1

«Respekt» und andere Weltanschauungen

Vom Nehmen und Geben

Erstes Bild Dass Menschen, die einer oder mehreren der drei monotheistischen Religionen angehören, alle an den Einen / das Eine „Gott“ glauben, ist für viele eine unumstößliche Wahrheit. Untermauert wird dies mit Sätzen wie «Judentum, Christentum und Islam gehören nicht nur geschichtlich zusammen, sie sprechen von demselben Gott, dem Schöpfer, Offenbarer und Richter …», oder auch «Liebe zu dem Einen Gott und die Liebe gegenüber dem Nächsten — diese beiden Prinzipien finden sich immer wieder in den heiligen Schriften des Islams und des Christentums.» (Quelle: „Wir glauben alle an den gleichen Gott“; katholisch.de). Gemein ist manchen (dieser) Menschen auch, dass sie gegenüber anderen bei Gelegenheit „Respekt“ für ihre Religion, für deren Glaubensinhalte, Riten und Symbole nicht nur erwarten, sondern einfordern. Eine ebensolche Wahrheit ist es vielen, dass dieses „Gott“ uns Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hat.

Wir glauben alle an den gleichen Gott_Screenshot_Kombi_frame

Screenshot (Collage, eigenes Werk) aus „Wir glauben alle an den gleichen Gott“ (katholisch.de)

Im Jahr 2020 veröffentlichte der kurdischstämmige Exil-Iraker Ahmed (Amed) Sherwan das Buch KAFIR. Darin schildert er seine Abkehr vom Islam, die für ihn zum Fluchtgrund aus einer von Despotismus, religiösem Rigorismus und versteinerten Traditionen geprägten Umgebung wurde, erzählt aber auch von einer Begebenheit in seinem neuen Heimatland im Jahr 2018, als er (als heterosexueller) während einer Pride CSD18 in Berlin auftrat:

Ex-Muslim erhält Morddrohungen für T-Shirt_Screenshot_p1

Screenshot (Ausschnitt, eigenes Werk) aus einem Video des öffentlichen Auftritts von Amed Sherwan

Wer an Gott glaubte, müsste logischerweise akzeptieren, dass die menschliche Vielfalt Gottes Werk sei und Gott selbst daher genauso gut vielfältige Formen annehmen könne. Der muslimischen Community würden etwas mehr Selbstironie und Selbstkritik nicht schaden. Ich wusste, dass das in Zeiten mit so viel Hass schwer war, aber gerade jetzt war es wichtig, den Extremistinnen und Extremisten nicht das Feld zu überlassen.
Ich wollte nicht nur an den traditionellen religiösen Vorstellungen rütteln, sondern mit einem humoristischen Statement zeigen, dass auch Flüchtlingsgesichter weltoffen sein konnten. Warum sollte es nicht möglich sein, gleichzeitig gegen Sexismus, Heteronormativität und Muslimfeindlichkeit zu sein? Ich druckte mir ein T-Shirt mit einer Regenbogenflagge und dem Aufdruck Allah is Gay, bastelte mir Demoschilder für Oriental Diversity, machte davon ein Foto und postete es mit einer Ankündigung auf Facebook: […] (KAFIR, Seite 179).

Sein Auftritt mit besagtem T-Shirt, den man für infantiles Gebaren oder für eine spätpubertäre Aktion halten mag, der jedoch ein gesellschaftspolitischer Akt war, hatte für Amed Sherwan einige unschöne Folgen: Er wurde nicht nur beschimpft, es wurde ihm gar gedroht, ihn zu ermorden (siehe z.B. die Beiträge „Allah is gay“ – Ex-Muslim erhält Morddrohungen für T-Shirt sowie „Allah ist schwul“: Für Solidarität mit muslimischen LGBTI auf den CSD aus dem Jahr 2018, aber auch Blog-Beiträge von Amed Sherwan). Einige Leute waren mit der Vorstellung, dass ein „Gott“, welches uns Menschen — alle Menschen — nach seinem Vorbild erschaffen haben soll, nicht nur hetero-, sondern auch homosexuell und vieles mehr sein müsse oder wenigstens sein könne, vielleicht derart überfordert, in Erklärungsnot, und argumentativer Hilflosigkeit ausgesetzt, dass sie sich in Gewaltphantasien flüchteten. „Respekt“ für andere als die eigene Weltanschauung aufzubringen (siehe „Religionsfreiheitsphobie“, darin u.a. Allgemeine-Menschenrechte-Phobie, Minderheitenrechtephobie, Meinungsfreiheitsphobie, Andere-als-die-eigenen-Wahrheiten-Phobie) kann halt sehr anstrengend und herausfordernd sein, zumal, wenn das (ideologisch verengte) Wertegefüge, welches der eigenen Weltanschauung zugrunde liegt, nur einen sehr eng begrenzten Toleranzrahmen aufweist (vgl. u.a. den Beitrag Toleranz und Wertschätzung).

Ex-Muslim erhält Morddrohungen für T-Shirt_Screenshot_p8

Screenshot (Collage, eigenes Werk) der Google-Bildsuche zu „Allah is Gay“

Die Google-Bildsuche nach „Allah is gay“ fördert eine Vielzahl an Ergebnissen zutage, darunter auch solche, auf denen die Shahada in arabischer Schrift zusammen mit den Worten „ALLAH IS A GAY GOD“ in lateinischen Buchstaben auf eine Regenbogenfahne / -flagge gedruckt ist; „Gott“ scheint es zu gelingen, dem mit Gelassenheit und der sprichwörtlichen Barmherzigkeit zu begegnen. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den Film „Das Leben des Brian“, der in meiner Wahrnehmung die Verkitschung und Verklärung des Lebens Jesu karikiert, nicht jedoch die Person des biblischen Jesus als solcher.

Um an dieser Stelle möglichen Spekulationen (oder Hoffnungen, Erwartungen) vorzubauen:
Ich bin heterosexuell.

~ ~ ~

Erscheinungsbild_Beamte_frame

Screenshot (eigenes Werk)

Zweites Bild Im April 2021 haben der Deutsche Bundestag und der Bundesrat dem „Gesetz zur Regelung des Erscheinungsbilds von Beamtinnen und Beamten“ zugestimmt. Ziel dieses Gesetzes ist es, eine „Regelung des zulässigen Ausmaßes von Tätowierungen und anderer Formen des Erscheinungsbildes von Beamtinnen und Beamten beziehungsweise Soldatinnen und Soldaten“ zu schaffen.

Von einigen Seiten kam Widerspruch, ja Protest gegen dieses Gesetz; so wurde u.a. die These aufgestellt: „Dieses Gesetz schränkt die Religionsfreiheit ein und diskriminiert wieder einmal muslimische Frauen auf dem Arbeitsmarkt“ (auch Screenshot).

Nun bin ich kein Gegner* oder gar Feind derjenigen, die diese These aufgestellt und verbreitet haben, habe an der These selbst jedoch etwas zu bemängeln:

1.: Der Artikel 4 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland garantiert im Satz 1 die „Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses“ sowie im Satz 2 die „ungestörte Religionsausübung“.
2.: Beamte und Soldaten, aber auch Richter, repräsentieren im Dienst den religiös und weltanschaulich neutralen Staat und dessen Institutionen, nicht jedoch ihre eigene Religionszugehörigkeit (sofern sie einer Religionsgmeinschaft angehören oder sonstwie religiös sind) oder ihre eigene Weltanschauung (siehe dazu den Artikel 140 GG, darin insbesondere die Sätze 1 und 2 des Artikels 136 WRV).
3.: Zu den Dienstpflichten von Beamten und Soldaten gehört es m.E. nicht, tatsächliche oder vermeintliche religiöse Gebote und Vorschriften (im Dienst) zu befolgen und dabei den Anschein zu erwecken, es handle sich bei diesen religiösen Geboten oder Vorschriften um staatliche Gesetze.
4.: ♦ Glauben dürfen alle Menschen weiterhin, was sie wollen, auch dürfen alle weiterhin Glaubens-, Weltanschauungs- sowie Religionsgemeinschaften angehören;
♦ die Gewissensfreiheit wird durch das o.a. Gesetz nicht eingeschränkt;
♦ bekennen dürfen sich weiterhin alle, zu was sie wollen, und
♦ religiöse Rituale und Zeremonien (außerhalb des Dienstes) ungestört praktizieren ebenso.
Durch das Gesetz zur Regelung des Erscheinungsbilds von Beamtinnen und Beamten wird also keines dieser Rechte eingeschränkt.

Dadurch, dass aus der Gruppe der von dem o.a. Gesetz möglicherweise Betroffenen, das für alle gleichermaßen gilt ohne jemanden zu bevorzugen oder zu benachteiligen (Artikel 3 Satz 3 GG), ein bestimmter, namentlich bezeichneter Personenkreis herausgegriffen und diesem nach Meinung einer Partei womöglich Sonderrechte eingeräumt werden sollten, wird dieser Personenkreis ausgegrenzt, diskriminiert, und eventuellen Ressentiments ausgesetzt. Dies ist zum Nachteil insbesondere des genannten Personenkreises. Respekt für die Werte des freiheitlichen demokratischen, religiös und weltanschaulich neutralen Staates und seiner Institutionen kommt in dem Ansinnen nicht zum Ausdruck.

Zu den im vorherigen Absatz angesprochenen Ressentiments ein Zitat von Bertrand Russell aus seinem Buch Eroberung des Glücks (Conquest of Happiness):

Warum ist eine Propaganda, die an den Hass appelliert, so ungleich erfolgreicher als irgendein Versuch, freundschaftliche Gefühle zu erwecken?

Bertrand Russel_Eroberung des Glücks_EN

Why is propaganda so much more successful when it stirs up hatred than when it tries to stir up friendly feeling?

_______
* In Gegnerschaft stehe ich zu Parteien, deren Politik aus meiner Sicht, in meiner Wahrnehmung, darauf abzielt, den demokratischen Rechtsstaat zu zerstören. Dazu zähle ich z.B. die sog. „AfD“.
Andere Parteien sehe ich als Partner im demokratischen Gefüge, auch wenn ich nicht alle Positionen teile, die sie vertreten.

Eingangsbild:
„The importance of knowing perspective“, William Hogarth (1697-1764), Wikipedia, gemeinfrei


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Nur Kindgerechtes ?

„Antimuslimischer Rassismus“ von ungewöhnlicher Art:
Die Namen der Akteure spielen dabei für mich keine Rolle, die Handlungsmuster finde ich maßgeblich

Im April 2021 berichtete Deutschlandfunk Kultur auf seiner Website, dass die „Göttliche Komödie“ neu ins Holländische übersetzt wurde, um sie „freundlicher und zugänglicher“ zu gestalten. Bei dieser Gelegenheit wurde jene Textpassage, in der der Prophet des Islams, Mohammed, sowie dessen Schwiegersohn Ali erwähnt sind, ausgelassen, entfernt, mit der Begründung, dass man „einen Großteil der Leserinnen und Leser“ nicht „unnötigerweise verletzen“ wolle.

Die Göttliche Komödie (Divina Commedia) des italienischen Dichters, Philosophen und Begründers der modernen italienischen Schriftsprache Dante Alighieri (1265-1321) ist eines der Werke zeitloser Weltliteratur. Musiker, Bildhauer, Maler, Literaten und Filmemacher ließen sich durch das Werk inspirieren, es wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, und Forscher widmeten ihr Abhandlungen. Die Wikipedia schreibt zum Inhalt u.a.:

Personen der antiken, der biblischen und vor allem der mittelalterlichen Geschichte, bekannte und minder bekannte oder manchmal auch (heute) unbekannte, werden hierbei als Individuen mit ihren persönlichen Leidenschaften, Erinnerungen und Verfehlungen oder Verdiensten präsentiert […]

Im 28sten Gesang des ersten Teils der Dichtung, der mit „Die Hölle“ überschrieben ist, werden, neben anderen Figuren, auch der Mohammed und Ali erwähnt:

Dieweil ich auf ihn starrte, ganz entsetzt,
Sah er mich an, rief, mit den Händen beiden
Die Brust aufreißend: «Schau, wie ich zerfetzt!
Schau, welche Wunden Mahomet muß leiden!
Vor mir geht Ali, weinend, von den Braun
Gespalten bis zum Kinn von scharfer Schneiden.
Ein jeder war, dem hier du kannst erschaun,
Sämann von Zwist und Hetzerei im Kleide
Des Fleisches: jetzt drum selber so zerhaun.
Ein Teufel, der uns solches tut zuleide,
Dort hinten steht; wenn wir die Bahn hinwieder
Der Qual umkreist, fällt seines Schwertes Schneide
Aufs neu auf jeden unsrer Rotte nieder;
Denn eh wir wieder ihm vorübergehn,
Sind allemal geheilt die wunden Glieder.
Doch wer bist du? Bleibst ob dem Bogen stehn
Und gaffest? Aufschub hoffst du wohl der Plage,
Die dir auf deine Beichte ausersehn?»

(Übersetzung: Friedrich Freiherr von Falkenhausen (1869-1946))

Mit Blick auf den Inhalt von Dantes „Göttlicher Komödie“ — «Personen der antiken, der biblischen und vor allem der mittelalterlichen Geschichte» — hätte bei der Neuübersetzung (siehe oben) mit gleicher Begründung, dass man also „einen Großteil der Leserinnen und Leser“ nicht „unnötigerweise verletzen“ wolle, jedoch auf viele weitere Textteile verzichtet werden müssen (vergl. auch Mohammed in Bildern, # 13 sowie # 24 bis # 27, sowie den Beitrag Mohammed-Karikaturen in der Wikipedia).

Das Signal der o.a. Textverstümmelung an die islamische Welt und an in Europa lebende Muslime ist aus meiner Sicht: „Liebe Muslime, wir wollen euch solche Textpassagen nicht zumuten, weil wir euch für Unmündige halten. Deshalb bekommt ihr von uns nur eine Übersetzung, die nach unserer Überzeugung für euch kindgerecht aufbereitet ist.“

In der Begriffs- und Wertewelt mancher (politischer) Kreise wird ein solches Vorgehen gelegentlich als „Rassismus“ bezeichnet. Zur Vertiefung: Brief an die Heuchler.

_____
Beitragsbild oben: Codex Altonensis: Dantes Comedya; Wikipedia; gemeinfrei.


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Busfahrt

Gleichnishaftes zu Ausgrenzung und Selbstausgrenzung

Wenn du mit einem Omnibus mitfahren willst, wirst du in den Bus einsteigen müssen, denn der Bus kann nicht in dich einsteigen, kann nicht Teil von dir werden.
Oben auf dem Dach des Busses wird man dich nicht mitfahren lassen, auch wenn die Aussicht von dort, über allen anderen thronend, besser sein mag als im Bus, und auch sonst gibt es an den Außenseiten des Busses keine Mitfahrmöglichkeit.
Du wirst also in den Bus einsteigen müssen, wenn du mitfahren, wenn du dabei sein willst.
Falls du nicht zu nah bei anderen Fahrgästen sitzen magst, kannst du darauf hoffen, dass es einen Sitzplatz ohne Sitznachbarn gibt. Einen Anspruch auf einen solchen Platz kannst du jedoch nicht geltend machen.
Wenn du dich weigerst, in den Bus einzusteigen, dich also selbst ausgrenzt — dich selbst diskriminierst –, wird der Bus ohne dich fahren und du bleibst allein an der Haltestelle zurück. Als Opfer, als von anderen Ausgegrenzter, solltest du dich dann allerdings nicht sehen oder hinstellen, denn mit deiner Verweigerungshaltung grenzt du dich selbst aus. Lediglich für den Fall, dass dir die Mitfahrt ohne Angabe von Gründen oder ohne rechtliche Grundlage — in einem Akt der Willkür oder des Vorsatzes — verwehrt wird, kannst du die Opferrolle für dich reklamieren; siehe dazu u.a. den Beitrag «Herkunft, Abstammung, Religionszugehörigkeit und Fehlverhalten».

Für den Fall, dass du eingeschränkt bist und allein nicht in den Bus einsteigen kannst, wird man dir Hilfestellung anbieten.
Wenn du die Hilfe ablehnst oder dich gar dagegen zur Wehr setzt, wirst du es nicht in den Bus schaffen.
Dann fährt der Bus ohne dich und du bleibst allein zurück. Als Opfer, als von anderen Ausgegrenzter, … siehe oben.

_______

Beitragsbilder:
oben: Luxembourg,_bus_armée_(1).jpg
Author: GilPe (wikimedia.org)
unten: Kanachu-Hire_H-0617_wheelchair-lift.jpg
Author: Comyu (wikimedia.org)
CC-Lizenz (Creative Commons)


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Die seelisch Verletzten — Eine Geschichte in zwei Teilen

African-Proverb_Despotismus_Kombi_72
For the English version of this post, please refer to
The mentally injured – A story in two parts
.

Über Hilflosigkeit, über Frust und Verzweiflung

Wird Kritik an patriarchalen Strukturen oder Verhaltensweisen, an Diskriminierung (vulgo «Rassismus»), oder an Despotismus geübt, ist es manchmal nicht unwichtig, wie diese Kritik formuliert wird, und insbesondere, wer sie ausspricht.

DER GESCHICHTE EINER TEIL

In einer Rede, die die Norwegerin Deeyah Khan, Tochter eines Pakistani und einer Afghanin, im Jahr 2016 im Rahmen der Veranstaltungsreihe TEDx Talks hielt (siehe auch die TED-Website), erzählt sie zunächst aus ihrer Kindheit und Jugend in Norwegen in einer muslimischen, nicht besonders religiösen Familie. Es sind Erlebnisse und Erfahrungen, die nicht auf ein bestimmtes Land oder auf einen bestimmten Kulturkreis beschränkt sind, Erlebnisse und Erfahrungen, die es in ähnlicher Weise überall gibt.

Wie sie von ihrem Vater gedrängt, nein rabiat gezwungen wurde, ein Musikinstrument und Gesang zu erlernen, Musik zu machen und damit öffentlich aufzutreten;

… von einem „weißen“ Norweger nur wegen ihrer südasiatischen Abstammung (als ob sie sich damit etwas hätte zuschulden kommen lassen) bespuckt und beschimpft wurde;

… von Menschen aus „ihrem“ islamisch geprägten Kulturkreis — sie spricht von «brown people» — wegen ihrer öffentlichen Auftritte in einer Musikgruppe angefeindet, angegriffen und mit Morddrohungen konfrontiert wurde.

Wie sie deswegen aus „ihrem“ islamisch geprägten Umfeld keinerlei Anteilnahme oder Hilfe erfuhr;

… während ihrer späteren Arbeit in Hilfsorganisationen erkannte, dass ihre persönlichen Erlebnisse in „ihrem“ islamisch geprägten Umfeld, in dem die „Ehre“ und der Ruf der Familie oder der Gruppe bestimmende Größen für das Zusammenleben sind, keine Ausnahme, sondern die Regel darstellen;

… während dieser Arbeit desorientierten jungen Menschen — insbesondere jungen Männern — begegnete, die in dem Spannungsfeld von autoritärer, auf Einschüchterung setzender Erziehung einerseits und Diskriminierungserfahrungen andererseits keine eigene Persönlichkeit aufgebaut hatten, und die persönliche Gewalterfahrungen an andere weitergaben.

Sie erzählt von jungen Menschen, die auf dem Weg zum Erwachsenwerden nach Vorbildern, nach Orientierung, nach Gruppenzugehörigkeit und Halt suchen und wie ihnen dies von «braunen Männern mit Bärten», von «zynischen alten Männern, die Blut für ihren eigenen Profit verwenden wollen», wie Deeyah Khan sie nennt, nur scheinbar gegeben wird (vergl. die Sekten-Checkliste).

Deeyah Khan zeigt auf, wie nicht Selbstausgrenzung in Parallelgesellschaften, nicht Hass, nicht die ständige Opferrolle, sondern Akzeptanz der Werte des freiheitlichen demokratischen Rechtsstaats und des individuellen Selbstbestimmungsrechts aus der Spirale der Gewalt herausführt.

An muslimische Eltern richtet Deeyah Khan die Frage:
«Können Sie sich für sie (für Ihre Kinder) anstatt für Ihre Ehre entscheiden?»

Sie zitiert passend dazu ein afrikanisches Sprichwort:

Wenn die Jungen nicht in die Dorfgemeinschaft eingeführt (aufgenommen) werden, werden sie das Dorf niederbrennen, nur um seine Wärme zu spüren.


Den vollständigen Text der Rede von Deeyah Khan gibt es als PDF (48 Seiten) synoptisch English-Deutsch,
und einen Cover für die Printausgabe.

* * *

DER GESCHICHTE ANDERER TEIL

Image Problem (mit Erlaubnis durch Cox & Forkum)

  • Das Recht auf freie Meinungsäußerung fügt niemandem einen Schaden zu.
  • Eine Karikatur zu zeichnen oder zu veröffentlichen fügt niemandem einen Schaden zu.
  • Jemandem den Kopf abzuschneiden fügt demjenigen einen Schaden zu,
    dem der Kopf abgeschnitten wird.

~ ~ ~

Am 16. Oktober 2020 wurde der Lehrer Samuel Paty in dem Ort Conflans-Sainte-Honorine nahe Paris in Frankreich ermordet. Paty hatte in einer Unterrichtsstunde die Meinungsfreiheit bzw. das Recht auf freie Meinungsäußerung thematisiert, ein Rechtsgut, das in Frankreich wie auch in vielen anderen Ländern zu den verfassungsmäßig garantierten Grundrechten gehört.
Im Rahmen der Unterrichtsstunde hatte er u.a. eine Karikatur aus der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo verwendet und den Schülern — nach einem Hinweis, dass sie den Klassenraum ggf. vorher verlassen dürften, falls sie die Karikatur nicht sehen wollten — gezeigt. In der Karikatur war gemäß Bildbeschreibung der Erfinder und Prophet des Islams, Mohammed, abgebildet.
In der Wikipedia sowie in anderen öffentlichen Medien wurden die Tat, deren Vorgeschichte sowie der Tathergang und internationale Reaktionen auf die Tat breit thematisiert (siehe den Beitrag «Anschlag in Conflans-Sainte-Honorine» in der Wikipedia).

~ ~ ~

Zunächst ein paar kurze Anmerkungen zu den drei Punkten oben am Beginn des zweiten Teils dieses Beitrags.

  • Das Recht auf freie Meinungsäußerung fügt niemandem einen Schaden zu:

Das Recht auf freie Meinungsäußerung, welches ein allen Menschen in diesem Land gewährleistetes Grundrecht ist, unterscheide ich von einer einzelnen Meinungsäußerung — also einer Handlung einer Person –, die jemandem selbstverständlich dann einen Schaden zufügen kann, wenn in der Meinungsäußerung z.B. eine Diffamierung (Verunglimpfung) oder eine Verleumdung enthalten ist. In solchen Fällen ist die Meinungsäußerung eine Straftat — siehe die §§ 185 bis 189 StGB (in Deutschland). Die bloße Grundrechtsgarantie verursacht jedoch keinen Schaden, verpflichtet oder zwingt niemanden, seine Meinung zu äußern, hält aber auch niemanden davon ab.

  • Eine Karikatur zu zeichnen oder zu veröffentlichen fügt niemandem einen Schaden zu:

Beim Zeichnen einer Karikatur wird eine Idee eines Zeichners grafisch umgesetzt, es wird der Strich eines Zeichenwerkzeugs auf ein Blatt Papier aufgetragen; ein Schaden entsteht dadurch niemandem (es sei denn, man wollte einen Schaden darin erkennen, dass sich der Zeichner der Karikaturen bezeiten ein neues Zeichenwerkzeug kaufen muss).
Wird die Karikatur veröffentlicht, mag sich eine lebende Person, die in der Karikatur dargestellt ist, trotz verzerrter Physiognomie darin wiedererkennen. Einigen Karikaturisten gelingt es, Charaktereigenschaften, die einer Person zugeschrieben oder angedichtet werden, zeichnerisch umzusetzen. Dies ist besonders beispielhaft in Karikaturen bekannter Personen des öffentlichen Lebens wie z.B. solchen des 45sten Präsidenten der USA, Donald Trump, zu sehen.
Derlei Darstellungen mögen den karikierten Personen gefallen oder auch nicht; sollten sie der Meinung sein, dass ihnen durch die Veröffentlichung solcher Darstellungen ein tatsächlicher Schaden entstanden ist, steht ihnen der Rechtsweg offen. Ebenso, wenn sie sich durch die verzerrte Darstellung beleidigt oder sonstwie in ihren Rechten verletzt fühlen sollten.

Screenshot: Karikaturen Donald J. Trump (eigenes Werk)

  • Jemandem den Kopf abzuschneiden fügt demjenigen einen Schaden zu, dem der Kopf abgeschnitten wird:

Das Zufügen einer Körperverletzung mit Todesfolge, Totschlag sowie Mord wird m.W. in allen Ländern der Erde als Straftat respektive als Verbrechen geahndet. Das Opfer einer solchen Tat ist nach Tatbegehung tot, die Tat wird als Offizialdelikt strafrechtlich verfolgt.

~ ~ ~

Nach der Ermordung des Lehrers Samuel Paty (siehe oben) kam es in einigen Ländern zu Demonstrationen, in den (sozialen) Medien wurde Protest laut. Die Demonstrationen richteten sich in wenigen Fällen gegen die Ermordung des Lehrers, in vielen anderen Fällen jedoch dagegen, dass er während einer Unterrichtsstunde das Recht auf freie Meinungsäußerung thematisiert und als anschauliches Beispiel dazu eine Karikatur gezeigt hatte.

Bildliche Darstellungen des Islam-Erfinders und Propheten Mohammed führen, insbesondere dann, wenn es sich bei den Darstellungen um Karikaturen handelt — und anders als bei vergleichbaren Darstellungen anderer Personen — regelmäßig dazu, dass auf eine (weltweite !) Einschränkung des Rechts auf freie Meinungsäußerung gedrängt wird. Oft reicht es, dass jemand nur vom Hörensagen — oder gar gerüchteweise — Kenntnis von derlei Darstellungen bzw. Karikaturen erlangt hat statt die Bilder selber gesehen zu haben. Der Grund, warum der Islam-Erfinder und -Prophet Mohammed karikiert oder warum eine Karikatur von ihm gezeigt wird, spielt dabei keine Rolle, Zusammenhänge scheinen belanglos oder werden nicht reflektiert.

In einem Leserkommentar, der zu einem Facebook-Eintrag veröffentlicht wurde (siehe den anonymisierten Screenshot unten) dessen Aussagen man, bei ähnlicher Wortwahl, sehr häufig begegnen kann, kommt zum Ausdruck, welches die Beweggründe für so manche Äußerung sein mögen:

[…] Unser Prophet Mohamed sws war KEIN Islamist oder Terrorist. Die Karikaturen beleidigen unseren Propheten, der sehr wichtig für uns Muslime ist. Für nicht-gläubige Menschen ist das schwer nachvollziehbar, das versteh ich weil ich selbst mal zu diesen Personen gehört habe. Aber gläubige Christen oder Juden können das eher nachvollziehen. Die Liebe zu unserem Propheten ist daher sehr gross und schwer zu beschreiben. […]

Screenshot eines Facebook-Kommentars (eigenes Werk; Click für vergrößerte Ansicht)

Wie man jemanden noch beleidigen kann, der seit bald 1400 Jahren tot ist, erschließt sich mir nicht, denn der angeblich Beleidigte hat keine Möglichkeit, sich beleidigt zu fühlen oder auf die Beleidigung mit juristischem Vorgehen zu reagieren. In Deutschland ist der Straftatbestand der Beleidigung ein Antragsdelikt.

Die Worte «Die Liebe zu unserem Propheten ist daher sehr gross und schwer zu beschreiben.» in obigem Kommentar drücken m.E. eine Idealisierung und Verklärung, aber auch eine Identifizierung mit dem Islam-Erfinder und -Propheten Mohammed aus. Und sie lassen eine Hilflosigkeit erkennen, zumindest eine Hilflosigkeit in der Argumentation.

Die Idealisierung und Verklärung kann bis in den Bereich der Verkitschung gehen, wie sie auch in einigen anderen Fällen zu beobachten ist, in denen Wunschvorstellungen die allgemein wahrnehmbare Wirklichkeit überlagern oder verzerren. Jede Kritik wird dann mglw. als persönlicher Angriff gedeutet.

In der Identifizierung mit einer anderen Person kommt zum Ausdruck, dass die Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit (schwer) beschädigt wurde, wie es Deeyah Khan in dem oben, im ersten Teil dieses Beitrags besprochenen Video, darlegt. Gruppendruck, der die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit behindert oder gar unterbindet, tut ein Übriges.
Der Protest gegen sog. Mohammed-Karikaturen ist dann lediglich eine Ersatzhandlung. Eigentliches Ziel des Protests ist der Despotismus, sind die — nicht nur dem Islam innewohnenden — patriarchalen Herrschafts-, Gesellschafts- und Machtstrukturen — ein Protest, wie er sich z.B. auch während des Arabischen Frühlings in mehreren islamischen Ländern entladen hat.

ZUM SCHLUSS

Der Islam — oder andere den Freiheitswillen der Menschen einschränkende oder unterdrückende Religionen und sonstige Ideologien –, oder rechtsreaktionäre, faschistoide Akteure wie z.B. Salafisten und andere sehr konservative Vertreter, Befürworter und Verteidiger oder auch Sympathisanten und Solidarische des Despotismus und der Einschüchterungen sowie Rechtsextremisten, die häufig die Gelegenheit nutzen, Respekt für den Islam und dessen Erfinder einzufordern, die umgkehrt jedoch nicht immer bereit sind, Respekt für die Werte des freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat sowie für die Allgemeinen Menschenrechte in gleichem Maße zu erbringen geschweigedenn den Vorrang auch nur der Grundrechte über allen religiösen Vorschriften und Geboten anzuerkennen, jener Grundrechte, die wegen des Gleichheitsgrundsatzes vor dem Gesetz (in Deutschland Artikel 3 Satz 1 GG) für alle Menschen gleichermaßen gelten, sind in diesem Gefüge nicht die Lösung, sondern das Problem, das es mit den Mitteln und Möglichkeiten des freiheitlichen demokratischen Rechtsstaats wie z.B. dem Recht auf freie Meinungsäußerung zu überwinden gilt.

_______
_____
___
_
.


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Afrikanisches Sprichwort

Ohne-Beitragsbild_3zEine Rede von Deeyah Khan

Ohne Kommentierung

Zitat aus der Rede:

If the young are not initiated into the village, they will burn it down just to feel its warmth.
(African Proverb)

„Wenn die Jungen nicht in die Dorfgemeinschaft eingeführt werden, werden sie das Dorf niederbrennen, nur um seine Wärme zu spüren“.
(Afrikanisches Sprichwort)

Den vollständigen Text der auf Englisch gehaltenen Rede will ich auf Anfrage gern übersetzen.


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Argumentationsmuster

WahineTane_T+8_12x12c_72dpi

Mit anderen Menschen kontrovers diskutieren,
ohne sich wechselseitig zu beschimpfen, zu beleidigen oder zu diffamieren

Am 5. und 6. September 2020 führte ich via FB einen Meinungsaustausch, den ich hier anonymisiert, ansonsten jedoch unverändert und ungekürzt wiedergebe.

A.H.O. hatte, mglw. in Anlehnung an einen Buchtitel, in einem Beitrag die Frage aufgeworfen «Wem gehört der Islam?»

Ein Diskussionsteilnehmer, dessen Namen ich hier mit M.B. wiedergebe, meinte:

Der Islam gehört den Gottergebenen. Der Prophet sprach: „Nun habe ich euch eure Religion vervollkommnend.“

Eine Diskussionsteilnehmerin, hier E.T. genannt, erwiderte:

Würde ich bestätigen ..
Doch frei nach Goethe : „Wenn Islam Gottergebenheit heißt, dann leben und sterben wir alle im Islam.“
So sind es die abramitschen Religionen, die wie drei Geschwister sind , die stetig darum streiten , wer der bessere von ihnen ist .

Eckhardt Kiwitt:

Aah, Goethe — hat dankenswerterweise auch Voltaire’s «Mahomet» ins Deutsche übersetzt.
Ein denkwürdiger Satz daraus:
„Dem Staate bringt die Furchtsamkeit Verderben“.

A.H.O. an die Adresse von M.B.:

das ist eine koranische Stelle.

M.B.:

Eben, die Antwort liefert der Koran selbst.

Daraus entspann sich ein längerer, kontrovers geführter Meinungsaustausch mit M.B.

Eckhardt Kiwitt:

Und, wie lautet die Antwort, oder an welcher Textstelle im Koran kann man sie nachlesen ?

M.B.:

Sure 5 Vers 3
„Heute habe ich euch eure Religion vollständig gemacht und meine Gnade an euch vollendet und habe daran Gefallen, dass der Islam eure Religion ist.“

Eckhardt Kiwitt:

Einen Satz vorher heißt es in diesem Vers:
„Heute haben die Ungläubigen vor eurem Glauben resigniert; …“
Da werden also Leute, die nicht an das islamische „Gott“ glauben, als „Ungläubige“ diffamiert und beleidigt.
Freundlich ist das nicht, und überzeugen kann es allemal nicht !

M.B.:

Die Kafiroun, also die Mekkaner sind gemeint, die den Islam verleugnet haben und feindlich gesinnt waren. Um ein Kafir zu sein müssen zwei Komponenten erfüllt sein. Verleugnung und Bekämpfung. Die Mekkaner haben alles versucht um den Islam zu vernichten. Die Verkündung des Propheten ist zugleich die Verkündung des Siegs.

Eckhardt Kiwitt:

Nun gut, ich bin zwar kein Mekkaner, aber den Islam, dieses aus meiner Sicht patriarchalisch-rechtsreaktionäre Gesellschaftsystem, in dem es nichtmal Religionsfreiheit gibt und nicht die Freiheit, den Islam-Erfinder zu kritisieren, lehne ich ebenfalls ab und bevorzuge stattdessen den Grundrechtekatalog unserer Verfassung, des GG, sowie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Werte der Europäischen Aufklärung.
„Daß der bei weitem größte Teil der Menschen […] den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.“
(Kant — Aufklärung)

M.B.:

?

Eckhardt Kiwitt:

Was ist Deine Frage, die Du mit dem „?“ zum Ausdruck bringen willst ?

M.B.:

Es war eine patriarchale Gesellschaft, lange vor dem Islam. Der Koran hat dagegen gewirkt. Wobei man schlecht die Gesetze des siebten Jhd. auf heute übertragen kann.

Eckhardt Kiwitt:

Wenn man die Gesetze des 7. Jhdts. nicht auf heute übertragen kann, dann sollte man all die religiösen Gebote und Vorschriften des Korans „ad acta“ legen und stattdessen die Gesetze des freiheitlichen demokratischen Rechtsstaats als die besseren Gesetze akzeptieren.

Eckhardt Kiwitt:

Wenn „Koran hat dagegen gewirkt“ (gegen die patriarchale Gesellschaft, die es, wie Du schreibst, lange vor dem Islam gegeben hat), wie ist es dann möglich, dass heutzutage alle Gesellschaften, in denen islamische Gesetze gelten bzw. in denen Islam die Staatsreligion ist, patriarchalisch-rechtsreaktionäre Systeme sind ?

M.B.:

Das beruht vielmehr auf Traditionen als auf den Koran.

Eckhardt Kiwitt:

Soso, Tradition ?
Was ist aber mit jenen Textstellen im Koran, in denen das patriarchalisch-rechtsreaktionäre Familien- und Gesellschaftsbild zementiert ist:
— Sure 2 Vers 282: Frauen, deren Aussagen bei Gericht nur die Hälfte der Aussagen von Männern wert sind;
— Sure 4 Vers 11: Frauen, denen laut Koran nur das halbe Erbteil eines männlichen Nachkommen zusteht;
— Sure 4 Vers 3: „… heiratet, was euch an Frauen gut ansteht, zwei, drei oder vier;“
— Sure 4 Vers 34: „Darum sind tugendhafte Frauen die Gehorsamen und diejenigen, die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren. Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie ! Wenn sie euch dann gehorchen, …“

M.B.:

Oh je, wieder diese Leier. Sorry, hab gerade nicht die Muße dazu.

Eckhardt Kiwitt:

Seltsam. Du hattest doch behauptet, dass es auf Traditionen beruht und nicht auf dem Koran. Und jetzt, da ich Dir ein paar Textstellen aufgezeigt habe, die das Gegenteil darlegen können, magst Du nicht mehr. Seltsam.

M.B.:

Darüber könntest du dich selbst schlau machen. Schonmal den Koran gelesen, geschweige denn verstanden?

Eckhardt Kiwitt:

Gelesen, ja.
Hat auf mich den Eindruck eines teils aus Versatzstücken zusammenphantasierten Werkes gemacht, oder, wie es der im Auftrag des Islam-Erfinders ermordete Ibn al-Harith genannt hat, ein «Abklatsch alter Mythen».
(siehe Mohammed in Bildern, # 26.)

Eckhardt Kiwitt:

By the way, falls Du den Koran verstanden hast, erkläre ihn mir gern. Ich bin für alles sehr empfänglich. Danke !

M.B.:

Niemand kann Dir den Koran erklären außer Gott.

M.B.:

‚Uns obliegt die Lesung und Erklärung des Buches‘ (Koran)

M.B.:

‚also übereile Deine Zunge nicht bei der Lesung‘

Eckhardt Kiwitt:

Aber Du hattest gefragt, ob ich den Koran verstanden hätte. Folglich gehe ich davon aus, dass DU ihn verstanden hast.
Wenn man etwas verstanden hat, dann sollte man auch in der Lage sein, es anderen zu erklären.

M.B.:

Beim Koran ist es umgekehrt. Er ist so vielfältig wie seine Leserschaft.

Eckhardt Kiwitt:

Wenn, wie Du schreibst, der Koran so vielfältig ist wie seine Leserschaft, darf ich dann daraus schließen, dass weder Du noch irgend jemand sonst den Koran verstanden hat — und dass Muslime folglich gar nicht wissen, was sie glauben ?

Eckhardt Kiwitt:

Es heißt doch in Sure 3 Vers 7 „Darin sind eindeutig klare Verse – sie sind die Grundlage des Buches …“.
Und die kann man nicht verstehen, nicht erklären ?
Seltsam !

M.B.:

Und darin steht auch dass es mehrdeutige und eindeutige Verse gibt. Und dass Gott darüber entscheidet, wer Seine Worte versteht.

Eckhardt Kiwitt:

Wenn das islamische „Gott“ darüber entscheidet, wer den Koran versteht und wer nicht, ohne dass die Entscheidungskriterien erläutert würden, dann scheint mir das alles sehr willkürlich zu sein.

Eckhardt Kiwitt:

Übrigens, weiter oben hattest Du in einer Antwort an A.H.O. geschrieben:
„Eben, die Antwort liefert der Koran selbst.“
Wenn der Koran die Antworten auf sich selbst bzw. auf seine eigenen Thesen liefert, nennt man das einen Zirkelschluss.
Zirkelschlüsse gehören zum UNlogischsten, das es gibt.
(siehe den Beitrag Zirkelschluss.)

M.B.:

Nein, das bedeutet das der Koran selbstreferenziell ist.

Eckhardt Kiwitt:

Genau das, das Selbstreferenzielle, führt zu Zirkelschlüssen.

M.B.:

Diese Ambiguitäten sind es gerade, was im Übrigen auch auf die Bibel zutrifft, machen diese Bücher zeitlos. Weil man nie mit ihnen fertig wird.

Eckhardt Kiwitt:

Ach ja, die Ambiguitäten — die geben einem einen guten Interpretations- und Ermessenspielraum. Das ist sehr praktisch.

M.B.:

Jede Offenbarung hatte einen kontextuellen historischen Hintergrund.

Eckhardt Kiwitt:

… der aber im Laufe der Zeit seinen Bezug verliert.

Eckhardt Kiwitt:

Die sogenannten Offenbarungen wurden als identitätsstiftende Texte von Menschen für Menschen verfasst, teils wohl gar zusammenfabuliert.
Das ist wie bei den sog. Schöpfungsgeschichten.
Ein Beispiel ist der Schöpfungsmythos der Maori aus Neuseeland, in dem man manche bekannte Bilder wiederfinden kann …
(siehe Rangi und Papa, Wikipedia)

_______

Von M.B. gab es darauf keine weitere Antwort oder sonstige Reaktion.

H.Z. merkte kurz vor Ende dieses Threads, an die Adresse von M.B. gerichtet und auf eine Art, die mir widerstrebt und die ich für unangemessen und destruktiv halte, an:

Welche Bibelkenntnise haben Sie denn, um himmelswillen?? Was Sie über den Koran da erzählen zeigt doch ganz deutlich, dass Sie nicht imstande sind spätantike religöse Dokumente sinnerfassend zu lesen. Muslime sind ja in den allermeisten Fällen überhaupt nicht imstande ihre eigenen Glaubensurkunde zu lesen, sind im Kopf dabei gar nicht beunruhigt über dieses Unvermögen und Desinteresse, aber immer sehr erstaunt, wenn man sie mit ihren Texten konfrontiert und gehen verärgert oder beschämt auf Tauchstation oder werden unverschämt aggressiv. Solange Muslime verhängnisvoller Weise nicht kapieren, dass sie ihren Koran selbst geschrieben haben, wird mit ihnen nicht vernünftig zu reden sein. Sie erklären ihn auch noch für unerschaffen und ewig wie die arabische Gottheit selbst. Wenn das nicht materialistischer schirk ist, was ist es dann?

E.T. ergänzte, ebenfalls an M.B. gerichtet, noch:

Reine Politik der Herrschenden…
Sie sagen , dass sie Gläubige sind, doch die sind Heuchler um das Volk/ Völker zu unterdrücken.

G.R. schloss diesen Teil der Diskussion ab mit den Worten:

M.B., stimmt! Man kann oder sollte zumindest die Gesetze und die Wertvorstellungen des 7. Jahrhunderts nicht auf heute übertragen!
Wie können dann Koran und Hadithe bis heute rechtleitend sein?

_______
Beitragsbild:
WahineTane (wikimedia.org, Ausschnitt)
Author: Kahuroa


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Machtspiele

Jakubov-MuehlePolitischer Islam — Ein Beispiel

Wer sein religiöses Bekenntnis bzw. seine Religionszugehörigkeit ständig und überall symbolisch zur Schau stellt, grenzt sich selbst aus, diskriminiert sich selbst, wird dann aber mglw. behaupten, von anderen diskriminiert zu werden.

Das Ziel dieses Verhaltens ist es, für sich eine Opferrolle beanspruchen zu können.

Eine Opferrolle verleiht Macht, gibt einem die Möglichkeit, von anderen Anteilnahme oder Mitleid wenigstens erwarten zu dürfen.

Religiöse Vorschriften und Gebote darf jeder für sich persönlich — und nur für sich persönlich — befolgen.

Religiöse Vorschriften und Gebote dürfen in einem freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat jedoch nicht über staatlichem Gesetz stehen, zumal sie nicht in demokratisch-rechtsstaatlichen Verfahren zustandegekommen und erlassen worden sind.

Das Zurschaustellen religiöser oder sonstiger weltanschaulicher Symbole z.B. durch Pädagogen während des Schulunterrichts stellt das persönliche religiöse / weltanschauliche Bekenntnis der Pädagogen über das Neutralitätsgebot des Staates, hebt also religiöse Gebote und Vorschriften über staatliches Gesetz.

Das halte ich für gesetzeswidrig / verfassungswidrig. Der Staat hat keine Religion und keine Staatsweltanschauung.

~ ~ ~

Hintergrund meines Statements ist ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 27. August 2020, Aktenzeichen 8 AZR 62/19, Pressemitteilung Nr. 28/20.

_____
Beitragsbild:
Mühle Jakubov bei Karlovy Vary.
Urheber: cs:ŠJů
Source: Wikipedia, Datei:Vodn%C3%AD_kolo.jpg


PDF des Beitrags
incl. der Pressemitteilung
(5 Seiten, Format A5)

Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net

Alle von mir für diese Website verfassten und auf dieser Website veröffentlichten Texte dürfen — möglichst mit Quellenangabe — von jedermann in beliebigem Umfang verwendet und zitiert werden.




Religions- und Weltanschauungsfreiheit

Religious-symbols_grid_96dpiAn welches «Gott» auch immer du glaubst;

Was auch immer deine Religion oder deine Weltanschauung ist:

Zwinge oder nötige deswegen niemanden zu etwas;

Stelle aufgrund dessen keinen Machtanspruch;

Und richte deshalb keinen Schaden an.

.

.

N.B. zum Machtanspruch:

Macht soll nach meinem Verständnis aufgrund von Qualifikation und in einem demokratisch-rechtsstaatlichen Verfahren übertragen und legitimiert werden.

Dies schließt die Erhebung eines Machtanspruchs aus eigenem Antrieb oder aus Eigeninteresse aus.

.

.

_____
Beitragsbild:
Collage aus Symbolen von neun Religionen
Quelle: Wikipedia


Religions- und-Weltanschauungsfreiheit

Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net




Die Betonung des Andersseins

Trabajando_pieza_de_metal_72dpiKulturgeschichtliche
Variationen von
„Rassismus“

In der Folge des gewaltsamen Todes von George Floyd in den USA am 25. Mai 2020, der in den Medien weltweit diskutiert und debattiert wurde und dem die Wikipedia einen Artikel gewidmet hat, wurde u.a. auch der „Rassismus“-Begriff vielfältig thematisiert. Im Verlauf der Berichterstattungen und Debatten wurden Themen und Sachverhalte miteinander vermengt, die mit dem eigentlichen Ereignis, der, wie ich es nenne, Ermordung des George Floyd im Rahmen einer in den USA nicht ungewöhnlichen polizeilichen Überreaktion miserabel ausgebildeter und entsprechend in der Situation überforderter Polizisten, nichts zu tun hatten.

So wurden Statuen gestürzt, was in der Geschichte der Menschheit eine lange Tradition hat, Statuen, die für mein Empfinden allzu häufig ohnehin nur der Verklärung, manchmal gar der Verkitschung dienen;
der Philosoph Immanuel Kant wurde wegen seiner frühen Schriften kritisiert, was aus der Perspektive und mit dem Wissen des 21. Jahrhunderts wohlfeil erscheint, Schriften, in denen er sich — seiner Zeit entsprechend — über menschliche „Rassen“ geäußert hatte, Äußerungen, die später revidiert worden sind, obwohl Charles Darwin mit seinen Beiträgen zur Evolutionstheorie und Gregor Mendel mit der Vererbungslehre noch nicht auf der Bühne erschienen waren.

In Debattenbeiträgen wurde vereinzelt festgestellt, dass es gar keine menschlichen Rassen gibt — was den „Rassismus“-Begriff, der im Laufe der Jahrzehnte zu so abenteuerlichen Wortschöpfungen wie „Altersrassismus“ geführt hat, unsinnig macht. Dennoch wird er immer noch und immer wieder verwendet statt von „Diskriminierung“ zu sprechen.

Der Begriff „Rassismus“ wird in manchen Zusammenhängen mglw. verwendet, weil er effekthaschender, aufsehenerregender ist als das Wort „Diskriminierung“. Obendrein gibt es bei der Diskriminierung (Ausgrenzung; „trennen, absondern, abgrenzen, unterscheiden“) zwei Möglichkeiten, die negative, die mit Herabsetzung oder Herabwürdigung verbunden sein kann, sowie die positive mit Aufwertung, Erhöhung oder sogar Überhöhung gegenüber anderen. Insbesondere die Möglichkeit der positiven Diskriminierung mag manchen aus ideologischen Gründen ein Dorn im Auge sein, da sie für die Einordnung von Menschen in eine (institutionalisierte und positiv besetzte) Opferrolle ungeeignet ist und keine (negativ besetzte) Täterrolle aufzeigbar macht. Hinzu kommt die Möglichkeit der Selbstdiskriminierung, Selbstausgrenzung, die den „Rassismus“-Begriff vollends ad absurdum führt.

In einem Beitrag des britischen Guardian vom 25. Juni 2020 wurde immerhin festgehalten, dass Atheisten und Humanisten in acht Ländern Diskriminierung widerfährt und sie dort wegen ihrer Weltanschauung, und nicht etwa „rassistisch“ verfolgt und unterdrückt werden.

Es wurde vorgeschlagen, den Begriff „Rasse“ im Artikel 3 (3) der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, dem Grundgesetz, durch ein anderes Wort zu ersetzen. Kosmetik, durch die weder Ursachen noch Folgen irgendeiner Diskriminierung aus der Welt geschafft würden. Man könnte dieses Ansinnen auch Selbstbetrug nennen. Dass in dem Satz 3 aus Artikel 3 GG nicht nur von Benachteiligung, sondern auch von Bevorzugung die Rede ist, wurde in diesen Diskussionen geflissentlich übersehen.

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

In manchen Debattenbeiträgen wurde versucht, die Religionszugehörigkeit von Menschen als ein unveränderliches Merkmal ähnlich Herkunft oder Abstammung hinzustellen. Dabei wurden mehrfach klischeehafte Bilder verwendet, und es konnte der Eindruck entstehen, dass vermittelt werden solle, Angehörige einer bestimmten Religion seien gegenüber anderen exponiert und bedürften einer besonderen Beachtung, ihnen müssten eine höhere Wertigkeit und damit verbunden mehr Rechte als anderen zuerkannt werden, wie dies in manchen „heiligen“ Büchern vorformuliert ist, in denen Angehörige bestimmter Religionen als „auserwähltes Volk“ irgendeines Gottes oder als „die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand“ ([3:110]) bezeichnet werden. In Fällen von Selbsterhöhung oder Selbstüberhöhung spricht man dann von Chauvinismus, oder auch von Arroganz, Anmaßung, Überheblichkeit und Hochmut.
Doch die Aufwertung der einen ist die Abwertung anderer, und umgekehrt, was gesellschaftliche Spannungen erzeugt sowie Ressentiments und Gegenreaktionen heraufbeschwört.

In einem kurzen Meinungsaustausch mit einer WerteInitiative via Facebook am 3. Juni 2020 hatte ich u.a. angemerkt, dass das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung m.E. eine Straftat ist, und zwar auch dann, wenn dies im Rahmen der Religionsausübung geschieht, was damit beantwortet wurde, dass es sich in einem solchen Fall „natürlich NICHT um eine Straftat“ handle. Auf meine weitere Nachfrage, was es denn dann sei, habe ich (bislang) keine Antwort erhalten. Ob das Verweigern einer Antwort Ausdruck von Selbstgerechtigkeit, von der Unfähigkeit zur Selbstreflexion oder von etwas anderem ist, sei dahingestellt. Herkunft, religiöses Bekenntnis oder Weltanschauung sind zwar kein Fehlverhalten, Kindern aus religiösen Gründen eine irreversible Körperverletzung zuzufügen ist es nach meinem Verständnis jedoch sehr wohl (vgl. Kritik und Angst — Wider die Selbstgerechtigkeit).
Siehe auch den Beitrag The Unanswered Question / Umkehrschluss auf dieser Website:

Wenn es […] was-auch-immer-feindlich wäre, Menschenrechtsverletzungen und Despotismus sowie anderes Unrecht zu kritisieren: Was bedeutete dies dann im Umkehrschluss ?

Jemandem mit einem Hinweis auf dessen Religion das sanktionsfreie Begehen von Straftaten zu ermöglichen und zu erlauben, verstößt in Deutschland jedoch mglw. gegen den Artikel 3 Satz 3 GG.

Menschen mit dunkler oder einer anderen Hautfarbe, als sie bei Europäern weit verbreitet ist, werden in Medienberichten etc. oft als „People of Color“ bezeichnet, ein Begriff, der auf Anderssein und damit auf Abgrezung gegenüber „Weißen“ und auf Ausgrenzung (Diskriminierung) zielt und allen Bestrebungen, „Rassismus“ zu überwinden, zuwider läuft. Abgesehen davon sind auch „Weiße“ nicht weiß, sondern haben meist wohl eine schweinchenrosa Hautfarbe. Weiß sind die Wände in meiner Wohnung.

In dem Buch Identitätslinke Läuterungsagenda zeigen insbesondere die Herausgeberin Sandra Kostner sowie die beiden Autorinnen Maria-Sibylla Lotter und Elham Manea auf, wie vermeintliche Antirassisten den „Rassismus“ und die Segregation der Gesellschaft dadurch fördern, dass sie u.a. darauf hingewirkt haben, dass Menschen z.B. allein wegen ihrer Herkunft bei der Stellenvergabe in manchen Berufen bevorzugt werden (müssen), ohne dass ihre sonstige Qualifikation berücksichtigt würde, was von der Mehrheitsgesellschaft als Ungerechtigkeit empfunden und entsprechend beantwortet wird, und dass vermeintliche Antirassisten dabei selber wie „Rassisten“ argumentieren und agieren.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 29. Juni 2020 unter der Überschrift „Es wird schmerzhaft“ sagt Saraya Gomis unter anderem:

Rassismus als Struktur ermöglicht, dass Ungleichheit legitimiert und damit „normalisiert“ wird.

Genau dies, „Rassismus“ als Struktur ermöglichen und Ungleichheit legitimieren ist es, was Sandra Kostner et al. in dem Buch Identitätslinke Läuterungsagenda beschreiben.

Ein Artikel in der SZ vom 26. Juni 2020 beklagt unter der Überschrift „Rassismus ist da, er ist alltäglich“ unter anderem:

„In Freising haben etwa 20 Prozent der Menschen Migrationshintergrund, aber ich kenne keine einzige Lehrkraft, die farbig oder andersgläubig ist.“
[…]
„Die Mehrheit der Kinder mit Migrationsgeschichte bleibt der Weg zum Abitur aus diversen Gründen verwehrt“

Welche „diversen Gründe“ es sind, wird in dem Artikel nicht thematisiert, Gründe werden nicht benannt.

In Brief an die Heuchler geht Stéphane Charbonnier (CHARB) argumentativ teils in eine ähnliche Richtung wie Sandra Kostner et al. Das Buch von CHARB, der sich ausdrücklich gegen „Rassismus“ und Intoleranz ausspricht, habe ich seit Erscheinen der deutschsprachigen Ausgabe im Juli 2015 vielen Leuten empfohlen, darunter auch solchen, die von sich selbst sagen, dass sie Antirassisten und Kämpfer gegen Intoleranz seien. Etliche dieser vermeintlichen Antirassisten und Kämpfer gegen die Intoleranz reden deshalb nicht mehr mit mir — nur, weil ich ihnen das Buch von CHARB empfohlen habe. Seltsam.

In einem Text, den Leonid Luks am 4. Juni 2020 auf der Website Die Kolumnisten veröffentlicht hat, schreibt er:

Zum Wesen des totalitären Denkens gehört die Diskursverweigerung mit Andersdenkenden.

Einige der in diesem Beitrag von mir angerissenen oder thematisierten Aspekte sind manch einem möglicherweise ein zu heißes Eisen — auch wenn ich längst nicht alle Aspekte zum Thema „Rassismus“ respektive Diskriminierung aufgegriffen habe.

Den „Rassismus“ damit zu kontern, dass man die Opfer des „Rassismus“ heraushebt, ihnen eine gesellschaftliche Sonderstellung zuschreibt, konterkariert die Bemühungen gegen „Rassismus“. Mit der Betonung des Andersseins wird der „Rassismus“ nicht bekämpft, sondern aktiv gefördert.

_____
Beitragsbilder (von oben nach unten):

  • Trabajando_una_pieza_de_metal_al_rojo_sobre_un_yunque.jpg, Wikimedia.org, Author: kurtsik
  • Sturz_des_Idstedter_Löwen.jpg, Wikimedia.org, Flugblatt – unbekannt; Scan – James Steakley
  • Screenshot von der Website des britischen Guardian, eigenes Werk
  • Cover des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland, arabischsprachige Ausgabe
  • Screenshot aus einem Beitrag der Facebook-Seite von „Gesicht zeigen – für ein weltoffenes Deutschland“, eigenes Werk
  • Akan_MHNT.ETH.2010.25.009.jpg, Wikimedia.org, Photographer: Roger Culos
  • Screenshot aus einem Beitrag der Facebook-Seite von „Werteinitiative“, eigenes Werk
  • Buchcover zu „Identitätslinke Läuterungsagenda“
  • Buchcover zu „Brief an die Heuchler“
  • Bildliche Darstellung eines Zitats von Leonid Luks, Die Kolumnisten, eigenes Werk

  • Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    Reduzierte Verkürzung

    Dorf_Stroch_Collage_tl_7x7_72Wofür sich Wissenschaft
    nicht eignet

    Im Verlauf der derzeitigen Pandemie wurden und werden wir täglich auf dem Laufenden gehalten über das Geschehen rund um den Globus, über Infektions- und Sterberaten, aber auch über so manche Verschwörungstheorien, die im Zusammenhang mit der Pandemie blühen und gedeihen. Auf die Details dazu möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen; man kann sich darüber ständig in den Medien informieren. Mir geht es, wie die Beitragsüberschrift bereits andeutet, um die logischen Verkürzungen, mit denen insbesondere Verschwörungstheoretiker und -praktiker gern operieren — und vermutlich auch operieren müssen.

    Vor neun Monaten flog ein Storch übers Dorf. Gestern ist wieder ein Storch übers Dorf geflogen, und jetzt hat eine Frau dort ein Kind bekommen. Damit ist die Sache völlig klar, wir brauchen keine weiteren Beweise.

    Bei diesem Beispiel handelt es sich zwar nicht um eine Verschwörungstheorie, sondern um einen märchenhaften Text, wie er kleinen Kindern bisweilen erzählt wird, denen man eine Erklärung für die Ursachen einer Schwangerschaft noch nicht anvertrauen oder zumuten möchte. Doch der Text enthält ein Element, das man bei Verschwörungstheorien regelmäßig vorfindet: Die logische Verkürzung, hier textlich aufs Notwendigste reduziert: Storch flog übers Dorf, Frau bekommt ein Kind, alles klar, keine weiteren Beweise nötig (oder erwünscht).

    Einher geht die logische Verkürzung häufig mit dem Verwechseln oder Gleichsetzen von Koinzidenz und Kausalität, also dem zufälligen gleichzeitigen Eintreten zweier oder mehrerer Ereignisse einerseits (Koinzidenz) und dem Ursache-Wirkung-Prinzip (Kausalität) andererseits. Im Beispiel des Storches, der übers Dorf flog und der Frau, die ein Kind bekommt, treten zwei Ereignisse zufällig zeitgleich oder zeitnah ein, das eine ist jedoch nicht Ursache des anderen.

    Bei Verschwörungstheorien kommt, soweit ich es beobachtet habe, ein weiteres unerlässliches Element hinzu:
    Für Verschwörungstheoretiker hat Wissenschaft einen Nachteil. Sie (die Wissenschaft) lässt keine Sündenbockprojektionen zu, denn Naturgesetze sind wie sie sind — und das ist ganz schlimm!

    Verschwörungstheorien benötigen Sündenböcke.
    Wissenschaft taugt nicht als Sündenbock — Naturgesetze sind wie sie sind.
    Verschwörungstheoretiker mögen keine Wissenschaft.

    Zwar können Wissenschaften, z.B. die Psychologie, erklären, was eine Sündenbockprojektion ist und wie sie funktioniert, die Psychologie lässt sich deshalb jedoch nicht zum Sündenbock stempeln. Allenfalls der Wissenschaftler, in diesem Fall der Psychologe, kann zum Sündenbock auserkoren werden.

    William Holman Hunt: The Scapegoat, 1854.

    Nun könnte man einwenden, dass aber doch z.B. rund um den Klimawandel Verschwörungstheorien in beide Richtungen kursieren. Im Zusammenhang damit wurde mir kürzlich in einer Diskussion geschrieben:

    Dass der westliche Mensch den Rest der Welt ausbeutet und Ursache des Klimawandels ist, wäre dann also auch eine Verschwörungstheorie erster Güte, oder?!

    Dass „der westliche Mensch“ Ursache des Klimawandels ist, mag eine Verschwörungstheorie sein oder auch nicht, jedoch ist „der westliche Mensch“ keine Wissenschaft.

    An anderer Stelle hieß es im Zusammenhang mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie (Zitat unverändert übernommen):

    das es aus einem chinesischen Labor stammt….kann man denken, muss man aber nicht

    Das kann man denken, ja. Doch damit, dass man denkt (respective glaubt), dass es aus einem chinesischen Labor stammt, wäre weder etwas bewiesen noch das Gegenteil davon. Man hätte aber für sich einen möglichen Sündenbock parat — allerdings nicht die Wissenschaft, sondern das chinesische Labor bzw. die dort beschäftigten Wissenschaftler.

    Fazit:
    Ohne mindestens einen Sündenbock scheinen Verschwörungstheorien nicht auszukommen und nicht zu funktionieren. Die Wissenschaft eignet sich als Sündenbock jedoch in keinem Fall, sondern es müssen wohl Menschen, manchmal auch andere Lebewesen, in seltenen Fällen sogar tote Gegenstände dafür herhalten.

    _____
    Beitragsbild oben:
    Collage aus
    Asian_Openbill_8279.jpg (Author: Alnus)
    Bralitz_von_Westen.jpg (Author: Eva K. / Eva K.)
    beide: commons.wikimedia.org

    Beitragsbild mitte:
    Ausschnitt aus Dollarnote_siegel_hq.jpg (Benutzer: Verwüstung)
    commons.wikimedia.org

    Beitragsbild unten:
    Der Sündenbock, Gemälde von William Holman Hunt, 1854
    commons.wikimedia.org


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    In einer Zeit des Umbruchs

    Europa1d-6x6Der gestrige 8. Mai 2020, 75. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation eines Landes, das zwölf Jahre lang von einem psychopathischen Regime zielstrebig und teils unter dem Jubel, teils begleitet von der Ahnungslosigkeit oder dem Desinteresse der Menschen ins Verderben geführt wurde, aber auch die Herausforderungen, die die derzeitige Corona-Pandemie einerseits sowie das Agieren einiger Verschwörungstheoretiker und -praktiker und Rechtspopulisten / Rechtsreaktionäre andererseits für dieses Land, für Europa und weltweit mit sich bringt — jener Rechtspopulisten, die, wie einst die Machthaber im „Dritten Reich“ und in der DDR in diffamatorischer Absicht wieder von „Lügenpresse“ reden und die damit zum Ausdruck bringen, dass sie womöglich nur das in den Medien veröffentlicht wissen wollen, was sie selber für „die Wahrheit“ halten, jener Rechtspopulisten und Rechtsreaktionäre, die den freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat nach kräften schlechtzureden versuchen in der Hoffnung, sich dereinst als Retter in der Not anbiedern zu können und die doch gleichzeitig von sich behaupten, „das Volk“ zu sein — und die Verantwortungslosigkeit mit Freiheit verwechseln — ruft mir eine längere Rede in Erinnerung, die der Abgeordnete Dr. Carlo Schmid (SPD) vor dem Parlamentarischen Rat am 8. September 1948 gehalten hat.

    Ich halte diese Rede auch heute noch — oder heute wieder — für aktuell und sehr lesenswert und empfehle sie gern weiter.

    Einen kurzen Abschnitt möchte ich hervorheben:

    Ich für meinen Teil bin der Meinung, daß es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, daß sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft. Ja, ich möchte weiter gehen. Ich möchte sagen: Demokratie ist nur dort mehr als ein Produkt einer bloßen Zweckmäßigkeitsentscheidung, wo man den Mut hat, an sie als etwas für die Würde des Menschen Notwendiges zu glauben. Wenn man aber diesen Mut hat, dann muß man auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen.

    Zur Vertiefung Ausschnitte aus der Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier am 8. Mai 2020 in Berlin: „Es gibt keine Erlösung von der Geschichte“.

    Ein PDF (42 Seiten im Format 11,5 x 17,5 cm) mit dem vollständigen Text der Rede von Carlo Schmid (SPD) aus dem Jahr 1948, bereinigt von ein paar wenigen Tipfehlern, die sich seinerzeit eingeschlichen hatten, biete ich zum kostenlosen Download auf meiner Website an.

    Den — urheberrechtlich offenbar nicht geschützten — Text habe ich der Website Costima entnommen.

    _____
    Beitragsbild:
    Europa auf dem Stier, vor dem Sternenkranz der Europa-Fahne.
    Eigenes Werk


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    The Unanswered Question

    Umkehrschluss_Blindenzeichen_17_72The Unanswered Question ist nicht nur ein Musikstück des US-Amerikanischen Komponisten Charles Ives, ein Ballett von Eliot Feld, und eine Vortragsreihe von Leonard Bernstein.

    Thematisiert man institutionalisierte Opferrollen und stellt in dem Zusammenhang die Frage nach einem spezifischen Umkehrschluss, so bleibt diese Frage ebenfalls unbeantwortet.

    Die Frage danach, warum sie unbeantwortet bleibt, stelle ich nicht.

    – – –

    Frage:

    Wenn es — bezogen auf die jeweilige Religion oder sonstige Ideologie, nicht auf die Menschen — islamfeindlich (anti-islamisch), judentumsfeindlich (anti-jüdisch), christentumsfeindlich (anti-christlich), was-auch-immer-feindlich wäre, Menschenrechtsverletzungen und Despotismus sowie anderes Unrecht zu kritisieren:

    Was bedeutete dies dann im Umkehrschluss ?

    .


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    Ramadan — Zeit der Heuchelei ?

    Speisewunder_soft_72dpi

    _____ Religiöse Werte _____

    In vielen Religionen gibt es eine Fastenzeit, die der Besinnung auf religiöse Werte dienen soll. Allerdings sind wir Menschen nicht immer ganz perfekt, und so kann es vorkommen, dass Religionen manchmal ein wenig — menschlich, allzu menschlich — zweckentfremdet werden und von Heuchelei zu reden nicht ganz abwegig erscheint. Wir Menschen neigen nunmal dazu, unser Fehlverhalten zu rationalisieren, um uns wenigstens uns selbst gegenüber den Anschein von Lauterkeit zu verleihen.

    In einem Beitrag zum Ramadan des Jahres 2017 in der FAZ schreibt Aylin Güler am 2. Juni 2017 im zweiten Absatz:

    Aber auch moralische Sünden, wie Beleidigungen und Lügen dürfen in dieser Zeit nicht begangen werden.

     

    Ah, nicht in dieser Zeit … Aber wie schaut es außerhalb dieser Zeit aus? Ist es dann erlaubt? Wir erfahren es leider nicht.

    Aylin Güler fährt fort:

    Wann findet Ramadan statt?

    2017 dauert der Ramadan vom 27. Mai bis zum Ramadanfest am 24. Juni. Muslime, die in Skandinavien am Polarkreis leben, wo im Sommer die Sonne praktisch nie untergeht, halten sich an die Zeiten im saudi-arabischen Mekka oder der Türkei.

     

    Dass der Ramadan für Muslime in der Nähe des Polarkreises in manchen Jahren zu einem existenziellen Problem werden kann, konnte man bereits in einem Aufsatz erfahren, der im Jahr 2006 erschienen ist. Dort ist im Kapitel 3 [Die fünf (eigentlich sechs) Säulen des Islams] in Unterpunkt 4. [Das Fasten während des Ramadans — Saum] zu lesen:

    Der Ramadan kann in jede Jahreszeit fallen, da der islamische Kalender nicht dem neuzeitlichen, logischen Sonnenjahr folgt, sondern dem Mondjahr. Wie sich der Ramadan für einen Moslem gestaltet, der z.B. in Island oder auf Spitzbergen im Norden von Norwegen lebt, oder der z.B. als Wissenschaftler in der Antarktis tätig ist, sollte von islamischen Gelehrten erklärt werden; denn wenn der Ramadan in die Zeit des Sommers der Nordhalbkugel fällt, ist es dort mehrere Wochen lang „Tag“. Die Sonne geht dort dann nicht unter, und ein Moslem, ob Isländer, Norweger, Same, Türke, Araber oder Deutscher  … kann dort über diesen Zeitraum bei natürlichem Licht jederzeit „einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden“. Dann aber kann das Fasten während des Ramadans z.B. in Island oder auf Spitzbergen oder anderswo im Hohen Norden oder Süden für Muslime zu einem existenziellen Problem werden.

    Warum sich Muslime, die "am Polarkreis" leben, gemäß der Beschreibung von Aylin Güler (FAZ) während des Ramadans "an die Zeiten im saudi-arabischen Mekka oder der Türkei" halten, wird leider nicht näher erläutert. Warum gilt dies nicht auch für Muslime, die z.B. nördlich oder südlich des 47sten Breitengrades leben? Ihnen könnte doch viel Ungemach erspart bleiben!

     

    Müssen alle Muslime fasten?

    Im Koran steht zum Ramadan geschrieben:

    Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten) – Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, daß Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein. [2:185]

     

    Hat man im FAZ-Beitrag von Aylin Güler oben erfahren, dass sich "die 29- oder 30-tägige Fastenzeit immer um zehn bis elf Tage pro Jahr" [wegen des Jahreslaufs der Erde um die Sonne] verschiebt (siehe Screenshot 2: "Wann findet Ramadan statt?"), der Ramadan also über einen Zeitraum von mehr als einer Dekade durch das ganze Jahr wandert, so heißt es im Koran ([2:185]), dass der Koran im Ramadan — also während einer nur 29- oder 30-tägigen Periode — herabgesandt worden sei. Die medinesische Sure 2 "Die Kuh" (Al-Baqara) ist chronologisch die Nummer 91, also geraume Zeit vor Abschluss der 23-jährigen Entstehungszeit des Korans entstanden. Stimmig erscheint mir dies nicht.

    Nachdenklich macht es, dass zur Teilnahme am Fasten während des Ramadans nur angehalten wird, wer "von euch in dem Monat zugegen ist" [2:185]. "Zugegen" wo? In Saudi-Arabien, in Mekka, in Medina, in oder auch außerhalb einer Moschee — oder auch woanders? Und was ist zu erwarten, falls jemand — entgegen dem Schlusssatz aus [2:185] ("Vielleicht werdet ihr dankbar sein.") — nicht dankbar ist?

    Alles in allem erweckt die Geschichte rund um den Ramadan bei mir den Eindruck, dass sie unausgegoren ist.

    + + +

    P.S.: Im Koran ist an 15 Stellen vom Nachdenken die Rede, recht eindringlich in der mekkanischen Sure "An-Nahl" (Die Bienen) in diesem Vers …

    (Wir entsandten sie) mit den deutlichen Zeichen und mit den Büchern; und zu dir haben Wir die Ermahnung herabgesandt, auf daß du den Menschen erklärest, was ihnen herabgesandt wurde, und auf daß sie nachdenken mögen. [16:44]

    … sowie in der medinesischen Sure "Muhammad" (Mohammed) in Vers 24:

    Wollen sie also nicht über den Qur’an nachdenken, oder ist es (so), daß ihre Herzen verschlossen sind? [47:24]

    Ich wollte es nicht unversucht lassen …

     

    Den vollständigen Beitrag von Aylin Güler mit dem Titel "Wie erkläre ich’s meinem Kind? Was Muslime im Ramadan machen" finden Sie hier.

    _____
    Beitragsbild:
    Das Speisewunder. Aus der Prophetenbiographie Siyer-i Nebi, Osmanisches Reich, 1388, illustriert Ende des 16. Jahrhunderts.


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    Kostenfrei — ohne Blabla

    Ohne-Blabla_2-zlgWährend Wahlkämpfen stoße ich immer mal wieder auf Slogans, in denen Parteien bzw. deren Kandidaten auf öffentlich aufgestellten Plakaten damit für sich werben, uns Bürgern etwas "kostenfrei" geben oder zur Verfügung stellen zu wollen — z.B. Kindergärten / Kindergartenplätze für unsere Jüngsten. Das finde ich generös.

    Da ich derartige Slogans in den vergangenen zehn und mehr Jahren bei mehreren Parteien — von rechts bis links — gesehen habe, spielen Ort und Zeit der Aufnahme des Beitragsbildes sowie die in diesem Fall plakatierende Partei keine Rolle; die Farben des abgebildeten Plakatausschnitts habe ich mittels Bildbearbeitungssoftware stark verändert, den Text habe ich unverändert gelassen.

    Kostenfrei

    Mehrmals habe ich Kandidaten verschiedener Parteien auf eben einen solchen Slogan angesprochen und gefragt, ob denn die Räumlichkeiten für Kindergärten ebenfalls "kostenfrei" seien und ob die Mitarbeiter dort — meist wohl Frauen — ebenfalls "kostenfrei" arbeiteten. « NEIN », wurde mir dann bedeutet, das wäre selbstverständlich nicht der Fall. Ob denn das Angebot steuerfinanziert wäre und wir Bürger — alle Steuerzahler, auch diejenigen, deren Kinder in den Kindergärten betreut werden — somit die "kostenfreien" Kindergartenplätze finanzieren würden, womit ich (ledig, kinderlos) kein Problem habe, wollte ich daraufhin jeweils wissen.

    Das Wort "steuerfinanziert" kam so manchen Politikern dann in ihren Antworten nur sehr schwer über die Lippen — wenn überhaupt.

    Ich bin der Meinung, dass man — nicht nur in Wahlkampfzeiten — den Bürgern getrost mit Aufrichtigkeit begegnen und ihnen einfache Sachverhalte in allgemeinverständlichen Worten darlegen kann und darf.

    Das Geld für z.B. Kindergartenplätze kommt schließlich nicht von der Bank, und "der Staat" bzw. staatliche Verwaltungen / Regierungen haben mangels eigener Möglichkeiten, etwas zu erwirtschaften, kein eigenes Geld, sondern ihnen steht das zur Verfügung, was sie über Steuereinnahmen von den Bürgern — von uns Bürgern — zur Finanzierung und Aufrechterhaltung öffentlicher und den Bürgern — uns Bürgern — zugutekommender Aufgaben erhalten. Umverteilung eben, wie es sie in der Natur überall gibt, da Lebewesen — auch wir Menschen — weder Materie noch Energie (aus dem Nichts) erzeugen können.

    Aufrichtigkeit, so meine Vermutung, ist jedoch etwas, womit man in der Politik möglicherweise weniger erfolgreich ist als mit Augenwischerei.

    Weil es viele Bürger so wollen ?


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    Blasphemiewächter und Gottesleugner

    Maome_300dpi_10x10_mirror_rgbÜber die Gottesfürchtigkeit

    Blasphemie, gemeinhin übersetzt mit „Gotteslästerung“, wenngleich es nur „Rufschädigung“ bedeutet, ist ein je nach persönlichem Rechtsempfinden unterschiedlich interpretierter und gewichteter Begriff. Mancherorts gilt „Gotteslästerung“ als todeswürdiges Verbrechen, andernorts ist sie juristisch nicht eingeordnet und nicht gewertet. Ich halte den Begriff für sinnlos, da es das zugehörige „Gott“ nicht nachweislich gibt (vlg. den Beitrag Nichtexistenz), sondern es sich bei „Gott“ lediglich um eine Idee in den Köpfen von Menschen handelt, dieses „Gott“ aus sich heraus jedoch keine Wechselwirkungen zeigt.

    Maome_300dpi_frame-rgb

    Das Bilderverbot im Islam ist in einigen Ländern eine ernste Angelegenheit. So ernst, dass manch einer meint, die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen dazu würden — oder müssten — auch außerhalb des islamischen Kulturkreises gelten.

    Am 3. Februar 2020 erreichte mich eine E-Mail von WordPress, in der es heißt:

    A Pakistan authority has demanded that we disable the following content on your WordPress.com site:
    Mohammed in Bildern

    Übersetzung: Eine pakistanische Behörde hat verlangt, dass wir die folgenden Inhalte auf Ihrer WordPress.com-Website deaktivieren …

    Es folgt ein Hinweis darauf, wie man (staatliche) Restriktionen im Internet und speziell auf WordPress-Webseiten umgehen kann — «bypassing Internet restrictions» –, gefolgt vom Text der Beschwerde einer „Pakistan authority“:

    Screenshot einer E-Mail vom 03.02.2020
    (eigenes Werk)

    The Pakistan case

    Begin complaint

    Dear WordPress Team,

    It is highlighted that following links pertaining to Fake information and derogatory remarks against Prophet Muhammad (PBUH) by showing insulting images, which are unlawful under Blasphemous category as defined in Section 37 of Prevention of Electronic Crime Act (PECA-2016), Pakistan Penal code 295, 295A, 295B, 295C and Section 19 of the constitution of the Pakistan.
    Keeping above in view, It is requested to please support in removing URL‘s from your platform at earliest please.
    The below mentioned websites can be found on following URL’s:-
    7. https://islamprinzip.wordpress.com/mohammed-images/
    […]
    Looking forward for your prompt response please.
    Regards
    Web Analysis Team
    +92 51 9214396

    End complaint

    WordPress wird dem Begehren der „Pakistan authority“ nicht folge leisten. Ich sehe dazu ebenfalls keinen Grund.

    Besagte „Pakistan authority“ bzw. das die Beschwerde unterzeichnende Web Analysis Team ist, wie eine Google-Suche nach der in der Beschwerde angegebenen Telefonnummer ergibt, seit Jahren bemüht, Inhalte aus dem Internet entfernen zu lassen, die den Blasphemie-Gesetzen Pakistans zuwiderzulaufen scheinen.

    Insbesondere der Hinweis des Web Analysis Teams auf „insulting images“ scheint mir in Bezug auf die von mir auf meiner Website veröffentlichten Mohammed-Bilder arg weit hergeholt, handelt es sich doch einerseits (vermutlich mit Ausnahme des letzten Bildes „Die Hauptmoschee von Medina mit dem Grab Mohammeds“, eines Stahlstichs aus dem 19. Jhdt.) ausschließlich um Bilder aus dem islamischen Kulturkreis (Osmanisches Reich, Persien, Arabien, Algerien, …), andererseits um Darstellungen, die das Leben des Islam-Erfinders von der Geburt bis zum Tod widerspiegeln. Inwieweit diese Bilder „beleidigend“ sind („insulting images“), bedürfte einer Erklärung.

    Zwar ruft der Artikel 20 Absatz 2 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte dazu auf, „Die Verfechtung nationalen, rassistischen oder religiösen Hasses, welche zur Diskriminierung, Feindseligkeit oder Gewalt anstiftet.“ zu verbieten. Die Wiedergabe von Bildern des Propheten und Islam-Erfinders Mohammed, zumal wenn es sich um Bilder aus dem islamischen Kulturkreis handelt, scheinen mir dazu jedoch nicht geeignet. Nichtmal die im Jahr 2005 von einer Regionalzeitung in Dänemark veröffentlichten sogenannten Mohammed-Karikaturen scheinen dazu geeignet, da insbesondere die Frage bleibt, ob es sich bei dem in diesen Karikaturen Abgebildeten um einen Propheten handelt und woran man diesen erkennen kann.

    Besonders pikant finde ich, dass die Beschwerde aus einem Land kommt, in dem die Religionsfreiheit einen schweren Stand hat und in dem ein bloßes Gerücht reichen kann, um jemanden vor Gericht zu bringen wo ein Todesurteil dann in so einem Fall nicht selten ist, oder von einem aufgebrachten Mob gelyncht zu werden. Dass Menschen aus welchen Gründen auch immer frustriert sein können und ihren Frust und den daraus entstehenden Hass an willkürlichen Opfern — Sündenböcken — auslassen, ist ein die Kulturgeschichte der Menschheit durchziehendes Verhalten. Eine Entschuldigung ist es nicht und kann es nicht sein.

    William Holman Hunt: The Scapegoat, 1854.

    William Holman Hunt: The Scapegoat, 1854.

    Bemerkenswert finde ich, dass Menschen mit einem Glauben an ein Allmächtiges Gott meinen, in Fällen von „Blasphemie“ gegen den vermeintlichen Täter vorgehen zu müssen statt darauf zu vertrauen, dass sich das Allmächtige Gott höchstselbst der Sache annimmt und gegen den vermeintlichen Täter aktiv wird. Damit bringen sie m.E. einerseits zum Ausdruck, dass ihr Glaube nicht allzu stark ist, andererseits machen sie sich damit selbst der von ihnen angeprangerten „Blasphemie“ schuldig, weil sie ihrem Gott die Allmacht absprechen oder diese zumindest anzweifeln und ihm kein Vertrauen entgegenbringen, ja ihren Gott verleugnen. Sie sind — vielleicht aufgrund einer Unfähigkeit zur Selbstreflexion — Blasphemiewächter und Gottesleugner zugleich.

    _____
    Beitragsbilder (alle gemeinfrei):

    Persian or central Asian illustration showing Muhammad (on the right) preaching., Wikimedia.org

    William Holman Hunt (1827-1910), The Scapegoat (painting), Wikipedia.org

    ~ ~ ~

    Hinweis:
    Diesen Beitrag habe ich am 16. Februar 2020 in Englischer Übersetzung (Rohfassung) auch auf der englischsprachigen Version meiner Website veröffentlicht.


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    Der Würfelmond — eine ernste Kurzsatire

    Kugel-Wuerfelmond_BeschriftungIch glaube [*], dass der Mond ein Würfel ist.

    Außerdem glaube ich, dass jeder, der dies ebenfalls glaubt, eine Chance hat, ins Paradies zu gelangen, während jeder, der dies nicht glaubt, in die Hölle kommt.

    Nun hat jeder die freie Wahl.

    Niemand wird zu irgendetwas genötigt [*]. Niemandem wird ein Schaden zugefügt. Es wird damit kein Machtanspruch erhoben.

    ~ ~ ~

    Kugel-Wuerfelmond_Beschriftung

    Es mag absurd erscheinen, zu glauben, dass der Mond ein Würfel sei.
    Nun denn …

    … dass er den Geschlagenen die freie Wahl zwischen Tod und seinem Glauben lässt: Das ist mit Sicherheit etwas, das kein Mensch entschuldigen kann, […], es sei denn, der Aberglaube hat ihm jedes natürliche Licht erstickt.
    _____
    Voltaire in einem Brief an Friedrich den Großen, in dem er sich über den Islam-Erfinder Mohammed äußert.
    (Correspondance II. 1739–1748)

    Ähnlichkeiten mit manchen Religionen sind (k)ein Zufall.

    _____
    [*] Vgl. Artikel 4 Satz 1 GG (Freiheit des Glaubens …), sowie § 240 StGB (Nötigung)


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    Kleine Anfrage

    Umgang-mit-Kritik_1In der Auseinandersetzung mit Religionen und anderen Ideologien, mit manchen religiösen Vorschriften und Gesetzen, mit totalitären Systemen, Diktaturen, Despotien und Tyranneien, mit Bevormundungen, Einschüchterungsversuchen und Schlimmerem sowie aus der Kritik und Anfeindungen, denen man deswegen ausgesetzt sein kann, ergibt sich für mich eine Frage:

    Wie wollen Sie mit Menschenrechtsverletzungen
    und mit Kritik an Menschenrechtsverletzungen
    umgehen ?


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    Kritik und Angst — Wider die Selbstgerechtigkeit

    Mahomet-Zitat_10x10Im Mai 2012 fällte das Landgericht Köln ein vielbeachtetes Urteil zur Knabenbeschneidung, wie sie insbesondere im Judentum und im Islam üblich, aber auch z.B. in den Philippinen und den USA bei Christen weit verbreitet ist, und wertete dieses Ritual, das mich mehr an Voodoo denn an Religion (Gottes- / Göttinverehrung) erinnert, als strafbewehrte Körperverletzung (gemäß § 223 StGB). Im Verlauf der anschließenden öffentlichen Debatte wurde, soweit ich diese verfolgt habe, von keinem Politiker, keinem Journalisten und auch keinem Juristen die Frage aufgeworfen, was das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung mit dem im Artikel 4 Satz 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland zwar „gewährleisteten“, aber keineswegs uneingeschränkt garantierten Recht der „ungestörten Religionsausübung“ zu tun hat. Auch wurde m.W. nicht erörtert, inwieweit es das Erziehungsrecht der Eltern beinhaltet, kleine Kinder oder wehrlose Babys zu verstümmeln, Kinder dadurch „erzogen“ werden.

    » Aus Angst ?

    Stattdessen wurde – m.E. mehr in Wort­hülsen und in Sprechblasen, die bei mir teils den Eindruck von Drohungen hinterließen statt mit Fakten unterlegt zu sein – „argumentiert“, die Religionsfreiheit würde eingeschränkt oder es würden Menschen deswegen gar ihrer Identität oder ihrer Lebensgrundlage beraubt.

    Die Zirkumzision mag in Einzelfällen aus medizinischen Gründen geboten sein, aber: Wenn ich jemandem auf der Straße begegne, sehe ich ihm gar nicht an, ob er beschnitten ist oder nicht, kann seine mögliche Religionszugehörigkeit an diesem Merkmal folglich nicht erkennen — und habe auch nicht das Bedürfnis, dies näher zu untersuchen.

    Falls das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung [*] – entgegen der Aussage in unserem Strafgesetzbuch – keine Straftat sein sollte, was ist es dann? Oder ist Körperverletzung nur dann keine Straftat, wenn sie „religiös“ intendiert ist? Soll also das Begehen von Straftaten dann legitimiert sein, wenn dies als zur „ungestörten Religionsausübung“ gehörend deklariert wird? Das könnte einen beträchtlichen Interpretations- und Handlungsspielraum eröffnen.

    Siehe auch den Beitrag Umkehrschluss

    [*] Falls es judentumsfeindlich, christentumsfeindlich oder islamfeindlich ist, das Begehen von Straftaten zu kritisieren: Was bedeutet dies dann im Umkehrschluss ?

    Bleibt abschließend eine Frage:
    Wie wollen Sie mit Menschenrechtsverletzungen und mit Kritik an Menschenrechtsverletzungen umgehen ?

    Zum Thema auch: BGB § 1631d, in Kraft getreten am 28.12.2012 sowie die Begründung dazu.

    Zur Vertiefung empfehle ich an dieser Stelle das Buch «Identitätslinke Läuterungsagenda — Eine Debatte zu ihren Folgen für Migrationsgesellschaften» von Sandra Kostner
    ibidem Verlag, ISBN 978-3-8382-1307-1

    Das Beitragsbild zitiert einen Satz aus Voltaires Mahomet, den der Sopir im ersten Aufzug, erster Auftritt, in der Übersetzung von Johann Wolfgang Goethe im Dialog mit Phanor sagt.

    Zum weiteren Verständnis dieses Beitrags:
    Herkunft, Abstammung, Religionszugehörigkeit und Fehlverhalten
    Wertschätzung, Unschuldsvermutung und Gerücht
    Begriffsverwirrung: Diskriminierung, Islamfeindlichkeit, Rassismus
    Missverstandene Religionsfreiheit


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net

    Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Text «Angst», den ich im Herbst 2012 verfasst habe.




    Despotismus, Paradiesversprechen, und das Stockholm-Syndrom

    Hell-and-Paradise

    Despotismus im Diesseits
    und
    Paradiesversprechen fürs Jenseits

    Das Stockholm-Syndrom wird als psychologisches Phänomen erklärt, bei dem «Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen.» Erklärt wird das positive emotionale Verhältnis u.a. damit, dass „schon kleinste Zugeständnisse“ seitens der Geiselnehmer als „große Erleichterungen empfunden“ werden. Dieses psychologische Phänomen beruht m.E. auf dem „Prinzip Hoffnung“, das in uns Menschen angelegt ist und das sich wohl durch die gesamte Kulturgeschichte der Menschheit zieht, sowie auf dem Selbsterhaltungstrieb, der eine Lebensnotwendigkeit ist; Geiselnehmer machen sich dies auf zynische Weise zunutze.

    Sich seelische oder sonstige Qualen (als Anreizsystem) aufzuerlegen mag je nach Disposition jedem selbst überlassen sein. Andere damit zu behelligen, sie zu kujonieren oder zu malträtieren, sie einzuschüchtern oder zu erpressen um sie zu einem bestimmten Handeln zu bewegen, um ein bestimmtes Verhalten zu erzwingen, ihnen das Leben auf Erden zur Hölle zu machen und in ihnen die Hoffnung zu wecken, dass es für sie „in der Zukunft“ besser werden könnte, besser werden möge, ist jedoch eine andere Sache, die in deren Persönlichkeitsrechte eingreift. In der Kindererziehung werden derlei Methoden noch hier und da angewandt in der Absicht, dem Kind Anreize für ein bestimmtes Verhalten / Wohlverhalten zu geben — wozu jedoch eine direkte positive Motivation besser geeignet erscheint; manche Staatenlenker machen sie sich zueigen, um ihre Bürger, „ihre“ Völker, ihre Untertanen zu führen, zu lenken. Und auch in manchen Firmen ist es ein gängiges Führungsprinzip, bei dem das Vertrauen in die Vernunft allerdings außen vor bleibt.

    Sich hingegen selbst eine Aufgabe zu stellen oder aufzuerlegen, die man erfüllen möchte um z.B. zu gestalten, oder anderen eine Aufgabe zu stellen, die es zu erfüllen gilt, ist Verhandlungssache bzw. basiert auf Freiwilligkeit oder auf der Einsicht in eine Notwendigkeit.

    In manchen Religionen und Ersatzreligionen [*] ist die Kombination aus Despotismus im Diesseits und Paradiesversprechen fürs Jenseits zur Perfektion gesteigert und ausgearbeitet, ist der Zynismus vollendet, um Macht- und Herrschaftsstrukturen aufrecht zu erhalten und langfristig zu sichern — auch auf die Gefahr hin, dass dies zur Selbstzerstörung des Systems führen kann (vgl. z.B. Sure 9 Vers 111 des Korans).

    Religionen geben den Menschen Orientierung, wird uns bisweilen gesagt. Das tut unsere Verfassung, das Grundgesetz, auch – allerdings ohne Menschen zu bevormunden, sie einzuschüchtern oder sonstwie zu drangsalieren. Obendrein gewährleistet das Grundgesetz Rechte und Freiheiten, die so manche Religionen nichtmal gewähren.

    _____
    [*] Friedrich Dürrenmatt meinte «Ideologie ist Ordnung auf Kosten des Weiterdenkens.»

    Beitragsbild:
    Collage aus
    «Mohammed (upper right) visiting Paradise while riding Buraq, accompanied by the Angel Gabriel (upper left)» (Ausschnitt, Quelle: http://www.zombietime.com/mohammed_image_archive/islamic_mo_full/0129_001.jpg — siehe auch «Mohammed in Bildern», # 15.2)
    und
    «Hölle», von Herrad von Hohenburg (Herradis Landsbergensis), Wikipedia, (Ausschnitt, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Hortus_Deliciarum_-_Hell.jpg)


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    In der eigenen (Kleidungs)-Schublade

    Schlagwortkatalog_8x5_cMeinungen, Wahrheiten, Fremdwahrnehmung und Selbstwahrnehmung

    In einem Podcast, den Der Spiegel auf seiner Website bento — Das junge Magazin vom SPIEGEL am 1. Januar 2020 veröffentlicht hat, führen zwei junge Frauen[*] einen (gespielten) Meinungsaustausch über Kleidung im Allgemeinen und das islamische Kopftuch im Besonderen.

    Die zuerst auftretende junge Frau beginnt mit einer Forderung an ihre Zuhörer:

    Hört auf, andere nach ihren Klamotten zu beurteilen.

    um nach wenigen Sätzen fortzufahren

    „Kleider machen Leute“ ist einfach nicht mehr. Und wir sollten endlich aufhören, Leute danach zu beurteilen, was sie anziehen.

    Die zweite junge Frau wirft ein, dass es Menschen gibt, die …

    … sich bewusst auf eine bestimmte Art und Weise anziehen, um zu zeigen, wer sie sind

    was von der ersten jungen Frau mit einem resoluten

    Das stimmt!

    bestätigt wird. Diese Feststellung ergänzt die erste junge Frau mit den Worten

    Ich trage ja auch Kopftuch und freue mich, wenn ich eine andere Hijabi sehe und sie islamisch grüßen kann.

    Diese Aussage ist mit der von ihr anfänglich erhobenen Forderung, Menschen nicht „nach ihren Klamotten“ zu beurteilen, aus meiner Sicht nicht in Einklang zu bringen — denn sie identifiziert ja „eine andere Hijabi“ an eben ihren „Klamotten“ als Muslimin und entscheidet (urteilt) daraufhin, sie zu grüßen. Sie bugsiert andere Menschen — und auch sich selbst — also allein aufgrund ihrer Kleidung in jene Schublade („Kleidungsschublade“), in die man Menschen gemäß eines Eingangswortes dieses Podcasts nicht stecken sollte.

    Screenshot (eigenes Bild)

    Würde sie aber diese Frau, der sie z.B. auf der Straße begegnet, auch dann „islamisch grüßen“ («as-Salamu aleikum» = «Friede sei mit dir/euch!»), wenn diese keinen Hijab, wenn sie kein islamisches Kopftuch tragen, wenn sie als Muslimin nicht zu erkennen wäre? Würde sie andere Frauen und sonstige andere Menschen überhaupt grüßen, ihnen Frieden wünschen («as-Salamu aleikum»), wenn sie sie nicht als Muslime identifizieren kann, oder ist ihre Freundlichkeit und Höflichkeit im Umgang mit anderen Menschen an deren — erkennbare — Religionszugehörigkeit geknüpft? Aus dem, was sie in dem Podcast sagt, geht dazu nichts hervor.

    ~ ~ ~

    In einem Debattenbeitrag vom 14. Oktober 2019, den der Berliner Tagesspiegel auf seinem Portal CAUSA veröffentlicht hat (incl. 21 teils sehr kritischen, dennoch sachlichen Leserkommentaren), vertritt dieselbe junge Frau die Meinung (oder stellt die Behauptung auf), dass Spiritualität nur noch im Yoga-Raum geduldet würde, und beginnt ihren dortigen Text mit dem Satz „Ich bin Muslimin. Das spüre ich. Das sieht man mir an. Ich verstecke es nicht. Ich trage ein Kopftuch.“

    Die Identifizierbarkeit als Muslimin scheint ihr sehr wichtig zu sein, jederzeit und überall, und es kann der Eindruck entstehen, dass sie ihre Identität ganz darauf reduziert.

    Den Eingangssatz ihres Debattenbeitrags möchte ich — nicht ohne Humor und doch ernst gemeint — kontern und ihre Worte dabei ein wenig imitieren mit

    Ich bin Atheist, und ich stehe zu unserer Verfassung, dem Grundgesetz (vgl. den Beitrag «Ω» auf dieser Website), sowie zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Das weiß ich. Ob man mir das aber auch ansieht? Ich stelle es nicht ständig und überall symbolisch zur Schau. Wozu auch? Ich muss mir dies nicht ständig und überall selbst beweisen.

    ~ ~ ~

    Gegen Ende des o.a. Podcasts sagt die zuerst aufgetretene junge Frau:

    Ich würde lieber den Menschen kennenlernen statt seine Verkleidung.

    um wenige Sätze später die Frage nachzuschieben

    Bist du beim Date noch du selbst, wenn du eigentlich immer mit Hoodie[**] rumläufst?

    Diese Frage mag berechtigt sein. So wie aber dann auch die Frage die gleiche Berechtigung hat, ob die junge Frau sie selbst ist, wenn sie „eigentlich immer“ mit (islamischem) Kopftuch rumläuft. Wozu diese Verkleidung? Siehe ihre eigene Bemerkung zu jemandem, der „immer mit Hoodie“ rumläuft …

    _____
    Den vollständigen Podcast können Sie hier anhören.
    Den Podcast-Text zum Nachlesen gibt es hier.
    [*] Den (gespielten) Meinungsaustausch auf bento führten Merve Kayikci und Inken Dworak.
    [**] Ein Hoodie ist ein Kapuzenpullover.

    Zur Personen-Nennung in diesem Beitrag siehe die Grundannahme.

    Beitragsbild (Ausschnitt): Zettelkatalog (Schlagwort) an der Universitätsbibliothek Graz (Dr. Marcus Gossler), GNU Free Documentation License.
    Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7e/Schlagwortkatalog.jpg

    + + +

    Ergänzend vier kurze Zitate aus einem 15 Punkte umfassenden Text der Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES zum Thema:

    (1)

    3. Kann man die Vollverschleierung verbieten, wenn sie freiwillig getragen wird?

    […] Bereits 1989 schrieb der algerisch-französische Historiker Mohammed Harbi: „Was sich hinter den einschmeichlerischen Worten der Islamisten verbirgt, die vorgeben, der Schleier sei Ausdruck des Respekts […] ist der Wille und die Absicht, [die Frau] in einem Zustand der Subordination zu halten […] vergessen wir nicht, dass die gleichen Leute, die hier im Namen der individuellen Freiheit dafür plädieren, dass Mädchen in der Schule den Schleier tragen können […] anderswo verlangen, dass alle muslimischen Frauen sich verschleiern und nicht davor zurückschrecken, diejenigen, die sich widersetzen, mit Terror und Gewalt zu verfolgen.“

    (2)

    9. Werden vollverschleierte Frauen durch ein Verbot von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen?

    […] Bereits in den Debatten um das Kopftuch fällt immer wieder das Argument, dass der Schleier den Frauen die Freiheit gebe, im öffentlichen Bereich aktiv sein zu können und Berufe auszuüben. Dieser Argumentation nun sogar im Falle der VV zu folgen, ist absolut inakzeptabel und stellt eine raffinierte Umdeutung dar: Die Verantwortung für die Domestizierung der Frau wird der Gesellschaft übertragen. Es sind nicht mehr die religiösen FundamentalistInnen, die „ihre“ Frauen aus der Öffentlichkeit ausschließen, sondern eine angeblich religions- bzw. islamfeindliche Gesellschaft.

    (3)

    11. Ist ein Verbot der Vollverschleierung Ausdruck von (neo-)kolonialistischer Bevormundung und „Zwangsverwestlichung“?

    […] Hinter dem Vorwurf der „(neo)kolonialistischen Bevormundung“ verbirgt sich die Haltung, dass Menschen aus islamisch geprägten Gesellschaften die Entwicklung der Idee einer aufgeklärten Gesellschaft abgesprochen wird, da man behauptet, dass diese nur durch massive „Fremdeinwirkung“ entstanden bzw. aufgezwungen worden sein kann.

    (4)

    11. Ist ein Verbot der Vollverschleierung Ausdruck von (neo-)kolonialistischer Bevormundung und „Zwangsverwestlichung“?

    […] Muslimische Männer wie der Ägypter Qasim Amin (gest. 1908) vertraten die Meinung, dass die Verschleierung von einer männlichen Angst vor eigener Triebhaftigkeit zeuge. Wer Frauen verschleiere, halte die Männer für Schwächlinge. Und der Schleier sei ein Hindernis für Fortschritt und Gleichberechtigung.

    Unterbrochen wurde dieser Prozess der Entschleierung durch das Erstarken des zunächst vom Iran, dann von Saudi-Arabien ausgehenden islamischen Fundamentalismus. Dieser zeichnet mit dem Bild der Aufklärung als „Verwestlichung“ im Grunde ein Bild der Überfremdung durch „kulturfremdes“, „unislamisches“ Gedankengut – ein Bild, das sich nicht von den Theorien der extremen Rechten unterscheidet. Die unverschleierte (muslimische) Frau wurde zur „westlichen“ Frau stilisiert und zum Inbegriff der verhassten Moderne und einer propagierten westlichen Gegnerschaft zum Islam. Entsprechend wurden Schleier und VV zum Symbol des Islamismus.

    Quelle:
    Argumente von TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V. zur Debatte um die Vollverschleierung (2018)


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    Wertschätzung, Unschuldsvermutung und Gerücht

    Die_Hexe_Duerer_soft

    Wenn man andere von etwas überzeugen will

    oder

    Wie Kritik in eine Art Hexenjagd münden kann …

    * * *

    .

    Eigene Wertschätzung

    Die Werte und Vorzüge eines freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaats jemandem näherzubringen gelingt wahrscheinlich am ehesten, indem man diese Werte vorlebt, sie erklärt und erläutert.

    Diese Werte braucht man dabei weder infrage zu stellen noch herunterzuspielen oder gar zur Disposition zu stellen oder zu verleugnen, sondern man kann zu ihnen stehen und sie ggf. auch gegen Angriffe oder Unterminierungsversuche aus Überzeugung und mit Sachargumenten verteidigen.

    Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen oder Menschen mit einer anderen als der eigenen Meinung oder Weltanschauung pauschal mit Vorurteilen zu überziehen, gegen sie zu hetzen, sie zu beschimpfen und zu beleidigen, dabei vielleicht sogar die Unschuldsvermutung außer acht zu lassen oder zu negieren, dürfte hingegen kaum eine geeignete und überzeugende Methode sein.
    Denn von was will man andere damit überzeugen?

    Wer z.B. meint, vom Fehlverhalten einzelner Menschen einer bestimmten Gruppe oder Herkunft auf alle Menschen der gleichen Gruppe oder Herkunft schließen zu können und ihnen ebenfalls Fehlverhalten unterstellen zu müssen, der lässt die Unschuldsvermutung außer acht.

    Unschuldsvermutung und Gerücht: „Sie haben erzählt, dass …“

    Mit Sätzen wie

    Screenshot: Eine Duisburger Rede,
    3. August 2015

    […] abends um 20 Uhr ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigt wurde. Und nachdem wir ja täglich von solchen Meldungen schockiert werden, kann man sich fast vorstellen, wer der Täter war. Es wurde, vor wenigen Tagen wurde jetzt einer aus einem Asylantenheim verhaftet […], und das ist das, was wir täglich in Deutschland erleben.
    _____
    Im Video bei Minute 0:44-1:20

    werden Menschen gewissermaßen in Sippenhaftung genommen und für Taten verantwortlich gemacht, die sie nicht begangen haben. Derlei gab es in Deutschland zuletzt während der Herrschaft der Nationalsozialisten von 1933 bis 1945, und danach teils noch in der DDR (für mich eine Art «Drittes Reich ohne „Auschwitz“») bis 1989.

    Jemanden für etwas verantwortlich zu machen das er nicht getan hat, ist Ungerechtigkeit, erzeugt Wut und womöglich Hass, der sich später vielleicht ein Ventil sucht oder Trotzreaktionen provoziert.
    Einen Vorteil hat davon niemand.

    Gleiches Recht

    In einem demokratischen Rechtsstaat gilt gleiches Recht für alle — auch für Minderheiten –, ungeachtet, was jemand glaubt oder nicht glaubt. In Deutschland ist dies z.B. aufgrund der Verfassung, u.a. des GG Art. 140 geregelt.
    Wäre es anders, würden Menschen womöglich um die Wette glauben, um mehr Sonderrechte für sich einzuheimsen als der Nachbar.

    Es braucht für einen demokratischen Rechtsstaat, der zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet ist, der weder eine Staatsreligion noch eine Staatsweltanschauung hat, meines Erachtens keinen Grund zu geben, seine Gesetze und seine Grundrechtsgarantien an Glaubensinhalte von Religionen oder sonstigen Weltanschauungen anzupassen. Im Gegenteil sind die Menschen in diesem Land gehalten, sich in ihrem Verhalten an der Verfassung und an den anderen geltenden Gesetzen zu orientieren.

    _____
    Beitragsbild:
    Die Hexe (Albrecht Dürer), Ausschnitt, bearbeitet.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Die_Hexe_(Albrecht_D%C3%BCrer).jpg


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    Meinungsaustausch — eine Gegenüberstellung

    Angry_Talk_(Comic_Style).svg„Wissen Sie was Sie sind … !! ??“

    Nein, nicht Sie, liebe Leser. Mit den zitierten Worten eröffnete ein anonymer Anrufer gegen Ende der 1980er Jahre ein kurzes Telefongespräch.

    Es war die Zeit der guten alten Leserbriefe (incl. Leserbrief-Redaktion) und der gelben Telefonbücher (White Pages mit gelbem Cover). Ein Wochenmagazin hatte einen meiner Leserbriefe an einem Donnerstag veröffentlicht, in dem ich mich ein wenig kritisch über „meine speziellen Freunde“, Rechtsextremisten und Rechtsreaktionäre, geäußert hatte; den Wortlaut des Leserbriefs habe ich nicht mehr in Erinnerung. Dass eine solche Meinungsäußerung nicht jedem gefällt, ist verständlich und auch nicht zu beanstanden. Meinungsvielfalt eben …

    Am Samstag nach Erscheinen besagter Zeitschrift läutete morgens um sechs Uhr mein Telefon — Leserbriefe wurden, wie auch heute, üblicherweise mit Namen des Verfassers und dessen Wohnort veröffentlicht, und meine Telefonnummer stand damals noch in besagtem Telefonbuch (heute im Impressum meiner Website).

    Der anonyme Anrufer äußerte sich zwar nicht zum Grund seines Anrufs, aber die zeitliche Nähe zum Erscheinungstermin meines Leserbriefs lässt nur den Schluss zu, dass er auf diesen reagiert hat. Ein anderer Anlass hat zu dem Zeitpunkt nicht bestanden. Wie auch immer, er brüllte wutentbrannt und mit sich überschlagender Stimme ins Telefon: „WISSEN SIE WAS SIE SIND !!?? SIE SIND DAS GRÖẞTE ARSCHLOCH !“

    Da mir zu diesem Statement spontan nichts anderes einfiel, antwortete ich ihm emotionslos und in normaler Lautstärke nur: „Ja, das ist mir auch schon aufgefallen.“
    Damit hatte sich unser Meinungsaustausch leider schon erschöpft, das Gespräch war zu Ende. Der Anrufer hat nie wieder von sich hören lassen.

    Mit der Antwort «… das ist mir auch schon aufgefallen» hatte ich dem Anrufer offenbar den Wind aus den Segeln genommen. Seine Aggression war verpufft und hatte nicht die von ihm möglicherweise erhoffte Reaktion hervorgerufen.

    ~ ~ ~

    Im September 2019 fällte das Landgericht Berlin ein Urteil [1] zum Thema «Beleidigungen / Schmähungen im Internet», und der EuGh hat jetzt zu diesem Thema ein weiteres Urteil gefällt.

    Ob man in Sachen öffentlicher Hassrede, Beschimpfungen, Beleidigungen und Schmähungen mit Gerichtsurteilen etwas Positives im eigenen Interesse bewirken wird, wage ich zu bezweifeln. Allenfalls bekommt man ein wenig mediale Aufmerksamkeit, vielleicht sogar einen kurzen Medien-Hype.
    Und dann ?

    Meine Vorschlag:
    Versuchen Sie es mit Antworten wie

    • „Danke für die schönen Worte.“
    • „Ja, das ist mir auch schon aufgefallen.“
    • „Ach so … ?“

    oder, falls Sie es ein wenig ins Lächerliche ziehen möchten:

    • „Danke für diese erheiternden Worte.“

    oder dergleichen.

    Ich vermute, dass den meisten Aggressoren daraufhin die Lust vergeht, ihre Späße weiter zu treiben. Vergleichbare Erfahrungen haben m.W. Frauen gemacht, die von einem potentiellen Vergewaltiger angegriffen wurden und darauf nicht etwa panikartig reagiert, sondern ihn ermuntert (eingeladen) haben, doch bitte jetzt … — und wie er’s denn gerne hätte. Das hat — so schwierig es insbesondere in einer konkreten Bedrohungssituation auch sein mag — eine sehr aggressionshemmende Wirkung und scheint mir geeigneter als jedes Gerichtsurteil.

    _____
    [1] Laut diesem Urteil des Landgerichts Berlin (Az: 27 AR 17/19) sind übelste Beschimpfungen, Beleidigungen, Schmähungen und Verunglimpfungen im Rahmen des Rechts auf freie Meinungsäußerung unter bestimmten Umständen zulässig. Diesem Urteil des Gerichts schließe ich mich nicht an, bleibe aber bei meinen Empfehlungen (siehe oben).

    Weblinks:
    Renate Künast darf bei Facebook unter Umständen beschimpft werden (Heise.de)
    Hassrede: Renate Künast geht gegen Gerichtsbeschluss zu Beschimpfungen im Netz vor (Heise.de)
    Niederlage für Facebook vor dem Europäischen Gerichtshof: Onlinedienste können gezwungen werden, beleidigende Kommentare zu löschen (NZZ.ch)
    Renate Künast beschimpft — Kanzlei zeigt Berliner Richter an (Morgenpost.de)


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net