Die Episode von der Lahn und ihre Folgen

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Leonardo_da_Vinci_(attrib)_-_The_Holy_InfantsAm 18.11. rechnet Georg Korfmacher den katholischen Bischöfen nach, und er findet noch mehr Kritikpunkte als nur die Millionen, von denen wir nicht wissen, wo sie herkommen (Bild: die Heiligen Kinder in Umarmung, 1486 von da Vinci, Wikimedia Commons):

Die Episode von der Lahn und ihre Folgen

Schwelgte die deutsche Catholica seit Jahrhunderten in einer Symphonie der Harmonie, hat die Episode von der Lahn eine Kakophonie der Sonderlichkeiten ausgelöst. Längst geht es nicht mehr nur um das gockelhafte Verhalten eines überdrehten Kirchenfürsten, es geht um das System an sich. Nach 31 Mio. an der Lahn tauchen, ach wie überraschend, 44 Mio. in Rottenburg und dann noch, gar nicht so überraschend, 140 Mio. in München auf, nachdem dort bereits knappe 2 Mio. in die fürstbischöfliche Residenz und 14 Mio. in einen Palazzo in Rom geflossen waren. Alles wohl geplant, aber keiner weiß, woher das viele Geld eigentlich kommt.

Allein diese Beispiele summieren sich auf läppische 230 Mio. €, würde ein konservativer Kirchenmann wohl sagen und damit das Scheunentor der Erkenntnis noch weiter aufstoßen. Zwischen dem Kirchenvolk und seinem neuen Oberhaupt gibt es insbesondere in Deutschland eine Schicht voller Behaglichkeit, Chaos, Widerspruch, Beharrlichkeit, Machtgelüste und Angst davor, eben diese Macht und die damit verbundenen Positionen zu verlieren. Trotz aller Nebelkerzen sitzt die breite Öffentlichkeit der Herrlichkeit der Catholica in Deutschland zunehmend im Nacken, und zwar nicht nur die eigenen Schäflein, die den Stallgeruch bei so manchen Hirten vermissen, sondern auch die Mehrheit der Bürger, die vom System Catholica schamlos abkassiert werden, obwohl sie damit nichts am Hut haben.

Dabei geht es um viele Dinge, die massiv in unser tägliches Leben in unserer Demokratie eingreifen, wie z.B. drei Tage im November mit Tanzverbot auch für Anders- oder Ungläubige und um einen massiven Griff der Catholica in die Taschen aller Bürger. Gläubige Christen mögen das zwar gutheißen oder gedankenlos hinnehmen, dass aber ca. 40 % der Bevölkerung Jahr für Jahr ca. 200 Mio. € und immer mehr an Kirchen zahlen müssen, deren Botschaft sie nicht teilen, ist ein Unikum in der Welt und widerlich, rechtswidrig obendrein. Gleichwohl kassiert insbesondere die Catholica ohne Gegenleistung schamlos ab. Wie lange kann sich unsere Republik eine solche Privilegierung der Amtskirchen bei der verfassungsmäßigen Vorgabe der Neutralität gegenüber allen Religionen noch leisten? Zumal die Legislative seit knapp hundert Jahren in der Pflicht ist, diesen Zustand zu ändern. Die Catholica klammert sich dabei zur Rechtfertigung an eine Regelung von 1803 unter Napoleon.

Und dann noch den eklatanten Missbrauch der Catholica mit dem Einzug der Kirchensteuer durch den Staat. 1919 war der Catholica als Kompromiss die Möglichkeit eingeräumt worden, ihre Gebühr für Glauben auf der Basis der staatlichen Steuerlisten selbst zu erheben. Daraus hat sie ebenso plump wie schlitzohrig den zwangsweisen Einzug ihrer Kirchensteuer durch den Staat konstruiert, der schlicht grundgesetzwidrig ist. Neben diesem rechtlichen Unding kommt noch das fiese Geschmäckle, dass dem die härteste Kirchenstrafe droht, der dem Staat seinen Unmut über diese Praxis meldet. In jedem Verein werden solche Dinge vereinsintern geregelt und nicht über ein allmächtiges Inkassobüro mit Gerichtsvollziehern, Arbeitgebern und Banken als Erfüllungsgehilfen. Und das alles unter Berufung auf das Konkordat mit Hitler von 1933.

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