Wie funktioniert die Naturwissenschaft? Teil 1

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fairy-309929_640Dr. Peter Hank ist so freundlich, uns an seinen Vorträgen über das Thema Naturwissenschaft teilhaben zu lassen. Es geht darum, die Welt der Magie und Wunder zu objektivieren, die Gesetze hinter den Phänomenen zu erkennen, und die Wissenschaft als den wahren Hort der Wunder kennenzulernen.
 

Gibt es Wunder?

Wie funktioniert die Naturwissenschaft? Teil 1

Nachdem ich vor einiger Zeit einen meiner Vorträge für die Volkshochschule in mehrere Blogbeiträge umgesetzt habe, möchte ich das jetzt mit dem zweiten Vortrag – „Wie funktioniert die Naturwissenschaft?“ – wiederholen.

Bevor es aber zum „Wie“ geht, will ich erst noch die Frage nach dem

„Warum Naturwissenschaft“

beantworten.    
Sicherlich haben schon früh die Menschen begonnen, sich die Natur um sie und den Himmel über sich anzusehen und zu beobachten. Und sie haben auch versucht, sich die Welt um sich herum zu erklären.
The debris from a supernova observed in 1604.[1] Sternbild Schlangenträger


Im Bild oben haben sie nicht nur zufällig verteilte Lichtpunkte gesehen. Man versuchte, die Anordnung der Sterne zu erklären und ihnen eine Bedeutung zu geben; so sahen die Griechen früher darin eine Figur mit einer Schlange im Arm – den Schlangenträger Äskulap, der von Zeus erschlagen wurde, weil er es sich angemaßt hatte, mit seiner Heilkunde einen Toten aufzuwecken.

Kepler_Drawing_of_SN_1604[2] Darstellung Johannes Kepler

Und natürlich gilt das nicht nur für das Sternbild Schlangenträger. Wenn man sich die Bilder und Mythen um die einzelnen Sterne und Sternbilder ansieht, dann findet man wunderbare, anregende Geschichten und phantastisch schöne Erzählungen,

aber

heute wissen wir natürlich – dank der Naturwissenschaft – , dass es diese Linien und Figuren am Himmel nicht gibt, die Sterne mehr oder weniger zufällig am Himmel verteilt sind und Sterne, die am Himmel nahe benachbart erscheinen, oft ganz unterschiedlich weit entfernt sind und nichts miteinander zu tun haben.  

Das bedauern viele, denen die naturwissenschaftlichen Erklärungen kalt vorkommen, die vielleicht auch bedauern, dass der Mensch nicht im Mittelpunkt der Welt steht und sie sich um ihn dreht und vielleicht auch, dass die eigene Existenz für den Kosmos nicht die geringste Bedeutung hat.

Und was ich dann oft höre, ist:

Die Wissenschaft hat die Wunder aus der Welt vertrieben.

Aber stimmt das wirklich? Natürlich, für uns heute sind die Geschichten um den Schlangenträger reine Phantasiegebilde, aber dafür eröffnet uns die Naturwissenschaft neue Geschichten und neue Erzählungen, die mindestens ebenso phantastisch, aber darüber hinaus auch noch überprüfbar richtig sind.

Nehmen wir uns nochmal das Sternbild Schlangenträger vor, aber sehen wir uns das Sternbild nicht im Optischen an, sondern wie es aussieht, wenn man die von dort kommende Röntgenstrahlung betrachtet:
The debris from a supernova observed in 1604.[3] Sternbild Schlangenträger im Röntgenlicht

Das Bild zeigt die Überreste einer Supernova, einer gigantischen Sternexplosion. Die ausgedehnten Wolken im Bild sind die Explosionsüberreste eines Sterns, der vor über 400 Jahren explodierte und die heute noch so heiß sind, dass sie im Röntgenlicht leuchten. Und im ersten optischen Bild, das denselben Himmelsausschnitt zeigt, bleibt dieses Wunder des Universums verborgen.

Für mich verschwinden die Wunder des Universums nicht, weil es eine Erklärung für sie gibt.

Nein, in vielen Fällen wird die Welt dadurch noch viel wunderbarer. Wenn man an den Sternenhimmel schaut und dort nur Lichtpunkte sieht, dann sieht man auch nicht mehr als ein x-beliebiger Affe.     

Aber wenn man beim Blick in den Himmel dort Sterne sieht und bedenkt, dass diese größer als München, Deutschland, Europa, ja Hundert mal größer als der Planet Erde sind und weiter weg als man es sich vernünftigerweise vorstellen kann; wenn man weiß, dass auch die Sterne geboren werden, leben, sich verändern und dann vergehen; wenn man weiß, dass auch der Kosmos einen Anfang hat und ein Ende haben wird,  

dann hat man Wunder gesehen, gegen die alle mythischen Geschichten verblassen und die wahr sind.

Bildnachweis:

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