Trennung von Staat und Religion ist nicht neutral?

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Non_aux_religionsDas Forum Offene Religionspolitik – Positionen brachte am 20.8. einen Artikel von Sven Speer: Eine Trennung von Staat und Religion ist nicht neutral, wo der Autor sich zu folgenden Behauptungen verstieg:

"Nur wenn der Staat sowohl das Säkulare wie auch das Religiöse zulässt – auch in öffentlichen Institutionen wie Schulen und Krankenhäusern – ist er tatsächlich neutral, weil nicht wertend. Wie kann ein Staat neutral sein, in dem sich Religiöse an den Rand gedrängt sehen, Nichtreligiöse aber zufrieden mit der Ordnung sind?" Und: "Ein strikt säkularer Staat ist ein Staat, der wertet und entsprechend ausgrenzt." Eine Idee von seiner Geisteswelt liefert der Autor mit der eingestreuten Sentenz: "… wobei sich wissenschaftliches und religiöses Denken nicht ausschließen müssen."

Man darf konstatieren, dass sich da das religiöse Denken artikuliert hat. Das Ganze ist ein Stück Sophistik. Deshalb ist es fast zuviel der Ehre, wie andere Kommentatoren auf den Artikel reagiert haben. Matthias Krause setzt sich am 21.8. bei skydaddy lang und breit mit dem Erguss auseinander, auch Tom Buchholz wird dort ausführlich zitiert. Hier die gekürzte Argumentation von Buchholz unter dem Titel Trennung von Staat und Religion ist nicht neutral?

  1. Ihre Argumentation fällt weitgehend in sich zusammen, wenn man staatliche Neutralität nicht als „Trennung von Staat und Religion“ auffasst, sondern so bezeichnet, wie sie gemeint ist: nämlich als Trennung von Staat und Weltanschauung“. Damit ist der Staat vom Atheismus oder Anti-Theismus genauso getrennt wie von den Religionen. …
  2. Staatliche Neutralität ist keineswegs gegen die Religionen gerichtet, sondern der weltanschaulichen Vielfalt gerade förderlich. …
  3. Das von Ihnen kritisierte Szenario ist schlichtweg absurd. …
  4. Sie vermischen unzulässigerweise zwei Dinge: Die weltanschauliche Neutralität des Staates einerseits und die (vermeintlich beabsichtigte) Verdrängung religiösen Denkens aus der Gesellschaft andererseits. …
  5. Kommen wir zum letzten Punkt, Ihrem Kriterium „Wie kann ein Staat neutral sein, in dem sich Religiöse an den Rand gedrängt sehen, Nichtreligiöse aber zufrieden mit der Ordnung sind?“ – Sie tun gerade so, als ob sich alle Religiösen auf einmal zufrieden stellen ließen. …
  6. Damit sind wir bei dem Grundproblem, auf das Sie hinweisen: Wie können wir das Zusammenleben möglichst fair und friedlich im Sinne Aller regeln? Hier hat sich – nach jahrhundertelanger, blutiger Erfahrung – der Konsens durchgesetzt, dass ein weltanschaulich neutraler Staat das beste ist, was wir kennen – so, wie die Demokratie das beste ist, was wir kennen, auch, wenn sie ihre Schwächen hat. Diese Einsicht wird mittlerweile selbst im „religiösen Lager“ im Großen und Ganzen geteilt, und selbst kirchliche Lobbyisten stellen die weltanschauliche Neutralität des Staates nicht infrage – sie bestreiten lediglich, dass sie in Deutschland verletzt sei, oder „dehnen“ den Begriff, indem sie das Leitbild einer „hinkenden Trennung“, einer „wohlwollenden Neutralität“ oder eines „partnerschaftlichen Gegenübers“ beschwören. Sie sind der erste den ich kenne, der das Neutralitätsprinzip als solches infrage stellt. Dann sollten Sie allerdings konkreter sagen, wie Sie sich ein besseres Konzept vorstellen.

Auch im folgenden Text geht es noch damit weiter. Was dabei verkannt wird, ist, der Autor Sven Speer hat sich nicht verrannt, sondern er betreibt Sophistik. Mit dem Punkt 1 ist seine grundlegende Täuschung aufgedeckt: er tut so, als ob der säkulare Staat die Nichtreligiösen bevorzugen würde. Das Weitere ist mehr der Diskutierfreude geschuldet.

Wer sich den Originaltext antun möchte: http://offene-religionspolitik.de/eine-trennung-von-staat-und-religion-ist-nicht-neutral/

Hier der Link zur Debatte in voller Pracht: http://skydaddy.wordpress.com/2013/08/21/trennung-von-staat-und-religion-ist-nicht-neutral/

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Ein Gedanke zu „Trennung von Staat und Religion ist nicht neutral?

  1. Hier liegt ein kategorialer Denkfehler vor. Die Neutralität des Staates betreffend die einzelnen Religionen sagt nichts über die Position des Staates gegenüber der Religion als solcher aus.

    Dazu ein Vergleich: Der Staat soll nicht eine Zigarettenmarke gegenüber einer anderen bevorzugen oder benachteiligen. Dazu stehen aber Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden nicht im Widerspruch.

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