Abstieg vs. Klassenerhalt

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cheerleaders-654377_640Vor einem Jahr heß es an dieser Stelle Hannover gerettet … Braunschweig verloren …  Diesmal könnte man sagen, Hannover gerettet, Freiburg verloren Aber so richtig nimmt man das doch nicht ernst, oder?

ZEIT ONLINE (aus Hamburg) zeigt sich ganz unpatriotisch mit dem Artikel  Bundesliga – Und wieder nervt der HSV (24.5.): Viele hoffen, ja flehen, der HSV (Hamburger Sportverein) möge endlich absteigen. Doch mit dem 2:0 über Schalke strapaziert er erneut Gerechtigkeitsgefühle und stiehlt sich in die Relegation.

Solche Parteilichkeit liegt nicht jedem. Von hier aus könnte man höchstens anmerken, dass noch ein Element beim Fußball fehlt: die Cheerleader (Bild: szeeze, pixabay). Ansonsten ist die Welt des Dramas rund um den runden Ball perfekt. Oder auch nicht.

Die Facetten sprechen gegeneinander, wenn man das Thema nicht gerade aus der Fanperspektive anschaut. Ja, sollen sie sich doch abreagieren, die Fans, aber irgenwie hat das einen religiösen Beigeschmack … Geschmackssache.

Einerseits muss man als Deutscher dem deutschen Fußball dankbar sein für eine sagenhafte Imagewerbung rund um die Welt. Die Fußballer haben mehr fürs Land getan als die meisten Kabinettsmitglieder. Und nötig hat's das Land, das so sehr auf Verkäufe im Ausland angewiesen ist.

Aber müssen es dann gleich Millionarios sein? Reicht es beim Profisport nicht, wenn die Leute genug verdienen, um ihr Studium zu bezahlen oder eine gute Zeit zu verbringen? Ist es nicht übertrieben, wie hart sie trainieren und wie perfekt sie spielen?

Sicher ist es bewunderungswürdig, wenn einer das Füßchen hinhält und einen 50-m-Ball stoppt. Und das Leistungsprinzip ist nirgends so sauber  realisiert wie im Sport. Abseits vom Doping gilt dort Preis für Leistung. Wer's bringt, steigt auf und kassiert, wer's nicht bringt, steigt ab. Das ist die andere Seite.

Aber um welchen Preis? Vele zucken zusammen, wenn sie das Geschiebe und Gezerre sehen, und wie die Fußballer sich in die Beine treten und gegenseitig umhauen. Nun gut, in Britannien nehmen sie das ganz cool, und wer umgetreten wird, steht auf, schüttelt sich und geht weitertreten. In diesen unseren Landen ist's italienisch angehaucht. Viele Talente geben den strebenden Schwan. Wenn man sie nur anstupst, fallen sie um und winden sich in vorteilschindender Qual – gehört das alles dazu?

Tja, bei aller Bewunderung für die Leistung ist das ein bissel zuviel. Zuviel Bezahlung, Zuviel Ernst, zuviel Merchandizing. Kein Profitpotential bleibt ungenutzt. Wie heißt der Trainer vom FC Bayern? Granola? Wenn nicht, hat das Merchandizing eine Unterlassungssünde begangen.

Früher wurde der Sport mal erfunden, um Spaß an der Freud zu haben. Damals standen die olympischen Spiele unter dem Motto Dabeisein ist alles. Heute heißt es the winner takes it all. Und der loser steigt ab und verschwindet am besten ganz vom Erdboden. Ein gräßliches Bild gibt das für die Jugend ab, und dabei ist noch nicht mal das hinterfotzige Sponsoring erwähnt. Vornerum umsonst, hintenrum kostet's das Doppelte.

Ach ja, um den Abstiegskampf ein wenig aufzulockern, wagen wir ein Späßchen: "Der Trainer ist zu jung um den Klassenerhalt zu schaffen." "Ach wo, der ist ein echtes Talent. der hat schon in der Schule dreimal den Klassenerhalt geschafft."

Wer bis jetzt noch nicht weiß, dass es um Bundesligafußball geht, der kann sich glücklich schätzen und darf sich einrahmen lassen.

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