Schwarz, Rot, Gold – Coronaängste und die neue Pilatusfrage: Was ist Freiheit?

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(Michael van Laack) Schwarz ist die Farbe jener, die sich vor einer Infektion, einem schweren Verlauf und (vom Ende her gedacht) vor dem Tod fürchten. Rot ist die Farbe all derer, die in der Impfung eine Gefahr für Leib und Leben sehen, Langzeitschäden befürchten und letztendlich wie jene, die Schwarz tragen, den vorzeitigen Tod fürchten.

Gold hingegen glauben beide Gruppen zu tragen. Golden ist die Freiheit. Sie dauerhaft zu verlieren, ist eine Angst, die nahezu jeden Menschen in verschiedensten Lebenssituationen umtreibt. Der Verlust der Kontrolle über das eigene Leben, sei es durch eine schwere Krankheit (z. B. Schlaganfall oder Querschnittslähmung), sei es durch einschränkende Gesetze.

Freiheit erlangen wir aktuell, so die einen, nur durch die Impfung zurück, während die anderen glauben, dass sich, wer die Impfung annimmt, jenen unterwirft, deren politische Religion in anderen Bereichen (Klimawandel, Gender Mainstreaming) längst auf dem Vormarsch ist.

Ein Land in Angst und Schrecken

Zwei Drittel der Bürger haben sich impfen lassen, ein Drittel nicht. Doch 100 % – so scheint es – lassen sich bei ihrer Entscheidung von Angst leiten und gerieren diese aus Informationen, die sie von den Influencern (Politik, Medien, Wissenschaft) beidseitig der Impfgrenze erhalten. Nur noch wenige Menschen fragen sich: „Was will ICH? Was sagt mir MEIN Herz? Zu welchem Ergebnis komme ich durch EIGENES Nachdenken?

Nun lässt sich berechtigterweise einwenden, Entscheidungen treffe der Mensch grundsätzlich auf der Basis ihm vorliegender Informationen. So sollte es sein, aber letztlich sind die meisten Menschen Herdentiere, die sich die Entscheidung, in welche Richtung sie laufen sollen, gern von den Hirten (Vordenkern) oder den Hunden (Populisten im negativen Sinn des Begriffs) abnehmen lassen.

Wir haben verlernt, frei zu entscheiden

Jahrzehntelang lief es für die meisten Menschen in Deutschland und der westlichen Welt perfekt. Zwar wurde immer mal wieder auf hohem Niveau gejammert, aber die Bäuche der meisten Bürger waren (und sind es auch heute noch) gut gefüllt, die Sparbücher auch. Kurz Das Gefühl, ein freier Mensch zu sein, hatte fast jeden Bürger erfasst.

Eine Konsumgesellschaft, in der Freiheit auch fest gemacht wurde an der Zahl der Brotsorten, der scheinbar individuellen Gestaltung des neuen PKW bei Bestellung, des Umfangs der Speisekarte in Restaurant und der Möglichkeit, sich überall in der Welt im Urlaub auszuleben. Immer neue Bedürfnisse wurden geweckt und die Möglichkeit, diese zu decken, galt und gilt vielen als Beweis dafür, dass sie freie Menschen in einem freien Land seien. Doch seit dem Römischen Reich (und vermutlich auch schon davor) steht und fällt alles mit dem „Brot und Spiele“-Prinzip. Die Herrschenden (das politische Establishment) waren sich der zentralen Funktion dieses Prinzips immer bewusst, die meisten Bürger auch heute noch nicht. Oft steht es selbst jenen nur nebulös vor Augen, die es (wie auch das sogenannte Herrschaftswissen) kritisieren, weil sie sich seiner Vorzüge nur allzugern bedienen.

Das Zerfallen der „Freiheit“

Nur dann, wenn wirtschaftliche Krisen über ein Land fegten, geriet dieses Prinzip ins Wanken und die Zahl jener, die sich über Unfreiheit und Ungeerechtigkeit im jeweils eigenen System Gedanken machten, stieg kurzfristig an. Dennoch blieb das Vertrauen in „die da oben“ zumeist groß genug, um die Krisenzeit zu überbrücken und danach die alten „Freiheiten“ wieder voll zu genießen.

Zwar kann man die Jahrtausendwende nicht im mystischen Sinn mit einer Zeitenwende gleichsetzen. Dennoch brachte der Beginn des Jahrtausends vor allem in den Ländern des Westens das System der tatsächlichen und scheinbaren Freiheit mehr und mehr ins Wanken. Millionen Menschen aus armen afrikanischen und asiatischen Länder kamen über uns, um auch ein Stück unserer Freiheitstorte zu genießen.

Das man sie über uns kommen ließ, hat seine tiefste Ursache in einem falschen Humantätsbegriff, der allerdings eng verknüpft ist mit dem hier erläuterten unvollständigen Freiheitsbegriff.  Zudem rückte in diesen Jahren die Endlichkeit der Ressourcen und damit auch die Begrenzung weiterer „Freiheits-„Möglichkeiten in das Bewusstsein vieler Menschen.

Freiheit betrachten die meisten nur unter materialistischen Aspekten

Daher auch die Angst vor den Folgen des Klimawandels. Es geht den meisten Menschen nicht darum, wirkliche „Freiheiten“ zu verlieren, sondern vieles zu verlieren, was ihren Großeltern, Eltern und auch ihnen lediglich als wichtigster Bestandteil der Freiheit vorgestellt wurde. Freiheit bedeutet für viele, zu konsumieren und zu benutzen, was sie wollen und wann sie es wollen.

Ähnliches sehen wir bei Corona. Es geht auch in dieser Freiheitsdebatte im Kern nicht einfach um die Freiheit, Entscheidungen eigenverantwortlich treffen zu können, z. B. zu bestimmen, wann man wohin geht oder mit wem man sich trifft. Es geht vielen Menschen um Huxleys schöne neue Welt, vor der ihre intellektuellen Vorbilder immer warnen, die aber in Teilen schon längst verwirklicht ist und deren (scheinbaren) Vorteile sie vermissen.

Die Wegnahme von Konsummöglichkeiten (aktuell das Recht auf Weihnachten als Genussfest und weniger im religiösen Sinn, der Verlust von Arbeitsplätzen, das Abschmelzen von Vermögen. All das wird gleichgesetzt mit die Freiheit des Individuums einschränkenden Anzeichen. Und auch das Recht des Auslebens sexueller Lust in jeglicher Spielart gehört bei Huxley einfach dazu.

„Mein Gott ist das Geld und meine Gäste die Gläubigen, die es mir bringen.“, sagte mir vor vielen Jahren ein österreichischer Hotelbesitzer. So weit gehen die meisten deutschen Bürger vermutlich noch nicht. Aber Konsum und das nötige Kleingeld dazu, das Recht auf Spaß und die Pflicht des Staates, das Ausleben jedes Bedürfnisses zu jeder Zeit zu garantieren, wird zunehmend als Fundament, wenn nicht gar als Hauptbestandteil der Freiheit identifiziert.

Verlogene Freiheitsdebatte

Deshalb widert mich die aktuelle Freiheitsdebatte, ganz egal ob Geimpfte oder Ungeimpfte, Verfechter der Impfpflicht oder Freunde von Darwin sie führen, immer mehr an. Denn selbst die meisten Politologen und Philosophen haben in dieser Debatte nicht mehr den ganzen Menschen im Blick, sondern lediglich seine Aktionsspielräume in einer Konsumgesellschaft, die sich seit Jahrzehnten (unbemerkt zunächst) immer mehr ad absurdum führt und auch ohne Migration, Klimawandel und Corona vor die Wand fährt.

Selbst dort, wo die eine wie die andere Seite in der Coronafrage Kinder instrumentalisiert, geht es den meisten vom Ende her gedacht nicht wirklich um die Kinder, sondern um sich selbst. Denn in der Coronazeit steigt aus verschiedensten Gründen der Anteil der notwendigen eigenen Erziehungsleistung. Das war die Freien nicht mehr gewohnt. Oder anders: Wir wollen zwar keine Hoheit des Staates über die Kinderbetten, aber wir wollen auch nicht allzu viel Zeit verschwenden müssen im Umgang mit unseren Kindern.

Was gehört für Sie zur Freiheit?

Wie auch immer Sie – liebe Leser – sich entschieden haben: ob für die Impfung oder dagegen, ob sie für Impfpflicht oder Darwin stehen: gehen Sie mal in sich und definieren Sie für sich den Begriff Freiheit. Schreiben Sie auf eine Liste, was aus Ihrer Sicht erfüllt sein muss, damit wir freie Menschen in einem freien Staat sein können. Sie werden überrascht sein, was ihnen bei längerem Nachdenken alles einfällt außer Theaterbesuch und Maskenfreiheit in den Schulklassen. Vielleicht sind ja sogar Punkte dabei, die sie in den vergangenen Jahrzehnten schon längst vergessen hatten, weil sie sich einer Gesellschaft hingegeben haben oder in sie hineinwuchsen, für deren Glieder ein Restaurant, das keinen Beilagenwechsel ermöglicht, bereits freiheitseinschränkende Maßnahmen vornimmt.

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