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Sternstunden der Wissenschaft

SternstundenRezension von Dr. Gerfried Pongratz: Lars Jaeger:

„Sternstunden der Wissenschaft

Eine Erfolgsgeschichte des Denkens“

© Südverlag GmbH, Konstanz 2020, ISBN 978-3-87800-140-9, 335 Seiten.

 

Dem Physiker, Unternehmer und Buchautor Lars Jaeger ist es ein wichtiges Anliegen, die Bedeutung von Wissenschaft und technologischer Entwicklung, aber auch von Philosophie und Geschichte, einem breiten Publikum nahe zu bringen, wissenschaftliches Denken in seinen Aus- und Wechselwirkungen zu erläutern und die Möglichkeiten, aber auch Gefahren neuester Technologien aufzuzeigen. Sein neuestes Buch beschreibt den Siegeszug der Wissenschaften auf der Basis von intellektuellen Tugenden, die unser Denken ausmachen und die es gerade in Zeiten von „fake news“ zu verteidigen gilt; es bietet historisch und thematisch weitumfassende, tiefgründige Lektüre auf populärwissenschaftlich hohem Niveau.

 

In vier Teilen mit zahlreichen Kapiteln und Unterkapiteln, deren Überschriften die Inhalte bereits erahnen lassen, wird dargestellt, „wie Europa als erster Kulturraum das wissenschaftlich-rationale Denken ´erfand`, das die westliche Welt letztlich zur wirtschaftlichen und politischen Vormachtstellung führte“. Lars Jaeger begründet diese Entwicklung mit vier wesentlichen Tugenden, die als einmalige Kombination aus kulturellen, ökonomischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten aufeinandertrafen und bis heute hohe Bedeutung besitzen.

 

Als erste Tugend nennt er „Die Abkehr von Dogmen“, deren Kern die wissenschaftliche Methode des methodischen Zweifels bildet. Über mehr als ein Jahrtausend war in Europa jegliches Denken über die Natur und den Menschen von religiösen Dogmen beherrscht. Erst ab dem 12. Jahrhundert nahm mit dem Theologen Peter Abaelard (1097-1142) ein langer Prozess seinen Anfang, der sie zunehmend infrage stellte. Uneingeschränktes Streben nach Wahrheit, verbunden mit intellektueller Redlichkeit und die Akzeptanz der Möglichkeit eigener Irrtümer bilden die Voraussetzung, die Welt immer besser so zu erfassen, wie sie wirklich ist: „Allumfassende Welterklärungsmodelle, philosophische Gedankengebäude und wissenschaftliche Theorien müssen immer wieder auf den Prüfstand.“

 

Vertrauen in die eigene Beobachtung“ bildet die zweite Tugend. „In der Wissenschaft kommt es auf die eigene, überprüfbare Wahrnehmung an, nicht auf einen kollektiven Glauben“. Die ersten Schritte zur Beobachtung der Natur mit dem Ziel, ihre Gesetze zu verstehen, unternahm der arabische Physiker Ibn al Haitham (965-1040). Nur sehr langsam setzte sich die Auffassung durch, dass sich die Welt nur durch den Einsatz der eigenen Sinne und der phänomenologischen Erfahrung realitätsnah erfassen lässt. Dieser empirische Ansatz bildete die Basis für das wissenschaftliche Experiment; Wissenschaftler begannen, Beobachtungen unter künstlichen Bedingungen durchzuführen, wobei die von Lukrez weitergeführte Lehre Epikurs über Roger Bacon und Francis Bacon vom Experiment zum Fortschrittsoptimismus führte.

 

„Die Suche nach dem Großen Ganzen“, verbunden mit „Vertrauen in die unbestechliche Mathematik“ ergibt die dritte Tugend. „Die Sprache der Natur ist die Mathematik“ (Galileo Galilei) – nur mit ihrer Hilfe lassen sich aus isolierten Beobachtungsdaten allgemeine Naturgesetze herleiten, aus deren Kenntnis die Möglichkeit entsteht, sich ihrer gezielt zu bedienen. Ausgehend von Archimedes, über Kopernikus, Newton, Leibniz usw. beschreibt der Autor den Siegeszug der Mathematik.

 

„Die Umsetzung von Wissen in Technologie“, bzw. „Die Anwendung von Wissen zum Wohlergehen der Menschheit“ bildet die vierte Tugend. Mit ihr wurde und wird das Wohlergehen der Menschen immer weiter gesteigert, wobei nicht übersehen werden darf, dass Technologien auch bewusst eingesetzt werden, Menschen zu schaden. Sie können aber auch unbewusst, bzw. unbeabsichtigt – siehe Klimawandel – dazu führen, dass ihr Einsatz gravierende Verschlechterungen der Lebensbedingungen mit sich bringt. Wissenschaft macht die Welt nicht besser, ihre Umsetzung in Technologien muss Risiken objektiv erfassen und ausschalten, oder zumindest minimieren.

 

Die Verankerung der vier Tugenden im Denken der Menschheit war und ist von ständigem Auf und Ab gekennzeichnet. Derzeit sieht sich der westliche Kulturkreis mit der großen Herausforderung konfrontiert, dass alle vier Tugenden gleichzeitig angegriffen werden; beispielsweise durch:

  • Fundamentalistisch-dogmatische Bewegungen mit großer Anhängerschaft.
  • Die Unterschätzung des Wertes kritischen Denkens und eigener Wahrnehmung, womit „fake news“ immer größere Bedeutung erlangen.
  • Die Aufteilung der Welt in Informations- und Wahrheitsblasen. Das große Ganze gerät aus dem Fokus, es wird salonfähig, sich eigene „Wahrheiten“ zurechtzubasteln.

 

„Sternstunden der Wissenschaft“ beschreibt, wie sich nach der Zerstörung antiken Wissens durch religiöse Fundamentalisten dessen Wiederentdeckung und Transfer aus dem oströmischen und arabischen Kulturraum vollzog und wie neben der Überwindung von Dogmen und der Verminderung kirchlich-religiöser Deutungshoheit zahlreiche weiterer Einflüsse – z.B. durch die Entdeckung der „Neuen Welt“, die Erstarkung des Bürgertums, die Erfindung des Buchdruckes – zu mehr Innovationswettbewerb führten. Neben der Beschreibung erzielter Fortschritte, aber auch eingetretener Rückschläge, würdigt der Autor eine Vielzahl bedeutender Denker mit ihren Beiträgen von der griechischen Antike bis zur Neuzeit, von Platon bis zu Albert Einstein, wobei er auch die bei dieser Entwicklung entstandenen Auseinandersetzungen und technologischen Umstürze beleuchtet. Last not least ist es ihm ein Anliegen, auf die Gefahren der Gegenwart durch „Populismus als Feind der wissenschaftlichen Tugenden“ hinzuweisen.

 

„Sternstunden der Wissenschaft“ bietet – erhellt durch zahlreiche aufschlussreiche Originalzitate und mehrere Abbildungen – eine lange, spannende Reise durch die Erfolgsgeschichte des wissenschaftlichen Denkens, der Autor verbindet damit „…eine große Hoffnung: Wenn wir erkennen, wie lang und mühsam der Weg war, bis das rationale Denken endlich den Glauben an Autoritäten und Magie vertreiben konnte, werden wir auch den vier wissenschaftlichen Tugenden wieder mehr Wertschätzung entgegenbringen. Denn dann erkennen wir, dass rationales Denken nicht selbstverständlich ist – und wir die Tugenden der Wissenschaft niemals kampflos preisgeben dürfen.“

 

Gerfried Pongratz 10/2020




مولد النبي

Morgen, am 29. Oktober 2020 (nach unserer Zeitrechnung), feiert ein Teil der islamischen Welt ein Fest zu Ehren der Geburt des Religionsgründers Mohammed. Dieser Tag wird in den unterschiedlichen islamischen Ländern nicht nur recht unterschiedlich benannt (zum Beispiel Türkei: Mevlid, Tunesien: Mouled, Pakistan und Indien: Milad Unn Nabi, etc.) sondern auch höchst unterschiedlich begangen. In den asiatischen Ländern finden Massenumzüge mit grünen Fahnen statt (siehe Titelfoto einer Demonstration in Bhadohi, Indien), im Maghreb ist es zwar ein offizieller Feiertag, doch mehr als eine kurze Ansprache und ein Gebet im Fernsehen vom Mufti gibt es in aller Regel nicht. In solchen Reden wird heutzutage zumeist auf das „vorbildliche Leben“ des Propheten hingewiesen und seine besondere gesellschaftliche und soziale Rolle in den Vordergrund gerückt.

Solche Feste sind erst seit dem Mittelalter überliefert und auch heute noch gibt es Länder, in denen keinerlei Feierlichkeiten stattfinden, so ausgerechnet im Geburtsland des Propheten, Saudi-Arabien. Auf den ersten Blick mag dies verwundern, doch macht es im Sinne der Strenggläubigen durchaus Sinn.

So schreibt etwa die Wikipedia: „Von dogmatischen Muslimen wie den Wahhabiten, den Ahl-i Hadîth oder strengen Sunniten wie den Deobandi wird diese Feier als unzulässige Neuerung (Bid'a) und als verbotene Vergötterung Mohammeds abgelehnt. Die Gegner des Mawlid an-Nabi argumentieren zusätzlich damit, dass es eine Nachahmung des christlichen Weihnachtsfestes sei. Andere Muslime sagen, Mohammed selbst und seine Gefährten hätten bereits seinen Geburtstag besonders begangen, allerdings mit Fasten, nicht mit Festlichkeit.“

Wir freuen uns jedenfalls über den freien Tag (ganz so wie auch die Masse der Tunesier) und werden ihn dazu nutzen, einen ausgedehnten Einkaufsbummel zu machen, da trotz des Feiertags alle Geschäfte geöffnet sind.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mawlid_an-Nabi

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Papst Franziskus ist aalglatt!

Pope Francis during his weekly general audience in St. Peter square at the Vatican, Wednesday. 12 June  2013

Pope Francis during his weekly general audience in St. Peter square at the Vatican, Wednesday. 12 June 2013

Es ist nicht das erste Mal, dass Papst Franziskus mit scheinbar progressiven Forderungen auf sich aufmerksam macht. Seine aktuellen Äußerungen, wonach er sich offenkundig für einen „zivilen“ Schutz von homosexuellen Lebenspartnerschaften ausspricht, ist neuerlich ein Versuch des Pontifex, auf die Lebenswirklichkeit der Menschen zuzugehen. Doch seine offenkundige Nächstenliebe und Barmherzigkeit sind trügerisch: Kaum ein anderer Kirchenmann vor ihm fuhr einen derartigen Zickzack-Kurs wie der amtierende Bischof von Rom. In sexualethischen und gesellschaftlichen  Fragen kann sich niemand auf Franziskus verlassen. Seine Bemühungen, die Kurie zu einen, sind seit langem gescheitert.

 

Nun fordert der Papst sein Bodenpersonal und das Kirchenvolk erneut heraus. Viele Kardinäle und Pfarrer an der Basis zeigten sich überrascht über die Worte von Franziskus, hat er doch in der Vergangenheit immer wieder kritisch über Schwule und Lesben gesprochen – vor allem dann, wenn es darum ging, sie in die Kirche zu integrieren. Zwar war ihm die Annahme des homosexuellen Menschen als Geschöpf Gottes stets ein Anliegen, ihr Ausleben der eigenen Sexualität betrachtete aber auch Franziskus entsprechend der katholischen Lehrmeinung als schwierig – wenn nicht gar als sündhaft.

 

Nicht nur seine Empfehlung an Eltern homosexueller Kinder, sich an einen Psychiater zu wenden, stieß in der Vergangenheit auf Gegenwind – wenngleich Franziskus seine Worte kurze Zeit später wieder zurücknahm. Auch seine Feststellung, wonach es sich bei gleichgeschlechtlicher Liebe um eine „Modeerscheinung“ handele, brachte ihm von der schwul-lesbischen Community harsche Kritik ein. Und nun soll sich plötzlich alles ändern? Die angebliche Neuausrichtung des Papstes wirkt unter Beachtung seiner Grundhaltung als wenig glaubwürdig, bleibt er trotz manch anderslautender Hoffnungen ein konservativer Hardliner, der es versteht, seine tatsächlichen Überzeugungen derart schwammig zu verkaufen, dass er in der Gesellschaft kaum auf Widerspruch stößt. Thematische und inhaltliche Verlässlichkeit gehören offenbar nicht zu den Stärken von Franziskus.

 

Er wirkt wie ein von allen Seiten Getriebener, der es dem Mainstream durch einen Schritt nach vorne rechtmachen möchte, ehe er von der Wirklichkeit der vatikanischen Tradition eingeholt wird. Das dort herrschende Klima zwingt den Papst zu regelmäßiger Relativierung und Richtigstellungen seiner Aussagen – wenngleich es seinem Naturell entspricht, zurückzuruden. Es ist schwer, diesen Pontifex in Sachfragen richtig einzuschätzen. Hat er überhaupt einen klaren Standpunkt, an dem sich die klerikale und gläubige Welt langfristig orientieren kann? Für Homosexuelle ist die Aussage von Franziskus kein Meilenstein. Vielmehr stellt der Papst die in vielen Ländern dieser Welt bereits geltende Selbstverständlichkeit heraus, wonach gleichgeschlechtliche Paare den rechtlichen Schutz des Staates genießen sollen. Für ihren Stand in der Kirche hat diese Feststellung keinerlei Konsequenz.

 

Man kann davon ausgehen, dass im römischen Katholizismus nicht nur hinter vorgehaltener Hand auch weiterhin die Anstößigkeit homosexuellen Lebens gepredigt wird. Der Jubel, der nach den neuesten Verlautbarungen von Franziskus in der LSBTQ-Bewegung ausgebrochen ist, scheint unter diesen Gesichtspunkten doch reichlich verfrüht. Denn weder der Pontifex selbst, noch die Theologen in den Kirchen vor Ort scheinen daran interessiert, auch von kirchlicher Seite auf Schwule und Lesben zugehen zu wollen. Was nutzt homosexuellen Menschen, die als praktizierende Christen am Gemeindeleben teilhaben wollen, der päpstliche Wunsch, man möge ihnen zumindest staatliche Absicherung gewähren? Nein, es gibt keinen Grund, von einer positiven Wende in der dogmatischen Bewertung homosexueller Lebenspartnerschaften zu sprechen. Für Franziskus bleibt die Homo-Ehe ebenso ausgeschlossen wie eine seelsorgerliche Würdigung gleichgeschlechtlichen Zusammenlebens.

 

Dennis Riehle

Martin-Schleyer-Str. 27

78465 Konstanz

 




Trump rühmt sich als Corona-Bekämpfer

TrumpIn der Diskussion mit Biden am 22.10.2020 rühmte sich Trump, er sei für seinen Umgang mit der Corona-Pandemie von vielen Staatschefs gelobt worden.

Das motivierte meineneinen, die erbrachten Leistungen der Trump-Regierung in diesem Bereich im Weltvergleich zu überprüfen, dazu wurden Werte in der Corona-Weltstatistik auf die Fälle pro Million Einwohner umgerechnet, das sah dann so aus:

Man sieht: an der Spitze liegen Kleinstaaten, sogar der Vatikan liegt weit vorne, er hat zwar nur 27 Infizierte und liegt in der Parade der Gesamtzahl der Infizierten auf Platz 205, aber der Vatikan hat bloß 802 Staatsbürger, also dadurch pro Million Einwohner 33.666 Infizierte und liegt damit auf Platz 10 der Pro-Million-Hitparade, der Papst hat somit weniger getan Corona getan als der Trump, weil der hat nur 26.121 Infizierte pro Mio. Einwohner!.

Die USA liegen damit auf Platz 15, die haben allerdings über 331 Millionen Einwohner und 8,664 Millionen Infizierte! Schauen wir uns einige Staaten an die auch hunderte Millionen Einwohner haben! Das Dritteweltland Brasilien hat 213 Mio. Einwohner und 5,33 Mio. Infizierte, pro Mio. EW 25.033, Brasilien brachte also etwas mehr zusammen als das hochentwickelte Trumpland! Oder Russland mit 145 Mio. EW und 1.480.646 Infizierten liegt mit einem Millionenschnitt von 10.026 nur auf Platz 56, da ist der Putin somit um mehr als 60 % besser als der Trump! Oder nehmen wir Pakistan mit 222 Mio. Einwohner und 326.216 Infizierte: Platz 136 für nur 1.468 Infizierte pro Mio. EW!

Und das einwohnerstärkste Land der Welt, das Land von wo der Corona-Virus stammt, China: das liegt in der Bruttohitparade mit 85.747 Infizierten auf Platz 54, auf die Million gerechnet sind es nur 60 Infizierte und der Platz 202 von 214 Ländern. Je höher der Platz, desto weniger der Schaden! In China wurde ja bald nachdem man den Virus entdeckt hatte, der Ausbruchsort unter Quarantäne gestellt und damit die Weiterverbreitung im Land abgestoppt. Einigen ins Ausland reisenden infizierten Chinesen gelang es dann allerdings noch, den Rest der Welt anzustecken…

Schauen wir nun auch noch zu den Toten im Status der Quote pro Million Einwohner:

Hier liegen die USA mit Platz 12 noch schlechter, vergleichen wir hier mit Österreich, einem gut funktionierenden Sozialstaat!
Austria liegt mit 104 Toten pro Million Einwohner auf Platz 77 und ist proportional damit 6,6mal besser als die Trump-USA! Bei den Infizierten ist es mit 7.963 Infizierten pro Mio. nur das 3,3fache, das belegt jedoch die Überlegenheit des Gesundheitssystems hierzulande über das Gesundheitsgeschäft in den USA!
Und wie steht China diesbezüglich da? Mit drei Toten pro Mio. EW auf Platz 178!

In der TV-Diskussion am 22.10. mit Biden sagte Trump zur Corona-Pandemie, "we're learning to live with it" – Biden antwortete: "People are learning to die from it!"
Der Trump mit seiner Aktionslosigkeit hat sicherlich zur hohen Sterberate in den USA beigetragen! Anfangs tendierte diese Rate gegen sechs Prozent und sie ist jetzt immer noch ungefähr doppelt so hoch wie in Österreich!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Wort zum Sonntag, den 18.10.2020

GuldenFranz_Joseph_1857Mt 22,15-21: Damals kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und wahrhaftig den Weg Gottes lehrst und auf niemanden Rücksicht nimmst, denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Was meinst du? Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört! Als sie das hörten, staunten sie, ließen ihn stehen und gingen weg.

Heute haben wir wieder eine besonders alberne Bibelstelle! Warum sollte der Denar dem Kaiser gehören, weil er auf dem Denar abgebildet ist?

Titelbild: eine österreichische Guldenmünze von 1857 (Wikipedia PD):

Da ist der damalige Kaiser Franz Joseph drauf! Kein Mensch würde da auf die Idee gekommen sein, dass alle Münzen mit Franz Joseph dem Kaiser Franz Joseph gehören! Der Matthäus schrieb seinerzeit einen sinnlosen Blödsinn in seinen Bibeltext!

Da hätte dann ja z.B. dieser Schillingtausender mit dem Bild von Karl Landsteiner

der Familie Landsteiner gehören müssen!


Auf den heutigen Euro-Scheinen und Euro-Münzen sind keine Leute mehr abgebildet, Kaiser haben wir seit 1918 auch keinen mehr, die blöde Frage wie oben zum Denar kann somit heute nicht einmal mehr formal gestellt werden!

Aber das nur nebenbei. Die Bibel sagt nichts darüber, wenn die Kaiser-Denare dem Kaiser gehören, was dann Gott gehört! Schauen wir darum nach, was der Herr Schönborn konkret dazu sagt! Nehmen wir gleich seinen Schlussabsatz: "Jesus hat die Religion klar vom Staat unterschieden. Er hat sich selber den staatlichen Gesetzen und Vorgaben untergeordnet. Aber der Staat darf sich nicht an Gottes Stelle setzen wollen. Die Seele gehört Gott. Das Gewissen steht über dem Staat und ist nur Gott verantwortlich. Aber der Staat dient unserem (irdischen) Wohl. Dafür darf er Steuern einheben."

Meinereiner hat bisher nix davon gehört, dass sich der Staat mit der katholischen Seele beschäftigt, wenn es eine Seele und einen Gott gäbe und dieser Gott der Seeleneigentümer wäre, dann könnte er damit das machen, was er laut Christenlehre tun täte: er kann die Seele in den Himmel aufnehmen oder sie zwecks ewiger Folterung in die Hölle verdammen. Wenn's das also wirklich geben täte, dann hätte sich meinereiner die Verdammung mit seinen antireligiösen Hetzereien – bzw. Aufklärungen – wohl schon redlich erarbeitet. Meinereiner zahlt seine Steuern, weil die werden ja ohnehin automatisch eingehoben, Seele hat meinereiner keine, denn kein Mensch hat eine Seele, das ist nur religiöse Einbildung, ein Atheist leidet nicht daran! Amen, so ist es!


Entnommen bei www.atheisten-info.at




Bücher, die die Welt veränderten

Bücher, dieRezension von Dr. Gerfried Pongratz:

Brian Clegg: „Bücher, die die Welt veränderten“

Die bedeutendsten Werke der Naturwissenschaften von Archimedes bis Stephen Hawking

© Haupt Verlag, Bern 2020, ISBN 978-3-258-08199-1, 272 Seiten.

Der 1955 in Rochdale, Lancashire, geborene englische Naturwissenschaftler und „Master in Operational Research“ Brian Clegg kann als Wissenschaftsjournalist und Buchautor auf ein bedeutendes Oeuvre verweisen, mehr als 30 populärwissenschaftliche Bücher sowie mehrere Biografien über bedeutende Persönlichkeiten wurden von einem breiten Publikum sehr positiv aufgenommen – Clegg gilt als einer der brillantesten Wissenschaftsautoren weltweit.

 

Bücher, die die Welt veränderten“ präsentiert eine Jahrtausendreise durch die Naturwissenschaften; anhand 150 herausragender Werke veranschaulicht Brian Clegg die Entwicklung der Wissenschaft vom Altertum bis zur Neuzeit und bietet gleichzeitig eine umfassende Geschichte der naturwissenschaftlichen Literatur und ihrer Autoren. Beginnend bei Aristoteles führt die literarische Reise über die bedeutendsten Namen und Werke der Wissenschaftsgeschichte bis zu Hawking, wobei es dem Autor gelingt, die jeweiligen Erkenntnisse, aber auch Irrtümer und Fehler, auf hohem Niveau, aber trotzdem auch für Laien gut verständlich, zu vermitteln. Eine Vielzahl von Abbildungen bibliophiler Raritäten und zahlreiche weitere Bilder zu den jeweils behandelten Themen erleichtern das Verstehen und erhöhen das Lesevergnügen.

 

Das Buch gliedert sich nebst Einführung, die die Bedeutung der Schrift und des Schreibens anhand ihrer geschichtlichen Entwicklung würdigt, in fünf Hauptkapitel und schließt mit bibliografischen Hinweisen sowie – sehr hilfreich – einem ausführlichen Register und umfangreichen Bildnachweisen.

 

Vom Altertum bis ins Mittelalter“ nennt sich das erste Hauptkapitel. Es beschreibt mit „fundamentalen Legenden“ u.a. wie sich aus Strichlisten Schriften entwickelten, welche Bedeutung Ton und Papyrus besaßen, wie sich das Universum Aristoteles’ entwickelte, wie wichtig Euklids „Elemente“ wurden, wie die Bücher Archimedes’ die Welt aus den Angeln hoben und was die Werke von Ptolemäus, aber auch früher arabischer Wissenschaftler, bewirkten.

 

Die Renaissance im Druck“ widmet sich den von Büchern ausgehenden geistigen Revolutionen, exemplarisch an Leonardo da Vinci, dem „Meister der Erfindung“, und Nikolaus Kopernikus, mit der „Revolution am Himmel“, dargestellt. Selbstverständlich dürfen dabei u.a. auch Johannes Kepler, William Gilbert, Galileo Galilei, René Descartes, Robert Hooke, Isaac Newton, Carl von Linné, Leonhard Euler nicht fehlen.

 

Klassik in der Moderne“ beschreibt die vom Autor so genannte „Viktorianische Stabilität“ (er ist schließlich Engländer).1804 wird im Deutschen erstmals der Begriff „Wissenschaftler“ geprägt, Berufs-, bzw. Vollzeitwissenschaftler beginnen verstärkt, sich im Gegensatz zu „Amateur-Naturphilosophen“ zu etablieren. An herausragenden Namen mit bedeutenden Werken nennt Clegg u.a. Henry Worthington, John Dalton, John Audubon, Charles Lyell, Alexander von Humboldt, Charles Darwin, Baden Powell, William Herschel, Michael Faraday, James Maxwell, Ernst Haeckel, Alfred Whitehead, Bertrand Russell und Alfred Wegener.

 

Nachklassik“ lässt die „Welt in neuem Licht“ erscheinen. Das Wesen der Realität (Marie Curie, Albert Einstein, Arthur Eddington, Linus Pauling, Erwin Schrödinger, Konrad Lorenz) wird hinterfragt, wie auch philosophische Fragen zur Wissenschaft und Logik mit in den Vordergrund rücken (Karl Popper, Richard Feynman). Auch Fragen zum Menschen als „aufgestiegenes Tier“ (Desmond Morris, Jacob Bronowski, James Watson, Gustav Eckstein, Richard Dawkins) und ökologische Fragestellungen gewinnen an Bedeutung; der Autor erwähnt dabei Rachel Carsons „Silent Spring“, das 1962 als neue Art von Wissenschaftsbuch auch Polemik in die Botschaft mit einbezog und damit großen Erfolg erzielte.

 

Die nächste Generation“ behandelt „Verständnis im Wandel“ u.a. mit der Interpretation der Quantenphysik (David Bohm, John Grippin). Neben Wissenschaftsgeschichte werden dabei auch erzählstarke Bücher mit Wissenschaftsgeschichten und Wissenschaftslegenden vorgestellt (Oliver Sacks, Bill Bryson, Yuval Noah Harari, Peter Atkins) sowie die Bedeutung von Frauen als Wissenschaftsbuchautorinnen (Angela Saini, Sabine Hossenfelder) gewürdigt.

 

Bücher, die die Welt veränderten“ bietet umfassendes Wissen zu 150 ausgewählten Wissenschaftsbüchern und deren Autoren mit zusätzlichen Erläuterungen zur Wissenschaftsgeschichte und der Evolution wissenschaftlichen Schreibens. Die Ausführungen des Autors beschränken sich dabei nicht auf die Vorstellung der Bücher mit ihren Inhalten und historischen Bezügen, sondern beleuchten und bewerten auch übergeordnete Zusammenhänge sowie in den Büchern enthaltene Aussagen – dass dabei britische Autoren ein wenig im Vordergrund stehen, sei ihm nachgesehen. Das mit einer Vielzahl hochwertiger bibliophiler Bilder ausgestattete sehr inhaltsreiche Lesebuch (besonders geeignet für lange Herbst- und Winterabende mit coronabedingten Ausgehsperren) bietet auch als Nachschlagewerk großen geistigen Gewinn und Genuss, wobei zu Letzterem wegen der kleinen Schrift manche Leserinnen und Leser eine starke Lesebrille benötigen werden.

Gerfried Pongratz 10/2020




fowid zum Religions- und Weltanschauungsunterricht

fowidWEIMAR. (fowid/fgw) Die Daten zu den Teilnehmerzahlen am freiwilligen Religions- oder Weltanschauunterricht in Berlin stellen – aufgrund der Freiwilligkeit – eine jährliche Momentaufnahme des Religions- und Weltanschauungsinteresses der Schüler dar. Der Trend der vergangenen zehn Jahre ist gleichbleibend: Die Hälfte der Schüler nimmt an einem derartigen Unterricht teil, der evangelische und der katholische Religionsunterricht verlieren allmählich aber stetig Anteile, die humanistische Lebenskunde kann ihren Anteil kontinuierlich erhöhen.

 

Die Daten zu den Teilnehmerzahlen am freiwilligen Religions- oder Weltanschauunterricht in Berlin werden alljährlich von der zuständigen Senatsverwaltung für Bildung veröffentlicht. (…)

 

Im Rückblick auf die vergangenen zehn Schuljahre seit 2010/1011 zeigt es sich, dass die Situation insgesamt gesehen gleichbleibend ist: Rund die Hälfte der Schüler des jeweiligen Schuljahres nimmt am einem Religions- oder dem Weltanschauungsunterricht teil. Die Tendenz (2013/14: 52,1 Prozent, 2019/2020: 48,7) ist dabei leicht fallend. Das kann zum einen an der Einführung des Ethikunterrichtes liegen, zum anderen aber an einer anhaltenden Säkularisierung unter den Schülern, die sich abnehmend für Religions- oder Weltanschauungsfragen interessieren. (…)

 

„Der Unterricht wird von neun Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften in allen öffentlichen Schulen angeboten, in denen Interesse in der Eltern bzw. Schülerschaft besteht."

 

Der Anteil des evangelischen Religionsunterrichtes verringert sich zwischen 2010 und 2020 von 25,1 auf 21,2 Prozent, der katholische Religionsunterricht von 7,8 auf 6,4 Prozent, der islamische Religionsunterricht verbleibt bei 1,5 Prozent. Die Humanistische Lebenskunde vergrößert ihren Anteil in diesem Zeitraum von 15,6 auf 18,2 Prozent. (…)

 

Eine Untergliederung auf die Schularten verdeutlicht noch einmal den Aspekt der Momentaufnahme für das jeweilige Schuljahr: An den Grundschulen nehmen 72 Prozent, also beinahe drei Viertel der Schüler, an einem Religions- oder Weltanschauungsunterricht teil. An den Gymnasien (23 Prozent), in der Integrierten Sekundarstufe (25 Prozent) und den Schulen mit sonderpädagogischer Förderung (35 Prozent) sind es nur ein Viertel bzw. ein Drittel. Das war auch einer der Gründe für die Einführung des Pflicht-Unterrichtsfach Ethik in den Jahrgangsstufen 7 bis 10. (…)

 

Der hohe Anteil der Lebenskunde an den Grundschulen (35 Prozent) zeigt den Erfolg der besonderen Didaktik dieses Unterrichtes, zum dem Horst Groschopp schreibt:

 

„Das Humanismusverständnis in der Lebenskunde geht davon aus, dass es keinen vorgegebenen Sinn des Lebens gibt, aber Menschen ihrem Leben einen Sinn zu geben vermögen. Dabei sind die Wissenschaften Hilfsmittel, moralisches Handeln zu verstehen und eigene Positionen im Alltag wie in existenziellen Situationen auszubilden. Im Mittelpunkt des Humanismusunterrichts stehen die Würde jedes einzelnen Menschen und ihre Wünsche, gut zu leben. Lebenskunde versucht, bei den Kindern Kraft für Toleranz und Solidarität auszuprägen und ihnen zu helfen, jedem Dogmatismus und religiösem Fanatismus zu widerstehen."

 

Der immer noch in Berlin vorhandene weltanschauliche Ost-West-Unterschied zeigt sich auch in den überdurchschnittlichen Anteilen für den evangelischen Religionsunterricht in Spandau (35 Prozent) und Steglitz-Zehlendorf (30 Prozent) sowie für den katholischen Religionsunterricht in Tempelhof-Schöneberg (12 Prozent) und in Charlottenburg-Wilmersdorf (11 Prozent) – alles Bezirke im Westen der Stadt. Humanistische Lebenskunde hat die höchsten Anteile in Pankow (31 Prozent) und Treptow-Köpenick (28 Prozent) im Osten Berlins.

 

Mehr dazu auf der Webseite der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland.

 

 

(CF)

 




Trump, der Retter des Christentums

DumpTrumpDonald Trump mit Teufelshörnern und gespaltener Zunge.
Ein wenig schmeichelhaftes Graffiti des US-Präsidenten Donald Trump. Foto: Ralf Genge via Pixabay (Pixabay License).

Dass sein Vater das Christentum gerettet habe, erklärte Trump-Sohn Eric jüngst in einem Interview. Denn in den USA tobe, so Eric Trump, ein Krieg gegen den Glauben mit den Demokraten als Partei der Atheisten.

Der Präsidentschaftswahlkampf in den Vereinigten Staaten von Amerika nimmt immer absurdere Züge an. Da eine wichtige Wählergruppe für den amtierenden Präsidenten Donald Trump die weißen Evangelikalen sind, ist sein Wahlkampfteam bereits seit Längerem bemüht, Trump als besonders gottesfürchtig und religionsfreundlich darzustellen.

Einen neuen Höhepunkt dieser Bemühungen stellt nun eine Äußerung von Trumps Sohn Eric dar. Während eines Radiointerviews in North Dakota für die Sendung "What's on your mind?" am 2. Oktober sprach Eric Trump darüber, was sein Vater während seiner Präsidentschaft alles erreicht habe. Unter anderem erklärte Trump jr. hierbei, dass sein Vater das Christentum gerettet habe. Wörtlich sagte er:

"He literally saved Christianity, there's a war on faith in this country by the other side. I mean, the Democratic Party, the far left, has become the party of the quote-unquote atheist, they want to attack Christianity, they want to close churches, they want to – they're totally fine keeping liquor stores open, but they want to close churches all over the country."

"Er hat das Christentum buchstäblich gerettet, in diesem Land gibt es einen Krieg gegen den Glauben auf der anderen Seite. Ich meine die Demokratische Partei, die extreme Linke, ist die Partei der – in Anführungsstrichen – Atheisten geworden, sie wollen das Christentum angreifen, sie wollen Kirchen schließen, sie wollen – sie haben nichts dagegen, Schnapsläden offen zu halten, aber sie wollen Kirchen im ganzen Land schließen."

Die Aussage sorgte bei Twitter gleichermaßen für Kopfschütteln, Entsetzen und Häme. Eric Trumps Äußerung ist, wie viele Aussagen aus dem Trump-Lager, zugleich konfus, mit Falschaussagen gespickt und doch von durchschlagender Wirkung für bereits überzeugte Wähler.

Mit der Schließung von Kirchen bei gleichzeitiger Öffnung von Geschäften bezieht sich Trump jr. wahrscheinlich auf Regelungen während der Corona-Pandemie. Die Kirchenschließungen aus Seuchenschutzgründen, die übrigens nicht nur in demokratisch regierten Staaten stattfanden, werden zum Beweis dafür herangezogen, dass die Demokraten grundsätzlich für die Schließung von Kirchen seien, einen Krieg gegen den Glauben führten und überhaupt die Partei der Atheisten seien. Doch weder haben die Demokraten jemals die grundsätzliche Schließung von Kirchen gefordert, noch wäre dies nach der amerikanischen Verfassung überhaupt möglich. Dem aufgebauten Strohmann wird schließlich Donald Trump als Heilsbringer und Retter des Christentums entgegengestellt.

Eine wirksame rhetorische Taktik, die insbesondere bei den einfacher gestrickten Wählern Trumps funktionieren dürfte. Dass der Retter des Christentums im Verdacht steht, außerehelichen Sex mit einer Pornodarstellerin gehabt zu haben, und dass er es nachweislich mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, kurzum christlichen Idealen nicht wirklich entspricht, scheint diesen Wählergruppen herzlich egal zu sein.

 

Entnommen bei www.atheisten_info.at




Was ist los in Medjugorje?

MedjugorjeEntnomen bei Atheisten-info.at!

Von den angeblichen Marienerscheinungen im bosnischen Pilgerort Medjugorje hört man eigentlich so gut wie nichts mehr. Die katholische Gottesmutter Maria soll dort seit 1981 regelmäßig via Frauen ihre Botschaften versendet haben. Die österreichische Medjugorje-Homepage schaut aktuell (am 7.10.2010) so aus:

Die letzte Botschaft von der Gottesmutter Maria ist vom 25. Juni 2020, also mehr als drei Monate alt, der angeführte Artikel "Keine Beweise für Betrug" verweist auf einen kath.net-Text von 2014, "Betet, betet für die Gabe der Liebe" ist von 2013 und das darunter positionierte Lied führt zu einem Song auf kath-Tube ebenfalls von 2013, viel ist auf dieser Site nimmer los!

Das deutsche Pendant ist noch in Betrieb und verkündigt die Marienbotschaft vom Oktober 2020:

Seit 1981 verkündigt ja die Maria solche religiöse Banalitäten. Die Zahl der Pilger dürfte weniger werden, früher hatte es geheißen, jährlich kämen dorthin drei Millionen medjugorjegläubige Katholiken, jetzt ist von einer Million die Schreibe.

Auf der österreichischen Site sind keine Reiseankündigungen, hier ein aktueller Screenshot von der BRD-Site:

Hier also gibt's auch österreichische Reisen.

Vom Vatikan gibt es keine Anerkennung für die Erscheinungsmärchen, aber einen Freibrief fürs Pilgern in einen kirchenrechtlich nicht vorhandenen Wallfahrtsort, Aberglaube ist ja schließlich die Grundlage des Glaubens…

Was zeigt das alles? Es ist jedenfalls ruhiger um den angeblichen Wunderort geworden, aber in echt gläubigen Kreisen erzeugt das von der Kirche nie anerkannte Medjugorje immer noch Interesse, man pilgert immer noch in den offiziellen Nichtpilgerort mit inoffizieller vatikanischer Pilgererlaubnis. Geht ja, Naivität und Dummheit tun ja schließlich nicht weh…

 




Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl

aigner-download_0Rezension von Gerfried Pongratz: Wissenschaft ist wunderschön und unentbehrlich – besonders in Zeiten von Fakes und Unsinnverbreitung!

Florian Aigner: „Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl

Eine Liebeserklärung an die Wissenschaft?“

© Verlag Brandstätter, Wien 2020, ISBN 978-3-7106-0467-6, 255 Seiten.

Erfolgreiche populärwissenschaftliche Autoren beleuchten die Faszination wissenschaftlichen Fortschritts, indem sie neben wissenschaftlicher Betrachtungsweise auch die Perspektiven interessierter Laien einnehmen und mit vereinfachtem Fachvokabular Spannungsbögen erzeugen. Der junge promovierte Quantenphysiker und Wissenschaftspublizist Florian Aigner verfügt über diese Fähigkeit; im vorliegenden Buch vermittelt er – tiefgründig und humorvoll – wissenschaftliche Erkenntnisse und die Grundlagen wissenschaftlichen Denkens. Sein erstes Buch „Der Zufall, das Universum und du“, wurde 2017 zum Wissenschaftsbuch des Jahres gewählt, sein nunmehr zweites besitzt das Potential, diesen Erfolg zu toppen.

 

„Wissenschaft bezeichnet die Gesamtheit des menschlichen Wissens, der Erkenntnisse und der Erfahrungen einer Zeitepoche, welches systematisch erweitert, gesammelt, aufbewahrt, gelehrt und tradiert wird“, heißt es in Wikipedia. „Was können wir wissen? Was sollen wir glauben? Und worauf dürfen wir uns in dieser verwirrenden Welt verlassen?“, lautet der Eingangssatz im Vorwort des Buches, der wenig später zu „Wir wissen mehr über unsere Welt als je zuvor. Und gleichzeitig wird mehr Unsinn über unsere Welt verbreitet als je zuvor“, erweitert wird. Mit diesen beiden Sätzen ist der Zweck des Werkes umrissen: Der ständig wachsenden Flut von Fakes sowie dem überbordenden Überhandnehmen von Unsinn, Esoterik und Pseudowissenschaft entgegenzutreten und die Bedeutung von Wissenschaft und wissenschaftlichem Denken entgegenzusetzen.

 

Florian Aigner berichtet von spektakulären wissenschaftlichen Entdeckungen, er erzählt spannende Geschichten aus der Welt der Wissenschaft, er beschreibt geniale Ideen mit phantastischen Triumphen, er berichtet aber auch von atemberaubenden wissenschaftlichen Irrtümern und Fehlern, niemand ist im Besitz perfekter Wahrheit. Wissenschaft ist größer als alles, was einzelne Menschen im Kopf haben können; sie umfasst die Sammlung kluger Methoden, Theorien und Ideen, die helfen, die Welt besser zu verstehen und Probleme zu lösen: „Wissenschaft ist das, was stimmt, auch wenn man nicht daran glaubt. Wissenschaft ist das, worauf wir uns gemeinsam verlassen können“.

 

Das Buch gliedert sich in 13 Kapitel mit aussagekräftigen Überschriften und vorangestellten Zusammenfassungen, humorvolle Zeichnungen ergänzen die Texte und erleichtern das Verständnis. Ausgehend vom im Titel des Buches genannten Bauchgefühl, spannt sich ein weiter Bogen verschiedenster Themen der Wissenschaft; sie erläutern die Macht der Logik, die Bedeutung von Mathematik, sie erklären Kritischen Rationalismus und wissenschaftliche Theorienbildung, sie beschreiben wissenschaftliche Methodik vom Experiment bis zu Ockhams Rasiermesser, sie führen zur Erkenntnis, dass es in der Wissenschaft nichts Endgültiges gibt, dass auch kluge Leute Unsinn reden können und dass Expertenmeinungen keine Garantien für absolute Wahrheiten liefern können.

 

Am Beispiel des Bauchgefühls, mit dem es Tag für Tag gelingt, mit wenig Informationen in kurzer Zeit gute Entscheidungen zu treffen, erläutert Florian Aigner, wie unser evolutionär geprägtes Denken uns auch oftmals in die Irre führen kann. Warum können wir uns auf unsere Intuition nicht verlassen, ist sie doch, ähnlich wie unser rationaler Verstand, eine Form von Intelligenz. Die Antwort auf diese Frage füllt ein Kapitel, das von Einsteins Arbeitsweise bis zum Dunning-Kruger-Effekt reicht.

 

Es würde den Umfang dieser Besprechung bei weitem sprengen, auf alle behandelten Themen hinzuweisen. Das Buch bietet Erläuterungen zu nahezu allen Bereichen, die Wissenschaft und wissenschaftliches Denken ausmachen; es hilft, deren Erkenntnisse einzuordnen, bzw. zu verstehen und Wissenschaft von Pseudowissenschaft und Unsinn zu unterscheiden. Es verdeutlicht dabei auch, weshalb sich Wissenschaft ständig verändert, verändern muss und wir uns trotzdem auf gut fundierte wissenschaftliche Theorien verlassen können.

 

Das nach Ansicht des Rezensenten besonders wichtige Schlusskapitel des Buches trägt den Titel „Wissenschaft mit Bauchgefühl“; es widmet sich den oft zu vernehmenden Klischees, Wissenschaft sei kalt, sei materialistisch, sei für ein glückliches, erfülltes Leben nicht notwendig, ja sogar hinderlich – kurzum: Wissenschaft und Gefühl seien zwei grundverschiedene Dinge. Florian Aigner begegnet solchen Meinungen mit „Wer zwischen Gefühl und Verstand einen Widerspruch sieht, dem fehlt es vielleicht an beidem“; in Unterkapiteln wie „Zu viel Rationalität ist auch irrational“, „Fakten sind auch nicht immer das Wahre“, „Wozu Wissenschaft?“, „Wissenschaft – das sind wir alle“, vermittelt er die dazu passenden Erkenntnisse: „Wissenschaft ist ein dicht geknüpftes Netz – genau das macht sie stabil, verlässlich und tragfähig. …. Manchmal sind (aber) auch unsere besten wissenschaftlichen Theorien nicht zuständig. Manchmal bleibt uns nichts anderes übrig, als uns auf unser Bauchgefühl zu verlassen“.

 

„Wissenschaft ist wunderschön…. das vielleicht allerwichtigste Argument für Wissenschaft ist aber ein anderes: Wir haben gar keine Wahl…. Die Evolution hat uns Menschen mit der Fähigkeit zum wissenschaftlichen Denken ausgestattet, und damit lösen wir schwierige Probleme“.

 

Warum ist Wissenschaft wunderschön, warum ist sie unentbehrlich, warum gibt es Wahrheiten, denen niemand widersprechen kann? „Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl“ bietet die dazu passenden Antworten; das Buch beinhaltet neben spannend und unterhaltend vermitteltem Wissen eine uneingeschränkt persönliche Liebeserklärung an die Wissenschaft und motivierende Anregungen, sich ihr zu nähern, bzw., wenn möglich, auch selbst Wissenschaft zu betreiben.

 

 

Gerfried Pongratz 10/2020




Religionsfreiheit – muss das sein?

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 von der Vollversammlung der UNO mit 48 zu null Gegenstimmen bei acht Enthaltungen, seitens muslimischer und kommunistischer Regierungen, beschlossen.

In der heutigen Diskussion gewinnt man sehr oft den Eindruck, als sei lediglich der Artikel 18, in dem neben der Meinungs- und Gewissensfreiheit auch von der Religionsfreiheit die Rede ist, von ausschlaggebendem Interesse.

Es hört sich so an, als sei ausgerechnet dieses Menschenrecht auf Religionsfreiheit das Wichtigste von allen. Wichtiger als zum Beispiel das Verbot von Folter und Sklaverei oder die Unantastbarkeit der Person und ihres Eigentums.

Bei der Berufung auf die Religionsfreiheit bilden sich erstaunliche Fronten. Das eher linke Spektrum bis weit in die Reihen von CDU/CSU hinein aber auch die römisch-katholische und evangelische Kirche pochen darauf, dass dieses Recht selbstverständlich auch dieser  nunmehr in nennenswertem Umfang in Europa aufgetauchten Religion, dem Islam, zustünde.

Aber es erinnern konservativ eingestellte Bürger, die zumeist islamkritisch eingestellt sind, eher daran, dass dieses Recht für den Islam im Gegenzug auch den anderen Religionen in von muslimischen Mehrheiten bestimmten Nationen zugestanden werden müsse.

Bei dieser zweiten Betrachtungsweise kommen wir dem ursprünglichen Sinn von Religionsfreiheit schon beträchtlich näher. In einer politischen Landschaft, die seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 (siehe wikipedia) durch den Grundsatz „cuius regio, eius religio“ gekennzeichnet war, stellte die prinzipiell mögliche Abnabelung von der Religion des Herrschers in der Tat einen gewaltigen Fortschritt dar, von dem islamische Länder in aller Regel weit entfernt sind. Mit anderen Worten: nicht der Staat hat zu bestimmen, nach welchem Ritus sich ein Paar trauen darf, sondern das Paar selbst. Solange es keine Zivilehe gab (erst unter Bismarck eingeführt) war dies ein bemerkenswerter Fortschritt. Eine in diesem Sinne verstandene Religionsfreiheit bedeutet im Grunde nichts anderes als eine Vorstufe dessen, was wir heute als Laizität des Staates verstehen. Er hat sich aus dem positiven oder negativen Bekenntnis seiner Bürger herauszuhalten. Wird dagegen heute von Religionsfreiheit gesprochen, so wird man mit der Nase darauf gestossen, dass damit nur die die Erhaltung und Festigung von Privilegien gemeint ist.

Laizität (am Beispiel Tunesien)

Umso erfreulicher ist es, dass in einem islamischen Land, Tunesien, eine machtvolle Demonstration für die Laizität des Staates („I laïque Tunisia“) stattgefunden hat.

Den rund 15.000 Manifestanten ging es – wie das hochgehaltene Transparent in bestechender Kürze und Eindeutigkeit zeigt –  um die Toleranz zwischen den Weltanschauungen und die Aufhebung der staatlichen Bevorzugung einer einzigen Religion.

Gleichzeitig geht aber auch um die negative Religionsfreiheit – der junge Mann ist Atheist – und die echte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Und all das in einem einzigen Plakat, in einem einzigen Wort vereint. Vergleichbares war in keinem anderen der von Revolutionen erschütterten Länder zu vernehmen.

Natürlich gibt es auch in Tunesien Bewegungen konservativer Muslime, die von der Einführung eines Emirats träumen, doch scheint die Zeit über sie hinweggegangen zu sein. Die angedachte Aktion junger Frauen, den aus dem Exil zurückkehrenden Terroristen Rachid al-Ghannouchi am Flughafen im Bikini zu begrüßen, um ihm zu zeigen, wie das moderne Tunesien aussieht, scheiterte lediglich an den Wetterbedingungen. So wurde ihm nur entgegengehalten: „Allah schafft keine Jobs“ – auch dies eine bemerkenswerte Aussage, die nicht unbeobachtet blieb. Die Extremisten erhielten zwar in den Wahlen vom 23. Oktober eine erschreckend hohe Stimmenzahl, doch betonen sie unablässig, die derzeit bestehenden Freiheiten nicht antasten zu wollen. Wohl zu recht wird dies nicht wirklich von den meisten geglaubt, wie in dem guten Kommentar von Abdelhamid Gmati „Croire ou ne pas croire“ in lapresse.tn deutlich wird.

Meinungs- und Gewissensfreiheit

Das allgemeiner gefasste Prinzip der Meinungs- und Gewissensfreiheit, wie es etwa von dem Aufklärer Diderot vorgetragen wurde, und das in der französischen Revolution seinen Niederschlag fand, hätte im Grunde bereits zu diesem Zeitpunkt eine Diskussion über die Frage der Religionsfreiheit als Unterabteilung der viel weiter gefassten Meinungsfreiheit überflüssig gemacht.

Ein Beispiel kann verdeutlichen, wie schnell die beiden Freiheiten auf Kollisionskurs gelangen können. In einem „schwach-islamischen“ Land wie Tunesien bestand und besteht für bekennende Juden und Christen staatlich garantierte Kultusfreiheit.

Moscheen und Kirchen werden wegen der latent immer vorhandenen Extremismusgefahr gesondert bewacht und beschützt. Wenn man einmal davon absieht, dass laut gültiger Verfassung nur ein Moslem Staatspräsident werden kann, herrscht eine für ein muslimisches Land erstaunliche Religionsfreiheit.

Trotzdem hätte sich wohl niemand vor dem 14. Februar 2011 getraut, eine Meinung zu äußern etwa der Art, Mohammed sei wegen seiner Heirat mit der neunjährigen Aische nach moderner Rechtsauffassung ein Pädophiler. Er hätte wohl erhebliche Probleme mit der Religionspolizei bekommen. Hier steht eindeutig die „Religionsfreiheit“, die sich bereits damit als ein Privileg dekuvriert, oberhalb der Meinungsfreiheit angesiedelt.

Der Sonderfall, wenn ein Ausländer eine muslimische Tunesierin heiratet, wurde bereits vor knapp einem Jahr ausführlich dargestellt * (Liebe unter dem Halbmond). Wenn sich dann in Deutschland ein islamischer Interessenvertreter und Lobbyist wie Aiman Mazyek hinstellt und den Politikern verkaufen will, „es gibt keinen Zwang im Glauben“, dann darf man ob dieser eigenwilligen Koranauslegung durchaus nachdenklich werden.

Ganz außerordentlich bedenklich und krass gegen die Menschenrechtserklärung positioniert stellt sich die Situation in „richtig“ islamischen Ländern wie Iran, Saudi-Arabien, Pakistan und Afghanistan dar, deren Rechtssystem weitgehend auf der Scharia basiert.

Drakonische Strafen für Ehebrecher, Homosexuelle oder Apostaten wie Steinigung, Auspeitschung oder Köpfung sind schlicht mit unserer Vorstellung von Menschenrechten nicht vereinbar, laufen aber gleichwohl unter „Religionsfreiheit“, da es schließlich die Religion ist, die diese Regeln vorschreibt. Solche Zustände sind dermaßen indiskutabel zu Beginn des dritten Jahrtausends hiesiger Zeitrechnung, dass an dieser Stelle wohl nicht weiter auf sie eingegangen werden muss.

Die Situation in Europa

Wenden wir uns also wieder der Situation in Europa mit seinen demokratisch verfassten Staaten zu. Man sollte meinen, dass die mit der französischen Revolution erreichte Entmachtung der absolutistischen Herrscher und der mit ihnen aufs heftigste kooperierenden christlichen Potentaten sich im Sinne einer vernünftigen Laizität des Staates verfestigt hätte.

Das Gegenteil ist der Fall. In zähem Kampf und mit geschickter Lobbyarbeit ist es den Kirchen, allen voran natürlich der römisch-katholischen in den letzten 200 Jahren gelungen, ihren Einfluss auf das gesellschaftliche Leben geradezu krakenhaft wieder auszudehnen.

Ihre Präsenz in der Öffentlichkeit und ihr Einfluss auf das politische Alltagsleben übersteigen dabei inzwischen bei weitem den prozentualen Anteil ihrer Anhänger. Hinzu kommen die Gier und die verfassungsrechtlich bedenkliche Forderung nach allgemein staatlichen Leistungen, die von jedem Mitbürger – gleich ob mit christlichem, muslimischem, jüdischem, atheistischem oder sonst welchem Bekenntnis – getragen werden müssen.

Der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) hat einen Teil der direkten, Zuwendungen in einem informativen Faltblatt zusammengestellt. Dass darüber hinaus jedoch jährlich Milliardenbeträge an die Kirchen fließen, damit diese sich mit ihren angeblichen karitativen Leistungen brüsten können, finden sich akribisch nachgewiesen im „Violettbuch“ vom Wissenschaftler Dr. Carsten Frerk.

Man kann festhalten, dass sich die Amtskirchen – anders als die Freikirchen – eine Position erarbeitet und teilweise gegen die Bestimmungen der Weimarer Verfassung und des Grundgesetzes erschlichen haben, die mit den Forderungen nach religiöser Neutralität des Staates nur noch entfernt etwas zu tun haben.

Wen nimmt es da wunder, wenn nun diese neue Religionsgemeinschaft Islam in ihren verschiedenen Formen daher kommt und für sich dieselben Privilegien einfordert, die den etablierten religiösen Gemeinschaften in Deutschland so ans Herz gewachsen sind?

Angesichts dieser neuen Herausforderung macht sich eine geradezu lethargische Hilflosigkeit breit. Wie viel darf man ihnen gewähren, wenn gleichzeitig bekannt ist, dass diese Religion sich anschließend nicht damit zufrieden gibt, still als Gemeinde der Moslems vor sich hin zu arbeiten und den Anhängern ein spirituelles Zuhause zu geben, sondern klare und weit darüber hinaus gehende Ziele der politischen Einflussnahme auf die Gesellschaft verfolgt, ganz so, wie es auch von den Kirchen praktiziert wird.

Wer da immer noch glaubt, man könne sich mit dem Islam rein theologisch auseinandersetzen, verfehlt die wirkliche Problematik. Es kann nicht darum gehen, sich gegenseitig Suren und Bibelzitate um die Ohren zu hauen, oder Diskussionen darüber anzuzetteln, welcher der propagierten Götter denn nun der bessere sei – nein: die Frage kann ausschließlich und nur politisch entschieden werden.

Doch zu einer Rückbesinnung auf die Werte der Aufklärung fehlen ganz offensichtlich die Kraft und der Wille bei den im Parlament vertretenen Parteien. Muss denn wirklich erst eine neue Revolution her, um dieses Problem zu lösen?

Deutschland hat die Chance zu einem grundsätzlichen Neuanfang leichtfertig nach der Wiedervereinigung verspielt, weil eben alles „schnell“ gehen musste und es wichtiger schien, den Einigungsvertrag umgehend abzuschließen. Die ursprüngliche Version des Art. 146 im Grundgesetz sah vor, dass das Deutsche Volk sich in freier Selbstbestimmung nach der Vollendung der Einheit eine neue Verfassung gibt und das Provisorium von 1949 ad acta legt.

Tatsächlich aber wurde das Grundgesetz praktisch unverändert in ganz Deutschland für verbindlich erklärt und jede Diskussion umgangen. Dem Umstand, dass Deutschland sich seit 1949, als es noch unter dem Eindruck der Kriegsereignisse und den Schwächen der Weimarer Republik stand, ganz erheblich verändert hat, konnte somit nicht Rechnung getragen werden.
Es hätte klargestellt werden müssen, dass die „Religionsfreiheit“ nicht als Deckmantel dienen darf, um Privilegien oder sogar ungesetzliche Machenschaften zu schützen wie es derzeit in der unseligen Fassung des Artikels 4 im Grundgesetz der Fall ist.

Eine solche Bereinigung hätte bereits bei der Präambel beginnen müssen, mit diesem unsäglichen Satz „Verantwortung vor Gott und den Menschen“, was angesichts einer deutlichen Mehrheit der Deutschen, die nicht mehr an einen persönlichen Gott glaubt, nur schwer vermittelbar sein dürfte.

Was hat eine bronzezeitliche Fiktion in einem weltlichen Gesetzestext zu suchen? Und das muss irgendwann weitergehen mit der Abschaffung der Körperschaften öffentlichen Rechts hin zu einer Organisation unter Vereinsrecht für Religionsgemeinschaften, Abschaffung der Präsenz in Ethik- und Fernsehräten, Schulkommissionen und vieles andere mehr, Abschaffung des staatlich bezahlten Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen und Abhängen der christlichen Symbole in den der Allgemeinheit zugänglichen Räumen.

Bereits mit diesen Maßnahmen hätten sich einige Probleme erledigt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Bei einer Organisation nach Vereinsrecht muss eine Satzung vorgelegt werden. Man stelle sich nun vor, Muslime organisieren sich dergestalt nach Maßgabe der Scharia und in der vorgelegten Vereinssatzung stünde, dass der Austritt aus dem Verein – die Apostasie – mit dem Tode zu bestrafen ist.

Es steht zu vermuten, dass dann auch dem heftigsten Befürworter von „Religionsfreiheit“ klar wird, dass hier etwas nicht stimmen kann. Man stelle sich des Weiteren vor, dieser Verein verlange von neu hinzutretenden Mitgliedern und auch ihren Kindern, sie müssten sich die Ohren abschneiden lassen, weil dies nun einmal vereinsrechtlich so festgelegt sei.

Und in Wahrheit wäre es noch schlimmer: sie verlangten nicht die Ohren, sondern schnippeln an den Genitalien der Mitglieder herum, was normalerweise unter Verstümmelung religionsunmündiger Abhängiger fiele, falls weithin anerkanntes Recht auf religiöse Gruppen angewendet würde.
Es ließen sich noch viele Beispiele anführen, bei denen erst eine vereinsrechtliche Betrachtung klar macht, wie viel von diesen unter „Religionsfreiheit“ segelnden Privilegien schlicht mit moderner Rechtsstaatlichkeit unvereinbar sind. Man mag einwenden, dass das ja „nur“ Muslime treffen würde, alles andere könne dagegen so weiter gehen wie bisher.

Dazu sollte man sich einmal die arbeitsrechtlichen Bedingungen anschauen, unter denen die Mitarbeiter in staatlich zu 95 Prozent finanzierten, aber von der katholischen Kirche geführten Krankenhäusern herrschen.
Apostasie wird zwar nicht (mehr) mit dem Tode bestraft, sondern „nur“ mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, arbeitsgerichtliche Prozesse der Betroffenen dagegen enden in aller Regel mit einem Sieg der Kirche – wegen einer sogenannten „Religionsfreiheit“.

Das Grundgesetz

Neben der Präambel, die geändert gehört – zum Glück ist es ja den Vatikanparteien Deutschlands im Parlament nicht gelungen, diesen Unsinn auch noch in den Lissabon-Prozess einzubringen – muss endlich eine Diskussion um die Ausgestaltung von Artikel 4 Grundgesetzt angestoßen werde.

Die entscheidenden Punkte finden sich in Absatz 1 und 2:

1. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

2. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Besonders der zweite Absatz stellt einen juristischen Stolperstein ersten Ranges dar, weil unter ihm so ziemlich alles subsumiert werden kann, was den Religionsgemeinschaften gerade so in den Sinn kommt.

Es gibt keine ausdrücklich genannten gesetzlichen Beschränkungen. Das Mindeste, das erreicht werden müsste, ist ein Zusatz in diesem Grundgesetzartikel, wie er sich im UN-Zivilpakt aus dem Jahr 1993 findet:

Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekunden, darf nur den gesetzlich vorgesehenen Einschränkungen unterworfen werden, die zum Schutz der öffentlichen Sicherheit, Ordnung, Gesundheit, Sittlichkeit oder der Grundrechte und -freiheiten anderer erforderlich sind.

Oder in anderen Worten ausgedrückt: „Alles, was den Bürgern eines Staates erlaubt ist, soll auch gläubigen Bürgern erlaubt sein – und nicht mehr“.

Eine dergestalt begründete Eingrenzung in die allgemeinen zivil- und strafrechtlichen Bestimmungen könnte die zu beobachtenden Auswüchse verhindern – zumindest eindämmen – und böte gleichzeitig den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass der Islam sich nicht auch noch die Privilegien einverleibt, die den anderen derzeit zur Verfügung stehen.

Wenn man davon überzeugt ist, dass ein solcher Verfassungszusatz ein dringliches Desiderat darstellt, sollten die zu ihrem Inkrafttreten erforderlichen Maßnahmen von den humanistischen Institutionen – notfalls auch auf dem Petitionsweg – umgehend eingeleitet werden. Auf Unterstützung durch die kirchliche Lobby wird man dabei aber wohl verzichten müssen.

Somit steht für mich fest: Die Religionsfreiheit, in dem Sinn wie sie heute ausgebeutet wird, gehört abgeschafft

* Eine kleine Ergänzung zu Tunesien: Das Dekret 73, das Tunesierinnen vorschrieb, nur Moslems heiraten zu dürfen, wurde ausser Kraft gesetzt. Und auch ansonsten sind nunmehr alle Regelungen, die Frauen diskriminieren (Ehe-, Familien- und Erbrecht, uam.) inzwischen durch neue Gesetze ausgemerzt worden.