Zu faul zum Siegen?

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suarez-der-beisserWas ist nur mit den Franzosen los? So lautet die bange Frage der europäisch Verbandelten. Anlass dazu bietet eine Studie der arbeitgebernahen französischen Beratungsgesellschaft Coe-Rexecode.

Ein Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 25.6.  Fleiß-Studie – Faule Franzosen? würdigt die französische 35-Stunden-Woche kritisch. Richtig bedenklich wird's dann beim nächsten Artikel der FAZ, auch 25.6., 0:0 gegen Ecuador – Frankreich kann auch torlos. Was war denn das? Waren die 35 Stunden schon vorbei, und Überstunden sind bei der WM nicht vorgesehen?

Könnten die Franzosen sich nicht ein Beispiel an anderen nehmen, die so bissig sind, dass man sie bremsen muss? Siehe wiederum die FAZ vom 25.6., Das Netzfundstück-Blog. Heute: Spott über Suarez, den Beißer (siehe Bild, © https://twitter.com/WorIdCupProbs). Außerdem noch im Angebot der FAZ: Das schnellste Pony im Land. Wetten, das ist kein französisches Pony?

Wenigstens in einer Fakultät liegen die Franzosen vorn, wenn auch hart bedrängt von anderen Nationen. Die Süddeutsche Zeitung benennt es am 1.6. in Großbank BNP Paribas – Strafzahlung in neuer Dimension: Durch Geschäfte mit Iran, Kuba und Sudan soll die französische Großbank BNP Paribas amerikanische Sanktionen gebrochen haben. Als Strafe fordert die US-Staatsanwaltschaft angeblich zehn Milliarden Dollar.

Also ist doch noch Verlass auf die Banken, dass sie die französische Fahne hochhalten. Sonst könnte man langsam an dem Land verzweifeln, das laut Arbeits-Studie so wenig arbeitet wie in Europa nur noch die Finnen – und die haben sich noch nicht mal für die WM qualifiziert. Nach den Worten der FAZ will Paris  die 35-Stunden-Woche dennoch nicht antasten. "Andere schon", meint die FAZ süffisant.

Die französischen Ökonomen streiten nämlich über die Effekte der 35-Stunden-Woche. Eine Stimme dazu: „Jetzt die Arbeitszeiten freizugeben wäre das Schlimmste, was man machen könnte, denn das Wachstum ist gleich null und wir haben Massenarbeitslosigkeit.“

Ist das die Stimme der Faulheit? Ist es so, dass die 35-Stunden-Woche Probleme bei der Wettbewerbsfähigkeit hervorruft, weil die Produktivität nicht genug steigt und die Gehälter trotzdem zunehmen? So behauptet es die Fleiß-Studie, und man darf ihre Aussage bezweifeln.

Es stimmt schon mal nicht, dass die Gehälter steigen, siehe Abb. A8, S. 13 bei bmr-online. Und für die Wettbewerbs-Probleme ist im Euro-Raum der Euro zuständig, der die nötigen Auf- und Abwertungen verhindert. Was also bleibt?

Es ist das Ballyhoo der Wirtschaftslobby, die Druck auf die Politik machen will. Die soziale Errungenschaft der 35-Stunden-Woche soll geschleift werden, damit mehr Leute arbeitslos werden und die Arbeit insgesamt billiger wird. In Deutschland läuft dieser Lobbyismus vor allem über die Behauptung, es fehlten Arbeitskräfte, und in Frankreich wird nun zur Atttacke auf die Arbeitszeit geblasen.

Man kann nur hoffen, dass die Arbeitszeit allgemein gekürzt wird, um die zunehmende Produktivität der Wirtschaft für die Allgemeinheit nutzbar zu machen. Wenn das nicht geschieht, nimmt die Arbeitslosigkeit weltweit zu, und die Wohlstandsgewinne fallen weiterhin exclusiv den Besitzenden anheim.

Dahinter steckt das Grundproblem, für wen arbeiten die Roboter?  Produktivitätssteigerungen von 1-2% pro Jahr über 50 Jahre bedeuten, dass die Technik den Menschen mehr als 50% der Arbeit abgenommen hat, und der Trend geht weiter. Die französische Politik der kürzeren Arbeitszeit ist deshalb richtig. Die Arbeitszeit aus nationalökonomischen Gründen hochzusetzen ist falsch. Die Wirtschaft wurde doch mal erfunden, um die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, und nicht umgekehrt.

Das ist aber genau das Bestreben der Lobbyattacken, die Menschen der Wirtschaft gefügig zu machen.

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