Ethik rein, Religion raus

Niko AlmAussendung von Niko Alm vom 21.11.2020.

Den verpflichtenden Besuch des Religionsunterrichts für Schüler, die nicht am Ethikunterricht teilnehmen, abzustellen, wäre der nächste Schritt am Weg zu Ethik für alle.

Nach über zwanzig Jahren Schulversuch haben die Grünen und die ÖVP gemeinsam mit der FPÖ die "Einführung eines verpflichtenden Ethikunterrichts für jene Schüler beschlossen, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen." So formuliert es der ORF in einer wenig verklausulierten Jubelmeldung seines Religionsressorts, in der vor allem der Position der katholischen Kirche Platz eingeräumt wurde. Dass nach diesem Etappensieg der anerkannten Kirchen – die nicht-christlichen Religionsgemeinschaften sind nicht mitgemeint – die Religionslehrer in Zukunft auch Ethik unterrichten sollen, versteht sich aus deren Perspektive von selbst.

Es ist so absurd, wie es klingt. Während andere konfessionell gebundene Formen des Religionsunterrichts einander ausschließend sind – eine islamische Religionslehrerin kann etwa nicht zusätzlich evangelischen Unterricht abführen -, soll das bei der Kombination aus Ethik und Religion kein Problem sein? Diese Logik ist erstaunlich, weil der verpflichtende Ethikunterricht ja ganz offensichtlich als Alternative (i. e. Strafe) wie ein weiterer Religionsunterricht für jene eingeführt wurde, die sich von diesem abmelden wollen. Und diejenigen, die nie vorhatten einen Religionsunterricht zu besuchen, werden jetzt einfach mitgenommen.

Ethik ist keine Ersatzreligion

Der schwarzgrünen Regierung und vor allem den treibenden Kräften hinter diesem Gesetz ging es nie darum, Ethik als eigenständiges Unterrichtsfach zu etablieren, sondern die Abmeldungen vom Religionsunterricht zu reduzieren und die beiden Unterrichtsformen über Personalunionen einander anzunähern. Untermauert wird das insbesondere von Vertreter†innen der Kirchen mit dem Argument, dass Religionsunterricht ohnehin schon wie Ethikunterricht geführt werde – übrigens sehr zum Leidwesen von konservativen Gläubigen.

Dieses Argument ist aus ganz prinzipiellen Gründen falsch. Abgesehen davon, dass es sich hier um eine Behauptung handelt, die wohl jeder Ethiklehrer brüsk zurückweisen würde, ist es völlig unerheblich, ob der Religionsunterricht in der Praxis einem Ethikunterricht gleicht. Zwischen diesen beiden Fächern steht eine intellektuelle Feuermauer. Ethik ist weder Ersatz für Religion, noch folgt der Unterricht einer dogmatischen Ideologie. Der Religionsunterricht hingegen ist immer als religiöse Unterweisung zu sehen. Das ist sein Kernauftrag (Siehe: Missio canonica).

Religion durch den Hinterhof

Wer, wie aktuell zum Beispiel der VP-Nationalratsabgeordnete Rudolf Taschner, an dieser Stelle die Argumentation bemüht, dass Religion ohne Integration in den Schulbetrieb in "Hinterhöfen unterrichtet" wird und dort gefährliche Wirkung entfaltet, insinuiert gleichzeitig, dass religiöse Indoktrination, die später einmal zu religiös motiviertem Terror führen kann, besser in der Schule abgeführt wird. Dieses oft von intellektuellen Hinterbänklern vorgebrachte Argument, Religionsunterricht im kooperativen Modell von Republik und Religion so "entschärfen" zu wollen, ist als weiteres Indiz zu werten, dass bei der Einführung des Ethikunterrichts primär der Erhalt religiöser Unterweisung in der Schule bezweckt wird.

Das Identifikationsverbot des weltanschaulich-religiös neutralen Staat weiterhin zu brechen, um das schädliche Potenzial von Religion in einem konfessionellen Unterricht im Ermessensspielraum der Religionen selbst zu entschärfen zu lassen, ist paradox. Die Schule ist mit Sicherheit der falsche Ort, Ideologien zu vermitteln, die sich der Erkenntnis nach wissenschaftlicher Methode per definitionem entziehen, die Frauen und Homosexuelle abwerten und nach Einschätzungen vieler offensichtlich auch prototerroristische Aufhetzung (Sonst würden ja nicht immer wieder die Hinterhöfe bemüht.) verfolgen.

Religionsunterricht spaltet

Die staatlich legitimierte Unterweisung in religiösen Denkmustern ist nicht nur pädagogisch bedenklich, sie wirkt auch sozial destabilisierend. Konfessioneller Religionsunterricht spaltet den Klassenverband nach dem Religionsbekenntnis der Eltern. Ein gemeinsamer Unterricht in weltanschaulichen Grundlagen und kritischem Denken findet in der Schule auch mit der Einführung des Ethikunterrichts in der geplanten Form nicht statt. Das Schulsystem benachteiligt längst nicht mehr nach Herkunft, Haarfarbe, Geschlecht, sexueller oder politischer Orientierung, aber es wirkt weiterhin differentialistisch, wenn es um Weltanschauung geht.

Religion darf nicht aus der Schule verschwinden, aber sie soll im Unterricht – wie auch politische Ideologien – nur aus einer Außensicht vermittelt werden: in Geschichte, in Philosophie und natürlich Ethik. Nur ein gemeinsamer verpflichtender Ethikunterricht für alle kann dazu beitragen, die religiöse Ideologisierung von Kindern zumindest soweit zu verschieben, bis sie ihre Religionsmündigkeit im Alter von 14 erreicht haben und sich selbst aktiv dafür entscheiden.

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Österreich: Lockdown ab 17.11.2020

coronavirusbeDas war wohl unvermeidbar geworden, die österreichischen Zahlen erreichen Weltrekordniveau, weltweit gab es im November im Tagesschnitt pro Mio. Einwohner 72 neu Infizierte und einen Toten, in den USA, dem Land wo es die meisten Infektionen gibt, lauten diese Zahlen pro Mio. EW und pro Tag 340 neu Infizierte und drei Tote, in Österreich sind es 749 neu Infizierte und fünf Tote!

Hier Kurven über die tägliche Zunahme:

1. weltweit:

2. USA:


3. Österreich:

Was sieht man da? Weltweit ging es stetig um die Infizierung neuer Länder und um die entsprechende Ausbreitung dort, diese Kurve hat dadurch auch einen stetigen Verlaufsanstieg. Die Kurve der USA sieht ähnlich aus, dort gab es zeitweise Anstiegsrückgänge, jetzt geht's wieder aufwärts!

Und Österreich? Bei uns blieb es lange flach und dann ging's seit Anfang Oktober plötzlich in Richtung Weltrekord! Man sieht, dass es in Österreich lange Zeit gut funktioniert hatte, der kleine Gipfel vom März wurde rasch downgelockt, dann war lange eine Ruhe, im August wurden Auslandsreisen wieder üblich und dadurch neue Viren ins Land geholt, Anfang September ging es wohl auch darum wieder los und da hätte wohl schon der nächste rigorose Lockdown folgen müssen!

Im Frühjahr gab es einen einzigen Tag mit mehr als tausend Neuansteckungen, im Herbst ließ man den Anstieg eskalieren!

Vergleichen wir mit Deutschland: Dort hat man gut neunmal so viele Einwohner, die Gesamtzahlen der Infizierten und der Toten beliefen sich am 14.11. auf  788.899 und 12.619, pro Mio. EW sind das 9.505 und 152,  in Österreich waren das insgesamt 198.291 und 1.746 und pro Mio. EW 22.280 und 196, Österreich coroniert also auf die Einwohner gerechnet die BRD bei den Angesteckten um das 2,3fache und bei den Toten um knapp 30 Prozent!

Ob das allein von der Regierung zu verantworten ist, darf allerdings bezweifelt werden. Es ist leicht möglich, dass es hierzulande einfach mehr bürgerlich freie Idioten gibt, wie man sie bei Befragungen im TV öfter zu hören bekommt und auch praktisch sehen kann. Eine wesentliche negative Rolle spielt es wohl auch, dass die Ansteckungsquellen so oft nicht mehr ausgeforscht werden können, dafür müsste man einfach mehr Personal einsetzen und die Angesteckten entsprechend verhören!

Hier ein Screenshot der Zeit im Bild vom 14.11., er zeigte Horden von Menschen, die sich wegen des für den 17.11. angekündigten Lockdown auf den Einkaufsstraßen drängten:

So derartig deppert muss man sein! Oder man beschwert sich darüber, dass beim Lockdown Grundrechte eingeschränkt werden, Grundrechte hätten wohl wichtiger zu sein als die Bekämpfung einer Pandemie…

Aber ab Dienstag gilt in Österreich (Screenshot APA-Aussendung):

Wir sitzen tief in der Coronascheiße! Also: Bleibt daheim und tut außerhalb nur das absolut Lebensnotwendige!

Hier die Kurve von China:

Dort ist die Krankheit anfangs expandiert und wurde Anfang März gestoppt, vom 1.4. bis zum 14.11. gab es eine Vermehrung von nur rund sechs Prozent, in Österreich war das vom 1.4. bis 14.11. eine Vermehrung um rund 1800 %. Die Chinesen hatten eben schon zu Beginn einen vollständigen Lockdown gesetzt, dort ist jetzt eine tägliche Vermehrung von durchschnittlich 25 Neuinfektionen und das bei einer Bevölkerung von 1,4 Milliarden!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Junge FDPler wollen Inzestverbot abschaffen

BlumenDas war am 13.11.2020 entsprechenden Aussendungen zu entnehmen!

FDP-Jugend will Inzest erlauben:
Warum sollte Inzest mit einer Freiheits- oder Geldstrafe bestraft werden, wo es doch bei diesem "Verbrechen" keine Opfer gibt.
Wenn zwei einwilligungsfähige Personen sich entschließen, Sex zu haben, dann kann man das verwerflich oder eklig finden, letztlich geht es Staat und Gesellschaft aber nichts an.
Wer Inzucht mit dem Argument eines erhöhten Risikos für Behinderungen verbieten will, betreibt menschenverachtende Eugenik und müsste konsequenterweise auch allen Menschen mit vererbbaren Nachteilen die Fortpflanzung verweigern.
Abschließend erklären die Jungen Liberalen: "Nein, wir finden diese Forderung nicht deshalb richtig, weil wir mit unseren Geschwistern oder Eltern ins Bett wollen und nein, sie ist auch nicht unser wichtigstes Anliegen. Aber wir finden die Forderung richtig und vertreten sie selbstbewusst."

Das Inzestverbot ist ein urtümlicher Bestandteil der Menschheitsgeschichte! Es gab zwar in diversen Altkulturen Geschwisterehen, z.B. in Ägypten. Es stehen aber schon entsprechende Verbote in den Büchern von Moses, siehe z.B. 5 Mose 27:22: "Verflucht sei, wer bei seiner Schwester liegt, die seines Vaters oder seiner Mutter Tochter ist!"

Im Gesetzbuch – Codex Hammurapi – des babylonischen Königs Hammurapi I. (er lebte von 1792 bis 1750 v.u.Z) wurde der Beischlaf zwischen leiblichen Eltern und Kindern verboten, konkret enthielten die §154 bis 158 folgende sexuelle Vorschriften:
§154 Wenn ein Mann mit seiner Tochter der Blutschande schuldig ist, wird er ins Exil getrieben.
§155 Wenn ein Mann ein Mädchen mit seinem Sohn verlobt und sein Sohn mit ihr Verkehr hat, aber er (der Vater) sie danach beschmutzt und dabei überrascht wird, dann wird er gefesselt und ins Wasser geworfen.
§156 Wenn ein Mann ein Mädchen mit seinem Sohn verlobt, aber sein Sohn sie nicht gekannt hat, und wenn er sie dann beschmutzt, soll er ihr eine halbe Goldmina zahlen und sie für alles entschädigen, was sie aus dem Haus ihres Vaters gebracht hat . Sie kann den Mann ihres Herzens heiraten.
§157 Wenn jemand nach seinem Vater Blutschande mit seiner Mutter schuldig ist, werden beide verbrannt.
§158 Wenn jemand nach seinem Vater mit seiner Hauptfrau, die Kinder geboren hat, überrascht wird, wird er aus dem Haus seines Vaters vertrieben.

Diese Verbote, die es in vielen Völkern schon in der Urgeschichte gab, hatten einen einfachen Grund: Inzest war Inzucht und Inzucht brachte viele Fehlgeburten und Behinderte. Was man heute ganz einfach in Wikipedia nachlesen kann:
Das Risiko für das Auftreten einer vorhandenen Erbkrankheit beträgt für Paare:
2–4 % bei nicht blutsverwandten Partnern (statistischer Durchschnitt)
1/64  =  1,56 % bei blutsverwandten Cousin–Cousine 2. Grades
1/16  =  6,25 % bei blutsverwandten Cousin–Cousine (1. Grades)
1/8  =  12,50 % bei blutsverwandten Onkel–Nichte, Tante–Neffe, Großelternteil–Enkelkind oder Halbgeschwister
1/4  =  25,00 % für blutsverwandte Vater–Tochter, Mutter–Sohn oder vollbürtige Bruder–Schwester

Und irgendwelche Gendefekte haben ja die meisten Leute, in der Evolution hat sich ja die zweigeschlechtliche Fortpflanzung als nahezu vollständige Norm deswegen durchgesetzt, weil Gendefekte in der Regel in der Vererbung wechselweise vom nichtdefekten Geschlechtspartner ausgeglichen werden! Aber unter nahen Verwandten sind diese Gendefekte eben oft beiderseits vorhanden!

Also sollte man diese Verbote bestehen lassen!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Großangelegte Razzien bei Muslimbruderschaft

MuslimbruderschaftWie die Staatsanwaltschaft Graz in einer Aussendung vom 9.11.2020 wissen ließ, hat es in den heutigen frühen Morgenstunden Razzien in der Steiermark, Kärnten, Wien und Niederösterreich gegen die Muslimbruderschaft gegeben. Es wird gegen mehr als 70 Beschuldigte und mehrere Vereine ermittelt, die verdächtig sind, Mitglieder der terroristischen Vereinigungen Muslimbruderschaft und Hamas zu sein.

In über 60 Wohnungen, Geschäfts- und Vereinsräumen wurden Durchsuchungen durchgeführt, 30 Personen festgenommen und der behördlichen Vernehmung wegen des Verdachtes auf Tätigkeiten in  terroristischen Vereinigungen und Terrorismusfinanzierung zugeführt. Innenminister Karl Nehammer stellte dazu fest, "wir gehen gegen diese kriminellen, extremistischen und menschenverachtende Organisationen mit aller Härte und allen Möglichkeiten des Rechtsstaats vor", mit diesem Einsatz wären Wurzeln des politischen Islams gekürzt worden.

Dieser Vorgang soll schon länger vorbereitet worden sein und hätte mit dem Wiener Terroranschlag nichts zu tun. Aber nach dem Skandal über unterbliebene Ermittlungen nach diesbezüglichen Informationen von anderen Geheimdiensten, ist es ja wohl ohnehin höchste Zeit, dass endlich entsprechend gehandelt wird!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Die seelisch Verletzten — Eine Geschichte in zwei Teilen

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For the English version of this post, please refer to
The mentally injured – A story in two parts
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Über Hilflosigkeit, über Frust und Verzweiflung

Wird Kritik an patriarchalen Strukturen oder Verhaltensweisen, an Diskriminierung (vulgo «Rassismus»), oder an Despotismus geübt, ist es manchmal nicht unwichtig, wie diese Kritik formuliert wird, und insbesondere, wer sie ausspricht.

DER GESCHICHTE EINER TEIL

In einer Rede, die die Norwegerin Deeyah Khan, Tochter eines Pakistani und einer Afghanin, im Jahr 2016 im Rahmen der Veranstaltungsreihe TEDx Talks hielt (siehe auch die TED-Website), erzählt sie zunächst aus ihrer Kindheit und Jugend in Norwegen in einer muslimischen, nicht besonders religiösen Familie. Es sind Erlebnisse und Erfahrungen, die nicht auf ein bestimmtes Land oder auf einen bestimmten Kulturkreis beschränkt sind, Erlebnisse und Erfahrungen, die es in ähnlicher Weise überall gibt.

Wie sie von ihrem Vater gedrängt, nein rabiat gezwungen wurde, ein Musikinstrument und Gesang zu erlernen, Musik zu machen und damit öffentlich aufzutreten;

… von einem „weißen“ Norweger nur wegen ihrer südasiatischen Abstammung (als ob sie sich damit etwas hätte zuschulden kommen lassen) bespuckt und beschimpft wurde;

… von Menschen aus „ihrem“ islamisch geprägten Kulturkreis — sie spricht von «brown people» — wegen ihrer öffentlichen Auftritte in einer Musikgruppe angefeindet, angegriffen und mit Morddrohungen konfrontiert wurde.

Wie sie deswegen aus „ihrem“ islamisch geprägten Umfeld keinerlei Anteilnahme oder Hilfe erfuhr;

… während ihrer späteren Arbeit in Hilfsorganisationen erkannte, dass ihre persönlichen Erlebnisse in „ihrem“ islamisch geprägten Umfeld, in dem die „Ehre“ und der Ruf der Familie oder der Gruppe bestimmende Größen für das Zusammenleben sind, keine Ausnahme, sondern die Regel darstellen;

… während dieser Arbeit desorientierten jungen Menschen — insbesondere jungen Männern — begegnete, die in dem Spannungsfeld von autoritärer, auf Einschüchterung setzender Erziehung einerseits und Diskriminierungserfahrungen andererseits keine eigene Persönlichkeit aufgebaut hatten, und die persönliche Gewalterfahrungen an andere weitergaben.

Sie erzählt von jungen Menschen, die auf dem Weg zum Erwachsenwerden nach Vorbildern, nach Orientierung, nach Gruppenzugehörigkeit und Halt suchen und wie ihnen dies von «braunen Männern mit Bärten», von «zynischen alten Männern, die Blut für ihren eigenen Profit verwenden wollen», wie Deeyah Khan sie nennt, nur scheinbar gegeben wird (vergl. die Sekten-Checkliste).

Deeyah Khan zeigt auf, wie nicht Selbstausgrenzung in Parallelgesellschaften, nicht Hass, nicht die ständige Opferrolle, sondern Akzeptanz der Werte des freiheitlichen demokratischen Rechtsstaats und des individuellen Selbstbestimmungsrechts aus der Spirale der Gewalt herausführt.

An muslimische Eltern richtet Deeyah Khan die Frage:
«Können Sie sich für sie (für Ihre Kinder) anstatt für Ihre Ehre entscheiden?»

Sie zitiert passend dazu ein afrikanisches Sprichwort:

Wenn die Jungen nicht in die Dorfgemeinschaft eingeführt (aufgenommen) werden, werden sie das Dorf niederbrennen, nur um seine Wärme zu spüren.


Den vollständigen Text der Rede von Deeyah Khan gibt es als PDF (48 Seiten) synoptisch English-Deutsch,
und einen Cover für die Printausgabe.

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DER GESCHICHTE ANDERER TEIL

Image Problem (mit Erlaubnis durch Cox & Forkum)

  • Das Recht auf freie Meinungsäußerung fügt niemandem einen Schaden zu.
  • Eine Karikatur zu zeichnen oder zu veröffentlichen fügt niemandem einen Schaden zu.
  • Jemandem den Kopf abzuschneiden fügt demjenigen einen Schaden zu,
    dem der Kopf abgeschnitten wird.

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Am 16. Oktober 2020 wurde der Lehrer Samuel Paty in dem Ort Conflans-Sainte-Honorine nahe Paris in Frankreich ermordet. Paty hatte in einer Unterrichtsstunde die Meinungsfreiheit bzw. das Recht auf freie Meinungsäußerung thematisiert, ein Rechtsgut, das in Frankreich wie auch in vielen anderen Ländern zu den verfassungsmäßig garantierten Grundrechten gehört.
Im Rahmen der Unterrichtsstunde hatte er u.a. eine Karikatur aus der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo verwendet und den Schülern — nach einem Hinweis, dass sie den Klassenraum ggf. vorher verlassen dürften, falls sie die Karikatur nicht sehen wollten — gezeigt. In der Karikatur war gemäß Bildbeschreibung der Erfinder und Prophet des Islams, Mohammed, abgebildet.
In der Wikipedia sowie in anderen öffentlichen Medien wurden die Tat, deren Vorgeschichte sowie der Tathergang und internationale Reaktionen auf die Tat breit thematisiert (siehe den Beitrag «Anschlag in Conflans-Sainte-Honorine» in der Wikipedia).

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Zunächst ein paar kurze Anmerkungen zu den drei Punkten oben am Beginn des zweiten Teils dieses Beitrags.

  • Das Recht auf freie Meinungsäußerung fügt niemandem einen Schaden zu:

Das Recht auf freie Meinungsäußerung, welches ein allen Menschen in diesem Land gewährleistetes Grundrecht ist, unterscheide ich von einer einzelnen Meinungsäußerung — also einer Handlung einer Person –, die jemandem selbstverständlich dann einen Schaden zufügen kann, wenn in der Meinungsäußerung z.B. eine Diffamierung (Verunglimpfung) oder eine Verleumdung enthalten ist. In solchen Fällen ist die Meinungsäußerung eine Straftat — siehe die §§ 185 bis 189 StGB (in Deutschland). Die bloße Grundrechtsgarantie verursacht jedoch keinen Schaden, verpflichtet oder zwingt niemanden, seine Meinung zu äußern, hält aber auch niemanden davon ab.

  • Eine Karikatur zu zeichnen oder zu veröffentlichen fügt niemandem einen Schaden zu:

Beim Zeichnen einer Karikatur wird eine Idee eines Zeichners grafisch umgesetzt, es wird der Strich eines Zeichenwerkzeugs auf ein Blatt Papier aufgetragen; ein Schaden entsteht dadurch niemandem (es sei denn, man wollte einen Schaden darin erkennen, dass sich der Zeichner der Karikaturen bezeiten ein neues Zeichenwerkzeug kaufen muss).
Wird die Karikatur veröffentlicht, mag sich eine lebende Person, die in der Karikatur dargestellt ist, trotz verzerrter Physiognomie darin wiedererkennen. Einigen Karikaturisten gelingt es, Charaktereigenschaften, die einer Person zugeschrieben oder angedichtet werden, zeichnerisch umzusetzen. Dies ist besonders beispielhaft in Karikaturen bekannter Personen des öffentlichen Lebens wie z.B. solchen des 45sten Präsidenten der USA, Donald Trump, zu sehen.
Derlei Darstellungen mögen den karikierten Personen gefallen oder auch nicht; sollten sie der Meinung sein, dass ihnen durch die Veröffentlichung solcher Darstellungen ein tatsächlicher Schaden entstanden ist, steht ihnen der Rechtsweg offen. Ebenso, wenn sie sich durch die verzerrte Darstellung beleidigt oder sonstwie in ihren Rechten verletzt fühlen sollten.

Screenshot: Karikaturen Donald J. Trump (eigenes Werk)

  • Jemandem den Kopf abzuschneiden fügt demjenigen einen Schaden zu, dem der Kopf abgeschnitten wird:

Das Zufügen einer Körperverletzung mit Todesfolge, Totschlag sowie Mord wird m.W. in allen Ländern der Erde als Straftat respektive als Verbrechen geahndet. Das Opfer einer solchen Tat ist nach Tatbegehung tot, die Tat wird als Offizialdelikt strafrechtlich verfolgt.

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Nach der Ermordung des Lehrers Samuel Paty (siehe oben) kam es in einigen Ländern zu Demonstrationen, in den (sozialen) Medien wurde Protest laut. Die Demonstrationen richteten sich in wenigen Fällen gegen die Ermordung des Lehrers, in vielen anderen Fällen jedoch dagegen, dass er während einer Unterrichtsstunde das Recht auf freie Meinungsäußerung thematisiert und als anschauliches Beispiel dazu eine Karikatur gezeigt hatte.

Bildliche Darstellungen des Islam-Erfinders und Propheten Mohammed führen, insbesondere dann, wenn es sich bei den Darstellungen um Karikaturen handelt — und anders als bei vergleichbaren Darstellungen anderer Personen — regelmäßig dazu, dass auf eine (weltweite !) Einschränkung des Rechts auf freie Meinungsäußerung gedrängt wird. Oft reicht es, dass jemand nur vom Hörensagen — oder gar gerüchteweise — Kenntnis von derlei Darstellungen bzw. Karikaturen erlangt hat statt die Bilder selber gesehen zu haben. Der Grund, warum der Islam-Erfinder und -Prophet Mohammed karikiert oder warum eine Karikatur von ihm gezeigt wird, spielt dabei keine Rolle, Zusammenhänge scheinen belanglos oder werden nicht reflektiert.

In einem Leserkommentar, der zu einem Facebook-Eintrag veröffentlicht wurde (siehe den anonymisierten Screenshot unten) dessen Aussagen man, bei ähnlicher Wortwahl, sehr häufig begegnen kann, kommt zum Ausdruck, welches die Beweggründe für so manche Äußerung sein mögen:

[…] Unser Prophet Mohamed sws war KEIN Islamist oder Terrorist. Die Karikaturen beleidigen unseren Propheten, der sehr wichtig für uns Muslime ist. Für nicht-gläubige Menschen ist das schwer nachvollziehbar, das versteh ich weil ich selbst mal zu diesen Personen gehört habe. Aber gläubige Christen oder Juden können das eher nachvollziehen. Die Liebe zu unserem Propheten ist daher sehr gross und schwer zu beschreiben. […]

Screenshot eines Facebook-Kommentars (eigenes Werk; Click für vergrößerte Ansicht)

Wie man jemanden noch beleidigen kann, der seit bald 1400 Jahren tot ist, erschließt sich mir nicht, denn der angeblich Beleidigte hat keine Möglichkeit, sich beleidigt zu fühlen oder auf die Beleidigung mit juristischem Vorgehen zu reagieren. In Deutschland ist der Straftatbestand der Beleidigung ein Antragsdelikt.

Die Worte «Die Liebe zu unserem Propheten ist daher sehr gross und schwer zu beschreiben.» in obigem Kommentar drücken m.E. eine Idealisierung und Verklärung, aber auch eine Identifizierung mit dem Islam-Erfinder und -Propheten Mohammed aus. Und sie lassen eine Hilflosigkeit erkennen, zumindest eine Hilflosigkeit in der Argumentation.

Die Idealisierung und Verklärung kann bis in den Bereich der Verkitschung gehen, wie sie auch in einigen anderen Fällen zu beobachten ist, in denen Wunschvorstellungen die allgemein wahrnehmbare Wirklichkeit überlagern oder verzerren. Jede Kritik wird dann mglw. als persönlicher Angriff gedeutet.

In der Identifizierung mit einer anderen Person kommt zum Ausdruck, dass die Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit (schwer) beschädigt wurde, wie es Deeyah Khan in dem oben, im ersten Teil dieses Beitrags besprochenen Video, darlegt. Gruppendruck, der die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit behindert oder gar unterbindet, tut ein Übriges.
Der Protest gegen sog. Mohammed-Karikaturen ist dann lediglich eine Ersatzhandlung. Eigentliches Ziel des Protests ist der Despotismus, sind die — nicht nur dem Islam innewohnenden — patriarchalen Herrschafts-, Gesellschafts- und Machtstrukturen — ein Protest, wie er sich z.B. auch während des Arabischen Frühlings in mehreren islamischen Ländern entladen hat.

ZUM SCHLUSS

Der Islam — oder andere den Freiheitswillen der Menschen einschränkende oder unterdrückende Religionen und sonstige Ideologien –, oder rechtsreaktionäre, faschistoide Akteure wie z.B. Salafisten und andere sehr konservative Vertreter, Befürworter und Verteidiger oder auch Sympathisanten und Solidarische des Despotismus und der Einschüchterungen sowie Rechtsextremisten, die häufig die Gelegenheit nutzen, Respekt für den Islam und dessen Erfinder einzufordern, die umgkehrt jedoch nicht immer bereit sind, Respekt für die Werte des freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat sowie für die Allgemeinen Menschenrechte in gleichem Maße zu erbringen geschweigedenn den Vorrang auch nur der Grundrechte über allen religiösen Vorschriften und Geboten anzuerkennen, jener Grundrechte, die wegen des Gleichheitsgrundsatzes vor dem Gesetz (in Deutschland Artikel 3 Satz 1 GG) für alle Menschen gleichermaßen gelten, sind in diesem Gefüge nicht die Lösung, sondern das Problem, das es mit den Mitteln und Möglichkeiten des freiheitlichen demokratischen Rechtsstaats wie z.B. dem Recht auf freie Meinungsäußerung zu überwinden gilt.

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Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Wort zum Sonntag, den 18.10.2020

GuldenFranz_Joseph_1857Mt 22,15-21: Damals kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und wahrhaftig den Weg Gottes lehrst und auf niemanden Rücksicht nimmst, denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Was meinst du? Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört! Als sie das hörten, staunten sie, ließen ihn stehen und gingen weg.

Heute haben wir wieder eine besonders alberne Bibelstelle! Warum sollte der Denar dem Kaiser gehören, weil er auf dem Denar abgebildet ist?

Titelbild: eine österreichische Guldenmünze von 1857 (Wikipedia PD):

Da ist der damalige Kaiser Franz Joseph drauf! Kein Mensch würde da auf die Idee gekommen sein, dass alle Münzen mit Franz Joseph dem Kaiser Franz Joseph gehören! Der Matthäus schrieb seinerzeit einen sinnlosen Blödsinn in seinen Bibeltext!

Da hätte dann ja z.B. dieser Schillingtausender mit dem Bild von Karl Landsteiner

der Familie Landsteiner gehören müssen!


Auf den heutigen Euro-Scheinen und Euro-Münzen sind keine Leute mehr abgebildet, Kaiser haben wir seit 1918 auch keinen mehr, die blöde Frage wie oben zum Denar kann somit heute nicht einmal mehr formal gestellt werden!

Aber das nur nebenbei. Die Bibel sagt nichts darüber, wenn die Kaiser-Denare dem Kaiser gehören, was dann Gott gehört! Schauen wir darum nach, was der Herr Schönborn konkret dazu sagt! Nehmen wir gleich seinen Schlussabsatz: "Jesus hat die Religion klar vom Staat unterschieden. Er hat sich selber den staatlichen Gesetzen und Vorgaben untergeordnet. Aber der Staat darf sich nicht an Gottes Stelle setzen wollen. Die Seele gehört Gott. Das Gewissen steht über dem Staat und ist nur Gott verantwortlich. Aber der Staat dient unserem (irdischen) Wohl. Dafür darf er Steuern einheben."

Meinereiner hat bisher nix davon gehört, dass sich der Staat mit der katholischen Seele beschäftigt, wenn es eine Seele und einen Gott gäbe und dieser Gott der Seeleneigentümer wäre, dann könnte er damit das machen, was er laut Christenlehre tun täte: er kann die Seele in den Himmel aufnehmen oder sie zwecks ewiger Folterung in die Hölle verdammen. Wenn's das also wirklich geben täte, dann hätte sich meinereiner die Verdammung mit seinen antireligiösen Hetzereien – bzw. Aufklärungen – wohl schon redlich erarbeitet. Meinereiner zahlt seine Steuern, weil die werden ja ohnehin automatisch eingehoben, Seele hat meinereiner keine, denn kein Mensch hat eine Seele, das ist nur religiöse Einbildung, ein Atheist leidet nicht daran! Amen, so ist es!


Entnommen bei www.atheisten-info.at




Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl

aigner-download_0Rezension von Gerfried Pongratz: Wissenschaft ist wunderschön und unentbehrlich – besonders in Zeiten von Fakes und Unsinnverbreitung!

Florian Aigner: „Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl

Eine Liebeserklärung an die Wissenschaft?“

© Verlag Brandstätter, Wien 2020, ISBN 978-3-7106-0467-6, 255 Seiten.

Erfolgreiche populärwissenschaftliche Autoren beleuchten die Faszination wissenschaftlichen Fortschritts, indem sie neben wissenschaftlicher Betrachtungsweise auch die Perspektiven interessierter Laien einnehmen und mit vereinfachtem Fachvokabular Spannungsbögen erzeugen. Der junge promovierte Quantenphysiker und Wissenschaftspublizist Florian Aigner verfügt über diese Fähigkeit; im vorliegenden Buch vermittelt er – tiefgründig und humorvoll – wissenschaftliche Erkenntnisse und die Grundlagen wissenschaftlichen Denkens. Sein erstes Buch „Der Zufall, das Universum und du“, wurde 2017 zum Wissenschaftsbuch des Jahres gewählt, sein nunmehr zweites besitzt das Potential, diesen Erfolg zu toppen.

 

„Wissenschaft bezeichnet die Gesamtheit des menschlichen Wissens, der Erkenntnisse und der Erfahrungen einer Zeitepoche, welches systematisch erweitert, gesammelt, aufbewahrt, gelehrt und tradiert wird“, heißt es in Wikipedia. „Was können wir wissen? Was sollen wir glauben? Und worauf dürfen wir uns in dieser verwirrenden Welt verlassen?“, lautet der Eingangssatz im Vorwort des Buches, der wenig später zu „Wir wissen mehr über unsere Welt als je zuvor. Und gleichzeitig wird mehr Unsinn über unsere Welt verbreitet als je zuvor“, erweitert wird. Mit diesen beiden Sätzen ist der Zweck des Werkes umrissen: Der ständig wachsenden Flut von Fakes sowie dem überbordenden Überhandnehmen von Unsinn, Esoterik und Pseudowissenschaft entgegenzutreten und die Bedeutung von Wissenschaft und wissenschaftlichem Denken entgegenzusetzen.

 

Florian Aigner berichtet von spektakulären wissenschaftlichen Entdeckungen, er erzählt spannende Geschichten aus der Welt der Wissenschaft, er beschreibt geniale Ideen mit phantastischen Triumphen, er berichtet aber auch von atemberaubenden wissenschaftlichen Irrtümern und Fehlern, niemand ist im Besitz perfekter Wahrheit. Wissenschaft ist größer als alles, was einzelne Menschen im Kopf haben können; sie umfasst die Sammlung kluger Methoden, Theorien und Ideen, die helfen, die Welt besser zu verstehen und Probleme zu lösen: „Wissenschaft ist das, was stimmt, auch wenn man nicht daran glaubt. Wissenschaft ist das, worauf wir uns gemeinsam verlassen können“.

 

Das Buch gliedert sich in 13 Kapitel mit aussagekräftigen Überschriften und vorangestellten Zusammenfassungen, humorvolle Zeichnungen ergänzen die Texte und erleichtern das Verständnis. Ausgehend vom im Titel des Buches genannten Bauchgefühl, spannt sich ein weiter Bogen verschiedenster Themen der Wissenschaft; sie erläutern die Macht der Logik, die Bedeutung von Mathematik, sie erklären Kritischen Rationalismus und wissenschaftliche Theorienbildung, sie beschreiben wissenschaftliche Methodik vom Experiment bis zu Ockhams Rasiermesser, sie führen zur Erkenntnis, dass es in der Wissenschaft nichts Endgültiges gibt, dass auch kluge Leute Unsinn reden können und dass Expertenmeinungen keine Garantien für absolute Wahrheiten liefern können.

 

Am Beispiel des Bauchgefühls, mit dem es Tag für Tag gelingt, mit wenig Informationen in kurzer Zeit gute Entscheidungen zu treffen, erläutert Florian Aigner, wie unser evolutionär geprägtes Denken uns auch oftmals in die Irre führen kann. Warum können wir uns auf unsere Intuition nicht verlassen, ist sie doch, ähnlich wie unser rationaler Verstand, eine Form von Intelligenz. Die Antwort auf diese Frage füllt ein Kapitel, das von Einsteins Arbeitsweise bis zum Dunning-Kruger-Effekt reicht.

 

Es würde den Umfang dieser Besprechung bei weitem sprengen, auf alle behandelten Themen hinzuweisen. Das Buch bietet Erläuterungen zu nahezu allen Bereichen, die Wissenschaft und wissenschaftliches Denken ausmachen; es hilft, deren Erkenntnisse einzuordnen, bzw. zu verstehen und Wissenschaft von Pseudowissenschaft und Unsinn zu unterscheiden. Es verdeutlicht dabei auch, weshalb sich Wissenschaft ständig verändert, verändern muss und wir uns trotzdem auf gut fundierte wissenschaftliche Theorien verlassen können.

 

Das nach Ansicht des Rezensenten besonders wichtige Schlusskapitel des Buches trägt den Titel „Wissenschaft mit Bauchgefühl“; es widmet sich den oft zu vernehmenden Klischees, Wissenschaft sei kalt, sei materialistisch, sei für ein glückliches, erfülltes Leben nicht notwendig, ja sogar hinderlich – kurzum: Wissenschaft und Gefühl seien zwei grundverschiedene Dinge. Florian Aigner begegnet solchen Meinungen mit „Wer zwischen Gefühl und Verstand einen Widerspruch sieht, dem fehlt es vielleicht an beidem“; in Unterkapiteln wie „Zu viel Rationalität ist auch irrational“, „Fakten sind auch nicht immer das Wahre“, „Wozu Wissenschaft?“, „Wissenschaft – das sind wir alle“, vermittelt er die dazu passenden Erkenntnisse: „Wissenschaft ist ein dicht geknüpftes Netz – genau das macht sie stabil, verlässlich und tragfähig. …. Manchmal sind (aber) auch unsere besten wissenschaftlichen Theorien nicht zuständig. Manchmal bleibt uns nichts anderes übrig, als uns auf unser Bauchgefühl zu verlassen“.

 

„Wissenschaft ist wunderschön…. das vielleicht allerwichtigste Argument für Wissenschaft ist aber ein anderes: Wir haben gar keine Wahl…. Die Evolution hat uns Menschen mit der Fähigkeit zum wissenschaftlichen Denken ausgestattet, und damit lösen wir schwierige Probleme“.

 

Warum ist Wissenschaft wunderschön, warum ist sie unentbehrlich, warum gibt es Wahrheiten, denen niemand widersprechen kann? „Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl“ bietet die dazu passenden Antworten; das Buch beinhaltet neben spannend und unterhaltend vermitteltem Wissen eine uneingeschränkt persönliche Liebeserklärung an die Wissenschaft und motivierende Anregungen, sich ihr zu nähern, bzw., wenn möglich, auch selbst Wissenschaft zu betreiben.

 

 

Gerfried Pongratz 10/2020




Religionsfreiheit – muss das sein?

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 von der Vollversammlung der UNO mit 48 zu null Gegenstimmen bei acht Enthaltungen, seitens muslimischer und kommunistischer Regierungen, beschlossen.

In der heutigen Diskussion gewinnt man sehr oft den Eindruck, als sei lediglich der Artikel 18, in dem neben der Meinungs- und Gewissensfreiheit auch von der Religionsfreiheit die Rede ist, von ausschlaggebendem Interesse.

Es hört sich so an, als sei ausgerechnet dieses Menschenrecht auf Religionsfreiheit das Wichtigste von allen. Wichtiger als zum Beispiel das Verbot von Folter und Sklaverei oder die Unantastbarkeit der Person und ihres Eigentums.

Bei der Berufung auf die Religionsfreiheit bilden sich erstaunliche Fronten. Das eher linke Spektrum bis weit in die Reihen von CDU/CSU hinein aber auch die römisch-katholische und evangelische Kirche pochen darauf, dass dieses Recht selbstverständlich auch dieser  nunmehr in nennenswertem Umfang in Europa aufgetauchten Religion, dem Islam, zustünde.

Aber es erinnern konservativ eingestellte Bürger, die zumeist islamkritisch eingestellt sind, eher daran, dass dieses Recht für den Islam im Gegenzug auch den anderen Religionen in von muslimischen Mehrheiten bestimmten Nationen zugestanden werden müsse.

Bei dieser zweiten Betrachtungsweise kommen wir dem ursprünglichen Sinn von Religionsfreiheit schon beträchtlich näher. In einer politischen Landschaft, die seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 (siehe wikipedia) durch den Grundsatz „cuius regio, eius religio“ gekennzeichnet war, stellte die prinzipiell mögliche Abnabelung von der Religion des Herrschers in der Tat einen gewaltigen Fortschritt dar, von dem islamische Länder in aller Regel weit entfernt sind. Mit anderen Worten: nicht der Staat hat zu bestimmen, nach welchem Ritus sich ein Paar trauen darf, sondern das Paar selbst. Solange es keine Zivilehe gab (erst unter Bismarck eingeführt) war dies ein bemerkenswerter Fortschritt. Eine in diesem Sinne verstandene Religionsfreiheit bedeutet im Grunde nichts anderes als eine Vorstufe dessen, was wir heute als Laizität des Staates verstehen. Er hat sich aus dem positiven oder negativen Bekenntnis seiner Bürger herauszuhalten. Wird dagegen heute von Religionsfreiheit gesprochen, so wird man mit der Nase darauf gestossen, dass damit nur die die Erhaltung und Festigung von Privilegien gemeint ist.

Laizität (am Beispiel Tunesien)

Umso erfreulicher ist es, dass in einem islamischen Land, Tunesien, eine machtvolle Demonstration für die Laizität des Staates („I laïque Tunisia“) stattgefunden hat.

Den rund 15.000 Manifestanten ging es – wie das hochgehaltene Transparent in bestechender Kürze und Eindeutigkeit zeigt –  um die Toleranz zwischen den Weltanschauungen und die Aufhebung der staatlichen Bevorzugung einer einzigen Religion.

Gleichzeitig geht aber auch um die negative Religionsfreiheit – der junge Mann ist Atheist – und die echte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Und all das in einem einzigen Plakat, in einem einzigen Wort vereint. Vergleichbares war in keinem anderen der von Revolutionen erschütterten Länder zu vernehmen.

Natürlich gibt es auch in Tunesien Bewegungen konservativer Muslime, die von der Einführung eines Emirats träumen, doch scheint die Zeit über sie hinweggegangen zu sein. Die angedachte Aktion junger Frauen, den aus dem Exil zurückkehrenden Terroristen Rachid al-Ghannouchi am Flughafen im Bikini zu begrüßen, um ihm zu zeigen, wie das moderne Tunesien aussieht, scheiterte lediglich an den Wetterbedingungen. So wurde ihm nur entgegengehalten: „Allah schafft keine Jobs“ – auch dies eine bemerkenswerte Aussage, die nicht unbeobachtet blieb. Die Extremisten erhielten zwar in den Wahlen vom 23. Oktober eine erschreckend hohe Stimmenzahl, doch betonen sie unablässig, die derzeit bestehenden Freiheiten nicht antasten zu wollen. Wohl zu recht wird dies nicht wirklich von den meisten geglaubt, wie in dem guten Kommentar von Abdelhamid Gmati „Croire ou ne pas croire“ in lapresse.tn deutlich wird.

Meinungs- und Gewissensfreiheit

Das allgemeiner gefasste Prinzip der Meinungs- und Gewissensfreiheit, wie es etwa von dem Aufklärer Diderot vorgetragen wurde, und das in der französischen Revolution seinen Niederschlag fand, hätte im Grunde bereits zu diesem Zeitpunkt eine Diskussion über die Frage der Religionsfreiheit als Unterabteilung der viel weiter gefassten Meinungsfreiheit überflüssig gemacht.

Ein Beispiel kann verdeutlichen, wie schnell die beiden Freiheiten auf Kollisionskurs gelangen können. In einem „schwach-islamischen“ Land wie Tunesien bestand und besteht für bekennende Juden und Christen staatlich garantierte Kultusfreiheit.

Moscheen und Kirchen werden wegen der latent immer vorhandenen Extremismusgefahr gesondert bewacht und beschützt. Wenn man einmal davon absieht, dass laut gültiger Verfassung nur ein Moslem Staatspräsident werden kann, herrscht eine für ein muslimisches Land erstaunliche Religionsfreiheit.

Trotzdem hätte sich wohl niemand vor dem 14. Februar 2011 getraut, eine Meinung zu äußern etwa der Art, Mohammed sei wegen seiner Heirat mit der neunjährigen Aische nach moderner Rechtsauffassung ein Pädophiler. Er hätte wohl erhebliche Probleme mit der Religionspolizei bekommen. Hier steht eindeutig die „Religionsfreiheit“, die sich bereits damit als ein Privileg dekuvriert, oberhalb der Meinungsfreiheit angesiedelt.

Der Sonderfall, wenn ein Ausländer eine muslimische Tunesierin heiratet, wurde bereits vor knapp einem Jahr ausführlich dargestellt * (Liebe unter dem Halbmond). Wenn sich dann in Deutschland ein islamischer Interessenvertreter und Lobbyist wie Aiman Mazyek hinstellt und den Politikern verkaufen will, „es gibt keinen Zwang im Glauben“, dann darf man ob dieser eigenwilligen Koranauslegung durchaus nachdenklich werden.

Ganz außerordentlich bedenklich und krass gegen die Menschenrechtserklärung positioniert stellt sich die Situation in „richtig“ islamischen Ländern wie Iran, Saudi-Arabien, Pakistan und Afghanistan dar, deren Rechtssystem weitgehend auf der Scharia basiert.

Drakonische Strafen für Ehebrecher, Homosexuelle oder Apostaten wie Steinigung, Auspeitschung oder Köpfung sind schlicht mit unserer Vorstellung von Menschenrechten nicht vereinbar, laufen aber gleichwohl unter „Religionsfreiheit“, da es schließlich die Religion ist, die diese Regeln vorschreibt. Solche Zustände sind dermaßen indiskutabel zu Beginn des dritten Jahrtausends hiesiger Zeitrechnung, dass an dieser Stelle wohl nicht weiter auf sie eingegangen werden muss.

Die Situation in Europa

Wenden wir uns also wieder der Situation in Europa mit seinen demokratisch verfassten Staaten zu. Man sollte meinen, dass die mit der französischen Revolution erreichte Entmachtung der absolutistischen Herrscher und der mit ihnen aufs heftigste kooperierenden christlichen Potentaten sich im Sinne einer vernünftigen Laizität des Staates verfestigt hätte.

Das Gegenteil ist der Fall. In zähem Kampf und mit geschickter Lobbyarbeit ist es den Kirchen, allen voran natürlich der römisch-katholischen in den letzten 200 Jahren gelungen, ihren Einfluss auf das gesellschaftliche Leben geradezu krakenhaft wieder auszudehnen.

Ihre Präsenz in der Öffentlichkeit und ihr Einfluss auf das politische Alltagsleben übersteigen dabei inzwischen bei weitem den prozentualen Anteil ihrer Anhänger. Hinzu kommen die Gier und die verfassungsrechtlich bedenkliche Forderung nach allgemein staatlichen Leistungen, die von jedem Mitbürger – gleich ob mit christlichem, muslimischem, jüdischem, atheistischem oder sonst welchem Bekenntnis – getragen werden müssen.

Der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) hat einen Teil der direkten, Zuwendungen in einem informativen Faltblatt zusammengestellt. Dass darüber hinaus jedoch jährlich Milliardenbeträge an die Kirchen fließen, damit diese sich mit ihren angeblichen karitativen Leistungen brüsten können, finden sich akribisch nachgewiesen im „Violettbuch“ vom Wissenschaftler Dr. Carsten Frerk.

Man kann festhalten, dass sich die Amtskirchen – anders als die Freikirchen – eine Position erarbeitet und teilweise gegen die Bestimmungen der Weimarer Verfassung und des Grundgesetzes erschlichen haben, die mit den Forderungen nach religiöser Neutralität des Staates nur noch entfernt etwas zu tun haben.

Wen nimmt es da wunder, wenn nun diese neue Religionsgemeinschaft Islam in ihren verschiedenen Formen daher kommt und für sich dieselben Privilegien einfordert, die den etablierten religiösen Gemeinschaften in Deutschland so ans Herz gewachsen sind?

Angesichts dieser neuen Herausforderung macht sich eine geradezu lethargische Hilflosigkeit breit. Wie viel darf man ihnen gewähren, wenn gleichzeitig bekannt ist, dass diese Religion sich anschließend nicht damit zufrieden gibt, still als Gemeinde der Moslems vor sich hin zu arbeiten und den Anhängern ein spirituelles Zuhause zu geben, sondern klare und weit darüber hinaus gehende Ziele der politischen Einflussnahme auf die Gesellschaft verfolgt, ganz so, wie es auch von den Kirchen praktiziert wird.

Wer da immer noch glaubt, man könne sich mit dem Islam rein theologisch auseinandersetzen, verfehlt die wirkliche Problematik. Es kann nicht darum gehen, sich gegenseitig Suren und Bibelzitate um die Ohren zu hauen, oder Diskussionen darüber anzuzetteln, welcher der propagierten Götter denn nun der bessere sei – nein: die Frage kann ausschließlich und nur politisch entschieden werden.

Doch zu einer Rückbesinnung auf die Werte der Aufklärung fehlen ganz offensichtlich die Kraft und der Wille bei den im Parlament vertretenen Parteien. Muss denn wirklich erst eine neue Revolution her, um dieses Problem zu lösen?

Deutschland hat die Chance zu einem grundsätzlichen Neuanfang leichtfertig nach der Wiedervereinigung verspielt, weil eben alles „schnell“ gehen musste und es wichtiger schien, den Einigungsvertrag umgehend abzuschließen. Die ursprüngliche Version des Art. 146 im Grundgesetz sah vor, dass das Deutsche Volk sich in freier Selbstbestimmung nach der Vollendung der Einheit eine neue Verfassung gibt und das Provisorium von 1949 ad acta legt.

Tatsächlich aber wurde das Grundgesetz praktisch unverändert in ganz Deutschland für verbindlich erklärt und jede Diskussion umgangen. Dem Umstand, dass Deutschland sich seit 1949, als es noch unter dem Eindruck der Kriegsereignisse und den Schwächen der Weimarer Republik stand, ganz erheblich verändert hat, konnte somit nicht Rechnung getragen werden.
Es hätte klargestellt werden müssen, dass die „Religionsfreiheit“ nicht als Deckmantel dienen darf, um Privilegien oder sogar ungesetzliche Machenschaften zu schützen wie es derzeit in der unseligen Fassung des Artikels 4 im Grundgesetz der Fall ist.

Eine solche Bereinigung hätte bereits bei der Präambel beginnen müssen, mit diesem unsäglichen Satz „Verantwortung vor Gott und den Menschen“, was angesichts einer deutlichen Mehrheit der Deutschen, die nicht mehr an einen persönlichen Gott glaubt, nur schwer vermittelbar sein dürfte.

Was hat eine bronzezeitliche Fiktion in einem weltlichen Gesetzestext zu suchen? Und das muss irgendwann weitergehen mit der Abschaffung der Körperschaften öffentlichen Rechts hin zu einer Organisation unter Vereinsrecht für Religionsgemeinschaften, Abschaffung der Präsenz in Ethik- und Fernsehräten, Schulkommissionen und vieles andere mehr, Abschaffung des staatlich bezahlten Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen und Abhängen der christlichen Symbole in den der Allgemeinheit zugänglichen Räumen.

Bereits mit diesen Maßnahmen hätten sich einige Probleme erledigt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Bei einer Organisation nach Vereinsrecht muss eine Satzung vorgelegt werden. Man stelle sich nun vor, Muslime organisieren sich dergestalt nach Maßgabe der Scharia und in der vorgelegten Vereinssatzung stünde, dass der Austritt aus dem Verein – die Apostasie – mit dem Tode zu bestrafen ist.

Es steht zu vermuten, dass dann auch dem heftigsten Befürworter von „Religionsfreiheit“ klar wird, dass hier etwas nicht stimmen kann. Man stelle sich des Weiteren vor, dieser Verein verlange von neu hinzutretenden Mitgliedern und auch ihren Kindern, sie müssten sich die Ohren abschneiden lassen, weil dies nun einmal vereinsrechtlich so festgelegt sei.

Und in Wahrheit wäre es noch schlimmer: sie verlangten nicht die Ohren, sondern schnippeln an den Genitalien der Mitglieder herum, was normalerweise unter Verstümmelung religionsunmündiger Abhängiger fiele, falls weithin anerkanntes Recht auf religiöse Gruppen angewendet würde.
Es ließen sich noch viele Beispiele anführen, bei denen erst eine vereinsrechtliche Betrachtung klar macht, wie viel von diesen unter „Religionsfreiheit“ segelnden Privilegien schlicht mit moderner Rechtsstaatlichkeit unvereinbar sind. Man mag einwenden, dass das ja „nur“ Muslime treffen würde, alles andere könne dagegen so weiter gehen wie bisher.

Dazu sollte man sich einmal die arbeitsrechtlichen Bedingungen anschauen, unter denen die Mitarbeiter in staatlich zu 95 Prozent finanzierten, aber von der katholischen Kirche geführten Krankenhäusern herrschen.
Apostasie wird zwar nicht (mehr) mit dem Tode bestraft, sondern „nur“ mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, arbeitsgerichtliche Prozesse der Betroffenen dagegen enden in aller Regel mit einem Sieg der Kirche – wegen einer sogenannten „Religionsfreiheit“.

Das Grundgesetz

Neben der Präambel, die geändert gehört – zum Glück ist es ja den Vatikanparteien Deutschlands im Parlament nicht gelungen, diesen Unsinn auch noch in den Lissabon-Prozess einzubringen – muss endlich eine Diskussion um die Ausgestaltung von Artikel 4 Grundgesetzt angestoßen werde.

Die entscheidenden Punkte finden sich in Absatz 1 und 2:

1. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

2. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Besonders der zweite Absatz stellt einen juristischen Stolperstein ersten Ranges dar, weil unter ihm so ziemlich alles subsumiert werden kann, was den Religionsgemeinschaften gerade so in den Sinn kommt.

Es gibt keine ausdrücklich genannten gesetzlichen Beschränkungen. Das Mindeste, das erreicht werden müsste, ist ein Zusatz in diesem Grundgesetzartikel, wie er sich im UN-Zivilpakt aus dem Jahr 1993 findet:

Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekunden, darf nur den gesetzlich vorgesehenen Einschränkungen unterworfen werden, die zum Schutz der öffentlichen Sicherheit, Ordnung, Gesundheit, Sittlichkeit oder der Grundrechte und -freiheiten anderer erforderlich sind.

Oder in anderen Worten ausgedrückt: „Alles, was den Bürgern eines Staates erlaubt ist, soll auch gläubigen Bürgern erlaubt sein – und nicht mehr“.

Eine dergestalt begründete Eingrenzung in die allgemeinen zivil- und strafrechtlichen Bestimmungen könnte die zu beobachtenden Auswüchse verhindern – zumindest eindämmen – und böte gleichzeitig den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass der Islam sich nicht auch noch die Privilegien einverleibt, die den anderen derzeit zur Verfügung stehen.

Wenn man davon überzeugt ist, dass ein solcher Verfassungszusatz ein dringliches Desiderat darstellt, sollten die zu ihrem Inkrafttreten erforderlichen Maßnahmen von den humanistischen Institutionen – notfalls auch auf dem Petitionsweg – umgehend eingeleitet werden. Auf Unterstützung durch die kirchliche Lobby wird man dabei aber wohl verzichten müssen.

Somit steht für mich fest: Die Religionsfreiheit, in dem Sinn wie sie heute ausgebeutet wird, gehört abgeschafft

* Eine kleine Ergänzung zu Tunesien: Das Dekret 73, das Tunesierinnen vorschrieb, nur Moslems heiraten zu dürfen, wurde ausser Kraft gesetzt. Und auch ansonsten sind nunmehr alle Regelungen, die Frauen diskriminieren (Ehe-, Familien- und Erbrecht, uam.) inzwischen durch neue Gesetze ausgemerzt worden.

 

 

 




Afrikanisches Sprichwort

Ohne-Beitragsbild_3zEine Rede von Deeyah Khan

Ohne Kommentierung

Zitat aus der Rede:

If the young are not initiated into the village, they will burn it down just to feel its warmth.
(African Proverb)

„Wenn die Jungen nicht in die Dorfgemeinschaft eingeführt werden, werden sie das Dorf niederbrennen, nur um seine Wärme zu spüren“.
(Afrikanisches Sprichwort)

Den vollständigen Text der auf Englisch gehaltenen Rede will ich auf Anfrage gern übersetzen.


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Zum Suizidhilfe-Verbot in Österreich…

engelmayer-gerhard-500_5612…gibt es am 24. September 2020 eine Verhandlung vor dem Verfassungsgerichtshof

Gerhard Engelmayer am 22. 9. 2020 auf https://www.humanisten.at/

Am Donnerstag, 24. September 2020 findet um 9:30h am Verfassungsgerichtshof in Wien eine Verhandlung über die im Auftrag des Vereins «DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben» durch die Wiener Anwaltskanzlei ETHOS.legal eingereichten Verfassungsklage gegen das Suizidhilfe-Verbot in Österreich statt. Die Verhandlung soll der weiteren Klärung der Rechtslage und der Erörterung diverser Fragen dienen. DIGNITAS wird der Verhandlung beiwohnen. Wer von uns Hunanisten interessiert ist, kann sich mit uns und einigen anderen Mitgliedern des ÖGHL um 9:00h vor dem Verfassungsgerichtshof treffen.

Im Mai 2019 beauftragte der Verein «DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben» (kurz: «DIGNITAS») den österreichischen Rechtsanwalt Mag. Dr. Wolfram Proksch von der Wiener Anwaltskanzlei Ethos.legal, eine Klage beim österreichischen Verfassungsgerichtshof einzureichen. Ziel des Vorstoßes ist die Prüfung durch das Verfassungsgericht, ob die gegenwärtigen Strafrechtsbestimmungen bezüglich der Suizidhilfe verfassungskonform sind, und dass die von einer Mehrheit der österreichischen Bürgerinnen und Bürger gewünschte Entscheidungsfreiheit bezüglich ihres eigenen Lebensende real wird. Gleichzeitig wurde dem Verfassungsgericht ein so genanntes Vorabentscheidungsverfahren beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg beantragt, damit dieser Stellung zur Frage der Vereinbarkeit der bestehenden Bestimmungen mit der Rechtslage in der europäischen Union bezieht.

Verhandlung vor dem Verfassungsgerichtshof
Der österreichische Verfassungsgerichtshof hat im Zuge des Verfahrens eine mündliche Verhandlung anberaumt, die der weiteren Klärung der Rechtssache dienen soll. In dieser Verhandlung sollen diverse juristische Fragen erörtert werden bezüglich der Regelung des § 78 ÖStGB, also des Verbots der Suizidhilfe. Die Aktive Sterbehilfe (Tötung auf Verlangen) ist nicht Teil der Verhandlung. Neben dem Rechtsvertreter der Kläger werden auch Vertreter der «Österreichischen Gesellschaft für ein Humanes Lebensende» (ÖGHL) sowie des Initianten des Verfahrens, «DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben» zugegen sein.

Die Rechtslage in Österreich
Die Republik Österreich kennt eines der rigorosesten Verbots-Systeme gegen die Selbstbestimmung bezüglich des eigenen Lebensendes. § 78 des österreichischen Strafgesetzbuches (öStGB), der sich zur «Mitwirkung am Selbstmord» äußert, lautet: «Wer einen anderen dazu verleitet, sich selbst zu töten, oder ihm dazu Hilfe leistet, ist mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu bestrafen.» Darüber hinaus sieht das öStGB in § 64 Absatz 1 Ziffer 7 vor, dass § 78 auch dann Anwendung findet, wenn die «Tat» im Ausland stattfindet, also zum Beispiel in der Schweiz, wo Suizidhilfe seit Jahrzehnten grundsätzlich nicht strafbar ist. Diese Bestimmung kann zur Folge haben, dass die Strafbehörde ein Strafverfahren gegen eine Person in Österreich einleitet, wenn sie erfährt, dass diese – wenn sie Österreicher ist und in Österreich wohnt – einem anderen Österreicher, der in Österreich gewohnt hat, behilflich war, zu DIGNITAS in der Schweiz zu fahren, um dort sein Leiden und Leben selbstbestimmt, legal, ärztlich unterstützt und professionell begleitet, beenden zu können.

Widerspruch zu den Menschenrechten
Die Freiheit, über Art und Zeitpunkt des eigenen Lebensendes zu bestimmen, ist ein vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte 2011 erklärtes Selbstbestimmungsrecht. Seither ist dieser Grundsatz in diversen weiteren von DIGNITAS initiierten oder unterstützten Rechtsverfahren, in Deutschland, Italien und Kanada bestätigt und weiterentwickelt worden.2 Die österreichische Rechtslage beachtet dieses Recht (noch) nicht. Sie zwingt so Bürgerinnen und Bürger, entweder ihr Leiden für einige Zeit zu erdulden, sich für einen harten und mehrheitlich zum Scheitern verurteilten Suizidversuch zu entscheiden oder aber in die Schweiz zu reisen.

Diese Situation ist eines modernen, demokratischen Staates im Herzen Europas unwürdig.

Anmerkung atheisten-info:

Klarerweise ist der organisierte Hauptfeind der Legalisierung der Sterbehilfe die katholische Kirche. Weil gläubige Katholiken sterben ja nicht an Krankheiten oder Unfällen, sondern nur dann, wenn sie Gott zu sich ruft! Und dieses Gottesprivileg verteidigt der Vatikan mit gefletschten Zähnen in einem vatikanischen Brief, der offensichtlich wegen des laufenden höchstgerichtlichen Verfahrens in Österreich geschrieben wurde, hier eine Zusammenfassung:

Aus Sicht des Vatikan werden bei Sterbehilfe die ethischen und rechtlichen Grenzen der Selbstbestimmung überschritten. Lebensverkürzende Maßnahmen seien Zeichen einer "Wegwerfkultur" und keine Lösungen für die Probleme todkranker Patienten, betont wird die unaufgebbare Würde des Menschenlebens "auch in seinen extremen Phasen des Leidens und Todes".
Hinter dem Verlangen von Schwerkranken nach einer Beendigung ihres Lebens stehe fast immer der Ruf nach Hilfe und Liebe. Am aktuellen gesellschaftlichen Umgang mit Leid kritisiert der Vatikan eine verengte Auffassung von Lebensqualität und ein falsches Verständnis von Mitgefühl, mangelnde Zuwendung zu Leidenden und neue Vorstellungen einer individualistischen Selbsterlösung.

Klar, katholisch betrachtet ist nicht der Mensch in unbehebbaren lebenselenden Situationen für seine Erlösung zuständig, das muss ein Katholik dem Jesus überlassen. Und der Jesus der lässt eben in solchen Fällen die sündigen Menschen schon die Hölle auf Erden erleben!

Meine ungläubige Mutter war in den letzten Lebensmonaten auch in einer solchen Situation, sie war nach Schlaganfall großteils gelähmt, konnte kaum noch sprechen, nur noch ihre linke Hand bewegen, mit dieser schaffte sie es, sich Orangen zu schälen und bei den täglichen Fütterungen, das Essen samt Teller auf den Boden zu schmeißen und als man ihr Schläuche für künstliche Ernährung eingebaut hatte, sich diese sofort wieder herauszureißen, sie hat sich praktisch zu Tode gehungert, weil Sterbehilfe ist ja verboten!

Die Verteidiger dieses Verbotes sind Unmenschen!
Ihnen ist zu wünschen, dass sie einen langwierigen elendigen Tod sterben müssen! Damit sie diese Sünde der Unbarmherzigkeit höllisch büßen müssen!

Entnommen bei atheisten-info.at

 




Vom Weinberg und dem Sozialisten Jesus

weinberg-in-frankreich_1147-101Übernommen von http://www.atheisten-info.at/index.html:

Mt 20,1-16: Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten! Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denar. Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt. Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin? So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.

Noch blöder geht's wohl biblisch nimmer! Es soll mit diesem Weinberg-Gleichnis wohl dargestellt werden, dass der Weg ins Himmelreich nicht vom Zeitpunkt der Hinwendung zum Glauben abhängig ist, sondern dass jeder, der das tut, denselben Lohn bekommt, unabhängig von der Dauer der Glaubenszuwendung. Allerdings ist das proportional gesehen ein recht schiefer Vergleich, das Himmelreich wird schließlich als ewiger Lohn für die Gläubigen gesehen und nicht als Sold für ein bisschen Arbeit!

Was meint der Schönborn dazu? Er schreibt u.a.: "Warum bekommen die, die kaum eine Stunde gearbeitet haben, gleich viel wie wir, die wir volle zwölf Stunden in der Hitze des Tages geschuftet haben? Die Kritik ist auch heute zu hören. Dann fällt schnell das Wort von den Sozialschmarotzern. Der Gutsherr sieht das anders: Stört es dich, dass ich auch zu denen gut bin, die nicht das Glück hatten, eine Arbeit zu finden? Genau aus dieser Haltung Jesu sind viele Errungenschaften des Sozialstaats entstanden."

Der Sozialstaat ist nicht aus der Bibel entstanden, sondern wurde durch die Arbeiterbewegung erkämpft! Heute gibt es eben die Kranken-, die Pensions-, die Unfall-, die Arbeitslosenversicherung und sonstige Sozialhilfegesetze! Der Sozialstaat ist auf gesetzlich festgelegter Sozialgesetzgebung eingerichtet, jeder zahlt und jeder bekommt, wenn er was braucht! Solidarität ist dadurch zur selbstverständlichen Pflicht geworden!

Kardinal Schönborn schließt weiterhin welt- und geschichtsfremd so: "Das Gleichnis Jesu ist kein romantischer Sozialtraum, sondern ein nüchternes Programm für eine gerechte Gesellschaft, in der die Schwächsten nicht unter die Räder kommen. Jesu Worte haben wirklich die Welt verändert. Sie haben gezeigt, wie Gott die Welt vermenschlichen will. Die Charta Jesu bleibt freilich weiterhin Auftrag und Aufgabe."

Verdammt noch einmal, wenn die Jesusworte die Welt verändert hätten, wieso hat es dann nicht ab dem Jahre 380 mit der Bestellung der Christenlehre als alleinige Staatsreligion Sozialversicherungen gegeben, sondern gut 1500 Jahre lang bloß ein bisschen freiwillig gegebene Almosen?

Dazu Zitat aus der Enzyklika Quadragesimo anno von Papst Pius XI. von 1931: "Der Sozialismus, gleichviel ob als Lehre, als geschichtliche Erscheinung oder als Bewegung, auch nachdem er in den genannten Stücken der Wahrheit und Gerechtigkeit Raum gibt, bleibt mit der Lehre der katholischen Kirche immer unvereinbar. Er müsste denn aufhören, Sozialismus zu sein: der Gegensatz zwischen sozialistischer und christlicher Gesellschaftsauffassung ist unüberbrückbar."

Der Sozialstaat musste also von der sozialistischen Bewegung auch gegen die katholische Kirche durchgesetzt werden. Amen! Aber knapp 90 Jahre später hat der sozialistische Jesus den Sozialstaat erfunden…





„Notausgang am Lebensende steht bisher nur halb offen“

dghsWEIMAR. (dghs/fgw) Vor der Bundespressekonferenz in Berlin hat die Deutsche Gesellschaft für humanes Sterben e.V. (DGHS) am 16. September 2020 einen Gesetzentwurf zur Neuregelung von Suizidhilfe vorgestellt. In einer Presseerklärung der DGHS heißt es dazu:

 

Um den Feststellungen des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) nachzukommen, unterbreitet die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e. V. einen Vorschlag für eine verfassungskonforme Gesetzgebung zur Suizidhilfe. Der Vorschlag umfasst die Aufnahme eines neuen Paragrafen in das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und die Aufnahme eines neuen Paragrafen sowie diverse Ergänzungen bzw. Modifizierungen bestehender Vorschriften im Betäubungsmittelgesetz (BtMG).

 

Zentrale Bedingung einer ethisch vertretbaren Praxis der Suizidhilfe ist die Einhaltung von Sorgfaltskriterien durch die beteiligten Ärzte und Sterbehelfer. Erforderlich ist zudem eine Anpassung der Berufsordnungen der Landesärztekammern und Änderungen im Betäu-bungsmittelrecht. Elementare Bedingung ist für die DGHS die Freiverantwortlichkeit des Suizidwilligen. Diese liegt vor, wenn der Suizidwillige die natürliche Einsichts- und Urteilsfähigkeit für seinen Selbsttötungsentschluss besitzt, seine Entscheidung frei von Willensmängeln ist, sein Entschluss wohlerwogen und von einer inneren Festigkeit getragen ist. Dabei ist die Urteils- und Entscheidungsfähigkeit, wie im gesamten Rechtsverkehr, zu unterstellen. Nur bei Vorliegen konkreter Anhaltspunkte hinsichtlich einer möglichen Einschränkung der Einsichts- und Urteilsfähigkeit sollte eine fachpsychiatrische Begutachtung mit eingehender Prüfung der Einsichts- und Urteilsfähigkeit vorgenommen werden.

 

Im Rahmen eines zu schaffenden prozeduralen Sicherungskonzepts befürwortet die DGHS eine ausgewogene und umfassende Aufklärung über medizinische Alternativen zum beabsichtigten Suizid, lehnt aber eine wie auch immer geartete Beratungspflicht ab, die auf eine Pflicht des Sterbewilligen hinausläuft, seinen Sterbewunsch zu rechtfertigen. Die freiverantwortliche Entscheidung über das eigene Lebensende bedarf nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts „keiner weiteren Begründung oder Rechtfertigung".

 

In seinem Urteil vom 26.02.2020 hatte das (BVerfG) festgestellt, dass das im Grundgesetz garantierte allgemeine Persönlichkeitsrecht als Ausdruck persönlicher Autonomie auch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfasst. Es schließt das Recht auf Selbsttötung sowie die Freiheit ein, dazu auf die freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen (Rdnr. 208). Das BVerfG hat darüber hinaus festgestellt, dass das Berufsrecht der Ärzte und Apotheker dementsprechend auszugestalten und das Betäubungsmittelrecht anzupassen sind (Rdnr. 341).

 

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von Ende Februar dieses Jahres hat die Rechtslage vor 2015 wiederhergestellt und damit den über vier Jahre verschlossenen Notausgang einer Selbsttötung erneut geöffnet. Nicht nur das: Durch dieses Urteil hat nunmehr Deutschland selbst die Schweiz an Liberalität überholt, so DGHS-Präsident Professor Dr. Dr. h. c. Dieter Birnbacher. Das Gericht bindet die Freiheit zum Tode an keine andere Bedingung als die der Ernsthaftigkeit, Festigkeit und Freiverantwortlichkeit des Entschlusses und verlangt nicht, dass der Sterbewillige an einer schweren, unheilbaren oder zum Tod führenden Krankheit leidet.

 

In der Praxis steht der Notausgang allerdings erst halb offen. Zwei Barrieren stehen weiterhin im Wege. Erstens das berufsrechtliche Verbot einer ärztlichen Beteiligung an der Selbsttötung durch die 10 Landesärztekammern, die die vom Deutschen Ärztetag 2011 beschlossene Verbotsempfehlung übernommen haben. Es gibt gute Gründe, die Verschreibung und Verfügbarmachung eines tödlichen Mittels Ärzten vorzubehalten. Aber solange ein Arzt um seine Approbation fürchten muss, wird er kaum zu einer Suizidhilfe bereit sein. Zweitens lässt sich auch nach dem Urteil das in der Schweiz zur Herbeiführung eines schnellen und leichten Todes bewährte Mittel Natrium-Pentobarbital in Deutschland immer noch nicht legal beschaffen.

 

„Der gegenwärtige Rechtszustand ist nicht nur halbherzig, sondern glatterdings unlogisch", sagt DGHS-Präsident Professor Dr. Dr. h. c. Dieter Birnbacher. Wenn der ehemalige § 217 StGB verfassungswidrig ist, weil er die Wahrnehmung des Grundrechts auf selbstbestimmtes Sterben effektiv verschließt, sind auch diese weiteren Hürden mit der Verfassung nicht vereinbar und müssen abgebaut werden. Wie in der medizinischen Versorgung allgemein darf die Chance, ärztliche Hilfe zu erhalten, nicht vom Wohnort abhängen. Und erforderlich ist, so Professor Birnbacher und Rechtsanwalt Professor Robert Roßbruch, Vizepräsident der DGHS, bei der Vorstellung des DGHS-eigenen Gesetzentwurfes eine Klarstellung im Betäubungsmittelgesetz, dass das tödliche Mittel, das sich in der Schweiz bewährt hat, auch in Deutschland zum Zweck eines selbstbestimmten Sterbens und nicht nur, wie es dort heißt, zu einer ärztlichen „Behandlung" verwendet werden darf.

 

Den Gesetzesvorschlag im Volltext ist auf der Webseite der DGHS nachzulesen.

 

(SRK)


 
17.09.2020

Von: (SRK)




Repression und Rebellion: Arabische Revolution – was nun

Repression und RebellionRezension von Gerfried Pongratz:

„Der Nahe Osten ist eine Ansammlung gescheiteter Staaten und ungelöster Krisen“ – man sollte davor nicht die Augen verschließen!

Karim El-Gawhary:

„Repression und Rebellion: Arabische Revolution – was nun?“

© Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 2020, ISBN 978-3-218-01232-4, 224 Seiten.

„Nun sind die arabischen Verflechtungen des ’Wer mit wem gegen wen’ eigentlich schon kompliziert genug. Aber der Nahe Osten wäre nicht der Nahe Osten, wenn es nicht noch komplizierter ginge“. Der Nahost-Korrespondent verschiedener deutschsprachiger Medien sowie Leiter des ORF-Nahostbüros und Buchautor Karim El-Gawhary legt als einer der besten Kenner der Region eine profunde Analyse der verworrenen Situation nach dem „Arabischen Frühling“ vor: Überaus kenntnisreich, tiefgründig, lebendig, empathisch, großteils aus eigenem Erleben. Untermauert mit Zahlen und wissenschaftlichen Analysen beschreibt er, wo die arabische Welt derzeit steht: „Wirtschaftliche und soziale Fragen bleiben völlig ungelöst, vielerorts ist es nur ein brutaler Repressionsapparat, der für Ruhe sorgt. Und nun setzt sich auf das Ganze noch die Krise der Corona-Pandemie, deren wirtschaftliche und soziale Auswirkungen alle Widersprüche noch verschärfen werden“.

 

Als Korrespondent verbringt El-Gawhary einen guten Teil seiner Zeit damit, die Verflechtungen der komplizierten nahöstlichen Gemengelage zu verstehen. Das Buch beschreibt die letzten zehn Jahre eines langfristigen Prozesses und erläutert dabei auch, „warum die Politik Europas in der Region mit dem ’Hashtag #fail’ charakterisiert werden kann“. Es beschreibt, wie vor allem jüngere Menschen eines Systems überdrüssig geworden sind, das die Religionszugehörigkeit in den Mittelpunkt der Politik stellt und sie gegeneinander aufhetze. Es beleuchtet die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, in denen die Mehrheit lebt, ohne Mitspracherecht regiert wird und es erhebt die Frage, ob der Islam, die Religion, hauptsächlich an der Misere der arabischen Welt schuld sei. Letzteres zu behaupten sei in Mode gekommen, für El-Gawhary ist es jedoch „das unselige arabische Dreigespann Armut, Ungleichheit, und Machtlosigkeit, das Menschen zu stillschweigenden Besiegten, brutalen Terroristen oder verzweifelten Flüchtlingen macht, oder sie, wie in letzter Zeit wieder vermehrt, voller Wut und Leidenschaft mutig auf die Barrikaden steigen lässt“.

 

Repression funktioniert zwar, sie besitze jedoch ein Ablaufdatum und führe zu Rebellion, wenn die drängendsten Probleme, vor allem der jüngeren Generation, nicht gelöst werden: „Vieles, was ich sehe, ist frustrierend, einiges traurig, anderes macht mich wütend, aber manches ist auch sehr ermutigend…. Zwischen einer alten und einer neuen Ordnung in der arabischen Welt findet ein andauernder Kampf statt, ein Kampf um die Rolle der Religion in der Politik, ein Kampf für mehr soziale Gerechtigkeit, ein Kampf, Millionen Menschen aus ihrer Armut zu holen…. Uns stehen stürmische Zeiten in der arabischen Nachbarschaft bevor“.

 

Karim El-Gawhary beschreibt die Ereignisse der letzten 10 Jahre in der Region, beleuchtet die Einflussnahmen von Europa und den USA mit ihren Auswirkungen und analysiert den in der arabischen Welt stattfindenden Wettstreit zwischen politisch-islamistischen Konzepten auf der einen und der liberalen, säkularen auf der anderen Seite. Am Beispiel von „Ägypten zurück, Tunesien nach vorn“ sind es Überschriften wie „Muslimbrüder versus Militär / Das Gegenbeispiel Tunesien / Ägypten: Das Militär kehrt an die Macht zurück / Willkür und Repression in Ägypten“, die die besprochenen Inhalte verdeutlichen.

 

„Das Aufbäumen der IS-Dschihadisten“ nennt sich ein Kapitel, das von der Entstehung des IS über die Frage, was ihn groß gemacht hat, bis zu „Ist das Ende des IS das Ende des Terrors?“ dessen Schreckensherrschaft beschreibt. El-Gawhary berichtet von persönlicher Augenscheinnahme an vorderster militärischer Front und beantwortet die letztgestellte Frage mit wenig Optimismus: „So lange die gleichen Bedingungen herrschen, die es militanten islamistischen Organisationen leicht machen, neu zu rekrutieren, so lange werden sie nicht aussterben“.

 

Unter „Pax Autocratica: Die Heilige Arabische Allianz“ werden die autokratischen gegenseitigen Unterstützungsaktionen Saudi Arabiens, Ägyptens, der Arabischen Emirate und Bahrains kritisch beleuchtet. Sie sorgten dafür, dass in Ägypten die Muslimbrüder gestürzt und das Militär wieder an die Macht kam, sie handelten insgesamt gemäß dem Dauermantra, dass nur die Autokraten für Stabilität in der Region sorgen könnten (wobei sie die weitgehende Unterstützung durch den Westen fanden). In der Folge kam es zu regionalen Interventionen, die den Jemen und Libyen ins totale Chaos stürzten (und – laut UNO – im Jemen die größte humanitäre Katastrophe der Jetztzeit schafften).

 

„Viele Köche agieren in der Region“, neben den genannten Staaten sind es auch Israel, die Türkei und Iran, die ihre jeweils unterschiedlichen Interessen verfolgen. Tatsache ist, dass sich der Nahe Osten neu ordnet, wobei der westliche Einfluss darauf sehr gering ist. Im Kapitel „#Fail: Europa und die USA“ beschreibt El-Gawhary die z.T. unheilvolle Rolle der USA und „Europas Eiertanz“, der im Wesentlichen das Ziel verfolgt: „Haltet uns die Flüchtlinge vom Leib“. Ein großer Teil der dafür aufgewendeten Gelder verschwindet dabei in einem Netzwerk aus Milizionären, Menschenschmugglern und Mitgliedern der Küstenwache.

 

Dem Thema „Armut, Ungleichheit und Machtlosigkeit“ ist ein großes Kapitel gewidmet. Nach einer fundierten Meinungsumfrage im Jahr 2019 wollen in sechs von elf untersuchten Ländern zwischen 50 und 70% der jungen Menschen auswandern. Nach der „Arabellion 2011“ wurde Armut und „Ausgeschlossensein“ in vielen Ländern zur Norm, nach dem globalen Armuts-Bericht der UNDP gelten 65 Millionen Menschen der arabischen Welt als extrem arm. Zusätzlich ist es Ungleichheit, die extrem belastet; 64% aller Einkommen der Region fließen zu den obersten 10% der Top-Verdiener, Korruption und Vetternwirtschaft sind die Regel. Dazu gesellt sich noch die „demografische Zeitbombe“; 1990 umfasste die Bevölkerung der Arabischen Liga 220 Millionen Menschen, heute sind es 420 Millionen, davon 60% im Alter von unter 30 Jahren. Die Arbeitslosigkeit auch sehr gut ausgebildeter Jugendlicher liegt bei 30 – 40%, ihre Machtlosigkeit wird ihnen täglich vor Augen geführt. Bemerkenswerterweise stimmen 2/3 der Jugendlichen der Aussage zu, dass Religion in ihrer Gesellschaft eine zu große Rolle spiele und mit religiösen Sprüchen wie „Der Islam ist die Lösung“ kein Staat zu machen sei.

 

„Arabellion 2.0: Der Aufstand geht weiter“ nennt sich ein Kapitel, das die Vorgänge im Sudan, Algerien, Libanon und Irak beleuchtet (der Bürgerkrieg in Syrien wird im Buch nur gestreift und der palästinensisch-israelische Konflikt wird ausgespart, sie würden „eine eigene Erzählung benötigen“). Als Fazit sei festzustellen, dass keine dieser vier Aufstandsbewegungen ihr Ziel erreicht hat. Aus den Fehlern der arabischen Aufstände von 2011 habe man allerdings gelernt; es resultieren daraus fünf im Buch ausführlich dargelegte Lektionen. Auch die Autokraten haben dazugelernt, wie sie Aufstände und Veränderungswünsche besser unterdrücken können: „Die entscheidende Frage wird nun sein: Wer lernt schneller – die Repression oder die Rebellion?“

 

„I can’t breathe: Ein arabischer Ausblick in der Corona-Krise“ beschließt das Buch. „Die Zeichen in der Nahost-Region stehen auf Sturm“ – „Es ist ein scheinbar düsteres Fazit, das ein Jahrzehnt nach dem Aufstand gegen die arabischen Diktatoren gezogen werden muss“. Europa und die arabische Welt sind in einer Schicksalsgemeinschaft miteinander verbunden und es wird im zukünftigen Verhältnis der beiden Weltregionen viel davon abhängen, wie sich Europa selbst politisch weiterentwickelt; ob es die Autokraten weiterhin als Garanten der Stabilität, als Partner im Antiterrorkampf und als Flüchtlingsbremser, oder als Despoten als eigentliche Quelle arabischer Instabilität, die auch Europa bedroht, sieht. „Es ist eine Zeit, die viele Fragen aufwirft, ohne dass wir im Moment die Antworten kennen…. Waren die letzten zehn Jahre nach der ersten Arabellion eine turbulente Zeit, werden die nächsten Jahre in der Region stürmisch werden…. Der Wettlauf zwischen arabischer Repression und arabischer Rebellion wird weitergehen, brutal und leidenschaftlich, rücksichtslos und stur“.

 

Mit „Repression und Rebellion“ legt Karim El-Gawhary ein Buch vor, das eine Pflichtlektüre für Nahost-Interessierte bilden sollte. Die arabischen Länder betraten nach den Aufständen gegen ihre Despoten politisches Neuland, das sie zunächst in politisches und gesellschaftliches Chaos stürzte. Die Herausforderungen lauteten: Wie können die alten, verkrusteten staatlichen Strukturen aufgebrochen werden? Wie können das „Dreigestirn“ Armut, Ungleichheit, und Machtlosigkeit überwunden werden? Welche Rolle soll die Religion in Staat und Politik einnehmen? Der Autor, der auch studierter Islam- und Politikwissenschaftler ist, weist im Buch mehrmals darauf hin, dass es seiner Ansicht nach nicht die Religion, sondern dieses „Dreigestirn“ sei, das die Miseren und Dilemmata der arabischen Welt begründe (und bleibt dabei die Antwort auf die Frage schuldig, wie sehr der Islam dieses „Dreigestirn“ mitbegründet).

 

„Dieses Buch ist der Versuch, das große Ganze dieses Wandels zu erfassen… Deshalb beschreibe ich diesen Prozess mal aus dem analytischen Weitwinkel und mal anhand von Reportagen, die in die Lebenswelt der Menschen hineinzoomen“. Mit sehr eindrucksvollen authentischen Schilderungen auch anhand persönlicher, z.T. dramatischer Erlebnisse beschreibt Karim El-Gawhary die Vorgänge in der arabischen Welt, Berichte der internationalen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch ergänzen seine Ausführungen. „ Der Nahe Osten ist eine Ansammlung gescheiteter Staaten und ungelöster Krisen“; die Probleme, das Leid, die Not, die kriegerischen Vorgänge und last not least die Flüchtlingsproblematik sind atemraubend und zutiefst deprimierend – man sollte davor nicht die Augen verschließen!

 

 

Gerfried Pongratz 9/2020




Papst nennt Vergnügen an Essen und Sex „göttlich“

VöllereiWieder einmal hat es Papst Franziskus geschafft, viele Katholiken zu überraschen: In einem Interview mit einem italienischen Schriftsteller offenbart der Heilige Vater seine Meinung zu Sex und Essen.
Die Freuden gut gekochten Essens und liebevollen Geschlechtsverkehrs seien "göttlich", schreibt das Oberhaupt der katholischen Kirche im "Terrafutura", einem vor kurzem veröffentlichten Interviewbuch von Carlo Petrini, dem Gründer der "Slow Food"-Bewegung.
Er sagt sogar, die Kirche habe gutes Essen und Sex in "übereifriger Moral" fälschlicherweise als Laster verurteilt. Das sei eine "falsche Interpretation der christlichen Botschaft". Diese Ansichten haben enormen Schaden angerichtet, der auch heute noch stark zu spüren sei, so Franziskus.

Sexuelles Vergnügen macht die Liebe schöner
"Das Vergnügen des Essens ist dazu da, dich durch das Essen gesund zu halten, so wie das sexuelle Vergnügen dazu da ist, die Liebe schöner zu machen und den Fortbestand der Spezies zu garantieren", schreibt der Pontifex, wie der irische öffentlich-rechtliche Sender RTÉ berichtete.
Darin betont er: "Das Vergnügen kommt direkt von Gott, es ist weder katholisch noch christlich noch irgendetwas anderes, es ist einfach göttlich".

Anmerkung atheisten-info: Der Sex kommt nicht von Gott, sondern von der Evolution, weil eine Vermehrung, die Vergnügen bereitet, ist erfolgreicher! Aber immerhin, die Laster & Sünden der Wollust und der Völlerei abzuschaffen, das ist eine päpstliche Leistung!

Hier die lasterhaften Charaktereigenschaften die zu den sieben katholischen Todsünden führen:
1. Superbia – Hochmut (Stolz, Eitelkeit, Übermut)
2. Avaritia – Geiz (Habgier, Habsucht)
3. Luxuria – Wollust (Ausschweifung, Genusssucht, Begehren, Unkeuschheit)
4. Ira – Zorn (Jähzorn, Wut, Rachsucht)
5. Gula – Völlerei (Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Unmäßigkeit, Selbstsucht)
6. Invidia – Neid (Eifersucht, Missgunst)
7. Acedia – Faulheit (Feigheit, Ignoranz, Überdruss, Trägheit des Herzens)

Wikipedia: Mit Todsünde (lateinisch peccatum mortiferum oder mortale) werden in der katholischen Kirche besonders schwerwiegende Arten der Sünde bezeichnet, durch die der Mensch die Gemeinschaft mit Gott bewusst und willentlich verlässt.

Jetzt sind's nur noch fünf Todsünden, denn Völlerei und Wollust sind päpstlicherweise göttlich geworden!

 




Argumentationsmuster

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Mit anderen Menschen kontrovers diskutieren,
ohne sich wechselseitig zu beschimpfen, zu beleidigen oder zu diffamieren

Am 5. und 6. September 2020 führte ich via FB einen Meinungsaustausch, den ich hier anonymisiert, ansonsten jedoch unverändert und ungekürzt wiedergebe.

A.H.O. hatte, mglw. in Anlehnung an einen Buchtitel, in einem Beitrag die Frage aufgeworfen «Wem gehört der Islam?»

Ein Diskussionsteilnehmer, dessen Namen ich hier mit M.B. wiedergebe, meinte:

Der Islam gehört den Gottergebenen. Der Prophet sprach: „Nun habe ich euch eure Religion vervollkommnend.“

Eine Diskussionsteilnehmerin, hier E.T. genannt, erwiderte:

Würde ich bestätigen ..
Doch frei nach Goethe : „Wenn Islam Gottergebenheit heißt, dann leben und sterben wir alle im Islam.“
So sind es die abramitschen Religionen, die wie drei Geschwister sind , die stetig darum streiten , wer der bessere von ihnen ist .

Eckhardt Kiwitt:

Aah, Goethe — hat dankenswerterweise auch Voltaire’s «Mahomet» ins Deutsche übersetzt.
Ein denkwürdiger Satz daraus:
„Dem Staate bringt die Furchtsamkeit Verderben“.

A.H.O. an die Adresse von M.B.:

das ist eine koranische Stelle.

M.B.:

Eben, die Antwort liefert der Koran selbst.

Daraus entspann sich ein längerer, kontrovers geführter Meinungsaustausch mit M.B.

Eckhardt Kiwitt:

Und, wie lautet die Antwort, oder an welcher Textstelle im Koran kann man sie nachlesen ?

M.B.:

Sure 5 Vers 3
„Heute habe ich euch eure Religion vollständig gemacht und meine Gnade an euch vollendet und habe daran Gefallen, dass der Islam eure Religion ist.“

Eckhardt Kiwitt:

Einen Satz vorher heißt es in diesem Vers:
„Heute haben die Ungläubigen vor eurem Glauben resigniert; …“
Da werden also Leute, die nicht an das islamische „Gott“ glauben, als „Ungläubige“ diffamiert und beleidigt.
Freundlich ist das nicht, und überzeugen kann es allemal nicht !

M.B.:

Die Kafiroun, also die Mekkaner sind gemeint, die den Islam verleugnet haben und feindlich gesinnt waren. Um ein Kafir zu sein müssen zwei Komponenten erfüllt sein. Verleugnung und Bekämpfung. Die Mekkaner haben alles versucht um den Islam zu vernichten. Die Verkündung des Propheten ist zugleich die Verkündung des Siegs.

Eckhardt Kiwitt:

Nun gut, ich bin zwar kein Mekkaner, aber den Islam, dieses aus meiner Sicht patriarchalisch-rechtsreaktionäre Gesellschaftsystem, in dem es nichtmal Religionsfreiheit gibt und nicht die Freiheit, den Islam-Erfinder zu kritisieren, lehne ich ebenfalls ab und bevorzuge stattdessen den Grundrechtekatalog unserer Verfassung, des GG, sowie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Werte der Europäischen Aufklärung.
„Daß der bei weitem größte Teil der Menschen […] den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.“
(Kant — Aufklärung)

M.B.:

?

Eckhardt Kiwitt:

Was ist Deine Frage, die Du mit dem „?“ zum Ausdruck bringen willst ?

M.B.:

Es war eine patriarchale Gesellschaft, lange vor dem Islam. Der Koran hat dagegen gewirkt. Wobei man schlecht die Gesetze des siebten Jhd. auf heute übertragen kann.

Eckhardt Kiwitt:

Wenn man die Gesetze des 7. Jhdts. nicht auf heute übertragen kann, dann sollte man all die religiösen Gebote und Vorschriften des Korans „ad acta“ legen und stattdessen die Gesetze des freiheitlichen demokratischen Rechtsstaats als die besseren Gesetze akzeptieren.

Eckhardt Kiwitt:

Wenn „Koran hat dagegen gewirkt“ (gegen die patriarchale Gesellschaft, die es, wie Du schreibst, lange vor dem Islam gegeben hat), wie ist es dann möglich, dass heutzutage alle Gesellschaften, in denen islamische Gesetze gelten bzw. in denen Islam die Staatsreligion ist, patriarchalisch-rechtsreaktionäre Systeme sind ?

M.B.:

Das beruht vielmehr auf Traditionen als auf den Koran.

Eckhardt Kiwitt:

Soso, Tradition ?
Was ist aber mit jenen Textstellen im Koran, in denen das patriarchalisch-rechtsreaktionäre Familien- und Gesellschaftsbild zementiert ist:
— Sure 2 Vers 282: Frauen, deren Aussagen bei Gericht nur die Hälfte der Aussagen von Männern wert sind;
— Sure 4 Vers 11: Frauen, denen laut Koran nur das halbe Erbteil eines männlichen Nachkommen zusteht;
— Sure 4 Vers 3: „… heiratet, was euch an Frauen gut ansteht, zwei, drei oder vier;“
— Sure 4 Vers 34: „Darum sind tugendhafte Frauen die Gehorsamen und diejenigen, die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren. Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie ! Wenn sie euch dann gehorchen, …“

M.B.:

Oh je, wieder diese Leier. Sorry, hab gerade nicht die Muße dazu.

Eckhardt Kiwitt:

Seltsam. Du hattest doch behauptet, dass es auf Traditionen beruht und nicht auf dem Koran. Und jetzt, da ich Dir ein paar Textstellen aufgezeigt habe, die das Gegenteil darlegen können, magst Du nicht mehr. Seltsam.

M.B.:

Darüber könntest du dich selbst schlau machen. Schonmal den Koran gelesen, geschweige denn verstanden?

Eckhardt Kiwitt:

Gelesen, ja.
Hat auf mich den Eindruck eines teils aus Versatzstücken zusammenphantasierten Werkes gemacht, oder, wie es der im Auftrag des Islam-Erfinders ermordete Ibn al-Harith genannt hat, ein «Abklatsch alter Mythen».
(siehe Mohammed in Bildern, # 26.)

Eckhardt Kiwitt:

By the way, falls Du den Koran verstanden hast, erkläre ihn mir gern. Ich bin für alles sehr empfänglich. Danke !

M.B.:

Niemand kann Dir den Koran erklären außer Gott.

M.B.:

‚Uns obliegt die Lesung und Erklärung des Buches‘ (Koran)

M.B.:

‚also übereile Deine Zunge nicht bei der Lesung‘

Eckhardt Kiwitt:

Aber Du hattest gefragt, ob ich den Koran verstanden hätte. Folglich gehe ich davon aus, dass DU ihn verstanden hast.
Wenn man etwas verstanden hat, dann sollte man auch in der Lage sein, es anderen zu erklären.

M.B.:

Beim Koran ist es umgekehrt. Er ist so vielfältig wie seine Leserschaft.

Eckhardt Kiwitt:

Wenn, wie Du schreibst, der Koran so vielfältig ist wie seine Leserschaft, darf ich dann daraus schließen, dass weder Du noch irgend jemand sonst den Koran verstanden hat — und dass Muslime folglich gar nicht wissen, was sie glauben ?

Eckhardt Kiwitt:

Es heißt doch in Sure 3 Vers 7 „Darin sind eindeutig klare Verse – sie sind die Grundlage des Buches …“.
Und die kann man nicht verstehen, nicht erklären ?
Seltsam !

M.B.:

Und darin steht auch dass es mehrdeutige und eindeutige Verse gibt. Und dass Gott darüber entscheidet, wer Seine Worte versteht.

Eckhardt Kiwitt:

Wenn das islamische „Gott“ darüber entscheidet, wer den Koran versteht und wer nicht, ohne dass die Entscheidungskriterien erläutert würden, dann scheint mir das alles sehr willkürlich zu sein.

Eckhardt Kiwitt:

Übrigens, weiter oben hattest Du in einer Antwort an A.H.O. geschrieben:
„Eben, die Antwort liefert der Koran selbst.“
Wenn der Koran die Antworten auf sich selbst bzw. auf seine eigenen Thesen liefert, nennt man das einen Zirkelschluss.
Zirkelschlüsse gehören zum UNlogischsten, das es gibt.
(siehe den Beitrag Zirkelschluss.)

M.B.:

Nein, das bedeutet das der Koran selbstreferenziell ist.

Eckhardt Kiwitt:

Genau das, das Selbstreferenzielle, führt zu Zirkelschlüssen.

M.B.:

Diese Ambiguitäten sind es gerade, was im Übrigen auch auf die Bibel zutrifft, machen diese Bücher zeitlos. Weil man nie mit ihnen fertig wird.

Eckhardt Kiwitt:

Ach ja, die Ambiguitäten — die geben einem einen guten Interpretations- und Ermessenspielraum. Das ist sehr praktisch.

M.B.:

Jede Offenbarung hatte einen kontextuellen historischen Hintergrund.

Eckhardt Kiwitt:

… der aber im Laufe der Zeit seinen Bezug verliert.

Eckhardt Kiwitt:

Die sogenannten Offenbarungen wurden als identitätsstiftende Texte von Menschen für Menschen verfasst, teils wohl gar zusammenfabuliert.
Das ist wie bei den sog. Schöpfungsgeschichten.
Ein Beispiel ist der Schöpfungsmythos der Maori aus Neuseeland, in dem man manche bekannte Bilder wiederfinden kann …
(siehe Rangi und Papa, Wikipedia)

_______

Von M.B. gab es darauf keine weitere Antwort oder sonstige Reaktion.

H.Z. merkte kurz vor Ende dieses Threads, an die Adresse von M.B. gerichtet und auf eine Art, die mir widerstrebt und die ich für unangemessen und destruktiv halte, an:

Welche Bibelkenntnise haben Sie denn, um himmelswillen?? Was Sie über den Koran da erzählen zeigt doch ganz deutlich, dass Sie nicht imstande sind spätantike religöse Dokumente sinnerfassend zu lesen. Muslime sind ja in den allermeisten Fällen überhaupt nicht imstande ihre eigenen Glaubensurkunde zu lesen, sind im Kopf dabei gar nicht beunruhigt über dieses Unvermögen und Desinteresse, aber immer sehr erstaunt, wenn man sie mit ihren Texten konfrontiert und gehen verärgert oder beschämt auf Tauchstation oder werden unverschämt aggressiv. Solange Muslime verhängnisvoller Weise nicht kapieren, dass sie ihren Koran selbst geschrieben haben, wird mit ihnen nicht vernünftig zu reden sein. Sie erklären ihn auch noch für unerschaffen und ewig wie die arabische Gottheit selbst. Wenn das nicht materialistischer schirk ist, was ist es dann?

E.T. ergänzte, ebenfalls an M.B. gerichtet, noch:

Reine Politik der Herrschenden…
Sie sagen , dass sie Gläubige sind, doch die sind Heuchler um das Volk/ Völker zu unterdrücken.

G.R. schloss diesen Teil der Diskussion ab mit den Worten:

M.B., stimmt! Man kann oder sollte zumindest die Gesetze und die Wertvorstellungen des 7. Jahrhunderts nicht auf heute übertragen!
Wie können dann Koran und Hadithe bis heute rechtleitend sein?

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Beitragsbild:
WahineTane (wikimedia.org, Ausschnitt)
Author: Kahuroa


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Rechtsradikale Türkeistämmige

SchweigefuchsAussendung von Hartmut Krauss vom 10.9.2020:

Wie die Grauen Wölfe in NRW Parteien unterwandern

Wie scheinheilig der (parteien-)staatliche "Kampf gegen den Rechtsextremismus" ist, der sich nur auf die (kleinere) Teilmenge des einheimischen Sektors bezieht, aber den zugewanderten Rechtsextremismus islamisch-orientalischer Prägung unterbelichtet lässt (Unsitte der Doppelstandards), zeigt das SWR-Video unten:

Rechtsradikale Türkeistämmige: Wie die Grauen Wölfe in NRW Parteien unterwandern. Am Sonntag werden in Nordrhein-Westfalen Kommunal- und Integrationsräte gewählt. Welche Rolle spielen dabei die rechtsextremen Grauen Wölfe?

Der aussagekräftige Schwur der "Föderation der Demokratischen Türkischen Idealistenvereine in Europa", der die Synthese von Nationalismus, neo-osmanischem Imperialismus und Islam dokumentiert, lautet nach einer Arbeitsübersetzung des baden-württembergischen Landesamtes für Verfassungsschutz folgendermaßen:
"Bei Allah, dem Koran, dem Vaterland, der Fahne wird geschworen: Meine Märtyrer, meine Frontkämpfer sollen sicher sein: Wir, die idealistische türkische Jugend, werden unseren Kampf gegen Kommunismus, Kapitalismus, Faschismus und jegliche Art von Imperialismus fortführen. Unser Kampf geht bis zum letzten Mann, bis zum letzten Atemzug, bis zum letzten Tropfen Blut. Unser Kampf geht weiter, bis die nationalistische Türkei, bis Turan*) erreicht ist. Wir, die idealistische türkische Jugend, werden nicht zurückschrecken, nicht wanken, sondern wir werden (unsere Ziele) erreichen, erreichen, erreichen. Möge Allah die Türken schützen und erhöhen. Amen."
*) Im Streben nach "Turan", der zentralasiatischen Urheimat der Türken, konkretisieren sich die pantürkischen Ziele der "Idealisten", die sämtliche türkischstämmigen Völker Asiens in einem großtürkischen Reich vereinigt sehen möchten…

Siehe SWR-Report – Teil 1  und Teil 2




Über den Kampf für „Weltliche Schulen“ und Lebenskunde

Weltliche SchulenWEIMAR. (fgw) In Artikel 7 (3) des Grundgesetzes (GG) für die Bundesrepublik Deutschland heißt es: „Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach.“ Mit diesem Passus findet der Art. 149 der „Weimarer Reichsverfassung“ (WRV) vom 11. August 1919 („Der Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach der Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien (weltlichen) Schulen.“) seine Übernahme ins GG.

 

 

Die in der WRV erstmals erwähnten bekenntnisfreien (weltlichen) Schulen führten seinerzeit auch dazu, daß ab 15. Mai 1920 an ihnen kein Religionsunterricht mehr erteilt wurde. Stattdessen wurde dort häufig „Lebenskunde" unterrichtet. Das blieb so bis zur Machtübertragung an die NSDAP – den deutschen Faschismus – im Jahre 1933.

 

Mit diesen historischen Daten und den Stichworten „bekenntnisfreie und weltliche Schule" sowie „Lebenskunde" befaßt sich Horst Groschopp im achten Band seiner Reihe Humanismusperspektiven. Und das ist beileibe kein abgehaktes Geschichtsthema, sondern überaus aktuell. Denn nach wie vor ist der Grundsatz „Trennung der Schule von der Kirche" auch 100 Jahre nach Verabschiedung der WRV nicht real verwirklicht worden. Denn nach wie vor gelten in fast allen Bundesländern öffentliche Schulen mit konfessionellem christlichen Religionsunterricht als die „Regelschule". Und das, obwohl heuer nur noch eine Minderheit der Schüler christlichen Glaubens ist… Aber alle Vorstöße gegen diesen „alten Zopf" werden nicht nur von Klerikern, sondern von Politikern aller Couleur mit Vehemenz und raffinierter Rabulistik abgeblockt.

 

Diese unendliche – und überaus spannende Geschichte – wird von Horst Groschopp in seinem neuestem Buch in fünf Kapiteln erzählt. Ergänzt durch 19 überaus interessante Dokumente und eine rund 20 Seiten lange Bibliographie zu „weltliche Schule" und „Lebenskunde".

 

Groschopp widmet sich ausführlich Begrifflichkeiten, wie „bekenntnisfrei" und „weltlich", und wie diese stets und ständig anders interpretiert wurden und noch werden. Er verweist darauf, daß es sich bei Schulen, die in den 1920er Jahren so bezeichnet wurden, um au ch so benannte „Sammelschulen" handelte. In solchen Schulen wurden all die Kinder und Jugendlichen „gesammelt" die durch ihre Eltern vom Religionsunterricht abgemeldet waren. Für diese Schüler gab es dann „Lebenskunde-Unterricht", wobei auch dieses Fach unterschiedlich interpretiert und angelegt war. Hie als „Moral-Unterricht", dort eher als „Gesellschaftskunde".

 

Groschopp benennt die wichtigsten Akteure im Kampf für eine religionsfreie Schule im wilhelminischen Reich, während der Revolutionsjahre 1918/1919 sowie in den Jahren 1920 bis 1933. Ausführlich geht er auf entsprechende Organisationen, auf Schulreformer wie Rudolph Penzig sowie auf handelnde Politiker wie Adolph Hoffmann und Konrad Haenisch (beide Preußen) oder Max Greil (Thüringen) ein.

 

Aufgrund der politischen Mehrheitsverhältnisse kam nach 1919 nicht nur kein Reichsschulgesetz zustande, sondern alle „Neuerungen" im Schultyp blieben nur umstrittene und mit übler Rabulistik bekämpfte Notlösungen. So konnte sich im Bildungswesen der Föderalismus, die bürokratische und kirchenfreundliche „Kleinstaaterei", etablieren und bis heute sogar noch expandieren.

 

Nach der Machtübergabe an die Nazis lösten diese sofort die bisherigen „Sammelschulen", „weltlichen / bekenntnisfreien Schulen" auf und führten umgehend wieder den pflichtigen Religionsunterricht ein. Mit der Niederlage des faschistischen Deutschland im II. Weltkrieg und der Gründung zweier deutscher Staaten entwickelte sich nach 1945 das Schulwesen in West und Ost konträr. Im Westen blieb es bei der christlich-konfessionellen Regelschule, während im Osten die Trennung der Schule von der Kirche durchgesetzt wurde. Religiös gebundenen Kindern und Jugendlichen wurde aber durchaus Religionsunterricht – die „Christenlehre", jedoch auf freiwilliger Basis und außerhalb der Schule in kircheneigenen Räumen erteilt und war auch nicht zeugnisrelevant. Dafür fand aber der freidenkerische, schulreformerische Lebenskundeunterricht keine Wiederbelebung. Das Fach Staatsbürgerkunde hatte damit nur wenig zu tun. Aber all das war nach 1990 für die herrschende bundesdeutsche Politik Anlaß, dem Osten sofort westdeutsche Zustände aufzunötigen. Groschopp geht aber auch Westberliner Besonderheiten ein, wo es den Freidenkern durchaus gelang „Lebenskunde" als Weltanschauungsfach zu etablieren. Nicht unerwähnt bleibt außerdem, daß die Nazis ebenfalls ein „Lebenskunde" genanntes Schulfach einführten, daß jedoch biologistisch-rassistisch angelegt war.

 

Groschopp schreibt über all diese Konzepte, Ereignisse und Kämpfe überaus detailreich, so daß es schier unmöglich ist, hieraus zu zitieren. Seine Ausführungen und auch die Dokumente sind aber eine gute Handreichung für uns Heutige, für eine Weltlichkeit der Schule und für einen alle Schüler erfassenden lebens- und religionenkundlichen, ethischen Unterricht zu kämpfen.

 

Für den Rezensenten sind zwei der Dokumente (15 und 19) von besonderem Interesse. Zum einen Carl Theils Artikel aus dem Jahre 1932 „Zum Lebenskundeunterricht in Thüringen" (S. 243-260). Hierin geht er kurz auf die „Thüringer Gemeinschaftsschule", auf die „weltliche Schule" und auf die Geschichte des lebenskundlichen Unterrichts ein. Und fährt dann ausführlich fort mit den „Bestimmungen und Aufgaben des lebenskundlichen Unterrichts" und seine Stellung im Rahmen der Gemeinschaftsschule. Daran schließt sich ein detaillierter Stoffplan für das Fach Lebenskunde an. Dieser nahezu 90 Jahre alte Stoffplan ist übrigens derart tiefgehend und strukturell sogar noch aktuell, so daß er durchaus für heutige bildungspolitische Innovationen die Grundlage bilden könnte.

 

Und Theils Artikel ist auch noch sehr aufschlußreich, schreibt er doch, daß das vom Sozialdemokraten Max Greil in der ersten Hälfte der 1920er Jahre geführte Bildungsministerium bezüglich des Lebenskundeunterrichts in der „Gemeinschaft proletarischer Freidenker, Wirtschaftsgebiet Thüringen K.d.ö.R." einen Verhandlungspartner hatte. Dies ist einer der wenigen Belege dafür, daß die Freidenker in Thüringen (konkret die Vorläuferorganisation des Deutschen Freidenkerverbandes – DFV) den Körperschaftsstatus erhalten hatten. Was übrigens unter den folgenden bürgerlich-nazistischen Landesregierungen rückgängig gemacht wurde.

 

Von besonderem Interesse ist außerdem das Dokument 19, die Ausführungen von Andreas Goeschen „Aktuelle Rechtslage betreffend 'bekenntnisfreie (weltliche) Schule'" (S. 283-286). Zwar ein juristischer Fachtext, aber dennoch verständlich. Gerade Laizisten sollten sich mit diesem Text eingehend befassen, um juristisch fundiert ihre Forderungen vortragen zu können. Daher soll aus diesem doch zitiert werden.

 

Goeschen schreibt u.a.:

 

»Danach bietet das Grundgesetz nicht nur Platz für private bekenntnisfreie Volksschulen, deren Hintergrund ein nichtreligiöses weltanschauliches Bekenntnis ist, sondern auch für solche privaten Volksschulen, die bekenntnisfrei weil religionsfrei weil weltlich sind.

 

 

Im Ergebnis bedeutet dies, daß private Volksschulen in bekenntnisfreier (weltlicher) Form entsprechend Art. 7 Abs. 5 Alt. 2 GG überall dort zuzulassen sind, wo öffentliche Volksschulen dieser Art nicht bestehen. (…) kann somit festgestellt, daß abgesehen von den genannten Ausnahmen [Berlin, Brandenburg, Bremen; SRK], die öffentlichen Volksschulen in den Ländern der Bundesrepublik keine bekenntnisfreien (weltlichen) Schulen sind und daher private Volksschulen in bekenntnisfreier (weltlicher) Form zuzulassen sind, also Schulen, die nur eine Voraussetzung erfüllen müssen, nämlich religionsfrei zu sein.«

 

Zum Verständnis: Private Schulen sind aber nicht unbedingt Schulen, die auf privatkapitalistischer Basis betrieben werden, sondern sämtliche Schulen in sogenannter freier Trägerschaft werden darunter erfaßt. Natürlich wäre es einfacher, das Problem politisch zu lösen, indem z.B. die Landesparlamente die öffentlichen (staatlichen) Schulen per Gesetz zu bekenntnisfreien Schulen erklären…

 

Der Rezensent kann das vorliegende Buch aus der Reihe Humanismusperspektiven nicht nur allen organisierten Humanisten, Freidenkern und Laizisten empfehlen. Mehr noch sollte es in die Hände – und der Inhalt in die Köpfe – von Bildungspolitikern und Schulreformern gelangen. Ist es doch für alle eine gute Anleitung zum Nachdenken und Handeln im Interesse der nachwachsenden Generationen. Nicht separierende religiöse Indoktrinierung von Untertanen ist nötig, sondern eine humanistisch-universelle, integrierende Aufklärung, verbunden mit der Anleitung zum Selber-Denken.

 

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

 

Horst Groschopp: Weltliche Schule und Lebenskunde. Dokumente und Texte zur Hundertjahrfeier ihrer praktischen Innovation 1920. Bd. 8 der Reihe Humanismusperspektiven. 294 S.m.Abb. Taschenbuch. Alibri-Verlag. Aschaffenburg 2020. 28,00 Euro. ISBN 978-3-86569-219-1

 

http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/ueber-den-kampf-fuer-weltliche-schulen-und-lebenskunde/?fbclid=IwAR2uAA9ZHVdusw_tVGx0wE4P0w5EdoeMPbdi2uNRO9u5m5yGk6E7blrqcqY




Unbefugte Bildaufnahmen

Erinnern1973_04092020"Upskirting" wird strafbar. Eingebrachte Strafgesetzänderung:
§120a. (1) Wer absichtlich eine Bildaufnahme der Genitalien, der Schamgegend, des Gesäßes, der weiblichen Brust oder der diese Körperstellen bedeckenden Unterwäsche einer anderen Person, die diese Bereiche durch Bekleidung oder vergleichbare Textilien gegen Anblick geschützt hat oder sich in einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, ohne deren Einwilligung herstellt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen zu bestrafen.
(2) Ebenso ist zu bestrafen, wer eine durch eine Tat nach Abs. 1 hergestellte Bildaufnahme einem Dritten zugänglich macht oder veröffentlicht.

Am 4.9.2020 lief in der Sendung "Oberösterreich heute" wie immer freitags der Clip "Erinnern Sie sich?", Dabei ging es diesmal um einen Bericht über die Schuhmode von 1973, damals waren Damenschuhe mit hohen Absätzen modern, Ärzte warnten wegen Sturzgefahren davor.

Als Titelbild ein Screenshot aus dem TV-Bericht von 1973:

Das wird demnächst verboten! Von unten fotografierte oder gefilmte Unterwäsche!

Hier eine Vergrößerung:

Wer das nach der Strafgesetzänderung macht, dem kann das Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafen bis zu 720 Tagessätzen einbringen!

Aber am 4.9.2020 war es weder dem ORF, noch meinemeinem verboten, sowas zu zeigen! Was wird als nächstes kommen? Verbote von Minis wäre das Minderste! Weil wie man oben sieht, kann man ja bei kurz berockten Stiegengeherinnen die Unterwäsche sehen! Da müssten sich doch auch Damen strafbar machen, die solche Anblicke anbieten. Ändert die Gesetzesänderung! Alles wieder verdecken!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Machtspiele

Jakubov-MuehlePolitischer Islam — Ein Beispiel

Wer sein religiöses Bekenntnis bzw. seine Religionszugehörigkeit ständig und überall symbolisch zur Schau stellt, grenzt sich selbst aus, diskriminiert sich selbst, wird dann aber mglw. behaupten, von anderen diskriminiert zu werden.

Das Ziel dieses Verhaltens ist es, für sich eine Opferrolle beanspruchen zu können.

Eine Opferrolle verleiht Macht, gibt einem die Möglichkeit, von anderen Anteilnahme oder Mitleid wenigstens erwarten zu dürfen.

Religiöse Vorschriften und Gebote darf jeder für sich persönlich — und nur für sich persönlich — befolgen.

Religiöse Vorschriften und Gebote dürfen in einem freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat jedoch nicht über staatlichem Gesetz stehen, zumal sie nicht in demokratisch-rechtsstaatlichen Verfahren zustandegekommen und erlassen worden sind.

Das Zurschaustellen religiöser oder sonstiger weltanschaulicher Symbole z.B. durch Pädagogen während des Schulunterrichts stellt das persönliche religiöse / weltanschauliche Bekenntnis der Pädagogen über das Neutralitätsgebot des Staates, hebt also religiöse Gebote und Vorschriften über staatliches Gesetz.

Das halte ich für gesetzeswidrig / verfassungswidrig. Der Staat hat keine Religion und keine Staatsweltanschauung.

~ ~ ~

Hintergrund meines Statements ist ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 27. August 2020, Aktenzeichen 8 AZR 62/19, Pressemitteilung Nr. 28/20.

_____
Beitragsbild:
Mühle Jakubov bei Karlovy Vary.
Urheber: cs:ŠJů
Source: Wikipedia, Datei:Vodn%C3%AD_kolo.jpg


PDF des Beitrags
incl. der Pressemitteilung
(5 Seiten, Format A5)

Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net

Alle von mir für diese Website verfassten und auf dieser Website veröffentlichten Texte dürfen — möglichst mit Quellenangabe — von jedermann in beliebigem Umfang verwendet und zitiert werden.




Prophezeiungen über Coronatote!

Colleagues in the office practicing alternative greeting for safety and protection during COVID-19

Colleagues in the office practicing alternative greeting for safety and protection during COVID-19

Am 28.6.2020 hatte OE24 gemeldet:

'Ein erneuter Ausbruch in einigen europäischen Ländern ist so gut wie sicher', sagte IHME-Direktor Dr. Christopher Murray. (..)
In seinen ersten Hochrechnungen, in denen verschiedene Maßnahmen zur Kontrolle der COVID-19-Übertragung verglichen werden, prognostiziert das "Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) an der University of Washington", dass bis zum 1. Oktober 47.924 Menschen (zwischen 46.131 und 50.319) in Großbritannien sterben werden. (..)"

Den Link dazu hat sich meinereiner aufgehoben, schauen wir einmal, wieweit diese Voraussagen schon sind, heute am 30.8.2020, also ca. einen Monat vorm Oktober, gibt es in Großbritannien 41.498 Tote, da werden wohl die fehlenden 6.500 auch noch zu schaffen sein!
Für Italien werden bis zu diesem Datum 41.756 Todesfälle (zwischen 39.437 und 45.773) und für Frankreich 30.391 (zwischen 30.175 und 30.705) vorhergesagt. Die Prognose für die Türkei lautet insgesamt 29.895 Todesfälle (zwischen 9.868 und 117.022), wobei Mitte August mit einem erneuten Ausbruch des Virus gerechnet wird. (..)
30.8.2020: Italien: 35.473 / Frankreich: 30.602 / Türkei: 6.284 – Italien könnte sich ausgehen, Frankreich hat das Plansoll jetzt schon erreicht, die Türkei liegt am unteren Rand der Schätzung!

Aber es gab ja damals eine lange Hitparade der Corona-Toten, bei Österreich stand z.B.: 874 (zwischen 714 und 1.630), am 30.8. waren es 733. Da der Zuwachs an Toten im August nur 15 betrug, wird es sich wohl bis Oktober mit den 874 nicht ausgehen. Aber schauen wir einmal die USA an, aber für die USA wurde leider nichts prophezeit!
Schauen wir uns Russland an: 19.105 (zwischen 15.336 und 25.148), dort wird der Plan wohl erfüllt werden, jetzt sind es 17.025!

Nehmen wir Deutschland: 11.555 (zwischen 10.704 und 13.164)  – heute sind es 9.363, schaffen das die Piefke noch? Im August gab's nur 140 Tote, also etwa das Zehnfache von Österreich in der 10x größeren BRD, das wird wohl auch dort nix mehr!
Nehmen wir das recht sterbefreundliche Schweden: 5.754 (zwischen 5.434 und 6.319), da gab's bisher schon 5.821 Tote, weil Schweden war sehr coronaliberal!

Schauen wir uns die umliegenden Länder an, Schweiz: 2.203 (zwischen 2.048 und 2.506), am 30.8. sind es 2.005, die 2.200 wären wohl noch erreichbar, Tschechien: 353 (zwischen 349 und 359), da liegt man mit 421 schon drüber, aber es sind auf die Einwohner gerechnet deutlich weniger als in Österreich (pro Mio. Einwohner 37:81)! Vermutlich macht man dort weniger Ansteckungsreisen auf den Balkan. Sehen wir uns dazu einmal Kroatien an: 1.498 (zwischen 127 und 17.149), das ist eine großzügige Bandbreite, am 30.8. sind es nur 183. Aber man darf wohl die offiziell erhobenen kroatischen Zahlen anzweifeln, weil sonst würden sich ja nicht so viele Urlauber den Coronavirus dort abholen können!

Aber nehmen wir den Rest der österreichischen Umgebung auch noch! Ungarn: 602 (zwischen 588 und 629), 614 hat man dort schon, Slowakei: 29 (zwischen 29 und 29), es sind schon 33, aber das ist ja zur Einwohnerzahl sehr wenig, pro Mio. Einwohner sind das bloß fünf! Aber dort ist man ja mit dem Ausland sehr vorsichtig, im Asylwesen ist z.B. die Slowakei überlegen der Minuseuropameister! Slowenien: 112 (zwischen 112 und 112), da ist man mit 133 schon drüber.

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus ist im August besonders erfolgreich gewesen, der Monatsvergleich von März bis August pro Tag:
Infizierte pro Tag

März 2020: 33.883
April 2020: 101.851
Mai 2020: 95.324
Juni 2020: 143.950
Juli 2020: 231.456
August 2020: 255.240

Die Welt ist also fest im Griff des Coronavirus. Es kommt auf die entsprechende Leistungsfähigkeit der Regierungen und staatlichen Verwaltungen an, die Opferzahlen zu senken, Todesfälle zu vermeiden.

Hier dazu noch zwei Hitparaden mit ausgewählten Staaten:

Diese Auszüge aus einer weltweiten Hitparade aller Corona-Toten bzw. Corona-Infizierten zeigen Österreich auf eher hinteren Plätzen, die USA ziemlich weit vorne, überragender weit hinten ist jeweils China.

Der Coronavirus wird uns weltweit (abgesehen von China) auch erfolgreich ins Jahr 2021 begleiten!

 

 

 




22.8.: Tag der Apostasie

Apostasie@01D67879Aussendung von Hartmut Krauss vom 22.8.2020:

Der 22. August 2020 wurde  als erster "Tag der Apostasie" von einer internationalen Koalition ex-muslimischer Organisationen ins Leben gerufen.

Apostasie ist der Verzicht oder die Abkehr von der Religion. Sie wird in Afghanistan, Iran, Malaysia, den Malediven, Mauretanien, Katar, Saudi-Arabien, Somalia, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Jemen mit dem Tode bestraft und ist in vielen weiteren Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit strafbar. In Pakistan wird ein Nichtglauben an Gott nach einem Blasphemiegesetz mit der Todesstrafe geahndet. In Saudi-Arabien wird Atheismus mit Terrorismus gleichgesetzt.

In einigen Ländern ohne Todesstrafe ermorden Islamisten diejenigen, die als Abtrünnige gelten, unter anderem in Bangladesch und in der muslimischen Minderheit Indiens. In vielen Ländern, wie z.B. in Europa und Nordamerika, können Abtrünnige mit Drohungen, Missachtung und Gewalt aus Gründen der "Ehre" konfrontiert werden, auch von ihren Familien. Auch Personen mit orthodoxem jüdischem, christlichem, hinduistischem und anderem Hintergrund können wegen ihres Glaubensabfalls mit Ablehnung und Gewalt konfrontiert werden.

Der 22. August wird als Tag des Glaubensabfalls gewählt, weil er der UNO-Tag zum Gedenken an die Opfer von Gewalttaten aufgrund von Religion oder Glauben ist. Darüber hinaus markiert der späte August den Beginn einer zweiten Welle von Massenhinrichtungen von Abtrünnigen im Iran im Jahr 1988 nach kurzen "Prozessen". Tausende, die auf Fragen wie "Sind Sie Muslim?", "Glauben Sie an Allah?", "Ist der Heilige Koran das Wort Allahs?", "Akzeptieren Sie den Heiligen Muhammad als Siegel der Propheten?", "Fasten Sie im Ramadan?", "Beten Sie und lesen Sie den Heiligen Koran?" negativ antworteten, wurden kurzerhand hingerichtet.

An diesem neu eingeführten Tag der Apostasie erneuern wir die Aufrufe für
• das Gedenken an die Opfer der Apostasiegesetze
• ein Ende der Kriminalisierung und der Todesstrafe für Apostasie in Ländern mit islamischem Recht
• ein Ende der Missachtung, der Drohungen und der "ehr"-bezogenen Gewalt für die Familien von Abtrünnigen
• Bekräftigung der Gedanken-, Gewissens• und Glaubensfreiheit sowie der Meinungs- und Ausdrucksfreiheit in Übereinstimmung mit der Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (Artikel 18 & 19).

Hier kann man diese Petition unterzeichnen!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Aktuelle Herausforderungen für die Zukunft Europas

Albayati092015Neues Buch von Dr. Amer Albayati:

Europa braucht echte Loyalität ohne Einfluss aus dem Ausland – Wir sollten Sicherheit und sozialen Frieden in Europa bewahren

Das neue Buch von Dr. Amer Albayati "Aktuelle Herausforderungen für die Zukunft Europas" (ISBN: 978-3-904123-44-0), ist am 17.8.2020 als elektronisches Buch bei Amazon.com erschienen, später folgt auch Printversion. Es beinhaltet das Konzept in kurzen und bündigen Beiträge, weil man im Zeitalter des Internets und der sozialen Netze eine Flut von Information bekommt, die Menschen haben kaum noch Zeit, lange Texte zu lesen, darum ist es das Konzept, viele wichtige und aktuelle Schwerpunkte in Europa kurz und bündig zu präsentieren.

Dr. Albayati hat als 18-Jähriger vor 60 Jahre als Journalist für internationale Medien in Europa zu arbeiten begonnen, sein Ziel ist es nicht, Geld zu verdienen oder die Aufmerksamkeit der Medien zu erreichen, er will seine progressive Haltung in Europa und für Europa bewahren, ohne Profit oder Eigenwerbung zu betreiben, nur wegen seiner Liebe zu allen positiven Menschen in Europa.

Er hat wiederholt bekräftigt, allgemein "Hass und Hetze" gegen Religionen, vor allem gegen Christen, Juden und Israel, Menschen anderer Herkunft, gegen anders Denkende und mit anderen Veranlagungen zu stoppen und vollen Respekt und friedliches Miteinander zu praktizieren, um Probleme und Gegensätze in Europa zu vermeiden.

Der Corona-Virus hat in kurzer Zeit gezeigt, wie schwach wir sind und wie notwendig es ist, Problemlösungen gemeinsam zu implementieren, um in Europa unsere friedliche Zukunft zu realisieren. Europa hat noch viele offene Herausforderungen, nicht nur im Schatten der Corona Pandemie, sondern auch noch überhaupt unbehandelte Herausforderungen, im Rahmen der verfehlten Integration als Dauerbrenner: gewährte allgemeine falsche islamistische Freiheiten, speziell im Bereich der Frauenrechte in Europa, Moscheen mit aggressiven Eroberer-Namen gehören nicht nach Europa und dürfen deshalb nicht sein, brutal-blutige IS-Kämpfer, Ausreißer und Rückkehrer laufen in Europa frei herum, leben unter uns klar gesagt straffrei, wir bleiben auf Dauer in einem gefährlichen Pulverfass sitzen, der Islamunterricht in unseren öffentliche Schulen ist völlig ohne Kontrolle nach europäischen Maßstäben und von unserer Moral und Ethik fern geblieben. Deshalb ist Ethikunterricht für alle, auch für Muslime erforderlich, es gibt keine Trennung zwischen Staat und Religion, aber Muslime in Europa müssen das endlich begreifen, die konservative Islamauslegung ist für unsere Gesellschaft in vieler Hinsicht eine Belastung, islamistische Vereine und Organisation mit Einfluss aus dem Ausland sind in Europa ohne richtige Behandlung gang und gäbe, d.h. sie bilden einen Staat im Staat, predigen frei ohne Kontrolle und keine Verantwortliche will diesen Hass und diese Hetze stoppen.

Die politischen Islamorganisationen und Vereine versuchen ständig unsere Politik und Gesellschaft zu unterwandern, leider wird das weiterhin von bestimmten Politikern und manchen Journalisten entweder geduldet oder sogar unterstützt, das ist ein Skandal ohne gleichen und gehört beendet. Wir wollen, dass Politiker und Journalisten die Unterstützung konservativ-fundamentalistischer Islamisten dubioser Organisationen stoppen. Es gibt viele illegale Moscheen sogar ohne Baupolizei-Genehmigung, es müssen endlich Gesetzesbrecher gestoppt werden.

Im Islam gibt es keine Hierarchie oder Priestertum. Deshalb ist das Islamgesetz in Österreich eine Farce, weil einem konservativ-fundamentalistischen Verein wie der Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) Legitimation verleiht und Einflüsse aus dem Ausland durch Hintertüren erlaubt. Diese Minderheit darf nicht im Namen aller Muslime sprechen, denn viele islamische Konfessionen werden dadurch benachteiligt, sogar durch solch ein falsches Konstrukt diskriminiert.

Das Kopftuch wird im Koran nicht explizit erwähnt und ist bei Kindern überhaupt nicht nötig. Muslime in Europa müssen nicht versuchen, konservativ-fundamentalistische und veraltete Sitten und Gebräuche aus dem Ausland nach Europa zu importieren. Auf die Herkunftsländer gerichtete Satellitenschüssel verursachen ein Vakuum an Wissen was in Europa praktisch geschieht.

Wichtig ist, Muslime müssen loyal zu den Ländern sein, wo sie leben und zu Europa stehen, sonst können sie die Moderne niemals errichten.

Halal-Zertifizierung (Lebensmittel nach islamischer Shariaa) in Europa (für jedes Stückpapier zwischen 5.000 und 20.000 Euro, von großen Firmen werden sogar 30.000 Euro und mehr verlangt) bedeutet höhere Geld-Belastung für den Export-Import aus Europa, und die meisten Einnahmen gehen weltweit in die Milliarden Euro, sowieso zu Gunsten der Muslimbrüder und Organisationen des politischen Islam und Co. Diese falsche Praxis muss geändert werden.

Unsere unermüdlichen Aktivitäten im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens mit Moslems, ohne Aufrufe zu Gewalt oder Jihad, ohne Belohnung von Jihad-Gewalt im Paradies, mit allgemeiner Gleichberechtigung von Frauen mit Männern, mit Meinungsfreiheit, Demokratie, Parallelgesellschaften mit Religionsfreiheit verhindern ohne Wenn und Aber bevor es zu spät ist!

Also echte europäische Identität und tatsächliche Loyalität mit dem Europa, wo man ohne Einfluss aus dem Ausland oder politischen Islam-Organisationen lebt, löst viele Probleme und unterstützt unsere Sicherheit und den sozialen Frieden in Europa.

Das neue Buch von Dr. Albayati kann bei Amazon bestellt werden!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Studie zu Corona-Folgen in USA

corona-virusBis zu 40 Millionen Mietern droht Räumung

Die US-Wirtschaft steckt infolge der COVID-19-Pandemie in einer schweren Krise. Die Arbeitslosenquote liegt bei zehn Prozent. Einer Studie zufolge steht Millionen Menschen eine Zwangsräumung bevor, weil sie nach dem Verlust ihres Jobs die Miete nicht mehr zahlen können.

Die größte Volkswirtschaft der Welt befindet sich trotz Lockerungen der Corona-Auflagen immer noch in einer schweren Krise. Infolge der COVID-19-Pandemie war die Wirtschaftsleistung in den USA im zweiten Quartal trotz massiver Konjunkturpakete dramatisch eingebrochen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank auf das Jahr gerechnet um 32,9 Prozent – der stärkste Rückgang seit 1947.

Rund 17 Millionen Menschen beziehen derzeit in den USA Arbeitslosengeld
Die Pandemie führte im Land zu Massenarbeitslosigkeit. Allein in den letzten Juli-Wochen stellten nach Angaben des US-Arbeitsministeriums mehr als 1,4 Millionen US-Bürger einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe. Die Arbeitslosenquote lag im Juli bei gut zehn Prozent. Vor der Pandemie hatte sie noch bei 3,5 Prozent gelegen. Insgesamt rund 17 Millionen Menschen sind derzeit in den USA als Empfänger von Arbeitslosenhilfe der Bundesstaaten registriert. Die Höhe der Beträge ist von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich. In Florida beispielsweise erhalten arbeitslose Erwerbsfähige wöchentlich höchstens 275 Dollar. In New Jersey hingegen sind es höchstens 536 Dollar in der Woche.
Nun zeigt eine Analyse, dass die Jobverluste und die prekäre wirtschaftliche Lage zahlreicher US-Bürger zu massenhafter Obdachlosigkeit im Land führen könnten. Zwischen 30 und 40 Millionen Mietern in den USA droht in den kommenden Monaten eine Zwangsräumung, weil sie ihre Miete nicht mehr zahlen können. Zu diesem Ergebnis kam die Studie einer Gruppe von Forschern renommierter Hochschulen wie dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Universität Princeton. Vor der COVID-19-Pandemie kam es in den USA jährlich zu etwa 3,7 Millionen Zwangsräumungen.
Besonders stark gefährdet sind laut den Wissenschaftlern Angehörige von Minderheiten, darunter Schwarze und Latinos. Nach Angaben der Experten könnten gar bis zu 43 Prozent aller Miethaushalte betroffen sein. Es drohe die "womöglich schwerwiegendste Unterkunftskrise in der Geschichte" des Landes, warnten die Experten. Grundlage für die Analyse waren demnach vor allem Befragungen von Mietern und deren Angaben zu ihrer finanziellen Situation.

Rund 100 Millionen US-Amerikaner leben in Mietimmobilien
Besonders für Immigranten hatte die Pandemie schwere wirtschaftliche Folgen, da sie oft kein Anrecht auf Arbeitslosenhilfe haben. Zudem haben viele keinen geregelten Aufenthaltsstatus und gehen aus Angst vor einer Abschiebung selten rechtlich gegen Zwangsräumungen vor. Rund 100 Millionen US-Amerikaner leben in Mietimmobilien. Ausbleibende Zahlungen drohen auch Immobilienbesitzern, die Schwierigkeiten bekommen könnten, ihre Immobilien-Kredite zu bedienen, warnten die Forscher.
Ein vorübergehendes Verbot von Zwangsräumungen auf Bundesebene für bestimmte Immobilien wegen der Corona-Krise lief Ende Juli aus. Auch in mehreren Bundesstaaten waren ähnliche Regelungen ausgelaufen. Zudem hatten arbeitslose Amerikaner ebenfalls bis Ende Juli zusätzlich zur Arbeitslosenhilfe ihres Bundesstaats noch 600 Dollar pro Woche im Rahmen eines Corona-Rettungspakets der Regierung bekommen. Bislang konnten sich Regierung, Republikaner und Demokraten jedoch nicht auf ein weiteres Konjunkturpaket  einigen.

Trump ordnet Teile eines neuen Corona-Konjunkturpakets per Verfügung an
Nachdem die Verhandlungen im US-Kongress gescheitert waren, ordnete US-Präsident Donald Trump am vergangenen Wochenende Teile eines neuen Corona-Konjunkturpakets per Verfügung an. Dieses sieht bis zu 400 US-Dollar an zusätzlichen Hilfen für Arbeitslose pro Woche bis zum Jahresende, weniger Zwangsräumungen zahlungsunfähiger Mieter und einen Aufschub bei der Zahlung von Sozialversicherungsabgaben vor.
Nach Meinung von Kritikern stehen Teile seiner Verfügungen aber auf sehr dünnem Eis, denn alle Maßnahmen, die neue Finanzmittel erfordern, bedürfen der Zustimmung des US-Kongresses. Dort wären Trumps Republikaner aber auf einen Kompromiss mit den Demokraten angewiesen. Trump will das Problem umgehen, indem er bestehende Mittel umwidmet, zum Teil aus vorigen Konjunkturpaketen und aus eisernen Reserven des Katastrophenschutzes. Trotzdem dürften die Mittel Kritikern zufolge bestenfalls ausreichen, um das zusätzliche Arbeitslosengeld für ein paar Wochen zu zahlen. Zudem wird wohl schon bald gegen Trumps Alleingang geklagt werden.

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Joe Biden: Gottloser Linksradikaler

BidenUS-Präsident Trump liegt aktuell bei den Meinungsumfragen zur Präsidentenwahl im November 2020 mit Differenzen von fünf bis zehn Prozent hinter seinem Konkurrenten Joe Biden.

Wie der KURIER am 7.8.2020 berichtete, versucht sich Trump nun mit entsprechender göttlicher Hilfe, es heißt dort u.a.: "US-Präsident Donald Trump wirft seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden Gottlosigkeit vor. 'Er folgt einer radikal linken Agenda, er will euch eure Waffen nehmen, er will den zweiten Verfassungszusatz – das Recht auf Waffenbesitz – zerstören, keine Religion, nichts, er will die Bibel verletzen, Gott verletzen', sagte der Republikaner am Donnerstag."

Ja, der Trump selber ist zwar katholisch, aber um die Evangelikalen, also die schlichtweg tief einfältigen religiösen Fundis, die etwa 30 % der US-Wähler ausmachen, muss er sich natürlich kümmern, weil dort kann sich ein Trump die Stimmen der im Geiste Armen holen, für einen Trump sind das die wichtigsten Stimmen, denn er ja passt selber dort genau dazu!

Es gibt in den USA mehr private Schusswaffen als Einwohner, das muss natürlich so bleiben, weil das hat sich schon im Wilden Westen radikal bewährt! Und Gott wird natürlich dem Trump helfen müssen, sonst gibt's einen gottlosen Präsidenten!

Aber warum hilft Gott dem Trump nicht gegen den Corona-Virus?

Hier wieder einmal eine Grafik, sie zeigt die tägliche Vermehrung der Corona-Toten in den USA vom 1.7. bis zum 7.8. 2020:

Die Bögen nach unten zeigen jeweils die Sonntage, am "Tag des Herrn" werden wohl deutlich weniger Totenscheine ausgestellt, das wird dann dienstags und mittwochs abgearbeitet.

Aber schauen wir uns die echten Zahlen der Infizierten, neu Angesteckten und Toten für denselben Zeitraum an:

Man sieht: vom 1.7. bis zum 7.8.hat sich die Zahl der Infizierten beinahe verdoppelt, in Österreich stieg die Zahl nur um rund 20 %! Die Neuangesteckten gehen in den USA nicht zurück, sondern steigen eher, die Toten stiegen um ca. 25 %, in Österreich waren das bloß zwei Prozent.

Man kann also feststellen Bibel, Gott und Schusswaffen helfen den Amerikanern nicht! Und ein Präsident Trump ist ein hochqualifizierter Schadensstifter! Einem als gottloser Linksradikaler Beschimpften würde sowas nicht passieren…

 




Lutherstadt Wittenberg: Judenhass — in Stein gemeißelt

JudensauWEIMAR. (fgw) Anfang Juni haben Demonstranten in der englischen Hafenstadt Bristol die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston aus dem 17. Jahrhundert vom Sockel gezerrt und in das Hafenbecken gekippt. Dieser Herr betrieb als Chef der Firma „Royal African Company“ den lukrativen Transport Zehntausender Afrikaner über den Atlantik, damit sie sich in der Karibik und der Kolonie Virginia auf Zuckerplantagen mit gewinnbringender Arbeit zu Tode schuften konnten.

 

(Foto: KHL)

Gegen Sklaverei gab es in den folgenden Jahrhunderten immer wieder Widerstand, Aufruhr und Revolutionen, bei denen – bis heute hin – auch die Denkmäler der Unterdrücker und Herrschenden gestürzt wurden.

 

Von solchen Rebellionen waren stets auch Religion und Kirche betroffen. In Deutschland, während der Bauernkriege in der Reformationszeit, wurden Heiligenbilder und Altäre aus den Gotteshäusern geworfen und zerschlagen – dem sogenannten Bildersturm -, um dem Mummenschanz der verhassten katholischen Kirche ein Ende zu bereiten. Verständlich. Weniger verständlich ist aber, dass sich gleichzeitig unter den gerade eben von der katholischen Kirche schmerzhaft emanzipierten Lutheranern ein bereits zuvor entstandener christlicher Antijudaismus breit machte, der in den folgenden Jahrhunderten immer heftiger wurde. Er nahm Gestalt an in Form von Denkmälern und Schmähfiguren, wie z.B. an der Stadtkirche in Wittenberg. Die an der Ausbeutung und Unterdrückung der christlichen Bauern und Bürger durch die feudale Fürstenherrschaft ganz und gar unschuldigen jüdischen Mitbewohner wurden auch für die neue, protestantische Kirche in Deutschland zum Zielpunkt und „Sündenbock" einer vehementen Diffamierungskampagne. Von dieser anderen – dunklen – Seite der Auseinandersetzung mit Denkmälern soll hier die Rede sein.

 

Katholische Päpste wie Lutheraner gegen die Juden

Die Stadtkirche in der Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt ist nicht irgendeine evangelische Kirche, sondern – und darauf legt sie selbst großen Wert – sie ist „Mutterkirche der Reformation" und die Predigtkirche Martin Luthers, die Kirche also, „wo alles begann", was protestantische und lutherische Identität seit 1517 ausmacht. Nun war dort, wie in vielen anderen Kirchen in Deutschland, im 13. Jahrhundert ein Relief als eine die Juden bewusst verhöhnende und verspottende Schmähplastik angebracht worden, ganz auf der Linie des in dieser Zeit von der päpstlichen Kirche betriebenen christlichen Antijudaismus. Bevor seit dem 11. Jahrhundert in den Kreuzzügen die Muslime in Jerusalem zu bekämpfen waren, vertrieb und vernichtete die Kirche erst einmal durch zahlreiche Pogrome die Juden im eigenen Land. Und dafür mussten Juden in kirchlicher Propaganda dauerhaft verhöhnt und verspottet werden. Dazu dienten die Wandbilder wie die bis heute hin sogenannte „Judensau". Deren Funktion wurde ungetrübt auch von den Kirchen der Reformation übernommen.

 

Auf dem südöstlichen Flügel der Stadtkirche in Wittenberg befindet sich in mehreren Metern Höhe das Sandsteinrelief, versehen mit dem Schriftzug „Rabini Schem Ha Mphoras". Das Bildnis stammt ursprünglich aus dem Jahre 1290, der besonders schmähvolle Schriftzug wurde im Jahr 1570 angebracht. Das Relief stellt ein Schwein (die sogenannte „Judensau") dar, an dessen Zitzen Menschenkinder säugen, die durch ihre Spitzhüte als Juden identifiziert werden sollen. Eine ebenfalls durch einen Hut als Rabbiner zu erkennender Figur hebt mit der Hand den Schwanz der Sau und blickt ihr in den After. Die Inschrift zitiert wörtlich aus Martin Luthers 1543 veröffentlichten antijudaistischen Schmähschriften „Von den Juden und ihren Lügen" sowie „Vom Schem Hamphoras und vom Geschlecht Christi". Luther selbst erläutert diesen Satz in seiner Schrift: „Hinter der Saw stehet ein Rabin, der hebt der Saw das rechte Bein empor, und mit seiner lincken hand zeucht er den pirtzel uber sich, bückt und kuckt mit grossem vleis der Saw unter dem pirtzel in den Thalmud hinein, als wolt er etwas scharffes und sonderlichs lesen und ersehen."

 

Dies „Denkmal" blieb ungeschoren bis in die nahe Gegenwart. Erst zu DDR-Zeiten 1988 wurde unterhalb des Schmähreliefs eine Bodenplatte installiert, die sich von der Judenverhöhnung und ihren mörderischen Folgen distanziert. „Gottes eigentlicher Name… starb in sechs Millionen Juden unter einem Kreuzeszeichen", heißt es in dem dort angebrachten Text. Doch allein diese, die jüngsten gegen die Juden in aller Welt im Holocaust vollzogenen Verbrechen kommentierende Botschaft, ist bereits theologisch und historisch fragwürdig. Denn im Zusammenhang damit wird auf der Bodenplatte auch der Anfang des Psalms 130 in hebräischer Schrift zitiert – also direkt an die jüdischen Betrachter gerichtet: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Herr, höre meine Stimme! Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens! Wenn du, Herr, Sünden anrechnen willst – Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte." Auschwitz, die Vernichtung von sechs Millionen Juden also verstanden als Folge der Sünden des jüdischen Volkes? Auf diese Weise wird das sogenannte „Mahnmal" leider zu einer modernen Neuauflage der antijüdischen Theologie Martin Luthers.

 

Zu dem großen Reformationsjubiläum 2017 ließ die Wittenberger Kirchengemeinde mit öffentlicher Unterstützung sowohl das mittelalterliche Schmährelief an der Stadtkirche als auch die hinzugefügte Bodenplatte sorgfältig renovieren. Aber sonst blieb alles beim Alten: die Juden waren nicht nur die Schweine, sondern sogar die Sünden-Böcke und Verursacher für den Holocaust selbst. Müsste dieses Relief sachgemäß daher nicht besser als „Luthersau" oder „Kirchensau" benannt werden? Die Gemeindemitglieder der Wittenberger Stadtkirche gedachten nichts zu verändern und hielten mit allen Mitteln an dem Relief fest und bekamen dafür auch viel prominente Unterstützung. Natürlich machte sich dabei niemand die Aussagen über den Antijudaismus dieser Figur unmittelbar zu eigen. Die Verfechter für den Verbleib der Figur ignorierten ganz einfach, dass der einzige Zweck der Kirchensau darin besteht, jüdische Menschen zu kränken und zu verletzen.

 

Forderung nach Abriss des antijüdischen Reliefs

Erfreulicherweise entstand aber bald danach die Forderung nach Abnahme des schmählichen Reliefs. Michael Düllmann, Mitglied einer Berliner jüdischen Gemeinde, klagte gegen den Verbleib des antisemitischen Reliefs. Er fühle sich durch diese Darstellung schlichtweg beleidigt und forderte die Entfernung. Die Debatte wurde so auch über die Kirchengrenzen hinaus in Gang gebracht. Noch einmal wurde der Gemeinde und ihren Sympathisanten damit Gelegenheit gegeben, ihre starre Haltung zu bedenken. Aber nichts dergleichen geschah. Die Kirchengemeinde der Stadtkirche nahm die Wirkung der Schmähskulptur weiterhin billigend in Kauf – obwohl sie sich die beleidigende Wirkung der Schmähskulptur nicht zu Eigen machen wolle – und weigerte sich, sie zu entfernen. Nun wurden theologische und politische Argumente ins Feld geführt, die deutlich eine erschreckende Toleranz für, wenn nicht gar Nähe zu den klassischen und modernen antisemitischen Klischees offenbaren. Obendrein wies der 9. Zivilsenat des Oberlandesgerichts des Landes Sachsen-Anhalt die Klage ab und entschied im Februar 2020: Das Relief bleibt.

 

Anlässlich der Debatte um das Entfernen oder Nicht-Entfernen der Schmähfigur meldete sich in der liberal-protestantischen Monatsschrift „Zeitzeichen" Dr. Stephan Block zu Wort. Er ist der verantwortliche Pastor der Wittenberger Stadtkirchengemeinde, und resonierte darüber, dass der Kläger Michael Düllmann mit seiner Klage die Haltung der Gemeinde „noch verfestigt" habe. Dieser sei für das Festhalten der Kirchengemeinde an der antijüdischen Schmähung mitverantwortlich! Welch ein Vorwurf! Ein Muster des klassischen Antisemitismus: die Juden haben selbst schuld, wenn sie geschmäht und drangsaliert werden. Und schon war es auch nicht mehr weit zur Gleichsetzung von Opfern und Tätern: „Dabei leiden wir genauso unter der Plastik wie der Kläger", so Pastor Block.

 

Wer jetzt denkt, dass die Wittenberger Gemeinde ihr Leiden schnell beenden könnte, muss sich noch einmal belehren lassen: Das Relief sei ein „schwieriger Teil eines Erbes", der aber „nicht verleugnet" werden dürfe. „Nach jüdisch-christlichem Verständnis gibt es keine tadellos perfekte Geschichte. Aber es gibt die Kraft der Vergebung und Versöhnung, die selbst aus Bösem Gutes werden lässt." Eindrucksvoller lässt sich kaum dokumentieren, wie die Aneinanderreihung kirchlicher Floskeln zu blankem Zynismus verkommt. Wohlklingender kann man die jahrtausendalte Judenfeindschaft bis hin zu dem auch von den lutherischen Kirchen unterstützten antisemitischen Vernichtungswahn des Großdeutschen Reiches kaum zusammenfassen. Dazu noch einmal ein kleiner historisch-theologischer Überblick.

 

Die antijüdische christliche Tradition

Judenfeindschaft war und blieb Teil christlicher Identitätsfindung von Anfang an. In Konkurrenz und Abgrenzung zu der seit Jahrhunderten etablierten Religion der Juden im Nahen Orient verfassten alle namhaften frühchristlichen Kirchenväter judenfeindliche Schriften. Die Ablehnung der Juden und ihre Verwerfung durch Gott wurden festes Programm, das die christlichen Gemeinden mehr und mehr übernahmen. Das war für sie in ihren heiligen Schriften der Evangelien und den Briefen der Apostel so festgeschrieben. Diese Grundhaltung steigerte sich noch, als das Christentum im vierten und fünften Jahrhundert zur – ausschließlichen – Staatsreligion avancierte. Ab jetzt zeigte die Judenfeindschaft auch praktische Auswirkungen wie tätliche Übergriffe und Synagogenschändungen. In den verschiedenen Epochen des fast tausendjährigen europäischen Mittelalters trat die Judenfeindschaft in sich veränderten Ausdrucksformen und Zusammenhängen auf. Dabei bildet der Glaubensgegensatz die Basis für eine oft erbitterte soziale Ablehnung.

 

Die jüdischen Heiligen Schriften, das sogenannte Alte Testament, wurde auf Jesus hin als den in diesen Schriften verheißenen Erlöser gelesen. So war es – im Galaterbrief und dem Brief an die Hebräer besonders ausgeprägt – ein zentrales Anliegenden nachzuweisen, dass die Angehörigen des Judentums in ihrer heilgeschichtlichen Sendung durch die Angehörigen des Christentums abgelöst worden seien. Hier ist der Ursprung der in der Geschichte so wirkmächtigen und gleichzeitig fatalen Substitutionslehre zu finden. Sie setzt die christliche Kirche an die Stelle des ursprünglich von Gott erwählten Volkes, für sie gelten nun alle Verheißungen, die nach den Schriften Gott dem Volke Israel gegeben hat. Die Juden – so die christliche Theologie – werden damit nicht nur ihres Bundes mit Gott enterbt, es trifft sie auch die Anschuldigung des Christusmordes: „Diese [Juden] haben sogar den Herrn Jesus getötet und die Propheten und haben auch uns verfolgt. Sie gefallen Gott nicht und sind allen Menschen feind", so im Brief des Paulus an die Thessalonicher 2,15. Und dieser Gottesmordvorwurf sollte im Laufe der christlichen Geschichte die zentrale Argumentationsfigur werden, die die Juden absolut disqualifizierte.

 

Im evangelischen Bereich kann das Beispiel des Reformators Martin Luther (1483 – 1546) als besonders Ekel erregend angesehen werden. Nachdem sich Martin Luther in humanistischer Tradition den hebräischen Schriften zuwandte, um das „Alte Testament" ins Deutsche zu übersetzen, von Juden dafür auch begeisterte Echos erhielt, kippte seine Liebe zur jüdischen Tradition um in blanken Judenhass: denn sie wollten trotz der in der Reformation neu gewonnenen Klarheit des Evangeliums nicht zum Christentum konvertieren. So schrieb er 1543 die schreckliche Schrift „Von den Juden und ihren Lügen", die auch direkte Anleitung zu Gewaltausschreitungen gegen Juden gab: Synagogen anzuzünden, jüdische Häuser abzubrechen, jüdische Bücher wegzunehmen, den Rabbinern unter Androhung der Todesstrafe das Lehren zu verbieten, Juden das Reisen zu untersagen, Juden den Geldhandel zu verbieten, ihr Geld zu enteignen, Juden zu körperlicher Arbeit zu zwingen, Juden des Landes zu verweisen… Luther wirft den Juden vor, dass sie sein christlich-messianisches Denken nicht übernehmen wollten. Er wollte Juden nur dann akzeptieren, wenn sie Christen werden und ihr Juden-Sein aufgeben würden. Er übernahm damit das alte christlich-mittelalterliche Modell der Inquisition: Taufe oder Tod.

 

Martin Luthers Theologie sollte die Welt verändern. Aber am Ende war die Kirche zwar vielfach „reformiert", aber auch in viele verschiedene Konfessionen und „Sekten" gespalten. Allenthalben herrschte Krieg und das Reich Gottes und die Wiederkunft Christi war weiter entfernt als je zuvor. In dieser Situation schiebt Luther am Ende seines Lebens einen Teil der seiner historischen Schuld den Juden zu und fordert penibel dazu auf, wie Christen Juden hassen, ja wie sie Juden Gewalt antun sollen, es sei denn, sie würden sich zum Christentum bekehren.

 

Wie fest diese antijüdischen Stereotypen in der evangelischen Theologie verwurzelt waren, kann man noch am „Darmstädter Wort" von 1948 sehen. Mit diesem Wort wollte der Bruderrat der „Bekennenden Kirche" nach dem Bekanntwerden aller Fakten über die furchtbaren Verbrechen an den europäischen Juden einen Neuanfang versuchen. Es gelang darin aber kaum, die bisherigen Vorurteile und Vorwürfe gegen die Juden zu überwinden. Denn doppeldeutig, ja, anklagend heißt es weiterhin in diesem Wort:

 

„1. Indem Gottes Sohn als Jude geboren wurde, hat die Erwählung und Bestimmung Israels ihre Erfüllung gefunden.

 

2. Indem Israel den Messias kreuzigte, hat es seine Erwählung und Bestimmung verworfen.

 

3. Die Erwählung Israels ist durch und seit Christus auf die Kirche aus allen Völkern … übergegangen.

 

4. Gottes Treue lässt Israel, auch in seiner Untreue und in seiner Verwerfung nicht los. Dass Gottes Gericht Israel in der Verwerfung bis heute nachfolgt, ist Zeichen seiner Langmut."

 

Der Schock über das millionenfache Morden an den Juden hat dazu beigetragen, dass die Vereinten Nationen die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" (1948) verabschiedeten. Aber auch im Christentum hat sich nach der Schoah, der Vernichtung der Juden, unstreitig ein fundamentaler Wandel im Blick auf die Einstellung zum Judentum vollzogen. Seit den 60er Jahren haben beide großen Kirchen ihre bisherige Einstellung grundlegend korrigiert. Eine völlig neue Theologie des christlich-jüdischen Verhältnisses kommt in der Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Verhältnis der Kirche zu den nichtjüdischen Religionen unter dem Titel „Nostra Aetate" 1965 zum Ausdruck. Das Herzstück der Erklärung, der Artikel 4, lehnt die Judenfeindschaft mit theologischen Gründen unmissverständlich ab. Zahlreiche weitere Verlautbarungen der katholischen Kirche und evangelischer Kirchen-Synoden veränderten nicht nur das Verhältnis zum Judentum, sondern auch die Theologie und die Kirchen selbst. In allen Erklärungen seither werden religiöser Antijudaismus und politischer Antisemitismus scharf verurteilt. Das soll hier in keiner Weise relativiert werden.

 

Wie aber die konkrete Praxis aussieht, beweist die unschöne und juristisch erfolglose Debatte über den Verbleib des Judenreliefs an der Kirche in Wittenberg ­- sie wird in die nächste Instanz gehen -und auch anderswo. Immerhin gibt es mehr als 30 Kirchen mit solchen Figuren; z.B. am Kölner Dom und an der Nürnberger Kirche St. Sebald. Die antijüdische Geschichte der Evangelisch-Lutherischen Kirche ist längst noch nicht überwunden. Auch bleibt festzuhalten: Die Anti-Jüdische Struktur in den Evangelien und in den Briefen des Neuen Testamentes kann nicht mehr geändert werden. Keiner wird sich wohl dranmachen, die Bibel neu zu schreiben. Jedenfalls ist ein solcher „Evangelist" bisher noch nicht erschienen – und einschlägige Versuche in der Geschichte der Kirche sind immer gescheitert.

 

 

Karl-Helmut Lechner

 

 

 

Quellen:

Werner Bergmann, „Geschichte des Antisemitismus", München, 2016

Oberlandesgericht Naumburg, Urteil vom 04.02.2020,

Az.: 9 U 54/19 – „Judensau" -Sandsteinskulptur an der Stadtkirche Wittenberg darf bleiben

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