Mit sozialistischem Gruß: 2G- und 3G-Regeln in Kirchen

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(Michael van Laack) Zahlreiche evangelische und katholische Kirchengemeinden haben in den vergangenen Wochen in ihren Pfarrbriefen angekündigt, dass ab sofort das Betreten ihrer Gotteshäuser nur noch unter den in ihren jeweiligen Bundesländern geltenden oder von deren Regierungen zumindest vorgeschlagenen 2G- oder 3G-Regeln gelte. Dadurch werden Ungeimpfte entweder ausgeschlossen oder müssen unabhängig von ihrer finanziellen Situation zu jedem Gottesdienstbesuch einen Test machen lassen.

Begründet werden diese Maßnahmen von manchem Kleriker und seinen „Räten“ mit dem lapidaren Verweis auf Gott und die Menschen geschuldete Solidarität. Wer nicht solidarisch mit seinen Nächsten sei, sei auch nicht würdig z. B. die Kommunion oder das Abendmahl zu empfangen.

Kampfbegriff Solidarität

Wie der Begriff „Toleranz“ so wurde auch „Solidarität“ in den vergangenen Jahren mit neuen Inhalten gefüllt und nach links verschoben. „Toleranz“ ist ab jetzt nur noch etwas, dass der Anständige und Aufrechte seinem Nächsten entgegenzubringen hat. Und wer der Nächste ist, der das recht hat mit dieser Toleranz beglückt zu werden – wer sie also verdient – bestimmen selbstverständlich eben diese Aufrechten und Anständigen.

„Keine Toleranz den Intoleranten“ heißt es, womit im Kern gemeint ist: wer in bestimmten Fragen nicht unsere Linie vertritt, wer gegen uns schreibt und redet, ist intolerant und verdient entsprechend keine Toleranz. Er ist zu bekämpfen, aus dem Diskurs zu drängen und (wenn nötig) virtuell oder in echten Gesellschaftsleben für vogelfrei zu erklären.

Ähnliches gilt für den Begriff Solidarität. Wer unsolidarisch ist und somit auch keine Solidarität verdient, bestimmen die Solidarischen, also einmal mehr die Aufrechten und Anständigen, die Folgsamen, die Staats- und Linientreuen, die uneingeschränkt Medien- und Wissenschaftsgläubigen.

Wer sich nicht impfen lässt, ist unwürdig Christus zu empfangen

Wer abgetrieben hat, freilich nicht. Auch wer in einer homosexuellen Partnerschaft lebt oder nach Scheidung wiederverheiratet ist, darf selbstverständlich – wenn er und ggf. der Kommunionspender dies mit ihrem Gewissen vereinbaren können – die Kommunion und die anderen Sakramente empfangen. Aber in der Impffrage, da gibt es keinen Rückzug auf das Gewissen. Denn Ungeimpfte töten! Oder könnten es zumindest, wenn sie andere anstecken.

Deshalb sind ungeimpfte Gefährder um Längen dunklere Gestalten als z. B. muslimische Gefährder. Mit denen könnte man ja ggf. auf Kirchen- und Katholikentagen in den interreligiösen Friedensdialog treten oder sie im Gottesdienst eine Fürbitte sprechen bzw. um der Toleranz und Buntheit willen einen Koranvers zitieren lassen. Aber Ungeimpfte, also Menschen, die sich der offiziell nicht existenten Impfpflicht entziehen? Das sind Feinde des Staates, der Zivilgesellschaft, der „Volksgemeinschaft“: Du bist nichts, Dein (Kirchen)Volk ist alles. Deshalb sei solidarisch!

Was christliche von sozialistischer Solidarität unterscheidet

Nach dem oben angerissenen kurzen Meinungsaustausch mit Whisky-Pfarrer und LGBTI-Multiplikator Dr. Wolfgang F. Rothe auf Twitter hat Patrick Zäuner spontan einen kurzen Kommentar zur Unterscheidung der sozialistischen von der christlichen Solidarität veröffentlich, den ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte:

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen und Euch allen einen gesegneten und erholsamen Sonntag. Alle – ob Geimpfte und Ungeimpfte: Seid Euch meines Respekts für Eure jeweilige Entscheidung gewiss. Und Ihr Ungeimpften auch meiner vollsten Solidarität hinsichtlich aller Anfeindungen, die Ihr in diesen Tagen seitens des Staates und seiner Behörden, zahlreicher Institutionen und vielen Mitgliedern toleranter, bunter und (post)christlicher Communities erdulden müsst.

P.S.: Ich bin geimpft und genesen, gehöre also nicht zu denen, die man aufgrund ihres Impfstatus als Verschwörungstheoretiker, Querdenker oder unsolidarische Gesellschaftsfeinde diskreditiert. Und dennoch sage ich immer wieder: Große Zeiten kommen auf uns zu. Auch Dank des systemischen Versagens unserer Kirchen!

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