Initiative Humanismus – Frank Berghaus im Interview

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frank-berghaus-150x150Die Humanisten: Deutschland erste humanistische Partei – Frank Berghaus im Interview bei Humanist News

Wer sich in den sozialen Netzwerken auch in säkularen und humanistischen Kreisen bewegt, dem dürfte seit einiger Zeit eine rege Diskussion über eine mögliche Parteigründung einer humanistischen Partei aufgefallen sein. Nun scheint die Gründung konkreter zu werden. Dazu habe ich Frank Berghaus, einen der Gründer interviewt. Frank Berghaus betreibt ebenfalls einen humanistischen Blog namens wissenbloggt.de

Das Interview führte Cahit Kaya.

Humanist News: In den sozialen Netzwerken trifft man seit einiger Zeit immer wieder auf Hinweise einer Parteigründung einer humanistischen Partei. Was hat es damit auf sich?

Frank Berghaus: Die in Gründung befindliche Partei DIE HUMANISTEN wird sich im Oktober 2013 in München konstituieren. Wir treten dafür ein, dass die Ideen eines aufgeklärten Humanismus in der Gesellschaft endlich den Stellenwert bekommen, die ihr angesichts einer immer stärker um sich greifenden Beeinflussung des öffentlichen Lebens durch Religionen zukommen. Erste Informationen kann man bereits unserer neuen Web-Präsenz www.die-humanisten.org entnehmen.

Aber wenn das öffentliche Leben immer religiöser wird, gibt es dann überhaupt einen Bedarf an einer humanistischen Partei?

Frank Berghaus: Zunächst einmal beobachten wir ja eine zunehmende Diskrepanz zwischen schwindenden Mitgliederzahlen und gleichzeitiger Erhöhung des Drucks der Religionen in der Gesellschaft. Das Ziel ist es ja, genau dies zu bekämpfen. Meine ursprünglichen Hoffnungen, dass unsere Ideen am besten bei den laizistischen Arbeitsgruppen der im Parlament vertretenen Parteien aufgehoben seien, hat sich spätestens mit der Verabschiedung dieses unsäglichen Beschneidungsgesetzes im Deutschen Bundestag in Wohlgefallen aufgelöst. Leider ist auch nicht absehbar, dass die derzeitigen Parteispitzen irgendwelche Vorstöße in Richtung auf eine Eindämmung der Privilegien der etablierten Glaubensgemeinschaften unternehmen könnten. Der Bedarf an einer humanistischen Partei ist also offensichtlich.

Setzen die Humanisten also bei den Privilegien der Religionen an?

Frank Berghaus: Wir sehen eine Beschränkung der Privilegien gleichzeitig auch als geeignetes Mittel, den stärker werdenden Einfluss der islamischen Verbände, die häufig dazu noch vom Ausland gesteuert sind, wirkungsvoll einzudämmen. Denn diese sind zielsicher dabei, sich in die von den Christen gemachten Nester zu setzen (siehe zum Beispiel theologisch-islamische Fakultäten, islamischer Religionsunterricht an den Schule, Einzug in die „Ethikkommissionen“ und Fernsehräte), die natürlich immer aus allgemeinen Steuergeldern finanziert werden. Die fast 40% Konfessionslosen bezahlen also – meist unwissend – den kompletten Pomp der Kirchen mit.

So etwas wie das derzeitige Kirchenvolksbegehren in Österreich ist ja leider in Deutschland nicht durchführbar, da bundesweite Referenden nicht zulässig sind.

Welche Chancen rechnen sich die Humanisten bei den Wahlen aus?

Frank Berghaus: Wir wären nicht gut beraten, nun Hals über Kopf an Wahlen teilzunehmen. Das würde ganz sicher in einer Katastrophe enden. Deshalb haben wir uns eine dreijährige ruhige Aufbauarbeit vorgenommen und planen, zum ersten Mal bei den Senatswahlen 2016 in Berlin anzutreten. Berlin bietet sich für einen Start jedenfalls erheblich besser an als zum Beispiel Bayern, da in der Kapitale die Bürger bereits bewiesen haben, dass sie nicht bereit sind, sich dem Druck der Religionen so ohne weiteres zu beugen. Das hat sich besonders bei der ProReli-Kampagne gezeigt, die trotz eines enormen Aufwands der Kirchen, vieler Prominenter und der CDU/CSU deutlich abgeschmettert wurde. Zwar gehört die Trennung von Staat und Religion zu unseren Kernanliegen, doch auch die anderen gesellschaftlichen und politischen Felder tragen eine deutliche humanistische Handschrift. Schon von daher sehen wir unsere besonderen Stärken auf Länderebene, auf der es ja ganz im Besonderen um Bildungspolitik, aber auch um eine vernünftige Integrationspolitik geht.

Die dreijährige Aufbauphase soll neben der Mitgliederwerbung auch dazu dienen, humanistische Wertvorstellungen in der Breite bekannter zu machen, indem wir sie offensiv (nicht aggressiv) vortragen und um Verständnis werben für eine Politik, die dem einzelnen dient und nicht irgendwelchen Organisationen. Daher auch unser Wahlspruch: „Weltliche Menschen für eine menschliche Welt“.

Gibt es so etwas wie die zentralen Köpfe in der Partei?

Frank Berghaus: Ganz ohne Zweifel haben wir mit Prof. Dr. Uwe Lehnert, der uns trotz seines fortgeschrittenen Alters ein unermüdlicher Rat- und Ideengeber ist, eine prominente und anerkannte Persönlichkeit von Gewicht in unseren Reihen, die alle anderen sicherlich überstrahlt. Doch auch die meisten anderen, von denen einige ins Rampenlicht treten werden, sind gestandene und erfahrene Humanisten – auch mit der entsprechenden politischen Erfahrung. Einen Vorgeschmack auf die zu erwartenden Auseinandersetzungen geben uns bereits Kommentare, in denen wir als „Christenhasser“ verunglimpft werden. Da werden wir mit der geballten Erfahrung, aber auch mit jugendlichem Eifer entgegen zu halten wissen. Vom jüngsten bis zum ältesten Mitglied umspannen wir immerhin einen Zeitraum von ca. 50 Jahren. Ich bin besonders froh darüber, dass sich sehr viele junge Leute bei uns engagieren.

Wie sollen die Wähler mobilisiert werden? Gibt es dazu schon eine Strategie?

Frank Berghaus: Überlegungen dazu sind bereits angelaufen, aber natürlich noch nicht voll ausdiskutiert. Das wird ja auch erst besonders wichtig etwa ein Jahr vor den Berliner Senatswahlen. Im Augenblick ist ruhiger Aufbau angesagt mit Vollendung eines Programms, das alle politischen Aspekte anspricht. Wir möchten nicht in die Situation geraten wie so manche andere Parteigründung, als Ein-Themen-Partei zu starten und dann eventuell sich bei den anderen Programmteilen vehement zu zerstreiten. Das ist aus einem Guss gedacht und folgt der Maxime „Für Menschen – gegen Dogmen“.

Danke für das Interview.

Link zum Originalartikel bei Humanist News

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