Götz Kubitschek – Nichts schmerzt mehr, als das Schweigen der „Freunde“!

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(Michael van Laack) Wer in den vergangenen Jahren meine Artikel auf „Philosophia Perennis“ mehr als lediglich in Form der Überschriften und des Teasers zur Kenntnis genommen hat, weiß: die Wahrscheinlichkeit, dass Götz Kubitschek und ich in diesem Leben Freunde werden, tendiert aktuell gegen Null. Zu klar habe ich mich dazu geäußert, dass ich weder die ethnopluralistischen Mitglieder der Schnellrodaer Tafelrunde goutiere noch Kubitscheks einseitige strategische Unterstützung des Flügels innerhalb der AfD.

Heute aber ist es für mich an der Zeit, öffentlich das zu tun, was man von anderen, die Schnellroda deutlich näher stehen als ich, in den vergangenen Tagen nach der Neueinstufung durch den Landesverfassungsschutz hätte erwarten dürfen: Ein Lanze für die wohl bekannteste rechte Denkfarbrik von Relvanz im deutschsprachigen Raum zu brechen.

Massive Kritik bedeutet nicht zwangsläufig Feindschaft

Oft genug belegte ich das Rittergut in den vergangenen Jahren mit dem wenig schmeichelhaften Wording „Bauernhof“ und bezeichnete das Umfeld der Sezession als „Kettenhunde“. Was mich jedoch nie davon abhielt, manches Werk aus dem Verlag Antaios mit großem Gewinn zu lesen und Kubitschek selbst, seine Ellen und andere Mitarbeiter des inner circle zu loben, wo sie aus meiner Sicht Lob oder zumindest Unterstützung verdienten.

Wer sich – was im politischen Betrieb gewohnheitsmäßig und leider auch allzu oft anmaßend geschieht – selbst mit den Prädikaten „aufrecht“ und „anständig“ mit Blick auf seine Haltung und seine Verortung in Politik und Gesellschaft schmückt, sollte an sich selbst immer auch den Anspruch stellen, Gerechtigkeit gegen jedermann walten zu lassen.

Gerechtigkeit muss stets der Leitstern sein

Was mich betrifft, so stelle ich seit den nunmehr fast 30 Jahren, in denen ich mich in verschiedensten Formen und Funktionen im politischen Betrieb bewege (zumeist als Ghost), meine Akte und Äußerungen unter das Leitwort, welches u. a. das Wappen des Münsteraner Bischofs Clemens August Kardinal von Galen schmückt: „Nec laudibus, nec timore“ (Nicht Lob noch Furcht [soll dein Handeln bestimmen]).

Auch – ja, vor allem deshalb – folgt hier nun ein Wort des Bedauerns und Zeichen der Solidarität mit Götz Kubitschek und seinen angeblich oder tatsächlich wahren, schönen und guten Rechten, deren Institut für Staatspolitik (IfS) aus rein machtpolitischen und nicht realen Gründen vom Sachsen-Anhaltinischen Landesamt für Verfassungsschutz (und wohl auch bald vom BfV) als rechtsextrem eingestuft wurde.

Das ohrenbetäubende Schweigen ist unsäglich und unerträglich

Zunächst aber sind Worte der Empörung (und auch des Überrascht seins)´angezeigt. Vor allem empöre ich mich darüber, dass nicht wenige, die sich in den vergangenen Jahren gern an die Tafel des Ritterguts einladen ließen, von manchem strategischen Wink in vertraulichen Gesprächen profitierten und bei jeder Gelegenheit den Verfassungsschutz als Regierungsschutz bezeichnen, in diesen Tagen kein Wort der Solidarität mit Schnellroda aus ihren virtuellen Federn in die sozialen Netzwerke oder an andere Orte fließen lassen.

Was ich hauptsächlich wahrnehme, ist dröhnendes Schweigen. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, dass das St. Florians-Prinzip nun auch bei den Sozialpatrioten und Nationalisten an Beliebtheit gewinnt. „„Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an“. Wenn Du mein Haus verschonst, verspreche ich Dir (der Judikative, der Exekutive und der Bundesregierung) hoch und heilig, dass ich nicht beim Löschen des Rittergutes helfen werde.

Nur vereinzeltes Bedauern und noch weniger Empörung

Beschämend nenne ich deshalb die mangelnde Unterstützung, die Kubitschek und den Seinen in den letzten Tagen durch reichweitenstarke Profile ihrer Weggefährten (seien es solche der AfD oder anderer Interessengruppen) zuteilwurde.

Zweifellos lesen wir auf den Netzseiten der Sezession manches, was den Wert und Nutzen der bundesrepublikanischen Demokratie negiert oder doch zumindest relativiert; auch einiges, dass dem linksgrünen Mainstream auf der einen und der christlichen Moral- und Soziallehre auf der anderen seite entgegengesetzt ist. Und gewiss gibt es auch die manche Publikation aus dem Hause Antaios, die dem Nationalsozialismus im neuen Gewand des Ethnopluralismus zwar nicht das Wort redet, aber seine Thesen doch deutlich zu unkritisch (reflexionsarm) als Alternative zur europäischen Integrations- und Migrationspolitik vorstellt.

Das alles aber rechtfertigt definitiv nicht die Einstufung der neurechten Denkfabrik als rechtsextrem. Die Bundesregierung, die Landesregierungen und die ihr untergeordneten Behörden verstehen ihren „Kampf gegen rechts“ als Abschaltung jeglicher nicht linker oder zumindest linksliberaler Opposition. Eine Denkfabrik wie das IfS und ein ihr verbundener sowohl titel- als auch auflagen- und reichweitenstarker Verlag werden als Bedrohung für eine in den letzten zwei Jahrzehnten in kleinen Schritten und deshalb mühsam installierte politische Religion betrachtet, die über die Schlüsselbegriffe „Klimawandel“, „kulturelle Buntheit“ und „Gendergerechtigkeit“ in einen europäischen Zentralstaat führen soll, der nicht anders als totalitaristisch aufgebaut sein kann, wenn er erfolgreich im Sinn seiner Agenden wirken will.

Zersplittert wie eh und je

Die gesamte deutsche Rechte – sei sie bürgerlich, sozialpatriotisch oder nationalistisch – hätte daher die Einstufung durch den Verfassungsschutz zum Anlass einer Empörungswelle nehmen müssen, die genau darauf hinweist. Dass diese Welle – die zweifellos nicht mehr als ein starkes Zeichen der Solidarität (aber immerhin das) gewesen wäre – ausblieb, zeigt: Die deutsche Rechte wird mehr als nur mittelfristig nicht mehr erfolgreich sein und als ernstzunehmender Faktor im politischen Betrieb wahrgenommen werden können. Jeder ist sich selbst der Nächste, verfolgt nicht das große Ganze, sondern seine eigenen kleinen Interessen.

Die Zersplitterung, die u. a. zum Scheitern der Republikaner und der DVU führte, in diesen Wochen immer klarer auch in der AfD zutage tritt und ebenso unter den Rechtsintellektuellen seit Jahrzehnten allerorts schmerzlich spürbar ist, scheint kaum mehr reparabel. Uns fehlen nicht nur charismatische Führungsfiguren, sondern vor allem gemeinsame Strategien und die Bereitschaft, für ein größeres Ziel auch mal über den eigenen Schatten zu springen.

Man muss sich nicht lieben, um eine Wohngemeinschaft zu bilden

Sondierungen und wohl bald auch Koalitionsverhandlungen (wie wir sie in diesen Tagen zwischen Parteien mit vollkommen unterschiedlichen Konzepten sehen), könnten uns hier als Beispiel dienen. Dazu aber fehlt den Rechten seit Jahrzehnten sowohl die Fähigkeit als auch der Mut und das gegenseitige Vertrauen. Wohl auch deshalb erkennen sehr viele aktuell nicht die Notwendigkeit, auch Denkfabriken zu verteidigen, in denen mancher Gedanke gedacht und zu Papier gebracht wird, den man selbst als fehlerhaften oder gar schädlichen Gedanken bewertet. Noch einmal: „Jeder ist sich selbst der Nächste.“ Solange wir davon nicht abrücken, wird jeder rechte Deutsche einsam sterben. Ganz gleich wieviel Vaterlandsliebe und/oder Gottesfurht er auch im Herzen tragen mag.

Deshalb zum Schluss: Götz Kubitschek und die Seinen haben meine volle Solidarität, auch wenn ich manches von dem, was sie schreiben und sagen, mal im größeren Umfang und mal in kleineren Teilen für vollkommen falsch oder gar strategisch gefährlich (weil nicht zielführend und/oder den Wert der Freiheit bzw. der Demokratie verdunkelnd) halte. „Prüfet alles, das Gute behaltet!“ Und macht gemeinsam das Beste daraus, möchte ich zum Abschluss ergänzen, auch wenn ich fürchte, dass der Appell eines kleinen Rädchens, das ich nunmal bin, ungehört verhallen wird.

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