Gottesbeweise? Man glaubt es nicht!

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liebecomestruthMGEN steht für Man glaubt es nicht! Der Anspruch der site in Twitter-Länge: Wir bei MGEN gehen fest davon aus, dass eine Welt ohne Religion, ohne stumpfe Gläubigkeit und ohne religiös motivierten Hass eine bessere Welt wäre. Dieser Blog ist unser winziger Beitrag dazu.

Diesmal besteht der Beitrag darin, die Anti-Gottesbeweise aus dem Raum MGEN zu sammeln und aufzulisten. Weil's so schön ist, gleich noch eine Sammlung von wissenbloggt hinterdrein. Vielleicht interessiert es, wie z.B. Gödel hier und da abgehandelt wird. Und ein bissel Humor darf bei wb auch mal sein. Zunächst aber die MGEN-Sammlung:

Zwischenstand bei den Gottesbeweisen: 0 – 20

Seit etwa zweieinhalb Jahren schauen wir uns im Rahmen dieses Blogs Argumente für die Existenz des jüdisch-christlich-islamischen Bibel-Gottes Jahwe an, wie sie von Theisten immer wieder vorgebracht werden. So ein Beweisgang besteht in der Regel aus einer Reihe von Annahmen und daraus hergeleiteten logischen Schlüssen. Am Ende steht dann meist ein “Und daraus folgt: Die Gottheit Jahwe existiert!”

Damit ein Beweis stimmt, müssen naheliegenderweise sowohl die Annahmen als auch die logischen Herleitungen korrekt sein. Sind die Annahmen unzutreffend oder die Schlüsse unlogisch, ist der Beweis falsch. Das bedeutet dann natürlich noch lange nicht, dass das Gegenteil gelten muss, also der jeweilige Gott ganz sicher nicht existiert – lediglich der Beweis für die Existenz ist im Einzelfall gescheitert.

Bei den betrachteten Ansätzen zeigen sich immer wieder dieselben logischen Fehler (oder Fallen?) Oft wird die Existenz einer Gottheit trickreich formuliert in den Annahmen eingebracht – und dann am Ende triumphierend geschlussfolgert! Sehr schön klar wird das beim ontologischen Beweis. Etwas vereinfacht:

(A1) Der Gott ist das Wesen mit der perfekten Kombination von Eigenschaften.
(A2) Ein Wesen ohne die Eigenschaft “Existenz” ist nicht perfekt.
(S) Der Gott hat die Eigenschaft “Existenz”, existiert also.

Derart vom rhetorischen Gestrüpp befreit wird klar, dass (A1) die Existenz einer Gottheit bereits versteckt voraus setzt. Ein ehrliche Formulierung müsste lauten:

(A1) Der Gott existiert. Er ist das Wesen mit der perfekten Kombination von Eigenschaften.

Dass daraus dann “Der Gott existiert!” folgert, wird niemanden überraschen.

Ein zweiter üblicher Logikfehler ist der Sprung von “der Gott existiert” zu “darum ist meine Religion richtig!” Die bekannten Gottesbeweise versuchen lediglich die Existenz irgend eines göttlichen Wesens zu beweisen. Der logische Sprung zu “das ist Jahwe, der Gott des Christentums, das daher stimmt!” ist völlig willkürlich und erfolgt ohne jede Begründung. Mit genau der gleichen Berechtigung könnte man zu Krishna springen, zu Zeus oder Papa Schlumpf. Fragt man hier nach, hört man oft die eher unbefriedigende Antwort “Das steht in der Bibel, an deren Wahrheit glaube ich ganz fest.”

Von den bislang angeschauten Beweisen für die Existenz von Göttern war kein einziger korrekt. Hier sind sie im einzelnen:

Also haben wir (je nach Zählung, einiges wiederholt sich) 20 bis 25 der bekanntesten und meist verwendeten Gottesbeweise angeschaut – bislang war kein einziger schlüssig. Im Gegenteil: Wir haben einige durchaus solide Ansätze (hier und hier) gezeigt, die beweisen, dass zumindest die Gottheit Jahwe nicht wie behauptet existieren kann.

In der Sammlung fehlen noch eine Reihe von Argumenten, wie zum Beispiel das Transzendentale Argument für Gott (TAG) und das Kalam-Argument, eine etwas verschwurbelte Version des kosmologischen Beweises. Daneben verdienen auch noch die in den USA aktuell als chic geltenden Präsuppositionisten eine nähere Betrachtung. Es bleibt also spannend – wer weiß, vielleicht ist ja doch noch ein gültiger Beweis für die Existenz (zumindest irgend einer) Gottheit dabei …

Link zum Originalartikel bei Man glaubt es nicht!

Links zu den wissenbloggt-Anti-Gottesbeweisen

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10 Gedanken zu „Gottesbeweise? Man glaubt es nicht!

  1. Ein meines Erachtens sehr starkes Argument für die Existenz Gottes ist das Argument des Aristoteles für die Existenz eines „unbewegten Bewegers“, welches eine Version des „kosmologischen Gottesbeweises“ ist. Im folgenden Vortrag präsentiert der Philosoph Edward Feser dieses auf der aristotelischen Metaphysik basierende Argument:

    http://vimeo.com/60979789 

    Das betreffende Argumente kann wie folgt zusammengefasst werden, , wobei die von Feser ebenfalls vorgestellten Argumente für die verschiedenen göttlichen Attribute nicht berücksichtigt sind: In unserer Welt sehen wir Veränderungen unterschiedlichster Art. Aber was genau ist eigentlich eine Veränderung? Der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v. Chr.) sah Veränderung dadurch charakterisiert, dass ein einem Objekt innewohnendes Potential verwirklicht wird. Diese Charakterisierung kann am Beispiel von Wasser veranschaulicht werden. Wasser kann sich beispielsweise verändern, indem es bei 0° C gefriert oder bei 100° C verdampft. Diese Veränderungen können sich jedoch nur deswegen ereignen, weil Wasser das Potential hat, bei 0° C zu gefrieren sowie das Potential, bei 100° C zu kochen. Das Vorhandensein solcher Potentiale allein reicht jedoch noch nicht aus, um diese Veränderung zu bewirken. Hierzu bedarf es jeweils einer äusseren Ursache, welche das entsprechende Potential verwirklicht. Wasser beispielsweise kocht nur dann, wenn es eine Wärmequelle gibt, welche es auf mindestens 100° C erhitzt.

    Eine weitere von der Temperatur abhängige Veränderung von Wasser besteht darin, dass zu Eis gefrorenes Wasser bei 0° C schmilzt. Das Schmelzen eines Stücks Eis kann konkret dadurch geschehen, dass es der Wärme der Sonne ausgesetzt wird. Die Wärme der Sonne wiederum gibt es nur, weil im Inneren der Sonne Wasserstoffatome zu Heliumatomen umgewandelt werden und bei diesem Prozess Energie freigesetzt wird. Damit aber das Potential zur Umwandlung von Wasserstoff- zu Heliumatomen verwirklicht wird, bedarf es wiederum einer äusseren Ursache. Diese Ursache wiederum kann ihr Potential zur Umwandlung von Wasserstoff- zu Heliumatomen nur verwirklichen, wenn es wiederum eine äussere Ursache gibt, welche dies ermöglicht. Diese Kette von zur Verwirklichung von Potentialen benötigten Ursachen kann jedoch nicht unendlich viele Glieder haben; in unserem Beispiel enden die naturwissenschaftlich beschreibbaren Vorgänge auf der Ebene der Elementarteilchen.

    Aber kann die Kette auf der Ebene der Elementarteilchen abbrechen? Bedürfen nicht auch die betreffenden Veränderungen einer äusseren Ursache? Wenn man Aristoteles folgt, muss die Frage bejaht werden. Eine solche Ursache kann jedoch nicht etwas sein, was der materiellen Welt angehört, sondern sie muss geistiger Art sein. Nun muss jedoch diese Ursache geistiger Art nicht unbedingt Gott sein; es kann sich auch um irgendein Geistwesen handeln. Aber auch dieses Geistwesen könnte die betreffende Wirkung nur bewerkstelligen, wenn es ein Potential hierfür besitzt. Damit aber dieses Potential verwirklicht wird, bedarf es wiederum einer äusseren Ursache. Die Zahl der Ursachen, welche Potentiale verwirklichen können kann jedoch nicht unendlich sein, sondern es muss eine erste Ursache ohne unverwirklichte Potentiale geben, und diese erste Ursache schliesslich ist Gott.

    Es könnte sich nun die Frage stellen, ob es nur eine einzige solche erste Ursache mit keinen unverwirklichten Potentialen geben muss oder ob es nicht deren mehrere geben kann. Nun, es kann deswegen nicht zwei oder mehrere solcher Ursachen geben, weil diese, damit sie voneinander unterscheidbar sind, jeweils Merkmale aufweisen müssen, die den jeweils anderen Ursachen fehlen. Wenn dies aber der Fall ist, dann kann es nicht sein, dass irgendeine dieser Ursachen keine unverwirklichten Potentiale hat, denn damit dieser Fall vorliegen würde, dürfte bei der betreffenden Ursache kein Merkmal fehlen. Damit ist gezeigt, dass es nur einen Gott geben kann.

    Eine ausführliche Präsentation dieses Arguments sowie anderer philosophischer Argumente für die Existenz Gottes kann im folgenden Buch nachvollzogen werden:

    Edward Feser, Der letzte Aberglaube: Eine philosophische Kritik des Neuen Atheismus, Heusenstamm 2012.

  2. Hier kann man mit einer Fabel beginnen:

    Ein Mensch und ein Hund unterhalten sich. Der Mensch fragt: "Hund, warum bist du ein Hund?" Hund: "Ich bin ein Hund, weil meine Eltern Hunde sind." Mensch: "Warum sind deine Eltern Hunde?" Hund: "Sie müssen Hunde sein, weil schon ihre Eltern Hunde waren." Mensch: "Und warum sind deine Großeltern Hunde?" Der Hund hat jetzt drei Möglichkeiten. Fragen und Antworten ziehen so lange hin bis der Hund oder der Mensch ermattet darnieder sinkt. Der Hund erklärt: "Meine Großeltern müssen Hunde gewesen sein, weil ich ein Hund bin." (Ein Verfahren übrigens welches einige Philosophen in dicken Büchern verwenden, weil sie hoffen, dass der Leser durch eine verquaste Prosa so erschöpft wird, dass er den oder die Zirkelschlüsse nicht mehr erkennt). Die letzte Möglichkeit besteht darin, dass der Hund die Begründungskette abbricht: "Mensch, das wird mir zu blöd und halte jetzt die Schnauze." Diese höchst unbefriedigende Situation ist in der Philosophie als Münchhausen-Trilemma bekannt. 

    Man kann als letzte Ursache immer einen Gott postulieren. Ein Akt der Verzweiflung, weil einem nichts besseres einfält. Außerdem stellt sich hier sofort die Frage, wer oder was den Schöpfer geschöpft hat. 

    Die einzige Möglichkeit besteht darin, die Begründungskette an einer Stelle zu unterbrechen und den gegebenen Sachverhalt als ausreichend begründet anzuerkennen, sich aber immer bewußt zu sein, dass dies bei einem Irrtum revidiert werden muss.

  3. Der Haupt-Denkfehler bei diesem Gottesbeweise besteht darin, daß die Existenz keine Eigenschaft ist.

  4. Patrick Sele sagt: 6. Juli 2015 um 13:45

    Ein […] starkes Argument für die Existenz Gottes ist …

    … dass (er ?) als Sinnbild (für das Schöpferische oder für sonst irgendwas) in den Köpfen von Menschen vorhanden ist. Jenseits davon jedoch nicht.

    By the way: Was ist mit Göttinnen ? Erklärung dazu ?

    Eckhardt Kiwitt, Freising

  5. Eckhardt Kiwitt: „By the way: Was ist mit Göttinnen ? Erklärung dazu ?“

    Da es gemäss dem oben vorgestellten Argument nur einen einzigen Gott geben kann, ist die Existenz mehrerer Götter (oder Göttinnen) ausgeschlossen.

  6. @ Patrick Sele: 7. Juli 2015 um 08:05

    Könnten wir uns dann wenigstens auf eine einzige Göttin einigen — oder ist die Beweislage so eindeutig, dass es keinen Verhandlungsspielraum gibt ?

    Wieso das Gebot (im Tanach, der Hebr. Bibel) „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.“, welches impliziert, dass es andere Götter sehr wohl gibt, man an diese aber nicht glauben, diese nicht zulassen soll ?

    Wie steht's um die Göttinnen Al-Lat, Al-‘Uzza und Manah (Sure 53:19-20), derer sich der Islam-Erfinder Mohammed kurzerhand entledigte, indem er sich einen passenden Koran-Vers „herabsenden“ ließ (53:23) ?

    Eckhardt Kiwitt, Freising

  7. Eckhardt Kiwitt: „Könnten wir uns dann wenigstens auf eine einzige Göttin einigen — oder ist die Beweislage so eindeutig, dass es keinen Verhandlungsspielraum gibt ?“

    Das Argument des Aristoteles für die Existenz eines „unbewegten Bewegers“ weist, falls es erfolgreich ist, nur nach, dass jede Veränderung auf eine erste Ursache zurückgehen muss. Ob diese erste Ursache mit Gott zu identifizieren ist, ist eine andere Frage. In dem in meinem ersten Kommentar erwähnten Vortrag argumentiert Feser ab 00:33:57, dass dies in der Tat der Fall ist.

    Eckhardt Kiwitt: „Wieso das Gebot (im Tanach, der Hebr. Bibel) „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.“, welches impliziert, dass es andere Götter sehr wohl gibt, man an diese aber nicht glauben, diese nicht zulassen soll ?“

    Meines Erachtens ist es nicht klar, dass dieses Gebot impliziert, dass es andere Götter gibt. In Psalm 115,3-8, Jesaja 44,9-20, Jeremia 10,1-16 und 1. Korinther 8,4 wird ausgesagt, dass es die Götter der Heiden nicht gibt.

    Eckhardt Kiwitt: „Wie steht's um die Göttinnen Al-Lat, Al-‘Uzza und Manah (Sure 53:19-20), derer sich der Islam-Erfinder Mohammed kurzerhand entledigte, indem er sich einen passenden Koran-Vers „herabsenden“ ließ (53:23) ?“

    Da ich kein Moslem bin, ist der Koran für mich keine Autorität.

  8. @ Patrick Sele: 8. Juli 2015 um 13:03

    […] dass es die Götter der Heiden nicht gibt.

    Der Satz enthält einen Widerspruch in sich; einerseits anerkennt er, dass "Heiden" sehr wohl ihre Götter haben (… die Götter der Heiden …), andererseits sagt er, dass es eben diese Götter (… die Götter der Heiden …) gar nicht gibt.

    Ich vermute, dass viele Menschen in "Gott" eine personifizierte Autorität und einen Akteur sehen. Ihre Erwähnung von Aristoteles und Feser deutet ebenfalls in diese Richtung. Dem kann ich mich nicht anschließen.

    In meinem ersten Kommentar ( 6. Juli 2015 um 20:43 ) hatte ich es bereits erwähnt:

    "Gott" ist m.E. nur ein Sinnbild — aber keinesfalls ein Akteur; gleiches gilt für Engel und für Teufel (siehe hier: https://islamprinzip.wordpress.com/marginalien –> Gott – Engel – Teufel).

    Beste Grüße

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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