Der Papst und die Demokratie

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Papst Franziskus gegen zu viel Demokratie in der Kirche

Das verkündeten katholisch.de und andere kirchliche Sites am 25.11., meinereiner hat das erst am 29.11. entdeckt und bringt die Meldung hier am 30.11. mit atheistischen Anmerkungen:

katholisch.de: Papst Franziskus tritt die Demokratie-Bremse: Als verfehlt bezeichnete er jetzt Initiativen, die, wenngleich in gutem Willen, die Kirche wie eine Partei mit demokratischen Verfahren oder auf synodalem Wege organisieren wollten.
Atheistische Anmerkungen: Im 19. Jahrhundert hatte der Vatikan gegen die gesellschaftlichen und politischen Reformen und Umbrüche der Moderne und des Liberalismus den „Antimodernismus“ ausgerufen! In den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts hat man sich dann in dieser Hinsicht gemäßigt, mit dem Geist der Gegenwart freundete man sich trotzdem nicht an, die Kirche blieb bis heute eine autoritäre und weitgehend demokratiefreie Einrichtung – Was durchaus Berechtigung hat, die Protestanten haben innerkirchliche demokratische Einrichtungen schon seit längerer Zeit, dort ist der Schwund von praktizierenden Kirchenmitgliedern und der Mitgliederschwund deutlich höher als in der katholischen Kirche. In der BRD waren diese beiden Kirchen ja lange etwa in gleicher Größe, hier eine Übersicht von 1950 bis 2019:

Die Evangelischen waren in den christlichen Zeiten in Deutschland mehr als die Katholiken, im heutigen Säkularismus haben die Katholiken die größere Kirche, diese hat seit 1950 nur 18,8 % verloren, die evangelische 25,7 %, auch der Anteil der Praktizierenden ist bei den Protestanten deutlich niedriger, Katholiken gehen etwa zehn Prozent am Sonntag in die Kirche, Protestanten um die drei Prozent. Bei der katholischen Kirche hält offenbar die unliberale Art die Mitglieder besser: hier wirkt wohl noch die berühmte Pascalsche Wette: Man ist vorsichtiger, vielleicht könnte es den katholischen Gott und seine Höllenstrafen doch geben…

katholisch.de: Papst Franziskus hat Kirchenreformen nach allein demokratischen Maßstäben eine Absage erteilt. Die Existenz der Kirche beziehe ihren Sinn aus der Verwurzelung in Christus. Unabdingbar seien das Hören auf die Lehre der Apostel, geschwisterliche Gemeinschaft, die Feier der Sakramente und das Gebet, betonte Franziskus in seiner wöchentlichen Videoansprache am Mittwoch. Alles, was in der Kirche jenseits dieser Eckpunkte wachse, sei ohne Fundament und „auf Sand gebaut“.
Atheistische Anmerkungen: Ja, das stimmt, der Sinn der Kirche ist sie selber! Das Problem dabei ist, dass in entwickelten Ländern immer mehr Leute die Kirche und ihre Lehren als Unsinn sehen und darum sich mit der Lehre der Apostel gar nimmer befassen, auch wenn sie noch Kirchenmitglieder sind, sich nicht als Gemeinschaft sehen, nicht beten und nicht in die Kirche gehen. Die Kirche hat ein Fundament: ihren Reichtum, ihre Besitzungen, ihren politischen Einfluss. Ihre Lehre ist allerdings leere Luft, wie sich an den selten durchgeführten Umfragen zu kirchlichen Dogmen zeigt, hier wieder einmal die Umfrage aus dem „Standard“ von 2014 und 2018:

In nur vier Jahren ist der Schnitt der Schnitt des Glaubens ans römisch-katholische Glaubensbekenntnis von 35 auf 25 % geschrumpft, an den Hauptglaubenssatz, der Auferstehung des Jesus, glauben nur noch 20 %!

katholisch.de: „Es ist Gott, der die Kirche macht, nicht der Lärm um Werke“, sagte der Papst. Als verfehlt bezeichnete er Initiativen, die, wenngleich in gutem Willen, die Kirche wie eine Partei mit demokratischen Verfahren oder einem „synodalen Weg“ organisieren wollten. „Ich frage mich: Wo ist der Heilige Geist? Wo ist das Gebet? Wo ist die Liebe in Gemeinschaft? Wo ist die Eucharistie? Ohne diese vier Koordinaten wird die Kirche eine menschliche Gesellschaft“, sagte der Papst. Wenn der Heilige Geist fehle, sei die Gemeinschaft von Gläubigen „ein schöner humanitärer, wohltätiger Verein“, aber nicht Kirche. Die Reformbemühungen des „Synodalen Wegs“ deutscher Katholiken erwähnte er nicht ausdrücklich.
Atheistische Anmerkungen: Wer sucht heute noch nach dem Heiligen Geist? Wer betet gläubig und warum und wofür? Meinereiner muss auch manchmal in die Kirche gehen, wenn Verstorbene nicht am Friedhof, sondern nur in der Kirche verabschiedet werden. Obwohl man heute vorher nimmer beichten gehen muss, um zur Kommunion gehen zu dürfen, ist es bei diesen Messen immer so, dass nur eine recht kleine Gruppe aus den an der Messe teilnehmenden Leuten den „Leib des Herrn“ zu sich nimmt. Der Heilige Geist fehlt natürlich immer, weil der ist klarerweise nur eine in den Köpfen von Gläubigen existierende Fiktion…

katholisch.de: Franziskus führte aus, Predigt und Glaubensunterweisung erinnerten an die Worte und Taten Jesu. Die beständige Suche nach Gemeinschaft schütze vor Egoismus und Parteiungen. Das „Brechen des Brotes“ in der Eucharistie mache Jesus gegenwärtig, und das Gebet öffne Raum für den Dialog mit Gott. „Gott schenkt Liebe und bittet um Liebe. Das ist die mystische Wurzel allen Glaubenslebens“, sagte der Papst.
Atheistische Anmerkungen: „Parteiungen“ ist ein anderes Wort für „Fraktionierungen“, also Gruppenbildungen. das will man natürlich nicht haben, weil eine einheitliche katholische Kirche ist natürlich eine stärkere Körperschaft als eine trotzkistische Partei, über die es in den 1968-Zeiten den Witz gab: „Was macht ein Trotzkist, wenn er allein ist? Er sucht sich einen anderen Trotzkisten, damit er sich spalten kann!“ Das Problem der katholischen Kirche sind nicht die Fraktionen, sondern die Religion selber! Immer weniger Leute haben einen Bedarf für liebe und hilfreiche Götter, weil gegen viele Probleme im Leben haben wir ja unsere Sozialversicherung und andere Sozialeinrichtungen und brauchen darum helfende Götter immer weniger. Einen Gott zu lieben, damit er uns liebevoll hilft, lohnt sich immer weniger! Denn mangels Existenz hat er ja sowieso nie geholfen, man konnte sich diese Gotteshilfe allerdings einbilden, wenn man zu Gott gebetet hatte und dann aus der Klemme, die das Beten auslöste, wieder herausgekommen ist! Die mystische Wurzel des Glaubens war früher die kleinkindliche religiöse Abrichtung und die fehlende Motivierung zum Zweifel. Die Kirchenschrumpfungen spiegeln auch wieder, dass das heute anders ist! Ändern können die Kirchen das in unseren Breiten nimmer! das weiß sogar der Vatikan, man erinnere sich an die für 2012 angesetzte Neuevangelisierung Europas, die dann kommentarlos nicht einmal ansatzweise probiert wurde…

Aber zusammenfassend kann man dem Papst recht geben, eine katholische Kirchendemokratisierung würde auch nicht helfen!

Entnommen bei www.atheisten-info.at

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