Landtagswahl im Saarland: (K)ein guter Tag für die AfD!

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(Michael van Laack) 23 Kreuze auf Wahlzetteln müssen noch gefunden werden. Auch die Erhöhung ungültiger Stimmen oder die Korrektur der Anzahl der Wahlberechtigten nach unten könnte hilfreich sein. Ansonsten wird Bündnis90/Die Grünen einmal mehr nicht in den Landtag des kleinsten Bundeslandes außerhalb der Stadtstaaten einziehen. 23? Da war doch irgendwas…

Bätschi, wir sind drin. Ihr nicht!

Auch die FDP (und das ist sicher) wird im neuen Landtag nicht vertreten sein. Ebenso die Linkspartei, die ihren jahrzehntelangen Höhenflug einer einzigen Person verdankt: Oskar Lafontaine. Tobias Hans wurde abgestraft für seine mehr als nur sprunghafte Corona-Politik und am Ende auch für seine oft unklugen Aussagen und dümmlichen Kurzvideos. Anke Rehlinger – die während der Pandemie nicht den Buhmann (bzw. die Buhfrau) spielen musste – gilt vielen Saarländern als weniger klimahysterisch als viele ihrer Genossen und zudem in Wirtschaftsfragen kompetent und maßvoll agierend.

Und die AfD? Sie ist mit 5,7 % die dritte Partei im Landtag. Drei Sitze gegen 48. Oppositionsarbeit wird da schwierig. Auch, weil nicht einmal zwischen diesen drei Landtagsabgeordneten Einigkeit herrscht. Und doch sahen wir am Ende des Wahlabends nur noch Freude über den Wiedereinzug und (klammheimlche) Schadenfreude darüber, dass es die drei anderen Kleinparteien nicht geschafft haben. Also abhaken und zurück zur Tagesordnung….

Die AfD muss sich neu aufstellen: Personell und inhaltlich!

Moment mal, so schnell bitte nicht. Jubel, Trubel, Heiterkeit sollte die AfD ob dieses Wahlergebnisses ganz sicher nicht verströmen. Denn im Gegensatz zur FDP und den Grünen hat sie von einem niedrigen Ergebnis bei den vergangenen Landtagswahlen kommend noch einmal Stimmen verloren. Die Partei, die einst antrat, mit ihrem Mut zur Wahrheit Deutschland zu verändern, scheint auch gestern Abend der Wille verlassen zu haben, sich der Wahrheit zu stellen, dass die Landtagswahlen 2021 im Westen, die BTW und auch die erste Wahl 2022 Abschwung statt Aufschwung zeigen.

Blau verliert den Glanz des Anfangs

Weidel, Chrupalla und die vielen anderen Schönredner im Bundesvorstand und anderen Parteigremien müssen endlich der Frage nachspüren, welche Faktoren neben der Verfassungsschutzdiskussion in den vergangenen 18 Monaten überall (teilweise sogar im Osten, wenn man auf aktuelle Umfragen schaut) diesen Trend erklären. Niederlagen schönsaufen war bisher das Alleinstellungsmerkmal der anderen Parteien. Damit sollte die AfD um des eben bereits erwähnten Muts zur Wahrheit willen gar nicht erst anfangen. Allerdings scheint dieser Mut in vielen Mandatsträgern längst verdunstet zu sein scheint.

Wichtige Landtagswahlen stehen 2022 noch an. Die „Weniger kann mehr sein“-Haltung vor allem der AfD-Spitzen aus dem Osten und Teilen des Südens wird dann nicht mehr helfen. Die Partei für sogenannte „Westwähler“ attraktiver zu machen, muss primäre Aufgabe der nächsten Monate sein. Um dies erreichen zu können, bedarf es in Teilen auch einer personellen und strategischen Neuausrichtung. Mit Slogans, die man in Chemnitz oder Dresden gern hört, wird die AfD in Kiel, Düsseldorf oder Hannover keinen Erfolg (mehr) haben. Maranatha! Kehrt um! Sonst frisst die Wahrheitsrevolution aus dem Osten zuerst ihre Kinder und anschließend den Wählerwillen die Partei.

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