Hohes Risiko für Atheisten

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400px-Standard_deviation_diagram.svgImmer wieder wird mit der Statistik argumentiert, und immer wieder fallen Fehler dabei auf. Atheisten-info.at hat ein schönes Beispiel dafür gefunden. Kleine Anmerkung dazu aus den Kreisen der IH: Wahrscheinlichkeit ist von 0…1 definiert, nicht von minus unendlich bis plus unendlich. Aber jeder versteht, was gemeint ist, egal welche Skala angelegt wird. (Bild: Mwtoews, Wikimedia Commons – falls noch jemand die Standardabweichung für die Gotteswahrscheinlichkeit sucht: dies ist die Normalverteilung, nicht die Gottesverteilung, welche nur ein Pünktchen bei 0 ist). Hier der Bericht:

Hohes Risiko für Atheisten

So titelte am 9.7.2014 ein gewisser Günter Seibert auf der Site Click2life & ErlebeGott – Christliches Webportal

Im Text wird dann versucht, eine Art Wiederbelebung der berühmten Pascalschen Wette zu präsentieren. Der französische Mathematiker hatte bekanntlich im 18. Jahrhundert die These aufgestellt, es sei vernünftiger, an Gott zu glauben, weil wenn Gott existiert und man hat geglaubt, wird man nach dem Tode mit dem ewigen Leben im Paradies belohnt, hat man aber nicht geglaubt, würde man in der Hölle ewig gestraft. Wenn es Gott nicht gebe, wäre es egal, ob man glaubt oder nicht, darum stünden für Gläubige die Chancen besser.

Seibert schreibt:
Die Existenz Gottes kann naturwissenschaftlich nicht bewiesen werden. Allein auf Grund dieser Feststellung glauben viele Menschen, sie könnten deshalb auch die Gebote Gottes missachten, ohne dafür je zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn die Wissenschaft kann auch das Gegenteil nicht beweisen, sie kann die Existenz Gottes nicht mit Sicherheit ausschließen. So bleibt für den Atheisten ein Risiko von mindestens 50 Prozent, dass es doch einen Gott gibt.

Atheistische Anmerkung: Wie kommt der Autor auf die Idee, dass die Chance einer Gottesexistenz bei 50 % stünde? Damit etwas auf 50 % steht, muss die Variantenmöglichkeit gleich groß sein: zum Beispiel beim Wurf einer Münze, da steht es 50:50 für Kopf:Zahl. Die Frage, ob es für einen österreichischen Lotto-Spieler die Chance gibt, keinen oder einen Sechser zu gewinnen, ist pro abgegebenen Tipp mit einem Verhältnis von 1:8.000.000 zu beantworten und nicht mit 50:50. Die Frage, ob es einen Gott gibt, hat sicher eine gegen minus unendlich tendierende Wahrscheinlichkeit. Und außerdem: wäre der existierende Gott dann auch der richtige? Oder kommt Seibert in die Dschehenna zum Scheitan, weil er nicht an Allah geglaubt hat? Oder geht's ihm schlecht, weil er dem Quetzalcoatl keine Menschenopfer gebracht hat? Und wieviele Götter kann es in den hundert Milliarden Galaxien des Universums noch geben? Oder stimmt der Deismus, der von einem Schöpfergott ausgeht, welcher sich ums Geschöpfte danach nimmer kümmert? Und um den sich der Herr Seifert daher auch nicht kümmern bräuchte.

Seibert weiter: Nehmen wir einmal an, es gäbe wirklich keinen Gott, dann hätte jeder überzeugte Christ für ein nicht vorhandenes Ideal gelebt, denn es gäbe dann auch kein Leben nach dem Tod – keinen Himmel. Trotzdem wäre auch dann ein Leben, das von Jesus Christus und von der Nächstenliebe geprägt war, nicht umsonst gewesen. Und es gibt sogar Menschen, die die Erfüllung – das Glück – ihres Lebens fanden, weil sie ihren Egoismus aufgegeben haben. Verspielt hatten sie jedenfalls nichts.

Atheistische Anmerkung: Warum sollte ein Christenleben von Nächstenliebe geprägt sein und ein Atheistenleben von Egoismus? Ich bin zum Beispiel für die Erhaltung und möglichst auch für den Ausbau des Sozialstaates. Der Sozialstaat musste von der Arbeiterbewegung, die von der Kirche verdammt wurde, gegen christlichen Widerstand durchgesetzt werden und wird heute noch ständig von den christlichen Parteien bekämpft. Der Sozialstaat hat millionenfach mehr für die Menschen gebracht als alle christlichen Almosen.

Seibert kommt zum Schluss: Wenn es aber nun doch diesen Gott gibt, wie ihn die Bibel beschreibt, dann hat jeder Atheist ein Riesenproblem:
Er hat um den Preis seiner Seele geirrt. Er hat sein Leben in den Sand gesetzt. Und er wird die Ewigkeit in der Hölle zubringen, die in der Bibel mit drastischen Worten beschrieben wird (Lukas 16,23-31). Lesen Sie es bitte nach! Und das hat Jesus Christus selbst gesagt, der es als der Sohn Gottes wissen muss. Es geht nicht darum, mit der Hölle zu drohen, sondern das hohe Risiko zu zeigen, das eine atheistische Weltanschauung in sich birgt, die den menschlichen Verstand zum Maß aller Dinge macht.

Atheistische Anmerkung: Da die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Gott gibt und die Wahrscheinlichkeit dass der irdische Christengott der richtige ist, dass Menschen einen unsterbliche Seele haben und dass es die christliche Hölle mit ewiger Folterstrafe wirklich gibt, keinen Wert von 50 zu 50, sondern einen von minus unendlich plus irgendwas hat, sind die Chancen des Günter Seibert, sein Leben keiner Illusion gewidmet zu haben, außerordentlich niedrig. Das Risiko in Sachen Höllenstrafen für Atheisten liegt gleich niedrig.

Link zum Originalartikel bei atheisten-info.at

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3 Gedanken zu „Hohes Risiko für Atheisten

  1. Eine tolle und überzeugende Gegenbeweisführung. Die sehr ernst zu nehmende Aussage betrifft aber uns selbst, die Säkularen und ihre Zersplitterung. Ich überlege aus der facebook-gruppe generation giordano auszusteigen, da sie sich zu einem privaten Diskutier-Quatschclub entwickelt hat. Wir sollten aus einer Fusion oder Kooperation von GBS und Korso etwas wirksames, in die deutsche Gesellschaft hinein wirkendes Instrumentarium schaffen….

  2. ebehrendt sagt: 14. Juli 2014 um 19:20

    Re-Bonjour auf Wissen Bloggt.

    Soweit ich weiss ist die gbs bereits Mitglied bei Korso. Leider sind die ja seit über drei Jahren einfach nicht aus den Startlöchern gekommen. Jedes Jahr kommt eine bombastische Presseerklärung, dass es nun endlich losginge. Das wirkt angesichts der Tatsachen nur noch peinlich.

    Das war auch einer der Gründe für mich, nicht auf Korso zu setzen (nachdem ich sah, dass die Partikularinteressen einfach nicht zusammengebracht werden können), sondern lieber zielstrebig (trotzdem mit aller nötigen Ruhe) das Projekt der humanistischen Partei zu verfolgen, die wir nunmehr am 4. Oktober in Berlin gründen werden. Dann bleiben uns zwei Jahre bis zum ersten Wahlantritt.

    Mit GG hast du absolut recht. Was ich dort in den letzten Wochen gesehen habe, ist alles andere als lustig. Irgendwie fehlt dort ein gemeinsamer Nenner oder so etwas wie eine Zielprojektion.

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