Deutschland blaumachen

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Konfessionen_Deutschland_Zensus_2011Das Bild gibt die Daten von vor 3 Jahren  wieder: Dominierende Religionszugehörigkeit auf Landkreisebene nach Ergebnissen des Zensus 2011 in Deutschland.

  • Lila: evangelisch
  • gelb: katholisch
  • blau: konfessionslos (und sonstige Religionen oder keine Angabe).
  • Dunkel: absolute Mehrheit (> 50 %)
  • hell: relative Mehrheit (33,3 – 50 %)

(Bild: Michael Sander, Wikimedia Commons)

Rechnet man die Zunahme der Nichtreligiösen gegen die Sonstigen und Angabefreien per Daumenpeilung auf, zeigt das Bild den heutigen Stand recht gut. Die Zahlen variieren ja und sind im ständigen Fluss begriffen, wenn auch der Trend immer in dieselbe Richtung geht. Es ist ein gewisser Verzug dabei. Auch die wiki-Tabelle Religionsangehörige Deutschland gibt nicht den allerneusten Stand wieder:

Religion/Nichtreligion Anteil
Nichtreligiöse 27-30 Millionen oder 33,4-37,2%
Römisch-Katholische Kirche 24,2 Millionen oder 2,9%
Evangelische Landeskirchen 23,4 Millionen oder 29,0%
Islam 4 Millionen oder 5%

Eine humanistische Stimme würdigt die Zahlen so: Die Daten des Zensus 2011 haben zwei grundlegende Mängel. Erstens sind sie inzwischen schon veraltet. Seit Jahren schrumpft der katholische Anteil an Bayerns Bevölkerung um jährlich 0,6 und der evangelische um 0,15 Prozentpunkte. Wir haben inzwischen also schon mehr als ein Viertel Konfessionsfreie. Zweitens sollte der Zensus die Ungenauigkeiten bei den Daten der Meldebehörden korrigieren, aber inzwischen tellt sich heraus, dass auch die Zensusdaten ungenau sind. Sie weisen z.B. mehr Kirchenmitglieder aus, als die Kirchen selbst registriert haben – und diese müssen es doch am besten wissen, wieviele Mitglieder sie haben. Demnach waren Ende 2012 (in Bayern) genau 53,2 % katholisch und 20,0 % evangelisch.

Bayern hat demzufolge einen Nachholbedarf. In Österreich konnte atheisten-info.at eine österreichische Frohbotschaft zu den Kirchenaustritten 2013 melden (13.1.): Trotz des katholischen Optimismus über den neuen Papst gelang heuer das drittbeste Austrittsergebnis seit 1945! Um 4,8 % mehr als 2012! Es waren fast 55.000 Kirchenaustritte bei einem Anteil von 62,4% Katholiken, 3,7% Evangelen und extrapolierten 5% Muslimen.

Aus der Schweiz gab es auch die Nachricht, die Evangelisch-reformierte Landeskirche schrumpfe rapide (26.1.): Auch in der Eidgenossenschaft nimmt die Zahl der Konfessionsfreien weiter zu. Das zeigen Ergebnisse der neuesten Schweizer Strukturerhebung. Demnach wachsen allenfalls die Zahl der Anhänger der islamischen Glaubensgemeinschaft, während insbesondere die evangelisch-reformierte Landeskirche zunehmende Verluste verzeichne.

Die Zahlen aus Deutschland kommen aus einer EKD-Studie, über die DIE WELT schon am 6.3. berichtete, Deutsche verlieren ihren Glauben an Gott: Eine Studie der Evangelischen Kirche zeigt: Der rasante Glaubensverlust ist nicht rückgängig zu machen. Zugleich gibt es mehr treue Christen als gedacht. Die wollten aber keine politisierenden Pfarrer. so die Welt.

Bei der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) tauchten die Zahlen am 17.10. auf, in Statistik: Alle evangelischen Landeskirchen schrumpfen: Alle evangelischen Landeskirchen sind im vergangenen Jahr geschrumpft. Das geht aus einer Umfrage der  bei den Landeskirchenämtern und der EKD hervor.

Demnach hatten die 20 Mitgliedskirchen der EKD zum 31. Dezember 2013 rund 23,04 Millionen Mitglieder. Das seien 315.000 weniger als im Vorjahr, was einen Rückgang um 1,4 Prozent bedeute. Nachdem die Kirchensteuer auf Kapitalerträge (siehe Allianz der Absauger) den Austrittstrend bei den Katholen verstärkte, ist er nun auf allen Ebenen im Schwange.

Die Religion wird zur Alterserscheinung (siehe Religion als Alterserscheinung), wie schon die Shell-Studie zu Religion und Alter im Jahr 2011 zeigte, 16. Shell-Studie: Religiosität unter Jugendlichen sinkt: Die 16. Shell-Jugendstudie sagt aus, dass die Religiosität für Jugendliche im Osten Deutschlands überhaupt keine Rolle mehr spielt, im Westen nur noch eine geringe.

Die alten Kirchenmitglieder sterben weg, die Jungend ist nicht mehr religiös. Wenn man bedenkt, wie viele Karteileichen immer noch zu den Religiösen gezählt werden, muss man die Kirchen auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit sehen. Der Appeal der Amtskirchen ist weg, sie sind eben nur ein Verein zur Bewahrung historischer Privilegen.

Dabei ist der Bedarf an Sprirtismus durchaus noch da, wie die Szenerie der modernen Bauernfängerei zeigt. Aber das ist nicht das Thema dieses Artikels. Der interessante Aspekt zu den nicht ganz neuen Trends ist die Apostasie. Laut wiki stammt der Begriff aus der christlichen Tradition, besonders der römisch-katholischen Kirche. Wer aus der Kirche austritt (oder zu einer anderen wechselt), ist demnach ein Apostat.

Nach der Scharia steht auf Apostasie, auf den Abfall vom Islam, die Todesstrafe. Gut zu wissen, dass den christlichen Religionen dieser Zahn gezogen ist. Der Übergang zur religionsfreien Zone erfolgt friedlich. Das Blaumachen der religiösen Landkarte geschieht ohne Mord und Totschlag.

Im Gegenteil, wenn sie könnten, würden die christlichen Agendasetzer jeden Dahinsiechenden noch hundert Jahre konservieren, auf dass er die Religionsstatistik fürderhin schmücke. Vielleicht lässt man sie aber doch sterben, vorausgesetzt, die Verblichenen zählen auch im Himmel noch statistisch weiter. Bei der christlichen Gesinnungslage unserer Regierung weiß man ja nie, auf was für Ideen die noch verfallen.

Nachtrag 22.10.: Beim Arbeitsamt gibt es auf politischen Druck ja auch besondere Zählmethoden, da wird ganz nach Bedarf runtergezählt. Warum also nicht raufzählen in den Himmel? Wer die Deutungshoheit hat, der darf statistisch lügen, wie er mag.

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