass die Verhältnisse sich nicht innerhalb von ein paar Tagen umkehren, bleibt nur noch die Fragestellung. Die sieht ziemlich gleich aus, soweit das sichtbar ist. Aber hat die vielleicht doch so eine durchschlagende Wirkung? Tja, dreimal andere Frage, dreimal selbe Antwort …

1081px-Normal_Distribution_PDF

Medien-Links:

  1. Mehrheit der Deutschen unterstützt private Seenotrettung (Zeit Online 21.7., die Zeit zitiert eine Emnid-Umfrage mit 505 Teilnehmern für die Bild-Zeitung, die weder bei Emnid, Bild oder Zeit aufzuspüren ist. Die Fragen sind unbekannt, aber es wird wohl nicht sowas sein wie Finden Sie Seenotrettung richtig, oder sind sie so ein Halunke, der die Leute ertrinken lassen will? Ergebnisse:

    • 75% finden die Arbeit der Seenotretter richtig, 20% nicht.
    • 38% finden, dass die Retter das Geschäft der Schleuser unterstützten, 56% nicht.
  2. Exklusiv: Mehrheit der Deutschen für private Seenotrettung auf dem Mittelmeer (Huffpost 12.7., Huffpost zitiert eine YouGov-Umfrage mit 2032 Teilnehmern, die auch nirgends aufzuspüren ist. Immerhin erfährt man die Aussagen, denen man zustimmen oder nicht zustimmen sollte:

    • Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) sollen weiterhin Flüchtlinge im Mittelmeer retten (50% Ja, 34% Nein).
    • In der Flüchtlingsfrage verabschiedet sich Europa gegenwärtig von seinen humanitären Werten (44% Ja, 39% Nein).
  3. Umfrage – Fall "Lifeline": Mehrheit der Deutschen ist gegen private Seenotrettung (Augsburger Allgeimeine (18.7., die AA zitiert eine Civey-Umfrage mit 5076 Teilnehmern aus dem Internet, die auch nirgends aufzuspüren ist.

    • Wie beurteilen Sie die Arbeit privater Rettungsschiffe, die Geflüchtete im Mittelmeer aufnehmen? (32% positiv, 54% negativ, Trend zum Negativen).
  4. Fehlerspannenrechner (SurveyMonkey): Berechnen Sie Ihre Fehlerspanne (bei der Eingabe ist das Feld 3 für die Stichprobengröße falsch beschriftet).
  5. Quantile der Standardnormalverteilung (Uni Freiburg, Stochastik): Für 95% wird das Quantil 1,6449 abgelesen.z1α/2=z0.9751.

Links zu wissenbloggt-Artikeln:




Religion in Deutschland: weniger Christen, mehr Muslime


graph-3078546_1280Die Zahlen sind gar nicht so leicht zu erlangen. Bei den Christen gibt's jedes Jahr eine Misserfolgsmeldung, deren Zahlen offenbar von Hand berechnet werden. Bei den Muslimen muss man sich die Zahlen aus allen Ecken zusammensuchen (Bild: Mediamodifier, pixabay).

"Wie gewohnt dauert es in der BRD immer bis in den Juli des Folgejahres bis die kirchlichen Statistiken vorliegen, wobei dann die Protestanten immer noch nur vorläufige Zahlen haben", schreibt Erwin Peterseil bei atheisten-info.at dazu (1.). Immerhin war 2017 wieder ein "gutes Austrittsjahr", was die Site mit den katholischen Austrittszahlen in Deutschland und Österreich belegt.

Die entsprechenden evangelischen Zahlen für die wissenbloggt-Tabelle (unten) wurden von Kirchenaustritt.de und kirchenaustritt.de/austria besorgt, wo die Zahlen manchmal geringfügig anders sind als bei atheisten-info.at – das war jetzt der einfache Teil.

Der Versuch, die Zahl der Muslime in Deutschland zu ermitteln, oder gar deren jährliche Veränderung, stößt auf Schwierigkeiten. Die amtlchen Zahlen gehen nur bis 2009, 2011 oder allenfalls 2015 (statista, Bamf). Es ist, als ob die amtlichen Statistiker mit den Fingern zählen und zwischendurch am Daumen nuckeln. Oder warum brauchen die 3, 4, 5 Jahre, um Zahlen liefern? Aktuelle Schätzungen gibt es nur bei den Rechtsauslegern oder in Forschungspapieren, die ganz allgemein auf 2020 oder 2050 abzielen.

Wenn es nicht von allein kommt, muss man's selber zusammenklabüsern. Bei wissenbloggt wurden die Zahlen von atheisten-info.at mit solchen von Kirchenaustritt.de ergänzt, wormit die evangelischen und katholischen Austrittszahlen für Deutschland und Österreich gut abgedeckt werden. Von der muslimischen Seite gibt es keine Austrittszahlen, zumal der Islam ja keine offizielle Bürokratie besitzt. Aber es gibt Zuwanderungszahlen, aus denen sich Rückschlüsse für die Entwicklung der muslimischen Bevölkerung in Deutschland ziehen lassen (für Österreich wurde das nicht analysiert, sorry).

Gewiss kann man nicht einfach die Asylzahlen in muslimische Zuwanderung umdeuten. Ein großer Teil der Zuwandernden ist muslimisch, aber nicht alle. Bei wissenbloggt wird mit 80% ein Kompromiss zwischen den 100% und den von fowid und Bamf behaupteten 50-70% verwendet (2.). Begründung für die 80%: Das Bamf trixt mit den Zahlen, und fowid verwendet die manipulierten Bamf-Zahlen.

Die Manipulation liegt z.B. darin, dass die Zuwanderung gar nicht unter Asyl subsumiert wird (siehe auch wb-Links). Formal mag das korrekt sein, aber es läuft auf Betrug hinaus. Man will doch wissen, wie viele Fremde einreisen, und dazu gehören nun mal alle, und nicht bloß die migrationsmathematisch berechneten.

Deshalb wurde der Versuch unternommen, die Entwicklung der muslimischen Religion aus den Asylzahlen und den Zuwanderungszahlen zusammenzusetzen, wobei speziell letztere schwer zu ermitteln sind. Die Geburtenzahlen wurden nicht eingerechnet, obwohl die auch einen erheblichen Beitrag leisten. Aktuell sind ca. 25% der Geburten von ausländischen Müttern; wenn davon nur die Hälfte muslimisch ist, sind es für 2017 ca. +100.000, die islamisch vereinnahmt werden (3. und wb-Link Geburtenzahlen). Die verwendete Formel ist schlicht:

Muslim-Zuwachs = 80% Asyl + 80% Familiennachzug

Das führt zu dem Ergebnis, dass es oft mehr Zuwachs ist als die reinen Asylzahlen. Man kann darüber diskutieren, ob die Zahlen von 1995-2005 nach denselben Maßstäben umgelegt werden können wie die späteren. Die Tabelle zeigt aber, dass das große muslimische Plus erst ab 2014 anfällt.

Insgesamt zeigt sich, dass der Rückgang der Religion nur für die christlichen Religionen gilt, gut 7 Mio. in 23 Jahren. In derselben Zeit hat die muslimische Religion um ca. 4 Mio. Betroffene zugenommen. Durch die ungebrochene Zuwanderung, durch noch mehr Familiennachzug und die hohen Fertilitätsraten geht der Trend weiter nach oben.

Die deutsche Säkularisierung kommt nicht mal halb so schnell voran, wie man denkt, wenn man nur die veröffentlichten Kirchenaustrittszahlen anschaut. Daran wird sich auch nichts ändern, weil die muslimischen Zuwanderer überwiegend jung sind und anscheinend nur wenige vom Glauben abfallen.

Jahr D-kath.1 D-ev.1 D-Musl.2 Aus-kath.1 Aus-ev.1
1995 -168.244 -296.782 +173.0004 -44.304 -2.854
1996 -133.275 -225.602 +164.000 -37.061 -2.917
1997 -123.813 -196.602 +171.000 -32.195 -2.694
1998 -119.265 -182.730 +165.000 -38.907 -2.891
1999 -129.013 -192.880 +168.000 -43.629 -3.468
2000 -129.416 -188.557 +154.000 -35.711 -3.332
2001 -113.724 -171.789 +161.000 -33.857 -3.053
2002 -119.405 -174.227 +141.000 -39.002 -3.253
2003 -129.598 -177.162 +114.000 -39.584 -3.193
2004 -101.252 -141.567 +90.0004 -51.731 -3.356
2005 -89.565 -119.561 +82.0004 -43.885 -3.208
2006 -84.389 -121.598 +69.000 -36.645 -2.943
2007 -93.667 -131.000 +68.000 -37.036 -2.975
2008 -121.155 -168.901 +63.000 -40.596 -3.020
2009 -123.681 -148.450 +64.000 -53.239 -3.128
2010 -181.193 -145.240 +83.000 -87.393 -3.931
2011 -126.488 -141.497 +86.000 -59.023 -4.251
2012 -118.335 -138.800 +106.000 -52.334 -3.812
2013 -178.805 -176.661 +147.000 -54.845 -3.985
2014 -217.716 -270.003 +213.000 -54.939 -4.262
2015 -181.925 -211.264 +447.000 -56.365 -4.264
2016 -162.093 -190.000 +680.0004 -54.884 -4.536
2017 -167.504 -200.0003 +270.0004 -53.510 -4.5003
Sum. -3.113.601 -4.110.663 +3.881.000 -1.080.649 -79.817

1: Austritte
2: Zuwanderung aus 80% der Asylanträge + 80% vom Familiennachzug (Bamf S. 93 und Bamf S. 65)
3: geschätzt von Kirchenaustritt.de bzw. wissenbloggt
4: Familiennachzug interpoliert von wissenbloggt oder aus anderen Quellen

Nachtrag 26.7. von atheisten-info.at (4.):

Bei den Muslimen lautete die von meinereinem angebrachte Überschrift "Zutritte" und nicht "Eintritte", weil diese Muslime traten ja nicht in den Islam ein, sondern fanden – besonders durch die merkelschen Bemühungen von 2015 – Zutritt in die BRD, natürlich gab's dazu auch noch einen ordentlichen Geburtenüberschuss.

Suchen wir die österreichischen Bruttozahlen von 1994 und schauen wir dann die prozentuellen Plus und Minus an! Als Tabelle mit entspr. Berechnungen sieht das so aus:

1994_2017Rel_ASomit sind seit 1994 die Einwohner um 11 Prozent mehr geworden (auch mit katholischen Einwanderern, weil die Austritte lagen ja bei etwa 1,25 Mio.), die katholischen Kirchenmitglieder wurden um knapp 16 % weniger, die Protestanten gar um über 22 %.

Man sieht wieder einmal: die Protestanten haben kein Zölibat, keine mittelalterlichen Morallehren, keine unauflöslichen Ehen usw., sie verlieren aber mehr Mitglieder, auf den Mitgliederbestand gerechnet sogar um fast 50 % mehr! Wie hier schon oft vermerkt: die protestantische liberale Beliebigkeit bindet nicht, sondern erleichtert den Austritt!

Bei den Katholiken schwebt wohl oft noch der alte katholische Geist über den Köpfen, der die Kirchenmitgliedschaft zumindest als traditionelle Pflicht vermittelt, wenn nicht gar der böse Verdammungsgott noch irgendwo im Unterhirn sitzt. Meinereiner hat in der Schule noch gelernt, dass ein Glaubensabfall das ewige Höllenfeuer zur Folge hat. Da meinereinem aber schon als Kind der Glaube fehlte, war das keine Drohung mit irgendeiner Art von Wirkung.

Beim Islam liegt das Problem deutlich anders, weil da geht es bei den Migranten sehr häufig nicht nur um den konkreten Glauben, um Allah und sein Paradies, sondern um Identität und Gemeinschaft und vor allem um Aufwertung: Als Zugehöriger zur einzigen wahren Religion ist auch ein unintegrierter Sozialhilfeempfänger ein Auserwählter! Und das ist wohl das spezielle Problem bei Migranten mit Islamhintergrund…

 

Medien-Links:

  1. Deutsche Kirchenaustritte 2017 (atheisten-info.at 21.7.): Der hier jedes Jahr vorgeführte katholische Kirchenaustrittswettbewerb zwischen Österreich und Deutschland hat natürlich auch heuer wieder einen österreichischen Sieger.
  2. Religionszugehörigkeiten der erfassten Asylsuchenden (fowid 27.9.16): In der Debatte über die Flüchtlinge 2016 wird in den Medien die Religionszugehörigkeit vereinfacht als „Muslime“ dargestellt. Dass dies nicht der Realität entspricht, belegen die Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (angegeben sind 50-70%).
  3. Geburtenanstieg setzte sich 2016 fort (Statistisches Bundesamt Destatis, Pressemitteilung Nr. 115 vom 28.3.): 2016 wurden in Deutschland 792.131 Kinder geboren.
  4. Austritte und Zutritte (atheisten-info.at 21.7.).

Links von wissenbloggt:

 




Perverse Logik der modernen Sklaverei


Reeve_and_Serfs

Dass es moderne Sklaverei gibt, ist kein Geheimnis. Sogar in Europa gibt es  Arbeitssklaven in Gewächshäusern und Plantagen und Sexsklavinnen in den Bordells (Bild: Leibeigene, ca. 1310, Wikimedia Commons).

In Afrika, Asien, Arabien und Amerika ist Sklaverei durchaus verbreitet (1.). Die Rede ist von echter Sklaverei, nicht bloß von Lohnsklaverei und Schuldknechtschaft. Dabei spielen Elemente des einen beim anderen eine Rolle. Darüber berichtet der britische Professor of Business and Society von der University of Bath, (2.).

Die besondere Perversion dabei: Es gibt Sklaven, die weniger arbeiten, als sie wollen. Die Logik hinter dieser speziellen Form der Ausbeutung ist verdreht, aber zwingend.

Zunächst ein paar Takte aus Cranes Bericht referiert: Demnach bezeichnet "moderne Sklaverei" die schlimmsten Formen der Ausbeutung. Das trifft auf junge Mädchen zu, die zur Prostitution gezwungen werden, auf Bauarbeiter, die in Knebelverträgen gefangen sind, auf Migranten, die für Jahre auf Fischerbooten ohne Bezahlung arbeiten müssen.

Die Kreativität der Ausbeuter kennt kaum eine Grenze. Sie generieren Profite für sich selbst auf Kosten der anderen. Die Profite sind so enorm wie die Kosten schrecklich sind. Es wird Gewalt angewendet, um die Opfer in Rollen zu zwingen, die sie freiwillig nicht annehmen würden. Anstrengende, gefährliche Arbeit von morgens bis abends, für Hungerlohn oder zum Abarbeiten von Schulden – so werden die Kosten gesenkt und die Produktivität erhöht.

Aber nicht immer. Cranes Forschungen brachten auch ein anderes Ausbeutungsmodell zum Vorschein. Speziell bei Arbeitssklaven in der Landwirtschaft gab es eine neue Form der Unterbeschäftigung. Sie arbeiteten für längere Perioden nur kurz oder gar nicht. Wie verträgt sich das mit der Optimierung der Ausbeutung?

Der Professor liefert eine plausible Erklärung. Selbst für entrechtete Arbeitssklaven kann es im Sinne der Ausbeutung sinnvoll sein, sie nicht zu beschäftigen. Es gibt nämlich nicht nur eine Art der Ausbeutung. Da greifen mehrere Strategien ineinander.

Arbeitskosten reduzieren ist die offensichtliche Methode. Aber es gibt ja noch die Schuldknechtschaft. Wenn die richtig eingesetzt wird, bindet sie die Arbeiter genauso wie physische Gewalt. Das Verfahren ist einfach:

Zuerst werden die Arbeiter in ein europäisches Land gelockt, z.B. Großbtritannien. Der Ausbeuter verspricht ihnen Geld, Unterkunft und Arbeit – und dann gibt er ihnen absichtlich keinen Job. Er vertröstet sie, den Job gäbe es in 2, 3 Wochen. Sie können in der Unterkunft bleiben, sie bekommen ein Handgeld zum Überleben. Zurückzahlen ist erst nötig, wenn sie Geld verdienen. Das hört sich alles ganz nett an, aber so wird der Einstieg in die Schuldknechtschaft geschaffen. Die beschäftigungslosen Arbeiter schulden immer mehr, sie können nicht weggehen, weil ihnen sonst niemand Geld und Job gibt.

Die Perversion geht noch weiter. Der Ausbeuter verkauft den Arbeitenden alles extra teuer. Er zieht zusätzliche Profite aus überteuerten Gütern und Leistungen, welche die Arbeiter mangels Alternative in Anspruch nehmen müssen. Wohnung, Essen und Transport werden zu Monopolpreisen angeboten, und den Ausgebeuteten bleibt nichts anderes übrig als zu akzeptieren. Der Ausbeuter steigert dadurch nicht nur seine Gewinne, er verstrickt die Arbeiter immer tiefer in Schulden.

Um den Schulden zu entkommen, greifen die Arbeiter auch auf Gelder von Familienmitgliedern zurück – noch ein zusätzlicher Profit für den Ausbeuter. Ansonsten sorgen überzogene Zinsen dafür, dass die Ausgebeuteten ihre Schulden nicht abzahlen können. Das Geschäft läuft also immer weiter, es mündet in einen Zyklus von Schulden und Ausbeutung, der kaum mehr aufzubrechen ist.

Das Besondere des Geschäftsmodells ist, dass es sozusagen verfeinert ist. Kein direktes Auspressen von möglichst viel Arbeitsleistung aus möglichst wenigen Sklaven unter der Knute. Nein, der Ausbeuter holt sich absichtlich viel mehr Arbeiter, als für den Job nötig sind, und dann lässt er sie schmoren. Sie sind ja notgedrungen auch Konsumenten, die keine Wahl haben, als die Güter und Leistungen des Ausbeuters zu konsumieren.

Sie können nicht anders, als sich in Schulden zu verstricken. Die beschäftigungslosen Sklaven sind keine Verirrung, sie sind ein neues Geschäftsmodell. Crane sieht sie als Illustration der ständigen Innovation auf dem Gebiet der Ausbeutung.

Was es sonst noch an schauerlichen Methoden gibt, belegen die weiteren Links. Der ISIS, der aus Geldknappheit Sexsklavinnen auf Facebook verhökert (3., Kosten 8000$). Der ISIS, der Verwundete tötet, um deren Organe zu vermarkten (4.). Kinder, die in die Sklaverei verkauft werden (5. und 6.).

Und derweil kaspert unsere Politik herum, um selbstausgesuchten Hilfenachfragern möglichst optimal zu helfen, während für einen Bruchteil der Kosten woanders viel mehr Humanität möglich würde. Wahrhaft pervers.

 

Medien-Links:

  1. Modern Slavery Grows (New York Times 2.12.14): Global slavery has become a profitable growth industry generating an estimated $150 billion a year in illicit profits. Modern-day slaves include construction workers in the Persian Gulf, girls from Nepal trafficked into prostitution, shrimp fishermen on Thai ships, children in India working in brick kilns and garment workers in Bangladesh. Slavery is also present in prostitution rings, and even in private homes that employ domestic workers in the United States and Europe.
  2. Some people trapped in ‘modern slavery’ are underworked – and they pay a heavy price for it (The Conversation 18.6.): People trapped in modern slavery situations endure terrible conditions, threats to their safety, and limits on their freedom. Yet sometimes, they actually do less work than they really want to. It may sound unlikely, but as a business model of exploitation, it has its own warped logic.
  3. Cash-Strapped ISIS Is Selling Sex Slaves On Facebook: Asking Price $8,000 Each (Zero Hedge 29.5.): One month after disturbing reports emerged that the cash-strapped Islamic State regime, … has been killing its own fighters in order to sell their organs, as well as paying $50 to fighters for every female sex slave they own, ISIS has now tapped into yet another critical cash-flow stream: selling female sex slaves.
  4. Cash-strapped ISIS killing injured fighters to sell organs: Reports (Times of India 20.4.16): Cash-strapped Islamic State terror group has been killing its injured fighters so that their organs can be extracted and sold on the black market abroad, according to media reports. … Iraqi Ambassador to the United Nations Mohamed Alhakim had made the similar accusations last year, saying that the ISIS is trafficking human organs and has executed a dozen doctors for failing to go along with the programme.
  5. Number Of Children Forced Into Slavery Hits All-Time High (Zero Hedge 26.3.): Statistics released by the NCA (National Crime Agency) show the number of potential victims of slavery has increased by 35% to 5,145 since 2016 – the highest since records began in 2009.
  6. Cash-Starved ISIS Offers Incentive Pay For Fighters: $50 Per "Female" Sex Slave (Zero Hedge 25.4.16):

    • For each of his two wives, al-Jiburi would receive an extra $50.
    • For each of his six children under age 15, he would get another $35.
    • Any “female captive” – sex slave – would entitle him to an additional $50.

Links zu wissenbloggt-Artikeln: