Ethik rein, Religion raus

Niko AlmAussendung von Niko Alm vom 21.11.2020.

Den verpflichtenden Besuch des Religionsunterrichts für Schüler, die nicht am Ethikunterricht teilnehmen, abzustellen, wäre der nächste Schritt am Weg zu Ethik für alle.

Nach über zwanzig Jahren Schulversuch haben die Grünen und die ÖVP gemeinsam mit der FPÖ die "Einführung eines verpflichtenden Ethikunterrichts für jene Schüler beschlossen, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen." So formuliert es der ORF in einer wenig verklausulierten Jubelmeldung seines Religionsressorts, in der vor allem der Position der katholischen Kirche Platz eingeräumt wurde. Dass nach diesem Etappensieg der anerkannten Kirchen – die nicht-christlichen Religionsgemeinschaften sind nicht mitgemeint – die Religionslehrer in Zukunft auch Ethik unterrichten sollen, versteht sich aus deren Perspektive von selbst.

Es ist so absurd, wie es klingt. Während andere konfessionell gebundene Formen des Religionsunterrichts einander ausschließend sind – eine islamische Religionslehrerin kann etwa nicht zusätzlich evangelischen Unterricht abführen -, soll das bei der Kombination aus Ethik und Religion kein Problem sein? Diese Logik ist erstaunlich, weil der verpflichtende Ethikunterricht ja ganz offensichtlich als Alternative (i. e. Strafe) wie ein weiterer Religionsunterricht für jene eingeführt wurde, die sich von diesem abmelden wollen. Und diejenigen, die nie vorhatten einen Religionsunterricht zu besuchen, werden jetzt einfach mitgenommen.

Ethik ist keine Ersatzreligion

Der schwarzgrünen Regierung und vor allem den treibenden Kräften hinter diesem Gesetz ging es nie darum, Ethik als eigenständiges Unterrichtsfach zu etablieren, sondern die Abmeldungen vom Religionsunterricht zu reduzieren und die beiden Unterrichtsformen über Personalunionen einander anzunähern. Untermauert wird das insbesondere von Vertreter†innen der Kirchen mit dem Argument, dass Religionsunterricht ohnehin schon wie Ethikunterricht geführt werde – übrigens sehr zum Leidwesen von konservativen Gläubigen.

Dieses Argument ist aus ganz prinzipiellen Gründen falsch. Abgesehen davon, dass es sich hier um eine Behauptung handelt, die wohl jeder Ethiklehrer brüsk zurückweisen würde, ist es völlig unerheblich, ob der Religionsunterricht in der Praxis einem Ethikunterricht gleicht. Zwischen diesen beiden Fächern steht eine intellektuelle Feuermauer. Ethik ist weder Ersatz für Religion, noch folgt der Unterricht einer dogmatischen Ideologie. Der Religionsunterricht hingegen ist immer als religiöse Unterweisung zu sehen. Das ist sein Kernauftrag (Siehe: Missio canonica).

Religion durch den Hinterhof

Wer, wie aktuell zum Beispiel der VP-Nationalratsabgeordnete Rudolf Taschner, an dieser Stelle die Argumentation bemüht, dass Religion ohne Integration in den Schulbetrieb in "Hinterhöfen unterrichtet" wird und dort gefährliche Wirkung entfaltet, insinuiert gleichzeitig, dass religiöse Indoktrination, die später einmal zu religiös motiviertem Terror führen kann, besser in der Schule abgeführt wird. Dieses oft von intellektuellen Hinterbänklern vorgebrachte Argument, Religionsunterricht im kooperativen Modell von Republik und Religion so "entschärfen" zu wollen, ist als weiteres Indiz zu werten, dass bei der Einführung des Ethikunterrichts primär der Erhalt religiöser Unterweisung in der Schule bezweckt wird.

Das Identifikationsverbot des weltanschaulich-religiös neutralen Staat weiterhin zu brechen, um das schädliche Potenzial von Religion in einem konfessionellen Unterricht im Ermessensspielraum der Religionen selbst zu entschärfen zu lassen, ist paradox. Die Schule ist mit Sicherheit der falsche Ort, Ideologien zu vermitteln, die sich der Erkenntnis nach wissenschaftlicher Methode per definitionem entziehen, die Frauen und Homosexuelle abwerten und nach Einschätzungen vieler offensichtlich auch prototerroristische Aufhetzung (Sonst würden ja nicht immer wieder die Hinterhöfe bemüht.) verfolgen.

Religionsunterricht spaltet

Die staatlich legitimierte Unterweisung in religiösen Denkmustern ist nicht nur pädagogisch bedenklich, sie wirkt auch sozial destabilisierend. Konfessioneller Religionsunterricht spaltet den Klassenverband nach dem Religionsbekenntnis der Eltern. Ein gemeinsamer Unterricht in weltanschaulichen Grundlagen und kritischem Denken findet in der Schule auch mit der Einführung des Ethikunterrichts in der geplanten Form nicht statt. Das Schulsystem benachteiligt längst nicht mehr nach Herkunft, Haarfarbe, Geschlecht, sexueller oder politischer Orientierung, aber es wirkt weiterhin differentialistisch, wenn es um Weltanschauung geht.

Religion darf nicht aus der Schule verschwinden, aber sie soll im Unterricht – wie auch politische Ideologien – nur aus einer Außensicht vermittelt werden: in Geschichte, in Philosophie und natürlich Ethik. Nur ein gemeinsamer verpflichtender Ethikunterricht für alle kann dazu beitragen, die religiöse Ideologisierung von Kindern zumindest soweit zu verschieben, bis sie ihre Religionsmündigkeit im Alter von 14 erreicht haben und sich selbst aktiv dafür entscheiden.

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Neuer Schweizer Kirchenaustrittsrekord!

The beautiful mountain landscape with church. Switzerland.

The beautiful mountain landscape with church. Switzerland.

Die katholischen Austrittszahlen in der Schweiz für 2019 wurden erst am 19.11.2020 gemeldet, VATICAN NEWS verlautbarte die Zahlen auf ihrer Site:
"31.772 Menschen in der Schweiz sind im vergangenen Jahr ausgetreten – das ist ein Viertel mehr als im Vorjahr. 2018 musste die katholische Kirche 25.366 Austritte hinnehmen. Das zeigen neueste Zahlen und ein Bericht des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI) in St. Gallen. Das Institut wird von der katholischen Kirche in der Schweiz getragen. Bereits die Kirchenstatistik 2018 vermeldete eine Zunahme der Kirchenaustritte um ein Viertel. 2017 lag die Zahl der Austritte noch bei 19.893."

Auf kath.press heißt es: "Die Zahl der Kirchenaustritte in der Schweiz ist im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchstwert gestiegen. Demnach traten 2019 dort 31.772 Menschen aus der katholischen Kirche aus, wie das Portal kath.ch (Donnerstag) unter Berufung auf das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) in Sankt Gallen berichtete. Dies sei etwa ein Viertel mehr als im Jahr davor (25.366). Das SPI wird von der katholischen Kirche in der Schweiz getragen. Auffällig sei, dass mehr Menschen zwischen 51 und 65 Jahren der Kirche den Rücken kehrten, hieß es. 2019 waren demnach 24 Prozent der Ausgetretenen in dieser Altersgruppe. 2011 seien es 16 Prozent gewesen."

Hier ein Screenshot von der Site des Schweizer Bundesamtes für Statistik mit den Angaben zur Religion von 1970 bis 2018:

Man sieht: auch in der Schweiz sind die Protestanten tüchtiger im Mitgliederschwund, sie sind von 1970 und 53 % bis 2018 auf 30% gesunken, bei den Katholiken war dieses Minus nur rund neun Prozent (52 auf 43), der Anstieg der Konfessionslosen belief sich auf gut das Zehnfache, von ca. zwei Prozent auf 22 %.

Vergleich zu Österreich: 2019 sind hierzulande 1,34 % der Katholiken ausgetreten, in der Schweiz war es rund ein Prozent, also ein bisschen mehr geht noch!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Großangelegte Razzien bei Muslimbruderschaft

MuslimbruderschaftWie die Staatsanwaltschaft Graz in einer Aussendung vom 9.11.2020 wissen ließ, hat es in den heutigen frühen Morgenstunden Razzien in der Steiermark, Kärnten, Wien und Niederösterreich gegen die Muslimbruderschaft gegeben. Es wird gegen mehr als 70 Beschuldigte und mehrere Vereine ermittelt, die verdächtig sind, Mitglieder der terroristischen Vereinigungen Muslimbruderschaft und Hamas zu sein.

In über 60 Wohnungen, Geschäfts- und Vereinsräumen wurden Durchsuchungen durchgeführt, 30 Personen festgenommen und der behördlichen Vernehmung wegen des Verdachtes auf Tätigkeiten in  terroristischen Vereinigungen und Terrorismusfinanzierung zugeführt. Innenminister Karl Nehammer stellte dazu fest, "wir gehen gegen diese kriminellen, extremistischen und menschenverachtende Organisationen mit aller Härte und allen Möglichkeiten des Rechtsstaats vor", mit diesem Einsatz wären Wurzeln des politischen Islams gekürzt worden.

Dieser Vorgang soll schon länger vorbereitet worden sein und hätte mit dem Wiener Terroranschlag nichts zu tun. Aber nach dem Skandal über unterbliebene Ermittlungen nach diesbezüglichen Informationen von anderen Geheimdiensten, ist es ja wohl ohnehin höchste Zeit, dass endlich entsprechend gehandelt wird!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Corona-Regeln beim Sonntagsgottesdienst

Stephansdom_innen_pixabay_st-stephans-cathedral-2971734_1920Solche erließ die katholische Kirche in Österreich schon am 25.10.2020:

In allen katholischen Diözesen gelten österreichweit wieder verschärfte Maßnahmen zum Schutz gegen eine Corona-Infektion.
Weiterhin vorgeschrieben ist ein Abstand zu anderen Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben, von mindestens 1 Meter.
'Konkretisierung: der Mindestabstand darf bei der Vornahme religiöser Handlungen – falls erforderlich – unterschritten werden. Dabei muss jedoch ein Mund-Nasenschutz getragen werden.
Der Mund-Nasenschutz ist während des gesamten Gottesdienstes verpflichtend. Ausgenommen davon sind Kinder unter 6 Jahren und Personen, die aus gesundheitlichen Gründen keinen MNS tragen können sowie Gottesdienste im Freien. Konkretisierung: Soweit für das Wahrnehmen der liturgischen Dienste (Priester, Lektor/Lektorin, Kantor/Kantorin, etc.) das Tragen eines Mund-Nasenschutzes während der Feier nicht möglich ist, sind diese für den unbedingt notwendigen Zeitraum davon befreit, müssen aber zur Kompensation größere Sicherheitsabstände einhalten. Da ein häufiges An- und Ablegen des Mund-Nasenschutzes problematisch sei, wird jene Person, die den Gottesdienst leitet – also meist der Priester – in der Regel auch keine Maske tragen. Der Dienst von Ministranten und Ministrantinnen ist mit Mindestabstand und Maske möglich.
Es müssen sichtbar Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt werden. Des Weiteren müssen Flächen und Gegenstände häufig gereinigt und desinfiziert werden.
Kirchen sind bestmöglich zu lüften. Darüber hinaus sind die Weihwasserbecken zu entleeren und reinigen.
Weiterhin soll ein Willkommensdienst als Service am Kircheneingang angeboten werden, da sich dieser bewährt hat.

Ferner gibt es seit 9. Oktober detaillierte Regel rund um den Kommunionempfang. So müssen die Hostien während der Messe bis zur Kommunionspendung zugedeckt sein. Kurz vor dem Austeilen der Hostien muss der Priester den Mund-Nasenschutz anlegen und bei der Kredenz im Altarraum die Hände gründlich waschen oder desinfizieren. Das gilt auch für die anderen Kommunionspender, diese empfangen die Kommunion aus hygienischen Gründen erst nach dem Kommuniongang der Gemeinde.
Beim Kommuniongang ist von den Gläubigen der Mindestabstand von einem Meter einzuhalten. Die Worte "Der Leib Christi – Amen" entfallen unmittelbar beim Empfang der Kommunion durch die Gläubigen. Der Priester kann diese Worte aber nach dem "Seht das Lamm Gottes … Herr, ich bin nicht würdig" sprechen, worauf alle mit "Amen" antworten. "Mit der heiligen Kommunion in den Händen treten die Gläubigen wenigstens zwei Meter zur Seite, um in Ruhe und Würde die Kommunion zu empfangen, was mit einem leichten Anheben des MNS möglich ist". Weiter empfohlen bleibt die Handkommunion, allerdings ist auch die Mundkommunion weiterhin möglich.
Wer einen liturgischen Dienst wahrnimmt, hat vor dem Gottesdienst die Hände gründlich zu waschen oder zu desinfizieren. Sollte es bei der Wahrnehmung eines liturgischen Dienstes, wie beispielsweise der Kommunionspendung, zu einem direkten Handkontakt gekommen sein, "so ist die liturgische Handlung zu unterbrechen. Die Betroffenen waschen bzw. desinfizieren ihre Hände. Dann kann die Feier fortgesetzt werden", wird ausdrücklich festgehalten.

Welche Alternativen gibt es zum Gottesdienstbesuch?
Wer aus gesundheitlichen Gründen Bedenken hat oder verunsichert ist, ist eingeladen, daheim als Hauskirche Gottesdienst zu halten und sich im Gebet mit anderen zu verbinden; dafür können auch Gottesdienstübertragungen (Radio, Fernsehen, Livestream etc.) eine Unterstützung sein.
Modelle für das Feiern von Hausgottesdiensten werden von den Liturgiereferaten der Diözesen in Österreich und Bozen-Brixen sowie von den Liturgischen Instituten in Salzburg und Freiburg/Schweiz über www.netzwerk-gottesdienst.at angeboten.

Soweit die Auszüge aus den katholischen Regelungen. Aber warum tut man dort nix Religiöses gegen die Pandemie? Also den allmächtigen katholischen Gott durch Gebete ersuchen, er möge die Pandemie beenden? Nachdem dieser Gott gemäß Bibel auch dafür zuständig ist, Vögel vom Baum fallen zu lassen und unsere Kopfhaare zu zählen, müsste er doch auch den Corona-Viren aus uns herausfallen lassen können und sie in Staub verwandeln oder so!

Aber man kennt in der Kirche wohl diesen Gott inzwischen und weiß, dass er nix machen wird! Und darum bastelt man die obigen Regeln und hofft, dass das hilft, dass doch noch ein paar Leute sonntags in die Kirche gehen und dass die Sonntagsmessen möglichst keine Ansteckungszentralen werden! Meinereiner hat jedenfalls hier die kirchlichen Regelungen verlautbart, weil wir müssen ja alle schauen, dass die Ansteckungen wieder weniger werden, am 31.1. hat es in Österreich jedenfalls 5.349 Neuinfizierte gegeben, 27 Tote und insgesamt 26.500 akut Kranke, um rund 3.000 mehr als am 30.10. Meinereiner wird sich zumindest kirchlich sicherlich nicht infizieren!

PS: Makaber ist eine am 1.11. in der Zeitung "Östereich" veröffentlichte Umfrage in Sachen Corona: 58 % meinen die Regierung hätte die Lage nicht mehr im Griff, 76 % meinen die aktuelle 2. Welle ließe sich nicht stoppen, 61 % sagten, sie würden sich gegen den Corona-Virus nicht impfen lassen!
61 % wollen sich somit die Möglichkeit einer Ansteckung offen halten…

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at




مولد النبي

Morgen, am 29. Oktober 2020 (nach unserer Zeitrechnung), feiert ein Teil der islamischen Welt ein Fest zu Ehren der Geburt des Religionsgründers Mohammed. Dieser Tag wird in den unterschiedlichen islamischen Ländern nicht nur recht unterschiedlich benannt (zum Beispiel Türkei: Mevlid, Tunesien: Mouled, Pakistan und Indien: Milad Unn Nabi, etc.) sondern auch höchst unterschiedlich begangen. In den asiatischen Ländern finden Massenumzüge mit grünen Fahnen statt (siehe Titelfoto einer Demonstration in Bhadohi, Indien), im Maghreb ist es zwar ein offizieller Feiertag, doch mehr als eine kurze Ansprache und ein Gebet im Fernsehen vom Mufti gibt es in aller Regel nicht. In solchen Reden wird heutzutage zumeist auf das „vorbildliche Leben“ des Propheten hingewiesen und seine besondere gesellschaftliche und soziale Rolle in den Vordergrund gerückt.

Solche Feste sind erst seit dem Mittelalter überliefert und auch heute noch gibt es Länder, in denen keinerlei Feierlichkeiten stattfinden, so ausgerechnet im Geburtsland des Propheten, Saudi-Arabien. Auf den ersten Blick mag dies verwundern, doch macht es im Sinne der Strenggläubigen durchaus Sinn.

So schreibt etwa die Wikipedia: „Von dogmatischen Muslimen wie den Wahhabiten, den Ahl-i Hadîth oder strengen Sunniten wie den Deobandi wird diese Feier als unzulässige Neuerung (Bid'a) und als verbotene Vergötterung Mohammeds abgelehnt. Die Gegner des Mawlid an-Nabi argumentieren zusätzlich damit, dass es eine Nachahmung des christlichen Weihnachtsfestes sei. Andere Muslime sagen, Mohammed selbst und seine Gefährten hätten bereits seinen Geburtstag besonders begangen, allerdings mit Fasten, nicht mit Festlichkeit.“

Wir freuen uns jedenfalls über den freien Tag (ganz so wie auch die Masse der Tunesier) und werden ihn dazu nutzen, einen ausgedehnten Einkaufsbummel zu machen, da trotz des Feiertags alle Geschäfte geöffnet sind.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mawlid_an-Nabi

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Papst Franziskus ist aalglatt!

Pope Francis during his weekly general audience in St. Peter square at the Vatican, Wednesday. 12 June  2013

Pope Francis during his weekly general audience in St. Peter square at the Vatican, Wednesday. 12 June 2013

Es ist nicht das erste Mal, dass Papst Franziskus mit scheinbar progressiven Forderungen auf sich aufmerksam macht. Seine aktuellen Äußerungen, wonach er sich offenkundig für einen „zivilen“ Schutz von homosexuellen Lebenspartnerschaften ausspricht, ist neuerlich ein Versuch des Pontifex, auf die Lebenswirklichkeit der Menschen zuzugehen. Doch seine offenkundige Nächstenliebe und Barmherzigkeit sind trügerisch: Kaum ein anderer Kirchenmann vor ihm fuhr einen derartigen Zickzack-Kurs wie der amtierende Bischof von Rom. In sexualethischen und gesellschaftlichen  Fragen kann sich niemand auf Franziskus verlassen. Seine Bemühungen, die Kurie zu einen, sind seit langem gescheitert.

 

Nun fordert der Papst sein Bodenpersonal und das Kirchenvolk erneut heraus. Viele Kardinäle und Pfarrer an der Basis zeigten sich überrascht über die Worte von Franziskus, hat er doch in der Vergangenheit immer wieder kritisch über Schwule und Lesben gesprochen – vor allem dann, wenn es darum ging, sie in die Kirche zu integrieren. Zwar war ihm die Annahme des homosexuellen Menschen als Geschöpf Gottes stets ein Anliegen, ihr Ausleben der eigenen Sexualität betrachtete aber auch Franziskus entsprechend der katholischen Lehrmeinung als schwierig – wenn nicht gar als sündhaft.

 

Nicht nur seine Empfehlung an Eltern homosexueller Kinder, sich an einen Psychiater zu wenden, stieß in der Vergangenheit auf Gegenwind – wenngleich Franziskus seine Worte kurze Zeit später wieder zurücknahm. Auch seine Feststellung, wonach es sich bei gleichgeschlechtlicher Liebe um eine „Modeerscheinung“ handele, brachte ihm von der schwul-lesbischen Community harsche Kritik ein. Und nun soll sich plötzlich alles ändern? Die angebliche Neuausrichtung des Papstes wirkt unter Beachtung seiner Grundhaltung als wenig glaubwürdig, bleibt er trotz manch anderslautender Hoffnungen ein konservativer Hardliner, der es versteht, seine tatsächlichen Überzeugungen derart schwammig zu verkaufen, dass er in der Gesellschaft kaum auf Widerspruch stößt. Thematische und inhaltliche Verlässlichkeit gehören offenbar nicht zu den Stärken von Franziskus.

 

Er wirkt wie ein von allen Seiten Getriebener, der es dem Mainstream durch einen Schritt nach vorne rechtmachen möchte, ehe er von der Wirklichkeit der vatikanischen Tradition eingeholt wird. Das dort herrschende Klima zwingt den Papst zu regelmäßiger Relativierung und Richtigstellungen seiner Aussagen – wenngleich es seinem Naturell entspricht, zurückzuruden. Es ist schwer, diesen Pontifex in Sachfragen richtig einzuschätzen. Hat er überhaupt einen klaren Standpunkt, an dem sich die klerikale und gläubige Welt langfristig orientieren kann? Für Homosexuelle ist die Aussage von Franziskus kein Meilenstein. Vielmehr stellt der Papst die in vielen Ländern dieser Welt bereits geltende Selbstverständlichkeit heraus, wonach gleichgeschlechtliche Paare den rechtlichen Schutz des Staates genießen sollen. Für ihren Stand in der Kirche hat diese Feststellung keinerlei Konsequenz.

 

Man kann davon ausgehen, dass im römischen Katholizismus nicht nur hinter vorgehaltener Hand auch weiterhin die Anstößigkeit homosexuellen Lebens gepredigt wird. Der Jubel, der nach den neuesten Verlautbarungen von Franziskus in der LSBTQ-Bewegung ausgebrochen ist, scheint unter diesen Gesichtspunkten doch reichlich verfrüht. Denn weder der Pontifex selbst, noch die Theologen in den Kirchen vor Ort scheinen daran interessiert, auch von kirchlicher Seite auf Schwule und Lesben zugehen zu wollen. Was nutzt homosexuellen Menschen, die als praktizierende Christen am Gemeindeleben teilhaben wollen, der päpstliche Wunsch, man möge ihnen zumindest staatliche Absicherung gewähren? Nein, es gibt keinen Grund, von einer positiven Wende in der dogmatischen Bewertung homosexueller Lebenspartnerschaften zu sprechen. Für Franziskus bleibt die Homo-Ehe ebenso ausgeschlossen wie eine seelsorgerliche Würdigung gleichgeschlechtlichen Zusammenlebens.

 

Dennis Riehle

Martin-Schleyer-Str. 27

78465 Konstanz

 




Wort zum Sonntag, den 18.10.2020

GuldenFranz_Joseph_1857Mt 22,15-21: Damals kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und wahrhaftig den Weg Gottes lehrst und auf niemanden Rücksicht nimmst, denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Was meinst du? Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört! Als sie das hörten, staunten sie, ließen ihn stehen und gingen weg.

Heute haben wir wieder eine besonders alberne Bibelstelle! Warum sollte der Denar dem Kaiser gehören, weil er auf dem Denar abgebildet ist?

Titelbild: eine österreichische Guldenmünze von 1857 (Wikipedia PD):

Da ist der damalige Kaiser Franz Joseph drauf! Kein Mensch würde da auf die Idee gekommen sein, dass alle Münzen mit Franz Joseph dem Kaiser Franz Joseph gehören! Der Matthäus schrieb seinerzeit einen sinnlosen Blödsinn in seinen Bibeltext!

Da hätte dann ja z.B. dieser Schillingtausender mit dem Bild von Karl Landsteiner

der Familie Landsteiner gehören müssen!


Auf den heutigen Euro-Scheinen und Euro-Münzen sind keine Leute mehr abgebildet, Kaiser haben wir seit 1918 auch keinen mehr, die blöde Frage wie oben zum Denar kann somit heute nicht einmal mehr formal gestellt werden!

Aber das nur nebenbei. Die Bibel sagt nichts darüber, wenn die Kaiser-Denare dem Kaiser gehören, was dann Gott gehört! Schauen wir darum nach, was der Herr Schönborn konkret dazu sagt! Nehmen wir gleich seinen Schlussabsatz: "Jesus hat die Religion klar vom Staat unterschieden. Er hat sich selber den staatlichen Gesetzen und Vorgaben untergeordnet. Aber der Staat darf sich nicht an Gottes Stelle setzen wollen. Die Seele gehört Gott. Das Gewissen steht über dem Staat und ist nur Gott verantwortlich. Aber der Staat dient unserem (irdischen) Wohl. Dafür darf er Steuern einheben."

Meinereiner hat bisher nix davon gehört, dass sich der Staat mit der katholischen Seele beschäftigt, wenn es eine Seele und einen Gott gäbe und dieser Gott der Seeleneigentümer wäre, dann könnte er damit das machen, was er laut Christenlehre tun täte: er kann die Seele in den Himmel aufnehmen oder sie zwecks ewiger Folterung in die Hölle verdammen. Wenn's das also wirklich geben täte, dann hätte sich meinereiner die Verdammung mit seinen antireligiösen Hetzereien – bzw. Aufklärungen – wohl schon redlich erarbeitet. Meinereiner zahlt seine Steuern, weil die werden ja ohnehin automatisch eingehoben, Seele hat meinereiner keine, denn kein Mensch hat eine Seele, das ist nur religiöse Einbildung, ein Atheist leidet nicht daran! Amen, so ist es!


Entnommen bei www.atheisten-info.at




Religionsfreiheit – muss das sein?

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 von der Vollversammlung der UNO mit 48 zu null Gegenstimmen bei acht Enthaltungen, seitens muslimischer und kommunistischer Regierungen, beschlossen.

In der heutigen Diskussion gewinnt man sehr oft den Eindruck, als sei lediglich der Artikel 18, in dem neben der Meinungs- und Gewissensfreiheit auch von der Religionsfreiheit die Rede ist, von ausschlaggebendem Interesse.

Es hört sich so an, als sei ausgerechnet dieses Menschenrecht auf Religionsfreiheit das Wichtigste von allen. Wichtiger als zum Beispiel das Verbot von Folter und Sklaverei oder die Unantastbarkeit der Person und ihres Eigentums.

Bei der Berufung auf die Religionsfreiheit bilden sich erstaunliche Fronten. Das eher linke Spektrum bis weit in die Reihen von CDU/CSU hinein aber auch die römisch-katholische und evangelische Kirche pochen darauf, dass dieses Recht selbstverständlich auch dieser  nunmehr in nennenswertem Umfang in Europa aufgetauchten Religion, dem Islam, zustünde.

Aber es erinnern konservativ eingestellte Bürger, die zumeist islamkritisch eingestellt sind, eher daran, dass dieses Recht für den Islam im Gegenzug auch den anderen Religionen in von muslimischen Mehrheiten bestimmten Nationen zugestanden werden müsse.

Bei dieser zweiten Betrachtungsweise kommen wir dem ursprünglichen Sinn von Religionsfreiheit schon beträchtlich näher. In einer politischen Landschaft, die seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 (siehe wikipedia) durch den Grundsatz „cuius regio, eius religio“ gekennzeichnet war, stellte die prinzipiell mögliche Abnabelung von der Religion des Herrschers in der Tat einen gewaltigen Fortschritt dar, von dem islamische Länder in aller Regel weit entfernt sind. Mit anderen Worten: nicht der Staat hat zu bestimmen, nach welchem Ritus sich ein Paar trauen darf, sondern das Paar selbst. Solange es keine Zivilehe gab (erst unter Bismarck eingeführt) war dies ein bemerkenswerter Fortschritt. Eine in diesem Sinne verstandene Religionsfreiheit bedeutet im Grunde nichts anderes als eine Vorstufe dessen, was wir heute als Laizität des Staates verstehen. Er hat sich aus dem positiven oder negativen Bekenntnis seiner Bürger herauszuhalten. Wird dagegen heute von Religionsfreiheit gesprochen, so wird man mit der Nase darauf gestossen, dass damit nur die die Erhaltung und Festigung von Privilegien gemeint ist.

Laizität (am Beispiel Tunesien)

Umso erfreulicher ist es, dass in einem islamischen Land, Tunesien, eine machtvolle Demonstration für die Laizität des Staates („I laïque Tunisia“) stattgefunden hat.

Den rund 15.000 Manifestanten ging es – wie das hochgehaltene Transparent in bestechender Kürze und Eindeutigkeit zeigt –  um die Toleranz zwischen den Weltanschauungen und die Aufhebung der staatlichen Bevorzugung einer einzigen Religion.

Gleichzeitig geht aber auch um die negative Religionsfreiheit – der junge Mann ist Atheist – und die echte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Und all das in einem einzigen Plakat, in einem einzigen Wort vereint. Vergleichbares war in keinem anderen der von Revolutionen erschütterten Länder zu vernehmen.

Natürlich gibt es auch in Tunesien Bewegungen konservativer Muslime, die von der Einführung eines Emirats träumen, doch scheint die Zeit über sie hinweggegangen zu sein. Die angedachte Aktion junger Frauen, den aus dem Exil zurückkehrenden Terroristen Rachid al-Ghannouchi am Flughafen im Bikini zu begrüßen, um ihm zu zeigen, wie das moderne Tunesien aussieht, scheiterte lediglich an den Wetterbedingungen. So wurde ihm nur entgegengehalten: „Allah schafft keine Jobs“ – auch dies eine bemerkenswerte Aussage, die nicht unbeobachtet blieb. Die Extremisten erhielten zwar in den Wahlen vom 23. Oktober eine erschreckend hohe Stimmenzahl, doch betonen sie unablässig, die derzeit bestehenden Freiheiten nicht antasten zu wollen. Wohl zu recht wird dies nicht wirklich von den meisten geglaubt, wie in dem guten Kommentar von Abdelhamid Gmati „Croire ou ne pas croire“ in lapresse.tn deutlich wird.

Meinungs- und Gewissensfreiheit

Das allgemeiner gefasste Prinzip der Meinungs- und Gewissensfreiheit, wie es etwa von dem Aufklärer Diderot vorgetragen wurde, und das in der französischen Revolution seinen Niederschlag fand, hätte im Grunde bereits zu diesem Zeitpunkt eine Diskussion über die Frage der Religionsfreiheit als Unterabteilung der viel weiter gefassten Meinungsfreiheit überflüssig gemacht.

Ein Beispiel kann verdeutlichen, wie schnell die beiden Freiheiten auf Kollisionskurs gelangen können. In einem „schwach-islamischen“ Land wie Tunesien bestand und besteht für bekennende Juden und Christen staatlich garantierte Kultusfreiheit.

Moscheen und Kirchen werden wegen der latent immer vorhandenen Extremismusgefahr gesondert bewacht und beschützt. Wenn man einmal davon absieht, dass laut gültiger Verfassung nur ein Moslem Staatspräsident werden kann, herrscht eine für ein muslimisches Land erstaunliche Religionsfreiheit.

Trotzdem hätte sich wohl niemand vor dem 14. Februar 2011 getraut, eine Meinung zu äußern etwa der Art, Mohammed sei wegen seiner Heirat mit der neunjährigen Aische nach moderner Rechtsauffassung ein Pädophiler. Er hätte wohl erhebliche Probleme mit der Religionspolizei bekommen. Hier steht eindeutig die „Religionsfreiheit“, die sich bereits damit als ein Privileg dekuvriert, oberhalb der Meinungsfreiheit angesiedelt.

Der Sonderfall, wenn ein Ausländer eine muslimische Tunesierin heiratet, wurde bereits vor knapp einem Jahr ausführlich dargestellt * (Liebe unter dem Halbmond). Wenn sich dann in Deutschland ein islamischer Interessenvertreter und Lobbyist wie Aiman Mazyek hinstellt und den Politikern verkaufen will, „es gibt keinen Zwang im Glauben“, dann darf man ob dieser eigenwilligen Koranauslegung durchaus nachdenklich werden.

Ganz außerordentlich bedenklich und krass gegen die Menschenrechtserklärung positioniert stellt sich die Situation in „richtig“ islamischen Ländern wie Iran, Saudi-Arabien, Pakistan und Afghanistan dar, deren Rechtssystem weitgehend auf der Scharia basiert.

Drakonische Strafen für Ehebrecher, Homosexuelle oder Apostaten wie Steinigung, Auspeitschung oder Köpfung sind schlicht mit unserer Vorstellung von Menschenrechten nicht vereinbar, laufen aber gleichwohl unter „Religionsfreiheit“, da es schließlich die Religion ist, die diese Regeln vorschreibt. Solche Zustände sind dermaßen indiskutabel zu Beginn des dritten Jahrtausends hiesiger Zeitrechnung, dass an dieser Stelle wohl nicht weiter auf sie eingegangen werden muss.

Die Situation in Europa

Wenden wir uns also wieder der Situation in Europa mit seinen demokratisch verfassten Staaten zu. Man sollte meinen, dass die mit der französischen Revolution erreichte Entmachtung der absolutistischen Herrscher und der mit ihnen aufs heftigste kooperierenden christlichen Potentaten sich im Sinne einer vernünftigen Laizität des Staates verfestigt hätte.

Das Gegenteil ist der Fall. In zähem Kampf und mit geschickter Lobbyarbeit ist es den Kirchen, allen voran natürlich der römisch-katholischen in den letzten 200 Jahren gelungen, ihren Einfluss auf das gesellschaftliche Leben geradezu krakenhaft wieder auszudehnen.

Ihre Präsenz in der Öffentlichkeit und ihr Einfluss auf das politische Alltagsleben übersteigen dabei inzwischen bei weitem den prozentualen Anteil ihrer Anhänger. Hinzu kommen die Gier und die verfassungsrechtlich bedenkliche Forderung nach allgemein staatlichen Leistungen, die von jedem Mitbürger – gleich ob mit christlichem, muslimischem, jüdischem, atheistischem oder sonst welchem Bekenntnis – getragen werden müssen.

Der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) hat einen Teil der direkten, Zuwendungen in einem informativen Faltblatt zusammengestellt. Dass darüber hinaus jedoch jährlich Milliardenbeträge an die Kirchen fließen, damit diese sich mit ihren angeblichen karitativen Leistungen brüsten können, finden sich akribisch nachgewiesen im „Violettbuch“ vom Wissenschaftler Dr. Carsten Frerk.

Man kann festhalten, dass sich die Amtskirchen – anders als die Freikirchen – eine Position erarbeitet und teilweise gegen die Bestimmungen der Weimarer Verfassung und des Grundgesetzes erschlichen haben, die mit den Forderungen nach religiöser Neutralität des Staates nur noch entfernt etwas zu tun haben.

Wen nimmt es da wunder, wenn nun diese neue Religionsgemeinschaft Islam in ihren verschiedenen Formen daher kommt und für sich dieselben Privilegien einfordert, die den etablierten religiösen Gemeinschaften in Deutschland so ans Herz gewachsen sind?

Angesichts dieser neuen Herausforderung macht sich eine geradezu lethargische Hilflosigkeit breit. Wie viel darf man ihnen gewähren, wenn gleichzeitig bekannt ist, dass diese Religion sich anschließend nicht damit zufrieden gibt, still als Gemeinde der Moslems vor sich hin zu arbeiten und den Anhängern ein spirituelles Zuhause zu geben, sondern klare und weit darüber hinaus gehende Ziele der politischen Einflussnahme auf die Gesellschaft verfolgt, ganz so, wie es auch von den Kirchen praktiziert wird.

Wer da immer noch glaubt, man könne sich mit dem Islam rein theologisch auseinandersetzen, verfehlt die wirkliche Problematik. Es kann nicht darum gehen, sich gegenseitig Suren und Bibelzitate um die Ohren zu hauen, oder Diskussionen darüber anzuzetteln, welcher der propagierten Götter denn nun der bessere sei – nein: die Frage kann ausschließlich und nur politisch entschieden werden.

Doch zu einer Rückbesinnung auf die Werte der Aufklärung fehlen ganz offensichtlich die Kraft und der Wille bei den im Parlament vertretenen Parteien. Muss denn wirklich erst eine neue Revolution her, um dieses Problem zu lösen?

Deutschland hat die Chance zu einem grundsätzlichen Neuanfang leichtfertig nach der Wiedervereinigung verspielt, weil eben alles „schnell“ gehen musste und es wichtiger schien, den Einigungsvertrag umgehend abzuschließen. Die ursprüngliche Version des Art. 146 im Grundgesetz sah vor, dass das Deutsche Volk sich in freier Selbstbestimmung nach der Vollendung der Einheit eine neue Verfassung gibt und das Provisorium von 1949 ad acta legt.

Tatsächlich aber wurde das Grundgesetz praktisch unverändert in ganz Deutschland für verbindlich erklärt und jede Diskussion umgangen. Dem Umstand, dass Deutschland sich seit 1949, als es noch unter dem Eindruck der Kriegsereignisse und den Schwächen der Weimarer Republik stand, ganz erheblich verändert hat, konnte somit nicht Rechnung getragen werden.
Es hätte klargestellt werden müssen, dass die „Religionsfreiheit“ nicht als Deckmantel dienen darf, um Privilegien oder sogar ungesetzliche Machenschaften zu schützen wie es derzeit in der unseligen Fassung des Artikels 4 im Grundgesetz der Fall ist.

Eine solche Bereinigung hätte bereits bei der Präambel beginnen müssen, mit diesem unsäglichen Satz „Verantwortung vor Gott und den Menschen“, was angesichts einer deutlichen Mehrheit der Deutschen, die nicht mehr an einen persönlichen Gott glaubt, nur schwer vermittelbar sein dürfte.

Was hat eine bronzezeitliche Fiktion in einem weltlichen Gesetzestext zu suchen? Und das muss irgendwann weitergehen mit der Abschaffung der Körperschaften öffentlichen Rechts hin zu einer Organisation unter Vereinsrecht für Religionsgemeinschaften, Abschaffung der Präsenz in Ethik- und Fernsehräten, Schulkommissionen und vieles andere mehr, Abschaffung des staatlich bezahlten Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen und Abhängen der christlichen Symbole in den der Allgemeinheit zugänglichen Räumen.

Bereits mit diesen Maßnahmen hätten sich einige Probleme erledigt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Bei einer Organisation nach Vereinsrecht muss eine Satzung vorgelegt werden. Man stelle sich nun vor, Muslime organisieren sich dergestalt nach Maßgabe der Scharia und in der vorgelegten Vereinssatzung stünde, dass der Austritt aus dem Verein – die Apostasie – mit dem Tode zu bestrafen ist.

Es steht zu vermuten, dass dann auch dem heftigsten Befürworter von „Religionsfreiheit“ klar wird, dass hier etwas nicht stimmen kann. Man stelle sich des Weiteren vor, dieser Verein verlange von neu hinzutretenden Mitgliedern und auch ihren Kindern, sie müssten sich die Ohren abschneiden lassen, weil dies nun einmal vereinsrechtlich so festgelegt sei.

Und in Wahrheit wäre es noch schlimmer: sie verlangten nicht die Ohren, sondern schnippeln an den Genitalien der Mitglieder herum, was normalerweise unter Verstümmelung religionsunmündiger Abhängiger fiele, falls weithin anerkanntes Recht auf religiöse Gruppen angewendet würde.
Es ließen sich noch viele Beispiele anführen, bei denen erst eine vereinsrechtliche Betrachtung klar macht, wie viel von diesen unter „Religionsfreiheit“ segelnden Privilegien schlicht mit moderner Rechtsstaatlichkeit unvereinbar sind. Man mag einwenden, dass das ja „nur“ Muslime treffen würde, alles andere könne dagegen so weiter gehen wie bisher.

Dazu sollte man sich einmal die arbeitsrechtlichen Bedingungen anschauen, unter denen die Mitarbeiter in staatlich zu 95 Prozent finanzierten, aber von der katholischen Kirche geführten Krankenhäusern herrschen.
Apostasie wird zwar nicht (mehr) mit dem Tode bestraft, sondern „nur“ mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, arbeitsgerichtliche Prozesse der Betroffenen dagegen enden in aller Regel mit einem Sieg der Kirche – wegen einer sogenannten „Religionsfreiheit“.

Das Grundgesetz

Neben der Präambel, die geändert gehört – zum Glück ist es ja den Vatikanparteien Deutschlands im Parlament nicht gelungen, diesen Unsinn auch noch in den Lissabon-Prozess einzubringen – muss endlich eine Diskussion um die Ausgestaltung von Artikel 4 Grundgesetzt angestoßen werde.

Die entscheidenden Punkte finden sich in Absatz 1 und 2:

1. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

2. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Besonders der zweite Absatz stellt einen juristischen Stolperstein ersten Ranges dar, weil unter ihm so ziemlich alles subsumiert werden kann, was den Religionsgemeinschaften gerade so in den Sinn kommt.

Es gibt keine ausdrücklich genannten gesetzlichen Beschränkungen. Das Mindeste, das erreicht werden müsste, ist ein Zusatz in diesem Grundgesetzartikel, wie er sich im UN-Zivilpakt aus dem Jahr 1993 findet:

Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekunden, darf nur den gesetzlich vorgesehenen Einschränkungen unterworfen werden, die zum Schutz der öffentlichen Sicherheit, Ordnung, Gesundheit, Sittlichkeit oder der Grundrechte und -freiheiten anderer erforderlich sind.

Oder in anderen Worten ausgedrückt: „Alles, was den Bürgern eines Staates erlaubt ist, soll auch gläubigen Bürgern erlaubt sein – und nicht mehr“.

Eine dergestalt begründete Eingrenzung in die allgemeinen zivil- und strafrechtlichen Bestimmungen könnte die zu beobachtenden Auswüchse verhindern – zumindest eindämmen – und böte gleichzeitig den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass der Islam sich nicht auch noch die Privilegien einverleibt, die den anderen derzeit zur Verfügung stehen.

Wenn man davon überzeugt ist, dass ein solcher Verfassungszusatz ein dringliches Desiderat darstellt, sollten die zu ihrem Inkrafttreten erforderlichen Maßnahmen von den humanistischen Institutionen – notfalls auch auf dem Petitionsweg – umgehend eingeleitet werden. Auf Unterstützung durch die kirchliche Lobby wird man dabei aber wohl verzichten müssen.

Somit steht für mich fest: Die Religionsfreiheit, in dem Sinn wie sie heute ausgebeutet wird, gehört abgeschafft

* Eine kleine Ergänzung zu Tunesien: Das Dekret 73, das Tunesierinnen vorschrieb, nur Moslems heiraten zu dürfen, wurde ausser Kraft gesetzt. Und auch ansonsten sind nunmehr alle Regelungen, die Frauen diskriminieren (Ehe-, Familien- und Erbrecht, uam.) inzwischen durch neue Gesetze ausgemerzt worden.

 

 

 




Afrikanisches Sprichwort

Ohne-Beitragsbild_3zEine Rede von Deeyah Khan

Ohne Kommentierung

Zitat aus der Rede:

If the young are not initiated into the village, they will burn it down just to feel its warmth.
(African Proverb)

„Wenn die Jungen nicht in die Dorfgemeinschaft eingeführt werden, werden sie das Dorf niederbrennen, nur um seine Wärme zu spüren“.
(Afrikanisches Sprichwort)

Den vollständigen Text der auf Englisch gehaltenen Rede will ich auf Anfrage gern übersetzen.


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
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QS72@gmx.net




Vom Weinberg und dem Sozialisten Jesus

weinberg-in-frankreich_1147-101Übernommen von http://www.atheisten-info.at/index.html:

Mt 20,1-16: Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten! Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denar. Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt. Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin? So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.

Noch blöder geht's wohl biblisch nimmer! Es soll mit diesem Weinberg-Gleichnis wohl dargestellt werden, dass der Weg ins Himmelreich nicht vom Zeitpunkt der Hinwendung zum Glauben abhängig ist, sondern dass jeder, der das tut, denselben Lohn bekommt, unabhängig von der Dauer der Glaubenszuwendung. Allerdings ist das proportional gesehen ein recht schiefer Vergleich, das Himmelreich wird schließlich als ewiger Lohn für die Gläubigen gesehen und nicht als Sold für ein bisschen Arbeit!

Was meint der Schönborn dazu? Er schreibt u.a.: "Warum bekommen die, die kaum eine Stunde gearbeitet haben, gleich viel wie wir, die wir volle zwölf Stunden in der Hitze des Tages geschuftet haben? Die Kritik ist auch heute zu hören. Dann fällt schnell das Wort von den Sozialschmarotzern. Der Gutsherr sieht das anders: Stört es dich, dass ich auch zu denen gut bin, die nicht das Glück hatten, eine Arbeit zu finden? Genau aus dieser Haltung Jesu sind viele Errungenschaften des Sozialstaats entstanden."

Der Sozialstaat ist nicht aus der Bibel entstanden, sondern wurde durch die Arbeiterbewegung erkämpft! Heute gibt es eben die Kranken-, die Pensions-, die Unfall-, die Arbeitslosenversicherung und sonstige Sozialhilfegesetze! Der Sozialstaat ist auf gesetzlich festgelegter Sozialgesetzgebung eingerichtet, jeder zahlt und jeder bekommt, wenn er was braucht! Solidarität ist dadurch zur selbstverständlichen Pflicht geworden!

Kardinal Schönborn schließt weiterhin welt- und geschichtsfremd so: "Das Gleichnis Jesu ist kein romantischer Sozialtraum, sondern ein nüchternes Programm für eine gerechte Gesellschaft, in der die Schwächsten nicht unter die Räder kommen. Jesu Worte haben wirklich die Welt verändert. Sie haben gezeigt, wie Gott die Welt vermenschlichen will. Die Charta Jesu bleibt freilich weiterhin Auftrag und Aufgabe."

Verdammt noch einmal, wenn die Jesusworte die Welt verändert hätten, wieso hat es dann nicht ab dem Jahre 380 mit der Bestellung der Christenlehre als alleinige Staatsreligion Sozialversicherungen gegeben, sondern gut 1500 Jahre lang bloß ein bisschen freiwillig gegebene Almosen?

Dazu Zitat aus der Enzyklika Quadragesimo anno von Papst Pius XI. von 1931: "Der Sozialismus, gleichviel ob als Lehre, als geschichtliche Erscheinung oder als Bewegung, auch nachdem er in den genannten Stücken der Wahrheit und Gerechtigkeit Raum gibt, bleibt mit der Lehre der katholischen Kirche immer unvereinbar. Er müsste denn aufhören, Sozialismus zu sein: der Gegensatz zwischen sozialistischer und christlicher Gesellschaftsauffassung ist unüberbrückbar."

Der Sozialstaat musste also von der sozialistischen Bewegung auch gegen die katholische Kirche durchgesetzt werden. Amen! Aber knapp 90 Jahre später hat der sozialistische Jesus den Sozialstaat erfunden…





Argumentationsmuster

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Mit anderen Menschen kontrovers diskutieren,
ohne sich wechselseitig zu beschimpfen, zu beleidigen oder zu diffamieren

Am 5. und 6. September 2020 führte ich via FB einen Meinungsaustausch, den ich hier anonymisiert, ansonsten jedoch unverändert und ungekürzt wiedergebe.

A.H.O. hatte, mglw. in Anlehnung an einen Buchtitel, in einem Beitrag die Frage aufgeworfen «Wem gehört der Islam?»

Ein Diskussionsteilnehmer, dessen Namen ich hier mit M.B. wiedergebe, meinte:

Der Islam gehört den Gottergebenen. Der Prophet sprach: „Nun habe ich euch eure Religion vervollkommnend.“

Eine Diskussionsteilnehmerin, hier E.T. genannt, erwiderte:

Würde ich bestätigen ..
Doch frei nach Goethe : „Wenn Islam Gottergebenheit heißt, dann leben und sterben wir alle im Islam.“
So sind es die abramitschen Religionen, die wie drei Geschwister sind , die stetig darum streiten , wer der bessere von ihnen ist .

Eckhardt Kiwitt:

Aah, Goethe — hat dankenswerterweise auch Voltaire’s «Mahomet» ins Deutsche übersetzt.
Ein denkwürdiger Satz daraus:
„Dem Staate bringt die Furchtsamkeit Verderben“.

A.H.O. an die Adresse von M.B.:

das ist eine koranische Stelle.

M.B.:

Eben, die Antwort liefert der Koran selbst.

Daraus entspann sich ein längerer, kontrovers geführter Meinungsaustausch mit M.B.

Eckhardt Kiwitt:

Und, wie lautet die Antwort, oder an welcher Textstelle im Koran kann man sie nachlesen ?

M.B.:

Sure 5 Vers 3
„Heute habe ich euch eure Religion vollständig gemacht und meine Gnade an euch vollendet und habe daran Gefallen, dass der Islam eure Religion ist.“

Eckhardt Kiwitt:

Einen Satz vorher heißt es in diesem Vers:
„Heute haben die Ungläubigen vor eurem Glauben resigniert; …“
Da werden also Leute, die nicht an das islamische „Gott“ glauben, als „Ungläubige“ diffamiert und beleidigt.
Freundlich ist das nicht, und überzeugen kann es allemal nicht !

M.B.:

Die Kafiroun, also die Mekkaner sind gemeint, die den Islam verleugnet haben und feindlich gesinnt waren. Um ein Kafir zu sein müssen zwei Komponenten erfüllt sein. Verleugnung und Bekämpfung. Die Mekkaner haben alles versucht um den Islam zu vernichten. Die Verkündung des Propheten ist zugleich die Verkündung des Siegs.

Eckhardt Kiwitt:

Nun gut, ich bin zwar kein Mekkaner, aber den Islam, dieses aus meiner Sicht patriarchalisch-rechtsreaktionäre Gesellschaftsystem, in dem es nichtmal Religionsfreiheit gibt und nicht die Freiheit, den Islam-Erfinder zu kritisieren, lehne ich ebenfalls ab und bevorzuge stattdessen den Grundrechtekatalog unserer Verfassung, des GG, sowie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Werte der Europäischen Aufklärung.
„Daß der bei weitem größte Teil der Menschen […] den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.“
(Kant — Aufklärung)

M.B.:

?

Eckhardt Kiwitt:

Was ist Deine Frage, die Du mit dem „?“ zum Ausdruck bringen willst ?

M.B.:

Es war eine patriarchale Gesellschaft, lange vor dem Islam. Der Koran hat dagegen gewirkt. Wobei man schlecht die Gesetze des siebten Jhd. auf heute übertragen kann.

Eckhardt Kiwitt:

Wenn man die Gesetze des 7. Jhdts. nicht auf heute übertragen kann, dann sollte man all die religiösen Gebote und Vorschriften des Korans „ad acta“ legen und stattdessen die Gesetze des freiheitlichen demokratischen Rechtsstaats als die besseren Gesetze akzeptieren.

Eckhardt Kiwitt:

Wenn „Koran hat dagegen gewirkt“ (gegen die patriarchale Gesellschaft, die es, wie Du schreibst, lange vor dem Islam gegeben hat), wie ist es dann möglich, dass heutzutage alle Gesellschaften, in denen islamische Gesetze gelten bzw. in denen Islam die Staatsreligion ist, patriarchalisch-rechtsreaktionäre Systeme sind ?

M.B.:

Das beruht vielmehr auf Traditionen als auf den Koran.

Eckhardt Kiwitt:

Soso, Tradition ?
Was ist aber mit jenen Textstellen im Koran, in denen das patriarchalisch-rechtsreaktionäre Familien- und Gesellschaftsbild zementiert ist:
— Sure 2 Vers 282: Frauen, deren Aussagen bei Gericht nur die Hälfte der Aussagen von Männern wert sind;
— Sure 4 Vers 11: Frauen, denen laut Koran nur das halbe Erbteil eines männlichen Nachkommen zusteht;
— Sure 4 Vers 3: „… heiratet, was euch an Frauen gut ansteht, zwei, drei oder vier;“
— Sure 4 Vers 34: „Darum sind tugendhafte Frauen die Gehorsamen und diejenigen, die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren. Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie ! Wenn sie euch dann gehorchen, …“

M.B.:

Oh je, wieder diese Leier. Sorry, hab gerade nicht die Muße dazu.

Eckhardt Kiwitt:

Seltsam. Du hattest doch behauptet, dass es auf Traditionen beruht und nicht auf dem Koran. Und jetzt, da ich Dir ein paar Textstellen aufgezeigt habe, die das Gegenteil darlegen können, magst Du nicht mehr. Seltsam.

M.B.:

Darüber könntest du dich selbst schlau machen. Schonmal den Koran gelesen, geschweige denn verstanden?

Eckhardt Kiwitt:

Gelesen, ja.
Hat auf mich den Eindruck eines teils aus Versatzstücken zusammenphantasierten Werkes gemacht, oder, wie es der im Auftrag des Islam-Erfinders ermordete Ibn al-Harith genannt hat, ein «Abklatsch alter Mythen».
(siehe Mohammed in Bildern, # 26.)

Eckhardt Kiwitt:

By the way, falls Du den Koran verstanden hast, erkläre ihn mir gern. Ich bin für alles sehr empfänglich. Danke !

M.B.:

Niemand kann Dir den Koran erklären außer Gott.

M.B.:

‚Uns obliegt die Lesung und Erklärung des Buches‘ (Koran)

M.B.:

‚also übereile Deine Zunge nicht bei der Lesung‘

Eckhardt Kiwitt:

Aber Du hattest gefragt, ob ich den Koran verstanden hätte. Folglich gehe ich davon aus, dass DU ihn verstanden hast.
Wenn man etwas verstanden hat, dann sollte man auch in der Lage sein, es anderen zu erklären.

M.B.:

Beim Koran ist es umgekehrt. Er ist so vielfältig wie seine Leserschaft.

Eckhardt Kiwitt:

Wenn, wie Du schreibst, der Koran so vielfältig ist wie seine Leserschaft, darf ich dann daraus schließen, dass weder Du noch irgend jemand sonst den Koran verstanden hat — und dass Muslime folglich gar nicht wissen, was sie glauben ?

Eckhardt Kiwitt:

Es heißt doch in Sure 3 Vers 7 „Darin sind eindeutig klare Verse – sie sind die Grundlage des Buches …“.
Und die kann man nicht verstehen, nicht erklären ?
Seltsam !

M.B.:

Und darin steht auch dass es mehrdeutige und eindeutige Verse gibt. Und dass Gott darüber entscheidet, wer Seine Worte versteht.

Eckhardt Kiwitt:

Wenn das islamische „Gott“ darüber entscheidet, wer den Koran versteht und wer nicht, ohne dass die Entscheidungskriterien erläutert würden, dann scheint mir das alles sehr willkürlich zu sein.

Eckhardt Kiwitt:

Übrigens, weiter oben hattest Du in einer Antwort an A.H.O. geschrieben:
„Eben, die Antwort liefert der Koran selbst.“
Wenn der Koran die Antworten auf sich selbst bzw. auf seine eigenen Thesen liefert, nennt man das einen Zirkelschluss.
Zirkelschlüsse gehören zum UNlogischsten, das es gibt.
(siehe den Beitrag Zirkelschluss.)

M.B.:

Nein, das bedeutet das der Koran selbstreferenziell ist.

Eckhardt Kiwitt:

Genau das, das Selbstreferenzielle, führt zu Zirkelschlüssen.

M.B.:

Diese Ambiguitäten sind es gerade, was im Übrigen auch auf die Bibel zutrifft, machen diese Bücher zeitlos. Weil man nie mit ihnen fertig wird.

Eckhardt Kiwitt:

Ach ja, die Ambiguitäten — die geben einem einen guten Interpretations- und Ermessenspielraum. Das ist sehr praktisch.

M.B.:

Jede Offenbarung hatte einen kontextuellen historischen Hintergrund.

Eckhardt Kiwitt:

… der aber im Laufe der Zeit seinen Bezug verliert.

Eckhardt Kiwitt:

Die sogenannten Offenbarungen wurden als identitätsstiftende Texte von Menschen für Menschen verfasst, teils wohl gar zusammenfabuliert.
Das ist wie bei den sog. Schöpfungsgeschichten.
Ein Beispiel ist der Schöpfungsmythos der Maori aus Neuseeland, in dem man manche bekannte Bilder wiederfinden kann …
(siehe Rangi und Papa, Wikipedia)

_______

Von M.B. gab es darauf keine weitere Antwort oder sonstige Reaktion.

H.Z. merkte kurz vor Ende dieses Threads, an die Adresse von M.B. gerichtet und auf eine Art, die mir widerstrebt und die ich für unangemessen und destruktiv halte, an:

Welche Bibelkenntnise haben Sie denn, um himmelswillen?? Was Sie über den Koran da erzählen zeigt doch ganz deutlich, dass Sie nicht imstande sind spätantike religöse Dokumente sinnerfassend zu lesen. Muslime sind ja in den allermeisten Fällen überhaupt nicht imstande ihre eigenen Glaubensurkunde zu lesen, sind im Kopf dabei gar nicht beunruhigt über dieses Unvermögen und Desinteresse, aber immer sehr erstaunt, wenn man sie mit ihren Texten konfrontiert und gehen verärgert oder beschämt auf Tauchstation oder werden unverschämt aggressiv. Solange Muslime verhängnisvoller Weise nicht kapieren, dass sie ihren Koran selbst geschrieben haben, wird mit ihnen nicht vernünftig zu reden sein. Sie erklären ihn auch noch für unerschaffen und ewig wie die arabische Gottheit selbst. Wenn das nicht materialistischer schirk ist, was ist es dann?

E.T. ergänzte, ebenfalls an M.B. gerichtet, noch:

Reine Politik der Herrschenden…
Sie sagen , dass sie Gläubige sind, doch die sind Heuchler um das Volk/ Völker zu unterdrücken.

G.R. schloss diesen Teil der Diskussion ab mit den Worten:

M.B., stimmt! Man kann oder sollte zumindest die Gesetze und die Wertvorstellungen des 7. Jahrhunderts nicht auf heute übertragen!
Wie können dann Koran und Hadithe bis heute rechtleitend sein?

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Beitragsbild:
WahineTane (wikimedia.org, Ausschnitt)
Author: Kahuroa


Eckhardt Kiwitt
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Machtspiele

Jakubov-MuehlePolitischer Islam — Ein Beispiel

Wer sein religiöses Bekenntnis bzw. seine Religionszugehörigkeit ständig und überall symbolisch zur Schau stellt, grenzt sich selbst aus, diskriminiert sich selbst, wird dann aber mglw. behaupten, von anderen diskriminiert zu werden.

Das Ziel dieses Verhaltens ist es, für sich eine Opferrolle beanspruchen zu können.

Eine Opferrolle verleiht Macht, gibt einem die Möglichkeit, von anderen Anteilnahme oder Mitleid wenigstens erwarten zu dürfen.

Religiöse Vorschriften und Gebote darf jeder für sich persönlich — und nur für sich persönlich — befolgen.

Religiöse Vorschriften und Gebote dürfen in einem freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat jedoch nicht über staatlichem Gesetz stehen, zumal sie nicht in demokratisch-rechtsstaatlichen Verfahren zustandegekommen und erlassen worden sind.

Das Zurschaustellen religiöser oder sonstiger weltanschaulicher Symbole z.B. durch Pädagogen während des Schulunterrichts stellt das persönliche religiöse / weltanschauliche Bekenntnis der Pädagogen über das Neutralitätsgebot des Staates, hebt also religiöse Gebote und Vorschriften über staatliches Gesetz.

Das halte ich für gesetzeswidrig / verfassungswidrig. Der Staat hat keine Religion und keine Staatsweltanschauung.

~ ~ ~

Hintergrund meines Statements ist ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 27. August 2020, Aktenzeichen 8 AZR 62/19, Pressemitteilung Nr. 28/20.

_____
Beitragsbild:
Mühle Jakubov bei Karlovy Vary.
Urheber: cs:ŠJů
Source: Wikipedia, Datei:Vodn%C3%AD_kolo.jpg


PDF des Beitrags
incl. der Pressemitteilung
(5 Seiten, Format A5)

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Alle von mir für diese Website verfassten und auf dieser Website veröffentlichten Texte dürfen — möglichst mit Quellenangabe — von jedermann in beliebigem Umfang verwendet und zitiert werden.




Religions- und Weltanschauungsfreiheit

Religious-symbols_grid_96dpiAn welches «Gott» auch immer du glaubst;

Was auch immer deine Religion oder deine Weltanschauung ist:

Zwinge oder nötige deswegen niemanden zu etwas;

Stelle aufgrund dessen keinen Machtanspruch;

Und richte deshalb keinen Schaden an.

.

.

N.B. zum Machtanspruch:

Macht soll nach meinem Verständnis aufgrund von Qualifikation und in einem demokratisch-rechtsstaatlichen Verfahren übertragen und legitimiert werden.

Dies schließt die Erhebung eines Machtanspruchs aus eigenem Antrieb oder aus Eigeninteresse aus.

.

.

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Beitragsbild:
Collage aus Symbolen von neun Religionen
Quelle: Wikipedia


Religions- und-Weltanschauungsfreiheit

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Zwischen Moschee und Moderne – Von Kantomas

Mein Vater und meine Mutter kamen Anfang der siebziger Jahre ins gelobte Land, genannt Deutschland, obwohl es ihnen in der Türkei nicht unbedingt schlecht ging. Ich weiß nicht, wie weit es stimmt, aber angeblich sollen sie mit Trompeten und Posaunen am Bahnhof empfangen worden sein.

Nachdem er einige Jahre bei BMW in München gearbeitet hatte, holte er mich, meinen Bruder und meine ältere Schwester 1978 nach. Ich war acht Jahre alt.

Fast zeitgleich zogen wir nach Hamburg, wo er einen Arbeitsplatz bei Mercedes bekam. Später machte er sich selbständig und machte einen Lebensmittelladen auf. Er war sehr fleißig. Ein Arbeitstier durch und durch. Ein religiöser Mensch, der fünf Mal am Tag betete, genauso wie meine Mutter auch.

Im Laufe der Jahre kamen noch zwei weitere Brüder auf die Welt. Mein Vater sorgte dafür, dass wir genug zu Essen hatten, und meine Mutter war vollauf mit uns beschäftigt. Es war nicht leicht für sie, fünf Kinder groß zu ziehen, zumal es ihr auch an Durchsetzungskraft fehlte. Mein Vater war da anders gestrickt. Eine sehr autoritäre Person. Hin und wieder gab es Prügel, wenn wir unartig waren. Ich denke, anders waren wir auch nicht wirklich in den Griff zu bekommen. Meine Mutter hat er nie geschlagen. Wer das Sagen im Haus hatte, war allerdings unumstritten. Ansonsten kamen sie gut miteinander aus. Es war eine klassische Rollenverteilung.

Wir mussten alle in die Koranschule. Eine Wahl gab es nicht. Wir konnten zwar unseren Unmut darüber ausdrücken, aber eine richtige Wahl gab es nie. Vater hatte im Notfall die "schlagenden" Argumente auf seiner Seite. Ich ging sehr ungern hin. Ich hätte lieber auf der Strasse Fußball gespielt. Die Koranschule war ein großes Kellergeschoss, und im Winter sehr schwer, warm zu halten. Man fror mit 50-100 Kindern stundenlang, und musste Koransuren in arabischer Schrift lesen und auswendig lernen. Man hat nicht verstanden, was man da gelesen hat. Nebenbei gab es auch theoretischen Unterricht.

Diskussionen waren eher die Ausnahme als die Regel. Man könnte in Kurzfassung eigentlich sagen: "Wenn du das und dies tust, kommst du in den Himmel. Wenn du aber dies und jenes tust, wirst du in der Hölle schmoren." Ich ging wirklich ungern hin, und ertrug es eher. Doch diese permanente Indoktrinierung wirkte nach einiger Zeit. Die Angst vor der Hölle, war bei mir größer als die Aussicht auf den Himmel, weil ich es sehr lästig fand, fünf mal am Tag zu beten. Prügel gab es auch zur Genüge, wenn man zu laut war.

Schließlich hatten die Lehrer (Imame) von den meisten Eltern einen Freifahrtschein bekommen. Ich kann mich noch erinnern, wie mein Vater, das erste Mal, als er mich zum Koranunterricht gebracht hatte, zum Hodscha sagte: "Sein Fleisch gehört dir, seine Knochen mir". Oder auf türkisch: "Eti senin, kemigi benim." Damit gibt man dem Hodscha sämtliche Vollmachten, alles zu tun, damit er Einem die Religion auch gut beibringt. Prügel mit einbezogen.

In der Moschee wurde nicht gegen Christen gehetzt. Man sah sie eher als Geschöpfe an, die vom wahren Weg abgekommen waren, weil ihr Buch im Laufe der Zeit von den Ungläubigen verfälscht wurde. Auch gegen Juden wurde nicht gehetzt. Das lag daran, dass die Moschee der Diyanet, der türkischen Religionsbehörde unterstand, und bestimmte Vorgaben hatte, was unterrichtet werden darf. Die "DITIP" untersteht heute der "Diyanet" – soweit ich das weiß. Sie vertritt türkische Interessen, ist aber verglichen mit anderen Vereinen, wie "Milli Görüs", doch sehr moderat, und sorgt dafür, dass sich keiner gegen den Staat stellt, weder den türkischen noch den deutschen. Jedenfalls war es damals so.

Die "Milli Görüs" betrachtete man sehr argwöhnisch. Auch Hadithen, die heute in islamkritischen Blogs auftauchen, wurden nicht gelehrt. Es ging viel mehr um das gute Wirken Mohammeds. Auch Geschehnisse, wie Kriege zur Zeit Mohammeds wurden historisch betrachtet und nicht als Anleitung für die heutige Zeit verstanden. Doch es ist nicht wirklich nötig, dass man gegen jemanden hetzt. Allein schon durch die Abgrenzung zu Ihnen, bekommt man das Gefühl, dass man selbst und sein Glaube etwas Besonderes ist, und man sieht den anderen eher von oben herab. Man bekommt ein Überlegenheitsgefühl, oder zumindest sieht man den anderen als ein Geschöpf, das Hilfe benötigt, um den richtigen Weg beschreiten zu können. Ich denke, dass passiert nicht nur, wenn man sich zu einer Religion oder Ideologie bekennt. Jede Art von Abgrenzung hat den gleichen Effekt. Zumindest bei den meisten.

Ich habe meinen Vater trotz allem sehr geliebt. Er gab mir immer das Gefühl, dass er mich liebt, und alles nur für mich tut. Das hat er wirklich gedacht. Er wusste es einfach nicht besser. Ansonsten hatte ich ein sehr gutes Verhältnis zu ihm. Ich habe ihn mein Leben lang bewundert. Wir mussten zwar alle in die Koranschule, um unsere Religion kennen zu lernen, aber er hat keinen von uns je genötigt, fünf mal am Tag zu beten. Er hätte es zwar gern gesehen, aber sogar meine  ältere Schwester musste kein Kopftuch tragen. Meine Mutter trug es freiwillig. Auch zum Fasten hat er keinen von uns gezwungen. Doch bei Schweinefleisch hätte er sicherlich auf den Putz gehauen. Da bin ich mir sicher. Das war jedoch nie ein Thema.

Übrigens esse ich selbst heute kein Schweinefleisch. Der anerzogene Ekel sitzt zu tief. Ich bekomme es nicht raus. Tut mir leid!  Also vermeide ich es. Abgesehen davon hat er uns alle durchgebracht, ohne Sozialhilfe zu kassieren. Fünf Kinder können sehr teuer sein. Er sagte mir mal: "Junge, Sozialhilfe ist nur für Menschen gedacht, die eine körperliche Behinderung haben und keiner Arbeit nachgehen können."

Meine Zweifel, die auch vorher schon da waren, nahmen als ich 19 Jahre alt war die Oberhand. Die Evolutionstheorie, die mich ziemlich überzeugte, drang immer mehr aus meinem Unterbewusstsein und forderte mich heraus. Ich versuchte zwar davor schon, mir Theorien auszudenken, wie ich meine Religion passend zur Evolutionstheorie zurechtzimmern konnte, doch ich wusste gleichzeitig, dass ich mir da etwas vormache, auch wenn ich es unterdrückt habe. Mit 19 klappte es nicht mehr.

Ich beschäftigte mich mit anderen Religionen, unter anderem dem Buddhismus, der mir eine Zeit lang ziemlich zusagte. Ich versuchte es mit Meditation und esoterischem Kram.

Da habe ich auch einige sehr interessante Erkenntnisse gewonnen. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie ein Mensch, der gewisse Erfahrungen macht, glauben kann, dass man mit Gott in Verbindung getreten ist. Und wenn er von Natur aus nicht ein Zweifler ist, oder sich ein bisschen mit Wissenschaft beschäftigt, könnte man nach diesen Erfahrungen wirklich versucht sein, eine Religion zu gründen, oder glauben, dass der Allmächtige sich einem gezeigt hat.

Doch im Grunde ist das alles totaler Blödsinn. Da werden bestimmte Botenstoffe und Synapsen durch die Medidationsübungen angeregt, und man deutet irgendwelche Halluzinationen als Gotteserfahrung. Die Wissenschaft hat diesen Vorgang zur Genüge geklärt. Im Grunde haben mir die Erfahrungen von damals meinen Weg zum Agnostizismus geebnet. Ich machte mich auf den Weg, Gott zu finden, und wurde endlich ein freier Mensch, ohne jegliche religiöse Vorstellungen und Dogmen, und von Gott war weit und breit nichts zu sehen.

Ich bezeichne mich heute als Agnostiker und bin der Meinung, dass man den "fundamentalen Islam" aus Deutschland unbedingt verdrängen muss. Die grösste Errungenschaft der westlichen Welt ist meines Erachtens die Demokratie. Sie muss verteidigt werden. Die Sharia hat in Deutschland nichts zu suchen. Allerdings distanziere ich mich dabei von jeder hetzerischen und menschenverachtenden Vorgehensweise. Ich hoffe, dass irgendwann Kulturmoslems – Hand in Hand mit den Einheimischen – den Kampf aufnehmen. Man darf dabei nicht verallgemeinern und muss unbedingt differenzieren. Normal Gläubige dürfen nicht als Angriffsziel gesehen werden.

Meine zweite Frau, die ich vor einigen Jahren kennen gelernt habe, könnte man auch als Agnostikerin bezeichnen. Wir fasten nicht, wir beten nicht. Wir essen allerdings beide kein Schweinefleisch. Unsere Tochter wird sehr frei erzogen werden. Sie wird im Mai drei Jahre alt und spricht nur Deutsch. Türkisch kann sie nur ein bisschen verstehen. Das liegt daran, dass wir zu Hause fast nur deutsch reden. Meine Frau beherrscht die deutsche Sprache ausgezeichnet. Mit der türkischen hapert es bei ihr ein bisschen. Ich kann beide Sprachen akzentfrei und einigermaßen gut.

Einer meiner Brüder könnte als Atheist durchgehen. Zwei andere bezeichnen sich als Moslems, würden aber als sehr moderat durchgehen. Sie fasten beide, essen kein Schweinefleisch, haben aber eine Moschee das letzte Mal vor 10 Jahren von innen gesehen. Ihre Frauen tragen kein Kopftuch und gebetet wird vielleicht nur dann, wenn man etwas von Gott will. Meine Schwester ist im Moment auf einem esoterischen Trip. Mit meinem Vater habe ich heute ein sehr gutes Verhältnis. Er hat akzeptiert, dass sein Sohn ein Ungläubiger ist. Es hat seine Zeit gedauert, bis ich mich durchgesetzt habe. Er betet manchmal für mich, damit mich Gott auf den rechten Weg bringt. 

Mit den meisten Gläubigen habe ich keine Probleme. Sie kennen meinen Standpunkt und ein Anschlag auf mich scheint derzeit nicht geplant zu sein, und gemieden werde ich auch nicht. Die meisten kommen sehr gut damit aus, wenn man sich nicht über sie lustig macht, oder überheblich rüberkommt. Ich muss jedoch dazu sagen, dass ich nicht grade in Kreisen verkehre, die man als fundamentalistisch bezeichnen könnte.

Eine schlechte Erfahrung, wenn man sie denn so bezeichnen kann, habe ich mit einem Gläubigen gemacht, den meine Frau und ich im Urlaub kennen gelernt haben. Das Paar kam zufälligerweise auch aus Hamburg. Die Frau war ziemlich modern und kleidete sich auch sehr freizügig. Wir haben uns alle sehr gut verstanden und es war ein schöner Urlaub. Die Chemie hat irgendwie gepasst und wir wollten uns in Hamburg öfters treffen. Am letzten Tag kam das Gespräch irgendwie auf Religionen. Ich habe meinen Standpunkt erklärt und gemerkt, dass der Mann ein Problem damit hatte. Die Ablehnung meines Standpunktes, nach dem ersten Schock seinerseits, konnte er im ersten Moment nicht unterdrücken und verhielt sich auch den Rest des Abends distanziert. Wir hatten zuvor fest abgemacht, dass wir uns öfters in Hamburg besuchen werden. Doch aus diesen Treffen wurde nichts.

Wirklich schlechte Erfahrungen mit tief religiösen Moslems habe ich im Internet gemacht. Ich empfand sie als sehr beschränkt und ich muss zugeben, dass ich teilweise bei deren Ansichten wirklich Ekel empfand. Sie sind für Argumente nicht zugänglich. Von einer kritischen Betrachtungsweise ihrer Religion keine Spur. Dasselbe kann ich allerdings auch über tief religiöse Christen und Juden behaupten. Sie schenken sich wirklich nichts, außer das sie teilweise gebildeter wirkten. Doch die Hasssoftware im Gehirn ist absolut identisch.

Ich entdeckte, dass der Agnostizismus mein Empfinden am besten beschreibt. Also bezeichne ich mich als Agnostiker. An ein persönlichen Gott oder irgendwelche Religionen kann ich auf keinen Fall glauben. Doch kann ich die Möglichkeit einer Energie, Macht, Intelligenz oder einem Wirken, das die Evolution in Gang gesetzt hat, nicht komplett ausschließen.

Es ist mir auch irgendwie egal geworden. Ich lebe mein Leben und wenn ich tot bin, sehe ich dann weiter, oder auch nicht. Ich denke, ich bin am Ende meiner Suche angekommen.

Und es fühlt sich gut an.

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

Das Titelbild (Bosporus-Brücke) ist Wikipedia entnommen. Die Moschee in Bagdad stammt aus der Sammlung von Roger McLassus (mit freundlicher Genehmigung). Die restlichen wurden im CERN aufgenommen.




Missbraucht

MissbrauchtAussteiger warnt vor religiösen Fundamentalisten
-Eine Kindheit voller Angst und in ständiger Alarmstimmung-

Bernd Vogt erlebte seine Kindheit als Außenseiter in Schule
und Gesellschaft und warnt heute vor strenggläubigen christlichen Gruppen.

Wie bringt man Eltern dazu, ihr 10-jähriges Kind allen Ernstes vor die Wahl zu stellen: »Wenn der Herr Jesus Mama und Papa geholt hat, wo willst du dann bleiben, bei Oma oder lieber bei Tante Helga« oder völlig emotionslos zu sagen: »Wenn du erst in der Hölle bist, dann können wir dir auch nicht mehr helfen«! Willkommen in der Welt einer Evangelischen Freikirche! Einer Welt, die Bernd Vogt um einen Großteil seines Lebens betrogen hat.

Bernd Vogt wurde in eine evangelikale Freikirche hineingeboren. Seine mittlerweile verstorbenen Eltern waren bekennende Mitglieder, enge Verwandte sind es noch heute. Über seine Erfahrungen und Erlebnisse hat der 63-Jährige nun ein Buch geschrieben. »Missbraucht im Namen des Herrn« heißt das kurzweilige Werk, das er im Bod-Verlag  Hamburg veröffentlicht hat – sein Lebensvermächtnis, wie er betont.

Der Rödinghauser wächst in dem felsenfesten Glauben auf, dass die Erde nur noch kurze Zeit Bestand haben wird, weil Gott in Kürze seinen »großen Krieg, das Armageddon«, beginnt. Unmittelbar zuvor wird Jesus in den Wolken erscheinen und seine Eltern gemeinsam mit allen wiedergeborenen Christen in einer Nacht- und Nebelaktion in den Himmel abtransportieren. Bis dahin müssen alle »Weltmenschen«, also die Ungläubigen, missioniert werden. »Es war eine Kindheit voller Angst und in permanenter Alarmstimmung«, sagt er rückblickend. Der kleine Junge erfüllt augenscheinlich die Erwartungen seiner Eltern und der Prediger. In Wahrheit ist er innerlich schon längst zerbrochen. Einen Ausweg gibt es für ihn lange nicht.

Vogt berichtet von einer Kindheit, die er als Außenseiter in Schule und Gesellschaft erlebte. »Während meine Freunde im Fußballverein spielten, später dann in die Disco gingen, musste ich in den christlichen Versammlungen jubeln und beten – ständig überwacht von einem strafenden Gott, der alles sieht und den lieben langen Tag nur mit Gedankenlesen beschäftigt ist. Das hat mich innerlich zermürbt«, erinnert er sich. Anstatt Spaß mit den Freunden gibt es Bibelarbeit; anstatt weltlicher Musik muss er stundenlange Lobpreis- und Jubelorgien über sich ergehen lassen. »Ich habe die volle Jesus-Dröhnung abbekommen«, sagt Bernd Vogt.

 

Immer wird ihm eingehämmert, als Mensch nicht »in Ordnung« zu sein. Die Ferien muss der Junge auf christlichen Freizeiten verbringen. Dort ging es nur darum, die Kinder auf Spur zu bringen und die Bevölkerung vor Ort zu missionieren. Mit 12  treibt ihm ein Prediger auf einer Freizeit in Bielefeld den Teufel aus. »Ich musste mich auf den Fahrersitz seines Autos setzen. Dann hat der Prediger, der noch heute auf der Kanzel steht, meinen Kopf gefasst und versucht, ihn wie eine Zitrone auszupressen. Dabei schrie er, dass der Satan aus mir fahren solle«, erzählt der Rödinghauser.  


Mit 16 gelingt Vogt, der später auch in Fernsehsendungen über seine Erfahrungen berichtete, der Ausstieg aus der fanatischen Glaubensgemeinschaft. Auf einer Freizeit in Bremen packt er klammheimlich seine Tasche und steigt in den nächsten Zug Richtung Heimat. »Eine unbeschreibliche Freude durchflutete meinen Körper. Endlich war ich frei! Ich hätte es so hinausschreien können«, sagt er. Seine Eltern und die Prediger sind dagegen alles andere als  begeistert. »Sie haben mich mit negativen Prophezeiungen überschüttet, mir mit Krankheit gedroht, weil  Gott sich meine Abkehr nicht bieten lassen würde«.

 

Obwohl seine Eltern glauben, dass der Junge nur eine Krise durchlebt, gelingt Bernd Vogt dennoch der Absprung. Endlich kann er Fußball spielen, mit Freunden weltliche Musik hören, in Discos gehen. »Dabei hatte man mir doch eingetrichtert, dass die Bands vom Teufel besessen seien«. Als Fußballer erhält er den Spitznamen »Hexer«. Das macht ihn nachdenklich. »Kurz nachdem ich Jesus den Rücken gekehrt hatte, nannte man mich ‚Hexer‘. Schließlich war mir lange genug eingebläut worden, was Gott mit Zauberern, Wahrsagern und Hexern macht – er würde sie ausrotten«, sagt er.

 

So lässt ihn die Gehirnwäsche, die er als Kind erfahren hat, lange nicht los. Als Erwachsener fühlt er sich immer krank. Das zermürbt ihn. »Manchmal war ich an einem Tag bei drei Ärzten«, schildert er. Doch keiner kann eine Diagnose stellen. Später leidet er unter Depressionen, wird dazu auch noch körperlich schwer krank. »Ich war zeitweise nicht in der Lage, den Kinderwagen zu schieben«, berichtet Vogt von seinem Leidensweg. Mit 30 Jahren erlebt er fast eine Art Rückfall und droht wieder in die Freikirche abzugleiten. Erst dann wagt er es, sich psychologische Hilfe zu holen und beginnt in einem jahrzehntelangen Prozess, seine Kindheit und die eingetrichterten Glaubenssätze aufzuarbeiten. »Schließlich hatte man mir als Kind beigebracht, dass ich durch Heilmethoden wie Psychologie, Yoga, Autogenes Training etc. unter einen dämonischen Bann geraten würde«, schildert er.  

 

Mit seinem Buch gewährt der Rödinghauser Einblicke in die fromme Parallelwelt, von der der Normalbürger kaum etwas weiß; oder wie Vogt es in seinem Buch schreibt: »Er entführt die LeserInnen in ein Irrenhaus, das er Familie nannte, in eine »Heil«Anstalt, die er Gemeinde nannte«. Es sind mal tieftraurige, schockierende Schilderungen, dann wieder urkomische Szenen, die Bernd Vogt beschreibt, wie etwa sein verzweifelter Versuch, »im Freibad wie Jesus übers Wasser zu laufen«.

 

Mit seinem aufrüttelnden, ausgesprochen humorvollen Buch will er zeigen, was ein fundamentalistischer Glaube gerade bei Kindern anrichten kann, sagt er. Weil die strenggläubigen Gemeinden immer mehr Zulauf haben, warnt er vor charismatischen Predigern, sogenannten »Pastoren«, die Menschen in einer Lebenskrise mit einfachen Lösungen in ihren Bann ziehen und sich so ganz nebenbei ihre »schmucken Häuschen und dicken Autos« durch üppige monatliche Spenden der folgsamen Gläubigen finanzieren lassen. »In diesen Kirchen gibt es keinen Mief. Da wird gelacht, gesungen und gejubelt, was das Zeug hält«, berichtet er. Methoden, die Bernd Vogt aus eigener Erfahrung kennt. Methoden, die ihm seine Kindheit geraubt haben. Das möchte er heute jungen Menschen ersparen. Das Buch ist in jeder deutschen Buchhandlung und in allen relevanten Online-Shops wie Amazon, Thalia, uvm. erhältlich.

 

Die Giordano-Bruno-Stiftung empfiehlt das Buch in ihrem Newsletter vom 20.5.2020 wie folgt: „Bernd Vogt: Missbraucht im Namen des Herrn. Die Geschichte einer gestohlenen Kindheit in einer Evangelischen Freikirche. Mit ‚Mission Gottesreich‘ (Ch. Links-Verlag) haben Oda Lambrecht und Christian Baars 2009 einen wichtigen Einblick in das verstörende Weltbild fundamentalistischer Christen in Deutschland gegeben. Authentische Insiderberichte von Aussteigern aus evangelischen Freikirchen waren bislang jedoch rar. Bernd Vogt schließt diese Lücke mit seiner bewegenden Autobiographie. Ein mutiges, aufrüttelndes Buch, das ebenso berührend wie humorvoll aufzeigt, was es bedeutet, in einer von Verschwörungsmythen geprägten, hermetisch abgeriegelten Glaubenswelt aufwachsen zu müssen“.

 

 

 

 




Die Betonung des Andersseins

Trabajando_pieza_de_metal_72dpiKulturgeschichtliche
Variationen von
„Rassismus“

In der Folge des gewaltsamen Todes von George Floyd in den USA am 25. Mai 2020, der in den Medien weltweit diskutiert und debattiert wurde und dem die Wikipedia einen Artikel gewidmet hat, wurde u.a. auch der „Rassismus“-Begriff vielfältig thematisiert. Im Verlauf der Berichterstattungen und Debatten wurden Themen und Sachverhalte miteinander vermengt, die mit dem eigentlichen Ereignis, der, wie ich es nenne, Ermordung des George Floyd im Rahmen einer in den USA nicht ungewöhnlichen polizeilichen Überreaktion miserabel ausgebildeter und entsprechend in der Situation überforderter Polizisten, nichts zu tun hatten.

So wurden Statuen gestürzt, was in der Geschichte der Menschheit eine lange Tradition hat, Statuen, die für mein Empfinden allzu häufig ohnehin nur der Verklärung, manchmal gar der Verkitschung dienen;
der Philosoph Immanuel Kant wurde wegen seiner frühen Schriften kritisiert, was aus der Perspektive und mit dem Wissen des 21. Jahrhunderts wohlfeil erscheint, Schriften, in denen er sich — seiner Zeit entsprechend — über menschliche „Rassen“ geäußert hatte, Äußerungen, die später revidiert worden sind, obwohl Charles Darwin mit seinen Beiträgen zur Evolutionstheorie und Gregor Mendel mit der Vererbungslehre noch nicht auf der Bühne erschienen waren.

In Debattenbeiträgen wurde vereinzelt festgestellt, dass es gar keine menschlichen Rassen gibt — was den „Rassismus“-Begriff, der im Laufe der Jahrzehnte zu so abenteuerlichen Wortschöpfungen wie „Altersrassismus“ geführt hat, unsinnig macht. Dennoch wird er immer noch und immer wieder verwendet statt von „Diskriminierung“ zu sprechen.

Der Begriff „Rassismus“ wird in manchen Zusammenhängen mglw. verwendet, weil er effekthaschender, aufsehenerregender ist als das Wort „Diskriminierung“. Obendrein gibt es bei der Diskriminierung (Ausgrenzung; „trennen, absondern, abgrenzen, unterscheiden“) zwei Möglichkeiten, die negative, die mit Herabsetzung oder Herabwürdigung verbunden sein kann, sowie die positive mit Aufwertung, Erhöhung oder sogar Überhöhung gegenüber anderen. Insbesondere die Möglichkeit der positiven Diskriminierung mag manchen aus ideologischen Gründen ein Dorn im Auge sein, da sie für die Einordnung von Menschen in eine (institutionalisierte und positiv besetzte) Opferrolle ungeeignet ist und keine (negativ besetzte) Täterrolle aufzeigbar macht. Hinzu kommt die Möglichkeit der Selbstdiskriminierung, Selbstausgrenzung, die den „Rassismus“-Begriff vollends ad absurdum führt.

In einem Beitrag des britischen Guardian vom 25. Juni 2020 wurde immerhin festgehalten, dass Atheisten und Humanisten in acht Ländern Diskriminierung widerfährt und sie dort wegen ihrer Weltanschauung, und nicht etwa „rassistisch“ verfolgt und unterdrückt werden.

Es wurde vorgeschlagen, den Begriff „Rasse“ im Artikel 3 (3) der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, dem Grundgesetz, durch ein anderes Wort zu ersetzen. Kosmetik, durch die weder Ursachen noch Folgen irgendeiner Diskriminierung aus der Welt geschafft würden. Man könnte dieses Ansinnen auch Selbstbetrug nennen. Dass in dem Satz 3 aus Artikel 3 GG nicht nur von Benachteiligung, sondern auch von Bevorzugung die Rede ist, wurde in diesen Diskussionen geflissentlich übersehen.

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

In manchen Debattenbeiträgen wurde versucht, die Religionszugehörigkeit von Menschen als ein unveränderliches Merkmal ähnlich Herkunft oder Abstammung hinzustellen. Dabei wurden mehrfach klischeehafte Bilder verwendet, und es konnte der Eindruck entstehen, dass vermittelt werden solle, Angehörige einer bestimmten Religion seien gegenüber anderen exponiert und bedürften einer besonderen Beachtung, ihnen müssten eine höhere Wertigkeit und damit verbunden mehr Rechte als anderen zuerkannt werden, wie dies in manchen „heiligen“ Büchern vorformuliert ist, in denen Angehörige bestimmter Religionen als „auserwähltes Volk“ irgendeines Gottes oder als „die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand“ ([3:110]) bezeichnet werden. In Fällen von Selbsterhöhung oder Selbstüberhöhung spricht man dann von Chauvinismus, oder auch von Arroganz, Anmaßung, Überheblichkeit und Hochmut.
Doch die Aufwertung der einen ist die Abwertung anderer, und umgekehrt, was gesellschaftliche Spannungen erzeugt sowie Ressentiments und Gegenreaktionen heraufbeschwört.

In einem kurzen Meinungsaustausch mit einer WerteInitiative via Facebook am 3. Juni 2020 hatte ich u.a. angemerkt, dass das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung m.E. eine Straftat ist, und zwar auch dann, wenn dies im Rahmen der Religionsausübung geschieht, was damit beantwortet wurde, dass es sich in einem solchen Fall „natürlich NICHT um eine Straftat“ handle. Auf meine weitere Nachfrage, was es denn dann sei, habe ich (bislang) keine Antwort erhalten. Ob das Verweigern einer Antwort Ausdruck von Selbstgerechtigkeit, von der Unfähigkeit zur Selbstreflexion oder von etwas anderem ist, sei dahingestellt. Herkunft, religiöses Bekenntnis oder Weltanschauung sind zwar kein Fehlverhalten, Kindern aus religiösen Gründen eine irreversible Körperverletzung zuzufügen ist es nach meinem Verständnis jedoch sehr wohl (vgl. Kritik und Angst — Wider die Selbstgerechtigkeit).
Siehe auch den Beitrag The Unanswered Question / Umkehrschluss auf dieser Website:

Wenn es […] was-auch-immer-feindlich wäre, Menschenrechtsverletzungen und Despotismus sowie anderes Unrecht zu kritisieren: Was bedeutete dies dann im Umkehrschluss ?

Jemandem mit einem Hinweis auf dessen Religion das sanktionsfreie Begehen von Straftaten zu ermöglichen und zu erlauben, verstößt in Deutschland jedoch mglw. gegen den Artikel 3 Satz 3 GG.

Menschen mit dunkler oder einer anderen Hautfarbe, als sie bei Europäern weit verbreitet ist, werden in Medienberichten etc. oft als „People of Color“ bezeichnet, ein Begriff, der auf Anderssein und damit auf Abgrezung gegenüber „Weißen“ und auf Ausgrenzung (Diskriminierung) zielt und allen Bestrebungen, „Rassismus“ zu überwinden, zuwider läuft. Abgesehen davon sind auch „Weiße“ nicht weiß, sondern haben meist wohl eine schweinchenrosa Hautfarbe. Weiß sind die Wände in meiner Wohnung.

In dem Buch Identitätslinke Läuterungsagenda zeigen insbesondere die Herausgeberin Sandra Kostner sowie die beiden Autorinnen Maria-Sibylla Lotter und Elham Manea auf, wie vermeintliche Antirassisten den „Rassismus“ und die Segregation der Gesellschaft dadurch fördern, dass sie u.a. darauf hingewirkt haben, dass Menschen z.B. allein wegen ihrer Herkunft bei der Stellenvergabe in manchen Berufen bevorzugt werden (müssen), ohne dass ihre sonstige Qualifikation berücksichtigt würde, was von der Mehrheitsgesellschaft als Ungerechtigkeit empfunden und entsprechend beantwortet wird, und dass vermeintliche Antirassisten dabei selber wie „Rassisten“ argumentieren und agieren.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 29. Juni 2020 unter der Überschrift „Es wird schmerzhaft“ sagt Saraya Gomis unter anderem:

Rassismus als Struktur ermöglicht, dass Ungleichheit legitimiert und damit „normalisiert“ wird.

Genau dies, „Rassismus“ als Struktur ermöglichen und Ungleichheit legitimieren ist es, was Sandra Kostner et al. in dem Buch Identitätslinke Läuterungsagenda beschreiben.

Ein Artikel in der SZ vom 26. Juni 2020 beklagt unter der Überschrift „Rassismus ist da, er ist alltäglich“ unter anderem:

„In Freising haben etwa 20 Prozent der Menschen Migrationshintergrund, aber ich kenne keine einzige Lehrkraft, die farbig oder andersgläubig ist.“
[…]
„Die Mehrheit der Kinder mit Migrationsgeschichte bleibt der Weg zum Abitur aus diversen Gründen verwehrt“

Welche „diversen Gründe“ es sind, wird in dem Artikel nicht thematisiert, Gründe werden nicht benannt.

In Brief an die Heuchler geht Stéphane Charbonnier (CHARB) argumentativ teils in eine ähnliche Richtung wie Sandra Kostner et al. Das Buch von CHARB, der sich ausdrücklich gegen „Rassismus“ und Intoleranz ausspricht, habe ich seit Erscheinen der deutschsprachigen Ausgabe im Juli 2015 vielen Leuten empfohlen, darunter auch solchen, die von sich selbst sagen, dass sie Antirassisten und Kämpfer gegen Intoleranz seien. Etliche dieser vermeintlichen Antirassisten und Kämpfer gegen die Intoleranz reden deshalb nicht mehr mit mir — nur, weil ich ihnen das Buch von CHARB empfohlen habe. Seltsam.

In einem Text, den Leonid Luks am 4. Juni 2020 auf der Website Die Kolumnisten veröffentlicht hat, schreibt er:

Zum Wesen des totalitären Denkens gehört die Diskursverweigerung mit Andersdenkenden.

Einige der in diesem Beitrag von mir angerissenen oder thematisierten Aspekte sind manch einem möglicherweise ein zu heißes Eisen — auch wenn ich längst nicht alle Aspekte zum Thema „Rassismus“ respektive Diskriminierung aufgegriffen habe.

Den „Rassismus“ damit zu kontern, dass man die Opfer des „Rassismus“ heraushebt, ihnen eine gesellschaftliche Sonderstellung zuschreibt, konterkariert die Bemühungen gegen „Rassismus“. Mit der Betonung des Andersseins wird der „Rassismus“ nicht bekämpft, sondern aktiv gefördert.

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Beitragsbilder (von oben nach unten):

  • Trabajando_una_pieza_de_metal_al_rojo_sobre_un_yunque.jpg, Wikimedia.org, Author: kurtsik
  • Sturz_des_Idstedter_Löwen.jpg, Wikimedia.org, Flugblatt – unbekannt; Scan – James Steakley
  • Screenshot von der Website des britischen Guardian, eigenes Werk
  • Cover des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland, arabischsprachige Ausgabe
  • Screenshot aus einem Beitrag der Facebook-Seite von „Gesicht zeigen – für ein weltoffenes Deutschland“, eigenes Werk
  • Akan_MHNT.ETH.2010.25.009.jpg, Wikimedia.org, Photographer: Roger Culos
  • Screenshot aus einem Beitrag der Facebook-Seite von „Werteinitiative“, eigenes Werk
  • Buchcover zu „Identitätslinke Läuterungsagenda“
  • Buchcover zu „Brief an die Heuchler“
  • Bildliche Darstellung eines Zitats von Leonid Luks, Die Kolumnisten, eigenes Werk

  • Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net




    Die geistliche Insolvenz der Kirchen bricht sich Bahn

    Kirchenruine_Virgilienberg_14042007_01Austrittszahlen sind Beleg für vollständiges Versagen.

     

    Die Fakten sind dramatisch: Mit den immer weiter steigenden Austrittszahlen verlieren die beiden christlichen Konfessionen ihre gesellschaftliche Mehrheit im Land. Doch es wäre zu kurz gedacht, würde man lediglich die Missbrauchsskandale für die Entwicklung verantwortlich machen; immerhin stehen die Protestanten den Katholiken beim Verlassen ihrer Kirche in nichts nach. Und auch die Kirchensteuerbelastung alleine kann kein Grund dafür sein, dass sich immer mehr Christen ihrer angestammten Vertrautheit lossagen.

     

    Offenbar liefern Bistümer und Landeskirchen nicht mehr das, was die Menschen von einer geistlichen Heimat des 21. Jahrhunderts erwarten. Mit den krampfhaften Versuchen, ein „modernes“ Angebot an möglichst alle Generationen zu richten, verzettelt sich die Kirche selbst und entfernt sich von ihrem Kernauftrag der Verkündigung. Darüber hinaus ist die stark zurückgehende Ansprache der Gemeindeglieder durch die Seelsorger vor Ort sicherlich mitursächlich dafür, dass die Verbindung zwischen Gläubigem und Kirche immer häufiger reißt.

     

    Die Menschen erhoffen eine persönliche Ansprache für ihre existenziellen Fragen. Bei immer weniger Pfarrern kann dieser Anspruch nicht erfüllt werden; eine Abwärtsspirale, aus der die Kirche den Absprung wohl kaum zu schaffen vermag. Die Entfremdung von der Lebenswirklichkeit vieler Christen im Beharren auf Zölibat, sexualethischen Vorgaben und der Ausgrenzung der Frau mag aus dogmatischen Erwägungen unumgänglich zu sein; für die Praxis des Kirchenalltags ist sie ein verheerendes Signal der Rückwärtsgewandtheit.

     

    Dass die Gemeinden trotz ihrer Situation freiwilliges Engagement aus ihren Reihen zurückhalten und das Priestertum aller Gläubigen ad absurdum führen, ist eine Katastrophe im Überlebenskampf der Konfessionen und sollte die Kirchen zum Selbsteingeständnis vollständigen Versagens führen. Nicht zuletzt scheint der christliche Glaube in komplexer werdenden Zeiten gerade nicht dazu imstande zu sein, den Menschen jenen Halt zu geben, der auch in größter Not trägt.

     

    Mit seinen teils einfachen Antworten auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt, den bloßen Vertröstungen auf das Jenseits und dem fehlenden Zugang zu den tatsächlichen Problemen des Daseins schafft er es nicht, kritischer werdende Gläubige in ihrem Umfeld abzuholen und sie mit sinnstiftender Nahrung zu versorgen, die über die sonntägliche Predigt hinausgeht. Nachdem die Kirchen wenig Veränderungsbereitschaft zeigen, wird sie sich wohl oder übel eingestehen müssen, dass sie den Anschluss verpasst hat.

     

    Für Politik und Bevölkerung heißt es nun, die neuen Wahrheiten zur Kenntnis zu nehmen: Auch wenn ein Verlassen der eigenen Konfession keinem Verlust an Gottesglaube gleichzusetzen ist, ist es der religionsfreie Mensch, der zukünftig mehr Platz im öffentlichen Diskurs erhalten muss. Ob in Ausschüssen und Gremien, in Parteien und Organisationen, im Sozialstaat und in der Wohlfahrt – für Humanisten braucht es mehr Akzeptanz, Verantwortung und Vertrauen. Die Aussicht auf ein tatsächlich säkulares Deutschland steigt.

     

    Dennis Riehle

    Martin-Schleyer-Str. 27

    78465 Konstanz

     

    Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de

    Web: https://www.dennis-riehle.de




    Das Kopftuch und Edeka

    EdekaAnmerkung: EDEKA ist in der BRD ist ein genossenschaftlich organisierter kooperativer Unternehmensverbund im deutschen Einzelhandel

    Aussendung von Hartmut Krauss vom 20.6.2020:

    Islamisierung unter dem Deckungsschutz der "Antidiskriminierung"

    Wie weit die Islamisierung bereits mit Hilfe der hinterhältig instrumentalisierten "Antidiskriminierung" in die angeblich demokratisch und rechtsstaatlich funktionierende deutsche Gesellschaftsordnung eingedrungen ist, zeigt dieses aktuelle Beispiel: Die Zurückweisung einer islamischen Kopftuchträgerin durch einen Arbeitgeber wird als "rassistische Diskriminierung" stigmatisiert. Daraufhin knickt der Arbeitgeber (Edeka) ein, entschuldigt sich bei der abgewiesenen Schülerin, die ihren Sommerferienjob nur mit Kopftuch ausüben wollte, und beteuert sein "Eintreten für Vielfalt."
    Diese absolut unwürdige Unterwerfung unter die reaktionären Bestrebungen und Ansprüche der grund- und menschenrechtswidrigen islamischen Weltanschauungsgemeinschaft (der "Rechtgläubigen") hätte eigentlich einen Edeka-Boykott oder zumindest Protestaktionen verdient.

    Anmerkung atheisten-info: Im Artikel 3 des deutschen  Grundgesetzes heißt es: "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden."
    Was wäre dann, wenn eine Firma einfach jede Art von Kopfbedeckung während der Arbeit untersagt? Dann darf z.B. ein Rechtsextremist keinen Stahlhelm tragen, ein Tiroler keinen Tirolerhut und eine Muslimin kein Kopftuch, alle würden gemäß Grundgesetz gleich behandelt! Oder noch einfacher: Das Tragen von politischen, weltanschaulichen und religiösen Kennzeichen untersagen, wieder würden alle gleichbehandelt, kein Christ dürfte sich ein Kreuz um den Hals hängen, kein Kommunist Hammer&Sichel anstecken, kein Muslim Kopftuch oder Fez tragen!

     

    Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

     




    Christlicher Humanismus?

    BeneAus gegebenem Anlass – da die Diskussion nicht abreißen will – stelle ich diesen Artikel vom 1. Januar 2012 noch einmal ein. Manche Passage würde ich zwar heute etwas differenzierter formulieren, doch im Kernpunkt sehe ich keinen Anlass zu grossen Veränderungen.

    Vorangestellt sei ein kurzes Exzerpt aus Wikipedia, in dem eine wohl gültige Definition des Humanismus als Weltanschauung gegeben wird:

    Humanismus ist eineWeltanschauung, die auf die abendländische Philosophie der Antike zurückgreift und sich an den Interessen, denWerten und der Würde des einzelnen Menschen orientiert. Toleranz, Gewaltfreiheit und Gewissensfreiheit gelten als wichtige humanistische Prinzipien menschlichen Zusammenlebens. Die eigentlichen Fragen des Humanismus sind aber: „Was ist der Mensch? Was ist sein wahres Wesen? Wie kann der Mensch dem Menschen ein Mensch sein?“ Humanismus bezeichnet die Gesamtheit der Ideen von Menschlichkeit und des Strebens danach, das menschliche Dasein zu verbessern. Der Begriff leitet sich ab von den lateinischen Begriffen humanus (menschlich) und humanitas (Menschlichkeit). Der Humanismus beruht auf folgenden Grundüberzeugungen:

    1. Das Glück und Wohlergehen des einzelnen Menschen und der Gesellschaft bilden den höchsten Wert, an dem sich jedes Handeln orientieren soll.
    2. DieWürde des Menschen, seine Persönlichkeit und sein Leben müssen respektiert werden.
    3. Der Mensch hat die Fähigkeit, sich zu bilden und weiterzuentwickeln.
    4. Die schöpferischen Kräfte des Menschen sollen sich entfalten können.
    5. Die menschliche Gesellschaft soll in einer fortschreitenden Höherentwicklung die Würde undFreiheit des einzelnen Menschen gewährleisten.

    Die Humanität ist die praktische Umsetzung der Ideen des Humanismus. Dazu gehören die Güte, die Freundlichkeit und das Mitgefühl für die Schwächen der Menschen, seiner selbst inne und mächtig zu werden und sich im Mitmenschen selbst wiederzufinden.

    Diese Definition ist durchaus tauglich, wenn es darum geht, den Idealzustand menschlichen und zwischenmenschlichen Verhaltens gewisser Maßen statisch zu skizzieren. Diese Definition ist untauglich, da sie es versäumt, Aussagen darüber zu machen, woher diese Verhaltensweisen kommen (generiert oder oktroyiert) und in welche Richtung sie sich entwickeln sollten. „Fortschreitende Höherentwicklung“ ist zu schwammig, um in irgendeiner Weise dienlich zu sein.

    Eine solch unvollkommene und geradezu schwammige Beschreibung des Wesens des Humanismus birgt die Gefahr, dass sich praktische jede beliebige andersgeartete Weltanschauung seiner bedienen kann. So wird dieser schöne, doch richtig „menschlich“ klingende Begriff recht bald Opfer von Religionen und Ideologien. Schon der antike Ausgangspunkt bei Platon war nicht sonderlich pragmatisch angelegt. In der politeia lehnt Platon Privateigentum ab (später in den nomoi leicht revidiert), was fast Anklänge an urkommunistische Vorstellungen erlaubt. Doch mit einem wesentlichen Grundrecht, dem auf freie Selbstbestimmung, hapert es bei Platon. Die Demokratie verdammt er als „Vorstufe zur Tyrannei“. Dies wird Jahrhunderte später vom großen „Aufklärer“ der andalusisch-islamischen Welt, Ibn Rushd (Averroës), aufgegriffen in seiner Interpretation der politeia. Damit desavouiert selbst der Vater der duplex veritas auch einen islamischen Humanismus, falls so etwas angesichts des „ewigen“ Koran überhaupt möglich ist, in den Bereich der Schimären.

    Mit diesen beiden Beispielen möchte ich nur kurz andeuten, was folgerichtig in dem Augenblick offensichtlich mit Notwendigkeit passieren muss, wenn sich Ideologien oder Religionen des Begriffs bemächtigen. Jeder kann sich anhand des längeren Wikipedia-Eintrags selber ein Bild davon machen.

    Im Zentrum des Humanismus steht eindeutig der Mensch in seinem Umfeld mit allen seinen zwischenmenschlichen Beziehungen. Das impliziert stringent seine Selbstbestimmung in allen das Leben betreffenden Fragen, die nur dort ihre Begrenzung findet, wo Rechte des Mitmenschen berührt sein könnten. Jedes Aufpropfen einer Fremdbestimmung des Menschen durch Ideologien oder Religionen zerstört bereits im Ansatz das Wesen des Humanismus. Der Mensch verliert dergestalt die Mitte, er wird an die Seite geschoben, um anderen Prinzipien den Vorrang einzuräumen.

    Den Humanismus wie wir ihn heute verstehen gibt es erst seit der Aufklärung, also ab dem Augenblick, als man sich den Menschen als Individuum mit einklagbaren Rechten vorzustellen begann. Die Bill of Rights, die amerikanische Verfassung und die diversen Menschenrechtserklärungen sind die Eckpunkte, an denen sich unsere heutige Auffassung festmachen lässt. Betrachten wir also die Okkupanten des Humanismus, so müssen diese sich daran messen lassen, inwieweit sie den drei beispielhaft genannten Erklärungen zustimmen oder nicht. Weder die Organisation islamischer Staaten (OIC) noch der Vatikan erkennen die Menschenrechte an. Ihr Vorbehalt ist praktisch identisch formuliert, dass sie nämlich nicht menschliches Recht über das durch ihre Schamanen interpretiertes fiktives Recht eines Gottes stellen wollen. Fremdbestimmung pur – keine Spur einer Anerkennung des Humanismus. Bezeichnend ist auch, dass bei der UN-Abstimmung von 1948 die damaligen kommunistischen Staaten mit Nein gestimmt haben. Ihr Gott: eine ebenso menschenverachtende Ideologie wie sie von den Religionen Islam und Christentum repräsentiert werden. Wäre das nationalsozialistische Deutschland Mitglied der UN gewesen, kann man wohl von einer ebensolchen Ablehnung ausgehen.

    Bevor ich mich der im Titel genannten contradictio in adiecto zuwende sei mir ein kurzer Blick auf die „moderne“ islamische Philosophie erlaubt, zumal ich darauf bereits in meinem Aufsatz  الديمقراطية والا الاسلام (http://www.wissenbloggt.de/?p=375) eingegangen bin.

    Der tunesisch-französische Autor Abdelwahab Meddeb hält den islamischen Humanismus, der mit bedeutenden Ärzten, Gelehrten und Philosophen auf eine lange Tradition zurückblicken kann, durch den «Islamismus» für bedroht:

    „Die Keime des Islamismus […] sind bereits im koranischen Text vorhanden. Die Dinge wären sehr viel einfacher, wenn es nicht diese islamistische Lektüre des Korans gäbe. Die Islamisten wollen aus ihrer Lesart die einzig richtige machen, dabei ist es ja gerade die Eigenart von Texten, unendlich viele Interpretationen zu ermöglichen […] Das enorme Problem des Islam besteht gerade darin, dass der Islamismus versucht, seine Botschaft in alle Richtungen zu verbreiten. Der offizielle Islam, der eine Art letzter Metamorphose des traditionellen Islam ist, wird heute zunehmend von islamistischem Gedankengut durchsetzt und vergiftet.“

    Auch dieser Ansatz führt in die Irre, und zwar aus zwei einleuchtenden Gründen. Auch Meddeb bezweifelt nicht die Stellung eines Gottes als oberster Legislator und des weiteren folgt er der auch in Europa stark verbreiteten Meinung, es gäbe einen Unterschied zwischen Islam und Islamismus (oder auch: politischer Islam). Das sind problematische Ansätze. Solange wir keinen fest etablierten Euro-Islam im Sinne eines Bassam Tibi konstatieren können oder ausreichende Anhängerschaften eines liberalen Islam im Sinne einer Seyran Ates, bleibt jedes philosophische Bemühen eines Herrn Meddeb Makulatur. Die Schmähung des Humanismus durch Einverleibung in eine menschenfeindliche Religion kann dabei mit höchstem Wohlwollen nur als „window dressing“ unter Ausnutzung eines offenbar beliebten, aber missverstandenen Begriffs interpretiert werden.

    Dass auch die Christen nicht faul bei der Okkupation religionsfremder Begriffe sind beweist einmal mehr Herr Ratzinger  (nach einem Artikel des Hamburger Abendblatts): Papst Benedikt XVI. hat zum Jahresende zu einem neuen christlichen Humanismus aufgerufen. Ein solcher Humanismus müsse in der Lage sein, Kultur und soziales Engagement aus christlichem Geist hervorzubringen, sagte er am Sonnabend in einem Silvestergottesdienst im Petersdom. Das setze eine Neubelebung christlichen Lebens und einen vertieften Dialog mit der modernen Kultur voraus. Es gelte, die „Schönheit und Aktualität des Glaubens“ wiederzuentdecken, betonte Benedikt XVI vor mehreren tausend Zuhörern. Der Glaube dürfe kein „isolierter Akt“ bleiben, der nur „einige Momente“ des Lebens betreffe. Er müsse den gesamten Alltag prägen und eine „beständige Orientierung“ darstellen, die den Menschen „gerecht, wirksam, wohlwollend und gut macht“.

    Zwei Gesichtspunkte sind dabei bemerkenswert. In seiner Verblendung und seiner Machtgier kann sich Herr Ratzinger überhaupt nicht vorstellen, dass Menschen auch ohne göttliche „Orientierung“ gerecht, wohlwollend und gut sein können. Empathie als evolutionär entwickelte Eigenschaft widerspricht trotz der vorliegenden Tatsachen eindeutig seinem Universalanspruch auf „Nächstenliebe“.

    Der zweite wichtige Punkt findet sich in der Formulierung „neuer christlicher Humanismus“. Er möchte also anknüpfen an etwas, was mit der Aufklärung „verloren“ wurde, der „klassische“ christliche Humanismus. Dabei ist es so leicht – auch abgesehen von der generellen Unvereinbarkeit von Religion und Humanismus – auch diese Referenz ad absurdum zu führen. Als so genannte „christliche“ Humanisten werden immer wieder Francesco Petrarca und Erasmus von Rotterdam genannt. Man möchte dabei von christlicher Seite gern übersehen, wie sich diese beiden Herren zu den Grundüberzeugungen Herrn Ratzingers geäussert haben.

    Erasmus von Rotterdam: „Um jedoch nicht weiter auf diese endlosen Einzelheiten' einzugehen, will ich euch in aller Kürze dartun, dass die ganze christliche Religion eine gewisse Verwandtschaft mit der Torheit hat und zu der Weisheit in gar keiner Beziehung steht." (Referenz : http://hpd.de/node/2349).

    Francesco Petrarca: „Es ist üblich und alter Brauch, Erzählungen, die zum größten Teil erlogen und erdichtet sind, mit dem Mäntelchen der Religion und der Heiligkeit zu umkleiden, auf dass den menschlichen Betrug die Vorstellung von einer Gottheit decke." (Referenz: http://hpd.de/node/2410).

    Sind den Apologeten eines «christlichen» Humanismus diese Zitate nicht bekannt, oder werden sie aus Böswilligkeit nicht berücksichtigt ?

    Lug und Trug ziehen sich durch die Geschichte der Religionen, und es ist dringlich – heute offenbar mehr denn je –  an der Zeit, solchem Treiben Einhalt durch Aufklärung zu gebieten.

     

     

     

     




    Wie die Franken den Friesen den „wahren“ Glauben bringen

    Radbods SchwertWEIMAR. (fgw) Lothar Englert hat jetzt im Gmeiner-Verlag mit „Radbods Schwert“ den ersten Band einer Friesland-Trilogie, die um das Jahr 700 herum angesiedelt ist, veröffentlicht. Und schon der Klappentext läßt – ob seiner Deutlichkeit – aufhorchen.

     

    »Die Franken wollen Friesland den wahren Glauben bringen, die Botschaft ihres gekreuzigten Gottes, aber in Wahrheit wollen sie erobern – die Friesen unterwerfen«, heißt es darin.

     

    Im Prolog – überschrieben mit „Der Königsreim" – wird der Autor noch deutlicher, indem er seinen Helden, den Friesen-König Radbod, an dessen Lebensende Bilanz ziehen läßt. Deutlich bzw. deutlicher, weil Englert hier mit der ach so wundersamen Bekehrungsgeschichte der vorgeblich nächsten- und sogar feindesliebenden christlichen Religion und deren Priester aufräumt. Damit stellt er auf seine (literarische) Weise kolportierte Kirchengeschichte und -propaganda vom Kopf auf die Füße. Und unterscheidet sich damit wohltuend von der ahistorischen „vorherrschenden Meinung" hierzulande. Radbod sinniert schreibt u.a.:

     

    »Die Christenpriester pflegen die Lüge als Teil ihres Lebens, nutzen die Unwahrheit als Waffe, und sie lügen, wenn sie behaupten, die maßlose Kraft ihres Gottes habe uns bezwungen. Tatsächlich waren es unerschöpfliche Reserven der Franken an Kriegern, Pferden und Waffen.« (S. 7)

     

    Englert hat seinen Roman, wohl in Anlehnung an mittelalterliche Texte, neben dem bereits erwähnten „Königsreim" und dem daran anschließenden „Vorgesang" in 35 Kapitel, bei ihm „Verse" genannt, gegliedert; zwischen diese sind diverse „Kleine Oden" eingeschoben.

     

     

    Ein fiktionaler Roman ist keine Dokumentation

    Anzumerken ist aber unbedingt, daß aus dieser Zeit kaum schriftliche Zeugnisse, erst recht keine objektiven, vorliegen. Deshalb darf Englerts Roman auch keinesfalls als dokumentarisch angesehen werden. Es ist eben Fiktion, die der Phantasie eines begnadeten Geschichtenerzählers entsprungen ist. Allerdings vor dem Hintergrund der historisch realen „Missionierung" Frieslands, die sich aber kaum von den nachfolgenden „Christianierungen" germanischer, westslawischer oder baltischer Völkerschaften unterscheiden dürfte…

     

    Was Englert jedoch zu den Lebensverhältnissen der Friesen, egal ob Bauern oder Fürsten, schreibt, über Alltägliches und Familiäres, über Bündnisse z.B. mit Sachsen und Dänen, über Landwirtschaft und Handel oder über die Art und Weise der Kriegsführung – illustriert in diversen Schlachtszenen, das dürfte aber dennoch annähernd den damaligen Verhältnissen und Umständen nahekommen. Zumal er der Friesen keinesfalls idealisiert. Auch bei ihnen gab es Herrn und Knechte, gab es Raubzüge einschließlich der Versklavungen von Menschen überfallener Siedlungen.

     

    Auch fanden die Kriegszüge nicht – wie in frommen Legenden behauptet – bei bestem „Kaiserwetter" und in strahlenden Rüstungen statt, sondern zumeist unter primitivsten Umständen. Nebenbei wird deutlich, wie stark seinerzeit die Heere wirklich waren. Selten – nach heutigen Maßstäben – mehr als bataillonsstark; eher sogar noch geringer. Selbst die überlegenen Franken konnten selten mehr als in Regimentsstärke mobilisieren. Auch darin kann man den Rückschritt des Mittelalters gegenüber der römischen Antike erkennen. Das kaiserliche Rom konnte jederzeit mehrere Legionen – also divisionsstarke Verbände – in Marsch setzen.

     

    Doch auf die familiären Lebensumstände Radbods und die einzelnen Feldzüge, allein oder im Bündnis mit den – „unsicheren Kantonisten" – Sachsen und Dänen, soll hier nicht weiter eingegangen werden. Das alles ist sehr gut, also durchaus glaubhaft, erzählt und dazu noch spannend zu lesen.

     

    Neugierig machend sind hier, das soll jedoch unbedingt angedeutet werden, zwei Ereignisse bzw. Personen. Zum einen konnte Franken-Herrscher Pippin Radbod gefangen nehmen, ließ ihn aber nicht hinrichten, sondern später sogar ehrenvoll entlassen. Und dann ist da zum anderen Ragnög bzw. Rassara, eine geheimnisvolle, rätselhafte Händlerin aus fernen Lande an der Donau. Ihr begegnet Radbod immer wieder. Sie dürfte in den Folgebänden sicher noch bedeutsame Rolle spielen.

     

     

    Dezidierte Religions- und Kirchenkritik

    Gerade wegen der doch überaus deutlichen Religions- und Kirchenkritik in diesem Roman soll eben die im Mittelpunkt seiner Besprechung stehen. Dafür machen sich aber einige ausführliche Zitate notwendig, die eigentlich keiner weiteren Kommentierung bedürfen.

     

    Auf S. 17 heißt es über die christlichen Franken: »Sie wollten die friesischen Herzen für ihren mit Dornen gekrönten Gott gewinnen, der angeblich ein Gott der Liebe war. Natürlich war das eine Lüge, noch dazu eine plumpe. Was sie wollten, war friesisches Land. Mit ihrer offenen Brutalität erwiesen sie ihrem Gott einen schlechten Dienst, und das begriff Radbod nicht.« (S. 17) – Friesisches Land – später könnte man dafür schreiben „Land und Ressourcen" der sogenannten Neuen Welt, Afrikas, Asiens… Zurück zu Radbods Zeit: »Die Franken drängten von Süden. Sie räuberten, plünderten und versteckten sich dabei hinter einem Kreuz, an dem ein Angenagelter hing, den sie anbeteten.« (S. 28) – Und genau so gingen und gehen christlich-weiße Eroberer bis in die Gegenwart vor…

     

    Wie nun gingen die Franken seinerzeit vor? Englert kleidet das so in Worte:

     

    »Radbod hatte Meldungen über christliche Priester erhalten, sogenannte Mönche. (…) Man hatte erlebt, wie es abgelaufen war, wo man derlei zugelassen hatte. Zuerst waren diese sogenannten heiligen Männer gekommen. Dann die mit dem Schwert. (…) Auch war die Lehre unehrlich, und das war das Entscheidende, alle Lieder und Sagen über Wohltaten und Güte des Angenagelten dienten doch nur einem Zweck. Sie sollten der fränkischen Herrschaft den Boden bereiten.« (S. 57 – 58)

     

    Der mit Radbod verbündete Sachsen-König sowie Radbods Vasall Grudd bringen ihre eigenen Erfahrungen mit den Christen Radbod gegenüber so zum Ausdruck:

     

    »„Dreister Landraub." – „Sie haben ein Wort dafür, Herr, es heißt missionieren." (…) Die Franken hatten ihre Kriegsführung geändert. Sie verjagten einheimisches Volk und setzten eigene Leute auf die Höfe. (…) – „Sie lassen nur dort, wer sich zu ihrem Glauben bekennt. Und wer sich weigert, den töten sie. (…) Und wer bleiben darf, dem wird erlaubt, als Sklave zu arbeiten. Den Hof übernimmt ein Franke. (…) – „Ich glaube, Herr, die Sache mit dem Glauben ist nur ein Vorwand. Sie wollen nicht nur unser Land, sie wollen es ohne Menschen. Die bringen sie nämlich mit."« (S. 87 – 90) – Noch deutlicher wird das ab etwa 800 Jahre später im Gefolge der sogenannten Entdeckungsfahrten des Kolumbus, des Cortes, des Pizarro oder der sogenannten Pilgerväter…

     

    In seiner kurzen fränkischen Gefangenschaft und nach der Eroberung einer fränkischen Siedlung im Friesenland macht Radbod seine eigenen Erfahrungen mit den christlichen Priestern bzw. Mönchen:

     

    »Den einen erkannte er als christlichen Priester in der üblichen Kleidung, ein junger Mann noch, feist und rotwangig. Am dicken Hals das Zauberzeichen der Christen, ein silbernes Kreuz. Selbst dieser Mann war bewaffnet…« (S. 243)

     

    »…und wo Kirchen waren, fand man auch Priester. Sie mußten sich während der Kämpfe gut verborgen gehalten haben, auch während der Plünderungen, als die Menschen in der Stadt ihren Beistand besonders nötig gebraucht hätten. (…) Der Mönch kam jetzt auf die Füße und zerrte an seinem Kreuz. „Du siehst ein, Radbod, mir gebührt die Führung dieser Stadt, mir allein!" Es war einer der Augenblicke, in denen dem König wieder bewußt wurde, warum er christliche Priester haßte. Sie erhoben sich auf ungebührliche Weise über das Volk, forderten für sich stets das Beste, fehlten aber, wenn es galt zu trösten und zu dienen.« (S. 204 – 205) – Auch wenn sich die konkreten Formen geändert haben, so gilt das im Grundsatz in der „Kirchenrepublik" Deutschland noch heute…

     

    An Beispielen wird dann gezeigt, wie sich die Mönche, der Bischof dieser Stadt selbst bereichert hatten und mit welcher Anmaßung sie gegenüber den Menschen und selbst dem siegreichen König gegenüber auftreten. Wie heißt es doch schön? „Sie predigen Wasser und saufen heimlich wein!" Aber es geht diesen Kuttenträgern nicht nur um Bereicherung, sondern mehr noch um die schrankenlose Herrschaft über Mensch, Gesellschaft und Staat. Das zeigt Lothar Englert in seinem Mittelalter-Roman schonungslos auf. Sicherlich nicht zur Freude der Leitmedien…

     

    Und nun darf man mit besonderer Spannung hoffen, daß die Fortsetzungen nicht allzulang auf sich warten lassen.

     

     

    Siegfried R. Krebs

     

     

    Lothar Englert: Radbods Schwert. Historischer Roman. 408 S. Klappenbroschur. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2020. 15,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2558-5

     

     
    11.06.2020

    Von: Siegfried R. Krebs
     

     




    Vrône Lîcham

    Ich werde mir sicherlich nicht die Mühe machen, aufwändige Recherchen zu einem überflüssigen Fest zu unternehmen, von dem selbst kaum noch ein Katholik weiß, worum es wirklich geht. Die meisten lässt es eh kalt und die wenigen, die es noch begreifen und mitmachen, verhelfen einmal mehr dazu, katholischen Pomp penetrant in die Öffentlichkeit zu tragen. Die klug gewählte Jahreszeit und der geschickt ausgesuchte Wochentag für das Brimborium (neudeutsch: event) bringen allerdings stressgeplagten Arbeitnehmern unter Einschluss des „Brückentags“ einen willkommenen Kurzurlaub bei meist gutem Sommerwetter. Während sich die Beinharten mit den Monstranzen abschleppen und mit den prunkvollen Baldachinen aus 1001 Nacht, liegen sie genüsslich in den Isarauen, sitzen in den Biergärten und lassen den „lieben Gott“ einen guten Mann sein. Da es ja auch googlefaule und weniger exzellent mit katholischen Interna vertraute Humanisten geben soll, sei hier auf die Wikipedia verwiesen, die wenigstens einige der notwendigen Fakten liefert. Ein Dankeschön an Juliana von Lüttich für diesen Tag, den ich sicherlich irgendwo in einer gemütlichen Restauration mit Handkäs und Musik und einem Bempel Äppelwoi an den Ufern des Mains verbringen werde.

    Wikipedia: Das Fronleichnamsfest ist ein Hochfest im Kirchenjahr der katholischen Kirche, mit dem die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird. Die Bezeichnung Fronleichnam leitet sich vom mittelhochdeutschen vrône lîcham „des Herren Leib“, ab (vrôn „was den geistlichen oder weltlichen Herrn betrifft“ und lîcham „der Leib“). In der Liturgie heißt das Fest „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, regional wird es auch „Prangertag“ oder „Blutstag“ genannt. Im Englischen und in anderen Sprachen trägt das Hochfest den Namen „Corpus Christi“.

    Fronleichnam wird am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest begangen (am 60. Tag nach dem Ostersonntag) und fällt somit frühestens auf den 21. Mai und spätestens auf den 24. Juni. Der Donnerstag als Festtermin steht in enger Verbindung zum Gründonnerstag und der damit verbundenen Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus selbst. Wegen des stillen Charakters der Karwoche erlaubt der Gründonnerstag keine prunkvolle Entfaltung der Festlichkeit. Aus diesem Grund wurde das Fest Fronleichnam bei seiner Einführung auf den Donnerstag der zweiten Woche nach Pfingsten gelegt. In Ländern, in denen Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag ist, kann das Hochfest auch am darauffolgenden Sonntag gefeiert werden.

    Das Fest der leiblichen Gegenwart Christi im Altarssakrament wurde erstmals 1246 im Bistum Lüttich gefeiert und 1264 von Papst Urban IV. durch die Bulle Transiturus de hoc mundo zum Fest der Gesamtkirche erhoben. Unter anderem schrieb Urban IV.: „Wir haben es daher, um den wahren Glauben zu stärken und zu erhöhen, für recht und billig gehalten, zu verordnen, dass außer dem täglichen Andenken, das die Kirche diesem heiligen Sakrament bezeigt, alle Jahre auf einen gewissen Tag noch ein besonderes Fest, nämlich auf den fünften Wochentag nach der Pfingstoktav, gefeiert werde, an welchem Tag das fromme Volk sich beeifern wird, in großer Menge in unsere Kirchen zu eilen, wo von den Geistlichen und Laien voll heiliger Freude Lobgesänge erschallen.“

    Das vierte Laterankonzil hatte 1215 die Wandlung der eucharistischen Gestalten mit der Transsubstantiationslehre präzisiert und zum Dogma erhoben. Katholiken glauben, dass in der Heiligen Messe die eucharistischen Gestalten durch die Wandlung wahrhaft zum Leib und Blut Christi werden und Christus darin gegenwärtig ist und bleibt.

    Die Anregung zu dem Fest soll auf eine Vision der heiliggesprochenen Augustiner-Chorfrau Juliana von Lüttich im Jahre 1209 zurückgehen. Diese berichtete, sie habe in einer Vision den Mond gesehen, der an einer Stelle verdunkelt war. Christus habe ihr erklärt, dass der Mond das Kirchenjahr bedeute, der dunkle Fleck das Fehlen eines Festes des Altarssakraments. Aus der Einführungsbulle Transiturus hoc mundo geht aber auch hervor, dass Papst Urban IV. als primären Einführungsgrund des Festes den siegreichen Triumph über die Ketzerei favorisierte, die die Transsubstantiation geleugnet hatte.

    Für das Fest entstand ein eigenes Mess-Proprium und Stundengebet, für das Thomas von Aquin als Autor gilt, ebenso wie für die Hymnen, die den Charakter des Fests entscheidend geprägt haben: Panis angelicus, Pange lingua, Adoro te devote, Verbum supernum prodiens und die Sequenz Lauda Sion.

    Die erste Fronleichnamsprozession in Bayern fand 1273 in Benediktbeuern statt. Mit einer Sakramentsprozession wurde das Fest erstmals 1279 in Köln begangen. Ihren Höhepunkt an festlicher Gestaltung erreichte die Fronleichnamsprozession im 17. und 18. Jahrhundert. In München zog die Prozession zwischen den Stadtmauern hin, und die vier Evangelien wurden an den vier Stadttoren Schwabinger Tor, Isartor, Sendlinger Tor und Karlstor verlesen.

     




    Religion in der Corona-Krise…

    Woman hands praying for blessing from god on sunset background

    Woman hands praying for blessing from god on sunset background

    …und überhaupt

    Den obigen Titel trug ein Kurzbericht in der ORF-Sendung Religion aktuell vom 8.6.2020:

    "Religiöse Menschen bewerten die Arbeit der Bundesregierung in der Corona-Krise positiver und haben mehr Vertrauen in politische Institutionen als nichtreligiöse. Das zeigt die Auswertung einer repräsentativen Online-Corona-Studie der Universität Wien. Religiöse Menschen sind auch eher bereit, höhere Steuern zu bezahlen, um die Krise zu bewältigen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen lehnen sie jedoch ab."

    Im Uni-Bericht von Wolfgang Aschauer, Franz Höllinger und Claudia Herbst sind allerdings ein paar interessante Details zu finden, so heißt es dort z.B.: "Obwohl die Religion für viele Menschen weiterhin einen wichtigen Lebensinhalt darstellt, kann in Österreich schon seit längerer Zeit eine gewisse Enttabuisierung von Kirchenaustritten sowie ein Anstieg der Konfessionslosigkeit beobachtet werden. Bis auf den jährlichen Kirchenbesuch zu Weihnachten spielt die Religion für große Teile der christlichen Bevölkerung in Österreich lediglich eine untergeordnete Rolle."

    Es ist lustig, wie höflich das im Kirchensinne formuliert ist, zuerst wird Religion als wichtiger Lebensinhalt benannt und im nächsten Satz spielt dieser wichtige Lebensinhalt nur noch eine untergeordnete Rolle. Schön formuliert ist auch, dass "schon seit längerer Zeit eine gewisse Enttabuisierung von Kirchenaustritten" beobachtet werden kann. Meinemeinen hat man seinerzeit in den Sechzigern den Kirchenaustritt manchmal noch vorgehalten und hinter meinem Rücken hat man wohl mit dem Verdammnisfinger auf mich gezeigt, von meinen konfessionslos geborenen und so gebliebenen und inzwischen über 40 Jahre alten Söhne hatte nur einer wegen seiner Konfessionslosigkeit und nur einmal in der Berufsausbildung Schwierigkeiten, das natürlich mit einem übereifrigen katholischen Arschloch. Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit wurde in Österreich 1867 eingeführt, zu einem allgemein weitgehend anerkannten und dann auch weitgehend akzeptierten Menschenrecht wurde es erst im 21. Jahrhundert! Kirchenaustritte sind kein Teufelswerk mehr.

    Im angeführten Uni-Bericht gibt's dazu auch Illustrationen:

    Hier sieht man die rasanten Veränderungen in der Gegenwart, innerhalb der letzten vier Jahren gab's ein 21%iges Minus bei der Religionswichtigkeit! Was wohl daran liegt, dass heutzutage immer mehr Leute bei solchen Fragen keinen Bedarf zum Lügen mehr sehen, denn schließlich sind z.B. die sonntäglichen Kirchgeher von 2016 bis 2020 nicht um 21 % zurückgegangen und die Kirchenmitgliederzahl sank in diesen vier Jahren auch nur um knapp 4 %, da sind also in Sachen Religionswichtigkeit (bzw. Unwichtigkeit) noch größere Austrittswellen zu erwarten.


    Diese Graphik widerspricht der obigen, hier haben wohl mehr Leute gelogen, weil wenn für 68 % die Religion unwichtig ist, dann werden doch wohl mehr als 41 % nicht beten! Auch die 12%-Täglichbeter sind etwas viel, 2018 (neuere diesbezügliche Zahlen gibt's noch nicht) gingen sonntags etwas über zehn Prozent in die Kirche, da werden ja dann wohl nicht 15 % täglich und 26 % öfters beten…

     




    Monster al dente zum Piratendankfest

    Wie in jeder Weltreligion ist es auch bei uns Brauch, das Jahr nach seinen Feiertagen einzuteilen.

    Natürlich nicht so strittig, wie es beim Kirchenjahr der Fall ist. 

    Für uns ist das Jahr ein Kreis der, egal wenn man beginnt ihn zu beschreiten, immer gleich lang und auch sonst immer gleich bleibt. 

    Deshalb kann jeder das Pastafarijahr legen, wie er möchte. Ein klarer Vorteil für unsere Religion.

    Allerdings haben wir auch einen klaren Nachteil. Wir haben für unsere Feiertage nicht so schöne Musik wie andere. Noch, denn das soll sich jetzt ändern. 

    Auf facebook haben wir bereits dazu aufgerufen, Pastafarilieder zu komponieren, möglichst im Format 24bit/ 44,1-wav aufzunehmen und uns für eine geplante CD "Wir singen dem Monster ein Lied" gemafrei zur Verfügung zu stellen. Die soll, wenn ihr mitmacht und Lieder schickt, zum Kirchentag in Hamburg vorgestellt werden. Natürlich mit Nudelmesse und, wenn alles klappt, mit anschließender Party mit Liveband.

    Die ersten drei Lieder sind schon im Kasten.  Einmal die "Acht Am Liebsten Wäre Mirs" als Sprechgesang, "Pastat, Pastat" als feierliches Orgelwerk und
    "Jubelt, Jubelt" als a Capella. Genau so bunt wie wir angefangen haben, soll es weiter gehen. Von Rock bis Klassisch, von Big Band bis Liedermacher, alles ist möglich und Vielfalt nur gut.

    Texte stellen wir gern zu Verfügung, auch nach eurer thematischen Vorgabe. Im Moment ist gerade für eine Band ein Kinderlied in Arbeit. Auch das ist möglich, obwohl natürlich das Hauptaugenmerk auf den Feiertagen liegt. Aber unter unserem Dauerfeiertag, dem Freitag, lässt sich ja allerhand unterbringen. 😉

    Bereits zugesagt hat auch ein ausgebildeter Komponist. Der hat allerdings nicht die Möglichkeit, sein Werk einzuspielen. Wenn sich eine Band also das Komponieren sparen möchte, wir führen euch gern zusammen. Vorgenommen hat er sich "Ein bissfest Burg ist unser Gott". Ich bin schon sehr gespannt, wie das verarbeitet wird. Ist nicht so leicht. Einerseits soll die alte Kirchenmeldodie noch erkennbar sein, anderseits aber auch für Piraten singbar gemacht werden.

    Auch wenn es uns in erster Linie um Aufnahmen für die CD geht, wissen wir doch, nicht jeder der gern singt und spielt, hat auch Aufnahmemöglichkeiten, die eine gute CD Qualität gewährleisten.

    Lasst euch nicht davon abhalten, trotzdem etwas zu machen. Es geht ja nicht in erster Linie um die CD, sondern darum zu zeigen, wie Pastafari ihre Feste besingen und so Deutschland kulturell bereichern. Nehmt euch auf, ladet eure Videos auf youtube oder sonst wo hin, schickt uns die Links, wir helfen, sie hier zu verbreiten.

    Wer mitmachen möchte, Fragen oder gar schon was im Kasten hat, der Kontakt läuft wie immer auf facebook über Bruder Spaghettus oder per Mail über spaghettus{et}freenet(punkt)de.

    Wenn es um musikalische Fragen oder Aufnahmetechnik geht, könnt ich euch auch gleich an Bruder Senza Salsa wenden, der das Mastering der CD übernommen hat. 

    Hier eine Übersicht über die Feiertage:

    Passtahfest (Ostern)

    Piratendankfest (Pfingsten)

    Ramendan (Ramadan) 

    Halloween 

    Talk like a pirate day (19.September)

    Pastat 

    Lichterfest, Feiertage, Weinachten

    Jeder Freitag

    Wem das alles nichts ist, der kann auch gern was für Zwischen den Jahren machen. 

    Wir sind schon sehr gespannt, was ihr uns schickt und freuen uns drauf.

    Geld für die Pressung haben wir schon zusammen. Mit finanziellem Erfolg rechnen wir nicht, aber mit kulturellem:).

    Sollte es doch einen geringen geben, kommt der dem KdFSM Deutschland e.V. zu Gute. 

    Ansonsten bleiben natürlich, vielleicht nicht unwichtig noch zu erwähnen, alle Rechte für eure Songs bei euch. 

    Möge das Projekt gelingen.

    Quelle: http://fsm-uckermark.blogspot.com/

     

    Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

     

    Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

     




    Erster Schawwal – Ende der Tortur

    islam-1299211_1280Nach gregorianischem Kalender am 24. Mai 2020 stellt sich die islamische Welt wieder vom Kopf auf die Füße: Der Ramadan kommt mit einem Fest namens Aïd el fitr – in deutschsprachigen Gegenden auch Zuckerfest genannt – zu seinem Ende. Dann liegen dreißig entbehrungsreiche Tage hinter den Moslems, soweit sie der Pflicht zum Ramadan nachgekommen sind, was mitnichten durchgängig der Fall ist. Nach Befragungen durch fowid nehmen in Deutschland allenfalls 50% der Moslems die Mühsal der täglichen Tortur auf sich. Das wird auch von islam.de bestätigt. Wer übrigens glaubt, dass das in so genannten „islamischen“ Ländern (mit Ausnahme der Hardliner-Staaten) völlig anders aussähe, täuscht sich über die wachsende Zahl der von mir gern als Kulturmoslems bezeichneten weniger an Religion Interessierten (Bild: OpenClipart-Vectors, pixabay).

    Eines der Sprachrohre des organisierten Islams in Deutschland ist islam.de, eine Website, die darum bemüht ist, die „schönen“ und „edlen“ Seiten des Islams darzustellen. Hauptsprecher der Moslems ist Ex-FDP-Mitglied Aiman Mazyek. Durchaus lesenswert – wenn auch völlig aus der Zeit gefallen und weltfremd – ist seine Einführung in das Wesen des Ramadan http://islam.de/16161.php: „Wie einen guten Freund begrüßen Muslime den Fastenmonat Ramadan. Es ist ein Freund, der zum Innehalten anregt, zum Studium des Korans, zur Betrachtung unserer spirituellen Quellen, unserer religiösen Heimat. Es ist eine Zeit der körperlichen Entbehrung und der geistigen Erneuerung, der inneren Einkehr und der Gemeinschaft. Im Ramadan sind die Moscheen voller als gewöhnlich. Im Ramadan rücken Familien und Freunde enger zusammen, ist die Gemeinschaft der Gläubigen spürbarer als sonst. Das Fasten im Ramadan ist die dritte der fünf Säulen des Islams. Es ist ein vierwöchiger Gottesdienst, währenddessen der Mensch über die Beziehung zu seinem Schöpfer nachdenken kann und soll“.

    Im Ramadan wird zudem an die Mildtätigkeit der Gläubigen appelliert. Der Zaket, eine weitere Säule des Islam, ist eine am 27. Ramadan festgelegte Summe, die jeder Moslem an Bedürftige entrichtet. Entweder man gibt dieses Geld oder auch eine Sachspende in Form von Nahrungsmitteln an einen Imam, der es an die bedürftigen Empfänger weiterleitet, oder man spendet direkt an eine karitative Einrichtung. Nicht selten werden Wohlhabende zu Banketten geladen, zu denen leicht 250 oder mehr Besucher zusammenkommen, die jeweils ein Iftar (das tägliche Essen zum  Fastenbrechen) zu bewusst sehr überhöhten Preisen einnehmen, damit eine stattliche Summe für die entsprechende Einrichtung zusammenkommt. Das sind – wenn man vom religiösen Hintergrund einmal absieht – sehr schöne Veranstaltungen, an denen sich zum Beispiel hier in Tunesien jeweils auch die ausländische Community lebhaft beteiligt. Auch meine Frau und ich haben mehrfach an so etwas teilgenommen.

    Das ideale Bild des „Fastenmonats“ geht auf Mohammed selbst zurück, der angeblich während dieser Zeit seine ersten Begegnungen mit einem „Engel“ namens Gabriel hatte. Von diesem erfuhr er die Worte eines Gottes, den Moslems Allâh nennen. Gebündelt fanden diese Worte sich schließlich im Koran wieder. Erste schriftliche Aufzeichnungen der Visionen des schreibunkundigen Propheten finden sich etwa 40 Jahre nach dessen Tod. Wie viel während dieser Periode mündlicher Überlieferung von den Adepten verändert, umgestellt oder neu hinzugedichtet worden ist, entzieht sich natürlich der detaillierten Kenntnis. Viele der im Koran beobachtbaren Inkonsistenzen lassen sich aber wohl nur durch diesen Transmissionsweg erklären. Entsprechende wissenschaftliche Bemühungen um Klärung werden allerdings von nicht wenigen Moslems argwöhnisch beäugt, selbst wenn die Ergebnisse von der Universität Al Azhar in Kairo stammen, einem Forschungsort, der gemeinhin so etwas wie den Vatikan des Islam darstellt.

    Die genaue Anwendung der Regeln verlangt von gesunden Moslems ab der Pubertät rund 14 bis 15 Stunden täglich (in Deutschland leicht auch 18-19 im Hochsommer) und trotz Temperaturen von über 40° im Schatten die totale Enthaltsamkeit: Essen, Trinken, Rauchen sind verboten – und natürlich auch Sex.

    Weiterhin sind Meditationen und die vorgeschriebenen Gebete, im Ramadan sechs statt der üblichen fünf, einzuhalten. Zudem soll sich der Moslem dazu auch noch aller „unreinen“ oder feindseligen Einstellungen enthalten – soweit sich das überprüfen lässt. Theoretisch ist eine solche genaue Befolgung, wie auch Mazyek andeutet, nur in einer Gesellschaft möglich, die während dieser Zeit Ferien nimmt, oder die sich darauf beschränkt, eine Herde Schafe und Ziegen und allenfalls einige Kamele zu hüten. In der modernen Arbeitswelt, die der muslimische Gott Allâh entweder nicht voraussehen konnte oder wollte, ist dies praktisch unmöglich. Wie sieht also die Praxis aus?

    Von den in Deutschland lebenden Moslems praktiziert nach Angaben von islam.de überhaupt nur in etwa die Hälfte den Ramadan, und auch wohl mehrheitlich (soweit sie im Arbeitsleben stehen) befolgen diese nur den Essens-, Trinkens- und Rauchensteil der Regeln (hier „le jeûne“ genannt), was natürlich bereits für sich allein genommen ungemein schwer fällt.

    Für die geforderte Meditation dürfte am Arbeitsplatz genauso wenig Zeit verbleiben wie für die ordnungsgemäße Verrichtung der Gebete. Man stelle sich zum Beispiel einen Fließbandarbeiter vor, der seinen Arbeitsplatz verlässt, um neben dem Band den Gebetsteppich auszurollen! Oder einen Schullehrer, der den Unterricht unterbricht, um sein Gebet zu verrichten. Das würde die (ohnehin angeschlagene) Akzeptanz von Moslems in der westlichen, ergebnisorientierten Gesellschaft sicherlich nicht befördern. Also wird es unterlassen. Das ist auch hier in Tunesien so. Man mache sich da bitte keine falschen Vorstellungen. Von etlichen weiß ich, dass sie sich zwar am Arbeitsplatz selbst zurückhalten (um dem sozialen Druck zu entgehen), doch sobald sie das Firmengelände verlassen haben, wird die erste Zigarette angesteckt und zu Hause zumindest Wasser getrunken, weil es sonst nur schwer auszuhalten ist.

    Wegen dieser Unmöglichkeiten verkommt der Grundgedanke des Ramadans zur Enttäuschung nicht weniger strenggläubiger Moslems zur bloßen Einhaltung der äußeren Regelstruktur, der eigentliche Inhalt höhlt sich zunehmend aus. Das sehen auch die moslemischen Verbände so, aber mehr als (fordernde) Appelle an die nicht-moslemischen Kollegen, doch bitte Rücksicht auf die Moslems zu nehmen, fällt ihnen dazu nicht ein. Die Mehrheit soll sich nach ihren Vorstellungen der Minderheit anpassen. Das gehört zu einer ganzen Serie stetiger Forderungen von moslemischer Verbandsseite: die Aufnahmegesellschaft soll sich bewegen – man selbst hat dies nicht nötig, weil man sich im Besitz der alleinigen Wahrheit glaubt. Dieses offensichtliche Integrationsproblem wird von vielen Moslems einfach dahingehend gelöst, dass sie entweder den Regeln des Ramadan nicht mehr folgen, oder die Exerzitien am Abend nach der Arbeit nachholen.

    Eine adaptive Lösung der schwierigen Regel, die die Flüssigkeitsaufnahme verbietet, was nicht selten vor allem bei Älteren zu Dehydrationsbeschwerden bis hin zu echten gesundheitlichen Schäden oder gar zum Tod führt, lieferte bereits vor langer Zeit der Gründungspräsident des modernen Tunesiens, Habib Bourguiba, als er im Fernsehen die Frage, ob er den Ramadan befolge, schlicht mit „Nein, ich arbeite“ beantwortete. Ostentativ leerte er ein Glas Wasser nach seiner Antwort. Von den „Rechtgläubigen“ in der islamischen Gesellschaft wird er seither als Apostat bezeichnet. Der Koran verlangt für Menschen wie ihn die Todesstrafe. Die wird aber derzeit nur in den sehr extremen islamischen Ländern wie Saudi-Arabien oder Iran exekutiert.

    Die Reduzierung des Ramadan auf die nur äußere Einhaltung der Fastenregeln unter Auslassung der meditativen Anforderungen gibt einen Hinweis darauf, in welche Richtung sich ein sogenannter moderater Islam entwickeln könnte, nicht etwa durch Selbstreform, dazu erscheint er derzeit unfähig, sondern durch den Druck moderater Moslems, die angesichts der doppelten Anforderungen zwischen Religion und Arbeitswelt praktische Lösungen suchen. So wird auch die Flüssigkeitsaufnahme tagsüber nicht auf ewig das Tabu bleiben können, das es heute vielfach noch ist. So bedienen sich zum Beispiel die 60 Arbeiterinnen, die im Unternehmen meiner Frau arbeiten, nach anfänglichem scheuen Zögern inzwischen wie selbstverständlich an den aufgestellten Automaten, die in der nur schwach klimatisierten Halle gekühltes Wasser anbieten.

    Romdhane MubarakDie Adaptation an modernere Erkenntnisse und Notwendigkeiten, von Christen und Juden kulturell längst umgesetzt, wird auch den Islam nicht ausklammern, wenn er sich dauerhaft in den europäischen Kulturen etablieren will. Einen Anfang zu den erforderlichen Veränderungen hat in Deutschland der inzwischen emeritierte Göttinger Professor Bassam Tibi gemacht, dessen Vorschläge für einen „Euro-Islam“, ausgerichtet an dem von ihm eingeführten Begriff der „Leitkultur“, vieles von dem, was am Islam stört wie etwa die Shari‘ah oder die Rolle der Frauen, als entweder zweitrangig einstufen, oder dessen völlige Abschaffung einfordern. Inzwischen gibt es auch im Netz, oft von Frauen betrieben, säkular-moslemische Seiten, auf denen Angleichungen der strengen Systematik an das moderne Leben gefordert werden. Unter „säkular-moslemisch“ wird generell ein Islam verstanden, der sich den Anforderungen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stellt und die Trennung zwischen Religion und Staat fordert. Man kann solche Bestrebungen nur voll unterstützen, denn genauso wenig, wie es gelingen wird, zum Beispiel den Katholizismus völlig abzuschaffen, wird es möglich sein, etwa den Islam zu verbieten. Also muss er gemeinschaftsverträglicher werden, wie dies ja in Teilen zumindest selbst mit den Kirchen gelungen ist – nicht von heute auf morgen, aber immerhin in überschaubarer Zukunft. In Deutschland wurde gerade ein vielversprechender Ansatz zu einem solchen säkularen Islam mit der Gründung der Ibn Rushd-Goethe-Moschee in Berlin gebildet. Die Protagonisten streben dabei als Integrationsbeitrag einen regen Austausch mit der Gesellschaft an – und zwar nicht nur mit der religiösen, sondern auch mit den humanistischen Teilen. Das ist sehr begrüßenswert und wird von vielen Humanisten unterstützt. 

    Wenn auch nicht gerade in Saudi-Arabien, so doch in den Randländern des Islam wie zum Beispiel in Tunesien, beginnt der innere Widerstand gegen die als unangemessen empfundene Tortur auf weniger intellektuelle Weise. Man beginnt zu erkennen, in welchem Umfang die Volkswirtschaft durch die strikte Einhaltung der Ramadan-Regeln beeinträchtigt wird. Ein vernünftiges, durchgehendes Arbeiten ist häufig gar nicht möglich, wenn man nur noch in miesepetrige und unleidliche Gesichter blickt. Die Auswirkungen von Nährstoffmangel auf das Wohlbefinden und die Denkfähigkeit sind in den fortschrittlicheren Ländern längst wissenschaftlich detailliert erforscht und gut bekannt. Selbst einfacher veranlagte Hijab-Trägerinnen trauen sich inzwischen trotz des enormen sozialen Drucks, bei anstrengenden Arbeiten in der Hitze, die Wasserflasche in Griffweite zu haben. In manchen Belegschaften finden sich die strikten Befolger bereits in der Minderheit. Dies gilt nota bene in Tunesien, mit Einschränkungen auch in Algerien. In Marokko hindert der §222 des Strafgesetzbuches eine Aufweichung der religiösen Vorschriften. Öffentliches Ramadanbrechen untertags wird mit 6 Monaten Gefängnis bestraft. Immerhin existieren bereits an den König gerichtete Initiativen, dieses Gesetz aufzuheben oder abzumildern.

    Ein gesondertes Problem stellt die ständige Übermüdung dar, was sich in einer stark erhöhten Unfallrate auf den Straßen zeigt. Zum Verständnis dieses Phänomens muss man sich den Ablauf einer typischen Nacht im Ramadan vor Augen führen. Abends um ca. 19 oder 20 Uhr ist Iftar, das Ramadanbrechen. Da wird dann wegen des tagsüber erlittenen Mangels gegessen was das Zeug hält (man spricht selbst hier in Tunesien respektlos von „la grande bouffe“ wie der gleichnamige Film: Das große Fressen). Anschließend geht es auf die Straße, um sich mit Freunden und Bekannten in den proppenvollen Cafés zu treffen, was bis ungefähr Mitternacht dauert. Dann ab nach Hause und noch ein paar Süßigkeiten hineingestopft. Spätestens kurz nach 3 Uhr bimmelt der Wecker (in Kairo und anderen großen Städten geht eigens ein Ausrufer um, der die Leute weckt), denn spätestens gegen 4 Uhr ist es wieder vorbei mit der Nahrungsaufnahme. Dass dieser Schlafmangel nicht gerade dazu beiträgt, die Sicherheit im Verkehr zu erhöhen, liegt auf der Hand. Ich war selbst Zeuge der bizarrsten Unfälle, die unter normalen Bedingungen einfach nicht passieren. Der Grund immer wieder derselbe: am Steuer sanft entschlafen!

    Das selbst auferlegte Leiden dokumentiert sich am besten in der Reaktion der Betroffenen selbst: Spätestens eine Woche vor Ablauf des „heiligen“ Monats beklagt sich die Mehrheit und zählt nur noch die Tage, bis endlich der 1. Schawwal erreicht ist. Dann beginnt das Leben erneut. Die islamische Welt steht wieder auf den Füßen.

    Nachtrag: In der besonderen Situation Tunesiens sei mir eine Randbemerkung erlaubt. Nach der Revolution wurden alle einsitzenden Extremisten (soweit es nicht Schwerstkriminelle waren) aus den Gefängnissen entlassen. Sie bilden das harte Rückgrat extremistischer Parteien wie Ennahdha des Sheikhs Rachid al-Ghannouchi. An derem extremem Rand wiederum befinden sich die eingefleischten Salafisten, die bereits Kinos in Brand gesteckt haben, Frauen ohne Kopftuch gern mal an den Haaren ziehen, oder Sommer-leicht bekleidete Mädchen auffordern, sich züchtig zu bekleiden. Da etliche Cafés in den größeren Städten den Nichtbefolgern weiterhin Getränke und Essen anbieten, befürchtet die Polizei nun Anschläge auf solche Orte und hat die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend erhöht. Ich kann nur hoffen, dass diese Maßnahmen von Erfolg gekrönt sein werden, da ich keinen höhnischen Artikel zu einem evtl. Fall in bestimmten Publikationen lesen möchte. Im Jahr 2020 entfällt das natürlich weitgehend wegen Corona.

    Auf den diesjährigen Stand gebracht am 22. Mai 2020.

     

     




    The Unanswered Question

    Umkehrschluss_Blindenzeichen_17_72The Unanswered Question ist nicht nur ein Musikstück des US-Amerikanischen Komponisten Charles Ives, ein Ballett von Eliot Feld, und eine Vortragsreihe von Leonard Bernstein.

    Thematisiert man institutionalisierte Opferrollen und stellt in dem Zusammenhang die Frage nach einem spezifischen Umkehrschluss, so bleibt diese Frage ebenfalls unbeantwortet.

    Die Frage danach, warum sie unbeantwortet bleibt, stelle ich nicht.

    – – –

    Frage:

    Wenn es — bezogen auf die jeweilige Religion oder sonstige Ideologie, nicht auf die Menschen — islamfeindlich (anti-islamisch), judentumsfeindlich (anti-jüdisch), christentumsfeindlich (anti-christlich), was-auch-immer-feindlich wäre, Menschenrechtsverletzungen und Despotismus sowie anderes Unrecht zu kritisieren:

    Was bedeutete dies dann im Umkehrschluss ?

    .


    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D-85356 FREISING
    QS72@gmx.net