Jugendversorgung per Warnschussarrest

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KinderlandverschickungDie bange Frage ist, wie wird man mit den Blagen fertig? (Bild: ab 1940 gab's die KinderlandverschickungIm Sonderzug fahren die Kinder von Berlin ab. Täglich finden neue Kindertransporte aus allen Bevölkerungsschichten der Reichshauptstadt im Rahmen der Landverschickung in andere Gaue des Reiches statt. Bundesarchiv, Wikimedia Commons)

Allzuviele Kinder und Jugendliche machen heutzutage Karrieren als Gesetzesbrecher, und dagegen muss was unternommen werden. Früher wurde den Schwererziehbaren Benimm eingeprügelt, doch dann kam Dr. Spock, der amerikanische Arzt, der da sagte "don't spank". Kinder sollen nicht geschlagen werden. So wird Dr. Spock allgemein zitiert, auch wenn der interessante Artikel On Dr. Spock and Spanking das anders darstellt.

Die gewaltfreie Erziehung war nicht übermäßig erfolgreich, insbesondere wenn mehr als ein Kind kam. Das ältere Kind lehrte das jüngere zumeist das Naturrecht des Stärkeren, auch wenn's die Eltern mit der gewaltfreien und sogar antiautoritären Erziehung hatten. Zudem ist der Stellenwert der Kinder immer weiter gestiegen, in vielen (Rest-)Familen dreht sich alles ums Kind, und die Erziehungsberechtigten sind zu Taxifahrern und Versorgungsinstitutionen geworden.

Das bekommt nicht allen Kindern, schon gar nicht denen, die vernachlässigt werden, und die ihre Erziehung vom TV bekommen. Nicht nur unter denen werden viele erstaunlich früh straffällig, mit Diebstahl, Raub, Schlägerei und sonstigen Frechheiten. Unter den Hardlinern kam der Ruf nach Erziehungslager und Abschiebung auf, und manch ein Betroffener mag von der Kinderlandverschickung geträumt haben, am besten ganz weit weg – und wenn die Nerven ganz zerrüttet waren womöglich vom gezielten Todesschuss (Euphemistisch Finaler Rettungsschuss). Um das Problem zu lösen, hat der Gesetzgeber den Warnschussarrest ersonnen.

Als Warnschussarrest wird pressesprachlich ein maximal vier Wochen langer Jugendarrest bezeichnet (wiki). Die Berliner Morgenpost schreibt am 6.7.2012 über das entsprechende neue Gesetz in Warnschussarrest für jugendliche Täter wird eingeführt: U-Bahn-Schläger oder andere jugendliche Straftäter können künftig auch bei einer Bewährungsstrafe bis zu vier Wochen ins Gefängnis kommen.

Stern.de hat interessante Links zum Warnschussarrest (2012) gesammelt, und am 7.3. schreibt auch die Süddeutsche wieder über das Thema in Warnschussarrest für Jugendliche – Ein Schock, der nichts bringt: Ein Jahr gibt es den Warnschussarrest nun, eine Maßnahme im Jugendstrafvollzug. Im Idealfall sollte ein Verurteilter das erste Mal die Erfahrung machen, eingesperrt zu sein, und daraus für die Zukunft lernen.

Doch die Praxis sieht anders aus, sagt die SZ. Bisher wurden nur ca. 400 Warnschüsse von der arretierenden Sorte vollstreckt, in Bremen und Berlin praktisch gar nicht. Zumeist wurde um den Weißwurstäquator herum, also in Bayern, vollstreckt. Doch die Warnschüsse treffen nicht, meint die SZ, denn wer in München seinen Warnschussarrest antritt, kennt in der Regel schon Arrestanstalten aus früheren Urteilen.

Das heißt, der erste Warnschuss ging daneben, der Delinquent hat nix für die Zukunft gelernt. Ein Betreuungskonzept zur Besserung gibt's zwar, aber dafür fehlen die Betreuer. Wenn das so ist, dann funktioniert natürlich auch keine moderne Form der Kinderlandverschickung.

Innovative Strafen bleiben also gefragt. Führerscheinentzug, elektronische Fessel mit eingebautem Discoverbot und alle Arten von Computer-, TV- und Handysperren. Vielleicht auch Motivation statt Repression, also Lernziele und sportliche Ziele vorgeben und amtlich zwecks Strafminderung abnehmen.

Besser wäre natürlich die rechtzeitige Sozialisierung, ehe die Sache aus dem Gleis läuft, z.B. mit Kindergartenpflicht und Psychologen an den Schulen. Oder das Fernsehen abschaffen, damit wäre auch was gewonnen.
 

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