Die Hexe von Kalkutta

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MTMatthias Krause: Mutter Teresa, die Katholische Kirche und das Leid

Die Glorifizierung des Leidens war keine Marotte von Mutter Teresa, sondern ist offizielle katholische Lehre.

Die Medien berichten derzeit über eine kritische Studie kanadischer Wissenschaftler über Mutter Teresa, z.B. hier: Mutter Teresa betete, statt zu helfen.

Ein Vorwurf – der allerdings nicht neu ist – lautet, Mutter Teresa habe das Leiden der Armen glorifiziert.

„Es liegt Schönheit darin, wie die Armen ihr Schicksal erdulden, wie Christus am Kreuz zu leiden“, sagte Mutter Teresa laut dem britischen Journalisten Christopher Hitchens, der ein kritisches Buch über sie schrieb. „Die Welt gewinnt viel durch ihr Leiden.“ [Yahoo!; Hitchens' Buch ist "The Missionary Position: Mother Teresa in Theory and Practice", auch als Kindle-Version und Audiobuch erhältlich]

Ich will nur kurz darauf hinweisen, dass Mutter Teresa damit ganz auf der offiziellen Linie der Katholischen Kirche zu liegen scheint. Auf Kathpedia.de wird diese so zusammengefasst:

Die Christliche [Anmerkung: Gemeint ist wohl die katholische] Wertung sieht gerade im bewussten Todesleiden ein Mittel der Sühne und Reifung, durch das der Mensch, der die Sündenfolgen auf sich nimmt und von den Sakramenten gestärkt, des Erlösers Todesangst mitleidet. Wer solche Zeit eigenmächtig kürzt, greift in die Menschen- wie in die Gottesrechte ein.

Als Beleg wird auf ein Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre verwiesen: Iura bona von 1980. Darin heißt es:

III.
DIE BEDEUTUNG DES SCHMERZES FÜR DEN CHRISTEN UND DIE VERWENDUNG SCHMERZSTILLENDER MITTEL

[…]

Nach christlicher Lehre erhält der Schmerz jedoch, zumal in der Sterbestunde, eine besondere Bedeutung im Heilsplan Gottes. Er gibt Anteil am Leiden Christi und verbindet mit dem erlösenden Opfer, das Christus im Gehorsam gegen den Willen des Vaters dargebracht hat. Es darf deshalb nicht verwundern, wenn einzelne Christen schmerzstillende Mittel nur mäßig anwenden wollen, um wenigstens einen Teil ihrer Schmerzen freiwillig auf sich zu nehmen und sich so bewußt mit den Schmerzen des gekreuzigten Christus vereinigen zu können (vgl.Mt 27,34). […]

Dies wird im Anschluss sogar als “heroische Haltung” bezeichnet.

Man sollte sich also darüber im Klaren sein: Die Vorstellung, dass (sterbende) Menschen, die leiden, irgendwie mit Jesus mitleiden, stellt nicht etwa eine spezielle Auffassung von Mutter Teresa dar, sondern vielmehr die offizielle katholische Lehre.

Immerhin:

Erlaubt ist der Gebrauch narkotischer Mittel, um große Schmerzen zu lindern, selbst dann, wenn sie den Eintritt des Todes beschleunigen. [Kathpedia]

Andererseits:

Passive Sterbehilfe im Sinne von Zurückhaltung der Ernährung (Wasser etc.) ist nicht gestattet, auch nicht wenn die Nahrung durch eine Sonde in den Magen befördert werden muss. [Kathpedia]

Weiter sollte man sich darüber klar sein, dass sich die katholische Kirche nicht damit zufrieden gibt, die obige Haltung den eigenen Mitgliedern zu predigen. Das Mitleiden mit dem christlichen Sündenbock Jesus soll möglichst per Gesetz auch allen Nichtchristen auferlegt werden. So erklärte die Deutsche Bischofskonferenz z.B. im September letzten Jahres:

Als ethisch verwerflich verurteilt [die katholische Kirche] die öffentliche Duldung oder Förderung jeder Form von institutionalisierter Suizidhilfe, deren hauptsächlicher Zweck darin besteht, Notleidenden eine schnelle und effiziente Möglichkeit für die Selbsttötung anzubieten. Ein gesetzliches Verbot lediglich des gewerbsmäßigen, also gewinnorientierten Handelns greift aus ihrer Sicht jedoch zu kurz, da eine solche Engführung sogar den Eindruck erwecken könnte, alle nicht kommerziellen Formen seien als legitim zugelassen.

Quelle: http://skydaddy.wordpress.com/2013/03/08/mutter-teresa-die-katholische-kirche-und-das-leid/

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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18 Gedanken zu „Die Hexe von Kalkutta

  1. Die Not und das Leiden anderer können durchaus der Legitimation eigener Machtansprüche dienen.

    Entmündigung nennt man sowas wohl, bzw. Schaffung oder Anerziehung von Mündeln.

    Kennt man vielfach auch aus der Politik.

    Die Hamas bei den Palästinensern und die Muslimbrüder in Ägypten machen es übrigens nicht wesentlich anders.

  2. Hallo,

    erstmals möchte ich mich zurückmelden und alle herzlichst grüßen.

    Frank, ARE, ILEX, Indy, Simbo, Kanto, etc…etc…..

    Kommetar folgt noch.

  3. Ich fasse es nicht, Die Hexe von Kalkutta, Diese Frau war ein Albtraum – in vielen Dingen, aber besonders was die Sterbehilfe anging.

    Ich weiß es schon lange, dass sie Todkranken und Patienten mit starken Schmerzen die Hilfe zur Schmerzlinderung verweigerte. Es gingen immer wieder Gerüchte um, dass sie zentnerweise Schmerzmittel bunkerte und sich weigerte sie den Betroffenen zu verabreichen, Diese Gerüchte erwiesen sich leider als wahr. Nach dem Tod dieser Hexe, fand man die Massen an Medikamente in großen Räumen gestapelt – wie gesagt zentnerweise.
    Ich weiß am eigen Leib was es heißt starke Schmerzen zu haben und wenn ich dann von solchen Wahnsinnigen höre, dann, tut mir leid, geht mir der Kamm hoch.
    Auf der Pallliativstation bringen die Angehörigen und Freunde ihre todkranken Leute auf die Station. Die Betroffenen können fast nicht mehr laufen, so erschöpft sind sie vor Schmerz und haben nur einen Wunsch: Erlösung von diesen unerträglichen Schmerzen.
    Immer wieder erzählen uns Angehärige und Freunde, wie laut und furchtbar ihre Leute zu Hause schreien vor Schmerzen weil sie es nicht mehr aushalten. Die Betroffenen weinen und flehen um Hilfe – unterbrochen vom Schreien und Wimmern wegen der SChmerzen. Dies ist keine Übertreibung, dies ist Realität.
    Ich weiß, dass die Katholische Kirche es als einer der Glaubensgrundsätze sieht, dass die Leute leiden, weil sie dadurch Sühne erhalten und leichter ins Himmelreich zwitschern können.
    Diesem religiotischen Verein attestiere ich nur eines: Hochgradige Paranoide Schizophrenie.
    Wie krank muss man sein, um sich am Leiden des Anderen zu ergötzen – vielleicht für die Nonnen und Priester sowas wie Orgasmusersatz. Sehr pathologisch.

  4. Frank, so langsam bin am genesen und komme wieder in Form. Danke.
    Gruß an Alle.

  5. Mutter Teresa bekam ja bekanntlich den Friedensnobelpreis – also kann sie nur eine Gute gewesen sein 😉

    Das ganze Verhalten kommt mir irgendwie bekannt vor: Ja, im Mittelalter wurden Krankheiten als Strafe Gottes angesehen, deswegen waren Heilerinnen bei der katholischen Geistlichkeit nicht sehr beliebt – und manchmal sogar als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Also wie im Islam: vorwärts zurück ins Mittelalter…

  6. Hallo liebste Azrail,

    Dank Kantomas habe ich Dich hier entdeckt. Willkommen zurück. Ich bin so froh, dass es Dir wieder besser geht.

    Ich habe viel an Dich gedacht und Dir beide Daumen gedrückt. Dass es Dir wieder besser geht macht mich überaus glücklich.

    Liebe Grüsse zurück und schone Dich noch, Ein langes , glückiches Leben wünscht Dir von Herzen.

    Simbo

  7. Mit großer Freude vernehme ich, das Azrail wieder hier ist, sehen wir zu das wir ihren weiteren Genesungsweg unterstützen können. :lol:

  8. Lieber Indy, Danke für deine lieben Wüsche!
    Stell dir vor. Die Hexe ist vom Papst vor etlichen Jahren selig gesprochen worden. Für was? Für das, sie Schwerkranken die nötige Hilfe verweigert hatte?
    Meinem Simbolein natürlich auch einen lieben Gruß zurück.

    Nun zrück zu unser aller Hexe. Die indische Regierung ehrte sie mit einem Staatsbegräbnis, das pompöser nicht sein konnte. Man kann sich nur auf den Kopf langen.

  9. Auch von mir ein zünftiges Welcome Back Azrail. Habe deine Texte immer gern gelesen. Und ja, man sollte die Hexe von Kalkutta wirklich jagen und nicht heiligsprechen.

  10. Hallllllllooooo KOLAT, alter Krieger, Danke,,

    zurück zu unser aller Hexe. Du hast Recht, diese Scheinheilige gehört verbrannt. Vor ca. 3 Jahren kam im Nachtprogramm ein kritischer Bericht über diese Hexe. Sie hatte doch tatsächlich ihre Hexenhelferinnen intruiert, dass sie Schwerkranke und Sterbende überzeugen sollten, dass sie zum christlichen Glauben konvertieren. Man muss bedenken, dass Indien nicht nur hinduistisch und buddhistisch ist, sondern auch viele Muslime und Andersgläubige wie den Jains, Juden und die Parser haben.
    Sie hatte es fertiggebracht die Menschen in ihrer Not so unter Druck zu setzen damit sie zum anderen Glauben missionieren. Diese Frau war wahnsinnig und fanatisch. Es ist unglaublich. Sie sagte in dem Filmbeitrag zum Journalisten, dass sie damit Jesus wieder eine Seele gebracht hätte und den armen Betroffenen einen Platz im Himmelreich, mir wurde schlecht angesichts dieser verblödeten Aussage. Es ist unfassbar.
    Hier noch ein kleines Bonmot zum Sonntag:

    "Die Dummheit ist die Sonderbarste aller Krankheiten. Der Kranke leidet niemals an ihr. Aber die Anderen leiden".
    – von Paul Henri Spaal. Wie wahr, genauso war es mit der Hexe von Kalkutta. Möge die Göttin Kali sie in die Hölle abholen. OOOOMMMMMM.

     

  11. "Er gibt Anteil am Leiden Christi und verbindet mit dem erlösenden Opfer, das Christus im Gehorsam gegen den Willen des Vaters dargebracht hat."

    Das habe ich jetzt 5x gelesen …  Das ist doch sprachlicher Käse. "… gegen den Willen des Vaters" bedeutet, dass dieser was auch immer genau nicht wollte.

    Es müsste doch wohl eher heißen:

    "Er gibt Anteil am Leiden Christi und verbindet mit dem erlösenden Opfer, das Christus im Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters dargebracht hat."

    Nur muss die Kirche jetzt im hiesigen Kontext noch erklären, warum der Satz "Eloi, eloi lama sabachthani?" (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?) überliefert ist …

  12. Den Begriff "Hexe" halte ich für unpassend. Besser wäre: "Die Perverse von Kalkutta". Der Begriff der Perversion trifft die Sache nämlich exakt.

    Man möchte ihr zurufen: "Lasset uns Sünder sein! Welch Christus-Nähe ist das lächerliche Leid dahinsterbender Bettler im Vergleich zum Leiden der Hölle!" 🙂

  13. Hallo lieber Ilex, wieso ist mein Beitrag bzw. die Antwort auf Kolat unter Moderation? Könntest du ihn bringen?

    Gruß

    Frank: Da ist der Wurm drin! Ich kann nichts entdecken.

  14. Ein Kleriker hatte ein etwas ungewöhnliches Verhältnis zu Sünde: Rasputin. Natürlich wollte er Sünden austreiben, aber dazu musste er erstmal für entsprechende Sünden sorgen. Da er nur Sexualität als Sünde sah, war er eifrig und ausdauernd mit Liebschaften beschäftigt. Nach dem Orgasmus war die Sünde ausgetrieben, und dann ging es fleißig weiter mit dem Sündenaustreiben.

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