Schluss mit Glauben

image_pdfimage_print

cross-159805_640RIP ist ein englisches Kürzel, das nichts mit Jack the ripper (berühmter Londoner Serienmörder) zu tun hat.  Vielmehr steht es für rest in peace, ruhe in Frieden, und schmückt gern die Grabsteine (Bild: OpenClips, pixabay).

Gewissen Entitäten kann man nur wünschen, dass sie in Frieden ruhen mögen, wobei die Betonung durchaus auf Ruhe geben liegen darf. So jemand ist der vielstrapazierte Jesus, dessen Tod viele Leute nicht wahrhaben wollen – sofern er überhaupt jemals gelebt hat.

Die Religion tradiert Ansichten von gestern für Leute von gestern. Es nimmt es nicht wunder, wenn sie das RIP missachtet und ihre vermoderten Protagonisten dem Grab zu entreißen versucht. Aber nicht alle lassen sich das auf alle Zeit bieten. Es gibt immer mehr Menschen, die vom Glauben zum Wissen konvertieren.

Den Entglaubungsprozess von Neil Carter kann man in dem Artikel Why I Broke Up with Jesus (10.11. bei patheos.com) nachvollziehen. Es liest sich wie das Ende einer Liebesgeschichte voll unbeantworteter Anrufe (Carter spricht von "calls", "letters" und "pictures"). Wir referieren frei in der modernen Sprache, die Carter schreibt:

Vor 5 Jahren machte ich Schluss mit Jesus. Als ich gefragt wurde, warum, da gab es viele Antworten. Die wichtigste war, dass er auf meine Anrufe nicht reagierte. Ich fragte meine Freunde, warum ich nie was von ihm hörte, und da kam jeder mit einer anderen Erklärung an. Keine davon machte mich so recht glücklich:

  • Die einen sagten, er hörte meine Anrufe, aber er reagierte nicht drauf, weil ich etwas anderes wollte als er. Er antwortet aber nur auf Sachen, denen er zustimmt. Huh. Okay.
  • Andere schätzten, ihm hätte meine Tonlage nicht gefallen. Vielleicht hab ich ihn nicht gefragt, ob ich ihn auf die richtige Art anrufe? Keine Ahnung.
  • Ein Typ sagte, er würde mir nur antworten, solange ich keine Zweifel hätte, dass er antworte. Das hörte sich recht grenzwertig an.
  • Wieder andere sagten, es war so, weil er gerade nicht antworten konnte, irgendwie stimmte das Timing nicht. Fragt sich, wieviel Jahre man warten soll, bevor man annehmen darf, dass die Connection tot ist?
  • Dann sagten welche, er antwortet manchmal nicht, weil er sehen will, wie lange die Leute trotzdem dranbleiben. Hört sich, naja, irgendwie pervers an, wenn ihr mich fragt.
  • Schließlich informierte mich ein Typ, ich sollte überhaupt nie eine Reaktion erwarten. Vielleicht hatte ich ja keinen Anspruch auf Kommunikation mit ihm. Oder er kommunizierte telepathisch durch andere Leute, die nichts davon ahnten, dass sie sein Werk taten. Dazu fehlen mir die Worte.

Ich erklärte ihnen, je mehr ich drüber nachgedacht hatte, desto weniger glaubte ich, dass Jesus jemals meine Anrufe gehört hatte, und was meint ihr, was sie darauf entgegneten? Sie sagten, in Wahrheit hörte er meine Anrufe, aber er achtete darauf, dass man nicht erkennen konnte, dass er es tat. Er antwortete auf dieselbe Art, dass es nämlich genauso wie keine Antwort aussah. Das ist … huh. Okay. Das ist irre. Hört sich richtig plemplem an.

Wo ich schon am Zweifeln war, hörten sich die Erklärungen verdächtig an. Schaut her, er antwortete ja auch nicht auf deren Anrufe. Stattdessen holten sie sich ihre Antworten aus den Briefen, die er ihnen schrieb – nun ja, nicht ganz. Er schrieb ihnen nicht wirklich. Seine Freunde schrieben Briefe über ihn, und sie schrieben an ganz andere Leute. Das erklärt ganz gut, warum die Auslegungen meiner Freunde über seine Funkstille so sehr über Kreuz lagen, finde ich.

Also ging ich hin und schaute meine Tagebücher an, um mich an die besseren Zeiten zu erinnern, die ich mit Jesus hatte. Dabei bemerkte ich etwas Überraschendes. Er tauchte auf den Bildern gar nicht auf. Überhaupt nicht. Erst meinte ich, das war, weil er die Bilder selber aufgenommen hatte. Vielleicht war er auch bloß auf der Seite oder sonstwie außer Sicht, als all die Bilder gemacht wurden? Das ist einfach bizarr.

Je mehr ich über meine Zeit mit Jesus nachdachte, desto mehr löste sich das alles auf. Es wirkte wie ein Traum, an den man sich kaum erinnern kann, wenn man aufwacht. Dabei war es doch alles wahr, oder nicht? Ich war doch wohl nicht ganz bei Trost, so zu denken?

Nachdenklich führte ich mir die ganzen unbeantworteten Anrufe vor Augen, die ganzen ungeschriebenen Antwortbriefe, weder direkt an mich, noch indirekt, und ich vergegenwärtigte mir all die Bilder, auf denen ich nur mich selber sehen konnte – da begann sich das anzufühlen wie eine Beziehung zu jemandem, der gar nicht da war.

Dann dämmerte es mir. Wenn meine Beziehung zu dieser Person so fadenscheinig war, so jenseits der Wahrnehmbarkeit, welchen praktischen Unterschied machte es dann, wenn ich die Sache einfach sausen ließ?

Und das tat ich dann. Ich ließ es sausen. Und wißt ihr was? Ich hab's nicht vermisst, ganz einfach, weil da nichts zu vermissen war. Ich hatte erkannt, dass das Leben ohne ihn exakt dasselbe war wie das Leben mit ihm.

Deshalb hab ich mit Jesus Schluss gemacht.

godless

Siehe auch Religion beweist: Es gibt ein Leben nach dem Hirntode

Visits: 921 Today: 3 Total: 1629734
Mehr zum Thema: