Haut den Lukas

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Centenarfeier Deschner- Wittmann 23.10.10 Baden-CHIn seinem Opus Dioaboli von 1987 hat Karlheinz Deschner (das Bild zeigt ihn mit dem jüngst verstorbenen Werner Wittmann)  Fünfzehn unversöhnliche Essays über die Arbeit im Weinberg des Herrn publiziert. Bei dem verlinkten Text Alternative für Weihnachten geht es um das christliche Weihnachtsmärchen, das so vertraut und omnipräsent erscheint.

Es ist aber eine Exklusivstory vom Evangelisten Lukas, der es fast gänzlich aus jüdischen und heidnischen Legenden heraus (spann). Und da auch Markus, Matthäus, Johannes bloß fabelten, kommt selbst Albert Schweitzer zu dem Schluß: „Es gibt nichts Negativeres als das Ergebnis der Leben-Jesu-Forschung. …"

Selbst der fromme Schweitzer kam zu dem Schluss, der bibilsche Jesus habe nie existiert. So rät Deschner dem Leser, die Kerzen im Kaufhaus zu lassen und sich stattdessen selber ein Licht aufzustecken, denn das weihnachtliche Brimborium koste nur Geld, das besser auf die Bedürftigen angewendet wäre.

Weiter geht es mit der Kritik an den Besitztümern der Kirche, deshalb sollten die Glocken schweigen und die Pfaffen still sein und man sollte sich lieber dem Kampf gegen die Barbarei widmen, indem man die Untaten auf Weihnachten konzentriert und den Rest des Jahres Friede hält. Weiter geht's mit Rüstungskritik, die Zahlen von damals: in jeder Minute eine Million Mark für Rüstung (entspricht 525 Mrd. Mark pro Jahr, jetzt haben wir 1,5 Billionen Dollar pro Jahr). Untermalt wird der Artikel mit Weihnachtsliederzitaten – ein schöner Kontrast.

Das Problem mit dem Märchenonkel Lukas ist den Theologen bewusst. Deshalb ließ DIE WELT am 24.12. fromme Leute zu Wort kommen, in Bibelgeschichte – Der Lukas-Code. Das Phantom der Weihnacht. Demnach sei die historische Person des Evangelisten Lukas ein Rätsel, aber die Forscher hätten jetzt eine Spur. Das bezieht sich auf angebliche Reliquien des Lukas, die von Mönchen in Padua gefunden wurden. Die Welt: In der deutschen Forschung gab es einen Trend, den man auf den Fluren der theologischen Seminare als "Hau den Lukas" kannte. Damals sei es angesagt gewesen, Lukas als fantasiebegabten Märchenonkel vorzuführen.

Das soll nun aber nicht mehr sein, und wenn die Faktenlage noch so diffus ist. Lukas könnte auch Barnabas oder Clemens geheißen haben, wenn's ihn überhaupt gab. Aber, so die Welt, es sei nicht ausgeschlossen, dass der Verfasser des Lukasevangeliums wirklich Lukas hieß. Nun ja.

Nun wird noch auf den Kirchenvater Irenäus von Lyon Bezug genommen, der als Erster den Lukas als Begleiter des Paulus angab, der das Paulus-Evangelium niedergeschrieben hätte. Was der große Klitterer eben so behauptete – gewiss ist nur, dass Irenäus das "apokryphe" Material aus der Welt schaffte, also alle Berichte, die dem Christenmythos widersprachen. Er hat sich damit den Titel Märchenonkel redlich verdient, und auch die Leute, die laut Welt sowas behaupten:  "Die Vorstellung, dass Lukas weitgehend fiktionale Literatur geschaffen hat, ist heute nicht mehr zu halten". Klar, die
 Weihnachtsgeschichte mit Stall und Krippe kriegt demnächst ein Werner Wittmann 24.8.1943 - 26.11.2013Echtheitszertifikat (Bild: Wittmann).

 

 

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Ein Gedanke zu „Haut den Lukas

  1. zu Albert Schweitzer:

    Helmut Groos, Albert Schweitzer, Größe und Grenzen, München, Basel 1974

    und ders., Christlicher Glaube und intellektuelles Gewissen. Christentumskritik am Ende des zweiten Jahrtausends, Tübingen 1987

    über Hermeneutik und Geschichte: Hans Albert, Kritik der reinen Hermeneutik. Der Antirealismus und das Problem des Verstehens, Tübingen 1994

    und: Martin Morgenstern, Metaphysik der Moderne. Von Schopenhauer bis zur Gegenwart, Stuttgart 2008

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