„Wollt Ihr 2G, 3G, Impfpflicht?“ „Nein!“ „Wollt Ihr Darwin?“ „Nein!“ „Was wollt Ihr denn?“ „…“

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(Michael van Laack) Die Debatte über die gestrige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die von einigen Bundesländern geforderten verschärften Corona-Restriktionen und die Ankündigung des designierten Bundeskanzlers Olaf Scholz, als Abgeordneter im Bundestag in einer Abstimmung ohne Fraktionszwang für die allgemeine Impfpflicht votieren zu wollen, überlagert – wie vieles andere in den vergangenen Wochen und Monaten – die eigentliche Schlüsselfrage: Impfpflicht oder Darwin?

Denn nur diese zwei Optionen können die Spaltung der deutschen und zahlreicher anderer Gesellschaften wenn auch nicht vollständig heilen, aber doch in ihrem Verlauf abmildern. Mit Verordnungen wie 2G, 3G, Ausgangssperren, Lockdowns, Schulschließungen usw., die – wenn überhaupt nur temporär – für sinkende Werte und „Entspannung“ sorgen, ist eine Befriedung nicht zu erreichen, kann der Spalt in der Gesellschaft auch nicht um einen Millimeter geschlossen werden. Solche Verordnungen zementieren lediglich das Modell Zwei-Klassen-Gesellschaft, die aus Geimpften und Ungeimpften besteht.

Alles zwischen Impfpflicht und Darwin tötet die Freiheit

Einer Gesellschaft, in der sich die beiden Gruppen immer unversöhnlicher gegenüber stehen, weil auf der einen Seite der Staat und fast alle Medien die Geimpften auf den Solidaritäts-Schild heben und die Ungeimpften verdammen; und sich auf der anderen Seite die Ungeimpften aufgrund dieser Kategorisierung immer stärker miteinander solidarisieren, mit den gleichen „Waffen“ (dem Nationalsozialismus entliehenen Sprachbildern) einem Schuld- und/oder Opferkult huldigen und jeden Geimpften als einen potenziellen Gegner der Freiheit und diverser Individualrechte verstehen.

Um diese Lage zu befrieden, gibt es nur zwei Optionen: Wie bisher z. B. bei Grippe für die regelmäßige Impfung zu werben, aber die Entscheidung in der Hand des Einzelnen belassen (Darwin), oder aber – dann allerdings wegen der bisher nur geringen Schutzmauer und zahlreicher Mutationen – auf einen noch nicht absehbaren Zeitraum eine allgemeine  Impfpflicht einzuführen.

Ich spreche im Fall des Szenarios ohne Impfpflicht von Darwin, weil ein angebotener nicht angenommener Impfschutz ganz gleich zu welcher Virusinfektion (oder auch bakterieller Infektionen wie Tetanus) das Risiko einer schweren Erkrankung mit Langzeitschäden oder gar den biologischen Tod grundsätzlich erhöht. Darwin bedeutet für mich das Vertrauen darauf, zu den Starken zu gehören und deshalb – ganz gleich wie jung oder alt – keiner chemischen oder sonstigen Keule zu bedürfen.

Wer Darwin nicht will, kann nur Impfpflicht wählen

Wenn eine Regierung – ganz gleich, ob die deutsche oder eine andere – allerdings zu der Überzeugung gelangt, das Modell Darwin würde über einen mittleren Zeitraum betrachtet zu massiven Verlusten führen (sei es durch Tod oder deutlich verminderte Leistungsfähigkeit eines großen Teils der Bevölkerung), wird sie diesem Modell nicht zustimmen wollen.

In diesem Fall ist die Impfpflicht aus Sicht dieser Regierung die einzige erfolgversprechende Alternative, will sie nicht, wie oben beschrieben, über viele Jahre mit Verordnungen eine in Geimpfte und Ungeimpfte gespaltene Gesellschaft „verwalten“. Allerdings ist die Güterabwägung sehr schwierig. Sichergestellt sein muss, dass eine Impfpflicht tatsächlich zum Erfolg führt, die „Bedrohung“ also tatsächlich auf absehbare Zeit beseitigen kann.

Impfpflicht nur durchsetzbar, wenn sie zeitlich eng begrenzt bleibt

Und schon sind wir beim eigentlichen Dilemma: es gibt keinen Wirkstoff, der für einen längeren Zeitraum immunisiert. Fünf bis acht Monate sind viel zu kurze Fristen, um eine Impfpflicht sowohl organisatorisch bewältigen als auch überprüfbar durchsetzen zu können. Auch vielen, die sich mittlerweile zwei- oder gar dreimal haben impfen lassen, wird es auf Dauer nicht vermittelbar sein, dass sie nach Ablauf weniger Monate wieder in den Status „ungeimpft“ zurückfallen oder gar dazu verpflichtet werden, sich mit immer neuen Impfstoffen behandeln zu lassen, weil Mutationen die Wirksamkeit der bisherigen Präparate vollständig unterlaufen.

Alternativ könnte eine Impfplicht nur für vulnerable Gruppen in Betracht gezogen werden (war übrigens für Grippe zu Beginn der 90er des letzten Jahrhunderts schon mal so angedacht). Ansonsten bleibt nur Darwin. Einfach mal schauen, wer am Ende der jeweiligen Grippe- und Coronasaison noch lebt.  Was mich betrifft, würde ich eine Impfpflicht bejahen, wenn eine realistische Perspektive vorhanden wär – ein nur wenige Jahre währender Zeitkorridor – an dessen Ende die Ausrottung von Corona stünde.

Doch wir wissen alle: COVID-Virenstämme mutieren permanent. Eine „ewige“ Impfplicht ist allerdings off the world. Dann lieber jeden, der möchte, auf Darwin vertrauen lassen und freiwillige Impfung für jene, die aus unterschiedlichen Gründen dieses Vertrauen geunsätzlich nicht besitzen oder wegen eines Gebrechens nicht haben dürfen.

Geht es wirklich um Lebensschutz?

Wie auch immer: Unsere Regierung wird sich „im Namen aller aufrechten und anständigen Bürger“ gegen Darwin entscheiden mit dem Argument, es gehe darum, Leben zu schützen. Die gleiche Regierung übrigens, die für die Tötung Ungeborener werben und jeden Bürger frei darüber entscheiden lassen möchte, ob und wann er durch Selbsttötung aus dem Leben scheidet und darüber hinaus gern neben Alkohol und Nikotin mit Cannabis eine weitere Droge hoffähig machen will.

Die Zahl der Widersprüche ist groß, die Zahl der effektiven Wege, um auf Dauer die Spaltung der Gesellschaft mehr oder weniger zu heilen, gering. Eine Impfpflicht würde zweifellos in den ersten Wochen und Monaten die Spannungen verschärfen, dann aber erst einmal abklingen. denn am Ende ist sich immer jeder selbst der Nächste bzw. wird sich dem monetären oder sonstigen Druck, der bei Impfverweigerung aufgebaut wird, beugen. Die Frage ist nur: Wie lange? Bei Pocken oder Masern gab es auch erst Getöse, das aber schnell verhallte, weil Impfungen nachhaltig waren und/oder Virenerkrankungen komplett ausstarben. Das wird bei Corona nicht der Fall sein.

Der Staat wird also nach einer Abebbungsphase des Widerstands mit seinem zyklischen Wiederaufflammen rechnen müssen. Aber noch einmal: Wollen die Regierenden das Land nicht dauerhaft im Krisenmodus mit notstandverordnungsähnlichen Gesetzen und Vorschriften halten, haben sie keine andere Wahl. Impfpflicht oder Darwin. Sobald sie gewählt haben, gibt es kein Zurück mehr. Dann muss die Devise lauten: Augen zu und durch! So oder so!

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