مولد النبي


Morgen, am 9. November 2019 (nach unserer Zeitrechnung), feiert ein Teil der islamischen Welt ein Fest zu Ehren der Geburt des Religionsgründers Mohammed. Dieser Tag wird in den unterschiedlichen islamischen Ländern nicht nur recht unterschiedlich benannt (zum Beispiel Türkei: Mevlid, Tunesien: Mouled, Pakistan und Indien: Milad Unn Nabi, etc.) sondern auch höchst unterschiedlich begangen. In den asiatischen Ländern finden Massenumzüge mit grünen Fahnen statt (siehe Titelfoto einer Demonstration in Bhadohi, Indien), im Maghreb ist es zwar ein offizieller Feiertag, doch mehr als eine kurze Ansprache und ein Gebet im Fernsehen vom Mufti gibt es in aller Regel nicht. In solchen Reden wird heutzutage zumeist auf das „vorbildliche Leben“ des Propheten hingewiesen und seine besondere gesellschaftliche und soziale Rolle in den Vordergrund gerückt.

Solche Feste sind erst seit dem Mittelalter überliefert und auch heute noch gibt es Länder, in denen keinerlei Feierlichkeiten stattfinden, so ausgerechnet im Geburtsland des Propheten, Saudi-Arabien. Auf den ersten Blick mag dies verwundern, doch macht es im Sinne der Strenggläubigen durchaus Sinn.

So schreibt etwa die Wikipedia: „Von dogmatischen Muslimen wie den Wahhabiten, den Ahl-i Hadîth oder strengen Sunniten wie den Deobandi wird diese Feier als unzulässige Neuerung (Bid'a) und als verbotene Vergötterung Mohammeds abgelehnt. Die Gegner des Mawlid an-Nabi argumentieren zusätzlich damit, dass es eine Nachahmung des christlichen Weihnachtsfestes sei. Andere Muslime sagen, Mohammed selbst und seine Gefährten hätten bereits seinen Geburtstag besonders begangen, allerdings mit Fasten, nicht mit Festlichkeit.“

Wir freuen uns jedenfalls über den freien Tag (ganz so wie auch die Masse der Tunesier) und werden ihn dazu nutzen, einen ausgedehnten Einkaufsbummel zu machen, da trotz des Feiertags alle Geschäfte geöffnet sind.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mawlid_an-Nabi

 

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Jenseits von Eden


Was wir immer wieder von moslemischen Verbandsvertretern nach jedem islamisch motivierten Attentat hören, ist so sattsam bekannt, dass es uns bereits zu den Ohren herausquillt: « Diese Tat hat nichts mit dem Islam zu tun. Die Attentäter haben den Islam missverstanden, denn bekanntlich ist ja Islam Frieden ». Vor allem der Vorsitzende des ZMD, Aiman Mazyek, ist ein wahrer Künstler darin, bei jedem Vorfall dieser Art mit immer neuen, blumigen Sätzen doch immer wieder dasselbe zu sagen. Mit diesen stereotypen Aussagen, regelmäßig gepaart mit dem Ausdruck des herzlichen Beileids für die armen Opfer, macht nun völlig überraschend ein moslemischer Islamwissenschaftler kurzerhand Schluss. Seit ich intensiv und aufmerksam die Nachrichten auf islam.de verfolge habe ich eine solch punktgenaue Analyse (natürlich aus innerislamischer Sicht) noch nie gelesen. Es lohnt sich wohl auch für uns als Religionskritiker, diesem klugen Ausatz die nötige Zeit zu widmen. Murtaza nimmt die aktuellen Mordfälle in Toulouse und Montauban auf und schreibt:

 

Menschen neigen dazu in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Bevor also jemand zu einem "Der Islam ist Frieden" ansetzt, sollten wir vielleicht einen Augenblick innehalten und uns klar machen, was geschehen ist. Ein junger Mann, arabischer Herkunft, der den Namen des Propheten trägt, hat gezielt und kaltblutig drei Kinder jüdischen Glaubens und einen jüdischen Religionslehrer per Kopfschuss hingerichtet. Die Namen der Kinder lauteten Gabriel, Arieh und Myriam. Sie waren vier, fünf und sieben Jahre alt. Der Name des 30-jährigen Lehrers und Vaters der beiden erstgenannten Kinder war Jonathan. Zuvor tötete der Mörder drei französische Soldaten Abel Chennouf (25), Mohammed Legouade (23) und Imad Ibn Ziaten (30), letzere beiden waren Muslime.

[…] Bevor nun aber jemand in alte Gewohnheiten zurückfällt und das Argument vorbringen möchte, dass Mohammed Mehra gar kein Muslim sei […] sollte er lieber schweigen. Seit dem 11. September bringen Muslime Argumente dieser Art vor, wenn irgendwo irgendetwas Schlimmes im Namen des Islam geschieht. Es ist eine bequeme Distanzierung, die es den Muslimen erspart, sich inhaltlich mit den Wurzeln der Gewalt im Namen Gottes zu beschäftigen. Menschen wie Mohammed Mehra legitimieren ihre Akte der Barbarei im Namen des Islam und sie berufen sich auf den Qur’an, weil sie glauben, ein gottgefälliges Werk zu verrichten, das ihnen Eingang in das Paradies verschafft. Sie sehen sich als gläubige Muslime an und sind damit Teil der Umma und somit Teil einer unausgesprochenen innerislamischen Krise.  

Seit dem 11. September haben Muslime sich verpflichtet gefühlt, den Islam zu verteidigen, indem sie die Täter außerhalb des Islam stellten. Da also religiöse Motive im Zusammenhang mit den Gräuel nicht herangezogen werden durften, um die Religion vor jeglichen Makel zu bewahren, versuchte man psychologisch Motive ins Feld zu führen. Mohammed Mehra verfährt ebenso. Er begründet seine Taten dadurch, dass er den gewaltsamen Tod palästinensischer Kinder rächen und ein Zeichen gegen die französische Militärpräsenz in Afghanistan setzen wollte.  

Was bei alledem auffällt, bis heute hat sich die Mehrheit der Muslime davor gesträubt in das Herz der Finsternis vorzustoßen und eine religionsgeschichtliche Erklärung für den Terror im Namen des Islam vorzulegen. "Die" Muslime sind keine Terroristen. Aber Terroristen, die sich auf den Islam berufen, gehören in der Regel dem Wahhabismus an. Ist es also nicht längst an der Zeit, sich kritisch mit dieser islamischen Strömung auseinanderzusetzen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen? Der Islam legitimiert keinen Religionschauvinismus und es gibt keine Loyalität im Falschen. Immer wieder weist der Qur’an die Muslime zu Recht, sich selbst gegenüber kritisch zu sein:  
Im Folgenden gibt Murtaza einen religionsgeschichtlichen Überblick, der das Entstehen des islamisch motivierten Terrorismus aus dem Islam heraus beschreibt. Man wird möglicherweise nicht mit jeder einzelnen seiner Schlussfolgerungen übereinstimmen, doch ist die Lektüre dieses kenntnisreichen Textes ausgesprochen spannend und lesenswert. Murtaza gliedert seinen Aufsatz in die Kapitel :

1. Die Wurzeln des Wahhabismus

2. Charakteristikum des Wahhabismus

3. Die Entstehung der Al-Qaida

4. Ist der Islam antisemitisch?

5. Was ist nach Toulouse zu tun?  

 

Lesen Sie den kompletten Artikel auf http://www.islam.de/20027

 

 

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Islamophobie und andere Ängste


Ich muss es endlich mal gestehen – ich habe Angst vor großen und aggressiven Hunden, weil die mich überhaupt nicht mögen, mich auch schon mehrmals wild bellend angegangen haben. Vor einigen Jahren sah ich mich gezwungen, einem freilaufenden, auf mich zustürmenden Köter, der erkennbar keine guten Absichten hatte, einen kräftigen Tritt an den Unterkiefer zu verpassen, um seinen Angriff auf mich abzuwehren. Hätte ich ihn frontal gegen die Nase / die Schnauze getroffen, hätte er das wohl kaum überlebt, denn da sind Hunde sehr verletzlich.

Ja, ich habe eine Hundephobie – zumindest dann, wenn diese Tiere groß und obendrein aggressiv sind. Dann entstehen bei jeder Begegnung mit ihnen berechtigte Ängste. Vor kleinen Schoßhündchen hingegen fürchte ich mich nicht. Die können mir zwar ins Bein zwicken oder auf den Schuh pinkeln, aber das war’s dann.

Ich habe noch eine andere berechtigte Angst, also eine Phobie – die vor dem Islam, der eine ernste Bedrohung für jede freiheitliche, demokratische Gesellschaft darstellt, weil „der Islam“ in seiner Rückständigkeit, in seinem Verharren in frühmittelalterlichen Rechts- und Wertvorstellungen sowie in seiner Intoleranz gegenüber anderen Entwürfen die Werte und Rechtsnormen unserer heutigen Gesellschafts- und Rechtsordnung nicht anzuerkennen vermag (einzelne Muslime vermögen es vielleicht, entgegen den Vorschriften ihrer unaufgeklärten „Religion“, wofür ich ihnen dann meine Anerkennung ausspreche).

In dem sehr lesenswerten Essay „Islamophob, christophob?“ thematisiert Klemens Ludwig das Thema der auf Religionen, insbesondere auf den Islam bezogenen Phobien und findet es z.B. „bemerkenswert, dass im internationalen Sprachgebrauch allein das Wort ‚islamophob’ existiert.“

Ob das wohl am Islam liegt? Oder an etwas anderem?

Aber lesen Sie selbst!

PS des Autors: Ich möchte hinzufügen, dass eine Phobie keine "unbegründete Angst" ist, wie es die Wikipedia fälschlicherweise behauptet und wie man es auch andernorts immer wieder hören und lesen kann.
Phobie kommt vom griechischen "Phobos", und das heißt einfach nur "Angst", "Furcht".
Eine Angst oder Furcht kann begründet sein oder auch nicht — sie ist einfach da, egal warum.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Spinner-TV


wachtturm-judeÄgyptischer Kleriker über jüdische Verschwörung.

Da ein gewisses Missverhältnis zu bestehen scheint zwischen der öffentlichen Wahrnehmung der islamischen Welt im Westen und der islamischen Welt  – erscheint es angemessen, regelmäßig einen Blick in den Orient zu werfen, damit wir etwas über fremde Kulturen lernen. In dieser Reihe gibt‘s darum Videos aus dem Fernsehen islamischer Länder zu sehen. Glauben Sie den Islamkritikern kein Wort – schauen Sie sich‘s einfach selbst an!

http://www.youtube.com/watch?v=4nCjF2Ww7g4&feature=player_embedded

Heute: Ein ägyptischer Kleriker namens Sayyed Azab erzählt, wer für die französische Revolution verantwortlich ist (Tipp: Sie feiern das Laubhüttenfest), wer die kommunistische Revolution in Russland einfädelte (könnten es die Juden gewesen sein?) und wer den Atheismus verbreiten will (jüdische… Atheisten). Die Juden in Ghettos zu sperren sei ferner Selbstverteidigung gewesen, weil “die Menschen so viel von dem Bösen der Juden erleiden mussten”.

Außerdem beschwert sich der Kleriker, dass Juden einen sofort als Antisemiten brandmarken würden, sobald man sie “kritisiert”. Das Problem kennen Israelkritiker zur Genüge.

Diese französischen Juden-Atheisten warten nur darauf, den harmlosen, braven Bürger Sayyed Azab des Antisemitismus zu bezichtigen – ausgerechnet ihn, der nichts weiter sagt, als dass die Juden Böses in die Welt tragen und Revolutionen auslösen würden, um die Menschheit zu unterjochen. Ausgerechnet ihn!

godzilla-facepalm

Offenbar muss man derartige Behauptungen in Ägypten nicht weiter begründen.

Quelle:

MEMRI TV

Egyptian Cleric Sayyed Azab: The Jews Staged the French and Communist Revolutions to Corrupt the World
Al-Omma TV (Egypt) – April 18, 2013

http://www.feuerbringer-magazin.de/2013/04/25/spinner-tv-agyptischer-kleriker-uber-judische-verschworung/

Das Titelbild stammt aus der von den Zeugen Jehovas herausgegebenen Zeitschrift "Der Wachtturm".

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Mythos Integration


„Eine Korrektur“ möchte Rainer Oechslen, Islambeauftragter der bayrischen Landeskirche, am Begriff der „Integration“ vornehmen. Er meint, erst eine „Richtigstellung der Begriffe“ erlaube nach Konfuzius eine gute Regierung. Allerdings gewinnt man bei Lesen seines Artikels, in dem er mit den sechs Mythen der Integration aufräumen will, eher den Eindruck, als sollten hier Wörter verbogen werden mit dem Ziel, jedwede Integration der Zuwanderer in Deutschland generell überflüssig zu machen. Er sagt zwar ausgesprochen wortreich, was alles nicht Integration bedeute, und das mit einer teilweise Schwindel erregenden Faktenakrobatik, gibt aber nirgendwo einen einzigen Hinweis darauf, wie Integration sich denn nun abzuspielen habe. Doch schauen wir uns seine „Mythen“, hier veröffentlicht, in kleinen Auszügen aus der Nähe an:

1. Mythos: Integration heißt Assimilation

Häufig wird in der gegenwärtigen Debatte gesagt, Zuwanderer müssten sich 'anpassen' oder 'angleichen'. Fragt man nach, was das bedeutet, so kann man etwa hören, dass muslimische Frauen kein Kopftuch tragen sollten. Derlei hat mit Integration nichts zu tun.

Die völlige Angleichung von neuen Mitgliedern einer Gruppe oder Gesellschaft an die bisher herrschenden Sitten und Ideen nennt man Assimilation. Diese von Zuwanderern zu verlangen würde bedeuten, dass sich Zuwanderer von ihren Wurzeln abschneiden und auf ihre kulturelle Identität verzichten müssen.

Er benutzt also, nur unwesentlich umschreibend, genau das Argument Erdogans, dass Assimilation ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei. Mithin hat Deutschland dieses Verbrechen in seiner Geschichte schon des Öfteren begangen. Die Nachfahren der Polen, Italiener, Spanier, Griechen und so weiter müssen sich also umgehend diskriminiert fühlen, weil sie die Frechheit hatten, sich in die Aufnahmegesellschaft nicht nur zu integrieren, sondern in ihr aufzugehen, ja, sich mit ihr auch genetisch zu vermischen, so dass außer bei den Namen nichts mehr von der ehemaligen Fremdartigkeit zu spüren ist. Das Kopftuch ist eben nur das äußere Merkmal der mangelnden Integrationsbereitschaft und nicht kulturelle Folklore, die man den Zugewanderten natürlich zugestehen muss. Also hat es sehr wohl mit Integration zu tun, auch wenn es Herrn Oechslen ganz und gar nicht schmeckt.

2. Mythos: In Deutschland spricht man Deutsch
Zweisprachigkeit in Deutschland keine Seltenheit: Sogar zweisprachige Ortsschilder gibt es in der Gegend von Cottbus/Chóśebuz. Bis 1918 lebte im Deutschen Reich eine große polnische Minderheit. Natürlich bedarf es zur Kommunikation in einer Gesellschaft einer gemeinsamen Sprache. Aber auch hier muss man irrige Vorstellungen korrigieren.

Deutschland war auch vor den Zuwanderungswellen im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts kein sprachlich einheitliches Land. Es gibt zwar eine einheitliche Landessprache, aber die sorbische Minderheit im Südosten und die Dänen im Norden pflegten und pflegen ihre Muttersprachen neben dem Deutschen.

Er findet es nicht einmal peinlich, auf die Viersprachigkeit der Schweiz hinzuweisen, und merkt nicht, dass ihn dies und die oben genannten Beispiele auf sehr glattes Eis führen. Die Schweiz in ihrer heutigen Form ist bereits als viersprachiges Gebilde zusammengewachsen, die Sorben und Dänen sind so zu sagen Opfer deutscher Landnahme in der Vergangenheit. Der Vergleich wäre also nur dann passend, wenn im Laufe der Geschichte Deutschland Teile der Türkei oder Nordafrikas annektiert hätte. Dann sollte diesen Landesteilen sehr wohl eine offizielle Zweisprachigkeit zugestanden werden. Oder stellt sich Herr Oechslen vor, wir sollten gleich ganze Regionen in Deutschland als Türkisch, Arabisch oder sonst wie deklarieren, nur damit seiner hinkender Vergleich auf die Beine kommt? Und wenn dies die geeignete Form von Integration sein sollte, warum schlägt er solche Regionen nicht auch für die Ex-Polen, Ex-Italiener etc. vor? Ach ja, ich vergaß: an diesen ist das „Menschenrecht“ bereits vor langer Zeit vorbeigeschlittert.

3. Mythos: Die Deutschen integrieren sich im Ausland ohne weiteres

Bekanntlich sind im 19. Jahrhundert in immer neuen Wellen Deutsche in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert. Zwischen 1850 und 1914 kamen etwa fünf bis sechs Millionen in die neue Welt. 'Ghettobildung' war völlig normal. In New York gab es ein "Little Germany" mit deutscher Kirche, deutschem Metzger, deutschem Bäcker, deutscher Zeitung.

Auf dem Land gab es nicht nur deutsche Dörfer, die etwa "Frankentrost" oder "Frankenmuth" hießen und heißen. Es gab ganze deutsche Landkreise. Man verlangte für die Schulen in diesen Landkreisen ausschließlich deutsche Lehrer und unterrichtete weitgehend nach deutschen Lehrplänen.

Und wieder verwechselt Oechslen (mit Absicht?) Äpfel mit Birnen. Im 19. Jahrhundert suchte dieses große, weitgehend menschenleere Land fast schon verzweifelt Siedler, die das Land urbar machten. Deutsche waren hochwillkommen, da sie als besonders fleißig und anspruchslos galten. Natürlich wurden ihnen in abgeschlossenen Regionen zunächst Sonderrechte eingeräumt, die sich Stück um Stück verloren. Der falsche Vergleich beruht aber im Wesentlichen darauf, dass heute im Gegensatz zum 19. Jahrhundert eine erheblich größere Mobilität herrscht und auch aus wirtschaftlichen Erwägungen durchaus wünschenswert ist. Mit der Mobilität beginnt auch automatisch die Durchmischung und damit die schreckliche Assimilation. Es ist doch erstaunlich, dass die nach dem zweiten Weltkrieg ausgewanderten Deutschen niemals dieselben Sonderrechte erlangten und verlangten, wie sie den frühen Siedlern zugestanden wurden. Sollten wir also den Einwanderern in Deutschland unbesiedelte Landschaften zur Urbarmachung zur Verfügung stellen, damit wir Oechslens „Gedankengang“ nachvollziehen können? Eine abstruse Vorstellung.

4. Mythos: Haupthindernis für die gesellschaftliche Integration ist der Islam

Ist es nicht erstaunlich, welch prägende Kraft man von interessierter Seite der Religion der Muslime zuschreibt, während man andererseits meint, die gesellschaftliche Bedeutung des Christentums liege nunmehr seit Jahrzehnten im Schwinden? Läge es nicht viel näher, bei Muslimen wie Christen die Religion als einen Identität stiftenden Faktor unter anderen anzusehen?

Das ist alles, was Oechslen zur Religion zu sagen hat. Er stellt sich schlicht nicht einmal die Frage, warum denn wohl das weitgehend zur Folklore mutierte Christentum keinesfalls mit dem Ideologiesystem Islam verglichen werden kann. Wir begegnen hier einmal mehr der üblichen Gedankenlosigkeit, die in unseren etablierten Kirchen vorherrscht, der Islam sei schließlich auch nur eine Religion wie das Christentum. Damit ist das Thema Religion für Oechslen auch bereits abgehakt und er wendet sich den „wahren“ Ursachen der Abschottung zu.

Das entscheidende Hindernis für die volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist bei Muslimen genau wie bei anderen Zuwandern und bei Alteingesessenen ein geringes Einkommen und eine niedrige formale Bildung.

Sollen die Arbeiter aus Ostanatolien, die ihr Heimatdorf bei der Ausreise nach Deutschland zum ersten Mal verlassen haben, auf einmal die FAZ lesen oder im Restaurant Filet Bourguignon bestellen, um zu beweisen, dass sie sich nicht in einer Parallelgesellschaft abschotten?

Ich bin nicht bereit, einen solchen offenkundigen Unsinn (unter verschiedenen Aspekten!) mit einem Kommentar zu bedenken. Der Absatz spricht für sich, aber gegen den Urheber. Doch schließlich kommt Oechslen so ganz nebenbei noch einmal auf das Thema Religion zurück.

Natürlich spielt auch die Religion eine Rolle, aber oft erst sekundär: wenn etwa Leute, die sich in Deutschland fremd fühlen, in eine Religion flüchten, die ihnen früher gar nicht soviel bedeutet hat, nun aber ein wenig Halt bietet.

Dabei kommt ein sehr strenger religiöser Orientierungsrahmen dem Bedürfnis nach Geborgenheit unter Umständen entgegen. Man spricht dann von 'Fundamentalismus' – aber eigentlich geht es um Komplexitätsreduktion: Eine als unübersichtlich und bedrohlich empfundene gesellschaftliche Wirklichkeit soll vereinfacht werden.

Es geht also, das lernen wir nun, um „Komplexitätsreduktion“, um Flucht in die Religion angesichts der bösen Mehrheitsgesellschaft. Oechslen kommt nicht einmal auf die Idee, dass er Ursache und Wirkung hemmungslos vertauscht. Erst die von Beginn an vorhandene Verachtung gegenüber der Mehrheitsgesellschaft mit ihren als skandalös empfundenen Sitten und Bräuchen verhindert jeden Ansatz zur Integrationswilligkeit und –fähigkeit. Wer sich nicht vermischen will, kann sich auch nicht vermischen, da kann die Gemeinschaft der hier bereits länger Lebenden so viele Integrationsanstrengungen unternehmen wie sie will. Hinzu kommt der unabdingbare Wunsch, die Deutschen hätten sich geflissentlich den Moralvorstellungen einer im Mittelalter stecken gebliebenen Ideologie anzupassen, und nicht etwa umgekehrt. Solche Forderungen sind offensichtlich noch nicht bis in die Kirchenspitzen vorgedrungen, und wenn, dann werden sie gar noch als gerechtfertigt empfunden, weil man unter Strich für das Christentum Gleiches anmahnt.

Den nächsten Punkt kann man aufgrund nunmehr gelebter Praxis nur unterstreichen, er reflektiert allerdings Vergangenes, das keinen Bezug mehr zur heutigen Situation hat. :

5. Mythos: Deutschland ist kein Einwanderungsland

Der Satz "Deutschland ist kein Einwanderungsland" ist eine langjährige Lebenslüge der deutschen Politik. Er wurde von manchen Politikern auch dann noch bis zum Überdruss wiederholt, als das Gegenteil bereits mit Händen zu greifen war.

Doch kommen wir zum sechsten und letzten Mythos des Herrn Oechslen :

6. Mythos: Integration ist eine Bringschuld der Zuwanderer

Die Rede von den "Integrationsverweigerern" ist verräterisch. Denn damit sind ja stets Migranten gemeint. Sie "verweigern" – so sagt man – die Integration, indem sie z.B. nicht ausreichend Deutsch sprechen oder ihre Kinder nicht zur Schule schicken. In Wahrheit ist Integration ein Veränderungsprozess, der 'neue' und 'alte' Mitglieder einer Gesellschaft betrifft.

Wiederum wird die „Schuldfrage“ schlicht umgekehrt. Die ‚alten’ Mitglieder sind die „Integrationsverweigerer“, und da sie zahlenmäßig um ein Vielfaches schwerer wiegen, muss natürlich auch ihre Schuld größer sein. Welch groteske Verdrehung der tatsächlichen Gegebenheiten!

Natürlich dürfen in einer solchen Darstellung auch die Angriffe auf Alice Schwarzer und Thilo Sarrazin nicht fehlen. Es wäre ja sonst unvollständig.

Vieles wurde erreicht. Und nun, im siebten Jahrzehnt ihres Lebens, begegnen Frau Schwarzer massenhaft Frauen und Mädchen mit Kopftuch, das sie nicht anders verstehen kann, denn als Symbol der Unterdrückung.

Und Thilo Sarrazin: Auf einem Podium in München nannte man ihn einen "Kleinbürger, der mit einer ungeordneten Welt nicht klarkomme". Das trifft die Sache recht genau. Aber das "gediegene Münchner Bürgertum" tobt vor Wut, als man sein neues Idol angreift (SZ vom 1.10.10). Hier meldet sich Verweigerung zu Wort, Weigerung eine neue gesellschaftliche Wirklichkeit zu akzeptieren, Ablehnung eines Lern- und Veränderungsprozesses, von dem man doch dunkel ahnt, dass er unvermeidlich ist.

Ich möchte dem nur hinzufügen, was ich selbst von Frauen denke, die mir mit Kopftuch entgegen treten (und ich sage dies auch laut in „meinem“ Land). Ich empfinde dieses religiös verbrämte Outfit als Provokation, als Beleidigung meiner Intelligenz, weil ich genau weiß, was diese Frau mir gegenüber zum Ausdruck bringen will: Ich trage dieses Kopftuch, weil Du ein mieses Schwein bist, das mich sofort vergewaltigen würde, sobald ich es ablege. Ich finde, dass mich dieser Satz durchaus beleidigt.

  




Takfir : das innerislamische Chaos


Die Debatte über den Islam hat die zivilisierte Welt erreicht. Allerdings fällt es ihr schwer, zu wirklich sauberen und analytisch korrekten Bewertungen zu kommen, da außerhalb (aber teilweise auch innerhalb) der islamischen Umma wenig bekannt ist, wie weit die Fraktionierung der moslemischen Welt bereits vorangeschritten ist. Den meisten ist allenfalls bekannt, dass es Sunniten gibt (gesteuert von Al-Azhar in Kairo) neben den Schiiten, deren überwiegender Teil im Iran siedelt (gesteuert von der geistlichen Hochburg Qom). Man hört auch gelegentlich, dass Schiiten sunnitische Moscheen in die Luft sprengen – vor allem im Irak – und im Gegenzug sich Sunniten als Selbstmordattentäter auf vornehmlich von Schiiten besuchten Märkten betätigen. Hinter diesem Getöse bleibt der Außenwelt zumeist verborgen, was sich hinter den Kulissen abspielt.

Häufig wird nur wahrgenommen – vor allem von den so genannten Islamkritikern – was die Extreme sich leisten: Gewalt im Namen Allâhs. Dass die große Masse „normaler“ Moslems in den „gemäßigten“ Staaten wie zum Beispiel Tunesien längst andere Vorstellungen davon hat, wie der Glauben sich in ein modernes Weltbild einfügt, passt ganz offensichtlich nicht ins Bild. Allerdings ist es genau so falsch, wenn die Kanzlerin in ihrer Entschuldigung für die Äußerungen anlässlich des Todes von Bin Laden meint, dieser habe den Koran missverstanden. Genau das Gegenteil ist der Fall: er hat ihn wörtlich genommen. Siehe hierzu den viel diskutierten Artikel auf  Wissenrockt.

Genau dies aber wollen die so genannten „Kulturmoslems“ bereits seit längerem nicht mehr akzeptieren. Sie wollen leben und arbeiten wie im Westen und sich nicht fünf Mal am Tag um ihre Religion kümmern. Sie verhalten sich in diesem Punkte fast deckungsgleich mit der Masse der „Kulturchristen“, die die christlichen Feiertage begehen, sich aber das restliche Jahr von Herzen wenig darum kümmern, was die Oberbosse ihrer Institutionen täglich von sich geben. Die relative Anzahl der Kulturmoslems ist in den einzelnen Ländern natürlich völlig unterschiedlich. Am weitesten fortgeschritten auf dem Weg in eine Säkularisierung der Religion sind dabei solche Gesellschaften, die seit vielen Jahren mit intensiven Ausbildungsanstrengungen für den Aufbau einer funktionierenden Mittelschicht gesorgt haben. Bestes Beispiel bleibt für mich dabei Tunesien, doch auch im Iran existiert diese Mitte, die nur derzeit noch weitestgehend vor sich hin vegetiert, da sie von Staats wegen sich nicht entfalten kann. Dass diese erkennbare Abwendung von den strengen Normen des 1.400 Jahre alten Glaubens nicht allen passt, und dass sich Gegenbewegungen extremer und extremster Art herausbilden, ist nur logisch und verständlich. Doch irgendwann werden vielleicht auch die Protagonisten der scharfen Auslegung erkennen: Allâh schafft keine Jobs!

In einer lesenswerten Studie hat nun Christian H. Meier unter dem Titel „Der Kampf um Deutungshoheit über den Islam“ eine Diskussion eröffnet, die hoffentlich auch über die Seite Qantara hinaus in Zukunft wahrgenommen werden wird.

  

 

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Ehen werden im Himmel geschlossen


Dieser Spruch, von Oscar Wilde satirisch-bissig verdreht als "Scheidungen werden im Himmel beschlossen" und wie beiläufig in die Komödie „The Importance of being E(a)rnest“ eingestreut, kennzeichnet überdeutlich, wie früher die Partnerwahl quasi regelhaft vonstatten ging. Nicht die Partner finden sich, sondern die Ehe wird von den Familien ausgemacht, arrangiert. In unserer aufgeklärten Welt, mit Ausnahme vielleicht einiger rückständiger Gebiete auf dem platten Land, gilt diese Art der Partnerfindung allerdings seit geraumer Zeit – und wohl zu recht – als ein eklatanter Verstoß gegen die Menschenrechte, einmal ganz davon abgesehen, wieviel „Glück“ eine solche Ehe wohl produzieren mag. Ein Sonderfall liegt sicherlich dann vor, wenn einer der beiden Partner unter Androhung oder Volllzug von körperlicher Gewalt in diese Ehe gezwungen oder in ihr gehalten wird. Doch nur dieser offensichtliche Ausnahmefall kann rechtlich verfolgt werden und ist seit 2010 ein eigener Straftatbestand. Betroffen sind davon nur 0.035%  aller existierenden Ehen in Deutschland. Wundert es irgendjemanden, dass nicht mehr Fälle bekannt werden?

Die Zahlen wurden geliefert durch eine Studie, die im Auftrag der Bundesfamilienministerin Christina Schröder und federführend von der Hamburger Lawaetz-Stiftung und der Frauenorganisation Terre des Femmes erstellt worden war.

Da vor allem moslemische Familien davon betroffen sind, wittern die Berufsmoslems darin gleich wieder eine Attacke auf den Islam. So empört sich Nurhan Soykan lautstark in einem Artikel auf islam.de: Das Thema Zwangsehe führt immer wieder zu hitzigen Debatten, schon die Definition ist umstritten. Die vorliegende Studie spricht nur dann von einer Zwangsheirat, wenn mindestens einer der Ehepartner durch Gewalt oder Drohungen zum Heiraten gezwungen wird. Davon zu unterscheiden sind sogenannte arrangierte Ehen, bei denen der Partner ebenfalls von Verwandten oder Dritten ausgesucht wird, die Eheleute damit aber einverstanden sind.

Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Perfidie das wirkliche Problem, das Arrangieren von Ehen, quasi in einen Nebensatz als unwichtig verschoben wird. Denn genau dies kennzeichnet die Lebenswirklichkeit moslemischer Paare. Einer Gewaltandrohung bedarf es dazu  in aller Regel nicht. Das Wort der Väter hat in einer typisch moslemischen Familie Gesetzeskraft. Und natürlich erklären sich die betroffenen Kinder einverstanden. Gewaltandrohung ist ja auch nur dann nötig, wenn sie aufmucken sollten. Das Geschrei der moslemischen Interessengruppen geht also vollumfänglich am wahren Problem vorbei. Das wird nicht einmal diskutiert, so selbstverständlich ist in diese rückständige Kultur eingebügert.

Meine eigenen Beobachtungen zu diesem Thema stammen (wie sollte es wohl anders sein) aus meinem Gastland Tunesien. Auf dem Land ist die arrangierte Ehe nach wie vor der Regelfall. Mit dem Zerfall traditioneller Familienstrukturen in Ballungsgebieten, also ganz ähnlich der Entwicklung in der Vergangenheit in Europa, gibt es aber zwei bemerkenswerte Tendenzen. Zum einen suchen und finden sich die jungen Leute immer häufiger freiwillig zum Ehebund zusammen und zum anderen scheitern in zunehmendem Maße Zwangsverbindunngen der genannten Art. Die Scheidungsrate nimmt von Jahr zu Jahr zu – und die Trennung wird in den meisten Fällen von Frauen verlangt, die sich endlich ihres Paschas entledigen wollen. Diese Entwicklung wird wohl kaum aufzuhalten sein.

Ich gehe einmal davon aus, dass meine tunesischen Beobachtungen auch auf die Türkei zutreffen mit denselben Unterschieden zwischen Anatolien und den Großstädten wie Ankara oder Istambul. Bei den Türkischstämmigen in Deutschland scheint aber die nachgeholte „Cousine aus Anatolien“ wohl eher kein Klischee, sondern ein sehr häufig anzutreffender Fall zu sein.

Ich erspare mir an dieser Stelle jede weitere Bemerkunng dazu, welche Schlüsse aus diesem Umstand für die Integrationsfähigkeit dieser neudeutschen Bevölkerung daraus gezogen werden müssen.

 

 

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„Ein Schritt vor, zwei zurück“


Ins „Dar Essalam“, das Haus des Friedens, ist die Welt nach Allahs Wille erst dann eingetreten, wenn sie sich vollständig seinen Anweisungen, sprich den Regeln des Korans,  unterworfen hat (Islam = Unterwerfung). Bis zu diesem Zeitpunkt lebt ein Moslem, wenn er seine Quellen wörtlich nimmt, im „Dar al-Harb“, dem Haus des Krieges. Auf welche Art und Weise dieser Krieg geführt werden soll, hängt dabei ganz entscheidend davon ab, in welchem Umfeld er stattfindet und welche Interpretation der einzelne Moslem den allgemeinen Anleitungen entnimmt. Fällt diese Interpretation extrem oder fundamentalistisch aus, wie dies bei Wahhabiten oder Salafisten der Fall ist, verschwimmt die Grenze recht bald in Richtung terroristischer Vereinigungen, von denen Al-Qaeda nur die augenfälligste und seit 9/11 bekannteste Variante darstellt. Während solche Vereinigungen in den gemäßigten islamischen Ländern wie beispielsweise Tunesien und Algerien mit AQMI (Al-Qaeda du Maghreb islamique) nur punktuelle „Erfolge“ erzielen können etwa durch Attentate oder Pressionen und Einschüchterungen der einheimischen Bevölkerungen, zieht sich inzwischen quer durch Afrika, von Mauretanien über Mali, den Norden Nigerias bis hin zum Horn von Afrika ein breites Band terroristischer Gewaltherrschaft, in dem der offene Krieg gegen alle Andersdenkenden ausgebrochen ist. Dieser Entwicklung steht die Presse in den zivilisierten Ländern, und wohl auch deren Politiker, mangels Hintergrundkenntnissen weitestgehend hilflos gegenüber.

In Europa und speziell in Deutschland begegnen wir ganz offensichtlich derzeit einem anderen Typus von Islam. Zwar haben auch Salafisten und andere Extremisten ihre Anhängerschaft, doch stellen sie mit geschätzten 30-50.000 Mitgliedern eine winzige Minderheit dar. Zu einer wie auch immer gearteten „Kriegsführung“ fehlt ihnen so gut wie alles, selbst zur Organisation terroristischer Anschläge sind sie nicht zuletzt dank der guten Überwachungsarbeit unserer Sicherheitsorgane kaum in der Lage. Die weit überwiegende Anzahl der in Deutschland lebenden Moslems ist weit von solchen fundamentalen Auffassungen entfernt. Etwa die Hälfte von ihnen wird nach den Erhebungen von fowid als mehr oder weniger ungläubig eingeschätzt, selbst wenn sie sich nicht offiziell als Ex-Moslems bekennen. Es reicht zumeist die Klassifizierung „nicht praktizierend“, was aus dem Mund eines Moslems etwas ganz anderes (mutiges) bedeutet, als wenn dies von einem Christen käme. Die andere Hälfte kann man als „fromm“ einstufen, doch lehnt sie aus Überzeugung Gewalttätigkeit ab. Ihr Glauben, die Riten und die Feste sind aus der Tradition vorgeprägt und werden vor allem dort ausgeübt, wo viele Moslems raumnah beisammen sind. In der derzeitigen Situation stellen sie keine unmittelbare Gefahr für die Gemeinschaft dar. Ob sich das bei zunehmender Anzahl einmal ändern wird sei dahingestellt.

Interessanter als die einzelnen Gläubigen, deren Religiosität wir als Humanisten zu respektieren haben (siehe auch unser Manifest) stellt sich die Arbeit der Verbände dar, die in ihrem Namen sprechen. Zusammengefasst agieren sie als KRM (Koordinationsrat der Muslime) und treten gegenüber den staatlichen Organen als die einzig befugten Vertreter aller Moslems in Deutschland auf (obwohl das nicht den wirklichen Gegebenheiten entspricht).  Sie versuchen dabei, sich ähnlich wie die Kirchen zu organisieren (vielleicht sogar mit dem Ziel der Körperschaft des öffentlichen Rechts). Sie sprechen bereits selbst von einer „Verkirchlichung“ ihrer Organisation. Und das hat gute Gründe: sie möchten unter dem Strich in den Genuss derselben Privilegien gelangen, die sich die Staatskirchen in der Zeit nach der Aufklärung Stück um Stück wieder angeeignet (ergaunert?) haben. Auf diesem Wege sind sie dank der tätigen Unterstützung durch die Amtskirchen sehr gut (und in der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt) vorangekommen. Die Einrichtung islamisch-theologischer Lehrstühle und die Einführung von islamischem Religionsunterricht in den Schulen (alles vom Staat finanziert) sind nur die hervorstechenden Beispiele auf ihrem Weg zu völliger Gleichberechtigung mit den Kirchen. Sie können es sich inzwischen sogar leisten, Forderungen zu stellen, die weit darüber hinausgehen wie Halal-Essen in Kantinen oder getrennte Badezeiten für Männer und Frauen in öffentlichen Schwimmbädern.

Es beginnt sich zu rächen, dass die Politik dem Treiben der Amtskirchen bereits viel zu lange tatenlos zugeschaut hat, oder deren Treiben sogar ganz nach Kräften unterstützt hat. Wer heute anstrebt, den Islam in den privaten Bereich zu verlagern (wo er nach unserer Auffassung wie jede andere Religion hingehört), muss sich sagen und vorhalten lassen, dass er nicht rechtzeitig Vorsorge getragen hat bei der Eindämmung überbordender Privilegien. Wenn sich angesichts der selbstverschuldeten Situation dann Politiker hinstellen und von der Chimäre eines angeblich jüdisch-christlichen Abendlandes faseln (nicht selten kommen diese Damen und Herren aus Bayern), dann müssen sie sich nicht wundern, wenn verstimmte Reaktionen aus moslemischen Kreisen kommen.

Eine solche Reaktion sei unserer Devise „audiatur et altera pars“ folgend hier präsentiert:  http://www.islam.de/20141

Wissensstand vom Beginn 2012.

 

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الديمقراطية والا الاسلام


Die unverstandene Dichotomie:

Nach Auflösung des West-Ost-Gegensatzes trat ein Konflikt ins Licht, der jahrzehntelang fast völlig überdeckt von anderen Problemen dahingeschlummert hatte. Eine kulturelle Auseinandersetzung (Huntington: „clash of civilisations“), die das 21. Jahrhundert in erheblichem Ausmaß beschäftigen wird, die Dichotomie zwischen demokratischer und islamischer Weltauffassung. Das lässt sich auch ohne größere prophetische Gaben leicht vorhersehen. Nein, besser: wir sehen uns bereits in vollem Umfang mit diesem Konflikt beschäftigt. Das aus dieser Erkenntnis einsetzende Sendungsbewusstsein vor allem amerikanischer Politiker ist bekannt – der Ausgang der begonnenen Experimente in Irak und Afghanistan aber noch durchaus ungewiss. Manche gehen bereits davon aus, dass sie gescheitert sind, manche hoffen immer noch, dass sich westliche Demokratie in islamischen Ländern notfalls auch mit Waffengewalt einführen ließe.  

Bei dieser Auseinandersetzung ist den meisten offensichtlich nicht klar, wo denn nun genau die eigentlichen Konfliktlinien verlaufen. Es lohnt sich also, einen näheren Blick auf die Besonderheiten dieser Dichotomie zu werfen.

„Religion“ heißt auf Arabisch دين  (spricht sich etwa wie [di:n]). Islam (الاسلام ), Christentum, Judentum sind also دين. Außer als Lehnwörter (siehe oben  الديمقراطية, sprich: dimokratiyya) kennt das Arabische (ebenso wie die europäischen Sprachen außer dem Griechischen) keine eigenen Begriffe für Demokratie, Diktatur oder ähnlichem. Fragt man näher nach, wie man denn zum Beispiel ein Gesellschaftssystem wie „Demokratie“ am besten auf Arabisch wiedergibt, bekommt man eine überraschende Antwort: Auch „Demokratie“ ist  دين. Wenn sich die erste Verblüffung gelegt hat, wird einem schnell klar, woran das liegt.

Demokratie ist ein Gesellschafts- und Politikmodell, das als Voraussetzung eines aufgeklärten, laizistischen Staates bedarf, in dem Gewaltenteilung, Menschenrechte, Meinungs- und Bekenntnisfreiheit sowie Minderheitenschutz wenigstens näherungsweise verwirklicht sind. Sie sagt nichts darüber aus, an was ihre Bürger – falls überhaupt – zu glauben haben – sieht man einmal von dem höchst umstrittenen Gottesbezug in der Präambel zum deutschen Grundgesetz ab.

Islam ist klassisch gesehen eine Religion und gleichzeitig ein Gesellschafts- und Politikmodell. Wie genau dies aussieht, wie es sich in der Geschichte entwickelt hat und wie es heute angewandt wird, dazu unten mehr.

Zunächst aber: Wie kann ein Dialog aussehen? Wer kann die Diskussion führen? Politiker? Religionsvertreter? Wie können Demokratie, Religionsvielfalt  und Islam in Einklang gebracht werden?

Wenn Kirchenvertreter – wie zuletzt der „deutsche“ Papst bei seiner Nahost-Visite – zum interreligiösen Dialog der drei monotheistischen Weltreligionen aufrufen, sind sie sich wohl nicht darüber im Klaren, dass damit nur ein kleiner Teilaspekt des Problems abgedeckt wird. Von rein religiöser Warte aus betrachtet stellt sich die Angelegenheit relativ simpel dar: man hat einen angeblich gemeinsamen Gott, der sich in verschiedener Weise offenbart haben soll, die Riten- und Regelbefolgungen sind unterschiedlich. Aber immerhin rekurriert man weitgehend und vordergründig auf dasselbe Personal: Abraham (Ibrahim), Moses (Moëz), Jesus (Isa Ben Maryam) und viele der alttestamentarischen Propheten. Eine optimistische Vorstellung: man konzentriert sich auf das Verbindende, lässt unterschiedliche Riten zu – und schon hat man weit mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung hinter sich: eine allumfassende Ökumene.

Gehen wir einmal davon aus, dieser interreligiöse Dialog könne zu irgendeinem Erfolg  führen. Was wäre damit gewonnen? Was würde das für einen Vorteil für die Gesellschaft bringen? Im Idealfall ein wenig mehr Toleranz und Respekt für den jeweils Andersgläubigen – das wäre schon ein Gewinn. Doch was geschieht mit denen, die sich keiner der drei Religionen anzuschließen vermögen – in Deutschland immerhin ein gutes Drittel der Bevölkerung? Peter Scholl-Latour, der so genannte Nahostexperte, versteigt sich sogar zu der nach unserer Sichtweise, aber z.B. bei PI vertretenen, völlig unsinnigen Forderung, der Westen müsse wohl nach amerikanischem Zuschnitt eben wieder etwas christlicher werden, damit er von den Moslems als Gesprächspartner ernst genommen werden könne. „Atheisten sind in den Augen der Moslems nichts, sie sind weniger als Schweine“ (Scholl-Latour). Dann wäre man in der Tat einem positiven Ergebnis des Dialogs der Religionen ein Stück näher – doch um welchen Preis? Der große Vorteil unserer pluralistischen Gesellschaft liegt doch unter anderem auch darin, dass auch solche, die neben der physikalischen und biologischen Welt keine metaphysischen oder transzendentalen Elemente anerkennen können, ihre Lebensberechtigung haben und ihre Meinung frei vertreten können ohne als Ketzer oder Häretiker angeprangert oder gar physisch vernichtet zu werden.

Religiöse Gesellschaften in der Praxis

Die „einzige echte Demokratie“ des Nahen Ostens, das „jüdische“ Israel, ist stolz auf seine gesellschaftspolitischen Errungenschaften, die sie von der arabischen Umwelt absetzen. Das demokratische Verständnis der Gründergeneration (von extremen Zionisten einmal abgesehen) steht dabei wohl außer Frage, doch heute? Welche Rechte haben Moslems, Christen und religionsfreie Humanisten im „Gelobten Land“? Schaut man genau hin, so erkennt man, dass modernere politische Regungen wie z.B. Israel Beitenu des Außenministers Liebermann statt von demokratisch gebotener Vielfalt eher von einer jüdischen Ethnokratie basierend auf Thora und Halacha träumen. Noch haben sie nicht die Mehrheit und es gibt weiterhin moslemische Abgeordnete in der Knesseth und arabische Bürgermeister – doch wie lange noch? Bevor unsere jüdischen Freunde im Blog protestieren: ich sehe die Gefahr nicht reell, sondern allenfalls als latente Bedrohung für die Demokratiefähigkeit Israels.

Das ur-katholische Verständnis von Staat und Religion lässt sich deutlich am Vatikan ablesen: Demokratie? Fehlanzeige! Der gesetzgeberische Souverän ist Gott mit seiner Offenbarung, sein Stellvertreter ist weltliches und geistliches Oberhaupt dieses international weitgehend anerkannten „Staates“, einer Theokratie von Mussolinis Gnaden mitten im aufgeklärten Europa. Es bleibt abzuwarten, was der Chef dieser Theokratie den Demokraten des Bundestages bei seinem Besuch im September des Wir-sind-Papst-Jahres zu berichten haben wird.

Was macht aber das Besondere am Islam aus? Der Grund ist historischer Natur. Von Beginn an in Medina und später in Mekka gab es im Islam keinen Widerspruch zwischen geistlicher und weltlicher Macht. Offenbartes Recht (qur’an und sunna = schari’a) war Basis des Zusammenlebens. Anders als Moslems waren Christen nicht von vornherein im Besitz weltlicher Macht. Sie waren gezwungen, ihre eigene Organisation abseits weltlicher Staatsstrukturen zu formieren. So entwickelte die katholische Kirche beispielsweise sogar ihr eigenes Rechtssystem (canones), das unabhängig von staatlichen Institutionen funktionierte, und das sie nur allzu häufig missliebiger weltlicher Macht aufzudrücken versuchte. Ansonsten arrangierten sich aber die Kirchen – so vor allem auch später Luther – mit den weltlichen Machtverhältnissen, die sie gerade vorfanden, egal ob demokratisch, monarchisch oder totalitär.

Solche Arrangements hatte der Islam bisher nie nötig. Deshalb hat er auch keine vom Staat unabhängige Organisationsstruktur. Man könnte überspitzt sagen: Islam organisiert sich als Staat oder ihm fehlen jedwede Merkmale einer eigenständigen, religionsgebundenen Struktur. Man sieht hier bereits einen wesentlichen Grund, warum die moslemischen Organisationen wie der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) oder Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) sich so schwer tun.

Der ideale Staat hat nach moslemischer Auffassung nur einen Souverän: Allah. Sein Wille offenbart sich direkt im Koran, indirekt in der Sunna (Hadithe), also den aufgezeichneten Äußerungen Mohameds zu Lebzeiten. Zusammengefasst ergibt das die Scharia, über die im Westen teilweise völlig falsche Vorstellungen herrschen aufgrund von medialen Horrorberichten. Alle Nachfolger des Propheten gelten als Stellvertreter Gottes (khalifa), die das Gesetz umzusetzen haben und allenfalls Ausführungsbestimmungen (qanun = canones) erlassen, um alles, was in der Scharia nicht geregelt ist, mit Leben zu füllen. Dem Kalifen, der im Idealfall ein gütiger Richter und Philosoph, aber auch ein guter Kämpfer sein soll, steht ein Beratergremium zur Seite (die Schura). Das gemeine Volk (die Umma) hat ohne zu hinterfragen den Weisungen des Kalifen zu folgen. Unklar bleibt, wie das Beratergremium zusammengesetzt sein soll und von wem es gewählt wird, oder was zu tun ist, falls der Kalif den definierten Anforderungen nicht entspricht. Die Parallelen zum Vatikanstaat (bis auf die Kämpferqualitäten) sind verblüffend.

Bis zum vierten Kalifat in der Nachfolge Mohameds hat das auch alles ganz gut funktioniert. Danach wurde die Situation immer verworrener und zerrissener, bis sich schließlich die Philosophen daranmachten, die offensichtlichen Mängel des Systems zu analysieren und damit eventuell zu beseitigen. Zu nennen ist hier vor allem Ibn Rushd (Averroës), der aus einer einflussreichen Richterfamilie stammte, selbst Recht, Philosophie und Medizin studierte, und als qadi (Richter) eine einflussreiche Stellung in der nordafrikanisch-andalusischen Almohaden-Dynastie einnahm. Unter seinen wohl insgesamt 84 Werken sind 55 noch bekannt, vor allem sein Kommentar zu Platons politeia ist im westlichen Kulturkreis von großem Einfluss  gewesen.

Wie Platon unterscheidet er zwischen der Elite und der Masse eines Volkes. Als unzulänglich bei Platon empfindet er, dass nur die Gebildeten letztlich Glückseligkeit erlangen können, nicht aber die Masse des Volkes. Im islamischen Idealstaat sei dies aufgrund der religiösen Basis auch für die einfachen Leute möglich, nicht nur im Diesseits, sondern vor allem auch im Jenseits. Zudem ist Platons Staat auf reine Vernunft gegründet, es mangelt ihm sozusagen die geistliche Überhöhung, Allahs Offenbarung, die weit über aller Vernunft anzusiedeln ist. Gleichwohl misst er der Vernunft (außer bei der Staatsräson) einen so hohen Stellenwert zu (duplex veritas?), dass er letztlich von orthodoxen Geistlichen geächtet und verbannt wurde, seine Werke wurden verbrannt. Bei den möglichen Staatsformen geht er mit Platon allerdings weitestgehend konform – vor allem in seiner Ablehnung der Demokratie, die als irrende Vorform der Tyrannei zu betrachten sei. (Zur weitergehenden Information sei empfohlen: Michael Jainzik, „Zwischen nomos und schari’a“, Concilium medii aevi 5 (2002), 143ff)

Islam in der Demokratie?

Seit der Abschaffung des letzten Kalifats 1924 nach Untergang des Osmanischen Reiches gibt es heute keinen modernen islamischen Staat mehr, der nach dem geschilderten Grundprinzip aufgebaut wäre. Fast alle geben sich einen demokratischen Anstrich, der allerdings Mühe hat, die polizeistaatlichen, diktatorischen und nepotistischen Strukturen zu übertünchen. Neben dem Problem, dass den Menschen grundlegende bürgerliche Rechte vorenthalten werden, ergibt sich ein unangenehmes psychologisches Element: Man ist ja nun einmal Demokratie, was der Bevölkerung auch immer wieder eingehämmert wird, also werden im Empfinden der Bevölkerung auch alle Mängel, die sich überall zeigen, der Demokratie angelastet. Da kann sich demokratisches Bewusstsein in unserem Sinne nicht oder nur sehr schwer entwickeln. Wie ernst dieser demokratische Scheinmantel genommen wird musste ich am eigenen Leib erfahren, als ich wegen meiner Äußerung, man lebe doch wohl in einer „Demokratur“, von „guten“ Freunden denunziert wurde – zum Glück ohne Folgen.

Einen Sonderfall stellt zweifellos die Türkei dar. Als einziges moslemisches Land der Welt hat sie den Laizismus zur Grundlage des Staatsverständnisses gemacht neben Nationalismus, Etatismus und Republikanismus – mithin finden wir hier eine eindeutige Trennung zwischen Religion und Staat, auch wenn man von außen gesehen nicht den Eindruck hat, dass die handelnden Akteure (wie beispielsweise die Adalet ve Kalkınma Partisi, kurz AKP, zu deutsch: Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung) dies immer und vollständig verinnerlicht haben. Auch dürfte sich in ländlichen Gebieten, in denen noch immer archaische Strukturen tribalen Ursprungs die Oberhand haben, bis heute kaum festgesetzt haben, dass man in einer Demokratie lebt. (Vertiefend: Patricia Foertsch, „Islam und Demokratie“, Almanya Infodienst N° 3 der Konrad Adenauer Stiftung).

Extremistische Strömungen im Islam (und ich meine nicht einmal nur die militanten) vertreten die Ansicht, der Kampf gegen den Okzident müsse so lange weitergehen, bis die ganze Welt nach der Scharia lebt. Dann erst ist Allahs Wille erfüllt. Wie sähe solch ein Leben aus? Als Beispiel wird immer wieder die moslemische Herrschaft über Andalusien angeführt, die angeblich von so viel Toleranz gegenüber Andersgläubigen getragen war. Immerhin: es hat praktisch keine Zwangsbekehrungen gegeben. Individuelle Mission war anders als im Christentum nicht vordringlicher Zweck der Islamisierung. Jedoch mussten die „Schriftgläubigen“ (Juden und Christen) erheblich erhöhte Steuern entrichten und waren von weiten Teilen des öffentlichen und politischen Lebens ausgeschlossen. Auch Zwangsdeportationen von Juden nach Marokko sind geschichtlich belegt (weil sie ihre Tracht nicht ablegen wollten). Für Christen und Juden sicherlich keine angenehme Vorstellung, unter der Scharia leben zu müssen – und was wäre zudem mit all denen, die die Präponderanz der Metaphysik gegenüber dem Realen nicht anerkennen können? Hierfür gibt es keine geschichtlichen Beispiele, doch wenn man bedenkt, was die Scharia zum Apostatentum sagt, schwant dem Leser sicherlich nichts Gutes! Glaubensabtrünnige und damit wohl auch Atheisten sind mit dem Tode zu bestrafen.

Dieses islamische religiös-politische Sendungsbewusstsein steht damit auf einer Stufe mit dem westlich-demokratischen Sendungsbewusstsein. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Demokratie mit all seinen bürgerlich-weltlichen Freiheiten für „echte“ Moslems ein ebenso rotes Tuch darstellt wie für uns die Vorstellung, unter der Scharia leben zu müssen.

La révolution des Jasmins

Und nun erleben wir, direkt vor unserer Haustür, dass sich ein islamisches Land, Tunesien, mit großer Entschlossenheit von innen heraus daranmacht, eine Demokratie zu entwickeln mit allen dazugehörigen Strukturen wie Rede- und Bekenntnisfreiheit, unabhängiger Presse, unabhängiger Justiz und politischen Parteien. Natürlich stellt sich angesichts der bisherigen Erfahrungen die Frage, ob ein solches Experiment überhaupt Chancen der Realisierung hat.

Man sollte wissen, von wem die Revolution, der man inzwischen den Namen „Jasmin-Revolution“ gegeben hat, in ihrer politischen Dimension wirklich initiiert wurde. Dazu hat ein angesehener Bankier im tunesischen Fernsehen (unter Tränen) eine bemerkenswerte Aussage gemacht. Wann immer er nach Hause kam fand er seinen Sohn vor dem Computer mit Facebook, Twitter und Ähnlichem beschäftigt. Er hielt all dies für Spielkram, dem er allenfalls lächelnde Nicht-Beachtung schenkte, gelegentlich verbunden mit der Ermahnung, sich doch lieber mit etwas Sinnvollerem zu beschäftigten. Als er am Freitag (14. Januar 2011) nach Hause kam, war sein Sohn nicht da. Als er den Fernseher einschaltete sah er die Menge der jungen Demonstranten, die zusammen mit den streikenden Richtern und Rechtsanwälten viereinhalb Stunden lang das Innenministerium belagerten. In der Menge entdeckte er durch Zufall seinen Sohn in den vordersten Reihen. Stolz und Trauer überkamen ihn gleichzeitig. Stolz, weil er erkannte, was sein Sohn all diese Zeit vor dem Computer wirklich gemacht hatte, und für das er nun mit dem Mut der Jugend vor aller Augen eintrat. Trauer, weil er schlagartig sah, was seine Generation, karrierebewusst und mit dem System arrangiert, versäumt hatte, was längst hätte geschehen müssen.

Die Jugend lehrt die Eltern, was Demokratie heißt.

Da ich einige dieser jungen Leute aus der Blogger-Szene kenne, weiß ich ungefähr, wie sie „ticken“. Nicht ein einziger von ihnen ist Moslem in dem Sinn, der auf islamkritischen Blogs häufig pauschal als „der Moslem“ dargestellt wird. Kurz: sie haben mit Religion nichts am Hut! Mein zwanzigjähriger Neffe, Student der BWL, ist ein typisches Beispiel dafür. Er lebt wie seine Altersgenossen im Westen ein freies und ungebundenes Leben, besucht nie eine Moschee, aber er würde von sich immer behaupten, Moslem zu sein. Ich bezeichne diese hier weit verbreitete Art von Moslems als „Kulturmoslems“ und vergleiche sie mit den vielen Deutschen, die nie eine Kirche von innen sehen, aber trotzdem an Weihnachten einen „Christbaum“ aufstellen, und damit ihr Eingebettetsein in die hiesige Kultur demonstrieren.

Islamische Scharfmacher haben bei diesen jungen Leuten (und ihren Eltern!) nicht die geringste Chance. Die im Titel gestellte Frage „Demokratie oder Islam“ ist hier nicht virulent, sie muss umformuliert werden in Demokratie und ein in den privaten Bereich verschobener Islam. Ich vertraue darauf, dass sich diese Idee hier durchsetzt, sonst hätte ein weiteres Verbleiben in diesem Land für meine Frau und mich keinen Sinn.

(Das Original des Fotos im Banner stammt von Götz Burggraf und Sie können es hier bestaunen.)

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Vom Primat der göttlichen Moral


Wie gering die Bereitschaft von Religionen ausgeprägt ist, weltliches Recht als übergeordnet anzuerkennen und danach zu handeln, zeigt sich nicht nur in den täglichen Forderungen nach neuen Sonderrechten für Moslems, sondern auch Christen sind trotz stetiger gegenteiliger Beteuerungen nicht bereit zurückzustecken, wenn weltliches Recht mit den eigenen Vorstellungen kollidiert. Belege für diese Behauptung sind zahlreich, typisch sind die Scharia-Vorbehalte der OIC (Organisation of Islamic Countries) gegenüber der Menschenrechtsdeklaration von 1948 ebenso wie die fehlende Unterschrift der Römisch Katholischen Kirche. Die Kumpanei zwischen Katholiken und Moslems geht aber viel weiter, wie der gemeinsame Kampf gegen die Blasphemie oder die Homosexualität zeigt. Dabei stellt sich der Vatikan einmal mehr auf die Seite der Unrechtsstaaten, in denen die Menschenrechte keinen Pfifferling wert sind und in denen Minderheiten gleich welcher Natur rigoros verfolgt werden.

Dabei ist es völlig gleichgültig, ob Homosexualität erblich bedingt ist, durch Sozialisation erklärt wird, oder ob sie als Krankheit deklariert wird. Gegen die Diskriminierung dieser Randgruppe wendet sich eine Resolution von 83 Staaten in der UNO unter der Federführung von Kolumbien. Die im März 2011 im UN-Menschenrechtsrat in Genf von Kolumbien verlesene Erklärung trägt den Titel: "Gewaltakte und Menschenrechtsverletzungen wegen der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität verhindern". Darin äußern die Unterzeichner Sorge über die Diskriminierung von Schwulen und Lesben "in jeder Weltregion". Die beklagten Menschenrechtsverletzungen schlössen "Tötungen, Vergewaltigungen, Folter und strafrechtliche Verfolgung" ein, also genau das, was in mehrheitlich moslemischen Ländern, aber auch in evangelikal dominierten, an der Tagesordnung ist. Von den mehrheitlich moslemischen Ländern schlossen sich nur Albanien und Bosnien-Herzegowina der Resolution an. Wie nicht anders zu erwarten, empörten sich die römischen Menschenrechtsverletzer umgehend. Doch nicht etwa gegen diejenigen, die die Menschenrechte mit Füssen treten, was man ja aufgrund der „Christlichkeit“ mit Fug und Recht erwarten dürfte – nein – die Empörung traf diejenigen Staaten, die die Resolution eingebracht haben. Queer.de  berichtet:

Scharfe Kritik am Papier hat die katholische Kirche geäußert. Der Vatikan warnte nach Verkündigung der Erklärung davor, dass die Akzeptanz von Homosexuellen zur Verfolgung von Christen führen könne: "Viele werden attackiert, wenn sie sexuelles Verhalten zwischen Menschen des selben Geschlechts nicht unterstützen", sagte Erzbischof Silvano Tomasi, der Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen. Wenn sie ihre moralischen Bedenken äußerten, würden Gläubige "stigmatisiert, verteufelt und verfolgt." Der Erzbischof verteidigte das Recht der Staaten, Homosexualität zu verbieten: Staaten müssten das Recht haben, "gewisse sexuelle Handlungen" zu regulieren und gewisse "sexuelle Verhaltensweisen" per Gesetz zu untersagen

Dazu erübrigt sich im Prinzip jeder weiter gehende Kommentar. Man stellt sich – Spitze der Perfidie und Bigotterie – offen auf die Seite der Mörder und beweint gleichzeitig die mangelnde Toleranz der Aufgeklärten gegenüber der Kirche. Diese Schizophrenie setzt sich in religiös überwucherten Web-Publikationen wie Politically Incorrect fort: Man empört sich über die „Baukräne“ im Iran, betreibt aber simultan eine gnadenlose Hetze gegenüber denen, die Opfer solcher Massaker sind. Als ob es einen Unterschied machte, ob Minderheiten konkret ausradiert werden, oder ob man nur indirekt Beifall dazu klatscht. Da kann man leicht sagen, dass die heilige römisch katholische Kirche in letzter Zeit keinen Homosexuellen selber aufgehängt hat. An Schäbigkeit ist das wohl kaum noch zu überbieten. Ein solches Verhalten ist wohl kaum geeignet, ein „christliches Abendland“ schmackhaft zu machen.

Mit einer Selbstverständlichkeit, die ihresgleichen sucht, fordern Muslime den Schlachtruf des Muezzins vom Minarett herab und Katholiken christliche Symbole in staatlichen Einrichtungen, und beide völlig unabhängig davon, ob andere dadurch eingeschränkt, geschädigt, oder in ihrem Befinden belästigt werden.

Gilt es aber – reichlich selten genug – den weltlichen Gesetzen zur Geltung zu verhelfen, erhebt sich ein großes Geschrei über die Intoleranz gegenüber den Religionen. Zwei typische Bespiele werden von Kath.net beweint: USA: Toleranz für jeden – außer für Katholiken? Amerikanische Katholiken sind besorgt, dass ihnen immer mehr Freiheiten genommen werden.

Um welche Freiheiten handelt es sich dabei? Man liest: (…) in San Antonio in Texas, fanden die Äußerungen des atheistischen Elternpaares Christa und Danny Schultz sehr viel Beachtung. Sie waren besorgt, dass ihrem Sohn Schaden zugefügt wird, wenn er mit Worten wie Gott oder Gebet bei seiner Schulabschlußfeier konfrontiert würde. Chef- US-Bezirks-Richter Fred Biery entschied daraufhin, dass bei der Graduiertenfeier der Oberschule keinerlei Gebet gesprochen werden darf und auch nicht das Wort „Gott“ oder ein „Amen“ erwähnt werden soll, da dies den Teilnehmern der Feier schaden würde. Jedem, der diesem Urteilsspruch zuwiderhandelt, wird mit einer Gefängnisstrafe gedroht. Amerikanische Katholiken kommentieren, dass dieses dem Ersten Staatsgesetz der Meinungsfreiheit widerspricht. "Wir können das tun was wir wollen und sollten nicht darauf achten müssen gewisse Dinge nur tun zu dürfen wenn es dem Anderen auch genehm ist. Katholischen Christen darf es nicht verboten werden, das zu tun, was ihre Religion ausmacht. Ein Christ spricht ganz natürlich jeden Tag vom lieben Gott und keiner hat das Recht, ihn gesetzlich zu belangen, wenn er nicht den Mund hält".

Diese Form des steten Beleidigtseins, wenn Ansprüche aus offensichtlichen Gründen nicht anerkannt werden, kennen wir ja auch zur Genüge von der moslemischen Propaganda-Maschinerie. Doch wiederum die Frage: warum wird von so vielen mit zweierlei Maß gemessen, je nachdem, von welcher Seite Forderungen gestellt werden? Ist der Ruf des Muezzins vom Minarett herab etwas anderes als die christliche Berieselung mit Gebeten in einer notabene weltlichen Schulabschlussfeier?

Ein weiteres Beispiel, wie sich die katholische Kirche über gesetzliche Bestimmungen hinwegsetzt, und ihre eigene Vorstellung von Moral anderen – obwohl vom Staat finanziert – aufzwingen will, findet sich hier: Amerikanische Katholiken sind besorgt, dass ihnen ihre religiösen Freiheiten immer mehr genommen werden. Grund für die Annahme ist ein neues Gesetz, erlassen vom Bundesstaat Illinois. Im Mittleren Westen der USA hat am 26. Mai 2011 die Diözese von Rockford beschlossen aus einem Adoptionsprogramm für Kinder auszusteigen. Die Diözese will keine Kinder an unverheiratete oder gleichgeschlechtliche Paare vermitteln. Weiterlesen

Da passt es den Katholiken natürlich gut ins Konzept, dass auch die Evangelischen am selben Strang ziehen, wenn es gilt, einen antikirchlichen Stimmungswandel zu konstatieren. So erklärte der evangelische Kirchenpräsident Christian Schad: Atheistische Forderungen finden zunehmend positive Resonanz.

Seltsam nur, dass wir Atheisten davon so wenig wahrnehmen und lediglich konstatieren können, dass sich der religiöse Einfluss in der Gesellschaft immer stärker breitmacht. Doch lesen Sie mehr zum Thema Antikirchlicher Stimmungswandel.

Das sind Puzzleteile einer groß angelegten Kampagne des Vatikan gegen den Säkularismus, der sich im Motu proprio „Ubicumque et semper“ angekündigt hat, und das nunmehr in der Koalition mit Protestanten und Moslems seine Fortsetzung findet. Wir sind sicherlich noch nicht am Ende der Aktionen angekommen und sollten genau beobachten, mit welchen Mitteln die Gegenseite den Kampf führt.

Da trifft es sich auch gut, dass Psychiater nun festgestellt haben, beim Atheismus handele es sich um eine schlichte Geisteskrankheit, verwandt dem Terrorismus derer, die den Koran nicht verstanden haben. Auch oder gerade, wenn Sie dieses „Argument“ unbeschreiblich lächerlich finden sollten, versäumen Sie bitte nicht, sich darüber zu informieren. Systemfeinde als psychisch krank zu bezeichnen hatte schon in anderen Gesellschaftsformen Methode. Sind wir jetzt hier auch schon soweit?

Passend zum Thema (aus Atheist Cartoons):

 




Die Sprache der Hetzer


In Hammamet in Tunesien gibt es eine kleine, aber durchaus aktive katholische Gemeinde mit einem schön gelegenen ruhigen Zentrum nur 2 Gehminuten vom Mittelmeer entfernt. Im Garten vor der Kirche finden meist gut besuchte Zusammenkünfte und Wohltätigkeits-Basare statt. Die Priester sind zumeist Franzosen, die wohl von der «Weltkirche» jeweils für gewisse Zeit hierher abkommandiert werden. Während der Feriensaison liegen die Texte in vielen Sprachen aus, und je nachdem aus welchen Ländern die Besucher der Messen stammen, wird die Predigt von vorher gebetenen Laien in der jeweiligen Landessprache verlesen. Ich selbst habe eine derartige Bitte des Priesters allerdings dankend abgelehnt.

Die tunesischen Gemeindemitglieder leben und arbeiten in dem islamischen Umfeld, doch eines Tages gehen auch sie den Weg, den wir alle noch vor uns haben, und sterben. Der christliche Friedhof liegt an sehr prominenter Stelle an der massigen Mauer der Medina. Er ist bestens gepflegt und lädt zum Verweilen ein. Hier befindet sich auch das Grab Bettino Craxis, dessen Witwe nach wie vor die Fondazione Bettino Craxi leitet und sehr viel Gutes für Kinder stiftet – unabhängig von deren Religionszugehörigkeit.

Ich habe noch nie gehört, dass irgendjemand in Tunesien mit Ausnahme der Salafisten  Anstand genommen hätte an den Friedhöfen anderer Glaubensrichtungen. So gibt es auch etliche jüdische Friedhöfe, ein recht grosser sogar in der Nachbargemeinde von Hammamet, der Gouvernoratsstadt Nabeul. Und natürlich gibt es im Land verstreut noch etliche mehr – chistlich und jüdisch.

Niemand hier – nicht einmal die Salafisten – käme auf die absurde Idee, unter Hinweis auf die Existenz solcher Friedhöfe nun eine schleichende Christianisierung oder Judaisierung Tunesiens herbei zu fabulieren.

Doch schauen wir uns einmal den umgekehrten Fall an. Da berichtet die WAZ am 29. Juni:

Muslimische Vereine sollen ab 2013 eigene Friedhöfe in Nordrhein-Westfalen betreiben dürfen. Kommunen sollen muslimischen Vereinen einen Friedhof genehmigen können, wenn die Religionsgemeinschaft den dauerhaften Betrieb sicherstellen kann.

Das sieht ein Gesetzentwurf der rot-grünen Landesregierung vor, der in Kürze in die Verbändeanhörung geht. Anschließend wird der Landtag beraten. Bis zum Frühjahr 2013 soll es dann in NRW ein neues Bestattungsgesetz geben.

Ministerin Barbara Steffens (Grüne) will den Muslimen eine nach dem Brauchtum ausgerichtete Bestattung aus einer Hand erleichtern und sich für eine bessere Qualität der Leichenschau einsetzen. Viele Muslime lassen sich heute in ihren Herkunftsländern bestatten. Künftig könnten sich mehr muslimische Bürger in NRW in Grabstätten in der Nähe ihrer Kinder und Enkelkinder bestatten lassen, sagte Steffens. Bisher gibt es in NRW keine Friedhöfe in muslimischer Trägerschaft.

Man möchte meinen, dass es langsam an der Zeit ist, dass Moslems auch in NRW endlich ihre eigenen Begräbnisstätten bekommen, ebenso wie die Juden (um nur diese zu nennen) ganz selbstverständlich ihre eigenen Friedhöfe betreiben. Den ca. 200.000 Juden in Deutschland stehen mittlerweile geschätzt 4-5 Millionen Moslems gegenüber (zu den Zahlen der Religionen in D siehe Religionen in Deutschland: wikipedia. Zu den jüdischen Friedhöfen vergleiche Jüdische Friedhöfe in Deutschland: hier). Es ist auch durchaus nicht so, dass die Regierung von NRW mit ihrem Erlass Neuland beschritte. Den ersten moslemischen Friedhof in Deutschland kann man (als Sehenswürdigkeit in den Stadtführer aufgenommen) seit 1866 in Berlin am Columbiadamm in Augenschein nehmen (Berlin-Sehenswuerdigkeiten). In der Zwischenzeit sind etliche hinzugekommen.

Auch der WAZ (siehe auch deren Titelbild des jüdischen Grabfelds in Kiel) war dieser Erlass keinen grossen Aufmacher wert. Zu selbstverständlich ist die Botschaft.

Doch betrachten wir, was auf rechtsgewirkten Islamhetzerseiten aus dieser Story gemacht wird. Ich wähle ganz bewusst nicht das Flaggschiff der Islamophoben, Politically Incorrect, sondern einen der vielfältigen Ableger dieser Art von Hinterhofblogs, Quotenqueen, im November 2010 von drei bei PI geschassten Redakteuren und Autoren gegründet. (Anmerkung: Unter einem Hinterhofblog verstehe ich ein lichtscheues Gebilde, das es nicht einmal wagt, die presserechtliche Verantwortung für das eigene Geschreibsel zu übernehmen, sondern sich mit anonymen Betreibern möglichst auf für die Justiz schwer zugänglichen ausländischen Servern herumtreibt).

Sie sind sich nicht zu schade, auch noch die Toten für ihre wirre Argumentation heranzuziehen, um unter ihren Lesern die Angst vor der Islamisierung Deutschlands zu schüren. Dass dabei auch noch – so  ganz nebenbei – einige Seitenhiebe auf die verhassten Sozialdemokraten und Grünen abfallen, versteht sich so zu sagen am Rande. Es gibt mit Sicherheit an den verschiedensten Ausformungen des Islam in Deutschland und den potenziellen Gefahren, die durch diese Religion für die Gesellschaft ausgehen, etliches zu kritisieren, doch wenn man auch noch den Toten ihre Ruhe nimmt, so ist das in einer geradezu unbeschreiblichen Weise schäbig und verantwortunngslos. Doch lesen Sie selbst auf quotenqueen :

Damit die dringend benötigten Fachkräfte uns auch über den Tod hinaus erhalten bleiben und nicht posthum noch dahin zurückkehren, wo mancher besser geblieben wäre, führt die neu gewählte Pleiteregierung von Hannelore Kraft jetzt neue Friedhöfe nur für Mohammedaner ein. Schließlich kann man den Rechtgläubigen nicht zumuten, neben Ungläubigen zu ruhen. Im Gespräch sind auch weitere Rücknahmen zivilisatorischer Errungenschaften im Bestattungsgesetz. Mohammedaner müssen ihren Glauben entsprechend sofort beigesetzt werden, also ohne die in der Zivilisation übliche Wartezeit. Und Särge sind auch nicht üblich, da es in der Wüste kein Holz gibt. Da ist noch einiges kultursensibles Entgegenkommen drin.

[…]

Was wird wohl passieren, wenn der muslimische Verein nach einiger zeit erklärt, dass ihm der Friedhof doch zu teuer wird?

Jeden weiteren Kommentar hierzu erachte ich von meiner Seite aus als überflüssig.

Nur ein kleiner Nachsatz: Ohne es zu merken stellen sich solche Schreiberlinge auf ein und dieselbe Stufe mit den Salafisten – nur mit umgekehrtem Vorzeichen.

Erstveröffentlichung im Juli 2012.

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Islam trifft Moderne


Je geringer die Bildung desto größer die Gewissheit, im Besitz der Wahrheit zu sein. Das ist eine Binsenweisheit, die sich an den verschiedensten Objekten eindeutig belegen lässt. Der Intelligente fragt sich, warum denn wohl der Apfel vom Baum gefallen ist, der Tölpel freut sich, ihn nicht erst pflücken zu müssen, und frisst ihn auf. Weitergehende Gedanken sind Zeitverschwendung.

Die richtigen Fragen zu stellen hängt dabei allerdings nicht nur von der persönlichen Intelligenz eines Individuums ab, sondern vor allem auch davon, wie viele Fragen eine Gesellschaft überhaupt zulässt. Repressive Strukturen begünstigen weder das Fragenstellen noch die Kreativität. Das beginnt in den Familien mit stark patriarchalischer Ausrichtung, setzt sich in Schulen fort, in denen die Autorität des Lehrers davon lebt, dass seine Meinung sakrosankt ist, endet beim Militär in einem starren System von Befehl und Gehorsam. Wer all dies durchlaufen hat – nie angereizt, eigene Fragen zu stellen – hat schließlich auch an der Universität das Fragen verlernt. Dergleichen geschlossene Gesellschaften können es sich sparen, Geld für Forschung und Wissenschaft zu investieren. Es wird nicht viel dabei herauskommen.

Wer an dieser Stelle vorankommen will, tut sich keinen Gefallen, wenn er diese Strukturen unangetastet lässt. Nur wer die Fesseln einer solchen Gesellschaft zu sprengen in der Lage ist kann eine gewaltige Welle an Kreativität freisetzen. Vollständig wird aber auch dies nur gelingen, wenn parallel zur Sprengung dieser allgemeinen Fesseln auch und vor allem die von der Gesellschaft den Frauen auferlegten Fesseln fallen. Ohne Gleichberechtigung der Geschlechter keine wahre Freiheit.

Mit der Auferlegung fesselnder Denkverbote haben vor allem die monotheistischen Religionen den Menschen über Jahrhunderte hin Schreckliches angetan. Dabei denke ich weniger an die physische Verfolgung von Häretikern oder Apostaten (so schlimm diese Verbrechen auch sein mögen), sondern an die allgemeine Lähmung, die sich aus solchen Denkverboten notwendigerweise ergibt. Eine attraktive Betrachtung der Wissenschaftsgeschichte ohne Einfluss solcher hemmenden Faktoren kam ja (vielleicht scherzhaft, aber durchaus überzeugend) zu dem Schluss, dass die ersten Züge im 11. Jahrhundert verkehrt hätten und im 15. Jahrhundert der Flug zum Mond geglückt wäre. Die Fantasie reicht wohl nicht so weit sich vorzustellen, wo wir heute stünden.

Der Befreiungskampf begann mit einem ersten kleinen Schritt vor nunmehr knapp 500 Jahren und manifestierte sich (der Sage nach) in einem ketzerischen Pamphlet eines kleinen Mönchs an einer Kirchentür in Wittenberg. Das mag gering klingen, doch immerhin ermöglichte diese daraufhin einsetzende „Reform“ zumindest das Gefühl, anders sein zu dürfen, dem Einheitsbrei entronnen zu sein. Das Entweichen aus der Uniformität ist immer ein erster Schritt zur individuellen Befreiung und damit sehr häufig zur geistigen Entfaltung. Die Geschichte von Aufklärung, technischen Revolutionen, Industrialisierung und Entwicklung in eine Forschungsgesellschaft muss ich hier wohl nicht nachzeichnen. Sie ist bekannt. Sie hat Gewaltiges erreicht, birgt in ihrer postmodernen Version allerdings auch erhebliche Risiken, die aber hier nicht unser Thema sind.

Unglücklicherweise hat sich die Menschheit in diesen Fragen nicht symmetrisch entwickelt. Was lange Zeit zunächst durch Kolonialismus, später den Ost-West-Konflikt fast völlig verdeckt wurde, tritt nun zunehmend als „Clash of Civilisations“ in den Vordergrund und führt vor allem an den Nahtstellen zu erheblichen Verwerfungen und teilweise auch großen Ängsten. Auf diese außerhalb Europas stattfindenden Konflikte, bei denen sehr viel Blut fließt, mag ich hier nicht eingehen.

Vielleicht ist es etwas überspitzt, aber man kann cum grano salis sagen, dass auch in Deutschland, oder allgemein in Westeuropa, eine fortschrittliche, menschenrechtsorientierte Zivilisation auf archaische Kulturen trifft, die so gar nicht ins Weltbild passen wollen. Entsprechend hilflos wirken viele Reaktionen auf diese neue gesellschaftliche Herausforderung. Und nun ist es wieder ähnlich wie mit dem fallenden Apfel. Der Intelligente analysiert die Situation und entwickelt Lösungsmöglichkeiten, der Tölpel will das Problem dadurch umgehen, dass er den störenden Faktor aus dem Lande wirft, was aber ohne Missachtung unserer zivilisatorischen Errungenschaften kaum möglich ist. Da es auch müßig ist, sich darüber Gedanken zu machen, wie es zu dieser Situation gekommen ist, bleibt zunächst einmal festzuhalten: in Europa leben Moslems – für manche noch immer eine geradezu entsetzliche Vorstellung! Doch: „der“ Islam ist hier angekommen, er wird nicht wieder weichen. Das sei allen Träumern ins Gebetbuch geschrieben, die da immer noch glauben, nur eine neue Reconquista führe zur Rettung des untergehenden „jüdisch-christlichen“ Abendlandes. Wer davon träumt, ohne aktiv etwas zur Lösung der zweifellos anstehenden Probleme beizutragen, wird eines unguten Morgens aufwachen und einsehen müssen, dass sein Kampf verloren ist.

Der erste große Fehler einer falschen Betrachtungsweise liegt ja bereits darin, von dem Islam und den Moslems zu sprechen, wenn das Problem angegangen wird. Diese Pauschalierung führt dann schnell zu einigen unguten Unterstellungen. Ich will es einmal versuchen anders deutlich zu machen worum es geht. Wenn ich hier in Tunesien Leute befrage, was sie denn so vom Christentum wissen (und ich tue das seit nunmehr 14 Jahren), so kommt unter dem Strich immer wieder dasselbe heraus: Christen haben den Propheten Isa Ben Mariam zum Gott erhoben, sind also Polytheisten, und repräsentieren eine archaische Urform von Glauben, die sie möglichst bald gegen den viel weiter entwickelten Islam eintauschen sollten. Der letzte Gesandte Gottes war ja schließlich Mohammed – also muss der die Wahrheit wissen und nicht die fehlgeleiteten Christen. Auf weitergehende Fragen nach der Aufspaltung des Christentums in Hunderte von konkurrierenden Konfessionen, Sekten und Grüppchen kommt in aller Regel nur ein unwissendes Kopfschütteln.

Ganz Vergleichbares, Pauschalierendes findet sich in Europa, wenn man Christen nach dem Islam befragt. Zum Beispiel ist auch hier wenig bekannt, in welche Gruppen und Grüppchen sich all das aufgespalten hat, was gemeinhin unter „Islam“ subsummiert wird. Es ist nicht unser Thema, doch der Interessierte lese es hier in Kurzform nach: Welche Strömungen gibt es im Islam?. Der größte Fehler der so genannten christlichen Islamkritiker liegt aber in einer viel weitergehenden Unterstellung: Ein Moslem ist nur dann ein Moslem, wenn er buchstäblich nach den überkommenen Rezeptbüchern (Koran und Ahadith) lebt. Für alle diejenigen, auf die das nicht zutrifft (und das ist die übergroße Mehrheit) gilt dann eben: „Da ist der Chip drin“. Sie werden also denunziert als Schläfertruppe oder fünfte Kolonne, die im Fall der Fälle sofort bereit ist, für Ihre Religion einzuspringen und alle Ungläubigen abzumurksen. Das ist erkennbar aus Angst geborener Unsinn.

Betrachtet man „moderne“ islamische Gesellschaften (auf die Gefahr hin, eine contradictio in adiecto zu produzieren), so stellt man schnell fest, dass dem durchaus nicht so ist. Das Stichwort heißt auch dort Frauen und Bildung. Vom stark westlich geprägten Libanon einmal abgesehen, hat zweifellos Tunesien unter den arabischen Ländern den höchsten Bildungsstandard und die am besten entwickelten Freiheitsrechte für Frauen. Allein diesem Umstand ist es zuzuschreiben, dass im Gefolge der Revolution vom 14. Januar 2011 (der neue Nationalfeiertag, es wird bereits fleißig geschmückt) die Extremisten zwar einen relativen Erfolg verbuchen konnten, aber weit davon entfernt sind, die Geschicke dieses Landes in Richtung der Shari’âh zu verändern. Selbst bei ihnen setzt sich die Erkenntnis durch, dass eine moderne Wirtschaft ohne bürgerliche Freiheiten nicht zu realisieren ist. Das bringt zwar den Salafisten Zulauf (teilweise auch den Terroristen von Al-Qaida du Maghreb Arabe), doch sind das überschaubare Größen, die mit sicherheitstechnischen Mitteln weitgehend unter Kontrolle gebracht werden können.

Welche Erkenntnisse ermöglicht das für die Situation in Europa, speziell in Deutschland? Da nach unserem Selbstverständnis restriktive und undemokratische Methoden ausscheiden, kann es auch hier nur ein Motto geben: Bildung und Frauenbefreiung. Wenn man mir an dieser Stelle entgegenhält, dass auch ein Mohammed Atta „gebildet“ war, dann sei gesagt, dass Bildung nicht vor Torheiten schützt, doch die Chancen dazu im statistischen Mittel erheblich reduziert. Beide Ansätze zu diesen Problemlösungen sind kürzlich auf Wissenbloggt zu Gehör gekommen. Am besten bringen sich ohne Zweifel an dieser Stelle nicht irgendwelche gebildeten deutschen Oberlehrer ein, sondern diejenigen, die ganz nahe am Sachstand sind wie Ali Utlu mit Ali Utlus Appell oder die Damen von FreeMinds mit Waiting for your rescue. Ihnen sollte unsere vollste Sympathie, Unterstützung und Ermutigung gelten. Ich gehe davon aus, dass sich solche Initiativen in zunehmenden Umfang bilden werden. Wo immer möglich, sollten gerade Humanisten an ihrer Seite stehen. Auch eine ganz und gar nicht untypische Erfolgsgeschichte durften wir auf WB bereits lesen: Zwischen Moschee und Moderne

Einen ganz schwierigen Punkt in unserem Zusammenhang stellen dabei die islamischen Organisationen dar, die ganz offiziell vorgeben, „die“ Moslems in Deutschland zu vertreten, obwohl dies nur für einen ganz geringen Teil gilt. Sie greifen dennoch nach dem Vorbild der Staatskirchen nach politischer Macht mit Einfluss auf Medien und Gesellschaft. Die humanistische Antwort dürfte auch an dieser Stelle klar sein, obwohl das unseren christlichen Freunden überhaupt nicht schmeckt.

Ich hoffe, mit diesem Aufsatz ein wenig zur Versachlichung der Diskussion beizutragen und würde mich freuen, wenn er bei der Formulierung unseres Programms zur Integrationspolitik von DIE HUMANISTEN Berücksichtigung fände.

Der Artikel stammt vom Januar 2013.

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Jeder nach seiner Façon


"Jeder soll nach seiner Façon selig werden", so schrieb am 22. Juni 1740 Friedrich II, König von Preußen, und dokumentierte damit die für Preußens wirtschaftliche Entwicklung wichtige Toleranz gegenüber Einwanderern und religiösen Minderheiten, vor allem Hugenotten und Katholiken. Diese Toleranz sowie die endgültige Abschaffung der Folter 1754 sind herausragende Größen seiner Amtszeit. Die aus dem re-katholisierten Frankreich geflohenen protestantischen Hugenotten genossen dabei wohl die größten Freiheiten mit wirtschaftlichen Starthilfen, Steuerprivilegien und zunächst sogar eingeschränkter eigener Gerichtsbarkeit. Dass diese Toleranz sich nicht etwa nur auf „Christen“ reduzierte beweist ein Brief Friedrichs ebenfalls aus dem Jahre 1740:

„Alle Religionen seindt gleich und guht, wan nuhr die Leute, so sie profesieren , erliche Leute seindt, und wen Türken und Heiden kähmen und wolten das Land pöbplieren, so wollen wier sie Mosqueen und Kirchen bauen“.

Die Eingewanderten integrierten sich und assimilierten schließlich mit der einheimischen Bevölkerung. Nur ihre Namen wie z.B. de Maizière zeugen noch bis heute davon, dass sie einst aus der Fremde kamen. Insoweit kann man Brandenburg-Preußen des 18. Jahrhunderts durchaus als Musterbeispiel für gelungene Integration anführen. 

Der Zuzug nach Deutschland setzte sich im 19. und 20. Jahrhundert fort. Mit der beginnenden Industrialisierung zog es zunächst viele Polen aus den preußischen Ostgebieten (Polen existierte nicht als Staat) vor allem ins Ruhrgebiet und dämpften den Mangel an Arbeitskräften. Später zogen andere Nationalitäten nach: Italiener, Serbokroaten, Spanier, Griechen und viele andere mehr. Niemand nimmt heute ernsthaft Anstoß an Namen wie Podolski, di Lorenzo, Olic und anderen. Sie alle sind „gute Deutsche“ geworden. Deutschland ist eben nie wirklich „rasserein“ im Sinne der verquasten Blut- und Boden-Theorie der Nationalsozialisten gewesen, wahrscheinlich zu seinem Glück. Doch plötzlich soll das für Özdemir nicht mehr gelten? Was ist an Özdemir ungewöhnlicher für deutsche Lippen und Ohren als Podolski? Oder liegt es wirklich an den religiös-kulturellen Unterschieden zwischen den Immigranten und der aufnehmenden Gesellschaft?

Dabei ist die Gegenwart von Moslems in Deutschland doch durchaus nichts Neues. Bereits

im Jahr 1732 ließ der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. in Potsdam am Langen Stall einen Gebetssaal für zwanzig seiner türkischen Gardesoldaten errichten. Die älteste erhaltene deutsche Moschee steht seit 1928 in Berlin, die Wilmersdorfer Moschee, ein prächtiger Bau (http://www.eslam.de/begriffe/w/wilmersdorfer_moschee.htm). Nun gut, inzwischen sind es mehr geworden, ca. 340 als solche erkennbar, nicht gezählt die so genannten Hinterhofgebetsräume, die niemand wirklich will. Auf  knapp 12.000 Moslems in Deutschland kommt gerade mal eine einzige Moschee, dagegen auf knapp 900 Protestanten eine Kirche. Von einer Überrepräsentanz im öffentlichen Erscheinungsbild kann also wohl kaum geredet werden.

Eine aufgeheizte und feindselige Debatte

Trotz dieser Fakten wird die Debatte über islamische Einwanderung mit ungeahnt schrillen Tönen von Befürwortern und Gegnern geführt. Das geht hin bis zu völlig substanzlosen Beleidigungen. Zum beliebtesten Neologismus in diesem Streit scheint  dabei die Wortschöpfung „Hassprediger“ für Aktivisten beider Seiten zu avancieren. Islamkritiker wie Henryk M. Broder werden dabei gern in die Ecke von „faschistischen Antisemiten“ gestellt, Islambefürworter müssen sich den Vorwurf des „Verrats am Volkswillen“ anhören. Irrationale Ängste dienen auf beiden Seiten zur Emotionalisierung der jeweiligen Gefolgschaften, „schleichende Islamisierung“ hier gegen „Aussterben der deutschen Bevölkerung“ dort. Es fällt langsam schwer, sich durch den Wust an veröffentlichten Meinungen hindurchzuarbeiten, um zu den Fakten und auch den objektiven  Schwierigkeiten dieses Dialogs zwischen Immigranten und aufnehmender Gesellschaft vorzustoßen.

Was seit Jahrhunderten relativ reibungsfrei funktionierte scheint in ein großes Desaster zu münden. Deutschland ist nun seit einigen Jahren auch offiziell ein Einwanderungsland und seitdem klappt es einfach nicht mehr mit der Integration. Es scheint so zu sein, dass sich die Probleme wirklich an der andersartigen Religion Islam festmachen lassen, denn weiterhin gibt es mit Einwanderungen aus dem europäischen Raum oder aus Asien keine sonderlichen Schwierigkeiten. Schauen wir uns also genauer an, was Aufnehmende und Aufgenommene jeweils an gegenseitigen Forderungen stellen, um besser beurteilen zu können, wo sich mögliche Kompromisslinien für gegenseitiges Verstehen abzeichnen. Kann der Disput in zivilisatorisch vertretbare Bahnen gelenkt werden?

Die Voraussetzungen aus bisher unbeachteter säkular-humanistischer Sicht

Die grundgesetzlich zugesagte Garantie von Religions-, Presse-, Kunst- und  Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, für das sich alle demokratischen Menschen stark machen und für deren Erhalt und Ausbau sie sich aktiv einsetzen sollten. Diese Grundrechte werden in Deutschland in vielfältiger Weise ausgehöhlt. Das beginnt bereits mit der Anerkennung von Religionsgemeinschaften als Körperschaften „öffentlichen“ Rechts bis hin zum Einzug einer Kirchensteuer, der man sich nur durch „Austritt“ entziehen kann, weil in aller Regel andere, nämlich die Eltern, über den „Eintritt“ entschieden haben. Die Organisation der Religionsgemeinschaften nach Vereinsrecht wäre daher die erste dringliche Maßnahme, um überbordende Privilegien einiger weniger Religionen oder Konfessionen abzubauen. Die große Mehrzahl der Religionen ist nämlich nicht nach öffentlichem Recht organisiert. In solche Vereine könnte jeder wenn er denn will ab Beginn der Geschäftsfähigkeit eintreten und hätte dann natürlich seine Vereinsbeiträge zu entrichten.

Die Finanzierung der Religionsgemeinschaften aus allgemeinen Steuermitteln ist sofort zu beenden. Hierzu gehört auch die Anerkennung sogenannter Bekenntnisschulen, religionsgebundener Kindergärten, Krankenhäusern und anderer karitativer Einrichtungen, die, ohne dass die Mehrheit der Kirchensteuerzahler es überhaupt mitbekommt, bis auf wenige Prozentpunkte aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Überspitzt gesagt: Die Allgemeinheit, religionsgebunden oder nicht, bezahlt dafür, dass sich Religionen ein Mäntelchen der Barmherzigkeit umhängen können. Oder mit einem konkreten Beispiel: jeder Steuern zahlende Moslem finanziert mit seinem Obolus, dass sich z.B. die katholische Kirche repräsentativ in der Öffentlichkeit darstellen kann.

Eine Lösung auf Vereinsbasis würde solche Unsinnigkeiten verhindern. Wenn jemand Bekenntnisschulen, gleichgültig ob christlich, moslemisch oder humanistisch (wie jetzt in Bremen), einrichten will, wogegen überhaupt nichts einzuwenden ist, sofern sich solche Schulen an die allgemein verbindlichen Lehrpläne halten, so soll er sie gefälligst zu 100% selber finanzieren – als Privatschule mit Gebühren oder aus Vereinsmitteln. Es können hier natürlich nur Teilaspekte betrachtet werden, doch gilt das Gesagte sinngemäß für alle Bereiche, in denen die Religionsgemeinschaften überprivilegiert sind.

Erst wenn über einen solchen Privilegienabbau nachhaltig entschieden wird, mithin die Laizität des Staates endlich als oberstes Gebot anerkannt wird, kann sinnvoll über die Integrationsfrage von moslemischen Einwanderern neu nachgedacht werden. Warum?

Moslems fordern durchaus zu Recht und unter Bezug auf das Grundgesetz, dass sie wie alle anderen Religionsgemeinschaften behandelt werden. Da das aber bereits grundgesetzlich garantiert ist, geht ihr Vorstoß offensichtlich noch in eine ganz andere Richtung. Sie wollen dieselben grundgesetzlich nicht abgedeckten Privilegien wie die akzeptierten Religionsgemeinschaften, mit anderen Worten: sie wollen auf die Gesellschaft als Ganzes Einfluss ausüben. Hier liegt die eigentliche Crux des Problems. Während nämlich seit der Aufklärung die Kirchen, wenn auch zähneknirschend, die Vorherrschaft weltlichen Rechts vor kirchlichem Recht anerkennen mussten und sich somit in gewissem Umfang in diese Rolle gefügt haben, verfolgen Muslime, die ohne vergleichbare Aufklärung ihren Weg in der westlichen Welt suchen, unter dem Strich eine andere Gesellschaftsordnung (siehe Demokratie oder Islam ), da schon vom Prinzip her von Menschen gemachtes Recht nicht höher stehen darf als „göttliches“ Recht.

Ist denn ein auf den privaten Bereich beschränkter Islam, das heißt ein an die demokratischen Strukturen des Okzidents angepasster Islam, überhaupt denkbar? Betrachtet man die Masse der moslemischen Einwanderer in Deutschland, so scheint dies durchaus möglich. Die Mehrzahl will ganz offensichtlich ihre Religion leben, ohne weitergehende Ansprüche daraus abzuleiten. Allerdings hat diese Masse keine Stimme. Betrachtet man das Vorgeplänkel zur DIK II, merkt man schnell, dass die dort vertretenen Verbände ganz andere Ziele im Sinn haben. Sie geben vor, die Mehrzahl der Moslems in Deutschland zu vertreten, Abstimmungsergebnisse aufgrund von intelligent an Moslems gestellten Fragen darüber liegen aber nicht vor. Die Verbände sind aber die Meinungsführer. Weitsichtige Moslems wie etwa Necla Kelek (http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,686385-2,00.html) oder Bassam Tibi (http://en.wikipedia.org/wiki/Bassam_Tibi und http://www.spiegel.de/international/spiegel/0,1518,440340,00.html) haben in diesem Umfeld keine Chance. Für die Hardliner der Verbände sind Wörter wie „Euro-Islam“, also ein in die demokratischen Strukturen des Westens eingepasster Islam, Fremdwörter, und die sind bedrohlich, weil dabei die „reine Lehre“ verloren gehen könnte.

Der Innenminister tut also gut daran, neben den Verbänden zur DIK auch nicht organisierte Moslems einzuladen und ihnen eine Stimme zu geben. Auch Ex-Moslems wie z.B. Mina Ahadi können durchaus dazu beitragen, die Gefahren einer ungezügelten Ausbreitung einer über die reine Religion hinausgehenden islamischen Ideologie zu belegen und in die Diskussion einzubringen.

Fazit

Aus säkularer Sicht lässt sich mithin zeigen, dass feinsinnige Unterscheidungen zwischen Islam und Islamismus, gedacht zur Unterscheidung zwischen gemäßigten und extremen Kräften, wenig hilfreich sind, wenn es darum geht, Religionen im Allgemeinen die Begrenzung ihrer Wirkungsmöglichkeiten zu zeigen. Auf Entgegenkommen der Beteiligten darf man dabei nicht hoffen, weil diese Begrenzungen alle treffen müssen, wenn einigermaßen Aussicht auf Erfolg bestehen soll. Auch die von linker Seite vorgeschlagene Differenzierung zwischen Islam und politischem Islam (s. etwa Thomas Schmidinger: „Gottesstaat und Demokratie“) ist nicht wirklich hilfreich, da sie nur der oberflächlichen Befriedung dient, das Problem aber nicht im Kern anpackt.

Integration ist möglich, entgegen dem populistischen Geschrei auf Sites wie pi-news.net, sogar sehr gut möglich, wenn jeder die Grenzen kennt und einhält. Hier hat die Islamkonferenz eine große Aufgabe, der sie bisher nicht einmal im Ansatz gerecht wird.

Wer es wirklich ernst meint mit der Integration von Muslimen in Europa, kommt um klare Definitionen und Begrenzungen der politischen Einwirkungsmöglichkeiten von Religionen nicht herum. Schon der „Alte Fritz“ hätte es sich wohl verbeten, wenn jemand aufgrund seiner Religion versucht hätte, auf seine Staatsführung Einfluss zu nehmen. Beschränken wir uns also auf das Wesentliche, so können wir mit Friedrich II nur wiederholen:

Jeder soll nach seiner Façon selig werden

Hoffen wir, dass das in absehbarer Zukunft auch für säkulare Humanisten (Friedrich: „Heiden“) gilt!

 

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Vom Islamisten zum Atheisten II


Ahmad O. ist Psychologe in Alexandria, er unterstützt aktiv den politischen Widerstand in Ägypten und berät Aussteiger aus der Islamistenszene.

Im Folgenden Teil 2 des Interviews

Präsident Mursi wirkt wie eine Marionette. Wer sind die wirklich mächtigen Männer in der Muslimbruderschaft? Wieviel Einfluss hat das Militär?

Die wahre Macht bei den Muslimbrüdern haben die Manager des Parteibüros, darüber besteht kein Zweifel. Der mächtigste von ihnen, der Multimillionär Khairat El-Shater, gilt als Hauptfinancier und Chefstratege. Mursi wird von vielen „El-Shaters Reservereifen„ genannt, Mursi ist nur deren Werkzeug, denn er ist inmitten der Moslembrüder aufgewachsen und hat es verinnerlicht, gehorsam und unterwürfig zu sein. Seine einzige Mission ist es, alle Ziele der MB durchzusetzen und ihre Gier nach Macht zu befriedigen. Auch in den ägyptischen Medien reden und versprechen die Führer der MB mehr als Mursi, man muss nur in die Medien sehen um zu entdecken, wer die wahren Führer sind.

Ich glaube nicht, dass das Militär noch Einfluss auf das politische Leben in Ägypten hat. Alles, was die Militärs interessiert, sind finanzielle Vorteile und die haben sie durch den Deal mit Mursi schon bekommen, abgesichert durch die "islamistische" Verfassung. Natürlich gibt es immer noch Theorien, die besagen, dass die SCAF (Supreme Council of the Armed Forces), also der oberste Rat der Streitkräfte, nur auf den richtigen Moment wartet, um zu putschen und wieder an die Macht zu kommen, ich denke das aber nicht, mittlerweile kann ich sogar sagen, dass ich auch nicht denke, dass das Militär jemals die Intention hatte, an der Macht zu sein, es war nur ein Spiel mit der MB, das ist alles, sie haben ihre Schäfchen jetzt im Trockenen.

Der IWF will Ägypten mit einigen Mrd. Dollar unterstützen. Alle bisherigen Finanzspritzen sind ja durch Korruption in den Taschen weniger gelandet (das zumindest unterscheidet sich nur unerheblich von Europa, Anm. der Interviewerin). Hinterfragen die Ägypter diese Finanzhilfen kritisch?

Es gibt keine Möglichkeit, diese Gelder so zu steuern, dass sie der ägyptischen Bevölkerung zugute kommen. Auch deshalb sind viele Menschen hier gegen diese internationale Hilfen, denn Sie wissen sehr wohl, dass das nur weitere Ketten an ihren Beinen bedeutet. Damit ist der Preisanstieg gemeint, der bald kommen wird, solche Finanzhilfen verschieben ihn nur auf einen wahltaktisch geeigneteren Moment. Die Geldgeber haben natürlich Bedingungen, die für die Bevölkerung eine zusätzliche Belastung wären und die das Leben nur weiter erschweren würden, daher sind viele Parteien und Bewegungen gegen diese Hilfen, von denen das Volk außer weiterem Leid nichts hätte!

Wer zahlt, schafft an“ gilt aber auch für die Golfstaaten, deren Einfluss seit den 90er Jahren schon anhand der jährlich steigenden Zahl von verschleierten Frauen auf den Straßen sehr deutlich zu erkennen ist, immer mehr saudische Männer reisen nach Ägypten, um mit jungen Frauen Orfi Ehen einzugehen (Anm: Orfi Ehen sind die sunnitische Form der Zeitehe,also eine Möglichkeit, das Verbot des außerehelichen Geschlechtsverkehrs zu umgehen) usw. Gibt es dafür auch eine kritische Öffentlichkeit?

Ich denke, diese Ölstaaten haben niemals aufgehört, in Ägypten mit zu regieren, nicht erst seit den 90ern. Es hat schon damit begonnen, dass viele Mitglieder und Sympathisanten der MB und anderer Islamisten in diesen Ländern Arbeit gefunden haben und nach ihrer Rückkehr auch die Kultur der Arbeitgeberländer mitgebracht haben und das hat den islamistischen Einfluss noch verstärkt. Natürlich hat das Geld aus den Ölstaaten viele Auswirkungen und so erleben wir jetzt, dass diese Länder versuchen, die ägyptische Wirtschaft zu dominieren durch Projekte, die in der Politik darauf Einfluss nehmen, dass sowohl der Machterhalt der MB als auch die Loyalität der Salafisten gesichert ist, das soll heißen, die Golfstaaten regieren immer mit!

Was die Orfi Heirat mit Ägypterinnen betrifft: das stimmt leider, es wird allerdings hauptsächlich praktiziert, um billig an minderjährige Mädchen zu kommen, was die Sache in meinen Augen noch widerlicher macht.

Die Gesellschaft hat erst begonnen, sich über all das Sorgen zu machen, als die Moslembrüder an die Macht kamen, es braucht aber noch viel Aufklärungsarbeit aller Aktivisten, um die Menschen vor dieser Gefahr zu warnen. Die politischen Parteien müssten sich dieses Themas auch verstärkt annehmen, denn es geht dabei besonders darum, dass Freiheit und Menschenrechte aus dieser Einflussnahme nicht erwachsen werden können. Ich hoffe, dass die neuen säkularen Kräfte in Ägypten das stoppen können und ich bin sicher, dass wir es schaffen werden, Fundamentalismus und Wüstenkultur früher oder später in die historische Bedeutungslosigkeit zurück zu werfen!'

Es ist so evident, dass das Land sehr viele Investitionen bräuchte von der Infrastruktur über Bildung bis hin zum Gesundheitswesen. Glauben die Menschen wirklich, dass man alles nur mit der Sharia erreichen kann?

Vor der Machtübernahme durch die MB glaubten das in der Tat sehr viele und auch, dass die Sharia alle ihre Problem lösen würde. Das ist ja auch der Slogan der MB: „Islam ist die Lösung", und das propagieren sie nach wie vor. Sie haben immer von der mangelnden Bildung der Leute profitiert in den armen Gegenden des Landes, die nicht nur unter schlechter Bildung und Hunger leiden, sondern auch unter Überbevölkerung, die ja auf mangelnde Bildung zurückzuführen ist. Und dabei wurde und wird diesen Menschen auch noch eingeredet: Du bist ein Opfer, also handle auch so, nimm meine Almosen und ansonsten schweige! Das war schon unter Mubarak so, aber die Moslembrüder haben es perfektioniert und mit ihren Essenslieferungen an die Armen auch ihr falsches Bild über den „Allesproblemlöser“ Sharia mit transportiert.

Aber nachdem Morsi und seine Parteifreunde jetzt an der Macht sind sehen die Menschen nun die Fakten und sie beginnen zu erkennen, dass die Sharia kein einziges ihrer Probleme löst – Gesundheitswesen? Bildung? Sicherheit? – da haben die Islamisten überhaupt nichts getan und nun wissen gar nicht so wenige, dass sie an der Nase herumgeführt wurden von Worthülsen und Slogans, die mit unseren wirklichen Problemen überhaupt nichts zu tun haben.

Deshalb denke ich, dass die Popularität der Islamisten im Moment sehr stark nachgelassen hat und deshalb sagen wir den Menschen immer und immer wieder: Wacht auf, die Sharia ist und war eine Utopie!

Haben die ägyptischen Arbeiter eine starke Stimme und wie schwer ist es, Gewerkschaften zu gründen? Wie sieht die Linke generell das Erstarken der Islamisten?

Die ägyptischen Arbeiter haben eine starke Stimme, zumal die Revolution von den Arbeitervororten ausgegangen ist. Sie sind stark, aber nicht gut organisiert, was sich hoffentlich ändern wird.

Die Bildung von Gewerkschaften war schon immer schwer bis unmöglich, mit der neuen Verfassung dürfen solche Vereinigungen nur von der Regierung gebildet werden, weil sie denken, dass sie damit die Arbeiterbewegung kontrollieren können, was aber zeigt, dass sie vor dem Druck der Straße sehr wohl Angst haben!

Seit die Islamisten an der Macht sind, ist auch ein verstärkter Zulauf zu den Linken zu bemerken und diese sind jetzt auch viel aktiver als vorher. Es gibt jetzt viele sozialistische und kommunistische Bewegungen, die gegen das System und gegen einen Gottesstaat kämpfen, so dass ich befürchte, dass bald wieder Blut von linken Aktivisten und Anführern fließen wird.

Sehen Sie im Ansteigen der Lebensmittelpreise, den fast täglich teurer werden Grundnahrungsmitteln wie Brot und Reis, der immer größer werden sozialen Kluft die Gefahr einer sozialen Revolte bis hin zum Bürgerkrieg?

Nun, ich denke, dass die hohe Inflation sicher zu einer vermehrten Unzufriedenheit mit Mursi führen wird und dass das die Revolution gegen das System noch mehr anheizen wird, aber das wäre sicher nicht der einzige Grund.
Unsere Revolution sollte nicht nur Reaktion auf etwas sein, sondern die Ideen dahinter sollten der Motor sein, Prinzipien ausgesprochen von Menschen müssen die Triebfeder sein ,so können wir zu Recht sagen, es gibt eine Revolution, nicht nur eine Reaktion auf Alltagsprobleme, nur so können wir eine nachhaltige Änderung der ägyptischen Gesellschaft erreichen, einen nachhaltigen Paradigmenwechsel, der uns endlich würdevoll leben lässt!

© Edith Bettinger / freidenker.at

Original: http://www.freidenker.at/index.php/blog/2252-vom-islamisten-zum-atheisten-teil-2.html

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Vom Islamisten zum Atheisten I


Ahmad O. ist Psychologe in Alexandria, er unterstützt aktiv den politischen Widerstand in Ägypten und berät Aussteiger aus der Islamistenszene.

Im Folgenden Teil 1 des Interviews:

Sie wurden in einer muslimischen Familie geboren, nach islamischen Standards erzogen und waren als junger Mann Islamist. Gibt es einen bestimmten Auslöser in Ihrer persönlichen Geschichte, der Sie dazu brachte, diese Ideologie zu überdenken und der Sie zum Atheisten werden ließ?

Nun, ich denke, da gab es keinen bestimmten Punkt, der mich verändert hat, das passierte schrittweise. Ich war mit den Büchern der Muslimbrüderschaft aufgewachsen, mit ihren Geschichten und Führern, aber ich war nie Mitglied. Auf meiner Suche fand ich die salafiyya, (arab: السلفية ,salaf: Vorfahren; ultrakonservative Strömung innerhalb des Islam, die eine geistige Rückbesinnung auf die Vorfahren anstrebt), die für mich damals als erstrebenswert nahe bei den ersten Moslems war. Ich besuchte dann eine weitere islamische Schule, die mir vernünftiger erschien, da ich immer noch keine Antworten erhalten hatte. Das Hinterfragen von angeblich unumstößlichen Fakten wie alte Quellen und der Koran selbst brachte mich dazu, Beweise zu suchen, auch für die Existenz eines Gottes und alles, was damit zusammenhängt. Schließlich wurde mir klar, wenn man akzeptiert, dass alles Denken relativ ist, dann ist auch jeder Wechsel möglich, nicht nur im Denken. Also für mich waren das zwei Jahre Zweifel, Nachdenken und die Suche nach Antworten.

Worin liegt das Ziel Ihrer täglichen Arbeit und wie schaffen Sie es, gegen den voranschreitenden islamistischen Einfluss Mitstreiter zu gewinnen?

Das Ziel ist Freiheit. Das Ziel ist Säkularismus, Wahlfreiheit und Gleichberechtigung. Nicht jeder hier in Ägypten hat ein klares Bild davon, aber ich denke, sie werden bald dazu bereit sein und dafür arbeiten wir. Um Mitbürger dafür begeistern zu können müssen diese zuerst unsere Realität begreifen: Islamisten verwenden ihren Hauptslogan (i.e. Sharia) dazu, Menschen für sich zu gewinnen, daher müssen wir ein Gegenmodell transportieren, das ihr Leben und ihre Bedürfnisse berührt und dieses Gegenmodell ist Säkularismus, denn die Menschen auf den Straßen müssen erfahren, dass es keine Rechte und keine Freiheit gibt ohne eine Trennung von Politik und Religion. Die Slogans für Laizität und Aufklärung müssen auf die Straßen getragen werden, denn das war bisher nie der Fall in Ägypten.

Das erfordert von uns allen eine noch besser organisierte Zusammenarbeit, noch mehr Mut und noch mehr Arbeit auf der Straße, um allen Ägyptern immer und immer wieder zu erklären, dass Säkularismus keine Ideologie oder Religion ist, sondern dass es die einzige Lösung ist, die es einem selbst und allen anderen ermöglicht ein wirklich freies Leben führen zu können, unabhängig von Religion und Lebensplanung.

Wie gefährlich ist es im täglichen Leben für Sie und Ihre Mitstreiter, so offen gegen Moslembruderschaft und Salafisten zu opponieren?

Es ist natürlich gefährlich und viele meiner Freunde haben Probleme in ihren Familien deswegen. Meine Familie weiß nichts über meine Aktivitäten und ich hatte bisher Glück, noch nicht verwundet worden zu sein, was vielen meiner Freunde leider schon passiert ist. Drohungen per Internet, aber auch auf offener Straße sind Normalität für mich, weil die meisten mit purer Gewalt reagieren, wenn sie etwas Ungewohntes und völlig Neues hören.

Können Freidenker und Humanisten in Europa Sie irgendwie unterstützen? „tell the world“ wird wohl nicht ausreichen?

Aufrichtigen Dank für dieses Hilfsangebot, es hilft schon sehr, wenn aus den Medien nicht verschwindet, dass wir hier für unsere Freiheit kämpfen und dass dieser Kampf auch Auswirkungen auf andere Regionen haben wird, wir sind sicher, den Fundamentalismus hier besiegen zu können und dass dieser Kampf gegen Islamisierung auch in anderen Ländern stattfinden wird.

Gibt es etwas, was Sie unseren Politikern sagen möchten, die uns immer glauben lassen möchten, man könne mit Extremisten Argumente austauschen und alles wird gut?

Ich würde ihnen gerne sagen: seid realistisch! Lernt aus der Vergangenheit und der Gegenwart! Seht einfach, was die Islamisten ihrem eigenen Volk antun, dann wisst ihr, mit wem ihr es zu tun habt!
Wer die Rechte der anderen in seinem eigenen Land nicht respektiert, wird diese Rechte schon gar nicht in einem anderen Land respektieren.

Die Geschichte lehrt uns sehr klar, dass Revolutionen nur erfolgreich sein können, wenn Frauen dabei eine prominente Rolle spielen. Was kann getan werden, um die ägyptische Frau zu „entschleiern“ und ihr ihre Stimme in der Konterrevolution zurück zu geben?

Trotz aller Widrigkeiten ist die Revolution noch im Gang. Ich weiß (das Wort glauben verwende ich nicht), dass es keine Revolution ohne Frauen gibt, genauer gesagt ohne die Freiheit der Frau. Es gibt nicht einmal eine freie Gesellschaft ohne freie Frauen, dabei ist es sehr wichtig zu bedenken, dass Frauen nur frei sein können, wenn sie es auch im Denken sind, erst dann ist ein freies Leben auch für sie möglich. Noch immer sind viele Aktivistinnen in alten Denkmustern gefangen. Sie können sich ein Leben außerhalb der alten Normen gar nicht vorstellen und akzeptieren ohne Widerspruch die Grenzen, die ihnen die Gesellschaft und die Traditionen gesetzt haben. Diesen Frauen sage ich immer wieder: befreie dich selbst zuerst, erst dann kannst du auch andere befreien und der erste Schritt dahin ist, sich im Denken frei zu machen!

Fortsetzung folgt …

© by Edith Bettinger / freidenker.at

Bild 1: Ahmad als Muslimbruder

Bild 2: Ahmad als Atheist

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Eine Frau allein gehört allen!


Ein provokanter Titel, ok, aber mal sehen, was dies bedeutet. Dieser Ausspruch ist im Orient gang und gäbe. In meinem Erlebnisbericht will ich die Alltagssituationen schildern, die ich mit den Frauen dort selbst erfahren habe. Wir kennen alle die Szenen auf der Straße, Frauen mit Kopftüchern oder sonstiger Verschleierung und immer in Gruppen. Für mich persönlich, man soll mich ruhig steinigen und von mir aus auch böse angiften,  kein fremdes oder ungewöhnliches Bild, da ich weiß, wie ein Großteil dieser Frauen lebt. Wer wie ich jahrelang im Ausland,  vor allem im Orient war, der weiß, was Sache ist.

Es fängt schon in der Kindheit an. Die Erziehung der Mädchen ist wesentlich restriktiver als die der Jungen. Das heißt aber nicht, dass die orientalischen Väter ihre Töchter nicht liebten. Ich habe auch im Laufe der Jahre sehr viele gute und herzliche Menschen kennen und lieben gelernt,  mit denen ich heute noch in engem Kontakt bin. So schön wie die Länder und die ganze Atmosphäre dort unten sind, so schwierig sind die Lebensbedingungen der einfachen Bevölkerung, besonders der Frauen. Die gebildete Oberschicht ist da anders und passt sich sehr der westlichen Lebensweise an und verinnerlicht sie auch. Dies hat zum Glück auch Auswirkungen auf die Erziehung der Mädchen.  Außerdem ist es in der Oberschicht nicht ungewöhnlich, dass ausländische Ehepartner gewählt werden.

Die einfache Bevölkerung hat da weniger Möglichkeiten sich zu entfalten. Der  Familienzusammenhalt ist zwar im Allgemeinen sehr stark und ausgeprägt, aber dies erfordern die schweren Lebensbedingungen zwangsläufig. Wenn kein Geld für Essen und Medikamente usw. da ist, wer springt dann in die Bresche? Die Familie, sprich die Verwandtschaft.

Die Grund- und Hauptschule dauert in den meisten Ländern des Orients nur knapp 5 Jahre. Wer dann weiterhin seine Kinder in die Schule schicken will, benötigt Geld und zwar nicht wenig, das die meisten nicht haben. Sie sind froh, wenn sie genug zum Essen auf dem Tisch haben. Da liegt natürlich auch der Hase im Pfeffer, wie man bei uns so schön sagt. Die Bildung fehlt. Es gibt auch rühmliche Ausnahmen im orientalischen Sprachraum. Das ist Tunesien und man sollte das auch erwähnen. Israel ist ebenfalls eine rühmliche Ausnahme. Ich will mich aber mehr auf den muslimisch orientierten Kulturkreis beschränken.

Wenn die Familien kein Geld haben, um alle ihre Kinder auf die Schule zu schicken, dann wird es folgendermaßen gehandhabt: Der älteste Sohn darf weiterhin auf die Schule gehen und die Töchter bleiben dann bis zu ihrer Verheiratung zuhause. Die Ehe wird natürlich von den Eltern arrangiert. Zum großen Teil wird in der eigenen Verwandtschaft nach einem passenden Partner gesucht, weil, so das Argument, man kennt sich schließlich und ist angeblich vor bösen Überraschungen sicher. Tja, was sollte ich als Ausländerin da schon sagen. Die linguistische Variante ist da schon interessanter. Wenn jemand, wie gesagt, einen Partner für seine Kinder sucht, sollte er aus der „Sulale“, also aus der Verwandtschaft kommen.

Wenn eine Frau geschieden wird oder verwitwet ist, geht sie meistens in ihre Ursprungsfamilie zurück. Eine verwitwete Frau wird bedauert, aber bei einer geschiedenen Frau hält sich das Mitleid in Grenzen. Wer weiß, wie schlecht sie war, weil der Mann sich hat scheiden lassen müssen. Es ist eine Doppelmoral, die mir oft die Haare zu Berge stehen ließen.

Ein Beispiel aus dem Türkischen: Dul Kadin = Witwe, Bosanmis Kadin = Geschiedene.

Diese beiden Frauen haben eines gemeinsam. Na klar, keinen Mann! Insofern heißen sie auf türkisch auch, man staune: Sahibsiz Kadinlar, also „Herrenlose Frauen“, ich habe mich damals weggeschmissen vor Lachen, aber nicht weil es so lustig war. Es war die pure Ironie. Ich konnte es nicht fassen. Bei dem Begriff herrenlos, denke ich automatisch an streunende Hunde und Katzen. Dass dieser Begriff auch auf allein stehende Frauen angewandt wird, war für mich einfach nicht zu verstehen.

Ein anderes Erlebnis war  auf einer Busfahrt in Istanbul mit meinen Leuten. Der Bus war wie immer rappelvoll und die Hitze und Ausdünstungen ließen die Stimmung im Bus auf den Nullpunkt sinken. Es ist tatsächlich eine komische Marotte in vollen Bussen in Istanbul, den Frauen einfach fest in den Hintern zu kneifen. Ich wurde, bevor wir in den Bus einstiegen, extra von meinen Leuten darauf aufmerksam gemacht. Dies ist halt so, wurde mir gesagt. Ok dachte ich mir, lass mal den Poppeskneifer an mich herantreten, dann gibt’s Zoffff…

Wir stiegen in den Bus und ich konnte tatsächlich beobachten, wie andere Schnurrbartträger die Weibsen vor uns in den Vollmond kniffen. Mir und meinen Leuten liefen die Tränen vor Lachen herunter und ich musste mich so zusammenreißen, um nicht laut loszuprusten. Auf einmal spürte ich ein Kneifen in meinem Sitzpolster und der Kerl grinste mich an und sagte: Hallo du schöne blonde Frau. Ich drehte mich abrupt um und packte den Schnurrbart an der Gurgel. Ich sagte dann auf Türkisch zu ihm, dass ich ihn zur Frau machen werde. Der ganze Bus tobte und alle gackerten wie Hühner wild durcheinander. Es war einfach herrlich – Satire pur. Der arme Busfahrer kam sofort und entschuldigte sich bei mir und schmiss den Mann raus. Ich sagte ihm, dass dies natürlich nicht seine Schuld war und solche Deppen überall anzutreffen sind. Aber ich denke, ich habe einiges bewirkt. Bei der Weiterfahrt kamen wir ins Gespräch mit den anderen betroffenen Frauen und die gaben mir Recht und sagten zu mir: „Sen Aslan gibi Kadinsin.“ Das bedeutet, du bist eine Frau, wie ein Löwe. Der Schnurri hat mit Sicherheit an diesem Tag keine Frau mehr in ihren Vollmond gezwickt. Aber es ist schon bezeichnend, dass die Frauen nicht gekniffen wurden, die einen männlichen Begleiter bei sich hatten.


Moderne Frauen in Tunesien

In Tunesien war das nächste lustige Erlebnis, lieber Wim*. Es war wieder zum Brüllen. Wir waren in Hammamet. Eine tolle Küsten- und Piratenstadt mit einer ummauerten Medina. Meine Freundin und ich schlenderten am Abend die Küstenstraße entlang und wollten noch einen Pfefferminztee trinken und evtl. eine Shisha rauchen. Na ja, wie es so ist in diesen Touristenstädten, eine Menge heißblütiger junger und nicht mehr ganz so taufrischer „Kobolde“ lauerten auf weibliche Beute. Etliche habe ich ganz cool und lässig abweisen können, nur 2 besonders hartnäckige, die wichen zum Henker uns nicht von der Seite. Sie bezirzten und beschleimten uns über eine Stunde. Wie sind wir doch so schön und wir wären wie die Blumen der Nacht. Das Augenrollen ging bei meiner Freundin hin und her. Dann hatte ich eine Idee und gab meiner Freundin ein Zeichen, dass ich den Burschen ein wenig Dampf machen würde.

Ich habe nach dem ganzen Geschleime dann eine todernste Miene gemacht und den Kobolden sagte  ich: „Hört mal her Jungs. Ich muss euch was sagen.“ Die Kobolde waren ganz Ohr. Ich sagte zu ihnen, dass meine Freundin eine echte Frau sei, aber ich in Wirklichkeit ein Transvestit. Auf einmal trafen mich alle möglichen Beschimpfungen auf Arabisch und die Kobolde liefen schnurstracks davon. Wir lachten uns schlapp und tranken dann weiter unseren Tee und genossen die Shisha. Der Wirt fragte uns dann freundlich, warum wir so lachten. Ich erzählte ihm die ganze Geschichte und versicherte ihm, dass ich aber in Wirklichkeit doch eine echte Frau sei. Der Mann lachte sich kaputt und sagte dann zu uns, dass dies eine sehr gute Idee von mir war, um diese Strolche loszuwerden. Er würde sich das merken und diesen Tipp an andere Touristen weitergeben, damit die ihre Ruhe hätten.

Ich bereiste auch Algerien und Marokko. Marokko gefiel mir sehr gut, Algerien war auch teilweise sehr schön, aber die politische Situation damals zwang mich, das Land schleunigst wieder zu verlassen. Es war einfach traurig.

Im Großen und Ganzen muss ich sagen, die Situation der Frauen ist nach der Jasmin-Revolution in Tunesien vielleicht, und dies sage ich mit leiser Hoffnung, besser geworden. Aber in den anderen orientalischen Ländern eben nicht. Die Türkei wird fundamentalistisch werden, mit einem verurteilten Volksverhetzer und Islamisten als Staatspräsident, kein Wunder. In Syrien geht der Punk ab. Im Libanon ist die Hizbollah die starke Kraft. Wenn ich an diese beiden Länder denke, bin ich betrübt. Damaskus ist eine tolle Stadt und der Libanon ein herrliches Land mit einer sehr gebildeten Französisch sprechenden meist christlichen Elite. Jordanien sitzt auf dem Pulverfass und Israel genauso. Von der arabischen Halbinsel möchte ich gar nicht erst reden.

Ägypten wird seine Muslimbrüder bekommen. In Libyen tobt der Irre immer noch umher.

Und in diesen Ländern sind die Frauen diejenigen, die die Hauptlast in der Familie tragen.

Der Ausspruch: Eine Frau allein gehört allen, existiert tatsächlich. Er besagt, dass eine Frau ohne Mann oder männlichen Schutz ein Nichts ist, mit der man machen kann, was man will.

Die Frauen dort definieren sich nur dann als vollwertige Frau, wenn sie mindestens ein Kind geboren haben, wenn möglich, einen Sohn. Im Nahen Osten wird die Frau immer mit dem Vornamen ihres ältesten Sohnes angesprochen – es ist eine Form der Ehrerbietung. Wie z. B.: Die Frau von Hassan xy hat einen Sohn mit Namen Abdul, dann heißt die Frau nicht Frau  xy sondern Umm Abdul, also Mutter des Abdul.

In der Familie hat die Frau zu dienen, auf türkisch vazife. Erst dem Ehemann, dann den Schwiegereltern vor allem der Schwiegermutter, dann den Schwestern des Mannes und den Brüdern also der ganzen Sippschaft des Ehemannes. Sie muss den ganzen Haushalt schmeißen, denn dazu ist sie da. Dafür hat sie den lebenslangen Schutz ihrer Sippe. Wehe sie verliert ihn, dann ist sie verloren und wird von der Gesellschaft geächtet. Jeder kann also mit ihr machen was er will. Viele Frauen sind deswegen in die Prostitution hineingeraten aufgrund dieser patriarchalischen Familienstruktur, die keine Gnade kennt. Nur Ehre, lebenslanger Dienst an der Familie und Gehorsam. In den Moscheen wird das immer wieder gepredigt. Die gehorsamen Frauen behaltet und beschützt sie, aber die Widerborstigen, jagt sie davon!

Ich habe viele traurige Gesichter im Nachtleben von Istanbul gesehen und konnte darin lesen wie in einem Buch. Mit vielen bin ich ins Gespräch gekommen und mit einigen bin ich noch heute eng befreundet. Ich denke, es wird noch lange dauern, bis die Türkei und auch der Orient den Humanismus und Laizismus als selbstverständlich annehmen wird. Die jetzige Entwicklung sagt nichts Gutes voraus.

Einen lieben Gruß an Kantomas-Kardesim. Istanbulu dinliyorum, Gözlerim kapali.

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

Titelillustration von Azrail

  *Wim ist die liebevolle Abkürzung meines damaligen Spitznamens "Wissen ist Macht, unter dem ich anfangs auch noch auf WB schrieb (Frank Berghaus).




Gelebter Islam in Ägypten


Nach jahrzehntelanger schmerzvoller Suche habe ich jetzt endlich den wahren Sinn meines Lebens gefunden! Niemand geringerer als Allah hat mir  den richtigen Weg gewiesen, den Islam! Welch größere Erfüllung kann es für eine Frau geben als eine treue, gottgefällige Muslima zu sein.

Ich hatte das große Glück, in den letzten Tagen des heiligen Ramadan in Ägypten zu sein, und da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren –  DAS ist wahre Lebensfreude! Was kann es Erfüllenderes geben, als 12 Stunden lang weder Nahrung noch Getränke zu sich zu nehmen, das ganze bei ca. 40 Grad im Schatten – DAS ist wahrer Glauben! Raucher unter Euch wissen, wie schwer es ist, einen halben Tag nichts Nikotinöses zu sich zu nehmen. Man hat dann Entzugserscheinungen, die Zunge klebt trocken am Gaumen, der Magen spricht zu einem, die Laune fällt in den Keller – das ist nichts gegen die Erfüllung, Allahs Geboten gehorcht zu haben. Nur wer Entbehrung kennt, weiß Überfluss zu schätzen! Welch ein orgiastisches Fest ist es, wenn die Minute des Fastenbrechens herannaht, und man endlich all das tun darf, was vorher verboten war. Wobei diese Minute nicht vorhersehbar ist, das macht das ganze noch mystischer. Ich dachte bisher, dass dieser Moment dann eintritt wenn, wie es im heiligen Koran steht, ein schwarzer Faden nicht von einen weißen unterschieden werden kann – also NACH Sonnenuntergang bei Dunkelheit!

Weit gefehlt, es ist viel komplizierter: Ein Islamgeleerter (kein Druckfehler!) im Fernsehen gibt die Zeit vor – meistens so ca. 17:15 Uhr, wobei es da  aber noch nicht dunkel war! Wie konnte ich nur glauben, dass Allah von uns einfache Regeln fordert, da muss schon ein Wissender den Moslem instruieren, wäre ja noch schöner!

Nun also darf gevöllert werden, esstechnisch alles, was Mutter Natur so hergibt, es gibt auch einiges aufzuholen und für den nächsten Tag Speicher anzulegen. Da darf es dann auch mal Bier sein und Haschisch, Allah hat es gegeben und nimmt es auch wieder! Spätestens da wusste ich, dass man den Koran nicht so wörtlich nehmen darf. Bier ist KEIN Alkohol und Haschisch KEIN Suchtmittel, pflanzliche Nahrung eben. Wenn es doch nicht regelkonform sein sollte – das macht der einfache Gläubige mit Allah ganz persönlich aus. Wer sind wir schon, dass wir den Willen Allahs verstehen können?

Natürlich ist es auch weise und sinnvoll, so viel Geld im Ramadan für die nächtlichen Orgien auszugeben, dass für den Rest des Jahres der durchschnittliche Moslem so was von pleite ist – wen kümmert es; wenn Allah will, dass wir arm sind, sind wir arm – Inshallah!!!

Dieses Inshallah ist überhaupt sehr praktisch, es lebt sich viel unbeschwerter , wenn man sich über nichts Gedanken machen muss – es ist völlig sinnlos, etwas anders oder gar besser machen zu wollen – Allah will, dass es so ist, also ist es so. Punkt. Ende der Diskussion. Wir haben kein Geld? No problem, wenn Allah will, wird er uns Geld schicken! Wie schön doch das Leben ist!

Autofahren in Ägypten ist ebenfalls von dieser Philosophie durchdrungen: Licht bei Nacht – nur was für westliche Weicheier. Angurten – ditto – wenn Allah will, dass wir sterben, dann sterben wir! Ach, wie schön ist doch das Leben – wir hängen nur nicht besonders daran! Das ist eine Lebenseinstellung, von der wir noch was lernen können!

Außerdem sehr praktisch: als Moslem muss man nichts wissen! Wissenschaft ist ebenfalls nur was für westliche ungläubige Warmduscher – lies den Koran, da steht alles drin – sogar der Urknall – angeblich. Die genaue Stelle habe ich leider nicht erfahren, dazu müsste ich den Koran schon im Original auf Arabisch lesen, und das kann ich leider nicht. Und Übersetzungen verzerren halt die wahre Aussage, schließlich ist keine Sprache so reich wie die arabische!

Das leuchtet ein! Ergo genügt ein einziges Buch im Haushalt, das spart doch Platz und Geld. Bücherregale sind nicht nötig! Guter Nebeneffekt – die Frau muss weniger abstauben! Also wer Ägypten als emerging new market sieht – mit dem Verkauf von Billy Regalen wird er pleite gehen!

Falls ihr euch wundern solltet, dass ich das politisch korrekte man/frau nicht verwende: wundert euch nicht – das ist auch sehr angenehm in einer islamischen Gesellschaft: kein Mensch gendert da herum, es ist de facto alles männlich, außer DIE Frau und DIE Tochter. Nachdem ja die arabische Sprache nicht nur in Aussprache und Schrift, sondern auch grammatikalisch sehr schwierig ist, muss man sich doch bei Allah nicht auch noch mit allzu viel weiblichen Formen herumschlagen, das werdet ihr ja verstehen. Natürlich werden Verben auch im Feminin konjugiert, aber nachdem ja Frauen im öffentlichen Leben kaum bis gar nicht vorkommen, reicht es völlig, z.B. für „bitte“ (minfadlak) nur das maskulinum zu lernen! Man wird nicht in die Verlegenheit kommen, eine Dienstleistung von einer Frau zu erbitten!

Apropos Frau: Von wegen Rolle der Frau: da gibt’s nichts zu diskutieren, es ist von der Natur so vorgegeben, dass die Frau Kinder bekommt, oder seht Ihr das anders?  Auch da haben die Ägypter recht: wenn die Frauen dasselbe leisten könnten wie Männer – wieso gibt es dann so wenig Frauen in Politik und Wissenschaft?

Ebenfalls ein netter Punkt : Ehe auf Zeit! Das haben ja eigentlich die schiitischen Iraner erfunden, aber die Praktikabilität dieses Konstrukts hat sich natürlich auch unter sunnitischen Arabern schnell herumgesprochen: In Ägypten gibt’s dafür sogar eigene Formulare – die Pharaonen  haben schließlich die Bürokratie erfunden – diese Form des Zusammenlebens nennt sich „Urfi-Ehe“. Mittlerweile gibt es fast so viele Urfi-Ehen wie gesetzlich geschlossene – man spricht von ca. 400.000 / Jahr!

Kann ich gut verstehen, warum das so ist – die demografische Entwicklung in Ägypten ist ja völlig gegenläufig zu unserer: eine sehr junge Gesellschaft, und diese jungen Menschen wollen nicht nur arbeiten (das ist bei 40% Arbeitslosigkeit auch nicht so einfach), sondern auch ihre sexuelle Lust ausleben.

Nun ist das im Islam vor- und außerehelich streng verboten (wie ja auch bei den Katholen –   mit dem Unterschied, dass die Moslems das noch ernst nehmen). Laut Gesetz ist es einem Mann und einer Frau nicht gestattet, sich in einem Raum aufzuhalten, wenn Sie nicht verheiratet sind. Dieses Gesetz wird zwar nicht eingehalten – außer im ländlichen Raum – aber exekutiert wird es: so hat die security wenigstens etwas zu tun!

Also muss eine islamische Hintertür her, das ist dann dieses Formular, von einem Anwalt abgestempelt und von 2 Zeugen mit Unterschrift beglaubigt, wobei diese 2 Zeugen nicht unbedingt physisch anwesend sein müssen. Die Namen und Unterschriften von Anwalt und Bräutigam gefälscht tun es auch. Allah ist Zeuge, das sollte reichen! Braut und Bräutigam unterschreiben ebenfalls (die sollten das wirklich tun) und schon ist man verheiratet!

Vorteile für den Mann: Er kann ohne schlechtes Gewissen Sex haben, er behält den Vertrag, er braucht seiner „Ehefrau“ weder Wohnung, Hausrat oder Gold zu kaufen, er kann die Ehe jederzeit ohne Angabe von Gründen beenden (Vertrag zerreissen genügt) – eine eindeutige win/win – Situation. Vorteile für die Frau: Sie ist verheiratet – das war´s aber dann auch schon, Rechte entstehen keine aus dieser Form des Zusammenlebens.

Urfi-Ehen sind  genau genommen sogar verboten – aber wen interessiert das im Moment der Eheschließung, wenn man wie eine nach Wasser lechzende Gazelle das Paradies der fleischlichen Lust so nahe vor Augen hat.

Blöd wird’s nur dann für die Frau, wenn der Mann sich scheiden lässt! Dann hat Sie weder Anspruch auf eventuell vorhandene Kinder, geschweige denn auf finanzielle Unterstützung. Außerdem ist Sie gesellschaftlich gebrandmarkt, weil urfi-verheiratet und daher eine Hure!

Der Mann kann so viele derartige Konstrukte eingehen wie er möchte. Die religiös von Ihm geforderten Normen sehen ja nur keinen Sex VOR der Ehe vor – das hat er ja erfüllt.

Man muss sich eigentlich nur an Geboten und Verboten orientieren , eine verheiratete Frau sein und fruchtbar, natürlich, dann wird Frauen der Himmel auf Erden geboten. Ägypter wissen nämlich noch, wie man Frauen erobert und verehrt: die Frau ist ein Kristall, ein Edelstein, die Sonne, der Mond, das Meer, eine Rose, das Augenlicht usw. … das klingt auf Arabisch natürlich viel besser. Außerdem hat der Mann zu Hause eh nix zu melden, in der Öffentlichkeit kann er ja dann ruhig bei einer Shisha in der Männerrunde sein Testosteron spielen lassen!

Ein paar Kleinigkeiten konnte ich leider trotz intensiver Recherche nicht klären:

Unter welchen Umständen genau muss das strenge Fasten im Ramadan NICHT eingehalten werden? Zu dieser Frage hatte  jeder eine andere Antwort, der Koran ist da auch keine Hilfe, da z.B. harte Arbeit wirklich jeder anders definiert!

Muss das 5malige Beten am Tag wirklich in Richtung Mekka, also in Ägypten eher gen Osten gerichtet, praktiziert werden? Oder doch „mit dem Meer im Rücken“, was dann, je nach Landesteil, auch mal Richtung Westen bedeuten würde? Wo kommen die vielen bunten Glühbirnen her, die im Ramadan die Moscheen schmücken, so dass jeder Christbaum dagegen ein altersschwaches Glühwürmchen ist?

Fragen über Fragen, auf die es bis dato keine Antwort gibt!

Die Frustration darob lässt mich jetzt zum Schluss meiner Suada kommen, durchaus in Weltschmerz und tiefster Verzweiflung, oder, wie die Ägypter sagen würden : Das Leben ist ein Jammertal!

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Betest du noch oder kopulierst du schon?


Vorbemerkung der Redaktion: Zu diesem „schwierigen“ Thema war es nicht leicht, eine einigermaßen passende Illustration zu finden. Was in öffentlichen Museen zu betrachten ist (Agostino Carracci (1557 – 1602), Jupiter et Junon), kann ja wohl nicht Pornographie sein, oder? In der unendlichen Fülle türkischer und arabischer Pornos (leider musste ich mir das antun) habe ich nichts gefunden, was ich hier hätte präsentieren können.

Eine der wichtigsten Entwicklungen beim heranwachsenden homo sapiens ist die Entdeckung des eigenen Körpergefühls und der damit verbundenen Sexualität. Es wundert daher nicht, dass genau an diesem so verletzlichen Punkt die Sachwalter des jeweils wahren und einzigen Glaubens ansetzen und stets darum bemüht sind, nur ja keine Freude aufkommen zu lassen.

Die Katholiban treiben es da ja bekanntlich besonders bunt und verlangen von Ihrem Bodenpersonal absolute sexuelle Enthaltsamkeit (über Wirkungen und unerwünschte Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Pfarrer oder Bischof). Nun könnte man sich ja entspannt zurücklehnen und sich denken: so what? wäre da nicht die bigotte Sexualmoral, die sie auch ihren Anhängern abverlangen.

Den wenigsten Katholiken dürfte bekannt sein, dass das Empfinden sexueller Lust beim Geschlechtsakt nicht einmal in ehelichen Beziehungen erlaubt ist.

Diese Saat hat reichlich Früchte getragen. Noch in meiner Großelterngeneration war Sex etwas „Schmutziges“ und Masturbation führte zu Knochenschwund und Verkrümmung der Wirbelsäule.

Die sexuelle Revolution hat sich aber trotz massivem Lobbying der Kirche ihren Weg gebahnt, und die meisten Frauen lassen sich von der Androhung der Höllenverdammnis nicht mehr daran hindern, ihre eigene Sexualität zu erfahren und auszuleben (Männer durften das ja ohnehin schon immer).

 Wir wollten uns nun der islamischen Sexualmoral zuwenden, denn uns „Westlern“ wird ja immer vorgeworfen, wie moralisch verdorben wir sind. O-Ton: Eure Männer bringen es nicht und eure Frauen sind Schlampen!

Aus der Fülle an Vorschriften, die ein Moslem während seines Lebens zu beachten hat, ließe sich ja  tatsächlich ein perfektes „normales“ Leben ableiten, hier die wichtigsten Punkte:

  1. es gibt nur 2 Arten von Frauen : Jungfrauen und Ehefrauen ( i.e. Mütter )
  2. es gibt keinen vor- und außerehelichen Sex
  3. es gibt keine Pornographie und Prostitution
  4. Homosexualität ist anormal und daher nicht vorhanden
  5. aus o.g. Punkten ergibt sich, dass es auch keine Geschlechtskrankheiten gibt

Dass dem natürlich nicht so ist, bedarf keiner weiteren Ausführung – es „menschelt“ auch in islamischen Ländern. Besonders gut sehen (im wahrsten Sinne des Wortes) kann man das an Hand der mittlerweile doch großen Anzahl islamischer Pornos im Internet. Da zeigt sich auch schon der erste Unterschied zu westlichen Produkten: das Adjektiv „islamisch“ ist in der Tat ein Kategoriebegriff, wird auch manchmal durch „arabisch“ oder „türkisch“ ergänzt.

Da ich viel Zeit im arabischen Raum verbracht habe und mir diese Lebenswelten vertraut sind, erschöpft sich meine Recherche auch auf Videos aus diesem Teil der islamischen Welt, man möge mir das nachsehen.

Es gibt durchaus Unterschiede zu bemerken, schon beim ersten Durchschauen: die Filmchen sind von traurig schlechter Qualität, da fast ausnahmslos „homemade“, also eine finanzstarke Pornoindustrie gibt es wirklich keine, aber Voyeure und Möchtegernpornostars sehr wohl.

Interessant ist auch, dass es kaum Unterkategorien gibt, allerdings wird auf nationale Unterscheidungen Wert gelegt, so als würden Ägypter anders kopulieren als Libanesen und Saudis.

Was auch auffällt ist, dass Frauen nur ganz selten wirklich nackt zu sehen sind – de gustibus non est disputandum. Die Verhüllung des weiblichen Körpers setzt sich im Schlafzimmer fort.

Nicht so der männliche Körper: der wird in aller Pracht ausgiebig abgefilmt, strotzend vor Selbstbewusstsein, auch wenn das Endprodukt für erfahrene Frauen dann doch eher enttäuschend ist.

Aus frauenrechtlerischer Sicht sind ja Pornos eher bedenklich, Nährboden für diese Ansicht liefern die islamischen Pornos allemal, denn „die Frau sei dir ein Acker…“ wie es im Koran steht, wird hier vorexerziert.

Interessanterweise gibt es überdurchschnittlich viele gay porns, es ist doch immer wieder schön zu sehen, wie entlarvend die Marktwirtschaft sein kann.

In Zeiten von Internet und smart phones wird früher oder später jede Lüge aufgedeckt und sei es nur die, dass es in der islamischen Welt keine sexuellen Aberrationen und Perversionen gibt (damit meine ich natürlich nicht Homosexualität) – besonders beliebt sind Videos mit sodomistischen Szenen, die über Handys verbreitet werden.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass Männer, die sich von diesen Spartenfilmchen Erregung erhoffen, wohl eher enttäuscht sein werden und dass sich Frauen erst gar nicht die Mühe machen müssen, nach arabischen feurigen Liebhabern zu googeln, jeder Rosamunde Pilcher Schinken bietet mehr Extase!

P.S.: aus medienrechtlichen Gründen Linkanfragen nur direkt bei der Autorin

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Religionsfreiheit - muss das sein?


Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 von der Vollversammlung der UNO mit 48 zu null Gegenstimmen bei acht Enthaltungen, seitens muslimischer und kommunistischer Regierungen, beschlossen.

In der heutigen Diskussion gewinnt man sehr oft den Eindruck, als sei lediglich der Artikel 18, in dem neben der Meinungs- und Gewissensfreiheit auch von der Religionsfreiheit die Rede ist, von ausschlaggebendem Interesse.

Es hört sich so an, als sei ausgerechnet dieses Menschenrecht auf Religionsfreiheit das Wichtigste von allen. Wichtiger als zum Beispiel das Verbot von Folter und Sklaverei oder die Unantastbarkeit der Person und ihres Eigentums.

Bei der Berufung auf die Religionsfreiheit bilden sich erstaunliche Fronten. Das eher linke Spektrum bis weit in die Reihen von CDU/CSU hinein aber auch die römisch-katholische und evangelische Kirche pochen darauf, dass dieses Recht selbstverständlich auch dieser  nunmehr in nennenswertem Umfang in Europa aufgetauchten Religion, dem Islam, zustünde.

Aber es erinnern konservativ eingestellte Bürger, die zumeist islamkritisch eingestellt sind, eher daran, dass dieses Recht für den Islam im Gegenzug auch den anderen Religionen in von muslimischen Mehrheiten bestimmten Nationen zugestanden werden müsse.

Bei dieser zweiten Betrachtungsweise kommen wir dem ursprünglichen Sinn von Religionsfreiheit schon beträchtlich näher. In einer politischen Landschaft, die seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 (siehe wikipedia) durch den Grundsatz „cuius regio, eius religio“ gekennzeichnet war, stellte die prinzipiell mögliche Abnabelung von der Religion des Herrschers in der Tat einen gewaltigen Fortschritt dar, von dem islamische Länder in aller Regel weit entfernt sind. Mit anderen Worten: nicht der Staat hat zu bestimmen, nach welchem Ritus sich ein Paar trauen darf, sondern das Paar selbst. Solange es keine Zivilehe gab (erst unter Bismarck eingeführt) war dies ein bemerkenswerter Fortschritt. Eine in diesem Sinne verstandene Religionsfreiheit bedeutet im Grunde nichts anderes als eine Vorstufe dessen, was wir heute als Laizität des Staates verstehen. Er hat sich aus dem positiven oder negativen Bekenntnis seiner Bürger herauszuhalten. Wird dagegen heute von Religionsfreiheit gesprochen, so wird man mit der Nase darauf gestossen, dass damit nur die die Erhaltung und Festigung von Privilegien gemeint ist.

Laizität (am Beispiel Tunesien)

Umso erfreulicher ist es, dass in einem islamischen Land, Tunesien, eine machtvolle Demonstration für die Laizität des Staates („I laïque Tunisia“) stattgefunden hat.

Den rund 15.000 Manifestanten ging es – wie das hochgehaltene Transparent in bestechender Kürze und Eindeutigkeit zeigt –  um die Toleranz zwischen den Weltanschauungen und die Aufhebung der staatlichen Bevorzugung einer einzigen Religion.

Gleichzeitig geht aber auch um die negative Religionsfreiheit – der junge Mann ist Atheist – und die echte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Und all das in einem einzigen Plakat, in einem einzigen Wort vereint. Vergleichbares war in keinem anderen der von Revolutionen erschütterten Länder zu vernehmen.

Natürlich gibt es auch in Tunesien Bewegungen konservativer Muslime, die von der Einführung eines Emirats träumen, doch scheint die Zeit über sie hinweggegangen zu sein. Die angedachte Aktion junger Frauen, den aus dem Exil zurückkehrenden Terroristen Rachid al-Ghannouchi am Flughafen im Bikini zu begrüßen, um ihm zu zeigen, wie das moderne Tunesien aussieht, scheiterte lediglich an den Wetterbedingungen. So wurde ihm nur entgegengehalten: „Allah schafft keine Jobs“ – auch dies eine bemerkenswerte Aussage, die nicht unbeobachtet blieb. Die Extremisten erhielten zwar in den Wahlen vom 23. Oktober eine erschreckend hohe Stimmenzahl, doch betonen sie unablässig, die derzeit bestehenden Freiheiten nicht antasten zu wollen. Wohl zu recht wird dies nicht wirklich von den meisten geglaubt, wie in dem guten Kommentar von Abdelhamid Gmati „Croire ou ne pas croire“ in lapresse.tn deutlich wird.

Meinungs- und Gewissensfreiheit

Das allgemeiner gefasste Prinzip der Meinungs- und Gewissensfreiheit, wie es etwa von dem Aufklärer Diderot vorgetragen wurde, und das in der französischen Revolution seinen Niederschlag fand, hätte im Grunde bereits zu diesem Zeitpunkt eine Diskussion über die Frage der Religionsfreiheit als Unterabteilung der viel weiter gefassten Meinungsfreiheit überflüssig gemacht.

Ein Beispiel kann verdeutlichen, wie schnell die beiden Freiheiten auf Kollisionskurs gelangen können. In einem „schwach-islamischen“ Land wie Tunesien bestand und besteht für bekennende Juden und Christen staatlich garantierte Kultusfreiheit.

Moscheen und Kirchen werden wegen der latent immer vorhandenen Extremismusgefahr gesondert bewacht und beschützt. Wenn man einmal davon absieht, dass laut gültiger Verfassung nur ein Moslem Staatspräsident werden kann, herrscht eine für ein muslimisches Land erstaunliche Religionsfreiheit.

Trotzdem hätte sich wohl niemand vor dem 14. Februar 2011 getraut, eine Meinung zu äußern etwa der Art, Mohammed sei wegen seiner Heirat mit der neunjährigen Aische nach moderner Rechtsauffassung ein Pädophiler. Er hätte wohl erhebliche Probleme mit der Religionspolizei bekommen. Hier steht eindeutig die „Religionsfreiheit“, die sich bereits damit als ein Privileg dekuvriert, oberhalb der Meinungsfreiheit angesiedelt.

Der Sonderfall, wenn ein Ausländer eine muslimische Tunesierin heiratet, wurde bereits vor knapp einem Jahr ausführlich dargestellt * (Liebe unter dem Halbmond). Wenn sich dann in Deutschland ein islamischer Interessenvertreter und Lobbyist wie Aiman Mazyek hinstellt und den Politikern verkaufen will, „es gibt keinen Zwang im Glauben“, dann darf man ob dieser eigenwilligen Koranauslegung durchaus nachdenklich werden.

Ganz außerordentlich bedenklich und krass gegen die Menschenrechtserklärung positioniert stellt sich die Situation in „richtig“ islamischen Ländern wie Iran, Saudi-Arabien, Pakistan und Afghanistan dar, deren Rechtssystem weitgehend auf der Scharia basiert.

Drakonische Strafen für Ehebrecher, Homosexuelle oder Apostaten wie Steinigung, Auspeitschung oder Köpfung sind schlicht mit unserer Vorstellung von Menschenrechten nicht vereinbar, laufen aber gleichwohl unter „Religionsfreiheit“, da es schließlich die Religion ist, die diese Regeln vorschreibt. Solche Zustände sind dermaßen indiskutabel zu Beginn des dritten Jahrtausends hiesiger Zeitrechnung, dass an dieser Stelle wohl nicht weiter auf sie eingegangen werden muss.

Die Situation in Europa

Wenden wir uns also wieder der Situation in Europa mit seinen demokratisch verfassten Staaten zu. Man sollte meinen, dass die mit der französischen Revolution erreichte Entmachtung der absolutistischen Herrscher und der mit ihnen aufs heftigste kooperierenden christlichen Potentaten sich im Sinne einer vernünftigen Laizität des Staates verfestigt hätte.

Das Gegenteil ist der Fall. In zähem Kampf und mit geschickter Lobbyarbeit ist es den Kirchen, allen voran natürlich der römisch-katholischen in den letzten 200 Jahren gelungen, ihren Einfluss auf das gesellschaftliche Leben geradezu krakenhaft wieder auszudehnen.

Ihre Präsenz in der Öffentlichkeit und ihr Einfluss auf das politische Alltagsleben übersteigen dabei inzwischen bei weitem den prozentualen Anteil ihrer Anhänger. Hinzu kommen die Gier und die verfassungsrechtlich bedenkliche Forderung nach allgemein staatlichen Leistungen, die von jedem Mitbürger – gleich ob mit christlichem, muslimischem, jüdischem, atheistischem oder sonst welchem Bekenntnis – getragen werden müssen.

Der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) hat einen Teil der direkten, Zuwendungen in einem informativen Faltblatt zusammengestellt. Dass darüber hinaus jedoch jährlich Milliardenbeträge an die Kirchen fließen, damit diese sich mit ihren angeblichen karitativen Leistungen brüsten können, finden sich akribisch nachgewiesen im „Violettbuch“ vom Wissenschaftler Dr. Carsten Frerk.

Man kann festhalten, dass sich die Amtskirchen – anders als die Freikirchen – eine Position erarbeitet und teilweise gegen die Bestimmungen der Weimarer Verfassung und des Grundgesetzes erschlichen haben, die mit den Forderungen nach religiöser Neutralität des Staates nur noch entfernt etwas zu tun haben.

Wen nimmt es da wunder, wenn nun diese neue Religionsgemeinschaft Islam in ihren verschiedenen Formen daher kommt und für sich dieselben Privilegien einfordert, die den etablierten religiösen Gemeinschaften in Deutschland so ans Herz gewachsen sind?

Angesichts dieser neuen Herausforderung macht sich eine geradezu lethargische Hilflosigkeit breit. Wie viel darf man ihnen gewähren, wenn gleichzeitig bekannt ist, dass diese Religion sich anschließend nicht damit zufrieden gibt, still als Gemeinde der Moslems vor sich hin zu arbeiten und den Anhängern ein spirituelles Zuhause zu geben, sondern klare und weit darüber hinaus gehende Ziele der politischen Einflussnahme auf die Gesellschaft verfolgt, ganz so, wie es auch von den Kirchen praktiziert wird.

Wer da immer noch glaubt, man könne sich mit dem Islam rein theologisch auseinandersetzen, verfehlt die wirkliche Problematik. Es kann nicht darum gehen, sich gegenseitig Suren und Bibelzitate um die Ohren zu hauen, oder Diskussionen darüber anzuzetteln, welcher der propagierten Götter denn nun der bessere sei – nein: die Frage kann ausschließlich und nur politisch entschieden werden.

Doch zu einer Rückbesinnung auf die Werte der Aufklärung fehlen ganz offensichtlich die Kraft und der Wille bei den im Parlament vertretenen Parteien. Muss denn wirklich erst eine neue Revolution her, um dieses Problem zu lösen?

Deutschland hat die Chance zu einem grundsätzlichen Neuanfang leichtfertig nach der Wiedervereinigung verspielt, weil eben alles „schnell“ gehen musste und es wichtiger schien, den Einigungsvertrag umgehend abzuschließen. Die ursprüngliche Version des Art. 146 im Grundgesetz sah vor, dass das Deutsche Volk sich in freier Selbstbestimmung nach der Vollendung der Einheit eine neue Verfassung gibt und das Provisorium von 1949 ad acta legt.

Tatsächlich aber wurde das Grundgesetz praktisch unverändert in ganz Deutschland für verbindlich erklärt und jede Diskussion umgangen. Dem Umstand, dass Deutschland sich seit 1949, als es noch unter dem Eindruck der Kriegsereignisse und den Schwächen der Weimarer Republik stand, ganz erheblich verändert hat, konnte somit nicht Rechnung getragen werden.
Es hätte klargestellt werden müssen, dass die „Religionsfreiheit“ nicht als Deckmantel dienen darf, um Privilegien oder sogar ungesetzliche Machenschaften zu schützen wie es derzeit in der unseligen Fassung des Artikels 4 im Grundgesetz der Fall ist.

Eine solche Bereinigung hätte bereits bei der Präambel beginnen müssen, mit diesem unsäglichen Satz „Verantwortung vor Gott und den Menschen“, was angesichts einer deutlichen Mehrheit der Deutschen, die nicht mehr an einen persönlichen Gott glaubt, nur schwer vermittelbar sein dürfte.

Was hat eine bronzezeitliche Fiktion in einem weltlichen Gesetzestext zu suchen? Und das muss irgendwann weitergehen mit der Abschaffung der Körperschaften öffentlichen Rechts hin zu einer Organisation unter Vereinsrecht für Religionsgemeinschaften, Abschaffung der Präsenz in Ethik- und Fernsehräten, Schulkommissionen und vieles andere mehr, Abschaffung des staatlich bezahlten Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen und Abhängen der christlichen Symbole in den der Allgemeinheit zugänglichen Räumen.

Bereits mit diesen Maßnahmen hätten sich einige Probleme erledigt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Bei einer Organisation nach Vereinsrecht muss eine Satzung vorgelegt werden. Man stelle sich nun vor, Muslime organisieren sich dergestalt nach Maßgabe der Scharia und in der vorgelegten Vereinssatzung stünde, dass der Austritt aus dem Verein – die Apostasie – mit dem Tode zu bestrafen ist.

Es steht zu vermuten, dass dann auch dem heftigsten Befürworter von „Religionsfreiheit“ klar wird, dass hier etwas nicht stimmen kann. Man stelle sich des Weiteren vor, dieser Verein verlange von neu hinzutretenden Mitgliedern und auch ihren Kindern, sie müssten sich die Ohren abschneiden lassen, weil dies nun einmal vereinsrechtlich so festgelegt sei.

Und in Wahrheit wäre es noch schlimmer: sie verlangten nicht die Ohren, sondern schnippeln an den Genitalien der Mitglieder herum, was normalerweise unter Verstümmelung religionsunmündiger Abhängiger fiele, falls weithin anerkanntes Recht auf religiöse Gruppen angewendet würde.
Es ließen sich noch viele Beispiele anführen, bei denen erst eine vereinsrechtliche Betrachtung klar macht, wie viel von diesen unter „Religionsfreiheit“ segelnden Privilegien schlicht mit moderner Rechtsstaatlichkeit unvereinbar sind. Man mag einwenden, dass das ja „nur“ Muslime treffen würde, alles andere könne dagegen so weiter gehen wie bisher.

Dazu sollte man sich einmal die arbeitsrechtlichen Bedingungen anschauen, unter denen die Mitarbeiter in staatlich zu 95 Prozent finanzierten, aber von der katholischen Kirche geführten Krankenhäusern herrschen.
Apostasie wird zwar nicht (mehr) mit dem Tode bestraft, sondern „nur“ mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, arbeitsgerichtliche Prozesse der Betroffenen dagegen enden in aller Regel mit einem Sieg der Kirche – wegen einer sogenannten „Religionsfreiheit“.

Das Grundgesetz

Neben der Präambel, die geändert gehört – zum Glück ist es ja den Vatikanparteien Deutschlands im Parlament nicht gelungen, diesen Unsinn auch noch in den Lissabon-Prozess einzubringen – muss endlich eine Diskussion um die Ausgestaltung von Artikel 4 Grundgesetzt angestoßen werde.

Die entscheidenden Punkte finden sich in Absatz 1 und 2:

1. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

2. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Besonders der zweite Absatz stellt einen juristischen Stolperstein ersten Ranges dar, weil unter ihm so ziemlich alles subsumiert werden kann, was den Religionsgemeinschaften gerade so in den Sinn kommt.

Es gibt keine ausdrücklich genannten gesetzlichen Beschränkungen. Das Mindeste, das erreicht werden müsste, ist ein Zusatz in diesem Grundgesetzartikel, wie er sich im UN-Zivilpakt aus dem Jahr 1993 findet:

Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekunden, darf nur den gesetzlich vorgesehenen Einschränkungen unterworfen werden, die zum Schutz der öffentlichen Sicherheit, Ordnung, Gesundheit, Sittlichkeit oder der Grundrechte und -freiheiten anderer erforderlich sind.

Oder in anderen Worten ausgedrückt: „Alles, was den Bürgern eines Staates erlaubt ist, soll auch gläubigen Bürgern erlaubt sein – und nicht mehr“.

Eine dergestalt begründete Eingrenzung in die allgemeinen zivil- und strafrechtlichen Bestimmungen könnte die zu beobachtenden Auswüchse verhindern – zumindest eindämmen – und böte gleichzeitig den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass der Islam sich nicht auch noch die Privilegien einverleibt, die den anderen derzeit zur Verfügung stehen.

Wenn man davon überzeugt ist, dass ein solcher Verfassungszusatz ein dringliches Desiderat darstellt, sollten die zu ihrem Inkrafttreten erforderlichen Maßnahmen von den humanistischen Institutionen – notfalls auch auf dem Petitionsweg – umgehend eingeleitet werden. Auf Unterstützung durch die kirchliche Lobby wird man dabei aber wohl verzichten müssen.

Somit steht für mich fest: Die Religionsfreiheit, in dem Sinn wie sie heute ausgebeutet wird, gehört abgeschafft

* Eine kleine Ergänzung zu Tunesien: Das Dekret 73, das Tunesierinnen vorschrieb, nur Moslems heiraten zu dürfen, wurde ausser Kraft gesetzt. Und auch ansonsten sind nunmehr alle Regelungen, die Frauen diskriminieren (Ehe-, Familien- und Erbrecht, uam.) inzwischen durch neue Gesetze ausgemerzt worden.

 

 

 




Schwul in Istanbul


„Na und“ würden wir zu diesem Titel mit Recht sagen. Jeder soll schließlich so leben, wie es ihm gefällt. Und das ganze „Gender-Getue“ ist schlicht unnötig wie ein Kropf am Hals. In dieser Beziehung ist West-Europa schon längst aufgeklärt. Ausnahmen finden sich allenfalls in den hinlänglich bekannten Publikationen wie z. B. dem „Schwarzen Kanal“ (Politically Incorrect), in denen häufig primitivstes Homo-Bashing betrieben wird.

In diesem Beitrag möchte ich über ein lesbisches Paar in Istanbul erzählen und mich überhaupt über die Situation der Homosexuellen dort auslassen. Wer Istanbul das erste Mal sieht, ist begeistert und auch erstaunt über die vielen Gesichter der Stadt. Eine uralte Megapoli, vormals Byzanz / Konstantinopel, die Griechen bezeichnen heute noch Istanbul „Konstantinopoli“. Der Name Istanbul kommt von Islam bol und erinnert an die Bemerkung von Fatih Sultan, dem Eroberer, das Byzanz nicht mehr christlich sei, sondern voll der Religion des Propheten, also wörtlich übersetzt: „voll Islam“.

Die Knabenliebe war bei den alten Griechen und auch bei den nachfolgenden Sultanen am Hof, ein sehr beliebter Zeitvertreib. Man sollte nicht vergessen, dass der jüngere Bruder des späteren Fürsten Vlad III., bekannter unter dem Namen Fürst Dracula, zusammen mit seinem Bruder am türkischen Hof des Sultans als Geisel lebten. Der jüngere Bruder hieß Radu der Schöne und war einer der Lieblinge des Sultans. Wie man an diesem historischen Beispiel sieht, war dies im Serail keine „exotische Lustbarkeit“ sondern gang und gäbe.

Mit der Geschichte von meinem unglücklichen Paar möchte ich daran erinnern, dass in der heutigen Türkei,  verschlimmert durch den in den letzten Jahren leider erstarkten religiösen Fanatismus und Nationalismus, das Leben der Minderheiten, egal ob es ethnische, religiöse oder auch Menschen, die in ihrer sexuellen Orientierung eben anders sind, das Leben zunehmend zur Hölle gemacht wird.

Man wird es nicht glauben. Die Türkei war in den 60er, den 70er und den 80er Jahren wesentlich liberaler und prowestlicher ausgerichtet als heute. Diese fatale Entwicklung haben wir unter anderem der Fetullah-Gülen-Bewegung zu verdanken. Die Auswirkungen der dauernden Indoktrination sind leider zu sehen, wie das negative Beispiel von Sibel Üresin zeigt. Man kann darüber nur den Kopf schütteln.

Meine beiden Ladies, dessen Identität ich natürlich nicht preisgeben werde, stehen stellvertretend mit ihrem Leben für hunderte anderer Pärchen: Wie kommen sie zurecht?

Ganz einfach, sie verstecken ihre Neigung so gut es geht. Außerdem gibt es in der türkischen Gesellschaft so eine Art, ja wie kann man es am besten bezeichnen, ich nenne es mal „schizoides Verhalten“, das eine heimliche Beziehung von 2 Frauen akzeptiert, natürlich verspottet, aber diesen Frauen nichts antut. Die Beziehung von zwei Männern ist dagegen etwas anderes. Verrückt, nicht wahr? Diese Homo-Beziehung wird sanktioniert und auch gesellschaftlich geächtet, dass den betroffenen Männern sogar der Ehrenmord droht. Es ist absolut zum Haare ausraufen.

Ich muss ganz ehrlich sagen, mir geht das nicht in den Kopf und ich will es eigentlich gar nicht verstehen.

Das Leben dieser beiden Frauen ist geprägt von Notlügen und Versteck spielen. Wenn sie ihre Familien besuchen, dann wissen nur die engsten Familienangehörigen oder auch nur ganz enge Freunde von ihrer Neigung. Sie leben zusammen und wenn die Nachbarn mal neugierig nach ihrem Leben oder ihrer Sulale / Familie fragen, dann antworten sie: Ja sie haben Familie und die eine davon war schon mal verheiratet aber es wird verheimlicht, dass sie von ihrem Mann geschieden wurde. Die andere hatte gar nicht geheiratet. So leben nun diese beiden Frauen in einer Art Schicksalsgemeinschaft zusammen und hoffen jeden Tag und beten deswegen auch fleißig zu „Allah“, dass sie ihr Leben in Ruhe fortsetzen können. Es ist tragisch. Bei großen Familienfesten erscheinen beide nur getrennt in ihren Familien. Es soll ja nichts an die Öffentlichkeit kommen. Der  Nachbarschaft erzählt man dann, dass man in enger Freundschaft und wie Geschwister zusammenlebt und sich deswegen gegenseitig hilft. Zwei Frauen sind schließlich keine Gefahr, vor allem, wenn sie schon älter sind und nicht mehr so jung und knusprig.

Die beiden Frauen kämen auch gar nicht auf die Idee, sich einem Imam anzuvertrauen, schließlich würde dieser Würdenträger die Frauen sofort ermahnen und ihnen bei Strafandrohung der Dschehenna, die Rückkehr zu einem „normalen Leben“ befehlen. Dieser Kerl hätte absolut kein Verständnis, geschweige denn den Intellekt dazu.

Bei Männern ist die Lage noch wesentlich schwieriger. Manche vertrauen sich dem Imam an und sind tatsächlich verzweifelt über ihre Neigung, weswegen es auch zu Suiziden kommt. Ich habe mich mal mit einem Betroffenen unterhalten: er hatte sich auch dem Imam anvertraut. Der Imam sagte ihm, er solle auch einen Psychiater und Nervenarzt aufsuchen und sich behandeln lassen. Zusätzlich solle er den Koran studieren und seine 5maligen Gebete besonders inbrünstig ausführen. Wenn er dies befolge, dann helfe ihm Allah hundertprozentig. Auf die Idee wie die katholischen Ärzte in Deutschland, Homosexuelle durch Homöopathie zu heilen (siehe Homohomöopathie), sind die Imame allerdings noch nicht gekommen. Außerdem solle er so schnell wie möglich heiraten und eine Familie gründen. Das, so meinte der Imam zusätzlich, könne ihm auf den richtigen Weg helfen.

Das Tragische an dieser Geschichte ist aber folgendes: Dieser junge Mann hatte geheiratet und eine Familie gegründet, hatte sämtliche Ratschläge des Imam befolgt, aber es hat nur eine kurze Zeit lang genützt und die eigentliche Neigung kam eruptiv durch. Er ließ sich scheiden und verließ seine Familie. Wo er heute lebt, weiß niemand.

In der großen Schwulen-Szene in Istanbul leben viele der Betroffenen sehr gefährlich. Sie sind Freiwild für die türkische Macho-Gesellschaft und etliche bezahlen immer wieder mit ihrem Leben. Die Polizei macht keinen Hehl aus ihrer Verachtung für die Leute und dementsprechend sind ihre so genannten „kriminologischen Untersuchungen“ sehr schlampig. Aber wenn dann einer von den Schwulen zu einem großen Künstler aufsteigt, dann wird er verehrt. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Bülent Ersoy oder an den ebenso unvergessenen, aber leider verstorbenen Zeki Mürren. Diese Frauen/Männer sind und waren großartige Sänger und Musiker. Ihre Schauspiel-Karriere war ein bisschen, na ja, drollig. Aber als Musiker waren sie unvergleichlich. Bei Bülent Ersoy war der Weg auch recht steinig. Er hatte schon als Mann ein sehr feminines Aussehen und hat sich dann Jahre später in London zu einer Frau umwandeln lassen. Dass er dies öffentlich gemacht hatte, ist schon klasse und mutig an sich. Die Türkei hat ihm sogar nach der Geschlechtsumwandlung eine Zeitlang die Einreise verweigert, die dann später natürlich wieder zurückgenommen wurde.

Eine kleine Anmerkung am Schluss:

Meine persönliche Erfahrung und Meinung ist die, dass die Türkei sich sehr weit entfernt hat was Fortschritt und Toleranz angeht. Ich befürchte sogar, dass es in Richtung einer Theokratie hinausläuft wie im Iran. Es wäre gut, wenn meine Befürchtungen nicht einträten, aber die Erfahrung zeigt mir keine Alternative. Auch wenn Istanbul noch Boomtown ist: Wer weiß wie lange, und was kommt danach? Inshallah das Beste…..

Es gibt aber auch immer wieder Türken, die mit hohem persönlichen Einsatz für die Rechte der Homosexuellen in der Türkei eintreten: „Wir haben die Eier, es laut zu sagen“ berichtet das Magazin Café Babel und weiter:

Die Homophobie in der Türkei habe Fälle physischer und sexueller Gewalt zur Folge. Die Morde an mehreren Transsexuellen und Transvestiten seien beunruhigende Entwicklungen, stellt der Bericht der EU-Kommission von 2009 über die Erweiterung und den Beitritt der Türkei fest. Trotzdem gibt sich die Schwulenszene in Istanbul zunehmend offener. An der Gay Pride 2010 nahmen in diesem Jahr 5.000 Leute teil; die erste Transgender-Parade fand im Juni statt. Wir haben zum ersten Geburtstag der Schwulenbar mit einem der Gründer des Frappé Istanbul gesprochen: … 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.




Erdogan sagt „yasak anal“


Tunesien schaffte nach der Jasmin-Revolution die zu Zeiten der Diktatur herrschenden Regeln der Internet-Zensur ab (ich habe darüber berichtet). Inzwischen sind selbst Schmuddelseiten wie Youporn oder Pornhub trotz anfänglicher Diskussion direkt erreichbar. Es gibt keinerlei erkennbare Sperren mehr.

Während sich also dieses kleine Land alle westlichen Freiheiten gönnt (was sicher nicht jedem gefällt), fährt der EU-Beitrittskandidat Türkei schwere Geschütze gegen die Verrohung der Sitten auf. Trotz Ermahnung durch die OECD setzte sie 138 Wörter auf die schwarze Liste, deren Verwendung im Netz hinkünftig unter Strafe gestellt ist. Neben der Sperrung von bereits ca. 5.000 Seiten (wie z.B. Youtube) mit unerwünschten Inhalten nun also auch noch ein Index Verborum. Dabei darf man sich wundern, was da so alles verboten wird. Neben „gay“ (auch in der türkischen Variante „gey“), was man ja wegen der bekannten Homophobie noch verstehen könnte, finden sich dort auch nichts sagende Wörter wie „free“ und „verboten“ (türk. „yasak“), damit bereits der Hinweis auf diese Sperren der Strafandrohung unterliegt.

Schwierigkeiten dürften nun auch eingesessene Internetportale bekommen, in deren Namen sich die anstößigen Begriffe wie beispielsweise „animal“ befinden. So ist „donanimalani.com“  ein seriöser Anbieter von Hardware. Doch wenn ich es recht bedenke: Hardware?

Lesen Sie ausführlich in http://www.derwesten.de/nachrichten/panorama/Tuerkei-verbietet-138-Woerter-id4601950.html#derwestenRSS




Schöne Scharia


 

Das in jüngster Zeit verstärkte Auftreten von Salafisten in der deutschen und österreichischen Öffentlichkeit (siehe Koranverteilung) hat ein Thema in den Vordergrund gerückt, von dem islamische Extremisten (aber nicht nur sie) behaupten, es sei mit unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung problemlos zu vereinbaren: die Scharia. Es lohnt daher, sich mit der Sache noch einmal auseinander zu setzen.

In der westlichen Welt gilt die islamische Gesetzgebung (grob gesprochen Scharia =  Koran + Sunna) als unzivilisiert, primitiv, grob, ungebildet, brutal, grausam, blutrünstig und gnadenlos, in einem Wort barbarisch. Dagegen sei okzidentales Recht fortschrittlich, zivilisiert, kultiviert, menschlich und mitfühlend. Die „Werte“ der einen Kultur scheinen jeweils die exakten Antonyme der anderen zu sein.

Unterschiedliche Kulturen haben also nicht nur völlig andere Strafsysteme, sondern vor allem konträre Ansichten darüber, wie welcher Untat, die Menschen von Menschen angetan werden kann, am besten geeignet begegnet werden kann. Was der einen als „menschlich“ gilt, wird von der anderen als „unmenschlich“ gegeißelt. Damit stehen wir unmittelbar vor der Frage, welchem Zweck Strafe dienen soll, und wie sich eine Gesellschaft effektiv vor Schaden durch Verbrechen schützen kann. Es kann davon ausgegangen werden, dass in der Historie des homo sapiens niemals Verbrechen einfach hingenommen wurden. Keine Gemeinschaft kann es sich leisten, dass an ihren Grundfesten genagt wird, wenn sie auf Dauer überleben will. So gehört eine angemessene Reaktion der Gesellschaft auf schädigende Aktivitäten einzelner ihrer Mitglieder zum Überleben elementar notwendig dazu. Die Methoden und Zielsetzungen der Verbrechensverhinderung allerdings haben sich im Laufe der Geschichte grundlegend gewandelt.

Abschreckung und Sühne, Rache, Wiedergutmachung des angerichteten Schadens, Wiedereingliederung in die Gemeinschaft (Resozialisierung) sind gebräuchliche Worthülsen in diesem Zusammenhang. Es schwingt auch immer die Frage mit, wie dem Gebot der Menschlichkeit am besten Rechnung getragen werden könne, wobei auch im westlichen Recht die Diskussion erlaubt sein muss, wem diese zumindest überwiegend zu gelten habe: dem Opfer oder dem Täter? In der modernen Rechtsprechung werden diese Prioritäten von den Betroffenen wohl nicht immer als sauber getrennt anerkannt. Je mehr sich das Gesetz vom reinen Rachegedanken löst, umso schwieriger wird diese Auseinandersetzung ganz offensichtlich.

Das islamische Recht stützt sich eindeutig auf Abschreckung, damit möglichst unkompliziert Frieden, Recht und öffentliche Ordnung gar nicht erst angetastet werden. Geschieht dennoch ein Unrecht, so wird ohne großen Aufwand an Gefängnissen und Strafvollstreckung gerichtet. In der ursprünglichsten Form treten die Hüter der Religion als Richter auf, da sie – anders als heute bei uns – gleichzeitig Rechtsgelehrte sind, was sich bereits aus der nicht vorhandenen Trennung von Religion und Staat zwingend ergibt. Rechtsprechung ist dabei eine Form der Umsetzung des Willens Allâhs. Keine Einzelregelung der praktischen Rechtsanwendung darf diesem Willen widersprechen, sie darf sich immer nur im vorgegeben Rahmen bewegen.

Und warum dann diese „Grausamkeiten“? Nehmen wir den Fall des Diebes, denn Diebstahl wird in allen Gesellschaften geahndet, doch auf völlig unterschiedliche Weise. Im alten germanischen Recht (zum Beispiel im vorchristlichen Island) stand in aller Regel die Wiedergutmachung im Vordergrund, der angerichtete Schaden musste in genau festgelegter Form kompensiert werden. Gefängnisse waren unbekannt. Allenfalls wurde eine Verstoßung aus der Gruppe angeordnet und der Täter musste sich forthin allein und ohne Gruppenhilfe durchs Leben schlagen. Heute wird bei uns – vor allem im Wiederholungsfall – der Täter für eine Weile hinter Gitter gesperrt mit dem Ziel, er möge doch nach seiner Entlassung so weit resozialisiert sein, dass er zukünftig keine Straftat mehr begehe. Nur zu häufig trügt diese Hoffnung und der Rückfall wird zur Regel.

Gemäß der Scharia wird demselben Dieb die Hand abgehackt – und das möglichst öffentlich. Strafe muss nach islamischer Auffassung streng und exemplarisch sein, denn: „Das Leben kann nicht sicher sein, wenn die gewohnheitsmäßigen Verbrecher unbearbeitet sich selbst überlassen werden. Es ist besser streng zu einem zu sein, als unnötigerweise nachsichtig und dadurch viele zu zerstören und das Leben von Millionen anderer einer Gefahr auszusetzen“.

Es ist hier nicht der Ort zu diskutieren, welche der drei angerissenen Grundvorstellungen (Wiedergutmachung, Resozialisierung und Abschreckung) effektiver sind, oder welche mögliche Mischung am besten zum gewünschten Erfolg führt. Es geht weiter nur um den Punkt der Menschlichkeit in moslemischer Sicht. Islamisches Recht löste nach deren Vorstellung die vorislamischen Systeme radikal ab, in denen Unmenschlichkeit und Rache im Vordergrund standen. Menschlichkeit habe sich zuallererst denen gegenüber zu zeigen, die vor Verbrechen geschützt werden sollen. Doch selbst beim Verbrecher wird – zum Beispiel bei einer Auspeitschungsstrafe – jeweils ausführlich erörtert, wie die Peitsche beschaffen sein soll und welche Körperpartie getroffen werden muss. Wer die Verbrechensquote radikal reduzieren will, komme nicht darum herum anzuerkennen, dass das „göttliche“ Gesetz Allâhs jedem von Menschen gemachten Gesetz klar überlegen sei. Es sei auch nicht veraltet – so ein weiterer Vorwurf des Westens – sondern seit 1.400 Jahren modern und dynamisch, selbst wenn es nicht in allen islamischen Staaten gleichermaßen streng zur Anwendung gelange. Grundgedanke bleibe immer die „Opferung des Einzelnen zum Wohle des Ganzen“. Daran dürfe sich nichts ändern. Das sei auch nicht etwa antiquiert. Veraltetes Recht gäbe es lediglich in Gesellschaften, die je nach sich änderndem Empfinden fortwährend neue Gesetze einführten, und damit altes Recht obsolet werde.

Im Islam aber gibt es keinen sich irgendwelchen Trends unterwerfendes als Modernismus getarntes Recht vergleichbarer Art, sondern nur dynamisches, lebendiges Recht, das seit 1.400 Jahren noch immer modern und progressiv sei. Da dieses Gesetz von Allâh selbst stamme, steht es Menschen natürlich nicht zu, es zu ändern, aufzuheben oder es gar zu widerrufen. „Somit ist es an der Zeit, dass der fehlbare, abendländische Homo sapiens seine „modernen“ Standpunkte der Verachtung für das islamische Recht ändert, sodass er seinen geistigen und materiellen Wohlstand gewährleisten und eine geordnete Gesellschaft auf Gerechtigkeit basierend frei von Verbrechen schaffen kann“.

Die Gedanken zum islamischen Recht geben in etwa das wieder, was man in einem speziellen Land, nämlich Brunei, von dem Wirken der Scharia meint, und was der Sultan von Brunei in einer Konferenz vorgetragen hat. Mehr in der Brunei Times.

Unabhängig davon, wie man die Frage beantworten mag, ob diese Art der Abschreckung zielführend ist oder nicht, bleibt nachzuprüfen, welches denn nun die entsetzlichen Verbrechen sind, vor den abgeschreckt werden soll. Ganz oben an stehen nämlich nicht etwa Mord und Diebstahl, die in allen Gesellschaften geahndet werden, sondern Blasphemie, Ehebruch und Homosexualität. Die weitaus größte Zahl an drakonischen Bestrafungen fällt mithin ausgerechnet auf „Delikte“, die einem normalen Menschen nicht einmal ein verwundertes Lüften der Augenbrauen entringen würden. Da liegt die Crux: Nicht so sehr wie die Moslems bestrafen, sondern was sie bestrafen, ist in erster Linie verabscheuungswürdig, menschenfeindlich und mittelalterlich. Doch das hat sich in Teheran, Kabul, Islamabad oder Riyadh noch nicht herumgesprochen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Man muss den Islam nicht mögen


MaaßenDer Bundesverfassungsschutz sieht derzeit keine Anhaltspunkte für eine Beobachtung der Hassseite PI-News. Präsident Maaßen sagt, man dürfe in Deutschland sagen, man möge den Islam nicht. Einverstanden. Der Meinung ist auch der Nachfolger von Maaßen. Aber seit wann darf man hetzen?

Die Einstellung vieler muslimischer Menschen mit Migrationshintergrund zu Deutschland ist recht paradox: Sie fühlen sich längst als ein Teil der hiesigen Gesellschaft, als zu Deutschland zugehörig, zumindest stark durch Deutschland geprägt – aber erst im Ausland. Verlässt man Deutschland über die Landesgrenze in eines der vielen Nachbarländer, oder fliegt man zum Herkunftsland, aus dem die Eltern kommen, stellen sich diese Gefühle ein. Vorher nicht. Oder sagen wir besser: Eher nicht. Und warum? Fragen wir anders: Wann ist man in Deutschland angekommen? Wann ist man vollständig integriert und ein akzeptierter, vorbildlicher Bürger? Dies sind keine einfachen Fragen. Vermutlich haben sie auch keine einfachen Antworten. Das Grundgesetz selbst mit seinen Grundrechten gegenüber dem Staat und garantierten Freiheiten für den Bürger lässt den Menschen weitgehende Freiheiten.

Vielleicht sollte man sich diesen Fragen also von der anderen Seite nähern. Wer ist in Deutschland nicht willkommen? Wer wird als problematisch gesehen? Über wen gibt es Klärungsbedarf? Stellt man diese Fragen, so dürfte eigentlich eine Behörde in Deutschland als besonders geeigneter Ansprechpartner erscheinen: Der Verfassungsschutz. Denn er wacht über die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Er macht Extremisten aus, die ein Problem mit dieser Ordnung haben und beobachtet sie. Er schreibt dann darüber Berichte und stellt sie den zuständigen Behörden und Ämtern sowie der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. Soweit die Theorie. Sie klingt schön und plausibel. Wie aber sieht die Praxis aus? Werden da wirklich alle gefährlichen Extremisten beobachtet oder gibt es vielmehr ein Ungleichgewicht bei der Bewertung?

Islamfeindlichkeit als Randthema

Weiter bei: https://dtj-online.de/deutschland-bundesverfassungsschutz-islam-nicht-moegen-pi-2140 (Weblink aktualisiert am 03. Februar 2019)




Liebe unter dem Halbmond


Der folgende Bericht erschien zuerst bei wissenrockt.de, damals aus Sicherheitsgründen noch unter dem Pseudonym „Friedrich Norden“. Zu Zeiten der Diktatur konnte man eben nicht sicher sein, ob man sich mit einem solchen Bekenntnis nicht erhebliche Nachteile einhandelte.

Aus zwei Gründen stelle ich den Bericht hier ein. Zum einen hat mir das Bekanntwerden meines „Übertritts“ zum Islam erhebliche Beschimpfungen und Unterstellungen eingetragen – ausgerechnet in der islamkritischen Szene. Wer so etwas mache, könne nicht ernst genommen werden, er sei ein islamisches U-Boot, und dieser Schritt dokumentiere, dass zumindest indirekt der „Chip“ des Islam in meinem Kopf sei, was ja bei einem Atheisten auch nicht verwundere. Zum anderen möchte ich den neu hinzugekommenen Freunden dieser Seite die Möglichkeit geben, sich selbst ein Urteil zu bilden. So schrieb ich im Frühjahr 2010:

Da arbeitet man nun im selben Unternehmen, lernt sich kennen und scherzt im Kollegenkreis. Man albert ein wenig herum, schwatzt auch einmal allein miteinander, verabredet sich auf einen Kaffee und macht einen Einkaufsbummel, trifft sich schließlich auch abends. Und plötzlich, ohne dass man hinterher sagen könnte, wann genau es geschah, ist innerlich ein Knoten geplatzt. Man wird sich darüber klar, dass man ohne den anderen gar nicht mehr sein möchte. Und trotzdem ein ganz normaler Vorgang, den man gemeinhin als das Entstehen von Liebe bezeichnet und der sich in dieser oder abgewandelter Form millionenfach auf unserer Erde wiederholt.

Spätestens an dieser Stelle ist ein Punkt erreicht, an dem das frische Paar sich darüber Gedanken macht, ob die zwei eigenen „Wohnhöhlen“ wirklich noch Sinn machen. Oder ob es nicht besser wäre, zusammen zu ziehen. Kluge Eltern geben jedenfalls, sofern man sie fragt, eben diesen Rat an ihre Kinder. So beginnt oft der praktische Härtetest und das wirkliche Ehefähigkeitszeugnis im Gegensatz zum dem, was eine Behörde darunter versteht.

An dieses freie Spiel der Natur haben wir Menschen uns gewöhnt. Es ist, außer in stark religiös geprägtem Umfeld wie in ländlichen, vor allem katholischen Gegenden oder Teilen der USA, selbstverständlich geworden.

Aber halt, bitte nicht das Wort „geworden“ überlesen! Noch in den frühen sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts drohte einem Hotelbesitzer eine Anzeige wegen Kuppelei, wenn er ein Doppelzimmer an ein unverheiratetes Paar vermietete. Wir vergessen schnell und überheben uns daher leicht über rückständige Gesellschaften, die noch immer der Aufklärung harren.

Unglücklicherweise traf mich das im ersten Absatz beschriebene Glück ausgerechnet in dem unaufgeklärtesten Umfeld, das man sich heute nur vorstellen kann: in einem islamischen Land. Der Tag des Einzugs meiner „Auserwählten“ bei mir war also der offizielle Beginn eines Konkubinats. So heißt es hier tatsächlich noch!

Im Konkubinat

Die ersten spitzen Bemerkungen kamen natürlich aus der Familie meiner angehenden Frau. Das müsse doch nun endlich legalisiert werden, denn „was sollen denn die Nachbarn denken!“ Meine ursprüngliche hohe Meinung vom familiären Zusammenhalt in moslemischen Kulturen, die vor dem Hintergrund des Auseinanderfallens europäischer Familien gegründet wurde, bekam erste Risse. Es zeigte sich für mich mehr und mehr, dass die Hauptfunktion der Familien darin besteht, deren Mitglieder in jeder Lebenslage zu bevormunden. Eine freie Entfaltung der Persönlichkeit ist unerwünscht und wird mit allen Mitteln bekämpft.

Das Leben wurde so für meine Frau immer schwieriger. Hinzu kam die ständige Angst, von Nachbarn bei der Religionspolizei angeschwärzt zu werden. Wir zogen also in eine andere Gegend. In der Folge besuchte uns die Familie nicht mehr. Auch jeder Hotelaufenthalt wurde zur Angstpartie: „Werden die uns denn überhaupt ein Doppelzimmer geben?“ Urlaube in Europa bedeuteten ein großes Aufatmen, doch umso schlimmer wurde die Rückkehr. Es war zum Verzweifeln.

Die Lösung konnte nur Heirat heißen. Aber eine Hochzeit in Deutschland, wie von mir vorgeschlagen, verbot sich umgehend. Die Verwaltung erkennt, entgegen internationaler Abmachungen, im Ausland geschlossene Ehen tunesischer Frauen nicht an, was notabene nur für die auswärts geschlossenen Ehen der Frauen gilt. An der rechtlichen Situation hätte sich also nichts geändert.

Eine Heirat in Tunesien war die einzig verbliebene Möglichkeit. Es folgte ein Monate währender Papierkrieg mit allen Unterlagen, einer Unmenge von Übersetzungen und Beglaubigungen. Schließlich musste der alles entscheidende Punkt geregelt werden: mein Übertritt zum Islam. Da es, anders als seit 1875 in Deutschland, keine Zivilehe in unserem Sinne gibt, verbietet der Staat gemischtreligiöse Ehen. Auch die Ehen mit Atheisten fallen unter diese Regelung, wobei die weltanschauliche Haltung „atheistisch“ offiziell überhaupt nicht existiert.

„Es ist doch nur auf dem Papier, natürlich musst Du dich weder beschneiden lassen, noch später die Moschee besuchen. Kein Mensch fragt danach!“, beschwor meine Frau den berühmten Schatten, über den ich nun springen sollte. Es gab nur eine Alternative: entweder die Beziehung abbrechen, so wie es auch heute noch von fundamentalistischen Katholiken in Deutschland empfohlen wird (s. etwa Uta Horn: Wenn der Glaube trennt, kath.net vom 22/02/10), oder in den sauren Apfel beißen und ein Moslem werden. Was für ein menschenverachtendes Bild steckt wohl hinter der Forderung, einen Glauben höher als die Liebe zwischen zwei Menschen zu stellen?

Der „saure Apfel“ wurde vom Religionsministerium ausgereicht, dankenswerter Weise auch in französischer Sprache. In ihm fanden sich die Wissensanforderungen an den heiratswilligen Konversionskandidaten: die fünf Säulen dieses Glaubens, Verhaltensregeln und schließlich zwei Suren auf Arabisch mit einer Umschrift in Lautsprache. Ob man deren Inhalt versteht ist zweitrangig. Die Hauptsache ist, dass man die Suren auswendig daher plappern kann.

Beim Mufti im Religionsministerium

In Begleitung meiner Frau und von ihr bestens vorbereitet fand ich mich also im zugigen Flur des Religionsministeriums wieder. Scheinbar ewig währendes Warten auf den Mufti von Tunis folgte, welcher die Prüfung abnehmen sollte. Was machte ich hier eigentlich? Die Frage quälte und ohne die Frau an meiner Seite wäre ich wohl längst entsprungen. Wo war nur mein Mut geblieben, der mich im zarten Alter von 16 Jahren dazu brachte, der beklemmenden Enge des streng protestantischen Elternhauses durch einen Gang zum Amtsgericht zu entfliehen, um endlich guten Gewissens das damals zart aufkeimende Pflänzchen humanistischer Freiheit hegen zu können?

„Es ist ja nur auf dem Papier“, wiederholte sich meine Frau, die meine Stimmung nur zu gut einschätzen konnte, „und sag bitte bloß nicht, dass Du es nur wegen der Heirat tust. Er könnte dann das Zeugnis verweigern.“ Im wahrsten Sinne „Gott“ ergeben folgten wir der Aufforderung des Muftis, an seinem Schreibtisch Platz zu nehmen.

Natürlich kam sofort die Frage, warum ich denn konvertieren wolle. Gut vorbereitet  schwafelte ich also etwas von dem delikaten Konstrukt der Trinität, das sich mir nicht voll erschließe. Offenbar war der Einstand gut gewählt. Muftis Augen leuchteten und die nächste halbe Stunde belehrte er uns über diese schlimmste aller Sünden der Christen, für welchen er mich offensichtlich hielt, den Propheten Jesus vergöttlicht zu haben. Dann folgten spitze, scharfe Fragen zu meinem Wissensstand. Meine Suren durfte ich, dank meiner Frau wohl in recht akzeptabler Aussprache, aufsagen und nach zweieinhalb Stunden erhielt ich mein Zeugnis.

Die gewonnene Schlacht wurde gebührend mit einer Flasche guten tunesischen Weins gefeiert. Ob das wohl den Propheten erfreut hätte? Aber die Liebe hatte über den Verstand gesiegt!

Die Hochzeit und die Folgen

In einem wesentlichen Punkte widerstand ich – und meine Frau hat es letztlich akzeptiert. Zu einer „richtigen“ moslemischen Hochzeit mietet man, je nach Jahreszeit, einen Saal oder einen großen Garten, der für derlei Festivitäten überall angeboten wird: mit den Jungvermählten auf einer Art Thron, einem Orchester, das nach spätestens einer halben Stunde zur totalen Taubheit der Zuhörenden führt und davor, damit es auch alle zur Kenntnis nehmen können, mindestens 300 oder mehr geladene und ungeladene Gäste, die sich mit den Frauen voran in all ihrer verklemmten Sexualität nun vorstellen, wie die beiden „Neuen“ es denn wohl miteinander treiben werden.

Nein, nicht mit mir! Nur wir zwei und dazu unsere Trauzeugen, die übrigens auch Moslems sein müssen. Denn Ungläubigen kann man ja nicht trauen! Wir fanden uns schließlich in der Gemeindeverwaltung von Sidi Bou Said zum großen Moment ein. Natürlich hatte mir niemand gesagt, dass dabei vom Bürgermeister auch ein Gebet gesprochen wird. Ich wusste nicht einmal, wie ich die Hände zu halten hatte, was mir einen süffisanten Blick des Zeremonienmeisters einbrachte. Den überlebte ich ohne Schaden, da ich mich bereits auf ein schönes Mittagsmahl freute, welches wir auf der Terrasse eines noblen Restaurants hoch oben über der Bucht von Tunis und Karthago im Anschluss zu uns nahmen.

Was hat es also nun gebracht? Die Beziehung ist legalisiert, die Familie kehrt nach anfänglicher Verschnupfung über diese nicht regelkonforme Hochzeit langsam zurück, und wir leben unser Leben genauso wie vorher. Wir sind noch immer zusammen in großer Liebe seit vielen Jahren. Und das alles ohne den geringsten Hauch von Religion! Inzwischen liest meine Frau die französische Übersetzung von Richard Dawkins Gotteswahn: „Pour en finir avec Dieu“.

Dass ich als überzeugter Humanist, also jemand, der den Menschen im Mittelpunkt aller Überlegungen sieht und nicht irgendein transzendentes eingebildetes Wesen, vom neutralen Beobachter zum entschiedenen Gegner des Islam mutierte, kann nicht verwundern. Dass aber auch meine Frau sich angesichts der auf uns ausgeübten Zwänge diesen Gedanken mehr und mehr anschließt, erfreut mich natürlich in hohem Maße. Ohnehin hat sie nie in ihrem Leben eine Moschee besucht, oder Gebete gesprochen, ihre „Religion“ beschränkt sich auf folkloristische und (leider auch) einige abergläubische Reste. Inzwischen wissen wir, dass sich wie in Tunesien auch in Deutschland immer mehr vor allem weibliche Moslems den Zwängen dieser mittelalterlichen „Religion“ und der darin eingebetteten Familien entziehen, um endlich ein freies, selbstbestimmtes Leben zu führen.

Das unselige Dekret 73, das Tunesierinnen einen Moslem heiraten müssen, wurde kürzlich von Präsident Essebsi einkassiert – aus Gründen der Gleichberechtigung Mann-Frau. Uns wäre eine Menge erspart geblieben, wäre das damals bereits der Fall gwesen. Aber ich kann durchaus mit dem Makel leben, ein zwangskonvertierter Papier-Moslem zu sein. :D

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Dem Glauben Beine machen


fatima-pilger-1280x853Dieser Bericht, den ich 2011 schrieb, gelangt zu Schlussfolgerungen, die sich die weitgehend unorganisierten Glaubensfernen endlich zu eigen machen sollten, wenn sie denn nachhaltig Erfolg mit ihren Bemühungen haben wollen. Der Organisationsgrad ist bisher so gering, dass die Stimme der Vernunft weitgehend ungehört verhallt. Ich setze diesen Artikel deshalb noch einmal ein:

Mein Volkswagen-Konzessionär ist ein gemütlicher und freundlicher Mittvierziger. Ich kenne ihn seit acht Jahren und bin mit ihm, er heißt Elyes wie der Prophet, so vertraut, dass ich ihm auch auf den stetig weiter anschwellenden Leib klopfen darf, ohne dass er mir die Frage, ob seine Frau wieder zu gut gekocht hat, übel nimmt. Elyes ist ein Hadj, aber er weigert sich beharrlich, dies auch im Namen zu führen, so wie es die Orient-Experten von Hadschi Halef Omar kennen (ja, ja, Karl May bildet). Er ist normal geblieben und bildet sich nichts darauf ein, dass er – wie es eine der fünf Säulen des Islams vorschreibt – nach Mekka gepilgert ist. Er berichtet aber gern über seine Pilgerreise. Er ist dadurch sicher – nach eigener Aussage – kein besserer Moslem geworden, aber er fand es beeindruckend, dass so viele Leute dort waren, die einfach nur um den schwarzen Block kreisen wollten, dem Teufel Steine hinterherwerfen durften und schließlich auf dem Berg Arafat ein Schaf ins für sie vorgesehene Paradies verfrachtet haben. Da leuchten seine Augen!

Szenenwechsel: Während meiner Zeit als Pilot hatte ich mehrfach die Aufgabe, Pilgergruppen nach Lourdes in Frankreich und nach Fatima in Portugal zu fliegen. Schon aus reiner Neugier blieb ich nicht wie sonst üblich im Flughafenhotel, um auf die Rückkehr meiner Gäste zu warten, sondern ich begleitete sie, übernachtete mit Ihnen in einem einfachen Pilgerhotel und wanderte auch (etwas abseits – gebe ich zu) zu den Erscheinungsstätten. Glücklicherweise ist die fleißige Jungfrau ja immer zur angenehmen Jahreszeit erschienen (was auch dem Tourismus zuträglich ist). Das erleichtert die Bekleidungsfragen. Die Devotionalienläden, die die Strassen säumen, ließen mich eher kalt – obwohl ich zugeben muss, eine kitschige Kerze meiner damaligen Frau als Andenken mitgebracht zu haben. Da konnte ich nicht widerstehen! Was mich viel mehr faszinierte, waren die Pilger selbst, die dort aus aller Herren Länder zusammen kamen. Hingabe im Blick wäre zu schwach als Ausdruck, nein, in den leuchtenden Augen stand regelrechtes Entzücken, eine nicht zu bremsende Freude, der geliebten Jungfrau jetzt so nahe zu sein.

Und dieses Leuchten traf ich bei Elyes wieder: zwei Religionen, die gegensätzlicher nicht sein könnten – dasselbe Leuchten!

Die Frage muss erlaubt sein, was denn das alles mit dem Glauben zu tun habe. Erzbischof Ludwig Schick hat eine Antwort darauf:  „Katholisch von der Wiege bis zur Bahre nimmt rapide ab. Der christliche Glaube und die Kirchen prägen unsere Kultur immer weniger“, sagt er laut kath.net vom 4. Mai 2011. Eine erstaunliche Einsicht für einen Kirchenmann. Also muss etwas anderes her: „Glaube, Kirche und Volksfrömmigkeit äußern sich immer mehr im Event-Bereich, beispielsweise bei Wallfahrten, traditionellen, kulturellen und folkloristischen Festen, bei Taufen, der Erstkommunion, Firmung, Eheschließung bis hin zur Beerdigung“, so Schick. Eine regelmäßige Teilnahme an der Sonntagsmesse und der lebenslange Sakramentenempfang seien hingegen nicht mehr selbstverständlich. Ganz offensichtlich hat er richtig erkannt, was die Schäfchen wirklich bei der Stange hält, das gemeinsame Erlebnis von etwas Besonderem, mit anderen Worten: die Event-Kirche. Das sei die einzige Rettung in einer Zeit der „Säkularisation, die mit Agnostizismus und ‚schweigendem’ Atheismus oder Desinteresse für Religion“ einhergehe. Der Bamberger Erzbischof preist also „Wallfahrten als Ein-Übungen des Glaubens gegen den Säkularisierungstrend unserer Zeit“ und: „Eine der wichtigsten Ein-Übungen ist seit eh und je die Wallfahrt und der Besuch der Wallfahrtsorte. Wallfahren bedeutet dem Glauben Beine machen und den Glauben unter die Füße nehmen“, betont Schick. „Glaube muss getan werden“, so der Erzbischof. „Wir landen bei Gott, bei Jesus Christus, bei der Gottesmutter, bei den Heiligen, die an den Wallfahrtsorten verehrt werden“.

Woran glauben Christen denn überhaupt noch, wenn sie auf diese Art und Weise  bei Laune gehalten werden müssen? Eine Antwort darauf geben die Pfarrer der Aktion „golife“ in Sachsen. Die Zeit führte ein ausführliches Interview mit Ihnen, das ich als Lektüre wärmstens empfehle. Sie erwecken dabei den Eindruck, dass „Gottes Wort“, die Bibel, so weit von den Menschen entfernt ist, dass sie nicht einmal mehr darauf rekurrieren. „Panta rhei“ – alles fließt, da gehen Fundamente flöten, auf denen diese Kirche seit 2.000  Jahren so fest gebaut schien. Mit dem, was ich als junger Mensch in der Kirche mitgeteilt bekam, hat das alles nur noch näherungsweise zu tun.

Zu diesem Schluss kommen auch wissenschaftliche Untersuchungen, die in den Vereinigten Staaten  angestrengt wurden: „Gemeinschaftsgefühl ersetzt den Glauben“.

Wenn religiöse Menschen von sich behaupten, glücklicher und zufriedener zu sein, dann liegt das nicht an ihrer Nähe zu irgendeinem Gott oder einer spirituellen Erleuchtung, sondern erst mal daran, dass Religionsgemeinschaften vor allem letzteres sind – Gemeinschaften. Mitglieder finden hier Anschluss an Freunde, und das sei vor allem, was sie glücklich mache, erklärt Chaeyoon Lim von der University of Wisconsin, gemeinsam mit Robert Putnam (Harvard University) Co-Autor des Papers über "Religion, Social Networks, and Life Satisfaction".

Sie kommen zu folgendem, bemerkenswerten Schluss:

Mit anderen Worten: Religionsgemeinschaften (zumindest die christlichen und jüdischen, von denen sich genug Teilnehmer in der Umfrage fanden – für relevante Aussagen über Muslime und Buddhisten reichten die Daten nicht aus) sind offenbar ebenso hilfreich wie ein Hobbyclub, ein Sportverein – wie jede andere Gemeinschaft, in dem man Menschen treffen und Freunde finden kann. Und die Nähe zu Gott – oder was auch immer – macht nicht wirklich zufriedener. Zumindest nicht in diesem Leben …

Dem ist wenig oder nichts hinzuzufügen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.