Corona: Es ist besser, statt Rezos oder Neverforgetnikis Wissen „Keine Ahnung“ zu haben.

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(Michael van Laack) Wer macht den wichtigeren Job? Multiplikatoren, die eine Botschaft oder vermeintliche Tatsache unkommentiert weitergeben, um sicherzustellen, dass eine bestimmte Sichtweise möglichst vielen bekannt wird? Oder doch eher Influencer, die nicht einfach nur Meinung Dritter abbilden in der Hoffnung, dass sie bei möglichst vielen hängen bleibt, sondern davon überzeugen wollen, ihr Betrachtungswinkel zu einer bestimmten Frage sei der einzig Richtige.

Das mag ich nicht entscheiden. Was ich weiß: Beide – Multiplikatoren und Influencer – tragen eine große Verantwortung auf ihren Schultern. Denn was sie teilen, schreiben oder sagen, hat immer Wirkung auf eine große Zahl von Menschen. Überall dort, wo Multiplikatoren und Influencer (ob sie die jeweilige Botschaft tatsächlich selbst mittragen oder dies nur für Geld tun) ihre Meinung und ihre „Fakten“ präsentieren, entsteht Polarisierung. Polarisierung aber ist immer der wichtigste Baustein, letztlich sogar die Grundveraussetzung für das Entstehen von Spaltung.

Meinungsbildung in Krisenzeiten: Ein zweischneidiges Schwert

In Krisenzeiten ist es deshalb wichtiger als im normalen politischen, kirchlichen und gesellschaftlichen Chaos, dass sich vor allem die Influencer dieser Verantwortung bewusst sind. Selbstverständlich hat jeder Mensch seine eigene Sicht auf die mehr oder weniger wichtigen Fragen, die das Gemeinwesen betreffen. Und ebenso selbstverständlich hat auch jede Partei ein großes Interesse daran, dass die von ihrer vertretenen Politik von möglichst vielen Menschen angenommen wird.

Deshalb kann man von Influencern und Bloggern, die entweder direkt oder indirekt (Zuwendungen, Spenden) von Parteien oder gar staatlichen Institutionen bzw. bestimmten Blasen und Echokammern abhängig sind – die also ihr Brot damit verdienen – nicht erwarten, dass sie ausgewogen berichten. Erwarten kann man nur, dass sie den Anschein erwecken, dies zu tun, was den monetär erfolgreichen Influencern auf YouTube und anderen Plattformen in der Regel auch gut gelingt.

Die leisen Stimmen sind oftmals die klügeren

Darum sind in Zeiten, in denen viele blind fliegen auf der Suche nach Landebahnzeichen, jene Leute ganz besonders wichtig, die auf ihren Kanälen zu bestimmten Themen verschiedene Betrachtungsweisen nahezu wertfrei gegenüberstellen, manchmal auch nur den Erklärbär geben. Menschen jeden Alters, die nicht behaupten, sie allein hätten die Weisheit und Wahrheit ganz auf ihrer Seite. Leute, die ihre Mitmenschen tatsächlich noch ermutigen, selbstständig zu denken und zu einem eigenen Ergebnis zu kommen, statt auf Kommando alle Code-Einleitungen wie „Macht Euch mal klar… “ oder „Wir wissen doch alle…“ nachfolgenden Informationen eins zu eins gewissermaßen als Evangelium zu verinnerlichen.

Und so erfreue ich mich immer wieder an den im Zwei-Wochen-Rhythmus erscheinenden Videos eines jungen Mannes auf seinem Kanal „Kein Ahnung“. Selbstverständlich hat auch er zu den meisten Themen, die er behandelt, eine eigene Meinung. Diese Meinung scheint auch ab und zu durch. Alles andere wäre auch verstörend. Aber bei allem ist er unaufdringlich, nicht reißerisch, nicht prophetisch, nicht wie ein Professor von seinem Katheter herab belehrend; und vor allem argumentiert er nicht diskreditierend oder Unmut verstärkend.

„Keine Ahnung“ ist besser als zuviel „Gewissheit“

Besonders gut hat mir sein neuestes Video zum Thema Impfpflicht gefallen. Deshalb muss es Ihnen, liebe Leser selbstverständlich noch lange nicht gefallen. Schauen Sie es sich einfach an und bilden sich dann ihre eigene Meinung, denn die Meinung anderer machen sich in diesen Zeiten schon viel zu viele zu eigen. „Die da oben oder meine großen Vorbilder auf YouTube werden schon wissen, was zu denken das Beste ist.“ Wer diese Haltung einnimmt, ist eigentlich schon tot. Ganz ohne Herzstillstand.

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