Mafiöse Trends

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lifebelt-160144_640Derzeit sammeln die Gegner der Prohibition Punkte. Bei wissenbloggt ist das nachzulesen in Stamp out Prohibition! Wie wenig Lerneffekt bisher eintrat, wie fern man von einer rationalen Abwägung von Schaden und Nutzen ist, und wie sehr Prohibition der  staatlichen Willkür folgt, ist dort beschrieben.

Weitere Argumente liefert die Süddeutsche Zeitung in Flüchtlingselend im Mittelmeer – Wie das Boatpeople-Business immer brutaler wird (2.1.): Die Rede ist von einem neuen "Grad der Grausamkeit", denn die Schlepper setzen zunehmend auf große Frachtschiffe, weil ihnen das mehr Einnahmen sichert (Bild: OpenClips, pixabay).

Das Elend der Flüchtlinge wird immer professioneller von der Schleppermafia ausgenutzt. Die organisierte Flucht ist ein Milliarden-Geschäft geworden. Zuerst wurden abgetakelte Fischerboote aus Holz eingesetzt, dann nicht hochseetaugliche Schlauchboote, die dem Seegang nur ein paar Stunden standhalten konnten.

Jetzt ist man bei großen Viehtransport-Frachtern angelangt, und das Geschäftsmodell wurde nochmal verfeinert. Die Crew geht von Bord und lässt das Schiff per Autopilot weiterfahren. Die Flüchtlinge bekommen ein Satellitentelefon, in dem die Notrufnummer programmiert ist – offenkundig zielt das darauf ab, dass ein Rettungsschiff herbeigerufen wird, um zu übernehmen. Selbst die Retter werden also für das Mafia-Modell instrumentalisiert.

Kriminalisierung

Bei den Flüchtlingen passiert dasselbe wie bei Prostitution, Glücksspiel, Alkohol, Drogen und auch Doping. Das Verbot – die Prohibition – ruft eine  Mafia auf den Plan, die das Verbot umschifft. Verbotener Grenzübertritt von Menschen, Alkoholladungen oder Drogen schafft enorme Wertsteigerungen für das Verbotene. Dasselbe gilt für Prostitution, Glücksspiel und Doping, die durchs Verdrängen in den Untergrund teurer werden.

Jedesmal, wenn etwas kriminalisiert wird, schafft das eine neue Klasse von Kriminellen. Das ruft die Rackets auf den Plan und schafft einen gesetzlosen Sumpf, in dem die Gaunerbanden prosperieren. Selbst im Sport erkennt man solche Ansätze, der Sumpf bei FIFA und IOC ist undurchdringlich, die Amigos schützen ihre Pfründe gegen alle Doping-Ermittlungen.

Das liefert den Gegnern der Prohibition starke Argumente. Selbst beim Flüchtlingswesen läuft es erkennbar falsch. Dies kann kein Argument für die totale Freizügigkeit sein, bei der jeder gehen kann, wohin er mag. Das ist denkbar in einer dünn bevölkerten Welt, wo jeder Mensch kostbar ist. In einer Welt der Übervölkerung, wo die Menschen um die besten Plätze konkurrieren, funktioniert das nicht.

Bei der Migration ist die Lage also anders als bei der sonstigen Prohibition, die man einfach aufheben kann. Was da gebraucht wird, ist die staatliche Übernahme der Initiative. Die Migration muss global geregelt werden, und die Regeln müssen demokratisch abgesegnet sein. Hilfe vor Ort, Hilfe zur Selbsthilfe, und Emigration nur dort, wo es lebensgefährlich ist – so kann ein gerechtes System aussehen.

TV und Internet haben die Menschen mit schlechten Staaten unzufrieden gemacht. Die Medien können aber auch zur Aufklärung eingesetzt werden. Jeder Betroffene weiß dann, dass er sich nicht mit der Mafia einlassen muss, wenn sein Anliegen regulär ist. Wenn nicht, muss er wissen, dass er die Regeln nicht umgehen kann, sondern dass er zuhause an einem besseren Leben arbeiten muss; und dies Ziel sollte unterstützt werden.

Eine andere sinnvolle Ausnahme für die Prohibition ist schlecht denkbar. Nicht einmal die Prohibition für das "Opium fürs Volk" – für die Religion – macht Sinn. Was verboten ist, lebt auf, und die religiöse Mafia wäre schnell dabei zu profitieren.

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