Machtspiele

Jakubov-MuehlePolitischer Islam — Ein Beispiel

Wer sein religiöses Bekenntnis bzw. seine Religionszugehörigkeit ständig und überall symbolisch zur Schau stellt, grenzt sich selbst aus, diskriminiert sich selbst, wird dann aber mglw. behaupten, von anderen diskriminiert zu werden.

Das Ziel dieses Verhaltens ist es, für sich eine Opferrolle beanspruchen zu können.

Eine Opferrolle verleiht Macht, gibt einem die Möglichkeit, von anderen Anteilnahme oder Mitleid wenigstens erwarten zu dürfen.

Religiöse Vorschriften und Gebote darf jeder für sich persönlich — und nur für sich persönlich — befolgen.

Religiöse Vorschriften und Gebote dürfen in einem freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat jedoch nicht über staatlichem Gesetz stehen, zumal sie nicht in demokratisch-rechtsstaatlichen Verfahren zustandegekommen und erlassen worden sind.

Das Zurschaustellen religiöser oder sonstiger weltanschaulicher Symbole z.B. durch Pädagogen während des Schulunterrichts stellt das persönliche religiöse / weltanschauliche Bekenntnis der Pädagogen über das Neutralitätsgebot des Staates, hebt also religiöse Gebote und Vorschriften über staatliches Gesetz.

Das halte ich für gesetzeswidrig / verfassungswidrig. Der Staat hat keine Religion und keine Staatsweltanschauung.

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Hintergrund meines Statements ist ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 27. August 2020, Aktenzeichen 8 AZR 62/19, Pressemitteilung Nr. 28/20.

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Beitragsbild:
Mühle Jakubov bei Karlovy Vary.
Urheber: cs:ŠJů
Source: Wikipedia, Datei:Vodn%C3%AD_kolo.jpg


PDF des Beitrags
incl. der Pressemitteilung
(5 Seiten, Format A5)

Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
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QS72@gmx.net

Alle von mir für diese Website verfassten und auf dieser Website veröffentlichten Texte dürfen — möglichst mit Quellenangabe — von jedermann in beliebigem Umfang verwendet und zitiert werden.




Immanuel Kant *22.4.1724

Da unser Blog, wie schon aus dem Namen hervorgeht, sich in ganz besonderer Weise dem aufgeklärten Wissen verschrieben hat, liegt es nahe, gelegentlich Bezug zu Denkern herzustellen, die dies ebenfalls als Motto ihres Wirkens in der Geistesgeschichte getan haben.

Da trifft es sich gut, dass wir heute – nur fünf Tage nach unserem Start – des Geburtstags eines Mannes gedenken können, der wie kaum ein anderer das kritische Denken einer ganzen Philosophenepoche befruchtet und beeinflusst hat. Es ist hier nicht der Ort, sich mit seinem Hauptwerk, der „Kritik der reinen Vernunft“, philosophisch auseinanderzusetzen, das sei für später vorbehalten, doch möchten wir nicht versäumen, einen großen Aufklärer zu ehren, dem der freie menschliche Geist fernab aller Dogmen und geistigen Beschränkungen das höchste Gut darstellte. Zwei Zitate sollen dies dokumentieren:

 „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere au de! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."

"Wer einmal Kritik gekostet hat, den ekelt auf immer alles dogmatische Gewäsche an".

Schwierig vorstellbar, dass dieser Mann immer wieder von den verschiedenen Religionen und Konfessionen als „einer der ihren“ eingespannt wurde und wird. Kaum jemand in seiner Zeit könnte den etablierten Organisationen der religiösen Kulte ferner stehen als dieser Vordenker der geistigen Freiheit.

Mehr biographische Einzelheiten entnehmen Sie bitte http://hpd.de/node/1693




Die Betonung des Andersseins

Trabajando_pieza_de_metal_72dpiKulturgeschichtliche
Variationen von
„Rassismus“

In der Folge des gewaltsamen Todes von George Floyd in den USA am 25. Mai 2020, der in den Medien weltweit diskutiert und debattiert wurde und dem die Wikipedia einen Artikel gewidmet hat, wurde u.a. auch der „Rassismus“-Begriff vielfältig thematisiert. Im Verlauf der Berichterstattungen und Debatten wurden Themen und Sachverhalte miteinander vermengt, die mit dem eigentlichen Ereignis, der, wie ich es nenne, Ermordung des George Floyd im Rahmen einer in den USA nicht ungewöhnlichen polizeilichen Überreaktion miserabel ausgebildeter und entsprechend in der Situation überforderter Polizisten, nichts zu tun hatten.

So wurden Statuen gestürzt, was in der Geschichte der Menschheit eine lange Tradition hat, Statuen, die für mein Empfinden allzu häufig ohnehin nur der Verklärung, manchmal gar der Verkitschung dienen;
der Philosoph Immanuel Kant wurde wegen seiner frühen Schriften kritisiert, was aus der Perspektive und mit dem Wissen des 21. Jahrhunderts wohlfeil erscheint, Schriften, in denen er sich — seiner Zeit entsprechend — über menschliche „Rassen“ geäußert hatte, Äußerungen, die später revidiert worden sind, obwohl Charles Darwin mit seinen Beiträgen zur Evolutionstheorie und Gregor Mendel mit der Vererbungslehre noch nicht auf der Bühne erschienen waren.

In Debattenbeiträgen wurde vereinzelt festgestellt, dass es gar keine menschlichen Rassen gibt — was den „Rassismus“-Begriff, der im Laufe der Jahrzehnte zu so abenteuerlichen Wortschöpfungen wie „Altersrassismus“ geführt hat, unsinnig macht. Dennoch wird er immer noch und immer wieder verwendet statt von „Diskriminierung“ zu sprechen.

Der Begriff „Rassismus“ wird in manchen Zusammenhängen mglw. verwendet, weil er effekthaschender, aufsehenerregender ist als das Wort „Diskriminierung“. Obendrein gibt es bei der Diskriminierung (Ausgrenzung; „trennen, absondern, abgrenzen, unterscheiden“) zwei Möglichkeiten, die negative, die mit Herabsetzung oder Herabwürdigung verbunden sein kann, sowie die positive mit Aufwertung, Erhöhung oder sogar Überhöhung gegenüber anderen. Insbesondere die Möglichkeit der positiven Diskriminierung mag manchen aus ideologischen Gründen ein Dorn im Auge sein, da sie für die Einordnung von Menschen in eine (institutionalisierte und positiv besetzte) Opferrolle ungeeignet ist und keine (negativ besetzte) Täterrolle aufzeigbar macht. Hinzu kommt die Möglichkeit der Selbstdiskriminierung, Selbstausgrenzung, die den „Rassismus“-Begriff vollends ad absurdum führt.

In einem Beitrag des britischen Guardian vom 25. Juni 2020 wurde immerhin festgehalten, dass Atheisten und Humanisten in acht Ländern Diskriminierung widerfährt und sie dort wegen ihrer Weltanschauung, und nicht etwa „rassistisch“ verfolgt und unterdrückt werden.

Es wurde vorgeschlagen, den Begriff „Rasse“ im Artikel 3 (3) der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, dem Grundgesetz, durch ein anderes Wort zu ersetzen. Kosmetik, durch die weder Ursachen noch Folgen irgendeiner Diskriminierung aus der Welt geschafft würden. Man könnte dieses Ansinnen auch Selbstbetrug nennen. Dass in dem Satz 3 aus Artikel 3 GG nicht nur von Benachteiligung, sondern auch von Bevorzugung die Rede ist, wurde in diesen Diskussionen geflissentlich übersehen.

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

In manchen Debattenbeiträgen wurde versucht, die Religionszugehörigkeit von Menschen als ein unveränderliches Merkmal ähnlich Herkunft oder Abstammung hinzustellen. Dabei wurden mehrfach klischeehafte Bilder verwendet, und es konnte der Eindruck entstehen, dass vermittelt werden solle, Angehörige einer bestimmten Religion seien gegenüber anderen exponiert und bedürften einer besonderen Beachtung, ihnen müssten eine höhere Wertigkeit und damit verbunden mehr Rechte als anderen zuerkannt werden, wie dies in manchen „heiligen“ Büchern vorformuliert ist, in denen Angehörige bestimmter Religionen als „auserwähltes Volk“ irgendeines Gottes oder als „die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand“ ([3:110]) bezeichnet werden. In Fällen von Selbsterhöhung oder Selbstüberhöhung spricht man dann von Chauvinismus, oder auch von Arroganz, Anmaßung, Überheblichkeit und Hochmut.
Doch die Aufwertung der einen ist die Abwertung anderer, und umgekehrt, was gesellschaftliche Spannungen erzeugt sowie Ressentiments und Gegenreaktionen heraufbeschwört.

In einem kurzen Meinungsaustausch mit einer WerteInitiative via Facebook am 3. Juni 2020 hatte ich u.a. angemerkt, dass das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung m.E. eine Straftat ist, und zwar auch dann, wenn dies im Rahmen der Religionsausübung geschieht, was damit beantwortet wurde, dass es sich in einem solchen Fall „natürlich NICHT um eine Straftat“ handle. Auf meine weitere Nachfrage, was es denn dann sei, habe ich (bislang) keine Antwort erhalten. Ob das Verweigern einer Antwort Ausdruck von Selbstgerechtigkeit, von der Unfähigkeit zur Selbstreflexion oder von etwas anderem ist, sei dahingestellt. Herkunft, religiöses Bekenntnis oder Weltanschauung sind zwar kein Fehlverhalten, Kindern aus religiösen Gründen eine irreversible Körperverletzung zuzufügen ist es nach meinem Verständnis jedoch sehr wohl (vgl. Kritik und Angst — Wider die Selbstgerechtigkeit).
Siehe auch den Beitrag The Unanswered Question / Umkehrschluss auf dieser Website:

Wenn es […] was-auch-immer-feindlich wäre, Menschenrechtsverletzungen und Despotismus sowie anderes Unrecht zu kritisieren: Was bedeutete dies dann im Umkehrschluss ?

Jemandem mit einem Hinweis auf dessen Religion das sanktionsfreie Begehen von Straftaten zu ermöglichen und zu erlauben, verstößt in Deutschland jedoch mglw. gegen den Artikel 3 Satz 3 GG.

Menschen mit dunkler oder einer anderen Hautfarbe, als sie bei Europäern weit verbreitet ist, werden in Medienberichten etc. oft als „People of Color“ bezeichnet, ein Begriff, der auf Anderssein und damit auf Abgrezung gegenüber „Weißen“ und auf Ausgrenzung (Diskriminierung) zielt und allen Bestrebungen, „Rassismus“ zu überwinden, zuwider läuft. Abgesehen davon sind auch „Weiße“ nicht weiß, sondern haben meist wohl eine schweinchenrosa Hautfarbe. Weiß sind die Wände in meiner Wohnung.

In dem Buch Identitätslinke Läuterungsagenda zeigen insbesondere die Herausgeberin Sandra Kostner sowie die beiden Autorinnen Maria-Sibylla Lotter und Elham Manea auf, wie vermeintliche Antirassisten den „Rassismus“ und die Segregation der Gesellschaft dadurch fördern, dass sie u.a. darauf hingewirkt haben, dass Menschen z.B. allein wegen ihrer Herkunft bei der Stellenvergabe in manchen Berufen bevorzugt werden (müssen), ohne dass ihre sonstige Qualifikation berücksichtigt würde, was von der Mehrheitsgesellschaft als Ungerechtigkeit empfunden und entsprechend beantwortet wird, und dass vermeintliche Antirassisten dabei selber wie „Rassisten“ argumentieren und agieren.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 29. Juni 2020 unter der Überschrift „Es wird schmerzhaft“ sagt Saraya Gomis unter anderem:

Rassismus als Struktur ermöglicht, dass Ungleichheit legitimiert und damit „normalisiert“ wird.

Genau dies, „Rassismus“ als Struktur ermöglichen und Ungleichheit legitimieren ist es, was Sandra Kostner et al. in dem Buch Identitätslinke Läuterungsagenda beschreiben.

Ein Artikel in der SZ vom 26. Juni 2020 beklagt unter der Überschrift „Rassismus ist da, er ist alltäglich“ unter anderem:

„In Freising haben etwa 20 Prozent der Menschen Migrationshintergrund, aber ich kenne keine einzige Lehrkraft, die farbig oder andersgläubig ist.“
[…]
„Die Mehrheit der Kinder mit Migrationsgeschichte bleibt der Weg zum Abitur aus diversen Gründen verwehrt“

Welche „diversen Gründe“ es sind, wird in dem Artikel nicht thematisiert, Gründe werden nicht benannt.

In Brief an die Heuchler geht Stéphane Charbonnier (CHARB) argumentativ teils in eine ähnliche Richtung wie Sandra Kostner et al. Das Buch von CHARB, der sich ausdrücklich gegen „Rassismus“ und Intoleranz ausspricht, habe ich seit Erscheinen der deutschsprachigen Ausgabe im Juli 2015 vielen Leuten empfohlen, darunter auch solchen, die von sich selbst sagen, dass sie Antirassisten und Kämpfer gegen Intoleranz seien. Etliche dieser vermeintlichen Antirassisten und Kämpfer gegen die Intoleranz reden deshalb nicht mehr mit mir — nur, weil ich ihnen das Buch von CHARB empfohlen habe. Seltsam.

In einem Text, den Leonid Luks am 4. Juni 2020 auf der Website Die Kolumnisten veröffentlicht hat, schreibt er:

Zum Wesen des totalitären Denkens gehört die Diskursverweigerung mit Andersdenkenden.

Einige der in diesem Beitrag von mir angerissenen oder thematisierten Aspekte sind manch einem möglicherweise ein zu heißes Eisen — auch wenn ich längst nicht alle Aspekte zum Thema „Rassismus“ respektive Diskriminierung aufgegriffen habe.

Den „Rassismus“ damit zu kontern, dass man die Opfer des „Rassismus“ heraushebt, ihnen eine gesellschaftliche Sonderstellung zuschreibt, konterkariert die Bemühungen gegen „Rassismus“. Mit der Betonung des Andersseins wird der „Rassismus“ nicht bekämpft, sondern aktiv gefördert.

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Beitragsbilder (von oben nach unten):

  • Trabajando_una_pieza_de_metal_al_rojo_sobre_un_yunque.jpg, Wikimedia.org, Author: kurtsik
  • Sturz_des_Idstedter_Löwen.jpg, Wikimedia.org, Flugblatt – unbekannt; Scan – James Steakley
  • Screenshot von der Website des britischen Guardian, eigenes Werk
  • Cover des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland, arabischsprachige Ausgabe
  • Screenshot aus einem Beitrag der Facebook-Seite von „Gesicht zeigen – für ein weltoffenes Deutschland“, eigenes Werk
  • Akan_MHNT.ETH.2010.25.009.jpg, Wikimedia.org, Photographer: Roger Culos
  • Screenshot aus einem Beitrag der Facebook-Seite von „Werteinitiative“, eigenes Werk
  • Buchcover zu „Identitätslinke Läuterungsagenda“
  • Buchcover zu „Brief an die Heuchler“
  • Bildliche Darstellung eines Zitats von Leonid Luks, Die Kolumnisten, eigenes Werk

  • Eckhardt Kiwitt
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    Erster Schawwal – Ende der Tortur

    islam-1299211_1280Nach gregorianischem Kalender am 24. Mai 2020 stellt sich die islamische Welt wieder vom Kopf auf die Füße: Der Ramadan kommt mit einem Fest namens Aïd el fitr – in deutschsprachigen Gegenden auch Zuckerfest genannt – zu seinem Ende. Dann liegen dreißig entbehrungsreiche Tage hinter den Moslems, soweit sie der Pflicht zum Ramadan nachgekommen sind, was mitnichten durchgängig der Fall ist. Nach Befragungen durch fowid nehmen in Deutschland allenfalls 50% der Moslems die Mühsal der täglichen Tortur auf sich. Das wird auch von islam.de bestätigt. Wer übrigens glaubt, dass das in so genannten „islamischen“ Ländern (mit Ausnahme der Hardliner-Staaten) völlig anders aussähe, täuscht sich über die wachsende Zahl der von mir gern als Kulturmoslems bezeichneten weniger an Religion Interessierten (Bild: OpenClipart-Vectors, pixabay).

    Eines der Sprachrohre des organisierten Islams in Deutschland ist islam.de, eine Website, die darum bemüht ist, die „schönen“ und „edlen“ Seiten des Islams darzustellen. Hauptsprecher der Moslems ist Ex-FDP-Mitglied Aiman Mazyek. Durchaus lesenswert – wenn auch völlig aus der Zeit gefallen und weltfremd – ist seine Einführung in das Wesen des Ramadan http://islam.de/16161.php: „Wie einen guten Freund begrüßen Muslime den Fastenmonat Ramadan. Es ist ein Freund, der zum Innehalten anregt, zum Studium des Korans, zur Betrachtung unserer spirituellen Quellen, unserer religiösen Heimat. Es ist eine Zeit der körperlichen Entbehrung und der geistigen Erneuerung, der inneren Einkehr und der Gemeinschaft. Im Ramadan sind die Moscheen voller als gewöhnlich. Im Ramadan rücken Familien und Freunde enger zusammen, ist die Gemeinschaft der Gläubigen spürbarer als sonst. Das Fasten im Ramadan ist die dritte der fünf Säulen des Islams. Es ist ein vierwöchiger Gottesdienst, währenddessen der Mensch über die Beziehung zu seinem Schöpfer nachdenken kann und soll“.

    Im Ramadan wird zudem an die Mildtätigkeit der Gläubigen appelliert. Der Zaket, eine weitere Säule des Islam, ist eine am 27. Ramadan festgelegte Summe, die jeder Moslem an Bedürftige entrichtet. Entweder man gibt dieses Geld oder auch eine Sachspende in Form von Nahrungsmitteln an einen Imam, der es an die bedürftigen Empfänger weiterleitet, oder man spendet direkt an eine karitative Einrichtung. Nicht selten werden Wohlhabende zu Banketten geladen, zu denen leicht 250 oder mehr Besucher zusammenkommen, die jeweils ein Iftar (das tägliche Essen zum  Fastenbrechen) zu bewusst sehr überhöhten Preisen einnehmen, damit eine stattliche Summe für die entsprechende Einrichtung zusammenkommt. Das sind – wenn man vom religiösen Hintergrund einmal absieht – sehr schöne Veranstaltungen, an denen sich zum Beispiel hier in Tunesien jeweils auch die ausländische Community lebhaft beteiligt. Auch meine Frau und ich haben mehrfach an so etwas teilgenommen.

    Das ideale Bild des „Fastenmonats“ geht auf Mohammed selbst zurück, der angeblich während dieser Zeit seine ersten Begegnungen mit einem „Engel“ namens Gabriel hatte. Von diesem erfuhr er die Worte eines Gottes, den Moslems Allâh nennen. Gebündelt fanden diese Worte sich schließlich im Koran wieder. Erste schriftliche Aufzeichnungen der Visionen des schreibunkundigen Propheten finden sich etwa 40 Jahre nach dessen Tod. Wie viel während dieser Periode mündlicher Überlieferung von den Adepten verändert, umgestellt oder neu hinzugedichtet worden ist, entzieht sich natürlich der detaillierten Kenntnis. Viele der im Koran beobachtbaren Inkonsistenzen lassen sich aber wohl nur durch diesen Transmissionsweg erklären. Entsprechende wissenschaftliche Bemühungen um Klärung werden allerdings von nicht wenigen Moslems argwöhnisch beäugt, selbst wenn die Ergebnisse von der Universität Al Azhar in Kairo stammen, einem Forschungsort, der gemeinhin so etwas wie den Vatikan des Islam darstellt.

    Die genaue Anwendung der Regeln verlangt von gesunden Moslems ab der Pubertät rund 14 bis 15 Stunden täglich (in Deutschland leicht auch 18-19 im Hochsommer) und trotz Temperaturen von über 40° im Schatten die totale Enthaltsamkeit: Essen, Trinken, Rauchen sind verboten – und natürlich auch Sex.

    Weiterhin sind Meditationen und die vorgeschriebenen Gebete, im Ramadan sechs statt der üblichen fünf, einzuhalten. Zudem soll sich der Moslem dazu auch noch aller „unreinen“ oder feindseligen Einstellungen enthalten – soweit sich das überprüfen lässt. Theoretisch ist eine solche genaue Befolgung, wie auch Mazyek andeutet, nur in einer Gesellschaft möglich, die während dieser Zeit Ferien nimmt, oder die sich darauf beschränkt, eine Herde Schafe und Ziegen und allenfalls einige Kamele zu hüten. In der modernen Arbeitswelt, die der muslimische Gott Allâh entweder nicht voraussehen konnte oder wollte, ist dies praktisch unmöglich. Wie sieht also die Praxis aus?

    Von den in Deutschland lebenden Moslems praktiziert nach Angaben von islam.de überhaupt nur in etwa die Hälfte den Ramadan, und auch wohl mehrheitlich (soweit sie im Arbeitsleben stehen) befolgen diese nur den Essens-, Trinkens- und Rauchensteil der Regeln (hier „le jeûne“ genannt), was natürlich bereits für sich allein genommen ungemein schwer fällt.

    Für die geforderte Meditation dürfte am Arbeitsplatz genauso wenig Zeit verbleiben wie für die ordnungsgemäße Verrichtung der Gebete. Man stelle sich zum Beispiel einen Fließbandarbeiter vor, der seinen Arbeitsplatz verlässt, um neben dem Band den Gebetsteppich auszurollen! Oder einen Schullehrer, der den Unterricht unterbricht, um sein Gebet zu verrichten. Das würde die (ohnehin angeschlagene) Akzeptanz von Moslems in der westlichen, ergebnisorientierten Gesellschaft sicherlich nicht befördern. Also wird es unterlassen. Das ist auch hier in Tunesien so. Man mache sich da bitte keine falschen Vorstellungen. Von etlichen weiß ich, dass sie sich zwar am Arbeitsplatz selbst zurückhalten (um dem sozialen Druck zu entgehen), doch sobald sie das Firmengelände verlassen haben, wird die erste Zigarette angesteckt und zu Hause zumindest Wasser getrunken, weil es sonst nur schwer auszuhalten ist.

    Wegen dieser Unmöglichkeiten verkommt der Grundgedanke des Ramadans zur Enttäuschung nicht weniger strenggläubiger Moslems zur bloßen Einhaltung der äußeren Regelstruktur, der eigentliche Inhalt höhlt sich zunehmend aus. Das sehen auch die moslemischen Verbände so, aber mehr als (fordernde) Appelle an die nicht-moslemischen Kollegen, doch bitte Rücksicht auf die Moslems zu nehmen, fällt ihnen dazu nicht ein. Die Mehrheit soll sich nach ihren Vorstellungen der Minderheit anpassen. Das gehört zu einer ganzen Serie stetiger Forderungen von moslemischer Verbandsseite: die Aufnahmegesellschaft soll sich bewegen – man selbst hat dies nicht nötig, weil man sich im Besitz der alleinigen Wahrheit glaubt. Dieses offensichtliche Integrationsproblem wird von vielen Moslems einfach dahingehend gelöst, dass sie entweder den Regeln des Ramadan nicht mehr folgen, oder die Exerzitien am Abend nach der Arbeit nachholen.

    Eine adaptive Lösung der schwierigen Regel, die die Flüssigkeitsaufnahme verbietet, was nicht selten vor allem bei Älteren zu Dehydrationsbeschwerden bis hin zu echten gesundheitlichen Schäden oder gar zum Tod führt, lieferte bereits vor langer Zeit der Gründungspräsident des modernen Tunesiens, Habib Bourguiba, als er im Fernsehen die Frage, ob er den Ramadan befolge, schlicht mit „Nein, ich arbeite“ beantwortete. Ostentativ leerte er ein Glas Wasser nach seiner Antwort. Von den „Rechtgläubigen“ in der islamischen Gesellschaft wird er seither als Apostat bezeichnet. Der Koran verlangt für Menschen wie ihn die Todesstrafe. Die wird aber derzeit nur in den sehr extremen islamischen Ländern wie Saudi-Arabien oder Iran exekutiert.

    Die Reduzierung des Ramadan auf die nur äußere Einhaltung der Fastenregeln unter Auslassung der meditativen Anforderungen gibt einen Hinweis darauf, in welche Richtung sich ein sogenannter moderater Islam entwickeln könnte, nicht etwa durch Selbstreform, dazu erscheint er derzeit unfähig, sondern durch den Druck moderater Moslems, die angesichts der doppelten Anforderungen zwischen Religion und Arbeitswelt praktische Lösungen suchen. So wird auch die Flüssigkeitsaufnahme tagsüber nicht auf ewig das Tabu bleiben können, das es heute vielfach noch ist. So bedienen sich zum Beispiel die 60 Arbeiterinnen, die im Unternehmen meiner Frau arbeiten, nach anfänglichem scheuen Zögern inzwischen wie selbstverständlich an den aufgestellten Automaten, die in der nur schwach klimatisierten Halle gekühltes Wasser anbieten.

    Romdhane MubarakDie Adaptation an modernere Erkenntnisse und Notwendigkeiten, von Christen und Juden kulturell längst umgesetzt, wird auch den Islam nicht ausklammern, wenn er sich dauerhaft in den europäischen Kulturen etablieren will. Einen Anfang zu den erforderlichen Veränderungen hat in Deutschland der inzwischen emeritierte Göttinger Professor Bassam Tibi gemacht, dessen Vorschläge für einen „Euro-Islam“, ausgerichtet an dem von ihm eingeführten Begriff der „Leitkultur“, vieles von dem, was am Islam stört wie etwa die Shari‘ah oder die Rolle der Frauen, als entweder zweitrangig einstufen, oder dessen völlige Abschaffung einfordern. Inzwischen gibt es auch im Netz, oft von Frauen betrieben, säkular-moslemische Seiten, auf denen Angleichungen der strengen Systematik an das moderne Leben gefordert werden. Unter „säkular-moslemisch“ wird generell ein Islam verstanden, der sich den Anforderungen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stellt und die Trennung zwischen Religion und Staat fordert. Man kann solche Bestrebungen nur voll unterstützen, denn genauso wenig, wie es gelingen wird, zum Beispiel den Katholizismus völlig abzuschaffen, wird es möglich sein, etwa den Islam zu verbieten. Also muss er gemeinschaftsverträglicher werden, wie dies ja in Teilen zumindest selbst mit den Kirchen gelungen ist – nicht von heute auf morgen, aber immerhin in überschaubarer Zukunft. In Deutschland wurde gerade ein vielversprechender Ansatz zu einem solchen säkularen Islam mit der Gründung der Ibn Rushd-Goethe-Moschee in Berlin gebildet. Die Protagonisten streben dabei als Integrationsbeitrag einen regen Austausch mit der Gesellschaft an – und zwar nicht nur mit der religiösen, sondern auch mit den humanistischen Teilen. Das ist sehr begrüßenswert und wird von vielen Humanisten unterstützt. 

    Wenn auch nicht gerade in Saudi-Arabien, so doch in den Randländern des Islam wie zum Beispiel in Tunesien, beginnt der innere Widerstand gegen die als unangemessen empfundene Tortur auf weniger intellektuelle Weise. Man beginnt zu erkennen, in welchem Umfang die Volkswirtschaft durch die strikte Einhaltung der Ramadan-Regeln beeinträchtigt wird. Ein vernünftiges, durchgehendes Arbeiten ist häufig gar nicht möglich, wenn man nur noch in miesepetrige und unleidliche Gesichter blickt. Die Auswirkungen von Nährstoffmangel auf das Wohlbefinden und die Denkfähigkeit sind in den fortschrittlicheren Ländern längst wissenschaftlich detailliert erforscht und gut bekannt. Selbst einfacher veranlagte Hijab-Trägerinnen trauen sich inzwischen trotz des enormen sozialen Drucks, bei anstrengenden Arbeiten in der Hitze, die Wasserflasche in Griffweite zu haben. In manchen Belegschaften finden sich die strikten Befolger bereits in der Minderheit. Dies gilt nota bene in Tunesien, mit Einschränkungen auch in Algerien. In Marokko hindert der §222 des Strafgesetzbuches eine Aufweichung der religiösen Vorschriften. Öffentliches Ramadanbrechen untertags wird mit 6 Monaten Gefängnis bestraft. Immerhin existieren bereits an den König gerichtete Initiativen, dieses Gesetz aufzuheben oder abzumildern.

    Ein gesondertes Problem stellt die ständige Übermüdung dar, was sich in einer stark erhöhten Unfallrate auf den Straßen zeigt. Zum Verständnis dieses Phänomens muss man sich den Ablauf einer typischen Nacht im Ramadan vor Augen führen. Abends um ca. 19 oder 20 Uhr ist Iftar, das Ramadanbrechen. Da wird dann wegen des tagsüber erlittenen Mangels gegessen was das Zeug hält (man spricht selbst hier in Tunesien respektlos von „la grande bouffe“ wie der gleichnamige Film: Das große Fressen). Anschließend geht es auf die Straße, um sich mit Freunden und Bekannten in den proppenvollen Cafés zu treffen, was bis ungefähr Mitternacht dauert. Dann ab nach Hause und noch ein paar Süßigkeiten hineingestopft. Spätestens kurz nach 3 Uhr bimmelt der Wecker (in Kairo und anderen großen Städten geht eigens ein Ausrufer um, der die Leute weckt), denn spätestens gegen 4 Uhr ist es wieder vorbei mit der Nahrungsaufnahme. Dass dieser Schlafmangel nicht gerade dazu beiträgt, die Sicherheit im Verkehr zu erhöhen, liegt auf der Hand. Ich war selbst Zeuge der bizarrsten Unfälle, die unter normalen Bedingungen einfach nicht passieren. Der Grund immer wieder derselbe: am Steuer sanft entschlafen!

    Das selbst auferlegte Leiden dokumentiert sich am besten in der Reaktion der Betroffenen selbst: Spätestens eine Woche vor Ablauf des „heiligen“ Monats beklagt sich die Mehrheit und zählt nur noch die Tage, bis endlich der 1. Schawwal erreicht ist. Dann beginnt das Leben erneut. Die islamische Welt steht wieder auf den Füßen.

    Nachtrag: In der besonderen Situation Tunesiens sei mir eine Randbemerkung erlaubt. Nach der Revolution wurden alle einsitzenden Extremisten (soweit es nicht Schwerstkriminelle waren) aus den Gefängnissen entlassen. Sie bilden das harte Rückgrat extremistischer Parteien wie Ennahdha des Sheikhs Rachid al-Ghannouchi. An derem extremem Rand wiederum befinden sich die eingefleischten Salafisten, die bereits Kinos in Brand gesteckt haben, Frauen ohne Kopftuch gern mal an den Haaren ziehen, oder Sommer-leicht bekleidete Mädchen auffordern, sich züchtig zu bekleiden. Da etliche Cafés in den größeren Städten den Nichtbefolgern weiterhin Getränke und Essen anbieten, befürchtet die Polizei nun Anschläge auf solche Orte und hat die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend erhöht. Ich kann nur hoffen, dass diese Maßnahmen von Erfolg gekrönt sein werden, da ich keinen höhnischen Artikel zu einem evtl. Fall in bestimmten Publikationen lesen möchte. Im Jahr 2020 entfällt das natürlich weitgehend wegen Corona.

    Auf den diesjährigen Stand gebracht am 22. Mai 2020.

     

     




    Die Hexe von Kalkutta

    MTMatthias Krause: Mutter Teresa, die Katholische Kirche und das Leid

    Die Glorifizierung des Leidens war keine Marotte von Mutter Teresa, sondern ist offizielle katholische Lehre.

    Die Medien berichten derzeit über eine kritische Studie kanadischer Wissenschaftler über Mutter Teresa, z.B. hier: Mutter Teresa betete, statt zu helfen.

    Ein Vorwurf – der allerdings nicht neu ist – lautet, Mutter Teresa habe das Leiden der Armen glorifiziert.

    „Es liegt Schönheit darin, wie die Armen ihr Schicksal erdulden, wie Christus am Kreuz zu leiden“, sagte Mutter Teresa laut dem britischen Journalisten Christopher Hitchens, der ein kritisches Buch über sie schrieb. „Die Welt gewinnt viel durch ihr Leiden.“ [Yahoo!; Hitchens' Buch ist "The Missionary Position: Mother Teresa in Theory and Practice", auch als Kindle-Version und Audiobuch erhältlich]

    Ich will nur kurz darauf hinweisen, dass Mutter Teresa damit ganz auf der offiziellen Linie der Katholischen Kirche zu liegen scheint. Auf Kathpedia.de wird diese so zusammengefasst:

    Die Christliche [Anmerkung: Gemeint ist wohl die katholische] Wertung sieht gerade im bewussten Todesleiden ein Mittel der Sühne und Reifung, durch das der Mensch, der die Sündenfolgen auf sich nimmt und von den Sakramenten gestärkt, des Erlösers Todesangst mitleidet. Wer solche Zeit eigenmächtig kürzt, greift in die Menschen- wie in die Gottesrechte ein.

    Als Beleg wird auf ein Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre verwiesen: Iura bona von 1980. Darin heißt es:

    III.
    DIE BEDEUTUNG DES SCHMERZES FÜR DEN CHRISTEN UND DIE VERWENDUNG SCHMERZSTILLENDER MITTEL

    […]

    Nach christlicher Lehre erhält der Schmerz jedoch, zumal in der Sterbestunde, eine besondere Bedeutung im Heilsplan Gottes. Er gibt Anteil am Leiden Christi und verbindet mit dem erlösenden Opfer, das Christus im Gehorsam gegen den Willen des Vaters dargebracht hat. Es darf deshalb nicht verwundern, wenn einzelne Christen schmerzstillende Mittel nur mäßig anwenden wollen, um wenigstens einen Teil ihrer Schmerzen freiwillig auf sich zu nehmen und sich so bewußt mit den Schmerzen des gekreuzigten Christus vereinigen zu können (vgl.Mt 27,34). […]

    Dies wird im Anschluss sogar als “heroische Haltung” bezeichnet.

    Man sollte sich also darüber im Klaren sein: Die Vorstellung, dass (sterbende) Menschen, die leiden, irgendwie mit Jesus mitleiden, stellt nicht etwa eine spezielle Auffassung von Mutter Teresa dar, sondern vielmehr die offizielle katholische Lehre.

    Immerhin:

    Erlaubt ist der Gebrauch narkotischer Mittel, um große Schmerzen zu lindern, selbst dann, wenn sie den Eintritt des Todes beschleunigen. [Kathpedia]

    Andererseits:

    Passive Sterbehilfe im Sinne von Zurückhaltung der Ernährung (Wasser etc.) ist nicht gestattet, auch nicht wenn die Nahrung durch eine Sonde in den Magen befördert werden muss. [Kathpedia]

    Weiter sollte man sich darüber klar sein, dass sich die katholische Kirche nicht damit zufrieden gibt, die obige Haltung den eigenen Mitgliedern zu predigen. Das Mitleiden mit dem christlichen Sündenbock Jesus soll möglichst per Gesetz auch allen Nichtchristen auferlegt werden. So erklärte die Deutsche Bischofskonferenz z.B. im September letzten Jahres:

    Als ethisch verwerflich verurteilt [die katholische Kirche] die öffentliche Duldung oder Förderung jeder Form von institutionalisierter Suizidhilfe, deren hauptsächlicher Zweck darin besteht, Notleidenden eine schnelle und effiziente Möglichkeit für die Selbsttötung anzubieten. Ein gesetzliches Verbot lediglich des gewerbsmäßigen, also gewinnorientierten Handelns greift aus ihrer Sicht jedoch zu kurz, da eine solche Engführung sogar den Eindruck erwecken könnte, alle nicht kommerziellen Formen seien als legitim zugelassen.

    Quelle: http://skydaddy.wordpress.com/2013/03/08/mutter-teresa-die-katholische-kirche-und-das-leid/

     

     

    Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

     

    Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

     




    Blasphemiewächter und Gottesleugner

    Maome_300dpi_10x10_mirror_rgbÜber die Gottesfürchtigkeit

    Blasphemie, gemeinhin übersetzt mit „Gotteslästerung“, wenngleich es nur „Rufschädigung“ bedeutet, ist ein je nach persönlichem Rechtsempfinden unterschiedlich interpretierter und gewichteter Begriff. Mancherorts gilt „Gotteslästerung“ als todeswürdiges Verbrechen, andernorts ist sie juristisch nicht eingeordnet und nicht gewertet. Ich halte den Begriff für sinnlos, da es das zugehörige „Gott“ nicht nachweislich gibt (vlg. den Beitrag Nichtexistenz), sondern es sich bei „Gott“ lediglich um eine Idee in den Köpfen von Menschen handelt, dieses „Gott“ aus sich heraus jedoch keine Wechselwirkungen zeigt.

    Maome_300dpi_frame-rgb

    Das Bilderverbot im Islam ist in einigen Ländern eine ernste Angelegenheit. So ernst, dass manch einer meint, die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen dazu würden — oder müssten — auch außerhalb des islamischen Kulturkreises gelten.

    Am 3. Februar 2020 erreichte mich eine E-Mail von WordPress, in der es heißt:

    A Pakistan authority has demanded that we disable the following content on your WordPress.com site:
    Mohammed in Bildern

    Übersetzung: Eine pakistanische Behörde hat verlangt, dass wir die folgenden Inhalte auf Ihrer WordPress.com-Website deaktivieren …

    Es folgt ein Hinweis darauf, wie man (staatliche) Restriktionen im Internet und speziell auf WordPress-Webseiten umgehen kann — «bypassing Internet restrictions» –, gefolgt vom Text der Beschwerde einer „Pakistan authority“:

    Screenshot einer E-Mail vom 03.02.2020
    (eigenes Werk)

    The Pakistan case

    Begin complaint

    Dear WordPress Team,

    It is highlighted that following links pertaining to Fake information and derogatory remarks against Prophet Muhammad (PBUH) by showing insulting images, which are unlawful under Blasphemous category as defined in Section 37 of Prevention of Electronic Crime Act (PECA-2016), Pakistan Penal code 295, 295A, 295B, 295C and Section 19 of the constitution of the Pakistan.
    Keeping above in view, It is requested to please support in removing URL‘s from your platform at earliest please.
    The below mentioned websites can be found on following URL’s:-
    7. https://islamprinzip.wordpress.com/mohammed-images/
    […]
    Looking forward for your prompt response please.
    Regards
    Web Analysis Team
    +92 51 9214396

    End complaint

    WordPress wird dem Begehren der „Pakistan authority“ nicht folge leisten. Ich sehe dazu ebenfalls keinen Grund.

    Besagte „Pakistan authority“ bzw. das die Beschwerde unterzeichnende Web Analysis Team ist, wie eine Google-Suche nach der in der Beschwerde angegebenen Telefonnummer ergibt, seit Jahren bemüht, Inhalte aus dem Internet entfernen zu lassen, die den Blasphemie-Gesetzen Pakistans zuwiderzulaufen scheinen.

    Insbesondere der Hinweis des Web Analysis Teams auf „insulting images“ scheint mir in Bezug auf die von mir auf meiner Website veröffentlichten Mohammed-Bilder arg weit hergeholt, handelt es sich doch einerseits (vermutlich mit Ausnahme des letzten Bildes „Die Hauptmoschee von Medina mit dem Grab Mohammeds“, eines Stahlstichs aus dem 19. Jhdt.) ausschließlich um Bilder aus dem islamischen Kulturkreis (Osmanisches Reich, Persien, Arabien, Algerien, …), andererseits um Darstellungen, die das Leben des Islam-Erfinders von der Geburt bis zum Tod widerspiegeln. Inwieweit diese Bilder „beleidigend“ sind („insulting images“), bedürfte einer Erklärung.

    Zwar ruft der Artikel 20 Absatz 2 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte dazu auf, „Die Verfechtung nationalen, rassistischen oder religiösen Hasses, welche zur Diskriminierung, Feindseligkeit oder Gewalt anstiftet.“ zu verbieten. Die Wiedergabe von Bildern des Propheten und Islam-Erfinders Mohammed, zumal wenn es sich um Bilder aus dem islamischen Kulturkreis handelt, scheinen mir dazu jedoch nicht geeignet. Nichtmal die im Jahr 2005 von einer Regionalzeitung in Dänemark veröffentlichten sogenannten Mohammed-Karikaturen scheinen dazu geeignet, da insbesondere die Frage bleibt, ob es sich bei dem in diesen Karikaturen Abgebildeten um einen Propheten handelt und woran man diesen erkennen kann.

    Besonders pikant finde ich, dass die Beschwerde aus einem Land kommt, in dem die Religionsfreiheit einen schweren Stand hat und in dem ein bloßes Gerücht reichen kann, um jemanden vor Gericht zu bringen wo ein Todesurteil dann in so einem Fall nicht selten ist, oder von einem aufgebrachten Mob gelyncht zu werden. Dass Menschen aus welchen Gründen auch immer frustriert sein können und ihren Frust und den daraus entstehenden Hass an willkürlichen Opfern — Sündenböcken — auslassen, ist ein die Kulturgeschichte der Menschheit durchziehendes Verhalten. Eine Entschuldigung ist es nicht und kann es nicht sein.

    William Holman Hunt: The Scapegoat, 1854.

    William Holman Hunt: The Scapegoat, 1854.

    Bemerkenswert finde ich, dass Menschen mit einem Glauben an ein Allmächtiges Gott meinen, in Fällen von „Blasphemie“ gegen den vermeintlichen Täter vorgehen zu müssen statt darauf zu vertrauen, dass sich das Allmächtige Gott höchstselbst der Sache annimmt und gegen den vermeintlichen Täter aktiv wird. Damit bringen sie m.E. einerseits zum Ausdruck, dass ihr Glaube nicht allzu stark ist, andererseits machen sie sich damit selbst der von ihnen angeprangerten „Blasphemie“ schuldig, weil sie ihrem Gott die Allmacht absprechen oder diese zumindest anzweifeln und ihm kein Vertrauen entgegenbringen, ja ihren Gott verleugnen. Sie sind — vielleicht aufgrund einer Unfähigkeit zur Selbstreflexion — Blasphemiewächter und Gottesleugner zugleich.

    _____
    Beitragsbilder (alle gemeinfrei):

    Persian or central Asian illustration showing Muhammad (on the right) preaching., Wikimedia.org

    William Holman Hunt (1827-1910), The Scapegoat (painting), Wikipedia.org

    ~ ~ ~

    Hinweis:
    Diesen Beitrag habe ich am 16. Februar 2020 in Englischer Übersetzung (Rohfassung) auch auf der englischsprachigen Version meiner Website veröffentlicht.


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
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    QS72@gmx.net




    Kleine Anfrage

    Umgang-mit-Kritik_1In der Auseinandersetzung mit Religionen und anderen Ideologien, mit manchen religiösen Vorschriften und Gesetzen, mit totalitären Systemen, Diktaturen, Despotien und Tyranneien, mit Bevormundungen, Einschüchterungsversuchen und Schlimmerem sowie aus der Kritik und Anfeindungen, denen man deswegen ausgesetzt sein kann, ergibt sich für mich eine Frage:

    Wie wollen Sie mit Menschenrechtsverletzungen
    und mit Kritik an Menschenrechtsverletzungen
    umgehen ?


    Eckhardt Kiwitt
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    Kritik und Angst — Wider die Selbstgerechtigkeit

    Mahomet-Zitat_10x10Im Mai 2012 fällte das Landgericht Köln ein vielbeachtetes Urteil zur Knabenbeschneidung, wie sie insbesondere im Judentum und im Islam üblich, aber auch z.B. in den Philippinen und den USA bei Christen weit verbreitet ist, und wertete dieses Ritual, das mich mehr an Voodoo denn an Religion (Gottes- / Göttinverehrung) erinnert, als strafbewehrte Körperverletzung (gemäß § 223 StGB). Im Verlauf der anschließenden öffentlichen Debatte wurde, soweit ich diese verfolgt habe, von keinem Politiker, keinem Journalisten und auch keinem Juristen die Frage aufgeworfen, was das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung mit dem im Artikel 4 Satz 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland zwar „gewährleisteten“, aber keineswegs uneingeschränkt garantierten Recht der „ungestörten Religionsausübung“ zu tun hat. Auch wurde m.W. nicht erörtert, inwieweit es das Erziehungsrecht der Eltern beinhaltet, kleine Kinder oder wehrlose Babys zu verstümmeln, Kinder dadurch „erzogen“ werden.

    » Aus Angst ?

    Stattdessen wurde – m.E. mehr in Wort­hülsen und in Sprechblasen, die bei mir teils den Eindruck von Drohungen hinterließen statt mit Fakten unterlegt zu sein – „argumentiert“, die Religionsfreiheit würde eingeschränkt oder es würden Menschen deswegen gar ihrer Identität oder ihrer Lebensgrundlage beraubt.

    Die Zirkumzision mag in Einzelfällen aus medizinischen Gründen geboten sein, aber: Wenn ich jemandem auf der Straße begegne, sehe ich ihm gar nicht an, ob er beschnitten ist oder nicht, kann seine mögliche Religionszugehörigkeit an diesem Merkmal folglich nicht erkennen — und habe auch nicht das Bedürfnis, dies näher zu untersuchen.

    Falls das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung [*] – entgegen der Aussage in unserem Strafgesetzbuch – keine Straftat sein sollte, was ist es dann? Oder ist Körperverletzung nur dann keine Straftat, wenn sie „religiös“ intendiert ist? Soll also das Begehen von Straftaten dann legitimiert sein, wenn dies als zur „ungestörten Religionsausübung“ gehörend deklariert wird? Das könnte einen beträchtlichen Interpretations- und Handlungsspielraum eröffnen.

    Siehe auch den Beitrag Umkehrschluss

    [*] Falls es judentumsfeindlich, christentumsfeindlich oder islamfeindlich ist, das Begehen von Straftaten zu kritisieren: Was bedeutet dies dann im Umkehrschluss ?

    Bleibt abschließend eine Frage:
    Wie wollen Sie mit Menschenrechtsverletzungen und mit Kritik an Menschenrechtsverletzungen umgehen ?

    Zum Thema auch: BGB § 1631d, in Kraft getreten am 28.12.2012 sowie die Begründung dazu.

    Zur Vertiefung empfehle ich an dieser Stelle das Buch «Identitätslinke Läuterungsagenda — Eine Debatte zu ihren Folgen für Migrationsgesellschaften» von Sandra Kostner
    ibidem Verlag, ISBN 978-3-8382-1307-1

    Das Beitragsbild zitiert einen Satz aus Voltaires Mahomet, den der Sopir im ersten Aufzug, erster Auftritt, in der Übersetzung von Johann Wolfgang Goethe im Dialog mit Phanor sagt.

    Zum weiteren Verständnis dieses Beitrags:
    Herkunft, Abstammung, Religionszugehörigkeit und Fehlverhalten
    Wertschätzung, Unschuldsvermutung und Gerücht
    Begriffsverwirrung: Diskriminierung, Islamfeindlichkeit, Rassismus
    Missverstandene Religionsfreiheit


    Eckhardt Kiwitt
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    Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Text «Angst», den ich im Herbst 2012 verfasst habe.




    My People! My People!

    Der unseren Lesern seit langem bekannte furchtlose Kämpfer gegen die Hexenverfolgungen in Afrika, mein langjähriger Freund Leo Igwe (Nigeria), hat erneut eine Pfingstkirche ausfindig gemacht, die offen zum Mord an "Hexen" aufruft. Leo hat derzeit einen Forschungsauftrag zum Thema an der Universität Bayreuth, publiziert aber weiterhin zur Sache, hier in saharareporters.

    The potentially dangerous activities of a new local church in Cross River-Akwa Ibom states axis of the country should be of concern to all people of conscience in Nigeria and beyond. This church, which habitually starts the themes of its crusade with “My Father! My Father!!…”appears to be on a fast track to causing a new wave of witchcraft related abuse, torture and killings in the region.

     This church is owned and led by a boyish upstart pastor who addresses himself as ‘God’s Prophet’ and as ‘Prophet of signs and wonders’. It is not clear when and how he came about these titles, but like others in the business of penticostalism, these appellations have become the trade mark of this evangelical entrepreneur. From an apartment in Calabar, Cross River State, where it started, the church has grown so rich that it now organizes its meetings in some of the most expensive hotels in the region. But the issue is not whether this ‘My Father Church’ holds its events in cheap or expensive venues but what these programs are all about.

    Recently, the prophetic ministry joined the vanguard of witch hunting churches that are fueling witchcraft related abuse in the region.

    In what appears to be a clear and targeted attempt to undermine the progress which government and non-governmental agencies have made in the fight against witch hunting in Akwa Ibom, the church organized in March a crusade tagged ‘Uyo Festival of Fire’ at Ibom Hall in Uyo, the state capital.
    The theme of the crusade was ‘My Father! My Father!! That Witch Must Die’.

    Anyone who knows the Bible could easily notice a connection between the theme of the crusade and the biblical verse-Ex 22:18- which says ‘Suffer not a Witch to live’. What is particularly disturbing is that the church staged the event at a time the state government is frantically battling to address this tragic situation. The crusade was a literal declaration of war against alleged witches and an unequivocal endorsement of witch hunting in the state.

    Belief in witchcraft is very strong in the region. Witchcraft accusation is very common and witch hunting often erupts in this part of the country. Belief in witchcraft has caused many people to attack, abuse, torture, or kill their children or parents or grandparents whom they blamed for their misfortune.

    In 2008, the government of Akwa Ibom came under international pressure following a documentary on the problem which was broadcast worldwide. The government hastily passed into law a bill that criminalized child witch stigmatization and took some measures to address the problem. Some non-governmental organizations embarked on programs and projects to rescue victims and enlighten the people. In the past two years, significant progress has been made in persuading the local population from engaging in witchcraft related abuses.

    At a time the efforts of government and non-governmental organizations appear to be yielding positive results, the Uyo Festival of Fire which literally sanctioned the execution of alleged witches, could re-ignite these horrific abuses, erode the gains that have been made so far and roll back the wheel of progress.

    We must note that similar witch hunting crusades and revivals by self-styled prophets, evangelists and apostles in the past decades turned the region into a killing and abusing field.
     Sadly, the government of Akwa Ibom, as in the past, stood by and allowed this campaign of hate and violence to be staged in the state.

    Local authorities should as a matter of urgency start monitoring the activities of pastors, prophets, and evangelists in the region and ensure that their so called deliverance sessions, revivals and festivals are not used to incite hatred and violence against innocent citizens, particularly women, children and the elderly, in the name of witchcraft. State governments should not see this as interfering with the freedom of religion of these persons. In fact, freedom of religion does not include inciting hatred and violence against persons in the name of one’s religious belief or inflicting torture, inhuman and degrading treatment on others in the name of religion. Freedom of religion is a human right and should be promoted, protected, defended and guaranteed. But inciting abuses or inflicting harm on people in the name of religion is a crime, and perpetrators should be punished.

    For instance the government of Akwa Ibom should not have allowed the organization of the Festival of Fire. Even now the program is over, the authorities could still arrest and prosecute the organizers for inciting hatred and violence or for aiding and abetting witchcraft accusation and child witch stigmatization. Local authorities should ensure that those who engage in witch hunting or those who fuel these savage crimes are made to face the full wrath of the law. Akwa Ibom and Cross River states have a long history of witch hunting. The authorities should be aware of this, and remain vigilant. They should do everything they can to ensure that the wave of witchcraft related violence and abuses that swept through the region in the past decades does not reoccur.
     

    In conclusion, I say to the government and people in Akwa Ibom, Cross River and the entire Niger Delta: My People! My People!! This Witch Hunting Must Stop! My People! My People!! Those witch hunters must be arrested and brought to justice without delay.

    For the sake of our women, children and elderly persons.

     

    Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

     

    Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

     




    Wertschätzung, Unschuldsvermutung und Gerücht

    Die_Hexe_Duerer_soft

    Wenn man andere von etwas überzeugen will

    oder

    Wie Kritik in eine Art Hexenjagd münden kann …

    * * *

    .

    Eigene Wertschätzung

    Die Werte und Vorzüge eines freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaats jemandem näherzubringen gelingt wahrscheinlich am ehesten, indem man diese Werte vorlebt, sie erklärt und erläutert.

    Diese Werte braucht man dabei weder infrage zu stellen noch herunterzuspielen oder gar zur Disposition zu stellen oder zu verleugnen, sondern man kann zu ihnen stehen und sie ggf. auch gegen Angriffe oder Unterminierungsversuche aus Überzeugung und mit Sachargumenten verteidigen.

    Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen oder Menschen mit einer anderen als der eigenen Meinung oder Weltanschauung pauschal mit Vorurteilen zu überziehen, gegen sie zu hetzen, sie zu beschimpfen und zu beleidigen, dabei vielleicht sogar die Unschuldsvermutung außer acht zu lassen oder zu negieren, dürfte hingegen kaum eine geeignete und überzeugende Methode sein.
    Denn von was will man andere damit überzeugen?

    Wer z.B. meint, vom Fehlverhalten einzelner Menschen einer bestimmten Gruppe oder Herkunft auf alle Menschen der gleichen Gruppe oder Herkunft schließen zu können und ihnen ebenfalls Fehlverhalten unterstellen zu müssen, der lässt die Unschuldsvermutung außer acht.

    Unschuldsvermutung und Gerücht: „Sie haben erzählt, dass …“

    Mit Sätzen wie

    Screenshot: Eine Duisburger Rede,
    3. August 2015

    […] abends um 20 Uhr ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigt wurde. Und nachdem wir ja täglich von solchen Meldungen schockiert werden, kann man sich fast vorstellen, wer der Täter war. Es wurde, vor wenigen Tagen wurde jetzt einer aus einem Asylantenheim verhaftet […], und das ist das, was wir täglich in Deutschland erleben.
    _____
    Im Video bei Minute 0:44-1:20

    werden Menschen gewissermaßen in Sippenhaftung genommen und für Taten verantwortlich gemacht, die sie nicht begangen haben. Derlei gab es in Deutschland zuletzt während der Herrschaft der Nationalsozialisten von 1933 bis 1945, und danach teils noch in der DDR (für mich eine Art «Drittes Reich ohne „Auschwitz“») bis 1989.

    Jemanden für etwas verantwortlich zu machen das er nicht getan hat, ist Ungerechtigkeit, erzeugt Wut und womöglich Hass, der sich später vielleicht ein Ventil sucht oder Trotzreaktionen provoziert.
    Einen Vorteil hat davon niemand.

    Gleiches Recht

    In einem demokratischen Rechtsstaat gilt gleiches Recht für alle — auch für Minderheiten –, ungeachtet, was jemand glaubt oder nicht glaubt. In Deutschland ist dies z.B. aufgrund der Verfassung, u.a. des GG Art. 140 geregelt.
    Wäre es anders, würden Menschen womöglich um die Wette glauben, um mehr Sonderrechte für sich einzuheimsen als der Nachbar.

    Es braucht für einen demokratischen Rechtsstaat, der zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet ist, der weder eine Staatsreligion noch eine Staatsweltanschauung hat, meines Erachtens keinen Grund zu geben, seine Gesetze und seine Grundrechtsgarantien an Glaubensinhalte von Religionen oder sonstigen Weltanschauungen anzupassen. Im Gegenteil sind die Menschen in diesem Land gehalten, sich in ihrem Verhalten an der Verfassung und an den anderen geltenden Gesetzen zu orientieren.

    _____
    Beitragsbild:
    Die Hexe (Albrecht Dürer), Ausschnitt, bearbeitet.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Die_Hexe_(Albrecht_D%C3%BCrer).jpg


    Eckhardt Kiwitt
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    Mythos Integration

    „Eine Korrektur“ möchte Rainer Oechslen, Islambeauftragter der bayrischen Landeskirche, am Begriff der „Integration“ vornehmen. Er meint, erst eine „Richtigstellung der Begriffe“ erlaube nach Konfuzius eine gute Regierung. Allerdings gewinnt man bei Lesen seines Artikels, in dem er mit den sechs Mythen der Integration aufräumen will, eher den Eindruck, als sollten hier Wörter verbogen werden mit dem Ziel, jedwede Integration der Zuwanderer in Deutschland generell überflüssig zu machen. Er sagt zwar ausgesprochen wortreich, was alles nicht Integration bedeute, und das mit einer teilweise Schwindel erregenden Faktenakrobatik, gibt aber nirgendwo einen einzigen Hinweis darauf, wie Integration sich denn nun abzuspielen habe. Doch schauen wir uns seine „Mythen“, hier veröffentlicht, in kleinen Auszügen aus der Nähe an:

    1. Mythos: Integration heißt Assimilation

    Häufig wird in der gegenwärtigen Debatte gesagt, Zuwanderer müssten sich 'anpassen' oder 'angleichen'. Fragt man nach, was das bedeutet, so kann man etwa hören, dass muslimische Frauen kein Kopftuch tragen sollten. Derlei hat mit Integration nichts zu tun.

    Die völlige Angleichung von neuen Mitgliedern einer Gruppe oder Gesellschaft an die bisher herrschenden Sitten und Ideen nennt man Assimilation. Diese von Zuwanderern zu verlangen würde bedeuten, dass sich Zuwanderer von ihren Wurzeln abschneiden und auf ihre kulturelle Identität verzichten müssen.

    Er benutzt also, nur unwesentlich umschreibend, genau das Argument Erdogans, dass Assimilation ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei. Mithin hat Deutschland dieses Verbrechen in seiner Geschichte schon des Öfteren begangen. Die Nachfahren der Polen, Italiener, Spanier, Griechen und so weiter müssen sich also umgehend diskriminiert fühlen, weil sie die Frechheit hatten, sich in die Aufnahmegesellschaft nicht nur zu integrieren, sondern in ihr aufzugehen, ja, sich mit ihr auch genetisch zu vermischen, so dass außer bei den Namen nichts mehr von der ehemaligen Fremdartigkeit zu spüren ist. Das Kopftuch ist eben nur das äußere Merkmal der mangelnden Integrationsbereitschaft und nicht kulturelle Folklore, die man den Zugewanderten natürlich zugestehen muss. Also hat es sehr wohl mit Integration zu tun, auch wenn es Herrn Oechslen ganz und gar nicht schmeckt.

    2. Mythos: In Deutschland spricht man Deutsch
    Zweisprachigkeit in Deutschland keine Seltenheit: Sogar zweisprachige Ortsschilder gibt es in der Gegend von Cottbus/Chóśebuz. Bis 1918 lebte im Deutschen Reich eine große polnische Minderheit. Natürlich bedarf es zur Kommunikation in einer Gesellschaft einer gemeinsamen Sprache. Aber auch hier muss man irrige Vorstellungen korrigieren.

    Deutschland war auch vor den Zuwanderungswellen im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts kein sprachlich einheitliches Land. Es gibt zwar eine einheitliche Landessprache, aber die sorbische Minderheit im Südosten und die Dänen im Norden pflegten und pflegen ihre Muttersprachen neben dem Deutschen.

    Er findet es nicht einmal peinlich, auf die Viersprachigkeit der Schweiz hinzuweisen, und merkt nicht, dass ihn dies und die oben genannten Beispiele auf sehr glattes Eis führen. Die Schweiz in ihrer heutigen Form ist bereits als viersprachiges Gebilde zusammengewachsen, die Sorben und Dänen sind so zu sagen Opfer deutscher Landnahme in der Vergangenheit. Der Vergleich wäre also nur dann passend, wenn im Laufe der Geschichte Deutschland Teile der Türkei oder Nordafrikas annektiert hätte. Dann sollte diesen Landesteilen sehr wohl eine offizielle Zweisprachigkeit zugestanden werden. Oder stellt sich Herr Oechslen vor, wir sollten gleich ganze Regionen in Deutschland als Türkisch, Arabisch oder sonst wie deklarieren, nur damit seiner hinkender Vergleich auf die Beine kommt? Und wenn dies die geeignete Form von Integration sein sollte, warum schlägt er solche Regionen nicht auch für die Ex-Polen, Ex-Italiener etc. vor? Ach ja, ich vergaß: an diesen ist das „Menschenrecht“ bereits vor langer Zeit vorbeigeschlittert.

    3. Mythos: Die Deutschen integrieren sich im Ausland ohne weiteres

    Bekanntlich sind im 19. Jahrhundert in immer neuen Wellen Deutsche in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert. Zwischen 1850 und 1914 kamen etwa fünf bis sechs Millionen in die neue Welt. 'Ghettobildung' war völlig normal. In New York gab es ein "Little Germany" mit deutscher Kirche, deutschem Metzger, deutschem Bäcker, deutscher Zeitung.

    Auf dem Land gab es nicht nur deutsche Dörfer, die etwa "Frankentrost" oder "Frankenmuth" hießen und heißen. Es gab ganze deutsche Landkreise. Man verlangte für die Schulen in diesen Landkreisen ausschließlich deutsche Lehrer und unterrichtete weitgehend nach deutschen Lehrplänen.

    Und wieder verwechselt Oechslen (mit Absicht?) Äpfel mit Birnen. Im 19. Jahrhundert suchte dieses große, weitgehend menschenleere Land fast schon verzweifelt Siedler, die das Land urbar machten. Deutsche waren hochwillkommen, da sie als besonders fleißig und anspruchslos galten. Natürlich wurden ihnen in abgeschlossenen Regionen zunächst Sonderrechte eingeräumt, die sich Stück um Stück verloren. Der falsche Vergleich beruht aber im Wesentlichen darauf, dass heute im Gegensatz zum 19. Jahrhundert eine erheblich größere Mobilität herrscht und auch aus wirtschaftlichen Erwägungen durchaus wünschenswert ist. Mit der Mobilität beginnt auch automatisch die Durchmischung und damit die schreckliche Assimilation. Es ist doch erstaunlich, dass die nach dem zweiten Weltkrieg ausgewanderten Deutschen niemals dieselben Sonderrechte erlangten und verlangten, wie sie den frühen Siedlern zugestanden wurden. Sollten wir also den Einwanderern in Deutschland unbesiedelte Landschaften zur Urbarmachung zur Verfügung stellen, damit wir Oechslens „Gedankengang“ nachvollziehen können? Eine abstruse Vorstellung.

    4. Mythos: Haupthindernis für die gesellschaftliche Integration ist der Islam

    Ist es nicht erstaunlich, welch prägende Kraft man von interessierter Seite der Religion der Muslime zuschreibt, während man andererseits meint, die gesellschaftliche Bedeutung des Christentums liege nunmehr seit Jahrzehnten im Schwinden? Läge es nicht viel näher, bei Muslimen wie Christen die Religion als einen Identität stiftenden Faktor unter anderen anzusehen?

    Das ist alles, was Oechslen zur Religion zu sagen hat. Er stellt sich schlicht nicht einmal die Frage, warum denn wohl das weitgehend zur Folklore mutierte Christentum keinesfalls mit dem Ideologiesystem Islam verglichen werden kann. Wir begegnen hier einmal mehr der üblichen Gedankenlosigkeit, die in unseren etablierten Kirchen vorherrscht, der Islam sei schließlich auch nur eine Religion wie das Christentum. Damit ist das Thema Religion für Oechslen auch bereits abgehakt und er wendet sich den „wahren“ Ursachen der Abschottung zu.

    Das entscheidende Hindernis für die volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist bei Muslimen genau wie bei anderen Zuwandern und bei Alteingesessenen ein geringes Einkommen und eine niedrige formale Bildung.

    Sollen die Arbeiter aus Ostanatolien, die ihr Heimatdorf bei der Ausreise nach Deutschland zum ersten Mal verlassen haben, auf einmal die FAZ lesen oder im Restaurant Filet Bourguignon bestellen, um zu beweisen, dass sie sich nicht in einer Parallelgesellschaft abschotten?

    Ich bin nicht bereit, einen solchen offenkundigen Unsinn (unter verschiedenen Aspekten!) mit einem Kommentar zu bedenken. Der Absatz spricht für sich, aber gegen den Urheber. Doch schließlich kommt Oechslen so ganz nebenbei noch einmal auf das Thema Religion zurück.

    Natürlich spielt auch die Religion eine Rolle, aber oft erst sekundär: wenn etwa Leute, die sich in Deutschland fremd fühlen, in eine Religion flüchten, die ihnen früher gar nicht soviel bedeutet hat, nun aber ein wenig Halt bietet.

    Dabei kommt ein sehr strenger religiöser Orientierungsrahmen dem Bedürfnis nach Geborgenheit unter Umständen entgegen. Man spricht dann von 'Fundamentalismus' – aber eigentlich geht es um Komplexitätsreduktion: Eine als unübersichtlich und bedrohlich empfundene gesellschaftliche Wirklichkeit soll vereinfacht werden.

    Es geht also, das lernen wir nun, um „Komplexitätsreduktion“, um Flucht in die Religion angesichts der bösen Mehrheitsgesellschaft. Oechslen kommt nicht einmal auf die Idee, dass er Ursache und Wirkung hemmungslos vertauscht. Erst die von Beginn an vorhandene Verachtung gegenüber der Mehrheitsgesellschaft mit ihren als skandalös empfundenen Sitten und Bräuchen verhindert jeden Ansatz zur Integrationswilligkeit und –fähigkeit. Wer sich nicht vermischen will, kann sich auch nicht vermischen, da kann die Gemeinschaft der hier bereits länger Lebenden so viele Integrationsanstrengungen unternehmen wie sie will. Hinzu kommt der unabdingbare Wunsch, die Deutschen hätten sich geflissentlich den Moralvorstellungen einer im Mittelalter stecken gebliebenen Ideologie anzupassen, und nicht etwa umgekehrt. Solche Forderungen sind offensichtlich noch nicht bis in die Kirchenspitzen vorgedrungen, und wenn, dann werden sie gar noch als gerechtfertigt empfunden, weil man unter Strich für das Christentum Gleiches anmahnt.

    Den nächsten Punkt kann man aufgrund nunmehr gelebter Praxis nur unterstreichen, er reflektiert allerdings Vergangenes, das keinen Bezug mehr zur heutigen Situation hat. :

    5. Mythos: Deutschland ist kein Einwanderungsland

    Der Satz "Deutschland ist kein Einwanderungsland" ist eine langjährige Lebenslüge der deutschen Politik. Er wurde von manchen Politikern auch dann noch bis zum Überdruss wiederholt, als das Gegenteil bereits mit Händen zu greifen war.

    Doch kommen wir zum sechsten und letzten Mythos des Herrn Oechslen :

    6. Mythos: Integration ist eine Bringschuld der Zuwanderer

    Die Rede von den "Integrationsverweigerern" ist verräterisch. Denn damit sind ja stets Migranten gemeint. Sie "verweigern" – so sagt man – die Integration, indem sie z.B. nicht ausreichend Deutsch sprechen oder ihre Kinder nicht zur Schule schicken. In Wahrheit ist Integration ein Veränderungsprozess, der 'neue' und 'alte' Mitglieder einer Gesellschaft betrifft.

    Wiederum wird die „Schuldfrage“ schlicht umgekehrt. Die ‚alten’ Mitglieder sind die „Integrationsverweigerer“, und da sie zahlenmäßig um ein Vielfaches schwerer wiegen, muss natürlich auch ihre Schuld größer sein. Welch groteske Verdrehung der tatsächlichen Gegebenheiten!

    Natürlich dürfen in einer solchen Darstellung auch die Angriffe auf Alice Schwarzer und Thilo Sarrazin nicht fehlen. Es wäre ja sonst unvollständig.

    Vieles wurde erreicht. Und nun, im siebten Jahrzehnt ihres Lebens, begegnen Frau Schwarzer massenhaft Frauen und Mädchen mit Kopftuch, das sie nicht anders verstehen kann, denn als Symbol der Unterdrückung.

    Und Thilo Sarrazin: Auf einem Podium in München nannte man ihn einen "Kleinbürger, der mit einer ungeordneten Welt nicht klarkomme". Das trifft die Sache recht genau. Aber das "gediegene Münchner Bürgertum" tobt vor Wut, als man sein neues Idol angreift (SZ vom 1.10.10). Hier meldet sich Verweigerung zu Wort, Weigerung eine neue gesellschaftliche Wirklichkeit zu akzeptieren, Ablehnung eines Lern- und Veränderungsprozesses, von dem man doch dunkel ahnt, dass er unvermeidlich ist.

    Ich möchte dem nur hinzufügen, was ich selbst von Frauen denke, die mir mit Kopftuch entgegen treten (und ich sage dies auch laut in „meinem“ Land). Ich empfinde dieses religiös verbrämte Outfit als Provokation, als Beleidigung meiner Intelligenz, weil ich genau weiß, was diese Frau mir gegenüber zum Ausdruck bringen will: Ich trage dieses Kopftuch, weil Du ein mieses Schwein bist, das mich sofort vergewaltigen würde, sobald ich es ablege. Ich finde, dass mich dieser Satz durchaus beleidigt.

      




    Vom Primat der göttlichen Moral

    Wie gering die Bereitschaft von Religionen ausgeprägt ist, weltliches Recht als übergeordnet anzuerkennen und danach zu handeln, zeigt sich nicht nur in den täglichen Forderungen nach neuen Sonderrechten für Moslems, sondern auch Christen sind trotz stetiger gegenteiliger Beteuerungen nicht bereit zurückzustecken, wenn weltliches Recht mit den eigenen Vorstellungen kollidiert. Belege für diese Behauptung sind zahlreich, typisch sind die Scharia-Vorbehalte der OIC (Organisation of Islamic Countries) gegenüber der Menschenrechtsdeklaration von 1948 ebenso wie die fehlende Unterschrift der Römisch Katholischen Kirche. Die Kumpanei zwischen Katholiken und Moslems geht aber viel weiter, wie der gemeinsame Kampf gegen die Blasphemie oder die Homosexualität zeigt. Dabei stellt sich der Vatikan einmal mehr auf die Seite der Unrechtsstaaten, in denen die Menschenrechte keinen Pfifferling wert sind und in denen Minderheiten gleich welcher Natur rigoros verfolgt werden.

    Dabei ist es völlig gleichgültig, ob Homosexualität erblich bedingt ist, durch Sozialisation erklärt wird, oder ob sie als Krankheit deklariert wird. Gegen die Diskriminierung dieser Randgruppe wendet sich eine Resolution von 83 Staaten in der UNO unter der Federführung von Kolumbien. Die im März 2011 im UN-Menschenrechtsrat in Genf von Kolumbien verlesene Erklärung trägt den Titel: "Gewaltakte und Menschenrechtsverletzungen wegen der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität verhindern". Darin äußern die Unterzeichner Sorge über die Diskriminierung von Schwulen und Lesben "in jeder Weltregion". Die beklagten Menschenrechtsverletzungen schlössen "Tötungen, Vergewaltigungen, Folter und strafrechtliche Verfolgung" ein, also genau das, was in mehrheitlich moslemischen Ländern, aber auch in evangelikal dominierten, an der Tagesordnung ist. Von den mehrheitlich moslemischen Ländern schlossen sich nur Albanien und Bosnien-Herzegowina der Resolution an. Wie nicht anders zu erwarten, empörten sich die römischen Menschenrechtsverletzer umgehend. Doch nicht etwa gegen diejenigen, die die Menschenrechte mit Füssen treten, was man ja aufgrund der „Christlichkeit“ mit Fug und Recht erwarten dürfte – nein – die Empörung traf diejenigen Staaten, die die Resolution eingebracht haben. Queer.de  berichtet:

    Scharfe Kritik am Papier hat die katholische Kirche geäußert. Der Vatikan warnte nach Verkündigung der Erklärung davor, dass die Akzeptanz von Homosexuellen zur Verfolgung von Christen führen könne: "Viele werden attackiert, wenn sie sexuelles Verhalten zwischen Menschen des selben Geschlechts nicht unterstützen", sagte Erzbischof Silvano Tomasi, der Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen. Wenn sie ihre moralischen Bedenken äußerten, würden Gläubige "stigmatisiert, verteufelt und verfolgt." Der Erzbischof verteidigte das Recht der Staaten, Homosexualität zu verbieten: Staaten müssten das Recht haben, "gewisse sexuelle Handlungen" zu regulieren und gewisse "sexuelle Verhaltensweisen" per Gesetz zu untersagen

    Dazu erübrigt sich im Prinzip jeder weiter gehende Kommentar. Man stellt sich – Spitze der Perfidie und Bigotterie – offen auf die Seite der Mörder und beweint gleichzeitig die mangelnde Toleranz der Aufgeklärten gegenüber der Kirche. Diese Schizophrenie setzt sich in religiös überwucherten Web-Publikationen wie Politically Incorrect fort: Man empört sich über die „Baukräne“ im Iran, betreibt aber simultan eine gnadenlose Hetze gegenüber denen, die Opfer solcher Massaker sind. Als ob es einen Unterschied machte, ob Minderheiten konkret ausradiert werden, oder ob man nur indirekt Beifall dazu klatscht. Da kann man leicht sagen, dass die heilige römisch katholische Kirche in letzter Zeit keinen Homosexuellen selber aufgehängt hat. An Schäbigkeit ist das wohl kaum noch zu überbieten. Ein solches Verhalten ist wohl kaum geeignet, ein „christliches Abendland“ schmackhaft zu machen.

    Mit einer Selbstverständlichkeit, die ihresgleichen sucht, fordern Muslime den Schlachtruf des Muezzins vom Minarett herab und Katholiken christliche Symbole in staatlichen Einrichtungen, und beide völlig unabhängig davon, ob andere dadurch eingeschränkt, geschädigt, oder in ihrem Befinden belästigt werden.

    Gilt es aber – reichlich selten genug – den weltlichen Gesetzen zur Geltung zu verhelfen, erhebt sich ein großes Geschrei über die Intoleranz gegenüber den Religionen. Zwei typische Bespiele werden von Kath.net beweint: USA: Toleranz für jeden – außer für Katholiken? Amerikanische Katholiken sind besorgt, dass ihnen immer mehr Freiheiten genommen werden.

    Um welche Freiheiten handelt es sich dabei? Man liest: (…) in San Antonio in Texas, fanden die Äußerungen des atheistischen Elternpaares Christa und Danny Schultz sehr viel Beachtung. Sie waren besorgt, dass ihrem Sohn Schaden zugefügt wird, wenn er mit Worten wie Gott oder Gebet bei seiner Schulabschlußfeier konfrontiert würde. Chef- US-Bezirks-Richter Fred Biery entschied daraufhin, dass bei der Graduiertenfeier der Oberschule keinerlei Gebet gesprochen werden darf und auch nicht das Wort „Gott“ oder ein „Amen“ erwähnt werden soll, da dies den Teilnehmern der Feier schaden würde. Jedem, der diesem Urteilsspruch zuwiderhandelt, wird mit einer Gefängnisstrafe gedroht. Amerikanische Katholiken kommentieren, dass dieses dem Ersten Staatsgesetz der Meinungsfreiheit widerspricht. "Wir können das tun was wir wollen und sollten nicht darauf achten müssen gewisse Dinge nur tun zu dürfen wenn es dem Anderen auch genehm ist. Katholischen Christen darf es nicht verboten werden, das zu tun, was ihre Religion ausmacht. Ein Christ spricht ganz natürlich jeden Tag vom lieben Gott und keiner hat das Recht, ihn gesetzlich zu belangen, wenn er nicht den Mund hält".

    Diese Form des steten Beleidigtseins, wenn Ansprüche aus offensichtlichen Gründen nicht anerkannt werden, kennen wir ja auch zur Genüge von der moslemischen Propaganda-Maschinerie. Doch wiederum die Frage: warum wird von so vielen mit zweierlei Maß gemessen, je nachdem, von welcher Seite Forderungen gestellt werden? Ist der Ruf des Muezzins vom Minarett herab etwas anderes als die christliche Berieselung mit Gebeten in einer notabene weltlichen Schulabschlussfeier?

    Ein weiteres Beispiel, wie sich die katholische Kirche über gesetzliche Bestimmungen hinwegsetzt, und ihre eigene Vorstellung von Moral anderen – obwohl vom Staat finanziert – aufzwingen will, findet sich hier: Amerikanische Katholiken sind besorgt, dass ihnen ihre religiösen Freiheiten immer mehr genommen werden. Grund für die Annahme ist ein neues Gesetz, erlassen vom Bundesstaat Illinois. Im Mittleren Westen der USA hat am 26. Mai 2011 die Diözese von Rockford beschlossen aus einem Adoptionsprogramm für Kinder auszusteigen. Die Diözese will keine Kinder an unverheiratete oder gleichgeschlechtliche Paare vermitteln. Weiterlesen

    Da passt es den Katholiken natürlich gut ins Konzept, dass auch die Evangelischen am selben Strang ziehen, wenn es gilt, einen antikirchlichen Stimmungswandel zu konstatieren. So erklärte der evangelische Kirchenpräsident Christian Schad: Atheistische Forderungen finden zunehmend positive Resonanz.

    Seltsam nur, dass wir Atheisten davon so wenig wahrnehmen und lediglich konstatieren können, dass sich der religiöse Einfluss in der Gesellschaft immer stärker breitmacht. Doch lesen Sie mehr zum Thema Antikirchlicher Stimmungswandel.

    Das sind Puzzleteile einer groß angelegten Kampagne des Vatikan gegen den Säkularismus, der sich im Motu proprio „Ubicumque et semper“ angekündigt hat, und das nunmehr in der Koalition mit Protestanten und Moslems seine Fortsetzung findet. Wir sind sicherlich noch nicht am Ende der Aktionen angekommen und sollten genau beobachten, mit welchen Mitteln die Gegenseite den Kampf führt.

    Da trifft es sich auch gut, dass Psychiater nun festgestellt haben, beim Atheismus handele es sich um eine schlichte Geisteskrankheit, verwandt dem Terrorismus derer, die den Koran nicht verstanden haben. Auch oder gerade, wenn Sie dieses „Argument“ unbeschreiblich lächerlich finden sollten, versäumen Sie bitte nicht, sich darüber zu informieren. Systemfeinde als psychisch krank zu bezeichnen hatte schon in anderen Gesellschaftsformen Methode. Sind wir jetzt hier auch schon soweit?

    Passend zum Thema (aus Atheist Cartoons):

     




    Nelly

    “Neger-Nelly, Neger-Nelly!” krächzte es über den Schulhof, und das solcherart beschimpfte Mädchen warf sich schluchzend in die Arme seiner besten Freundin. Mit ihrem krausen Haar, den tiefdunklen Augen und ihrer braunen, samtenen Haut war sie wunderschön. Aber das wusste die Elfjährige noch nicht.

    Zwei schlaksige Rüpel, die offenbar meinten, sich bei dem Geschrei besonders hervortun zu müssen, schnappte der Aufsicht habende Lehrer am Schlafittchen und brachte sie vor die Rektorin.
    Die setzte mühsam den strengsten Blick auf, der ihr zur Verfügung stand, und ließ eine Standpauke ab, in der von Rassismus, Respekt und freundlichem Miteinander die Rede war und die mit der Frage schloss:
    “Woher habt ihr solche Ausdrücke? Was lest ihr bloß für Bücher?”
    “Bücher, hä?” hallte es verständnislos aus beider Mund.
    “Ich will dieses Wort nicht noch einmal hören, sonst knallt’s!”
    Obwohl keineswegs klar war, was da wie laut knallen sollte, maulten die Beiden in das Stundenklingeln hinein ein halbherziges “okay”, worauf sie sich trollen durften.
    Um Nelly hatte sich unterdessen niemand gekümmert, jetzt war es ohnehin zu spät, denn der Unterricht musste fortgesetzt werden.
    In den Augen der Schulleitung war die Einrichtung nun frei von Rassismus, denn die beiden Rabauken hielten ihr Wort: Sie stellten das Brüllen ein, näherten sich Nelly nur noch unverhofft von hinten und fauchten ihr ins Ohr:
    “Schwarzes Opfer, schwarzes Opfer!”
    Sollte sich Nelly beschweren? Nichts wäre zu beweisen gewesen, Aussage hätte gegen Aussage gestanden.
    Nelly war eine sehr gute Sportlerin, besonders die Leichtathletik hatte es ihr angetan. Im Sprint sauste sie allen davon.
    Beim Schulsportfest tauchte ein Talentsucher vom Sportgymnasium auf.
    “Wer ist denn die kleine farbige Gazelle da?” fragte er.
    “Das ist unsere Nelly”, antwortete stolz die Rektorin.
    “Ja, ja, die Naturvölker.”
    “Sie ist hier geboren”, korrigierte ihn die Rektorin, “ihre Eltern sind Deutsche.”
    “Macht ja nichts. Ist gekauft!” trompetete der Kopfjäger.
    “Gekauft?” Die Rektorin riss die Augen auf.
    “Ja, klar – sagt man so in unserer Branche. Denken Sie nur an all die Fußballer. Na, nichts für ungut. Das Mädel hat Zukunft!”
    An der Sportschule begrüßte man sie nicht unfreundlich: “Aah, unsere kleine AfroAmerikanerin!”
    “Isch nischt Afro, isch nischt Amerika, isch deutsch, ihr Kanaken!” zischte Nelly zurück. Irgendwann musste sie anfangen, sich zu wehren.
    “Ist ja gut. Dann eben AfroDeutsche.”
    Beinahe hätte Nelly darum gebeten, wieder als Negerin bezeichnet zu werden. Eine Leistungssportlerin muss wohl hart sein, auch im Nehmen.

    Wollte man alle Wörter ausmerzen, mit denen Menschen beleidigt werden können, hätten wir bald keine Sprache mehr. Obwohl – eine gewisse Sprachlosigkeit stünde uns zuweilen vielleicht ganz gut zu Gesicht, oder?

    Titelfoto unter CC-Lizenz, das abgebildete Mädchen hat mit der fiktiven Person Nelly nichts zu tun. 

    Quelle: http://dubiator.wordpress.com/2013/01/24/nelly/#more-1110

     

    Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

     

    Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

     




    Marokko: Tod für Shorts!

    marokkoshortsFolgendes Bild zog dieser Tage durch durchs Net:

     Die abgebildeten Mädchen arbeiten irgendwo in Marokko als eine Art Entwicklungshelfer. In der Afrohitze kleidete man sich entsprechend leicht, man hatte offenbar ganz darauf vergessen, dass Nordafrika muslimisch ist und dort immer noch so heftige Sittlichkeitsgebote gelten wie in den katholischen Gebieten vor hundert Jahren.

    Siehe hier: Foto von einem seinerzeitigen Badestrand in einem katholisch gesitteten Land

    Die jungen Belgierinnen erschienen in einen TV-Beitrag in Marokko, während sie in Shorts arbeiteten. Daraufhin drohte ein 26-jähriger Lehrer ihnen mit dem Tod: Die Frauen sollte man enthaupten, damit sie es sich nicht mehr wagen, die Lehren der Islam-Religion in Frage zu stellen!

    Die Frauen reisten ab, Belgien wird hinkünftig für solche Tätigkeiten niemanden mehr nach Marokko schicken.

    In Marokko gab es Solidarität, marokkanische Frauen traten in Casablanca in Shorts auf, ein Khalid Chafaqui stellte davon einen 5-Minuten-Film auf Facebook, in welchem die nackten Beine der Frauen möglichst wenig zu sehen waren, mit Sekundenschiebereien gelang dann dieser Screenshot, Chafaqui will ja vermutlich auch nicht geköpft werden:

    Da kann man sich als Europäer wieder einmal erleichtert darüber freuen: die katholischen Köpfer haben wir im Laufe der letzten Jahrhunderte überwunden!

     

    Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




    Da lacht der Papst

    Argentina's Cardinal Jorge Bergoglio, right, gives a mass outside San Cayetano church in Buenos Aires, Friday Aug.7, 2009.  Hundreds flocked Friday to San Cayetano church, the patron of work, to pray for prosperity and employment on his day. (AP Photo/Natacha Pisarenko)

    Ahí, wie christenlíche nu der babest lacht

    Ei, wie fromm der Papst jetzt lacht,
    wenn er zu Gays und Lesben sagt:
    “Solch Tun ist wider die Natur,
    Sex dürfen Eheleute nur
    zu schaffen sich die Kinder an.
    Ihr handelt gegen Gottes Plan!”

    Wie christlich dieser Papst jetzt lacht,
    wenn er zu all den Frauen sagt:
    “Das Weib den Mann nur unterstütze,
    zu höher’m Tun ist sie nicht nütze,
    schon gar nicht für die Politik.
    Dort suche nur der Mann sein Glück!”

    Wie christlich-fromm der Papst jetzt lacht,
    wenn er in seiner Demut sagt:
    “All die, die nicht zum Herrn aufsehn,
    die soll’n getrost zum Teufel gehn!”
    So klar hört’s mancher Christ nicht gern
    und hält sich drauf vom papa fern.

    Denkt von dem Papst nicht allzu schlecht,
    denn das ist Kirchen-”Menschenrecht”.
    All dies wuchs nicht auf seinem Mist,
    der Mist christliche Lehre ist!

    (ganz frei nach Walther von der Vogelweide, umgeschrieben von Rainer Buchheim)

    Quelle: http://dubiator.wordpress.com/2013/03/19/ahi-wie-christenliche-nu-der-babest-lacht/#more-1139

     

    Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

     

    Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

     




    „An keiner Stelle verurteilt die Bibel Homosexualität!“

    HomoDas stellte die Bibelwissenschaftlerin Ilse Müllner fest auf und katholisch.de interviewte am 29.7.2019 Ilse Müllner darüber:

    Frage: Frau Müllner, (..) lässt sich aus der Bibel eine Abwertung von Homosexualität herauslesen?
    Müllner: Nein, aus der Bibel lässt sich überhaupt nicht ableiten, wie man sich heute als Christ oder als Christin mit Blick auf das Thema Homosexualität positionieren muss. Erstens, weil die Bibel nichts über Homosexualität, wie wir sie heute verstehen, aussagt. Und zweitens, weil die sexuellen Akte, die darin beschrieben werden, immer in ihrem jeweiligen kulturellen und sozio-historischen Kontext betrachtet werden müssen. Die Vorstellungen von einer homosexuellen Partnerschaft gab es damals noch nicht. Davon spricht man erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts.

    Frage: Gerne werden Levitikus 18,22 und Römer 1,26-27 für eine negative Bewertung von Homosexualität herangezogen.
    Müllner: Man kann diese Stellen nicht gegen Homosexualität, wie sie heute verstanden wird, heranziehen, denn es geht darin nicht um eine auf Dauer angelegte Liebesbeziehung von Menschen gleichen Geschlechts. Das muss man wissen, bevor man solche Zitate zur Argumentation heranzieht. Bei Levitikus wird abgelehnt, wenn ein Mann bei einem Mann wie bei einer Frau liegt. Damit wird Analverkehr zwischen Männern beschrieben. Doch es geht hier nicht um eine homosexuelle Beziehung. Es geht um einen Geschlechtsakt, der verurteilt wird, weil er nicht als gemeinschaftsförderlich angesehen wird. Das wird aus dem Kontext deutlich, wo unter anderem auch der Geschlechtsverkehr mit einer menstruierenden, also zu diesem Zeitpunkt nicht fruchtbaren Frau, abgelehnt wird. Aus der erzählenden Literatur wird oft auf Genesis 19 verwiesen. Hier sollen Gäste, die in die Stadt Sodom, daher der Begriff Sodomie, kommen, durch Sexualverkehr gedemütigt werden. Es geht wieder nicht um homosexuelle Beziehungen. Stattdessen sollen Männer durch eine Gruppe anderer Männer vergewaltigt werden. Es geht also um fremdenfeindliche Gewalt. Bei dieser Bibelstelle wird der Zusammenhang von Sexualität und Macht deutlich. Mit diesem Zusammenhang müssen wir uns ja gerade auch im Hinblick auf den Missbrauchsskandal auseinandersetzen.

    Atheistische Anmerkungen

    Es hatte daher nix mit Homosexualität und Homosexuellen zu tun, wenn in Lev 18,22 steht, "Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel."
    Und wenn dann über "Gräuel" in Lev 18, 29-30 steht: "Alle nämlich, die irgendeine dieser Gräueltaten begehen, werden aus der Mitte ihres Volkes ausgemerzt. Achtet auf meine Anordnungen, befolgt keinen von den gräulichen Bräuchen, die man vor euch befolgt hat, und verunreinigt euch nicht durch sie. Ich bin der Herr, euer Gott."

    In unseren Breiten wurden Männer, die mit einem Mann schliefen, wie man mit einer Frau schläft, letztmalig in der Nazizeit aus ihrem Volk ausgemerzt, weil der Hitler hielt sich noch an Gottes Wort! In Österreich war Homosexualität aus dieser Gräuelpraxis noch bis in die 1970er-Jahre strafbar gewesen, dann wurde 1971 das von der damaligen SPÖ-Regierung unter Kreisky abgeschafft. Das Delikt hatte geheißen "Unzucht wider die Natur mit demselben Geschlecht". Die katholischen Bischöfe wurden wegen der Abschaffung des Strafparagraphen von Sorgen geplagt, sie befürchteten wegen der Entkriminalisierung, dass Homosexualität "zur Mode" werden könnte. Denn die Bischöfe hatten ja in der Bibel Gottes Wort über die homosexuellen Gräuel. Und sie wussten wohl auch, dass es unter Geistlichen überproportinal viele Homos gab…

    Im Römerbrief von Paulus steht in 1,27 "ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung." Nach einer Reihe von Beschimpfungen steht im Vers 32, "Wer so handelt, verdient den Tod." Und das hat laut Frau Müllner nichts mit einer biblischen Verurteilung der Homosexualität zu tun, weil von homosexueller Partnerschaft steht nichts in der Bibel. Dass das damit zusammenhängt, dass damals Homosexualität ein Ausmerzungsdelikt war, darauf kommt im 21. Jahrhundert eine Bibelwissenschaftlerin nicht. Weil heute die Homosexualität anders verstanden wird und in der Bibel das Wort "Homosexualität" nicht vorkommt, sondern nur homosexuelles Verhalten beschrieben wird? Laut göttlicher Bibelvorschrift waren Männer, die mit einem Mann schliefen, wie man mit einer Frau schläft, aus dem Volke auszumerzen, bzw. hatten Männer die mit Männern Unzucht trieben, den Tod verdient. Aber in der Bibel steht keine Stelle, die Homosexualität verurteilt!???

    Geht's noch heuchlerischer, noch scheinheiliger? WC! Wohl Caum!

    Vielleicht könnt sich Frau Müllner auch noch damit befassen, dass der Jesus die Sklaverei als Selbstverständlichkeit nahm. Steht wahrscheinlich auch nicht in der Bibel. Und dass Sünder und Ungläubige ins ewige Höllenfeuer kommen, dazu könnte Frau Müllner bestimmt auch was Himmlisches schreiben!

     

    Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




    Eine Frau allein gehört allen!

    Ein provokanter Titel, ok, aber mal sehen, was dies bedeutet. Dieser Ausspruch ist im Orient gang und gäbe. In meinem Erlebnisbericht will ich die Alltagssituationen schildern, die ich mit den Frauen dort selbst erfahren habe. Wir kennen alle die Szenen auf der Straße, Frauen mit Kopftüchern oder sonstiger Verschleierung und immer in Gruppen. Für mich persönlich, man soll mich ruhig steinigen und von mir aus auch böse angiften,  kein fremdes oder ungewöhnliches Bild, da ich weiß, wie ein Großteil dieser Frauen lebt. Wer wie ich jahrelang im Ausland,  vor allem im Orient war, der weiß, was Sache ist.

    Es fängt schon in der Kindheit an. Die Erziehung der Mädchen ist wesentlich restriktiver als die der Jungen. Das heißt aber nicht, dass die orientalischen Väter ihre Töchter nicht liebten. Ich habe auch im Laufe der Jahre sehr viele gute und herzliche Menschen kennen und lieben gelernt,  mit denen ich heute noch in engem Kontakt bin. So schön wie die Länder und die ganze Atmosphäre dort unten sind, so schwierig sind die Lebensbedingungen der einfachen Bevölkerung, besonders der Frauen. Die gebildete Oberschicht ist da anders und passt sich sehr der westlichen Lebensweise an und verinnerlicht sie auch. Dies hat zum Glück auch Auswirkungen auf die Erziehung der Mädchen.  Außerdem ist es in der Oberschicht nicht ungewöhnlich, dass ausländische Ehepartner gewählt werden.

    Die einfache Bevölkerung hat da weniger Möglichkeiten sich zu entfalten. Der  Familienzusammenhalt ist zwar im Allgemeinen sehr stark und ausgeprägt, aber dies erfordern die schweren Lebensbedingungen zwangsläufig. Wenn kein Geld für Essen und Medikamente usw. da ist, wer springt dann in die Bresche? Die Familie, sprich die Verwandtschaft.

    Die Grund- und Hauptschule dauert in den meisten Ländern des Orients nur knapp 5 Jahre. Wer dann weiterhin seine Kinder in die Schule schicken will, benötigt Geld und zwar nicht wenig, das die meisten nicht haben. Sie sind froh, wenn sie genug zum Essen auf dem Tisch haben. Da liegt natürlich auch der Hase im Pfeffer, wie man bei uns so schön sagt. Die Bildung fehlt. Es gibt auch rühmliche Ausnahmen im orientalischen Sprachraum. Das ist Tunesien und man sollte das auch erwähnen. Israel ist ebenfalls eine rühmliche Ausnahme. Ich will mich aber mehr auf den muslimisch orientierten Kulturkreis beschränken.

    Wenn die Familien kein Geld haben, um alle ihre Kinder auf die Schule zu schicken, dann wird es folgendermaßen gehandhabt: Der älteste Sohn darf weiterhin auf die Schule gehen und die Töchter bleiben dann bis zu ihrer Verheiratung zuhause. Die Ehe wird natürlich von den Eltern arrangiert. Zum großen Teil wird in der eigenen Verwandtschaft nach einem passenden Partner gesucht, weil, so das Argument, man kennt sich schließlich und ist angeblich vor bösen Überraschungen sicher. Tja, was sollte ich als Ausländerin da schon sagen. Die linguistische Variante ist da schon interessanter. Wenn jemand, wie gesagt, einen Partner für seine Kinder sucht, sollte er aus der „Sulale“, also aus der Verwandtschaft kommen.

    Wenn eine Frau geschieden wird oder verwitwet ist, geht sie meistens in ihre Ursprungsfamilie zurück. Eine verwitwete Frau wird bedauert, aber bei einer geschiedenen Frau hält sich das Mitleid in Grenzen. Wer weiß, wie schlecht sie war, weil der Mann sich hat scheiden lassen müssen. Es ist eine Doppelmoral, die mir oft die Haare zu Berge stehen ließen.

    Ein Beispiel aus dem Türkischen: Dul Kadin = Witwe, Bosanmis Kadin = Geschiedene.

    Diese beiden Frauen haben eines gemeinsam. Na klar, keinen Mann! Insofern heißen sie auf türkisch auch, man staune: Sahibsiz Kadinlar, also „Herrenlose Frauen“, ich habe mich damals weggeschmissen vor Lachen, aber nicht weil es so lustig war. Es war die pure Ironie. Ich konnte es nicht fassen. Bei dem Begriff herrenlos, denke ich automatisch an streunende Hunde und Katzen. Dass dieser Begriff auch auf allein stehende Frauen angewandt wird, war für mich einfach nicht zu verstehen.

    Ein anderes Erlebnis war  auf einer Busfahrt in Istanbul mit meinen Leuten. Der Bus war wie immer rappelvoll und die Hitze und Ausdünstungen ließen die Stimmung im Bus auf den Nullpunkt sinken. Es ist tatsächlich eine komische Marotte in vollen Bussen in Istanbul, den Frauen einfach fest in den Hintern zu kneifen. Ich wurde, bevor wir in den Bus einstiegen, extra von meinen Leuten darauf aufmerksam gemacht. Dies ist halt so, wurde mir gesagt. Ok dachte ich mir, lass mal den Poppeskneifer an mich herantreten, dann gibt’s Zoffff…

    Wir stiegen in den Bus und ich konnte tatsächlich beobachten, wie andere Schnurrbartträger die Weibsen vor uns in den Vollmond kniffen. Mir und meinen Leuten liefen die Tränen vor Lachen herunter und ich musste mich so zusammenreißen, um nicht laut loszuprusten. Auf einmal spürte ich ein Kneifen in meinem Sitzpolster und der Kerl grinste mich an und sagte: Hallo du schöne blonde Frau. Ich drehte mich abrupt um und packte den Schnurrbart an der Gurgel. Ich sagte dann auf Türkisch zu ihm, dass ich ihn zur Frau machen werde. Der ganze Bus tobte und alle gackerten wie Hühner wild durcheinander. Es war einfach herrlich – Satire pur. Der arme Busfahrer kam sofort und entschuldigte sich bei mir und schmiss den Mann raus. Ich sagte ihm, dass dies natürlich nicht seine Schuld war und solche Deppen überall anzutreffen sind. Aber ich denke, ich habe einiges bewirkt. Bei der Weiterfahrt kamen wir ins Gespräch mit den anderen betroffenen Frauen und die gaben mir Recht und sagten zu mir: „Sen Aslan gibi Kadinsin.“ Das bedeutet, du bist eine Frau, wie ein Löwe. Der Schnurri hat mit Sicherheit an diesem Tag keine Frau mehr in ihren Vollmond gezwickt. Aber es ist schon bezeichnend, dass die Frauen nicht gekniffen wurden, die einen männlichen Begleiter bei sich hatten.


    Moderne Frauen in Tunesien

    In Tunesien war das nächste lustige Erlebnis, lieber Wim*. Es war wieder zum Brüllen. Wir waren in Hammamet. Eine tolle Küsten- und Piratenstadt mit einer ummauerten Medina. Meine Freundin und ich schlenderten am Abend die Küstenstraße entlang und wollten noch einen Pfefferminztee trinken und evtl. eine Shisha rauchen. Na ja, wie es so ist in diesen Touristenstädten, eine Menge heißblütiger junger und nicht mehr ganz so taufrischer „Kobolde“ lauerten auf weibliche Beute. Etliche habe ich ganz cool und lässig abweisen können, nur 2 besonders hartnäckige, die wichen zum Henker uns nicht von der Seite. Sie bezirzten und beschleimten uns über eine Stunde. Wie sind wir doch so schön und wir wären wie die Blumen der Nacht. Das Augenrollen ging bei meiner Freundin hin und her. Dann hatte ich eine Idee und gab meiner Freundin ein Zeichen, dass ich den Burschen ein wenig Dampf machen würde.

    Ich habe nach dem ganzen Geschleime dann eine todernste Miene gemacht und den Kobolden sagte  ich: „Hört mal her Jungs. Ich muss euch was sagen.“ Die Kobolde waren ganz Ohr. Ich sagte zu ihnen, dass meine Freundin eine echte Frau sei, aber ich in Wirklichkeit ein Transvestit. Auf einmal trafen mich alle möglichen Beschimpfungen auf Arabisch und die Kobolde liefen schnurstracks davon. Wir lachten uns schlapp und tranken dann weiter unseren Tee und genossen die Shisha. Der Wirt fragte uns dann freundlich, warum wir so lachten. Ich erzählte ihm die ganze Geschichte und versicherte ihm, dass ich aber in Wirklichkeit doch eine echte Frau sei. Der Mann lachte sich kaputt und sagte dann zu uns, dass dies eine sehr gute Idee von mir war, um diese Strolche loszuwerden. Er würde sich das merken und diesen Tipp an andere Touristen weitergeben, damit die ihre Ruhe hätten.

    Ich bereiste auch Algerien und Marokko. Marokko gefiel mir sehr gut, Algerien war auch teilweise sehr schön, aber die politische Situation damals zwang mich, das Land schleunigst wieder zu verlassen. Es war einfach traurig.

    Im Großen und Ganzen muss ich sagen, die Situation der Frauen ist nach der Jasmin-Revolution in Tunesien vielleicht, und dies sage ich mit leiser Hoffnung, besser geworden. Aber in den anderen orientalischen Ländern eben nicht. Die Türkei wird fundamentalistisch werden, mit einem verurteilten Volksverhetzer und Islamisten als Staatspräsident, kein Wunder. In Syrien geht der Punk ab. Im Libanon ist die Hizbollah die starke Kraft. Wenn ich an diese beiden Länder denke, bin ich betrübt. Damaskus ist eine tolle Stadt und der Libanon ein herrliches Land mit einer sehr gebildeten Französisch sprechenden meist christlichen Elite. Jordanien sitzt auf dem Pulverfass und Israel genauso. Von der arabischen Halbinsel möchte ich gar nicht erst reden.

    Ägypten wird seine Muslimbrüder bekommen. In Libyen tobt der Irre immer noch umher.

    Und in diesen Ländern sind die Frauen diejenigen, die die Hauptlast in der Familie tragen.

    Der Ausspruch: Eine Frau allein gehört allen, existiert tatsächlich. Er besagt, dass eine Frau ohne Mann oder männlichen Schutz ein Nichts ist, mit der man machen kann, was man will.

    Die Frauen dort definieren sich nur dann als vollwertige Frau, wenn sie mindestens ein Kind geboren haben, wenn möglich, einen Sohn. Im Nahen Osten wird die Frau immer mit dem Vornamen ihres ältesten Sohnes angesprochen – es ist eine Form der Ehrerbietung. Wie z. B.: Die Frau von Hassan xy hat einen Sohn mit Namen Abdul, dann heißt die Frau nicht Frau  xy sondern Umm Abdul, also Mutter des Abdul.

    In der Familie hat die Frau zu dienen, auf türkisch vazife. Erst dem Ehemann, dann den Schwiegereltern vor allem der Schwiegermutter, dann den Schwestern des Mannes und den Brüdern also der ganzen Sippschaft des Ehemannes. Sie muss den ganzen Haushalt schmeißen, denn dazu ist sie da. Dafür hat sie den lebenslangen Schutz ihrer Sippe. Wehe sie verliert ihn, dann ist sie verloren und wird von der Gesellschaft geächtet. Jeder kann also mit ihr machen was er will. Viele Frauen sind deswegen in die Prostitution hineingeraten aufgrund dieser patriarchalischen Familienstruktur, die keine Gnade kennt. Nur Ehre, lebenslanger Dienst an der Familie und Gehorsam. In den Moscheen wird das immer wieder gepredigt. Die gehorsamen Frauen behaltet und beschützt sie, aber die Widerborstigen, jagt sie davon!

    Ich habe viele traurige Gesichter im Nachtleben von Istanbul gesehen und konnte darin lesen wie in einem Buch. Mit vielen bin ich ins Gespräch gekommen und mit einigen bin ich noch heute eng befreundet. Ich denke, es wird noch lange dauern, bis die Türkei und auch der Orient den Humanismus und Laizismus als selbstverständlich annehmen wird. Die jetzige Entwicklung sagt nichts Gutes voraus.

    Einen lieben Gruß an Kantomas-Kardesim. Istanbulu dinliyorum, Gözlerim kapali.

    Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

    Titelillustration von Azrail

      *Wim ist die liebevolle Abkürzung meines damaligen Spitznamens "Wissen ist Macht, unter dem ich anfangs auch noch auf WB schrieb (Frank Berghaus).




    Koran verworfen — eine Zeitenwende

    Eine Nichtsatire

    Es begab sich aber zu der Zeit, da das Ende des Zweiten Weltkriegs gerade mal ein paar Wochen zurücklag. Allah war ins Grübeln gekommen. Nicht dass Allah für den Zweiten Weltkrieg und die während dieses internationalen Gemetzels begangenen Greueltaten verantwortlich gewesen wäre oder dass dazu in seinem Koran eine Anleitung oder eine Anweisung zu finden gewesen wäre. Aber das Ausmaß hatte ihm doch zu denken gegeben und er überlegte sich, wie er die Welt ein Stück weit besser machen könnte, da seine bis dahin letzte Offenbarung nicht den gewünschten Erfolg nach sich gezogen hatte. Allah machte sich ans Werk.

    Die Erstfassung seines Korans hatte Allah vor ca. 1400 Jahren einem Mann aus den Wüsten Arabiens, genauer, aus einer kleinen Stadt im gebirgigen Westen nicht weit von der Küste des Roten Meeres, herabgesandt. Er hätte sich auch jemanden aus einem anderen Land, einem anderen Kontinent, aus einer ganz anderen Weltgegend aussuchen können, z.B. jemanden von einer traumhaft schönen Insel in der Südsee, oder einen Menschen aus Grönland, aus den Weiten Sibiriens oder aus den Urwäldern des Amazonasgebiets. Dann wäre der Koran möglicherweise ganz anders und den geographischen Gegebenheiten und den Lebensumständen der jeweiligen Region entsprechend ausgefallen. Warum Allahs Wahl auf jemanden aus Arabien fiel, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Immerhin hat Allah dem Empfänger seiner damaligen Botschaft mit auf den Weg gegeben, dass dieser Koran nicht für die Ewigkeit bestimmt sein muss:

    Und wenn Wir es wollten, könnten Wir gewiß das wieder fortnehmen, was Wir dir offenbart haben;

    heißt es in der 17. Sure «Die Nachtreise (Al-Isra’)» aus der mittleren mekkanischen Entstehungsphase im Vers 86.

    Dass diese Erstfassung des Korans in sich nicht immer ganz stimmig ist, ja von so manchen inneren Widersprüchen, Ungereimtheiten und Absurditäten durchsetzt ist, mag daran liegen, dass der seinerzeitige Empfänger der Botschaften Allahs einiges zum persönlichen Vorteil hinzugedichtet hatte — ganz abgesehen davon, dass etliches daraus für Menschen aus anderen Kulturkreisen oder aus anderen geschichtlichen Epochen weder angemessen noch zeitgemäß war und ist.

    So hat sich Allah im Spätherbst 1945 also ans Werk gemacht, hat den gesamten bisherigen Koran verworfen und eine völlig neue Fassung seines heiligen Buches formuliert — diesmal nicht in arabischer Sprache, sondern, auf der Höhe der Zeit, in Englisch. Diese vollständige Neufassung sollte künftig auch manches andere heilige Buch ersetzen.

    Herausgekommen ist ein Text, der ganz erstaunliche Ähnlichkeit mit der späteren Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 sowie mit einigen Artikeln aus dem Grundrechtekatalog des im Jahr 1949 in Kraft getretenen Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland hat. Nicht dass die Welt deshalb nun am deutschen Wesen genesen sollte, nein, das nicht, — im neuen Koran steht schließlich vieles, das mit der UNO-Menschenrechtserklärung deckungsgleich ist — aber die Ähnlichkeiten dessen, was Allah da formuliert hat mit dem, was in besagtem Grundrechtekatalog geschrieben steht, sind doch verblüffend.

    In den Jahrzehnten nach Herabsendung des neuen Korans taten sich etliche Potentaten in Ländern, die sich dem bisherigen Koran verpflichtet fühlten, aber auch manche Menschen in Ländern, die anderen heiligen Büchern folgten, noch sehr schwer, Allahs neue Botschaft zu akzeptieren, da sie nicht nur einen persönlichen Machtverlust befürchteten, sondern auch den Zusammenbruch der Sozialgefüge ihrer Staaten und Gesellschaften als drohendes Unheil am Horizont sahen — eine Befürchtung, die sich als unzutreffend erweisen sollte.

    Nun soll man die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte oder das deutsche Grundgesetz nicht als heilige Bücher auffassen oder deklarieren, aber manch einer könnte das, was darin formuliert ist, womöglich leichter akzeptieren, wenn es ihm einstweilen als ein Text seines Gottes präsentiert würde. Die Erkenntnis, dass es Gott nie gegeben hat und nicht gibt, wird sich zu gegebener Zeit durchsetzen. Erzwingen kann man sie schließlich nicht.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

    _____
    Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (Deutsch)
    Grundrechtekatalog des Grundgesetzes

    Beitragsbild:
    The universal declaration of human rights 10 December 1948 (Ausschnitt)
    en.wikipedia.org/wiki/File:The_universal_declaration_of_human_rights_10_December_1948.jpg




    Keine Heimopferrente für pfarrliche Missbrauchsopfer

    VfGVPresseaussendung vom 7.4.2019 von Jakob Purkarthofer, www.betroffen.at

    Verfassungsgerichtshof will erst gar nicht prüfen. Ungleichbehandlung gegenüber Heimopfern bleibt aufrecht. Jetzt soll EGMR entscheiden.

    Es bleibt dabei: der VfGH will den Antrag auf Heimopferrente eines Opfers sexueller Gewalt in einer Pfarre nicht prüfen. Somit wird Markus (Name geändert) weiterhin alleine für sein schwieriges Leben aufkommen müssen. Er war 1980 während des Firmunterrichts von Pfarrer Johannes S. in einer kleinen oststeirischen Gemeinde sexuell missbraucht worden. Aufgrund der schweren Traumatisierung wurde Markus erwerbsunfähig und bezieht nun eine sehr niedrige Rente. Später forderte der heute 52 jährige Akademiker eine lebenslange Opferrente nach dem Heimopferrentengesetz (HOG). Bestätigt wurden seine Folgeschäden bereits von der Klasnic-Kommission, die ihm 2012 eine einmalige "Gestenzahlung" von 15.000 EUR zuerkannte. Trotzdem wurde sein Antrag bei Gericht mit Bescheid vom 18. Jänner 2018 abgewiesen mit der Begründung, dass Pfarrer Johannes S. das Opfer ja in einer Pfarre und nicht in einem kirchlichen Kinder- oder Jugendheim vergewaltigt habe.

    Schiefe Optik
    Nun hat auch der VfGH bekannt gegeben, dass er den Fall nicht prüfen will, wegen "geringer Erfolgsaussicht". Und folgt damit der Bundesregierung, die bereits 2018 keinen Anspruch gelten lassen wollte. Aber ist sexuelle Gewalt weniger traumatisierend, wenn sie in einer Pfarre ausgeübt wird, als wenn selbiges in einem kirchlichen Heim passiert? Wieso erhalten dann Opfer von Misshandlungen in kirchlichen Kinder- oder Jugendheimen eine Rente, aber solche von Pfarren nicht? Seltsam ist die Rolle der VfGH-Vorsitzenden Bierlein. Sie ist Mitglied der Klasnic Kommission. Diese hat bereits im Vorfeld einen Anspruch von Markus negativ (gegenüber der SVA) beschieden. Und unter den Mitgliedern des VfGH Senats befindet sich auch Ex-Justizminister Wolfgang Brandstetter, akkurat jener Minister, unter dessen Amtszeit das HOG beschlossen wurde. "Eine klare Unvereinbarkeit für mich", erklärt Markus.

    Nun Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
    Aufgeben will er trotzdem nicht, er plant – mit Unterstützung der Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt – den Gang zum europ. Gerichtshof für Menschenrechte. Ihm geht es nicht bloß um seinen Fall. "Mein Fall ist stellvertretend für die vielen tausenden Missbrauchsopfer, die vor dem österr. Gesetz keine Gerechtigkeit erfahren. Und es geht um das größte strukturelle Verbrechen der Nachkriegszeit, für das die "christliche" Volkspartei offensichtlich nur Ignoranz übrig hat", so Markus.

    Die Vorgeschichte (Presseaussendung vom 27.9.2018)

    Aus http://www.atheisten-info.at/infos/info4543.html




    Welches sind die „christlichen Werte“, die die Kirche vermittelt?

    nicholas-1562830_1280geraltWir bringen einen Artikel von Prof. Dr. Uwe Lehnert bei Freigeist-Weimar.de (7.8.13): Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit werden die sog. christlichen Werte beschworen. Aber gibt es eigentlich “christliche Werte”? Was wird eigentlich unter den “christlichen Werten” verstanden? (Bild: geralt, pixabay)

    Es sind nach christlicher Lehre die Anerkennung "Gottes" als Schöpfer der Welt und des Menschen und zugleich als oberste Moralinstanz, die Zehn Gebote und die wesentlichen Aussagen der Bergpredigt wie Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Barmherzigkeit. Alle diese normstiftenden Prinzipien würden aus der Bibel folgen, deshalb habe dieses Buch als Grundlage allen täglichen, vor allem moralischen Handelns zu gelten.

    Unterziehen wir diese sogenannten christlichen Werte einer kurzen Beurteilung.

    Erstens: Den christlichen Gottesglauben für alle Menschen verbindlich zu machen, ist in einer multi-weltanschaulichen Gesellschaft undemokratisch. Dies ist konkret der Fall, wenn Verbote, wie z. B. zum Schwangerschaftsabbruch, zur Sterbehilfe oder zur Embryonenforschung, mit dem christlichen Menschenbild begründet, aber als Gesetze allgemein verbindlich gemacht werden, also auch für Anders- und Nichtgläubige gelten sollen.

    Zweitens: Die Zehn Gebote (vgl. 2. Buch Mose, dort steht der Originaltext!) stammen aus archaischer Zeit. Das 1. Gebot verneint die Religionsfreiheit und droht mit Sippenhaft ("bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation"), das 10. Gebot spricht wie selbstverständlich von Sklaven (neuerdings schönfärberisch "Diener" genannt) und stellt Frauen den Sklavinnen und Haustieren gleich, quasi als natürlichen Besitz des Mannes dar, von Gleichberechtigung der Geschlechter ist keine Rede.

    Die Gebote 5 bis 9 sind selbstverständliche Verhaltensnormen, die weltweit in jeder Gesellschaft Gültigkeit haben, also nicht als typisch christlich gelten können, sie finden sich im Grundsatz bereits im Ägyptischen Totenbuch und im Codex Hammurabi des antiken Mesopotamien – also schon lange vorher niedergeschrieben.

    Drittens: Auch die Grundaussagen der Bergpredigt entsprechen in weiten Teilen einem weltweit gültigen Ethos. Die gern als spezifisch christlich bezeichnete Barmherzigkeit und Nächstenliebe findet sich auch in anderen Religionen und Kulturkreisen und entspricht im Übrigen dem, was mit Solidarität bezeichnet wird, ein Prinzip gegenseitig praktizierter, evolutionär entwickelter Mitmenschlichkeit.

    Viertens: Die in vielen Teilen Gewalt (z.B. Landraub) und Inhumanität (z.B. Sklaverei) rechtfertigende sowie heutige moralische Standards negierende Bibel als Grundlage moralischen Verhaltens zu bezeichnen, zeugt von sträflicher Unkenntnis weiter Teile der Bibel.

    Es gilt vielmehr festzustellen:

    Die uns heute wichtigen Werte und Normen stammen gerade nicht aus der Bibel, sie sind Ergebnis moralisch-ethischer Weiterentwicklung des Menschen und der menschlichen Gesellschaft selbst. Es sind dies die Menschenrechte wie Meinungsfreiheit als geradezu grundlegendes Recht, das Recht auf Selbstbestimmung, Gleichheit und Gleichberechtigung, Religions- und Wissenschaftsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und vieles andere mehr.

    Nichts davon steht in der Bibel, sie steht einem demokratischen, die Menschenrechte verbürgenden Staat geradezu entgegen. Alle diese Rechte mussten vielmehr dem Christentum bzw. einer politisch agierenden Kirche in verlustreichen Kämpfen abgetrotzt werden. Die Kriterien, nach denen selbst Christen die Steinigung von Ehebrecherinnen, das Töten von Homosexuellen oder das Kaufen und Halten von Sklaven ablehnen, obwohl diese Gebote bzw. Aufforderungen biblisch legitimiert sind, stammen gerade nicht aus der Bibel, sie sind ein Ergebnis der auf Vernunft gründenden Aufklärung.

     

    Uwe Lehnert

     

    Kommentar wb: Also noch nicht mal die Nächstenliebe ist originär christliches Kulturgut.

    Der Beitrag ist dem Buch von Uwe Lehnert entnommen: Warum ich kein Christ sein will – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung. Marburg, 2015, 6., aktualisierte und erweiterte Auflage, 500 Seiten, 24,95 €, bei AmazonInfo vom neuen Verlag.




    «Wer hat ihm das Recht gegeben, zu morden?»

    leer

    Die Frage, mit der ich diesen Beitrag überschrieben habe, taucht im Zusammenhang mit Gewaltverbrechen hier und da auf. Manchmal auch in der Form „Woher nimmt er sich das Recht, …“.
    Als ob es ein solches Recht geben würde.
    Es handelt sich dabei um eine Suggestivfrage, mit der der Eindruck vermittelt werden soll, einem Täter, einem Mörder sei das Recht zugestanden worden, einen anderen zu töten.

    Gestellt wird diese Frage bisweilen von Befürwortern der Todesstrafe, die damit jedoch für sich oder für „den Staat“ — zumindest potenziell — etwas beanspruchen, von dem sie einem Mörder unterstellen, dass es ihm gegeben worden wäre oder dass er es sich genommen hätte. Befürworter der Todesstrafe begeben sich damit auf eine Stufe noch unterhalb des Mörders, weil sie das Recht zum Töten, zum Morden für sich beanspruchen und dies juristisch zu rechtfertigen versuchen.

    Ein solches Recht gibt es jedoch nicht, in keinem Land der Erde. Deshalb kann sich dieses Recht auch kein Mörder nehmen, und niemand kann es ihm geben. Was es nicht gibt, kann man sich nicht nehmen, kann einem niemand geben.

    In allen Ländern der Erde ist Mord ein Verbrechen, eine gesetzeswidrige Tat.
    Dies war z.B. in Deutschland auch während der Zeit der Gröfaz-Tyrannei (Hitler-Diktatur, Drittes Reich) der Fall. Damals wurde der heute in Deutschland noch immer gültige § 211 StGB (Mord) formuliert, der (m.W. als einziger Paragraph des deutschen Strafgesetzbuches) nicht eine strafbewehrte Tat beschreibt, sondern eine Täterbeschreibung enthält:

    Mörder ist, wer
    aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen,
    heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder
    um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken,
    einen Menschen tötet.

    Die Machthaber und Massenmörder des „Dritten Reiches“ (Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Adolf Eichmann, … SS, Waffen-SS, teils auch Soldaten der Wehrmacht) entsprachen genau dieser Täterbeschreibung. Doch sie alle waren (vielleicht mit Ausnahme so mancher Wehrmachtssoldaten), soweit mir dies bekannt ist, Befürworter der Todesstrafe.

    Heutige Befürworter der Todesstrafe entsprechen ebenfalls dieser Täterbeschreibung, ebenso Richter, die ein Todesurteil (in staatlichem Auftrag / gemäß Gesetz) fällen, sowie jene, die das Todesurteil (in staatlichem Auftrag) vollstrecken. Und auch alle Staaten als juristische Personen, die entsprechende Gesetze im Repertoire haben, entsprechen diesem Täterprofil.

    Alle Staaten, in denen Todesurteile ausgesprochen und vollstreckt werden, entsprechen diesem Täterprofil. Sie machen sich aufgrund ihrer Gesetze selber zu Mördern.

    Ausgenommen hiervon sind m.E. Polizeibeamte in Notsituationen, die während einer Geiselnahme — gewissermaßen stellvertretend für die Geisel — in Notwehr, wenn eine andere Möglichkeit nicht besteht, einen „finalen Rettungsschuss“ gegen den Geiselnehmer richten. Denn eine Notwehrsituation ist kein Strafverfahren, kein Gerichtsprozess.

    Der Wunsch, einen Mörder oder sonstigen Gewaltverbrecher hinzurichten, entspringt dem Gedanken des Heimzahlens, der Rache. Mit Strafe hat dies nichts zu tun, sehr wohl aber mit der Neigung, Hassgefühle auszuleben — und sei es stellvertretend (vgl. Sündenbockprojektion sowie Opferkult).

    Für manche Befürworter der Todesstrafe hat das Festhalten an ihr quasireligiöse Züge.

    Anzumerken bleibt, dass es Todesurteile aufgrund von Diffamierungen sowie insbesondere aufgrund von Justizirrtümern weltweit bereits mehrfach gegeben hat.

    Zum Abschluss des Beitrags ein Zitat des Ende Dezember 2018 verstorbenen israelischen Schriftstellers Amos Oz — im NZZ-Interview vom 18.3.2015

    Jede Katastrophe der Entmenschlichung in der Geschichte beginnt mit der Entmenschlichung der Sprache.

    Amos-Oz_Zitat_quer

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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    Beitragsbild: aus aktuellem Anlass habe ich als Beitragsbild eine leere Fläche gewählt.




    Schwul in Istanbul

    „Na und“ würden wir zu diesem Titel mit Recht sagen. Jeder soll schließlich so leben, wie es ihm gefällt. Und das ganze „Gender-Getue“ ist schlicht unnötig wie ein Kropf am Hals. In dieser Beziehung ist West-Europa schon längst aufgeklärt. Ausnahmen finden sich allenfalls in den hinlänglich bekannten Publikationen wie z. B. dem „Schwarzen Kanal“ (Politically Incorrect), in denen häufig primitivstes Homo-Bashing betrieben wird.

    In diesem Beitrag möchte ich über ein lesbisches Paar in Istanbul erzählen und mich überhaupt über die Situation der Homosexuellen dort auslassen. Wer Istanbul das erste Mal sieht, ist begeistert und auch erstaunt über die vielen Gesichter der Stadt. Eine uralte Megapoli, vormals Byzanz / Konstantinopel, die Griechen bezeichnen heute noch Istanbul „Konstantinopoli“. Der Name Istanbul kommt von Islam bol und erinnert an die Bemerkung von Fatih Sultan, dem Eroberer, das Byzanz nicht mehr christlich sei, sondern voll der Religion des Propheten, also wörtlich übersetzt: „voll Islam“.

    Die Knabenliebe war bei den alten Griechen und auch bei den nachfolgenden Sultanen am Hof, ein sehr beliebter Zeitvertreib. Man sollte nicht vergessen, dass der jüngere Bruder des späteren Fürsten Vlad III., bekannter unter dem Namen Fürst Dracula, zusammen mit seinem Bruder am türkischen Hof des Sultans als Geisel lebten. Der jüngere Bruder hieß Radu der Schöne und war einer der Lieblinge des Sultans. Wie man an diesem historischen Beispiel sieht, war dies im Serail keine „exotische Lustbarkeit“ sondern gang und gäbe.

    Mit der Geschichte von meinem unglücklichen Paar möchte ich daran erinnern, dass in der heutigen Türkei,  verschlimmert durch den in den letzten Jahren leider erstarkten religiösen Fanatismus und Nationalismus, das Leben der Minderheiten, egal ob es ethnische, religiöse oder auch Menschen, die in ihrer sexuellen Orientierung eben anders sind, das Leben zunehmend zur Hölle gemacht wird.

    Man wird es nicht glauben. Die Türkei war in den 60er, den 70er und den 80er Jahren wesentlich liberaler und prowestlicher ausgerichtet als heute. Diese fatale Entwicklung haben wir unter anderem der Fetullah-Gülen-Bewegung zu verdanken. Die Auswirkungen der dauernden Indoktrination sind leider zu sehen, wie das negative Beispiel von Sibel Üresin zeigt. Man kann darüber nur den Kopf schütteln.

    Meine beiden Ladies, dessen Identität ich natürlich nicht preisgeben werde, stehen stellvertretend mit ihrem Leben für hunderte anderer Pärchen: Wie kommen sie zurecht?

    Ganz einfach, sie verstecken ihre Neigung so gut es geht. Außerdem gibt es in der türkischen Gesellschaft so eine Art, ja wie kann man es am besten bezeichnen, ich nenne es mal „schizoides Verhalten“, das eine heimliche Beziehung von 2 Frauen akzeptiert, natürlich verspottet, aber diesen Frauen nichts antut. Die Beziehung von zwei Männern ist dagegen etwas anderes. Verrückt, nicht wahr? Diese Homo-Beziehung wird sanktioniert und auch gesellschaftlich geächtet, dass den betroffenen Männern sogar der Ehrenmord droht. Es ist absolut zum Haare ausraufen.

    Ich muss ganz ehrlich sagen, mir geht das nicht in den Kopf und ich will es eigentlich gar nicht verstehen.

    Das Leben dieser beiden Frauen ist geprägt von Notlügen und Versteck spielen. Wenn sie ihre Familien besuchen, dann wissen nur die engsten Familienangehörigen oder auch nur ganz enge Freunde von ihrer Neigung. Sie leben zusammen und wenn die Nachbarn mal neugierig nach ihrem Leben oder ihrer Sulale / Familie fragen, dann antworten sie: Ja sie haben Familie und die eine davon war schon mal verheiratet aber es wird verheimlicht, dass sie von ihrem Mann geschieden wurde. Die andere hatte gar nicht geheiratet. So leben nun diese beiden Frauen in einer Art Schicksalsgemeinschaft zusammen und hoffen jeden Tag und beten deswegen auch fleißig zu „Allah“, dass sie ihr Leben in Ruhe fortsetzen können. Es ist tragisch. Bei großen Familienfesten erscheinen beide nur getrennt in ihren Familien. Es soll ja nichts an die Öffentlichkeit kommen. Der  Nachbarschaft erzählt man dann, dass man in enger Freundschaft und wie Geschwister zusammenlebt und sich deswegen gegenseitig hilft. Zwei Frauen sind schließlich keine Gefahr, vor allem, wenn sie schon älter sind und nicht mehr so jung und knusprig.

    Die beiden Frauen kämen auch gar nicht auf die Idee, sich einem Imam anzuvertrauen, schließlich würde dieser Würdenträger die Frauen sofort ermahnen und ihnen bei Strafandrohung der Dschehenna, die Rückkehr zu einem „normalen Leben“ befehlen. Dieser Kerl hätte absolut kein Verständnis, geschweige denn den Intellekt dazu.

    Bei Männern ist die Lage noch wesentlich schwieriger. Manche vertrauen sich dem Imam an und sind tatsächlich verzweifelt über ihre Neigung, weswegen es auch zu Suiziden kommt. Ich habe mich mal mit einem Betroffenen unterhalten: er hatte sich auch dem Imam anvertraut. Der Imam sagte ihm, er solle auch einen Psychiater und Nervenarzt aufsuchen und sich behandeln lassen. Zusätzlich solle er den Koran studieren und seine 5maligen Gebete besonders inbrünstig ausführen. Wenn er dies befolge, dann helfe ihm Allah hundertprozentig. Auf die Idee wie die katholischen Ärzte in Deutschland, Homosexuelle durch Homöopathie zu heilen (siehe Homohomöopathie), sind die Imame allerdings noch nicht gekommen. Außerdem solle er so schnell wie möglich heiraten und eine Familie gründen. Das, so meinte der Imam zusätzlich, könne ihm auf den richtigen Weg helfen.

    Das Tragische an dieser Geschichte ist aber folgendes: Dieser junge Mann hatte geheiratet und eine Familie gegründet, hatte sämtliche Ratschläge des Imam befolgt, aber es hat nur eine kurze Zeit lang genützt und die eigentliche Neigung kam eruptiv durch. Er ließ sich scheiden und verließ seine Familie. Wo er heute lebt, weiß niemand.

    In der großen Schwulen-Szene in Istanbul leben viele der Betroffenen sehr gefährlich. Sie sind Freiwild für die türkische Macho-Gesellschaft und etliche bezahlen immer wieder mit ihrem Leben. Die Polizei macht keinen Hehl aus ihrer Verachtung für die Leute und dementsprechend sind ihre so genannten „kriminologischen Untersuchungen“ sehr schlampig. Aber wenn dann einer von den Schwulen zu einem großen Künstler aufsteigt, dann wird er verehrt. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Bülent Ersoy oder an den ebenso unvergessenen, aber leider verstorbenen Zeki Mürren. Diese Frauen/Männer sind und waren großartige Sänger und Musiker. Ihre Schauspiel-Karriere war ein bisschen, na ja, drollig. Aber als Musiker waren sie unvergleichlich. Bei Bülent Ersoy war der Weg auch recht steinig. Er hatte schon als Mann ein sehr feminines Aussehen und hat sich dann Jahre später in London zu einer Frau umwandeln lassen. Dass er dies öffentlich gemacht hatte, ist schon klasse und mutig an sich. Die Türkei hat ihm sogar nach der Geschlechtsumwandlung eine Zeitlang die Einreise verweigert, die dann später natürlich wieder zurückgenommen wurde.

    Eine kleine Anmerkung am Schluss:

    Meine persönliche Erfahrung und Meinung ist die, dass die Türkei sich sehr weit entfernt hat was Fortschritt und Toleranz angeht. Ich befürchte sogar, dass es in Richtung einer Theokratie hinausläuft wie im Iran. Es wäre gut, wenn meine Befürchtungen nicht einträten, aber die Erfahrung zeigt mir keine Alternative. Auch wenn Istanbul noch Boomtown ist: Wer weiß wie lange, und was kommt danach? Inshallah das Beste…..

    Es gibt aber auch immer wieder Türken, die mit hohem persönlichen Einsatz für die Rechte der Homosexuellen in der Türkei eintreten: „Wir haben die Eier, es laut zu sagen“ berichtet das Magazin Café Babel und weiter:

    Die Homophobie in der Türkei habe Fälle physischer und sexueller Gewalt zur Folge. Die Morde an mehreren Transsexuellen und Transvestiten seien beunruhigende Entwicklungen, stellt der Bericht der EU-Kommission von 2009 über die Erweiterung und den Beitritt der Türkei fest. Trotzdem gibt sich die Schwulenszene in Istanbul zunehmend offener. An der Gay Pride 2010 nahmen in diesem Jahr 5.000 Leute teil; die erste Transgender-Parade fand im Juni statt. Wir haben zum ersten Geburtstag der Schwulenbar mit einem der Gründer des Frappé Istanbul gesprochen: … 

    Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.




    Missverstandene Religionsfreiheit

    Religionsfreiheit ist ein umstrittener Begriff. In manchen Ländern hat sie weitreichende Gültigkeit und ist gesetzlich oder verfassungsrechtlich garantiert; manch einer weiß mit dem Begriff möglicherweise nichts anzufangen, da er sich ein Leben ohne seine Religion nicht vorstellen mag.

    1.: In Deutschland ist die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses gemäß GG Artikel 4 Satz 1 unverletzlich.

    2.: Darüberhinaus wird die ungestörte Religionsausübung gemäß GG Artikel 4 Satz 2 gewährleistet.

    Zum Verständnis dieser beiden Sätze und Sachverhalte ein paar Worte:

    Zu 1.: Ich unterscheide zwischen

    • dem Glauben;
    • dem öffentlichen Bekenntnis zu diesem Glauben;
    • dem Zurschaustellen des Bekenntnisses durch Zeigen von Symbolen;
    • dem Ausführen von Handlungen im Rahmen der Religionsausübung.

    .

    Die Freiheit des Glaubens ist selbstverständlich in jedem Fall unverletzlich, da das Glauben in unseren Köpfen stattfindet, und es anderen Menschen gar nicht möglich ist, zu wissen, was jemand glaubt, solange er sich dazu nicht äußert. Man kann es sich z.B. daheim auf dem Sofa bequem machen und etwas glauben, ohne dass andere davon etwas erfahren.

    Die Unverletzlichkeit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses ist zwar lt. GG Artikel 4 Satz 1 gegeben. Dies schließt jedoch nicht in jedem Fall aus, dass jemandem wegen seines (religiösen oder) weltanschaulichen Bekenntnisses Nachteile entstehen können.

    Nehmen wir an, ein Jurist, z.B. ein Richter in Deutschland am Verfassungsgericht oder an einem anderen Gericht, bekennt sich öffentlich dazu, dass er glaubt, dass es den Holocaust, jenen staatlich organisierten Massenmord während des Dritten Reiches, nicht gegeben hätte. Ob dieser Jurist / Richter am Gericht tragbar ist, sei dahingestellt. M.E. ist er es nicht — siehe u.a. Deutsches Richtergesetz § 39, aber auch Beamtenstatusgesetz § 33 sowie Mäßigungsgebot (Wikipedia) –, auch wenn er selbstverständlich glauben darf, was er will. Er würde nach meinem Verständnis die weltanschauliche Neutralität des Gerichts diskreditieren.

    Würde dieser Richter sein weltanschauliches Bekenntnis dadurch untermauern und zum Ausdruck bringen, dass er in hochglanzpolierten Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln zum Dienst erscheint oder während einer Gerichtsverhandlung in solchem Schuhwerk auftritt, wäre er in seinem Amt wahrscheinlich untragbar. Gleiches gilt, wenn er z.B. mit einem Roten Stern mit Hammer und Sichel am Revers als Richter an einer Gerichtsverhandlung teilnehmen wollte. Durch das Zeigen solcher Symbole würde er aus meiner Sicht die weltanschauliche Neutralität des Gerichts sowie das dem Gericht entgegengebrachte Vertrauen in dessen Unabhängigkeit untergraben.

    Im Übrigen gibt es für einige Berufe eine Anzugsordnung.

    Würde dieser Richter über sein bloßes Bekenntnis hinaus leugnen, dass es den Holcaust während des Dritten Reiches gegeben hat, würde er sich in Deutschland und in mehreren anderen Ländern strafbar machen.

    Zu 2.: Ungestörte oder uneingeschränkte Religionsausübung

    Das Recht der ungestörten Religionsausübung bezieht sich nach meinem Verständnis darauf, religiöse oder religiös begleitete Veranstaltungen oder Riten ohne Störung von außen abhalten zu dürfen, also z.B.

    • Initiationsriten wie Taufe
    • Gottesdienst
    • Beichte
    • Gebet
    • Prozession
    • Begräbnis

    solange während dieser keine Straftaten begangen oder zu Begehung von Straftaten aufgefordert wird.

    Das Begehen von Straftaten als religiösem oder religiös deklariertem Ritus ist m.E. durch die Gewährleistung dieses Grundrechts nicht gedeckt — im Gegenteil. Sollten Exekutivorgane davon Kenntnis erlangen, werden sie in einem solchen Fall die Religionsausübung vermutlich nicht nur stören, sondern unterbinden.

    Nach meinem Verständnis sind also weder die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses noch die ungestörte Religionsausübung — vulgo Religionsfreiheit — grenzenlos.

    Die Zulässigkeit der Beschneidung des männlichen Kindes gemäß BGB § 1631d, also des Zufügens einer irreversiblen Körperverletzung, ist nach meiner Einschätzung einer gesellschaftspolitischen Abwägung geschuldet, der ich ambivalent gegenüberstehe (siehe «Angst», darin Punkt 5).

    * * *

    Zuweilen wird in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, darüber debattiert und gestritten, ob das Tragen religöser Symbole z.B. in Gerichtssälen erlaubt sein soll oder nicht.
    Insbesondere geht es in diesen Debatten und Rechtsstreitigkeiten darum, ob es einer Frau in staatlicher Funktion erlaubt sein soll, z.B. während einer Gerichtsverhandlung, an der sie als Rechtsreferendarin teilnimmt, ein Kopftuch als Ausdruck ihrer Religionszugehörigkeit bzw. ihres religiösen Bekenntnisses zu tragen.

    Argumentiert wird in solchen Fällen u.a., dass man einen Menschen, der seine Religionszugehörigkeit oder sein religiöses Bekenntnis nicht symbolisch zur Schau stellen darf, zum Berufsverbot verurteilt.

    Nicht nur, dass manch einer, der in einem solchen Fall unter Hinweis auf die Religionsfreiheit von "Berufsverbot" schreibt oder spricht, Partei für ein despotisches System ergreift in dem es keine Religionsfreiheit gibt, für ein System, dessen "religiöse" Gesetze und Vorschriften häufig mit den in unserer Verfassung garantierten Grundrechten sowie mit mehreren Menschenrechten kollidieren, und in dem auf Apostasie auch heutzutage noch die Todesstrafe steht, die in Deutschland gemäß GG Artikel 102 verfassungswidrig ist (ungeachtet, in welchen Ländern Urteile aufgrund dieses "religiösen" Gesetzes gesprochen oder vollstreckt werden: es ist gültiges islamisches Gesetz, siehe den WB-Beitrag Religion und Zynismus, Tradition und Tabu vom 3. März 2019). Er verkennt auch, dass von einem Berufsverbot gar nicht die Rede sein kann — denn jemand, der seine Religionszugehörigkeit durch das Zeigen von Symbolen zur Schau stellen möchte, droht in Deutschland kein Berufsverbot von staatlicher Seite. Lediglich das Zurschaustellen der Religionszugehörigkeit oder des religiösen Bekenntnisses mittels eines Symbols wird während der Berufsausübung untersagt, aber nicht die Berufsausübung als solche. Zumal dieses Zurschaustellen für die Berufsausübung nicht erforderlich ist und mit dieser in keinem sachlichen Zusammenhang steht. Im Gegenteil würde dadurch in diesem konkreten Fall die weltanschauliche Neutralität des Gerichts sowie das dem Gericht entgegengebrachte Vertrauen in dessen Unabhängigkeit untergraben.

    Auch die Religionsfreiheit — siehe oben, sowie den GG Artikel 140 — wird dadurch nicht versagt, dass in etlichen Berufen während der Berufsausübung — Stichwort Anzugsordnung — ein bestimmter Dresscode vorgeschrieben sein kann. Dies betrifft nicht nur Richter oder Rechtsreferendarinnen, sondern z.B. auch Polizeibeamte, Soldaten, Feuerwehrleute, Bedienstete in Krankenhäusern wie z.B. Chirurgen und einige mehr, die während der Berufsausübung ihre Individualität aus ganz praktischen Gründen oder zugunsten einer Gruppe oder eines Verbandes zurückstecken müssen.
    Es ist nach meinem Verständnis umgekehrt so, dass jemand, der (als Demonstration eines Machtanspruchs?) darauf beharrt, seine Religionszugehörigkeit bzw. sein religiöses oder weltanschauliches Bekenntnis durch das Zeigen von Symbolen überall und jederzeit herauszustellen, sich selbst u.U. ausgrenzt — sich selbst diskriminiert — und sich ggf. selbst von der Berufsausübung ausschließt, wenn er auf das Zeigen dieser Symbole nicht verzichten will.

    Es steht jedem frei, die tatsächlichen oder vermeintlichen Gesetze seiner Religion im persönlichen Bereich zu beachten und zu befolgen. Diese Gesetze jenseits des privaten / persönlichen Bereichs über die Gesetze des Staates zu stellen — und damit den Staat womöglich untergraben zu wollen —, ist durch die Religionsfreiheit nicht legitimiert.

    * * *

    Abschließend eine Anmerkung, auch wenn diese falsch verstanden werden könnte:

    Ob in Europa bislang — mit Verweis auf die Religionsfreiheit — jemals eine Forderung erhoben wurde, während einer Gerichtsverhandlung eines der fünf täglichen islamischen Pflichtgebete sprechen zu dürfen, inclusive Ausrollen eines Gebetsteppichs im Gerichtssaal und vielleicht sogar bewaffnet, wie es der Koran in Sure 4 Vers 102 "vorschlägt", ist nicht überliefert.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

    Dieser Beitrag ist in einer früheren Fassung am 11. Juli 2017 auf der Website Das Islam-Prinzip erschienen.

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    Ergänzend:

    sowie

    Siehe auch die Kolumne Das Islam-Paradox
    von Jochen Bittner, DIE ZEIT, 26. Oktober 2017

    […] Die Geltung eines Grundrechts hängt nicht davon ab, wie sein Träger mit diesem Grundrecht umgeht. Sehr wohl eingeschränkt werden kann allerdings die Ausübung eines Glaubens.

    sowie den Kommentar Auch über den Islam darf gestritten werden
    von Malte Lehming, DER TAGESSPIEGEL, 27. Oktober 2017

    […] Wer stiehlt, darf deshalb nicht bestohlen werden. Auch Anhängern eines Glaubenssystems, das selbst keine Religionsfreiheit gewährt, steht das grundgesetzlich garantierte Recht auf Religionsfreiheit zu.

    und Religionsfreiheit: Lieber Recht als rechts
    von Hans Michael Heinig, DIE ZEIT, 2. November 2017

    Die Religionsfreiheit gilt unabhängig davon, wie modern die Religionskultur ist, der jemand anhängt.

    Bild oben:
    Ausriss aus dem Titelblatt der "Short Declaration of the Mystery of Iniquity" (Eine kurze Erklärung des Geheimnisses der Ungerechtigkeit), einer Forderung nach Religionsfreiheit aus dem 17. Jhdt. von Thomas Helwys. (Wikipedia)




    Religion und Zynismus, Tradition und Tabu

    Rechtsgutachten_betr_Apostasie_im_Islam_2_kleinc

    Fatwa von al-Azhar (Kairo, 1978):
    «Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes»

    Die islamrechtliche Todesstrafe bei Apostasie, von mir erstmals thematisiert in dem Aufsatz Das Islam-Prinzip aus dem Jahr 2006, ist für manche ein Tabuthema, über das sie nicht reden, ja das sie einfach ausblenden, totschweigen; für andere mag das Thema zwar unangenehm sein, doch immerhin sprechen oder schreiben sie offen darüber [1].

    Manche halten die islamrechtliche Todesstrafe bei Apostasie für eine (länderspezifische) Tradition, von der sie meinen, dass sie nichts mit der Religion zu tun habe. Demnach hätte die islamrechtliche Todesstrafe bei Apostasie nichts mit (dem) Islam zu tun. Darüber mag man geteilter Meinung sein.

    In einer älteren Version des Wikipedia-Beitrags zum Thema Ridda war zu lesen:

    […] Derjenige, der vom Islam abgefallen ist, wird Murtadd (Apostat) genannt. Nach dem klassischen islamischen Recht ist die Todesstrafe die allgemein akzeptierte und in der Sunna des Propheten verankerte Strafe für Apostaten. Dabei beziehen sich die verschiedenen Rechtsschulen auf überlieferte Aussagen des Propheten Mohammed, Hadith, wie: „tötet denjenigen, der seine Religion wechselt“. […]

    Die derzeitige Version dieses Wikipedia-Beitrags (11. Januar 2018 um 15:50 Uhr) zitiert u.a. ein Rechtsgutachten (fatwa) des Fatwa-Ausschusses der Azhar-Universität in Kairo aus dem Jahr 1978 (siehe die Abbildung oben in arabischer Schrift), in dem es heißt:

    al-Azhar. Fatwa-Ausschuss.
    Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes.
    Frage des Herrn Ahmad Derwisch; er hat diese Frage durch Herrn (Name nicht sichtbar), deutscher Staatsangehörigkeit, vorgelegt:
    Ein Mann muslimischen Glaubens und ägyptischer Staatsangehörigkeit heiratete eine Frau christlichen Glaubens und deutscher Staatsangehörigkeit. In Übereinstimmung der Eheleute trat der genannte Muslim in die christliche Religion ein und schloss sich dem christlichen Glauben an.
    1. Was ist das Urteil des Islams über den Status dieser Person mit Hinblick auf die islamischen Strafen?
    2. Werden seine Kinder als Muslime oder als Christen angesehen? Was ist das Urteil?“

    Die Antwort:

    „Alles Lob gebührt Gott, dem Herrn der Welten. Segen und Friede sei mit dem Siegel der Propheten, unserem Herrn Muhammad, seiner Familie und allen seinen Gefährten.
    Hiermit erteilen wir Auskunft: Da er vom Islam abgefallen ist, wird er zur Reue aufgefordert. Zeigt er keine Reue, wird er islamrechtlich getötet.
    Was seine Kinder betrifft, so sind sie minderjährige Muslime. Nach ihrer Volljährigkeit, wenn sie im Islam verbleiben, sind sie Muslime. Verlassen sie den Islam, werden sie zur Reue aufgefordert. Zeigen sie keine Reue, werden sie getötet.
    Und Gott der Allerhöchste weiß es am besten.

    (unleserliche Unterschrift):
    Der Vorsitzende des Fatwa-Ausschusses in der Azhar.

    Datum: 23. September 1978

    Screenshot aus dem Wikipedia-Beitrag zu Ridda

    Abgesehen von den im Nachhinein zynisch wirkenden Eingangsworten dieses Rechtsgutachtens („Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes“): Tradition ist die islamrechtliche Todesstrafe bei Apostasie gemäß diesem Rechtsgutachten durchaus. Allerdings hat diese Tradition auch etwas mit der Religion und mit (dem) Islam zu tun, ja sie entspricht ganz und gar islamischem Recht.

    Statt nun die islamrechtliche Todesstrafe bei Apostasie zu leugnen, sie totzuschweigen oder gar andere Menschen über ihre Rechtsgültigkeit unzutreffend zu informieren, fände ich es angebracht, wenn darauf hingewirkt würde, dass sie weltweit abgeschafft wird.
    Dass dies für Muslime kein leichtes Unterfangen ist, steht außer Frage, denn damit müssen sie sich von geltendem islamischem Recht nicht nur distanzieren, sondern es für unwirksam und für ungültig erklären — was ihnen den Vorwurf der Apostasie einbringen kann, auf die islamrechtlich die Todesstrafe steht. Sie müssten dem Islamerfinder, dem „Propheten“ Mohammed, widersprechen und ebenso den Rechtsgelehrten höchster islamischer Instanzen. Eine Zwickmühle, aus der es zwar keinen leichten Ausweg gibt, die aufzubrechen bei entsprechender zahlreicher Beteiligung jedoch durchaus möglich ist.
    Dem Islam käme damit allerdings sein wichtigstes Machtinstrument abhanden …

    Eckhardt Kiwitt, Freising

    Der Beitrag ist zuerst am 12. Januar 2018 auf Das Islam-Prinzip erschienen.

    _____
    Bild oben: Rechtsgutachten betr Apostasie im Islam; Benutzer: Orientalist
    [1]: Der Islam und der Westen sind jetzt gemeinsam gefordert; Khola Maryam Hübsch in der Zeitschrift Cicero am 16. Januar 2015
    Siehe auch den Beitrag Apostasy in Islam (English version).




    Die letzte Ausfahrt II

    Im ersten Teil dieses Beitrags (Das Individuum als selbst bestimmtes Wesen) wurde die Frage abgehandelt, welche Einschränkungen aus humanistischer Sicht für die Freiheit des Individuums akzeptabel sind und welche nicht. Freitod ist nicht strafbewehrt, den Kandidaten, die bei ihrem Versuch scheitern, wird allenfalls eine psychiatrische Behandlung angeboten, verbindlich ist sie nicht. Die katholische Klassifizierung (Selbstmord ist Sünde) kommt bereits deshalb nicht in Betracht, da der Begriff „Sünde“ für einen Humanisten eine inhaltsleere Floskel darstellt, die allenfalls der Disziplinierung richtungsloser Schäfchen dient. Somit gehört der Freitod zum Selbstbestimmungsrecht des Menschen ebenso wie die Entscheidung, ihn zu unterlassen. Moralisch gesehen ist beides gleichwertig.

    Die Fragestellung kompliziert sich allerdings, wenn sich der Kandidat aus psychischen oder physischen Gründen nicht in der Lage sieht, seinen Entschluss in die Tat umzusetzen – wenn er mithin Hilfe benötigt. Das Thema der Sterbehilfe schwelt seit vielen Jahren unter der Oberfläche der öffentlichen Meinung dahin und kommt allenfalls an die Oberfläche, wenn es gilt, über einen spektakulären Fall zu berichten, oder wenn – wie gerade in der Schweiz – über die Zulässigkeit vom Wähler abgestimmt wird.

    Unbestritten scheint heute in aufgeklärten Teilen der Bevölkerung zu sein, dass es möglich sein muss, ein humanes Sterben zu ermöglichen, es sei denn man akzeptiert Schmerzen und Pein als Strafe eines Gottes. Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS, siehe „Freunde“) bemüht sich seit vielen Jahren mit großem Einsatz, Verbesserungen zu erwirken. Dazu gehört unter anderem die so genannte Patientenverfügung, die es ermöglichen soll, exakte Instruktionen zum Beispiel für die Abschaltung von Apparaturen in der Intensivmedizin zu geben, damit der Sterbeprozess nicht unnötig hinausgezögert wird. Ebenso macht sich die DGHS aber auch mit zunehmenden Erfolgen für einen weiteren Ausbau der in Deutschland noch unterentwickelten Palliativmedizin stark. Beide Initiativen werden in der Öffentlichkeit inzwischen weitgehend unterstützt, allerdings noch nicht sonderlich mit Spendengeldern bedacht. Offensichtlich spenden die Bürger noch immer lieber für Flutopfer in Pakistan, als dass sie ihrer eigenen Zukunft etwas Gutes tun.

    Die Tätigkeiten der DGHS gehören eindeutig nicht in den Bereich der aktiven Sterbehilfe. An dieser Stelle muss außerdem genauestens zwischen „aktiv“ und „passiv“ unterschieden werden. Aktive Sterbehilfe gehört in den Bereich „Tötung auf Verlangen“ und diese wird strafrechtlich geahndet. Als gutes Beispiel für die Handhabung können wir die Schweiz heranziehen.

    Gerade wurde in Zürich am 15. Mai über 2 Initiativen abgestimmt, die mit diesem Thema zu tun haben. Es geht um Menschen, die keinen Sinn mehr im Weiterleben erkennen und nur noch einen Ausweg sehen: Nämlich physische Leiden, Angst vor Leiden oder einer Krankheit, die die Selbstbestimmung und die Würde des Menschseins ausmacht, nicht zu akzeptieren. Im Kanton Zürich hatten nunmehr zwei Parteien EDU (Eidgenössische Demokratische Union) und EVP (Evangelische Volkspartei) aus religiösen Erwägungen zwei Initiativen gestartet:

    Der Text dazu: "Jede Art von Verleitung oder Beihilfe zum Selbstmord soll in der ganzen Schweiz verboten werden". Dazu schreibt der Tagesanzeiger nach der Abstimmung: "Die beiden Vorlagen gegen die Sterbehilfe im Kanton Zürich waren chancenlos. Bei beiden Vorlagen erlitten die EDU und EVP Schiffbruch“. Ein EDU-Kantonsrat zeigte sich enttäuscht über dieses Resultat, „weil sich nicht mehr Zürcher für die Werte der Bibel und Gottes Wort ausgesprochen hätten". Die Kommentare zur abgelehnten Initiative dringen natürlich auch in entsprechend orientierte Publikationen in Deutschland und Österreich vor. So lässt kath.net den italienischen Kardinal Sgreccia zu Wort kommen: „Töten ist kein Recht, sondern ein Verbrechen“. Offensichtlich ist ihm der Unterschied zwischen passiver und aktiver Sterbehilfe unbekannt geblieben.

    Zu den obgenannten zwei Initiativen darf man Folgendes wissen. Simbo berichtet: Wir haben in der Schweiz zwei Vereine, "Exit" und "Dignitas". Beide setzen sich für Sterbehilfe ein und sind bereit, sterbewillige Menschen bei diesem Schritt zu begleiten. Allerdings ist zwischen den beiden Vereinen ein frappierender Unterschied festzustellen:

    Bei Exit (ca. 55.000 Mitglieder schweizweit) muss man Mitglied und in der Schweiz wohnhaft sein, um in den Freitod begleitet zu werden. Der Wunsch des Patienten ist dort oberste Priorität. Das Mitglied kann verlangen, Vorbereitungen für eine Freitodbegleitung einzuleiten. Ab diesem Moment kann die sterbewillige Person selbst bestimmen, ob und wann sie eine Freitodbegleitung in Anspruch nehmen will. Die Inanspruchnahme von Freitodhilfe ist in der Schweiz erlaubt und legal. Der sterbewillige Mensch muss aber den letzten Schritt "Trinken des Barbituratgemischs" oder "Öffnen des Infusionshahns" selber vornehmen können. Und: der Sterbewillige kann den Vorgang jederzeit abbrechen (es ist zu beachten, dass aktive Sterbehilfe auch in der Schweiz verboten ist). Das Motto des Vereins stammt von  Hermann Hesse: "Was den freiwilligen Tod betrifft: ich sehe in ihm weder eine Sünde noch eine Feigheit. Aber ich halte den Gedanken, dass dieser Ausweg uns offen steht, für eine gute Hilfe im Bestehen des Lebens und all seiner Bedrängnisse".

    Der zweite Verein (der Name Dignitas will nicht so recht passen, jedenfalls für mich nicht, sagt Simbo) wurde in der Schweiz vor allem "berüchtigt" dadurch, dass hier so genannter "Sterbetourismus" betrieben wird, d.h. es kommen viele Menschen aus anderen Ländern, um sich hier helfen zu lassen, um zu "sterben". Dem Chef, Herrn Ludwig Minelli (Jurist kein Arzt), wird oft vorgeworfen, sich zu bereichern (bei Exit ist das z.B. nicht der Fall). Doch vor allem die "Methoden" bei diesem Verein sind zum Teil höchst umstritten. So bietet Dignitas auch Helium + Plastiksäcke an, falls sie kein Rezept für Barbiturate erhalten. Da stülpen sich also Menschen Plastiksäcke über den Kopf und drehen den Hahn zur Helium-Flasche auf. Auch dass er Menschen auf Parkplätzen sterben ließ, weil kein entsprechendes Lokal oder eine Wohnung vorhanden waren, stößt bei vielen auf Unverständnis. Und es war sogar die Rede davon, dass in diesem Verein sogar psychisch kranken Menschen zum Suizid verholfen wurde, oder gar Druck ausgeübt wird, falls sich ein Mensch im letzten Moment doch nicht für die Selbsttötung entschließen konnte.

    Man sieht, dass es selbst im Bereich der passiven Sterbehilfe erhebliche Auffassungsunterschiede zu notieren gilt, vor allem wenn in die Grauzone zur „Tötung auf Verlangen“ vorgestoßen wird. Auf Yahoo Clever gibt ein Kommentator eine Erklärung zum Thema ab, die ich hier wiedergebe:

    Selbstmord und Beihilfe zum Selbstmord sind nicht strafbar. Dagegen wird die Tötung auf Verlangen nach § 216 StGB mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
    Die Abgrenzung zwischen Beihilfe zum Selbstmord und Tötung auf Verlangen richtet sich nach der "Tatherrschaft". Flößt der Partner dem Lebensmüden die Tabletten ein oder verabreicht er ihm die erlösende Spritze, hat der Partner die Tatherrschaft, er wird dann wegen Tötung auf Verlangen bestraft. Nimmt dagegen der Lebensmüde die von dem Partner besorgten Tabletten selbst ein, hat der Lebensmüde die Tatherrschaft und der Partner bleibt straflos.
    Das gilt aber nur, wenn der Lebensmüde geistig gesund ist und frei verantwortlich handelt. Ist er dazu z.B. aufgrund von Depressionen nicht mehr in der Lage, hat der andere die Tatherrschaft, selbst wenn er nur die Tabletten besorgt hat.
    Unabhängig davon hat der Bundesgerichtshof bisher angenommen, dass die Tatherrschaft in dem Augenblick auf den anderen übergeht, in dem der Lebensmüde bewusstlos wird. Das gilt nach der bisherigen Rechtsprechung als Unglücksfall, bei dem jedermann helfen muss. Leiten hinzukommende Fremde keine Rettungsmaßnahmen ein, werden sie wegen unterlassener Hilfeleistung nach § 323c StGB mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Unterlassen die Partner oder der behandelnde Arzt Rettungsmaßnahmen, werden sie – je nachdem, ob der Lebensmüde eigenverantwortlich gehandelt hat oder nicht – wegen Tötung auf Verlangen oder wegen Totschlags, jeweils begangen durch Unterlassen, bestraft. Man muss deshalb mit Problemen rechnen, wenn bekannt wird, dass man während des Sterbevorgangs anwesend war.
    Inzwischen hat aber der Bundesgerichtshof in einem neuen Urteil zum Unterbleiben bzw. zum Abbruch lebenserhaltender oder -verlängernder Maßnahmen anerkannt, dass die von einem Patienten früher erklärte Behandlungsverweigerung auch dann noch zu respektieren ist, wenn er zu eigenverantwortlichem Entscheiden nicht mehr in der Lage ist. Danach ist die frühere Rechtsprechung zur Tatherrschaft bei bewusstlosen Lebensmüden wohl überholt.

    Man sieht, dass Thema nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich kompliziert ist, und von daher eine eindeutige gesetzliche Regelung im Umfeld der Sterbehilfe wünschenswert wäre. Vor allem die Position des Helfers bedarf einer dringenden Klärung. Man informiere sich hierzu auch in dem ausgezeichneten Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Was riskiert der Helfer?.

    Simbo und ich haben keine allgemein verbindliche Lösung anzubieten, weshalb wir das Thema in die Hände unserer Leser und Kommentatoren übergeben.