Kratzen an Tabus

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long-25529_640Doppelte Maßstäbe bilden die Grundlage jeder Diskriminierung, deshalb muss vor dem Recht jeder gleich sein. Das sollten z.B. die Staatsanwälte  lernen, die unsere grundgesetzlich verbotene Zensur durchführen (Bild: Nemo, pixabay).

Aber es geht nicht um die spezielle deutsche Heuchelei bei der Zensur, die einerseits verboten ist und andererseits durchgeführt wird und vor allem bei Nazikram zuschlägt. In diesem Artikel geht es um europäisches Kulturgut. Die meisten Ländern Europas haben das Leugnen des Holocausts verboten, und in Deutschland ist die Leugnung des Holocausts unter Strafe gestellt. Wieso fällt das nicht unter Meinungsfreiheit?

Wenn schon, denn schon, könnte man sagen. Warum darf man die GULags in der Sowjetunion leugnen, ohne strafrechtlich belangt zu werden, den Völkermord an den Indianern und die Genozide an den Sachsen, den Preußen, den Tasmanen, den Hereros, den Armeniern, den Tutsi? Oder die Massaker der kroatischen Ustascha an den Serben oder der Serben an den Bosniaken; die Massenmorde Stalins, (speziell in der Ukraine), die Massenmorde Pol Pots und Maos? Warum darf man leugnen, dass Mao ganz China in ein KZ verwandelt hatte?

Im Zuge der der Bewegung Wir sind Charlie wurde heftigst für die Meinungsfreiheit eingetreten. Wer den Gott Allah für eine Phantasiegestalt hält, darf das sagen, und wer Mohammed für einen Lügner hält, darf ihn dementsprechend karikieren. Gleiches gilt für den Christengott und seinen Flilus. Es gilt auch für den jüdischen Gott Jahwe und das gesamte biblische Personal. Aber gilt es auch für den Holocaust?

Nein, der Holocaust ist sakrosankter als alles andere, und dagegen erheben sich Stimmen. Meinungsfreiheit – Natürlich darf man den Holocaust leugnen! schreibt DIE WELT am 23.2. Der Autor Alan Posener berichtet über den Cartoonisten Art Spiegelman, dessen Eltern das KZ Auschwitz überlebt haben, und der deshalb des Nazitums unverdächtig ist.

Spiegelman beging einen Tabubruch, als er Ende der 1980er-Jahre die Geschichte seiner Eltern als Holocaust-Überlebende in Form eines Comics zeichnete. Einen erneuten Tabubruch beging er, als er bei einer New Yorker Podiumsdiskussion über die Folgen des Charlie-Hebdo-Attentats für die Meinungsfreiheit sprach.

Als echter Provokateur zeigte sich Spiegelman enttäuscht über die Printmedien seiner US-Heimat, die sich weigerten, die Charlie-Hebdo-Karikaturen abzudrucken (in einem Gespräch mit der Konkurrenz, der Zeit).

Wenn schon, denn schon, war Spiegelmans Standpunkt, das Recht auf Beleidigung und Beleidigtwerden müsse für alle gelten. Deshalb also auch das Recht auf Holocaust-Leugnung. Die Welt zitiert seine Worte: Mein Herz und mein Kopf schlagen da unterschiedliche Richtungen ein. In meinem Herzen denke ich: 'Fuck you, you bastard Nazi shit.' Aber wenn man Holocaust-Leugnung unter Strafe stellt, verschwindet diese Haltung ja nicht. Es gibt immer noch die gleichen verrückten Faschisten, die nur darauf warten, endlich sagen zu dürfen: 'Damals wurden nur acht Leute umgebracht, und die Öfen waren zum Brotbacken!'

Die Welt kommentiert das damit, dass bastard Nazi shit sei, wer leugne, aber man sollte diesen Leuten nicht noch den Gefallen tun, ihre Ansichten zu verbieten und sie damit aufwerten (wobei die Namen von solchen Protagonisten genannt wurden).

Es sei absurd, dass man den Holocaust nicht leugnen darf. Auch wenn das eine Beleidigung der letzten Überlebenden und eine Besudelung ihrer Erinnerung darstellt, sollte das durch die Meinungsfreiheit gedeckt werden. Dazu sei sie schließlich da, damit nicht bloß Wahre, Schöne und Gute gesagt werden darf.

Die Entwicklung geht aber andersrum, so der Welt-Artikel. In der gesamten EU solle bald nicht nur die Leugnung des Holocausts verboten sein, sondern die öffentliche Duldung, Leugnung oder massive Trivialisierung von Genozid-Verbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. Die müssen dann mit einem bis drei Jahren Gefängnis bestraft werden – selbst Gottesleugnung ist billiger (außer in Scharia-Staaten).

Wer also trivialisiert, muss mindestens 1 Jahr sitzen, und das kann Historikern oder Publizisten schnell passieren, wenn sie an dem Thema arbeiten. Mit diesem Ausflug in die Bevormundung zielt die Welt auf ein Pamphlet namens “Europäisches Rahmenstatut zur nationalen Förderung der Toleranz“. Erarbeitet wurde das vom ECTR (European Council on Tolerance and Reconcilation), einer Nichtregierungsorganisation. Anscheinend steht das Machwerk immer noch zur Verabschiedung an.

Bei wissenbloggt wurde berichtete in Europäische Union will “intolerante Bürger” überwachen, bei CitizenTimes kann man auch eine Petition dagegen zeichnen. Die Welt wälzt die Schrecken des Meinungsfreiheits-Abschaffungs-Gesetzes weiter aus, es wolle die Verbreitung von Traktaten, Bildern oder anderem Material unter Strafe stellen, das sich gegen eine Gruppe von Personen oder ein Mitglied einer solchen Gruppe definiert durch Rasse, Hautfarbe, Religion, Abstammung oder nationale oder ethnische Zugehörigkeit richtet.

Damit werde das Verbot der Religionskritik in Europa wieder eingeführt, und in der Praxis werde das auf ein Verbot der Islam-Kritik hinauslaufen. So also sieht die Welt die logischen Folgen vom Holocaust-Leugnungs-Verbot. Schon deshalb müsse man gemäß Art Spiegelman 'Charlie Hebdo' lieben, weil es jede Richtung beleidige. Seine Worte: Wenn man anfängt, gegenüber einer Gruppe vorsichtig zu sein und Rücksicht zu nehmen und gegenüber anderen nicht, dann ist es schon vorbei mit der Meinungsfreiheit.

Fazit: Schon um das unselige EU-Vorhaben mit der obrigkeitlich überwachten Toleranz zu verhindern, muss weiter an den Tabus gekratzt werden. Den Holocaust gab es nicht. Der Mensch war nicht auf dem Mond. Griechenland ist nicht pleite. Die Erde ist eine Scheibe. Jawoll.

 

 

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