Auf dem Weg zur konfessionsfreien Mehrheit

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400px-Konfessionen_in_DeutschlandNormalerweise hält sich Erwin Peterseil, der Macher von atheisten-info.at vornehm zurück, aber am 14.10. ist er richtig aus sich herausgegangen. Am Ende von seinem Artikel kann man ihn als zähnefletschenden Krawallatheisten bewundern – und recht hat er! Zur Unterstützung seiner Thesen sei noch der Link zu unserer Religionstabelle Deutschland genannt. Daran ersieht man, wie überholt das Religionsbild hier ist – inzwischen herrscht fast überall die Religionsfreiheit vor. Dementsprechend heißt die gute Botschaft von Erwin Peterseil:

Auf dem Weg zur konfessionsfreien Mehrheit
Auf diesem Weg befindet sich Deutschland

Hilfreich war dazu natürlich die Eingliederung der DDR, weil im realen Sozialismus war das "Opium des Volkes" keine sehr nachgefragte Pflanzenart gewesen und auch nach dem Ende der DDR blieb die kirchlicherseits freudig erhoffte Nachfrage aus. Es gab einfach kein religiöses Interesse. Für Gläubige war und ist das unverständlich. Sie hatten angenommen aus den Ruinen des atheistischen DDR-Staates müssten religiöse Blüten emporsteigen, weil jeder Mensch ein religiöses Bedürfnis zu haben hätte.

Die Sache lag allerdings ganz einfach. Da der europäische Protestantismus im Widerstand gegen den Katholizismus entstanden war, der die Menschen mit Leib und Seele unterworfen hatte, gab es in der evangelischen Kirche diesen feudalen Despotismus nicht. Es fehlte auch die Kontrolle durch die verpflichtende Ohrenbeichte, viele Jahrhunderte waren die Katholiken verpflichtet gewesen, einmal im Jahr ihrem Pfarrer die Sünden zu beichten. Da auf Sünden schwere jenseitige Strafen standen, trauten sich nicht viele, dem göttlichen Spitzel im Beichtstuhl einfach was vorzulügen. Eine der ersten Handlungen Martin Luthers war die Abschaffung der Ohrenbeichte.

Bei den Protestanten ist es die Lehre, dass auf Basis des Glaubens an Christus alle Gläubigen vor Gott gerechtfertigt seien, weil Jesus am Kreuz für ihre Sünden bezahlt habe. Die ewige Verdammung spielte daher bei den Protestanten keine tragende Rolle, ein bisschen Jesus genügte. Das führte evolutionär dazu, dass die Religion nebensächlicher wurde, die Tradierung eine immer geringere Rolle spielte und dadurch konkret in der DDR die innerfamiliäre Weitergabe des Christenglaubens in seiner evangelischen Variante erlosch. Im sozialistischen Staat war ein religiöses Bekenntnis kein gesellschaftlicher Vorteil mehr und ansonsten auch nichts Wesentliches.

Der Rückgang des Glaubens ist in der evangelischen Bevölkerung wesentlich höher als in der katholischen, darum sind dort auch ohne Skandale die Kirchenaustritte ständig hoch und die Teilnahme am religiösen Leben ist gering. Die innerfamiliäre Glaubensweitergabe ist praktisch erloschen.

Und damit läuft der religiöse Karren in Richtung Abgrund. Religion wird in einigen Jahrzehnten auf eine kleine Minderheit beschränkt sein, auf das Narrenvolk, das heute in diversen Sekten ihr Dasein fristet. Denn ohne die grundlegende kleinkindliche religiöse Abrichtung, die Konditionierung auf Art wie sie Iwan Pawlow mit seinem mit dem Nobelpreis gekrönten Hundeversuch entdeckte, ist die Grundlage der Religion.

In früheren Menschheitszeiten bedeute Religion die falsche Erklärung von noch Unerklärbarem, den Ausgleich der menschlichen Ohnmacht durch mächtige Götter. Das spielt heute keine Rolle mehr, für den Bereich der fallweise auftretenden eigenen Ohnmacht braucht man keine Religion, da kann man – wenn man sich anders nimmer helfen kann – aus einem weiten Feld der Esoterik anderen Unsinn auswählen, ohne dafür lebenslänglich Kirchensteuer zahlen zu müssen.

In der katholischen Kirche ist man durch den traditionell größeren Druck auf die Menschen noch einige Entwicklungszeit hinter den Protestanten zurück, aber die Weitergabe der Religion durch gläubige Großmütter, die mit Kleinkindern zu beten anfangen, kaum dass diese laufen können, sind auch dort nur noch eine Randerscheinung, auch die frühkindliche katholische Konditionierung ist am Aussterben.

Dieser Artikel wurde durch einen Rundfunkbeitrag angeregt, am 12.10.2013 war im Deutschlandradio ein Bericht zu hören, dass die Konfessionsfreien die stärkste wachsende Gruppe seien und sich auf dem Wege zur absoluten Mehrheit befänden, die relative Mehrheit gegenüber den einzelnen Kirchen haben sie ja schon länger. Jetzt würden sie auf vierzig Prozent zusteuern. Festgehalten wurde, dass die Konfessionslosen eine schweigende Gruppe wären, ihre größte Organisation in der BRD, die Humanistische Union, hätte maximal 20.000 Mitglieder. Aber trotzdem würden sie sich fallweise medial bemerkbar machen.

Was mich wieder zu meinem Gleichnis führt: Konfessionsfreie sind wie Nichtraucher zu sehen. Die Masse der Nichtraucher definiert sich nur dadurch, nicht zu rauchen, ein Nichtraucherverein wird nicht benötigt. Kleine Teile der Nichtraucher – oft entwöhnte Raucher – kämpfen zum Teil sogar militant gegen die Raucher und haben viele Rauchverbote durchgesetzt. Rauchen ist wie Religion nicht angeboren, das gewöhnt man sich an (wenn auch anders als die Religion).

Ich bin auch Nichtraucher, aber kein militanter. Aber ich bin ein aggressiver Krawallatheist, was auch im Impressum dieser Homepage steht, weil ich als Kind in der Schule zwölf Jahre lang gegen meinen Willen religiös angeraucht wurde, darum huste ich noch heute und spucke meine endlosen antireligiösen Wortketten aus. So ist es und es macht mir immer noch Spaß!

Link zum Originalartikel bei atheisten-info.at

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Ein Gedanke zu „Auf dem Weg zur konfessionsfreien Mehrheit

  1. Lieber Erwin Peterseil, wenn wir erst die Mehrheit stellen, können wir wesentlich entspannter die Lage kommentieren.

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