„Glauben Sie an Gott?“ Das ist die Frage

Betendes KindAm 18.11.2019 CF auf https://fowid.de/ – Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland

Der Aspekt, dass die Art der Fragestellung auch das Ergebnis der Antworten beeinflusst, ist in der Sozialforschung hinlänglich bekannt. Insofern ist es wichtig, sich das immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, so wie es das Gallup-Institute es jetzt am Beispiel des Gottesglaubens publiziert hat. Das gleiche gilt generell, auch für Deutschland.

"Obwohl eine Gallup-Umfrage von 2018 ergab, dass die formale Mitgliedschaft in den US-Kirchen ein Allzeittief von 50 Prozent erreicht hat und sich jeder fünfte Amerikaner nicht mit einer Religion identifiziert, drückt der größte Teil des Landes immer noch den Glauben an Gott aus. Wie groß diese Mehrheit ist, hängt jedoch davon ab, wie differenziert die Antwortoptionen sind. Gallup hat diese Frage in den letzten Jahren auf drei verschiedene Arten gestellt, wobei der Glaube zwischen 87 und 64 Prozent variierte."

Zu dieser methodischen Betrachtung schreibt das Gallup-Institute: "Die höchste Glaubensstufe (87 Prozent) ergibt sich aus einer einfachen Ja/Nein-Frage, "Glaubst du an Gott", die Gallup zuletzt 2017 stellte.

Der Glaube an Gott sinkt auf 79 Prozent, wenn den Befragten drei Optionen angeboten werden, wobei eine davon Gott ist, an die sie glauben. Der Rest ist sich entweder nicht sicher, ob sie an Gott glauben oder sagen eindeutig, dass sie nicht an Gott glauben.

Der Glaube an Gott erscheint noch geringer, wenn man nur diejenigen von der fünfteiligen Frage betrachtet, die sagen, dass sie "überzeugt" sind, dass Gott existiert, 64 Prozent. Während alle drei Glaubensbekenntnisse einen Rückgang aufweisen, war der Rückgang in dieser Gruppe am stärksten.
 
Glaube an Gott

Das gilt generell und in der "Gottesfrage" auch in Deutschland. Stellt man nur die Frage Typ A: "Glauben Sie an (einen) Gott", so bewegen sich die "Ja"-Antworten im Bereich der 50-60 Prozent.
Tabelle 1
Die Tendenz der allgemeinen Verringerung, diese unspezifische Frage mit "Ja" zu beantworten ist deutlich (66-58-55 Prozent). Die Verringerung tritt vor allem in West-Deutschland zutage. Bei den römischen Katholiken ist diese stetige Verringerung signifikant. Bei den EKD-Evangelischen zeigt sich – als Hypothese – der Trend, dass diejenigen, die (bisher) nicht aus der Kirche ausgetreten sind, entsprechend die Gläubigeren sind.

Bei einer genaueren Frage zum Gottesglauben, um welche Überzeugung es sich dabei handele, sind die jeweils größte Gruppe unter den EKD-Evangelischen und den römischen Katholiken nicht mehr – wie im Glaubensbekenntnis vorgesehen – die Kirchenmitglieder, die an einen Persönlichen Gott glauben, sondern diejenigen, denen die Auffassung: "irgendein höheres Wesen oder eine geistige Macht" am nächsten ist.

tabelle 2
Auch in dieser Fragestellung ist die Veränderung bei den römischen Katholiken (Glaube an einen "persönlichen Gott") signifikant, von 36 auf 29 Prozent.

Die Verteilungen in der Tabelle 2 verweisen darauf, dass unter dem Dach der unspezifischen Frage: "Glauben Sie an (einen) Gott" sich mehrheitlich Befragte befinden, die – genau genommen – nicht an einen abrahamitischen Gott glauben, sondern an "irgendein höheres Wesen oder eine geistige Macht" – was immer das sein mag.

Nachbemerkung atheisten-info: In Österreich sind diese Zahlen zum Teil besser, wie einer Umfrage vom April 2019 zu entnehmen war: Nur 42 Prozent der Österreicher sagen: 'Ja, ich glaube an Gott'. 35 Prozent glauben nicht an Gott, sondern an ein nicht näher definiertes 'höheres Wesen', 23 Prozent bezeichnen sich als Atheisten. Auch bei jenen Befragten, die sich als Katholiken deklarieren, ist der Anteil der Gottgläubigen eher gering. 51 Prozent mit römisch-katholischem Bekenntnis glauben an einen Gott, 35 Prozent an ein 'höheres Wesen' und 14 Prozent sind Atheisten. Bei den Protestanten glauben 48 Prozent an Gott."

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Atheisten bereiten Antrag zur Anerkennung vor

ApfalterDas meldete ORF-religion am 23.9.2019. Es geht dabei darum, dass ein Verein mit der Benennung "Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich" (ARG) die staatliche Anerkennung als religiöse Bekenntnisgemeinschaft beantragt hatte, was aber abgelehnt wurde. Man hatte zwar 2015 die notwendige Mitgliederzahl von 300 erreicht, aber die Anerkennung wurde aus formalistischen Gründen verweigert.

Es ist ja im österreichischen Recht überhaupt ein Skandal, dass religiösen Gemeinschaften Sonderrechte zustehen, die weltanschaulichen Gemeinschaften verweigert werden, Deutschland herrscht diesbezüglich Gleichstand, dort können auch Weltanschauungsgemeinschaften, also zum Beispiel humanistische Verbände, wie Religionsgemeinschaften den Status einer "öffentlich-rechtlichen Körperschaft" erhalten.

Dieses in Österreich fehlende Recht will nun die ARG mittels der Bezeichnung "atheistische Religionsgemeinschaft" auch erreichen. Wilfried Apfalter, Präsidiumsmitglied der ARG, sagte laut ORF: "Wir wollen damit auch neue Räume kultureller Partizipation für Atheistinnen und Atheisten eröffnen und einen gesellschaftlichen Wandlungsprozess dessen, was als Religion wahrgenommen und angenommen wird und wie Religion gelebt wird, sichtbar machen".

In der ORF-Meldung heißt es über die formale Absicherung des nunmehr einzureichenden neuen Antrags: "Jetzt habe man von allen Mitgliedern eidesstattliche Erklärungen, dass sie keiner anderen Religions- oder Bekenntnisgemeinschaft angehören, sowie ihre Adressen und Ausweiskopien."

Meinereiner ist dort nicht Mitglied geworden, sondern weiterhin konfessionslos geblieben. Aber der Versuch der ARG, das religionslastige Recht auf diese Weise bloßzustellen und es vielleicht auszuhebeln, ist auf alle Fälle zu begrüßen.

In der BRD zeigt sich auch in der Gesetzgebung der Unterschied, wenn auch Weltanschauungsgemeinschaften denselben rechtlichen Status wie Religionen haben. In Österreich gibt es beispielsweise ein Gesetz, das religiöse Gefühle alleine schützt, hier der § 188 des Strafgesetzbuches: "Herabwürdigung religiöser Lehren – Wer öffentlich eine Person oder eine Sache, die den Gegenstand der Verehrung einer im Inland bestehenden Kirche oder Religionsgesellschaft bildet, oder eine Glaubenslehre, einen gesetzlich zulässigen Brauch oder eine gesetzlich zulässige Einrichtung einer solchen Kirche oder Religionsgesellschaft unter Umständen herabwürdigt oder verspottet, unter denen sein Verhalten geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen."

In der BRD gilt der entsprechende § 166 nicht nur für Religionen: "Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen
(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören."

Vielleicht verhilft ein als religiöse Bekenntnisgemeinschaft anerkannter Atheistenverein dem österreichischen Recht zur Gleichberechtigung der Weltanschauungen mit den Religionen?

Hier die Links zum ORF-Bericht und zur Atheistischen Religionsgesellschaft

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Blick über die Grenzen: Wie es Atheisten in Serbien geht

SerbienWEIMAR. (balkanstories/fgw) In den meisten Nachfolgestaaten Jugoslawiens sind Religionsgemeinschaften zu einer Stütze der nationalistischen Renaissance geworden. Sie werden von den Machthabern hofiert. Auch in Serbien. Nicht alle Menschen lassen sich das gefallen. Balkan Stories hat mit zwei Menschen gesprochen, die gegen die Symbiose von politischer und religiöser Macht aufbegehren.

 

 

 

Vladimir und Isidora. (Foto: Chr. Baumgarten)

Verwöhnt sind sie nicht, die „Ateisti Srbije", die größte Vereinigung von Atheisten, Humanisten und Freidenkern in Serbien. Ein Büro im engeren Sinn gibt es nicht. Haupt- oder auch nur nebenberufliche Mitarbeiter sind, wenn überhaupt, ein ferner Traum.

 

Vladimir und Isidora haben nur nach der Arbeit Zeit für ein Interview. Das dafür sehr gerne, sagen sie. Wir treffen uns im Mali Prag, im Stadtzentrum, einem bekannten kleinen Lokal gegenüber dem Hotel Prag. Vladimir ist Chef von „Veliki Prazak", „Urknall". Das ist die Zeitschrift der serbischen Atheisten. Das ist freiwillige Arbeit.

 

Der 52-Jährige, ein ehemaliger Opernsänger, verdient sein Geld als Informatiklehrer und tritt gelegentlich mit seiner Rockband auf. Den Rocker sieht man ihm auch an. Isidora, 35, ist ebenfalls Musikerin, Mozartfan und Klavierspielerin. Und war früher in einer Horror Punk-Band. Ausgebildet ist sie als Serbisch- und Englischlehrerin für die Volksschule. „Ich war früher sehr religiös", sagt Isidora. „Dann habe ich internationale Literatur studiert und auch die Bibel kennengelernt. Seitdem bin ich Atheistin." Eine offizielle Funktion bei den Ateisti Srbije hat sie nicht. Obwohl sie mit ihrer Energie und Eloquenz und der Konfliktfreudigkeit, die sie gar nicht versteckt, sicher eine hervorragende Präsidentin wäre. Da sind sich Vladimir und ich einig.

 

Schwer zu mobilisieren

Das liegt vielleicht auch daran, dass sie die 3.000 Mitglieder der Ateisti Srbije für schwer zu koordinieren hält. „Wir sind wie Katzen", sagt sie und lacht. „Darwins Katzen." – „Versuch mal, zehn Katzen in einen Raum zu setzen", ergänzt Vladimir.

 

3.000 Mitglieder – das ist ein Vielfaches dessen, was etwa Österreichs atheistische Vereine gemeinsam an Mitgliedern haben. Zu mobilisieren sind die freilich schwer, sagt Isidora: „Wir haben einmal im Jahr eine humanitäre Aktion, da sind dann zehn bis fünfzehn Leute da." Das liegt zum einen daran, dass viele der 3.000 Mitglieder in den vergangenen Jahren ausgewandert sind.

 

Auch wenn Serbiens Atheisten im Vergleich zum deutschsprachigen Raum deutlich mehr Anhänger in der Arbeiterschaft haben – im Durchschnitt haben auch sie mehr Akademiker als die serbische Bevölkerung. Das sind genau die, die auswandern. Ein Problem bei der Mobilisierung ist auch das Geld: Die Mitglieder leben übers Land verstreut. Viele haben nicht das Geld, um zu Aktionen in Beograd oder anderen großen Städten zu reisen. Im Schnitt verdienen Serben weniger als 400 Euro im Monat. Selbst der Mitgliedsbeitrag von umgerechnet 10 Euro im Jahr ist für die meisten schlicht nicht leistbar.

 

„Das ist für mich und meinen Mann schon schwer zu leisten", sagt Isidora. „Und wir haben auch Leute, wo vier oder fünf Leute im Haushalt leben und bei uns Mitglied sind. Das geht dann finanziell nicht mehr."

 

Orthodoxe Kirche wird von Politik hofiert

Vor allem beim Geld sieht man den Unterschied zur orthodoxen Kirche. Die wurde seit 1991 Stütze zuerst des serbischen Nationalismus und danach von allen Machthabern hofiert. Unter Präsident Aleksandar Vucic fließe das Geld ganz offen vom Staat zur Kirche, schildert Vladimir. Bei immer mehr Staatsakten tauchen Popen oder Patriarchen auf. Während umgekehrt auch die Regierungsspitze an offiziellen religiösen Feiern teilnimmt.

 

Im sozialistischen Jugoslawien wäre das undenkbar gewesen.

 

Was nicht nur den serbischen Atheisten schwer im Magen liegt: Auch der konfessionelle Religionsunterricht wurde in serbischen Volksschulen und Gymnasien erteilt. „Das ist ganz heftige Indoktrination", schildert Isidora. „Erteilt wird der Unterricht von Priestern und sie lehren nur das Dogma der orthodoxen Kirche. Was wir in den Schulbüchern gesehen haben, war furchtbar", sagt sie.

 

Homophobe Gewalt

Neben nationalistischen Darstellungen auch offene Hetze gegen Homosexuelle oder Atheisten. „Wir werden dort als unmoralisch und ohne jegliche Ethik dargestellt." Dieses Vorurteil hört man auch in westlichen Gesellschaften oft. In Schulbücher muss es freilich etwas subtiler dargestellt werden. „Immer wieder kommt es auch zu Gewalt gegen atheistische oder homosexuelle Schüler. Und es ist ganz klar, das kommt von der Schule", schildert Isidora.

 

Nicht, dass es für Homosexuelle in sozialistischen Zeiten immer einfach gewesen wäre, meint Vladimir: „Klar gab's bei uns auch homosexuelle Schülerinnen und Schüler. Die waren vielleicht nicht immer die beliebtesten in der Klasse. Aber, dass wir sie gemobbt oder gar geschlagen hätten, das ist nicht vorgekommen." Der hart errungene gesellschaftliche Fortschritt in vielen westlichen und anderen Gesellschaften der vergangenen 30 Jahre scheint in vielerlei Hinsicht nicht nur an Serbien vorbeigegangen zu sein. Wie in vielen ehemaligen sozialistischen bzw. stalinistischen Gesellschaften ist die Akzeptanz für Minderheit gesunken.

 

Besonders auffällig wird das bei der steigenden Gewaltbereitschaft gegen Schwule oder Lesben. Wie etwa kürzlich in Polen. Dass Mazedonien und Bosnien heuer ihre ersten Pride-Paraden erleben, spricht auch Bände. In all diesen Gesellschaften sind es Religionsgemeinschaften, die mal offen mal etwas subtiler gegen Schwule und Lesben hetzen.

 

Stütze des Nationalismus

Dazu kommt, dass die Religionen nach dem „Fall des Kommunismus" die Stützen des Nationalismus in diesen Gesellschaften geworden sind. Sofern sie nicht, wie im Fall Jugoslawiens, schon davor den gesellschaftlichen Wandel vorangetrieben haben.

 

Religion und Nation sind hier für die meisten Menschen synonym. Nur ein Orthodoxer kann ein echter Serbe sein. Nur ein Katholik Kroate. In Bosnien sind de facto die Hauptnationalitäten Bosnjaken, Serben und Kroaten identisch mit Muslimen, Orthodoxen und Serben. Die orthodoxe Kirche präsentiert sich gerne als Bollwerk gegen den Islam und die katholische Kirche und der serbischen Identität.

 

„Offenbar haben wir wirklich ein so schwaches Nationalbewusstsein, dass wir das brauchen", meint Isidora sarkastisch.

 

In Jugoslawien war das die meiste Zeit über nicht so wichtig. Vladimir sieht auch die vergangenen Zeiten kritisch: „Früher war Tito eine Art höheres Wesen, ein Ersatz für die Religionen."

 

Die schnelle Wende

Die autoritäre politische Tradition im Sozialismus habe auch den Religionen den Neustart erleichtert, schildert er: „Auf einmal sagen seltsame bärtige Männer in Kleidern den Menschen, was sie zu tun haben, und sie gehorchen."

 

Und noch etwas stärkte die Religionen: „Viele ehemalige Kommunisten und Atheisten sind die schlimmsten Gläubigen", sagt Isidora.

 

Das verlieh und verleiht Religionsgemeinschaften Legitimität durch Scheinkontinuität. Auch wenn der Gesinnungswandel von Teilen der früheren Nomenklatur wohl vielfach eher Anbiedern an neue Zeiten war als Erweckungserlebnis.

 

Die triste wirtschaftliche und politische Lage besorgt den Rest. „Die Hoffnung auf das Leben danach ist für viele ein Ausgleich für die Hoffnungslosigkeit", sagt die 35-Jährige. Das alles erklärt die starke gesellschaftliche Stellung der orthodoxen Kirche in Serbien und vergleichbarer Organisationen in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens. Nur: Religion ist hier, viel stärker als in den meisten westlichen Staaten, vor allem Herrschaftsverhältnis.

 

Das sieht man auch an zwei Gegenbeispielen: In Tschechien und in den Gebieten der ehemaligen DDR ist die überwiegende Mehrheit der Menschen atheistisch oder konfessionsfrei. Dort schaffte es aus verschiedenen Gründen keine Religionsgemeinschaft, sich als politisch relevante Trägerin eines Nationalgedanken zu etablieren.

 

„Serben sind eher schwach religiös"

In den Herzen der Menschen sei die religiöse Wende großteils nicht angekommen, auch wenn sie ihre Zugehörigkeit zur jeweiligen Mehrheitsreligion ostentativ herausstreichen, schildern Isidora und Vladimir.

 

„Im Allgemeinen sind die Serben eher schwach religiös. Wenige Menschen gehen in die Kirche oder praktizieren die Religion. Am ehesten ist die Religiosität der meisten Menschen esoterisch konnotiert." Das hindere sie nicht daran, sich bei passenden und unpassenden Gelegenheiten als traditionell religiös zu präsentieren. Nicht immer passiert das ganz freiwillig.

 

„Bei der jüngsten Volkszählung wurden Menschen, die nicht jüdisch oder muslimisch sind, unter Druck ausgesetzt, sich als orthodoxe Christen eintragen zu lassen. Und manchmal haben das die Befrager einfach gemacht, egal, was man gesagt hat", schildert Isidora. „Ich wurde wahrscheinlich als orthodox eingetragen."

 

Absurd hohe Zahlen

85 Prozent der Bevölkerung sind laut Volkszählung 2011 orthodox. Ein absurd hoher Wert, den nur die politische Rolle der orthoxen Kirche erklären kann. Etwa ein Prozent der Bevölkerung sind der Volkszählung gemäß atheistisch, etwa ein Prozent gehört kleineren Religionen wie dem Judentum an oder hat sich nicht deklariert.

 

Das ist kein Beweis für Isidoras Aussagen. Es macht sie freilich plausibler. Das macht den Kampf der Atheisten gegen die wenig segensreiche ideologische Vormachtstellung der orthodoxen Kirche in der serbischen Gesellschaft schwierig. Wenn schon bei einer Volkszählung der Druck so groß ist, will sich auch sonst kaum jemand als Atheist deklarieren.

 

Wenig Platz für Andersdenkende

Medien sind auch eher selten interessiert. Die meisten und die größten stehen Aleksandar Vucic und seinen Freunden nahe. Oder werden von ihnen kontrolliert. Da ist viel Platz für die orthodoxe Kirche als Trägerin des Serbentums. Und wenig für Andersdenkende. Seien es politisch Andersdenkende oder säkulare Kräfte.

 

Ab und zu komme es vor, dass Medien Vertreterinnen oder Vertreter der Atheisten zu TV-Diskussionen anfragen, schildern Vladimir und Isidora. „Aber da haben wir oft ein Problem, jemanden zu mobilisieren. Auch, weil es oft sehr kurzfristige Anfragen sind."

 

Religiöse Wende, Vormachtstellung der Religionsgemeinschaften, religiös gestützte Homophobie, priesterlich gesegnter Nationalismus – das sind Probleme, die Serbiens Atheisten mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen Nachfolgestaaten Jugoslawiens teilen. Zumal die Religionsgemeinschaften bei aller Feindschaft auch gerne über die Grenzen hinweg gegen die moderne Gesellschaft agitieren und kooperieren.

 

Kooperation ist schwierig

Die Atheisten tun sich da schwerer, sagt Vladimir. Gleichwohl er auch Mitglied der bosnischen und der kroatischen Atheisten ist. „Leider haben manche bosnische Atheisten politische Vorurteile gegenüber Serben. Zum Teil verstehe ich es ja. Bosnische Serben haben in Bosnien furchtbare Kriegsverbrechen begangen." Mit Segen der orthodoxen Kirche.

 

„Sogar für uns Atheisten ist es schwierig, diese Dinge hinter sich zu lassen." Dabei sei man hier bemüht, Nationalisten oder Homophobe aus der Vereinigung zu drängen. Das trifft mit Sicherheit auch auf die bosnischen und kroatischen Atheisten zu. Bei den Kroaten scheint es von wechselndem Erfolg gekrönt zu sein.

 

„Leider gibt es Mitglieder der dortigen Nationalisten, die die Operation Oluja feiern." Das ist die kroatische Militäroperation, in der die selbst ausgerufene serbische Republik in Slawonien zerschlagen wurde. 200.000 ethnische Serben flüchteten. Oder wurden vertrieben. Je nach Auffassung. Das zu feiern, geht auch für den antinationalistischsten aller Serben aus naheliegenden Gründen nicht. Aber irgendwann werde es gelingen, diese Vorbehalte zu überwinden, zeigen sich Vladimir und Isidora überzeugt.

 

Und so widrig die Ausgangslage auch sein mag, ein paar kleine symbolische Erfolge kann man feiern. „Immer mehr Medien nennen kirchliche Würdenträger mit ihrem bürgerlichen Namen. Das geht zum Teil auf unsere Aktivitäten zurück." Und die Unzufriedenheit mit der Kirche steige.

 

„Eigentlich sollten wir dem Patriarchen eine Ehrenmedaille verleihen", schmunzelt Vladimir. „Jedesmal, wenn der eine kontroversielle Aussage tätigt, kriegen wir zehn neue Mitglieder."

 

Entnomen bei http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/blick-ueber-die-grenzen-wie-es-atheisten-in-serbien-geht/

Christoph Baumgarten

 

 

 

 




Der Gott der Atheisten

Gott AtheistenMir wurde gerade die Frage offenbart, warum sich Humanisten eigentlich so sehr mit der Gottesfrage und mit Religion befassen, anstatt sich um ihren eigenen Kram zu kümmern? Man bekommt ja fast den Eindruck, ihnen wäre Gott viel wichtiger als er es den meisten Gläubigen ist.

Während der Atheismus für religiöse Menschen und ihre Institutionen nur eine marginale Rolle spielt, so nimmt die Beschäftigung mit Gott und Religion für engagierte Atheisten und Humanisten einen wichtigen, wenn nicht zentralen Platz ein. Ebenso lässt sich mit diesem Thema überproportional viel Aufmerksamkeit erzeugen. Auch meine eigenen Texte und Videos zum Thema Atheismus haben ein größeres Publikum angelockt als die anderen. Warum? Dabei ist es eigentlich nur – wie selbst der “Amazing Atheist” einräumte – ein Randthema.

Es ist mir ebenso ein Rätsel, wie man sich jahrzehntelang vornehmlich mit diesem Thema beschäftigen kann, wie das bei vielen führenden Humanisten der Fall ist. Mir wurde es nach ein paar Jahren langweilig – und das aus gutem Grund. Wie der Philosoph Raymond Tallis in seinem neuen Buch (siehe die Besprechung vom Spiked-Magazin) In Defense of Wonder schreibt, ist Atheismus nicht das Ende der Philosophie, sondern ihr Anfang.

Es genügt nicht, nur gegen Religion zu sein. Atheisten haben viel anspruchsvolle Arbeit zu leisten, wenn sie auf dem “Markt der Weltanschauungen” ernstgenommen werden möchten. Mindestens sollte man als Religionskritiker in der Lage sein, eine echte Alternative aufzuzeigen. Also eine Philosophie. Ja, man sollte seine eigene Philosophie ohne Bezug auf Religion darstellen können. Ansonsten wären atheistische Weltanschauungen am Ende nur Parasiten der Religionen, die sich dadurch auszeichnen, lediglich die Gebote und Behauptungen der Religionen abzulehnen oder deren Gegenteil zu fordern.

Greift man nur den Glauben an, wirkt man destruktiv. Damit trifft man die schlechten Seiten der Religion ebenso wie das, worauf Menschen in der ein oder anderen Form nicht verzichten können. Eigentlich sollte man nur Elemente der Religion kritisieren, auf die man ganz verzichten kann oder für die man eine Alternative im Angebot hat. Die Religion rundherum zu verdammen und an ihre Stelle irgendwelche unverdauten Ideen zu setzen, die man in der Jugend aufgesogen hat (z.B. freie Liebe, Sozialismus), ist nicht konstruktiv.

Das bloße Draufhauen auf die Religion ist kindisch. Man hat sich mit einem bestimmten Thema genauer befasst und weiß es daher besser als die anderen. Und daraus folgert man unzulässigerweise, dass man nun alles besser weiß als die anderen und sie nur Religioten sein müssen.

Man sollte hier also unterscheiden zwischen legitimer Kritik und kontraproduktiven Kindereien. Legitim ist es, konkrete Institutionen, Personen, Elemente von Religionen zu kritisieren, wenn sie individuelle Rechte nicht achten. Da ist grundsätzlich alles und jeder in Punkto Kritik vogelfrei, der sich so verhält (Atheisten natürlich ebenso). Hier wäre dann die mangelnde Trennung von Kirche und Staat ein Thema, über das man sich berechtigterweise aufregen kann.

Eine Kinderei ist es, gläubige “Dümmerchen” zu verspotten, wenn man selber keine Ahnung hat, was man an die Stelle falscher Glaubensannahmen setzen würde. Wer eine rationale Metaphysik, Epistemologie, Ethik, Politik, Ästhetik im Angebot hat, der kann die Konkurrenz kritisieren und zugleich seine Alternative erläutern. Wer das nicht hat, der sollte sich auf die Kritik von individuellen Rechten beschränken und anderweitig die Klappe halten, bis er es besser weiß. Ansonsten nimmt er gläubigen Menschen nicht nur die negativen Aspekte ihrer Ansichten weg, sondern alles – auch das, was ihrem Leben einen Sinn oder wenigstens einen größeren Sinn verleiht. Und an dessen Stelle setzt er nur pseudointellektuelles Gelaber oder Nihilismus.

Religionskritik kann also legitim sein und auch mit Sátire und allem Möglichen arbeiten. Aber sie ist nicht notwendig legitim und es gibt keinen Freischein für rein destruktives Verhalten.

Original bei Feuerbringer

Literatur: Defence of Wonder

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Ein kurzes Wort zum Atheismus

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Atheismus

Der Atheismus, lt. Wikipedia «im engeren Sinne die Überzeugung, dass es keinen Gott bzw. keine Götter gibt», definiert oder erhebt „aus sich heraus“ keinen Machtanspruch.
Er leugnet aber, ohne die Anarchie zu befürworten oder zu fordern, den direkten oder indirekten Machtanspruch von Göttinnen und Göttern oder deren irdischen Stellvertretern; vgl. Kant – Aufklärung:

Daß der bei weitem größte Teil der Menschen […] den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.

Militante Atheisten hingegen versuchen bisweilen, ihre Sichtweise zu einer „Wahrheit“ zu erheben, die sie anderen ggf. aufzwingen möchten – statt jeden glauben zu lassen was er will oder nicht will – formulieren also womöglich eine Art Ersatz-Religion, wollen vielleicht selber ein wenig „Gott“ sein und laufen damit dem Atheismus zuwider.

* * *

Zum Verständnis meines rechtlichen Standpunkts:

Religionen geben den Menschen Orientierung, wird uns bisweilen gesagt. Das tut unsere Verfassung, das Grundgesetz, auch – allerdings ohne Menschen zu bevormunden, sie einzuschüchtern oder sonstwie zu drangsalieren. Obendrein gewährleistet das Grundgesetz Rechte und Freiheiten, die so manche Religionen nichtmal gewähren.

Mit anderen Worten:

Nicht jene Gesetze und sonstigen Rechtsnormen oder Rechtsinstanzen, die vermeintlich von Göttern und / oder zur Befriedigung von Göttern, zur Befriedigung von Rachegelüsten oder dem Wunsch nach (zynischer) Strafe[1] und Ausgrenzung ohne Möglichkeit der Resozialisierung erlassen oder eingesetzt wurden, sollten Gültigkeit haben, sondern die Gesetze, die — unter Berücksichtigung der kulturellen und zivilisatorischen Entwicklung — von Menschen für Menschen gemacht sind. Nicht Sündenbockprojektionen oder das Verlangen nach (auch nur symbolischen) Opfern, sondern eine unabhängige Justiz, die weder die Interessen des Täters noch die des Opfers vertritt, eine Justiz, die das von Menschen für Menschen gemachte allgemeine und gleiche Recht unparteiisch vertritt.

Eckhardt Kiwitt, Freising

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[1] siehe beispielhaft Allahs unendliche Strafen; das Strafen ist im Koran mit Abstand Allahs Lieblingsbeschäftigung.




Austritt ohne Rückfahrkarte: Adieu, Kirche!

Riehle, Dennis_Bild6Etlichen unserer Leser auf Wissenbloggt sowie bei der Initiative Humanismus dürfte Dennis Riehle noch ein Begriff sein. Vor allem seine "reumütige" Rückkehr in den Schoss der Kirche hat viele verwundert hinterlassen. Doch nun lest selbst, wie Schicksale weitergehen und sich fortentwickeln:

Ich war ein Schaf. Nein, ich glaube nicht an frühere Leben. Und doch war ich wirklich ein Schaf – damals, im Krippenspiel, am Heiligabend, als kleines Kind. Es war mein erster bewusster Berührungspunkte mit der Kirche. Denn der Kindergottesdienst und die Aufführung zu Weihnachten, sie waren der Höhepunkt für manchen Spross, der sich damals noch nicht wirklich Gedanken darüber machte, weshalb man zum Christfest die Geburt eines Königs feierte, der in Windeln gelegen haben soll – und im Stroh zur Welt kam. Später habe ich mich hochgearbeitet – ich war Hirte, dann sogar einmal Josef. Und inmitten meiner Erziehung, die nun wahrlich keine explizit christliche Ausrichtung genommen hatte, manifestierte sich so langsam ein Interesse an dem, was da sonntags in der Kirche abging. Da spekulierte man, warum die Erwachsenen ihren eigenen Gottesdienst feierten – und wir als Kinder lediglich Lieder singen und Zeichnungen anfertigen durften.

 

Bis zur Konfirmation zeigte ich aber kein übergeordnetes Ansinnen, mich intensiver mit dem Glauben auseinanderzusetzen. Es machte mir Freude, im Religionsunterricht Bibelverse auswendig zu lernen – und gute Noten für eine ordentliche Heftführung zu bekommen. Doch dann folgte diese erste Prüfung. Sich konfirmieren zu lassen, so wurde uns erklärt, das war die Bestätigung der Taufe, zu der man als kleines Kind nicht „Ja“, nicht „Nein“ sagen durfte. Folglich war für mich klar: Ich musste mich nun mit etwas beschäftigen, was mir als Baby zunächst aufoktroyiert wurde. Mir ging es also nicht um die vielen Geschenke, die man mit der Konfirmation aus der Verwandtschaft zu erwarten hatte. Ich wollte tatsächlich mehr wissen über diesen Jesus, der von den Toten auferstanden sein sollte. Nachdem ich Neugier entwickelt hatte, wurde ich zum Streber unter den Konfirmanden. Und nicht nur das: Ich fand heraus, dass ich all dem, was man uns im Unterricht näherbringen wollte, zustimmen konnte: Ein bewusstes „Ja“ zu Jesu Geburt, Tod und Auferstehung, zur Dreieinigkeit Gottes, zu Altem und Neuem Testament.

 

Ein Hardliner des christlichen Glaubens

 

Nach der Konfirmation entschied ich mich gar, selbst in die Jugendarbeit einzutreten. Ich half fortan an mit, junge Menschen von dem Glauben zu überzeugen, für den ich mittlerweile brannte. Denn ich war mir sicher, Gott an meiner Seite zu haben. Die vielen biblischen Zusprüche, der Heilige Geist, der um uns wehen sollte, die Lichtgestalt Jesus, die Wunder vollbracht haben will und für unsere Sünden in den Tod gegangen war. Ich war sprichwörtlich zu einem „Hardliner“ unter den Gläubigen unserer Gemeinde geworden, glänzte mit meiner Unterstützung der Gemeindearbeit, durfte Andachten und Gottesdienste mitgestalten und war stolz darauf, einen Sinn gefunden zu haben, der sogar soweit reichte, letztendlich die Wunschvorstellung zu träumen, später einmal Pfarrer zu werden. Viele trauten mir das zu, ich selbst war bereits so weit gegangen, mich für die Sprachen Latein, Hebräisch und Griechisch zu interessieren, um dann einmal Theologie studieren zu können. Und wäre das nicht schon genug gewesen, hatten sich auch meine Moralvorstellungen verschärft: Konsequente Ablehnung der Abtreibung, ein kraftvolles Voraus für die Familie und Enthaltsamkeit bis zur Ehe.

 

Doch langsam bröckelte die Fassade: Zwar war ich innerlich weiter davon überzeugt, mit voller Inbrunst dem christlichen Glauben nachzueifern. Aber von außen her kratzten immer mehr Zweifel an dem, was dort auf der Kanzel gepredigt wurde. Spätestens, als ich psychisch krank wurde, fragte ich mich: „Wo ist er nun, der liebe Gott, wenn man ihn denn braucht?“. Auf die Fragen nach der Ungerechtigkeit in der Welt, auf die Theodizée-Frage, hatte ich noch immer eine Antwort gefunden. Doch nun ging es ans Eingemachte: Ich hatte eigene, tiefgreifende Probleme. Und aus meiner Umgebung der Mitchristen erfuhr ich kaum Unterstützung. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, ich hätte wahrscheinlich zu wenig gebetet, ansonsten hätte mich solch eine Krankheit nicht heimgesucht. Und bezüglich meines Wunsches, Theologe zu werden, äußerte man sich ganz ungeniert: „Psychisch kranke Seelsorger braucht die Kirche nicht!“.

 

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“.

 

Solche Aussagen hatten gesessen. Zunehmend fühlte ich mich unwohl in der eigenen Gemeinde, hatte überdies den Eindruck, als nutze man von Seiten der Kirche mein gut gemeintes Ehrenamt nur aus. Und ob Jesus nun wirklich von den Toten auferstanden war, das interessierte mich zwischenzeitlich kaum noch. „Vielleicht war er gar nicht richtig tot, als man ihn vom Kreuz abnahm“ – so äußerte ich mich unter christlichen Freunden. Und bekam immer häufiger zu hören, dass man auf meine Bekanntschaft verzichten könnte, wenn ich meinen Glauben derart fundamental in Zweifel zöge. „Darf man nicht einmal mehr hinterfragen?“, war meine innerliche Reaktion, die mich hadern ließ. Und spätestens, als in meiner dörflichen Umgebung die Spekulation aufkam, dass ich schwul sein könnte, offenbarte sich die Falschheit einer ganzen Christenheit. Gemeindeglieder wechselten die Straßenseite, als sie mich sahen. Sie tuschelten und prangerten mich an. Von „Krankheit“ war die Rede, von „Irrweg“ und von der Tatsache, dass ich als potenziell Homosexueller kein Platz mehr unter den Schäfchen finden würde.

 

Ausgrenzung und Anfeindung statt Nächstenliebe und Hingabe. Wie sollte ein Gott das zulassen, dass von ihm erschaffene Kreaturen derart behandelt würden? An das Gebet und daran, dass ich auf meine Bittrufe eine Antwort von unserem Schöpfer erhalten würde, glaubte ich mittlerweile schon lange nicht mehr. Jungfrauengeburt und Himmelfahrt waren ohnehin passé. Und je kränker ich wurde, desto öfter fiel mir der Satz von den Lippen. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Doch auch auf diese Anprangerung reagierte er nicht. Und für mich wurde zunehmend klar: In dieser Kirche, in diesem Glauben würde ich nicht mehr glücklich werden. 2012 wagte ich dann den Schritt, den ich monatelang vor mir hergeschoben hatte. Ich ging zum Standesamt und trat aus der evangelischen Kirche aus. Ein Raunen ging durch die Gemeinde: „Der ehemalige Vorzeigechrist verlässt die Kirche!“. Ja, und es war gut so. Denn ich hatte gemerkt, dass ich es nicht mehr vor mir selbst rechtfertigen konnte, ein Glaubensbekenntnis zu sprechen, von dem ich nur noch Bruchteile als mögliche Wahrheit ansah – und eine Bibel zu lesen, die ich zwischenzeitlich eher für ein Märchenbuch hielt, aber nicht mehr für eine „Heilige Schrift“.

 

Religionskritik ja, Glaubensbashing nein

 

Doch was nun? Ich fühlte, dass der Theismus für mich keine Zukunft sein konnte. Also wandte ich mich denen zu, die von Gott überhaupt nichts wissen wollten. Am Bodensee gründete ich eine humanistische Initiative, in der ich anfangs vollkommen aufging. Werte wie Mitmenschlichkeit, Solidarität, Toleranz – das war das, was ich in der Kirche vermisst hatte. Plötzlich fiel es mir auch nicht mehr schwer, auf die Institution einzuprügeln, der ich über zwei Jahrzehnte angehört hatte. Viel mehr warf ich ihr das vor, was auch atheistische, freidenkerischer oder säkulare Organisationen kritisierten: Hierarchie, Scheinheiligkeit, Inhumanität. Aber was sollte die echte Alternative in der Frage des Sinns sein: War der Mensch wirklich der Mittelpunkt allen Seins? War der Glaube an mich selbst nicht eher ein schädlicher Narzissmus? Und wie war das nun mit der Erschaffung von Universum, Erde und Natur? Zwar war ich von der Evolutionstheorie überzeugt, ich merkte aber, dass der letzte Funke nicht vollkommen übersprang. Die Suche nach einem innerlichen Ziel ging weiter.

 

Als ich immer tiefer in die säkulare Szene Einblick nehmen konnte, erschrak ich zusehends: Ein bloßes Draufhauen auf die Gläubigen, das war nicht mein Ding. Ja, Kirche und Religion anzugreifen, das war in Ordnung. Aber der Glaube war und ist etwas Höchstpersönliches für mich. Und den dahinter stehenden Menschen gilt es zu respektieren, egal, welcher Weltanschauung er auch anhängt. Und dass man mit Witzfiguren wie dem „Fliegenden Spaghetti-Monster“ der Kirche Konkurrenz machen wollte, empfand ich nicht nur als einfallslos, sondern auch als lächerlich. Humanismus ja, Spott des Glaubens nein. So war meine Devise. Und immer öfter regte sich in mir der Wunsch, der Kirche doch noch einmal eine Chance zu geben. Hinzu kamen die teils guten Gespräche mit einer neuen Generation an Geistlichen, die Hoffnung machten: Würde mich Gottes Bodenpersonal wieder zum Glauben zurückführen können? In einer persönlichen Begegnung mit einem protestantischen Pfarrer arbeitete ich die Verwundungen auf, die das frühere Gemeindeleben in mir hinterlassen hatte. Gleichsam wurde ich aber auch nicht müde, meine großen Zweifel an der vollkommenen Bibeltreue zu äußern.

 

Naive Umkehr: Die Hoffnung blieb aus…

 

Doch all das schien nicht zu stören. Viel eher hatte ich den Eindruck gewonnen, als sei ich nun wieder willkommen in der Kirche, als hätten wir uns gegenseitig manchen Fehltritt verziehen. Vom Nachhinein aus gesehen hatte ich mich möglicherweise zu sehr unter Druck setzen lassen, war ich doch noch gar nicht bereit, all das wieder anzunehmen, was mir über Jahre hinweg Kopfzerbrechen bereitete. Zwar war Gott für mich wieder präsent, doch keinesfalls als dieses personifizierte Wesen, als das es die Christen sehen. Viel eher war ich einem Pantheismus zugewandt, einer Überzeugung, wonach sich das Göttliche in allem Natürlichen wiederfindet. Die Kirche dagegen, sie schien das nicht zu stören, dass auch ich mir mittlerweile meine eigene Wohlfühlreligion zu stricken versuchte. Sie lud mich viel eher ein, den Bogen zu unterschreiben, mit welchem meine Rückkehr in die Glaubensgemeinschaft besiegelt sein sollte. Und zweifelsohne: Der Wiedereintritt in die Kirche fiel zunächst vielversprechend aus. Ich wurde herzlich begrüßt, fand nichts mehr von der Distanz wieder, die noch fünf Jahre zuvor an der Tagesordnung war. Letztlich, so kann ich heute nur attestieren, kämpft die Kirche um jedes einzelne Mitglied – und nimmt es dabei offenbar auch nicht so genau mit der Frage, inwieweit sich ihre Anhänger tatsächlich noch mit dem Glauben identifizieren, der vielerorts zur reinen Makulatur verkommen ist.

 

Heute ärgere ich mich über mich selbst, denn ich habe mich eher überredet, nicht wirklich überzeugt gefühlt, was die Umkehr zurück in die Kirche anging. Vielleicht war es auch die Angst, als Konfessionsfreier in der Luft zu hängen, keinen Anschluss zu finden und allein auf das Menschgemachte vertrauen zu müssen – ohne Verheißung, ohne Vertröstung, ohne Perspektive auf das Ewige. Konnte Religion wirklich süchtig machen, war sie tatsächlich das Opium für das Volk, von dem man sich nur schwerlich zu befreien vermochte? In meinem Falle schien das zunächst wirklich der Fall zu sein, denn relativ naiv begab ich mich zurück in den Schoß der Mutter Kirche, hatte die Hoffnung gehabt, dass mit eigenem Zureden der Glaube schon wiederkehren möge. Doch das Liebenswürdige, das Empathische, das Vertraute, es kam nicht zurück. Im Gegenteil: Ich tat mir schwer mit meiner eigenen Heimatgemeinde, die sich zusehends gewandelt hatte. Ausgegrenzt fühlte ich mich weiterhin. Und die Sache mit dem lieben Gott, sie war keinesfalls geklärt: Heute bin ich mir sicherer denn je, dass wir für die Erklärung der Welt weder einen schöpferischen, noch einen eingreifenden Gott brauchen. Die Entwicklung der Menschheit, sie ist ähnlich faszinierend wie die Entstehung des Weltraums. Doch sie lässt sich durch die Erkenntnisse der Wissenschaft weitaus plausibler nachzeichnen als durch einen biblischen Schöpfungsbericht, der auf seine Art eine Gedankenstütze sein mag – für den fragenden Bürger aber mehr Unklarheiten als Antworten hinterlasse dürfte.

 

Glaubensferne: Prüfstein für unsere Demokratie

 

Mittlerweile habe ich für mich einen Schlussstrich unter das Kapitel „Kirche“ gezogen. Ich bin endgültig ausgetreten – dieses Mal also ohne Rückfahrschein. Denn heute kann ich dem Atheismus viel Positives abgewinnen, in seiner bejahenden Variante des Humanismus reicht er völlig aus, um glücklich zu sein. Dass man im Umgang mit Glaube und Gott etwas gelassener sein darf, das habe ich verstanden. Und so empfinde auch ich die vielfältige Auseinandersetzung der säkularen Szene mit Kirche und Religion heute nicht mehr als übergriffig, sondern viel eher als künstlerisch gelungen, im besten freidenkerischen Sinne legitim und unter dem Aspekt der universellen Menschenrechte als notwendig, um die Vermächtnisse der Aufklärung fortzuentwickeln. Es gehört zu den höchsten Gütern unseres Verfassungsstaates, ganz bewusst „Nein“ zum Glauben sagen zu dürfen. Die Freiheit von religiöser Theorie und Praxis, sie stellt einen wesentlichen Prüfstein für unsere Demokratie dar. Und gerade die sich oftmals in ihrem Selbstbewusstsein eigens überhöhende Institution der Kirche muss sich daran messen lassen, wie viel Kritik sie erträgt. Gerade in Zeiten, in denen sich der Klerus immer neuen Vorwürfen ausgesetzt sieht, müssen die Botschaften der Außenstehenden eindeutig sein.

 

Doch nicht nur das: Es geht nicht allein um die Schadenfreude gegenüber den Religionsgemeinschaften. Viel eher muss sich der Gottesglaube an sich zahlreiche Fragen stellen lassen. Die für mich entscheidende bleibt die des Leidens. Je größer meine gesundheitlichen Einschränkungen dieser Tage werden, desto vehementer muss ich die Überzeugung an eine himmlische Kraft über Bord werfen. Denn nicht nur die Erschaffung von Raum und Zeit lässt sich durch die Naturgesetze viel besser erklären als durch einen deistischen Schöpfergeist; auch der Umstand, dass Krankheit zum evolutionär bedingten Leben dazugehört, ist für mich weitaus leichter zu ertragen als das gedankliche Konstrukt des theistischen Gottes, der den Menschen in Freiheitsliebe immer wieder fallen und aufstehen lässt – nur, um damit seine Allmacht unter Beweis stellen zu können. Wenn wir genügend Vertrauen in uns selbst legen, dann ist es einfacher, natürliches und menschgemachtes Leid zumindest annehmen zu können, gleichsam aber nicht akzeptieren zu müssen. Als Humanisten unterliegen wir nicht dem Zwang, Tiefschläge mit einem dahintersteckenden Sinn zu verstehen. Aber wir können mit unseren sensiblen Fertigkeiten, Trost, Ermutigung und Zuversicht zu spenden, daran arbeiten, die Schäden aus Katastrophen und selbst produziertem Unheil so gering wie möglich zu halten. Mit der Hoffnung auf transhumanistische Fähigkeiten wird zudem die Perspektive gesät, eines Tages Schmerz und Pein überwinden zu können – ohne sich dabei ständig die Frage des „Warums“ stellen zu müssen.

 

Neue Chance im Humanismus

 

Die Sache mit dem Glauben, sie lässt uns wie kaum eine andere Frage hadern und zetern. Das wundert niemanden – denn geht es in Wahrheit doch um das Existenzielle, um die Suche danach, woher wir kommen und wohin wir gehen. Ohne einen Gott sind wir als Menschen sehr viel stärker gefordert, Antworten selbst erarbeiten zu müssen. Der Humanismus krönt uns mit der Fähigkeit, die Welt auch ohne religiöse Überzeugung durchdenken zu können. Moralisch gesehen müssen wir uns von keiner Instanz Vorgaben setzen lassen, sondern sind allein der Ethik der Mitmenschlichkeit verpflichtet. Wer den evolutionären Humanismus als Option verstanden hat, Religion als abhängig machende Fixierung im Gerüst göttlicher Bevormundung gegen die Freiheit des Selbstdenkens einzutauschen, der hat einen Prozess um die Vorherrschaft der Ideologien gewonnen, welcher nicht nur zermürbend, sondern für viele Menschen auch sozial existenziell bedrohlich sein kann.

 

Ich selbst kann nur hoffen, dass mir die unabhängigen und organisatorisch gebundenen Humanisten dieses Landes die erneute Chance geben, mich in ihren Reihen zu engagieren. Denn das Wissen, sich im Miteinander der realen Vernunft für die Gesellschaft einbringen zu können, sie lässt mich ebenso frohlocken wie die Aussicht darauf, mit gläubigen Menschen fortan in einen harten, aber fairen Diskurs über ihre Religion einzutreten. Aus einer atheistischen Weltsicht erwächst gleichsam die Chance, Lebenssinn alternativ zu gestalten – die ständige Anbetung eines möglicherweise vom Menschen selbst erfundenen Gottes, sie raubt dagegen Kraft und Freude, die wir viel besser dafür einsetzen können, das Hier und Jetzt zu genießen. Mir wird es deshalb künftig eine ganz besondere Aufgabe sein, mich für eine fröhlich werbende Verbreitung humanistischen Denkens einzusetzen, die dabei auch auf Grenzwertiges im Geschmack der Religiösen setzen wird. Daneben bin ich fest gewillt, auch mein politisches Handeln in Zukunft an den Maßstäben humanistischen Daseins zu orientieren.

 

Wenngleich es lange Zeit dauerte, bis ich mich am richtigen Platz sah, so war die mehrfache Reflexion meines Glaubens ein notwendiger und wichtiger Schritt, den Humanismus nicht aus einer Momentaufnahme heraus als Weltanschauung zu übernehmen. Viel eher sollte auch er sich ständig neu kritisch überprüfen lassen – diese Mindestanforderung gilt für die religiöse Weltanschauung ebenso wie für das säkulare Gedankengut. Wie viele Menschen verharren aus banalen Beweggründen bis heute in den Kirchen, ohne sich ernstlich darüber im Klaren zu werden, ob sie Leitbild und Vereinssatzung noch mittragen. Ehrlichkeit mit sich selbst, das scheint gerade im Glauben nötiger denn je. Entsprechend ermutige ich jeden, allfälligen Zweifeln an der eigenen Religion mit Behutsamkeit und Nachsicht zu begegnen. Verbände und Organisationen der säkularen Szene stehen bereit, auch – und gerade – denjenigen aufzufangen, der nach dem Kirchenaustritt in ein emotionales Loch des Alleinseins abzurutschen droht. Die Entscheidung, sich von Kirche, Glaube und Religion abzuwenden, sie muss reifen. Dafür ist der Schritt zu groß, um ihn im Zweifel zwischen Tür und Angel zu erledigen. Und nicht zuletzt sei versichert: Atheisten befinden sich schon heute in guter Gesellschaft – kein Grund also, aus Angst vor dem sozialen Abstieg die Freiheit zu verschmähen…   

 

 

Dennis Riehle

Martin-Schleyer-Str. 27

78465 Konstanz

 

Webpräsenz:

www.Dennis-Riehle.de




Auch Percy Bysshe Shelley wußte es: „There Is No God!“

shelleypHeiner Jestrabek (Hrsg.): Percy Bysshe Shelley: „There Is No God!". Religions- und Herrschaftskritik. 172 S. m. Abb. Klappenbroschur. edition Spinoza im Verlag freiheitsbaum. Reutlingen und Heidenheim 2019. 14,00 Euro. ISBN 978-3-922589-71-6.

Rezension von Siegfried R. Krebs:

WEIMAR. (fgw) Percy Bysshe Shelley war noch nicht einmal 30 Jahre alt, als er am 8. Juli 1822 im Meer bei Viareggio an der Toskanaküste ertrank. Ein kurzes Leben, dennoch hinterließ er ein bedeutendes Werk. An eben dieses zum Teil abenteuerliche Leben, Wirken und Werk will Heiner Jestrabek mit seiner neuesten Publikation erinnern.

Denn, so Jestrabek in seiner Einführung, Shelley erlangte Berühmtheit nicht nur als einer der bedeutendsten Dichter der englischen Romantik – zusammen mit Byron und Keats – er war auch Philosoph und kämpferischer Atheist, politischer Pamphletist und Aktivist, Abenteurer, Frauenschwarm und sogar Frauenrechtler, Vorkämpfer für freie Liebe und zwischenmenschliche Beziehungen.

Das vorgelegte Buch führt knapp und übersichtlich in Leben und Werk des am 4. August 1792 als Sohn eines Baronets geborenen Dichters ein. Der Lebensbeschreibung hat Herausgeber Jestrabek eine kleine Auswahl von Shelleys radikalen religions- und herrschaftskritischen Schriften beigefügt.

Bereits der junge Shelley habe an den Vesten gerüttelt, die die feudale, bürgerliche und achso christliche Ordnung stützten: „In der Universität in Oxford, ab 1810, schloss Percy eine lebenslange Freundschaft mit Thomas Jefferson Hogg (1792-1862). Mit Hogg gemeinsam entstand auch die Idee zu dem Pamphlet 'The Necessity of Atheism' („Die Notwendigkeit des Atheismus") 1810/1811, eine philosophische Streitschrift in der Tradition der radikalen Aufklärung. Shelley und Hogg wurden wegen dieser Schrift und auch wegen ihrer rebellischen Haltung gegenüber der Collegeleitung der Universität Oxford verwiesen." (S. 9)

Auch seine Familie verstieß ihn und so mußte Shelley lange Jahren in prekären Verhältnissen leben. Dennoch ließ er sich nicht entmutigen und schuf ungeachtet dessen – und angesichts der ökonomischen und politischen Verhältnisse in Großbritannien – ein umfangreiches publizistisches Werk.

„Queen Mab" war das erste große Poem des Dichters. Diese allegorisch-utopische Verserzählung nach mythologischen Vorbildern wurde 1811 geschrieben und 1813 veröffentlicht; nunmehr unter dem Titel „Queen Mab. Philosophical Poem with Notes." Die hinzugefügten umfangreichen 'Notes' – historische und philosophische Annotationen – erweiterten das Werk zusätzlich zu einem eigenen philosophischen Manifest. Darin enthalten waren u.a. der erweiterte Wiederabdruck von „The Necessity of Atheism". Poem und Notes als ein Buch, erlangten so den Ruf einer „Bibel" der Bewegung der Chartisten, so schätzte es später Georg Bernhard Shaw (1856-1950) ein. Jestrabek schreibt seinerseits dazu: „Shelley gestaltete in seinem Poem 'Queen Mab' als eine dichterische Vision von der Zukunft der Menschheit (…) und als Perspektive zur Überwindung von Monarchie und Priestertum hin zu einer freien Gesellschaft." (S. 11)

„1814 folgt die Publikation von 'A Refutation of Deism' („Eine Widerlegung des Deismus"). Shelley grenzte sich darin eindeutig von einem 'Deismus' ab, dem damals viele Aufklärungsphilosophen anhingen, zugunsten eines konsequenten Atheismus. Er zeigte dessen Inkonsequenzen auf und widerlegte, in Form eines Dialogs zwischen den Gesprächspartnern Eusebes und Theosophus, derartige Argumente und Scheinbeweise der Kreationisten, Sophisten und aller Religiösen." (S. 15)

Jestrabek geht dann auf Shelleys Freunde und Mitstreiter, wie William Godwin (1756-1836), Lord George Gordon Byron (1788-1824) oder John Keats (1795-1821) ein. Ausführlicher wird über Shelleys zwei Ehen, und die in beiden gezeugten Kinder, berichtet. Die erste Ehe schloß er auf abenteuerliche Weise mit der damals erst 15jährigen Kaffeehausbesitzer-Tochter Harriet Westbrook. Die zweite mit Mary Godwin (1797-1851). Dazu heißt es im vorliegenden Buch:

„Durch die Flucht mit Mary war es zu einem Zerwürfnis mit Godwin gekommen, da Shelley zu diesem Zeitpunkt noch verheiratet war. Erst nach dem Tod Harriets und der Heirat mit Mary am 30. Dezember 1816 kam es zu einer Aussöhnung zwischen Percy und Mary mit William Godwin. Mary Shelley, geb. Godwin, sollte später selbst eine berühmte Schriftstellerin werden und die literarische Nachlassverwalterin Percys." (S. 19) Mary Shelley ist heutzutage vor allem bekannt durch ihren Roman „Frankenstein, or, The Modern Prometheus", erstmalig 1818 in London veröffentlicht.

Percy Shelley war nicht nur Literat. Denn, so heißt es bei Jestrabek:

„Der Kampf um politische Reformen wurde unterstützt, Anteil genommen an den infolge von Arbeitslosigkeit, Hunger und Unterdrückung entstandenen revolutionären Unruhen. Shelley veröffentlichte das Traktat 'Proposal for Putting Reform to the Vote' („Vorschlag für eine Reform des Wahlrechts"), 'An Address to the People on the Death of the Princess Charlotte' („Eine Botschaft an das Volk anlässlich des Todes von Prinzessin Charlotte"), den gemeinsam mit Mary geschriebenen Reisebericht 'History of a Six Weeks' Tour' („Geschichte einer sechswöchigen Reise"), die Verserzählung 'Laon and Cythna' wird gedruckt (und erst nach Umarbeitung als 'The Revolt of Islam') im nächsten Jahr veröffentlicht. Hierin wurden Ziele und Ideale der Französischen Revolution verteidigt und als folgerichtige Reaktion auf die vorherigen sozialen Missstände und politische Unterdrückung dargestellt. Die Handlung verlegte Shelley in den Orient und verknüpfte diese mit einer Liebesgeschichte von Geschwistern." (S. 21)

Heiner Jestrabek würdigt aber nicht nur Percy Shelley, sondern er äußert sich auch deutlich zu Mary Shelleys Verdiensten um das geistige Erbe ihres Mannes:

„Große Verdienste um die Edition seiner Werke erwarb sich seine Witwe Mary Shelley. Sie musste sich in prekären Verhältnissen durchschlagen und gegen Schikanen des Schwiegervaters wehren, der dem Werk seines verstorbenen Sohnes ablehnend gegenüberstand. Die erste durch sie besorgte zuverlässige vierbändige Ausgabe der Gedichte von Percy Bysshe Shelley mit ihren Anmerkungen erschien daher erst im Jahr 1839. (…) Mary Shelley blieb bis an ihr Lebensende politisch radikal und den Ideen von Emanzipation und Aufklärung verbunden. Sie starb am 1. Februar 1851 in London, vermutlich an einem Gehirntumor, im 54. Lebensjahr." (S. 27-28)

Zu Percy Shelley und der bis heute andauernden Mißachtung seines Werkes schreibt Jestrabek:

„Ohne Zweifel trug sein kompromissloser und öffentlich vorgetragener Atheismus dazu bei: Shelley definierte sich selbst mit einer griechisch verfassten Inschrift in einer Hütte in den Schweizer Alpen: 'Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Percy B. Shelley.' Shelley verband seine Gesellschaftskritik mit einem tief empfundenen Humanismus und Pazifismus." (S. 30-31)

Und der Herausgeber läßt Shelley diesbezüglich selbst weiter zu Wort kommen; mit einem Zitat aus dem Vorwort zu dessen letztem Drama:

„Dies ist das Zeitalter des Krieges der Unterdrückten gegen die Unterdrücker, und jene Rädelsführer der privilegierten Mörder- und Gaunerbanden, Landesherren genannt, sehen sich untereinander nach Hilfe um gegen den gemeinsamen Feind und stellen die Feindseligkeiten gegeneinander nur ein angesichts einer mächtigeren Furcht. Alle Despoten dieser Erde sind im Grunde Mitglieder dieser Heiligen Allianz. Der Kampf gegen die Hypothese 'Gott', gegen den 'gnädigen und rachevollen Gott', welcher, 'ein Urbild menschlicher Tyrannenherrschaft', als metaphysische Projektion der Monarchie erfunden wurde – dieser kämpferische Atheismus ist die Voraussetzung für die Unschädlichmachung jenes Hauptinstruments jahrhundertelanger Gewaltherrschaft, dessen Name Christentum lautet." (S. 31)

Nach der doch etwas längeren Einführung durch den Herausgeber folgen nun einige Schriften aus Shelleys Feder. Zunächst – und erstmals vollständig in deutscher Sprache – „The Necessity of Atheism – Die Notwendigkeit des Atheismus" aus dem Jahre 1811 auf den Seiten 33 bis 47.

Bemerkenswert, wie Shelley sich hier mit der christlichen Behauptung von einem Leben nach dem Tode auseinandersetzt! Er fragt nicht, ob es ein Leben nach dem Tode gäbe, sondern ob es schon ein Leben vor dem Tode gegeben habe. Mit solchem Argument sollte man heute ebenfalls pfäffische Sprüche kontern.

Shelley wörtlich: „Haben wir vor der Geburt existiert? Es ist schwierig, diese Möglichkeit sich vorzustellen. Im generativen Prinzip jedes Tiers und jeder Pflanze gibt es eine Kraft, die die Substanzen homogen mit sich selbst verändern. (…) Wenn wir vor der Geburt nicht existiert haben; wenn in der Periode, in der die Teile unserer Natur, von denen Gedanke und Leben abhängen, untereinander verwoben scheinen; wenn es keinen Grund gibt anzunehmen, wir hätten vor dieser Zeit existiert, in der offenbar unsere Existenz beginnt, dann gibt es keinen Grund anzunehmen, dass wir nach unserer Existenz weiter existieren werden. Soweit es Gedanke und Leben angeht, wird das gleiche mit uns geschehen individuell gesehen nach unserem Tod wie vor unserer Geburt. (…) Es wird gesagt, wir könnten weiter auf eine Weise existieren, die gegenwärtig für uns unvorstellbar ist. Das ist eine höchst unvernünftige Annahme…" (S. 47)

Als weiteres Werk Shelleys wird dann auf den Seiten 48 bis 132 sein Poem „Queen Mab. Philosopical Poem With Notes" („Feenkönigin Mab. Philosophisches Poem mit Anmerkungen") aus dem Jahre 1813 im englischen Original und in deutscher Übersetzung vorgestellt. Diese Schrift in Versform dürfte allerdings für heutige Leser nur schwer zu lesen (und somit zu verstehen) sein. Nicht so aber die „Anmerkungen" I bis XVI. Diese sind überwiegend in Prosa geschrieben und geben nicht nur Aufschluß darüber, welch beachtliche naturwissenschaftliche Erkenntnisse damals schon – unter Gebildeten – vorhanden waren. Da kann man als Heutiger nur staunen.

Und nicht zuletzt machen gerade diese Anmerkungen den philosophischen und religionskritischen Wert von Shelleys Schaffen aus. Hier sei nur auf die Anmerkungen IX, XII und XV verwiesen.

Unter „IX" heißt es bei Shelley u.a.. „Der Zustand der Gesellschaft, in welchem wir uns befinden, ist ein Gemisch feudaler Wildheit und unvollkommener Zivilisation. Die beschränkte und unaufgeklärte Moral der christlichen Religion verstärkt noch diese Übel." (S. 140)

Und an anderer Stelle schreibt er mit Bezug auf freie Liebe und Partnerwahl: „Ich glaube mit Bestimmtheit, dass aus der Abschaffung der Ehe das richtige und naturgemäße Verhältnis des geschlechtlichen Verkehrs hervorgehen würde. Ich sage keineswegs, dass dieser Verkehr ein häufig wechselnder sein würde; es scheint sich im Gegenteil aus dem Verhältnis der Eltern zum Kinde zu ergeben, dass eine solche Verbindung in der Regel von langer Dauer sein und sich vor allen andern durch Großmut und Hingebung auszeichnen würde. Aber vielleicht ist es noch zu früh, diesen Gegenstand zu besprechen. Was immer aus der Abschaffung der Ehe entspringen mag, wird naturgemäß und recht sein, weil Wahl und Wechsel vom Zwange befreit sein werden.

In der Tat bilden Religion und Moral, wie sie gegenwärtig beschaffen sind, ein praktisches Gesetzbuch des Elends und der Knechtschaft; der Genius des menschlichen Glückes muss jedes Blatt aus dem verruchten Gottesbuche reißen, bevor der Mensch die Schrift in seinem Herzen lesen kann." (S. 142-143)

In Anmerkung XII konstatiert Shelley u.a. dies: „Es ist wahrscheinlich, dass das Wort 'Gott' ursprünglich nur ein Ausdruck war, der die unbekannte Ursache der bekannten Ereignisse bezeichnete, welche die Menschen im Weltall wahrnahmen. Durch die gewöhnliche Verwechselung einer Metapher mit einem wirklichen Wesen, eines Wortes mit einer Sache, ward ein Mensch daraus, mit menschlichen Eigenschaften begabt und das Weltall lenkend, wie ein irdischer König sein Reich regiert. Die Anreden an dies imaginäre Wesen klingen in der Tat ähnlich, wie die Anreden der Untertanen an einen König…" (S. 147)

Das wird von Shelley unter „XV" noch weiter ausgeführt: „Während vieler Jahrhunderte des Elends und der Finsternis fand diese Geschichte unbedingten Glauben; allein endlich standen Männer auf, welche argwöhnten, dass sie Fabel und Betrug sei, und dass Jesus Christus, weit entfernt, ein Gott zu sein, nur ein Mensch, gleich ihnen selbst, gewesen. Aber eine zahlreiche Menschenklasse, welche enormen Gewinnst aus jener Meinung, in der Gestalt eines bei dem Volk herrschenden Glaubens, zog und immer noch zieht, sagte der Menge, wenn sie nicht an die Bibel glaube, werde sie ewiglich verdammt werden, und verbrannte, verhaftete und vergiftete alle vorurteilsfreien und vereinzelten Forscher, welche gelegentlich aufstanden. Sie unterdrückt dieselben noch immer, soweit das Volk, welches jetzt aufgeklärter geworden ist, solches gestatten will. (…) Dieselben Mittel, welche jeden anderen volkstümlichen Glauben gestützt haben, haben das Christentum gestützt. Krieg, Einkerkerung, Meuchelmord und Lüge; Taten beispielloser und unvergleichlicher Rohheit haben es zu dem gemacht, was es ist. Das Blut, welches die Bekenner des Gottes der Barmherzigkeit und des Friedens seit der Einführung seiner Religion vergossen haben, würde wahrscheinlich genügen, um die Anhänger aller anderen Sekten, die jetzt auf der Erdkugel wohnen, zu ersäufen." (S. 151-152)

Deutlicher kann Religions- und insbesondere Kirchenkritik nicht sein. Und 200 Jahre NACH Shelley haben seine Worte leider immer noch Gültigkeit hier in diesem unseren Lande und nicht nur in dieser „Kirchenrepublik"…

Als drittes Werk Shelleys wird auf den Seiten 159 bis 169 das Poem „The Mask of Anarchy. Occasion of the Massacre of Manchester" („Die Maske der Anarchie. Über das Massaker von Manchester") aus dem Jahre 1819 in englischer Sprache und in deutscher Übersetzung vorgestellt.

Eine Bibliographie sowie ein Überblick über weiterführende Literatur runden diese informative und zum Nachdenken anregende Publikation ab.

Und erneut muß dem rührigen humanistischen und libertären Freidenker Heiner Jestrabek dafür Dank gesagt werden, daß er uns Heutigen wieder einmal einen mehr oder weniger vergessenen Vordenker ins Bewußtsein gerufen hat.

  Entnommen bei http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/auch-percy-bysshe-shelley-wusste-es-there-is-no-god/?fbclid=IwAR0tkDnqGAM8-0IbZa_JrbajDmgD90Nd9loNxNAE0Lf3dn2OHlTIHU0KbOE

 

Siegfried R. Krebs

 

 




Franz Josef Wetz – Eine neue Kultur des Abschieds. Wo ist sie? Rezension von Siegfried R. Krebs

Tot ohne GWEIMAR. (fgw) Franz Josef Wetz, geb. 1958 und seines Zeichens Professor für Philosophie und Ethik in Schwäbisch Gmünd, will nach eigenem Bekunden in seinem neuesten Buch „Tot ohne Gott – Eine neue Kultur des Abschieds“ die Facetten „unserer Endlichkeit“ reflektieren.

Doch leider verspricht der Titel mehr als es der lange Text zu halten vermag. Diesen hat er in fünf Hauptabschnitte unterteilt, überschrieben mit „Endlichkeit"; „Gibt es ein Leben nach dem Tod?"; „Wer stirbt schon gerne?"; „Metaphysik und Metastasen" sowie „Wie ist Trost möglich?".

Seine betrachtete Welt ist fast ausschließlich die des hellenistisch-römischen und später christlichen Europas. Ihm fehlt bei aller konstatierten Globalisierung jedoch die universelle Weltsicht, so daß er stets nur von „Gott" – aber ohne Anführungszeichen – spricht und die Abertausende Götter anderer Religionen negiert.

Vor allem aber vermißt man eigene Gedanken, Erkenntnisse und konkrete Vorschläge. Wetz referiert dafür in epischer Breite gelesene Texte Dritter aus Literatur, Philosophie und Naturwissenschaften. Seine Eloquenz ist auch daher in starkem Maße gepaart mit Geschwätzigkeit und geistiger Begrenztheit bürgerlicher Wissenschaftler. Denn dem Leser werden lediglich das Leben gehobener akademischer Mittelschichten Mittel- und Westeuropas sowie Nordamerikas und deren Probleme/Befindlichkeiten offeriert. Wie aber sieht es mit Leben und Sterben in den „Unterschichten" und vor allem in der sogenannten Dritten Welt aus? Das bleibt weitestgehend ausgeblendet.

Und für Deutschland vermißt man mit wachsendem Unbehagen, ja mit Ärger, Aussagen zu diversen freigeistigen und humanistischen Organisationen, insbesondere zu deren vielfältigen Angeboten in Sachen Sterbe- und Trauerkultur. Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) und die Deutsche Gesellschaft für humanes Sterben (DGHS) kommen bei Wetz einfach nicht vor. Das vermißt man gerade bei seinen Auslassungen zum Thema „Freitod" (S. 161-163; 197-198).

Für eine „neue" Kultur des Abschieds haben doch seit Ende des 19. Jahrhunderts freigeistige Vereine viele praktische Erfahrungen gesammelt und diese in gedruckter Form verallgemeinert. Man denke da nur an das Wirken des Deutschen Freidenker-Verbandes schon in den 1920er Jahren. Oder die Publikationen der Humanistischen Akademien in den vergangenen Jahren. Aber auch das alles kommt bei Wetz nicht vor. Nur knappe allgemeine, eigentlich nichtssagende, Phrasen. Schade!

Siegfried R. Krebs

Link zum Artikel http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/franz-josef-wetz-eine-neue-kultur-des-abschieds/

 

Franz Josef Wetz: Tot ohne Gott. Eine neue Kultur des Abschlieds. 312 S. Klappenbroschur. Alibri-Verlag. Aschaffenburg 2018. 20 Euro. ISBN 978-3-86569-249-8

 




„Göttlich“ — ungültig. Von Eckhardt Kiwitt

ghost_300rgb-slimgreenVielen unserer Leser wird der Autor Eckhardt Kiwitt noch bekannt sein.Ich kene ihn nunmehr seit zehn Jahren, als er als reiner Islamkritiker in Erscheinung trat. Inzwischen ist auch er zu einem generellen Religionskritiker und Humanisten gereift, obwohl ihm Auswüchse des Islam nach wie vor am Herzen liegen.

Als er erfuhr, dass ich Wissenbloggt wieder in eigener Regie fortführen muss, hat er sich spontan bereit erklärt, mir bei dieser nicht ganz leichten Aufgabe behilflich zu sein. Als erste Frucht dieses Angebots lege ich heute seinen Aufsatz "Göttlich" – ungültig vor:

Anmerkungen zu einem Interview [mit einem Religionsgelehrten]

***

1.:_Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Religionen
2.:_Menschliche Gesetze und göttliche Moral
3.:_Einschränkungen religiösen Lebens

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«Gott ist todt» meinte, unterschiedlich gedeutet, einst der Philologe und Philosoph Friedrich Nietzsche in seiner „Fröhlichen Wissenschaft“.
«Nur ein bißchen» könnte man entgegnen, oder «Nein, es hat ihn nie gegeben».
Als Idee in den Köpfen von Menschen hingegen mag man etwas, das wir Gott nennen — oder Göttin — akzeptieren. Wechselwirkungen gibt es aber zwischen diesem „Gott“ und dessen Umgebung keine, weshalb man es von etwas, das nicht existiert, nicht unterscheiden kann. Wechselwirkungen gibt es zwischen den Menschen, die eine Idee von Gott — z.B. als einem Instrument zur Legitimierung von gesellschaftlicher und politischer Macht, als Tröster in der Not oder zwecks Bevormundung — haben, und anderen Menschen.

Am 3. Dezember 2018 veröffentlichte eine Berliner Tageszeitung auf ihrer Website ein Gespräch, das einer ihrer Redakteure mit einem Religionsgelehrten geführt hat.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Religionen

In diesem Interview rechtfertigt der Religionsgelehrte, dass einige Mitglieder seiner wie auch anderer Religionsgemeinschaften Frauen zur Begrüßung den Handschlag verweigern und meint, man solle diese Verweigerung respektieren.[*] Der von dem Erziehungswissenschaftler Wilhelm Heitmeyer geprägte Begriff der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit klammert zwar die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts lt. einem in der Wikipedia veröffentlichten Artikel für diesen Fall aus, doch bin ich der Meinung, dass die Verweigerung des Handschlags (zur Begrüßung) gegenüber Frauen, nur weil sie Frauen sind, in diese Kategorie gehört — zumal unsere Verfassung, das Grundgesetz, in Artikel 3 Satz 3 festhält: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes […] benachteiligt oder bevorzugt werden.“

Menschliche Gesetze und göttliche Moral

Die Frage, ob Gottes Wort über den von Menschen gemachten Gesetzen stehe, kontert der Religionsgelehrte mit den Worten, dass „jedes menschliche Gesetz eine göttliche Stärke“ erhalte, wenn es ein moralisches Gesetz sei. Den Begriff der Moral erläutert er nicht näher, und dass die „göttliche Stärke“ nicht auf einen Gott oder eine Göttin zurückgeht, sondern auf Menschen, lässt er außer acht. Mit welcher Moral er die im vorigen Absatz erwähnte Diskriminierung von Frauen, nur weil sie Frauen sind, rechtfertigt, erfährt der Leser des Interviews nicht.

Einschränkungen religiösen Lebens

Der von der Berliner Tageszeitung interviewte Religionsgelehrte sagt, dass christliche, jüdische und muslimische Geistliche verstanden hätten, dass ein Verbot der Knabenbeschneidung „Anschläge auf die Religionsfreiheit“ seien. Ich bin der Meinung, dass das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung eine Straftat ist. Entsprechend lässt sich z.B. jeder Chirurg vor einer Operation eine Einverständniserklärung seines Patienten unterschreiben. Der Religionsgelehrte sowie diejenigen, die seine Position unterstützen, beanspruchen aus meiner Sicht also (für sich) das vermeintliche „Recht“, im Rahmen der Religionsausübung Straftaten begehen zu dürfen. Die Religionsfreiheit der Grundgesetz-Artikel 4 und 140 legitimiert das Begehen von Straftaten und anderes Unrecht jedoch nicht.
Die Zirkumzision mag in Einzelfällen aus medizinischen Gründen geboten sein, aber: Wenn ich jemandem auf der Straße begegne, sehe ich ihm gar nicht an, ob er beschnitten ist oder nicht, kann seine mögliche Religionszugehörigkeit an diesem Merkmal folglich nicht erkennen — und habe auch nicht das Bedürfnis, dies näher zu untersuchen.
Falls das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung – entgegen der Aussage in unserem Strafgesetzbuch – keine Straftat sein sollte, was ist es dann? Oder ist Körperverletzung nur dann keine Straftat, wenn sie „religiös“ intendiert ist? Soll also das Begehen von Straftaten dann legitimiert sein, wenn dies als zur „ungestörten Religionsausübung“ gehörend deklariert wird? Das könnte einen beträchtlichen Interpretations- und Handlungsspielraum eröffnen (siehe dazu auch «Angst», Punkt 5, vom 20. Oktober 2012 auf dieser Website).
Der Gesetzestext sowie die juristischen Erläuterungen zum § 1631d des Bürgerlichen Gesetzbuches [BGB] (Beschneidung des männlichen Kindes) überzeugen mich insofern nicht, als für mich nicht ersichtlich ist, warum Eltern bzw. Erziehungsberechtigte (Stichworte „Personensorge“ sowie „Elterliche Sorge“) darin einwilligen dürfen, dass sich jemand ohne medizinische Notwendigkeit an ihrem Kind vergeht und ihm eine erhebliche Körperverletzung zufügt — siehe oben in diesem Abschnitt.
Ein «Bund mit Gott», wie bisweilen behauptet, wird mit der Beschneidung ohnehin nicht geschlossen, da es den dafür erforderlichen Gott allenfalls als Idee in den Köpfen von Menschen gibt. Auch wurde bislang kein Volk und keine sonstige soziale Gruppe von irgendeinem Gott für was auch immer „auserwählt“; den zugehörigen Gott hat jemand vor mehr als zweitausend Jahren erfunden, um sich und sein Volk anschließend als ein von diesem von ihm selbst erfundenen Gott auserwählt zu erklären.

Damit, dass der Religionsgelehrte in einem Verbot der Knabenbeschneidung „Anschläge auf die Religionsfreiheit“ sieht, konstruiert er einen Opferstatus. Eine Sonderrolle oder Sonderrechte aus religiösen oder sonstigen Gründen für sich zu beanspruchen oder einzufordern löst oft jedoch erst die Reaktionen aus, über die man sich anschließend beklagt. So institutionalisiert man einen Opferstatus, den man ewig fortschreiben kann. Das halte ich für unredlich.[**]

Moral und Recht haben sich im Laufe der Geschichte manchmal gewandelt. Was in früheren Zeiten oder in anderen Kulturkreisen moralisch geboten schien und als rechtlich abgesichert galt oder noch immer gilt, wird heute oder andernorts teils ganz anders bewertet. Dieser Prozess ist ständig im fluss.

Lieber Rabbi Goldschmidt, meine Ausführungen sollen weder antisemitisch noch antijüdisch sein, ich kritisiere jedoch Menschenrechtsverletzungen, ungeachtet, wer diese verübt.
Falls es — bezogen auf die jeweilige Religion oder sonstige Ideologie, nicht auf die Menschen — jedoch antisemitisch (judentumsfeindlich) oder was-auch-immer-feindlich wäre, Menschenrechtsverletzungen sowie anderes Unrecht zu kritisieren: Was bedeutete dies dann im Umkehrschluss?
Wie willst Du mit Menschenrechtsverletzungen und mit Kritik an Menschenrechtsverletzungen umgehen?

Ein wenig Selbstkritik wird weder Dir noch Deinen Glaubensbrüdern einen Identitätsverlust bescheren oder einen Imageschaden zufügen — im Gegenteil. Selbstkritikphobie hingegen hilft nicht weiter.
Zum Verständnis: ich habe in den Jahren 2008-2012 — leider ! — ein paar Gastbeiträge für eine vorgeblich islamkritische Website geschrieben, deren seinerzeitiger (und auch noch jetziger?) Betreiber ein aus meiner Sicht rechtsreaktionärer Psychopath ist, was ich seinerzeit nicht erkennen wollte, der auf seiner Website u.a. damit wirbt, dass er „proisraelisch“ sei. Er ist es m.E. jedoch nicht, sondern täuscht dies nur vor. Insofern stimme ich mit Dir, Rabbi Goldschmidt, überein, wenn Du gegen Ende des Interviews sagst, dass „extrem rechte Parteien versuchen, jüdische Gemeinden zu erobern – aber nicht, weil sie Juden mögen, sondern weil sie sich davon einen Koscherstempel für ihre Ideologien erhoffen“.

Das vollständige Interview, das Malte Lehming mit Rabbiner Pinchas Goldschmidt geführt hat, finden Sie, nebst 69 Leserkommentaren (von mir ist keiner dabei), auf der Website des Berliner TAGESSPIEGEL unter „Wir wehren uns gegen Anschläge auf die Religionsfreiheit“.

_____
[*] Zwar formuliert unsere Verfassung Rechtsbeziehungen zwischen Bürger und Staat, nicht zwischen Bürgern untereinander. Dennoch finde ich es seltsam, dass jemand, der sich auf ein Verfassungsrecht beruft, speziell auf die Religionsfreiheit, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im persönlichen Umgang derart einstuft.

[**] Zum Verständnis siehe meine Schlussworte (in kleinerer Schrift) im Beitrag Begriffsverwirrung: Diskriminierung, Islamfeindlichkeit, Rassismus


Link zum Originalartikel: https://islamprinzip.wordpress.com/2018/12/09/goettlich-ungueltig/




Das Opium des Volkes

Brauchen wir eine Kriminalgeschichte des Atheismus?

(von Dr. Edgar Dahl, Initiative Humanismus).

John Adams, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika, sagte einmal: „Dies könnte die beste aller möglichen Welten sein, wenn es nur keine Religion in ihr gäbe.“

Mit dieser Aussage stand John Adams nicht allein. Auch Thomas Jefferson, Benjamin Franklin und Thomas Paine hatten für das Christentum nur wenig übrig. Angewidert von den Religionskriegen, die unnötiges Leid und Elend über ganz Europa brachten, sprachen sie sich für eine in der Verfassung verbriefte Religionsfreiheit und eine strikte Trennung von Staat und Kirche aus.

Auch wenn es unter der Regierung von George W. Bush nahezu in Vergessenheit geraten wäre, sind die Vereinigten Staaten von Amerika doch ein säkularer Staat. So heißt es beispielsweise in dem unter George Washington ausgehandelten „Treaty of Tripoli“ von 1797 ganz unmissverständlich: „The Government of the United States of America is not, in any sense, founded on the Christian religion.“

In Erwiderung auf den “Kreuzzug der neuen Atheisten”, wie ihn „Der Spiegel“ auf einem Titelblatt kürzlich bezeichnete, ist der Säkularismus neuerdings wieder in die Kritik geraten. Einige, allen voran Joseph Ratzinger, machen ihn für eine „Diktatur des Relativismus“ verantwortlich. Andere, wie etwa Manfred Lütz, gehen sogar noch einen Schritt weiter und bezichtigen ihn, Gewalt zu säen und zwangsläufig zu KZs und Gulags zu führen.

Wenn sich ein Theologe wie Lütz dazu hinreißen lässt, den Faschismus und den Kommunismus als „atheistische Freilandversuche“ zu bezeichnen, muss man ihn eigentlich keiner Antwort würdigen. Wenn jetzt jedoch sogar säkulare Philosophen in dieselbe Kerbe schlagen, scheint ein Wort der Kritik angebracht.

In seinem Aufsatz „Sind AtheistInnen die besseren Menschen?“ hat Michael Schmidt-Salomon behauptet, dass es an der Zeit sei, neben einer „Kriminalgeschichte des Christentums“ endlich auch eine „Kriminalgeschichte des Atheismus“ zu schreiben.1

Mir scheint, dass Schmidt-Salomon mit dieser Forderung denselben Fehler begeht wie Joseph Ratzinger und Manfred Lütz, die die Diktaturen von Stalin, Mao und Pol Pot als die logische Folge des Atheismus betrachten.

In meinen Augen ist eine „Kriminalgeschichte des Atheismus“ genauso absurd wie eine „Kriminalgeschichte des Monismus“. Sowohl der Atheismus als auch der Monismus sind lediglich philosophische Positionen, keine politischen Ideologien. Beide, der Atheismus und der Monismus, stellen lediglich eine Nichtexistenzbehauptung auf. Der Atheismus behauptet, dass es keinen Gott gebe. Und der Monismus behauptet, dass es keine von unserem Gehirn unabhängige Seele gebe.

Keine dieser Behauptungen hat irgendwelche normativen Implikationen. So wie aus dem Monismus keinerlei politische Konsequenzen folgen, so folgen auch aus dem Atheismus keinerlei politische Konsequenzen. Dass ein Mensch die Existenz Gottes leugnet, verpflichtet ihn daher auch zu keiner politischen Philosophie. Wie ein Monist, so kann auch ein Atheist ebenso sehr ein Anarchist, ein Absolutist, ein Royalist, ein Kommunist, ein Sozialdemokrat oder ein Liberaler sein.

Da philosophische Positionen wie der Atheismus und der Monismus keinerlei politische Konsequenzen haben, erscheint es mir auch vollkommen verfehlt, ihnen eine Kriminalgeschichte anzudichten. Mir jedenfalls ist niemand bekannt, der jemals einen Menschen „im Namen des Monismus“ getötet hätte.

Was vom Atheismus gilt, gilt freilich auch vom Theismus. Wie der Atheismus, so ist auch der Theismus keine politische Ideologie, sondern eine philosophische Position. Während der Atheist eine Nichtexistenzbehauptung aufstellt, stellt der Theist eine Existenzbehauptung auf. Während ersterer davon überzeugt ist, dass es keinen Gott gebe, ist letzterer davon überzeugt, dass es einen Gott gebe.

Der bloße Glaube an die Existenz eines Gottes ist jedoch genauso wertneutral wie der Glaube an die Nichtexistenz eines Gottes. Dies wird gerade auch durch die eingangs erwähnten Gründerväter der USA verdeutlicht. Wie Voltaire und so viele andere Aufklärer des 18. Jahrhunderts, so waren auch Washington, Jefferson und Franklin „Deisten“. Das heißt, sie glaubten an einen „Schöpfer“, der diese Welt geschaffen habe. Doch sie hielten dieses „höhere Wesen“ für einen unpersönlichen Gott – einen  Gott, der sich nicht um die Belange der Menschen kümmere und keinerlei Anteil an ihrem Schicksal nehme.

Der Deismus ist nur eine Variante des Theismus. Was vom Deismus gilt, gilt aber auch vom Theismus: Er ist vollkommen wertneutral. Moralische, rechtliche und politische Relevanz gewinnt der Theismus erst, wenn er von einer philosophischen Position zu einer theologischen Offenbarungsreligion übergeht. Hierzu bedarf es aber mindestens dreier zusätzlicher Annahmen. Erstens, dass der Schöpfer nicht ein unpersönlicher, sondern persönlicher Gott ist. Zweitens, dass er seinen Willen offenbart hat. Und drittens, dass er Gehorsam gegenüber seinem Willen verlangt.

Welche moralischen, rechtlichen und politischen Konsequenzen sich aus einem solchen Glauben ergeben, hängt freilich allein vom vermeintlichen Willen dieses Gottes ab. Im Prinzip kann dieser Gott die unterschiedlichsten Forderungen erheben. So mag er verlangen, dass man sich ausschließlich seinem Willen unterwirft. Er mag aber auch Gehorsam gegenüber dem Propheten, dem Papst, dem Kaiser, dem Führer oder dem Vorsitzenden einfordern.

Doch ganz unabhängig davon, wessen Willen sich die Menschen unterwerfen sollen, sobald sie es tun, tun sie es nicht mehr nur im Namen eines bloßen Theismus, sondern bereits im Namen einer Religion – eines theistischen Glaubenssystems mit einer eigenen Moral,  einem eigenen Recht und einer eigenen Politik.    

Wer etwa dazu aufruft, Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung geworden sind, zu steinigen (5. Mose, 22, 23 – 24), oder Männer, die einen anderen Gott angebetet haben, zu erwürgen (5. Mose, 13, 7 – 12), tut dies nicht im Namen des Theismus, sondern im Namen einer der Buchreligionen – sei es des Judentums, des Christentums oder des Islams.

Da die Christen, wie wir alle wissen, Juden, Moslems, Hexen und Häretiker getötet haben, ist es vollkommen angemessen, von einer „Kriminalgeschichte des Christentums“ zu sprechen. All diese Verbrechen sind schließlich im Namen des christlichen Gottes verübt worden.

Doch worin soll eigentlich die „Kriminalgeschichte des Atheismus“ bestehen? Da der Atheismus lediglich behauptet, dass es keinen Gott gebe, ist es schwer, sich vorzustellen, wie jemand „im Namen“ dieser Überzeugung andere Menschen quälen, foltern oder gar töten könnte.

Genau an dieser Stelle erfolgt nun der sattsam bekannte Hinweis auf Stalin, Mao und Pol Pot. Sind in Russland, China und Kambodscha nicht Menschen wegen ihrer Religion verfolgt und getötet worden?

Sicher, doch nicht „im Namen des Atheismus“, sondern „im Namen des Kommunismus“! Wie Christen, so vertreten auch Kommunisten eine irrationale „Heilslehre“. Diese Heilslehre besteht bekanntlich in der Errichtung einer klassenlosen Gesellschaft. Um diese Gesellschaft, in der es keine „Ausbeutung des Menschen durch den Menschen“ mehr gibt, zu errichten, bedarf es zunächst einer „Diktatur des Proletariats“. Im Rahmen dieser Diktatur müssen die „Konterrevolutionäre“ ausgeschaltet und die „Klassenfeinde“ bekämpft werden. Erst dann kann mit der Entwicklung des „neuen Menschen“ begonnen werden.

Wenn Stalin in der Zeit des „Großen Terrors“ Tausende von Bischöfen und Priestern in Arbeitslager steckte, in denen viele ihr Leben verloren, tat er dies nicht, weil sie Theisten waren, sondern weil sie Mitglieder der russisch-orthodoxen Kirche waren, die über Jahrhunderte das Zarenregime unterstützt hat. Allein wegen dieser Unterstützung sind sie als „Klassenfeinde“ betrachtet und zum Erzfeind der „Arbeiterklasse“ erklärt worden. Wenn man jüngsten Schätzungen glauben darf, sind sie Teil der 62 Millionen Opfer des Stalinismus geworden. 

Gleiches gilt für China. Der Maoismus, die chinesische Variante des Kommunismus, hat schätzungsweise 72 Millionen Menschen das Leben gekostet. Im Namen der „Kulturrevolution“ haben Maos „Rote Garden“ jeden verfolgt, der im Rufe stand, „bourgeois“ zu sein. Hierzu gehörten neben Lehrern und Professoren auch Priester. Der „Gelbe Kaiser“ hat sich für seine Taten sogar selber auf die Schulter geklopft, als er in einem Interview sagte: „Qinshihuang hat 460 konfuzianische Gelehrte lebend begraben lassen. Wir haben einige Hundertausend Konterrevolutionäre unter die Erde gebracht. Mehr als 46.000 Intellektuelle waren darunter. Wer mich als Qinshihuang beschimpft, hat Recht. Nur – ich bin hundert Mal schlimmer.“

Und schließlich muss man auch von Kambodscha sagen, dass die 2 Millionen Menschen, die dem Terror der „Roten Khmer“ zum Opfer gefallen sind, im Namen des Kommunismus getötet wurden. Pol Pot betrachtete alle Kritiker seines Regimes als Volksverräter und Antikommunisten. Nicht nur Geistliche, sondern auch Ärzte, Anwälte, ja, nahezu alle „Intellektuellen“, wurden in so genannten „Säuberungsaktionen“ ermordet.2  

Michael Schmidt-Salomons Bemühungen um intellektuelle Redlichkeit in allen Ehren, aber es bleibt dabei: Es gibt eine „Kriminalgeschichte des Kommunismus“, aber keine „Kriminalgeschichte des Atheismus“. Dass Kommunisten zufällig auch Atheisten waren, ist genauso bedeutungslos wie die Tatsache, dass sie zudem auch Materialisten waren. Oder wollte irgend jemand allen Ernstes behaupten, dass wir jetzt auch noch eine „Kriminalgeschichte des Materialismus“ benötigten, in denen wir Philosophen von Demokrit und Epikur über Holbach und Laplace bis hin zu Dennett und Bunge für die Verbrechen der Leninisten, Stalinisten und Maoisten verantwortlich machen sollten?

Abschließend noch ein Wort zur Rolle der Religion im Kommunismus. Wenn man ihren Vertretern glaubt, war die Kirche ein beklagenswertes „Opfer des Kommunismus“. Doch dies ist typisch klerikale Schwarzweißmalerei. Greifen wir hierzu nur das Verhalten der russisch-orthodoxen Kirche zur Zeit des Stalinismus heraus.

Nach dem Überfall der Deutschen auf Russland am 22. Juni 1941 benötigte Stalin plötzlich jeden Mann. In seiner Not wandte er sich jetzt sogar an den Klerus. Um ihre Unterstützung im „Großen Vaterländischen Krieg“ zu erhalten, stellte er die Unterdrückung der Religion ein. Er empfing den Metropoliten von Moskau und setzte Geistliche für die Militärseelsorge ein.

Die Zahl der Kirchen, schreibt Karlheinz Deschner, „stieg allein in Moskau von 15 im Jahr 1939 auf über 50 im Jahr 1943. Stalin konzedierte der Kirche die Errichtung von zwei Geistlichen Akademien und acht Priesterseminaren und dem Patriarchen Sergej nach seinem Tod am 15. Mai 1944 ein Staatsbegräbnis.“3     

Die russisch-orthodoxe Kirche nutzte diese Gelegenheit zum Erhalt ihrer Macht ganz ungeniert aus. In einer von 46 Bischöfen unterzeichneten Botschaft an den roten Diktator hieß es: „Gott schenke unserem lieben Vaterland den baldigen Sieg und unserem vielgeliebten Chef Joseph Stalin noch zahlreiche Lebensjahre.“

Anmerkungen

Michael Schmidt-Salomon Sind AtheistInnen die besseren Menschen? In: Aufklärung und Kritik 2: 55-62, 2001.

Jonathan Glover Humanity: Moral History of the Twentieth Century. Yale University Press, New Haven 2000.

Karlheinz Deschner: Mit Gott und dem Führer. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1988.

 




Erklärung des Zentralrats der Ex-Muslime in Deutschland

Die Erklärung des ZdE datiert vom 1.10., ist aber immer noch topaktuell. Bekannt ist der ZdE durch die iranische Kommunistin und Frauenrechtlerin Mina Ahadi, die in ihrem Heimatland Iran 1981 zum Tode verurteilt wurde. Die Gründung der Vereinigung stellt einen Tabubruch dar, da im Islam eine Abkehr vom Glauben (Apostasie) nicht vorgesehen ist und mit der Todesstrafe bedroht wird – so wiki. Wer die u.a. Terrorgruppen nicht beim Namen nennen möchte, der möge IS als Inferno Salat und BH als Blödkopf Hamma übersetzen oder sie sonstwie in der verdienten Anonymität belassen.

Was wissenbloggt nicht unterstützt, ist der unten angegebene Absolutheitsanspruch, "Jeder der öffentlich den Islam und die islamische Organisationen kritisierte, wurde entweder als Rassist und ausländerfeindlich bezeichnet oder bedroht …" Die ganzen Medien von der SZ über FAS und Zeit bis hin zu wb haben öffentlich kritisiert, ohne solche Folgen. Auch hat wb keine Probleme mit dem Präsidenten-Spruch "Der Islam gehört zu Deutschland", der richtig verstanden den Muslimen hier eine Heimat bieten soll – den Muslimen, nicht "dem politischen Islam und dessen verlängertem Arm". Ansonsten ist die Erklärung gegen die islamischen Extremisten sehr beherzigens- und unterstützenswert.

 

Politischer Islam, IS und die deutsche Politik

Seit Monaten erreichen uns die grausamen Nachrichten über die Massaker der IS-Milizen in Irak, Syrien und nun Türkei. Die Welt ist Zeuge einer des brutalsten und barbarischsten Verbrechens gegen die Menschheit im 21. Jahrhundert. Schutzlose Menschen im Irak und Syrien werden massenhaft und gnadenlos durch die Anhänger des "Islamischen Staats" angegriffen, misshandelt und ermordet.

Frauen und Mädchen sind die ersten Opfer der IS-Milizen, welche vergewaltigt und als Sex-Sklavinnen weiter verkauft werden. Die Schreckensnachrichten über den IS hören nicht auf und ein Ende dieser grausamen Bewegung ist nicht abzusehen.

Der IS ist das Ergebnis einer Bewegung namens politischer Islam, welche sich seit der Entstehung der Muslimbruderschaft in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts im Nahen Osten verbreitet hat, und welche mit der islamischen Regierung im Iran zum ersten Mal offiziell an die Macht kam.

Im Jahr 1979 wurde Khomeini, der im Irak lebte, durch die europäischen Staaten in das Rampenlicht gestellt und nach Paris gebracht, um den Führer der Revolution und der islamischen Republik Iran darzustellen. Khomeini und seine islamische Regierung kamen, um die Revolution der Menschen im Iran niederzuringen. Die islamische Regierung hat sofort die Scharia als Gesetz des Landes errichtet und versuchte, die Proteste der verschiedenen Schichten in der Gesellschaft durch Einschüchterungsmethoden stillzulegen. Die islamische Regierung hat die Steinigung, eine der barbarischsten islamischen Hinrichtungsmethoden, in der Öffentlichkeit als zulässige Strafe gegen Frauen und in wenigeren Fällen gegen Männer eingesetzt.

Beraubung jeglicher Freiheit des Individuums in der Gesellschaft, Geschlechterapartheid, Misshandlung der Frauen und Missachtung jeglicher Menschenrechte sind Merkmale des politischen Islams. Der Iran war aber nicht das einzige Land, wo der politische Islam sich verbreitete. Die Taliban und der Al-Kaida in Afghanistan zeigten das andere Gesicht des Islams in der Macht.

Der 11. September war die Ankündigung eines grausamen Krieges des politischen Islams gegen die Menschheit in diesem Jahrhundert. Aber der politische Islam und seine Bewegung blieben nicht nur im Nahen Osten. Dank der Appeasement-Politik der europäischen Staaten, wie Deutschland und Großbritannien, und dank der falschen Multikulturalismus-Politik und dank des weit verbreiteten Kulturellenrelativismus, schafften die islamischen Organisationen und Vereine, sowie Moscheen als Zentren der Muslime, nach und nach sich in der Gesellschaft zu verankern.

Die Einschüchterungsmethoden des politischen Islams haben sich auch in europäischen Ländern durchgesetzt. Jeder der öffentlich den Islam und die islamische Organisationen kritisierte, wurde entweder als Rassist und ausländerfeindlich bezeichnet oder bedroht und bekam sogar Morddrohungen, in manchen Fällen wurden Mordanschläge verübt. Beispiele dafür gibt es viele.

Dazu zählen die Mohammed-Karikaturen (2005) in Dänemark, welche für einen gewalttätigen Aufstand durch die Anhänger der islamischen Organisationen sorgte. Der Künstler, welcher diese Karikaturen zeichnete, bekam Morddrohungen, und er entkam nur knapp einem Mordanschlag. Jahre bevor (1989) bekam der Schriftsteller Salman Rushdie wegen seines Buches "Die satanischen Verse" ein islamisches Todesurteil, die "Fatwa" durch Ayatollah Khomeini und müsste jahrelang an einem geheimen Ort unter Polizeischutz leben. Allein die islamische Regierung Irans hat viele ihre Gegner in Europa u. a. in Deutschland durch terroristische Attentate – wie beim "Mykonos-Attentat" (1992) – ermordet.

Dazu kommen die immer häufiger gewordenen "Ehrenmorde" an Frauen und Mädchen durch ihre Familienangehörigen, wo in vielen Fällen die Täter ohne Strafe oder unter "mildernden Umständen" und unter Berücksichtigung deren "Religion und Kultur" davon gekommen sind.

Trotz allem haben die islamischen Organisationen und Vereine in Deutschland mehr Anerkennung und Unterstützung durch die deutsche Regierung und Parteien gewonnen. Die Entstehung der "Islamkonferenz" (2006) unter der Verantwortung des damaligen Innenministers, Herrn Schäuble, war das offizielle grüne Licht der Regierung an die verschiedene Islamverbände wie dem Zentralrat der Muslime, um endgültig den Weg für ihren Vorhaben freizubekommen.

Islamschulen für die muslimische Kinder, mehr Moscheebau als Zeichen der Macht und als Zentrum der Verbreitung der Ideologie des politischen Islams, Schwimmbäder für die muslimische Frauen, einige Gerichtsurteile unter Berücksichtigung der Schariagesetze für die Muslime anstatt universell-säkulare Menschenrechte für alle, der Hamburger Staatsvertrag mit islamischen Gemeinschaften, etc, all das sind einige Grunde dafür, weshalb der politische Islam in Deutschland sich wie zuhause fühlt.

Wenn ein Bundespräsident als Zeichen der Integration in die Welt ankündigt, "Der Islam gehört zu Deutschland", dann sollen wir uns heute nicht mehr darüber wundern, wenn einige Muslime als "Schariapolizei" oder "Pro Halal" sich erlauben, in Wuppertal und Düsseldorf auf den Strassen Menschen zu belästigen und einzuschüchtern, und zu versuchen, ihre islamischen Benimmregeln umzusetzen.

Im Jahr 2007 haben wir den Zentralrat der Ex-Muslime gegründet, um die Gesellschaft über den politischen Islam, die Islam-Konferenz und die falsche Politik der deutschen Regierung aufzuklären. Wir haben bereis damals die Gesellschaft und die regierenden Parteien über die Konsequenzen der politischen Ignoranz und der Verharmlosung des politischen Islams und dessen verlängerten Arms in Deutschland vorgewarnt.

Die Wahrheit ist, dass die Mehrheit der Muslime in Deutschland sich überhaupt nicht mit solchen islamischen Organisationen identifiziert. Viele von ihnen waren noch nicht einmal in einer Moschee. Aber leider wird die Deutsche Islamkonferenz (DIK) damit begründet, dass die beteiligten islamischen Verbände in der DIK alle Muslime in Deutschland vertreten und somit dürfen sie für alle Muslime sprechen und für sie entscheiden, sowie für alle, welche als Muslime gelabelt werden, aber definitiv keine sein wollen.

Seit Jahren sind die Salafisten in Deutschland aktiv und manipulieren immer mehr junge Menschen unter anderem auch deutsche Jugendliche. Dass Homosexuelle im Iran hingerichtet werden, kennt jeder, aber warum müssen die Homosexuellen in Deutschland Angst haben?

Warum die Frauen im Iran und Afghanistan keine Rechte haben, weiß inzwischen jeder; weil im Iran und Afghanistan islamische Machthaber herrschen. Aber warum müssen sich die Frauen und Mädchen, welche in ein islamisches Milieu in Deutschland hereingeboren sind, sich durch muslimischen Männer von "Pro Halal" oder Gleichgesinnten auf der Strasse einschüchtern und vorschreiben lassen, wie sie sich anzuziehen und zu verhalten haben?

Die Salafisten, Shariapolizei und Pro Halal sind nichts anders als IS, wenn man es Ihnen erlaubt. Die jahrelange Verharmlosung der Aktivitäten solcher islamischen Organisationen durch die deutsche Parteien und die Bundesregierung hat dazu geführt, dass der islamische Faschismus auch für viele Jugendliche äußerst attraktiv geworden ist, so dass sogar deutsche Jugendliche sich unter den IS-Mitgliedern befinden. Diese drohen heute, auch islamische Terrorattentate in Deutschland auszuüben.

Eine der Merkmale unserer Zeit ist der Widerstand und Kampf der Menschen in den islamisch geprägten Ländern gegen des politischen Islams. Die Mehrheit der Menschen in Nahen Osten und in islamisch geprägten Ländern wie im Iran, Türkei, Tunesien, Ägypten und Syrien haben durch ihre Aufstände in den letzten Jahren gezeigt, dass sie nicht mehr unter der islamischen Tyrannei leben wollen.

Der große Aufstand von Tausenden von Menschen im Iran in 2009 gegen das islamische Regime und der arabische Frühling in Tunesien und Ägypten waren die Hoffnungsträger für viele Menschen in der Region auf eine moderne und freie Gesellschaft und auf ein Leben in Freiheit mit den heutigen säkularen, universellen und menschenwürdigen Werten.

Die Frauen haben in diesen Ländern eine wichtige Rolle bei den Aufständen gespielt. Der politische Islam greift über all zuerst die Rechte der Frauen an. Der Islam ist eine frauenfeindliche Religion und wo er Fuß fassen möchte, verletzt er als erstes die Frauenrechte. IS und Boko Haram haben es durch die brutalsten Methoden vor der Kamera und mit Veröffentlichungen im Internet vorgeführt. Auch heute sind es unter den Menschen im Irak und Syrien vor allem auch die Frauen, welche in der ersten Reihe gegen den IS kämpfen.

In Deutschland können und dürfen wir nicht mehr diese Bewegung und ihre Taten auf die leichte Schulter nehmen. Die Zeiten von Verharmlosung, Ignoranz und Appeasement müssen endlich vorbei sein.

Wir leben im 21. Jahrhundert und dürfen es nicht zulassen, in die Zeiten von vor 1500 Jahren zurück versetzt zu werden. Die Menschen auf der ganze Welt haben für die universellen Menschenrechte gekämpft und das darf nicht durch islamische oder andere Religionen wieder verloren gehen.

Wir in Deutschland müssen offen über dieses Problem reden und in der Öffentlichkeit darüber diskutieren. Wir brauchen keine Angst davor zu haben, dass man uns deswegen als Rassist oder ausländerfeindlich bestempelt, wenn wir unsere Rechte verteidigen und den Islam kritisieren. Fortschrittliche und emanzipatorische Islamkritik hat mit menschenfeindlichen Absichten nichts zu tun.

Die Menschen in Deutschland haben ein Recht auf die freie Meinungsäußerung und "beleidigte Muslime" sollten endlich lernen, mit Kritik zivilisiert umzugehen.
Jeder Mensch, überall auf der Welt, hat es verdient, frei zu sein und frei zu leben.
Wir machen uns auch gleichzeitig stark gegen das rechte Lage in der Gesellschaft. Wir lassen es nicht zu, dass rechtsradikale Organisationen diese Lage auszunutzen, um ihren Rassismus zu verbreiten. Wir sind für gleiche Rechte für alle Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt. Kein Mensch darf auf Grund seiner Religion, Nationalität, Sexualität oder Hautfarbe diskriminiert werden.

Die Kritik und Aufklärung gegen den Islam und politischen Islam ist wichtig, um die universellen Menschenrechte zu verteidigen. Ausländerfeindlichkeit und Rassismus hat nichts mit den Menschenrechten zu tun.

Wir rufen alle Humanisten, alle fortschrittlichen, säkularen und freiheitsliebenden Menschen in Deutschland auf, sich uns anzuschließen und sich gegen den IS und dessen Anhänger in Deutschland und Europa stark zu machen.

Zentralrat der Ex-Muslime in Deutschland
siehe auch https://www.facebook.com/486839381365629/photos/a.486847511364816.1073741826.486839381365629/728924370490461/?type=1&fref=nf




Hohes Risiko für Atheisten

400px-Standard_deviation_diagram.svgImmer wieder wird mit der Statistik argumentiert, und immer wieder fallen Fehler dabei auf. Atheisten-info.at hat ein schönes Beispiel dafür gefunden. Kleine Anmerkung dazu aus den Kreisen der IH: Wahrscheinlichkeit ist von 0…1 definiert, nicht von minus unendlich bis plus unendlich. Aber jeder versteht, was gemeint ist, egal welche Skala angelegt wird. (Bild: Mwtoews, Wikimedia Commons – falls noch jemand die Standardabweichung für die Gotteswahrscheinlichkeit sucht: dies ist die Normalverteilung, nicht die Gottesverteilung, welche nur ein Pünktchen bei 0 ist). Hier der Bericht:

Hohes Risiko für Atheisten

So titelte am 9.7.2014 ein gewisser Günter Seibert auf der Site Click2life & ErlebeGott – Christliches Webportal

Im Text wird dann versucht, eine Art Wiederbelebung der berühmten Pascalschen Wette zu präsentieren. Der französische Mathematiker hatte bekanntlich im 18. Jahrhundert die These aufgestellt, es sei vernünftiger, an Gott zu glauben, weil wenn Gott existiert und man hat geglaubt, wird man nach dem Tode mit dem ewigen Leben im Paradies belohnt, hat man aber nicht geglaubt, würde man in der Hölle ewig gestraft. Wenn es Gott nicht gebe, wäre es egal, ob man glaubt oder nicht, darum stünden für Gläubige die Chancen besser.

Seibert schreibt:
Die Existenz Gottes kann naturwissenschaftlich nicht bewiesen werden. Allein auf Grund dieser Feststellung glauben viele Menschen, sie könnten deshalb auch die Gebote Gottes missachten, ohne dafür je zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn die Wissenschaft kann auch das Gegenteil nicht beweisen, sie kann die Existenz Gottes nicht mit Sicherheit ausschließen. So bleibt für den Atheisten ein Risiko von mindestens 50 Prozent, dass es doch einen Gott gibt.

Atheistische Anmerkung: Wie kommt der Autor auf die Idee, dass die Chance einer Gottesexistenz bei 50 % stünde? Damit etwas auf 50 % steht, muss die Variantenmöglichkeit gleich groß sein: zum Beispiel beim Wurf einer Münze, da steht es 50:50 für Kopf:Zahl. Die Frage, ob es für einen österreichischen Lotto-Spieler die Chance gibt, keinen oder einen Sechser zu gewinnen, ist pro abgegebenen Tipp mit einem Verhältnis von 1:8.000.000 zu beantworten und nicht mit 50:50. Die Frage, ob es einen Gott gibt, hat sicher eine gegen minus unendlich tendierende Wahrscheinlichkeit. Und außerdem: wäre der existierende Gott dann auch der richtige? Oder kommt Seibert in die Dschehenna zum Scheitan, weil er nicht an Allah geglaubt hat? Oder geht's ihm schlecht, weil er dem Quetzalcoatl keine Menschenopfer gebracht hat? Und wieviele Götter kann es in den hundert Milliarden Galaxien des Universums noch geben? Oder stimmt der Deismus, der von einem Schöpfergott ausgeht, welcher sich ums Geschöpfte danach nimmer kümmert? Und um den sich der Herr Seifert daher auch nicht kümmern bräuchte.

Seibert weiter: Nehmen wir einmal an, es gäbe wirklich keinen Gott, dann hätte jeder überzeugte Christ für ein nicht vorhandenes Ideal gelebt, denn es gäbe dann auch kein Leben nach dem Tod – keinen Himmel. Trotzdem wäre auch dann ein Leben, das von Jesus Christus und von der Nächstenliebe geprägt war, nicht umsonst gewesen. Und es gibt sogar Menschen, die die Erfüllung – das Glück – ihres Lebens fanden, weil sie ihren Egoismus aufgegeben haben. Verspielt hatten sie jedenfalls nichts.

Atheistische Anmerkung: Warum sollte ein Christenleben von Nächstenliebe geprägt sein und ein Atheistenleben von Egoismus? Ich bin zum Beispiel für die Erhaltung und möglichst auch für den Ausbau des Sozialstaates. Der Sozialstaat musste von der Arbeiterbewegung, die von der Kirche verdammt wurde, gegen christlichen Widerstand durchgesetzt werden und wird heute noch ständig von den christlichen Parteien bekämpft. Der Sozialstaat hat millionenfach mehr für die Menschen gebracht als alle christlichen Almosen.

Seibert kommt zum Schluss: Wenn es aber nun doch diesen Gott gibt, wie ihn die Bibel beschreibt, dann hat jeder Atheist ein Riesenproblem:
Er hat um den Preis seiner Seele geirrt. Er hat sein Leben in den Sand gesetzt. Und er wird die Ewigkeit in der Hölle zubringen, die in der Bibel mit drastischen Worten beschrieben wird (Lukas 16,23-31). Lesen Sie es bitte nach! Und das hat Jesus Christus selbst gesagt, der es als der Sohn Gottes wissen muss. Es geht nicht darum, mit der Hölle zu drohen, sondern das hohe Risiko zu zeigen, das eine atheistische Weltanschauung in sich birgt, die den menschlichen Verstand zum Maß aller Dinge macht.

Atheistische Anmerkung: Da die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Gott gibt und die Wahrscheinlichkeit dass der irdische Christengott der richtige ist, dass Menschen einen unsterbliche Seele haben und dass es die christliche Hölle mit ewiger Folterstrafe wirklich gibt, keinen Wert von 50 zu 50, sondern einen von minus unendlich plus irgendwas hat, sind die Chancen des Günter Seibert, sein Leben keiner Illusion gewidmet zu haben, außerordentlich niedrig. Das Risiko in Sachen Höllenstrafen für Atheisten liegt gleich niedrig.

Link zum Originalartikel bei atheisten-info.at




Initiative Humanismus – Frank Berghaus im Interview

frank-berghaus-150x150Die Humanisten: Deutschland erste humanistische Partei – Frank Berghaus im Interview bei Humanist News

Wer sich in den sozialen Netzwerken auch in säkularen und humanistischen Kreisen bewegt, dem dürfte seit einiger Zeit eine rege Diskussion über eine mögliche Parteigründung einer humanistischen Partei aufgefallen sein. Nun scheint die Gründung konkreter zu werden. Dazu habe ich Frank Berghaus, einen der Gründer interviewt. Frank Berghaus betreibt ebenfalls einen humanistischen Blog namens wissenbloggt.de

Das Interview führte Cahit Kaya.

Humanist News: In den sozialen Netzwerken trifft man seit einiger Zeit immer wieder auf Hinweise einer Parteigründung einer humanistischen Partei. Was hat es damit auf sich?

Frank Berghaus: Die in Gründung befindliche Partei DIE HUMANISTEN wird sich im Oktober 2013 in München konstituieren. Wir treten dafür ein, dass die Ideen eines aufgeklärten Humanismus in der Gesellschaft endlich den Stellenwert bekommen, die ihr angesichts einer immer stärker um sich greifenden Beeinflussung des öffentlichen Lebens durch Religionen zukommen. Erste Informationen kann man bereits unserer neuen Web-Präsenz www.die-humanisten.org entnehmen.

Aber wenn das öffentliche Leben immer religiöser wird, gibt es dann überhaupt einen Bedarf an einer humanistischen Partei?

Frank Berghaus: Zunächst einmal beobachten wir ja eine zunehmende Diskrepanz zwischen schwindenden Mitgliederzahlen und gleichzeitiger Erhöhung des Drucks der Religionen in der Gesellschaft. Das Ziel ist es ja, genau dies zu bekämpfen. Meine ursprünglichen Hoffnungen, dass unsere Ideen am besten bei den laizistischen Arbeitsgruppen der im Parlament vertretenen Parteien aufgehoben seien, hat sich spätestens mit der Verabschiedung dieses unsäglichen Beschneidungsgesetzes im Deutschen Bundestag in Wohlgefallen aufgelöst. Leider ist auch nicht absehbar, dass die derzeitigen Parteispitzen irgendwelche Vorstöße in Richtung auf eine Eindämmung der Privilegien der etablierten Glaubensgemeinschaften unternehmen könnten. Der Bedarf an einer humanistischen Partei ist also offensichtlich.

Setzen die Humanisten also bei den Privilegien der Religionen an?

Frank Berghaus: Wir sehen eine Beschränkung der Privilegien gleichzeitig auch als geeignetes Mittel, den stärker werdenden Einfluss der islamischen Verbände, die häufig dazu noch vom Ausland gesteuert sind, wirkungsvoll einzudämmen. Denn diese sind zielsicher dabei, sich in die von den Christen gemachten Nester zu setzen (siehe zum Beispiel theologisch-islamische Fakultäten, islamischer Religionsunterricht an den Schule, Einzug in die „Ethikkommissionen“ und Fernsehräte), die natürlich immer aus allgemeinen Steuergeldern finanziert werden. Die fast 40% Konfessionslosen bezahlen also – meist unwissend – den kompletten Pomp der Kirchen mit.

So etwas wie das derzeitige Kirchenvolksbegehren in Österreich ist ja leider in Deutschland nicht durchführbar, da bundesweite Referenden nicht zulässig sind.

Welche Chancen rechnen sich die Humanisten bei den Wahlen aus?

Frank Berghaus: Wir wären nicht gut beraten, nun Hals über Kopf an Wahlen teilzunehmen. Das würde ganz sicher in einer Katastrophe enden. Deshalb haben wir uns eine dreijährige ruhige Aufbauarbeit vorgenommen und planen, zum ersten Mal bei den Senatswahlen 2016 in Berlin anzutreten. Berlin bietet sich für einen Start jedenfalls erheblich besser an als zum Beispiel Bayern, da in der Kapitale die Bürger bereits bewiesen haben, dass sie nicht bereit sind, sich dem Druck der Religionen so ohne weiteres zu beugen. Das hat sich besonders bei der ProReli-Kampagne gezeigt, die trotz eines enormen Aufwands der Kirchen, vieler Prominenter und der CDU/CSU deutlich abgeschmettert wurde. Zwar gehört die Trennung von Staat und Religion zu unseren Kernanliegen, doch auch die anderen gesellschaftlichen und politischen Felder tragen eine deutliche humanistische Handschrift. Schon von daher sehen wir unsere besonderen Stärken auf Länderebene, auf der es ja ganz im Besonderen um Bildungspolitik, aber auch um eine vernünftige Integrationspolitik geht.

Die dreijährige Aufbauphase soll neben der Mitgliederwerbung auch dazu dienen, humanistische Wertvorstellungen in der Breite bekannter zu machen, indem wir sie offensiv (nicht aggressiv) vortragen und um Verständnis werben für eine Politik, die dem einzelnen dient und nicht irgendwelchen Organisationen. Daher auch unser Wahlspruch: „Weltliche Menschen für eine menschliche Welt“.

Gibt es so etwas wie die zentralen Köpfe in der Partei?

Frank Berghaus: Ganz ohne Zweifel haben wir mit Prof. Dr. Uwe Lehnert, der uns trotz seines fortgeschrittenen Alters ein unermüdlicher Rat- und Ideengeber ist, eine prominente und anerkannte Persönlichkeit von Gewicht in unseren Reihen, die alle anderen sicherlich überstrahlt. Doch auch die meisten anderen, von denen einige ins Rampenlicht treten werden, sind gestandene und erfahrene Humanisten – auch mit der entsprechenden politischen Erfahrung. Einen Vorgeschmack auf die zu erwartenden Auseinandersetzungen geben uns bereits Kommentare, in denen wir als „Christenhasser“ verunglimpft werden. Da werden wir mit der geballten Erfahrung, aber auch mit jugendlichem Eifer entgegen zu halten wissen. Vom jüngsten bis zum ältesten Mitglied umspannen wir immerhin einen Zeitraum von ca. 50 Jahren. Ich bin besonders froh darüber, dass sich sehr viele junge Leute bei uns engagieren.

Wie sollen die Wähler mobilisiert werden? Gibt es dazu schon eine Strategie?

Frank Berghaus: Überlegungen dazu sind bereits angelaufen, aber natürlich noch nicht voll ausdiskutiert. Das wird ja auch erst besonders wichtig etwa ein Jahr vor den Berliner Senatswahlen. Im Augenblick ist ruhiger Aufbau angesagt mit Vollendung eines Programms, das alle politischen Aspekte anspricht. Wir möchten nicht in die Situation geraten wie so manche andere Parteigründung, als Ein-Themen-Partei zu starten und dann eventuell sich bei den anderen Programmteilen vehement zu zerstreiten. Das ist aus einem Guss gedacht und folgt der Maxime „Für Menschen – gegen Dogmen“.

Danke für das Interview.

Link zum Originalartikel bei Humanist News




Weltbild-Pleite bringt Mitarbeiter auf

703px-Cellarius_Harmonia_Macrocosmica_-_Scenographia_Compagis_Mundanae_BraheaDer Weltbild-Verlag hat ursprünglich mit religiösen Erbauungstraktaten gehandelt, um sich dann neu aufzustellen und im Buchhandel und Online-Buchhandel zu den Marktführern in Deutschland aufzuschließen (Bild: Uralt-Weltbild, Andreas Cellarius, Wikimedia Commons). Die Verlagspolitik bestand vor allem darin, inhabergeführte Buchhandlungen zu übernehmen und mit neuen Büchereien zu expandieren. Zu den Weltbild-Unternehmen gehören Hugendubel, Weltbild und Jokers. Laut wiki gehörte der Weltbild-Verlag zu den treibenden Akteuren der Filialisierung im Buchhandel. Solche kapitalistischen Errungenschaften überraschen bei einem katholischen Unternehmen.

Die Pleite des Augsburger Verlags ist seit Tagen Thema in den Medien. Das Besondere ist nicht die (überschaubare) Größe und nicht die (vernachlässigbare) Bedeutung, sondern das kapitalistische Gebaren der Eigentümer – zwölf katholische deutsche Diözesen, der Verband der Diözesen Deutschlands und das katholische Militärbischofsamt Berlin.

Die Süddeutsche Zeitung hat das Geschehen in vielen Berichten gecovert, z.B.

Aus dem Inhalt der SZ-Berichte: Die Gewerkschaft Verdi warf der Kirche Verantwortungslosigkeit gegenüber den Mitarbeitern, "Kapitalismus in Reinkultur" und Verstoß gegen die katholische Soziallehre vor. (14.1.) "Kirchen erkennen für ihr Arbeitsrecht bis heute die Grund- und Menschenrechte nicht an." (auch 14.1., nicht online) Die Bischöfe hätten "Weltbild bewusst in die Insolvenz getrieben". Die Motivation dafür seien innerkirchliche Machtkämpfe. (15.1.)

Das kirchliche Arbeitsrecht wird endlich zum Thema für die Allgemeinheit. Nachdem humanistische Aktivisten schon jahrelang darauf hinwiesen, was da alles im argen liegt, sind auch die allgemeinen Medien darauf eingestiegen (SZ, Zeit, FAZ usw.). Der wissenbloggt-Artikel Scheidung von Staat und Kirche gibt einige Informationen darüber.

Schön wäre es, wenn nun endlich Konsequenzen gezogen würden. Es ist nicht länger vertretbar, dass die Kirchen sich ein Refugium fern von Grundgesetz und Menschenrechten einrichten, zumal sie sich mit Steuergeld bedienen lassen. Wo öffentliches Geld drinsteckt, muss das Grundgesetz gelten. Und auch in den sparsamen Flecken, die die Kirchen selber finanzieren, müssen die Menschenrechte Einkehr halten. Kein Nonsens-Konsens mehr, sondern gleiches Recht für alle!




Heul! Schluchz! Die letzte Metawelt!

600px-RIP_PumpkinNachdem niemand an dem Mikeymaus-Deutsch des Heul-Schluchz Anstoß nahm, das wir schon auf Gott und den Weihnachtsmann anwendeten, ist es auch für die Metawelt angebracht. Wenn unser Amtsdirektor IN RUHE und zurückgeschraubter atheistischer Agitator (Selbstdarstellung, siehe Geburtstag von atheisten-info.at) Erwin Peterseil tatsächlich Ernst macht, ist nun die letzte Metawelt ins Leben gekommen (Bild: Pumpkin masters pattern "R.I.P.'em up", FOX 52, Wikimedia Commons).

Da sind nicht nur die barbusigen Damen aus der Femen-Szene drin, sowie der unvermeidliche türkische Präsi Erdogan, sondern auch Infos zum Weihnachtlichen Dummsprech und statistisches Material. Dazu die gewohnte Schelte für Papst und Bischöfe, die gesammelte islamkritik und vielerlei mehr bis hin zu guten Neujahrswünschen.

Hier also die Metawelt vom Dezember 2013




Haut den Lukas

Centenarfeier Deschner- Wittmann 23.10.10 Baden-CHIn seinem Opus Dioaboli von 1987 hat Karlheinz Deschner (das Bild zeigt ihn mit dem jüngst verstorbenen Werner Wittmann)  Fünfzehn unversöhnliche Essays über die Arbeit im Weinberg des Herrn publiziert. Bei dem verlinkten Text Alternative für Weihnachten geht es um das christliche Weihnachtsmärchen, das so vertraut und omnipräsent erscheint.

Es ist aber eine Exklusivstory vom Evangelisten Lukas, der es fast gänzlich aus jüdischen und heidnischen Legenden heraus (spann). Und da auch Markus, Matthäus, Johannes bloß fabelten, kommt selbst Albert Schweitzer zu dem Schluß: „Es gibt nichts Negativeres als das Ergebnis der Leben-Jesu-Forschung. …"

Selbst der fromme Schweitzer kam zu dem Schluss, der bibilsche Jesus habe nie existiert. So rät Deschner dem Leser, die Kerzen im Kaufhaus zu lassen und sich stattdessen selber ein Licht aufzustecken, denn das weihnachtliche Brimborium koste nur Geld, das besser auf die Bedürftigen angewendet wäre.

Weiter geht es mit der Kritik an den Besitztümern der Kirche, deshalb sollten die Glocken schweigen und die Pfaffen still sein und man sollte sich lieber dem Kampf gegen die Barbarei widmen, indem man die Untaten auf Weihnachten konzentriert und den Rest des Jahres Friede hält. Weiter geht's mit Rüstungskritik, die Zahlen von damals: in jeder Minute eine Million Mark für Rüstung (entspricht 525 Mrd. Mark pro Jahr, jetzt haben wir 1,5 Billionen Dollar pro Jahr). Untermalt wird der Artikel mit Weihnachtsliederzitaten – ein schöner Kontrast.

Das Problem mit dem Märchenonkel Lukas ist den Theologen bewusst. Deshalb ließ DIE WELT am 24.12. fromme Leute zu Wort kommen, in Bibelgeschichte – Der Lukas-Code. Das Phantom der Weihnacht. Demnach sei die historische Person des Evangelisten Lukas ein Rätsel, aber die Forscher hätten jetzt eine Spur. Das bezieht sich auf angebliche Reliquien des Lukas, die von Mönchen in Padua gefunden wurden. Die Welt: In der deutschen Forschung gab es einen Trend, den man auf den Fluren der theologischen Seminare als "Hau den Lukas" kannte. Damals sei es angesagt gewesen, Lukas als fantasiebegabten Märchenonkel vorzuführen.

Das soll nun aber nicht mehr sein, und wenn die Faktenlage noch so diffus ist. Lukas könnte auch Barnabas oder Clemens geheißen haben, wenn's ihn überhaupt gab. Aber, so die Welt, es sei nicht ausgeschlossen, dass der Verfasser des Lukasevangeliums wirklich Lukas hieß. Nun ja.

Nun wird noch auf den Kirchenvater Irenäus von Lyon Bezug genommen, der als Erster den Lukas als Begleiter des Paulus angab, der das Paulus-Evangelium niedergeschrieben hätte. Was der große Klitterer eben so behauptete – gewiss ist nur, dass Irenäus das "apokryphe" Material aus der Welt schaffte, also alle Berichte, die dem Christenmythos widersprachen. Er hat sich damit den Titel Märchenonkel redlich verdient, und auch die Leute, die laut Welt sowas behaupten:  "Die Vorstellung, dass Lukas weitgehend fiktionale Literatur geschaffen hat, ist heute nicht mehr zu halten". Klar, die
 Weihnachtsgeschichte mit Stall und Krippe kriegt demnächst ein Werner Wittmann 24.8.1943 - 26.11.2013Echtheitszertifikat (Bild: Wittmann).

 

 




Prophezeiungen als Beweise für die Existenz Gottes: “Jungfrau? Welche Jungfrau?”

Immer wieder wird behauptet, dass die Erfüllung zahlreicher Vorhersagen alttestamentarischer Propheten durch den neutestamentarischen Jesus ein eindeutiger Beweis für die Existenz Gottes sei: So viele Zufälle, so wird argumentiert, könne es gar nicht geben! Und in der Tat haben die Autoren der vier in die Bibel aufgenommen Evangelien sich alle Mühe gegeben, ihre Jesus-Figur als Erfüller (der ihnen natürlich bekannten) alttestamentarischen Prophezeiungen darzustellen. So lassen sich einige der uns heute etwas absonderlich erscheinenden Geschichten erklären: Um eine Weissagung (siehe Micha 5) über den Geburtsort des zukünftigen Messias der Juden zu erfüllen, musste die Geburt des Jesus von Nazareth mit Hilfe einer an den Haaren herbei gezogenen Volkszählungsgeschichte nach Bethlehem verlegt werden, dort lässt man dann den Herodes ein – erstaunlicherweise von keinem Chronisten erwähntes – Massaker an Kleinkindern ausführen (vage vorhergesagt in Jeremia 31). Jesus selbst schickt später seine Jünger los um einen Esel zu besorgen, damit er wie von Sacharja (Kapitel 9) geweissagt auf dem Tier in die Stadt reiten konnte.

Der Evangelist Matthäus informiert uns weiterhin, dass Jesus Mutter eine Jungfrau gewesen sei und verweist dann im Wortlaut auf die dadurch erfüllte Prophezeiung in Jesaja 7:

Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird schwanger werden und wird einen Sohn gebären, den sie Immanuel nennen wird.

Beeindruckend, oder? Zumindest, wenn man über den nicht ganz zutreffenden Namen “Immanuel” (bedeutet etwa: Gott ist mit uns) hinweg sieht – auch Propheten können schließlich mal irren. Manchmal werden sie aber auch schlichtweg falsch übersetzt: So steht in jeder einigermaßen aktuellen Bibelausgabe die Fußnote, dass anstatt “Jungfrau” im Original der Begriff für “die junge Frau, das Mädchen” steht.  Weiterhin sind Matthäus die Zeiten durcheinander geraten, das Original spricht davon, dass die junge Frau bereits “schwanger ist”. Also reduziert sich die Vorhersage auf den Satz: “Die junge, bereits schwangere Frau wird einen Sohn gebären, den sie Immanuel nennen wird.” – Vom Wunder einer durch Jesus erfüllten Prophezeiung ist jetzt schon nicht mehr allzu viel übrig.

“Jungfrau? Welche Jungfrau?”

Gibt man sich etwas Mühe und liest den Kontext des vielzitierten Satzes, ergibt sich folgende Geschichte: Der König Ahas wird von den Armeen zweier Rivalen bedroht. Der Seher Jesaja richtet dem König während einer Ratsversammlung von Jahwe aus, dass er den anstehenden Kampf gewinnen werde. Um seine Prophezeiung zu bekräftigen, beruft sich Jesaja wieder auf seinen Gott, zeigt auf eine anwesende, schwangere Frau und sagt: Diese Frau wird einen Sohn gebären und ihn Immanuel nennen. Wenn der Sohn alt genug ist um gut und böse zu unterscheiden, werden die Königreiche deiner Feinde untergegangen sein und öde liegen.

Offensichtlich bezog sich die Bemerkung Jesajas also keinesfalls auf das Auftreten eines Messias, sondern war eine rhetorische Figur in einer konkreten Situation, bei einer Weissagung zum Kriegsgeschick eines antiken Fürsten im Kampf gegen seine Feinde. Von einem Messias, dessen Mutter eine Jungfrau sein werde, ist nicht die Rede. Von einer Jungfrau ist überhaupt nicht die Rede. Hat Evangelist Matthäus hier versucht, seine Leser mit einer “gefälschten” Prophezeiung übers Ohr zu hauen? Oder wusste er es selbst nicht besser? – Es bleibt unklar.

Wirklich erstaunlich ist, dass immer noch sehr viele Leute die Erfüllung der alttestamentatischen Prophezeiungen als Beweis für die Göttlichkeit der Jesus-Figur sehen: “Es kann kein Zufall sein, dass ein Mann all diese Prophezeiungen erfüllt! Statistisch unmöglich!! Nur Gott kann sowas bewirken!!!” – Sind diese Leute wirklich nie auf die Idee gekommen, dass die Autoren der Evangelien die überlieferten Sprüche der jüdischen Propheten selbstverständlich kannten? Dass sie ihre Geschichten natürlich so zurecht gebogen haben, dass die alten Weissagungen erfüllt werden? Offenbar haben die Evangelisten die alten Bücher nach möglicherweise passend zu machenden Vorhersagen geradezu abgegrast – Dass dabei das eine oder andere Malheur passiert ist, ist wohl verständlich.

“Ein Wunder! Ein Wunder!”:

  • “Die Wahrscheinlichkeit zur Erfüllung aller Voraussagen ist damit gleich Null, d. h. der Zufall scheidet als Erklärungsversuch aus” (Web)
  • “Tausende von Prophezeiungen der Bibel sind eingetroffen und bestätigen deutlich Gottes Wort”(Web)
  • “Der Geburtsort von Christus (Messias) wurde vorhergesagt …” (Web)

Bibeltexte:

 

Link zum Originalartikel bei manglaubtesnicht

Die tatsächliche Informationslage bei wissenbloggt: Jesus lebt nicht




Auf dem Weg zur konfessionsfreien Mehrheit

400px-Konfessionen_in_DeutschlandNormalerweise hält sich Erwin Peterseil, der Macher von atheisten-info.at vornehm zurück, aber am 14.10. ist er richtig aus sich herausgegangen. Am Ende von seinem Artikel kann man ihn als zähnefletschenden Krawallatheisten bewundern – und recht hat er! Zur Unterstützung seiner Thesen sei noch der Link zu unserer Religionstabelle Deutschland genannt. Daran ersieht man, wie überholt das Religionsbild hier ist – inzwischen herrscht fast überall die Religionsfreiheit vor. Dementsprechend heißt die gute Botschaft von Erwin Peterseil:

Auf dem Weg zur konfessionsfreien Mehrheit
Auf diesem Weg befindet sich Deutschland

Hilfreich war dazu natürlich die Eingliederung der DDR, weil im realen Sozialismus war das "Opium des Volkes" keine sehr nachgefragte Pflanzenart gewesen und auch nach dem Ende der DDR blieb die kirchlicherseits freudig erhoffte Nachfrage aus. Es gab einfach kein religiöses Interesse. Für Gläubige war und ist das unverständlich. Sie hatten angenommen aus den Ruinen des atheistischen DDR-Staates müssten religiöse Blüten emporsteigen, weil jeder Mensch ein religiöses Bedürfnis zu haben hätte.

Die Sache lag allerdings ganz einfach. Da der europäische Protestantismus im Widerstand gegen den Katholizismus entstanden war, der die Menschen mit Leib und Seele unterworfen hatte, gab es in der evangelischen Kirche diesen feudalen Despotismus nicht. Es fehlte auch die Kontrolle durch die verpflichtende Ohrenbeichte, viele Jahrhunderte waren die Katholiken verpflichtet gewesen, einmal im Jahr ihrem Pfarrer die Sünden zu beichten. Da auf Sünden schwere jenseitige Strafen standen, trauten sich nicht viele, dem göttlichen Spitzel im Beichtstuhl einfach was vorzulügen. Eine der ersten Handlungen Martin Luthers war die Abschaffung der Ohrenbeichte.

Bei den Protestanten ist es die Lehre, dass auf Basis des Glaubens an Christus alle Gläubigen vor Gott gerechtfertigt seien, weil Jesus am Kreuz für ihre Sünden bezahlt habe. Die ewige Verdammung spielte daher bei den Protestanten keine tragende Rolle, ein bisschen Jesus genügte. Das führte evolutionär dazu, dass die Religion nebensächlicher wurde, die Tradierung eine immer geringere Rolle spielte und dadurch konkret in der DDR die innerfamiliäre Weitergabe des Christenglaubens in seiner evangelischen Variante erlosch. Im sozialistischen Staat war ein religiöses Bekenntnis kein gesellschaftlicher Vorteil mehr und ansonsten auch nichts Wesentliches.

Der Rückgang des Glaubens ist in der evangelischen Bevölkerung wesentlich höher als in der katholischen, darum sind dort auch ohne Skandale die Kirchenaustritte ständig hoch und die Teilnahme am religiösen Leben ist gering. Die innerfamiliäre Glaubensweitergabe ist praktisch erloschen.

Und damit läuft der religiöse Karren in Richtung Abgrund. Religion wird in einigen Jahrzehnten auf eine kleine Minderheit beschränkt sein, auf das Narrenvolk, das heute in diversen Sekten ihr Dasein fristet. Denn ohne die grundlegende kleinkindliche religiöse Abrichtung, die Konditionierung auf Art wie sie Iwan Pawlow mit seinem mit dem Nobelpreis gekrönten Hundeversuch entdeckte, ist die Grundlage der Religion.

In früheren Menschheitszeiten bedeute Religion die falsche Erklärung von noch Unerklärbarem, den Ausgleich der menschlichen Ohnmacht durch mächtige Götter. Das spielt heute keine Rolle mehr, für den Bereich der fallweise auftretenden eigenen Ohnmacht braucht man keine Religion, da kann man – wenn man sich anders nimmer helfen kann – aus einem weiten Feld der Esoterik anderen Unsinn auswählen, ohne dafür lebenslänglich Kirchensteuer zahlen zu müssen.

In der katholischen Kirche ist man durch den traditionell größeren Druck auf die Menschen noch einige Entwicklungszeit hinter den Protestanten zurück, aber die Weitergabe der Religion durch gläubige Großmütter, die mit Kleinkindern zu beten anfangen, kaum dass diese laufen können, sind auch dort nur noch eine Randerscheinung, auch die frühkindliche katholische Konditionierung ist am Aussterben.

Dieser Artikel wurde durch einen Rundfunkbeitrag angeregt, am 12.10.2013 war im Deutschlandradio ein Bericht zu hören, dass die Konfessionsfreien die stärkste wachsende Gruppe seien und sich auf dem Wege zur absoluten Mehrheit befänden, die relative Mehrheit gegenüber den einzelnen Kirchen haben sie ja schon länger. Jetzt würden sie auf vierzig Prozent zusteuern. Festgehalten wurde, dass die Konfessionslosen eine schweigende Gruppe wären, ihre größte Organisation in der BRD, die Humanistische Union, hätte maximal 20.000 Mitglieder. Aber trotzdem würden sie sich fallweise medial bemerkbar machen.

Was mich wieder zu meinem Gleichnis führt: Konfessionsfreie sind wie Nichtraucher zu sehen. Die Masse der Nichtraucher definiert sich nur dadurch, nicht zu rauchen, ein Nichtraucherverein wird nicht benötigt. Kleine Teile der Nichtraucher – oft entwöhnte Raucher – kämpfen zum Teil sogar militant gegen die Raucher und haben viele Rauchverbote durchgesetzt. Rauchen ist wie Religion nicht angeboren, das gewöhnt man sich an (wenn auch anders als die Religion).

Ich bin auch Nichtraucher, aber kein militanter. Aber ich bin ein aggressiver Krawallatheist, was auch im Impressum dieser Homepage steht, weil ich als Kind in der Schule zwölf Jahre lang gegen meinen Willen religiös angeraucht wurde, darum huste ich noch heute und spucke meine endlosen antireligiösen Wortketten aus. So ist es und es macht mir immer noch Spaß!

Link zum Originalartikel bei atheisten-info.at




Wählen wäre Selbstentwürdigung.

120px-Deutscher_Bundestag_logo.svgDie HINTERGRUND-Redaktion hat ein dreiteiliges Positionspapier zur Bundestagswahl 2013 gemacht, Autor Hartmut Krauss. Teil III vom 13.9. heißt Nichtwählen als Notwehrreaktion auf die Negation und Verfälschung des Wählerwillens und beschäftigt sich zumeist mit Migrationsstatistiken, von denen die türkischen Migranten in ein schlechtes Licht gerückt werden, mit der Ableitung daraus, gar nicht zu wählen. Inwiefern das die Lage bessert, wird aus dem Artikel nicht ersichtlich:

Neben der politischen Hilf- und Konzeptionslosigkeit angesichts der sich vertiefenden demographischen und sozialökonomischen Reproduktionsprobleme ist es vor allem der Verrat der Parteien an den Grundprinzipien der kulturellen Moderne (Trennung von Staat und Religion; säkulare Lebensordnung; Primat der Menschenrechte gegenüber religiösen Normen[1] etc.), der (noch passiven und unkoordinierten) Unmut schafft und die Bevölkerung in feindliche Lager spaltet. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die von den Parteien und Medien zum Teil äußerst aggressiv betriebene Leugnung und Verschleierung der Probleme, die aus der ungesteuerten Massenzuwanderung vormodern sozialisierter, religiös-patriarchalisch geprägter und bildungsferner Gruppen mit einem extrem reaktionären und autoritären Bewusstsein und Verhalten resultieren. Zum einen hat dieser verfehlte Migrationsimport[2] entscheidend dazu beigetragen, die gegenwärtigen und zukünftigen Bildungs- und Qualifikationsressourcen der Gesellschaft zu schwächen und zum anderen eine kontraproduktive Aufstockung regressiv-antiemanzipatorischer Bevölkerungsgruppen erzeugt, die in irrational-hierarchischen und menschenrechtswidrigen Welt- und Menschenbildern befangen sind und sich in antisäkularen Gegenmilieus abschotten[3]. Betrachten wir hierzu einige ausgewählte Befunde:

Im Vergleich mit anderen Migranten schneiden türkisch-muslimische Zuwanderer mit Abstand am schlechtesten ab. „Besonders alarmierend sind der hohe Anteil von Personen ohne Bildungsabschluss und die sehr hohe Erwerbslosigkeit unter den Jugendlichen. In kaum einem Bereich verläuft die Integration dieser Herkunftsgruppe wirklich gut“ (Berlin-Institut 2009, S. 36). Der 8. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland (Juni 2010, S. 126) hält fest: „Während nur 15 % der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund im Alter von 20 bis 64 Jahren keinen beruflichen Abschluss haben, gilt dies für 44% der Befragten mit Migrationshintergrund. Am höchsten liegt der Anteil der Unqualifizierten mit 72 % bei den in Deutschland lebenden Menschen türkischer Herkunft, von denen fast jede/r Fünfte (18,2 %) Deutsche/r ist.“

Aufgrund des geringen Qualifikationsniveaus ist auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen (Erfahrung mit länger als 12 Monate andauernder Arbeitslosigkeit) bei männlichen Türken mit 43,6% besonders hoch (zum Beispiel im Vergleich zu Polen mit 28,9%).[4]

Während türkisch-muslimische Zuwanderer einerseits im Durchschnitt das schlechteste Qualifikationsprofil und deshalb eine besonders hohe Rate von Arbeitslosengeld-II-Beziehern aufweisen, leben sie andererseits vergleichsweise in größeren Bedarfsgemeinschaften mit einem höheren Kinderanteil und daraus resultierend mit einem höheren Transfereinkommen.

Im Vergleich zu ausländischen Männern haben ausländische Frauen „häufiger keine abgeschlossene Berufsausbildung (56% zu 40%). Dies ist vor allem bei türkischen Frauen der Fall (70%); der entsprechende Anteil liegt bei Polinnen nur bei 24%“ (BAMF: Fortschritte der Integration 2010, S. 15f.). Damit korrespondiert, dass Türkinnen sehr viel seltener ganz- oder halbtagserwerbstätig sind als Frauen anderer Ausländergruppen (aus Polen, Italien, Ex-Jugoslawien und Griechenland).

Eine Ländervergleichsstudie der Kompetenzen von Grundschülerinnen und -schülern der vierten Jahrgangsstufe in den Fächern Deutsch und Mathematik kam nicht umhin, signifikante Leistungsunterschiede in Abhängigkeit von der Höhe des Migrantenanteils je Bundesland einzuräumen. Bei näherer Betrachtung zeigte sich, dass nicht der Migrantenanteil an sich, sondern ein spezifischer Anteil ausschlaggebend ist. So ergab sich zwischen den Schülerleistungen und den Anteilen von Kindern mit Eltern aus EU-Staaten kein erkennbarer Zusammenhang. „Ganz anders sieht es indessen aus, wenn man den Anteil der Migranten aus der Türkei, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika in den Blick nimmt (in Bayern 5 Prozent, in Bremen 11,7 Prozent). Hier ist der Zusammenhang zwischen Schülerleistungen und Migrantenanteil hochsignifikant negativ. Tatsächlich wird die Variation in den Schülerleistungen zwischen den Bundesländern zum größten Teil allein durch die Variation in den Anteilen von Migranten aus der Türkei, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika erklärt.“[5]

Sowohl in den Kompetenzbereichen des Lesens und Zuhörens als auch in Mathematik wiesen Kinder türkischer Herkunft die größten Leistungsnachteile auf.

Laut der Level-One Studie „Literalität von Erwachsenen auf den unteren Kompetenzniveaus“ vom Februar 2011[6] sind etwa 7,5 Millionen Menschen in Deutschland von Analphabetismus bzw. funktionalem Analphabetismus betroffen. Das sind ca. 14,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 64 Jahren[7]. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, „dass nur ein halbes Prozent der erwachsenen Bevölkerung auf dem untersten Alpha-Level liegt, also die Wortebene beim Lesen und Schreiben nicht erreicht. Weitere 3,9 Prozent liegen auf dem Alpha-Level 2, erreichen also nicht die Satzebene, sondern können nur wenige Wörter lesen und schreiben. Auf dem folgenden Level befinden sich weitere 10 Prozent der Bevölkerung, die zwar mit kurzen Sätzen umgehen kann, aber an Texten scheitert und sie vor allem vermeidet.“[8]

4,4 Millionen der betroffenen Bevölkerungsgruppe (58%) haben Deutsch als Erstsprache gelernt. Weitere 3,1 Millionen (42%) hingegen eine ausländische Erstsprache. D. h: 42 Prozent der funktionalen Analphabeten sind Zuwanderer (bei einem Migrantenanteil an der deutschen Gesamtbevölkerung von knapp 20%)[9].

Eine groß angelegte, 2012 publizierte Studie mit dem Titel „Später Sieg der Diktaturen? Zeitgeschichtliche Kenntnisse und Urteile von Jugendlichen“[10] ließ gravierende Wissenslücken erkennen. Quantitativ betrachtet, konnten die befragten Jugendlichen nur gut ein Drittel der Wissensfragen richtig beantworten. Den geringsten Kenntnisstand wiesen Migrantenkinder auf, d. h. Schüler mit mindestens einem ausländischen Elternteil. Qualitativ wurde zum Beispiel deutlich, dass knapp 40% der Jugendlichen (Schüler aus Migrantenfamilien: knapp 50%) nicht zwischen den charakteristischen Merkmalen und Dimensionen von demokratischen und diktatorischen Systemen differenzieren können. Generell verdeutlichte die Studie: Je höher der Anteil von Migrantenkindern, desto schlechter das Abschneiden der (vor allem in der alten Bundesrepublik gelegenen) Schulstandorte. Knapp 10% der befragten Schüler ohne Migrationshintergrund hatte ein positives Bild vom Nationalsozialismus, ca. 25% ein neutrales Bild dieser Diktatur. Aufgrund ihrer überwiegend autoritär-konservativen Sozialisation nicht überraschend, „beurteilen Migrantenkinder, insbesondere die mit türkischen/kurdischen Eltern, den Nationalsozialismus deutlich besser als ihre Altergenossen (12,7% bzw. 15,6% positive Urteile). Eltern aus dem Nahen Osten votieren sogar mit 17,8% positiv über den Nationalsozialismus“ (ebenda, S. 4). Die Behauptung einer Gleichwertigkeit demokratischer und diktatorischer Systeme lehnen nur gut 40% der Kinder türkischer/kurdischer Eltern ab, „aber fast 63% der Jugendlichen mit Eltern aus Mittel- und Osteuropa“ (ebenda, S. 5).

Aufgrund der sozialisatorischen Vermittlung islamischer Weltanschauungsinhalte und Normen weisen muslimische Zuwanderer nachweislich ein signifikant frauen-, schwulen-, atheisten- und judenfeindlicheres Einstellungsbild auf als Einheimische oder nichtmuslimische Zuwanderer. In ebenso törichter wie demagogischer Weise wird von deutschen Politkern sämtlicher Couleur nun aber ausgerechnet begründete Islamkritik als „Islamfeindschaft“ oder gar „Rassismus“ diffamiert und Kritik an reaktionär-menschenrechtsfeindlichen Einstellungen und Handlungsweisen von Muslimen als „Muslimfeindlichkeit“ oder „antimuslimischer Rassismus“ stigmatisiert. Zusätzlich zu dieser desaströsen Kumpanei mit einer extrem rückschrittlichen, repressiven und auf Expansion bedachten Herrschaftskultur betreiben die etablierten Parteien im Einklang mit den konservativen und islamistischen Muslimverbänden eine systematische Islamisierungspolitik der deutschen Gesellschaft: Deren Eckpunkte entsprechen einerseits ziemlich genau dem Forderungsprogramm des Zentralrats der Muslime in Deutschland[11], widersprechen aber andererseits eindeutig den Interessen und Einstellungen der Bevölkerungsmehrheit in Deutschland. So sind nach einer neueren Umfrage des Instituts Allenbach 83 Prozent der Deutschen der Meinung, „der Islam sei von der Benachteiligung der Frau geprägt, 77 Prozent meinten, typisch für den Islam sei das Festhalten an althergebrachten Grundsätzen, 70 Prozent assoziierten mit dem muslimischen Glauben Fanatismus und Radikalität. Deutliche Mehrheiten der Bevölkerung attestierten dem Islam darüber hinaus unter anderem Gewaltbereitschaft (64 Prozent), die Neigung zu Rache und Vergeltung (60 Prozent), missionarischen Eifer (56 Prozent) und das Streben nach politischem Einfluss (56 Prozent). Nächstenliebe brachten nur 13 Prozent mit dem Islam in Verbindung, 12 Prozent dachten beim Stichwort Islam an Wohltätigkeit und nur 7 Prozent an Offenheit und Toleranz.“[12]

Auch vor diesem Hintergrund appellieren wir an den Verstand und die Würde der deutschen Bevölkerung, mit ihrer Stimme nicht auch noch ihre eigenen Verleumder und Sch(l)ächter zu wählen und diese für weiteres Unheil zu legitimieren[13].

Kommentar wissenbloggt: wir distanzieren uns von Benennungen der Parteien als "Verleumder und Sch(l)ächter" und auch von Ausdrücken wie der "ungesteuerten Massenzuwanderung … (mit) extrem reaktionärem und autoritärem Bewusstsein und Verhalten". Das trifft nur auf eine Minderheit zu. Die Mehrheit ist integrationswillig und -fähig, auch wenn die Zahlen was anderes nahelegen.

[1] Wir erinnern hier exemplarisch an die unsägliche Legalisierung der Knabenbescheidung aus religiösen Gründen seitens der Bundestagsparteien mit Ausnahme der Linkspartei. Wer solche Parteien wählt und damit legitimiert, macht sich mitschuldig an dieser gegenaufklärerischen Protektion erzreaktionärer religiöser Kräfte und Lobbygruppen. Vgl. http://www.gam-online.de/beschneidungsdebatte.html#Vogelpohl

[2] Zur Fehlentscheidung des Anwerbeabkommens mit der Türkei vgl. http://www.hintergrund-verlag.de/texte-kapitalismus-50-jahre-anwerbeabkommen-mit-der-tuerkei.html

[3] Natürlich nicht bei allen, aber eben doch bei einer relevant großen Zahl türkisch-muslimischer Zuwanderer kommt zur konservativ-islamischen Gesinnung noch ein aufgeprägt nationalistisch-neoosmanisches Einstellungssyndrom hinzu, das auf aggressiv-lautstarken Kundgebungen unverhohlen demonstriert und von eingeflogenen türkischen Staats- bzw. AKP-Funktionären obendrein kräftig befeuert, angestachelt und angeleitet wird. Es ist schäbig und erbärmlich, wie die etablierten Parteien den NSU-Skandal dahingehend missbrauchen, genau von diesem bedeutsamen Sachverhalt abzulenken.

[4] Vgl. BAMF 2010, S. 145.

[5] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/deutscher-grundschulvergleich-die-zuwanderung-macht-die-differenz-11927910.html

[6] http://blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/files/2011/12/leo-Presseheft_15_12_2011.pdf

[7] „Darüber befinden sich weitere 13,3 Millionen Erwachsene, deren Schriftsprache auch bei gebräuchlichem Wortschatz fehlerhaft ist.“ http://blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/files/2011/12/leo-Presseheft_15_12_2011.pdf  S. 4.

[8] http://blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/files/2011/12/leo-Presseheft_15_12_2011.pdf  S. 4. Eine ähnlich hohe Quote von Funktionalen Analphabeten gibt es auch in Frankreich und Großbritannien. Vgl. ebenda.

[9] „Würde man auch Zugewanderte ohne mündliche Deutschkenntnisse hinzuziehen und innerhalb dieser Gruppe proportional oder über-proportional viele funktionelle Analphabet/inn/en vorfinden, müssten diese Personen der Zahl von 7,5 Millionen noch einmal hinzugezählt werden.“ http://blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/files/2011/12/leo-Presseheft_15_12_2011.pdf  S. 8.

[10] Im Zentrum der Untersuchung stand eine standardisierte Befragung von 4.627 Jugendlichen der Abschlussklassen aller (Regel-)Schultypen mit Hilfe eines Fragebogens in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Zudem wurde eine Längsschnittanalyse mit 30 Schulklassen mit 785 Schülern in den genannten Bundesländern durchgeführt. Ergänzend gefragte man in vier Berliner Gedenkstätten 60 Schulklassen (1.992 Schüler) unabhängig von deren Bundeslandherkunft.

[11] Vgl. Hartmut Krauss: Der Islam als grund- und menschenrechtswidrige Weltanschauung. Ein analytischer Leitfaden. Osnabrück 2013, S. 165f.

[12] http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/allensbach-studie-die-furcht-vor-dem-morgenland-im-abendland-11966471.html

[13] Wir erkennen durchaus an, dass es zahlreiche Menschen gibt, die – auch aus verständlicher Ungeduld – der Selbstentwürdigungsfalle dadurch entgehen wollen, dass sie Protestparteien wie die AfD oder die PIRATEN wählen. Diese Entscheidung liegt außerhalb des Brennpunkts unserer Kritik. Andererseits gibt es nach unserer Auffassung aber gravierende Aspekte, die eine Wahl dieser Parteien ausschließen. So ist die AfD eine monothematische Partei (Europolitik) mit nationalliberaler Schlagseite und Affinität zum schwarzgelben Lager. Auf gar keinen Fall ist sie eine Partei, die Kapitalismuskritik mit allgemeiner Religionskritik und Islamkritik verbindet. (Nur eine solche Partei wäre aber im Ansatz eine zukunftsfähige Partei auf der Höhe der Zeit. Darüber wäre nach dem 22.9.2013 zu diskutieren!) Spitzenkandidaten wie Joachim Starbatty scheuen sich nicht, bei rechtsgerichteten Burschenschaftlern aufzutreten. Andere Funktionäre kokettieren – mit schielendem Blick auf muslimische Wählerstimmen – mit ihrer Teilnahme am „Fastenbrechen“. Die „rote Linie“ der Selbstentwürdigung wird also schon jetzt auch von dieser Seite übertreten …

Soweit der Artikel, der mit seiner Islamkritik in allzu rechte Bereiche vorstößt, in die wissenbloggt keinesfalls folgt. Aus dem Begleittext der Hintergrund-Redaktion entnehmen wir die Aussage, die eigentlich zum Thema passt:

In Deutschland existiert keine Partei, die eine wissenschaftlich und politisch adäquate und konsequente Verbindung von Kapitalismuskritik mit allgemeiner Religionskritik und Kritik am Islam repräsentiert. Schon aus diesem Grunde ist eine Wahlenthaltung nach unserer Überzeugung naheliegend.

 

Auch eine Wahl aus taktischen Gründen nach Maßgabe der Logik des kleineren Übels verbietet sich. Denn die etablierten Parteien verkörpern in ihren Ausrichtungen und konkreten Handlungen unter dem Strich ein gleich großes Übel in unterschiedlichen Trikotfarben. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass sie allesamt eine fatale Dreieinigkeit aus Marktfetischismus, Sozialdemagogie und Protektion religiöser Irrationalismen betreiben und damit die realen gesellschaftlichen Widersprüche und Problemlagen auf fatale Weise vernebeln. Solche Kräfte zu wählen bedeutet, sie zu legitimieren und sich damit am herrschenden Elend mitschuldig zu machen. Denn bei jeder neuen Schandtat – vom nächsten "Rettungsschirm" bis zum nächsten Kotau vor dem Islam – werden sie sich auf "ihre Wählerinnen und Wähler" berufen …

Kommentar wissenbloggt: der Kotau erflolgt genauso vor den christlichen und jüdischen Kirchen. Soweit zur Correctness, nun eine inhaltliche Frage: wenn man bei der Einführung des Euros nicht auch so gedacht hätte, dann hätte die "monothematische" Partei pro DM viele Stimmen bekommen können, und die Sache mit dem Euro wäre vielleicht anders verlaufen – auf demokratische Weise. Spricht das nicht für trotzdem Wählen?

Link zum Originalartikel: http://www.hintergrund-verlag.de/texte-stellungnahmen-waehlen-waere-selbstentwuerdigung-positionspapier-zur-bundestagswahl-2013-Teil-III.html   

Link zum Teil I: http://www.wissenbloggt.de/?p=19798

Link zum Teil II: http://www.wissenbloggt.de/?p=19892

Einen ausgewogenen Bericht zur Asyldebatte liefert unser Artikel Debatte um Asylpolitik

 

 




Trennung von Staat und Religion ist nicht neutral?

Non_aux_religionsDas Forum Offene Religionspolitik – Positionen brachte am 20.8. einen Artikel von Sven Speer: Eine Trennung von Staat und Religion ist nicht neutral, wo der Autor sich zu folgenden Behauptungen verstieg:

"Nur wenn der Staat sowohl das Säkulare wie auch das Religiöse zulässt – auch in öffentlichen Institutionen wie Schulen und Krankenhäusern – ist er tatsächlich neutral, weil nicht wertend. Wie kann ein Staat neutral sein, in dem sich Religiöse an den Rand gedrängt sehen, Nichtreligiöse aber zufrieden mit der Ordnung sind?" Und: "Ein strikt säkularer Staat ist ein Staat, der wertet und entsprechend ausgrenzt." Eine Idee von seiner Geisteswelt liefert der Autor mit der eingestreuten Sentenz: "… wobei sich wissenschaftliches und religiöses Denken nicht ausschließen müssen."

Man darf konstatieren, dass sich da das religiöse Denken artikuliert hat. Das Ganze ist ein Stück Sophistik. Deshalb ist es fast zuviel der Ehre, wie andere Kommentatoren auf den Artikel reagiert haben. Matthias Krause setzt sich am 21.8. bei skydaddy lang und breit mit dem Erguss auseinander, auch Tom Buchholz wird dort ausführlich zitiert. Hier die gekürzte Argumentation von Buchholz unter dem Titel Trennung von Staat und Religion ist nicht neutral?

  1. Ihre Argumentation fällt weitgehend in sich zusammen, wenn man staatliche Neutralität nicht als „Trennung von Staat und Religion“ auffasst, sondern so bezeichnet, wie sie gemeint ist: nämlich als Trennung von Staat und Weltanschauung“. Damit ist der Staat vom Atheismus oder Anti-Theismus genauso getrennt wie von den Religionen. …
  2. Staatliche Neutralität ist keineswegs gegen die Religionen gerichtet, sondern der weltanschaulichen Vielfalt gerade förderlich. …
  3. Das von Ihnen kritisierte Szenario ist schlichtweg absurd. …
  4. Sie vermischen unzulässigerweise zwei Dinge: Die weltanschauliche Neutralität des Staates einerseits und die (vermeintlich beabsichtigte) Verdrängung religiösen Denkens aus der Gesellschaft andererseits. …
  5. Kommen wir zum letzten Punkt, Ihrem Kriterium „Wie kann ein Staat neutral sein, in dem sich Religiöse an den Rand gedrängt sehen, Nichtreligiöse aber zufrieden mit der Ordnung sind?“ – Sie tun gerade so, als ob sich alle Religiösen auf einmal zufrieden stellen ließen. …
  6. Damit sind wir bei dem Grundproblem, auf das Sie hinweisen: Wie können wir das Zusammenleben möglichst fair und friedlich im Sinne Aller regeln? Hier hat sich – nach jahrhundertelanger, blutiger Erfahrung – der Konsens durchgesetzt, dass ein weltanschaulich neutraler Staat das beste ist, was wir kennen – so, wie die Demokratie das beste ist, was wir kennen, auch, wenn sie ihre Schwächen hat. Diese Einsicht wird mittlerweile selbst im „religiösen Lager“ im Großen und Ganzen geteilt, und selbst kirchliche Lobbyisten stellen die weltanschauliche Neutralität des Staates nicht infrage – sie bestreiten lediglich, dass sie in Deutschland verletzt sei, oder „dehnen“ den Begriff, indem sie das Leitbild einer „hinkenden Trennung“, einer „wohlwollenden Neutralität“ oder eines „partnerschaftlichen Gegenübers“ beschwören. Sie sind der erste den ich kenne, der das Neutralitätsprinzip als solches infrage stellt. Dann sollten Sie allerdings konkreter sagen, wie Sie sich ein besseres Konzept vorstellen.

Auch im folgenden Text geht es noch damit weiter. Was dabei verkannt wird, ist, der Autor Sven Speer hat sich nicht verrannt, sondern er betreibt Sophistik. Mit dem Punkt 1 ist seine grundlegende Täuschung aufgedeckt: er tut so, als ob der säkulare Staat die Nichtreligiösen bevorzugen würde. Das Weitere ist mehr der Diskutierfreude geschuldet.

Wer sich den Originaltext antun möchte: http://offene-religionspolitik.de/eine-trennung-von-staat-und-religion-ist-nicht-neutral/

Hier der Link zur Debatte in voller Pracht: http://skydaddy.wordpress.com/2013/08/21/trennung-von-staat-und-religion-ist-nicht-neutral/




Papst und Weltliches

Kommentar von Georg Korfmacher, 15.8.2013:

Radio Vatikan, die Stimme des Papstes, bringt die Absurdität katholischer Feiertage in Deutschland knallhart auf den Punkt: „Weniger Katholiken, weniger Feiertage“. Die Deutschen müssen sich wohl oder übel an eine neue Situation gewöhnen. Selbst wenn sie nicht an die leibliche Himmelfahrt der Mutter des Juden Joshua glauben, haben sie gleichwohl den Feiertag der Catholica gerne mitgenommen. Das könnte jetzt anders werden oder im totalen Chaos enden.

Deutschland ist nicht nur im christlichen Glauben gespalten, sondern hat mittlerweile Mitbürger, die mehrheitlich keiner der christlichen Glaubensrichtungen anhängen. Katholiken sind bundesweit mit weniger als einem Drittel im Hintertreffen. Vor ihnen liegen mittlerweile Mitbürger, die an christliche Vorstellungen nicht glauben. Das ist laut Zensus Fakt und passt so gar nicht in die Wunschträume der Catholica.

Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen besteht der aktuelle, dogmatische Marienkult erst seit 1950. In den ersten drei Jahrhunderten unserer Zeitrechnung spielte die „Gottesmutter“ im weströmischen Reich praktisch keine Rolle. Nur im Osten rankten sich um sie, wie um viele andere Heiligen, arabeske Legenden, soll die Mutter des Joshua doch in Ephesus gelebt haben und gestorben sein. War sie wirklich nur in der Hauptstadt der Provinz Asia sicher? Es bedurfte der Feststellung eines Konzils (431 in Ephesus), um ihre Gottesmutterschaft überhaupt festzustellen, nachdem vorher die Dreifaltigkeit klar war. Wie dem auch sei, erst 1500 Jahre danach musste endlich mit einem Dogma geklärt werden, was mit der Dame eigentlich war.

Nach dem Bamberger Professor für katholische Fundamentaltheologie, Jürgen Bründl, der wohlgemerkt aus öffentlichen Steuergeldern bezahlt wird, speist sich die Marienverehrung aus Volksfrömmigkeit. Auch das kann man tolerieren. Aber was hat das mit unserer öffentlichen Feiertagsregelung zu tun? Erst kürzlich musste in Staatsverträgen geregelt werden, dass in Bremen und Hamburg nunmehr Muslime freie Tage für ihre religiösen Feste beanspruchen können, nachdem es solche Regelungen für Juden bereits gibt. Wieso mischt sich ein demokratischer Staat in die Regelung religiöser Festtage ein? Irgendwann wird die Lage für bundesweit operierende Unternehmen nicht mehr beherrschbar. Mitarbeiter können bundesweit nicht mehr für umfassende Projekte eingesetzt werden, weil der und die da und dort gerade Feiertag haben. Und wieso darf eine Minderheit feiern, während die Mehrheit arbeiten muss? Welche Absurdität in einem demokratischen Staat, der sich auch und insbesondere über seine Wirtschaft definiert.

Solche deutsche Gangart kennt der Pontifex „vom Ende der Welt“ nicht. Also ist sie im fremd und suspekt. Wenn ein demokratischer Staat Feiertage für seine Arbeitnehmer einrichten will, soll er das nach weltlichen Gesichtspunkten und demokratischen Regeln tun. Religiöse Anschauungen oder gar Volksfrömmigkeit dürfen da keine oder allenfalls marginale und höchst ausnahmsweise Bedeutung haben.
Überraschend bedeckt hält sich da der bayerische Oberprimat in München. In Bayern muss er einen abstrusen Status verteidigen, im europäischen Kontext muss er hinnehmen, dass es so etwas in keinem anderen Land in Europa gibt.

Wie ein menschlicher Körper etwa 1900 nach seinem Ableben durch ein Dogma „vor der Verwesung bewahrt“ werden kann (Jürgen Bründl), muss ein Glaubensgeheimnis der Catholica bleiben. Vernünftige Menschen langen sich da nur an den Kopf. Selbst Juden und Muslime verfallen da in Gedankenstarre. Für die Catholica aber genug, um mit Zähnen und Klauen einen „hohen“ Feiertag zu verteidigen. So lässt der Münchner Archiprimat auch lieber einen Pfarrer aus dem untersten Glied vorpreschen und verkünden: „Ich fände es schade, vor allem deshalb, weil dann in der einen Kommune dann schon wieder ein Feiertag wegfällt, auch wenn es von Anfang an so geregelt war. Theoretisch fände ich es sogar schöner, wenn es in ganz Bayern ein Feiertag wäre, aber das bräuchte ein neues Gesetz.“

Aber damit tritt er genau ins Fettnäpfchen, hatte der Pontifex doch erst kürzlich verkündet, dass nicht alles schon deshalb gut ist, weil es immer schon so war. Und Kneifen gilt schon gar nicht! Selbst Position beziehen und sich nicht auf gesetzliche Regelungen hinausreden! Wie bei der Kirchensteuer, für die ja der Staat zuständig sein soll, während man selbst nur mit Exkommunikation straft, sobald der böse Bürger aus welchem Grund auch immer nicht zahlt, wenn der Staat Geld für Glauben einfordert.

Mag die Catholica glauben, was sie will, sei es an Maria als Gottesmutter, an eine Jungfrau und deren unbefleckte Empfängnis und schliesslich an ihre Himmelfahrt. Das ganze gespreizt über 1500 Jahre und ohne Rückhalt in der Bibel. Aber ist das Grund genug, solche, vielen Menschen als abstrus erscheinenden Anschauungen allen überstülpen zu wollen? Nach heutigem Verständnis würde eine Mutter darüber wahrscheinlich ganz anders denken. Aber solche Logik kennen „Eunuchen für das Himmelreich“ (Ute Ranke-Heinemann) natürlich nicht.

Dabei hat der neue Pontifex doch erst kürzlich den Vater des Joshua als fürsorglichen Vater und Ehemann anerkannt. Abgesichert durch das Dekret mit der Erhebung des Familienvaters Josef könnte die Catholica jetzt doch ein Zeichen setzen gegen die zahllosen und zunehmenden vaterlosen und alleinerziehenden Lebensformen. Papst Franz führt doch gerade vor, wie stark Bilder wirken. Ja, zur Erziehung eines Kindes gehört idealerweise ein Mann, ebenso wie notwendigerweise zu dessen Zeugung. Das ist eine Urerfahrung der Menschheit und gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen. Schliesslich sind alle heutigen Primaten das Ergebnis eines solchen, hoffentlich liebevollen Aktes.

Also, man verfahre einfach nach Mt.22.21 und halte Kirche und Staat fein säuberlich auseinander, auch bei den Feiertagsregelungen. Man stelle sich vor, dass es Feiertagsreglungen „à la Catholica“ für alle Religions- und Meinungsgemeinschaften gäbe, wir würden mehr feiern als arbeiten. Himmel auf Erden!? Nein, eher Elend für alle und Streit obendrein, denn der Staat kann es nie allen recht machen. Religion ist Privatsache und darf nicht einem Regelwerk des Staates unterworfen werden. Nach Papst Franz schafft nur die Distanz zum Weltlichen die Kraft zum eigenen Überleben.

LInk zur Seite von Georg Korfmacher: http://georgkorfmacher.com/




Kirchenaustrittsbrief kommentiert und verbessert

Bei atheisten-info.at befasst sich Erwin Peterseil seit Jahren erfolgreich mit dem Kirchenaustritt. In einem Artikel vom 16.8. geht es konkret um den Abschiedsbrief, den die katholische Kirche den Ausgetretenen zukommen lässt, also um einen letzten Missionsversuch:

In Deutschland hat man 2012 den Kirchenaustritt neu geregelt, da ein Widerspruch zwischen den Gepflogenheit in Deutschland und dem vatikanischen Kirchenrecht entwickelt hatte. Dazu wurde damals auch ein Musterbrief für die Pfarrer aufgelegt, die von diesen an Austreter versandt werden musste. Heute scheint alles auf der damals angelegte neue Routine zu laufen. Aus Deutschland hat atheisten-info jetzt so ein Pfarrerschreiben an einen Austreter bekommen, das etwas ausführlicher ausgefallen ist als das Muster von 2012, aber trotzdem den wichtigsten Punkt vermissen lässt, den katholische Kleriker ihre flüchtenden Schäfchen wissen lassen müssten. Darum hier der in Streifen geschnittene und anonymisierte Pfarrerbrief plus Kommentare.

Es ist wirklich erheiternd, wie hier der katholischen Kirche die Leviten gelesen werden. Was für ein Versäumnis, die Höllendrohung einzubauen! Schießlich kommen nur fromme Katholiken in den Himmel, oder etwa nicht?

Link zu atheisten-info.at: http://www.atheisten-info.at/




Widerstand gegen Abschiebung nach Iran

Nazanin vom Zentralrat der Ex-Muslime, wendet sich an uns mit einer Bitte um Unterstützung (13.8.):

Unser Mitglied und Asylbewerber, Herr Mehrzad Zarnegar, wurde heute morgen, als er wegen der Verlängerung seines provisorischen Ausweises zur Ausländerbehörde ging, verhaftet und soll nach Iran abgeschoben werden. Trotz allen Bemühungen und dem Einsatz verschiedener Organisationen für seine Freilassung sitzt er immer noch in Abschiebehaft und kann jeder Zeit nach Iran abgeschoben werden.

Mehrzad Zarnegar ist 26 Jahre alt und seit Oktober 2012 Mitglied des Zentralrats der Ex-Muslime. Er hatte an verschiedenen Demonstrationen und Veranstaltungen gegen das islamische Regime teilgenommen. Seine Verwandten wurden im Iran hingerichtet und sein Leben wird ebenso in ernsthafter Gefahr sein, wenn er nach Iran abgeschoben wird. Er lebte bis heute mit seiner deutschen Freundin in Koblenz. Heute nachmittag wurde er von der dortigen Abschiebehaft zum einem anderen Ort namens Ingelheim am Rhein verlegt. Vor einigen Minuten habe ich mit ihm telefoniert und er meinte, dass es eventuell das letzte Telefonat wird, weil er nicht wusste, ob er dort sein Mobiltelefon behalten darf oder nicht.

Wir möchten jetzt von allen Seiten der Hebel in Bewegung setzen um ihm zu helfen und ihn aus der Haft zu befreien. Wir wären Euch dankbar, wenn ihr Euch dafür einsetzt. Bitte tut, was in eurer Macht steht. Schreibt Protestbriefe in Eurem Namen oder im Namen Eurer Organisation an die zuständige Behörde, kontaktiert einflussreiche Personen, die eventuell sich dafür einsetzen können/wollen.
Leitet diesen Brief an Euren Bekanntenkreis weiter und bittet um Mitwirkung. Sehr wichtig ist die Presse. Die Presse ist zum Teil davon informiert und wir hoffen, dass morgen Einiges in den örtlichen Zeitungen zu lesen sein wird, aber je mehr desto besser. Radio und Fernsehen sind auch wichtig.

Kontaktdaten der zuständigen Behörde, welche die Abschiebung ausgestellt hat:
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
Referat Außenstelle Trier
Postanschrift: Postfach 1213,  54292 Trier
Fr. Krippes
Tel.: 06511463-0 Zentrale, 06511463-458
Fax: 06511463-199
Akz. oder Geschäftszeichen: 5567467-439

Link zu einem Artikel in der Rhein-Zeitung: http://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/koblenz_artikel,-Junger-Iraner-kaempft-gegen-seine-Abschiebung-_arid,1023064.html   




Konfessionsfrei in der Schule

konfessionslosschuleBei Freigeist-Weimar schreibt Siegfried R. Krebs am 11.08. über den Konfessionsunterricht an der Schule: Klerus, Politik und Schulverwaltungen verweisen gerne auf den Grundgesetz-Artikel 7 (3), in dem es heißt „Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen (…) ordentliches Lehrfach.“ Sie suggerieren damit, diese Glaubensunterweisung sei ein Pflichtfach für alle Schüler. Aber im selben Artikel heißt es vorhergehend unter (2): „Die Erziehungsberechtigten haben das Recht, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen.“ Damit wäre eigentlich alles zum Thema gesagt. Aber: Klerusfreundliche Politik und Verwaltungen negieren dieses eindeutige Verfassungsgebot jedoch mit größter Dreistigkeit. Warum? Weil man eben im frühesten Kindesalter und unter „Schulzwang“ am besten indoktrinieren kann. Doch, Eltern und Schüler können sich dagegen wehren – mit guten verfassungsmäßigen Argumenten. Hierfür ist der jetzt von Rainer Ponitka vorgelegte Ratgeber eine wirklich gute Hilfe.

In seinem Vorwort schreibt der Herausgeber zur gängigen bundesdeutschen Praxis: „Zur Einschulung wurde der Eindruck erweckt, ein Einschulungs-Gottesdienst unterliege der Schulpflicht – noch wurde über die grundsätzliche Freiwilligkeit der Teilnahme am Religionsunterricht aufgeklärt." (S. 8) Und das gilt nicht nur für Nordrhein-Westfalen, wo Ponitka zu Hause ist. Nein, das gilt sogar noch mehr für Missionierungsgebiet zwischen Ostsee und Erzgebirge, wo etwa drei Viertel der Menschen religionsfrei sind. Hier wollen die beiden sogenannten Amtskirchen auf Biegen und Brechen – über den Weg des schulischen Religionsunterrichtes – eine neue Christianierung herbeiführen. Eben auch mit der eingangs erwähnten Praxis der selektiven „Argumentation" bezüglich des Artikels 7 GG.

Der Ratgeber besteht aus drei Kapiteln und einem umfangreichen Anhang. Gerhard Czermak, pensionierter Verwaltungsrichter, eröffnet diesen Ratgeber mit einem Aufsatz zum Recht in der Schule: „Was ich als Konfessionsloser in der Schule wissen sollte".

Eingehend auf die für Schulen zuständigen zumeist mit Kultus bezeichneten Ministerien schreibt er: „…Kultusministerien pflegen traditionell gute, wenn nicht beste Beziehungen zu den christlichen Großkirchen. Das gilt auch für die neuen Bundesländer. (Besonders tut sich, bei über 75 % Konfessionsfreien, Mecklenburg-Vorpommern hervor, wo das Bildungsministerium seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit einer Bibelstiftung bzw. einem Bibelzentrum über alle staatlichen Schulen einen Bibelwettbewerb für Schüler ausschreibt. Neuerdings ist es den Schulleitern freigestellt, an Schüler Bibeln zu verteilen, die vom missionierenden internationalen Gideonbund kostenlos abgegeben werden.)" (S. 12) – Ein klarer Verstoß gegen die religiös- und weltanschauliche Neutralität des Staates und der staatlichen Schulen. Ähnliches ist aus Thüringen zu vermelden, wo z.B. in Weimar eine Schüler-Aktion „Kinder-Bibel" läuft.

Czermak verweist hier auf das „Recht als Mittel der Gegenwehr" und benennt als Grundlage hierfür vor allem Grundgesetz, das jeweilige Landesverfassungsrecht, Bundes- und Landesgesetze sowie andere Rechtsnormen. Ausgehend vom Neutralitätsgebot ist Glaubensfreiheit als Beeinflussungsfreiheit zu verstehen! Was heißt:

„Der Staat des Grundgesetzes hat keinerlei Befugnis, einseitig für oder gegen eine Religion oder Weltanschauung Stellung zu nehmen, auch nicht für Religion im Allgemeinen oder gar das Christentum im Besonderen. ‚Glaubensfreiheit‘ in diesem engeren Sinne gewährleistet die staatlich unbeeinflusste religiös-weltanschauliche Überzeugungsbildung. Es ist nicht Aufgabe der öffentlichen Hand, ihre Bürger in religiös-weltanschaulicher Hinsicht zu erziehen." (S. 16/17)

Er schreibt weiter: „Da ohne die Kirchen wohl kaum Probleme für nichtchristliche Schüler und Lehrer bestünden, muss noch kurz auf ihre Rechtsposition eingegangen werden. (…) Das Religionsrecht (traditionell ‚Staatskirchenrecht‘) ist ein großer Bereich, der hauptsächlich von Kirchenjuristen, kirchennahen Juristen oder doch religiös-weltanschaulich konservativen Fachleuten beackert wird. (…) Die ansonsten anerkannten juristischen Methoden wurden und werden in diesem Rechtsgebiet oft deformiert, und selbst über den zumindest zum Teil recht klaren Text und Sinn der Verfassung ist man oft souverän hinweggeschritten." (S. 19)

Und wegen dieses Zustandes fällt Gegenwehr, wie z.B. in Sachen Religionsunterricht etc., meist nicht leicht…

Dass es in Bundesdeutschland mit der Trennung von Staat und Kirche(n) und der Kirche(n) von der Schule auch mehr als 90 Jahre nach Verkündung der Weimarer Reichsverfassung noch nicht weit her ist, zeigt Czermak anhand einiger Landesverfassungen und Schulgesetze auf. Wobei er darauf hinweist, dass Bundesrecht Landesrecht bricht, dass man also nicht furchtsam angesichts einiger fürwahr mittelalterlicher Bestimmungen (so Formulierungen wie: „oberstes Erziehungsziel der Schule ist die Erziehung zur Ehrfurcht vor Gott") sein braucht.

Den Art. 127 der bayerischen Verfassung sollte man sich als besonders markantes Beispiel für Mittelalterlichkeit heute und hierzulande zwei Mal durchlesen:

„Das eigene Recht der Religionsgemeinschaften und staatlich anerkannten weltanschulichen Gemeinschaften auf einen angemessenen Einfluß bei der Erziehung der Kinder ihres Bekenntnisses oder ihrer Weltanschauung wird unbeschadet des Erziehungsrechts der Eltern gewährleistet." (S. 22)

Auf diesem Wege werden Eltern staatlicherseits zugunsten des Klerus entmündigt!

Czermak stellt zur Entwicklung des bundesdeutschen Schulwesens auf den Punkt gebracht fest: „Historisch und bis zum heutigen Tag geht es hauptsächlich um die ideologische Beeinflussung der Masse des Volks in möglichst formbarem jugendlichen Alter; es geht also um die staatliche und kirchliche Macht." (S. 27) – Ja, damit die da unten niemals gegen die da unten aufbegehren; deshalb ja wurde vor gut 1700 Jahren das Christentum zur Staatskirche gemacht!

Das zweite Kapitel („Ratgeber für konfessionslose Eltern, Schüler und Lehrer") stammt von Gerhard Rampp, Gymnasiallehrer in Bayern. Ausgehend von bayerischen Beispielen geht er auf die Themen Religionsunterricht, Abmeldung von diesem, Ethikunterricht und weltanschauliche Neutralität der Lehrer ein.

Er schreibt: Der Religionsunterricht im öffentlichen Schulwesen „wird in Deutschland inhaltlich und personell ausschließlich von den Kirchen bestimmt. Der Staat (d.h. das Bundesland) trägt die organisatorische Verantwortung und die Kosten, die sich bundesweit auf immerhin drei Milliarden Euro summieren – viermal so viel, wie die Kirchen aus eigenen Mitteln für öffentliche soziale Zwecke aufbringen.

Konkret heißt das: Die Kirchen legen die Lehrpläne fest, wählen die Schulbücher aus und bestimmen, wer das Fach unterrichten darf. (…) Die Aus- und Weiterbildung der Religionslehrer liegt ausschließlich in der Kirchen – mit Ausnahme der Finanzierung natürlich. (…)

Allen Beteiligten muss also von vornherein klar sein, dass es sich um eine Unterweisung in innerkirchlicher Glaubenslehre (und der sich daraus ergebenden Sittenlehre) aus der einseitigen Sicht eben dieser Kirche handelt." (S. 35/36)

Das sollten auch bestimmte LINKS-Politiker in Thüringen zur Kenntnis nehmen, die ihrerseits stets und ständig behaupten, es handele sich beim Religionsunterricht nicht um Glaubensunterweisung nach ausschließlich klerikalen Vorgaben, sondern um religionskundlichen Unterricht…

Eltern von Teilnehmern am Religionsunterricht, die ausschließliche Glaubensvermittlung vermuten, haben keinerlei Erfolgsaussicht, wenn sie sich angesichts von Inhalt und Ablauf des Religionsunterrichtes beschweren. Denn „der Vorwurf einer ‚einseitigen Indoktrination‘ geht ins Leere, denn die oben beschriebene Konstruktion des Religionsunterrichtes zielt ja auf die Erziehung zum Glauben ab (wobei geschickte Religionspädagogen diese Absicht nicht aufdringlich in den Vordergrund rücken werden.) Einzig mögliche Form des Widerspruchs bleibt die Abmeldung vom Religionsunterricht." (S. 37)

Ausführlich geht Rampp auch den Ethik-Unterricht (der in den Bundesländern durchaus unterschiedlich benannt wird) als Ersatz-Unterricht für religionsfreie Schüler ein. Eingeführt wurde Ethik 1972 in Bayern mit dem Ziel, die Abwanderung vom Religionsunterricht zu behindern. Bis dahin nämlich konnten religionsfreie Schüler nach Hause gehen bzw. eine Freistunde genießen.

Rampp konstatiert aber auch beängstigendes: dass z.B. der Ethik-Unterricht in Rheinland-Pfalz und Sachsen nicht neutral, sondern auf christlicher Basis gestaltet wird. Solches kann ebenfalls aus Thüringen vermeldet werden, wo nicht selten der Ethik-Unterricht de facto nichts anderes getarnter Religionsunterricht ist. In Rheinland-Pfalz ist das dortige Kultusministerium sehr offen und hat dies verordnet: „Der Lehrplan für Ethikunterricht in der Grundschule baut grundsätzlich auf den sittlichen Werten der christlichen und humanistischen Ethik auf. Aus diesem Grunde ist es möglich, dass auch Religionslehrer Ethik erteilen." (S. 44)

Aber nicht nur das. „Einen anderen Grund zum Ärgernis können Schulbücher verursachen. In keinem anderen Fach außer Religion werden religiöse Inhalte so ausführlich behandelt wie in Ethik. Wie in verschiedenen anderen weltlichen Fächern findet auch hier immer wieder religiöse Propaganda Eingang in Unterrichtsmaterialien.

Gerade religiös ausgerichtete Verlage (…) haben Ethikbücher im Programm; mitunter fungieren gar Religionslehrer als Autoren." (S. 44) Rampp benennt hier exemplarisch Susanne Breit-Keßler – eine evangelische Regionalbischöfin. Ethiklehrbücher aus Theologenfeder sind auch in Thüringen keine Seltenheit…

Der Autor spricht noch kurz die kirchlichen Privatschulen an, vor allem deren Finanzierung; so trage z.B. in Rheinland-Pfalz der Staat 100 % der Personalkosten und einen erheblichen Teil der Sach- und Investitionskosten: „Selbst die CDU monierte, dass eine kirchliche Schule den Staat teurer komme, als wenn er sie selbst betriebe." (S. 50)

Abschließend geht Rampp auf Schulgebete, Schulgottesdienste und sonstige religiöse Veranstaltungen für Schüler ein; gemeint sind hier öffentliche Schulen. Diese Veranstaltungen  seien grundsätzlich freiwillig und selbst konfessionsgebundene Schüler seien nicht zum Besuch verpflichtet. Schulgottesdienste werden von Religionslehrern und „Schulpfarrern" auch und besonders im „ungläubigen Osten" forciert. Nicht selten in Verbindung mit der Ausgabe der Abiturzeugnisse…

Wie es um die Begeisterung der Schüler für Schulgottesdienste und -gebete bestellt ist, verdeutlicht Rampp an Erfahrungswerten aus Bayern zum „…Vorschlag, den wirklich betwilligen Schülern bereits Unterrichtsbeginn Gelegenheit zu ihrer Religionsausübung zu geben. Nur zeigte sich bisher stets, dass das Interesse dann schlagartig abflaute." (S. 53)

Im dritten Kapitel geht Rainer Ponitka auf „Die Staatliche Bekenntnisschule in Nordrhein-Westfalen" – einen bundesdeutschen Sonderfall – ein. Denn „in allen anderen Bundesländern wurde die staatliche Bekenntnisschule vor über 40 Jahren abgeschafft; zuletzt in Rheinland-Pfalz durch den damaligen christlich-demokratischen Ministerpräsidenten Helmut Kohl." (S. 58)

Abschließend hat Gerhard Czermak wichtige Gerichtsentscheidungen zum Thema Schule, Weltanschauung und Ideologie zusammengestellt. Die meisten von ihnen stehen im Internet kostenlos und im vollen Wortlaut zur Verfügung: die des Bundesverfassungsgerichtes unter www.bverfg.de und die des Bundesverwaltungsgerichts unter www.bverwg.de .

Im Anhang sind zum einen die Schule betreffende Gesetze und Erlasse der 16 Bundesländer aufgelistet und zum anderen die Adressen von Schüler- bzw. Elternvertretungen des Bundes und der Länder sowie die der Lehrer- und Schulleitervereinigungen.

Gerade die Listungen von Gesetzen, Urteilen und Organisationen dürften für ratsuchende Eltern und Schüler von besonderem Wert sein. Rat und Hilfe gibt es selbstverständlich auch beim IBKA, dem Internationalen Bund der Konfessionsfreien und Atheisten e.V., dessen AG Schule von Rainer Ponitka geleitet wird: www.ibka.org/ag-schule .

Rainer Ponitka: Konfessionslos in der Schule – Ein Ratgeber. 120 S. kart. Alibri-Verlag. Aschaffenburg 2013. 10,- Euro. ISBN 978-3-86569-110-1




Nudelmesse in Zweifel gezogen

Bei fsm-uckermark.blogspot finden wir einen erschütternden Bericht (8.8.) von Elli Spirelli

Das Wort zum Freitag – Wieso, weshalb, warum?

Kürzlich wurde ich gefragt, wozu wir eigentlich Nudelmessen abhalten und was sie uns geben.
 
Die Kirchen beklagen doch nicht erst seit heute den Rückgang an Teilnehmern ihrer Gottesdienste, die allsonntäglich abgehalten werden. Das muss doch langweilig sein. Wieso tut ihr euch das an?
 
Ja, was tun die Kirchgemeinden da eingentlich sonntags in ewig kühlen Gemäuern? Singen? Segen empfangen? Predigten über sich ergehen lassen? Das Abendmahl einnehmen?
 

 

Ich weiß es nicht so genau, aber ein Abendmahl gibt es bei uns Pastafari auch. Allerdings sind wir keine Kannibalen, lassen uns kein Plätzchen in den Mund schieben, dass sich dort wundersam in altes totes Menschenfleisch verwandelt. Blut trinken wir auch nicht, maximal eine Bloody Mary. Wir bekommen Nudeln von Seinen Nudligen Anhängseln und Bier von Seinem Biervulkan. Wenn einer von uns Pastafari etwas zu sagen hat, so hält er zu einer unserer Nudelmessen eben darüber eine Predigt.
 
Seit unsere CD auf dem Markt ist, singen wir auch gern gemeinsam ein bis zwei Strophen des Liedes „Ein bissfest Burg ist unser Gott“. Ansonsten essen und trinken wir gemeinsam, unterhalten uns, diskutieren über Probleme, die uns gerade wichtig sind, geben nicht selten unserem Spieltrieb nach, indem wir so zum Spaß mit unseren Plastesäbeln fechten und pflegen Kurzweil.
 
Je nach Tagesform kann eine Nudelmesse kurz oder lang sein. Meist genießen wir mehrere Stunden miteinander. Helle, wie wir Pastafari sind, treffen wir uns nicht jede Woche. Sieht man sich nicht unentwegt, ist die Wiedersehensfreude um so größer. So haben wir immer wieder Spaß daran, unsere Freizeit miteinander zu teilen. Auf einen Prediger, der mit erhobenem Zeigefinger auf erwachsene Menschen einhämmert, was seiner Meinung nach zu tun oder zu lassen ist, wird gern verzichtet. Spricht er aber darüber, was ihm am liebsten wäre, so hören wir zu und denken darüber nach.
 
Wir verabreden uns wann wir wollen und wo wir wollen. Nudelmessen bei schönem Wetter in freier Natur sind immer besonders beliebt. Wer mag schließlich nicht gegrillte Fleischbällchen oder leckere Nudelsalate?! Ist uns jedoch nach einem Dach über dem Kopf, so suchen wir uns ein passendes aus, wo es sich gemütlich sitzen und miteinander plauschen lässt.
 
Das Prozedere der Messen läuft meist ähnlich ab, was aber nicht zwingend ist. Ihr habt das sicher schon bei youtube verfolgt. Hat die Gruppe jedoch mal Lust auf etwas Neues oder ein Pastafari eine verrückte Idee, probieren wir es einfach aus.
 
Auch wenn es bei uns immer vergnüglich zugeht, verfolgen wir doch ein ernstes Ziel. Wir wollen allen, die nur glauben aber nicht denken, einen Spiegel vorhalten, Denkanstöße geben. Die Botschaft unseres Monsters ist ja, alles zu hinterfragen, an allem zu zweifeln, letztlich sogar an Ihm selbst.
 
Kommentar wissenbloggt: Wie schrecklich, nicht mal das Fliegende Spaghettimonster gehört zu den unumstößlichen Gewissheiten.

Wer jetzt neugierig auf eine Nudelmesse geworden ist, kann sich gern mit unseren Gemeinden in Verbindung setzen. Wer das jährliche Angebot von Bruder Spaghettus und mir nutzen möchte, melde sich bitte schnellstens bei uns. Bald werden alle Termine für die diesjährige Nudeltour, beginnend mit einem Pastafaritreffen in Hamburg am 31.08. 2013, fest sein. Mit Dortmund am 02.09., Düsseldorf am 03.09. und Münster am 04.09. sind schon drei Termine weg. Bochum hat auch schon Interesse angemeldet, es könnte also um den letzten freien Termin gehen.

 

Link zum Originalalartikel: http://fsm-uckermark.blogspot.com/