Gallup-Umfrage beschämt USA

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friendlyatheistWer es nicht wahrhaben wollte, wird eines Schlechteren belehrt: Der US bible belt geht über das halbe Land. So nennt sich eigentlich die puritanisch-fundamentalistische Zone im Südosten der USA, nur hat die Gallup-Umfrage aktuell ergeben, dass immer noch 42% der US-Amerikaner Kreationisten sind.

 

Gegenüber der letzten Umfrage vor zwei jahren hat sich das Bild nur geringfügig gebessert, nur innerhalb der Fehlertoleranz, so dass man nicht weiß, ob es eine signifikante Verbesserung gegeben hat. Der Friendly Atheist sieht die USA immer noch als ein Land voll irregeleiteter Leute, mit dem Hauch einer Verbesserung, dazu wird Gallup zitiert:

Immerhin hat sich die geringe Marge von Nicht-Gläubigen seit 1999 verdoppelt. Das hat was mit der Bildung zu tun, je gebildeter, desto weniger anfällig für Nonsens-Glauben (FA): 57% der Nichtaklademiker glauben dem Kreationismus, aber nur 27% der Akademiker.

An die entschärfte Version mit der gottesgesteuerten Evolution glauben eher die Jungen (31%) als die Alten (11%) – immerhin eine gewisse Hoffnung für die Zukunft. But damn, what a grim present, schreibt FA, verdammt, was für eine greisliche Gegenwart.

Um dann die Frage aufzuwerfen, ist Bildung die Antwort?  Gallup sagt laut FA, nicht ganz. Man könne den Leuten soviel Wissenschaft beibringen wie man will, aber der Einfluss der Religion sei zu stark, um sie vom Glauben abzubringen. assholenationDas beigefügte Bild von Rotten Cards bringt es auf den Punkt, was davon zu halten ist.

Der Kampf um die Deutungshoheit geht weiter, wie Gallup sagt. In einigen US-Staaten wird schon seit Jahren darum gekämpft, inwieweit der Kreationismus in der Schule gelehrt werden soll. In den Südstaaten ist die kreationistische Sicht stärker als in den anderen Staaten vertreten. Das Pro und Kontra zieht politischen Streit nach sich, der Kräfte in jenen Regionen bindet, die besser für andere Zwecke einzusetzen wären (Anmerkung wissenbloggt).

Weitere Zahlen aus den USA von der Berkeley University Of California werden in unserem Artikel Die USA, das Land Gottes diskutiert (mit deutschen Zahlen und wiki zum Vergleich). Eine Aussage daraus: Die USA sind ein interessantes Phänomen. Einerseits das wirtschaftlich und technisch-wissenschaftlich am höchsten entwickelte Land der Welt, andererseits ein Land mit einer Religiosität, die deutlich höher liegt als in so manchem Staat der Dritten Welt.

Das sagt viel über die religiöse Befindlichkeit der USA aus. Es ist beschämend.

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4 Gedanken zu „Gallup-Umfrage beschämt USA

  1. Ein Kreationist lebt mit Scheuklappen, die jegliche Logik des Denkens abschirmen. Aber nur die Logik, die unmissverständlich weil eindeutig beweist, dass der Begriff des Nachdenkens bei ihm nicht konsequent definiert ist. Er hat nämlich – in der heutigen Zeit – sicherlich ein Handy oder sogar ein Smartphone, das natürlich ein Ergebnis der Technik ist, die nichts anderes als eine Anwendung von Wissenschaft darstellt. Und er fährt zumeist ein Auto, das nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft konzipiert ist. Und selbstredend verfügt er über einen Computer, bei dem ihm über das Internet die Welt offensteht. Dieses und vieles mehr nutzt er und weiß gleichzeitig, dass er alles nur der Wissenschaft verdankt.

    Wenn aber die Wissenschaft mit ihren Methoden eindeutig bewiesen hat, dass unsere Erde ca. 4,6 Milliarden Jahre alt ist, dann hält er sofort dagegen, dass die Wissenschaftler da einen großén Fehler gemacht hätten, weil die Erde nur 6000 Jahre alt wäre, andere Kreationisten meinen ein paar Tausend Jahre älter. Der Kreationist spricht damit den Wissenschaftlern, die sich mit dem Alter des Universums und damit auch demjenigen des Planeten Erde beschäftigen, einfach die Qualifikation ab, ohne dass er selbst eine noch so geringe berufliche Qualifikation in der Richtung Kosmologie hat. Diese Einstellung  ist schlicht lächerlich, ja man kann sagen eine Schande für den menschlichen Geist. 

  2. Beschämend ist lediglich die Borniertheit dieses Artikels und der zugehörigen Antworten. Ich bin den Damen und Herren gern bei der Interpretation der Umfrageergebnisse behilflich.

    Das mittlere Grün (Anfangswert 44%) pendelt seit 30 Jahren indifferent um die 44%. Hier ist keine nennenswerte Langzeittendenz festzustellen. Dies bedeutet, der Anteil der Amerikaner, die glauben, ein Gott habe den Menschen in seiner heutigen Form erschaffen, ist langzeitstabil.
    Das helle Grün (Anfangswert 9%) zeigt eine eindeutige Langzeittendenz in Gestalt einer knappen Verdopplung. Dies bedeutet, der Anteil der Amerikaner, die keinen Gottesbezug vertreten, hat sich in den vergangenen 3 Jahrzehnten auf fast 20% verdoppelt.
    Das dunkle Grün (Anfangswert 38%) zeigt insbesondere in den vergangenen Jahren eine unübersehbare Tendenz nach unten. Dies sind religiöse Amerikaner mit einer wissenschaftlichen Grundhaltung. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren um etwa 7% geschrumpft.

    US-Amerikaner sind durschnittlich religiöser als Nordeuropäer, insbesondere Deutsche. Für viele religiös geprägte Menschen mit prinzipiell wissenschaftlichem Weltbild ist die formale Zustimmung zur Frage nach 3. (die völlige Verneinung Gottes) zu extrem. Sie weichen dann lieber nach 2. aus. Aus dieser Langzeitbefragung eine Zunahme der Kreationisten herauslesen zu wollen, ist absurd und unwissenschaftlich. Beide religiöse Gruppen dieser Umfrage verlieren unübersehbar in Richtung Atheismus.

  3. Ich habe den doppelten Kommentar von Valentino gelöscht und nehme wie folgt Stellung:

    Die Interpretation ist ja in allen Einzelheiten dieselbe, nur die Wertung ist eine andere. Der langzeitstabile Anteil der Kreationisten, die knappe Abnahme der nicht ganz so Ignoranten und die Verdoppelung der Vernünftigen auf lumpige 19% sind in meinen und in den Augen der anderen Kommentoren eine Schande. Eine Zunahme der Kreationisten liest niemand heraus. Also keine Nachhilfe nötig, und schon gar keine herabsetzenden Wertungen wie "Borniertheit".

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