Gegen das kirchliche Tarifrecht

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ideasnorightsKirchenprivilegien sind ein Anachronismus, der in säkularen Staaten keine Existenzberechtigung mehr hat. Um so schlimmer sind die Umtriebe, mit denen an diesen Privilegien gestrickt wird. Stets wird das Wohl der Allgemeinheit vorgeschoben, um den kirchlichen Sozialdiensten Vorschub zu verschaffen. Dennis Riehle von der Humanistischen Alternative Bodensee nimmt zu einem aktuellen Vorstoß/Verstoß Stellung:

 

Humanisten am Bodensee kritisieren Petition der kirchlichen Wohlfahrtsdienste

HABO-Sprecher: „Leider denken Caritas und Diakonie wieder nur an sich“

Zu der von den badischen Sozialstationen der katholischen Kirche eingebrachten öffentlichen Petition in den Deutschen Bundestag, die fordert, dass die Gesetzlichen Krankenkassen die kirchliche Tarifbindung in den hauspflegerischen Diensten der „Caritas“ als betriebswirtschaftlich anerkennen und damit erbrachte Leistungen auch nach ihrem kirchlichen Tarifrecht vergüten, äußert sich die „Humanistische Alternative Bodensee“ (HABO) kritisch. Dem Einzugsgebiet der HABO gehört der Landkreis Konstanz an, aus welchem „Caritas“ und andere kirchliche Wohlfahrtsdienste die ins Parlamente eingereichte Petition vehement unterstützen.

Der Sprecher der HABO, Dennis Riehle, bemängelt das einseitige Vorangehen der kirchlichen Pflegedienste scharf: „Die Eingabe an den Bundestag wird unter dem Deckmantel geführt, wonach die häusliche Pflege aufgewertet und entsprechend besser finanziell entlohnt werden soll. Solch einer Forderung kann wohl tatsächlich kaum jemand widersprechen, denn wir alle wünschen uns, dass diese Schwerstarbeit, die von Pflegediensten unter hohem Zeitdruck und bislang unzureichender Entschädigung geleistet wird, eine intensivere Anerkennung erfährt. Doch dass sich die konfessionellen Sozialdienste hier offenbar bewusst durch das Vorbringen der schlechten Bezahlung ihrer Mitarbeiter die Anerkennung ihrer kircheneigenen Tarifgesetze in der Leistungsvergütung der gesetzlichen Krankenkassen durchdrücken wollen, ist neuerlich ein Beweis dafür, dass es den Petenten scheinbar nicht um die Wertschätzung der häuslichen Pflege geht. ‚Caritas‘ und ‚Diakonie‘ denken bei ihren Wünschen nur an sich – und bezwecken gleichzeitig eine immer weitergehende Verankerung ihrer Parallelgesetzgebung, zu deren weiterer Akzeptanz sie die öffentlichen Stellen auf diesen Wegen verpflichten wollen. Die Trennung von Kirche und Staat rückt durch solche Vorhaben in immer größere Ferne“.

Die badische Initiative der katholischen Pflegedienste wird vom „Deutschen CaritasVerband“, aber auch durch den „Katholischen Verband der Altenhilfe“ und den „Evangelischen Verband für Altenhilfe und Pflege“ unterstützt.

Dennis Riehle, Sprecher
Humanistische Alternative Bodensee (HABO)
Säkular-humanistischer Zusammenschluss

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