Stephen Hawking proklamiert das Aus für Schwarze Löcher

image_pdfimage_print

shinnyballsblackAm 24.1. ereilte die Schwazen Löcher ein grausames Schicksal: Nachdem sie völlig etabliert erschienen, werden sie nun verleugnet (Bild: shinny balls on black © Miroslav Vajdić, Openphoto).

Der berühmte Physiker Steven Hawking hat befunden, dass die beiden grundlegenden Theorien der Physik, Relativitätstheorie und Quantentheorie, beide korrekt seien und nicht verbogen werden müssen, um die Vereinheitlichte Theorie zu bilden. Deshalb müsse die Vorstellung vom Ereignishorizont bei Schwarzen Löchern, von dem nichts entkommen kann, möglicherweise überarbeitet werden, weil er mit der Quantentheorie inkompatibel sei.

Hawkings Aussage: In der klassischen Theorie gibt es kein Entkommen aus dem Schwarzen Loch, aber die Quantentheorie erlaubt der Energie und der Information ein Entkommen.

Der Artikel erschien am 24.1. bei nature und hieß Stephen Hawking: 'There are no black holes': Notion of an 'event horizon', from which nothing can escape, is incompatible with quantum theory, physicist claims.

SPIEGEL ONLINE machte am 29.1. daraus  Stephen Hawking: "Es gibt keine Schwarzen Löcher": Der Aufsatz ist nur wenige Seiten kurz, aber provokant: Unser Bild von Schwarzen Löchern ist falsch, glaubt Physik-Genie Stephen Hawking. Mit einem neuen Konzept einigt er zwei physikalische Weltbilder.

In dem Artikel kann man über ein Gedankenexperiment lesen, bei dem ein Astronaut in ein Schwarzes Loch stürzt, und über die Feuerwand, die ihn empfängt, die aber mit der Relativitätstheorie nicht vereinbar sei. Das ist der Widerspruch, den Hawking laut eigenem Bekunden aufgelöst hat. Die Lösung besteht aus einem "scheinbaren Horizont", der den Widerspruch zwischen Relativitätstheorie und Quantentheorie auflöst. Die Singularität müsste dann anders beschrieben werden, und das Wesen der Schwarzen Löcher, die es nicht mehr gibt, sei ein anderes.

Andere Physiker sind skeptisch, ob Hawkins wirklich die lange gesuchte Erklärung gelungen ist, die die Vereinigte Theorie schafft bzw. ersetzt, denn sein Ansatz könnte selbst Widersprüche auslösen. In dem nature-Artikel wird das etwas eingehender diskutiert, der Spiegel-Artikel ist eine gute Übersetzung davon.

Für den Laien sind Quanten- und Relativitätstheorie sowieso mit Widersprüchen (zumindest zum klassischen Physik-Weltbild) ausgestattet, so dass der Erkenntnisgewinn begrenzt bleiben dürfte. Aber immerhin geht es auf verschiedenen Wegen voran mit der Vereinheitlichten Theorie, und vielleicht ist Hawking ja wirklich der große Wurf gelungen. Zu gönnen ist es ihm.

Bericht von der Konkurrenz: Stringtheorie noch nicht abgeschrieben

Grundlegendes zur Quantentheorie: Einsteins Spuk

Wer seinen physikalischen Sinn richtig durchgewirbelt haben möchte, der ist richtig bei http://www.physik.as/. Die Probleme dort liegen nicht bloß am mangelnden Schnee hierzulande …

Visits: 814 Today: 4 Total: 1150525
Mehr zum Thema:

13 Gedanken zu „Stephen Hawking proklamiert das Aus für Schwarze Löcher

  1. Aus dem Blickwinkel der theoretischen Physik ist die Sache zwar spannend aber doch sehr hypothetisch und ohne zusätzliche Erklärungskraft für die bisher bekannten empirischen Fakten.

    Sensationell ist Hawkings neuer Aufsatz also nur für eine sehr kleine Gruppe von Theoretikern – und natürlich für die Journalisten, die Hawkings Berühmheit ausschlachten können.

    Ich als Astronom bleibe da recht gelassen. Selbst wenn Hawking Recht haben sollte, ist das für den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn vorerst nur eine Randnotiz.

  2. Andererseits möchte man ja gern erleben, wie die Weltformel gefunden wird, und wenns der Hawking tut, dann wärs doch toll. Zu den Schwarzen Löcher fällt mir noch ein, dass beim CERN im Super-Collider auch welche entstehen, aber die sind so klein, dass sie sofort wieder vergehen. Oder gibts die auch nicht? Ich würde gern mehr davon verstehen.

     

  3. Danke, Frank, auf der Basis bin ich auch ganz gut informiert, auf dem Level wie es so im Spektrum der Wissenschaft steht. Aber wenns darüber hinaus geht, muss ich immer meinen Physikerfreund fragen.

  4. Ich kann diesen Sachverhalt nicht angemessen würdigen. Ich vermute aber, dass die Religiösen jetzt ein Triumphgeschrei anstimmen. Sehen sie doch mit Sicherheit eine Schwäche der Wissenschaft und damit indirekt eine Stärkung ihrer speziellen Kosmosmetaphysik.

    Ich sehe hier vielmehr einen weiteren Beleg und eine Stärkung der Popper´schen Auffassung. Alle Aussagen bedürfen einer kritischen Überprüfung und ggf. einer Revision. Diese Änderungen der Erkenntnisse waren manchmal sogar Revolutionen. Man kann hier Kopernikus, Newton, Darwin oder Einstein nennen. Und auch unsere gegenwärtigen Vorstellungen, von denen wir annehmen, dass sie unumstößlich erscheinen, sind nicht vor Revisionen oder alternativen Vorstellungen geschützt. 

  5. Hawkins hat sie gegeben, Hawkins hat sie genommen – der Name des Hawkins werde gelobt. Solange die Aussagen der Avantgarde der Physik eben auch nur als bessere Esoterik erscheinen, trauere ich den schwarzen Löchern nicht unbedingt nach. Wiewohl wir doch angeblich eines im Zentrum unserer Milchstraße haben. Gibt es das nun – oder nicht? Muss doch wohl festzustellen sein.

  6. pinetop sagt: 29. Januar 2014 um 18:12

    Ich kann diesen Sachverhalt nicht angemessen würdigen.

    Ich sehe – wissenschaftlich – gar keinen Sachverhalt sondern bloß eine neue Hypothese. Sollten wir einmal genügend empirische Daten haben um sie zu testen, dann werden wir wissen, ob sie etwas taugt oder nicht.

    Mit Religion hat das überhaupt nichts zu tun. Hypothesenbildung dieser Art ist "science as usual" und wäre der Verfasser dieses Aufsatzes weniger prominent, dann würde außer ein paar Fachleuten niemand davon Notiz nehmen.

  7. Ist das wirklich so? Das könnte doch der geniale Dreh zur Vereinigung der Theorien sein, darauf hebt das doch wohl ab.

  8. Selbst die mathematisch genialste Vereinigung der Relativitätstheorie und der Quantentheorie wäre wertlos, wenn die Natur sich nicht daran hält. Um festzustellen, ob sie das diesmal tut (viele frühere vereinheilichte Theorien sind ja wieder in der Versenkung verschwunden) können wir erst sagen, wenn uns genügend empirische Fakten zur Verfügung stehen.

    Bis dahin ist also Geduld angesagt. Die Physiker und Astronomen werden diese Geduld aufbringen und den Journalisten wird auch nichts anderes übrig bleiben. 🙂

  9. Argutus sagt mal wieder das Richtige. Und bis dahin: seid nett zu euren Schwarzen Löchern.

  10. ilex (E. Ahrens) sagt:
    Wiewohl wir doch angeblich eines im Zentrum unserer Milchstraße haben. Gibt es das nun – oder nicht? Muss doch wohl festzustellen sein.

    Sagittarius A*
    Geht es bestens daran ändert, die Hypothese von Hawkin, dass der Ereignishorizont
    nicht so gänzlich Scharf ist, nichts.

     

  11. Offenbar müssen "Physiker" Hawking heißen, damit sie Gehör bekommen …
    Guten Tag,

    die "neuen" Formulierungen von Hawking gehen genau in die Richtung, so wie sie in der ens-These bereits im Juli 2012 als Buch veröffentlicht und besser ausgeführt wurden.
    Chris Wolker (Autor/in) benennt in der ens-These "Schwarze Löcher" als Rückwandlungs-Generatoren von Materie zu Vakuumenergie und beschreibt dadurch einen unendlichen Materiekreislauf des Kosmos, ohne dass dafür ein Urknall benötigt wird.
    Diese Sichtweise finde nicht nur ich bahnbrechend und logisch formuliert.
    Leider scheint es jedoch so zu sein, dass NO-NAMES nicht wahrgenommen werden. Selbst dann nicht, wenn sie besser formulieren, als die sogenannte "Elite".

    Schade eigentlich und nahezu tragisch für die Wissenschaft.

  12. DAS-EVA-Prinzip sagt: 20. April 2014 um 23:11

    Erinnert mich an die Theorie von Hoyle aus den 1960-er Jahren, der "schwarze Löcher" als Materie- oder Energieaustauschmedium zwischen verschiedenen Universen sah. So vermied er gleichfalls den Urknall, der mir immer noch sehr suspekt ist. Quasi zusammenhängend "atmende" Universen. Hat damals aber wenig Anklang gefunden – wohl auch weil Hoyle nebenbei esoterisch angehauchte SF-Romane schrieb.

Schreibe einen Kommentar