Hätten wir in Deutschland ohne Corona und Lauterbach weniger „Putinversteher“?

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(Michael van Laack) Als ich vor 100 Tagen aus gesundheitlichen Gründen in eine Blogpause ging, war ich zuversichtlich, dass sich der eisige Sturm, der in Form der Coronapolitik über Deutschland hinwegwehte, zwar nicht in ein laues Lüftchen verwandeln, aber doch deutlich abflauen würde. Ich hatte gehofft, die Debatte könne entschärft werden, ebenso die Bitterkeit in den Argumenten der Kontrahenten abnehmen und die Verhärtung der Herzen ihren Höhepunkt überschritten haben.

Orkanböen statt lauen Lüftchen

Nun, nach etwas mehr als 100 Tagen, wacht der Blog in einem Deutschland auf, dessen Opposition (die offiziellen Vertreter links wie rechts und ihre Fürsprecher in den sozialen Netzwerken) sich noch wesentlich deutlicher von Altparteien und MSM absetzt, als noch im November 2021. Aus Mahnern sind Gegner, aus Gegnern Feinde geworden. Und was mich ganz besonders erschüttert: Aus Verteidigern der Freiheit Sekundanten der Tyrannei.

Corona inkl. Impfplicht, Klimawandel, afrikanische Migration und die sich in der Folge der teilweise irrationalen Politik auf diesen Feldern entwickelnden sozialen Verwerfungen (Wohnungsnot, Inflation, Arbeitslosigkeit usw.); all das hatte ich auf dem Zettel für meinen Wiedereinstieg in die Blogwelt nach 100 Tagen. Und selbstverständlich gilt es auch, diese Themen in den kommenden Wochen zu beleuchten.

Doch wir wissen: Ein anderes Thema überdeckt alles. Der 24. Februar 2022, der Tag des Angriffs auf die Ukraine. Ein Tag, den man – in diesem Punkt gebe ich Olaf Scholz recht – in vielerlei Hinsicht als Beginn einer Zeitenwende bezeichnen muss.

Krieg hat immer eine Vorgeschichte

Ein Blick in die Geschichtsbücher – und da reichen die Seiten, auf denen die Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts beschrieben werden, vollkommen aus, hat immer eine Vorgeschichte. Fehleinschätzungen, Fehlverhalten, Fehlentscheidungen. Hinterher ist man immer klüger. Wäre das deutsche Kaiserreich keinen Beistandspakt eingegangen, hätten die Westmächte Hitler schon an der Saar oder spätestens vor Österreichs Grenzen gestoppt… Hätte, Hätte, Fahrradkette.

Und so mag auch die NATO-Osterweiterung nur wenig klug vollzogen worden und später die westliche Reaktion auf die Einnahme der Krim zu weich gewesen sein. Auch in den letzten Wochen vor dem Ukrainekrieg mögen manche Signale zu leise gewesen und deshalb von Putin als Einladung verstanden worden sein…

Aber all das ist es nicht, was mich seit etwas mehr als vier Wochen umtreibt. Auch ich halte Kritik an Biden, der EU und manch anderem Player für berechtigt. Und ja: es ist vor allem Aufgabe der parlamentarischen Opposition und der so genannten freien Medien, Sachverhalte zu beleuchten, die in den MSM liebesdienerisch oder gar nicht behandelt werden.

Die „freien“ Medien – Putins 5. Kolonne?

Was ich aber in den vergangenen Wochen auf nicht wenigen sich selbst liberal und/oder konservativ nennenden Blogs (sei es jouwatch, Die Nachdenkseiten, Unser Mitteleuropa, Philosophia perennis und manch anderen) lesen musste, hat im Wesentlichen nichts mehr mit kritischer Berichterstattung zu tun. Putins Krieg verharmlosen, Putin verstehen, das Morden der russischen Armee relativieren. Das ist es, was ich lese. Und das ist es, was mich sehr schmerzt.

Mehr jedoch schmerzt mich, dass nicht nur die genannten Strategien verfolgt werden, sondern die Taten des Kriegsverbrechers Putin in der Berichterstattung ebenso wenig vorkommen, wie die Darstellung des Leidens der Zivilbevölkerung (im Land und auf der Flucht). Statt dem ein oder anderen Bericht über die ukrainischen Flüchtlinge nur negative Berichterstattung über mit den Millionen Frauen und Kindern einfließenden Schwarzafrikaner. Statt eines Artikels über gezielte Angriffe auf Schutzräume der Zivilbevölkerung zweifelhafte Videos, die Folter von Russen in der Ukraine belegen sollen.

Statt Entlavung der Lügen Lawrows der Vorwurf an den ukrainischen Präsidenten, als Jude nazis zu unterstützen und permanent Fake News zu verbreiten. Statt Verteidigung der Freiheit offene oder im Subtext verborgene Tyrannophilie. Kriegstreiber, so lesen wir, seien ausschließlich USA und andere westliche Staaten. Putin sei gewissermaßen zum Völkermord (den man selbstverständlich nicht so nennt) gezwungen, weshalb das eben auch gar kein Völkermord sei, sondern Kollateralschäden zur Erreichung gerechter Kriegsziele.

Woher diese Kälte? Woher die Verteidigung und Verharmlosung der Unfreiheit?

Während meiner Zeit bei Philosophia Perennis (wo ich innerhalb von drei Jahren knapp 1000 Artikel verfassen durfte), konnte ich manch anderen Blogger der freien Medien kennenlernen. Bei keinem Einzigen sah ich in diesen Jahren die Tendenz, Krieg zu verharmlosen und Diktaturen zu verteidigen. Habe ich mich in diesen Menschen getäuscht? Trugen sie lediglich Masken, die mit Freiheit, Liberalismus, Konservativismus und Humanismus beschriftet waren und warteten nur auf die passende Gelegenheit, um ihrer Verachtung für Demokratie und Menschenwürde freien Lauf zu lassen?

Nein, das glaube ich nicht! Merkel, Spahn, Lauterbach, die MSM, die unerträgliche Corona-Politik, das Abschalten der Grundrechte, willkürliche und oft ineffektive Schutzmaßnahmen, linientreue Bundesverfassungsgerichtsurteile, der Umgang mit Demonstranten, die Beschimpfung von AfD-Mandatsträgern und ihren Sympathisanten als Nazis und zuletzt die Debatte über die Impfpflicht haben – so scheint es mir – viele meiner Bloggerfreunde jegliches Vertrauen in die Demokratie verlieren lassen.

Ist die Demokratie schon tot?

Innerlich sind sie aus unserer Republik ausgewandert, das Fundament der freiheitlichen Grundordnung betrachten sie als Mythos, als Floskel, als ein entkerntes Gut. Sie verachten zutiefst das politische Establishment und die linksliberalen Führer diesseits und jenseits des großen Teichs. Und sie liegen auch in vielem richtig bei dem, was sie zu Migration, Klimapolitik, Corona usw. schreiben. Das rechtfertigt aber nicht ihre unsägliche Verteidigung des Kriegsverbrechers Putin, vor allem aber nicht das Beschweigen und Verharmlosen des Leids

Dieselben Leute, die jahrelang und teilweise zurecht beklagen, die Demokratie in Deutschland erodiere massiv, die wie ich in Dutzenden Artikel auf Philosophia Perennis vor der Etablierung einer politischen Religion warnten, die fast zwangsläufig in den Totalitarismus kippen muss, verbünden sich – wenn man es so scharf formulieren will – in diesem Wochen mit einem Tyrannen, dessen Gebietsdurst nach eigenen Angaben weit über die Ukraine hinausgeht und dem Menschenleben (sowohl die des eigenen Volkes als auch fremder Völker) nichts bedeuten.

Kehrt um!

Ihr, die Ihr Euch u. a. die Verteidigung der Meinungsfreiheit in Deutschland auf ihre Fahnen geschrieben habt, stellt Euch an die Seite eines Frauen- und Kindermörders, der im eigenen Land keine Meinung neben der eigenen duldet, der seine Assassinen gegen Kritiker im In- und Ausland aussendet und zigtausende Oppositionelle in Arbeitslagern physisch und psychisch bricht.

Solange Ihr das tut, ist Euer Kampf gegen Impfpflicht und Klimawahn, Eure berechtigte Warnung vor Islamisierung und Genderideologie und manches mehr nur Worthülse. Vor allem aber Eure immer wieder virtuell an die Wand geschriebene Parole: „Wir verteidigen die Freiheit!“. Denn ihr verteidigt sie nicht, sondern reicht jenen die Fackel, die sie auf dem Scheiterhaufen der Geschichte brennen sehen möchten. Maranatha!

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