Burka & Burkini in der Diskussion

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fish-33712__180Dennis Riehle spricht für die Humanistische Alternative Bodensee. Sein offener Brief an das Sozialamt der Stadt Konstanz ist geprägt von kritischer Toleranz. Dabei kann man das Verhüllungsgebaren auch strikter sehen (Bild: schockierter Fisch von Nemo, pixabay).

Verschleierung und Gesichtslosigkeit sind das Symbol von Rechtslosigkeit wie auch von beabsichtigtem Rechtsbruch. Dabei spielt es keine Rolle, dass es Konvertitinnen gibt, die pervers genug sind, um sich das freiwillig anzutun. Diese Tatsache bekräftigt nur, dass die Religionen schon immer das Tummelfeld für Masochisten waren, denen kein Tort schlimm genug ist, um mit Entsagung, Selbsterniedrigung und Demut bei ihrem Gottchen zu punkten.

Die definitive Grenze liegt bei den kleinen Mädchen, denen diese Verhüllung zum ersten Mal aufgenötigt wird – eine menschenrechtswidrige Grausamkeit. Wenn sie das akzeptieren, heißt das nur, dass sie schon gefügig gemacht sind und dass die Grausamkeit ins Vorfeld verlagert wurde, mit Indoktrinierung, Verdummung und Unterdrückung. Soviel als Geleitwort zum Thema.

Offener Brief an das Sozialamt der Stadt Konstanz:

 
Sehr geehrte Damen und Herren im Bürgeramt und Sozialamt der Stadt Konstanz,
 
zumindest an einem Tag in den vergangenen Wochen haben auch in Konstanz wiederum Mitglieder einer islamischen Religionsgemeinschaft Ausgaben des Koran in der Fußgängerzone der Stadt verteilt. Nach Deutung der genutzten Symbole handelte es sich – wie auch andernorts – um eine der in Deutschland bekannten und gängigen salafistischen Vereinigungen, die mit einer doch recht selbstbewussten Art und Weise an die Passanten herantritt.
 
Nicht nur als Bürger, sondern auch als Vertreter der hiesigen Humanistischen Alternative nehme ich nicht zuletzt nach der Entscheidung des Gemeinderates für eine Zulassung des „Burkinis“ in Konstanzer Bädern eine wachsende Verunsicherung unter den Menschen wahr. Der Beschluss des Stadtrates ist vollends zu respektieren, gleichsam aber auch kritikwürdig. Ich kann die Argumentation der Räte nachvollziehen, für mich bleibt aber doch eine andere Sichtweise. Aus meiner Weltanschauung heraus erachte ich es grundsätzlich als Privatsache, seine Religion zu leben und sie zu zeigen. Diese Freiheit ist grundrechtlich verankert – und das ist auch vollkommen richtig so. Sie muss allerdings, wie jede andere Toleranz, dort ihre Grenzen finden, wo sie möglicherweise die öffentliche Ordnung tangiert und ein friedfertiges Miteinander zu stören in der Lage ist.
 
Der „Burkini“, der nach meinem Verständnis nicht als religiöses Symbol, sondern als die Identität prägendes und möglicherweise verschleierndes Ausdrucksmerkmal einer dogmatischen Überzeugung genutzt wird, vermittelt nicht nur den Eindruck von Unnahbarkeit und Abschottung, sondern nimmt auch die Möglichkeit, eine Person einwandfrei identifizieren zu können. Er stellt damit durchaus – neben allen weiteren bereits in der Diskussion genannten Aspekten der Hygiene etc. – einen Faktor dar, der das soziale Gefüge nicht unbedingt zu fördern vermag. Abseits der immer wieder auch von wissenschaftlicher und muslimischer Seite selbst diskutierten Frage, ob ein „Burkini“ ähnlich wie andere Ganzkörperbedeckungen die Unterdrückung oder Beschneidung der Würde der Frau betont, ist er doch ein Zeichen von religiöser Vereinnahmung, der beispielsweise im Gegensatz zu einem reinen Symbol (wie eine Kreuz-Kette bei den Christen o.a.) eine gewisse Machtpräsenz suggeriert.
 
Sicherlich kann man das Verteilen des Korans als gezielte Maßnahme zur Mission nicht mit dem doch sehr privaten Entschluss, in Badeanstalten im „Burkini“ aufzutreten, vergleichen. Und doch sind beide Entwicklungen Ausdruck einer Veränderung und Herausforderung, rasch mit neuen kulturellen Elementen im öffentlichen Leben konfrontiert zu sein, die die gängigen Ordnungsstrukturen der Gesellschaft durchwirbeln und eine gewisse Aufdringlichkeit und ein Einschreiten der Religion in den Alltag Aller erfahrbar macht. Das irritiert Teile der Bevölkerung, weil eben auch das Recht auf einen säkularen Staat mit dem der Religionsfreiheit im öffentlichen Raum konkurriert – und das sollte entsprechend ernst genommen werden.
 
Ich war durchaus verwundert, dass die Debatte nach der Entscheidung des Gemeinderates so zügig abgebrochen wurde. Auch nehme ich ein seltsames Verschweigen eines gleichzeitig die Menschen umtreibenden Umbruchs wahr, der aber gerade aufgrund seiner realen Präsenz mehr gesellschaftlichen Diskurses bedürfte. So erhoffe ich mir, dass einerseits die Ordnungsbehörden darauf achten, dass im Bezug auf die offensive Verteilung des Korans alle geltenden Regelungen eingehalten und beständig geprüft werden. Gleichzeitig erachte ich es als unabdingbar, dass der Beschluss des Stadtrates zum „Burkini“ nicht als Abschluss einer Debatte, sondern als Anstoß einer breiten Meinungsbildung mit unterschiedlichen Beteiligten wird. Ob Religionsvertreter oder Repräsentanten verschiedener Weltanschauungen, der Behörden und der Integrationsverbände, der sozialen Vereinigungen und der Politik.
 
Hierfür möchte ich plädieren und verbleibe
 
mit bestem Gruß,
 
Dennis Riehle, Sprecher
Humanistische Alternative Bodensee (HABO)
Säkular-humanistischer Zusammenschluss

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Ein Gedanke zu „Burka & Burkini in der Diskussion

  1. … Indoktrinierung, Verdummung und Unterdrückung.

    Im Grunde genau davon schreibt bereits Immanuel Kant in seinem Traktat zur "Aufklärung", aus der zwar der erste Satz noch einigermaßen bekannt ist, der das Ziel der Aufklärung umreißt:

    AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.

    Jener Satz aber, der einen Machtmechanismus voraufklärerischer bzw. totalitärer Systeme entlarvt, bleibt meist unerwähnt:

    Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht*) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.

    °:°

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