Asymmetrische Sensationsmache

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charlieDie Medien sind voll von der Terrorattacke auf das Pariser Sátiremagazin Charlie Hebdo. Die Wochenzeitschrift war 2011 schon das Ziel eines Brandanschlags, 2012 und 2013 musste sie geschützt werden, nachdem sie ein paar Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatte. Am 7.1. gab es dann eine Attacke mit höchster Feuerkraft, die fast die gesamte Redaktion ausrottete. Verständlich, dass die internationalen Medien unausgesetzt darüber berichten.

Worüber nur ganz sparsam berichtet wird, das ist der Terror in der anderen Richtung, dessen Dimensionen aber größer sind. Bei 500 Drohnenangriffen außerhalb Afghanistans und des Iraks wurden in 10 Jahren insgesamt 3.674 Menschen getötet, schreibt ZEIT ONLINE am 1.12.14 in Drohnenangriffe – Obamas unerklärter Krieg. Weitere Zahlen und Fakten liefert wiki bei Drohnenangriffe in Pakistan. Wenn man die Zahlen für Afghanistan und den Irak daumengepeilt hochrechnet, kommt man auf ca. 10.000 Opfer des Drohnenkriegs in 10 Jahren.

In dem Zeit-Artikel wird eine Kollateralschadensquote für die Drohnen ausgerechnet: Wie "präzise" und "schonend" also ist diese angebliche Wunderwaffe, wenn mit jedem Terrorverdächtigen mindestens weitere 28 Menschen ihr Leben lassen müssen? (Auf der Basis von 34 mutmaßlichen Terroristen als Opfer, die oft mit mehreren Angriffen verfolgt wurden, bis mit ihnen zusammen 1.147 mutmaßlich Unschuldige umgebracht wurden, darunter 150 Kinder.)

Den Drohnenkrieg hat der amerikanische Präsident persönlich zu verantworten, weil er jeden Einsatzbefehl unterschreibt. Das ist Rechtsbruch schwersten Grades, denn die Beschuldigten erhalten keine Chance, sich zu verteidigen. Zudem setzen die Geheimdienstler der CIA (und manchmal auch die US-Militärs) Drohnen nicht nur gegen konkrete und namentlich bekannte Personen ein. Laut Zeit fliegen sie auch Angriffe gegen Unbekannte, die der Computer aufgrund ihrer Verhaltensmuster als verdächtige "Terroristenführer" herauspickt.

Das langjährige Mittel des US-amerikanischen Terrors fordert also rund 3 Tote pro Tag, von denen nur 0,2 schuldig sind (Korr. 9.1.). Alle 4 Tage erfüllen die USA die Pariser Quote von 12 Toten – und das zieht nur einen Bruchteil der Medienaufmerksamkeit auf sich. Und das, obwohl der US-Präsi versprochen hat, die Drohnenangriffe einzustellen. Er macht aber trotzdem damit weiter, erneut hält ein US-Präsi sein Versprechen im Antiterrorkampf nicht ein.

Es wäre eine Sache der Gerechtigkeit, wenn die Menschen sich nicht nur mit Charlie Hebdo identifizieren, "je suis Charlie", sondern auch mit den unschuldigen Drohnenopfern. Und wenn sie alle Terroristen verurteilen, nicht nur die Allahu-akbar-Schreier von Paris, sondern auch den US-amerikanischen Präsi Obama.

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