Solidarischer Bodensee

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smiley-304294_640Dennis Riehle spricht für die Humanistische Alternative Bodensee zu aktuellen humanistischen Belangen. Diesmal geht es um die Anzeige wegen Religionsbeschimpfung gegen Dieter Nuhr. Solidarität ist nun gefragt, wie sie auch von anderer Seite kommt, siehe express.de vom 28.10.: Nach Anzeige wegen Islam-Hetze Viel Zuspruch: Kabarettisten solidarisieren sich mit Dieter Nuhr. Eine  Aussage vom Kollegen Bruno Jonas dazu: Nuhr beobachte, dass Muslime im Gegensatz etwa zu Juden und Buddhisten „gerne einmal beleidigt sind, wenn man sich über ihren Glauben lustig macht. Humor und Fanatismus scheinen einander auszuschließen“  (Bild: Nemo, pixabay). Der Kollege Andreas Rebers meint laut express.de dazu, in kaum einem Land der Welt würden die Menschen so sehr von ihrem Recht auf Nichtwissen und Nichtwissenwollen Gebrauch machen wie bei uns. Dennis Riehle geht weiter in die Tiefe:


Humanisten am Bodensee fordern Solidarität mit Dieter Nuhr
HABO-Sprecher: „Religionsfreiheit entbindet nicht von Kritikfähigkeit“
 
Die Humanisten am Bodensee haben zur Solidarität mit dem Kabarettisten Dieter Nuhr aufgerufen. Wie der Sprecher der „Humanistischen Alternative Bodensee“ (HABO), Dennis Riehle, mitteilt, sei die Anzeige gegen den Komiker „überhaupt nicht nachvollziehbar“. Nuhr war von einem Muslim vorgeworfen worden, den Islam beschimpft zu haben und als „Hassprediger“ aufzutreten. Nach Ansicht Riehles offenbare sich durch die aktuelle Diskussion erneut der Kampf zwischen zwei Grundrechten, der nicht heruntergespielt werden dürfe.
 
„Aus meiner Perspektive wird die Religionsfreiheit zunehmend weitgreifender interpretiert und drängt damit immer häufiger die Meinungsfreiheit beiseite. Dabei bin ich davon überzeugt, dass letztere den höheren Stellenwert in einer aufgeklärten Demokratie einnehmen muss. Religionsfreiheit bedeutet nämlich keinen Freifahrtsschein, sie befreit nicht von der Kritikfähigkeit, die auch eine Religion an den Tag legen muss“, fasst Riehle den Standpunkt der HABO zusammen. Im Übrigen komme im vorliegenden Kontext hinzu, dass die künstlerische Freiheit obendrein ein besonderes Schutzbedürfnis aufweise, um gerade in der Satire Pointen ausreizen und damit den Sinn und die Aussagekraft der Botschaften dieser besonderen Form der gesellschaftlichen Reflektion vermitteln zu können.
 
Und so stellt Riehle im Bezug auf den konkreten Fall von Dieter Nuhr fest: „All die im Zusammenhang mit der Anzeige vorgebrachten Äußerungen des Künstlers sind nach meinem Verständnis lupenreine Meinungsbeiträge, von einer Beschimpfung kann ich gar nichts erkennen. Es ist durchaus bezeichnend, welche Sensibilität hier im Umgang mit öffentlichen Standpunkten von einem Vertreter der Bewegung eingefordert wird, die derzeit auf Straßen und in fernen Ländern mit großen Worten und Taten gegen unsere freiheitlichen Werte wettert. Hier gilt es nun auch, diesen demokratischen Rechtsstaat zu verteidigen, in dem eben nicht mit zweierlei Maß gemessen wird“.
 
Im Übrigen verweist der HABO-Sprecher darauf, dass „getroffene Hunde eben bellen“: „Offenbar hat Nuhr in ein Wespennest gestochen, bei solcher Aufregung kann ich es mir nicht anders erklären. Würde hinter den Wahrnehmungen des Kabarettisten in Bezug auf den Islam nicht doch eine gewisse Wahrheit stecken, hätte der Anzeigensteller doch problemlos den Weg nutzen können, nicht nur Nuhr, sondern viele andere Menschen, die ähnliche Empfindungen teilen, von einem gegenteiligen Bild seiner Religion zu überzeugen. Jede Weltanschauung muss sich ihre Akzeptanz erringen, auch das Christentum steckt täglich in dieser Herausforderung. Das hat nicht zuletzt die katholische Bischofssynode in Rom gezeigt. Und dass auch der Islam anders kann, dass zeigen uns doch viele gemäßigte Strömungen, die einen Reformprozess bejahen. Die Empörten erreichen im Augenblick nur das Gegenteil – sie zementieren Eindrücke, die Nuhr zugespitzt auf den Punkt gebracht hat“.
 

Dennis Riehle, Sprecher
Humanistische Alternative Bodensee (HABO)
Säkular-humanistischer Zusammenschluss
 
 

 

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Ein Gedanke zu „Solidarischer Bodensee

  1. Wer, wie in dem hier betrachteten Fall der Anzeigenerstatter, jede Diskussion über die unangenehmen Aspekte des Islams verbieten oder auch nur totgeschwiegen sehen will, der hat das Wesen der Diktatur und des totalitären Staates und der diesem zugrundeliegenden Ideologie genau verstanden.

    Das Wesen der Aufklärung, die es uns erlaubt, alles und jeden aufrichtig zu hinterfragen und zu kritisieren, scheint ihm hingegen fremd zu sein.

    Dahinter verbirgt sich m.E. eine Persönlichkeitsschwäche, wie sie den Menschen in totalitären System anerzogen wird, um dem System eine Machtgarantie zu geben.

    Immanuel Kant hat dies, wenngleich aus einer anderen Perspektive und vor einem anderen Hintergrund, in seinem Traktat zur "Aufklärung" in den Satz gefasst: «Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (…) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.»

    Heribert Prantl hat in einem SZ-Kommentar vom 26.10.2014 die Wertigkeiten "heiliger" Bücher im Vergleich zu unserem GG aufgezeigt: http://www.sueddeutsche.de/politik/meinungsfreiheit-und-demokratie-spott-ueber-gott-1.2191490

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